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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

10. Fortsetzung 15.06.05 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

10. Fortsetzung als Zugabe am 15.06.05

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Thema:

Statische Berechnung von Vortriebsrohren


nach dem Arbeitsblatt A161
Hand in Hand
mit der Zwängungstheorie von Dr.-Ing. Max Scherle

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
10. Fortsetzung 15.06.05 Seite 2

Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im Tiefbau im
Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen Forschungen und
Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit verbundenen Diskussionen,
seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des gemeinsamen Arbeitskreises
Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung und des Deutschen Vereins des Gas-
und Wasserfaches nach bestem Wissen und Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt
erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung für
eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und Durchführung
des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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10. Fortsetzung 15.06.05 Seite 3

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

ich begrüße Sie zu diesem erneuten Beitrag zum Doppel- Thema „Statische Berechnung von
Vortriebsrohren und Zwängungstheorie“.

Bitte betrachten Sie diesen erneuten Vortrag als Zugabe – kein Konzert ohne eine Zugabe.
Ich würde es auch nicht wagen, wenn es nicht ein Thema wäre, das mir ganz besonders am
Herzen liegt:
Die Integration meiner Zwängungstheorie in das Arbeitsblatt A161

So wollte ich an Hand von Rechenbeispielen zeigen, wie einfach und widerspruchslos diese
Integration möglich ist. Ich will den Noch- Zweiflern aufzeigen, wo die Schwachstelle der
A161 ist – das ist nun einmal die Mindestbemessung – und wie sie durch die
Zwängungsformel problemlos behoben werden kann.

Manche werden sich fragen und ich frage mich auch selbst, wie kann ein Mensch jahrelang,
vielleicht schon jahrzehntelang auf einer Idee festhalten und um deren Anerkennung ringen?
Ich habe die schädlichen Kämpferrisse auf er Innenseite gesehen und ich sah bei
ausgebauten Rohren die sonst verborgenen Längsrisse in Kämpferhöhe auf den
Außenseiten der Rohre. Irreparable Schäden, die erst in Jahren bis Jahrzehnten zur
Auswirkung kommen und die Nutzungsdauer erheblich verkürzen sind die unausbleibliche
Folge. Geschädigt sind letzten Endes die Betreiber – das ist die Gemeinschaft! Und wie
verschwindent gering sind dagegen die Aufwendungen für eine richtige Bemessung der
Rohre?

Dies alles allen Anwendern des Rohrvortriebes – Bauherren, Planern, Statikern,


Rohrherstellern und Vortriebsfirmen – noch einmal vor Augen zu führen, soll dieser
Beitrag dienen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Dr.-Ing. Max Scherle

Arbeitsblatt A161 und Zwängungstheorie


- Hand in Hand –

Mit seiner Dissertation im Jahr 1990 hat der Verfasser die Entstehung der Zwängungen beim
Rohrvortrieb im Locker- und im Festgestein – im wesentlichen als Folge von ungleichen
Ausmitten der Vorpresskräfte und gekrümmten Gradienten – nachgewiesen und
Rechenansätze zur Behebung der von den Zwängungen hervorgerufenen Schnittkräften
aufgezeigt. Mit seinen Beiträgen in den Taschenbüchern für den Tunnelbau im Glückauf-
Verlag Essen 1995, 1996 und 1998 hat er die praktische Anwendung der Ergebnisse seiner
Dissertation beschrieben. Mit seinem 10-teiligen Fernseminar im Internet hat er in der 4. und
5. Fortsetzung versucht, den Anwendern des Rohrvortriebes den statischen Nachweis der
Zwängungskräfte neben der statischen Berechnung der Vortriebsrohre nach dem
Arbeitsblatt A161 der Abwassertechnischen Vereinigung darzustellen.

Als Erkenntnis aus der bisherigen Arbeit des Verfassers zum Thema Zwängungen beim
Rohrvortrieb steht fest:
Es gibt keinen Widerspruch zwischen der statischen Berechnung der Vortriebsrohre nach
dem Arbeitsblatt A161 der Abwassertechnischen Vereinigung und der vom Verfasser
aufgestellten Zwängungsformel. Vielmehr ist seine Zwängungsformel ein ganz normaler
Lastfall wie Erdlast und Erddruck, wie Eigengewicht und Verkehrslast auch.

Was hindert dann noch daran, dass das Arbeitsblatt A161 der Abwassertechnischen
Vereinigung Hand in Hand mit der Zwängungsformel des Verfassers geht – zum Nutzen der
Anwender, die dadurch vor irreparablen Schäden bewahrt werden. Die dabei
entstehenden Kosten sind keines Falls Mehrkosten – sie sind Bestandteil der tatsächlich
erforderlichen Baukosten!!

Die Möglichkeiten der Integration des Rechenmodells der Zwängungskräfte in das


Arbeitsblatt A161 der Abwassertechnischen Vereinigung werden an einem realistischen
Beispiel dargestellt.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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An die Stelle des Abschnittes 5,4 der A161 (Mindestbemessung) tritt ein neuer
Abschnitt
5.4 Belastung durch Zwängungskräfte im Bauzustand. Neben den verschiedenen,
statisch nicht relevanten Einflüssen, entstehen im Lockergestein in den Kämpfern bei
geradlinigen und gekrümmten Gradienten sowie bei ungleichen Ausmitten der
Vorpresskräfte Zwängungskräfte als eigener Lastfall.

Die sich hieraus ergebenden Schnittkräfte sind den Schnittkräften aus Abschnitt 6
„Schnittkräfte quer zur Rohrachse“ des Arbeitsblattes A161 hinzuzufügen.

Annahmen: Stahlbetonrohr B45 in Lockergestein,


Überdeckungshöhen 5,00 m bis 25,00 m.
Da zusammen mit der zulässigen Vortriebskraft die Ermittlung der inneren und der äußeren
Bewehrung stets das Ziel jeder statischen Berechnung von Vortriebsrohren aus Stahlbeton
ist,
da dabei feststeht, dass die innere Bewehrung immer durch die positiven Momente im
Scheitel und in der Sohle bestimmt ist,
da ferner feststeht, dass die äußere Bewehrung immer durch die negativen Momente in
den Kämpfern bestimmt ist,
da jedoch feststeht, dass die positiven Momente in den Sohlen (aus Erdlast plus
Eigengewicht) immer größer sein müssen als die Momente in den Scheiteln (aus Erdlast
allein),
da ferner feststeht, dass im Lockergestein nur die horizontalen Zwängungen maßgebend
sind, nachdem im Scheitel und in der Sohle die vertikalen Zwängungen der Erdlast und
dem Erddruck entgegen wirken werden der vergleichenden Betrachtung der
Integration der Zwängungskräfte mit den Schnittkräften des Arbeitsblattes A161 nur
die Schnittkräfte in den Kämpfern zugrunde gelegt!

Vorgaben für die statische Berechnung nach dem Arbeitsblatt der A161

° Innendurchmesser di = 2,000 m

° Rohrwanddicke s = 0,250 m

° Überdeckung h = 5,00 m; 15,00 und 25,00 m

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Bodengruppe 3; Seitendruckbeiwert K2 = 0,3

Zusätzliche Vorgaben nach der Zwängungsformel


Rohrlänge l = 3,000 m
Einschnürung E = 0,010 m
Rhorizontal R = 1000 m
Zwängungskennwert azw r=1 = 0,100

Die Bilder 1 und 2 zeigen über dem Querstrich die Formelansätze zur Berechnung der
Schnittkräfte aus
- Erlast mit Erddruck, Eigengewicht und Verkehrslast
nach dem Arbeitsblatt A161, Abschnitt 6, „Schnittkräfte quer zur Rohrachse“,

wobei unter dem Querstrich

° Bild 1 die Formeln für die Momente in den Kämpfern

° Bild 2 die Formeln für die Momente in den Sohlen


darstellt.

Die Werte für den Abminderungsfaktor kappa sind nach Abschnitt 5.2.1 unter der Annahme
der vorgegebenen Bodengruppe 3 nach ATV A161 Abschnitt 3.4 errechnet.
Der Seitendruckbeirwert K2 = 0,3 ergibt sich aus der Vorgabe.

Die identischen Bilder 3 und 4 stellen Rechenansätze nach der Zwängungstheorie von Dr.
Ing. Max Scherle, dar:

Über dem Querstrich

zur Ermittlung bei geradliniger Gradiente

° der zulässigen Vorpresskraft aus Zwängung Vzul.Zw,

° der Momente aus Zwängung in den Kämpfern


- entsprechend der aus Zwängung zulässigen Vorpresskraft Vzul.Zw

- bei dem für das gegebene Rohr zulässigen Gesamtmoment Mzul.gesamt

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- und den bei der jeweiligen Überdeckungshöhe hÜ nach dem Arbeitsblatt A161
errechneten Momenten aus Erdlast ME und aus Eigengewicht Mg.

Unter dem Querstrich

zur Ermittlung bei gekrümmter Gradiente sonst gleich lautend wie vor beschrieben.

Die Bilder 5-7 stellen die Rechenergebnisse bei geradliniger Gradiente für das
gewählte Beispiel dar und zwar
Bild 5 für hü= 5,00 m, Bild 6 für hü= 15,00 m, Blatt 7 für hü= 25,00 m.

Über dem Querstrich ist jeweils die zulässige Vorpresskraft aus Längsdruckspannung
Vzul.LD nach ATV A161 dargestellt.

Unter dem Querstrich sind jeweils die zulässige Vorpresskraft aus Zwängung Vzul.Zw
und die zughörigen Momente aus Zwängung MKZW im Kämpfer bei geradliniger
Gradiente errechnet. Die Bilder 8 bis 10 stellen die Rechenansätze bei gekrümmter
Gradiente für das gewählte Beispiel dar und zwar wie oben
Bild 8 für hü= 5,00 m, Bild 9 für hü= 15,00 m, Bild 10 für hü= 25,00 m.
Über dem Querstrich ist jeweils die zulässige Vorpresskraft Längsdruckspannung
Vzul.LD dargestellt.

Unter dem Querstrich sind jeweils die zulässige Vorpresskraft aus Zwängung Vzul.Zw
und die zugehörigen Momente aus Zwängung MkZw im Kämpfer errechnet.

Bild 11 stellt die Auswertung der Bilder 1 bis 10 für gerade und gekrümmte Gradienten bei
Überdeckungshöhen von 5,00 über 15,00 bis 25,00 m dar. Die Werte der
Spalte 2 sind den Bildern 5 bis 10
3 sind Bild 1 entnommen
4 sind nach A161, Abschnitt 5.4 errechnet
5 sind die Differenz der Spalten 3 und 4
6 sind den Bildern 5-10 entnommen
7 sind Bild 1(ohne Mp) entnommen

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8 sind den Bildern 5-10 entnommen


9, 10 und 11 sind den Bildern 5-10 entnommen.

Eine Analyse des Bildes 11 zeigt

1.) in Spalte 5 bei einer Überdeckungshöhe von 5,00 m einen gewissen, wenn auch nicht
ausreichenden Abstand zwischen den Momenten aus Erdlast, Eigengewicht sowie
Verkehrslast und aus dem Moment aus Mindestbemessung nach ATV A161, der mit
zunehmender Überdeckungshöhe stetig schrumpft bis er bei einer Überdeckungshöhe von
15,00 m gerade noch 1,5 kNm/m aufweist und damit gegen Null wird.
Ab da besteht ein ständiges Defizit zwischen den Momenten aus Erdlast, Eigengewicht
sowie Verkehrslast und dem Moment aus der Mindestbemessung, wie dies in Spalte 5 bei
einer Überdeckungshöhe von 25,00 m mit – 10,8 kNm/m ausgewiesen ist.

2.) in Spalte10 einen Abfall der zulässigen Vorpresskraft aus Zwängung bei einem Anstieg
der Überdeckungshöhe auf Werte, bei denen ein Rohrvortrieb nicht mehr möglich wäre –
während die zulässige Vorpresskraft aus Längsdruckspannung nach dem Arbeitsblatt
A161 ungeachtet von der Überdeckungshöhe unverändert bleibt!

Da stellt sich die Frage: Wie kann ein so empfindliches Rechensystem vorgeschlagen
werden. Wenn es ein anderes System gibt, das von der Überdeckungshöhe unabhängig ist?
Dazu ein simpler Vergleich: Kann man einem Lieferwagen, der für den Transport leichter
Güter gebaut ist, einen Schwertransport aufladen? Wohl kaum, er geht zu Bruch. Das
Fahrzeug muss eben seinem Verwendungszweck angepasst werden. So ist es auch beim
Rohrvortrieb!!
Was kann bzw. was muss geschehen, um den Rohrvortrieb den höheren
Anforderungen anzupassen?

Als 1. geht die Rohrwanddicke über das zulässige Gesamtmoment Mzul.ges in die zulässige
Vorpresskraft aus Zwängung Vzul.Zw ein. Nach den Bildern 3 und 4 gilt für Rohre aus
Stahlbeton B45
Mzul.ges =1130 (s- Einschnürung)2 .
Im gewählten Beispiel ist s = 0,25 m und die Einschnürung E = 0,010 m, das heißt

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Mzul.ges =1130 (0,250 – 0,010)2 = 65,1 kN m/m


wird nun die Rohrwanddicke auf s = 0,30 m erhöht, dann errechnet sich
Mzul.ges =1130 (0,300 – 0,010)2 = 95,0 kN m/m
das heißt, einer Vergrößerung der Rohrwanddicke um das 0,300 : 0,250 = 1,2 fache
entspricht bereits eine Erhöhung des
zulässigen Gesamtmomentes um das 95,0 : 65,1 =1,46 fache.

Doch es geht weiter: Die Bilder 5 bis 10 zeigen, dass das zulässige Gesamtmoment Mzul.ges
im Zähler der Formel für die zulässige Vorpresskraft um die Momente aus Erdlast und
Eigengewicht gemindert wird. Da ME und Mg unter den jeweils gegeben Umständen konstant
bleiben, kommt die Veränderung aus erhöhter Rohrwanddicke voll dem Zähler zu gute.
Beispiel: In Bild 5 ist Mzul.ges = 65,1 kN m/m bei s = 0,250 m und ME + Mg = 15,4 + 3,1 = 18,5.
Damit wird der Zähler 65,1 – 18,5 = 46,6 kN m/m.
Bei Mzul.ges = 95, für s = 0,300 wird der Zähler 95 – 18,5 = 77,5 kN m/m. Das heißt, bei einer
Erhöhung der Rohrwanddicke von 0,250 auf 0,300 m erhöht sich der Zähler im Verhältnis
von 77,5 zu 46,6, das ist um das 1,66 fache.

Als 2. geht das zulässige Gesamtmoment nochmals in die zulässige Vorpresskraft ein.
Nunmehr ist es der Vorwert 1130 im Ansatz für Mzul.ges = 1130 (s-Einziehung)2. In diesem
Vorwert ist bei Stahlbetonrohren die Vergleichsspannung nach DIN 1045 als „dritte Wurzel
aus beta WN2 mit 6 N/mm² für B45 enthalten. Die Vergleichsspannung errechnet
sich für Beton B55 zu 6,6 N/mm²
B65 zu 7,4 N/mm²
B75 zu 8,2 N/mm²
Damit ergibt sich für den Vorwert
bei Beton B55 1243
B65 1394
B75 1544
Der Zähler lautet dann bei s= 0,250 m
für B45 1130 (0,250 – 0,010)² - 18,5 = 46,6
für B55 1243 (0,250 – 0,010)² - 18,5 = 53,1
für B65 1394 (0,250 – 0,010)² - 18,5 = 61,8
für B75 1544 (0,250 – 0,010)² - 18,5 = 70,4

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Dies besagt, dass bei unveränderter Wanddicke sich die zulässige Vorpresskraft
gegenüber B45 und s= 0,250 m
bei B55 um 53,1 : 46,6 = 1,14 fache erhöht!
bei B65 um 61,8 : 46,6 = 1,33 fache erhöht!
bei B75 um 70,4 : 46,6 = 1,51 fache erhöht!

Der 3.Weg zur Erhöhung der zulässigen Vorpresskraft Vzul.Zw führt über die
Vermessungs- und Steuertechnik.

Indiz für die Vermessungs- und Steuertechnik ist der Zwängungskennwert azwr=1.Er wird
bislang für gute bis sehr gute Steuertechnik mit 0,1 angenommen. Doch gibt es nichts, was
nicht verbessert werden könnte. Durch immer raffiniertere Vermessungs- und immer bessere
Steuertechniken werden Werte von azwr=1 = 0,05 bis sogar 0,01 erzielt und durch laufende
Kontrollen der Fugenspaltweiten während des Vortriebes nachgewiesen.

Nun zeigen die Bilder 5 bis 10 jeweils gleiche Werte für sowohl gerade als auch für
gekrümmte Gradienten mit 4,27 und 8,14, das heißt, sowohl bei geraden als auch bei
gekrümmten Gradienten bleibt der Nenner stets unverändert.

Die Bilder 5 bis 10 zeigen aber auch, dass der Beitrag der Zwängungskennwerte azwr=1 stets
im Nenner steht.

Die Bilder 5 bis 10 zeigen ferner, dass der im Klammerausdruck stehende Anteil für die
r=1
Ausmitten der Vorpresskraft, gekennzeichnet durch den Zwängungskennwert azw neben
dem jeweils links stehenden Anteil für den Einfluss der Krümmungsradius R im Verhältnis
von ungefähr 10 : 1 dominiert, so dass für den Einfluss auf die zulässige Vorpresskraft der
Zwängungskennwert azwr=1 ausschlaggebend ist.

Daraus folgt, dass bei Veränderung des Zwängungskennwertes azwr=1 auf einen neuen Wert
Vzul.Zw. neu = Vzul.Zw. alt • azw r=1 alt : azw r=1 neu
zum Beispiel
Vzul.Zw. neu = Vzul.Zw. alt • 0,1 : 0,05 = 2,0 • Vzul.Zw. alt

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Die durch die statische Berechnung der Vortriebsrohre vorgewiesenen Maßnahmen


zur Erhöhung der zulässigen Vorpresskraft Vzul.Zw setzen voraus, bzw. bedingen, dass
° erhöhte Wanddicken
° erhöhte Betongüten
° verbesserte Zwängungskennwerte vor und während der Bauausführung
nachgewiesen werden.

Die Für die statische Berechnung von Vortriebsrohren noch erforderlichen Formeln
und Rechenansätze zeigen
° für die Normalkräfte in den Kämpfern Bild 12 nach ATV A161
° Bild 13 nach der Zwängungstheorie

° für die Momente in der Sohle Bild 14 nach ATV A161


° für die Normalkräfte in der Sohle Bild 15 nach ATV A161
Anmerkung:
Für die Sohle erfolgt der statische Nachweis ausschließlich nach der ATV A161, da in
der Sohle (und im Scheitel) die Zwängungskräfte den Kräften aus Erdlast entgegen
wirken.

Ein eigener Nachweis für den Scheitel erübrigt sich, da die Schnittkräfte in der Sohle –
bedingt durch das Eigengewicht der Rohre – stets größer sein müssen als im Scheitel.

Die vergrößerten Werte der zulässigen Vorpresskraft Vzul.Zw aus größerer


Rohrwanddicke, aus höherer Betongüte und verbessertem Zwängungskennwert gehen
in die Formeln zur Ermittlung der
Schnittkräfte aus Zwängung in den Kämpfern MZw.K und NZw.K ein.

Für die vergrößerten zulässigen Vorpresskräfte aus Zwängung Vzul.Zw ist die
Einhaltung der zulässigen Vorpresskraft aus Längsdruckspannung nachzuweisen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Ergebnis
von A161 mit der Zwängungsformel Hand in Hand
° Für die Sohle und zugleich für den Scheitel erfolgt die Bemessung der inneren
Bewehrung und der Spannungsnachweis nach ATV A161 pur.
° Für die Kämpfer erfolgt die Bemessung der äußeren Bewehrung und der
Spannungsnachweis sowie die Ermittlung der zulässigen Vorpresskraft nach ATV
A161 plus der Zwängungsformel.

Auch wenn die Verbindung der ATV A161 mit der Zwängungstheorie kein Händchenhalten
wird, Vernunftehen sind nicht selten die besseren Verbindungen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Anlage
zu

Arbeitsblatt A161 und Zwängungstheorie


Hand in Hand
Bilder 1 bis 15

 Dr.-Ing. Max Scherle


© Dr.-Ing. Max Scherle
© Dr.-Ing. Max Scherle
© Dr.-Ing. Max Scherle
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