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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

8. Fortsetzung am 08.08.04

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Thema:

- Rohrverbindungen und Zwischenpressstationen, untersucht am


Beispiel von Stahlbetonrohren

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 2

Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im
Tiefbau im Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen
Forschungen und Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit
verbundenen Diskussionen, seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des
gemeinsamen Arbeitskreises Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung
und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches nach bestem Wissen und
Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung
für eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und
Durchführung des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 3

Dr.-Ing. Max Scherle

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

ich begrüße Sie zugleich im Namen meines Partners, Herrn Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
der Firma Herrenknecht AG und des Norddeutschen Wirtschaftsverlages GmbH.

„Rohrverbindungen“ hat diesmal der Autor als Thema gewählt, um ein


„Schneewittchen“ beim Rohrvortrieb zu erwecken. Aber warum werden die
Rohrverbindungen beim Gesamtthema Rohrvortrieb so stiefmütterlich behandelt?
Man sieht sie kaum und wenn, dann nur in Teilen, ohne diese besonders zu
beachten, ohne ihrer Bedeutung bewusst zu werden. In den Arbeitsblättern A161 und
A125 der ATV, im Standardleistungsbuch Rohrvortrieb 085 des GAEB und in den
verschiedenen Forschungsarbeiten und Publikationen werden sie – wenn überhaupt
– nur unzureichend erwähnt. Dabei haben sie doch so vielfältige Aufgaben zu
erfüllen und jede einzelne könnte schon die Hauptaufgabe beim Rohrvortrieb sein.

Aufgaben der Rohrverbindungen beim Rohrvortrieb (ohne Anspruch auf


Vollständigkeit!):
1. Verbindung von Rohr zu Rohr
2. Verhinderung von Verschiebungen zwischen den Rohren nach der Höhe und
der Seite.
3. Übertragung der längsgerichteten Vorpresskräfte von Rohr zu Rohr bei
geradliniger Gradiente und/oder gewollter oder ungewollter Krümmung der
Gradiente.
4. Übertragung der quergerichteten Kräfte ohne Verschiebung der Rohre nach
der Höhe und der Seite.
5. Dichtung gegen Eindringen von Grundwasser und von Bentonitsuspension
6. Dichtung gegen Austritt von Wasser
7. Dichtung gegen Austritt von Druckluft soweit vorhanden bzw. soweit damit
zu rechnen ist.
8. Aufnahme der Verwinkelung von Rohr zu Rohr bei geplanten bzw.
ungeplanten Steuerbewegungen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Elemente der Rohrverbindungen beim Rohrvortrieb (ohne Anspruch auf


Vollständigkeit!) sind:
1. Stahlführungsring
2. Spitzende
3. Druckübertragungsring
4. Dichtring (außen)
5. Dichtmittel (innen)
6. Abdichtung gegen Umläufigkeit

Die Bilder 1 bis 4 zeigen Rohrverbindungen in schematischer Darstellung. Sie sind


nicht als bindende Richtlinie zu verstehen. Sie können und sie sollen jedoch den
Anwendern ein Anhaltspunkt sein. So oder so ähnlich wurden im früheren
Wirkungsbereich des Autors unter seiner Verantwortung Rohrverbindungen
erfolgreich ausgeführt. Soweit die ausschreibende bzw. vergebende Stelle Bezug
auf Inhalte dieses Seminars nimmt, können diese nur Mindestanforderungen sein,
die den Auftragnehmer nicht von seiner Pflicht entbinden, mehr zu tun oder anders
zu handeln, wenn er es für erforderlich hält bzw. es erforderlich ist!

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Bild 1

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Bild 2

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Bild 3

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Bild 4

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Der Stahlführungsring hat die Aufgabe:


1. wie sein Name sagt, das nachfolgende Rohr auf den rechten Weg zu führen.
2. die auf ihn entfallende vertikale Last К x γ x h x b x da aufzunehmen
und - da er statisch weich ist und deshalb nur begrenzt selber Lasten tragen
kann – diese an das vorauslaufende bzw. an das nachlaufende Rohr zur dortigen
Aufnahme weiterzuleiten.
3. den auf ihn entfallenden horizontalen Erddruck γ x h x К2 x b x da aufzunehmen
und – da er statisch weich ist und deshalb nur begrenzt selber Kräfte aufnehmen
kann – diese an das vorauslaufende bzw. an das nachlaufende Rohr zur dortigen
Entlastung weiterzuleiten.
4. die horizontalen und vertikalen quergerichteten Kräfte – vorrangig aus
Zwängungen -, die ihm vom Spitzende des nachlaufenden Rohres aufgebürdet
werden, an das vorlaufende Rohr bzw. an den Baugrund weiterzugeben.
5. die horizontalen und vertikalen quergerichteten Kräfte aus geplanten aber
auch aus ungeplanten Steuerbewegungen bzw. Steuerkorrekturen, die ihm
vom Spitzende des nachlaufenden Rohres aufgebürdet werden, an das
vorauslaufende Rohr bzw. an den Baugrund weiterzugeben.
6. die aus der Pressung des Dichtringes herrührenden Spannungen
aufzunehmen.
7. usw.

Bei der Vielfalt der Lasten und Kräfte, die auf den Stahlführungsring einwirken, ist es
unmöglich, dessen Abmessungen – Dicke und Breite – rechnerisch nachzuweisen.
Es wäre auch nicht sinnvoll, da die Lasten und Kräfte nach Größe und Wirkrichtung
von Fall zu Fall unterschiedlich sind. Hier dürfen, ja hier müssen

Erfahrung und das konstruktive Gefühl

sprechen. Abmessungen, wie sie die Bilder 1 bis 4 zeigen, haben sich offensichtlich
bewährt. Sehr wichtig ist die Qualität der Schweißverbindung. Diese ist
regelmäßig zu prüfen!

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Als Werkstoff kommt gemäß

ATV-Arbeitsblatt A125, Abschnitt 4.3.2.3.6

überwiegend Baustahl nach DIN EN 10025, z.B. S235IR (nur bei bemannten
Vortrieben) in Frage.

Nicht rostender Stahl nach DIN 17440 EN 10088-1 kommt überwiegend für
unbemannten Vortrieb in Frage.

Stahl mit Überzug z.B. Kautschukelastomer kommt überwiegend für bemannten


Vortrieb in aggressiven Böden bzw. Grundwasser in Frage.

Stahl mit galvanischem Oberflächenschutz oder mit polymeren


Beschichtungen < 1000 µm sind nicht zulässig!

Ganz wesentlich für das Gelingen eines Rohrvortriebes ist eine Befestigung,
die alle Stahlführungsringe unverrückbar auf den Rohren in ihrer
ursprünglichen Lage festhält und dabei allen genannten Anforderungen
schadlos standhält!

Dazu gibt das Arbeitsblatt der ATV – A125 im Abschnitt 4.3.2.3.5 mit der Abb. 3 unter
anderem einen Hinweis zur Verankerung des Stahlführungsringes. Eine solche
Lösung des Problems wäre gut und richtig – wenn nur nicht die Bewehrung im
Wege wäre!

Es ist davon auszugehen, dass Stahlbetonrohre – und darum handelt es sich


überwiegend und auch hier im gegenwärtigen Seminar ist von Stahlbetonrohren die
Rede – in stehenden Schalungen betoniert werden. Dazu wird zuerst der
Stahlführungsring auf die Arbeitsplatte aufgelegt. Dann werden die Außen- und
Innenschalung auf der Arbeitsplatte aufgestellt und an den Stahlführungsring
angelegt. Nun wird der Bewehrungskorb in die Schalung bis zu seiner endgültigen
Lage abgelassen. Wären da nicht die Anker – mindestens 4 Stück je
Stahlführungsring müssen es schon sein – bereits an diesen angeschweißt, könnte
der Bewehrungskorb seine endgültige Lage am Rohrende wohl erreichen,
doch die Anker stehen ihm im Weg. Ein Einführen der Anker durch die
eingestellte Bewehrung ist ebenso unmöglich wie ein Anschweißen in der
Schalung.

Eine Ausführung der Verankerung des Stahlführungsringes nach dem


Arbeitsblatt A125 der ATV bleibt daher ausschließlich Rohren aus unbewehrten
Rohrwerkstoffen vorbehalten. Nicht sehr glaubwürdig ist allerdings die dargestellte
Schweißverbindung des Ankers am Stahlführungsring. Hier müsste noch eine
bessere Lösung gefunden werden!

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Doch die Teilnehmer am Seminar (und selbstverständlich auch alle Leser der
Seminarunterlagen) sollen mit dem so entscheidend wichtigen Problem der
Verankerung der Stahlführungsringe an den Vortriebsrohren nicht allein gelassen
werden. Auch hier darf der Autor aus eigener Erfahrung eine vielfach erprobte
Lösung vorschlagen.

Im Stahlführungsring werden zur Verankerung nach Bild 6 umlaufende Ringe aus


Rundstahl, deren Durchmesser der Wanddicke des Stahlführungsringes mit ca. 8
bis 15 mm angepasst wird, eingelegt und beidseits angeschweißt. Die
Schweißnähte erfolgen jeweils intermittierend. Durchgehende Schweißnähte sind
nicht erforderlich und auch nicht angezeigt. Zur Minderung der Umläufigkeit
können Leerstellen zwischen den Schweißnähten mit einem Dichtmittel ausgefüllt
werden.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Bild 6: Verankerung des Stahlführungsringes – Ausführung für bewehrten Beton

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Eine Kette trägt nicht mehr als ihr schwächstes Glied – eine alte Weisheit!

Und die Spitzenden der Rohre sind nun einmal die schwächsten Glieder eines
jeden Rohrstranges beim Rohrvortrieb! Vergleicht man die Spitzenden der Rohre
mit deren Schaft – winzig kleine Zwerge neben Riesen! Nur ein Anhängsel an den
Vortriebsrohren, gebildet durch die Einschnürung zur Aufnahme des
Stahlführungsringes – unbemerkt geschwächt durch die Kerbwirkung, die am
Übergang vom Rohrschaft zum Spitzende entsteht. Nochmals geschwächt
durch die Ringnut zur Aufnahme des Dichtringes. Diesem so mehrfach
geschwächten Winzling werden alle vorausgehend dargestellten Lasten und Kräfte
von dem Riesen Rohrschaft aufgebürdet.

Der Rohrschaft übergibt die in Richtung der Rohrachse wirkende Vorpresskraft an


das Spitzende zur Weitergabe an das vorauslaufende Rohr. Die Übergabe erfolgt
unter Zwischenschaltung eines elastisch bis plastisch verformbaren Ringes zur
Vergleichmäßigung der Spannungen in der Übertragungsfläche – deshalb
Druckübertragungsring oder was dem gleich ist Druckausgleichsring. Die
Weitergabe kann zentrisch erfolgen, soweit die Achsen des vorauslaufenden und des
nachlaufenden Rohres nicht verwinkelt sind, oder was dem gleich ist, solange die
Endflächen beider Rohre parallel sind. In diesem Falle wären die Spannungen über
den ganzen Rohrumfang gleichmäßig verteilt, das heißt σ0 = V : F.
Sobald die Achsen der Rohre aber verwinkelt sind – was schon als Normalzustand
angesehen werden kann bzw. muss – und damit die Rohrendflächen beider Rohre
einer Fuge nicht mehr parallel sind, rückt die Resultierende der Vorpresskräfte aus
der Rohrmitte heraus. Erreicht dabei die Resultierende der Vorpresskräfte den Rand
des Querschnittskernes (siehe die Seiten 9 bis 11 der 6. Fortsetzung des
z
Fernseminars), dann bleibt zwar das Verhältnis = 1,0 erhalten, da die Fugen noch
da
nicht klaffen. Doch dieses Bild trügt: Die Spannungen sind auf der einen Seite gleich
Null, steigen jedoch zur Gegenseite hin auf 2 mal σ0 an. So sieht es das Arbeitsblatt
A161 der ATV vor und so werden auch die zulässigen Vorpresskräfte ermittelt. Das
Arbeitsblatt A161 schreibt zwar, dass bei großen Richtungsabweichungen (gemeint
sind offensichtlich ungeplante Richtungsabweichungen!), erkennbar am Klaffen der
z
Fugen und < 1,0 und bei geplanten Kurven das Maß der Ausmitte im Einzelfall
da
festzulegen und mit den Lastangaben (siehe Abschnitt 3.3) anzugeben ist.

Wandert aber die Resultierende der Vorpresskräfte über den Rand des
Querschnittskernes hinaus, dann öffnet sich die Fuge, sie klafft, bei gleichzeitiger
Verringerung der druckübertragenden Fläche und entsprechender Abnahme des
z σ
Verhältnisses mit Zunahme des Verhältnisses max .
da σo

z σ
So wird zum Beispiel bei = 0,5 das Verhältnis max = 3,2 !
da σo

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 14

Im Stadium der Planung ist durch die statische Berechnung neben der Bemessung
der Rohre aus Lasten und Kräften quer zur Rohrachse
die zulässige Vorpresskraft als die für den Vortrieb maßgebliche Größe
zu ermitteln. Diese ergibt sich aus dem Arbeitsblatt der ATV-A161 Abschnitt 8.1

In der Tabelle 2 der A161 ist abzulesen

βLD = 27 für B45


βLD = 30 für B55

In Abschnitt 11 der A161 ist vorgegeben

γ = 1,60 in Richtung der Rohrachse

βLD ist die Längsdruckfestigkeit des Betons, die sich aus der vom Auftraggeber
vorgegebenen bzw., wenn nicht vorgegeben, vom Anfragenehmer (Statiker)
festzulegenden Betongüte B45 oder B55 ergibt.

Der Sicherheitsbeiwert γ ist durch das Arbeitsblatt A161 der ATV in Abschnitt 11
verbindlich festgelegt.

max .σ σ
Der Parameter oder was dem gleich ist max ergibt sich aus dem Radius
σ0 σ0
der geplanten Krümmung der Gradiente oder den ungeplanten Krümmungen
derselben. Bei geplanten Krümmungen der Gradiente ist stets ein angemessener
Abschlag für ungeplante Krümmungen einzurechnen.

Die wechselseitige Abhängigkeit

σ max z
vom Rechenwert
σ0 da

zeigt die grafische Darstellung der Seite 15.

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 15

z
Der Rechenwert kann bei in Ausführung befindlichen Rohrvortrieben und auch
da
noch nach Abschluss derselben auf der Grundlage der gemessenen
Fugenspaltweiten nach der Formel Seite 18 errechnet werden.

Im Stadium der Planung eines Rohrvortriebes muss durch den Aufsteller der
statischen Berechnung in Abstimmung mit dem Rohrhersteller bzw. dem
z
Auftraggeber der Rechenwert festgelegt werden.
da

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 16

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 17

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 18

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 19

Nun ist zwar das Maß des Klaffen „k“ als Differenz zweier gegenüberliegender
Fugenspaltweiten durch den Radius der Gradiente vorprogrammiert. Doch die
mittragende Fläche als bestimmende Größe für den Wert „z“ ist sehr wohl
beeinflussbar. Dazu ein Gedankenspiel:

1. Wählt man die Dicke des Druckübertragungsringes sehr klein, dann würde die
z
druckübertragende Fläche auch sehr klein und damit würde ebenfalls sehr
da
klein werden. Damit würde die Pressung σ in der druckübertragenden Fläche
sehr groß werden.

2. Wählt man ein sehr steifes Material für den Druckübertragungsring, dessen
Dicke beliebig sein kann, dann würde die druckübertragende Fläche ähnlich wie
z
im Fall 1. auch sehr klein und damit ebenfalls sehr klein werden. Damit
da
würde die Pressung σ in der druckübertragenden Fläche sehr groß werden.

3. Wählt man bei sehr weichem Material die Dicke des Druckübertragungsringes
sehr groß, dann kann die druckübertragende Fläche die Größe der Fläche des
z
Druckringes erreichen und „z“ gleich da und = 1,0 werden.
da

4. Wählt man bei sehr weichem Material die Dicke des Druckübertragungsringes
sehr klein, dann kann die druckübertragende Fläche und mit ihr z ebenfalls
z
sehr klein und damit auch sehr klein werden!
da
σ max
σ0
Damit wird das Verhältnis sehr groß werden, da der Nenner
z
da
unverhältnismäßig klein ist!

Aus den 4 Beispielen lässt sich schließen:


a) Zu dünne oder zu harte Druckübertragungsringe führen zu überhöhten
Pressungen!
b) Zu dünne und zugleich zu harte Druckübertragungsringe führen zu extrem
überhöhten Pressungen!!
c) Zu weiche und zugleich zu dünne Druckübertragungsringe führen zu extrem
überhöhten Pressungen!!

 Dr.-Ing. Max Scherle


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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 20

Daraus folgt:
Buche (Weiß- und Rotbuche) und vergleichbare Holzarten sind für
Druckübertragungsringe ungeeignet, da sie viel zu hart sind!

Pappel, Linde und vergleichbare Holzarten sind für Druckübertragungsringe


ungeeignet, da sie viel zu weich sind!

Gut geeignet für Druckübertragungsringe sind astfreie Fichte und


Pressspanplatten!!

Diese durch langjährige Erfahrung bestätigten Äußerungen bedürfen jedoch noch der
Bestätigung durch Messung und rechnerische Überprüfung. Dazu hat der Autor
durch die Materialprüfanstalt der Stadt Mannheim Prüfungen an Buchenholz,
Fichtenholz und Pressspanplatten (Novopan) unter Mehrfachbelastung vornehmen
lassen und daraus die E-Moduli errechnet. Das Ergebnis hat er in Band 3 seines
Buches „Rohrvortrieb“ bereits im Jahr 1977 auf den Seiten 352 bis 356 veröffentlicht.

Maßgeblich für die Tauglichkeit als Holzart zur Herstellung von


Druckausgleichsringen ist der E-Modul. Auf Seite 21 dieser Seminarunterlagen ist
das Ergebnis der Errechnung der E-Moduli von Fichtenholz, Spanplatten (Novopan)
und Buchenholz wiedergegeben.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 21

Darstellung des Elastizitätsmoduls für Fichtenholz, Novopan (Pressspanplatten) und


Buchenholz unter ansteigender Belastung von Dr.-Ing. Max Scherle

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 22

Man sieht signifikant, dass bei


• Fichtenholz der E-Modul zwischen den Spannungen σ = 0 bis σ = 20 N/mm² -
das ist auch der Bereich, mit dem in der Rohrfuge meist gerechnet wird – der
E-Modul nahezu konstant bei 20 N/mm² liegt, um dann linear anzusteigen.
• Buchenholz der E-Modul bei sehr geringen Spannungen σ < 20 N/mm² extrem
hoch liegt, um dann bis σ = 22 N/mm² stark abzufallen (auf 80 N/mm²), um dann
linear anzusteigen.
• Novopan (Spanplatten) beginnt bei σ = 0 der E-Modul mit 0 N/mm², um von da
an linear anzusteigen. Er erreicht dabei bei σ = 20 N/mm² einen Wert von
70 N/mm².

Urteil aus der Erfahrung des Autors:

Fichtenholz ist mit einem nahezu konstanten E-Modul von 20 N/mm² als sehr
günstig einzustufen!

Spanplatten sind bei σ = 0 mit einem E-Modul von ca. 70 N/mm² bei σ = 20 deutlich
härter als Fichtenholz.

Buchenholz scheidet als untauglich aus.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 23

Die Spitzenden der Vortriebsrohre werden quer zur Rohrachse durch die
Steuerkräfte und durch die Zwängungskräfte belastet.

Diese, unter Umständen, sehr erheblichen Belastungen werden durch die


Bemessung quer zur Rohrachse abgedeckt, soweit die statische Berechnung dafür
unter Berücksichtigung der Zwängungskräfte nach Dr.-Ing. Max Scherle erfolgt.

Zugute kommt dabei die Verstärkung der Rohrenden nach Abschnitt 7.3, Bemessung
von Vortriebsrohren aus Stahlbeton der ATV-A161, die da sagt, dass die innere und
die äußere Ringbewehrung an beiden Rohrenden auf ≥ 40 cm der Rohrlänge auf
einen Abstand von e ≤ 5 cm verdichtet werden soll – aber nicht soll, sondern
verdichtet werden muss! Es heißt dann weiter, dass eine Verbügelung dann nicht
erforderlich ist. Diese Aussage ist zur Aufnahme der bei allen Rohren nicht oder nur
bedingt nachweisbaren Spaltzugspannungen und Spannungsspitzen gedacht. Sie
dient, ohne dass es ausdrücklich erwähnt ist, zur Aufnahme der in den Spitzenden
auftretenden Querkräfte aus Steuerung und Zwängung und hat sich über viele Jahre
bewährt. Zu ändern ist das Wort „sollen“ als viel zu weich, es muss heißen
„sind“ – ohne Ausnahme.“

Durch die quergerichteten Kräfte aus Steuerung und Zwängungen entstehen auch –
vor allem im Übergangsbereich von den Spitzenden zu den Rohrschäften hin, wo zu
allem Überfluss noch Kerbwirkungen hinzukommen – Schubspannungen! Diese –
ebenfalls rechnerisch nicht oder nur bedingt erfassbaren – Spannungen können
durch eine angemessene Verstärkung der Längsbewehrung von 333 mm
Abstand benachbarter Stäbe abgedeckt werden. Damit sind nach gesicherter
Erkenntnis des Autors – und nicht sollen – die Abstände benachbarter Stäbe
auf 250 mm zu verringern!

Der Hinweis am Schluss des Abschnittes 7.3 der A161 „Eine Verbügelung der
Rohrenden ist dann nicht erforderlich“ ist dann zu ändern in
„Eine Verbügelung entfällt dann“.

Eine persönliche Anmerkung des Autors:


Eine Verbügelung bei der üblichen Herstellung der Vortriebsrohre in stehender
Schalung schadet mehr als sie zu nützen vermag, da sie erst eingebracht werden
kann, wenn die Schalung nahezu bis zum Rand mit Beton gefüllt und dieser durch
den begleitenden Rüttelprozess weitgehend verdichtet ist. Damit wird der gut
verdichtete Beton gestört. Ein Einrütteln der obersten Schicht des Betons nach dem
Einbringen der Bügel stört ebenfalls den schon gut verdichteten Beton – Feinrisse im
Gefüge des Betons bleiben zurück! Der Aufwand für das Herstellen der Bügel und
das Einbringen derselben in die Schalung bei gleichzeitiger Unterbrechung des
Betoniervorganges ist sicher gleich groß – wenn nicht sogar größer – als der
Aufwand für die verbesserte Längsbewehrung.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 24

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die äußere Dichtung, auch


Primärdichtung genannt, die Abdichtung gegen das

• Eindringen von Wasser und


von Bentonitsuspension
von außen und das

• Austreten von Medium z.B.


von Abwasser und gegebenenfalls
von Luft bei Vortrieb in Druckluft

allein und für die gesamte Nutzungsdauer übernimmt!

Es ist durch nichts zu entschuldigen, sich darauf zu verlassen, dass es da


noch eine zweite Dichtung, auch Sekundärdichtung genannt, geben kann, die
die Aufgaben der äußeren Dichtung bei deren Versagen übernimmt!

Zunächst zur äußeren Dichtung:


Wegen ihrer Bedeutung kommt ihr eine ganz besondere Beachtung zu – doch
zugegeben, wer beachtet sie schon ernsthaft? Bei der Vortriebsplanung? Beim
Vortrieb selbst? Bei der Bauaufsicht?

Elemente der äußeren Dichtung sind


• das Spitzende des nachlaufenden Rohres,
• der Stahlführungsring des vorauslaufenden Rohres und
• ein gummiähnlicher Dichtring.

Die Dichtringe, meist aus elastomerem Material nach DIN E681-1, liegen zwischen
den Spitzenden und den Stahlführungsringen und werden von beiden so
zusammengepresst, dass weder auf der Seite des Spitzendes noch auf der Seite des
Stahlführungsringes Wasser oder gegebenenfalls Druckluft durchdringen kann. Doch
wie kommt er dahin und woher nimmt er die erforderliche Kompression? Dieser
Frage soll im Folgenden an Hand der Untersuchungen des Autors in seinem Buch
„Rohrvortrieb, Band 3“ nach- und auf den Grund gegangen werden.

Die ursprüngliche Form der Außendichtung waren Ringe aus rundem, vollem
Material. Diese wurden rollend oder gleitend eingebracht, daher Rollringdichtung
oder Gleitringdichtung.

Die Seite 26 zeigt die Funktion der Rollringdichtung.

Die Seite 27 zeigt die Funktion der Gleitringdichtung.

Die Seite 28 zeigt die Vordehnung, auf Seite 29 ist sie rechnerisch nachgewiesen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 25

 Dr.-Ing. Max Scherle


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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 26

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 27

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 28

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 29

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30a

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30b

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30c

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30d

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30e

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30f

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 30g

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 31

Wichtig ist die Theorie der Außendichtung eines Rohrvortriebes, doch nicht
weniger wichtig ist die richtige Ausführung! Sie verlangt ein Höchstmaß an
Sorgfalt und stellt höchste Ansprüche an das Verantwortungsbewusstsein der
Mannschaft vor Ort. Von deren Aufmerksamkeit und Sorgfalt beim Zusammenfahren
der Rohre im Startschacht hängt der Erfolg eines Rohrvortriebes weitgehendst ab.
Der Weg, den das Spitzende des einzufahrenden Rohres beschreitet von der ersten
Berührung des Dichtringes mit dem Stahlführungsring des vorauslaufenden Rohres
beträgt nur wenige Zentimeter und nur wenige Minuten bis zum Verschwinden
des Dichtringes im Stahlführungsring! In dieser kurzen Zeit muss der
Schichtführer bzw. der von ihm verantwortlich beauftragte Mann die Bewegung
des Dichtringes über den vollen Rohrumfang laufend beobachten bzw. durch
einen ebenfalls voll verantwortlichen zweiten Mann beobachten lassen. Eine
ständige Verständigung mit dem Pressenführer ist Voraussetzung für
rechtzeitiges Handeln das heißt: Rechtzeitiger Stopp der Pressen!!!

Die Seiten 32 und 33 zeigen schematisch das Einfahren des Nachlaufrohres in den
Stahlführungsring nach Versuchen des Autors auf einer entsprechend seinen
Angaben gebauten Prüfeinrichtung.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 32

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8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 33

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 34

Seite 32 zeigt einen ganz normalen Einfahrvorgang:


a) Der Stahlführungsring schiebt sich auf der Versuchsanordnung an den
Dichtring heran und berührt ihn mit seiner Schräge (beim Vortrieb schiebt
sich selbstverständlich das Nachlaufrohr an das Vorlaufrohr heran).
b) Der Dichtring wird durch die Schräge leicht komprimiert und dabei gegen die
Schulter gedrückt.
c) Der Dichtring wird weiter komprimiert und dabei gegen die Schulter und in
die Kammer gedrückt.
d – g) Der Dichtring ist in die Kammer hineingeglitten und dabei voll komprimiert.

Seite 33 zeigt einen missglückten Einfahrvorgang:


A) Der Stahlführungsring schiebt sich an den Dichtring, der um ein geringes
Maß über den Stahlführungsring vorsteht, heran.
B) Der Dichtring wird durch den Stahlführungsring leicht komprimiert und dabei
drückt sich der Stahlführungsring in den Dichtring mit seiner
Vorderkante ein und schiebt ihn vor sich her.
C) Der Stahlführungsring schiebt den so erfassten Dichtring auf die
Schulter hinauf.
D) Der Stahlführungsring schiebt den Dichtring weiter auf die Schulter
hinauf und beginnt ihn so aus der Kammer zu verdrängen.
E) Der Dichtring wird verstärkt aus der Kammer verdrängt.
F) Der Dichtring ist aus der Kammer zur Gänze herausgesprungen und hat
sich
G) zwischen den Rohrschaft und den umgebenden Boden hineingedrängt!!

Die Folgen kann man als

GAU

des Rohrvortriebes ansehen!!!

Die Bilder der Seiten 32 und 33 gleichen sich auf den ersten Blick wie ein Ei dem
anderen und dennoch verlief die Ausführung nach dem Bild der Seite 32 optimal
und im Gegensatz dazu nach dem Bild auf Seite 33 katastrophal! Was mögen
dafür die Ursachen sein?

Im Bild auf der Seite 32


• ragt gemäß Ziffer a) der Dichtring nicht über den Stahlführungsring, oder was
dem gleich ist, über den Rohrschaft hervor. Das heißt ∆ d = 0.
• gleitet gemäß Ziffer b) der Dichtring, ohne dass der Stahlführungsring sich in
diesen einzudrücken vermag und ohne ihn zu erfassen, an der Schräge entlang
in Richtung zur Kammer hin.
• gleitet gemäß Ziffer c) und d) der Dichtring weiter an der Schräge entlang in die
Kammer hinein um bei den
• Ziffern c) und f) ganz in der Kammer zu verschwinden. Bei
• Ziffer g) ist der Einbau der Dichtung abgeschlossen!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 35

Was wurde bei der ausgeführten Vortriebsstrecke – identisch mit dem Test A) bis
G) falsch gemacht?
1. Der Dichtring stand „nur“ wenige Millimeter über den Stahlführungsring
oder, was dem gleich ist, über den Rohrschaft hervor!!
2. Der Dichtring hatte eine viel zu geringe – oder sogar keine – Vordehnung =
Vorspannung!!
3. Die Anschrägung am Stahlführungsring war zu rauh!!
4. Die Anschrägung am Stahlführungsring war nicht mit einer Gleitpaste
eingestrichen!!
5. Der Dichtring war nicht mit einem Gleitmittel eingerieben!!

Frage: Was könnte allenfalls noch getan werden, wenn sich ein Zustand wie (c)
der Versuchsanordnung eingestellt hat?

Man könnte mit nicht zu harten Hammerschlägen bei einer ausreichend


weichen Holzzwischenlage dem Dichtring Nachdruck verleihen, wenn das nicht
mehr hilft, dann hilft nur noch, das Nachlaufrohr zurückziehen und einen neuen
Dichtring mit entsprechend geringerem Durchmesser und ausreichender
Vordehnung = Vorspannung aufzuziehen und diesen mit Gleitmittel einzureiben.
Die Anschrägung am Stahlführungsring mit einer Gleitpaste einstreichen.
Und dann das Nachlaufrohr ganz vorsichtig wieder anschieben – so müsste es jetzt
gelingen!

Alle nachfolgenden Rohre einschließlich der Zwischenpressstationen sind auf die


Kriterien
1. Durchmesser der Dichtringe
2. Vorspannung der Dichtringe
3. Kein Überstand der Dichtringe über den Rohrschaft hinaus
4. Zustand der Anschrägungen der Stahlführungsringe
5. Gleitpaste auf den Anschrägungen der Stahlführungsringe
6. Gleitmittel auf den Dichtringen sorgfältig zu überprüfen!

Soviel zur Gleitringdichtung, der Mutter aller Dichtungen im Rohrvortrieb. Doch die
Mutter hat schon zahlreiche Töchter erhalten. Es kann nicht Sache eines Seminars
sein, alle Varianten von Primärdichtungen aufzuzeigen und zu erörtern – noch dazu
wo einige Schutzrechte genießen. Im Angebotsfall ist es Sache des Bieters und
gegebenenfalls des Auftragnehmers, die Gewährleistung für die Tauglichkeit der
vorgesehenen besonderen Dichtung zu übernehmen.

Zu bedenken ist allenfalls, dass die äußere Dichtung alle Relativbewegungen


zwischen den Vorlaufrohren und den Nachlaufrohren aus ungeplanten und
gekrümmt geplanten Gradienten aufnehmen müssen, ohne sich von den
Spitzenden der Nachlaufrohre abzulösen!!

Bei der Gleitringdichtung sitzt der komprimierte Dichtring in der Kammer, aus
der er nicht entfliehen kann!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 36

Doch wie sieht es bei den alternativen Dichtsystemen aus, die keine Stützschulter
aufweisen, wie sie die Abbildungen 3 und 4 des Arbeitsblattes A125 der ATV in
Abschnitt 4.3.2.3.5 und die Seiten 5 bis 8 dieses Seminars, hier in Form von
Stahlringen, die sich besonders gut bewährt haben, zeigen. Und wie sieht es hier mit
der Aufnahme der quergerichteten Kräfte aus, die bei der Gleitringdichtung die
Stützschulter gemeinsam mit dem komprimierten Dichtring zur Weiterleitung an den
Stahlführungsring aufnimmt? Bei Dichtsystemen, bei denen der Dichtring ganz vorne
am Spitzende des Nachlaufrohres angeordnet ist, gehen die quergerichteten Kräfte
allein über den Dichtring in den Stahlführungsring über – und dies bei
gleichzeitigen Längsbewegungen zwischen den Vor- und den Nachlaufrohren.

Gemäß Arbeitsblatt A125 der ATV, Abschnitt 4.3.2.3.5 werden alle Fugen der
äußeren Dichtung nach erfolgtem Vortrieb – bei bemanntem Vortrieb einzeln – auf
Wasserdichtheit geprüft. Das Wort „werden“ ist bei Vortriebsstrecken, in denen
Abwasser durchgeleitet werden soll, nicht ausreichend! Es ist durch das Wort
„sind“ zu ersetzen. Diese Forderung ist als eigene Leistungsposition in den
Ausschreibungs- und Vergabeunterlagen auszuweisen. Die Durchführung ist von
den dafür verantwortlichen Organen des Auftraggebers zu überwachen und zu
protokollieren. Als Prüfdruck sind mindestens 5 mWS über Rohrscheitel
vorzuschreiben. Bei Vortrieben in Wasserschutzgebieten ist der
Wasserdruckprüfung ein besonderer Stellenwert beizumessen.

Wenn aber trotz aller Sorgfalt einzelne Rohrverbindungen die Druckprüfung nicht
bestanden haben, dann gibt es noch den „Rettungsring“ in Form der inneren
Dichtung. Diese wird nach dem Arbeitsblatt A125 der ATV Abschnitt 4.3.2.3.5,
Tabelle 10 ausgeführt als
• adhäsiv mit einem Zweikomponenten-Dichtstoff,
• kompressiv mit einer Dichtschnur.

In beiden Fällen ist eine Kammer erforderlich, die aus den Stirnflächen der
zugehörigen Vorlauf- und Nachlaufrohre und dem Druckübertragungsring gebildet
wird. Die Abmessungen der Kammer und die Anforderungen an die Kammer sind in
der Tabelle 10 des Arbeitsblattes A125 der ATV, die auf Seite 37 wiedergegeben ist,
festgelegt.

Die Breite der Kammer „b“, mindestens 10 mm, ist eine von Fuge zu Fuge
veränderliche Größe, die sich aus der Fugenspaltvermessung ergibt.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 37

Tabelle 10 aus dem Arbeitsblatt A125

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 38

Die Tiefe der Kammer ist, wie Tabelle 10 zeigt, wiederum von der Fugenspaltweite
abhängig, also auch eine veränderliche Größe von Fuge zu Fuge.

An die Beschaffenheit der Stirnflächen sind ganz besondere Anforderungen zu


richten.

Auf die Beachtung der einschlägigen Richtlinien und Normen wird – ohne
Anspruch auf Vollzähligkeit – mit Nachdruck hingewiesen.
Das sind:
• Prüfbescheide des Deutschen Institutes für Bautechnik Berlin
• DIN 4060 Dichtmittel aus Elastomeren für Rohrverbindungen von
Abwasserkanälen und –leitungen, Anforderungen und Prüfungen.
• DIN EN 681-1 Elastomer-Dichtungen, Werkstoffanforderungen usw.

„Die Kunst der Fuge“ hat nicht nur Johann Sebastian Bach schon vor geraumer
Zeit beschäftigt, die Herstellung von Fugen ist auch heute noch – wenn auch in ganz
anderer Weise – eine hohe Kunst geblieben und sollte in jedem Falle denen
überlassen bleiben, die diese Kunst beherrschen – auf die Verantwortlichkeit
insbesondere bei der Herstellung und Beschaffenheit der Stirnflächen wird mit
Nachdruck hingewiesen.

Die Tiefe der Fugenkammer gebildet durch den Druckübertragungsring aus Holz,
wirft eine ganz neue Problematik auf: Der Abschnitt 4.3.2.3.4 der A125 der ATV
„Übertragung von Längskräften“ endet mit dem Hinweis „Geringfügige Rücksprünge
werden empfohlen“ ist für den Anwender zu wenig. Wenn die Rücksprünge nur eine
geringe Querdehnung der Fugenbeilage kompensieren sollen, dann würden zwar
geringfügige Rücksprünge der Fugenbeilage ausreichen.

Wenn aber davon auszugehen ist, dass die äußeren Dichtungen auch tatsächlich
dicht halten – ganz auszuschließen sind geringfügige Undichtheiten einzelner Fugen
nicht. Dann muss die Tiefe der Kammer entweder schon vorhanden sein oder
nachträglich hergestellt werden. Nachträglich herstellen heißt, entweder vom hart
gepressten Holz oder bei klaffenden Fugen flatternde Beilagen ausstemmen zu
müssen! Beides bedingt eine mühevolle Handarbeit, teilweise über Kopf, die hohe
Kosten rechtfertigt. Diese Arbeit sollte wirklich keinem Menschen zugemutet werden!!
Doch das nachträgliche Ausstemmen der Beilagen kann entfallen – und damit
können hohe Kosten eingespart werden, wenn der Rücksprung der
Druckübertragungsringe richtig, das heißt
b
t = 12 +
3
geplant wird, wobei für b die Dicke der Druckübertragungsringe im gepressten
Zustand empfohlen wird.

Aber, und schon kommt wieder ein aber, die Wahl des richtigen Rücksprunges der
Druckübertragungsringe hilft nur, wenn diese zentrisch unverschiebbar an den
Vorlaufrohren so angebracht werden, dass sie weder während des Transportes,
noch beim Ablassen der Rohre in die Pressschächte, noch während des Vortriebes
verschoben werden können!!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 39

Die Folgen einer Abweichung oder auch einer Verschiebung der


Druckübertragungsringe von bzw. aus der zentrischen Lage hat der Autor im
Rahmen seiner gutachterlichen Tätigkeit mehrfach beobachten:

Die Betonschale außerhalb der Wendelbewehrung war bis zu deren Tiefe abgeschält
und die Bewehrung lag frei, wie dies das Bild auf Seite 40 zeigt – hier auf der
Außenseite eines Rohres, ein anderes Mal auf der Innenseite eines Rohres, wieder
ein anderes Mal auf der Außen- und auf der Innenseite zugleich, sodass schließlich
nur noch der von der äußeren und von der inneren Bewehrung umschlossene
Betonkern zur Übertragung der Vorpresskraft übrig blieb und dann notgedrungen
versagte, versagen musste!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 40

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 41

Die Frage nach dem „Warum“ dieses Erscheinungsbildes, das schließlich zum
Versagen eines Vortriebes führen kann, führte den Autor zu einer Folgerung, die er
den Seminarteilnehmern nicht vorenthalten möchte und die er bereits in UmweltBau
in einem Beitrag unter dem Titel „Damit der Rohrvortrieb sicherer wird“
veröffentlichte. Ein Auszug dieses Beitrages ist auf den Seiten 42 bis 46
wiedergegeben.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 42

Auszug aus Beitrag Scherle in


UmweltBau „Damit der Rohrvortrieb sicherer wird“

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 43

Auszug aus Beitrag Scherle in


UmweltBau „Damit der Rohrvortrieb sicherer wird“

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 44

Auszug aus Beitrag Scherle in


UmweltBau „Damit der Rohrvortrieb sicherer wird“

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 45

Auszug aus Beitrag Scherle in


UmweltBau „Damit der Rohrvortrieb sicherer wird“

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 46

Auszug aus Beitrag Scherle in


UmweltBau „Damit der Rohrvortrieb sicherer wird“

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 47

Ob behauptet oder bestritten, feststeht, dass die Lage der Druckübertragungsringe


und deren Befestigung an den Vortriebsrohren eine besondere Aufmerksamkeit
erfordern.

1. Voraussetzung ist, dass die Druckübertragungsringe von den Rohrherstellern als


Bestandteil der Rohrlieferung an den Vortriebsrohren angebracht und befestigt
werden.
2. Der Lieferfirma für die Druckübertragungsringe sind vom Rohrhersteller genaue
Angaben zu
• Holzart
• Dicke
• Außendurchmesser
• Innendurchmesser
jeweils mit zulässigen Maßabweichungen zu machen.

3. Die Einhaltung der vorgegebenen Maße und Maßabweichungen ist vor deren
Befestigung an den Rohren in ausreichendem Umfang zu überprüfen. Darüber ist
schriftlicher Nachweis zu führen, der mit der Rohrlieferung der Vortriebsfirma
vorzulegen ist.

4. Die Befestigungsart obliegt dem Rohrhersteller. Er zeigt die beabsichtigte


Befestigungsart der Rohrvortriebsfirma zur Kenntnis an. Bei widersprüchlichen
Ansichten ist der Bauherr zu informieren.

Am besten hat sich bisher bewährt, das Spiel zwischen den


Druckübertragungsringen und den Stahlführungsringen so gering als möglich
zu halten!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 48

Zwischenpressstationen sind zur Aufteilung der Vortriebsstrecke in


Vortriebsabschnitte immer dann erforderlich, wenn die zulässige Vorpresskraft der
einzelnen Rohre nicht ausreicht, die Vortriebsstrecke im Gesamten vorzupressen.
Daraus resultiert, dass theoretisch stets nach Erreichen der zulässigen Vorpresskraft
jeweils eine Zwischenpressstation einzubauen ist. In der praktischen Ausführung soll
(besser ist) nach Erreichen von 90 (besser 80) % der zulässigen Vorpresskraft an
der Hauptpressstation eine (neue) Zwischenpressstation einzubauen. Die
zwingende Forderung zum Einbau von Zwischenpressstationen vor Erreichen der
zulässigen Vorpresskraft ist ebenso durch Ausschreibung und Vertrag festzulegen
wie die Begrenzung auf 90 oder besser 80 % der zulässigen Vorpresskraft. Darin
liegt die Sicherheit für das Wiederanfahren nach Vortriebsunterbrechungen aller Art.

Wenn bei den Rohrverbindungen von Stiefkindern die Rede war, so gibt es doch
beim Rohrvortrieb noch mehrere davon, so zum Beispiel die
Zwischenpressstationen! Wie wenig Zeit und Geist wurde bisher für Forschung,
Arbeitsblätter und Publikationen für die Berechnung der Zwischenpressstationen
aufgewendet?

Die Zwischenpressstation, für die die Seite 50 ein Beispiel zeigt, kann vereinfacht
als verlängerte Rohrverbindung betrachtet werden. Sie besteht jeweils aus:
• einem um das Maß der ausgefahrenen Presse verlängerten Stahlführungsring,
• einem um das Maß der ausgefahrenen Presse verlängerten Spitzende mit
Kammer zum Einlegen
• des Dichtringes,
• der Druckverteilungsringe,
• der Druckübertragungsringe sowie
• der Zwischenpressen.

Im gegenwärtigen Seminar soll „nur“ auf die Lasten und Kräfte und ihre Aufnahme
durch die Vortriebsrohre, die Stahlführungsringe und die Druckübertragungsringe
eingegangen werden.

Bei der technischen Ausgestaltung, das sind die Vortriebspressen selbst und deren
Anordnung wird vorausgesetzt, dass sie über den vollen Rohrumfang gleichmäßig
verteilt sind, so dass auch die Abstände von Presse zu Presse gleich sind. Die
Anzahl der Einzelpressen ergibt sich aus der zulässigen Vorpresskraft laut statischer
Berechnung und dem von jeder Einzelpresse bei dem an der Hydraulikanlage
eingestellten und durch Sicherheitsventile begrenzten Öldruck.

Es darf davon ausgegangen werden, dass während des Vortriebes alle


Einzelpressen gleichzeitig und gleichmäßig mit Öldruck beschickt und dadurch
gleichmäßig belastet werden.

Damit ist die zentrische Lage der Resultierenden der Vorpresskräfte gesichert, so wie
sie sich aus der statischen Berechnung ergibt.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 49

Doch nicht selten ist zu beobachten, dass einzelne Pressen – aus welchem Grund
auch immer – ausfallen oder ausgeschlossen werden. Damit rückt die Resultierende
der Vorpresskraft aus der zentrischen Lage heraus.

Jede vorwärts wirkende Kraft bedingt eine nach rückwärts wirkende gleich große
Kraft, die Reaktionskraft (actio est reactio). Die Reaktionskräfte der
Zwischenpressen werden von den verlängerten Spitzenden der Nachlaufrohre
aufgenommen. Dadurch werden die Spitzenden der Nachlaufrohre in analoger
Weise wie die Spitzenden der nachfolgenden Rohre belastet – mit einem
„kleinen“ Unterschied:

Quergerichtete Kräfte, das heißt unkontrollierte, in der statischen Berechnung


nicht berücksichtigte Zwängungskräfte sind die zwangsläufige Folge!

Die Krafteintragung in die Spitzenden der Nachlaufrohre erfolgt ebenso wie die
Krafteintragung in die Vorlaufrohre bei Zwischenpressstationen jeweils punktförmig
durch die Einzelpressen unter Zwischenschaltung je eines Druckausgleichsringes
aus Holz (in gleicher Weise wie bei den Normalrohren) und eines
Druckübertragungsringes aus Stahl.

Während der Krafteintrag bei den Spitzenden der Normalrohre stetig von Null bis zu
einem Höchstwert – linear oder quadratisch oder auch kubisch – ansteigt, erfolgt er
bei den Vorlauf- und bei den Nachlaufrohren der Zwischenpressstationen jeweils
unter jeder Presse punktförmig. Damit der Krafteintrag abgemindert wird, werden
zwischen den Pressen und den Rohren Druckausgleichungen aus Holz wie bei
den Normalrohren – meist auch von diesen übernommen, erforderlichenfalls mit
verstärkter Dicke oder auch zweilagig – und Druckverteilungsringe aus Stahl
angeordnet, wie dies die schematische Darstellung der Seite 51 zeigt.

Die Druckverteilungsringe sind dabei wichtige statische Elemente in den


Zwischenpressstationen. Es liegt auf der Hand, dass bei deren Bemessung der
Abstand der Pressen eine ganz wichtige Rolle spielt!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 50

Der Autor hat wegen ihrer Bedeutung diesen Ringen in seinem Band 2, Rohrvortrieb,
1977, ein ganzes Kapitel gewidmet, das nichts an seiner Aktualität verloren hat. Es
darf deshalb auch hier wieder im Seminar darauf zurückgegriffen werden.

Grundlage ist die Feststellung, dass es sich bei der ringförmigen Anordnung der
Pressen um einen

Durchlaufträger auf unendlich vielen Stützen handelt.

Daraus herausgegriffen kann jedes Feld als

Träger auf 2 Stützen mit beidseitiger fester Einspannung

dargestellt werden, wie er auszugsweise aus Band 2 hier auf den Seiten 52 bis 56
übernommen worden ist.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 51

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 52

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 53

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 54

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 55

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 56

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 57

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 58

Auszug aus Scherle, Rohrvortrieb, Band 2


Bauverlag Wiesbaden
Seiten 493 bis 497

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 59

In der Annahme, dass für den E-Modul des Holzes ein Mittelwert von 30 N/mm²
(nach Seite 60) angesetzt werden kann und für den E-Modul des Stahles
210.000 N/m² als Durchschnittswert anzunehmen ist, gilt die nachstehende Formel:

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 60

E-Moduli von Fichtenholz, Buchenholz und Pressspanplatten unter wechselnder


Belastung aus Scherle, Rohrvortrieb, Band

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 61

Quer zu ihren Achsen sind die Vorlaufrohre und die Nachlaufrohre der
Zwischenpressstationen einem „Wechselbad“ der Belastungen beim Ausfahren und
beim Einschieben der Pressen ausgesetzt!

Beim Ausfahren der Pressen müssen die Stahlführungsringe die auf sie
zukommenden Lasten und Kräfte zunächst analog zum Betonteil der Vorlaufrohre
übernehmen. Während des Ausfahrvorganges werden die Spitzenden der
Nachlaufrohre mit einem Teil der auf die Stahlführungsringe wirkenden Lasten und
Kräfte belastet. Dadurch werden die Vorlaufrohre entlastet und es werden die
Spitzenden der Nachlaufrohre belastet. Sind jedoch die Pressen voll ausgefahren,
dann müssen die Stahlführungsringe die auf sie wirkenden Lasten und Kräfte
zunächst übernehmen, können aber diese an die Vorlaufrohre, in die sie fest
einbetoniert sind, voll weitergeben. Der Betonanteil der Vorlaufrohre erfährt
dadurch eine wesentliche Mehrbelastung. Hingegen sind im eingeschobenen
Zustand die Spitzenden frei von Lasten und Kräften quer zu ihren Achsen, da sie sich
jetzt in den Stahlführungsringen der Vorlaufrohre versteckt halten.

Beim Wiederausfahren der Pressen gibt der Betonanteil der Vorlaufrohre einen
zunehmenden Anteil der ihm vom Stahlführungsring aufgebürdeten Lasten und
Kräfte an diesen zurück, der wiederum das Spitzende des Nachlaufrohres
zusätzlich belastet.

Wahrlich ein „Wechselbad“ der Belastung und Entlastung der Vorlauf- und der
Nachlaufrohre von Zwischenpressstationen.

Dieses Wechselspiel zu erfassen, wäre eine eingehenden Untersuchung wert. Dazu


wären vielfache Annahmen zu treffen – ob sich die Wirklichkeit auch daran halten
wird, ist mehr als fraglich. Auch hier ist es wohl besser, sich an die Erfahrung zu
halten.

Deshalb schlägt der Autor vor:

Im Betonteil des Vorlaufrohres und im gesamten Nachlaufrohr einschließlich


des verlängerten Spitzendes ist
1. die für die Normalrohre errechnete Ringbewehrung beizubehalten, jedoch mit der
Maßgabe, dass der Abstand der einzelnen Ringe innen und außen (wie ATV-
A161 Abschnitt 7.3) auf gleich ≤ 5 cm zu verdichten ist und
2. der Abstand benachbarter Längsstäbe 200 mm nicht überschreitet.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 62

Damit verabschiedet sich der Autor bei den Teilnehmern an diesem Seminar und
dankt Ihnen für Ihr Interesse.

Gleichzeitig verabschiedet er sich im Namen


seines Mitarbeiters Dipl.-Ing. Uwe Rößler
und der Firma Herrenknecht AG
sowie des Norddeutschen Wirtschaftsverlages GmbH

und lädt sie zu unserem nächsten und zugleich letzten Seminar

am 11.11.2004 ein,

das mit dem Thema Rohrvortrieb in Druckluft

hoffentlich noch einmal spannend wird.

Ihr Autor Max Scherle

Anfragen zu diesem Seminar und zu den vorhergehenden Seminaren sowie


Anregungen zum nächsten und letzten Seminar bitte an Fax 0621/6882 302.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 63

Anlage

Vor kurzem erreichten uns sehr interessante Anfragen/Anregungen zu unserem


Fernseminar.

Die Teilnehmer fragten an, ob auch auf die Problematik Kostenschätzung bei
Rohrvortrieben eingegangen werden kann?

Gerne greifen wir diese Anregungen auf. Doch dazu braucht man Daten, sehr vielen
Daten jüngeren Datums. Diese sind nur zu gewinnen, wenn möglichst viele am
Rohrvortrieb Beteiligte – Auftraggeber, Ingenieurbüros und Auftragnehmer – bereit
sind, einen Einblick in ihre Rechenergebnisse zu gewähren.

So wird der 8. Fortsetzung unseres Fernseminars ein Fragebogen angefügt, um


dessen Ausfüllung wir alle, die etwas wissen bzw. etwas zu sagen haben (möglichst
für mehrere Maßnahmen – je mehr, umso besser), bitten und an die nachfolgende
Anschrift zurückzureichen.

Da wir glauben, dass das Ergebnis für alle Teilnehmer am Fernseminar (und darüber
hinaus) von großem Interesse ist, soll es noch mit der 9. Fortsetzung am 11.11.2004
– selbstverständlich ohne Nennung von Ort, Firma, Maßnahme und Namen –
veröffentlicht werden.

So eine Gemeinschaftsaktion wäre doch ein schöner Abschluss des 2-jährigen


Fernseminars.

Antwort erbeten an:


Dipl.-Ing. Uwe Rößler
Haardtweg 5
76726 Germersheim
Telefon: 07274/66 06
Fax: 07274/77 04 27
E-Mail: info@uweroessler.de

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
8. Fortsetzung 08.08.04 Seite 64

Erhebungsbogen zur Teilnehmerbefragung

Maßnahme

Ort (Angabe freigestellt)

Länge (in Meter)

Nenndurchmesser (in Meter)

Material

Überdeckung über Rohrscheitel (in Meter)

maximal

minimal

Baugrund

Wasserhaltung

Besonderheiten

• Düker

• Bahnkreuzung

• Flugbetrieb

• Wasserstraßen

Ausführungszeit (Monat, Jahr)

Gesamtkosten (Währung)

Absender (freigestellt)

 Dr.-Ing. Max Scherle