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5 Ersatz geschädigten Betons

5.1 Allgemeines

Innerhalb dieses Kapitels werden die Baustoffe für den Ersatz geschädigten Betons hinsicht-
lich ihrer Zusammensetzung, Eigenschaften, Anwendungsbereiche und Verarbeitung am Bau-
teil beschreiben. Hierzu wird zunächst im Abschnitt 5.2 der Aufbau von Betonersatzsystemen
mit einer kurzen Gegenüberstellung der Materialien erläutert. Die Anwendungsbereiche und
Anforderungen an Betonersatzsystemen nach EN 1504-3 und Instandsetzungsrichtlinie des
DAfStb für Bauwerke und Bauteile aus Beton und Stahlbeton RL-SIB /DAfStb01/ werden
ebenfalls im Abschnitt 5.2 zusammengefasst.
Neben Betonen und/oder Mörteln beinhalten Betonersatzsysteme i. d. R. auch Haftbrücken
und Feinspachtel sowie einen Korrosionsschutz der Bewehrung. Diese Baustoffe werden in
den Abschnitten 5.7 und 5.8 erläutert. Das Kapitel schließt mit Hinweisen zur Schadensver-
meidung (Abschnitt 5.9) ab.

5.2 Überblick

5.2.1 Materialien eines Betonersatzsystems

Generell werden Instandsetzungsmörtel zum Ersatz von geschädigtem Beton eingesetzt. Zu-
sätzlich kann der Einsatz eines so genannten Korrosionsschutzes (Abschnitt 5.2.9), einer Haft-
brücke sowie eines Feinspachtels (Abschnitt 5.2.7) erforderlich sein. Eine Haftbrücke dient zur
Verbesserung der Haftung zwischen Altbeton und Instandsetzungsmörtel, während der Fein-
spachtel zur Nivellierung des Instandsetzungsmörtels bei einem nachfolgend aufzubringenden
Oberflächenschutzsystem eingesetzt wird.
Bild 5.1 zeigt die Elemente eines Betonersatzsystems. Der in bestimmten Fällen auf die vorbe-
handelte Bewehrungsoberfläche applizierte Korrosionsschutz (1. in Bild 5.1) ist in der Regel
zementgebunden oder auf Reaktionsharzbasis, gewöhnlich Epoxidharz. Die Haftbrücke (2. in
Bild 5.1) ist entweder eine zementgebundene Schlämme oder ein Reaktionsharz, gewöhnlich
Epoxidharz, ggf. entsprechend des Korrosionsschutzes. Der Instandsetzungsmörtel (3. in Bild
5.1) wird in vergleichsweise dünnen Schichten aufgebracht, bei großen Ausbruchstellen wird
Instandsetzungsbeton verwendet. Die Verwendung des Feinspachtels (4. in Bild 5.1) dient zum
Porenabschluss und Glätten. Zur Erstellung einer ebenen und profilgerechten Oberfläche kann
eine zusätzliche Ausgleichsschicht erforderlich sein. Abschließend wird i. d. R. eine minerali-
sche Dickbeschichtung, z. B. ein Instandsetzungsmörtel M2-PCC I (Variante A), oder ein
Oberflächenschutzsystem (Variante B) aufgebracht. Während der Feinspachtel Bestandteil des
5.2 Überblick 115

Betonersatzsystems oder Oberflächenschutzsystems sein kann, gehört die Haftbrücke zum


Betonersatzsystem und die unter Umständen erforderliche Grundierung als Zwischenschicht
zum Oberflächenschutzsystem.

Bild 5.1: Elemente eines Betonersatzsystems

Folgende Materialien werden als Ersatz geschädigten Betons verwendet:


• Beton
• Spritzbeton
• Zementmörtel (CC für Cement Concrete)
• Kunststoffmodifizierter, zementgebundener Beton bzw. Mörtel (PCC für Polymer Cement
Concrete)
• Kunststoffmodifizierter, zementgebundener Beton bzw. Mörtel, der im Spritzverfahren
aufgebracht wird (SPCC für Sprayed Polymer Cement Concrete)
• Reaktionsharzgebundener Beton bzw. Mörtel (PC für Polymer Concrete)
Tabelle 5.1 stellt die Angaben nach RL-SIB bzw. ZTV-ING zur Zusammensetzung der unter-
schiedlichen Instandsetzungsmörtel gegenüber. Die Materialien können für die statisch und
nicht statisch relevante Instandsetzung von Betontragwerken eingesetzt werden. Die Darstel-
lung der Anwendungsbereiche erfolgt in der RL-SIB /DAfStb01/ anhand von Beanspru-
chungsklassen und in der EN 1504-3:2005 anhand der Prinzipien und Methoden. Im nachfol-
genden Abschnitt 5.2.2 werden beide Arten der Einteilung in Anwendungsbereiche dargestellt.
116 5 Ersatz geschädigten Betons

Tab. 5.1: Regelungen zur Zusammensetzung von Zementmörtel, PCC, SPCC und PC nach
RL-SIB bzw. ZTV-ING

Mörtel/Beton Zement w/z Gesteins- Polymer


körnung
Typ Gehalt in
kg/m³
Beton DIN EN 197-1, DIN 1045- DIN 1045-2, DIN EN 0
DIN 1164 oder 2, DIN EN DIN EN 12 620 Größt-
Spritzbeton
allg. bauauf. 206-1 206-1 korn: 8 oder
Zulassung, 16 mm
CEM…≥ 32,5
Zementmörtel ≥ 400 ≤ 0,5 -
PCC CEM I, - - DIN 4226-1 ≤ 10 M.-%
EN 197-1, bzg. auf
SPCC
DIN 1164 Zement bei
Prinzip R 1)
PC - - - DIN 4226-1, EP2)
ofentrocken
5 1)
Instandsetzungsprinzip R (Bild 1.3)
2)
andere Polymere sind nach RL-SIB grundsätzlich ebenfalls möglich

Beim Ersatz von geschädigtem Beton erfolgt die Unterscheidung zwischen einer lokalen und
flächigen Schädigung. Ist das Betongefüge lokal strukturell geschädigt, was z. B. durch Ab-
klopfen der Betonoberfläche mit einem Hammer bestimmbar ist, oder muss die Betonoberflä-
che aufgrund chemischer Veränderungen (z. B. Karbonatisierung, Chloridkontamination, Sul-
fate) entfernt werden, so müssen die Ausbruchstellen wieder mit geeignetem Material ge-
schlossen werden. Darüber hinaus werden Instandsetzungsmörtel zur Erhöhung der Betonde-
ckung eingesetzt. Tabelle 5.2 fasst zusammen, welches Material für den jeweiligen Bereich
geeignet ist.
Die mechanischen Eigenschaften der Instandsetzungsmörtel sind durch die Zusammensetzung
und das Mischungsverfahren in einer breiten Bandbreite einstellbar. Somit kann anhand einer
Angabe der mittleren Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit und des E-Moduls keine Unterschei-
dung zwischen Beton, Spritzbeton, Zementmörtel, PCC und SPCC getroffen werden. Die
Druckfestigkeit liegt im Mittel der handelsüblichen Systeme bei etwa 55 N/mm², die Biegzug-
festigkeit beträgt etwa 10 N/mm² und der dynamische E-Modul schwankt zwischen 30 000
und 38 000 N/mm². Das Schwindmaß beträgt nach 90 Tagen im Raumklima etwa 0,55 bis
0,9 mm/m. Der PC weist hingegen eine deutliche höhere Biegezugfestigkeit (z. B. 20 N/mm²)
und einen geringeren E-Modul (z. B. 19 000 N/mm²) auf. Eine detaillierte Darstellung der
Eigenschaften der Instandsetzungsmörtel erfolgt in Abhängigkeit vom Material jeweils in den
Abschnitten 5.3 (Beton und Spritzbeton), 5.4 (Zementmörtel), 5.5 (Kunststoffmodifizierte
Mörtel) und 5.6 (Kunststoffmörtel).
5.2 Überblick 117

Tab. 5.2: Überblick über wesentliche Anwendungsgebiete von Beton, Spritzbeton, Zementmör-
tel, PCC, SPCC, PC

Mörtel/Beton Anwendungsbereich
Beton Großflächige Instandsetzung, Mindestschichtdicke 50 mm, häufig bewehrte
Vorsatzschalen, Instandsetzung von Böden und Betonstrassen
Spritzbeton Großflächige Instandsetzung, Mindestschichtdicke 30–50 mm, häufig bewehrte
Vorsatzschalen, Stützwände, keine waagerechten Oberseiten
Zementmörtel Örtlich begrenzte Bereiche, beliebige Lage der Flächen, Mindestschichtdicke
etwa 20 mm, Verfüllen mit Abschalung in Bereichen mit geringen Anforderungen
an die Haftzugfestigkeit
PCC Beliebige Flächengröße und -neigung, dynamisch beanspruchte Flächen, befahr-
bare Flächen unter Beschichtung, Brücken- und Deckenuntersichten, Mindest-
schichtdicke etwa 10 mm
SPCC Beliebige Flächengröße, dynamisch beanspruchte Flächen, keine waagerechten
Oberseiten, Brücken- und Deckenuntersichten, Stützen, Balken, Fassaden, Min-
destschichtdicke etwa 10 mm
PC Örtlich begrenzte Flächen, beliebige Neigung, geringe Schichtdicken ab 5 mm
5

Tabelle 5.3 fasst die stoffabhängigen Richtwerte für Schichtdicken von Instandsetzungsbeto-
nen und -mörteln noch einmal zusammen. Begründet ist die kleinere Schichtdicke des PCC
gegenüber dem reinen Zementmörtel in erster Linie mit der geringeren Nachbehandlungsemp-
findlichkeit des PCC. Weil der PC kein Wasser enthält und infolgedessen nicht austrocknen
kann, sind hier noch kleinere Schichtdicken erlaubt.

Tab. 5.3: Richtwerte für Schichtdicken bei großflächigem Auftrag (≥ 1 m2) von Instandset-
zungsbetonen/-mörteln nach RL-SIB /DAfStb01/

Beton-/Mörtelart Größtkorndurchmesser Schichtdicke


1)
min max.
mm
Beton 8 bis 16 50 -
2)
Spritzbeton 8 30 -
16 50 -
Zementmörtel ≤4 20 40
3)
SPCC ≤8 10 504)
PCC ≤8 103) 504)
PC ≤8 5 40
1)
mindestens 3facher Größtkorndurchmesser
2)
50 mm bei dynamisch beanspruchten Bauteilen
3)
bei Instandsetzungsprinzip R1: 20 mm
4)
örtlich bis 100 mm
118 5 Ersatz geschädigten Betons

Die nachfolgenden Bilder zeigen typische Anwendungsbereiche für die jeweiligen Instandset-
zungsbetone/-mörtel. Bild 5.2 zeigt links eine Hausecke an der Beton abgeplatzt ist. Da es sich
hier um eine kleine senkrechte Fläche handelt und gute Haftzugfestigkeiten zwischen Betonun-
tergrund und Instandsetzungsmörtel vorliegen sollten, ist in diesem Fall ein PCC besonders
geeignet. Zudem bietet PCC mit Portlandzement (CEM I) nach RL-SIB bzw. ZTV-ING ein
alkalisches Milieu, das den Bewehrungsstahl vor weiterer Korrosion schützt (mögliches In-
standsetzungsprinzip R2, Bild 1.3).
Für die Bodenplatte in Bild 5.2, rechts, sollte ebenfalls als Instandsetzungsmörtel ein PCC
gewählt werden, da eine gute Haftung zum Untergrund erforderlich ist. Ein PC kann hier auf-
grund der erforderlichen Schichtdicken nicht eingesetzt werden und SPCCs sind nicht auf
waagerechten Flächen einzusetzen.

Bild 5.2: Beispiele für Anwendungsbereiche eines PCCs

Für die Instandsetzung der Brücke in Bild 5.3 ist ein PCC oder SPCC auszuwählen, da hohe
Haftzugfestigkeiten zum Untergrund erforderlich sind. Für den Einsatz eines PCs wären die
erforderlichen Schichtdicken zu groß. Da es sich um eine lokale Instandsetzung unter schwie-
rigen Arbeitsbedingungen handelt, ist abzuwägen ob Spritzen (SPCC) gegenüber einem händi-
schen Auftrag (PCC) wirtschaftlicher ist.

Bild 5.3: Beispiel für die Anwendung eines PCCs oder SPCCs
5.2 Überblick 119

In Bild 5.4 ist eine weitere Brücke dargestellt, bei der großflächige, senkrechte Flächen instand
zusetzen sind. In diesem Falle sind spritzbare Mörtel oder Betone besonders wirtschaftlich. Ob
ein Spritzbeton mit Größtkorn 8 mm oder ein SPCC eingesetzt wird, hängt von der minimal
erforderlichen Schichtdicke ab. Diese sollte jedoch minimal 20 mm betragen, um das Instand-
setzungsprinzip R1 (Bild 1.3) anwenden zu können.

5
Bild 5.4:
Beispiel für die Anwen-
dung eines Spritzbe-
tons oder SPCC´s

Der in Bild 5.5 dargestellte Boden kann mit einem PC oder einem PCC instand gesetzt werden,
da es sich um einen kleinflächigen Bereich mit geringer erforderlicher Schichtdicke handelt.
Der Einsatz eines PCs hat den Vorteil der vergleichsweise schnellen Aushärtung.

Bild 5.5:
Beispiel für die Anwen-
dung eines PCs oder
PCCs
120 5 Ersatz geschädigten Betons

Bei der Verarbeitung der Instandsetzungsmörtel sind die Umgebungsbedingungen zu beachten.


Eine Zusammenfassung der erforderlichen Umgebungsbedingungen für die einzelnen Instand-
setzungsmörtel ist in Tabelle 5.4 dargestellt. Auf die Verarbeitung und den Einsatz der Materi-
alien am Bauteil wird in den jeweiligen Abschnitten 5.3 (Beton und Spritzbeton), 5.4 (Ze-
mentmörtel), 5.5 (Kunststoffmodifizierte Mörtel) und 5.6 (Kunststoffmörtel) ausführlicher
eingegangen.

Tab. 5.4: Gegenüberstellung der Umgebungsbedingungen für eine Instandsetzungsmaßnahme


mit Beton, Spritzbeton, Zementmörtel, PCC, SPCC, PC

Mörtel/Beton Temperatur Witterung Oberflächen- Nachbehandlung


min/max zugfestigkeit*
- °C - N/mm²
Beton 5/30 Kein Regen, Wind- Mittelwert: 1,5 Vor Austrocknung
stärke ≤ 3 Beaufort, Kleinster Ein- schützen, feucht
Spritzbeton
Austrocknung durch zelwert: 1,0 halten
Zementmörtel
Sonne vermeiden
PCC Zunächst vor Aus-
5 trocknung schützen,
SPCC
feucht halten, danach
Austrocknen ermög-
lichen
PC 8/40 Bauteiltemperatur Keine erforderlich
> 3 K über Taupunkt,
kein Regen oder Ne-
belnässe, kein Staub
* Betonuntergrund

5.2.2 Generelle Anwendungsbereiche nach EN 1504-3 und RL-SIB

5.2.2.1 Anwendungsbereiche nach EN 1504-3 in Übereinstimmung mit


EN V 1504-9

Mörtel und Betone werden ggf. mit anderen Produkten und Systemen angewendet, um die
Nutzungsdauer eines geschädigten Betontragwerks zu verlängern, indem der ursprüngliche
bauliche Zustand wieder hergestellt und/oder Beton ersetzt wird sowie Bewehrungen mit ei-
nem alkalischen Schutz versehen werden. Tabelle 5.5 beinhaltet die in EN 1504-3:2005 erfass-
ten Anwendungsbereiche.
5.2 Überblick 121

Tab. 5.5: Anwendungsbereiche nach EN 1504-3

Prinzip Nr. Prinzip und seine Definition Auf diesem Prinzip basierende
Methode
Prinzip 3 (CR: Betonersatz 3.1 Mörtelauftrag von Hand
Concrete Wiederherstellung eines Betontragwerks hin- 3.2 Querschnittsergänzung
Restoration) sichtlich seiner vorgesehen geometrischen Form durch Betonieren
und Funktion
3.3 Beton- oder Mörtelauftrag
Wiederherstellen der Eigenschaften des Beton- durch Spritzverarbeitung
tragwerks durch teilweisen Betonersatz
Prinzip 4 (SS: Verstärkung 4.4 Querschnittsergänzung mit
Structural Erhöhung oder Wiederherstellung der Tragfä- Mörtel oder Beton
Strengthe- higkeit eines Bauteils des Betontragwerks
ning)
Prinzip 7 (RP: Erhalt oder Wiederherstellung der Passivität 7.1 Erhöhung der Betonde-
Preserving or ckung mit zusätzlichem ze-
Restoring mentgebundenen Mörtel oder
Passivity) Beton 5
7.2 Ersatz von schadstoffhalti-
gem oder karbonatisiertem
Beton

5.2.2.2 Beanspruchbarkeitsklassen nach RL-SIB

Die Anwendungsbereiche nach RL-SIB ergeben sich aus den Beanspruchbarkeitsklassen (M 1,


M 2 und M 3) sowie stoffspezifischen Materialeigenschaften, auf die in den nachfolgenden
Abschnitten näher eingegangen wird. Tabelle 5.6 fasst die Beanspruchbarkeitsklassen zusam-
men.
An einem Mörtel der Beanspruchbarkeitsklasse M 1 werden geringe Anforderungen gestellt,
da er nur für kleinere Ausbesserungen ohne besondere Anforderungen eingesetzt wird. Im
Wesentlichen muss er eine ausreichende Druckfestigkeit (≥ 10 MPa) aufweisen.
Die Mörtel der Beanspruchbarkeitsklasse M 2 sind, je nach Stoffart und Konsistenz, für sehr
unterschiedliche Anwendungsbereiche geeignet. Sie müssen gegenüber M 1-Mörtel Mindest-
werte des Karbonatisierungswiderstandes einhalten. Eine einwandfreie Applikation und Aus-
härtung bei dynamischer Beanspruchung (z. B. aus Verkehr) muss gegeben sein. Die Mörtel
PCC II und PC II müssen für die Anwendung an senkrechten Flächen und über Kopf geeignet
sein (Bild 5.6). Ein Beispiel für PCC II ist auch im Bild 5.3 gegeben, während die Bilder 5.2
und 5.5 Beispiele für PC I und PCC I zeigen.
An Betone und Mörtel der Beanspruchbarkeitsklasse M 3 werden zusätzlich zu den Anforde-
rungen an die Betone und Mörtel der Beanspruchbarkeitsklasse M 2 erhöhte Anforderungen
bzgl. Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit gestellt. Im Gegensatz zu allen anderen Mörteln
kann die mittragende Wirkung des M 3 im statischen Nachweis berücksichtigt werden. Dafür
benötigte Kennwerte wie E-Modul, Kriechzahl, Schwinden und Verbundspannung zwischen
Bewehrungsstahl und M 3 werden im Rahmen der Grundprüfung ermittelt.
122 5 Ersatz geschädigten Betons

Tab. 5.6: Beanspruchbarkeitsklassen nach RL-SIB /DAfStb01/

Anwendungsbereich

dynamische Beanspruchung bei


und nach Applikation zulässig

statische Mitwirkung zulässig


Für Instandsetzungsprinzip R
Beanspruchbarkeitsklasse

maximale Flächengröße

Anwendungsbeispiele
Stoffbezeichnung

Auftragsfläche
Lage der
geeignet
Stofftyp

örtlich
zement-
M1 - - - - be- beliebig Fassaden
gebunden
grenzt
befahrbare
5 waagerechte/
Flächen unter
zement- Belägen auf
M2 PCC I x x - schwach genei-
gebunden Brücken und
gte Oberseiten
in Parkhäu-
beliebig sern
PCC II x x - beliebig
Unterseiten, Brückenun-
zement- vertikale und tersichten,
M2 SPCC x x -
gebunden stark geneigte Stützwände,
Flächen Widerlager,
Fassaden
reaktions-
M2 PC II - x - beliebig
harzgebunden

örtlich befahrbare
be- waagerechte/ Flächen unter
grenzt1 schwach ge- Belägen auf
PC I - x -
neigte Obersei- Brücken und
ten in Parkhäu-
sern
Stützen,
zement-
M3 – x x x beliebig beliebig Platten 2,
gebunden
Balken
1
im Verkehrsbereich < 1 m² zulässig
2
im Hochbau auch direkt befahrbare Flächen
5.2 Überblick 123

5
Bild 5.6: Anwendungsbereiche für kunststoffmodifizierte Mörtel bzw. Betone am Beispiel einer
Hohlkastenbrücke

5.2.3 Anforderungen nach EN 1504-3 und RL-SIB

5.2.3.1 Anforderungen nach EN 1504-3

Je nach Instandsetzungsprinzip und eingesetztem Instandsetzungsverfahren sind nach


EN 1504-3:2005 bestimmte Eigenschaften anhand von genormten Prüfverfahren zu untersu-
chen. Die Liste der zu untersuchenden Eigenschaften kann sich mit dem Erscheinen der deut-
schen Restnorm DIN V 18 027 noch erweitern. Tabelle 5.6 gibt eine Übersicht über die zu
prüfenden Eigenschaften. Die Prüfverfahren werden in Kapitel 9 detailliert beschrieben.
Die untersuchten Eigenschaften müssen die in der EN 1504-3:2005 aufgeführten Anforderun-
gen erfüllen. Bei der Formulierung der Anforderungen wird zwischen Anforderungen zur
Identifikation des Produktes oder Systems und Anforderungen zur Gebrauchstauglichkeit für
statisch und nicht statisch relevante Instandsetzungsprodukte unterschieden. Inwiefern die
Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit zu erfüllen sind, hängt vom Instandsetzungsprin-
zip und -verfahren ab (Tabelle 5.7).
Tabelle 11.1 im Anhang gibt die Anforderungen an die Identifikation von Instandsetungsmör-
teln mit den erforderlichen Prüfungen und zulässigen Abweichungen an. Die vom Hersteller
durchzuführenden Prüfungen zur Beurteilung der Gebrauchstauglichkeit der Instandsetzungs-
mörtel sind in Tabelle 11.2 im Anhang zusammengefasst.
Die Restnorm DIN V 18 027 zur EN 1504-3:2005 wird zum Zeitpunkt der Drucklegung des
Buches noch diskutiert (näheres kann Abschnitt 1.4.5 entnommen werden).