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Die Orthodoxe Kirche - das unbekannte Christentum

Wesentliche Kennzeichen der Orthodoxen Kirche sind:

- die ungebrochene Tradition des Glaubens-


- die Ikonen
- die mystische Theologie

1. Ein alter Grundsatz sagt, dass der Glaube sich in der


Liturgie wiederspiegelt. Wie wir glauben, so beten wir und
umgekehrt. Unser Glaube beruht auf bestimmten
historischen Ereignissen und Anordnungen (Einsetzungen)
des Herrn, die uns aufgetragen sind: „Geht hin und macht
zu Jüngern alle Völker und taufet sie ... und lehret sie
halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,20). In
dem Ausdruck „machet zu Jüngern“ sind bereits die
Personen genannt, die die Tradition des Evangeliums
(„alles, was ich euch befohlen habe“) weitertragen sollen.
Sie sollen das anvertraute Evangelium behalten, wie sie es
empfangen haben und weitergeben an ihre Schüler. .Diese
Traditionskette (empfangen – behalten – weitergeben –
empfangen usw.) des Evangeliums finden wir wiederholt
beim Apostel Paulus im 1. Korintherbrief z. B. in der
Einsetzung des Herrnmahles und im Bekenntnis zum
Auferstandenen ( 1.Kor 15,1-11). So leitet er die Einsetzungsworte des Abendmahles mit den
für die Tradition kennzeichnenden Worten ein: „Ich habe vom Herrn empfangen, was auch
ich euch weitergegeben habe“ ( 1. Kor 11,23 ). Der Apostel sieht sich hier ganz bescheiden
nur als einen Träger in der Traditionskette., wie das „ auch ich“ deutlich zeigt. Hier geht es
um das Vermächtnis des Herrn, um sein Testament, an dem nichts geändert werden darf, weil
Er es so eingesetzt hat. Tradition ist hier bei Paulus wie im ganzen Neuen Testament der
verbindliche Inhalt des Glaubens, der zu unserem Heil notwendig ist. Die Tradition ist, wie es
ein orthodoxer Theologe einmal formuliert hat „der kritische Geist über den Zeiten“...

In diesem Sinne versteht die Orthodoxe Kirche auch ihre Liturgie, die sie „Göttliche Liturgie“
nennt. Vergleicht man die heutige Chrysostomusliturgie mit der Liturgie der Alten Kirche im
1. Jahrtausend, so kann man feststellen, dass der Aufbau in den wesentlichen Punkten
identisch ist mit der Liturgie, die im 2. Jahrhundert in Rom unter dem damaligen Bischof
Hippolyt gefeiert wurde. Es ist also die Orthodoxe Kirche, die die liturgische Tradition von
damals bewahrt hat.

2. .Die Orthodoxe Kirche ist auch die


Kirche der Ikonen. Religiöse Bilder aus
der frei schaffenden Phantasie eines
frommen Künstlers kennt sie nicht
.Ikonen sind das gemalte Evangelium,
sind öffentliche Verkündigung, die mit
den Augen wahrgenommen wird und
unterliegt daher der Anerkennung durch
die Kirche. Ikonen sind heilige Bilder,
weil in ihnen wie über das verkündigte Wort Zugang zur himmlischen Welt hergestellt wird.
Wie das Evangelium werden auch sie mit Verbeugungen, Küssen und Beräucherung mit
Weihrauch verehrt. Wie im Evangelium ist in ihnen Christus gegenwärtig. Ikonen sind der
irdische Abglanz der himmlischen Welt. Gegenüber den Bilderfeinden, die sich auf das
alttestamentliche Bilderverbot berufen, sieht die Orthodoxe Kirche das Erstellen von Ikonen
in der Menschwerdung des Gottessohnes begründet. Da Gott vor menschliche Augen getreten
ist, dürfen ihn auch menschliche Hände malen (Johannes Damascenus). Ikonen sind daher ein
Christusbekenntnis, dem die Malkunst dient. Es ist daher aus orthodoxer Sicht die Frage zu
stellen, ob die christliche Kunst des Westens nicht ihren Charakter als nur ästhetisches
Ausdrucksmittel im Dienste der Verkündigung noch aufarbeiten muss.

3. Die Orthodoxe Kirche ist die Kirche


der mystischen Theologie. Mit dieser
ist nicht gemeint die besondere
Beziehung des frommen Individuums zu
Gott. Das Wort „mystisch“ kommt her
von dem griechischen Wort „myo“, d.h.
„die Augen verbinden“. Es stammt aus
dem religiösen Bereich der griechischen
Kultur und bezeichnet die ehrfürchtige
Annäherung an das Heilige, die
Gegenwart der Gottheit im dunklen
Tempel. Im Alten Testament begegnet
uns eine ähnliche Situation, als Moses,
die Heiligekiet Gottes zu schauen
begehrt. Gott stellt ihn daraufhin in eine dunkle Felskluft und zieht hinter ihm vorüber. Der
hier verordnete Abstand soll diesen vor der verzehrenden Heiligkeit Gottes schützen. Auch
hier begegnet uns die Dunkelheit, die Kennzeichen für die Gottesferne aller menschlichen
Erkenntnis und Mantel für die verborgene Nähe Gottes ist. Dieser unvereinbare Gegensatz
bestimmt die rechte Form der Annäherung an Gott: Ehrfurcht vor dem verzehrend Heiligen,
dem die bis ins Leibhafte hineingehende Gottesnähe gegenübersteht.
Ohne diese Ehrfurcht wird Gott allzu leicht zum „Kumpel“, dem man sich im Alltagsgewand“
zu nähern wagt. Wenn Christus im Gleichnis vom Gastmahl, vom Hochzeitsgewand spricht,
meint er die ganz andere Haltung, die das Schönste und Beste als kaum oder gerade noch
angemessen für die Begegnung mit Gott ansieht. Gemeint sind damit die geistliche Haltung
und die Formen, die sich im Leben der großen Heiligen und durch die Erfahrung der Kirche in
der Geschichte bewährt haben. .Das „hochzeitliche Gewand“ ist die Tradition der Kirche, die
zeitlos und raumübergreifend gültige Anbetung Gottes. Dazu gehören in der Orthodoxen
Kirche die Liturgie, die Ikonen, der Kirchbau und der Gesang.

Die Ikonen sind z. B. eine Form der Verkündigung und Verherrlichung Gottes, die seine Nähe
und seine Ferne zugleich zum Ausdruck bringen. Die Ferne wird deutlich durch die
Zweidimensionalität der Malkunst, die der Gegenwart einer Person widerspricht. Die Nähe
Gottes jedoch zeigt sich als Abbild des Urbildes der Person, die durch jenes gegenwärtig ist
und daher durch Kuss und Weihrauch verehrt wird.

Diese beiden Pole: Gottes Ferne und Gottes Nähe stehen in der orthodoxen Theologie
unversöhnt nebeneinander und bewirken , dass vor aller menschlichen Erkenntnis Gottes die
Vereinigung mit Ihm steht.
Die Ikonen – Fenster zur Ewigkeit
Die Orthodoxe Kirche kennt keine religiösen Bilder, wie sie in der westlichen Christenheit
üblich sind zur Darstellung christlicher Glaubensinhalte. Diese finden nach orthodoxer
Tradition ihren Ausdruck in den Ikonen, die mehr sein wollen als die bildhafte Darstellung
eines Inhaltes. Das wird deutlich, wenn man eine orthodoxe Kirche betritt, deren Wände
einschließlich der Kuppel bedeckt sind mit Ikonenfresken und Mosaiken.

Der Altarraum ist vom Kirchenschiff getrennt


durch eine Ikonenwand. Betritt ein orthodoxer
Christ seine Kirche, so begrüßt er die Ikonen,
mit einer Verbeugung, bekreuzigt sich, opfert
ihnen Kerzen und küsst sie. Während der
Liturgie werden sie beräuchert und in
Prozessionen umhergetragen. Das Beräuchern
und Umhertragen bezeugen eine Gegenwart
der dargestellten Personen. Diese Zeichen der
Verehrung sind für viele abendländische
Christen befremdend, und sie sehen in ihnen
eine Form der Idololatrie ( Anbetung der
Materie ).

Was sagt die orthodoxe Theologie zu diesem Vorwurf?


Wenn ein orthodoxer Christ sich vor einer Ikone niederwirft und sie küsst, hat dieser Vollzug
für ihn nichts mit Verehrung der Materie zu tun. Denn die Ikone ist für ihn kein Idol
(Götzenbild) sondern ein Ort für das Zusammenkommen der himmlischen und irdischen
Welt. Die Verehrung, die er der Ikone darbringt, ist nicht auf die Materie des Holzes oder der
Farben bezogen, sondern auf die in der Ikone dargestellte Person, d.h. letztlich auf Gott, der in
jedem menschlichen Antlitz aufleuchtet.

Die Kirchenväter unterscheiden scharf zwischen der Anbetung, die nur Gott zukommt, und
der Verehrung, die dem Abglanz Gottes in der irdischen Materie entgegengebracht wird. Die
Materie sehen sie als geheiligt an,weil diese in der Ikone transparent für die himmlische Welt
ist.

Die Ikone ist das irdische Abbild des himmlischen Urbildes. So


wie das verkündete Wort des Evangeliums uns akustisch das
Heil zuträgt , genau das Gleiche geschieht optisch durch die
Ikonen. Sie sind für den orthodoxen Christen Zugang von
dieser Welt hinüber zum Jenseits, zur himmlischen Welt. Sie
sind Fenster zum Himmel. - Aufgrund dieser theologischen
Begründung der Ikone praktiziert der orthodoxe Christ jene
Verehrung nicht nur in der Kirche sondern auch bei sich zu
Hause, wo er seine heilige Ecke mit den Ikonen hat, vor denen
er betet. In jedem Zimmer hängen Ikonen, und diese begleiten
ihn auch auf Reisen oder ins Krankenhaus.

Eine andere Schwierigkeit ist der Malstil der Ikonen, der den
westlichen Betrachter einerseits fasziniert andrerseits aber auch
abstößt. Er ist es gewohnt auch in der kirchlichen Kunst zuerst
die schöpferische Leistung des Künstlers zu bewundern. Eine Madonna von Raffael ist eben
erst einmal ein Werk Raffaels. Diese Auffassung von kirchlicher Kunst hat man zur
selbstverständlichen Norm er- erhoben und auch auf die Ikonen angewendet. Dabei sind meist
negative Urteile herausgekommen. Die Ikonenmalerei kennt gerade diese frei waltende
Phantasie des Künstlers nicht. Sie hat durch die Jahrhunderte hindurch die Malweise der
Ikonen festgelegt, was den Aufbau, die Farben und den Stil betrifft.

Der Name des Malers bleibt oft bewusst anonym. Das traditionell handwerkliche Element ist
so stark, dass sich mehrere Malermönche verschiedene Partien einer Ikone beim Malen teilen
können. Um diese Form christlicher Kunst zu verstehen, bleibt dem abendländischen
Betrachter kein anderer Weg, als sich von seinen westlichen Anschauungen über Kunst frei zu
machen und die theologische Eigenbegründung der Ikonenmalerei kennen zu lernen.

Welche Bedeutung theologisch die Ikonen in der Orthodoxen Kirche haben, lässt sich daran
ermessen, dass es im ersten Jahrtausend einen Kampf um die Verehrung bzw. um die
Abschaffung der Heiligenbilder gab, der mit dem Ringen der abendländischen Christenheit
um die Einheit der Kirche in der Reformation verglichen werden kann. Das Resultat, die
Wiederherstellung der Ikonenverehrung wurde jedoch im Westen von Karl dem Großen und
seinen Theologen als eine Art Idololatrie missverstanden, und so blieb seit der Synode zu
Frankfurt im Jahre 794 unter dem Vorsitz des Kaisers die christliche Kunst Westen ein rein
innerweltliches, menschliches Ausdrucksmittel zur Darstellung der Glaubensinhalte.

Entscheidend für das Verständnis der Ikonenmalerei ist, dass sie nicht der schöpferischen
Phantasie eines frommen Malers überlassen wird. Als gemaltes Evangelium ist die Ikone
öffentliche Verkündigung und unterliegt daher der Anerkennung durch die Kirche. Welche
Bedeutung man in der orthodoxen Kirche dieser Form der kirchlichen Kunst zulegt, lässt sich
daran erkennen, dass man das Verb für das Erstellen der Evangelien, nämlich „schreiben“
auch auf das Malen von Ikonen anwendet. Der Ikonenmaler heißt in Griechischen
„Ikonographos“, d.h. « Ikonenschreiber ».

Ihre tiefste Begründung hat die Ikonenmalerei in der


Menschwerdung Jesu Christi. Diese Verankerung hat
auch zur Überwindung der Bilderstürmer, der
Ikonoklasten, beigetragen, die sich auf das
alttestamentliche Bilderverbot beriefen. Dieses bezieht
sich auf die Nichtdarstellbarkeit des göttlichen Vaters.
Mit der Menschwerdung Jesu Christi ist jedoch eine
neue Lage gegeben.

Der Kirchenvater Johannes Damascenus lieferte das


entscheidende Argument. Er schrieb:
„In alter Zeit wurde Gott, der keinen Körper und keine
Gestalt besitzt, bildlich überhaupt nicht dargestellt.
Jetzt aber, da Gott im Fleisch sichtbar wurde und mit
den Menschen umging, kann ich das an Gott sichtbare
Bild darstellen. Ich bete nicht die Materie an, sondern
ich bete den Schöpfer der Materie an, der um
meinetwillen selbst Materie wurde ... Und ich werde
nicht aufhören die Materie zu verehren , durch die meine Rettung bewirkt ist ...“ (PG
XCIV,1245 ).
Aus dieser Aussage des Kirchenvaters lassen sich für die theologische Begründung der Ikone
drei wichtige Wahrheiten ableiten:

1. In der orthodoxen Theologie schafft die kirchliche Kunst eine Brücke zum Jenseits.
2. Die Verehrung der Ikonen ist ein Bekenntnis zur Menschwerdung Jesu Christi.
3. Deshalb darf die Darstellung alles Heilsgeschehens nicht dem frommen Individuum
überlassen werden. Die Ikonen sind das gemalte Evangelium der Kirche.
Das Kreuz Jesu Christi

Am Abend vor seinem Leiden versammelt der Herr


noch einmal die zwölf Jünger um sich, um mit den
ihm vertrautesten Menschen in einem besonderen
Mahl den Abschied zu feiern. Schon von der Form
und den Umständen her
ist es ein Ausdruck tiefer menschlicher
Verbundenheit : Er hat nur die Zwölf geladen in
einem Obergemach einer Herberge. Seine tiefe
Freundschaft zu ihnen kommt in seinen Worten zum
Ausdruck: „Mich hat herzlich verlangt dieses
Passahmahl mit euch zu essen vor meinem Leiden“.

Es folgt jenes Mahl ohne Passahlamm, bei dem er in den eucharistischen Gaben von Brot und
Wein sich selbst als Opferlamm darbringt und ihnen übergibt und mit diesem Mahl den
Neuen Bund in Kraft setzt. Die Jünger haben wohl die Tiefendimension, was Er mit ihnen
vollzieht erst später erkannt, aber sicher gespürt, dass sie an einem entscheienden Augenblick
ihrer Beziehung zum Herrn teilnehmen. Die Feierlichkeit in ihrer sicherlich schlichten aber
dennoch liturgischen Form ließ sie noch einmal „in hoher Gesinnung im Obergemach“ über
die Gast-freundschaft hinaus die Gottesnähe spüren., bevor der Abstieg in die tiefe Dunkelheit
der Seelen der vertrautesten Menschen , seiner Feinde und des Todes begann.

Schon der Verrat des Judas , eines aus dem Kreis der zwölf Jünger, der noch zu Beginn dieses
letzten gemeinsamen Mahles anwesend ist, muss eine tiefe menschliche Enttäuschung bewirkt
haben. Er hatte schon mit den Schriftgelehrten verhandelt, für 30 Silberlinge, die er sicher in
die Hand genommen und gezählt haben muss, seinen Meister zu verraten. Danach hatte er mit
Freundesmiene an dem Mahl teilgenommen, um stets den Aufenthaltsort des Meisters
mitteilen zu können. Welcher Schmerz für Ihn den Verräter in der Mitte seiner Vertrautesten
zu sehen. Ohne Zorn, in tiefer verborgener Traurigkeit
ließ er Judas wissen, dass er dessen Verrat erkannt hatte.

Es folgt im Garten Gethsemane der Schmerz über die


Unfähigkeit seiner Jünger mit Ihm in seiner Todesangst
zu wachen und zu beten. Wo er ein wenig Anteilnahme
gebraucht hätte, schlafen sie und wachen erst auf, als
Judas mit den Kriegsknechten der Pharisäer naht und mit
einem heuchlerischen Kuss ihn als den Gesuchten verrät.
– Es folgen die entwürdigenden Gerichtsverhand-lungen
vor Kaiphas und Pilatus. Es lässt sich nicht ermessen,
was mehr verletzt hat, die Verleugnung seines Jüngers
Petrus oder die Geißelung oder die Feigheit des Pilatus,
der gegen seine Überzeugung ein Urteil fällt. Zum
Schluss dann am nächsten Tag die Kreuzigung eine der
qualvollsten und schmachvollsten Todesarten, die sich
Menschen ausgedacht haben.
Dies alles ist aber nur die menschliche Seite seines Leidens, das wir uns psychologisch
vorstel-len und nachempfinden können. Seine Verlassenheit aber in dieser Passion ist aber um
die göttliche Dimension größer, aus der heraus Er sich ja doch nicht nur für die Seinen,
sondern auch für seine Feinde als Gottes Sohn freiwillig in den Tod begibt.

Diese Dimension des Leidens versuchen die Antiphonen des Morgengottesdienstes vom
Hohen Freitag zu vermitteln:

Der sich mit Licht umkleidet wie mit einem Gewand Wird nackt vor Gericht gestellt;
Schläge erhält Er auf die Wangen von Händen, die Er erschuf;
Das frevelhafte Volk heftete ans Kreuz den Herrn der Herrlichkeit.
Heilige Schrift oder Kirche
Mit der Reformation tauchte in der
Kirchengeschichte ein ganz neues Verständnis
der Auslegung der Heiligen Schrift auf. In den
anderthalb Jahrtausenden vorher war die Kirche
die autoritative Auslegerin der Schrift. Die
Reformatoren dagegen gaben diese sozusagen
in die Hände der Gläubigen und vertrauten
ihnen natürlich mit dem Wunsch der
Erleuchtung durch den Hl. Geist die rechte
Auslegung des Wortes Gottes an.

Was war der Grund für diesen Umbruch? Alle


Umbrüche haben ihren Grund in einem Versagen der Menschen, das nicht länger ertragen
werden konnte. Die Ursache für diese tiefgreifende Veränderung war die Enttäuschung über
die Praxis und das Leben der offiziellen Vertreter der Kirche. Es war die
Enttäuschung über die weltlichen Herrschaftsansprüche der Päpste, die Inquisition, den
Ämterkauf in der Kirche, das anstößige Leben vieler ihrer höchsten Würdenträger u.a.m..

Die Volksfrömmigkeit reagierte darauf mit einer Verinnerlichung des geistlichen Lebens,
einer individualistischen Mystik, die den Gläubigen von der offiziellen Kirche unabhängig
machte. Es war eine Art innere Emigration von Kirche und Theologie .In der Theologie fand
eine Abwendung von der Hierarchie statt. Die Kirche sei nicht die Hierarchie, sondern die
Gesamtheit der Christen, die nur durch ein Konzil repräsentiert werde (Marsilius von Padua,
1290-1343). - Noch grundsätzlicher bestritt der Franziskaner Wilhelm Ockham den Anspruch
der abendländischen Kirche auf Unfehlbarkeit. Die eigentliche unfehlbare Kirche sei
unsichtbar. – Diese Auffassung von Kirche übernahm Martin Luther. Als er nach der
Auseinandersetzung um den seelsorgerlichen Missbrauch des Ablasses zu einem öffentlichen
Disput mit dem Vertreter der Kirche, Dr. Eck, 1519 in Leipzig geladen war, äußerte er den für
die damalige Theologie revolutionären Satz:
„Auch Konzilien können irren“. Mit diesen wenigen Worten war die Autorität der Kirche als
Hüterin der Inhalte des christlichen Glaubens ins Mark getroffen.

Denn wenn die Konzilien ( und mit ihnen die sie


leitenden Päpste ) nicht mehr zuverlässig sagen
können, was Wahrheit, was Irrtum sei, wer denn
dann? Dieser Satz Martin Luthers führte ihn dann
auch zur nächsten Konsequenz, nämlich der
Auffassung von der Unsichtbarkeit der wahren
Kirche. Damit hatte Luther den Bruch nicht nur mit
der abendländischen Tradition, sondern mit der der
Christenheit von den Tagen der Apostel an vollzogen:
Wenn aber die Kirche der wahren Gläubigen
unsichtbar ist, verschwinden in diesen auch ihre
bevollmächtigten Vertreter, die lehren sollen, alles zu halten, was Christus befohlen hat’ ( Mt
28,20 ).

Wenn diese Nachfolger der Apostel, die Bischöfe, in der Gesamtheit aller Gläubigen
„verschwinden“, dann wird auch das kirchliche Lehramt unter diesen „unsicht- bar“ werden.
Wo dieses aber nicht mehr offiziell und erkennbar in Funktion ist, kann das Eindringen von
Irrtümern in die Kirche nicht mehr abgewehrt werden, zerfließen die Grenzen zwischen
Wahrheit und Irrtum. Wer kann dann noch über die Glaubensinhalte verbindliche Aussagen
machen? Tatsächlich gibt es heute viele Theologen im Protestantismus, die ein dogmenfreies
Christentum vertreten. Das konfessionelle Luthertum lehnt diese Auffassung von Kirche ab.
Es bekennt das Predigtamt als von Gott eingesetzt (siehe Augsburgisches Bekenntnis, Artikel
V : „Solchen Glauben zu erlangen, hat Gott das Predigtamt eingesetzt .....(–Ut hanc fidem
consequamur, institutum est ministerium docendi evangelii“). Das Problem des
Lehrpluralismus ist damit nur von der Ebene des Konzils und des bischöflichen Amtes auf die
des Pfarramts verschoben. Denn der Bischof und die Synode sind nur noch organisatorische
Größen, keine Institutionen des Lehramtes mehr kraft göttlichen Rechtes wie in der Alten
Kirche.

Es wird deutlich, dass die Unsichtbarkeit der Kirche auch die „Unsichtbarkeit“ der
christlichen Glaubenswahrheit bedingt. Wenn diese aus der Verantwortung der Kirche an die
Gläubigen übereignet wird, kann der Glaube nicht mehr die eine Wahrheit sein, die Christus
der Kirche anvertraute („und lehret sie halten, alles was ich euch befohlen habe“ – Mt 28 ,20),
sondern sie wird zwangsweise auf das reduziert, was der einzelne Fromme für das
Evangelium hält. Diese Verindividualisierung des Evangeliums ist der verhängnisvollste
Traditionsbruch der Kirchengeschichte.

Welche Erkenntnisschritte würden aus orthodoxer Sicht eine Rückkehr in die Einheit der
Alten Kirche ermöglichen?

Aufgabe der Auffassung von einem unverbindlichen ( d.h.dogmenfreien )


Christentum Dieses widerspricht ja auch ganz der reformatorisschen Verwerfung der
Werkgerechtigkeit; nur dass hier an die Stelle der Werke die menschlichen Ideen
treten. Mit dieser Auffassung hat sich der Protestantismus noch weiter vom alt-
christlichen Erbe entfernt als die Reformation. Denn noch Luther schrieb in seiner Schrift
„Vom unfreien Willen“:
„Hebe die verbindlichen Glaubenssätze auf, und du hast das Christentum aufgehoben – Tolle
assertiones et tulisti Christianismum“ –WA 18,603.
Aufgabe der Lehre von der Unsichtbarkeit der Kirche.
Wenn auch Zugehörigkeit der Gläubigen zur Kirche nicht sichtlich erkennbar ist, so muss
doch die von Christus eingesetzte Ordnung der Ämter und ebenso der Sakramente bewahrt
werden. Denn auch Christus hat das apostolische Amt durch Berufung, Bevollmächtigung und
Aussendung ausgezeichnet (Mt 10,1 ff.). Nur so hat die Kirche die Möglichkeit, sich
öffentlich und verbindlich zu äußern.

Anerkennung der Kirche als die alleinige und berufene Auslegerin der Hl. Schrift. Das Neue
Testament wurde in einem Aus-scheidungsverfahren der Kirche geschaffen. Wenn die Kirche
den Kanon festgelegt hat, kann die Schrift nicht über die Kirche gestellt werden. Schließlich
hat Gott der Kirche seinen Geist gegeben, der sie in alle Wahrheit

(Joh 16,13) ) führt. Daher ist das geschriebene Wort Gottes Norm – im Prinzip ist es immer so
gewesen – aber man darf es nicht von den anderen Elementen, die ebenfalls von Gott
stammen, trennen.

 
Das Mysterium der Eucharistie - Das Herrenmahl
Die westliche Christenheit bekennt ihren Glauben
im Gottesdienst mit dem Apostolischen
Glaubensbekenntnis, dessen dritter Artikel lautet:

Ich glaube
an den Heiligen Geist, eine
heilige, katholische Kirche, die Gemeinschaft der
Heiligen,    Vergebung der Sünden und
ein ewiges Leben. Amen.“

Bei genauerem Hinsehen fällt die Doppelung auf,


mit der die Kirche in einem so konzentrierten Text
noch einmal als „Gemeinschaft der Heiligen“
erwähnt wird. Auch Luther ist das Wort
„Gemeinschaft“ nicht geheuer. Auf die Kirche möchte er dieses Wort überhaupt nicht
angewendet wissen,. wenigstens nicht bei der Übersetzung des Apostolischen
Glaubensbekenntnisses ins Deutsche. ( Gr. Kat. II ,49). Er wollte das Wesen der Kirche nicht
mit einem menschlichen Gemeinschaftsbegriff erklärt sehen. Auch wusste er, dass der
Ausdruck „Gemeinschaft der Heiligen“ ein späterer Zusatz war, der „Kirche“ näher erklären
sollte. So wurde dieser Ausdruck 1500 Jahre lang durch die abendländische
Kirchengeschichte mitgeschleppt und prägte das westliche Kirchenverständnis stark im
sozialen Sinne.

Lange Zeit dachte man, der Ausdruck „Gemeinschaft der Heiligen“ stamme aus der
westlichen Tradition. Vor einiger Zeit entdeckte man jedoch, dass der dritte Teil des
Apostolischen Glaubensbekenntnisses seinen Ursprung im Osten hatte. Bischof Niketa von
Remesiana (Serbien) verwendete diesen Ausdruck in einer Erklärung dieses
Glaubensbekenntnisses. Ebenso findet er sich in einem Bekenntnis, das unter dem Namen des
Hieronymus überliefert ist.

Stammt dieser Ausdruck jedoch aus dem Osten, so muss er von seinem griechischen Wortlaut
her verstanden werden Das griechische Wort für „Gemeinschaft“ heißt „koinonia“. .Dieses
Wort hat allerdings nur ausnahmsweise die soziale Bedeutung, d. h. im Sinne von
„Gemeinschaft von Personen“. Seine Hauptbedeutung ist auf eine Sache bezogen im Sinne
von „Teilhabe an einer Sache“! Außerdem muss bei dem Wort Gemeinschaft die Pluralform „
Heiligen“ keine unbestimmte Mehrzahl ausdrückt, sondern kann auch ala Dual verstanden
werden. D.h., der Ausdruck „Gemeinschaft der Heiligen“ im Apostolischen
Glaubensbekenntnis lautet dann aus dem Griechischen übersetzt:

Ich glaube an den Heiligen Geist,


eine heilige, katholische Kirche,
an die Teilhabe an den beiden heiligen Dingen ,
Vergebung der Sünden und
ein ewiges Leben. Amen.“

Übersetzt man den Ausdruck „Gemeinschaft der Heiligen “ nach dem griechischen Text ,
wird klar, dass es sich neben „Heiligem Geist“ und „Kirche“ um einen weiteren
Glaubensgegenstand handelt. Um welch anderen wichtigen Glaubensinhalt kann es sich hier
handeln, wenn von zwei heiligen Dingen die Rede ist, als um die beiden gesegneten Gaben
der Eucharistie, um das gesegnete Brot und den gesegneten Wein.? Denn die Zweizahl (Dual)
vom Ausdruck „der Heiligen“ ist uralt.

Jeder Christ der alten Kirche und der Orthodoxen Kirche bis zum heutigen Tag kennt den
Ausruf des Priesters vor der Austeilung der Eucharistie: „Das Heilige den Heiligen!“ Damit
sind die gesegneten Gaben von Brot und Wein gemeint. Im Dritten Artikel des Apostolicums
ist also neben der Kirche das Herrnmahl, die Eucharistie als Glaubensinhalt erwähnt. Diese im
dritten Teil des Bekenntnisse überlieferten liturgischen Ausdrücke schließen direkt an die
Formulierungen des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief an, wo er schreibt:
„Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Teilhabe am Blut Christi? Das Brot,
das wir brechen, ist das nicht die Teilhabe am Leibe Christi ?“ (1 Kor 10, 16)

Hier sind die „Teilhabe“ an den beiden


gesegneten Elementen erwähnt, die sich in
der liturgischen Tradition dann in denn
Ausruf: „Das Heilige (wörtlich im
Griechischen: „die beiden heiligen
Dinge“) den Heiligen“ verbunden haben.
Der Westen hat diese Formel
übernommen, aber durch ungenaue
Übersetzung des griechischen Wortlauts
mit „Gemeinschaft der Heiligen“ Raum für eine personalistische Deutung gegeben. Aus
dieser hat sich schließlich eine rein soziologisches Verständnis der Kirche entwickelt, das
dann auch auf die Eucharistie übertragen wurde. Diese war dann nicht mehr das von Gott
gewirkte Heilmittel zur Unsterblichkeit ( im Sinne des Johannesevangeliums: „Wer mein
Fleisch isst und mein Blut trinket, der hat das ewige Leben“ Joh 6,54 ), sondern nur noch die
durch zwischenmenschliche Wechselbeziehung gewirkte Gemeinschaft.
Der Wortlaut der neutestamentlichen Zeugnisse verpflichtet uns gegen alles rationale
Begreifen am Mysterium seiner leibhaften Gegenwart festzuhalten.
Das Mysterium der Taufe
Der vorösterliche Bußruf Jesu: „Amin, Amin, wenn
jemand nicht von oben geboren wird,so kann er das
Reich Gottes nicht sehen“
(Joh. 3,3) wandelt sich nach seinen Erscheinungen
als der Auferstandene in den Ruf zur Taufe: „Amin,
Amin, wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser
und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes
eingehen“
(Joh 3,5). Diese Aussage kann nur auf die Taufe
bezogen sein:
1. wegen der Verbindung von Wasser und Geist mit
der Neugeburt des Menschen und
2. , weil sonst die Taufe im Johannesevangelium
keine Erwähnung fände. Die doppelte Aminformel
betont die Unabdingbarkeit der Taufe für das
Eingehen in das Reich Gottes. Damit steht ihre
Heilsnotwendigkeit fest.

Der Vollzug der Taufe in der frühen Christenheit,


wie er in der Orthodoxen Kirche gewahrt ist, lässt
das Taufgeschehen deutlich werden. Dreimal wird der Täufling im Wasser untergetaucht, und
zwar nach rückwärts ins Wasser sinkend als Symbol für das Hinsinken in den Tod. Dreimal
taucht der Täufling aus dem Wasser wieder auf wie ein vom Totenbett wieder Aufstehender
als Symbol für seine Neugeburt und Teilhabe an der Auferstehung Jesu Christi. Diese
Symbolik will ausdrücken, dass in der Taufe ein Sterben und ein Neugeboren werden
geschieht, und zwar nicht nur zeichenhaft, sondern existentiell.

Im Brief an die Römer beschreibt der Apostel Paulus das Geschehen in der
Taufe als ein „Begraben werden mit Jesus in den Tod“ und als einen „Wandel in
einem neuen Leben“ (Rm 6,4), d.h. als Teilhabe am Abbild seiner Auferstehung (Rm 6,5).
Die Taufe ist also ein Sterben, wie die EvangelistenMatthäus (Hier in der vorösterlichen
Formulierung. “Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht
wert“ Mt 10,38) und Markus („Könnt ihr ... euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich
getauft werde?“ Mk 10,38) es ausdrücken.

In der Taufe geschieht also eine Überschreitung der Grenzen


von Raum und Zeit, in der das Geschehen auf Golgatha und
am Ostermorgen in den Erscheinungen des Auferstandenen
gegenwärtig gesetzt wird und an dem der Täufling in
unfassbarer Weise Anteil hat. Dieses Sprengen der Grenzen
von Raum und Zeit - Ein Ereignis Tausende von Kilometern
entfernt vor fast 2000 Jahren entfaltet hier und jetzt in der
Taufe seine Wirksamkeit – ist kennzeichnend für das
Geschehen im Vollzug des Sakraments, das die Orthodoxe
Kirche wegen seiner Unfassbarkeit mit den Sinnen Mysterium
nennt.
(Das Wort „mysterion“ kommt aus dem Griechischen und bezeichnet das Verbinden der
Augen des Neulings bei seiner Einführung in den Tempel vor die Gottheit. Die Augenbinde
soll die Begrenztheit des menschlichen Fassungsvermögens verdeutlichen.) Der Täufling
stirbt mit Christus und über windet mit Ihm den Tod in der Taufe. Er bekommt durch die
Taufe Anteil an Christi Auferstehung, die sich an ihm in der Auferstehung der Toten dereinst
vollendet. Der Täufling stirbt also in der Taufe „den großen Tod“. Bevorsteht ihm nur noch
der „kleine Tod“, das Sterben seines Körpers am Ende seines Lebens. Der „kleine Tod“ aber
ist dann nur noch wie eine Tür, durch die er hindurchgeht hin zur Auferstehung zum ewigen
Leben.
Die Jungfrauengeburt – ein dogmatisches Muss?
Im Anfang des Johannesevangeliums heißt es vom Logos, der johanneischen Bezeichnung
des Gottessohnes: „Er kam in sein Eigentum...“. Das ist nach dem Zusammenhang hier der
Kosmos ( griech. „eis ta idia“) Er kam zu den Seinen (griech. „ oi idioi“) Er kam nicht aus
dem Kosmos, sondern in den Kosmos. Er kam nicht aus den
Menschen, sondern zu den Menschen.

In seinem Kommen in den Kosmos und zu uns Menschen tritt


er von außerhalb in den Rahmen menschlichen Seins in Raum
und Zeit. Der Evangelist Johannes drückt diesen Eintritt des
Gottessohnes mit den einfachen Worten aus: „Das Wort ward
Fleisch und wohnte unter uns ...“ (Joh 1,14). Es heißt nicht: Das
Fleisch wurde Wort, sondern, dass das Wort Fleisch wurde.

Mit dieser Aussage über seine Menschwerdung steht in engem


Zusammenhang der Satz des Apostolischen
Glaubensbekenntnisses, dass Christus von der Jungfrau Maria
geboren sei. Im Lukasevangelium heißt es:
„Der Engel ... sprach zu ihr( der Gottesgebärerin): Der
Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des
Höchsten wird dich überschatten; deshalb wird auch das
Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden’“ (Lk 1,35).

Diese Aussage des Neuen Testaments zu hinterfragen und zu problematisieren, heißt , die
Grenzen menschlicher Vernunft und Kompetenz zu überschreiten und in das
Offenbarungshandeln Gottes interpretierend einzugreifen. Die Theologie darf hier so wenig
wie an irgendeinem anderen Punkt die Frage aufwerfen, ob und wie dies möglich sei. Der
Hinweis auf die Naturgesetze, nach denen eine Geburt aus einer Jungfrau unmöglich sei, ist
ebenso unevangelisch wie der Hinweis auf Gottes Allmacht, der alles, also auch dies möglich
sei. Die Aufgabe der Theologie ist nicht eine Begutachtung im Namen der Allmacht Gottes
und ebenso wenig im Namen der Naturgesetze. Das Evangelium sagt uns nicht, was Gott
kann, sondern was er tat, tut und tun wird. Dementsprechend hat sich auch die Theologie zu
beschränken. Das Neue Testament sagt klar, dass die Mutter
Jesu Christi eine Jungfrau war (Mt 1,18,23,25).

Die Tatsache, dass Christus keinen irdischen Vater hat,


weist über seine Stellung in Raum und Zeit hinaus auf
seinen ewigen Ursprung hin. Die Tatsache, dass er aus einer
Jungfrau geboren wurde, weist darauf hin, dass er wahrhaft
Mensch ist. Beides vereint ergibt seine gottmenschliche
Existenz:
1. Seine Geburt aus der Jungfrau betont seine Immanenz.
2. Seine jenseitige Herkunft betont seine Transzendenz.

Die jungfräuliche Geburt Jesu Christi unterstreicht, dass


seine Menschwerdung nicht die Entstehung einer neuen
Person mit sich brachte. Wenn ein Kind von Menscheneltern
geboren wird, beginnt eine neue Person zu existieren. Doch
Jesus, der Mensch gewordene Christus, ist kein anderer als
die zweite Person der göttlichen Dreieinheit. Darum begann mit seiner Geburt keine neue
Person zu existieren, sondern die Person des Gottessohnes, die vor allem Sein war, begann
neben seiner göttlichen Seinsweise ein Dasein als Mensch.

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