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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

1. Fortsetzung am 05.05.03

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Themen:

- Planung von Rohrvortrieben


- Baugrunderkundung für Rohrvortriebe

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 2

Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im
Tiefbau im Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen
Forschungen und Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit
verbundenen Diskussionen, seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des
gemeinsamen Arbeitskreises Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung
und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches nach bestem Wissen und
Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung
für eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und
Durchführung des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 3

Dr.-Ing. Max Scherle

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr verehrten Herren,

ich begrüße Sie, die Sie zum zweiten Mal an unserem Fernseminar teilnehmen
wollen, zugleich im Namen meines Kollegen, Herrn Dipl.-Ing. Rößler, und des
gesamten Teams, das an der Vorbereitung und Gestaltung des Eingangsseminars
und nunmehr der ersten Fortsetzung mitgewirkt haben. Dass Sie zum zweiten Mal
teilnehmen wollen, ermutigt - aber verpflichtet mich auch.

Denn ein Fernseminar ist doch etwas ganz Neues für die Teilnehmer und ist Neuland
für den Autor und Vortragenden. Im Seminarraum sind sich Hörer und Vortragender
unmittelbar gegenüber – es besteht ein ständiger Blickkontakt. Der Vortragende spürt
sofort, wie er bei seinen Hörern ankommt. Er merkt gleich, wenn er tiefer gehen oder
besser erklären muss. Er merkt auch, wenn er seine Hörer mit längst bekannten
Ausführungen langweilt. Er kann sich jederzeit auf seine Hörer einstellen –
vorausgesetzt, er wagt es, frei zu sprechen.

Im Seminarraum hat sich die oft sehr lebhafte Diskussion unmittelbar an den
jeweiligen Vortrag angeschlossen und stand damit, sowohl für die Hörer als auch für
den Vortragenden, noch ganz im Eindruck des jeweiligen Themas. Das belebte die
Diskussion ungemein.

Dennoch hoffe ich, dass auch über den Äther wieder gute Kontakte und lebhafte
Diskussionen entstehen. Leider muss ich Sie bitten, mir Ihre Fragen und Wünsche
per Fax unter 0621/6882 302
mitzuteilen. Diese können handschriftlich sein. Sie können auch in Fremdsprachen
geschrieben werden. Nur eine Bitte: Leserlich müssen sie sein!
Leider kann ich keine Telefonanrufe mehr entgegennehmen, da solche für mich zu
beschwerlich wären und die Gefahr von Hörfehlern zu groß wäre.

Ich begrüße auch nicht weniger herzlich die neu hinzugekommenen Teilnehmer am
gegenwärtigen Fernseminar. Wenn Sie bei der ersten Veranstaltung noch nicht
teilnehmen konnten, können Sie die ersten Eintragungen im Internet immer noch
abrufen.

Nun zum gegenwärtigen Seminar:


Als Thema wurde zunächst die Planung gewählt, denn am Anfang allen Handelns
steht die Planung – sollte sie wenigstens stehen. Von ihr hängt das Gelingen jeden
Werkes ab. Darum ist es so wichtig, sich gleich am Anfang eines Seminars über den
Rohrvortrieb mit dessen Planung zu beschäftigen.

Bei allen ingenieurmäßigen Bauwerken – und Rohrvortrieben sind ingenieurmäßige


Bauwerke von ganz besonderer Art – kommt dem Untergrund eine äußerst wichtige
Rolle zu. Der Rohrvortrieb als unterirdische Bauweise spielt sich, genau so wie der
Stollenbau und der Tunnelbau, ganz im Untergrund ab. Deshalb gehört die

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Erkundung des Baugrundes untrennbar zur Planung von jedem Vortrieb. Man kann
mit Recht sagen, die Erkundung des Baugrundes hat Bestandteil der Planung zu
sein. Doch wie steht es um die Erkundung des Baugrundes in der rauen Wirklichkeit
unter Zeit- und Preisdruck?

Für die Planung und Baugrunderkundung bei Rohrvortrieben gibt es Arbeits- und
Merkblätter (ATV-A125 und A161) sowie ein Normblatt (DIN 18319).

Arbeits- und Merkblätter sowie Normblätter beschreiben im Allgemeinen die für


jedermann bindenden Regeln der Technik.

Es ist nicht Sache der Arbeits- und Merkblätter und nicht Sache der Normblätter
Empfehlungen für die Durchführung der von ihnen aufgezeigten Regeln der Technik
zu geben.

Der Autor eines Seminars, wie auch der Autor eines Sachbuches oder der Autor von
Beiträgen in Fachschriften sieht seine Aufgabe darin, den Anwendern der Regeln der
Technik Arbeitshilfen anzubieten sowie auch gegebenenfalls die Regeln der Technik
verständlich zu machen und – soweit es ihm erforderlich erscheint – zu ergänzen
oder gegebenenfalls einen nach seiner Erkenntnis angebrachten Vorschlag zur
Änderung oder Verbesserung zu formulieren und zu vertreten. So möchte der Autor
seinen heutigen und auch zukünftige Beiträge verstanden wissen. Darum hat er dem
Beitrag „Planung von Rohrvortrieben“ hinzugefügt „Eine Ergänzung der A125“ und er
hat dem Beitrag „Baugrunderkundung für Rohrvortriebe“ hinzugefügt „Eine
Ergänzung der A125, A161 sowie der DIN 18319“.

Bei dem Arbeitsblatt A125 der ATV gilt ein besonderes Interesse den
Gefällereserven. Hier sagt der Abschnitt 5 aus: Für die Funktionsfähigkeit ist eine
Gefällereserve einzuplanen. Die zu diesem Abschnitt gehörende Tabelle 11 benennt
Grenzwerte, die nicht überschritten werden sollten. Diesen Grenzwerten kommt
schon bei der Planung und weiter bei der Bauausführung eine ganz besondere
Bedeutung zu. Eine Überschreitung der Grenzwerte kann eine Minderung der
Funktionsfähigkeit einer sonst mangelfreien Rohrleitung darstellen und – soweit die
Grenzwerte Vertragsbestandteil sind – zu einer unter Umständen schwer wiegenden
Mängelrüge führen. Auf die Folgen solcher Mängel wird am Schluss des Seminares
näher eingegangen.
Im Hinblick auf die Bedeutung der Gefällereserven wurden diese in allen denkbaren
Varianten untersucht und analysiert.

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Die Erkundung des Baugrundes ist im Arbeitsblatt der Abwassertechnischen


Vereinigung A125 und im Normblatt DIN 18319 festgeschrieben. Beide Blätter sind
zeitgleich im September 1996 erschienen. Das Arbeitsblatt A125 bezieht sich in
seinen Aussagen zum Baugrund auf Aussagen des ATV-Arbeitsblattes A161 aus
dem Jahre 1990. Für die Anwender wäre es gut, wenn die drei geltenden
Regelwerke zum Baugrund die gleiche Sprache sprechen würden.

Der Autor des Seminars hat mit seinem Beitrag versucht, die Beschreibung des
Baugrundes in der A161 und der DIN 18319 zusammenzuführen, ohne deren Inhalte
zu verändern. Dadurch wird die Aussagekraft der Bodenkennwerte wesentlich
verbessert.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Beschreibung des Bodens ist dessen
Lagerungsdichte. Indikativ dafür ist die Rammsondierung – so wichtig, so einfach und
dabei so billig – und dennoch wird die Rammsondierung immer noch so halbherzig
behandelt. Der Autor hat versucht, die Gleichwertigkeit von Aufschlussbohrungen
und Rammsondierungen hervorzuheben.

Die Anforderungen einer Statik gerechten Beschreibung des Baugrundes werden im


späteren Abschnitt „Statische Berechnung von Vortriebsrohren“ dargestellt.

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Planung von Rohrvortrieben


Eine Ergänzung der A125 von Dr.-lng. Max Scherle

Die Planung zur Lösung der gestellten Bauauf- Bei der Planung sind zu berücksichtigen, so-
gabe umfasst im allgemeinen Angaben zu weit im Einzelfall relevant
-Verwendungszweck - Straßen
- Mantel- oder Schutzrohr für - Geleise
- Gas - Untergrundbahnen
- Wasser - Gewässer
- Abwasser - Flugbetriebsflächen
- Öl - Brücken und andere Bauwerke
- Fernwärme - Natur- und Landschaftsschutz
- Kabel - Baumbestand
- Produktenrohr für - vorhandene Ver- und Entsorgungsleitungen wie
- Gas - Gas
- Wasser - Wasser
- Abwasser - Abwasser
- Öl - Fernwärme
- Verkehrs- und Transportwege - Kabel
- Nenndurchmesser - Hindernisse wie
- Lage - Fundamente
- Tiefe - Anker aus Rückverankerung
- Baustoff - Maste
- Gefalle - Schutt- und Müllablagerungen
-Temperatur innen /außen - Chemische Rückstände
- Temperatur Scheitel / Sohle - Öl- und Benzinrückstände
- Anbindung an Start und Ziel
- Schächte und Bauwerke - Historische Anlagen und Bauten
- Bombenblindgänger und andere Kriegsrück-
stände -Schiffswracks

Auszug aus bi UmweltBau 1/03

© Dr.-lng. Max Scherle


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Ausführungsplanung
Die Planung zur Lösung der gestellten Ist die Entscheidung für die Ausführung der
Bauaufgabe wird hier als abgeschlossen Bauaufgabe im Rohrvortriebsverfahren getrof-
vorausgesetzt. Zu entscheiden bleibt die Art fen, sind die besonderen Anforderungen des
der Ausführung: Ausführung in einem Rohrvortriebes bei der Ausführungsplanung zu
Rohrgraben oder Ausführung in einem berücksichtigen. Voraussetzungen sind:
Rohrvortriebsverfahren.
Soweit 1.) Übersichtspläne, aus denen die Gesamt-
- Bahngeleise maßnahme mit Unterteilung in einzelne Ab-
- Hauptverkehrsstraßen schnitte, soweit vorgesehen, hervorgeht. Be-
- Gewässer vorzugter Maßstab: 1: 5.000.
- Flugbetriebsflächen 2.) Lagepläne, Maßstab: 1: 1.000
- Natur- und Landschaftsschutzgebiete 3.) Längenschnitte (Höhenpläne), Maßstab:
- Wasserschutzgebiete 1: 1.000 für die Längen, 1:100 für die Höhen
zu unterqueren sind, ist die Entscheidung für 4.) Querprofile an besonders kritischen Stel-
den Rohrvortrieb meist eindeutig. Bei len, Maßstab: 1: 100
tiefliegenden Leitungen ist die Ausführung
Die Lagepläne müssen enthalten:
im Rohrvortrieb im Allgemeinen durch eine
- die Vortriebsstrecke bzw. deren Teilstrecken
Kostenvergleichsrechnung bestimmt. Doch
mit ihren Gradienten
gibt es genügend viele Grenzfälle, bei
- Angabe der Radien mit Anfang und Ende der
denen der abstrakte Kostenvergleich noch
Krümmung und Angabe der Tangenten-
nicht ausreichen würde, die Ausführung im
schnittpunkte.
Rohrvortrieb zu begründen. Hier dürfen we-
- die Lage der vorgesehenen Start- und Ziel-
sentliche Gesichtspunkte bei der Entschei-
schächte
dungsfindung nicht unbeachtet bleiben: -
- die Lage der Schächte mit Angabe der Nummern
Schädigung der Volkswirtschaft durch Um-
- die Lage der Bauwerke
leitungen
- Geleise
- Schädigung der Geschäfte und Betriebe
- Ver- und Entsorgungsleitungen, soweit be-
im Einflussbereich
kannt - Mastfundamente
- Belastung der Luft durch zusätzliche Abgase - Brückenfundamente
- Belastung der Anlieger durch den - Vortriebshindernisse wie Anker, soweit
Baubetrieb bekannt
- Störung bei Krankenhäusern und Sanatorien - Angaben zu Kontaminierungsbereichen, so
- Gefahren bei Kindergärten und Schulen. weit möglich
- Schuttablagerungen
- Schadstoffablagerungen

© Dr.-lng. Max Scherle


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-Ansatzpunkte für Aufschlussbohrungen mit


Numerierung
-Ansatzpunkte für Rammsondierungen mit
Numerierung
Die Numerierung aller Bezugspunkte muss
identisch mit der Numerierung in den Längen-
schnitten sein.
Die Längenschnitte müssen enthalten:
Abweichungen von der Soll-Lage sind sowohl
- Gelände im Bauzustand
nach der Höhe als auch nach der Seite unver-
- Veränderungen des Geländes nach dem Vor
meidbar und sind deshalb keine Vortriebsfeh-
trieb, soweit bekannt bzw. vorausschaubar
ler, solange und soweit vorgegebene Toleran-
- Vortriebsstrecke mit Angabe von
zen nicht überschritten werden. Das
- Teilstrecken
Arbeitsblatt ATV-A125 gibt in Abschnitt 5,
- Anfang und Ende
Tabelle 11, Werte für die maximalen Abwei-
- Material der Rohre
chungen von der Soll-Lage an, die bei Abwas-
- Gefalle
serkanälen nicht überschritten werden soll-
- Gefällereserven
ten. Für die Funktionsfähigkeit ist eine
- Radien mit Anfang und Ende der Krümmungen
Gefällereserve einzuplanen. Für andere Rohr-
- Bohrprofilen mit Wasserständen, Bohran
vortriebe können diese Angaben sinngemäß
satzpunkte auf NN bezogen, Darstellung maß-
angewendet werden.
stabgetreu
Bei Abwasserkanälen kommt den vertikalen
- Rammsondierdiagrammen, Rammansatzpunk-
Abweichungen von der Soll-Lage eine beson-
te auf NN bezogen, Darstellung maßstabgetreu
dere Bedeutung zu, da diese die Funktionsfä-
- Grundwasserständen minimal, maximal
higkeit einer Leitung erheblich beeinträchti-
- Wasserläufen und Gewässern
gen können. Deshalb erfolgte auch die
- Start- und Zielschächte
Forderung der ATV nach Einplanung einer Ge-
- Einsteigschächte, Numerierung wie in den
fällereserve.
Lageplänen
- Bauwerke
- kreuzende Ver- und Entsorgungsleitungen,
soweit sie für den Rohrvortrieb relevant sind

- Fundamente, soweit für den Rohrvortrieb re-


levant
- Bahngeleise
- Flugbetriebsflächen

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Begriffsbestimmungen Die Auswirkung der vertikalen Abweichungen


Unter Soll-Höhe wird die sich aus der hydrau-
und die sich daraus ergebenden Anforderun-
lischen Berechnung bei einem gegebenen
gen an die einzuplanenden Gefällereserven
bzw. gewählten Gefalle errechnete Höhe der
werden nachfolgend dargestellt: Zunächst ist
Rohrsohle am Zielschacht verstanden. Unter
zu unterscheiden zwischen -Vortrieb von
Ist-Höhe wird die von der Rohrsohle am
einem Startschacht zu einem Zielschacht,
Zielschacht erreichte Höhe verstanden. Unter
wobei wiederum zu unterscheiden ist
Ziel-Höhe wird die unter Einrechnung einer
zwischen
Gefällereserve anzusteuernde Höhe der
- Vortrieb fallend (Bild 1a bis f)
Rohrsohle am Zielschacht verstanden. Die
- Vortrieb steigend (Bild 1g bis m)
Ziel-Höhen treten an die Stelle der Soll-Hö-
-Vortrieb von gegenüber liegenden Start-
hen. In den Ausführungsplänen sind deshalb
schächten zu einem gemeinsamen Ziel-
für die jeweiligen Vortriebsstrecken die Ziel- schacht, wobei wiederum zu unterscheiden
Höhen anzugeben. Die zulässigen Abwei- ist zwischen
chungen, die in den Ausschreibungsunterla- - Vortriebsstrecke A fallend,
gen festzulegen sind, beziehen sich dann auf Vortriebsstrecke
die Ziel-Höhen. B steigend
Unter ∆h wird die jeweilige Abweichung von (Bild 2a bis d und Bild 3a bis d)
der Soll-Höhe bzw. Ziel-Höhe verstanden. - Vortriebsstrecke A steigend, Vortriebsstrek-
Unter ∆h, zul. wird die jeweils zulässige Ab- ke B fallend
weichung von der Soll-Höhe bzw. Ziel-Höhe (Bild 4a bis d und Bild 5a bis d)
verstanden.

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Analyse der Gefällereserven


Die Bilder 1a bis f stellen einen Vortrieb mit
dem Gefalle, d.h. fallend dar.
Bild 1a weist eine negative Abweichung um ∆h
von der Soll-Höhe auf. Dies bedeutet einen
unerwünschten Stau!
Bild 1b weist eine positive Abweichung um ∆h
von der Soll-Höhe auf. Dies bedeutet einen
unschädlichen Absturz.

In Bild 1c wird zur Vermeidung des Staus die


Ziel-Höhe um das Maß ∆h gegenüber der Soll-
Höhe angehoben. An die Stelle der Soll-Höhe
tritt nun die Ziel-Höhe.
In Bild 1d weicht die Ist-Höhe um den Wert ∆h
nach unten von der Ziel-Höhe ab und liegt da-
mit genau auf der ursprünglichen Soll-Höhe.
In Bild 1e erreicht die Ist-Höhe genau die
Ziel-Höhe. Da diese um das Maß ∆h in Bild 1c
angehoben wurde, liegt jetzt die Ist-Höhe um
das Maß ∆h über der ursprünglichen Soll-Höhe.
Es entsteht bei gleichzeitiger Minderung des
Gefälles ein unschädlicher Absturz. In Bild 1f
weicht die Ist-Höhe zulässig um das Maß ∆h
nach oben von der Ziel-Höhe ab. Es entsteht
ein Absturz von 2 x ∆h. Durch die Anhebung
der Ziel-Höhe um ∆h, zul. wird
- ein schädlicher Stau vermieden, dafür wird
- eine Vergrößerung des Absturzes auf 2 x
∆h, zul. bei
- einer Minderung des Gefälles um 2 x ∆h, zul.
in Kauf genommen.
Der vergrößerte Absturz kann im Allgemeinen im
Zielschacht unschädlich ausgeglichen werden.
Ob eine Minderung des Gefälles um 2 x
∆h,zul. hydraulisch und wegen der verringer-
ten Schleppkraft aus betrieblichen Gründen
Bilder 1a bis f verantwortet werden kann, bedarf einer ge-
sonderten Überprüfung.

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Erforderlichenfalls ist das Soll-Gefälle in der


ursprünglichen Planung um 2 x ∆h,zul. zu ver-
größern. Dies kann durch Anheben der Soll-
Höhe am Startschacht - wenn möglich - oder
durch Absenken der Soll-Höhe am Zielschacht
- wenn möglich - geschehen.

Die Bilder 1g bis m stellen einen Vortrieb ge-


gen das Gefalle, das heißt steigend, dar. Bild
1g weist eine negative Abweichung um ∆h von
der Soll-Höhe auf. Dies bedeutet einen
unschädlichen Absturz. Bild 1h weist eine
positive Abweichung um ∆h von der Soll-
Höhe auf. Dies bedeutet einen
unerwünschten Stau.
In Bild 1i wird zur Vermeidung des Staus die
Ziel-Höhe um das Maß ∆h gegenüber der Soll-
Höhe abgesenkt. An die Stelle der Soll-Höhe
tritt nun die Ziel-Höhe.
In Bild 1k weicht die Ist-Höhe um den Wert ∆h
nach oben von der Ziel-Höhe ab und liegt da-
mit genau auf der ursprünglichen Soll-Höhe.
In Bild 1l erreicht die Ist-Höhe genau die
Ziel-Höhe. Da diese um das Maß ∆h in Bild 1i
abgesenkt wurde, liegt jetzt die Ist-Höhe um
das Maß ∆h unter der ursprünglichen Soll-
Höhe. Es entsteht bei gleichzeitiger
Minderung des Gefälles ein unschädlicher
Absturz.

In Bild 1m weicht die Ist-Höhe zulässig um das


Maß ∆h nach unten von der Ziel-Höhe ab. Es
entsteht ein Absturz von 2 x ∆h. Ergebnis von
Bild 1g bis m:

Bilder 1g bis m

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Ergebnis von Bild 1g bis m:

Durch die Absenkung der Ziel-Höhe um


∆h, zul. wird
- ein schädlicher Stau vermieden, dafür wird
- eine Vergrößerung des Absturzes auf 2 x
∆h, zul.
- eine Minderung des Gefälles um 2 x ∆h, zul.
in Kauf genommen.
Der vergrößerte Absturz kann im altgemeinen
im Zielschacht unschädlich ausgeglichen
werden.
Ob eine Minderung des Gefälles um 2 x
∆h.zul. hydraulisch und wegen der verringer-
ten Schleppkraft aus betrieblichen Gründen
verantwortet werden kann, bedarf einer ge-
sonderten Überprüfung.

Erforderlichenfalls ist das Soll-Gefälle in der


ursprünglichen Planung um 2 x ∆h,zul. zu ver-
größern. Dies kann durch Anheben der Soll-
Höhe am Startschacht - wenn möglich - oder
durch Absenken der Soll-Höhe am Zielschacht
- wenn möglich - geschehen.

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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 13

Die zusammengehörenden Bilder 2a bis 2d


und 3a bis 3d stellen einen Vortrieb von ge-
genüberliegenden Startschächten A und B zu
einem gemeinsamen Zielschacht dar. Dabei
erfolgt der Vortrieb der Strecke A fallend, der
der Strecke B steigend. Bild 2a weist für beide
Strecken gleich große positive
Abweichungen am Zielschacht um das Maß
∆h auf. Dadurch mindert sich das Gefalle in der
Strecke A um ∆h, in der Strecke B erhöht sich
das Gefalle um ∆h. Bild 2b weist für beide
Strecken gleich große negative
Abweichungen am Zielschacht um ∆h auf.
Dadurch erhöht sich das Gefalle in der Strecke
A um ∆h, in der Strecke B mindert sich das
Gefalle um ∆h.
Bild 2C weist am Zielschacht für die Strecke A
eine positive Abweichung um ∆h, für die
Strecke B eine negative Abweichung um ∆h
auf. Dadurch entsteht am Zielschacht ein un-
schädlicher Absturz um 2 x ∆h. Das Gefalle
mindert sich in beiden Strecken jeweils um
∆h.
Bild 2d weist am Zielschacht für die Strecke A
eine negative Abweichung um ∆h, für die
Strecke B eine positive Abweichung um ∆h
aus. Dadurch bildet sich in der Strecke A ein

schädlicher Stau um 2 x ∆h aus. Das Gefalle


erhöht sich in beiden Strecken jeweils um ∆h.
In Bild 3a ist am Zielschacht zur Vermeidung
des Staus in der Strecke A die Ziel-Höhe um
∆h angehoben, in der Strecke B um das Maß
∆h abgesenkt.

Bilder 2a bis d
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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 14

In Bild 3b weist am Zielschacht die Strecke A


eine negative Abweichung gegenüber der
Ziel-Höhe um ∆h, in der Strecke B eine positi-
ve Abweichung um ∆h auf. Dadurch fallen so-
wohl in der Strecke A als auch in der Strecke B
die Ist-Höhen mit den ursprünglichen Soll-Hö-
hen zusammen.
In Bild 3c erreichen die Ist-Höhen in beiden
Strecken genau die Ziel-Höhen. Da diese in
Bild 3a um das Maß ∆h gegenüber den Soll-
Höhen in der Strecke A angehoben, in der
Strecke B abgesenkt wurden, liegt jetzt die
Ist-Höhe in der Strecke A um das Maß ∆h über
der Soll-Höhe, in der Strecke B um das Maß ∆h
unter der Soll-Höhe. Es entsteht bei gleichzei-
tiger Minderung des Gefälles auf beiden Sei-
ten um jeweils ∆h ein unschädlicher Absturz
um 2x∆h.
In Bild 3d weist am Zielschacht die Strecke A
eine positive Abweichung gegenüber der Ziel-
Höhe um ∆h, in der Strecke B eine negative
Abweichung um ∆h auf. Dadurch bildet sich
ein Absturz von insgesamt 4 x ∆h aus. Gleich-
zeitig mindert sich das Gefälle sowohl in der
Strecke A als auch in der Strecke B um jeweils
2x ∆h.

© Dr.-lng. Max Scherle

Bilder 3a bis d
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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 15

Die zusammengehörenden Bilder 4a bis 4d


und 5a bis 5d stellen einen Vortrieb von ge-
genüberliegenden Startschächten A und B zu
einem gemeinsamen Zielschacht dar. Dabei
erfolgt der Vortrieb der Strecke A steigend,
der der Strecke B fallend. Bild 4a weist für
beide Strecken gleich große positive
Abweichungen am Zielschacht um ∆h auf.
Dadurch erhöht sich das Gefälle in der
Strecke A um ∆h, in der Strecke B mindert sich
das Gefälle um ∆h.
Bild 4b weist für beide Strecken gleich große
negative Abweichungen am Zielschacht um
∆h auf. Dadurch mindert sich das Gefälle in
der Strecke A um ∆h, in der Strecke B erhöht
sich das Gefälle um ∆h. Bild 4c weist am
Zielschacht für die Strecke A eine positive
Abweichung um ∆h, für die Strecke B eine
negative Abweichung um ∆h auf. Dadurch
entsteht am Zielschacht in der Strecke B ein
schädlicher Stau um 2 x ∆h. Das Gefälle
erhöht sich in beiden Strecken jeweils um ∆h.

Bild 4d weist am Zielschacht für die Strecke A


eine negative Abweichung um ∆h, für die
Strecke B eine positive Abweichung um ∆h
aus. Dadurch entsteht ein unschädlicher Ab-
sturz um 2 x ∆h. Das Gefälle mindert sich in
beiden Strecken um jeweils ∆h.

Bilder 4a bis d
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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 16

In Bild 5a ist am Zielschacht zur Vermeidung


des Staus in der Strecke A die Zielhöhe um ∆h
absenkt, in der Strecke B um das Maß ∆h an-
gehoben.
In Bild 5b weist am Zielschacht die Strecke A
eine positive Abweichung gegenüber der Ziel-
Höhe um ∆h, die Strecke B eine negative Ab-
weichung um ∆h auf. Dadurch fallen sowohl in
der Strecke A als auch in der Strecke B die Ist-
Höhen mit den ursprünglichen Soll-Höhen zu-
sammen.
In Bild 5C erreichen die Ist-Höhen in beiden
Strecken genau die Ziel-Höhen. Da diese in
Bild 5a um das Maß ∆h gegenüber den Soll-
Höhen in der Strecke A abgesenkt, in der
Strecke B angehoben wurden, liegt jetzt die
Ist-Höhe in der Strecke A um das Maß ∆h unter
der Soll-Höhe, in der Strecke B um das Maß ∆h
über der Soll-Höhe. Es entsteht bei gleichzei-
tiger Minderung des Gefälles auf beiden Sei-
ten um jeweils Ah ein unschädlicher Absturz
um 2x ∆h.
In Bild 5d weist am Zielschacht die Strecke A
eine negative Abweichung gegenüber der
Ziel-Höhe urn ∆h, in der Strecke B eine positi-
ve Abweichung um das Maß ∆h von der Ziel-
Höhe auf. Dadurch bildet sich ein Absturz von
insgesamt 4 x ∆h aus. Gleichzeitig mindert
sich das Gefälle sowohl in der Strecke A als
auch in der Strecke B um jeweils 2 x ∆h.

© Dr.-lng. Max Scherle

Bilder 5a bis d
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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 17

Ergebnis der Analyse


4. Staus sind vermeidbar, wenn Gefällereser-
1. Abstürze an sich sind hydraulisch unschäd-
ven richtig eingeplant werden. Aus der Analy-
lich. Da aber Abstürze stets mit einer Minde-
segeht hervor:
rung des Gefälles verbunden sind, ist im Ein
- Bei Vortrieb mit dem Gefälle (d.h. fallend), ist
zelfall zu prüfen, ob das Gefälle in den
die Ziel-Höhe am Ziel Schacht um ∆h.zul. an-
Grenzen der zulässigen Abweichungen hy-
zuheben.
draulisch und aus betrieblicher Sicht noch
- Bei Vortrieb gegen das Gefälle (d.h. stei-
vertretbar ist. Dabei ist zwischen Vollfüllung
gend), ist die Ziel-Höhe am Zielschacht
und Mindestabfluß zu unterscheiden.
um ∆h.zul. abzusenken.
Bei Vollfüllung mindert sich mit
Diese Aussage gilt in gleicher Weise für
abnehmendem Gefälle die Abflußmenge, bei
- Vortrieb von einem Startschacht zu einem
Mindestabfluß die Schleppkraft.
Zielschacht
- Vortrieb von zwei gegenüberliegenden Start-
2. Abstürze sind für den Betrieb dann keine
schächten zu einem gemeinsamen Ziel-
Gefahrenstelle, wenn sie durch bauliche Maß-
schacht.
nahmen in den jeweiligen Schächten ausge-
glichen werden.
5. Aus den Aussagen zu 4.) geht hervor, dass
das Vorzeichen der Gefällereserven
3. Staus an sich wären zunächst hydraulisch
-Anheben, d. h. + ∆h,zul
deshalb unschädlich, weil sie mit einer Erhö-
-Absenken, d.h. -∆h,zul
hung des Gefälles verbunden sind. Staus stel-
von der Vortriebsrichtung abhängig ist. Damit
len aber eine Beeinträchtigung des Betriebes
sind die Start- und Zielschächte bereits bei
dar. Bei Teilabflussmengen, insbesondere bei
der Planung festzulegen. In den Höhenplänen
Mindestabfluss, lagern sich - je nach der Fließ-
(Längenschnitten) sind die jeweiligen Zielhö-
geschwindigkeit - die nicht mehr transportier-
hen einzutragen.
baren Schwebstoff und Sande ab und füllen
den Stauraum bis zur Höhe des Überlaufes
6. Eine Änderung der Vortriebsrichtung durch
aus. Damit wird im Stauraum das Gefälle zu
Vertauschen von Start- und Zielschächten be-
Null, so dass sich Schwebstoffe auch über der
dingt eine Neuberechnung der Gefällereserven.
Höhe des Überlaufes ablagern. Es baut sich
mit der Zeit ein ständig zunehmender Stau
auf. Ein erhöhter und immer wiederkehrender
Reinigungsaufwand während der gesamten
Nutzungsdauer ist die Folge. Staus sind zu
© Dr.-Ing. Max Scherle
vermeiden!
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 18

Baugrunderkundung für Rohrvortriebe

Eine Ergänzung der A125, A161 und DIN 18319 von


Dr.-Ing. Max Scherle

Was für den Flieger das Wetter ist, ist für den Rohrvortrieb der Baugrund. Kein
Flieger würde starten, ohne sich nach dem Wetter erkundigt zu haben, das ihn auf
seinem Flug erwartet. Doch wie viele Rohrvortriebe werden gestartet ohne Kunde
vom Baugrund, in den er sich begibt. Dabei kann der Flieger im Notfall noch
ausweichen, der Rohrvortrieb kann es nicht - er muss durch!

Die Aussagen, die der Rohrvortrieb zu seiner Vorbereitung und Durchführung


braucht, erwartet er von einem Baugrundgutachten.

Unterlagen für ein Baugrundgutachten sind die

- Übersichtspläne
- Lagepläne
- Längenschnitten (Höhenpläne)

der Baumaße.

Einblick in den Baugrund gewähren dem Gutachter

- Aufschlussbohrungen
- Rammsondierungen.

Ihre Häufigkeit richtet sich im Einzelfall nach dem Schwierigkeitsgrad der


Baumaßnahme und nach dem zu erwartenden Baugrund. Als Richtwert können
gelten für

- Aufschlussbohrungen,
Abstände von 200 bis 400 m
- Rammsondierungen,
Abstände von 50 bis 100 m

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1. Fortsetzung 05.05.03 Seite 19

Dabei sollen an den Stellen der Aufschlussbohrungen vor Durchführung der


Bohrungen stets die Rammsondierungen ausgeführt werden. So wird eine wichtige
Aussage über die Lagerungsdichte der bei den anschließenden Bohrungen
angetroffenen Bodenschichten erhalten. Andererseits geben die Bohrungen
Aufschluss über Besonderheiten der vorausgegangenen Rammsondierungen, wie
z.B. unerklärbar hohe Schlagzahlen.

Die Ansatzpunkte der Aufschlussbohrungen und Rammsondierungen sind auf


Normalnull (NN) einzumessen, damit ihre Ergebnisse in die Längenschnitte
(Höhenpläne) übernommen werden können.

Die Aufschlussbohrungen und Rammsondierungen sind - soweit nicht Festgestein


angetroffen wird - mindestens bis halber Außendurchmesser der Rohre unter deren
Sohle zu führen.

Die Ansatzpunkte der Aufschlussbohrungen und Rammsondierungen sollen


möglichst in der Nähe der geplanten Achse des Rohrvortriebes liegen.

Ist damit zu rechnen, dass beim Vortrieb Druckluft oder flüssigkeitsgestützte


Ortsbrust zur Anwendung kommen wird, dürfen Aufschlussbohrungen nicht auf der
geplanten Achse des Rohrvortriebes ausgeführt werden, da auch bei guter
Verdämmung der Bohrlöcher die akute Gefahr von Ausbläsern der Luft und des
Abwanderns des Stütz- und Gleitmittels besteht.

Die Ansatzpunkte der Aufschlussbohrungen und Rammsondierungen sind zu


nummerieren und in die Lagepläne einzutragen. Die dazugehörenden Bohrprofile
und Rammsondierdiagramme sind mit ihren Nummern maßstabgetreu in die
Längenschnitte (Höhenpläne) über den jeweiligen Vortriebsleitungen darzustellen.

Das auf der Grundlage der Aufschlussbohrungen und Rammsondierungen zu


erstellende Baugrundgutachten ist in einen allgemeinen Teil und, soweit der
Auftraggeber besondere Fragen stellt, in einen besonderen Teil gegliedert.

Der allgemeine Teil gilt für jeden Vortrieb. Er gibt Aufschluss über den Baugrund
und seine für den Rohrvortrieb relevanten Eigenschaften. Dabei ist zu unterscheiden
zwischen den Aussagen

- zur Vortriebstechnik
- zur statischen Berechnung der Vortriebsrohre
- zu den Start- und Zielschächten

Für die Vortriebstechnik ist jener Bereich bestimmend, in dem der Schild eingepresst
wird und in dem die Rohre vorgetrieben werden. Dafür ist der Außendurchmesser der
Rohre mit einem Zuschlag für die Einpressung eines Stütz- und Gleitmittels
maßgebend.

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Für die statische Berechnung der Vortriebsrohre ist der gesamte Bereich von der
Rohrsohle und halbem Rohrdurchmesser darunter bis zur Geländeoberfläche, sowie
beiderseits der Rohre maßgebend.

Für die Start- und Zielschächte ist der Boden unter der Schachtsohle bis zur
Geländeoberfläche von Bedeutung.

Die unterschiedliche Zielsetzung - Vortriebstechnik einerseits und statische


Berechnungen der Vortriebsrohre andererseits - hat zu einer unterschiedlichen
Klassifizierung der Böden geführt.

Für die Vortriebstechnik ist die

ATV DIN 18319


Rohrvortriebsarbeiten
der VOB / C

anzuwenden. Diese unterscheidet in

• Lockergestein und in
• Festgestein.

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Klassifizierung nach PIN 18319


Lockergestein bis Korngröße 63mm

Zusatz zu den Bodenklassen LNE 1 - LBO 3

Steine 63 - 300 mm Anteil < 30 % S1


Steine 63 - 300 mm > 30 % S2
Steine 301 - 600 mm Anteil < 30 % S3
Steine 301 - 600 mm > 30 % S4

Tabelle 1

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Tabelle 1 zeigt die Klassifizierung der Böden nach DIN 18319 für Lockergestein.

Im Festgestein klassifiziert die DIN 18319 für

nicht bzw. gering zertrennt,


Trennflächenabstand im Dezimeterbereich

Einaxiale Druckfestigkeit Klasse


bis 5 NM/m² FD 1
über 5 bis 50 NM/m² FD 2
über 5 bis 100 NM/m² FD 3
über 100 NM/m² FD 4

stark zertrennt,
Trennflächenabstand im Zentimeterbereich

Einaxiale Druckfestigung Klasse


bis 5 NM/m² FZ 1
über 5 bis 50 NM/m² FZ 2
über 50 bis 100 NM/m² FZ 3
über 100 NM/m² FZ 4

Für die statische Berechnung der Vortriebsrohre machen das Arbeitsblatt A 161
der Abwassertechnischen Vereinigung sowie das gleichlautende Merkblatt DVGW
GW 312 im Abschnitt 3.4 Angaben. Hier werden vier Bodengruppen unterschieden:

Gruppe 1: nichtbindige Böden

Gruppe 2 schwachbindige Böden

Gruppe 3: bindige Mischböden, Schluff

Gruppe 4: bindige Böden

Die Zuordnung zu den einzelnen Gruppen ergibt sich aus der DIN 18196.

Durch die Festlegung auf die genannten vier Bodengruppen sind die Grenzen des
Arbeitsblattes A 161 bzw. des Merkblattes GW 312 für die Anwendung auf
Lockergestein abgesteckt - und dennoch werden auch im Festgestein Rohrvortriebe
ausgeführt.

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Die Bodenklassen der DIN 18319 sind Grundlage für den Abbau des Gebirges und
die Abförderungen des Haufwerkes. Für die statische Berechnung der Rohre im
Festgestein, für die im Abschnitt „Statische Berechnung der Vortriebsrohre“ dieser
Anwenderinformationen Rechenansätze gegeben werden, sind weitere Aussagen im
Baugrundgutachten erforderlich. Diese sind:

• Erstens: Ist das Gestein zu beschreiben. Nach Möglichkeit ist der


Schichteneinfallwinkel anzugeben.
• Zweitens: Ist das Gebirge unter den gegebenen Bedingungen in der Lage,
die durch den Ausbruch weggefallenen Primärspannungen durch
Umlagerung so zu übernehmen, dass die Rohre nicht durch das Gebirge
belastet werden? Wie groß muss der Überschnitt sein, dass der
Umlagerungsvorgang nicht behindert wird?
• Drittens: Wenn die vorstehende Frage verneint werden muss, dann ist mit
Gebirgsdruck zu rechnen. Welche Größe ist der statischen Berechnung
zugrunde zu legen?
• Viertens: Ist mit Bergschlägen zu rechnen?

Soll der Vortrieb in Böden - Locker- oder Festgestein - aufgefahren werden, in denen
ein Quellen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, wird im
Baugrundgutachten eine Aussage dahingehend erwartet, ob im vorliegenden Fall mit
Quellen gerechnet werden muss? Wenn diese Frage bejaht wird, mit welchem
Ausmaß und in welcher Zeit ist mit Quellen zu rechnen?

Meist wird bei den Angaben zum Baugrund stillschweigend von der Annahme
ausgegangen, dass der Baugrund innerhalb eines Querschnittes vom Scheitel bis zur
Sohle einheitlich ist. Häufig trifft dies auch mit den üblichen Schwankungen, die
jedem natürlichem Boden anhaften, zu.

Doch sind jene Fälle keine Ausnahme, in denen in ein und demselben Querschnitt
mehrere unterschiedliche Bodenarten oder -gruppen oder solche mit wesentlich
unterschiedlichen Lagerungsdichten angetroffen werden.

Auf die Auswirkung verschieden gearteter Böden auf die statische Berechnung sowie
auf die Vortriebs- und Steuertechnik wird in jeweiligen Abschnitten dieser
Informationen eingegangen.

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Besonders gefährlich sind Böden mit wesentlich höheren Lagerungsdichten als die
über ihnen lagernden Böden aufweisen. Sie sind ein, unter Umständen gravierendes
Erschwernis, das zu einem Vortriebshindernis werden kann. Dies trifft vor allem dann
zu, wenn Böden mit sehr hoher Lagerungsdichte aus der Rohrsohle „auftauchen“ und
in locker gelagerte Böden innerhalb des Ausbruchquerschnittes hineindrängen.

Deshalb wird vom Baugrundgutachten erwartet, dass es auf wesentliche


Veränderungen des Baugrundes innerhalb des Ausbruchquerschnittes im Verlauf der
Vortriebsstrecke nach Lage, Bodenart und Lagerungsdichte deutlich hinweist.

Zusammenführung der Bodenkennwerte

Im Baugrundgutachten sind wegen der unterschiedlichen Klassifizierung der Böden


zwei unterschiedliche Kennwerte anzugeben. Dies kann zu Missverständnissen mit
unter Umständen schwerwiegenden Folgen führen. Diese Gefahr ist beseitigt, wenn
beide Systeme zusammengeführt werden. Die Zusammenführung zeigt die
Tabelle 2.

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Klassifizierung A161 Klassifizierung PIN 18319


Beschreibung PIN 18196

Tabelle 2

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Die wesentlich verbesserte Aussagekraft durch die Zusammenführung verdeutlicht


folgendes Beispiel:

Beide Systeme bringen zum Ausdruck

Lockergestein - bindiger Boden.

Für die statische Berechnung ist nach A 161/GW 312

Bodengruppe 4

angegeben. Dazu gehören:

- TL leicht plastische Tone mittlerer Trockenfestigkeit


- TM mittelplastische Tone hoher Trockenfestigkeit
- TA ausgeprägt plastische Tone mit sehr hoher Trockenfestigkeit

- OH Schluffe
- OT Tone mit organischen Beimengungen
- OH grob- bis mischkörnige Böden mit Beimengungen humoser Art
- OK grob- bis mischkörnige Böden mit kalkigen, kieseligen Bildungen.

Für die Vortriebstechnik ist nach DIN 18319 angegeben:

LBM 3-S1
d. h. Lockergestein - Bindig - Mineralisch
festgelagert, Steine 63 bis 300 mm Anteil = oder < 30 %

Während sich der Statiker nach der Angabe „Bodengruppe 4“ zwischen sieben stark
divergierenden Böden entscheiden muss, bestimmt die Zusammenführung

G4-LBM3-S1,

dass aus den sieben Möglichkeiten der Bodengruppe 4 gemäß Tabelle 2


entsprechend

B bindiger Boden
M mineralischer Boden
und
3 für festgelagerter Boden

nur einer der nachstehenden Böden

TL = leicht plastischer Ton mit mittlerer bis hoher Trockenfestigkeit


TM = mittelplastischer Ton mit hoher Trockenfestigkeit
TA = ausgeprägt plastischer Ton mit sehr hohen Trockenfestigkeit

in Frage kommen kann.

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So gewinnen beide Aussagen voneinander:


Der Statiker erfährt über die Lagerung bzw. Konsistenz, die aus der Angabe „Gruppe
4“ nicht abzulesen ist und die bei der statischen Berechnung der Rohre von
entscheidender Bedeutung sein kann. Der Vortrieb erfährt, dass es sich um
plastische Tone (Mergel!) handelt.

S1 besagt, dass mit einem Anteil an Steinen von 65 bis 300 mm bis zu 30 %
gerechnet werden muss.

Zur Bestimmung der Bodengruppen und Bodenklassen sind Sieb- und


Schlämmanalysen aus den Bodenproben der Aufschlussbohrungen erforderlich. Die
Analysen, deren Ergebnisse dem Baugrundgutachten beizufügen sind, können im
allgemeinen auf den Bereich beschränkt werden, den der Schild vorschneidet und in
dem die Rohre vorgetrieben werden.

Die Schichtenverzeichnisse hingegen müssen den gesamten Bereich von der


Geländeoberfläche bis zur Rohrsohle plus halben Rohraußendurchmesser
darunter umfassen.

Die Lagerungsdichte ergibt sich aus den Rammsondierdiagrammen, die


ebenfalls den Bereich von der Geländeoberfläche bis zur Rohrsohle plus
halben Rohraußendurchmesser darunter umfassen.

Zweckmäßig wird die zusammengefasste Klassifizierung in den


Längenschnitten (Höhenpläne) neben den Bohrprofilen und
Rammsondierdiagrammen innerhalb der Vortriebsrohre eingetragen, wobei bei
Wechsel der Bodenklasse beide Werte übereinander zusammen mit der
Trennungsebene dargestellt werden.

Neben den Aussagen, die jeden Vortrieb betreffen können, werden im


Baugrundgutachten in Einzelfällen auch Antworten auf

besondere Anfragen

erwartet. Diese können zum Inhalt haben:

- Wasserhaltung
- Druckluftverfahren
- Flüssigkeitsgestützte Ortsbrust
- Gefrierverfahren.

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Verehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 1. Fortsetzung unseres


Fernseminars zum Rohrvortrieb,

ich danke Ihnen, zugleich im Namen meines Partners, Herrn Dipl.-Ing. Rößler, für
Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse.

Ihre Teilnahme, vielleicht schon zum zweiten Mal, ermutigt uns, weiterzumachen. Die
2. Fortsetzung ist schon im Werden und soll am 07.07.03 erscheinen. Dieses Mal ist
ein Beitrag zu den

Pressschächten

vorgesehen. Schauen Sie mal rein. Dazu laden ein

Max Scherle
Uwe Rößler
Herrenknecht AG
Norddeutscher Wirtschaftsverlag

die Sie zugleich verabschieden und auf ein Neues grüßen.

Diskussionsbeiträge zu diesem Seminar sowie Anregungen zu den Folgeseminaren


bitte an Fax 0621/6882 302.

 Dr.-Ing. Max Scherle