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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

9. Fortsetzung und Abschluss am 11.11.04

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Thema:

- Rohrvortrieb in Druckluft
- Grundlagen der flüssigkeitsgestützten Ortsbrust

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im
Tiefbau im Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen
Forschungen und Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit
verbundenen Diskussionen, seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des
gemeinsamen Arbeitskreises Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung
und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches nach bestem Wissen und
Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung
für eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und
Durchführung des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Dr.-Ing. Max Scherle

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

zugegeben, Rohrvortrieb in Druckluft gehört heute zu den Besonderheiten. Gerade


deshalb hat der Autor dieses Thema an den Abschluss des nunmehr 10-teiligen
Fernseminars über den Rohrvortrieb gesetzt – an den Schluss, aber nicht zuletzt!
Denn mit diesem Seminar sollte der letzte Vortrag etwas ganz Besonderes
werden.

Wenn auch der Rohrvortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust den Vortrieb in


Druckluft weitgehend verdrängt hat, so gibt es immer noch Fälle, in denen der
Rohrvortrieb in Druckluft die günstigere Lösung darstellt, ja manchmal sogar
unersetzbar ist.

Um dann bei der Wahl des Verfahrens eines Rohrvortriebes in Druckluft nicht
unvorbereitet zu sein – sei es bei der Planung, bei der Baugrunderkundung, bei der
Ausschreibung und Vergabe, sei es bei der Bauausführung und Bauabrechnung –
soll dieser Seminarbeitrag eine Hilfe sein.

Als Menschen sesshaft wurden, begannen sie Siedlungen zu bauen. Sie


bevorzugten dabei offensichtlich die Nähe von Gewässern. Es mag mancherlei
Gründe dafür gegeben haben. Welche letztlich ausschlaggebend waren, darüber
nachzuforschen ist hier nicht der Platz, denn es würde in den ganz anderen Bereich
der Geschichtsforschung eingreifen. Doch ein Grund mag wohl dabei gewesen sein:
Die Menschen vermuteten in der Nähe von Gewässern auch Grundwasser in
erreichbarer Tiefe anzutreffen – reines Wasser, das für sie selbst und ihre Haustiere
lebenswichtig war. So entstanden vielleicht Siedlungen, aus denen im Laufe der Zeit
Städte wurden, die heute noch bestehen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in
den meisten Städten Grundwasser anzutreffen ist.

Seit einigen hundert Jahren sind Ver- und Entsorgungsleitungen ein unverzichtbarer
Bestandteil jeden Gemeinwesens. Bis vor nicht allzu langer Zeit wurden diese
Leitungen ausschließlich in offenen Gräben verlegt. Doch Handel und Wandel, der
Verkehr und nicht zuletzt der Schutz der Umwelt forderten zu Recht

grabenlose Bauverfahren.

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Insbesondere Entsorgungsleitungen kommen häufig in Tiefen von 5 Metern und


mehr und geraten so mit

Grundwasser

in Berührung. Als umweltfreundliche und dabei wirtschaftliche grabenlose Bauweise


hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte der

Rohrvortrieb

entwickelt.

Baugebiete beidseits von Gewässern sei es von ein und demselben Gemeinwesen,
sei es von benachbarten Gemeinden, sind keine Seltenheit. Es gilt auch zwischen
diesen Ver- und Entsorgungsleitungen herzustellen, die dann Gewässer unterqueren
müssen.

Das heißt: Rohrvortrieb im Grundwasser,


Rohrvortrieb unter Wasser,
aber auch Rohrvortrieb ist nicht wasserscheu!

Rohrvortrieb im Grundwasser

3 Möglichkeiten bieten sich an, das Grundwasser loszuwerden:


• Absenken des Grundwassers
• offene Wasserhaltung
• Verdrängung des Grundwassers

Bei der Grundwasserabsenkung wird das Grundwasser im Vortriebsbereich soweit


abgesenkt, dass der Schild und die ihm folgenden Rohre in wasserfreiem Boden
vorgetrieben werden können. Dazu muss das Grundwasser mittels Brunnen
abgepumpt werden, die dem Vortrieb vorauseilend erbohrt werden. Hinter dem
Schild können die Pumpen abgestellt werden. Das geförderte Grundwasser wird
abgeleitet und meist in die bestehende Kanalisation eingeleitet. Dabei bedeutet dies
eine zusätzliche Belastung der Kläranlagen. Entzug von Grundwasser schädigt
immer den Grundwasserhaushalt. Entzug von Grundwasser kann auch zur
Gefährdung von Baulichkeiten werden. Grundwasserabsenkung sollte daher, wenn
möglich, stets vermieden werden. Wenn eine Grundwasserabsenkung – aus welchen
Gründen auch immer – unvermeidbar ist, hat sich die Ableitung des geförderten
Grundwassers in abgelegene Gebiete und seine Wiedereinleitung in das dortige
Grundwasser mittels Schluckbrunnen als mögliche, wenn auch sehr aufwändige
Lösung erwiesen.

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Bei der offenen Wasserhaltung wird das an der Ortsbrust austretende


Grundwasser auf der Sohle der bereits vorgetriebenen Rohrstrecke zum
Startschacht zurückgeleitet. Es fließt im freien Gefälle ab, was bedeutet, dass eine
offene Wasserhaltung stets einen Vortrieb gegen das Gefälle voraussetzt. Am
Startschacht wird das zurückgeleitete Wasser in einem Pumpensumpf gesammelt
und nach über Tage abgepumpt und von dort meist in die Kanalisation eingeleitet.

Offene Wasserhaltung ist nur möglich, wenn der Ruhewasserstand am Schild nicht
allzu hoch ist. Eine feste Regel kann dafür nicht angegeben werden, doch mag als
Anhalt dienen, dass der Ruhewasserstand nicht höher als der halbe
Schilddurchmesser sein soll!

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Grundwasserabsenkung und offene Wasserhaltung sind nicht bei Rohrvortrieb


unter Gewässern anwendbar!

Vortrieb, wenn auch ganz anderer Art, haben findige Ingenieure vor rund 125 Jahren
beim Bau von Tunneln für Verkehrswege gewagt. Über deren grandiose Leistungen
und über deren Mut berichten

B. H. M. Hewett / S. Johanneson

in ihrem zweibändigen Werk

SHIELD AND COMPRESSED AIR TUNNELING

das 1922 erschienen und von Dipl.-Ing. R. Schürholz 1960 in die deutsche Sprache
übersetzt wurde und bei WERNER – VERLAG – DÜSSELDORF erschienen ist.

Aus den genannten Büchern geht hervor, dass erstmals und unabhängig von
einander im Jahr 1879 in Antwerpen und in New York Tunnels unter
Zuhilfenahme von Druckluft hergestellt wurden.

Der erste Schildvortrieb in Druckluft ist aus dem Jahre 1886 bekannt, bei dem in
London 9,65 km mit Durchmessern von 3,32/3,43 m aufgefahren wurden. Dieses
Ereignis darf als die „Geburtsstunde“ des Tunnelvortriebes und zugleich des
späteren Rohrvortriebes in Druckluft gesehen werden.

Es ist nicht bekannt, was die Ingenieure damals veranlasst hat, Druckluft zur
Verdrängung des (Grund-)Wasser einzusetzen. Bekannt waren seinerzeit bereits
Senkkästen, auch Caissons genannt, die unter Zuhilfenahme von Druckluft abgeteuft
wurden. Dabei wird in der Sohle des Senkkastens mittels Druckluft das Wasser zur
Unterkante hin abgedrängt. Der Luftdruck im Senkkasten entspricht zwangsläufig
dem Wasserdruck an dessen Unterkante. Wird zu wenig Druckluft zugeführt, dann
fällt der Luftdruck ab und das Wasser steigt in der Sohle des Senkkastens bis zu
einem Stand, der dem Druck des äußeren Wasserstandes entspricht. Wird hingegen
ein Zuviel an Druckluft zugeführt, wird bei selbsttätiger Einstellung des Luftdruckes
auf die Höhe der Unterkante des Senkkastens das Wasser abgedrängt und das
Zuviel an Druckluft entweicht.

Daraus ergibt sich das Fazit:

Bei Gleichgewicht zwischen innerem Luftdruck und äußerem Wasserdruck an den


Schneiden eines Senkkastens wird keine Druckluft verbraucht.

Die Ingenieure von Antwerpen und von New York mögen unabhängig von
einander die gleichen Ideen gehabt haben – die Zeit war einfach reif dafür – den
vertikalen Senkkasten in die horizontale Ebene zu schwenken. Dann steht beim
Vortrieb an der Ortsbrust Wasser an, vergleichbar mit der Sohle beim Senkkasten.

Jedoch besteht ein grundlegender Unterschied zwischen Senkkasten und


horizontalem Vortrieb.

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Beim Senkkasten herrscht an jedem Punkt der Sohle der gleiche, dem
jeweiligen Wasserstand entsprechende Luftdruck.

Beim horizontalen Vortrieb herrscht ein unterschiedlicher Wasserdruck


zwischen Scheitel und Sohle des Schildes, dem ein gleichbleibender Luftdruck
von der Sohle bis zum Scheitel gegenübersteht. Um an der Sohle das Wasser
fernzuhalten, ist der Luftdruck auf die Höhe des Wasserdruckes an der Sohle
einzustellen. Da es nur einen einheitlichen Luftdruck im ganzen Schildraum
geben kann, ergibt sich im Scheitel ein Überdruck, der dem
Außendurchmesser des Schildes gleich ist.

Beim horizontalen Rohrvortrieb – wie auch beim horizontalen Tunnelbau –


besteht Gleichgewicht nur an einem einzigen Punkt, das ist die Sohle des
Schildes und dies nur unter der Voraussetzung, dass der Luftdruck im Schildraum
auf

p Luft = hÜberdeckun
Scheitel
g
+ d Schild = h Sohle

eingestellt ist. An diesem Punkt wird das Wasser durch die Luft am Eindringen in
den Schildraum abgehalten, ohne dass dabei Luft entweicht.

Mit der Entfernung der Messstelle von der Schildsohle nach oben wird dieses
Gleichgewicht gestört. Es steht einem konstanten, auf die Sohle eingestellten
Luftdruck ein stetig abnehmender Wasserdruck gegenüber. Die Druckluft stützt
nicht mehr das Wasser ab. Sie drängt es in den Porenraum des Bodens hinein!

Die Druckluft vermischt sich im Porenraum mit dem dortigen Wasser zu Schaum. Die
nachdrängende Druckluft treibt den Schaum im Porenraum vor sich her. Da Schaum
leichter ist als Wasser, wird er nach oben abgedrängt. Mit zunehmender Entfernung
von der Schildsohle nach oben nimmt der Überdruck der Luft zu und damit der Druck
auf den Porenraum. Der Anteil Luft im Porenraum wird größer bis schließlich am
Scheitel des Schildes nur noch Druckluft austritt.

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Der Rohrvortrieb in Druckluft ist eine umfassende Bauaufgabe, die an alle


Beteiligten hohe Ansprüche an Können und Erfahrung, an Verantwortung und
nicht zuletzt auch an Mut stellt!

Um abzuklären, ob die Ausführung einer Baumaßnahme nach dem


Druckluftverfahren ausgeführt werden kann, ist sorgfältig zu prüfen, ob dieses
Verfahren technisch machbar ist und ob es unter den gegebenen Umständen
die beste Lösung darstellt.

Dazu soll in diesem Seminar der Ablauf eines gedachten Rohrvortriebes unter
Druckluft von der Vorplanung bis zur Abrechnung verfolgt werden. Es sollen auch
die Zuständigkeiten und die Verantwortlichkeiten angesprochen werden.

Es gibt mancherlei Möglichkeiten, für die Ausführung eines Bauvorhabens einen


Rohrvortrieb in Druckluft in Erwägung zu ziehen. Als Beispiel für die weitere
Betrachtung wird hier ein Abwasserkanal gewährt.

Am Anfang jeder Baumaßnahme steht die Vorplanung, in die der Bauherr seine
Wünsche und Vorstellungen einbringt. Daraus ergeben sich mit Zweck, Start und
Ziel des Bauvorhabens die Lage und Tiefe. Die Dimensionierung und das Gefälle
ergeben sich aus der hydraulischen Berechnung, die ein wichtiger Bestandteil der
Vorplanung ist.

Ein entscheidend wichtiger Bestandteil der Vorplanung ist die Erkundung des
Baugrundes durch

Aufschlussbohrungen und Rammsondierungen

Daraus macht das Baugrundgutachten (das heißt der Baugrundgutachter)


Aussagen über die
• Beschaffenheit des Baugrundes im Planungsbereich
• gemessenen und bekannten niedersten und höchsten Wasserstände
- im offenen Gelände (soweit gegeben)
- in Gewässern (soweit gegeben)

Gleichlaufend mit der Baugrunderkundung werden im Planungsbereich die auf NN


bezogenen Geländehöhen eingemessen, sodass die Bohr- und
Rammansatzpunkte auf NN bezogen angegeben werden können.

Mit den bisherigen Untersuchungen und deren Ergebnissen im Rahmen der


Vorplanung sind bereits die wichtigsten Aussagen zur

Machbarkeit

eines Rohrvortriebes in Druckluft möglich:


• Maximaler Wasserstand gleichgültig, ob unter Gewässer oder unter freiem
Gelände – maximal 36 m WS über Rohrsohle, entsprechend 3,6 bar nach der
Druckluftverordnung zulässig (§ 9).

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• Minimaler Wasserstand ½ Rohraußendurchmesser über Rohrscheitel in freiem


Gelände (Erfahrungswert)
• Mindestdurchmesser im Hinblick auf die Arbeitssicherheit (nach Anhang 1 der
Druckluftverordnung)
• Mindestüberdeckung im Hinblick auf die Ausbläsersicherheit (unbeschadet
des späteren rechnerischen Nachweises 2,0 bis 2,5 mal Rohraußen-
durchmesser)
• Mindestüberdeckung im Hinblick auf die Auftriebssicherheit (unbeschadet
des späteren rechnerischen Nachweises).

Ein wichtiger Hinweis:

Für die Mindestüberdeckung in stehenden und/oder fließenden Gewässern ist


nur der „so genannte gewachsene Boden“ maßgebend. Ablagerungen von Sand,
Schlick, Ruß und Staub in stehenden Gewässern, aber auch von Sand und Kies in
fließenden Gewässern werden bei Vermessung mit Echolot nicht erkannt und
verfälschen die für den Nachweis der Ausbläsersicherheit erforderliche
Mindestüberdeckung!!

Ein weiterer wichtiger Hinweis:

Aufschlussbohrungen sollen sowohl unter Gewässern als auch im freien Gelände


nur nahe neben der geplanten Vortriebsstrecke erfolgen, da Bohrungen in der
Vortriebstrasse auch bei guter Verdämmung zum Ausblasen von Druckluft bis zum
Ausbläser führen können.

Der minimale vertikale oder/und horizontale Radius der Gradiente ist sowohl im
Hinblick auf die Dichtfunktion als auch im Hinblick auf die Übertragung der
Vorpresskraft (Kantenpressung) zu überprüfen.

Wird nach einer erschöpfenden Vorplanung die Ausschreibung der


Rohrvortriebsstrecke in Druckluft in Erwägung gezogen, dann ist als Grundlage für
die Ausschreibung eine auf den Rohrvortrieb in Druckluft abgestimmte,
besonders sorgfältige Ausführungsplanung der nächste Schritt. Diese muss das
Bauvorhaben in Lageplänen mindestens im Maßstab 1:1000 und in Höhenplänen,
deren Längenmaßstäbe gleich den Lageplänen und deren Maßstäbe der Höhen
mindestens 1:100 sein müssen, erschöpfend darstellen.

Größter Wert ist auf den maßstabgetreuen Eintrag der Bohr- und der
Rammsondierergebnisse mit Angabe der Ordnungsziffern in den Lageplänen und
in den Höhenplänen zu legen. Maßstabgetreuer Eintrag der geplanten
Vortriebsstrecke und der Wasserstände – minimal, gemessen und maximal – ist
selbstverständlich!

Die Darstellung der Bodenaufschlüsse und der Rammsondierdiagramme ist in


Verbindung mit dem Baugrundgutachten, das ebenfalls besonders auf die
Bedürfnisse des Rohrvortriebes in Druckluft abgestimmt sein muss, für die
Einschätzung des Baugrundrisikos, das beim Rohrvortrieb in Druckluft in gleicher

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Weise wie bei einem ganz normalen Rohrvortrieb Risiko des Bauherrn ist, dem
aber im Hinblick auf einen Vortrieb in Druckluft eine ganz besondere Bedeutung
zukommt.

Der Bauherr kann das Baugrundrisiko nur dann und nur insoweit durch die
Ausschreibung und den Vertrag dem Bauunternehmer übertragen, wie es
durch Wort und Bild im Rahmen der Planung und des Baugrundgutachtens
kalkulierbar dargestellt ist.

Ver- und Entsorgungsleitungen für Strom, Telekommunikation, Gas, Fernwärme,


Wasser, Abwasser, usw. im Einflussbereich des Rohrvortriebes in Druckluft müssen
erkennbar dargestellt sein. Auf Fundamente, Reste historischer Bauten, Spannanker,
Schiffswracks ist ebenso hinzuweisen wie auf Bombentrichter und auf die Gefahr von
Bombenblindgängern und Munition. Hinzuweisen ist auch auf ehemalige Tankstellen,
Behälter für Kraft- und Treibstoffe, für Heiz- und Brennstoffe, auf Altlasten aus
ehemaligen Tankstellen, Fahrzeugabstellplätzen, chemische Betriebe gewerblicher
und industrieller Art und Vergleichbares.

Durch die Ausschreibung werden auch die Grundlagen


• für Angebote
• für harten aber fairen Wettbewerb der Bieter untereinander
• für Auftrag und Vergabe
• für die Abgrenzung der Risiken zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
• für die Abgrenzung der Risiken zwischen Auftragnehmer und seinen
Zulieferfirmen wie Rohrhersteller
• für die Baudurchführung
• für die Bauabrechnung
geschaffen.

Je genauer die Ausschreibungsunterlagen sind, zu denen auch die vorgenannten


Ausführungspläne und Baugrundgutachten gehören, umso korrekter und umso
schärfer kann der Wettbewerb der Bieter bei der Angebotsabgabe sein.

Zwei Risikobereiche bestimmen im Wesentlichen das Baugeschehen beim


Rohrvortrieb im Allgemeinen und beim Rohrvortrieb in Druckluft im Besonderen:
• das Baugrundrisiko und
• das Zeitrisiko.

Der Baugrund beeinflusst die Vortriebsleistung:


• durch das Abbausystem (Handabbau, leichtes Gerät, Teilschnittmaschine oder
Vollschnittmaschine)
• durch das Fördersystem (Trockenförderung oder Nass-/Spülförderung)
• durch die Durchlässigkeit für Wasser und Luft und damit die in der Zeiteinheit
erforderliche Luftmenge
• durch die Höhe des Wasserstandes und damit die in der Zeiteinheit erforderliche
Luftmenge.

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Das Zeitrisiko ist das Risiko des Auftragnehmers, denn er bestimmt:


• das Schleusungsverfahren
Schleuse am Startschacht oder Schleuse am Schild
• den Abbau an der Ortsbrust
Handabbau, leichtes Gerät, Teilschnitt- oder Vollschnittmaschine
• die Stützung der Ortsbrust
• die Förderung
(Trockenförderung, Nass- oder Spülförderung)
• die Ausstattung der Baustelle mit Maschinen und Geräten
• den Einsatz von Bentonitsuspension als Stütz- und Gleitmittel
• die Ausstattung mit Personal
• Schichtbetrieb
• das Vermessungssystem
• die Gesamtorganisation der Baumaßnahme.

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Bei der Aufstellung des Leistungsverzeichnisses


ist zwischen den Bereichen

• vor dem Gewässer,


• unter dem Gewässer und
• nach dem Gewässer

zu unterscheiden. Die Bereiche vor und nach dem Gewässer sind meistens durch
einen Rohrvortrieb unter Gelände gekennzeichnet, der voraussetzt, dass für einen
Rohrvortrieb in Druckluft ein Mindestwasserstand von einem halben
Rohraußendurchmesser über Rohrscheitel gesichert ist. Ist diese Voraussetzung
nicht erfüllt, kann nur ein ganz normaler Rohrvortrieb mit Grundwasserabsenkung
ausgeschrieben werden. Um in diesem Fall die abzuleitende Grundwassermenge zu
reduzieren, kommt eine Kombination von einer verminderten
Grundwasserabsenkung mit offener Wasserhaltung in Frage. Auf den
Nachweis der Auftriebssicherheit wird hingewiesen!!!

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Die Baustelleneinrichtung wird getrennt für

• allgemeine Baustelleneinrichtung und


• besondere Baustelleneinrichtung

ausgeschrieben.

Unter die allgemeine Baustelleneinrichtung fallen alle Einrichtungen, die für die
gesamte Baumaßnahme und für die gesamte Bauzeit vorzusehen sind, wie

• Herrichten, Vorhalten, Unterhalten und Beseitigen der Zufahrtstraßen ab der


nächsten öffentlichen Straße bzw. ab dem nächsten öffentlichen Weg
• Herrichten, Vorhalten, Unterhalten und Beseitigen der für die Durchführung der
gesamten Baumaßnahme benötigten Flächen
• Aufstellen, Vorhalten, Unterhalten und Beseitigen aller für die gesamte Bauzeit
benötigten Einrichtungen wie
- Stromversorgung
- Wasserversorgung
- Telefon, Telefax
- WC
- Container für Mannschaft
Umkleiden
Waschen
Essen
- Container für Schichtführer
Schleusenwärter
Baustellenbüro
Druckluftarzt
• Hebezeuge
• Bentonitaufbereitungsanlage
• Baustellenbeleuchtung
• Baustellenbelüftung
• Alles Weitere, was der Auftragnehmer für erforderlich hält.

Baustelleneinrichtungen zu Teilleistungen für die der Auftragnehmer die


Ausführungsart und Zeit nach den Vorgaben der Planung und Ausschreibung
bestimmt, werden zusammen mit den jeweiligen Teilleistungen zu Pauschalsätzen
ausgeschrieben, angeboten und abgerechnet. Darunter fallen:

• die Einrichtungen zur Erzeugung der Druckluft


- Primärenergie
- Reserveenergie
- Windkessel
- Kompressoren mit Reserve
- Maß- und Regelgeräte
- Sicherheitsgeräte
- Armaturen

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• die Einrichtungen zur Fortleitung der Druckluft bis zum Arbeitsraum


• die Schleusenwände mit Schleusentüren
• Komplettschleusen
• Sauerstoffgeräte
• Krankenschleusen
• Ruheplätze für die Druckluftmannschaft

Zu Stückpreisen werden ausgeschrieben, angeboten und abgerechnet


Einrichtungen, deren Gestaltung und Abmessungen der Auftragnehmer nach seiner
Wahl bestimmt hergestellt, unterhält und beseitigt (soweit nicht durch die
Ausschreibung deren Erhalt nach Art und Umfang festgelegt ist) ausgeschrieben,
angeboten und abgerechnet.

Dazu gehören:
• die Startschächte und
• die Zielschächte

Nach laufenden Metern Vortriebslänge werden ausgeschrieben, angeboten und


abgerechnet:
• die Lieferung der Vortriebsrohre einschließlich der Ausbildung der Fugen und
einschließlich der erforderlichen Zwischenpressstationen nach den Vorgaben der
Planung mit Baugrundgutachten und Ausschreibung mit statischer Berechnung
geprüft durch einen Prüfingenieur für Baustatik. Der Rohrhersteller ist zu
benennen, wobei sich der Auftraggeber ein Vetorecht vorbehält, soweit dies
begründet ist.
• die Erzeugung und Lieferung der Druckluft entsprechend den Vorgaben der
Planung und Ausschreibung und dem Baugrundgutachten.
• der Vortrieb der Rohre in Druckluft einschließlich aller Schleusungsvorgänge
entsprechend der Planung und Ausschreibung einschließlich
- der Ausfahrt der Rohre aus dem Startschacht und
- der Einfahrt der Rohre in den Zielschacht.
• der Ausbruch des Bodens in Druckluft einschließlich Abstützung der Ortsbrust
nach dem Baugrundgutachten.
• die Förderung des Ausbruches aus dem Arbeitsraum und Beseitigung des
Ausbruchmaterials.

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Einen entscheidenden Einfluss auf das Preis-Leistungs-Gefüge übt unter anderem


die Anordnung der

• Schleuse am Schild oder


• Schleuse am Startschacht

aus.

Bei Schleuse am Schild besteht diese meist aus einem Stahlrohr, dessen
Durchmesser gleich dem Außendurchmesser gleich dem Außendurchmesser der
Vortriebsrohre – mindestens nach der Druckluftverordnung einen
Innendurchmesser von 1.600 mm aufweisen muss – und dessen Länge den dem
Schild bzw. Arbeitsrohr nachfolgenden Rohren entspricht. Die Schleusenrohre sind
beidseits mit Schleusenwänden abgeschlossen, in denen die Schleusentüren
eingesetzt sind. Mit dem Einfahren der Schleusen in die Vortriebsstrecke sind die
Arbeiten in Druckluft von der Vortriebsstrecke, die unter atmosphärischem Druck
verbleibt, getrennt. Das Einbauen der Rohre, der Rohrvortrieb, das Einpressen der
Bentonitsuspension erfolgt wie bei einem ganz normalen Vortrieb. Personal und
Material muss jedoch durch dieselbe Schleuse ein- bzw. ausgeschleust werden,
wobei sich Personal und Material gegenseitig ausschließen. Vermessungsarbeiten
nach der Höhe und nach der Seite können bei Schleusen am Schild bis ganz an die
Schleuse vorgetragen werden.

Bei Schleusen am Startschacht steht die gesamte Vortriebsstrecke unter Druckluft


und wird damit selbst zum Arbeitsraum in Druckluft. Das Einschleusen von Rohren
und von Personal kann getrennt und völlig unabhängig voneinander erfolgen. Im
Gegensatz zu Schleusen am Schild müssen bei Schleusen am Startschacht alle
Rohre durch die Schleuse gebracht werden.

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 16

Schema der Schleusungsgänge

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 17

Schema der Schleusungsgänge

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 18

Schema der Schleusungsgänge

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 19

Schema der Schleusungsgänge

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 20

Ein Nachteil bei Schleusen am Schild ist der kurze Arbeitsraum zwischen
Ortsbrust und Schleuse.

Bei Schleusen am Startschacht wird die gesamte Vortriebsstrecke zum


Arbeitsraum. Schwankungen des Luftdruckes infolge ungleichen Austrittes der Luft
an der Ortsbrust wirken sich bei Schleusen am Startschacht weitaus geringer aus als
bei Schleusen am Schild.

Hingegen kann sich bei Schleusen am Schild bei einer sich anbahnenden Gefahr
eines Ausbläsers die gesamte Vortriebsmannschaft in die sichere Schleuse
zurückziehen, beobachten und abwarten.

Bei Schleusen am Startschacht muss bei einer sich anbahnenden Gefahr die
Vortriebsmannschaft die gesamte Vortriebsstrecke zurücklegen bis zur sicheren
Schleuse – immer die Gefahr im Nacken, wobei die Wegstrecke unter Umständen
schon sehr lange sein kann! Bei Vortrieb eines Dükers ist meist die Gradiente
vertikal gekrümmt, wodurch der Rückzug bei Gefahr wesentlich schwieriger
und gefährlicher – wenn nicht sogar unmöglich – wird.

Bei Schleusen am Schild kann bei Unterbrechung des Vortriebes (an


Wochenenden, bei Feiertagen usw.) der Luftdruck im Arbeitsraum bei
gleichzeitigem Anstieg des Wasserstandes im Arbeitsraum kontrolliert abgesenkt
werden. Damit wird der Luftaustritt an der Ortsbrust verringert und mit ihm die
Luftzufuhr ermäßigt. So kann dem Ausblasen von Feinbestandteilen aus dem
Porenraum des Bodens entgegengewirkt werden – einer nicht zu
unterschätzenden Gefahr bei Stillstand des Vortriebes!

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 21

Nass- oder Trockenförderung, das ist schon bei ganz normalem Rohrvortrieb eine
Glaubensfrage, vergleichbar mit der bekannten Gretchenfrage in Goethe’s Faust.

Bei Trockenförderung wird das Haufwerk in Kübel eingegeben, die mittels


schienenlosen oder schienengebundenen Karren zum Förderschacht gebracht
werden. Dort werden sie mit Hilfe eines Kranes oder eines als Kran umgebauten
Baggers über Tage gefördert und von da abtransportiert. Die entleerten Kübel
werden zur erneuten Befüllung wieder zum Schild vorgezogen.

Bei Nassförderung, auch Spülförderung genannt, wird das Haufwerk in einen mit
Wasser gefüllten Behälter, der ständig vor Ort stehen bleibt, eingegeben, dort mit
Wasser (etwa im Verhältnis 1 zu 15) vermischt, abgesaugt und mittels Pumpen
(Bagger- oder Kiespumpen) über Rohrleitungen zum Startschacht gefördert, über
Tage geleitet und dort in Absetzbecken gegeben. Das von Haufwerk durch Absetzen
befreite Wasser wird mittels Rohrleitungen zum Aufnahmebehälter vorgebracht – der
Kreislauf beginnt von neuem. Das Haufwerk wird zur Entsorgung abgefahren.
Weitere Ausführungen zur Nassförderung enthalten die Seiten ........ bis .......... der
Anlage dieses Seminarbeitrages.

Den gravierenden Unterschied zwischen Trocken- und Nassförderung bei


Rohrvortrieb in Druckluft zeigen eindringlich die Seiten ..... bis .......

Bei Trockenförderung muss immer zuerst ein leerer Haufwerkskübel in den


Arbeitsraum eingeschleust werden. Nach dessen Füllung vor Ort wird der volle Kübel
wieder ausgeschleust. Dabei ist schon das Einbringen der leeren Kübel wie auch das
Ausbringen der vollen Kübel in bzw. aus der Schleuse schwierig, da die
Schleusentüren nicht auf der Höhe der Schildsohle und nicht auf der Rohrsohle sein
können. Jeder Ein- und Ausschleusvorgang der Haufwerkskübel kostet Zeit und
Druckluft!

Bei Nassförderung gehen die Vor- und Rücklaufleitungen für das Fördermedium
(Wasser) durch die Schleusen ohne dort zu stören, Bild Seite ........ Der
Aufnahmebehälter für das Fördermedium (Wasser) steht im Arbeitsraum unter dem
Druck der dortigen Druckluft. Somit wird das mit Haufwerk angereicherte Wasser
bereits der Förderpumpe zugedrückt. Im Gegenzug wird das Fördermedium
(Wasser) gegen den Luftdruck im Arbeitsraum eingebracht. Alles was außerhalb der
Schleusen vor sich geht, läuft genau wie bei einem ganz normalen Vortrieb ab.
Befinden sich die Schleusen am Startschacht, dann gehen die Vor- und
Rücklaufleitungen analog durch den Startschacht.

Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass bei Nassförderung sowohl bei
Schleusen hinter dem Schild als auch bei Schleusen am Startschacht bei jedem
Rohrwechsel die Vor- und Rücklaufleitungen für das Fördermedium getrennt werden
müssen.

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 22

Der Luftdruck ist nun einmal DAS Kriterium beim Rohrvortrieb in Druckluft. Er ist
bedingt durch die Höhe des Wasserstandes über der Schildsohle.

An der Schildsohle und nur hier herrscht Gleichgewicht zwischen äußerem


Wasserstand und innerem Luftdruck.

An der Schildsohle hält die Luft das Wasser am Eindringen in den Schildraum ab –
Gleichgewicht Luft-Wasser!

An der Schildsohle hält das Wasser am Eindringen von Luft in den Porenraum des
Bodens ab. Gleichgewicht Wasser-Luft!

Der auf die Sohle des Schildes eingestellte Luftdruck bleibt bei unverändertem
Boden über den gesamten Schildquerschnitt konstant.

Der Wasserdruck nimmt mit steigender Entfernung von der Schildsohle linear zum
Schildscheitel hin ab. Es entsteht bei konstantem Luftdruck ein relativer Überdruck
der Luft gegenüber dem Wasserdruck.

Der Luftdruck am Schild setzt sich zusammen aus:


• einem statischen Wert zur Abhaltung des Wassers und
• aus einem Strömungswert, der im Porenraum des Bodens ein Eindringen des
Wassers verhindert.

Ein Restwasserstand an der Schildsohle, bezeichnet mit hr mindert den


statischen Wert des Luftdruckes auf

p = hüSohle − hr

Erst ab hr beginnt der Strömungswert.

Nasse Füße, die niemand schätzt, sind beim Vortrieb nicht nur nicht schädlich,
sondern sogar nützlich! Der Restwasserstand in der Schildsohle mindert nicht nur
den zum Abhalten des Wassers erforderlichen Luftdruck, sondern auch über die
verminderte Austrittsfläche für Luft die erforderliche Luftmenge.

Das Restwasser in der Sohle des Schildes ist ein Indiz dafür, dass sich kein zu
hoher Luftdruck eingestellt hat und dass nicht zuviel Luft zugeführt wird.

Im Umkehrschluss heißt dies, dass es im falsch verstandenen Bemühen, die


Schildsohle um jeden Preis trocken zu halten, ein Fehler ist, der zu einer
schweren Gefahr werden, das heißt einen Ausbläser einleiten kann!!!

Worin liegt nun die so angesprochene Gefahr? Nichts liegt dem Autor ferner, als die
am Rohrvortrieb in Druckluft Interessierten zu verunsichern! Es drängt ihn aber, die
Beteiligten und insbesondere die Betroffenen über die Gefahren beim Rohrvortrieb in
Druckluft sachlich zu informieren – informieren über deren Ursachen und deren

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 23

Entstehung und zu informieren, wie die Gefahr rechtzeitig erkannt werden kann
und wie ihr zu begegnen ist.

Fest steht, dass nach dem Prinzip der Verdrängung des Grundwassers durch
Druckluft nur an der Schildsohle bzw. ab der Höhe des Restwasserstandes
Gleichgewicht zwischen Wasser und Druckluft besteht und dass ab diesem
Punkt ein stetig steigendes Übergewicht von Luftdruck zum Wasserdruck herrscht.
Dabei strömt mehr Luft in den Porenraum ein als zum Rückhalten des Wassers
benötigt wird. Die Luft strömt, vermischt mit Wasser, nach oben ab und in das
Gewässer ein. Dabei bildet sich ein Gleichgewichtszustand zwischen dem
aufwärtsgerichteten Strömungsdruck des Luftwassergemisches im Porenraum des
Bodens und dem Gewicht des Bodens aus.

Wird nun ein Zuviel an Luft mit einem zu hohen Druck eingepresst, dann werden
Druck und Strömungsgeschwindigkeit der Luft im Porenraum erhöht. Am stärksten
ausgeprägt ist dieses Bild unmittelbar im Scheitelbereich des Schildes, wo bereits ein
Überdruck der Luft gegenüber dem Druck des Wassers besteht. Die verstärkt
strömende Luft im sich vergrößernden Porenraum kann dazu führen, dass
Feinbestandteile des Bodens mitgerissen werden. Dies kann zur Ausbildung eines
sich stetig vergrößernden Schlauches führen, der vom Scheitel des Schildes
ausgeht und sich bis zur Gewässersohle fortsetzt! Solange sich in diesem so
gebildeten Schlauch die aufwärts drängende Luft und das abwärts dringende Wasser
noch die Waage halten, macht sich dieser Vorgang „nur“ durch einen

Druckabfall

bemerkbar, da die Luft jetzt in dem so gebildeten Schlauch nahezu ungehindert


ausströmen kann – ein Teufelskreis beginnt, mehr Luft, verstärkte Strömung der
Luft, mehr Feinbestandteile des Bodens werden mitgerissen, der Schlauch
vergrößert sich bis das latente Gleichgewicht Boden-Wasser-Luft durchbrochen ist –
die Luft schließt ungebremst nach oben ab – Wasser und Boden vermischt
stürzen in den Arbeitsraum ein – ein

Ausbläser, der Super-GAU

des Rohrvortriebes ist geschehen!


So oder so ähnlich mag der legendäre tragische Ausbläser beim Bau des
Fußgängertunnels unter der Elbe in Hamburg um die Wende des 19. zum 20.
Jahrhunderts abgelaufen sein.

Den Ausbläser als Risiko eindringlich zu schildern, sieht der Autor als seine Pflicht.
Ebenso sieht er es als seine Pflicht, darzustellen, wie dieses Risiko gebannt
werden kann.

Eine alte Volksweisheit: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 24

Ein erster Schritt zur Minimierung des Ausbläserrisikos kann schon mit der
Planung zusammen mit der Baugrunderkundung getan werden. Vorstufe hierzu ist
eine besonders gründliche, auf die Ausbläsergefahr abgestellte Analyse des
Baugrundes. Es wurde dargestellt, dass der Scheitelbereich des Schildes dadurch
besonders für die Ausbildung eines Ausbläsers anfällig ist, weil dort der Überdruck
der Luft gegenüber dem Wasserdruck am größten ist und sich dadurch eine
verstärkte Luftströmung in den Kapillaren des Baugrundes ausbildet. Ist nun der
Baugrund im Scheitelbereich besonders locker gelagert und weist er einen
besonders hohen Anteil an Feinkorn auf, dann kann ein lockergelagerter Boden
durch die Luftströmung noch weiter aufgelockert werden und es kann Feinkorn
mitgerissen und ausgespült werden. Dieser Vorgang kann zur Einleitung der im
Vorausgegangenen angesprochenen Schlauchbildung im Baugrund führen und
alles Weitere kann dann, wie dargestellt, ablaufen.

Dies besagt, dass im Längenschnitt allenfalls wegen ihrer geringen


Lagerungsdichte und des hohen Anteiles an Feinkorn gefährdeten
Bodenschichten deutlich hervorgehoben werden – begleitet von
Bodenanalysen, die im Hinblick auf die Ausbläsergefahr besonders
auszuwerten sind.

Unter Umständen sind Injektionen zur Verbesserung des Bodens schon in der
Planung und in der Ausschreibung – in Abstimmung mit dem Baugrundgutachten –
vorzusehen. Gute Erfolge wurden in stehenden Gewässern mit Injektionen aus
Wasser-Bentonit-Zement-Suspensionen von der Gewässersohle aus erzielt.

Um in die Entscheidungsfindung eingebunden werden zu können, ist es


angezeigt, alle Beteiligten

• vom Bauherrn und seinen Organen,


• über Planer und Baugrunderkunder,
• über die ausschreibende und vergebende Stelle
• zu der Vortriebsfirma mit ihrem Bauleiter und Schichtführer
• und am Schluss, aber nicht zuletzt das Druckluftpersonal

angemessen, ausreichend zu informieren.

Sind die Würfel für einen Rohrvortrieb in Druckluft gefallen, hat die Vortriebsfirma in
eigener Verantwortung zu entscheiden, ob

• Schleusen am Schild oder Schleusen am Startschacht


• Trockenförderung oder Nassförderung (Spülförderung)
• Einschichtbetrieb oder Mehrschichtenbetrieb

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 25

Die Vortriebsfirma ist gut beraten, die vorstehenden, eng ineinander greifenden
Entscheidungen schon vor der Angebotsabgabe zu überdenken, denn sie haben
einen wichtigen Einfluss auf die Gestaltung der Preise – und später auf die Kosten.

Während bei der Vorbereitung zur Ausführung eines Rohrvortriebes in Druckluft die
Entscheidungen in den höheren Rängen der Vortriebsfirma getroffen werden und
auch dort getroffen werden müssen, haben

bei der Ausführung eines Rohrvortriebes in Druckluft die unmittelbar in Druckluft


Beschäftigten – in ihrem ureigensten Interesse – eine ganz besondere
Verantwortung. Sie müssen ständig den Restwasserstand im Schild
beobachten.

Steigt der Restwasserstand im Schild bei unveränderter Luftmenge (nach


telefonischer Bestätigung durch die Kompressorstation), zeigt dies einen
Druckabfall an, der zunächst – was zu hoffen ist- seine Ursache in einer erhöhten
Durchlässigkeit des Baugrundes an der Ortsbrust für Luft haben kann.

Ein Ansteigen des Restwasserstandes bei unveränderter Luftmenge (nach


telefonischer Bestätigung durch die Kompressorenstation) in Verbindung mit einem
Druckabfall im Arbeitsraum kann aber auch die Folge eines Luftverlustes im
Schildscheitel und der Beginn eines sich dort ausbildenden Luftschlauches
sein.

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 26

Zeigen sich im Arbeitsraum Symptome für

• fallenden Luftdruck bei


• unveränderter Luftmenge und bei
• steigendem Restwasserstand im Schild und
• unverändertem Baugrund an der Ortsbrust

sind dies Hinweise auf eine drohende Gefahr. Dann heißt es für die
Druckluftmannschaft ganz besondere Aufmerksamkeit, aber dennoch
Besonnenheit!

Setzen sich die beschriebenen Symptome fort, dann gilt für die
Druckluftmannschaft:
Rückzug in die sichere Schleuse, deren Tür zum Arbeitsraum immer offen
stehen muss.

Der „Älteste“ der Druckluftmannschaft – es kann auch der nach der Zahl der Jahre
der Jüngste sein – verständigt sofort den Schichtführer und dieser die „höheren
Ränge“ in der Vortriebsfirma, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Die Schleusentüre zum Arbeitsraum wird verschlossen, wobei darauf zu


achten ist, dass sich jetzt die Druckverhältnisse ändern: Die Schleusentüren
sind nach der Druckluftverordnung so anzuordnen, dass sie vom Luftdruck
gegen die Dichtung gepresst werden.

Anmerkung: Dies ist für den Ausschleusevorgang unabdingbar notwendig,


denn normal herrscht im Arbeitsraum der volle Luftdruck und
damit auch in der Schleuse bei offener Tür. Beim Ausschleusen
fällt naturgemäß der Luftdruck in der Schleuse, sodass der
Luftdruck im Arbeitsraum die Schleusentüre gegen die Dichtung
presst. Die immer offene Türe der Schleuse zum Arbeitsraum
garantiert auch den stets offenen Fluchtweg in die sichere
Schleuse!

Und nun zu den zu treffenden Maßnahmen:


Um eine gefährlich werdende Schlauchbildung aufzuhalten, ist es erforderlich, als
Erstes durch Minderung der Luftzufuhr den Luftdruck im Arbeitsraum
kontrolliert abzusenken, wodurch der Restwasserstand ansteigt. Der Überdruck
Luft gegen Wasser fällt ab – aber nur soweit, dass kein Wasser am Scheitel und
an der Ortsbrust austritt! In diesem Zustand können die weiteren Entscheidungen
getroffen werden. Als Erstes wird wohl die Druckluftmannschaft, die immer noch der
Entscheidung harrt, Anordnung zum Ausschleusen erhalten.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 27

Weitere Maßnahmen können sein:


• Taucher zur Überprüfung der Gewässersohle anfordern
• Arbeitsraum fluten
• Injektionen durchführen
• Ballast in Form von Steinschüttung aufbringen
• Vortriebsstrecke bei noch geflutetem Arbeitsraum wieder anpressen. Durch
den Druck der Schildschneide kann unter Umständen die Ausbildung des
Schlauches gestoppt werden.
• Vorsichtig Luftdruck im Arbeitsraum wieder aufgeben, soweit bis sich der
normale Restwasserstand wieder eingestellt hat und der Luftdruck dabei wieder
stabil bleibt.

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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 28

Und nun noch einige wichtige Hinweise:

1. In der vorderen Schleusenwand sind


a) in Sichthöhe ein druck- und schlagfestes Fenster zur Beobachtung des
Druckraumes
b) möglichst noch ein nur von der Schleuse aus zu betätigendes Ventil (bzw.
Schieber) zur Herstellung des Druckausgleiches Druckraum/Schleuse bzw.
Schleuse/Druckraum
c) auf der Innenseite eine Wasserstandsanzeige
vorzusehen.

2. In der rückwärtigen Schleusenwand sind


a) in Sichthöhe ein druck- und schlagfestes Fenster zur Beobachtung der
Menschen in der Schleuse von der Rohrstrecke aus
b) möglichst hoch ein von der Schleuse aus zu betätigendes Ventil (bzw.
Schieber) zur Herstellung des Druckausgleiches Schleuse/Vortriebsstrecke
vorzusehen.

3. Im Arbeitsraum ist der dortige Luftdruck anzuzeigen.

4. In der Schleuse ist der Luftdruck


a) im Arbeitsraum
b) in der Schleuse
c) in der Vortriebsstrecke
anzuzeigen.

5. Im Arbeitsraum ist eine Uhr anzubringen.

6. In der Schleuse ist eine Uhr mit einstellbaren Zwischenzeiten anzubringen.

7. In der Schleuse ist Verbandsmaterial zur Versorgung leichter Verletzungen


vorzusehen.

8. In der Schleuse ist die Möglichkeit für Ausscheidungen in fester und flüssiger
Form vorzusehen.

9. Besonders ist darauf hinzuweisen, dass bei Vortrieb in Lockergestein in


Druckluft – und es liegt hier im Seminar, ohne dass es ausdrücklich gesagt ist,
Rohrvortrieb in Lockergestein stillschweigend zugrunde – der Schild mit seiner
Schneide dem Ausbruch vorauseilend in den Boden gepresst wird. Wird
dies vernachlässigt, besteht die Gefahr, dass sich die Luft um die Schildschneide
ihren Weg nimmt. Luftverlust und Luftdruckabfall wären die Folge!!

10. Beim Wiederanfahren nach Vortriebspausen bzw.


Vortriebsunterbrechungen gleichzeitig mit dem Aufgeben von Druckluft
den Schild anpressen, um so ein Entweichen von Luft an der Schildschneide,
insbesondere im Scheitelbereich zu verhindern!

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 29

Hinweis zur Auswirkung der Druckluft auf die statische Berechnung der
Vortriebsrohre.

Zunächst sind die Lastannahmen zu treffen, als wäre keine Druckluft


vorhanden.
Zu berücksichtigen sind der:
• Wasserstand bis Rohrscheitel
• Wasserdruck über Rohrscheitel
nach dem Arbeitsblatt A161 der ATV.

Bei Schleusen am Schild verändert die Druckluft die Lastannahmen nicht!

Bei Schleusen am Startschacht stehen alle Rohre unter dem Luftinnendruck,


der als innerer Überdruck zu berücksichtigen ist!

Das Gleiche gilt auch, wenn Rohre, die bei Schleusen am Schild vorgepresst
worden waren, nachträglich oder später unter Druckluft genommen werden
sollen bzw. müssen!!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 30

Die Druckluft als das wesentliche Element des Rohrvortriebes in Druckluft ist
weder
• nach ihrem Druck noch
• nach ihrer Menge
dem Willen der sie nutzenden Menschen unterworfen.

Der Luftdruck im Arbeitsraum ist bestimmt


• durch die Höhe des Wasserstandes über der Sohle des Schildes (abzüglich
eines Restwasserstandes im Schild)
• durch den Widerstand, den die Luft beim Durchströmen des Porenraumes im
Baugrund überwinden muss.

Die anzusaugende Luftmenge ist bestimmt


• durch den Durchmesser des Schildes
• durch die Durchlässigkeit des Bodens für Wasser und Luft.

Die anzusaugende Luftmenge ist diejenige Luftmenge, die unbeeinflussbar


erforderlich ist, den Wasserstand im Schild auf einen Reststand abzudrängen.
Der sich dabei im Arbeitsraum einstellende Luftdruck ist der unbeeinflussbare,
erforderliche Luftdruck.

Daraus ergibt sich bei Arbeitsunterbrechungen und einem dabei bewusst in Kauf
genommenen Anstieg des Wassers im Schild eine vermindert anzusaugende
Luftmenge in Verbindung mit einem verminderten Luftdruck – eine nicht zu
unterschätzende Einsparung an Energie (= Kosten!) bei gleichzeitiger Erhöhung der
Sicherheit.

Die Erhöhung der Sicherheit ergibt sich aus dem verminderten Luftaustritt
insbesondere im Scheitelbereich, der bei Stillstand des Vortriebes und
unveränderter Luftzufuhr besonders gefährdet ist.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 31

Der Luftdruck beeinflusst subjektiv das Wohlbefinden der Menschen in


Druckluft.

Objektiv beeinflusst der Luftdruck die zulässige Arbeitszeit in Druckluft und


die Zeitdauer für das Ein- und insbesondere für das Ausschleusen und die
einzuhaltende Ruhezeit, woraus sich die Gesamtarbeitszeit je Schicht ergibt – das ist
die Gesamtarbeitszeit, die in die Kostenrechnung eingeht.

Bei gleichem Stellenwert beeinflusst die Luftmenge, richtig heißt es die


anzusaugende Luftmenge, die Kostenrechnung.

Die anzusaugende Luftmenge wird bestimmt durch


• die Fläche, gemessen am Schild
• den Luftdruck über dem atmosphärischen Luftdruck
• die Durchlässigkeit des Bodens für Wasser (kw = Wert) und für Luft (kL = Wert)
• die zum Einschleusen und Wiederausschleusen der Druckluftmannschaft
erforderliche Luftmenge
• die zum Einschleusen und Wiederausschleusen von Aufsichtspersonen
erforderliche Luftmenge
• die bei Trockenförderung zum Einschleusen leerer und zum Wiederausschleusen
gefüllter Haufwerkskübel erforderliche Luftmenge
• die zum Einschleusen und zum Wiederausschleusen von Material und Gerät bei
Reparaturen erforderliche Luftmenge
• die bei Nassförderung zum Ausschleusen von Fremdkörpern erforderliche
Luftmenge
• den Restwasserstand im Schild.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 32

Grundlage für die zu fördernde Luftmenge – identisch mit dem Luftbedarf in


der Zeiteinheit – ist die Erkenntnis, dass sich der erforderliche Luftdruck aus
derjenigen Luftmenge ergibt, die benötigt wird, um das Wasser im Schild bis
auf einen
Restwasserstand
an dessen Sohle abzudrängen.

Die Lieferung der in der Zeiteinheit erforderlichen Luftmenge in Verbindung mit


dem zugehörigen Luft(über)druck ist somit ein wichtiger Kostenfaktor bei der
Erstellung der Kostenanschläge und der Angebote sowie bei der Bauausführung und
bei der Bauabrechnung.

Der Wunsch von Auftraggebern und Auftragnehmern liegt nahe, möglichst viel und
möglichst Genaues über die Menge der Druckluft zu erfahren und wie sie
berechenbar gemacht werden kann.

Dazu hat der Arbeitskreis Tunnelbau der Deutschen Gesellschaft für Erd- und
Grundbau e.V. Essen
„Empfehlungen für die Wasserhaltung durch Druckluft bei Tunnelbauten im
Lockergestein“ Entwurf Mai 1972 herausgegeben. Diese Empfehlungen sind im
Grundbau-Taschenbuch aufgenommen und wegen ihrer grundsätzlichen
Bedeutung im gegenwärtigen Seminar im vollen Wortlauf auf den Seiten 1 bis 6 des
Anhanges wiedergegeben.

Der Autor hat wegen der Bedeutung, die dem Rohrvortrieb in Druckluft zukommt und
im Hinblick auf die Verantwortung, welche die Anwender der Druckluft beim
Rohrvortrieb zu tragen haben, in seinen Büchern zum Rohrvortrieb im Bauverlag
Wiesbaden 1977 und folgende ausführliche Beiträge verfasst. An der Bedeutung der
Druckluft und an der Verantwortung der Anwender hat sich auch im Jahr 2004 nichts
geändert. Da die Inhalte nichts an Gültigkeit verloren haben, darf der Autor auf die
wichtigsten Seiten seiner eigenen Bücher im Bauverlag zurückgreifen und hier im
Seminar wiedergeben. Der Autor hält es auch deshalb für verantwortbar, weil die
Bücher (die zum Teil in japanische Sprache übersetzt worden sind), längst vergriffen
sind und immer noch nach ihnen gefragt wird.

Das vorrangige Interesse gilt auch hier dem Luftverbrauch bei Rohrvortrieb in
Druckluft. Ihm sind die Seiten ........ bis ....... gewidmet. Grundlage für die Darstellung
ist die Empfehlung des Arbeitskreises „Tunnelbau“ der Deutschen Gesellschaft für
Erd- und Grundbau e.V. Essen. Da diese jedoch auf den Tunnelbau mit Tübbingen
ausgerichtet ist, galt es zuerst diese auf den Rohrvortrieb zu übersetzen. So gibt es
beim Rohrvortrieb keinen Schildschwanz und damit auch keine
Schildschwanzdichtung und keine Verpressung zwischen den Tübbingen und dem
Baugrund.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 33

Bei voller Würdigung des Gedankengutes, das in die „Empfehlungen für die
Wasserhaltung durch Druckluft bei Tunnelbauten in Lockergestein“ investiert wurde,
fragwürdig ist nun einmal der wichtigste Kennwert für die Luftmenge, der mit

k L ≈ 70 x k w

angegeben wird und der als Proportionalitätsfaktor in die Berechnung der


anzusaugenden Luftmenge eingeht. Groß ist auch die Spannweite, die mit

1,4 x 10 3 ≤ k L ≤ 1,0 x 10 2

genannt wird – also eine Zehnerpotenz! Damit ist der Kennwert kL DER
Risikofaktor Nr. 1 in der Berechnung der erforderlichen Luftmenge. Daran ändert es
auch nicht viel, diesen auf dem Umweg über den Durchlässigkeitsbeiwert für Wasser
kW zu suchen. Schon der Umrechnungsfaktor „70“ ist mehr als unsicher – ganz
abgesehen davon, dass der Wert für kW auf der Grundlage von Pumpversuchen
ermittelt werden sollte. Im freien Gelände mag dies noch möglich sein, jedoch sehr
aufwändig. Bei Vortrieb unter Gewässern scheiden Pumpversuche grundsätzlich aus.

Damit bleibt der Durchlässigkeitsbeiwert kL als bestimmend für die anzusaugende


Luftmenge DAS Risiko in der Kalkulation von Rohrvortrieben in Druckluft. Nach der
VOB, dem Grundgesetz, welches das Zusammenwirken von Auftraggebern und
Auftragnehmern verbindlich regelt, sollten aber dem Auftragnehmer keine
unkalkulierbaren Risiken aufgebürdet werden. Das Fehlen aussagefähiger
Unterlagen zum Luftdurchlässigkeitsbeiwert kL ist für Auftraggeber und
Auftragnehmer in gleichem Maße unbefriedigend und kann Anlass zu unliebsamen
Auseinandersetzungen sein.

Um hier eine Lücke zu schließen und um den am Rohrvortrieb in Druckluft Beteiligten


eine Hilfestellung zu bieten, hat der Autor eine größere Anzahl von Firmen, von
denen ihm bekannt war, dass sie (Rohr)Vortriebe in Druckluft schon
ausgeführt haben, um Unterlagen zu nachstehenden Fragen gebeten:
• Rohr- bzw. Tunnelvortrieb
• im freien Gelände oder unter Wasser
• Geländehöhe oder Gewässersohle über Schildscheitel
• Schilddurchmesser
• Wasserstand über Schildsohle
• Bodenart
• Druckluftverbrauch in Nm³/min

Alle angeschriebenen Firmen waren bereit, ihre Firmengeheimnisse zur Verfügung


zu stellen. Der Autor musste nur sein Ehrenwort geben, weder Namen der Firmen
noch Angaben zu den jeweiligen Baumaßnahmen preiszugeben – für den Autor eine
absolute Selbstverständlichkeit.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 34

Hingegen sollen die Ergebnisse der Befragung, die mit den vorausgegangenen
Rechenansätzen auf den Seiten 19 bis 27 als Auszug aus Band 3 des Buches
„Rohrvortrieb“ wiedergegeben sind, allen Interessenten zugänglich gemacht
werden, was unter anderem hier im Fernseminar geschieht. Bitte beachten Sie die
Seiten 28 bis 29 des Anhanges.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 35

Der Förderung des Haufwerkes, ob


Trockenförderung oder Nassförderung,
spielt im Vorausgegangenen eine wichtige Rolle, wobei der Nassförderung bei
Rohrvortrieb in Druckluft der Vorzug eingeräumt und begründet wurde.

Zur Nassförderung finden sich in Band 1 des Buches Rohrvortrieb Hinweise, die
eine Arbeitshilfe für die Leser der Ausdrucke sein können und sollen. Sie sind im
Anhang auf den Seiten 48 bis 56 wiedergegeben.

Nicht zu unterschätzen:
Die Erzeugung und Fortleitung der Druckluft.
Ihr ist in Band 1 ein ganzes Kapitel gewidmet. Es soll durch seine Wiedergabe auf
den Seiten 57 bis 90 Auftraggebern und vor allem Auftragnehmern von
Rohrvortrieben in Druckluft Anhalt und Anregung sein.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 36

Druckluft ist ein geeignetes Mittel, das Wasser an der Ortsbrust abzuhalten.

Druckluft ist jedoch kein Mittel, den Baugrund an der Ortsbrust abzustützen!!

Das Abhalten von Wasser an der Ortsbrust und die Abstützung der Ortsbrust gegen
den Baugrund verbindet mit dem Abbau des Bodens die flüssigkeitsgestützte
Ortsbrust.

Doch was ist flüssigkeitsgestützte Ortsbrust? Ihren Ursprung hat sie bei den
Erdölbohrungen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bohrungen fanden ihre Grenzen in
der Möglichkeit der Verrohrung. Doch das begehrte Erdöl hoffte man in immer
größeren Tiefen zu finden. Das hieß aber auch, immer tiefer zu bohren.

Da entdeckten findige Männer (es waren wohl Männer?), dass unverrohrte


Bohrungen dadurch am Einstürzen gehindert werden können, wenn man sie mit
einer „Brühe“ aus Wasser und grauem tonähnlichem Gesteinsmehl auffüllt. So
gelang es, in bis dahin ungeahnte Tiefen vorzudringen. Nach seinen Lagerstätten bei
Fort Benton wurde das Gesteinsmehl irgendwann mit „Bentonit“ benannt. Der Autor
hat in seinem Eröffnungsseminar“ am 03.03.03 schon einmal in einem anderen
Zusammenhang über Bentonit berichtet. Er darf darauf Bezug nehmen.

Wer, wann einmal die Ursache der statischen Wirkung dieses unansehnlichen
Gesteinsmehles erkannt hat, ist dem Autor nicht bekannt. Fest steht, dass die
Ursache der statischen Wirkung darin besteht, dass Emulsionen, die mit
Bentonitmehl angerührt sind, so lange flüssig bleiben, als sie in Bewegung gehalten
werden. Kommen sie zur Ruhe, erstarren sie. Bringt man sie wieder in Bewegung
werden sie erneut fließfähig.

Dieser beliebig oft wiederholbare Umkehrprozess vom Sol (flüssig) zum Gel
(steif) wird mit tixotrop bezeichnet.

Darauf beruht schon die statische Wirkung bei den vorher erwähnten
Erdölbohrungen. Die fließfähige Emulsion drang in die Poren des Bodens ein und
kam dort zum Stillstand, sie wurde vom Sol zum Gel und vermörtelte so die oberste
Schicht des Bodens. Ein weiteres Eindringen der Emulsion in den Porenraum war so
verhindert. Über dieser Schutzschicht lag die fließfähige Emulsion mit ihrem Gewicht,
das dem horizontalen Erddruck einschließlich eines eventuell vorhandenen
Wasserdruckes in jeder beliebigen Tiefe gleich kam. So wurde die Wasser-Bentonit-
Emulsion zur Stützflüssigkeit und – so gelang den Erdölbohrern eine
epochemachende Erfindung, ohne dass sie sich dessen bewusst waren!

Nun waren es aber findige Ingenieure, welche die stützende Wirkung der Wasser-
Bentonit-Emulsionen für den Bau von Gräben aller Art entdeckten,. Vor allem beim
Bau von Untergrundbahnen in dicht bebauten Städten galt es Stahlbetonwände in
großen Tiefen herzustellen, was bislang nur in gespundeten Baugruben möglich war.
Das Rammen von Spundwänden war mit einer erheblichen Belastung der Umwelt
verbunden.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 37

Da entsannen sich die Ingenieure der stützenden Wirkung der Wasser-Bentonit-


Emulsionen. Sie ließen Gräben in der erforderlichen Tiefe ausheben und ließen sie
mit einer Wasser-Bentonit-Emulsion füllen, welche in gleicher Weise wie bei den
Erdölbohrungen die stützende Funktion übernahmen. In diesen so gestützten Gräben
erfolgte der Aushub mit ganz normalen Baggern bis auf die planmäßige Tiefe. War
die Tiefe erreicht, wurden die Bewehrungskörbe eingestellt und es wurde bei
gleichzeitiger Verdrängung der Stützflüssigkeit Beton nach Art des
Unterwasserbetons eingepumpt. Die verdrängte Wasser-Bentonit-Emulsion war
beliebig oft wiederverwendbar. So entstand die

Schlitzwandbauweise.

Und wieder bedurfte es mehrerer mutiger und genialer Schritte beim Tunnelbau:

Der durch die Ortsbrust und den nach hinten abgeschotteten Schild gebildete
Arbeitsraum wurde mit einer Wasser-Bentonit-Emulsion (auch Suspension genannt)
zur Stützung der Ortsbrust gegen den Erd- und Wasserdruck gefüllt (erster
Schritt, vergleichbar mit der Schlitzwand – nur um 90° gedreht.)

Als zweiter Schritt wurden Abbaumaschinen konstruiert, welche in dem mit


Stützflüssigkeit gefüllten Arbeitsraum den Abbau des Bodens bewerkstelligten. Dafür
eignen sich am besten Vollschnittmaschinen, die ein als Stern aufgelöstes
Schneidrad tragen (Bild auf Seite ....). Die Arme der Sterne tragen angepasste
Schneidradwerkzeuge. Während sich das Schneidrad langsam dreht, schälen
gleichzeitig auf allen Armen die Schneidwerkzeuge die von Stützflüssigkeit
durchdrungene Oberschicht des Baugrundes ab. Hinter den Flügeln des
Schneidrades drängt sofort die unter Druck stehende Stützflüssigkeit nach und dringt
wieder in den Porenraum des für nur einen kurzen Moment freigelegten Bodens an
der Ortsbrust und versiegelte sie sogleich wieder. Die Ortsbrust ist wieder
geschlossen und voll gestützt – bis der nächste Flügel des Schneidrades folgt und
sich das Wechselspiel von Abschälen und Abstützen fortlaufend wiederholt.

Das so abgebaute Haufwerk mischt sich als dritter Schritt unter die
Stützflüssigkeit und wird mit dieser zum Startschacht in Nassförderung
zurückgepumpt. Dort werden in einem vierten Schritt in einer Separieranlage das
Haufwerk von der Stützflüssigkeit getrennt. Die Stützflüssigkeit wird in einem
fünften Schritt zur Wiederverwendung aufbereitet. Das Haufwerk wird entsorgt.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 38

Die flüssigkeitsgestützte Ortsbrust, die ursprünglich für den Tunnelbau entwickelt


worden war, wurde vom Rohrvortrieb angepasst übernommen. Sie hat sowohl beim
Tunnelbau als auch beim Rohrvortrieb den Vortrieb in Druckluft weitgehend
verdrängt.

Doch auch die flüssigkeitsgestützte Ortsbrust, die fast keine Grenzen kennt – so ist
ein Schilddurchmesser von über 14 Metern bereits ausgeführt worden – hat auch ihre
Grenzen. Diese können zum Beispiel im Baugrund liegen, wenn sich der von der
Stützflüssigkeit aufgenommene Boden nicht mehr von dieser separieren lässt.

Daraus ein ganz wichtiger Hinweis: Vor der Ausschreibung eines Rohrvortriebes, bei
dem ein Vortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust in Frage kommen kann, ist im
Rahmen des Baugrundgutachtens die Separierfähigkeit eines von der Stützflüssigkeit
aufgenommenen Bodens zu prüfen.

Die Seite 42 zeigt im Schema eine flüssigkeitsgestützte Ortsbrust.

Doch ganz ohne Druckluft kommt auch die flüssigkeitsgestützte Ortsbrust nicht aus.
Im Untergrund befinden sich die verschiedensten Hindernisse, so zum Beispiel
• Steine von unterschiedlicher Größe
• Baumreste
• Fundamentreste
• Pfahlreste
• und Ähnliches

Die Vortriebsmaschinen sind meist mit Steinbrechern ausgestattet, die auch Steine
von erheblicher Größe aufnehmen und innerhalb der Stützflüssigkeit so weit
zertrümmern, dass sie mit der Stützflüssigkeit abgepumpt werden können. Doch
irgendwann schaffen es auch die stärksten Steinbrecher nicht mehr.

Dann müssen Menschen in den Arbeitsraum gehen, nachdem vorher die


Stützflüssigkeit abgesaugt und durch Druckluft ersetzt wurde. Die Ortsbrust muss
ohne Unterbrechung gegen den horizontalen Erddruck und gegebenenfalls gegen
anstehendes Wasser abgestützt werden. Diese Aufgabe übernimmt jetzt die
Druckluft – jedoch anders als bei Vortrieb in Druckluft, wo sie abströmen kann und
muss. Hier kann und darf sie nicht in den Porenraum des Bodens eindringen. Daran
hindert sie die vorher durch die Stützflüssigkeit versiegelte, luft- und wasserdichte
Oberschicht des Bodens. Boden und Wasser sind von der Druckluft streng getrennt,
sodass es auch keinen Luftverbrauch geben kann – aber Achtung: Jetzt arbeiten
Menschen in Druckluft! Für sie gelten alle Vorschriften für das Arbeiten in Druckluft
(Druckluftverordnung!). Insbesondere ist darauf zu achten, dass immer genügend
frische Druckluft zugeführt und dementsprechend die gleiche Menge Luft abgeführt
wird.

Der (Rohr-)Vortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust ist eine hochentwickelte


Technik, die auch entsprechend hochqualifizierte Kräfte zu ihrer Bedienung braucht.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 39

Die Seite 44 zeigt einen Mann am Steuerstand eines (Rohr-)Vortriebes mit


flüssigkeitsgestützter Ortsbrust, der schon fast mit dem Cockpit eines Flugzeuges
vergleichbar ist.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 40

Eine ganz wesentliche und nicht zu unterschätzende, hier positive Nebenwirkung


besteht bei der flüssigkeitsgestützten Ortsbrust in der Vereinigung der beiden völlig
unterschiedlichen Systeme der Anwendung von Bentonitsuspension.

Das erste ist die Anwendung einer Bentonitsuspension als Stütz- und Gleitmittel zur
Minderung der Reibung zwischen den Vortriebsrohren und dem umgebenden Boden.

Das zweite ist die Anwendung eines Bentonitsuspension als Mittel zur Stützung der
Ortsbrust und als Transportmittel für das Haufwerk bei der flüssigkeitsgestützten
Ortsbrust.

Der Einsatz der Bentonitsuspension als Stütz- und Gleitmittel findet seine Grenze bei
den ersten Rohren, wo die Suspension unter dem Einpressdruck bis zur
Schildschneide wandert und dort in den Arbeitsraum höchst unerwünscht eindringt –
dort würde sie zum Gleitmittel in ganz anderer Weise werden, die Menschen würden
bei ihrer Arbeit ausgleiten. Um dieser Gefahr zu begegnen, kann der Einsatz der
Bentonitsuspension als Schmiermittel erst in einem angemessenen Abstand hinter
dem Schild erfolgen. Damit müssen – als kleineres Übel – die ersten Rohre
ungeschmiert bleiben.

Bei der flüssigkeitsgestützten Ortsbrust können sich die beiden Systeme an


der Schildvorderkante vereinen.

Es bleibt dabei unerheblich, ob Stützflüssigkeit aus dem Arbeitsraum in den


Ringspalt der Rohre oder ob Schmierflüssigkeit aus dem Ringraum in den
Arbeitsraum eindringt!

Ganz erheblich ist der wesentlich verbesserte Schmiereffekt, wenn alle Rohre
vom ersten Rohr angefangen gestützt und geschmiert werden – und dies ganz
umsonst!! Denn Bentonitsuspension bleibt Bentonitsuspension!

Wenn jetzt noch zur logischen Ergänzung der Ringspalt durch eine
Ausfahrdichtung nach Seite 41 abgeschlossen wird, kann der Ringraum über die
gesamte Vortriebsstrecke mit einer Bentonitsuspension verpesst werden, sodass die
Rohre regelrecht eingeschwommen werden – der perfekte Rohrvortrieb ist
gegegeben!

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 41

Schema einer Ausfahrdichtung

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 42

Schema eines (Rohr-)Vortriebes mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust (Auszug aus


einem Prospekt der Firma Wayss & Freytag AG, Frankfurt)

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 43

Schneidrad für (Rohr-)Vortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust (Auszug aus


einem Prospekt der Firma Wayss & Freytag AG, Frankfurt)

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 44

Schema eines Steuerstandes für (Rohr-)Vortrieb mit flüssigkeitsgestützter Ortsbrust


(Auszug aus einem Prospekt der Firma Wayss & Freytag AG, Frankfurt)

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 45

Am Schluss, aber nicht zuletzt steht der Mensch – die Hauptperson beim Vortrieb in
Druckluft.

Was im Körper des Menschen


• beim Einschleusen in Druckluft
• beim Aufenthalt in Druckluft und
• beim Ausschleusen aus der Druckluft

vor sich geht, wollte der Autor wissen. Doch dazu fand er nirgends Lektüre. Es gibt
zwar Vorschriften über den Aufenthalt in Druckluft und vorrangig über das
Ausschleusen. Es gibt auch Vorschriften, wie die Schleusen beschaffen sein sollen.
Doch es gibt keinen Hinweis, was im Körper des Menschen vor sich geht.

Um den an der Anwendung von Druckluft Interessierten, Auftraggebern und


Auftragnehmern, insbesondere aber auch den

Druckluftern

selbst Hinweise zu geben, was Druckluft für die Menschen ist, hat der Autor das
letzte Kapitel dieses Seminarbeitrages und damit des ganzen Fernseminares
gewidmet. Ärzte, welche diese Seiten kritisch lesen, mögen ihm das Eindringen in
ihre Welt verzeihen. Vielleicht sehen sie es als Einladung, vielleicht als
Herausforderung – vielleicht bewegt sich etwas?

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 46

Der Körper des Menschen


in Druckluft
von einem Ingenieur betrachtet

von Dr.-Ing. Max Scherle

Hauptbestandteil des menschlichen Körpers ist das Gerüst, medizinisch genannt das
Skelett. Es besteht aus der Wirbelsäule samt den mit dieser fest verbundenen
Rippen und mit ihr über Gelenke lose angebundenen Gliedern, den Armen und den
Beinen.

Die Arme und Beine werden in sich und an der Wirbelsäule durch Muskeln fest- und
Bewegung gehalten.

Die Muskeln bestehen aus Gewebemasse, von denen jeder einzeln eine
Verbrennungskraftmaschine darstellt.
Verbrennung setzt
• Brennstoff und
• Sauerstoff
voraus. Der Brennstoff besteht analog wie bei jeder Verbrennungskraftmaschine aus
Kohlenwasserstoffverbindungen und wird über den Mund mit der täglichen Nahrung
aufgenommen, die im Magen zerkleinert und durch die Magensäure aufbereitet wird.
Von da gelangt der Speisebrei in den Dünndarm, wo er unter Zugabe von Galle
weiter aufgespalten wird. Die verwertbaren Brennstoffe gehen durch die
Darmschleimhaut in das Blut über, wo das von der Bauchspeicheldrüse erzeugte
Insulin für die Regelung des Blutzuckerspiegels sorgt. Die nicht verwertbaren
Ballaststoffe scheidet der Dickdarm aus.

Die zweite Komponente zur Erzeugung von Kraft durch die Muskeln, das ist der
Sauerstoff, wird mit der Atemluft angesaugt und in den Lungen vom Blut
aufgenommen und von diesem zusammen mit dem Brennstoff den Muskeln zur
dortigen Verbrennung zugeführt.

Durch die stille Verbrennung entsteht Kraft und gleichzeitig, wie in jeder
Wärmekraftmaschine, Wärme – Abwärme, die über das Blut an die Haut und von
dieser an die Umgebungsluft abgeführt werden muss.

Es entstehen aber auch, wie bei jeder Wärmekraftmaschine Abgase, die von den
Muskel, wo sie entstanden sind, abgeführt werden müssen. Diese Abgase, die aus
CO und CO2 bestehen, werden vom Blut aufgenommen und gehen durch dieses den
Lungen zur Abtrennung zu. Die abgetrennten Abgase werden ausgeatmet.

Mit der Nahrung (fest oder flüssig) werden jedoch auch mancherlei Schadstoffe
aufgenommen, die den Magen passieren und über den Darm in das Blut gelangen.
Diese Schadstoffe können nicht in den Muskeln mitverbrannt werden. Würden sie im
Blutkreislauf verbleiben, würden sie sich bis zur Giftgrenze und darüber hinaus
aufschaukeln. Um diese tödliche Gefahr zu beseitigen, muss das gesamte Blut
ständig eine chemische Reinigung in der Leber und den Nieren durchlaufen. Dort
werden sie absorbiert und mit Wasser als Urin ausgeschieden. Das dazu
 Dr.-Ing. Max Scherle
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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 47

erforderliche Wasser wird mit dem Mund aufgenommen und über den Magen dem
Darm zugeführt und von da in das Blut eingeführt.

Das Blut ist also das universale Transportmittel für


• Treibstoff und Sauerstoff zu den Muskeln
• Abgase zu den Lungen
• Schadstoffe zur Leber und zu den Nieren
• Sauerstoff zum Gehirn
• Sauerstoff zu den Augen
• Sauerstoff zu den Ohren
• Sauerstoff zur Haut
• Sauerstoff zur Lunge
• Sauerstoff zum Herzen

Damit das Blut seine Aufgabe erfüllen kann, muss es ständig in Umlauf gehalten
werden. Dies geschieht mit einer fast normalen Pumpe, dem Herzen und einem
komplizierten System von Vor- und Rücklaufleitungen. Die Vorlaufleitungen sind die
Arterien, die Rücklaufleitungen sind die Venen.

Von einer fast normalen Pumpe ist die Rede. Normal sind im allgemeinen Pumpen
und Motoren getrennt. Im Körper des Menschen bilden Motor und Pumpe eine
Einheit. Das Herz ist ein etwa faustgroßer Hohlkörper, der aus Muskelmasse besteht,
man spricht deshalb vom Herzmuskel, welcher der Motor selbst ist. Er zieht sich in
regelmäßigen Abständen zusammen – normal 60 bis 90 Mal in der Minute, bei
Belastung = Arbeit entsprechend öfter – um sich anschließend wieder auszudehnen.
Das Wechselspiel von Zusammenziehen und Ausdehnen nennt man Pulsschläge.
Beim Ausdehnen saugt sich der Hohlraum des Herzmuskels mit Blut aus den Venen
voll, wobei es von den vielen „Außenstellen“ (den Zehen und den Fingern und dem
Gehirn) zurückgeholt wird, während der Weg zu den Arterien versperrt ist. Sind die
Kammern des Herzens, so nennt man seine Hohlräume mit Blut gefüllt, zieht sich der
Herzmuskel wieder zusammen und presst seine Füllung, während jetzt die Venen
mittels Klappen, den so genannten Herzklappen (ganz normalen Rückschlagklappen)
verschlossen sind, in die Arterien und von da aus in alle Organe, das Gehirn, die
Haut und Glieder bis zu den Fingern und Zehen. Den Druck beim Herauspressen
bezeichnet man mit Oberwert, medizinisch mit Systole, den Druck am Ende des
Herauspressens mit Unterwert, medizinisch mit Diastole. Die Höhe beider Werte wird
in Millimeter Quecksilbersäule gemessen. Normal ist ein Verhältnis von Oberwert zu
Unterwert von ca. 140 zu 70 mm Hg.

Das von Schadstoffen gereinigte Blut wird vom Herzen den Lungen zum Absorbieren
der Verbrennungsgase zugeführt. Die Abwärme der Muskeln wird durch das Blut,
das also zugleich die Kühlflüssigkeit im Körper ist, der Haut dem großen
Wärmetauscher zur Abgabe an die Außenluft zugeführt.

Damit das Herz seine Schwerstarbeit bei Tag und Nacht ohne Unterbrechung und
ohne Pausen ein ganzes Leben lang leisten kann – und je schwerer die Arbeit des
ganzen Körpers mit all seinen Muskeln (zum Beispiel bei Arbeit in Druckluft) ist, um
so schwerer muss auch das Herz arbeiten – muss es ständig und ausreichend mit
Blut versorgt werden, wobei das Blut hinreichend mit Treibstoff, insbesondere aber
 Dr.-Ing. Max Scherle
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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 48

mit Sauerstoff angereichert sein muss. Diese Versorgung erfolgt über eine eigene
unmittelbar vom Herzen selbst ausgehende Arterie, der Herzarterie der Rücklauf
erfolgt über eine unmittelbar zum Herzen führende Vene.

Alle sichtbaren Bereiche der Glieder und alle unsichtbaren Funktionen im Körper
wie
• Herz
• Lunge
• Magen
• Darm
• Leber
• Nieren
• Haut
und nicht zuletzt die Sinnesorgane, wie
• Augen
• Ohren
und die
• Sprache
steuern das Gehirn, das stoßgeschützt im Schädel untergebracht ist. Das Gehirn
benötigt zur Bewältigung seiner Aufgabe ständig, das heißt ohne Pause, ja sogar
ohne jede Unterbrechung Blut in ausreichender Menge zur Versorgung mit
Nährstoffen und insbesondere mit Sauerstoff. Das Gehirn ist gewissermaßen der
Computer des Menschen von unvorstellbarer Speicherkapazität – speichert es
Informationen und Kombinationen aus der frühesten Kindheit bis ins höchste Alter -.
Das Gehirn empfängt seine Signale und Informationen von den Sinnesorganen und
wertet sie vor Weitergabe nach seinen gespeicherten Regeln.

Wichtige, ja lebenswichtige Sinnesorgane des Drucklufters bei seiner Arbeit sind:


• die Augen für das Sehen,
• die Ohren für das Hören und
• die Ohren im Innenbereich für das Gleichgewicht,
• die Nase für das Riechen und
• die Haut für das Tasten.

Auch alle Sinnesorgane müssen ständig ausreichend mit Blut versorgt werden, das
sie mit Nährstoffen und insbesondere mit Sauerstoff bedient.

Die Leitung der Informationen von den Sinnesorganen an das Gehirn und
insbesondere die Übertragung der Anweisungen des Gehirnes an die Organe und
die Glieder erfolgt durch das äußerst komplexe und komplizierte Nervensystem.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 49

Der Körper des Menschen wird mit all seinen Organen und Sinnen bei der Arbeit in
Druckluft einem erheblichen (Über-)Druck ausgesetzt.

20 m Wassersäule = 2 bar sind für Drucklufter nicht ungewöhnlich.

Zum Vergleich: 2 bar entsprechen dem Druck eines ganz normalen Reifens an
(Ihrem) Personenwagen. Schlagen Sie einmal mit dem Fuß gegen einen Autoreifen,
dann spüren Sie unmittelbar den Druck, den ein Drucklufter – so nennt man die
Spezies von Menschen, die in Druckluft ihre Arbeit verrichten, sowohl körperliche
Arbeit und Bedienung komplizierter Maschinen, als auch Vermessung und
Überwachung. Und doch haben schon viele Menschen in den letzten 150 Jahren
weltweit unter einem Überdruck von 2 bar und mehr (bis maximal 3,6 bar) bei der
Unterquerung von Wasserläufen im Tunnelbau und im Rohrvortrieb ohne – wie zu
hoffen und den Beteiligten zu wünschen ist – ohne ernsthafte Schäden ihre schwere
Arbeit verrichtet.

Wie schafft der Mensch diese Belastung?

Er setzt dem Druck von außen einen gleich großen Druck von innen entgegen!

Das komplexe und komplizierte Innenleben des menschlichen Körpers lässt sich
nicht abschotten. Der Körper braucht für alle Funktionen, auch in Druckluft, ständig
Sauerstoff, den er von außen durch die Atmung aufnimmt und es müssen ständig die
absorbierten Verbrennungsprodukte (Abgase) CO und CO2 zusammen mit der
Abwärme aus den Verbrennungsprozessen abgeführt werden. Die Lungen und die
Haut müssen auch in Druckluft atmen können.

Der Druck im Inneren des menschlichen Körpers muss mit all seinen Organen
und Funktionen auf das Niveau des äußeren Luftdruckes gebracht werden. Das
geschieht in Druckkammern, den sogenannten Schleusen. Dort wird der Luftdruck
vom atmosphärischen Druck – Null bar auf den erforderlichen Überdruck = x bar
gesteigert. Die Menschen nehmen in der Druckkammer über die Atmungsorgane,
das sind die Nase (mit den Nebenhöhlen) und der Mund (mit den Bronchien) Luft bei
steigendem Druck auf und geben diese über die Luftröhre an die Lungen weiter.
Dort geht der anteilige Sauerstoff (ca. 21 %) und der anteilige Stickstoff
(ca. 78 %) in das Blut über und erhöhen dort gleichzeitig den Druck in den Adern,
die dann unter Überdruck stehen. Die Arterien geben den Überdruck an das Herz
und alle inneren Organe wie auch die Muskeln und die Sinnesorgane und schließlich
an das Gehirn weiter.

Damit werden schließlich ebenfalls die Rücklaufleitungen, die Venen, unter den
gleichen Überdruck gesetzt. So steht schließlich der ganze menschliche Körper mit
all seinen Organen unter dem äußeren Überdruck, sodass Gleichgewicht
zwischen innerem und äußerem Druck besteht. Eine besondere Beachtung
verdienen dabei die Ohren als Gleichgewichtsorgan, da die Ohren von außen sofort
und ungedämpft dem äußeren Überdruck mit dem Trommelfell ausgesetzt sind. Die
Ohren erhalten dabei auf dem kurzen Weg über die Nebenhöhlen den Gegendruck
von innen über die eingeatmete Luft – vorausgesetzt, dass die Nebenhöhlen intakt
sind. Der Aufbau des Innendruckes bis zum Ausgleich aller Organe an den äußeren
 Dr.-Ing. Max Scherle
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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 50

Luftdruck ist ein sehr komplexer und komplizierter Vorgang, der nicht dem Willen des
Menschen unterworfen ist und der deshalb sehr behutsam zu erfolgen hat!

Was aber für die inneren Organe gilt, gilt in gleicher Weise für die Haut, dem
lebenswichtigen Organ, das als äußeres Organ dem äußeren Luftüberdruck
unmittelbar ausgesetzt ist. Der Haut obliegt die Ableitung der von den Muskeln
erzeugten Abwärme. Damit sie diese Aufgabe erfüllen kann, muss sie beim
Einschleusen von innen her durch das Blut dem äußeren Druck angeglichen werden.
Beim Ausschleusen muss wieder über das Blut der Druck in der Haut von innen her
auf den äußeren Druck abgebaut werden. Dazu muss sie ständig und ausreichend
mit Blut versorgt werden.

Ein besonderes Augenmerk gebührt den Augen, die als Erstes und ganz unmittelbar
dem Druck der Druckluft ausgesetzt sind. Sie bedürfen des Druckausgleiches von
innen – und wie kann es auch hier anders sein – durch das Blut von dem sie ständig
versorgt werden und versorgt werden müssen. Die Anpassung des Innendruckes an
den Außendruck benötigt sowohl beim Ein- als auch beim Ausschleusen Zeit!

Am Schluss aber nicht zuletzt kommt das Gehirn, das von außen hermetisch
abgeschottet ist. Es muss ständig mit Blut versorgt werden, bei Aufenthalt in
Druckluft mit Blut, dessen Druck dem äußeren (Über-)Druck angeglichen ist. Damit
kommt bzw. steht auch das Gehirn – wie auch der gesamte Körper des Menschen
– unter dem äußeren Überdruck, an den er beim Einschleusen ganz vorsichtig
herangeführt werden muss, denn der Körper des Menschen ist kein Autoreifen,
der beliebig aufgepumpt werden kann!

Ganz besonders behutsam hat der umgekehrte Vorgang, das heißt der Übergang
von der Druckkammer zur Außenwelt, das ist das Ausschleusen zu erfolgen. ein
zu schnelles Ablassen des Druckes kann zu schweren Schäden, insbesondere
der Lungen mit den schlimmsten Folgen führen. Es gibt weder für das
Einschleusen noch für das Ausschleusen Zeitvorgaben, analog wie sie für das
Ausschleusen hinsichtlich des Abbaues des Stickstoffes im Körper vorhanden
sind, die den Auf- und Abbau des Luftdruckes im Körper des Menschen
berücksichtigen!

Die Verträglichkeit des Druckanstieges von außen nach innen und des Druckabfalles
von innen nach außen kann bisher nur subjektiv beurteilt werden. Die zu
schleusenden Personen sind beim Ein- und beim Ausschleusen ständig auf ihr
Wohlbefinden zu beobachten, der Gesichtsausdruck ist zu kontrollieren. Die zu
schleusenden Personen sind vom Schleusenwärter anzusprechen oder sollen sich
gegenseitig ansprechen. Erforderlichenfalls ist die Druckerhöhung bzw. die
Druckabsenkung zu verlangsamen oder kurzzeitig zu unterbrechen bis sich bei den
Betroffenen wieder Wohlbefinden eingestellt hat. Wenn nötig ist der
Schleusungsvorgang abzubrechen, bis der Druckluftarzt zugegen ist.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 51

Zusammengefasst wird:
Der Körper des Menschen steht bei Vortrieb in Druckluft unter einem äußeren
Überdruck (von x bar)
• dem ein gleich großer innerer Druck entgegengesetzt werden muss, damit er
nicht zerdrückt wird
• dem von außen verdichtete Luft mit einem Druck (von x bar) über Nase und
Mund zugeführt wird. Ihm haben die Lungen einen gleich großen Druck
entgegenzusetzen, damit sie nicht zerdrückt werden.
• unter dem alle Arterien und Venen stehen müssen, sonst würden sie abgedrückt
werden – vergleichbar mit der Manschette bei der Blutdruckkontrolle -, sodass
kein Blut mehr fließen könnte.
• dem die Haut von innen einen gleich großen Druck entgegensetzen muss, sonst
könnte sie die Überschusswärme aus der stillen Verbrennung nicht mehr
abführen.
• dem die Lungen beim Ausatmen der verbrauchten Luft (CO und CO2) den
gleich großen Druck entgegensetzen müssen, sonst könnte sie die verbrauchte
Luft nicht abführen.

Das Angleichen des Innendruckes an den Außendruck


beim Einschleusen wie auch
beim Ausschleusen
ist zeitabhängig und hat behutsam zu erfolgen, denn der Körper des Menschen
ist nicht beliebig aufblasbar.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 52

Nach der Druckluftverordnung, die Gesetzeskraft hat, dürfen Menschen in


Druckluft nur beschäftigt werden, die älter als 18 Jahre und die nicht älter als 50
Jahre und für die Arbeit in Druckluft gesundheitlich tauglich sind.

Die Ausstellung der ärztlichen Bescheinigung ist nicht an einen Druckluftarzt


gebunden – zumindest enthält die Druckluftverordnung keinen solchen Hinweis.

Als ehemals mit Druckluft befasster Bauingenieur empfiehlt der Autor dem Arzt, der
um Ausstellung einer Drucklufttauglichkeitsbescheinigung gebeten wird –
unbeschadet seiner eigenen Vorstellungen – dem Bewerber nachstehende Fragen
zu stellen und Untersuchungen durchzuführen:

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 53

• Allgemeinzustand des Bewerbers


• Alter?
• Größe?
• Gewicht?
• Normalgewichtig?/Übergewichtig?
• Herz: allgemeiner Zustand?
bisherige Herzkrankheiten?
EKG in Ruhe/unter Belastung
Blutdruck in Ruhe/unter Belastung
• Lungen: allgemeiner Zustand?
bisherige Erkrankungen?
• Atemwege: Bronchien?
Nebenhöhlen?
• Arterien: Zustand?
• Venen: Zustand?
• Magen: allgemeiner Zustand?
bisherige Erkrankungen?
• Leber: allgemeiner Zustand?
bisherige Erkrankungen?
• Nieren: allgemeiner Zustand?
bisherige Erkrankungen?
• Ohren: allgemeiner Zustand?
bisherige Erkrankungen?
Gleichgewichtstest?
• Augen: allgemeiner Zustand?
bisherige Erkrankungen?
• Gesamtblutbild
• Raucher? Wie viel täglich?
• Alkohol? Wie viel täglich?
• Medikamente regelmäßig?

Ergebnis der Drucklufttauglichkeitsuntersuchung

Drucklufttauglich bis 1,0 bar


bis 2,0 bar
bis 3,0 bar

Der Arzt, der die Drucklufttauglichkeit bescheinigt, muss selbst nicht drucklufttauglich
sein. Jedoch sollte er sich beim Bewerber informieren, was von diesem erwartet wird:
Baumaßnahme, voraussichtlicher Überdruck, Länge der Vortriebsstrecke in
Druckluft, Innendurchmesser der Vortriebsrohre, usw.

Hingegen muss der Druckluftarzt selber drucklufttauglich sein, da er in der


Lage sein muss, bei Unfällen in den Druckraum eingeschleust zu werden. Auch
muss er in der Lage sein, sich erforderlichenfalls mit einem Druckluftkranken
in die Krankenschleuse einschleusen zu lassen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 54

Verhaltensregeln für Drucklufter:


• Am Vortag nur mäßigen Alkohol
• Am Vortag nur leichte Kost
keine blähende Kost wie Sauerkraut
• Am gleichen Tag vor dem Einschleusen
nur leichte Kost
keine blähende Kost wie Sauerkraut
kein Alkohol
nicht mehr rauchen
• Im Druckraum: nur leichte Kost
nur warme Getränke
• Nach dem Ausschleusen: nur leichte Kost
nur warme Getränke
nicht sofort rauchen
nasse Kleidung und feuchte Wäsche wechseln
warm, nicht zu heiß duschen
warm ankleiden
Ruhepause einhalten
nicht sofort an das Steuer!

Kleidungsempfehlung für Arbeiten in Druckluft:


• Normale Arbeitskleidung, jedoch nicht drückend
• Schuhe gut sitzend und nicht drückend
• Schutzhelm gut sitzend und nicht drückend

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 55

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

für Ihre Aufmerksamkeit und für Ihr Interesse an diesem – zugleich letzten – Seminar
zum Rohrvortrieb in Druckluft danke ich Ihnen zugleich im Namen meines
Partners, Herrn Dipl.-Ing. Rößler. Wir hoffen, dass wir Ihre Erwartungen erfüllen
konnten.

Max Scherle
Uwe Rößler
Fa. Herrenknecht AG
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH

Fragen zur Diskussion dieses Beitrages bitte an Fax 0621/6882 302.

Es folgen noch ein Schlusswort und ein Anhang.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 56

Es sei dem Autor gestattet, sein ganz persönliches

Schlusswort

in der Ich-Form zu schreiben.

Maschinenhersteller geben Anweisungen.


Arbeitsblätter geben Richtlinien.
Normblätter geben Vorschriften.
Fachblätter geben Beispiele.

Ein Seminar soll Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben.

So sah ich es, als ich es wagte, am 03.03.03 ein Fernseminar zu beginnen. Ich
spürte, dass gerade auf dem Gebiet des Rohrvortriebes, der erst seit einigen
Jahrzehnten geradezu aus dem Boden geschossen ist, noch ein erheblicher
Nachholbedarf besteht. Es gibt zwar schon die Arbeitsblätter der ATV 125 und A 161
sowie das Normblatt DIN 18319.

Viele Menschen wurden schon mit dem Rohrvortrieb und all seinen Problemen
konfrontiert, sei es bei der
• Planung und Baugrunderkundung
• Ausschreibung und Angebotsabgabe
• Berechnung und Herstellung der Rohre
• Ausführung und Abrechnung des Vortriebes.

Viele Menschen mussten „zum ersten Mal“ und dies völlig „unaufgeklärt“ Rohrvortrieb
machen – denn der Rohrvortrieb war noch kein Lehrfach.

Gerne entsinne ich mich, wie groß das Interesse an den zahlreichen Seminaren in
Wuppertal und Esslingen zum Thema Rohrvortrieb waren, die ich mitgestalten, zum
großen Teil allein gestalten durfte. Mit Freude denke ich noch an die Dankbarkeit der
Teilnehmer. Sicher sind heute viele von ihnen, mit mir, schon längst im Ruhestand.

Wahrscheinlich haben jene, die jetzt mit dem Rohrvortrieb in Berührung kommen,
wieder manche Fragen. Auch diese sollen nicht allein gelassen werden.
Insbesondere konnte ich seit meinem Eintritt in den Ruhestand auf einer Reihe von
Baustellen des Rohrvortriebes, sei es als Berater, sei es als Gutachter, noch viele
neue Erfahrungen sammeln und neue Erkenntnisse gewinnen.

Mit dem Fernseminar wollte ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem
Rohrvortrieb – den jüngst gewonnenen mit denen in Jahrzehnten gesammelten –
weitergeben.

Doch allen alles geben, ist eine Kunst die niemand kann.
Vielen etwas gegeben zu haben, da war schon viel getan.

L:\Kunden\Roessler\9.Fortsetzung\Fernseminar_9.Fortsetzung.doc
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 57

Dass viele bereits am Fernseminar teilgenommen haben, sagt die Anzahl der
Ausdrucke aus. Und sollte es mir gelungen sein, vielen wenigstens etwas gegeben
zu haben, dann wäre ich sehr glücklich – dann hätte sich der Einsatz von zwei
Jahren gelohnt.

Jetzt, am Schluss der 9. Fortsetzung und zugleich des letzten Beitrages, ist der
Zeitpunkt gekommen, Dank zu sagen.

Dank sage ich vor allem jenen, die sich für das Fernseminar interessiert hatten und
vielleicht noch für einige Zeit interessieren werden.

Dank sage ich allen, die zum Gelingen des Fernseminares beigetragen haben,
zunächst meinem Partner, Herrn Uwe Rößler, der mir in den zwei Jahren stets mit
Rat und Tat zur Seite stand.

Dank sage ich der Firma Herrenknecht AG, die das Projekt Fernseminar großzügig
und großmütig gefördert hat, insbesondere dem Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn
Dr.-Ing. E.h. Martin Herrenknecht, und Herrn Dipl.-Ing. Werner Glatz, Vertriebsleiter.
Mein ganz besonderer Dank gilt jedoch der treuen Sekretärin, Frau Elke Keller, die
mit einer Engelsgeduld meine Handschriften in eine lesbare Schrift übersetzt und
dabei meine vielen Änderungswünsche immer wieder berücksichtigt hat.

Dank sage ich dem Zeichenbüro von Frau Jutta Maas, das meine Handskizzen
lesbar gemacht hat.

Dank sage ich auch dem Norddeutschen Wirtschaftsverlag, Kiel und dessen
Chefredakteur, Herrn Graf zu Eulenburg, für die journalistische Betreuung.

Danke auch Herrn Frank Spindler für die Betreuung im Internet.

Doch der größte Dank gebührt Gott, der mir mit 85 Jahren noch die Zeit und Kraft
gegeben hat, dieses Fernseminar zu gestalten.

Und nun wünsche ich allen am Rohrvortrieb Interessierten und Beteiligten von
Herzen

Glückauf!

Ihr Max Scherle

Wenn Sie dem Autor schreiben wollen:


Schiller-Wohnstift
Herr Dr.-Ing. Max Scherle
Kapellengasse 25
67071 Ludwigshafen
Deutschland
Fax 0621/6882 302

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 58

Der Autor verabschiedet sich

am 18. Dezember 2004


ist letzter Tag für
www.maxscherle.com

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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Seite 59

Anlagen
Übersicht

Seite

• Auszug aus dem Grundbau-Taschenbuch 1

• Nachweis der Auftriebssicherheit 7

• Druckluftverfahren allgemein mit Ermittlung des Druckluftbedarfes 8

• Ermittlung des Druckluftbedarfes nach Scherle 14

• Befragung von Druckluftfirmen zum Druckluftbedarf 19

• Auswertung der Befragung 28

• Rechenbeispiel zum Druckluftbedarf 30

• Möglichkeiten des Vortriebes in Druckluft 33

• Grenzen des Rohrvortriebes in Druckluft 43

• Sicherheit gegen Ausbläser 45

• Nassförderung 48

• Erzeugung von Druckluft 57

 Dr.-Ing. Max Scherle


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9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 1
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 2
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 3
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 4
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 5
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 6
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 7
Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
9. Fortsetzung 11.11.04 Anhang Seite 8
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