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FAUST

I. und II.
(1808-1832)

Der Faust-Stoff = Hauptthema der


Weltliteratur

geht zurück auf eine historische Gestalt, einen Georgius Faustus,


aus der Reformationszeit (2. Hälfte de 15. Jh.)
• ca. 1480 geboren
• lebte ca. 60 Jahre
• astronomisch ausgebildet
• Magier, Wahrsager, wandernder Wunderheiler, Alchemist
• ca. 1540 vom Teufel erwürgt
• schon zu Lebzeiten Legende

Das Faustbuch (1587)

Anonymes Volksbuch,
das Anekdoten und
Legenden zu diesem
Faust enthält.

Historia von D. Johann Fausten


Eine Seite aus der Wolfenbütteler
Handschrift

The Tragical History of the


Life and Death of Doctor Faustus
von Christopher Marlowe (1592)
• Marlowes Stück wurde von englischen Schauspielern
zurück nach Deutschland gebracht.
• Faustus wurde eine im Puppenspiel beliebte Figur.
• Lessing und Goethe haben Faust wahrscheinlich
schon als Kinder im Puppentheater kennengelernt.

Weitere Behandlungen:
 Thomas Mann: Doktor Faustus (Roman)
 Charles Gounod: Faust (Oper)
Faust. Eine Tragödie.
(Faust. Der Tragödie erster Teil,
Faust I)

Zueignung

Ih r n a h t e u c h wie d e r, s c h wa n ke n d e Ge s ta lte n !
Die frü h s ic h e in s t d e m trü b e n Blic k g e ze ig t.
Ve rs u c h ’ ic h wo h l e u c h d ie s m a l fe s t zu h a lte n ?
Fü h l’ ic h m e in He r z n o c h je n e m Wa h n g e n e ig t?

Închinare

V-apropiaţi din nou, figuri şovăitoare,


Cari ochiului de timpuriu s-au arătat.
Să-ncerc a vă reţine - acum - putea-voi oare?
Mai este sufletul visării aplecat?

AUFBAU

Zueignung Vorspiel auf dem Theater


• Künstlerischer Schaffensprozess
• Dichter: Instrument der Inspiration Theaterdirektor, unterschiedliche
(„der Aeolsharfe gleich“) Schauspieler und Auffassungen über
Dichter sprechen das Theater

Produktion Rezeption

Der Prolog im Himmel


Die Wette zwischen dem Herrn und Mephisto

• Festlegung des Rahmens für das ganze Drama


(Exposition)
• Die Erzengel preisen die Harmonie des
Weltganzes.
• Gott und Mephistopheles reden über Faust.
„Die Gelehrtentragödie“

„Die Gretchentragödie“

Nacht
In einem hochgewölbten, engen, gothischen Zimmer Faust unruhig auf einem Sessel am Pulte.

Habe nun, ach! Philosophie, Dafür ist mir auch alle Freud’ entrissen,
Juristerey und Medicin, Bilde mir nicht ein was rechts zu wissen,
Und leider auch Theologie! Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Durchaus studirt, mit heißem Bemühn. Die Menschen zu bessern und zu
Da steh’ ich nun, ich armer Thor! bekehren.
Und bin so klug als wie zuvor; Auch hab’ ich weder Gut noch Geld,
Heiße Magister, heiße Doctor gar, Noch Ehr’ und Herrlichkeit der Welt.
Und ziehe schon an die zehen Jahr, Es möchte kein Hund so länger leben!
Herauf, herab und quer und krumm, Drum hab’ ich mich der Magie ergeben,
Meine Schüler an der Nase herum – Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Und sehe, daß wir nichts wissen können! Nicht manch Geheimniß würde kund;
Das will mir schier das Herz verbrennen. Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß,
Zwar bin ich gescheidter als alle die Laffen, Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Doctoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; Daß ich erkenne, was die Welt
Mich plagen keine Scrupel noch Zweifel, Im Innersten zusammenhält,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel – Schau’ alle Wirkenskraft und Samen,
Und thu’ nicht mehr in Worten kramen.

Die erste Szene (Nacht) versetzt den Zuschauer in eine


kleine Studierstube des späten Mittelalters.

Doktor Faust denkt, allein und unruhig in tiefer Nacht, über


sein Leben nach und kommt zu keinem befriedigenden
Resultat. Zwar kennt er als Forscher und Gelehrter alle
Wissensgebiete seiner Zeit, aber all das kann ihn nicht
zufrieden stellen. Je mehr er weiß, desto mehr wird ihm klar,
dass er eigentlich gar nichts weiß.

So wendet er sich jetzt der Magie, der Zauberkunst, zu, um


zu erkennen, »was die Welt / Im Innersten zusammenhält«.
Goethe: Szenenentwurf zur Erscheinung des Erdgeistes,
ca. 1810.
Faust gelingt zwar die Beschwörung des
Erdgeistes und er behauptet auch »Ich
bin’s, Faust, bin deinesgleichen!«.
Tatsächlich muss er aber erkennen, dass er
den Geist zwar gerufen hat, ihn aber nicht
ertragen kann.
FAUST:
Der du die weite Welt umschweifst,
Geschäftiger Geist, wie nah fühl’ ich mich
dir!
GEIST:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
Nicht mir!
Verschwindet.
FAUST zusammenstürzend.
Nicht dir!
Wem denn?
Ich Ebenbild der Gottheit!
Und nicht einmal dir!

Im nächtlichen Gespräch mit seinem Famulus


Wagner wird ihm seine verzweifelte Lage
nochmals bewusst. Faust sucht danach den
Ausweg aus seinem Elend im Freitod. Doch ehe
er den Todessaft trinkt, erklingen die Glocken
zum Osterfest.
Der Chorgesang weckt Jugenderinnerungen und
die Musik wirkt beruhigend und heilsam auf
Faust. Dies hält ihn vom »letzten, ernsten
Schritt« zurück.

Der Teufelspakt
Ein Pudel begleitet Faust bis ins Studierzimmer zurück. Das Tier verwandelt
sich in Mephisto.

„Das also war des Pudels Kern!“

Er sieht wie ein fahrender Student aus und stellt sich vor.

Gustaf Gründgens als Mephisto


Szenenbild aus Gründgens’
Hamburger Faust- Inszenierung von 1960.

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