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Sultan Murad zuteil geworden: Er hat seinen Sohn ver-

heiratet und seine Schwestern in den Ehestand gebracht


und prächtige Hochzeitsfeiern gehalten. Seine Schwestern
hat er mit Söhnen von Herrschern verheiratet. Und
schließlich war ihm auch ein Ende im Heil vergönnt, und
nach ihm ist dann sein Sohn Sultan Mehmed ein guter und
hochmächtiger Großherr geworden. Und das sind die
sichtbaren Zeichen für ein Ende im Stande des Heils.
(Preis der Macht des Hauses 'Osman.)

Und nun ist die Zeit des Sultans Mehmed Han Gazi
gekommen.
(Ankündigung der Herrschaft des Sultan Mehmed.)

Die Dauer der Herrschaft des Sultan Murad Han Gazif


Sohnes des Sultan Mehmed Elan Gazi, betrug einund-
dreißig Jahre. Und seine Feldzüge und Abenteuer, seine
sämtlichen Begebenheiten und Aussprüche und Taten
— alle diese habe ich, Asiki Dervi Ahmed, selbst
erlebt und erfahren. In aller Kürze nur habe ich sie dar-
gestellt und in diesen Denkwürdigkeiten aufgezeichnet,
Ich habe mich so kurz gefaßt aus dem Grunde, weil sich
alle die Einzelheiten seiner Taten und Aussprüche mit
keiner Zunge verkünden lassen.
Nach ihm also kam die Herrschaft an seinen Sohn
Sultan Mehmed, und zwar im Jahre 855 der Hidschra,
Da ging am ersten Tage des Monats Muharrem Sultan
Murad Han in Allahs Barmherzigkeit ein, und sein Sohn
Sultan Mehmed bestieg den Thron, und zwar war das am
Donnerstag, dem sechzehnten Tage jenes Muharrem,
Wie Sultan Mehmed, Sohn des Sultan
Murad Han Gazi, zu Edrene den Thron seines
Vaters bestieg, wie er dorthin gekommen
und wo er bislang gewesen war,

-Sultan Murad war eines Tages zu einem Ausflug auf


hwel geritten. Als er da auf dem Rückweg zum Samy
stand an der Brücke zur Insel ein Derwisch, und
er näherkam, sprach dieser Derwisch: „O Großherr,
In dich, denn deine Stunde ist nahe!"
BAV|üwie der Hundkar diese Worte des Derwisches
sprach er zu Sarica Pascha, der sich an seiner
Bfeh! befand: „Sarica, sei du mein Zeuge: Ich bereue
meine Sünden!” Und an seiner anderen Seite war
Pascha; auch zu diesem sagte er: „Sei auch du
|Zeuge: Ich bereue alle meine Sünden!"
Da nach fragte der Hundkar den Ishak: „Weißt du etwa,
jener Derwisch ist?”
^i/.-bhäk antwortete: „Mein Sultan, das ist einer der
des Emir Seyyid von Bursa.”
\ So wie der Hundkar in das Saray gekommen war, sagte
1-0 „Mir tut der Kopf weh." Er hatte seinen letzten Willen
au (gezeichnet und den Halil Pascha zum Aufseher
MiOhdlt; zum Vollstrecker hatte er seinen Sohn Sultan
glfehiimd eingesetzt.
|h.>i Tage lang lag er darnieder. Am vierten Tage
man seinem Sohn einen Boten, und am drei-
^fhiUen Tage traf sein Sohn ein. Dreizehn Tage lang
man seinen Tod geheimgehalten. Die Pascha
^feiten von seinem Ableben niemanden etwas wissen. Sie
^htehen den Divan ab und verliehen oder entzogen
td^fen, und die Ärzte gaben sich den Anschein, als führten
feife die Behandlung weiter, und verabreichten Arzneien.
: Äh es dreizehn Tage nach seinem Hinscheiden waren,
■ traf sein Sohn Sultan Mehmed in Edrene ein. Daran er­

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kannte nun das Volk, daß der Hundkär zu Allah abberufWi
worden war.
Den Leichnam seines Vaters sandte Sultan Mehmed..
alsbald nach Bursa. Er hatte einen kleinen Bruder, d<t-& -
Sohn der Tochter des Isfendiyar; diesen sandte er Im ?
Grab. Er ließ die Trauernden ihre Trauer halten und
nahm selbst die Zügel des Befehlens und Herrschens üt:>
seine Hand.
Eines Tages kam plötzlich die Kunde, daß dem Kara«
man-Sohn Ibrahim der Bauch geplatzt und ihm clh
rechtes Raubgesindel von Söhnen geboren worden sd».
Einen Sohn gesellte er dem bei, den er für den Germiyaih /
Sohn ausgab, und sandte ihn nach Kütahya; den zwciU’R j
schickte er in das Land des Aydin-Sohnes; vom drittelt
behauptete er, das sei der Mente?e-Sohn, und schickte
ihn in dieses Land. Er selbst zog nach 'Aläya.
Als Sultan Mehmed diese Kunde vernahm, bekleidete er ?
den Ishak Pascha wieder mit einem Ehrengewand und
verlieh ihm die Würde des Beglerbegi von Anatolkitij ;
dann sandte er den Ishak Pascha ab, und Sultan Mehmed
selber bestieg das Pferd der Macht und zog aus. Er begab
sich nach Bursa. Da flohen die Räubersöhne, die der
Karaman-Sohn in die Welt gesetzt hatte, allesamt davon
und verkrochen sich wieder im Bauch ihrer „Mutter1’,
Sultan Mehmed zog weiter und rückte vor Ak^chif«
Ak?ehir samt seinem Gebiet wurde erobert. Der Hundkur
zog weiter und wandte sich nach Konya. Da begann dtT
Karaman-Sohn Ibrahim wieder zu weinen und zu flehen i
„Ich tue Buße für meine Sünden und bereue, was ich.
getan habe!” So sagte er und sandte den Pascha bil<b
schöne Florinen. Und diese Goldstücke sind gar hitzige1
Dinger, und die §eyh und die Dani§mend und die Pascha,
denen sie vor die Augen kommen, schämen sich. Und
weil sie sich also schämten, kamen nun die Pascha zum
Hundkär und sagten: „Dein Vater und dein Ahn sind

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dieses Land Karaman gekommen und haben es zur
Ganze erobert und in Besitz genommen. Und dann haben
doch Barmherzigkeit walten lassen und diesen ihr
z.urückgcgeben und sind wieder in ihr eigenes
zurückgekehrt. Mein glorreicher Sultan, nun sagt
Karaman-Sohn, daß er dir seine Tochter geben und
jedes Jahr Heerfolge leisten will. Da steht zu
Oisdfcn, daß auch du, mein Sultan, Barmherzigkeit üben

" Ah der Sultan von den Pascha diese Rede horte,


IlHiligtc er ein. Er bestätigte den Karaman-Sohn wieder
Miü Ikfiitz seines Gebietes, kehrte um und zog wieder in
eigenes Land zurück.
(Ole Epoche eines neuen mächtigen Herrschers und
siegreichen Glaubensstreiters bricht an.)

WH Was Sultan Mehmed Han Gazi tat, als er


aus Karaman zurückgekehrt war, und welche
Bauten er aujßühren ließ.

Er wollte bei Gclibolu nach Rumelien übersetzen, aber


Sagtt- Ihm ■’ »Mein glorreicher Sultan, es sind Giaurcn-
hWhdfo gekommen und haben die Meerenge von Gclibolu
f-^pyrrt.”
M nahmen also den Hundkär und führten ihn nach
^jfoiVarli. Oberhalb von Istanbul lagerten sie an der Meer-
SWgö bei Ak<?ahisar, und dort, wo auch sein Vater über-
war, ging er nach Rumelien hinüber und lagerte
^g^genüber von Ak^ahisar,
T; sprach zu Halil Pascha: „Lala, hier brauche ich eine
Kurz, er gab an Ort und Stelle den entsprechen­
ix^ cu Befehl, ließ die Burg erbauen, und sie wurde vollendet.
Dann sandte er den Akfayh Mehmed Beg ab mit dem
„Los, ziehe hin und schließe Istanbul ein!”

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Mehmed Beg zog hin, holte vor den Toren der Stadt iL fohner fliegen und rückten heran. Am Fuße der Mauern
die Leute weg und trieb das Vieh aus den Dörfern. feigen sic ins Meer und schlugen eine Brücke über das
ringsum fort. Dem Tekür wurde gemeldet: „Der Türke
hat uns ins Herz getroffen, hat uns das Haus über den) Füüfzig Tage lang wurde tags und nachts gekämpft, und
Kopf eingerissen! ” idn und fünfzigsten Tag gab dann der Hundkär die
Der Tekür sagte: „Die Freundschaft zwischen uns i?H. Ä.ÄUd.t zur Plünderung frei. Die Gazi stürmten, und am
wie die Freundschaft zwischen dem Falken und der Krähe/’ wurde die Festung genommen. Da gab es gute
Und er sprach: „Wenn es für uns noch ein Mittel gibt, Gold und Silber und Juwelen und kostbare Stoffe
uns vor diesem Türken zu retten, so müssen wir wieder ILWwden auf den Markt im Heerlager gebracht und in
einmal unseren Freund Halil Pascha darum anflehen. aufgestapelt; all dieses wurde nun feilgeboten.
Nun, man muß dem Halil Pascha ein paar Fischldn Giauren von Istanbul wurden zu Sklaven gemacht,
schicken.” schönen Mädchen wurden von den Gazi in die
Sie füllten diesen Fischen die Bäuche mit Florinen ab genommen. Am Mittwoch wurde Halil Pascha mit
und sandten sie zum Halil Pascha. — Der Tekür hatte aber Schien Söhnen und seinen Verwaltern zur Aufsicht über
einen Wesir, Kir Luka geheißen, der sagte: „Fla, <htr Festung eingesetzt.
Halil schluckt den Fisch und Ihr habt gar keinen Nutzen /: Darüber gäbe es viel zu erzählen, aber ich Geringer
davon, denn der denkt längst nicht mehr daran, buch Zü kurz gefaßt, weil diese Dinge ja allbekannt
helfen.” was dem Halil Pascha widerfuhr.
Man brachte also dem Halil die Fische. Der legte dk* ■ O-P Kutz, am ersten Freitag nach der Eroberung wurde in
Eingeweide der Fische in seine Geldtruhe und willigU Aya Sofya das Gemeinschaftsgebet verrichtet und die
ein in das, was die Giauren vorbrachten. Er begab sieh fische Freitagspredigt im Namen des Sultan Mehmed
zum Hundkär und unterbreitete ihm viele Worte wegen Hast gehalten, Sohnes des Sultan Murad Han Gazi,
der Giauren. Der Hundkär sagte: „Ha, Lala, laß es nur selbst wieder der Sohn war des Sultan Mehmed Gazi
Sommer werden, dann wollen wir schon sehen! Was,-. und dieser der Sohn des Sultan Bayezid, und dieser
Allah befiehlt, das werden wir tun.” Su.hn des Murad Hundkär Gazi Han, und dieser der
Man war seit langem schon dabei, die Rüstungen füg des Orb an Gazi Han, und dieser der Sohn des 'Osman
die Eroberung der Stadt selbst zu treffen. Sowie alfi?§. Hau, und dieser der Sohn des Ertugrul Gazi Han,
bereit war, kam auch der Sommer, und Sultan Mehmed dieser wieder der Sohn des Sultan Süleyman §ah
sagte: „Heuer verbringe ich den Sommer zu Istanbul D Han, also aus dem Geschlecht des Gök Alp, des
Sie rückten hin und legten sich vor die Mauern vott ; flfehüefi des Oguz Han. Deren Stammbaum habe ich ja
Istanbul. Vom Lande her und mit Schiffen vom Met’h? ersten Kapitel aufgezeichnet und dargetan.
her schlossen sie es ringsum ein. Vierhundert Schilfe Oh-Jicr Sieg wurde im Jahre 8^7 der Hidschra von
rückten auf dem Meere vor und siebzig Schiffe segclu-ü Mehmed Han errungen.
oberhalb von Galata über das feste Land. Die Stt'dL
scharen standen bereit zum Kampf; sie ließen ihrs /

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i 24 Wie Istanbul, das bei der Einnahme zerstört | vergebt, soll als freier Besitz gelten.” Fortan verlieh man
worden war, wieder zu einer blühenden Stadt I zu jedem Haus, das vergeben wurde, eine Besitzurkunde,
wurde. f und die Bewohner verfügten darüber als ihr Eigentum.
! Als dies so gehandhabt wurde, begann die Stadt wieder
Nachdem Sultan Mehmed Han Gazi Istanbul einge­ j aufzublühen. Man ging daran, Moscheen zu errichten,
nommen hatte, übertrug er das Amt des Suba^t dort- 1 die einen bauten Derwischklöster und die anderen
selbst seinem Knechte Süleyman Beg. Und in alle seine Eigenhäuser, und die Stadt erlangte wieder ihren früheren
Länder sandte er Boten mit dem Aufruf: „Wer Lust hat, Zustand.
soll kommen und zu Istanbul Häuser, Weinberge und 4 Dann kam zum Großherrn ein neuer Wesir, der der
Gärten in Besitz nehmen!” Und er beteilte jeden, der 4 Sohn eines Giauren war, und gewann des Großherrn
da kam. Die Stadt war aber damit noch nicht wieder­ j höchstes Vertrauen. Dei' Vater und die Freunde dieses
bevölkert. 4 Wesirs waren lauter Giauren, die seit altersher in
Nunmehr erließ der Großherr den Befehl, aus jedem d Istanbul ansässig waren. Sie kamen nun zu ihm und sagten:
Lande Familien herbeizuschaffen, arme wie reiche. Zu 4 „He, was tut ihr? Diese Türken haben die Stadt wieder
den Kadi und Suba§i jedes Gebietes wurden Knechte mit 4 zur Blüte gebracht! Hast du denn gar keine Ehre? Die
diesem Befehl entsandt, und diese hoben der Weisung 4 Heimat deines Vaters und unsere Heimat haben sie uns
entsprechend zahllose Familien aus und brachten sie 4 da weggenommen und schalten und walten darin vor
herbei. Auch diesen wurden Häuser gegeben, und nun­ 4 unseren Augen. Du bist doch der Vertraute des Groß-
mehr begann sich die Stadt zu bevölkern. (; herrn; setze also alles daran, daß die Leute davon ab-
Auf die Häuser, die man diesen Leuten gegeben hatte, p lassen, diese Stadt wieder zu bevölkern — dann bleibt
legte man dann einen Pachtzins, und das kam die zuge­ ?? sie wie früher in unserer Hand!”
wanderten Bewohner hart an. Sie sagten; „Habt ihr uns Der Wesir sagte: „Wir wollen ihnen den Pachtzins,
aus unserem Besitz ausgehoben und hierhergebracht, j den man seinerzeit eingeführt hatte, wieder auferlegen;
nur damit wir für diese Giaurenhäuser hier Miete be­ 1 dann werden diese Leute schon wieder aufhören, Eigen-
zahlen sollen?” Und viele ließen Weib und Kind im Stich | häuser zu bauen, und auf diese Weise wird die Stadt
und machten sich wieder davon. ? wieder in Verfall geraten und schließlich in den Händen
Sultan Mehmed hatte einen Knecht, der war Kula j unseres Volkes bleiben!”
§ahin geheißen und hatte schon seinem Vater und seinem t Bei irgendeiner Gelegenheit beredete der Wesir den
Ahn gedient. Dieser sagte zum Großherrn: „Ei, mein < Großherrn, und dieser führte den Pachtzins wieder ein.
glorreicher Sultan, dein Vater und dein Ahn haben so ; Er unterstellte diesem unheilstiftenden Giauren einen
viele Länder erobert, aber in keinem haben sie einen s- . guten Muslim und ließ alles, was dieser hinterhältige
Pachtzins eingeführt!' Das ist auch deiner nicht würdig, t . Giaur sagte, als Gesetz aufschreiben.
mein Sultan.” {■ Frage- Wer war denn dieser Wesir?
Der Großherr gab ihm Gehör und hob den Pachtzins i ... Antwort: Das war der Grieche Mehmed Pascha, den
auf. Er ließ den Befehl ergehen: „Jedes Haus, das ihr f. der Großherr später wie einen Hund erwürgen ließ.

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Frage: Welche Bauten errichtete Sultan Mehmed Han
Gazi zu Istanbul?
Antwort: Er erbaute acht Medrese, in der Mitte eine
große Freitagsmoschee und gegenüber der Moschee ein
stattliches Tmaret und ein Krankenhaus, und hinter jeder
Medrese einen dazugehörigen Wohnbau für die hohen
Schüler. Und ferner ließ er beim Grabe des heiligen
Eyyub-t Ensarl ein Tmaret und eine Medrese und eine
Freitagsmoschee errichten und über dem Grab selbst eine
prächtige Türbe.
(Preis der Macht des Herrschers.)

Wegen jenes Pachtzinses hörten nunmehr die Leute


auf, den Wiederaufbau von Istanbul fortzusetzen. Daß
also dieser Pachtzins, der jetzt besteht, eingeführt worden
ist, daran ist dieser Griechen-Mehmed schuld.

12^ Wie Enez erobert wurde und wer den Anlaß


dazu gab.

Eines Tages kam der Kadi von Fe re zum Hundkär, um


Bericht zu erstatten über sein Gebiet, wie es dort zugehe
wegen der Giauren von Enez. Er begab sich zum Groß­
herrn, um ihm die Hand zu küssen, und nach dem Handkuß
sagte er zum Großherrn: „Mein glorreicher Sultan, im
Gebiet von Fere und Ipsala herrscht allenthalben gar
großer Kummer aus dem Grunde, weil die Giauren von
Enez verhindern, daß die Muslims ihre Sklaven zum
Dienst verwenden. Der Sklave läuft davon und geht
nach Enez hinein, und wenn sein Herr ihm nachgeht, so
fertigen sie diesen — wenn er einer ist, den sie vom
Sehen her kennen — mit einer Kleinigkeit ab; im anderen
Fall aber schlagen sie ihn und jagen ihn davon oder machen
ihn noch selber zum Sklaven. Mein Sultan, und dabei ist

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doch dieses Enez seit eh und je ein Hoheitsgebiet von
Istanbul, denn seine Bewohnei' gehören dem Volke des
Tekür von Istanbul an 1”
Der Großherr sagte: „Mevlänä, Allah wird schon Ab­
hilfe schaffen!”
Sowie aber der Kadi gegangen war, ließ der Großherr
seinen Knecht Hass Yunus kommen und sprach: „Höre
mal, Yunus, gehe gleich zum Hafen und sage den Kapi­
tänen Bescheid, sie sollen zehn tüchtige Galeeren aus­
rüsten mit meinen Kriegsknechten und den vorhandenen
‘Azab, und zwar sollen sie gute Zurüstung treffen und
dann hinfahren und in den Hafen von Enez einlaufen; und
solange sie nicht dorthin gelangt sind, sollen sie nie­
mandem gegenüber etwas verlauten lassen! Ich selber
ziehe auf dem Landweg gegen Ipsala,”
Yunus Beg führte den Befehl, den ihm der Großherr
erteilt hatte, alsbald aus. Danach befahl er sich in Allahs
Hand und brach auf; er gelangte an Ort und Stelle und
lief in den Hafen von Enez ein. Und inzwischen zog der
Großherr auf der anderen Seite nach Ipsala.
Als der Tekür von Enez sah, wie der Türke zu Lande
und zur See angerückt kam, sagte er zu den Giauren, die
um ihn waren: „He, ihr Giauren, der Türke will mich
zum Sklaven machen!”
Sogleich nahm er sein Geld und sein Weib und seine
liebliche Tochter und führte sie zum Hundkär; und auch
alle seine Ritter brachte er mit. Der Großherr wiederum
gab dem Tekür und seinen Rittern gute Lehen. Die nun­
mehr leerstehenden Häuser der Stadt schenkte er den
Muslims, die aus der Umgebung herbeikamen. Er
machte auch viele Kirchen zu Moscheen und wandelte
ihre Glockentürme zu Minare um.
Und gegenüber der Stadt lag eine Burg auf einer Insel,
Tasoz genannt; auch diese eroberte er. Und noch eine
Insel ist dort, Limoz genannt; diese nahm er gleichfalls

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ein. Kurz und gut, er eroberte das gesamte Gebiet von von Bosnien ist die Tochter des Despoten; sie ist unsere
Enez und nahm es in Besitz. Herrscherin.”
Dieser Sieg wurde in den Jahren 857 und 8^8 der 'Isa Beg sagte: „Ha, ihr dummen Giauren! Der Groß­
Hidschra von Sultan Mchmcd Han Gazi errungen. herr, der da gegen dich gezogen kommt, ist Sultan
(Preis des Gazi-Sultans.) Mehmed Han Gazi! Habt ihr nicht gesehen, was er mit
Istanbul gemacht hat? Jetzt sagt also, was ihr zu sagen
habt!”
126 Wie Nigöbri erobert wurde und in wessen Der Burghauptmann sagte: „Er soll einmal kommen,
Hand es bislang gewesen war. dann wollen wir schon sehen.”
Daraufhin kam also der Großherr glorreich herange­
Es war in der Hand des Despoten Vilk-Sohn. Als jener zogen, legte sich vor die Burg und begann den Kampf.
Despot starb, sandte 'Isa Beg, der Sohn des Ishak Beg, Am fünften Tage wurde die Burg eingenommen. Man
dem Großherrn Nachricht, und der Großherr ließ dem fand einen gewaltigen Silberschatz des Vilk-Sohnes und
'Isa Beg sagen: „Ich habe den Wunsch, das Land des Laz, schaffte ihn in die Schatzkammer des Großherrn. In die
wenn Allah es gewährt, wiederum dem Volke des Islams Burg legte man Muslims, und diejenigen von den Giauren,
zu gewinnen. Nun kennst du dieses Land seit altersher; denen man traute, beließ man an ihren Plätzen; mit den­
gib mir also Kunde, auf welche Weise man dorthin jenigen, denen man nicht traute, verfuhr man nach Ge­
ziehen kann.” bühr.
'Isa Beg sandte folgende Antwort: „Mein glorreicher Dann zog man gegen die Burg von Trebce. Als man
Sultan, jetzt ist die Gelegenheit da! Kommet nur dort eintraf, wurde alsbald die äußere Burg erobert.
hierher — ganz gleich, auf welche Weise!” Auch dort fand man viel Geld; man nahm es weg und
Der Großherr bot die Streitmacht des Islams auf, schaffte es in die Schatzkammer des Großherrn. Um die
MM weihte sich dem Glaubenskampf und brach auf. Diesseits Zitadelle der Burg wurde mehrere Tage gekämpft, und
von Üsküb zog er über das Karatonlu-Gebirge auf die auch sie wurde schließlich eingenommen. Auch dort
andere Seite hinüber. Dort kam 'Isa Beg und stieß zum fand man derart viel Geld, daß dessen Menge und Zahl
Hundkär. nur Allah weiß.
Der Großherr sandte den 'Isa Beg aus, um hinzugehen Abseits von dort lag eine kleine Burg; gegen diese
und die Burg aufzufordern. 'Isa Beg zog also hin und for­ wurde der Evrenoz-Sohn Isa Beg abgesandt. Bevor der
derte den Burghauptmann zur Übergabe auf. Dieser Evrenoz-Sohn hingelangte, hatten die Giauren die Burg
sagte: „'Isa Beg, nach unserem Glauben ist es verboten, in Brand gesteckt, waren geflohen und hatten die Burg
an seinem Herrscher zum Verräter zu werden.” leer zurückgelassen.
'Isa Beg entgegnete: „Ha, du Einfaltspinsel, dein Herr­ Der Hundkär entließ den 'Isa Beg und zog selbst
scher ist doch schon tot! Wen meinst du also mit deinem weiter über Izbe^en. Zu Kosova verteilte er in dem
Herrscher?” Zelte, wo der Gazi Hundkär als Blutzeuge gefallen war,
Der Burghauptmann antwortete: „Das Weib des Königs Geschenke und ließ Frei mahl er bereiten, die zum Heile

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seiner Seele und der Seelen der Gazi verzehrt wurden. zu der Karaca hatte übersetzen wollen, ein gewaltiges
Giaurenheer kam und sich dort lagerte, mit dem ver­
(Preis der Macht des Sultans.)
fluchten Yanko an der Spitze. Und zu gleicher Zeit
Dieser Sieg wurde im Jahre 858 der Hidschra von brachten sie auf dem Wasser zahllose Schiffe daher.
Sultan Mehmed Han Gazi errungen, dem Sohne des Kurz und gut, der Kampf wurde nunmehr von beiden
Sultan Murad Han Gazi. Seiten heftiger geführt.
Eines Tages nun, während Karaca Beg gerade von den
Gräben aus die Burg beschoß, kam unversehens aus der
127 wie Sultan Mehmed Han Gazi gegen Burg eine Mörserkugel geflogen und schlug in das Ge­
Belgrad zog, was er dort tat und wie es bälk seiner Schanze. Die Schanzbalken stürzten ein und
ausging. trafen den Karaca Beg, und er fiel als Blutzeuge.
Inzwischen kämpften die Schiffe auf dem Wasser, und
Er bot das Heer des Islams auf, weihte sich dem unversehens wurden auch mehrere von den Schiffen
Glaubenskampf und brach auf gegen Belgrad. Zu gleicher vernichtet.
Zeit ließ er auch auf dem Donaustrom Schiffe dorthin Der Hundkär gebot: „Hei, ihr Gazi, es heißt stürmen l”
fahren. Von dem kupfernen Roß und dem närrischen Man lief Sturm, und die Knechte des Hundkär selbst
Kreuz und den Glocken, die er alle in Istanbul hatte zer­ rannten gegen die Burg an. Aber die von Rumelien
schlagen lassen, hatte er Kanonen gießen lassen. Mit übten allesamt Verrat und stürmten nicht. Indessen
diesen Kanonen begann er den Kampf, als er nun vor legten die Knechte Hand an die Burg. Als die Giauren
Belgrad eintraf, sahen, daß der Sturm von dieser Seite her gelaufen wurde,
Dayi Karaca, der Beglerbegi von Rumelien, sagte zum warfen sie sich allesamt den Knechten entgegen. Aber
Hundkär: „Mein glorreicher Sultan, gib mir, deinem die Knechte schlugen sie ärschlings in die Flucht, er­
Knechte, die Erlaubnis, daß ich über die Donau gehe legten auch mehrere von ihnen.
und mich gegenüber der Burg festsetze.” Da bestieg der Großherr sein Pferd und sagte: „Hei,
Mit dieser Rede waren die Beg von Rumelien nicht ihr Gazi, was zögern wir noch?” Und alsbald stürmte er
einverstanden, weil sie meinten: „Wenn es dazu kommt, auf die Giauren ein und drang vor. Ihm zur Seite standen
daß Belgrad genommen wird, dann müssen wir uns auf die die Fremdenkämpen bereit; sie sprengten mit dem Groß­
Landwirtschaft verlegen; denn andernorts haben wir ja herrn vorwärts. Einen Teil der Giauren warfen sie in
keine Feinde mehr. Wenn wir jetzt auch noch diese die Burg zurück, die meisten aber erschlugen sie. Es
Burg einnehmen und diese Handvoll Giauren davon­ gab einen heftigen Kampf, aber dann wurde es offen­
jagen — was wird dann aus uns?” kundig, daß die von Rumelien Verrat übten, damit die
Sie schmiedeten also Ränke, um die Eroberung von Burg nicht erobert werde.
Belgrad zu hintertreiben. Sie hatten eben gar keine Da zog der Großherr von dort ab und kehrte glorreich
Freude daran, daß Belgrad genommen werden sollte. in sein eigenes Land zurück.
Eines Tages sah man plötzlich, daß in jene Gegend, (VerherriiciHing des Glaubenskämpfertums.)
Dieser Feldzug fiel in das Jahr 86o der Hidschra, Und Wort des Herrn vor, und die ‘Ulemä, die da saßen,
im gleichen Jahre erschienen zwei große Kometen, der erläuterten die Abschnitte, die da vorgetragen wurden,
eine im Westen und der eine im Osten. und man erging sich in wissenschaftlichen Gesprächen.
Dann wurde den Vortragskünstlern die Erlaubnis er­
teilt, und sie trugen gar zierliche und vortreffliche

•4

I 28 Wie Sultan Mehmed Han Gazi die Beschnei­ Lobgedichte und Liebeslieder vor, und man ergötzte sich,
dungsfeier Jiir seine Söhne Bavezid Han und wie es einem Großherrn geziemt. Danach wurden mit
Mustaja Qelebi veranstaltete und wo diese der Erlaubnis des Großherrn Tafelrunden eingerichtet
Feier abgehalten wurde. und gastlich gespeist. Nach der Tafel traten wieder
Vortragskünstler auf. Darauf wurde der Koran rezitiert.
Er ließ den Sultan Bayezid herbeirufen, der seinen Und danach wurde Zuckerwerk aufgetragen und vor
BH
»iS
Sitz zu Amasya hatte, und auch den Mustafa Qelebi, der
seinen Sitz zu Ma'nisa hatte. Beide kamen nach Edrene,
jeden der 'Ulemä ein Tablett hingesetzt; und deren
Diener durften sich ihre Tragtücher anfüllen. Auch ich
ImHiI
und die Anstalten zur Feier wurden getroffen. Geringer füllte ein Tragtuch und gab es meinem Diener.
Nach allen Seiten wurden Festbitter entsandt, und Und danach geruhte der Großherr, diesen hochwürdigen
■■ sämtliche Bannerherren und die Großen und Würden­ Männern Geschenke und Prunkgewänder zu spenden.
»i Find viele, die arm gekommen waren, gingen als Reiche
träger jeder Stadt kamen herbeigeströmt und lagerten
sich in dichter Menge in der Umgebung von Edrene. wieder fort, dank der Macht und Pracht dieses Großherrn.
g Und manche Truppen waren mehrere Tagreisen weit (Preis der Freigebigkeit des Sultans.)
zum Fest herbeigekommen; sic hatten dazu Urlaub er­
halten. Am zweiten Tage wurden dann die Derwische ein­
Die Prunkzelte und Wohnzelte des Großherrn wurden geladen. Auch ihnen wurde hohe Ehre erwiesen, auch sie
auf der Insel aufgeschlagen, und der Großherr zog erhielten vom Großherrn Geschenke jeweils nach ihrem
glorreich auf die Insel hinüber und ließ sich dort nieder. Rang, und auch sie führten ihre Darbietungen nach den
Dann wurde Nachricht gegeben, und von allen Seiten Regeln der Derwische vor. Der Großherr fand höchsten
kamen die Angehörigen der verschiedenen Stände jeweils Gefallen daran.
an einem anderen Tag hinüber. Am dritten Tage wurden dann die weltlichen Würden­
Zuerst wurden die 'Ulemä des Reiches hingeladen. träger des Reiches eingeladen, und auch für sie wurde
Und der Großherr kam, bestieg den Thron des Sultanats nach der großherrlichen Satzung Unterhaltung und Gelage
und ließ sich nieder. Zu seiner Rechten saß Seine Eminenz veranstaltet.
Mevlänä Fahreddtn und zu seiner Linken Seine Eminenz Und mehrere Tage ließ man Pferde um die Wette
Mevlänä Tust; gegenüber dem Großherrn saß Seine laufen und verteilte unzählige Siegespreise. Kurz und
Eminenz Mevlänä §ükrülläh, und an dessen Seite Seine gut, keines dieser Rennpferde ließ man leer ausgehen.
Eminenz Hizir Beg Qelebi. Nachdem der Befehl dazu So wie jeder Herrscher, der ein Fest feiert, hiebei das
ergangen war, trugen die Koransänger das erhabene o ’ ist, auf daß man seine Macht
bietet,7 was seiner würdig

14 Hii'tcnzelt 209
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und Pracht ersehe, so tat auch dieser Großherr seine er Geldschätze und Gefangene und nahm sie in Besitz,
Macht und Pracht in aller Vollkommenheit dar. und die Gazi machte er alle reich. Schließlich zog er von
(Preis der Freigebigkeit des Herrschers.) dort wieder nach Üsküb.
Zu der Zeit, da der Großherr gegen Morea gezogen
Dieses gesegnete Fest fiel in das Jahr 861 der Hidschra war, hatte er den Mahmud Pascha ausgesandt, um den
und fand zu Edrene auf der Insel im Merit?-Flusse statt. Rest des Landes des Laz zu erobern. Auf dieser Seite
brach also Mahmud Pascha auf, und er nahm die Burgen
Güvercinlik und Sava und Görece und Brann? und noch
129 Wie Sultan Mehmed Han Gazi gegen das viele andere Burgen und eroberte jenes Land zur Gänze.
Land Morea zog, was er dort tat und wie es Und die Sperrfeste oberhalb von Belgrad, die Sultan
erobert wurde. Murad Han hatte anlegen lassen, die setzte Mahmud
Pascha wieder instand und machte sie noch fester. Dann
Eines Tages kam ein Mann aus Serüz nach Balhpatra brach er auf und rückte nach Yelliyurd, und von dort kam
und sah dort, wie die Giauren mehrere muslimische er nach Üsküb und stieß zum Hundkär.
Weiber für sich arbeiten ließen und sie gar gewalttätig Alsbald wollte man dem siegreichen Heere Urlaub
behandelten. Der Mann fragte diese Weiber: „Ach, ihr geben, aber Mahmud Pascha sagte: „Mein glorreicher
Armen, wie seid ihr denn in das Land dieser Glaubens­ Sultan, es heißt, daß die Ungarngiauren ihre Truppen
feinde verschlagen worden, daß ihr diesen Giauren dienen zusammengezogen haben und im Begriff stehen, hierher­
müßt?” zukommen.”
Die Weiber sagten: „O Mann, noch viele solche Arme Während man nun die nötigen Vorkehrungen traf, kam
wie wir sind hier in der Knechtschaft, und was wir zu die Kunde, daß der Ungar mit gewaltiger Heeresmacht
erdulden haben, das weiß nur Allah und sonst niemand!” aus Belgrad herangezogen komme. Als der Großherr
Und dabei weinten sie. diese Nachricht vernahm, gab er den Truppen von
Danach kam dieser Mann geradenwegs nach Edrene. Anatolien Banner für Banner höhere Handgelder, und es
Er ging zum Großherrn, erzählte von diesen Weibern wurde befohlen, daß die Streitmacht des Islams nach
und berichtete ausführlich alles, was er dort gesehen Boivan rücken und ein Teil des Heeres vorausziehen und
hatte. Und als der Padischah diesen Bericht hörte, er­ erkunden solle, in welcher Richtung die Giauren vor­
faßte ihn der Glaubenseifer. Er bot sogleich seine ge­ stießen.
samte Streitmacht auf, weihte sich dem Glaubenskampf Auch der Großherr traf Rüstungen, um aufzubrechen.
und brach nach dem Lande Morea auf. Da kam ein Eilbote, daß das Giaurenheer nach Tahtah
Er zog geradenwegs nach Korfoz und eroberte es, gekommen sei. Durch die Gnade Allahs stand aber nun
sowie er dort eintraf. Und jede Burg, vor die er rückte, zu Tahtah eine große Zahl von Gazi bereit, und die
ließ Allah der Allerhabene diesem Sultan Mehmed Gazi Giauren wußten nichts von diesen Gazi und stürmten
anheimfallen. Auf diesem Feldzuge wurde das Land sogleich auf Tahtah los, um die Stadt zu plündern. Das
Morea zur Gänze erobert. Und in allen Burgen erbeutete Giaurenheer zerstreute sich nach allen Seiten zum

210 14* 211


Plündern und löste sich auf. Da riefen die Gazi „Allah ist 130 Wie die Burgen Misivri und Levendire und
groß!” und stürmten mit einem Schlage gegen die große Yildiz, die Schlüssel zum Lande Morea,
Fahne dieser Giauren vor. Als die Giauren sahen, daß eingenommen wurden.
muslimische Krieger hier waren, dachten sie gar nicht
mehr ans Kämpfen. Mit Allahs des Allerhabenen Hilfe Die Befestigung von Germe, die am Eingang nach
und Gunst wurden die Giaurentruppen geschlagen. Groß Morea lag, hatte Sultan Murad Han Gazi geschleift.
ist Allah! Die Gazi erschlugen zahllose Giauren und Dann aber kam zur See ein Giaurenheer hin und baute
nahmen auch mehrere große Bane gefangen. die Festung wieder auf, und die Muslims, die in jenem
Zum Hundkär kam ein Eilbote mit der Kunde von der eroberten Land lebten, waren nunmehr von dieser Sperr­
Niederlage der Giauren. Und nach etlichen Tagen brachte mauer eingeschlossen. Als zu Sultan Mehmed Han Gazi
man ihre Fahnen und ihre Bane, die dort gefangenge­ die Nachricht kam, daß die Giauren vom Meere her ge­
nommen worden waren. Von jenem Giaurenheere kommen waren und die Befestigung von Germe wieder
hatten sich nur wenige retten können; die meisten aufgebaut hatten, so daß die Muslims im Inneren des
hatten über die Klinge springen müssen und waren er­ Landes nunmehr abgeschnitten waren, da sandte der
schlagen worden. Großherr alsbald den Mahmud Pascha aus.
Danach wurde der Streitmacht des Islams Urlaub Mahmud Pascha brach mit der Streitmacht von Rume-
gegeben. Und bis zu jener Zeit waren von den Ra’äyä lien auf und zog geradenwegs gegen Germe. Einige Tage
als Grundsteuer jeweils zweiundzwanzig Silberlinge einge­ später brach auch der Großherr auf und zog hinter
hoben worden; da aber dieser Feldzug nun in so ferne Ge­ Mahmud drein. Mahmud rückte vor und gelangte in die
genden führte, hieß der Großherr die Lehensreiter jeweils Nähe der Befestigung von Germe. Der Bannerherr von
zweiunddreißig Silberlinge einheben und erließ darüber Morea war dazumal Sinan Beg, der Sohn des Elvan Beg;
einen Befehl. Damals also ist diese Ackersteuer von er hatte sich in die Burg von Korfoz gelegt und blieb
zweiunddreißig Silberlingen eingeführt worden, die heute dort. Als er nun hörte, daß Mahmud Pascha angerückt
noch eingehoben wird. komme, teilte er es sämtlichen Muslims mit und machte
Auch ich Geringer war damals nach Üsküb gegangen selber Ausfälle aus seiner Burg.
in der Hoffnung auf die Gunst des Großherrn, und sie Die Giauren zu Germe hatten ihre Spitzel; diese
wurde mir im Überfluß zuteil. Und auch Mevlänä kamen und berichteten den Giauren: „Der Türke rückt
Giiräni war wiederum aus Arabien gekommen; ihm an und ist bereits zur Stelle, mit gewaltiger Heeresmacht.
wurde auf jenem Feldzug das Amt des Kadi von Bursa Seine Vorhut trifft heute morgen hier ein!”
verliehen. Da wandten sich die Giauren zur Flucht, Sinan Beg
aber rückte aus seiner Burg aus. Die Giauren wußten
(Preis der Macht des Sultans.)
ganz genau, daß der Türke sie schlagen werde. Ihre
Dieser Sieg im Glaubenskampfe wurde in der letzten Schiffe standen am Meeresstrand bereit, und so schifften
Zeit des Jahres 861 der Hidschra von Sultan Mehmed sie sich ein.
Han Gazi und von seinem Knecht Mahmud Pascha errungen. Dem Mahmud Pascha wurde gemeldet: „Die Giauren

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rüsten zur Flucht; nur einige wenige Schiffe fahren Nun hatte zu jener Zeit der Bruder des Mahmud
bereits!” Da wählte Mahmud Pascha von den Gazi ein Pascha seinen Sitz zu Semendire, und ihm hatte man ganz
paar hundert wackere Kampfgefährten aus; sie eilten im Semendire übertragen. Der König sandte also auch dem
Sturmritt voraus und überraschten die Nachhut der Bruder des Mahmud Pascha einen Boten mit der Nach­
Giauren, als sie gerade noch im Begriffe war, sich ein­ richt: „Ich gebe Semendire dem Großherm der Türken.”
zuschiffen. Sie hielten eine große Menge von Giauren Mahmud Pascha und sein Bruder sandten allezeit einer
noch zurück und fingen sie lebendig, dem anderen Nachricht durch Boten. Dieser war damit
Mahmud Pascha blieb in jener Gegend, bis der Groß­ einverstanden, Semendire zu übergeben, und sie hatten
herr selbst herankam und zu ihm stieß. Dann zog der dem König von Bosnien so lange zugeredet, bis er ein­
Großherr von dort weiter, und sie eroberten nun die willigte, Semendire herzugeben. Kurz und gut, sie
Burgen Misivri und Levendire und Yildiz. Kurz und gut, waren also einverstanden, Semendire zu übergeben.
auf jenem Feldzug wurden sechs Burgen eingenommen, Der Bruder des Mahmud Pascha sandte nun dem König
die allesamt zum Bereich von Morea gehörten. Und Nachricht: „Ich übergebe Semendire dem Türken samt
zwar wurde dieses Gebiet Karlieli genannt, und die dem ganzen Kriegsgerät.” Und andererseits sandte er gleich
Herren dieser eroberten Burgen hieß man Karli-Söhne. einen Boten an seinen Bruder und ließ ihm sagen: „Sendet
Dieser Karli-Sohn war übrigens zum Großherm ge­ Leute her, daß sie kommen und die Burg in Besitz
kommen, und man hatte ihn zum Tode befördert. nehmen!”
Danach zog man zurück und kam dabei durch das Gebiet Bevor der Hundkar nach Izvomik gelangte, wurde die
von Agnboz; auch dieses merkte man sich für später vor. Burg von Semendire den hingesandten Leuten übergeben.
Dieser Sieg im Glaubenskampf wurde im Jahre 864 Sie zerschlugen dort alle Glocken und wandelten die
der Hidschra von Sultan Mehmed Han Gazi errungen. Kirchen zu Moscheen um. Darinnen wurde nun die
Und kurz vorher im gleichen Jahr ereignete sich in Bursa islamische Freitagspredigt gehalten, im Namen des
eine Feuersbrunst, bei der viele Muslims samt ihrem Sultan Mehmed Gazi.
Besitz zugrunde gingen. Mit der Hilfe und Gnade Allahs des Allerhabenen
wurde das Land des Laz zur Gänze erobert.
(Endlich ist also der völlige Triumph des Islams über das
131 Wie Semendire erobert wurde. Land des Laz mit seinen schönen Mädchen errungen,
unter Sultan Mehmed im Jahre 864.)
Zu der Zeit, als der Großherr glorreich gegen Izvormk
auszog, war Semendire im Besitze des Königs von Bos­
nien. Der König vermeinte, daß der Großherr gegen 132 ITie Amasra eingenommen wurde.
ihn selbst gezogen komme; in seiner Angst sandte er
dem Großherm einen Boten, damit er nicht gegen ihn Dieses Amasra war eine Burg an der Küste des
ziehe, und ließ ihm sagen: „Mein Sultan, ich gebe dir Schwarzen Meeres, mitten im islamischen Bereich, und
Semendire, * sein Herrscher war ein Franke. Alle Sklaven, die in

214 215
Anatolien entliefen, flüchteten sich dort hinein. Und kaufen würde oder nicht — man würde sie ihm mit Ge­
überdies fuhren die Giauren von Amasra immer wieder walt wegnehmen. Der Tekür sagte also zu seinen
auf das Meer hinaus und trieben Räuberei; wenn man Giauren: „Kameraden, ich gebe die Burg diesem Kunden,
sic aber zur Rede stellte, dann sagten sie stets: „Das denn sonst nimmt er uns die Burg ohne Bezahlung ab und
waren Schiffe von einem anderen Land.” erschlägt uns noch dazu und schließt unsere Weiber und
Nun gelangten ihre Taten und ihre Reden dem Sultan Töchter in seine Arme und zerbricht unsere Pfeile und
Mehmed Han Gazi, dem Sultan der Glaubensstreiter, zu entspannt unsere Bogen und schlägt uns die Köpfe mit
Ohren, und man berichtete ihm also, wie diese Giauren unseren eigenen Schwertern ab und hängt seine Schwerter
sich gegenüber den Muslims aufführten. Da fragte der an unseren Hälsen auf. Ehe derartiges über uns herein­
Großherr: „Mahmud, wo Hegt denn diese Burg, daß bricht, ist es besser, diese Burg gutwillig herauszugeben.”
mein Vater und meine Ahnen sie noch nicht erobert Die Giauren willigten in diese Maßnahme ein und sand­
haben ?” ten ihren Tekür zum Großherrn. Er brachte auch den
Mahmud Pascha antwortete: „Mein glorreicher Sultan, Schlüssel der Burg mit, und überdies kamen viele ange­
daß sie noch nicht genommen worden ist, das wird wohl sehene Giauren mit ihm. Sie übergaben also die Burg.
daher kommen, daß nach der Fügung Allahs des Aller­ Der Großherr schickte diese angesehenen Giauren nach
habenen eben du, mein Sultan, diese Burg erobern sollst! Istanbul, und ihr Hab und Gut mit ihnen; keinen einzigen
So wird es im göttlichen Ratschluß bestimmt sein.” von diesen Giauren machte er zum Sklaven.
Der Großherr sagte: „Mahmud, triff gleich die nötigen An der Grenze des Landes Iflagan hatte der Großherr
Anstalten, daß wir dorthin ziehen! Wir wollen sehen, eine Burg; deren Bewohner hob er aus und schaffte sie
was uns nach Allahs Ratschluß zugedacht ist!” nach Amasra. Dort wandelte er eine große Kirche zu
Alsbald ließ Mahmud Pascha die Schiffe ausrüsten; er einer Freitagsmoschee um, und in ihr wurde nunmehr
holte wackere Kriegsleute zusammen, legte sie in die die islamische Freitagspredigt gehalten, im Namen des
Schiffe und sandte sie gegen Amasra aus. Der Großherr Mehmed Plan Gazi. Auch einen Kadi setzte er ein, die
zog inzwischen auf dem Lande hin. Über Akyazi kam er Angelegenheiten der dortigen Muslims zu versehen.
nach Bolu, und von dort rückte er vor Amasra.
(Verherrlichung der Siege des muslimischen
Als der tsfendiyar-Sohn Isma'il Beg hörte, daß der
Herrschers über diese Giaurenfürsten.)
Hundkär nach Bolu gekommen sei, da lief er davon und
flüchtete sich nach Sinop. Später hörte er dann, daß der Dieser Sieg wurde in den Jahren 864 und 865 der
Großherr vor Amasra gerückt sei; da sandte tsma'il dem Hidschra von Sultan Mehmed Han Gazi errungen.
Hundkär schöne Geschenke hin.
Der Hundkär legte sich also vor Amasra, und auch die
Schiffe kamen an, liefen in den Hafen von Amasra ein
und warfen Anker.
Der Tekür der Burg sah nun, daß sich da ein gar guter
Kunde für seine Burg eingefunden hatte; ob er sie ver­

216
r33 Wie Sultan Atebmed Han Gazi Kastamonu
und Sinop und das ganze Land dort samt
seinem Herrscher und Koyulhisar und Trabzon
allesamt auf einem einzigen Teldzug er­
oberte.
(Preis des durch Allahs Gunst siegreichen Sultans.)

Der Großherr von Rum, Sultan Mehmed Gazi, ging


daran, den Umtrieben des Uzun Hasan zu steuern, von
denen du bereits früher vernommen hast. In dieser Ab­
sicht sagte er eines Tages zu Mahmud: „Ich habe da
mehrere Pläne im Sinn und hoffe, daß Allah der All­
erhabene mir Schwachem auch ihre Durchführung ge­
währen möge. Der eine richtet sich auf das Land des
Isfendiyar, nämlich Kastamonu und Sinop, und der zweite
auf Koyulhisar, und der dritte auf Trabzon. Diese lassen
mich gar nicht mehr zur Ruhe kommen; immerzu
spiegelt sich ihr Bild in meinem Herzen und vor meinen
Augen.”
Mahmud Pascha sagte: „Mein glorreicher Sultan, mit
Allahs Gnade und dank der Wunderkraft des Propheten
möge mein Sultan hinziehen, und all dies wird ihm zu­
fallen !”
Der Hundkär sprach: „Mahmud, es ist an der Zeit,
daß ich sehe, was du in dieser Hinsicht kannst!”
Und sogleich schiffte sich der Großherr ein und brach
nach Bursa auf. Bei Mudanya ging er an Land, bestieg sein
Pferd und ritt nach Bursa. Dort ließ er sich nieder.
Mahmud rüstete inzwischen in Istanbul hundert Schiffe
aus und entsandte sie gegen Sinop. Bevor aber die Schiffe
abfuhren, sandte er zu tsma'il Beg einen Knecht mit
folgendem Brief: „Wir senden Schiffe gegen Trabzon aus.
Seid nun so freundlich und gütig und versorgt unsere Schiffe
mit allem, was sie etwa benötigen sollten, unserem
Großherrn zu Gefallen und um ihm eure Freundschaft

218
und Liebe zu bekunden. Wir haben dem Kapitän ein
Handgeld mitgegeben; falls es jedoch nicht ausreicht,
sollt ihr von den Erträgnissen der Kupferschmelze, die
dem Großherrn Zufällen, den erforderlichen Aufwand
bestreiten. Und falls die 'Azab sich ungehörig aufführen,
sollt ihr sie züchtigen, auf daß sie keine Ungebührlich-
keiten begehen; und wenn es etwa nötig werden sollte,
möget ihr sie auch hinrichten. Ich bin dir wohlgewogen!”
Diesen Brief händigte er dem Boten ein und sandte
ihn ab. Während der Bote zu Isma'il Beg aufbrach, begab
sich Mahmud Pascha nach Edrene und bot das Heer von
Rumelien auf. Er nahm sämtliche 'Azab und Schanz­
gräber und führte sie nach Bursa. Auch der Beglerbegi
von Anatolien bot die Truppen von Anatolien nach
Sultanönü auf, und sie fanden sich ein und hielten sich
bereit.
Mahmud Pascha lagerte auf dem Beide vor Bursa mit
den 'Azab und den Kriegern aller Länder. Von dort aus
sandte man noch einen Knecht zu Isma'il Beg mit der
Botschaft: „Dein Sohn Hasan Beg soll mit wackeren
Kampfgefährten nach Engüri kommen und dort zu mir
Stoßen !”
Isma'il Beg machte es mit den 'Azab genauso, wie
tw ihm mit dem zuerst abgegangenen Brief aufgetragen
worden war, und nun sandte er der ergangenen Weisung
gemäß auch seinen Sohn ab. Andererseits gab auch der
Kara man-Sohn Ibrahim Beg einem seiner Söhne eine
Streitmacht bei und sandte ihn ab. Als der Großherr
nach Engüri gelangte, trafen auch diese ein und stießen
In Engüri zum Hundkär.
(Vom eitlen Streben des Sterblichen nach irdischem Gut.)

Sowie Hasan Beg, der Sohn des Isma'il Beg, nach


feitgÜri gekommen war, ließ man ihn ergreifen und in das
Pfortenwachzelt werfen. Vor dieser Tat hatte Mahmud

219
Pascha dem Kizil Ahmed, dem Bruder des Isma'il, den Mahmud Pascha sagte: „Gott bewahre — so etwas tut
Sinn betört; dieser diente nämlich an der Pforte des unser Großherr nicht!”
Großherrn und hatte das Banner von Boiu inne. Zu ihm Nun, Mahmud Pascha überzeugte schließlich den
also hatte Mahmud Pascha immer gesagt; „Der Hundkär Isma'il Beg ganz und gar. Er bot ihm an Lehen noch mehr,
hat dir das Land deines Vaters zugedacht,” In diesem als die Einkünfte aus seinen Hofgütern betragen hatten,
Sinne hatte er auch einen Bestallungsbrief ausfertigen und versprach, ihm dort, wo immer er wünsche, ein
lassen und dem Kizil Ahmed gegeben. Lehen zu geben, isma'il Beg faßte also Vertrauen und
Als man nun den Hasan Beg festgenommen hatte, willigte ein.
verlieh man dessen Banner dem Kizil Ahmed und sandte Mahmud Pascha kehrte zurück und brachte dem Hund­
ihn nach Kastamonu. Ahmed Beg brach also auf und zog kär die Nachricht. Der Großherr brach also auf, rückte
nach Kastamonu. Als die Einwohner des Landes erfuhren, herbei und lagerte sich gegenüber der Burg, isma'il Beg
daß der, der da kam, Kizil Ahmed sei, also ebenfalls ein zog aus der Burg aus und begab sich zum Hundkär, um
Sohn ihres Herrn, da unterwarfen sich ihm alle Leute ihm die Hand zu küssen. Der Hundkär sagte: „isma'il
und huldigten ihm. Isma'il Beg sah, daß das ganze Land Beg, du bist für mich ein älterer Bruder, und es geht
zu Kizil Ahmed überging; da brach er auf und zog nach doch nicht an, daß du mir die Hand küßt!” Er ließ nicht
Sinop. zu, daß jener ihm die Hand küßte.
Der Hundkär kam nach Kastamonu und zog dann von So zog also der Hundkär in die Burg ein und erlangte
dort nach Sinop. Er kam und ließ Sinop einschließen. alles, was er begehrt hatte, Isma'il Beg aber begab sich
Kizil Ahmed und Mahmud Pascha zogen zusammen hin nach Devrekäni und holte alle seine Angehörigen zu
und legten sich vor Sinop. Der Hundkär lagerte eine sich; seinen Sohn Hasan ließ er jedoch mit dem Hundkär
Tagreise weiter hinten. ziehen.
Mahmud Pascha saß auf, ritt vor die Burg hin und ließ Der Großherr legte in die Burg von Kastamonu und
den Isma'il Beg auf die Zinnen rufen. Er kam, und in die Burg von Ayafm und nach Sinop seine eigenen
Mahmud Pascha'sprach von unten zu isma'il Beg hinauf: Knechte. Er ließ die Streitmacht des gesamten Landes
„Mein Beg, warum fliehst du, da doch das ganze Volk sUtfbieten und unterstellte sie dem Kizil Ahmed,
hier gehört hat, daß dieses Land deinem Bruder gehul­ Und mit wem zog Hasan Beg ins Feld?
digt hat und daß auch die Lehensreiter, die zu ihm ge­ /Intivort: Ihm verlieh der Hundkär das Banner von
kommen sind, wieder in ihrem Besitz und Lehen be­ Bohl; er zog also mit seinem eigenen Banner ins Feld.
stätigt worden sind? Wie lange kannst du denn mit dieser (Hinweis auf die Eitelkeit des Strebens nach weltlichem Ruhm. —
einen Burg hier noch aushalten, daß du wider den Von der Unbeständigkeit des irdischen Glücks.)
Großherrn streiten magst? Hat man dir doch auch den
Hafen dieser Stadt bereits weggenommen!”
Isma'il Beg entgegnete dem Mahmud Pascha: „Ich
habe Angst vor dem Großherm, daß er mich und meine
lieben Söhne vernichtet,”

220 221
<34 Wohin Isma'il Beß ging, nachdem er zu Als der Karaman-Sohn diese Antwort zu hören bekam,
Devrehani seine Habe zusammengeholt hatte. da war er enttäuscht und betrübt und niedergeschlagen.
(Vom eitlen Wahn irdischer Wünsche.)
Er lud sein ganzes Hab und Gut sowie seine Söhne und
Töchter auf seine eigenen Tiere, nahm seinen Wesir
§ehäbeddin Aga und alle seine Knechte mit und zog <35 Wie Sultan Mehmed Han Gazi Koyulhisar
nach Yeni^ehir im Gebiet von Bursa. Er hatte sich näm­ einnahm und was damit geschah.
lich vom Hundkär Yeni$ehir und Aynegöl und Yarhisar
erbeten, und der Hundkär hatte sie ihm zu seinem Ehe Sultan Mehmed nun auch gegen Koyulhisar zu
Besitz verliehen. Isma'il Beg kam also nach Yeni$ehir Felde zog, herrschte dort ein Beg, der Hüseyin Beg
und ließ sich dort nieder. genannt war. Bevor Uzun Hasan ihn gefangennahm,
Frage'. Und was wurde denn aus dem Karaman-Sohn, war jener Hüseyin Beg eines Tages zur Jagd ins Freie
der nach Engüri zum Hundkär gekommen war ? ausgeritten, und da hatte ihn, während er auf dem Felde
Antwort: Als er zum Hundkär kam, verlieh ihm dieser ein t jagte, Uzun Hasan gefangen genommen und vor seine
Ehrenkleid und schickte ihn wieder zu seinem Vater zurück. Burg geführt. Und wohl oder übel hatte Hüseyin Beg
Aber nochmals ist hier von einer Teufelei des Karaman- ihm seine Burg übergeben müssen.
Sohnes zu berichten: Als der Hundkär dies vernommen hatte, daß Uzun
Als der Hundkär in das Gebiet von Koyulhisar zog, Hasan Koyulhisar weggenommen habe, da hatte der
sandte der Karaman-Sohn einen Boten zu Isma'il Beg Hundkär dem Beglerbegi von Rumelien, Hamza Beg, den
mit der Aufforderung: „Kehre um, o Knecht Gottes, und Befehl erteilt: „Führe das Heer ins Feld und nimm auch
geh nicht nach Yeni§ehir, denn nun haben wir eine gute 'Azab aus dem Lande mit und ziehe gegen Koyulhisar!
Gelegenheit gegen den 'Osmanh! Von dieser Seite Setze alles daran, daß du die Burg einnimmst, und falls
wollen wir gegen ihn vorgehen — ich helfe dir; und sie nicht einzunehmen ist, so sollst du die Dörfer in
auf der anderen Seite laß uns dem Hasan Beg Bescheid ihrem Gebiet überfallen und verwüsten und verbrennen,
senden, daß auch er losschlagen soll, und so wollen wir daß sie auf lange Zeit hinaus nicht wieder aufgebaut
den 'Osman-Sohn in die Zange nehmen! Ziehe also zu­ werden können!”
rück in dein Land und bleibe dort!” Als Hamza Beg vom Hundkär diesen Befehl erhielt, bot
Isma'il Beg antwortete: „Was du da sagst, ist keine er das Heer auf und zog gegen jene Burg. Viele Tage lang
Rede, die eines Muslims würdig wäre — Heimtücke wurde gar heftig gekämpft, aber schließlich erkannte man,
nennt man derlei! Daß wir einem solchen Gazi-Groß- daß die Burg nicht einzunehmen war. Jedoch sahen sie,
herrn, wenn er zum Kampf für den Glauben auszieht, daß das Landvolk noch da war, und sogleich fielen sie
in den Rücken fallen, läßt sich mit dem Islam nicht über die Umgebung her und verwüsteten sie.
vereinbaren. Obendrein liegen doch dort in den Burgen Unversehens kamen da einige 'Azab zu einem Armenier­
die Knechte jenes Großherrn, und überdies ist das Land dorf, wo sie viele armenische Greise und Weiber vor­
in der Hand meines Bruders Ahmed Beg.” fanden; an diesen Weibern und Greisen verübten sie

222 223
■flS
verbotene Dinge — gar arge Ausschreitungen begingen 136 Wie Sultan Mehmed Han Gazi gegen Trabzon
diese 'Azab. Und schließlich gingen jene armenischen zog und es eroberte.
IBill
SBi Mönche zu Uzun Hasan und klagten ihm: „Unter unserem
früheren Herrn sind uns derlei schändliche Dinge nie Nachdem er Koyulhisar erobert hatte, zog er von dort
iilM» widerfahren, und dabei war er nur ein kleiner Fürst. nach Erzincan, llzun Hasan sandte seine Mutter in
H Jetzt aber, unter einem so mächtigen Herrscher wie du, Begleitung des Beg von (^emi^gezek, der Kürt §eyh Hasan
ist unseren Weibern und unseren alten Männern solche genannt wurde, als Botschafter zu Sultan Mehmed Han.
Schmach zugefügt worden!” Sie zogen hin, und als sie zum Bulgar-Berg kamen, trafen
Hamza Beg war, nachdem er das Land verheert hatte, sie dort mit ihm zusammen. Sie brachten gar schöne
in sein eigenes Gebiet zurückgekehrt, und über jenem Geschenke mit. Der Großherr nahm ihre Geschenke an
Vorfall verging geraume Zeit. Nachdem dann Sultan und genehmigte sie. Er erwies ihnen gar große Ehren. Die
Mehmed Han Gazi das Land von Sinop erobert hatte, zog er Mutter des Uzun Hasan, die Sara Hatun hieß, behandelte
hin und legte sich vor Koyulhisar. Von allen Seiten ließ er wie seine eigene Mutter, und den §eyh Hasan nannte
L 'N
er Geschütze auffahren, und sowie ein paar Kugeln die er Vater, Er nahm beide mit sich und zog nach Trabzon.
Burg trafen, verloren die Leute darinnen gleich den Als er die Höhe des Bulgar-Gebirges erreicht hatte,
Kopf und übergaben die Burg. Auf Befehl des Großherrn begann er nach Trabzon hinabzusteigen. Der Großherr
wurde die Burg in Besitz genommen und seine eigenen ging auf diesem Berg die größte Strecke zu Fuß.
Knechte hineingelegt. So zog er also gegen Trabzon hinunter. Er hatte die
Frage: O Derwisch, warum haben diese 'Azab solche Mutter des Uzun Hasan mitgenommen, und als sie
verbotene Dinge verübt? Schickt sich derlei für die hinabzogen, sprach Sara Hatun zu Sultan Mehmed: „Ach,
Streitmacht des Hauses 'Osman? mein Sohn, was soll das nur, wegen dieses Trabzon
Wenn man soJragt, dann lautet die Antwort: Mein Teurer, solche Mühsal zu ertragen?”
die Streitmacht des Hauses 'Osman setzt sich aus vieler­ Der Großherr antwortete : „Mutter, diese Mühsal gilt
lei Volk zusammen, zwölf Arten von Truppen gibt es da, nicht Trabzon; diese Mühsal erdulden wir für den Glau­
und jede hat auf irgendein Volk einen besonderen Groll. ben des Islams, auf daß wir im Jenseits vor Allah uns
Diese 'Azab halten sich in keinem Lande, in das sie kom­ nicht schämen müssen. Denn in unseren Händen liegt
men, an ein Verbot, weil sie im Solde des Großherrn das Schwert des Islams, und wenn wir diese Mühsale
hinziehen; wo immer sie hinkommen, plagen sie nach nicht auf uns nehmen, verdienen wir nicht, Gazi ge­
ihrem eigenen Belieben das Volk, das gegen ihren Groß­ 1' nannt zu werden.”
herrn Hinterlist und Schurkerei übt, auf daß jedes Land, Als sie so gegen die Burg hinunterzogen, bat Sara
in das das Haus 'Osman kommt, dem Großherrn gehor­ Hatun bei Sultan Mehmed für Trabzon. „Dieses gehört
sam und unterwürfig sei. einem Verwandten meiner Schwiegertochter; verschone
(Diese 'Azab sind ein wildes, rohes Gesindel.) es mir zuliebe, mein Sohn’”, sagte sie. Aber in dieser
Hinsicht schwieg der Sultan und gab ihnen keinerlei
Bescheid.

224 15 Hirtenzelt 225


Danach wartete er ab, bis die Schiffe aus Sinop auf Karaman-Sohn gab dem Kizil Ahmed Reisegeld, nahm
dem Meere daherkämen. Als die Schiffe nach kurzer aber ihn selber nicht auf. Da zog dieser weiter und begab
Zeit ein trafen, wurde vom Lande und von der See her sich zu Uzun Hasan. Bei ihm blieb er lange Zeit, bis zur
der Kampf begonnen. Sogleich bat man aus der Burg um Herrschaft des Sultan Bayezid Han.
Gnade, aber sie wurde im Handstreich eingenommen. Frage: Was war denn der Grund dafür, daß jener Isma'il
Als man nun Trabzon eingenommen hatte, brachte Beg nach Rumelien hinüberging?
man dem Großherm alles, was des Großherrn würdig war. Antwort: Nachdem Kizil Ahmed geflohen war, siedelte
Den Tekür und seine Beg und etliche weitere tüchtige der Großherr den Isma'il Beg, damit der nicht auch
Leute führte man auf die Schiffe und brachte sie nach fliehe, von Yeni^ehir nach Filibe um. Bis an sein Lebens­
Istanbul. Die Gazi hatten inzwischen mehrere Gegenden ende verblieb Isma'il Beg ruhig zu Filibe; schließlich
des Landes heimgesucht und gute Beute gemacht. Der ging er in Allahs Barmherzigkeit ein.
Sultan gab auch von den Trophäen, die er aus der Burg
(Gleich drei Länder hat der Sultan auf diesem
genommen hatte, gar viele Stücke der Mutter des Uzun
glorreichen Feldzug erobert.)
Hasan und sandte sie unter Ehrenerweisungen zurück zu
ihrem Sohne. Diese Eroberung und diese Begebnisse geschahen im
So wie der Großherr seit jeher in jeder Burg seine Jahre 86 j der Hidschra unter Sultan Mehmed Han.
Satzung eingeführt hatte, so wurde sie auch dort in
Trabzon eingeführt. In dessen Innerem wurden Moscheen
und Medrese errichtet, und man hob muslimische rjy Wie Mehmed Han Gazi in die Walachei zog
Familien aus und holte sie dorthin. Die leerstehenden und was er dort tat.
Häuser der Giauren gab man diesen neugekommenen
Muslims als Besitz, und die Burg wurde stark befestigt. Höre nun, mein Teurer;
Danach kehrte der Großherr glorreich zurück und Zu der Zeit, da er vom Feldzug nach Istanbul zurück­
kam nach Sonusa. Und dem Kizil Ahmed gab er ein kehrte, kam auch Ishak Pascha, den er inzwischen in
Lehen in Rumelien; Kastamonu gab der Hundkär seinen Rumelien eingesetzt hatte, nach Istanbul.
eigenen Knechten. Kizd Ahmed erbat sich Urlaub vom Nunmehr trafen von allen Seiten Gesandte ein. Auch
Hundkär und sagte: „Ich will hingehen, in Bolu meinen vom Fürsten der Walachei kam ein Gesandter, und
Haushalt zusammenholen . und alles bereitmachen. diesem gab man auf dem Rückweg einen Boten mit und
Sobald der Hundkär dann dorthin kommt, werde ich lud den Fürsten der Walachei an die Pforte. Der Ge­
zusammen mit dem Hundkär nach Rumelien hinüber­ sandte zog hin und richtete dem Fürsten der Walachei
gehen.” Seine Botschaft aus. Dieser gab dem Gesandten zur
Man gab dem Kizil Ahmed Urlaub, und er begab sich Antwort: „Dieses mein Land ist mir nicht treu; wenn
nach Bolu; dort blieb er den Tag und den Abend, und in itdi mein Land verlasse und dorthin gehe, so holen sie
der Nacht machte er sich auf den Weg nach Karaman und den Ungarn herbei und übergeben ihm dieses Land. Ich
zog davon. Er ging hin und traf in Karaman ein. Der bitte aber den Großherrn, einen seiner Markherren an

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das Ufer des Stromes herzuschicken; jener Markherr Die Bevölkerung des gesamten Landes kam und huldigte
möge dieses Land bewachen, und indessen will ich hin­ dem Großherrn, ergab und unterwarf sich ihm; der
gehen, um mein Antlitz auf die erhabene Schwelle Kazikli Voyvoda jedoch hatte sich aus dem Staub ge­
meines Sultans zu legen.” macht.
Der Hundkär schenkte den Worten dieses Giauren Ver­ Etliche Zeit zog der Großherr durch die Walachei.
trauen und sandte den Oberfalkner Hamza Beg hin. Damals Eines Nachts tauchte plötzlich von irgendwoher eine
war die Donau zugefroren; der Oberfalkner zog hin, Menschenmenge auf. Sogleich waren die Knechte des
schlug am Ufer der Donau Lager und blieb dort. Auch Großherrn kampfbereit; sie sahen, daß der anrückende
der Fürst der Walachei kam ans Ufer des Stromes und Haufe das Heer jenes verfluchten Kazikli war, das einen
schlug Lager. Auf dieser Seite waren sie nicht auf ihrer Nachtüberfall unternehmen wollte. Die Gazi rührten sich
Hut und befaßten sich nur mit ihren eigenen Angelegen­ nicht und ließen jene bis in die Nähe des Heerlagers
heiten; die Donau selbst war ganz fest zugefroren. herankommen. Als sie genau in die Falle gegangen waren,
Da unternahm der Fürst der Walachei nächtlicher­ riefen die Gazi „Allah ist groß!” und schlugen sie derartig,
weile einen Überfall auf den Hamza Beg, erschlug eine daß nicht die Hälfte dieser Giauren sich retten konnte.
große Zahl von Muslims und nahm den Hamza Beg Kurzum, bis zum Morgen dauerte das Gemetzel unter den
gefangen. Ferner setzte er an einigen weiteren Stellen Giauren.
Giauren über, und sie richteten in jenem Gebiete große Nur mit knapper Not konnte Kazikli Voyvoda seinen
Verheerungen an. Er schlug dem Hamza Beg den Kopf Kopf retten. Als es Morgen wurde, sandte man den
ab und sandte etliche Muslims mit seinem Kopf zum * Ali Beg hinter ihm drein. Und die Truppen, die mit
König von Ungarn mit der Botschaft: „Ich bin jetzt dem dem Kazikli gekommen waren — jene, die die Giauren-
Türken feind.” Sämtliche Giaurenfürsten wußten nun, rittcrschaft dieses Landes bildeten —die sammelten sich
daß di eser Giaur ein Feind des Großherrn war, und ver­ und kamen herbei, warfen sich um Gnade flehend dem
trauten ihm. Großherrn zu Füßen und lieferten sich ihm in die Knecht­
(Abscheu vor der Hinterlist des Drakula-Sohnes Kazikli.) schaft aus.
Der Kazikli hatte einen jüngeren Bruder, der am Hofe
des Großherrn weifte und ihm diente. Diesem verlieh
138 IFie Sultan Mehmed Han Gazi, der Sultan der Sultan das Fürstentum in der Walachei und gab ihm
der Glaubensstreiter, gegen die Walachei zog die Beg des Landes als Kampfgefährten bei. Dann nahm
und dieses Land dem Bruder des Kazikli er die Dinge, die er sich aus dem Lande ausgewählt
übertrug. hatte, und kehrte um und kam glorreich zurück zu
seinem Herrschersitz.
Als der Großherr erfuhr, welche Ranke dieser ver­ Dieser Feldzug wurde im Jahre 866 der Hidschra von
fluchte Giaur schmiedete, da zog er sein Heer zusammen, Sultan Mehmed Han Gazi geführt.
weihte sich dem Glaubenskampfe und brach auf. Er zog (Preis des Sultans.)
aus, setzte über die Donau und drang in die Walachei ein.

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