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Geben Sie einen Überblick über materielle und immaterielle Anreizsysteme im Unternehmen.

Unterziehen Sie diese einer kritischen Wertung!

Unter Anreizsystemen wird die Summe aller bewusst gestalteten Arbeitsbedingungen verstanden, die durch
positive Anreize (Belohnungen) bestimmte Verhaltensweisen verstärken oder die Wahrscheinlichkeit des
Auftretens anderer Verhaltensweisen durch negative Anreize (Sanktionen) mindern.1

Unter materiellen Anreizsystemen ist die Gesamtheit aller von einem Unternehmen angebotenen materiellen
Belohnungen verstanden, die den Mitarbeitern für ihre erbrachte Leistung zugestanden werden.2

Obligatorisches Anreizsystem Fakultatives Anreizsystem


* Grundgehalt * Erfolgsbeteiligung
* Sozialleistungen * Kapitalbeteiligungen
* variables Entgelt
* Zuschläge
* Zusatzleistungen

Unter den materiellen Anreizen zählt das Grundgehalt als die bedeutendste Einkommensquelle. Es ist die
Quelle der Anerkennung für die Arbeitsleistung und dient als Symbol für Erfolg und Prestige. Das Grundgehalt
stellt die Basis des Entgeltsystems dar. 3

Das Grundgehalt wird unabhängig von der erbrachten Leistung und für einen bestimmten Zeitraum als Zeitlohn
(i.d.R. für einen Monat) gewährt. Er stellt für den Mitarbeiter also keinen finanziellen Anreiz zur
Leistungssteigerung dar. 4

Beim Akkordlohn steht die Lohnhöhe in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der erbrachten Leistung. D.h.
bei einer 20%-en Mehrleistung erhält der Mitarbeiter auch 20% mehr Lohn. So bietet der Akkordlohn einen
Anreiz zu erhöhter Arbeitsleistung. Allerdings bringt die erhöhte Arbeitsleistung auch mit sich und kann zu
Gesundheitsgefährdungen führen.

Beim Prämienlohn die individuellen Mehrleistungen oder die Gruppenleistungen bei der Entlohnung
berücksichtigt.5Anders als beim Akkordlohn, der ausschließlich auf die Mengenleistung ausgelegt ist, fasst man
mit Prämien eine optimale Leistung im Schnittpunkt von Mensch, Maschine und Material ins Auge.6

Betriebliche Sozialleistungen sind Leistungen von Arbeitgebern an Mitarbeiter, die zusätzlich zu dem regulären
Arbeitsentgelt gezahlt werden. Sie werden aufgrund

• gesetzlicher Verpflichtung: Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung
• tarifvertraglicher Regelungen: insbesondere Regelungen über Urlaubslänge, Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalt
• freiwillig gezahlt: Kantinen oder Essenszuschüssen, Fahrtkostenzuschüsse, Nutzung Parkplätze für Mitarbeiter

 Sozialleistungen sollen gute Leistungen belohnen, die Bindung an das Unternehmen stärken und das
Betriebsklima verbessern. Gleichzeitig unterstützen sie die Imagesteigerung des Unternehmens.

Das variable Entgelt lässt sich in zwei Formen untergliedern: das leistungsorientierte und das erfolgsabhängige
variable Entgelt.
Das leistungsorientierte variable Entgelt wird in Abhängigkeit von der erbrachten individuellen Leistung eines
Mitarbeiters gezahlt. D.h., dass der Mitarbeiter bei geringerer Leistung ein geringeres variables Entgelt erhält.7
Das erfolgsabhängige variable Entgelt orientiert sich am Erfolg des Unternehmens, d.h. bei einer guten
Geschäftslage wird der Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligt.8

Lohn- und Gehaltszuschläge sind zusätzliche Vergütungen, die gesetzlich vorgeschrieben sind.
Je nach Entgeltform, Position und Unternehmensgröße sind folgende Zuschläge üblich:

• Überstundenzuschlag: fällt an, wenn die geleistete Arbeitszeit über die festgelegte Arbeitszeit hinausgeht
• außertarifliche Zuschläge: nützlich um ein nicht konkurrenzfähiges Gehalt dem Arbeitsmarktniveau anzupassen
• Schichtzuschlag: für Sonn-, Nacht- und Feiertagsarbeit9

Zusatzleistungen stellen sonstige Geld- und Sachleistungen des Unternehmens dar.

Die Gewährung von Zusatzleistungen kann einerseits aus Wirtschaftlichkeitsgründen des Unternehmens
erfolgen, da hier das Unternehmen steuerliche Vorteile ausnutzen kann. Andererseits kann eine Gewährung aus
Statusgründen (z.B. Dienstwagen) erfolgen. Folgende Zuwendungen zählen u.a. zu den Zusatzleistungen:
– Ersatz auf Umzugskosten
– Verpflegungszuschüsse
– Ersatz der dienstlichen Reisekosten
– Abfindungen im Zusammenhang mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
– Mietzuschüsse.10

Alle bislang angesprochenen Vergütungen beteiligen die Beschäftigten, die jene Leistung erwirtschaften, am
Erfolg ihres Leistungseinsatzes. Mit dem Begriff Erfolgsbeteiligung oder Tantieme meint man jedoch nicht ein
auf die eigene Leistung bezogenes Entgelt, sondern eine Beteiligung am Erfolg des Unternehmens. Dieser Erfolg
ist also nicht nur in der eigenen Leistung begründet, sondern in der Leistung aller Mitarbeiter.

 Erfolgsbeteiligungen sollen eine erhöhte Verantwortlichkeit und Arbeitsproduktivität der Beschäftigten


sowie ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Management bewirken.11

Durch Kapitalbeteiligungen werden die Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt. Sie erhalten Kapitalanteile
entweder in Form einer Eigenkapital- oder einer Fremdkapitalbeteiligung.12

Mitarbeiterdarlehen sind eine Form der Fremdkapitalbeteiligung. Es sind Darlehen, die Mitarbeiter ihrem
Unternehmen zur Verfügung stellen. Der Zinssatz ist bei Mitarbeiterdarlehen niedriger als für Darlehen auf dem
Kapitalmarkt.

Belegschaftsaktien sind eine Form der Eigenkapitalbeteiligungen. Durch die Möglichkeit,


Belegschaftsaktien zu erwerben, werden die Mitarbeiter zu Miteigentümern

 Kapitalbeteiligungen sollen zur Förderung der Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen
beitragen. So soll das Interesse der Mitarbeiter am Unternehmen positiv beeinflusst werden.13

Kritik:
Es besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter sich nur noch auf Aufgaben konzentrieren, für die sie ein zusätzliches
Entgelt erhalten und andere Aufgaben vernachlässigen. Darüber hinaus kann es dazu kommen, dass sich
Mitarbeiter, die einmal ein Zusatzentgelt erhalten haben, nur noch anstrengen, wenn ihnen eine Belohnung in
Aussicht gestellt wird.
Ein häufig auftretender Fehler besteht außerdem darin, dass sich Unternehmensleitungen oftmals auf das
Belohnen von Einzelpersonen beschränken. Somit wird jedoch jeglicher Teamgeist im Betrieb zerstört. Für eine
erfolgreiche Motivation ist Teamarbeit und Teamgeist jedoch essentiell und unabdingbar.

Ein weiteres Problem stellt das crowding-out Phänomen dar. Es besagt, dass ein finanzieller Anreiz nach einem
gewissen Zeitraum keinen motivierenden Effekt mehr mit sich bringen kann, da sich der Angestellte an das
Zusatzentgelt gewöhnt hat und es als selbstverständlich ansieht.

Darüber hinaus gibt es auch Angestellte, die aus finanzieller Sicht bereits gut gestellt sind und somit durch
zusätzliche Entlohnungen nicht mehr angereizt werden können.
Deshalb ist der Einsatz immaterieller Anreizsysteme nötig.
1 Vgl. Grewe (2006), S. 8 f.

2 Vgl. Becker (2002), S. 16.

3 Vgl. Staehle (1994), S. 773.

4 Vgl. Bröckermann, 2009, S. 194f.

5 Vgl. ebenda, S. 214 f.

6 Vgl. Olfert (2008), S. 335ff.

7 Vgl. Becker (2002), S.177.

8 Vgl. Krieg (1998), S. 151.

9 Vgl. Bröckermann (2009), S. 210.


10 Vgl. ebenda, S. 213.

11 Vgl. ebenda, S. 216 f.

12 Vgl. Becker (2002), S. 283.

13 Vgl. ebenda, S. 91.