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Material in Bad- und Sanitärbereichen

Die Wahl des Materials im Bad- und Sani- Allgemeine Materialeigenschaften Neben den Rutschfestigkeitswerten gibt
tärbereich hat entscheidenden Einfluss Wasserresistenz, thermische Beständig- der Wert V das Maß des Verdrängungs-
auf die Wirkung des Raums. Atmosphäre keit, Hygiene, Härte, Lichtechtheit, Bear- raums an (Abb. 2, S. 62). Der Verdrän-
und Behaglichkeit, Lichtreflexion, Farbig- beitbarkeit, Oberflächenbeschaffenheit, gungsraum eines Bodenbelags ist der
keit und Funktion werden maßgeblich Haptik und Farbe sind spezifische Mate- zur Gehebene hin offene Hohlraum unter-
vom gewählten Material bestimmt. Der rialeigenschaften, die besonders bei der halb der Gehebene. In der Regel erfor-
Kontakt mit der Oberfläche des Materials Badplanung eine wichtige Rolle spielen dern Bodenbeläge in Arbeitsräumen
wird vom Nutzer als warm oder kalt, rau (Abb. 22, S. 71). und -bereichen mit hoher Rutschgefahr,
oder glatt, weich oder hart wahrgenom- hervorgerufen durch große Mengen gleit-
men und beeinflusst damit ebenso das Oberflächenbeschaffenheit und Porigkeit fördernder Stoffe, auch größere Verdrän-
Gesamtkonzept des Raums. Neben dem Oberflächenbeschaffenheit und Porigkeit gungsräume.
Einfluss auf die Sinne muss das Material eines Materials stehen im direkten Zusam-
Anforderungen an Wasserbeständigkeit, menhang mit Hygiene, Reinigungsfähig- Widerstandsfähigkeit und Festigkeit
Hygiene, Pflege, Widerstandsfähigkeit, keit sowie Rutschfestigkeit. Für eine einfa- Widerstandsfähigkeit und Festigkeit des
Sicherheit, Langlebigkeit und Ästhetik che und gute Reinigung eignen sich aus Materials stehen im direkten Zusammen-
gerecht werden. hygienischer Sicht grundsätzlich homo- hang mit der Langlebigkeit und dessen
In öffentlichen Sanitäranlagen verlangt gene, porenlose und glatte, möglichst Wartung. Besonders in hochfrequentier-
die erhöhte Frequentierung des Be- fugenlose Materialien, um dem Wachstum ten Bereichen wie in öffentlichen Sanitär-
reichs entsprechend andere Anforde- von Bakterien oder Schimmelpilzen kei- anlagen, aber auch im privaten Bad sollte
rungen als im privaten Bereich, etwa nen Nährboden zu bieten. Die Oberflä- darauf geachtet werden, dass die Mate-
widerstandsfähige Materialien gegen- chenbeschaffenheit muss aber zugleich rialien hart, kratz-, schlag- und verschleiß-
über Wasser und Reinigungsmittel, den Anforderungen an die Rutschfestig- fest sind, um eine Langlebigkeit gewähr-
bzw. Materialien, die sich leicht reini- keit gerecht werden, je glatter die Ober- leisten zu können. In Abhängigkeit von der
gen lassen und wartungsarm sind. fläche, desto weniger rutschfest ist sie. Materialwahl ist eine ausreichend dicke
Neben den technischen Anforderungen Materialstärke zu empfehlen. Insbeson-
spielen generell die Ästhetik der Mate- Rutschfestigkeit dere bei der Verwendung von Holz oder
rialen und die Verarbeitungsmöglich- Da viele Unfälle durch Stolpern, Ausrut- Verbundstoffen wie Laminaten entschei-
keiten eine wesentliche Rollen. Die zur schen oder Stürzen geschehen, spielt die det diese maßgeblich darüber, wie wider-
Verfügung stehende Materialpalette, Rutschfestigkeit eines Bodenbelags – in standsfähig das Material ist oder wie oft
die sich für den Einsatz im Bad eignet, Zusammenhang mit der Belastung durch es geschliffen werden kann.
wird immer umfangreicher. Die Pro- gleitfördernde Stoffe wie Wasser, Sand,
dukte sowie deren Veredelung und Öle oder Seifen – eine wichtige Rolle bei Verarbeitungseigenschaften
Oberflächenbehandlung entwickeln der Unfallverhütung. Die rutschhemmen- Von den Verarbeitungseigenschaften
sich technisch weiter, die Farbauswahl den Eigenschaften werden durch Begehen hängt die Umsetzbarkeit bestimmter Ent-
wird entsprechend den aktuellen Trends einer schiefen Ebene nach DIN 51 130 wurfskonzepte ab. Hartes Material wie
permanent erweitert. geprüft. Die Berufsgenossenschaftliche Naturstein eignet sich weniger, wenn man
Aufgrund ihrer Materialeigenschaften Regel BGR 181 gibt die Rutschfestigkei- organische oder fließende Formen erzeu-
gehören Naturstein, Kunststein und kera- ten für öffentliche Räume vor. Für private gen möchte. Diese lassen sich durch die
mische Fliesen zu den wichtigsten Mate- Bäder existieren keine Anforderungen. Da Verwendung von verformbaren Werkstof-
rialien im Bad. Aber auch Holz, Holzwerk- sich die Fliesen hier allerdings genauso fen wie Mineralwerkstoffen oder beschich-
stoffe, Beton, Glas, Metall und Kunststoffe wie in öffentlichen Sanitäranlagen ver- tetem Formschichtholz eher realisieren.
werden immer häufiger eingesetzt. Die halten, sollte auch im Privatbereich die Für Modellierungen der Oberflächen mit
Wahl geeigneter Materialien und die Art Rutschfestigkeit berücksichtigt werden. kleinteiligen Rücksprüngen für mögliche
der Verarbeitung sind entscheidende Die Rutschsicherheitswerte reichen von Einbauten sind großformatige und harte
Faktoren für die Funktionalität, die Lang- R 9 bis R 13, wobei R 9 die geringsten und Feinsteinzeugfliesen meist weniger geeig-
lebigkeit und Ästhetik der Bad- bzw. R 13 die höchsten Anforderungen an die net, da sie sich schwerer schneiden las-
Sanitäreinrichtung. Rutschfestigkeit stellt (Abb. 1, S. 62). sen als kleine Standardfliesen.
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Bewertungsgruppe Raumart/Nutzung
Bezeichnung des Mindestvolumen des
R9 z. B. in allgemeinen, öffentlichen Bereichen innen (Büro) Verdrängungsraums Verdrängungsraums
[cm3/dm2]
R 10 öffentliche Toiletten, Umkleide- und Waschräume
V4 4
R 11 Ladeneingänge und Treppen außen sowie in Küchen für Gemeinschaftsverpflegung,
z. B. in Wohnheimen oder Kindertagesstätten V6 6
V8 8
R 12 Krankenhausküchen und Küchen, in denen mehr als 100 Gedecke täglich bereit-
gestellt werden V 10 10
R 13 Bodenbeläge in Schlachthöfen, sämtliche Herstellungsbetrieben etc. Bei Rosten ist der Verdrängungsraum in jedem
1 2 Fall V 10.

Materialien – Auswahl homogen bis sehr lebhaft. Jeder Stein ist zu Verfärbungen führen, die seine hell-
Die Materialwahl hat einen wesentlichen ein Unikat. Die Unterscheidung zwischen bis dunkelgraue Erscheinung entspre-
Einfluss auf die Raumwirkung. Warme Hart- und Weichgesteinen wird über die chend rötlich oder gelblich, teilweise
Materialien wie Holz lassen den Raum Werkzeuge geführt, mit denen die Steine schwarz, selten blau oder grünlich prägen.
wohnlich erscheinen, helle Farben sorgen bearbeitet werden können. Bei Hartge-
für einen großzügigen Raumeindruck steinen wie Granit hinterlassen herkömm- Sedimentgesteine – z. B. Kalkstein
(siehe Allgemeine Gestaltungsprinzipien, liche Messer keine Kratzer. Sedimentgesteine lassen sind in Klastite,
S. 70). Kriterien für die Auswahl wichtiger Der Glanzgrad der Steinoberfläche ist chemische Sedimente und biogene Sedi-
Materialien zur Gestaltung privater Bäder abhängig vom Schliff, sie lässt sich von mente unterteilen. Zu den Klastiten gehö-
und öffentlicher Sanitäranlagen werden matt und uneben bis hochglänzend und ren beispielsweise Sandstein, Brekzie,
im Folgenden beschrieben: glatt bearbeiten. Dabei ist zu bedenken, Schluffstein, Tonstein und Tonschiefer.
dass die Rutschfestigkeit abnimmt je fei- Zu den chemischen Sedimenten zählen
Naturstein ner der Schliff ist (siehe Rutschfestigkeit, u. a. Kalkstein, Dolomitstein, Gips/Anhy-
Naturstein hat sich im Laufe von Milliarden S. 61). Steine und Steinplatten haben drit, Steinsalz, Kali- und Magnesiasalze.
Jahren zu einem harten, mineralischen ein hohes Gewicht, der Untergrund ihres Biogene Sedimentgesteine hingegen sind
Stoff entwickelt. Bei den meisten Gestei- Einbauorts muss daher entsprechend z. B. Kreide, Ölschiefer, Kohle, Lydit und
nen handelt es sich um Silikatgesteine geeignet sein. Phosphorit.
(Hauptbestandteile sind Feldspäte und Natursteine werden nach ihrer Entste- Als Kalkstein werden Sedimentgesteine
Quarz), nur ein kleiner Prozentsatz gehört hung eingeteilt. Aus Mineralschmelzen bezeichnet, die überwiegend aus Kalzium-
zu den Karbonaten. (Magma, Lava) entstehen die magma- carbonat bestehen. Entstehung, Ausse-
Als Oberbegriffe unterscheidet man Natur- tischen Gesteine (z. B. Granit, Basalt, hen und Eigenschaften des Kalksteins
steine, Naturwerksteine und Bruchsteine. Granitporphyr), aus abgelagerten Ver- sind vielfältig. Kalksteine besitzen in den
Als Natursteine werden wirtschaftlich witterungsprodukten die Sediment- meisten Fällen eine hell- bis dunkelgraue
gesehen alle Gesteine bezeichnet, die gesteine durch sogenannte diagenetische Farbe. Durch Beimengung anderer Mine-
man in der Natur vorfindet. Bei einem Vorgänge (z. B. Sandstein, Kalkstein, rale kommen vor allem auch rötliche und
handwerklich oder maschinell behandel- Ölschiefer), metamorphe Gesteine wiede- gelbliche Färbungen recht häufig vor.
ten Naturstein spricht man von einem rum sind das Produkt einer Umkristallisa- Solnhofener Plattenkalk ist einer der
Naturwerkstein. Ein undimensionierter tion infolge erhöhten Umgebungsdrucks härtesten Kalksteine. Er weist eine hohe
Naturstein, der z. B. durch Abbruch grö- und Temperatur (z. B. Marmor aus Kalk- Dichtigkeit auf, ist bei bruchrauer oder
ßerer Felsen entsteht, wird Bruchstein steinen, Quarzit aus Quarzsanden). Diese angeschliffener Oberfläche tritt- sowie
genannt. drei Hauptgruppen lassen sich noch wei- rutschfest und aufgrund seiner Belastbar-
Naturstein gehört zu den nachhaltigen ter nach ihrem Entstehungsort unterteilen. keit ebenso wie Jura-Marmor für stark
Baustoffen, da er durabel ist, eine lange beanspruchte Bodenflächen einsetzbar.
Lebensdauer hat und eine gute Öko- Magmatische Gesteine – z. B. Granit Kalibrierte Natursteinplatten (Platten mit
bilanz aufweist. Er ist ein lebendiger, Magmatische Gesteine (Magmatite) ent- exakt gleicher Höhe) aus Solnhofen kön-
natürlich entstandener Baustoff, für des- stehen aus Mineralschmelzen, Magma nen mit einem Natursteinkleber verlegt
sen Erzeugung keine Energie aufgewen- und Lava. Sie werden in Plutonite (Tiefen- werden, für nicht kalibrierte Platten emp-
det werden muss. Lediglich sein Abbau gesteine), Vulkanite (Ergussgesteine) und fielt sich die Verlegung im Mörtelbett.
und die Verarbeitung erfordert einen ver- Ganggesteine unterteilt. Zu den Plutoni- Solnhofener Platten eignen sich grund-
gleichsweise geringen Energieaufwand. ten gehört z. B. Granit, zu den Vulkaniten sätzlich für den Einsatz einer Fußboden-
Aufgrund der Druckfestigkeit und des unter anderem Basalt, zu den Gang- heizung und sind wie viele Kalksteine
geringen Abriebs ist er unempfindlich, gesteinen beispielsweise Granitporphyr. säureempfindlich, weshalb für die Pflege
nicht brennbar, antiallergisch, hart, wider- Granit ist ein fein- bis grobkörniges Tie- eine Steinseife verwendet werden sollte.
standfähig und oft als lokaler Baustoff fengestein. Je feiner die Körnung, desto
erhältlich. Natursteine unterscheiden sich besser sind die Druck- und Biegezug- Metamorphe Gesteine – z. B. Marmor
in ihrer Farbe und der Lebendigkeit ihrer werte. Seine Kristalle sind recht groß. Ein- Metamorphe Gesteine bilden sich unter
Erscheinung, ihre Maserung reicht von gelagerte, richtungslose Minerale können hohem Druck oder Temperatur und wan-
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1 Rutschfestigkeiten, Bewertungsgruppen R 9 – R 13
(nach BGR 181)
2 Zuordnung der Bezeichnung des Verdrängungs-
raums zu den Mindestvolumina (nach BGR 181)
3 bearbeiteter beiger Marmor aus Kroatien in einem
Badezimmer, Chalet in Cortina (I) 2005, Tiberio
Cerato Architetto
a Waschtisch mit bruchrauer Oberfläche, die zu
reinigenden Flächen sind zusätzlich geschliffen
b gespitzte Oberflächen an Wand und Boden in
der Dusche
4 fein geschliffener Marmorfußboden (Pietra Grey)
im Spabereich eines Hotels in München (D) 2012,
Guggenbichler Netzer Architekten

deln dabei die Mineralzusammensetzung langsam annehmen und auch nur lang-
des Gesteins um. So entsteht beispiels- sam wieder abgeben. Dies macht sie
weise aus Kalksteinen Marmor oder aus allerdings, vor allem im privaten Bad-
Quarzsanden Quarzit. Ebenfalls zu den bereich, wie geschaffen als Bodenbelag
metamorphen Gesteinen gehören Glim- bei Verwendung einer Fußbodenheizung.
merschiefer, Serpentinit, Hornfels und Im öffentlichen Sanitärbereich findet
Talkschiefer. Naturstein hauptsächlich in repräsenta-
Marmor ist säureempfindlich und besitzt, tiven Bereichen Verwendung, da die
in Abhängigkeit von der Sorte, eine Kosten im Vergleich zu vielen anderen
erhöhte Saugfähigkeit. Die sichtbaren Materialien höher sind.
Gebrauchsspuren und Flecken, z. B. durch Generell sind Natursteine sehr belastbar
saure Putzmittel oder stumpfe Oberflä- und widerstandsfähig gegen Abrieb.
chen, werden teilweise als störend, teil- Allerdings weist jeder Naturstein spezi-
weise aber auch als Patina empfunden. fische Eigenschaften auf. Trotz Imprä-
Die farbliche Erscheinung des Marmors gnierung sind längst nicht alle uneinge- a
reicht von weiß bis gelblich über grünlich schränkt für den Nassbereich im Bad
und rötlich bis zu bräunlich oder gräulich. geeignet. Die Steine werden chemisch
Marmorfliesen von 1 bis 1,2 cm Dicke durch Pflegeprodukte und Reinigungs-
sind in der Regel kalibriert und gefast, mittel belastet. Auch den Wechsel zwi-
sie können in verschiedenen Oberflächen schen Trockenheit und Nässe vertragen
wie z. B. poliert, geschliffen, patiniert oder einige Sorten besser als andere. Fließen-
getrommelt hergestellt werden. des Wasser oder Wasserdampf kann
mineralische Substanzen ausspülen und
Naturstein im Bad zu Verfärbungen führen. Bei mangelnder
Natursteinrohblöcke werden in den stein- Belüftung besteht außerdem die Gefahr
verarbeitenden Betrieben meist in 2, 3 eines mikrobiologischen Befalls von
oder 4 cm dicke Platten aufgesägt und Schimmel und Bakterien. Grundsätzlich
anschließend, wenn keine andere Ober- gilt, je dichter der Stein und je geringer
flächenbearbeitung gewünscht wird, in sein Porenraum, desto weniger Wasser
den automatisierten Fertigungsstraßen oder Dampf kann eindringen und umso
geschliffen bzw. poliert und auf die ent- geeigneter ist er für den Einsatz im Bad. 3b
sprechende Größe gesägt. Bei dünneren Unter den Graniten empfehlen sich der
Natursteinplatten unter 1 cm spricht man Padang Hell und der Bianco Cristall
von Natursteinfliesen. Diese können auch beispielsweise ohne Schutzbehandlung
aufgrund ihrer hohen Maßhaltigkeit selbst nicht für den Einsatz in Nassbereichen,
dann verlegt werden, wenn ursprünglich während Balmoral und Rosa Beta als
ein anderer Bodenbelag wie z. B. Laminat sehr geeignet und unempfindlich gelten.
vorgesehen war oder es an Aufbauhöhe Eine Oberflächenpflege kann durch
mangelt, was oft bei Renovierungsarbei- einen Farbvertiefer oder eine Imprä-
ten der Fall ist. Hier ist die Verlegung von gnierung vorgenommen werden. Diese
Natursteinfliesen im Dünnbett schnell, heben die natürliche Farbigkeit des
preiswert und mit nur geringem Einsatz Steins hervor und erzeugen einen leicht
von Wasser möglich. Natursteinfliesen glänzenden Nasseffekt. Eine vergleich-
sind auch unter Brandschutzaspekten barer Effekt kann zu Demonstrations-
ein sinnvoller Bodenbelag. zwecken vor der Anwendung mit dem
Naturstein wird grundsätzlich als kühl Überwischen eines feuchten Schwamms
empfunden, da die Steine Wärme nur simuliert werden. Einen Schutz des 4

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5 verschiedene manuelle und maschinelle Ober-


flächenbehandlungen von Naturwerksteinen:
• grobe Bearbeitungsmethoden:
a naturraue Spaltflächen, z. B. Solnhofener Platte
Die in Schichten entstandenen Gesteine las-
sen sich mit Steinspaltwerkzeugen in Schich-
ten mit spaltrauen Oberflächen spalten. Schief-
rige Gesteine wie Alta Quarzit oder die Soln-
hofener Platte werden häufig so verarbeitet.
b Spitzen: z. B. Kalkstein (grob gespitzt):
Die Steinoberfläche wird mit einem spitz zu-
laufenden Hammer bearbeitet und je nach Art
der Hiebe grob oder fein abgesprengt, die
Fläche ist hierbei vollständig zu bearbeiten.
c Scharrieren, z. B. Kalkstein: 5a b c d
Hierbei wird die Oberfläche mit dem soge-
nannten Scharriereisen bearbeitet und parallel
laufende Rillen in den Stein geschlagen. So
Steins, ohne die Farbigkeit und den Bauherren. Grobe Bearbeitungsmethoden
lässt sich die Oberfläche aufrauen und eine Glanzgrad zu verändern, bieten Imprä- (Stocken, Spitzen, Scharrieren, Beflam-
Einstellung der Rutschfestigkeit ist möglich. gnierungen der Oberfläche. Sie sind men) oder naturraue Spaltflächen kom-
d Stocken, z. B. Kalkstein:
Die Oberfläche des Natursteins wird mit einem optisch nicht wahrnehmbar, dringen in men zur Anwendung, wenn aus ästhe-
Stockhammer, einem Fleischklopfer ähnlichem die Poren des Steins ein und bewirken tischen Gründen eine besondere Ober-
Werkzeug, bearbeitet. Die Größe der pyrami-
denförmigen Zähne bestimmt den Grad der
einen Abperleffekt. fläche gewünscht wird oder wenn es
Rauigkeit. So bezeichnet man z. B. matte und Im Gegensatz zu Hartgesteinen lassen darum geht, die Rutschfestigkeit zu erhö-
raue Oberflächen, die mit Zahngrößen von sich bereits verlegte und polierte Platten hen. Für rutschfeste Bodenfliesen wird oft
3 mm gestockt werden, als feingestockt. Auf
Bodenbelägen lässt sich so die Rutschfestig- aus Kalkstein oder Marmor (Karbonate) eine mittels Hitzebehandlung des Steins
keit herstellen. durch Kristallisation rutschfester machen. beflammte Oberfläche erzeugt. Mit dem
e Diamantsägen, z. B. Kalkstein:
Diamantbestückte Sägeblätter erzeugen
Dabei wird die Oberfläche zunächst Abplatzen der obersten Schicht entsteht
eine relativ feine Schnittoberfläche, Spuren grundgereinigt, mit Stahlwolle aufgeraut eine raue, unebene Struktur. Ebenso kann
des Sägevorgangs bleiben ablesbar. und nach Auftragen einer Emulsion wie- die Oberfläche mit einem sogenannten
f Beflammen, z. B. Granit:
Extrem heiße Temperaturen aus dem Brenn- der auf Hochglanz poliert. Durch dieses Stockhammer mit pyramidenförmigen
strahlgerät zerstören beim Beflammen das Verfahren findet im Stein eine Reaktion Zähnen bearbeitet und in verschiedenen
oberflächliche Gefüge eines kristallinen Steins.
Für diese Oberflächenbearbeitung eignen
statt, die den Steinboden wesentlich Graden aufgeraut werden.
sich nur quarzhaltige Gesteinsarten. Auch härtet, jedoch unversiegelt und atmungs-
muss die Steinplatte ausreichend dick sein. aktiv belässt. Kunststein
g Sandstrahlen, z. B. Granit:
Sandstrahlen eignet sich zum Erzeugen von Als Kunststein werden die Steine bezeich-
rauen Oberflächen. Je nach Strahlmittel und Oberflächenbehandlung von Natursteinen net, bei denen es sich nicht um Natur-
Austrittsgeschwindigkeit der Partikel entste-
hen verschieden raue Oberflächen.
Die nach dem Abbau bruch- oder spalt- steine, sondern künstlich bzw. industriell
rauen Oberflächen von Natursteinen hergestellte handelt. Sie werden nach der
• feine Bearbeitungsmethoden: lassen sich vielfältig verändern und mit Art ihrer Zusammensetzung in Mineral-
h Schleifen, z. B. Granit:
Farbe und Textur eines Steins sind durch fein diamantbesetzten Werkzeugen bearbei- werkstoffe, Quarzwerkstoffe und zement-
geschliffene Oberflächen deutlich ablesbar. ten. Je nach Einsatzort an Wand oder gebundene Werkstoffe eingeteilt. Kunst-
Die Korngröße ist zwischen C 30 (grob) und
C 500 (fein) wählbar. Sehr fein geschliffene
Boden können gezielte Oberflächen- steine finden seit ca. 1900 Verwendung in
Oberflächen sind gut zu reinigen, aber auch behandlungen unterschiedlichen Ansprü- der Bauindustrie, doch erst in den letzten
glatt und daher nicht rutschhemmend und als chen an Gebrauch und Optik gerecht 50 Jahren wurden ihre technischen
Fußbodenbelag besonders in Nass- und Bar-
fußbereichen nicht geeignet. werden. Die Glätte der Oberfläche ist Eigenschaften so weiterentwickelt, dass
i Polieren, z. B. Granit: für die Rutschfestigkeit (Abb. 1, S. 62). man sie heute als High-tech-Materialien
Eine Politur (mittels Polierpulver) bewirkt eine
Farbvertiefung und bestimmt den Glanzgrad
verantwortlich. Dabei gilt: je feiner der bezeichnen kann. Kunststeine haben im
der Natursteinoberfläche. Stark frequentierte Schliff, desto geringer die Reibung und Gegensatz zu Natursteinen eine riesige
Fußböden werden oft nur geschliffen und desto größer besteht die Gefahr des Aus- Farbpalette sowie Farbgenauigkeit und
nicht poliert, zum einen wegen der Rutsch-
gefahr, zum anderen würde sich die Politur rutschens. Die Oberflächenbehandlung sind reproduzierbar.
schnell abnutzen und die Oberfläche wäre von Natursteinen lässt sich in grobe und Den Mineralwerkstoffen kommt auch bei
nur aufwendig zu warten. Stark poröse Natur-
steine (Travertine, einige Sandsteine) lassen
feine Bearbeitungstechniken unterteilen der Gestaltung von privaten Bädern und
sich wegen der geringen Kornbindung nur (Abb. 5). Aufgrund von Reinigungsas- öffentlich Sanitäranlagen eine besondere
schwer oder gar nicht polieren. pekten (je grober die Oberfläche, desto Bedeutung zu. Sie werden vielen Ansprü-
j chemisches Ätzen, z. B. Marmor:
Durch chemische Anätzung mit Säuren kann schlechter lässt sie sich reinigen) wird chen gerecht, da sie auf der einen Seite
auch bei der feinen Bearbeitung und relativ heutzutage für die Bearbeitung der Natur- die positiven Eigenschaften aus Poren-
glatter Oberfläche eine Rutschfestigkeit von
R 9 erreicht werden. Die Säuren sind giftig und steinoberflächen in Bädern und sanitären freiheit und Wasserresistenz vereinen
reagieren mit Natursteinen unterschiedlich. Anlagen fast ausschließlich die feine und gleichzeitig eine gestalterische Frei-
Sie können z. B. zu Verfärbungen führen. Bearbeitungstechnik (Schliff/Politur, heit aufgrund ihrer Materialeigenschaften
6 Badezimmerwaschtischelement aus acrylgebun-
denem Mineralwerkstoff, Bürogebäude in Ham- chemisches Ätzen) eingesetzt. Die glat- zulassen. Mineralwerkstoffe können
burg (D) 2010, Richard Meier + Partners teren, pflegeleichteren Oberflächen ent- nahezu fugenfrei verklebt werden, sind
7 Badezimmer aus acrylgebundem Mineralwerk-
stoff, Hotel in Madrid (E) 2005, Zaha Hadid sprechen meist mehr den ästhetischen bei kontrollierter Temperatur verformbar
(siehe Projektbeispiel S. 103) Gestaltungswünschen der Planer und und mit Holzwerkzeugen bearbeitbar.
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e f g h i j

Quarzwerkstoffe Wesentlich ist ihre sehr strapazierfähige, allerdings besonders bei der Planung
Quarzwerkstoffe zeichnen sich durch porenlose, homogene und dadurch hochbeanspruchter und stark frequen-
einen hohen Anteil an natürliches Mine- besonders hygienische und pflegeleichte tierter öffentlicher Sanitäreinrichtungen zu
ralien aus. Sie bestehen zu ca. 90 % aus Oberfläche, die ein mikrobisches Wachs- berücksichtigen, dass das Material längst
natürlichem Quarzmehl und werden mit tum nicht zulässt. Wasser oder Wasser- nicht so hart ist wie ein Naturstein oder
Harz, vorwiegend Polyester, aber auch dampf kann nicht aufgenommen werden, ein Quarzwerkstoff. Weniger tiefe Kratzer
Epoxidharz oder Acryl, gebunden. Die naht- und fugenlose Verklebungen sind in der Oberfläche, die sich im Alltag meist
Beimischung von Farbpigmenten, teil- möglich. Außerdem bietet der Werkstoff – nicht vermeiden lassen, können zwar mit
weise auch zusätzlich von Effektpartikeln und dabei besonders die acrylharzgebun- geeigneten Schwämmen oder Schleif-
wie Glas oder Glitzerkristallen, bestimmt denen Mineralwerkstoffe – die Möglich- werkzeugen recht leicht entfernt werden,
das Erscheinungsbild der Quarzstoffe. keit der mechanischen Verarbeitung mit allerdings verändert sich dabei unter
Die Herstellung erfolgt im Ofen. Die Holzwerkzeugen und eine thermisch drei- Umständen der Glanzgrad der Oberflä-
Masse wird in eine ausgekleidete Form dimensionale Verformbarkeit sowie Gieß- che, sodass eine Behandlung der ganzen
gegossen und verdichtet. Durch Erhit- fähigkeit. Außerdem sind sie, abhängig Einheit erforderlich werden kann. Als
zung polymerisiert die Masse und kann von Farbe und Stärke, hinterleuchtbar. Bodenbelag ist ein Mineralwerkstoff nur
nach dem Abkühlen wie ein Naturstein Mineralwerkstoffe werden nicht nur als dann zu empfehlen, wenn er nicht mit
bearbeitet werden. Quarzwerkstoffe sind Plattenware verwendet. Im Sanitärbereich Straßenschuhen betreten wird. Harte Par-
sehr hart, kratzfest, pflegeleicht, porenlos ist es aufgrund ihrer Materialeigenschaf- tikel wie kleine Steinchen, die unter Druck
und dadurch sehr hygienisch, resistent ten möglich, ganzheitliche und konse- und Reibung eingebracht werden, führen
gegen Wasser und Feuchtigkeit und bis quente Gestaltungskonzepte und Raum- zu unschönen und deutlich sichtbaren
ca. 160 °C hitzebeständig. lösungen mit Objektkörpern wie Wannen- Kratzspuren.
Dusch-Kombinationen, vorgefertigten
Mineralwerkstoffe Nasszellen, Raumobjekten oder auch Ein- Estriche, zementgebundene Werkstoffe
Mineralwerkstoffe – auch als »Solid Sur- zelwaschbecken aus Mineralwerkstoffen Estriche sind Mörtelschichten, die übli-
face« bezeichnet – wurden in den 1960er- umzusetzen (Abb. 6 und 7). Der Architekt cherweise als Unterböden einen weiteren
Jahren entwickelt und haben eine ange- muss nicht mehr in einzelnen Objekten für Bodenbelag aufnehmen, können aber
nehme, haptisch warme und samtige Waschtisch und Badewanne denken, die auch ohne weiteren Belag, jedoch mit
Oberfläche. Mineralwerkstoffe bestehen häufig zu Standardlösungen führen, son- entsprechender Versiegelung und/oder
zu ca. 65 – 75 % aus natürlichen Mine- dern kann homogene, individualisierte Beschichtung als Fußboden genutzt wer-
ralien und werden mit Acryl- oder Poly- Badlandschaften aus einem Guss planen. den (Abb. 8, S. 66). Estriche werden nach
esterharz – die Zusammensetzung ist Beim Einsatz von Mineralwerkstoffen ist ihren Bindemitteln in Zementestrich (CT),
herstellerabhängig – sowie Farbpig-
menten zu einem Verbundwerkstoff ver-
arbeitet. Dementsprechend sind sie in
acrylgebunde und polyestergebundene
Mineralwerkstoffe eingeteilt. Vorteil der
acrylgebundenen Mineralwerkstoffe ist
ihre bessere Verformbarkeit. Außerdem
bewirkt das Acrylharz eine Lichtechtheit
des Materials, während bei polyester-
gebundenen Mineralwerkstoffen UV-
Stabilisatoren hinzugegeben werden.
Mineralwerkstoffe sind weniger hart und
kratzfest als Quarzwerkstoffe, dafür je-
doch leichter und bieten aufgrund ihrer
Materialeigenschaften deutlich mehr
Gestaltungsmöglichkeiten (Abb. 7). 6 7

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8 gespachtelter Zementboden mit Epoxidversiege-


lung im Badezimmer, Köln (D) 2012, ultramarin
mit Ivo Beucker
9 Wand in Dusche, mit Spachtelmasse auf Kunst-
harzbasis bearbeitet, Spa in Kortrijk (B) 2011,
R U I M architectuur
10 großformatige und unglasierte keramische Boden-
und Wandfliesen mit geflammter Oberfläche
11 großformatige Fliesen aus Feinsteinzeug in Dusch-
nische (Wand: 60 ≈ 120 cm, Boden: 90 ≈ 90 cm),
Wohnhaus Bochum (D) 2011, Steinrücke FSB
12 Mosaikfliesen in einem Privatbad, Wohnhaus in
Binningen (CH) 2009, Buchner Bründler Archi-
tekten
13 spielerischer Umgang mit Fugen: Die dünnen
Linien auf den Fliesen besitzen die gleiche Stär-
ke wie die Fugen. Beide spannen eine Netzstruk-
tur über die gefliesten Flächen. Einfamilienhaus
in Sollentuna (S) 2013, Claesson Koivisto Rune
Architects (siehe Projektbeispiel, S. 108f.) 8 9

Gussasphaltestrich (AS), Kunstharzestrich Keramische Fliesen bestehen hauptsäch- aufnahme von mehr als 10 % auf und ist
(SR), Kalziumsulfatestrich (CA) oder lich aus Ton sowie mineralischen Zuschlag- nicht frostbeständig und relativ porös. Es
Magnesiaestrich (MA) unterschieden. stoffen wie Quarz, Kaolin und Feldspat. erfordert eine Glasur.
Zementestriche sind hinsichtlich ihrer Je nach Anwendung werden u. a. auch Steinzeug hingegen wird bei 1150 –1300 °C
Rutschfestigkeit je nach ihrer Oberflächen- Kalzit, Dolomite, Flussspat oder Scha- gebrannt, hat eine Wasseraufnahme von
behandlung in die Bewertungsklasse R 9 motte beigemischt. Sie zeichnen sich unter 3 % und ist damit frostbeständig.
(mit Flügelglätter) bis R 13 (Besenstrich) durch ihre Härte und Unempfindlichkeit Aufgrund seiner ausreichenden Dichte
einzustufen (siehe Rutschfestigkeit, S. 61). aus. Bei den keramischen Fliesen unter- kann es durchgefärbt werden, eine Gla-
Sie zeichnen sich durch eine hohe Festig- scheidet man in Steingut, Steinzeug und sur ist nicht notwendig. Das Durchfärben
keit, einen hohen Verschleißwiderstand Feinsteinzeug. Je feiner und weniger hat den Vorteil, dass Beschädigungen an
sowie gute Griffigkeit aus und vertragen porös die Keramik ist, desto höher ist der Oberfläche weniger auffallen als bei
hohe und tiefe Temperaturen gleicherma- die Dichte und desto besser die mecha- glasierten Steingutfliesen.
ßen gut. Zementestriche sind unempfind- nische Festigkeit. Feinsteinzeug weist nach dem Brennen
lich gegenüber Feuchtigkeit. Steingut weist nach dem Brennen seiner seiner Scherben bei 1200 –1300 °C eine
Unter Natursteinen und keramischen Belä- Scherben bei 950 –1150 °C eine Wasser- sehr geringe Wasseraufnahme von unter
gen beträgt die Mindestdicke des Estrichs
auf einer Dämmschicht grundsätzlich
45 mm. Estriche dieser Art sind mit einem
»S« für schwimmend gekennzeichnet,
wenn sie als Heizestrich verwendet wer-
den, mit einem »H«. Zementestriche kön-
nen durch Zugabe von Farbpigmenten
durchgefärbt werden. Anschließend ist es
möglich, Farbe und Form der ausgewähl-
ten Gesteinskörnungen durch Abschleifen
des oberflächigen Zementsteins freizule-
gen. So hergestellte Böden ähneln den
wesentlich teureren Terrazzoböden. Bei
geschliffenen Estrichen ist eine Oberflä-
chenbehandlung in Form von Versiege-
lungen oder Imprägnierungen, z. B. durch
Epoxidharze empfehlenswert. Um einer
Rissbildung vorzubeugen, sind ab Feld-
längen von ca. 8 ≈ 5 m Dehn-, Rand- und
Schwindfugen im Estrich vorzusehen.

Keramische Fliesen
In privaten Bädern und Hotels geht der
Trend bei den keramischen Fliesen hin
zu immer größeren Formaten (Abb. 10).
Die weiße Fliese mit Standardmaßen von
15 ≈ 15 cm findet man hier im Gegensatz
zu öffentlichen Sanitäranlagen kaum noch,
wo dieses Standardprodukt aufgrund sei-
nes günstigen Preises, vermeidlicher Zeit-
losigkeit, einfacher Verlegung und Bear-
beitbarkeit nach wie vor akzeptiert wird. 10
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0,5 % auf und ist frostbeständig. Wegen Abhängig von Imprägnierung und
der extrem niedrigen Porosität, der Behandlung sind Fugen meist weniger
hohen Bruchfestigkeit und der guten hart und porenfrei als die häufig im Bad
Verschleißeigenschaften wird Feinstein- verwendeten Beläge und damit empfind-
zeug häufig in öffentlichen und stark licher gegen Verschmutzung und Flüssig-
beanspruchten Bereichen eingesetzt. keitsaufnahme. Ein großer Fugenanteil
Durch entsprechende Oberflächenstruk- kann somit zu einem erhöhten Wartungs-
turen lässt sich eine hohe Rutschsicher- aufwand führen. Besonders in öffentli-
heit bis zu R 13, V 4 erreichen. Feinstein- chen Sanitäranlagen ist darauf zu achten,
zeugfliesen werden bis zu Größen von das richtige Fugenmaterial (v. a. Epoxid-
1,20 ≈ 1,20 m hergestellt, teilweise sogar harz, da es widerstandfähig und ver-
darüber hinaus (Abb. 11). Neben den schleißfest bei der Reinigung ist) zu ver-
großformatigen Fliesen kommen häufig wenden bzw. einen großen Fugenanteil
auch sehr kleine, sogenannte Fliesen- zu vermeiden, ansonsten kann es bei-
mosaike, zum Einsatz (Abb. 12). Als Flie- spielsweise zu einer Geruchsbelästigung 11
senmosaik werden Fliesen von 1 ≈ 1 cm, durch Urin in porösen Fugen kommen.
2 ≈ 2 cm über 5 ≈ 5 cm (Mittelmosaik)
bis zu einer Größe von 10 ≈ 10 cm Holz und Holzwerkstoffe
bezeichnet. Fliesenmosaike eignen sich Holz besteht aus 40 – 50 % Zellulose,
besonders, wenn Rundungen im Raum 20 – 30 % Halbzellulose, 20 – 30 % des
gefliest werden sollen. Kleine Fliesen- Holzstoffs Lignin sowie aus bis zu 10 %
mosaike sind als Fliesenmatten lieferbar Extrastoffen wie Asche. Die Verwendung
und lassen sich beim Verlegen wie ein von Holz sorgt für eine warme wohnliche
Textil auf die Rundung legen. Atmosphäre im Raum und unterstützt bei
Alle Fliesenmaße (Nennmaße) beziehen der Umsetzung guter gestalterischer
sich auf Achse Fuge bis Achse Fuge. Konzepte das Behaglichkeitsempfinden
Eine Fliese von 10 ≈ 10 cm ist also sowie den Wellnesscharakter des Bads
bei einer 3 mm Fuge tatsächlich ca. (Abb. 15, S. 68). Holz hat die Eigenschaft,
9,7 ≈ 9,7 cm groß, umlaufend wird eine Luftfeuchtigkeit aufzunehmen und wieder
halbe Fuge hinzugerechnet. abzugeben und kann so das Raumklima
regulieren. Durch seine Porigkeit verfügt 12
Fugen und Fugenmaterial Holz über gute Dämmeigenschaften und
Fugen verbinden die einzelnen Fliesen eine angenehme Oberflächentemperatur.
kraftschlüssig und gleichen deren Grö- Dichte und Festigkeit sowie Farbigkeit
ßentoleranzen aus. Aus hygienischer und Maserung sind von der Baumart
Sicht sind Fugen wichtig, da sie eine abhängig. Nadelbäume wie Douglasie,
geschlossene und relativ dichte Fläche Fichte, Kiefer oder Lärche wachsen
zwischen den Fliesen ausbilden. Je nach schneller als Laubbäume wie z. B. Ahorn,
Anforderung unterscheidet man z. B. Buche, Eiche und Teak und sind darum
zwischen Zement-, Flex-, Epoxidharz- kostengünstiger.
und Schnellfuge. Die Fugenbreite lässt Neben den Vollholzprodukten werden
sich in Abhängigkeit von der Fliese und seit über 50 Jahren auch Holzwerkstoffe
der gewünschten Ästhetik variieren, Farb- entwickelt. Sie bestehen aus zerkleinerten
pigmente können beigemischt werden, Holzbestandteilen, die mit mineralischen
um die Fuge an die Fliesenfarbe anzu- Bindemitteln oder Klebstoffen zu Platten
passen oder einen bewussten Kontrast verarbeitet werden. Zu den bekanntesten
zu erzielen (Abb. 13). Holzwerkstoffen gehören die Mehrschicht- 13
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14 Waschtisch aus Beton, Kunstmuseum Ravens-


burg (D) 2012, Lederer Ragnarsdóttir Oei
15 Das komplette Badezimmer ist aus Nutzbaum-
holz bzw. -furnier gefertigt, Unterlandstättner
Architekten; München (D) 2009
16 Waschtisch aus Messing, Club im Unterge-
schoss eines Hotels in Berlin (D) 2010, Studio
Karhard
17 vorgehängte Wandpaneele und Waschtisch aus
HPL-Vollkernplatten; Umbau einer Dachgeschoss-
wohnung in Berlin (D) 2012, Thomas Bendel
18 Duschabtrennung aus gefärbtem Glas: Hotel in
Schanghai (CHN) 2010, Neri & Hu Design and
Research Office
19 WC-Trennwände und -Türen aus geätztem Glas,
das zusätzlich mit kratzfester, hellgrüner Sieb-
druckbeschichtung versehen wurde. Konzert-
14 haus Berlin (D) 2009, Beer Architekten

platte, das Furnierschichtholz, das Bau- freies Wasser an, was einen Pilzbefall zur Beton
Furniersperrholz (ab 12 mm Stärke auch Folge haben kann, der zur Zersetzung Beton besteht aus Zement (Kalkstein
Multiplex genannt), die Spanplatte, die des Holzes führt. und Ton). Er wird mit Sand oder Kies
OSB-Platte (Oriented Strand Board) sowie Als geölter Fußbodenbelag ist Holz als und Wasser vermischt. Waschtische und
die mitteldichte Faserplatte MDF. Material nur dort zu empfehlen, wo es Möbel aus Beton sind längst keine Selten-
Aufgrund seiner feuchtigkeitsregulieren- nicht permanenter Durchfeuchtung aus- heit mehr. Sein hohes Gewicht lässt sich
den Fähigkeiten ist der Einsatz von Holz gesetzt wird. Im Barfußbereich muss durch den Einsatz von leichten Kernen
sowohl in privaten sowie öffentlichen auf eine regelmäßige Pflege geachtet reduzieren. Vor allem in Kombination mit
Bad- und Sanitärbereichen möglich, werden. Bei Badmöbeln ist zu bedenken, warmen Materialien wie Holz sind Beton-
solange auf die richtige Ausführung des dass Lacke als alleiniger Schutz des objekte wegen ihrer samtigen Oberfläche
Holzschutzes geachtet wird. Holzschutz- Holzes das Risiko von kleinen Rissen und der archaischen Ästhetik sehr beson-
mittel dringen tief in das Holz ein und beinhalten, in die Feuchtigkeit eindringen ders, aber immer auch eine Frage des
schützen es vor übermäßiger Feuchte. und so das Holz zum Quellen bringen Geschmacks. Unbehandelter Beton ist
Andernfalls fällt bei einer Holzfeuchte kann. Die Folge können Abplatzungen in wegen seiner zwar glatten aber offenpori-
von mehr als 20 % in den Zellhohlräumen der Lackschicht sein. gen Oberfläche empfindlich gegenüber
Schmutz und Feuchtigkeit – und er lässt
sich schwer reinigen. Die Betonober-
fläche wird darum im Objektbau meist
imprägniert, zumindest geölt, gewachst
oder lackiert (Abb. 14). Geölte und
gewachste Betonoberflächen sind zwar
weniger empfindlich als ungeölte, aber
dennoch längst nicht so strapazierfähig
wie Oberflächen aus Stein oder Keramik.
Die Beschichtung muss häufig erneuert
werden und eignet sich nicht für den Ein-
satz im Bad. Daher ist hier eine dauer-
hafte Versiegelung empfehlenswert, um
Flecken durch Pflegeprodukte etc. zu
vermeiden. Dann allerdings – auch hier
gehen die Meinungen auseinander –
verliert der Beton seine natürliche und
charakteristische Materialästhetik.

Metall
Metalle weisen folgende vier charakteris-
tische Eigenschaften auf: hohe elektri-
sche Leitfähigkeit, hohe Wärmeleitfähig-
keit, Verformbarkeit und metallischen
Glanz. Metalle werden nach der Dichte
in Schwer- und Leichtmetalle sowie nach
ihrer Reaktivität in Edelmetalle und unedle
Metalle unterteilt. Im Bauwesen gehören
Eisen, Aluminium und Kupfer zu den
wichtigsten Metallen. Sie werden durch
verschiedene vorbereitende Prozesse in
15 ihre Oxide überführt und dann im Hoch-
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Material in Bad- und Sanitärbereichen

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ofen reduziert. Metalle, die für den Kon- Transparenz der Intimsphäre individuell Kunststoffe
takt mit Wasser und Feuchtigkeit vorgese- anzupassen, können die Gläser oft mittels Kunststoffe haben meist eine geringe Roh-
hen sind (z. B. Leitungen, Armaturen, WC- elektrischer Spannung, einem Vorhang dichte, eine geringe Wärmeleitfähigkeit,
Trennwände, Waschbecken) müssen kor- oder beweglichen Lamellen blickdicht sind beständig gegenüber Wasser, robust
rosionsbeständig sein (Abb. 16). Kupfer, geschaltet werden. Abhängig vom gestal- und langlebig und verfügen über eine
Aluminium, Blei, Zink und Edelstahl bilden terischen Konzept sind Gläser als Dusch- widerstandsfähige und pflegeleichte
an ihrer Oberfläche Schutzschichten, die abtrennung oder Spritzschutz gerne auch Oberfläche, eine nachträgliche Kanten-
das Fortschreiten der Korrosion verhin- rahmenlos ausgeführt. Der Blick wird so oder Oberflächenbehandlung ist meist
dern. Metalle, die einen Chromanteil von nicht von sichtbaren Profilen gestört, was nicht nötig. Das homogene Material lässt
mehr als 10,5 % aufweisen, bezeichnet sich positiv auf einen großzügigen Raum- sich präzise bearbeiten, kann allerdings
man als korrosionsfreie Stähle. In öffentli- eindruck auswirkt. Außerdem lassen sich je nach Zusammensetzung auch spröde
chen sanitären Anlagen finden vor allem profillose Gläser besser reinigen und war- sein. In Bezug auf den Einsatzort ist bei
WC-Trennwände aus Metallpaneelen Ver- ten, da weniger Silikonabdichtungen not- der Auswahl auch auf die Lichtechtheit
wendung. Sie sind sehr stabil und was- wendig sind. Aus Sichtschutzgründen ist der Kunststoffe zu achten.
serdicht, ihre Oberfläche wirkt aber eher es möglich, Gläser durch eine geeignete Zu den häufig im Bad verwendeten Kunst-
kühl und klinisch. Oberflächenbehandlung (z. B. Schliff oder stoffplatten gehören die sogenannten
Siebdruck, in Teilbereichen oder ganz so Laminate, die aus zwei oder mehreren
Glas zu bearbeiten, dass zwar kein Durchblick, flächig miteinander verklebten Schichten
Glas ist ein amorpher Festkörper, der aus jedoch eine Lichtdurchlässigkeit gegeben hergestellt wird. Diese Schichten können
anorganischen Elementen besteht. Das ist. Auch in öffentlichen Sanitärbereichen aus gleichen oder unterschiedlichen
sogenannte Normalglas, das im Bauwe- kommen Gläser wegen ihrer Härte, ihrer Materialien sein. Häufig werden Bad-
sen verwendet wird, enthält 75 % Silizium- hygienischen Eigenschaft und ihrer Dich- möbel oder Ablageflächen aus Hoch-
oxid, 13 % Natriumoxid und 12 % Kalzium- tigkeit gegenüber Feuchtigkeit zum Ein- druckschichtstoffplatten (High Pressure
oxid. Glas ist verschleißfest, hart, besitzt satz (Abb. 19). Im Gegensatz zu Fliesen Laminate), sogenannten HPL-Platten
eine hohe Druckfestigkeit und ist transpa- weisen sie weniger Fugen auf, was für gefertigt. Sie bestehen aus mehreren, mit
rent. Die Transparenz macht den Baustoff die Reinigung und Wartung von Vorteil Harz imprägnierten Papierbahnen, die
zu einem ganz besonderen Material, trotz ist. Die Vielzahl realisierbarer Oberflächen- unter Hitze sowie hohem Druck zwischen
der festen und harten Oberfläche ist es behandlungen wie Folierung oder Sieb- strukturgebenden Stahlblechen zu einer
blick- und lichtdurchlässig. druck ermöglichen auf einfachem Weg homogenen Platte verpresst werden
Das im Bauwesen am meisten verwendete individuelle und günstige Gestaltungs- (Abb. 17). HPL-Platten sind extrem witte-
Glas ist das Floatglas. Seine zwischen möglichkeiten. rungsbeständig und nehmen kein Wasser
1,5 und 12 mm dicken Scheiben können
unterschiedlich veredelt werden. Durch
thermische Behandlung entsteht das
Einscheibensicherheitsglas (ESG), das
im Gegensatz zu Floatglas nur in kleine
stumpfe Teile zerspringt, wenn es bricht.
Verbundsicherheitsglas (VSG) erhält man
durch Verkleben von zwei bis sechs Schei-
ben mit einer transparenten Folie, an der
im Bruchfall die Splitter haften bleiben.
In privaten Bädern kommen Glasschei-
ben als Raumteiler, als Spritzschutz oder
Duschabtrennungen zum Einsatz. Beson-
ders in Hotels bilden Raumteiler aus Glas
oft den Abschluss des Bads zum Wohn-
oder Schlafbereich (Abb. 18). Um die 18 19

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20 Boden und Wand sind mit einheitlichen Materia-


lien gestaltet, Sanitärraume für Künstler, Probe-
halle eines Konzertveranstalters, Berlin (D) 2011,
Studio Karhardt
a helle Ausführungsvariante
b dunkle Ausführungsvariante
21 offener Duschbereich mit eingebautem Rainfall-
Duschkopf, Fliesen an Wand und Boden beste-
hen aus Feinsteinzeug, Loftwohnung in Berlin
(D) 2011, scarchitekten
22 Materialeigenschaften verschiedener Werkstoffe
im Vergleich; die Angaben (inbesondere Platten-
größen und Materialstärke) variieren je nach
Hersteller, sie dienen der Orientierung und sind
zusätzlich abhängig von Güteklassen, Zuschlag-
20a b stoffen, Materialstärke etc.

auf. Auch große oder schnelle Tempera- Materialien lassen einen Raum größer eine sehr schlechte Rutschfestigkeit
turschwankungen im Bereich zwischen und freundlicher erscheinen, dunkle aufweisen. Bei der Verwendung von
-20 °C und + 80 °C haben keinen negati- Materialien »schlucken« das Licht und Fliesen ist auf Fugenbild und -farbe
ven Einfluss auf Funktion, Stabilität oder bleiben auch dann dunkel, wenn ausrei- zu achten. An die Fliesen angepasste
das Erscheinungsbild der Platte. Für chend viele Lichtquellen vorhanden sind Fugenfarben bilden eine homogenere
einen Zeitraum von mindestens zehn (Abb. 20). Besonders in öffentlichen Sani- Fläche als kontrastierende Farben und
Jahren treten keine nennenswerten täranlagen fördern helle Oberflächen erzeugen, ebenso wie großformatige Flie-
Farbveränderungen auf. einen sauberen Eindruck. Grundsätzlich sen, einen ruhigeren und großzügigeren
sind harte und glatte, wenig poröse oder Raumeindruck. Geschnittene Fliesen
Allgemeine Gestaltungsprinzipien gar porenlose Materialien aus hygieni- lassen sich je nach Fliesengröße meist
Bei der Materialauswahl bestimmen scher Sicht und hinsichtlich einer ein- nicht ganz vermeiden. Ein sogenannter
die Nutzungsanforderungen sowie die fachen Reinigung zu bevorzugen. Be- Fliesenspiegel sollte ab einer Fliesen-
gewünschte Architektursprache bzw. züglich des Bodenbelags muss jedoch größe von ca. 10 ≈ 10 cm vorgeben, wie
Raumästhetik über die Eigenschaften, berücksichtigt werden, dass Materialien die Fliesen zu verlegen sind (Startpunkt)
die das Material aufweisen sollte. Helle mit diesen Eigenschaften gleichzeitig und wo sie geschnitten werden dürfen,
auch die Armaturen sollten in Bezug zu
Fliese und Fuge stehen. Bei geschnitte-
nen Fliesen ist darauf zu achten, dass sie
nicht kleiner als zwei Drittel der Original-
größe sind. Mosaikfliesen werden auf
Matten geliefert, für sie ist kein Fliesen-
spiegel erforderlich. Allerdings muss der
hohe Fugenanteil berücksichtigt werden,
denn je kleiner die Fliese, desto größer ist
der Fugenanteil auf der Fläche. Während
man früher in privaten Bädern und beson-
ders in öffentlichen Sanitäranlagen oftmals
alle Wand- und Bodenflächen gefliest hat,
werden diese Flächen heute zugunsten
einer angenehmeren Raumästhetik redu-
ziert (z. B. nur zargenhohe Verlegung)
und Fliesen meist nur an Wänden verlegt,
an denen ein Sanitärobjekt installiert ist.
Neben der Farbigkeit und Linienführung
im Raum (Fugen, Stöße, Materialwechsel)
wird die Raumatmosphäre auch stark von
der Wärme des Materials geprägt. Ober-
flächen mit samtiger Haptik aus Holz oder
Naturstein lassen sanitäre Anlagen warm
und wohnlich erscheinen, während Edel-
stahl- oder Glasoberflächen meist kühl
und klinisch wirken. Einheitliche Materia-
lien und konsequente Konzepte vermit-
teln einen ganzheitlichen Eindruck und
geben dem Raum einen eigenständigen
Charakter oder binden diesen in das
21 Gesamtkonzept der Umgebung ein.
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Material in Bad- und Sanitärbereichen

Material Wasser Rohdichte Dampf- Fliesen/ Dicke d Bearbeitung/ besondere


aufnah- [kg/m3] diffusions- Plattengröße [cm] Oberfläche Eigeschaften
me [%] wider- [cm]
standszahl
Naturstein meist unempfindlich, nicht brennbar,
antiallergisch, hart, widerstandsfähig
Granit 0,1 – 0,9 2600 – 2800 10 000 30,5 ≈ 30,5 1 breites Farbspektrum, besonders hart
61 ≈ 30,5 1
40 ≈ 40 1 grobe Bearbeitungs-
60 ≈ 40 1,2 methoden: Spalten,
45,7 ≈ 45,7 1,2 Spitzen, Scharrieren,
61 ≈ 61 1,5 Stocken, Diamant-
Kalkstein 0,1– 3 2600 – 2900 30 ≈ 30 0,7– 3 sägen, Beflammen, steinabhängig, nicht chemiebeständig,
45 ≈ 45, 60 ≈ 60 1,3 – 3 Sandstrahlen; nur eingeschränkt frostbeständig
Marmor 0,1– 3 2600 – 2900 10 000 30,5 ≈ 30,5 1,0 – 4,0 feine Bearbeitungs- relativ weich und polierfähig, meist nicht
61 ≈ 30,5 üblich methoden: Schleifen, wetterbeständig, meist spezielle Imprä-
40 ≈ 40; 60 ≈ 90 Polieren, Ätzen gnierungen notwendig, säureempfindlich,
90 ≈ 90; 120 ≈ 60 erhöhte Saugfähigkeit (abhängig von
200 ≈ 300 1) der Sorte)
Kunststein nahezu porenfrei, wasserresistent
Quarzwerkstoff ca. ca. – 30 ≈ 30, 60 ≈ 30 1,2; 2; 3 wie Natursteinbear- sehr hart, kratzfest, pflegeleicht, porenlos
0,04 – 0,2 2200 – 2500 60 ≈ 40, 40 ≈ 40 beitung (sehr hygienisch)
1)
60 ≈ 60, 327 ≈ 161
Mineral- acryl- nahezu ca. 1700 – 25,04 ≈ 80 0,3 wie Holzbearbeitung thermisch verformbar, lichtecht, unterstützt
werkstoff gebun- keine 37,58 ≈ 640 0,8 kein mikrobisches Wachstum, Lichtecht-
den 37,58 ≈ 800 1,2 heit > 6, optisch fugenlos
37,58 ≈ 100 1,9
76 ≈ 249 1) 0,6 1)
76 ≈ 366 1) 1,2 1)
(Fassadenplatten
größer erhältlich)
poly- nahezu ca. 1700 – wie acrylharzgebunder Mineral- wie Holzbearbeitung wie acrylharzgebunder Mineralwerkstoff,
ester- keine werkstoff aber weniger lichtbeständig und verformbar
gebun-
den
Estrich/zement- – 2000 15 – 35 Dehn-Rand- und 3,5 – 8 gegossen, geschliffen hohe Festigkeit, Verschleißwiderstand und
gebundene Schwindfugen nutzungs- oder als Fertigestrich Wärmespeicherkapazität, gute Griffigkeit,
Werkstoffe bei 500 ≈ 800 abhängig verlegt feuchtigkeitsunempfindlich
keramische Fliesen nicht brennbar
Steingut > 10 2000 – 2400 100 000 ähnlich Feinstein- 0,6 – 1 Farbgebung wegen hoher Porosität und Wasseraufnahme
zeug, aber weniger durch Glasur nur für Innenräume, nicht als Bodenfliese
1)
groß, ca. 30 ≈ 90 geeignet
Steinzeug <3 ca. 2000 120 000 wie Feinsteinzeug, 0,6 – 1 Farbgebung gute Eignung für Fußbodenheizung;
aber nicht so groß- durch Glasur glasiert und unglasiert verfügbar
formatig
Feinsteinzeug < 0,5 ca. 2000 ca. 120 000 2 ≈ 2, 5 ≈ 5, 10 ≈ 10, 0,9 – 1 Material durchgefärbt, gute Eignung für Fußbodenheizung
15 ≈ 15, 30 ≈ 60, Feinsteinzeug meist
60 ≈ 60, 60 ≈ 90, kalibriert
90 ≈ 90, 90 ≈ 120,
120 ≈ 240 1)
Holz 3 –18 reguliert Raumklima, gute Dämmeigenschaf-
ten, angenehme Oberflächentemperatur
Nadelholz Fichte 430 – 470 88 entsprechend der Verarbei- Weichholz: leicht verarbeitbar, weißgelbliche
tungs-/Einbauform: Diele, übliche Holzbear- Farbe, anfällig für Insektenbefall
Laubholz Eiche 650 – 760 140 Paneel, Stabparkett, Ablage- beitungsmethoden Hartholz: gelblich-braune Farbe,
fläche etc. (Sägen, Schleifen, beständiger gegenüber Insektenbefall
Bohren etc.)
OSB-Platte 600 – 660 50 –100 2620 ≈ 5000 0,6 – 4 gut geeignet als lastabtragende Bodenplatte
Glas keine 2490 nahezu Sandstrahlen, Ätzen, gefärbtes Glas, Sonnenschutz-, Wärme-
unendlich Siebdruck, Folierung schutz-, Schallschutzverglasungen
Floatglas keine 2490 nahezu 320 ≈ 600 0,15 – 1,2 Schneiden (Anritzen transparent, hart, verschleissfest,
unendlich der Oberfläche, dann hohe Druckfestigkeit (> 800 N/mm2)
Brechen)
ESG keine 2490 nahezu anforderungs- durch thermische zersplittert in kleine, stumpfe Teilchen
unendlich abhängig Behandlung vorge-
spanntes Glas
VSG keine 2490 nahezu anforderungs- durch vollflächiges Ver- Klebefolie verhindert Splittern; je nach
unendlich abhängig kleben von 2 – 6 Glas- Scheibenstärke z. B. tragende Ausbildungen
scheiben hergestellt oder durchschusssicheres Glas möglich
Metall keine diverse Formen: meist glänzend
Stahl keine 7800 Platten, Träger, Stäbe, Kassetten Warm- und Kaltverfor- wärmeleitend, Brennbarkeitsklasse 1
Aluminium keine 2700 – 2800 Strangpressprofile, Fassaden- mung; Verbindungen: Nichteisenmetall, paramagnetisch, geringes
nahezu
profile, Bleche, Beschläge, (Elektro)Schweißen, Gewicht
unendlich
Platten, Folien, Kassetten Löten), Falzen, Alumi-
nium auch klebbar
Kunststoff 900 – 2200 sehr witterungsbeständig, keine Wasser-
HPL keine 1400 365 ≈ 132 0,2 – 4,2 Sägen, Fräsen, Bohren aufnahme (Verbundmaterial ausgenommen)
22 1) Maximalwerte

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