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Therapeutische Fertigkeiten - Relevanz für Ausbildung, Praxis und Forschung

Article  in  PiD - Psychotherapie im Dialog · November 2019

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2 authors:

Anne Moellmann Henning Schöttke


Universität Bremen Universität Osnabrück
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Therapy-Related Interpersonal Behaviors (TRIB) View project

Longitudinal study of post stroke depression and post stroke anxiety View project

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Persönliche PDF-Datei für
Anne Möllmann, Henning Schöttke

Mit den besten Grüßen vom Georg Thieme Verlag www.thieme.de

Therapeutische Fertigkeiten
– Relevanz für Ausbildung,
Praxis und Forschung

DOI 10.1055/a-0771-7824
PiD – Psychotherapie im Dialog 2019; 20: 34–38

Dieser elektronische Sonderdruck ist nur für die Nutzung zu nicht-


kommerziellen, persönlichen Zwecken bestimmt (z. B. im Rahmen
des fachlichen Austauschs mit einzelnen Kollegen und zur
Verwendung auf der privaten Homepage des Autors). Diese
PDF-Datei ist nicht für die Einstellung in Repositorien vorgesehen,
dies gilt auch für soziale und wissenschaftliche Netzwerke und
Plattformen.

Verlag und Copyright:


© 2019 by
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14
70469 Stuttgart
ISSN 1438–7026

Nachdruck nur
mit Genehmigung
des Verlags
Aus der Praxis 

Therapeutische Fertigkeiten – Relevanz für Ausbildung,


Praxis und Forschung
Anne Möllmann, Henning Schöttke

Therapeutische Fertigkeiten sind für den psychotherapeutischen Alltag essenziell.


Ein einheitliches Verständnis dafür, was dieser Begriff beinhaltet und wie man
diese Fertigkeiten systematisch erfasst, erwirbt oder erweitert besteht unter
PsychotherapeutInnen in der Versorgung und Forschung jedoch nicht. Darin liegt
Potenzial für die Verbesserung der Therapeutenausbildung und der Wirksamkeit
von Therapien.

Therapeutische Fertigkeiten passte Verhaltenssteuerung statt [3]. Störungen im Ab-


Elektronischer Sonderdruck zur persönlichen Verwendung

Für eine kompetent durchgeführte und wirksame Psycho- gleich von privaten und Therapeutenselbstschemata (z. B.
therapie erscheinen die Fertigkeiten der TherapeutInnen „Das kann so nicht klappen…“ vs. „Das konnte ich schon
zentral. Umso überraschender sind die Herausforderun- immer besser…“) können die Entwicklung von therapeu-
gen, die einem bereits bei der Beschäftigung mit den Be- tischen Fertigkeiten behindern oder fördern. Darüber hi-
griffsdefinitionen begegnen [1]. Definitionen zu den Be- naus kann eine fehlende Entwicklung durch fehlende Aus-
griffen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kompetenzen unter- bildungsinhalte begründet sein.
scheiden sich zum Teil erheblich. Vereinfachend könnte
man eine Fähigkeit als latente Eigenschaft einer Person im Merke
Sinne einer Anlage auffassen und Kompetenz und Fertig- Der notwendige Umfang an Ausbildung oder Übung
keit synonym verwenden. bestimmter Fertigkeiten ist nach aktuellem Kenntnis­
stand individuell verschieden und zu einem gewissen
Im Kontext Psychotherapie würde man also annehmen: an- Maß abhängig von Fähigkeiten, die bereits vor der
gehende PsychotherapeutInnen besitzen bereits vor der Ausbildung bestanden haben.
Ausbildung bestimmte allgemeine Fähigkeiten und Fer-
tigkeiten im Umgang mit anderen Menschen und sozia- Therapeutische Fertigkeiten
len Strukturen. Im Rahmen ihrer therapeutischen Ausbil-
dung (Psychologiestudium, Psychotherapeutische Weiter-
und Therapieerfolg
bildung) erlernen sie die notwendigen Fertigkeiten, die sie Die Annahme zu individuell unterschiedlich ausgeprägten
im besten Fall zu kompetenten PsychotherapeutInnen wer- Fertigkeiten von TherapeutInnen und entsprechend auch
den lassen. Dazu schlagen wir ein Modell vor (▶Abb. 1). individuellem Bedarf an Training dieser Fertigkeiten wird
gestützt von Forschungsbefunden. Ein zentrales Anliegen
Nach dem dargestellten Modell besteht zunächst ein exis- der Psychotherapieforschung ist, therapeutische Wirkfak-
tierendes Selbstschema als Privatperson mit unterschied- toren zu finden. Der Therapeuteneffekt stellt den Anteil
lichen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Durch die Ausbildung an Wirksamkeit dar, der sich auf Unterschiede zwischen
entwickelt sich darauf ein Therapeuten-Selbstschema. Therapeuten – also Therapeutenmerkmale – zurückfüh-
Vorhandene Fähigkeiten der Privatperson führen zu Un- ren lässt. Therapeuteneffekte zeigen sich sowohl in rando-
terschieden in der Ausnutzung von Ausbildungsinhalten misiert-kontrollierten Studien als auch im naturalistischen
für die Entwicklung von deklarativem und bereichsspezi- Setting. Sie erklären circa 5 % der Varianz am Therapieer-
fischem Wissen. Dabei spielen sowohl globale klinische folg. Dieser Effekt wiegt bei schwerer gestörten Patien-
als auch bereichsspezifische Fertigkeiten eine Rolle [2]. In tInnen mehr [4] [5]. Verglichen mit anderen Wirkfakto-
einem prozeduralen Verhaltenssystem müssen in konkre- ren beeinflussen sie das Ergebnis einer Psychotherapie nur
ten Ausbildungs- oder Therapiesituationen Abgleiche und begrenzt. Da TherapeutInnen im Laufe ihrer Berufstätig-
Verhaltenssteuerprozesse implementiert werden, die sich keit aber eine hohe Anzahl an PatientInnen behandeln und
in beobachtbarem therapeutischen Verhalten ausdrücken. Therapeutenmerkmale somit auf viele Psychotherapien
Sowohl im Fortschreiten der therapeutischen Ausbildung wirken, werden sie trotzdem als sehr relevant angesehen.
als auch als Grundlage unterschiedlicher Qualität von the- Man hat zudem festgestellt, dass es besonders erfolgrei-
rapeutischer Expertise findet eine stärker auf PatientInnen che TherapeutInnen gibt [6]. Ihre Behandlungen sind im
und Diagnosen individualisierte und an den Kontext ange- Vergleich zu den Behandlungen anderer TherapeutInnen

34 Möllmann  A  et al.  Therapeutische Fertigkeiten – Relevanz für ...  PiD - Psychotherapie im Dialog  2019; 20: 34–38
Patient
Patientenverhalten therapeutisches
Verhalten

allgemeine Fähigkeiten:
• intellektuelle Fähigkeiten
• emotionale Differenzierung
• persönliche Werte Fertigkeiten als bereichsspezifische 
• interpersonelle Fähigkeiten Prozeduren:
• episodisches Gedächtnis • soziale Fertigkeiten in Therapien
der eigenen Biographie vs. in sozialen Situationen
• Weltwissen als deklaratives • Personenbeurteilung vs.
deklaratives
Wissen diagnostische Fallkonzeptionen
Gedächtnis:
• Qualität des Selbstwerterlebens • instrumentelles Verhalten vs.
• Therapietechnik
therapeutische Fertigkeiten
• Psychopathologie
• private Identität vs.
• Diagnostik
Privatperson Selbstschema Therapeutenidentität
• globale psychologische
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Kompetenzen
Prozedurales System

Therapeuten Selbstschema
Therapeut

▶Abb. 1  Prozedurales Modell zur Entwicklung therapeutischer Fertigkeiten.

effektiver. Hier stellt sich die Frage, was diese Therapeu- Im Zusammenhang mit allgemeinen Therapeutenmerk-
tInnen ausmacht. Im Allgemeinen werden zu den Thera- malen zeigen folgende Faktoren in den meisten Untersu-
peutenmerkmalen neben demografischen Charakteristika, chungen keinen Einfluss auf den Therapieerfolg: demo-
Berufsjahren, theoretischer Orientierung, Selbsterfahrung grafische Merkmale von TherapeutInnen, Selbsterfahrung
und praktischer Erfahrung in Therapien natürlich auch the- bzw. Eigentherapie, sowie andere Variablen der prakti-
rapeutische Fertigkeiten gezählt. schen Erfahrung, wie Berufsjahre [8][9].

Merke Therapeutenmerkmale, die sich erleichternd auf die Ent-


Die Qualität therapeutischer Fertigkeiten hat einen wicklung einer positiven Arbeitsbeziehung auswirken,
vergleichbaren Einfluss auf den Therapieerfolg haben sich hingegen als wichtig herausgestellt [10]. Dazu
(Outcome) wie die Wahl des therapeutischen Ver­ zählen: Empathie, Wärme, die Fertigkeiten, Emotionen
fahrens [7]. auszudrücken, PatientInnen Hoffnung zu vermitteln, sie
von notwendigen Interventionen zu überzeugen und sich
wechselseitig auf angemessene Therapieziele einzustellen
Relevante therapeutische Fertigkeiten
[11]. Aber auch eine selbstkritische Haltung gegenüber
Die empirische Bestimmung relevanter therapeutischer den eigenen therapeutischen Fertigkeiten und Arbeit bei
Fertigkeiten ist komplex. Für entsprechende Untersu- positiver allgemeiner Qualität des Selbstwerterlebens sind
chungen müssen sich eine Vielzahl an TherapeutInnen mit besseren Therapieergebnissen assoziiert [12].
und PatientInnen zur Teilnahme bereit erklären. Zudem
sind komplexere statistische Methoden, wie hierarchische Fertigkeiten wie diese lassen sich als interpersonelle Fer-
Multilevel-Analysen nötig, um Effekte, die entweder durch tigkeiten zusammenfassen. Einige AutorInnen sehen diese
TherapeutInnen oder durch PatientInnen bedingt sind, sta- interpersonellen Fertigkeiten als „therapeutisches Talent“
tistisch kontrollieren zu können. Dies könnte ein Grund an, das TherapeutInnen in unterschiedlicher Ausprägung
dafür sein, dass Studien in diesem Bereich bislang nur ver- bereits vor der Ausbildung aufweisen. Entsprechend wird
einzelt vorliegen. die Veränderbarkeit dieser Merkmale diskutiert [13]. Die
Frage, ob oder in welchem Ausmaß diese Fertigkeiten ver-

Möllmann  A  et al.  Therapeutische Fertigkeiten – Relevanz für ...  PiD - Psychotherapie im Dialog  2019; 20: 34–38 35
Aus der Praxis 

ändert werden können, lässt sich aktuell noch nicht empi- sitiv auf den Behandlungserfolg ausgewirkt [11]. In einem
risch beantworten. Psychotherapeutisches Training führt anderen Beispiel ist ein Fremdratingverfahren interperso-
allerdings zu einem allgemeinen Kompetenzzuwachs. Die neller Fertigkeiten entwickelt worden, bei dem ExpertIn-
Evidenz dafür, dass interpersonelle Fertigkeiten der Thera- nen die TeilnehmerInnen auf Basis ihres Verhaltens in einer
peutInnen relevant für den Behandlungserfolg sind, ver- standardisierten Gruppeninteraktion beurteilen. Dieses
dichtet sich in den meisten (wenn auch nicht in allen) Un- Verfahren wird für den Auswahlprozess angehender Psy-
tersuchungen [14][15]. Daher erscheint es einerseits sinn- chotherapeutInnen genutzt. Die Einschätzung durch Ex-
voll, diese Merkmale in den Auswahlprozess angehender pertInnen auf Basis der Gruppeninteraktion vor dem Aus-
PsychotherapeutInnen einzubeziehen und andererseits, bildungsbeginn hat sich auch nach Berücksichtigung wei-
die Ausprägung dieser Merkmale während der Ausbildung terer Therapeuten- und Patientenmerkmale als zusätzlich
direkt zu fördern. relevant für den Therapieerfolg herausgestellt [14].

Merke Merke
Demografische Merkmale, Selbsterfahrung und Zur Einschätzung der therapeutischen Kompetenz
Berufserfahrung von TherapeutInnen scheinen für scheinen sich Fremdratingverfahren auf Basis von
die Wirksamkeit einer Therapie nicht relevant zu sein. Verhaltenstests besser zu eigenen als Fragebogen­
­Interpersonelle Fertigkeiten der TherapeutInnen verfahren.
wirken sich hingegen auf den Therapieerfolg aus.
Fördern therapeutischer Fertigkeiten
Elektronischer Sonderdruck zur persönlichen Verwendung

Erfassen therapeutischer Fertigkeiten


Die Ausbildung psychologischer PsychotherapeutInnen
Da therapeutische Fertigkeiten ein komplexes Konstrukt und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen ba-
darstellen, ist auch ihre Erfassung anspruchsvoll. Neben siert auf unterschiedlichen Modulen, die therapeutische
Fragebögen zur Selbst- und Fremdeinschätzung kann man Kompetenzen fördern sollen. Neben der theoretischen
auch Beurteilungen auf Basis von Verhaltensbeobachtun- Wissensvermittlung in Seminaren findet eine umfangrei-
gen nutzen. Ein ziemlich konsistenter Befund ist, dass die che praktische Ausbildung in verschiedenen Settings unter
Selbsteinschätzung von TherapeutInnen kaum mit einer Supervision statt. Dies soll durch die unspezifischen Ef-
Fremdeinschätzung durch ihre SupervisorInnen oder un- fekte praktischer Erfahrung, wie sie in der praktischen Tä-
abhängige Beurteiler übereinstimmt. Häufig, aber nicht tigkeit vermittelt wird, ergänzt werden. Die Ausbildung
immer, zeigten TherapeutInnen in den Studien höhere wird durch Selbsterfahrung und Eigenstudium komplet-
Kompetenzeinschätzungen als die Fremdrater [1]. Neben tiert. Die praktische Ausbildung unter Supervision und
der Frage, durch wen man therapeutische Kompetenzen die Selbsterfahrung gehen bei den Ausbildungskandida-
einschätzen lässt, stellt sich auch die Frage, mit welchen ten häufig mit hoher Lehrzufriedenheit einher [16]. Aller-
Instrumenten man dies tun sollte. dings zeigt die Forschung zur Effektivität dieser Lehrme-
thoden vor allem positive Effekte für theoretischen Un-
Auswahlprozesse zur Selektion von Bewerberinnen für die terricht, der verhaltensbezogene und übungsorientierte
Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin oder Methoden einsetzt (z. B. Modeling, Rollenspiele) [17].
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin erfolgen in Auch Supervision ist mit einem Zuwachs an therapeuti-
der Regel auf Basis von Experteninterviews und der bisheri- schem Erfolg assoziiert [18]. Mehr Forschungsaktivität zu
gen akademischen Leistung. Diese Auswahlkriterien schei- diesem wichtigen Teil der Ausbildung erscheint allerdings
nen den Ausbildungserfolg jedoch nicht oder nur in einem sinnvoll. Besonders relevant sind randomisiert-kontrollier-
sehr geringen Maße vorherzusagen. Aus der Forschung zu te Studien zu dieser Thematik sowie Studien, die die Ef-
Auswahlprozessen anderer Berufe ist bekannt, dass sich fekte von Supervision auf klinische Outcomes der behan-
Verhaltenstests besser zur Einschätzung bestimmter Ei- delten PatientInnen (vs. Befragung von TherapeutInnen)
genschaften eignen als Experteninterviews oder Selbst- untersuchen [19].
berichtsfragebögen. In unterschiedlichen Studien wurden
daher Verhaltenstests entwickelt, auf deren Basis die in- Merke
terpersonellen Kompetenzen der TherapeutInnen von er- Auf Basis bisheriger Untersuchungen erschienen v. a.
fahrenen Beurteilern eingeschätzt werde sollten. Beispiels- Supervision und kombinierter theoretischer Unterricht
weise werden TherapeutInnen kurze Videosequenzen von geeignet zu sein, psychotherapeutische Kompetenzen
Patientenäußerungen vorgespielt, auf die sie antworten aufzubauen.
sollen. Auf Basis dieser Reaktionen wird dann die inter-
personelle Kompetenz durch erfahrene TherapeutInnen Neuere Ansätze der Ausbildungs- und Versorgungsfor-
oder SupervisorInnen eingeschätzt. Bei diesem Verfahren schung fokussieren stärker auf die Verbesserung therapeu-
haben sich hoch (vs. niedrig) ausgeprägte interpersonelle tischer Fertigkeiten während des Therapieverlaufs, zum
Fertigkeiten sowohl bei Behandlungen durch langjährig er- Beispiel durch Feedback. Die Ergebnisse aus der patienten-
fahrene TherapeutInnen als auch durch AnfängerInnen po- orientierten Versorgungsforschung zeigen, dass die Früh-

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erkennung negativer Therapieverläufe durch TherapeutIn- Autorinnen/Autoren
nen häufig nicht gelingt. Die Unterstützung der Therapeu-
tInnen in der Verlaufsbeurteilung durch Feedbackansätze Anne Möllmann
könnte während der Therapie die Wahrnehmung verlaufs- Dr., Psychologische Psychotherapeutin
bezogener Prozesse stärken [20]. und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der
Abteilung Klinische Psychologie und
Psychotherapie der Universität Bremen.
Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung therapeutischer
Kompetenzen ist das Konzept der „deliberate practice“,
das primär aus der Expertisen-Forschung bekannt ist.
Henning Schöttke
Darunter wird ein hoch spezialisierter, individualisier-
Prof. Dr., Psychologischer Psychotherapeut,
ter Trainingsprozess verstanden mit dem Ziel spezifische
Supervisor und KBV-Gutachter für Verhaltens-
Kompetenzen durch Wiederholung und Verfeinerung zu therapie bei Kindern, Jugendlichen und
verbessern. Diese Technik hat sich auch für den Erwerb Erwachsenen; Leiter der Poliklinischen
psychotherapeutischer Kompetenzen als relevant erwie- Psychotherapieambulanzen der Universität
sen. Die besonders effektiven TherapeutInnen unterschie- Osnabrück. Der Forschungsschwerpunkt
seiner Abteilung liegt im Bereich der Psychotherapiefor-
den sich von den weniger effektiven TherapeutInnen in
schung und Psychotherapie-Ausbildungsforschung mit Fokus
dem Umfang, in dem sie sich neben Therapiesitzungen auf Therapeutenmerkmale.
an sich mit Therapien auseinandersetzen. Dies konnte bei-
spielsweise in Form von Supervision (mit/ohne Audio-/Vi-
Elektronischer Sonderdruck zur persönlichen Verwendung

deoaufnahmen), Durchdenken vergangener oder geplan-


ter Sitzungen, Intervision oder eigenständigem Ansehen Korrespondenzadresse
von Aufnahmen bestimmter Therapiesitzungen gesche-
hen. Die unterschiedlichen Übungsformen unterschieden Prof. Dr. Henning Schöttke
Universität Osnabrück
sich hinsichtlich ihres Effekts nicht [21]. Daher nahmen die
Institut für Psychologie
AutorInnen einen ähnlichen Effekt an, wie er für andere Klinische Psychologie und Psychotherapie
Berufe vermutet wurde: die Auswahl der konkreten Tech- Knollstr. 15
niken scheint von den Personen individuell verschieden, 49069 Osnabrück
aber bezüglich des gewünschten Ergebnisses passend ge- henning.schoettke@uni-osnabrueck.de
staltet zu werden. Auf Basis dieser Befunde werden nun zu-
nehmend Trainings und Manuale entwickelt mit Instruk-
tionen, wie TherapeutInnen speziell ihre interpersonellen
Fertigkeiten trainieren können. Literatur

[1] Weck F, Hrsg. Psychotherapeutische Kompetenzen. Theo-


FA ZIT rien – Erfassung – Förderung. Berlin: Springer; 2013
Die Erfassung und systematische Förderung psycho- [2] Barber JP, Sharpless BA, Klostermann S et al. Assessing inter-
therapeutischer Kompetenzen erscheint für die vention competence and its relation to therapy outcome: a
selected review derived from outcome literature. Profession-
Psychotherapieausbildung sinnvoll und notwendig.
al Psychology: Res Pract 2007; 38: 493–500
Neben dem theoretischen Lernen sind praktisches
[3] Weck F. Modelle psychotherapeutischer Kompetenzen. In:
Lernen durch Modelle und praktische Übungen
Weck F, Hrsg. Psychotherapeutische Kompetenzen. Theo-
nach bisheriger Forschung am effektivsten. Vielver- rien – Erfassung – Förderung. Berlin: Springer; 2013
sprechend ist die Ergänzung dieser Komponenten [4] Baldwin SA, Imel EZ. Therapist effects – findings and
um Verlaufs-Feedback und deliberate practice. methods. In: Lambert MJ, Hrsg. Bergin and Garfield’s
Erste Vorschläge zeigen, wie diese Elemente mit Handbook of psychotherapy and behavior change. New York:
den traditionellen Methoden der Supervision und Wiley & Sons; 2013

Theorieausbildung verbunden werden können [22]. [5] Barkham M, Lutz W, Lambert MJ et al. Therapist effects,
effective therapists, and the law of variability. In: Castonguay
Wie die Psychotherapiemethoden selbst, sollten
LG, Hill CE, Hrsg. How and why are some therapists better
Ausbildungsmethoden zur Optimierung von Psycho-
than others? Washington, DC: American Psychological
therapien und der Therapeutenausbildung Gegen- Association; 2017
stand von Wirksamkeits- und Prozessforschung sein. [6] Okiishi JC, Lambert MJ, Nielsen L et al. Waiting for super-
shrink: An empirical analysis of therapist effects. Clin Psychol
Psychother 2003; 10: 361–373
[7] Wampold BE, Baldwin SA, Grosse-Holtforth M et al. What
characterizes effective therapists? In: Castonguay LG, Hill CE,
Interessenkonflikt Hrsg. How and why are some therapists better than others?
Washington, DC: American Psychological Association; 2017:
37–54
Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Möllmann  A  et al.  Therapeutische Fertigkeiten – Relevanz für ...  PiD - Psychotherapie im Dialog  2019; 20: 34–38 37
[8] Beutler LE, Malik M, Alimohamed S et al. Therapist variables.
In: Lambert MJ, Hrsg. Bergin and Garfield’s Handbook of
psychotherapy and behavior change. New York: Wiley; 2004
[9] Malikiosi-Loizos M. Personal therapy for future therapists:
Reflections on a still debated issue. Eur J Couns Psychol
2013; 2: 33–50
[10] Del Re AC, Flückiger C, Horvath AO et al. Therapist effects in
the therapeutic alliance–outcome relationship: A restricted-­
maximum likelihood meta-analysis. Clin Psychol Rev 2012;
32: 642–649
[11] Anderson T, Ogles BM, Patterson CL et al. Therapist effects:
facilitative interpersonal skills as a predictor of therapist
success. J Clin Psycho 2009; 65: 755–768
[12] Nissen-Lie HA, Rønnestad MH, Høglend PA et al. Love Your-
self as a Person, Doubt Yourself as a Therapist? Clin Psychol
Psychother 2017; 24 (1): 48–60
[13] Orlinsky DE, Rønnestad MH, Hrsg. How psychotherapists de-
velop. A study of therapeutic work and professional growth.
Washington, DC: American Psychological Association; 2005
[14] Schöttke H, Flückiger C, Goldberg SB et al. Predicting psy-
chotherapy outcome based on therapist interpersonal skills:
A five-year longitudinal study of a therapist assessment
Elektronischer Sonderdruck zur persönlichen Verwendung

protocol. Psychother Res 2017; 27: 642–652


[15] Anderson T, Crowley MEJ, Himawan L et al. Therapist facili-
tative interpersonal skills and training status: A randomized
clinical trial on alliance and outcome. Psychother Res 2016;
26: 511–529
[16] Drüge M, Schladitz S. Die psychotherapeutische Ausbildung
aus Sicht der Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer.
Psychotherapeutenjournal 2016; 3: 256–262
[17] Hill CE, Knox S. Training and supervision in psychothera-
py. In: Lambert MJ, Hrsg. Bergin and Garfield’s Handbook
of psychotherapy and behavior change. New York: John
Wiley & Sons; 2013
[18] Bambling M, King R, Raue P et al. Clinical supervision: Its
influence on client-rated working alliance and client symp-
tom reduction in the brief treatment of major depression.
Psychother Res 2006; 16: 317–331
[19] Watkins CE. Does psychotherapy supervision contribute to
patient outcomes? Considering thirty years of research. The
Clinical Supervisor 2011; 30: 235–256
[20] Rubel J, Ehrlich T, Lutz W. Feedback-Ansätze in der Psycho-
therapie. Ein Beitrag zur Reduktion des Misserfolgsrisikos.
PiD – Psychotherapie im Dialog 2015; 16 (04): 30–34
[21] Chow DL, Miller SD, Seidel JA et al. The Role of Deliberate
Practice in the Development of Highly Effective Psychothera-
pists. Psychotherapy (Chic) 2015; 52: 337–345
[22] Rousmaniere T, Goodyear RK, Miller SD et al., Hrsg. The cycle
of excellence: Using deliberate practice to improve supervi-
sion and training. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons; 2017

Bibliografie

DOI  https://doi.org/10.1055/a-0771-7824
PiD - Psychotherapie im Dialog 2019; 20: 34–38
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
ISSN 1438-7026

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