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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

2. Fortsetzung am 07.07.03

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Thema:

- Pressschächte

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 2

Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im
Tiefbau im Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen
Forschungen und Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit
verbundenen Diskussionen, seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des
gemeinsamen Arbeitskreises Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung
und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches nach bestem Wissen und
Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung
für eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und
Durchführung des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 3

Dr.-Ing. Max Scherle

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

ich begrüße Sie, die Sie vielleicht schon zum dritten Mal an unserem Fernseminar
teilnehmen wollen, zugleich im Namen meines Kollegen, Herrn Dipl.-Ing. Uwe
Rößler, und des gesamten Teams, das an der Vorbereitung und Gestaltung des
Eingangsseminars und an der 1. Fortsetzung schon mitgewirkt hat.

Und nun steht bereits die 2. Fortsetzung an. Vielleicht fragen Sie: Müssen denn die
Abstände von einer Fortsetzung zur anderen jeweils 2 Monate betragen? Warum
geht es nicht schneller, dann wäre doch der Zusammenhang besser gewahrt. Doch
das geht leider nicht. Jeder Seminarbeitrag soll doch ein Unikat sein, das neu
entsteht, das erst handschriftlich konzipiert und skizziert wird, dann ins Reine
geschrieben und gezeichnet und zuletzt in das Internet eingegeben wird, das alles
braucht seine Zeit – ich bitte daher um Ihr Verständnis.

In diesem Beitrag wird über die Pressschächte berichtet. Pressschächte sind nur
Baubehelfe und deshalb kaum der Rede wert. Und doch ist so viel dabei zu
bedenken, welche Abmessungen müssen sie haben und wie tief müssen sie sein,
damit sie allen Aufgaben gerecht werden. Mit einigen Tausend kN drücken die
Hauptpressen den Rohrstrang vor sich her und stützen sich dabei auf die Rückwand
des Pressschachtes – wird sie auch diese Belastung aushalten? Das ist nicht selten
die bange Frage. Die Planung und Ausführung des Pressschachtes ist Sache der
Vortriebsfirma und da bleibt zwischen dem Auftragseingang und dem Baubeginn
meist nur wenig Zeit – viel zu wenig Zeit für komfortable erdstatische Berechnungen.
Mit diesem Seminarbeitrag gibt der Autor eine praxisgerechte, jedoch völlig
ausreichende Näherungslösung für den Nachweis der Standsicherheit der
Druckwände.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 4

Dr.-Ing. Max Scherle

Pressschächte für Rohrvortriebe

Pressschächte - auch Startbaugruben genannt - sind, soweit sie nicht der späteren
Aufnahme von bleibenden Bauwerken dienen, nur Baubehelfe, die nach Abschluss
des Vortriebes ihre Funktion erfüllt haben und, soweit dies technisch möglich und
wirtschaftlich vertretbar ist, beseitigt werden. Während ihrer Nutzungsdauer haben
sie vielfältige Aufgaben zu erfüllen:

1. Im Pressschacht sind die Vortriebspressen - Hauptpressen - untergebracht.

2. Im Pressschacht wird die schwellend wirkende Reaktionskraft aus den


Vortriebspressen über ein Pressenwiderlager, auch Druckwand genannt, in den
Boden eingeleitet.

3. Auf der Sohle des Pressschachtes befindet sich das Rohrauflager, auf dem
Rohre nach Höhe und Seite ausgerichtet und zusammengeführt werden.

4. Im Pressschacht ist bei Vortrieb in Druckluft und bei Vortrieb mit


flüssigkeitsgestützter Ortsbrust eine Rücklaufsperre erforderlich.

5. Im Pressschacht befindet sich die Ausfahröffnung und gegebenenfalls eine


Ausfahrwand mit einer Ausfahrdichtung.

6. Im Pressschacht wird die Vortriebsrichtung nach Höhe und Seite vorgegeben


und kontrolliert. Das dazu erforderliche Gerät, meist ein Lasergerät, ist so
anzuordnen, dass es durch die schwellende Belastung des Baugrundes aus der
Reaktionskraft der Vortriebspressen nicht beeinflusst wird.

7. Im Pressschacht ist die Hydraulikanlage für die Hauptpressen und für die
Zwischenpressstationen installiert.

8. Im Pressschacht ist die Steuereinrichtung für die Hauptpressen und für die
Zwischenpressstationen untergebracht.

9. Im Pressschacht sind die Geräte zur Messung und Aufzeichnung der


Vorpresskräfte an den Hauptpressen und Zwischenpressstationen untergebracht.

10. In den Pressschächten werden die Rohre auf das Rohrauflager abgelassen.

11. Aus den Pressschächten wird das Haufwerk zutage gefördert.

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12. In den Pressschächten erfolgt der Wechsel von Rohr zu Rohr mit Unterbrechung
und Wiederzusammenführung der
- Hydraulikleitungen (Vor- und Rücklauf) zur Betätigung der
Zwischenpressstationen und gegebenenfalls der Steuerpressen.
- Stromleitungen für Kraft und Licht.
- Mess- und Regelkabel.
- Telefonleitung.
- Druckluftleitung für Druckluftwerkzeuge (erforderlichenfalls)
- Druckluftleitung bei Vortrieb in Druckluft.
- Luftleitung zur Belüftung der Vortriebsstrecke.
- Wasserleitung bei offener Wasserhaltung.
- Bentonitleitung für Bentonitsuspension als Stütz- und Gleitmittel.
- Bentonitleitungen für
- Vorlauf
- Rücklauf
bei flüssigkeitsgestützter Ortsbrust.

13. In den Pressschächten sind die Einrichtungen für eine offene Wasserhaltung mit
- Pumpensumpf
- Pumpe mit Stromversorgung und Steuereinrichtung
- Wasserableitung
unterzubringen.

14. In den Pressschächten sind verkehrssichere Zu- und Abgänge für die
Mannschaft und für die Aufsicht in Form von Leitern, Treppen und
Podesten unterzubringen.

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Pressschächte werden in
- nicht wasserführenden,
- vorübergehend wasserführenden,
- ständig wasserführenden
Böden in
- nicht überflutungsgefährdeten,
- überflutungsgefährdeten
Böden von
- Lockergestein bis zum
- Festgestein
ausgeführt.

Pressschächte werden
- in offener Bauweise mit senkrecht umspundeten Baugrubenwänden
- mit 1-stufigem Verbau
- mit mehrstufigem Verbau
- als Senkkasten
- ohne Wasserhaltung
- mit Wasserhaltung
- unter Druckluft
hergestellt.

Pressschächte können beim Bau und/oder im Betrieb durch austretendes Wasser


aus Wasserversorgungsleitungen
- nicht gefährdet,
- gefährdet
werden.

Pressschächte können beim Bau und/oder im Betrieb


durch Rückstau aus Abwasserkanälen
- nicht gefährdet,
- gefährdet
werden.

Die Auflistung zeigt die Vielfalt der Einflüsse und der Funktionen, die in einem
Pressschacht zu berücksichtigen sind und die seine Abmessungen bestimmen.

Von außen wirken auf den Pressschacht bzw. können auf ihn wirken
- der Erddruck
- die Verkehrslast aus der Kranbahn zum Ablassen der Rohre
- der Wasserdruck (gegebenenfalls).

Die äußeren Lasten und Kräfte bestimmen in Verbindung mit den Reaktionskräften
aus der Vorpresskraft die Bemessung der Pressschächte.

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Für die Festlegung der Abmessung und für die Bemessung der Pressschächte
sind nachstehende Angaben bzw. Vorgaben durch den Auftraggeber
erforderlich:
- Geländehöhe
- Rohrsohle = Wasserlauf
Bei Sohlauskleidung oder Sohlgerinne ist der Wasserlauf der Sohlauskleidung
oder des Sohlgerinnes die maßgebliche Rohrsohle!
- Nennweite der Rohre DN
- Grundwasserstände während der vorgesehenen bzw. vorgegebenen Bauzeit
- minimal
- maximal
zu erwarten.
- höchst anzunehmender Grundwasserstand
- höchst anzunehmender Hochwasserstand

Durch den Auftragnehmer sind einvernehmlich mit dem Auftraggeber


festzulegen:
- Innendurchmesser der Rohre di
- Wanddicke der Rohre s
- Länge der Rohre l

Mit diesen Angaben legt der Auftragnehmer die Abmessungen der


Pressschächte fest und bemisst sie.

Die Tiefe des Pressschachtes ergibt sich aus der Geländehöhe und dem
Wasserlauf zuzüglich
- Konstruktionsmaß des Rohrauflagers
- Betonsohle als Arbeitsfläche
- wasserdichte und auftriebssichere Betonsohlplatte, soweit erforderlich.

Die Breite des Pressschachtes ergibt sich aus dem


- Außendurchmesser der Rohre
- Arbeitsraum auf der Abgangsseite
- Arbeitsraum auf der Gegenseite zum Abgang.

Die Arbeitsräume müssen ein unfallsicheres Arbeiten und einen ungehinderten


Ablauf der einzelnen Arbeitsgänge, insbesondere beim Rohrwechsel, ermöglichen.

Als Richtwerte können für DN = 1,50 m


- auf der Seite der Zu- und Abgänge
Rohraußenseite + 2,00 m
- auf der Gegenseite
Rohraußenseite + 1,50 m
Abstand zur Innenseite des Verbaues gelten.

Für DN < 1,50 m können die Werte unter Aufrechterhaltung der Sicherheit und der
ungehinderten Ablaufes der Arbeitsgänge entsprechend verringert werden.

Für DN > 1,50 m sind die Werte angemessen zu erhöhen.

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Die Länge des Pressschachtes zwischen den Innenseiten des Verbaues bzw.
zwischen den Innenseiten der Senkkastenwände ergibt sich - soweit vorhanden - als
Summe aus:

1. Ausfahrwand (Brillenwand)
2. Ausfahrdichtung
3. Rücklaufsperre
4. Rückfederweg der Rohrstrecke
5. Überstand des Stahlführungsringes
6. ½ Einbauspiel
7. Rohrlänge zwischen den Rohrendflächen
8. Überstand des Stahlführungsringes
9. ½ Einbauspiel
10. Druckausgleichsring
11. Druckring
12. Pressenlänge eingefahren
13. Druckwand

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Schema einer Presse mit Zwischenstücken

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 10

Der erforderliche Pressenhub errechnet sich aus vorstehender Aufstellung als


Summe:

1. - 3. ohne Einfluss
4. Rückfederweg
5. Überstand des Stahlführungsringes
6. ½ Einbauspiel
7. Rohrlänge zwischen den Rohrendflächen
8. Überstand des Stahlführungsringes
9. ½ Einbauspiel
10. Druckausgleichsring
11. - 13. ohne Einfluss

Der erforderliche Pressenhub


kann durch
• 1-stufige Pressen
• 2-stufige Pressen
- mechanisch teleskopierbar
- hydraulisch teleskopierbar
aufgebracht werden.

Reicht der vorhandene Gesamtpressenhub, 1-stufig oder 2-stufig nicht aus, den
erforderlichen Pressenhub aufzubringen, werden
Verlängerungsstücke erforderlich. Da Ein- und Ausbau von Verlängerungsstücken
arbeitsintensiv und zeitraubend ist, wird angestrebt, mit 1-stufigen oder 2-stufigen
Pressen ohne Verlängerungsstücke auszukommen. Dazu ist zu prüfen, bis zur
welcher Rohrlänge 1-stufige oder 2-stufige Pressen ohne Verlängerungsstücke
ausreichen, den erforderlichen Pressenhub aufzubringen.

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Die maximale Rohrlänge für Pressen ohne Verlängerungsstücke errechnet sich

max lohne VerlängerungRohr = Pressenhub gesamt


(1-stufig oder 2-stufig - teleskopierbar)
- (Rückfederweg
+ 2mal Überstand der Stahlführungsringe
+ Einbauspiel
+ Druckausgleichsring).

Ist die vorgegebene Rohrlänge lgegeben größer als max lohne Verlängerung, sind
Verlängerungen erforderlich, deren Länge sich errechnet als
lVerlängerung = lgegebenRohr - max lohne VerlängerungRohr
lVerlängerung kann beliebig unterteilt werden.

Die Länge von Verlängerungsstücken darf - in einem Stück oder in Teilen -


höchstens betragen
max lohne Verlängerung = oder < max lohne VerlängerungRohr

Die zulässige Gesamtrohrlänge darf höchstens betragen


lgesamtRohr = lohne VerlängerungRohr + lVerlängerung

Durch Einsatz von Verlängerungsstücken kann die zulässige Gesamtrohrlänge


verdoppelt werden.

Die Gesamtrohrlänge geht als Rohrlänge in die Ermittlung der Länge des
Pressschachtes ein.

Hinweise zu den Einrichtungen in Pressschächten

1. Ausfahrwand

Ausfahrwände, die meist aus Stahlbeton hergestellt werden, reichen von einer
Längsspundwand zur anderen und sind dort ausreichend einzubinden. Die
Ausfahröffnung bzw. die Ausfahröffnungen bei Parallelvortrieben (deshalb
Brillenwand) ermöglichen beim Start die Einhaltung der planmäßigen Lage des
Schildes oder Schneidschuhes mit Millimetergenauigkeit nach Höhe und Seite. Alle
Rohre werden bei der Ausfahrt aus dem Pressschacht geführt und können weder
nach der Höhe noch nach der Seite ausweichen. Ein Spiel von 1,0 cm bei Rohren
kleiner Nennweiten und 2,0 bis 3,0 cm bei Rohren größerer und großen Nennweiten,
jeweils auf den Radius des Schildes unter Beachtung des Überschnittes bezogen,
kann als Richtwert gelten. Auf die Toleranzen des Schildes ist zu achten.

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 12

Die Ausfahrwand ist eine wertvolle Hilfe bereits beim Start. Ohne Ausfahrwand wird
im Startschacht der Schild an die Spundwand herangeschoben. Im Schutze des
Schildes werden die Spundbohlen in der Größe der Ausfahröffnung ausgebrannt.
Erst wenn die Ausfahröffnung voll hergestellt ist, kann der Schild eingeschoben
werden. Ein Nachfall von Boden an der Ortsbrust ist dabei nicht zu vermeiden.

Ist eine Ausfahrwand vorhanden, kann der Schild in die Ausfahröffnung soweit
eingeschoben werden, bis er an den Spundbohlen anliegt. Die Ortsbrust wird in voller
Größe mit Sandsäcken verdämmt. Dann können die Spundbohlen einzeln bis zum
Scheitel der Ausfahröffnung hochgezogen werden. Ein Nachbruch an der Ortsbrust
kann bei ausreichender Dämmung ausgeschlossen werden. Mit dem Hochziehen der
Spundbohlen ist der Start freigegeben.

Besonders schwierig ist das Ausbrennen der Spundbohlen bei Schilden mit enger
Fächerteilung. Hier bietet die Ausfahrwand mit ihrer Ausfahröffnung in Verbindung
mit dem Hochziehen der Spundbohlen eine besondere wertvolle Hilfe.

Unverzichtbar ist die Ausfahrwand mit Ausfahröffnung bei Vortrieb mit


flüssigkeitsgestützter Ortsbrust in Verbindung mit einem Schneidrad, da hier ein
Ausbrennen der Spundbohlen so gut wie unmöglich ist. Der Schild mit dem
Schneidrad wird in die Ausfahröffnung eingeschoben, die Spundbohlen werden
hochgezogen und der Vortrieb kann starten.

2. Ausfahrdichtung

3 Widerstände sind beim Rohrvortrieb zu überwinden


- der Brustwiderstand
- die Mantelreibung
- der hydraulische Widerstand beim Einschieben der Zwischenpressstationen.

Die Summe aus Brustwiderstand und Mantelreibung bestimmt die Kraft, die von der
Hauptpressstation bis zum Einbau der ersten Zwischenpressstation aufzubringen ist.

Ist die erste Zwischenpressstation eingebaut und wird sie betätigt, übernimmt diese
die Summe aus Brustwiderstand und Mantelreibung der vor ihr liegenden Teilstrecke.

Nach Einbau und Betätigung der ersten Zwischenpressstation hat die


Hauptpressstation vorrangig die Mantelreibung aus der vor ihr liegenden Teilstrecke
bis zur ersten Zwischenpressstation zu übernehmen. Hinzu kommt der Widerstand
der beim Einfahren der ersten Zwischenpressstation entsteht. Dieser Widerstand, mit
hydraulischem Widerstand bezeichnet, wird im Abschnitt „Hydraulik“ erläutert.

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 13

Ausfahrdichtung

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 14

Nach Einbau und Betätigung der zweiten Zwischenpressstation übernimmt diese die
Mantelreibung aus der vor ihr liegenden Teilstrecke bis zur nächsten
Zwischenpressstation. Hinzu kommt der hydraulische Widerstand beim Einfahren der
vor ihr liegenden Zwischenpressstation. Dieses „Spiel“ wiederholt sich von einer
Zwischenpressstation zur anderen.

Aufgabe der Vortriebsplanung und Ausführung ist die Minimierung aller


Vortriebswiderstände. Der wichtigste von ihnen ist die Mantelreibung - und gerade
sie lässt sich sehr stark beeinflussen - sei es positiv oder negativ. Darüber wird im
Abschnitt „Vortriebswiderstände“ berichtet. Es wird dort auch berichtet und
begründet, dass der Einsatz einer Bentonitsuspension als Stütz- und Gleitmittel
unmittelbar nach der Ausfahrt des Schildes und aller weiteren Rohre aus dem
Pressschacht erfolgen sollte, um eine lückenlose, optimale Schmierung aufzubauen.

Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus. Wird die Ausfahröffnung durch Ausbrennen
der Spundbohlen erzeugt und würde die Einpressung der Betonitsuspension
unmittelbar nach der Ausfahrt des Schildes und aller weiteren Rohre erfolgen, würde
sich diese nicht um die Rohre verteilen und den stützenden Gürtel aufbauen - sie
würde in den Pressschacht wirkungslos eindringen. Dort würde sie eine absolut
negative Wirkung zeigen - sie würde zum Gleitmittel für die Mannschaft werden. Ein
Verstopfen der Ausfahröffnung mit Holzwolle oder dergleichen hilft hier nur sehr
wenig. Die Folge ist: Der Einsatz der Bentonitsuspension geschieht erst in einem
beträchtlichen Abstand außerhalb des Pressschachtes. Damit bleibt die
Anfangsstrecke über den gesamten Vortrieb ungestützt und ungeschmiert.
Anstelle der Flüssigkeitsreibung als Grundlage der Ermittlung der
Vortriebswiderstände herrscht in der Anfangsstrecke ständig trockene Reibung vor.

Der Reibungsbeiwert bei trockener Reibung, z. B. Beton auf Kies oder Sand, beträgt
etwa das dreifache gegenüber der Flüssigkeitsreibung. Die Mantelreibung steigt
dementsprechend im Bereich der ungestützten und ungeschmierten Teilstrecke
dreimal schneller an, als bei Bentoniteinpressungen. Entsprechend schneller wird die
zulässige Vorpresskraft erreicht und entsprechend früher ist die erste
Zwischenpressstation einzubauen und in Betrieb zu nehmen. Dies gilt nun nicht
nur für den Einsatz der ersten Zwischenpressstation, sondern auch für alle
weiteren Zwischenpressstationen bei ihrer Ausfahrt aus dem Startschacht.
Damit verkürzt sich nicht nur der Abstand vom Startschacht bis zur ersten
Zwischenpressstation, sondern es verkürzen sich auch die Abstände aller
Zwischenpressstationen von Station zu Station. Die Folge ist der Bedarf zusätzlicher
Zwischenpressstationen mit erhöhten Vorhalte- und Betriebskosten.

Die Einpressung einer Bentonitsuspension als Stütz- und Gleitmittel noch bevor der
Schild und alle folgenden Rohre den Startschacht verlassen haben, ermöglicht eine
Ausfahrdichtung - bei umspundeten Pressschächten in Verbindung mit einer
Ausfahrwand. Bild 12 zeigt ein Beispiel hierfür. Bei Ausführung des Pressschachtes
als Senkkasten entfällt die Ausfahrwand, da die Ausfahrdichtung an der Wand des
Senkkastens unmittelbar angebracht werden kann.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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3. Rücklaufsperre

Bei Vortrieb in Druckluft in Verbindung mit Schleusen vor Ort und


bei Vortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust
übt die Druckluft über die Schleusenwand bzw. die Stützflüssigkeit über die
Trennwand eine dem Luftdruck bzw. dem Flüssigkeitsdruck entsprechende
Reaktionskraft auf die dahinterliegenden Rohre aus.

Während des Vortriebes wird diese Kraft als Teil der Vortriebswiderstände von der
Hauptpressstation und - soweit vorhanden - von den Zwischenpressstationen
überwunden.

Bei Stillstand des Vortriebes wird die Reaktionskraft zur Aktionskraft, die die
vorgepresste Vortriebsstrecke zurückdrängen will. Sie finden ihren Widerstand in der
nun in entgegengesetzter Richtung wirkenden Mantelreibung. Reicht die
Mantelreibung zur Aufnahme der gesamten Reaktionskraft nicht aus, dann stützt sie
sich auf die Hauptpressen ab, solange diese am Einschieben gehindert werden.

Werden die Hauptpressen zum Einlegen eines neuen Rohres eingefahren, dann
entfallen sie als Stütze für die rückwärts drängende Reaktionskraft. Ist in diesem
Zustand die Reaktionskraft größer als die Mantelreibung der insgesamt
vorgepressten Rohrstrecke, dann schiebt die Reaktionskraft die gesamte
vorgepresste Strecke um mindestens eine Rohrlänge in den Pressschacht zurück,
bis das zuletzt vorgepresste Rohr wieder am Druckring anliegt. Da die gesamte
Rohrstrecke zurückgeschoben wird, entsteht gleichzeitig vorne am Schild bzw. an
der Vortriebsmaschine ein ungestützter Hohlraum vom Volumen mindestens eines
Vortriebsrohres. Schwere Schäden im Bereich der Ortsbrust und des Pressschachtes
wären die Folge. Vor allem aber wäre die Mannschaft im Pressschacht und
insbesondere vor Ort in höchstem Maße gefährdet. Die Gefahr des Rücklaufes der
Rohrstrecke ist beim Start eines Vortriebes in Druckluft in Verbindung mit Schleusen
vor Ort und beim Start eines Vortriebes mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust am
größten, da hier die Mantelreibung am geringsten ist.

Der Gefahr des Rücklaufes der Rohrstrecke wird durch eine Rücklaufsperre
begegnet. Dazu wird um das in den Pressschacht ragende Ende des zuletzt
vorgetriebenen Rohres eine Bandage gelegt und angepresst, welche die volle
Reaktionskraft solange in den Pressschacht einleitet, bis die Wandreibung mit
ausreichender Sicherheit die Reaktionskraft übernehmen kann. Bei der Größe der
Gefahr und bei der Unsicherheit der Annahmen für die Mantelreibung - sie soll ja
möglichst klein sein - ist mindestens mit zweifacher Sicherheit zu rechnen.

Die auftretenden Kräfte und die Länge der erforderlichen Sicherheitsstrecke


verdeutlicht das nachstehende Zahlenbeispiel
DN = 3,00 m
da = 4,00 m
p = 2,0 bar
M = 5,0 kN/m²

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 16

Reaktionskraft

4,0² x
= x 2,0 x 100 = 2513 kN
4

Mantelreibung je Meter Rohrlänge

= 4,0 x x 5,0 = 63 kN/m

Zur Aufnahme der Reaktionskraft ist bei 2-facher Sicherheit eine Teilstrecke von

2513
L Sicherheit = 2 x = 80 m
63

erforderlich.

Das bei der Ermittlung der erforderlichen Länge eines Pressschachtes anzusetzende
Maß für die Rücklaufsperre ergibt sich aus deren Konstruktionszeichnung.

4. Rückfederweg der Rohrstrecke

Die Druckausgleichsringe, meistens aus Holz in Dicken zwischen 12 und 36 mm,


unterliegen, wenn auch mit Einschränkung, dem Hookeschen Gesetz. Ihre Dicke
verkürzt sich beim Anpressen und sie strebt bei Entlastung der Pressen -
Hauptpressen oder Zwischenpressen - dem ursprünglichen Maß wieder zu, soweit
sie nicht durch die Mantelreibung der Rohre daran gehindert wird.

Das Maß der Zusammendrückung setzt sich aus der


- bleibenden Zusammendrückung bei der Erstbelastung
- „elastischen“ Zusammendrückung bei schwellender Belastung zwischen
einem Höchstwert und Null
zusammen.

Die bleibende Zusammendrückung findet ihre Berücksichtigung beim Ansatz der


Dicke des Druckausgleichsringes in der statischen Berechnung der Vortriebssohle.
Auf den Rückfederweg hat sie keinen Einfluss.

Der Rückfederweg wird allein durch die „elastische“ Verformung bestimmt. Diese
hängt
- vom Material,
der Dicke und
dem scheinbaren Elastizitätsmodul des Druckausgleichsringes
- von der Flächenpressung aus der Vorpresskraft
- von der Anzahl der Druckausgleichsringe = Anzahl der Fugen
- von der Mantelreibung
ab.

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Bei der Vielzahl der Einflüsse ist eine Vorberechnung wenig sinnvoll. Als Richtwert
kann angenommen werden, dass der

Rückfederweg = 0,05 x Dicke x Anzahl

der Druckausgleichsringe ist.

Beispiel: Vortriebslänge = 300 m


Rohrlänge = 3,0 m
Dicke der Druckausgleichsringe = 25 mm

300
Rückfederweg = 0,05 x 25 x = 125 mm
3,0

Der Rückfederweg ist als Verlustweg bei jedem Rohrwechsel neu zu überwinden -
jedoch in voller Länge erst beim zuletzt vorzutreibenden Rohr. Da er proportional zur
Vortriebslänge ist, beginnt er beim ersten Rohr mit Null und steigt bis zu seinem
Höchstwert linear an. Bei kurzen Vortriebsstrecken ist der Rückfederweg
vernachlässigbar klein. Bei großen Vortriebsstrecken wird er zum Kalkulationsfaktor!

Der Rückfederweg kann mit einer Rücklaufsperre gestoppt werden.

5. und 8. Überstand des Stahlführungsringes

Der Überstand des Stahlführungsringes ergibt sich aus der Fugenzeichnung. Im


Abschnitt „Rohrverbindungen“ werden Hinweise für das Maß des Überstandes in
Abhängigkeit vom Nenndurchmesser der Rohre gegeben. Danach ist mit einem
Überstand von 100 mm bei DN = 1400 mm oder kleiner bis 175 mm bei DN = 3500
mm oder größer zu rechnen.

6. und 9. Einbauspiel

Das Spiel, das zwischen dem Stahlführungsring des zuletzt vorgetriebenen Rohres
und dem Spitzende des neu einzubauenden Rohres sowie zwischen dem
Stahlführungsring des neu einzubauenden Rohres und dem Druckring nach Bild 80b
- dort jeweils mit ½ Einbauspielraum bezeichnet - beim Einbau jedes neuen Rohres
gebraucht wird, unterliegt mehrfachen Einflüssen:
- Hebezeug
- Bagger als Hebezeug ausgerüstet
- Portalkran
- Können des Bagger- oder Kranfahrers
- Können der Mannschaft im Pressschacht
- Verbindung zwischen Bagger- oder Kranfahrer und Mannschaft
- Sichtverbindung
- Funkverbindung

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 18

- Tiefe des Pressschachtes


- Gewicht der Rohre.

Unter Berücksichtigung aller Einflüsse ist das Einbauspiel bei der Vortriebsplanung
abzuschätzen. Es sollte für keinen Fall unterschätzt werden, da Schäden an den
Rohren beim Einbau weitaus schwerer wiegen als einige Dezimeter bei der Länge
des Pressschachtes.

7. Rohrlänge

Die Länge der Rohre ist in Abstimmung zwischen den Anforderungen der
Vortriebsplanung und denen der statischen Berechnung der Rohre unter Zustimmung
des Auftraggebers festzulegen.

10. Druckausgleichsring

Der Druckausgleichsring, meisten aus Holz, der die Vorpresskraft von Rohr zu Rohr
zu übertragen hat, übt mit seiner Dicke von ca. 12 bis 36 mm nur einen
untergeordneten Einfluss auf die Länge des Pressschachtes aus. Er sollte aber aus
Gründen der Vollzähligkeit nicht unerwähnt bleiben.

11. Druckring

Der Druckring hat die Aufgabe, die Kraft der Vortriebspressen gleichmäßig in die
Vortriebsrohre einzuleiten. Sein Maß in Längsrichtung des Pressschachtes ergibt
sich aus der Konstruktionszeichnung bzw. aus dem Angebot des Herstellers.

12. Pressenlänge eingefahren

Die „Pressenlänge eingefahren“ ergibt sich aus den Angaben des Herstellers, wobei
es für die Ermittlung der Länge des Pressschachtes unerheblich ist, ob es sich um

• 1-stufige,
• 2-stufige, mechanisch teleskopierbare
• 2-stufige, hydraulisch teleskopierbare

Pressen handelt.

Beidseitige Gelenke an den Pressen gehören zur „Pressenlänge eingefahren“.

Verlängerungsstücke sind ohne Einfluss auf die Länge des Pressschachtes.

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2. Fortsetzung 07.07.03 Seite 19

13. Druckwand

Herzstück des Pressschachtes sind die Vortriebspressen. Vier Pressen mit bis zu
3000 kN Presskraft je Presse sind normal. Die Anordnung von sechs bis acht
Pressen ist bei Rohren mit entsprechender Belastbarkeit möglich. Die
Reaktionskräfte der Vortriebspressen muss der Baugrund im Rahmen seiner
Belastbarkeit aufnehmen. Dazu ist die punktförmige Belastung der Pressen auf eine
entsprechende Fläche zu verteilen. Dies geschieht über Druckwände.

Bei Vortrieb von einem senkrecht umspundeten Pressschacht (Startbaugrube) zu


einem Zielschacht (Zielbaugrube)
und
bei Vortrieb von einem senkrecht umspundeten Doppelpressschacht
(Doppelstartbaugrube) zu zwei gegenüber liegenden Zielschächten (Zielbaugruben)
können die Druckwände
- aus Stahlträgern
- aus Stahlbeton
hergestellt werden.

Die Ausführung der Druckwand aus Stahlträgern ist einfach, Stahlträger sind schnell
eingebaut, sofort belastbar, schnell ausgebaut und beliebig oft wiederverwendbar.
Bei Druckwänden aus Stahlträgern ist es jedoch schwierig, die Reaktionskraft aus
den Vortriebspressen gleichmäßig auf die Spundbohlen zu übertragen und damit
gleichmäßig in den Baugrund einzuleiten. Bewegungen im Verbau bei jeder Be- und
Entlastung der Vortriebspresse können nicht ausgeschlossen werden.

Druckwände aus Stahlbeton passen sich den Spundwänden sehr gut an. Ein
gleichmäßiger Eintrag der Reaktionskräfte aus den Vortriebspressen in den
Baugrund ist gesichert. Bewegungen im Verbau können auf ein Mindestmaß
begrenzt werden. Druckwände aus Stahlbeton erfordern jedoch Zeit zum Einschalen,
Bewehren und Betonieren. Vor allem erfordern sie Zeit bis zu ihrer Belastbarkeit
(theoretisch 28 Tage). Besonders aufwendig ist der Abbruch und die Beseitigung von
Spundwänden aus Stahlbeton. Eine Wiederverwendung scheidet aus.

Bei Vortrieb von einem Startschacht zu einem Zielschacht liegen sich im Startschacht
eine Ausfahröffnung, gegebenenfalls eine Ausfahrwand, und eine Druckwand
gegenüber.

Bei Doppelpressschächten (Doppelstartbaugruben) erfolgt der Vortrieb aus


einem Startschacht in zwei, meist etwa entgegengesetzte Richtungen. Dazu sind
zwei Druckwände erforderlich, da es unzulässig ist, die zuerst vorgepresste
Rohrstrecke nach Abschluss des Vortriebes als Widerlager für den Vortrieb in
entgegengesetzter Richtung in Anspruch zu nehmen.

Wenn auch das letzte Rohr der zuerst eingebauten Rohrstrecke die volle
Vorpresskraft zu übertragen hatte und wenn davon ausgegangen werden kann, dass
die Reaktionskraft aus den Vortriebspressen bei Vortrieb in entgegengesetzter
Richtung etwa gleich groß ist wie die vorher aufgebrachte Vortriebskraft, so wäre die
Beanspruchung des zuletzt eingebauten Rohres durch Reaktionskräfte eine

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wesentliche höhere, da diese Reaktionskräfte mit einer hohen Lastwechselzahl von


Null bis zum Höchstwert schwellend wirken. Für schwellende Beanspruchung aber
sind Vortriebsrohre nicht bemessen.

Beide Druckwände in Doppelpressschächten, die hier nur aus Stahlbeton sein


können, erhalten je eine Ausfahröffnung und gegebenenfalls eine
Ausfahrdichtung. Sie stellen somit eine Kombination von Ausfahrwand und
Druckwand dar.

Standsicherheits- und Tragfähigkeitsnachweis

Für Druckwände ist nachzuweisen, dass sie standsicher sind, das heißt, dass der
Baugrund in der Lage ist, die Reaktionskräfte aus den Vortriebspressen ohne
schädliche Bewegung aufzunehmen.

Aus dem Standsicherheitsnachweis ergeben sich die Breite und Höhe der
Druckwand als Grundlage für den Tragfähigkeitsnachweis.

Im Tragfähigkeitsnachweis ist die Dicke der Druckwand und, bei Ausführung in


Stahlbeton, die Bewehrung unter schwellender Belastung von Null bis zum
Höchstwert der Last bei häufigem Lastwechsel festzulegen. Als Belastung ist
mindestens die zulässige Vorpresskraft, verteilt auf die Anzahl der Pressen,
zugrundezulegen. Ein angemessener Sicherheitszuschlag ist geboten, da nicht
auszuschließen ist, dass in Notsituationen die zulässige Vorpresskraft überschritten
wird.

Nicht nur beim Standsicherheitsnachweis, auch beim Tragfähigkeitsnachweis sind


Ausfahröffnungen besonders zu berücksichtigen.

Die so ermittelte Dicke der Druckwand geht in die Ermittlung der Länge des
Pressschachtes ein.

Der Tragfähigkeitsnachweis erfolgt nach den allgemeinen Regeln der Tragwerks-


planung. Für den Standsicherheitsnachweis sind nachstehend Empfehlungen
gegeben.

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Standsicherheitsnachweis der Druckwand

Nach dem Rammen der Spundwände und dem Aushub der Baugrube bei
gleichzeitigem Verbau derselben wirkt der Baugrund horizontal auf die Spundwand
mit dem aktiven, horizontalen Erddruck (Bild 4a).

Gleichzeitig wirkt im Einspannbereich unterhalb der Baugrubensohle ein


entgegengesetzt gerichteter aktiver Erddruck.
(Bild 4a und b)

Bild 4: aktiver horizontaler Erddruck

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Nach Bild 5a würde unter weggedachter Spundwand die Kraft P, die gleich der
gesamten Vorpresskraft V ist, rechteckförmig verteilt unter

P P
p= =
F b x h2

auf den Baugrund wirken. Die Spundwand übermittelt jedoch die Kraft P und verteilt
sie entsprechend ihrer elastischen Verformung auf den Baugrund. Die in Bild 5b
angedeutete Belastungskurve mag zwar unter entsprechendem Rechenaufwand
berechenbar sein – doch lohnen wird sich dieser Aufwand sicher nicht, denn das
Ergebnis würde von so vielen Annahmen abhängen, so dass es höchst unsicher
wäre. Deshalb wird die Belastungslinie nach Bild 5c mit hinreichender Genauigkeit
durch ein Vieleck ersetzt, das aus 2 Dreiecken und einem Viereck gebildet wird.

Bild 5

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Aus Bild 5c, das für einstufigen Vorbau gilt, ergibt sich

Für einstufigen Verbau gilt demnach

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Für zweistufigen Verbau, bei dem die oberste Stufe des Belastungsbildes nicht
angesetzt werden darf, gilt gleich wie für einstufigen Verbau nach Bild 6

Bild 6: Belastungsbild für zweistufigen Verbau

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Eine Druckwand ist dann standsicher, wenn die Linie der Belastung innerhalb
der Linie des Erdwiderstandes liegt. Maßgeblich ist der kritische Punkt A.
Daraus errechnet sich der Sicherheitsbeiwert S.

Formelzeichen für Standsicherheitsnachweis

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Bodenkennwerte für Standsicherheitsnachweis

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Standsicherheitsnachweis für einstufigen Verbau

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Standsicherheitsnachweis für zweistufigen Verbau

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Rechenbeispiel für einstufigen Verbau

Bodenart Kies/Sand
Vorpresskraft 8.000 kN

Variante I Variante II

γow = 19 kN/m³ γow = 19 kN/m³


ζ = 35° ζ = 35°
λp = 3,69 λp = 3,69
h4 = - h4 = -
h3 = 4,00 h3 = 4,00
h2 = 3,00 h2 = 3,00
h1 = 1,00 h1 = 2,00 (geändert)
b = 4,00 b = 5,00 (geändert)

Variante I
λ p x γ x h 3 x (h 1 + 2 x h 2 + h 3 ) x b
SI =
2xP

= 3,69 x 19,0 x 4,00 (1,00 + 2 x 3,00 + 4,00) x 4,00 = 0,77 nicht ausreichend
2 x 8.000

Variante II

SII = 3,69 x 19,0 x 4,00 (2,00 + 2 x 3,00 + 4,00) x 5,00 = 1,05 ausreichend
2 x 8.000

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Rechenbeispiel für zweistufigen Verbau

Bodenart Kies/Sand
Vorpresskraft 8.000 kN

Variante I

γow = 19 kN/m³
ζ = 35°
λp = 3,69
h4 = 4,00
h3 = 4,00
h2 = 3,00
h1 = 1,00
b = 4,00

Variante I
λ p x γ x (h 3 + h 4 ) x (h 1 + 2 x h 2 + h 3 ) x b
SI =
2xP
3,69 x 19,0 x (4,00 + 4,00) x (1,0 + 2 x 3,00 + 4,00) x 4,00
= = 1,54 ausreichend
2 x 8.000

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Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse an diesem Seminar zu den


Pressschächten danke ich Ihnen zugleich im Namen meines Partners, Herrn
Dipl.-Ing. Rößler, und verabschiede mich für heute.

Wir hoffen, dass wir Ihre Erwartungen erfüllen konnten und würden uns freuen, wenn
wir Sie wieder bei der nächsten Fortsetzung, das wäre die

3. Fortsetzung am 09.09.03

zu dem Thema: Steuerung von Rohrvortrieben


begrüßen dürften.

Dazu laden Sie ein

Max Scherle
Uwe Rößler
Herrenknecht AG
Norddeutscher Wirtschaftsverlag

Fragen zur Diskussion dieses Beitrages und Anregungen zu den Folgebeiträgen bitte
an Fax 0621/6882 302.

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