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Mit dem Herzen fühlen

Das Herz des Zen


Erfüllung - hier und jetzt!
Das Herz des Zen
Erfüllung - hier und jetzt!
Gibt es denn
(k)einen Weg -
hinein oder hinaus,
aus diesem Moment?
Das Herz des Zen
Copyright: © Markus Aikyô Krieger 2019

Mit Ausnahme von Zitaten


sind alle Bilder, Gedichte, Haikus und Texte
Eigentum des Autors.

Kopien, Vervielfältigungen und Auszüge nur mit


Genehmigung des Autors.

Kontakt:
Markus Aikyô Krieger
aikyo-zen@gmx.de
Inhalt

Auf einfachste Weise erklärt,


mühelos und klar:
Inspirationen aus dem Alltag.
Über Zen und das Leben.
Anregungen zur Meditation.
Haikus und Gedichte.
Kurze und prägnante Worte.
Mögen sie unsere Herzen bereichern.
Einleitung

Aufgrund meines andauernden Interesses an der


japanischen Kultur absolvierte ich von 2005 bis
2012 mein Studium der Ostasienwissenschaften an
der Universität Duisburg-Essen.

Die Begegnung mit der Rinzai Zen-Meditation,


meine Schülerschaft bei verschiedenen Zen-
Lehrern, meine Ernennung zum Zen-Mönch,
sowie meine jahrelange Übungspraxis in Kyôto
veränderten mein Leben nachhaltig.

Doch all das war absolut nutzlos!


Denn Anfang 2013 stellte ich meine gesamte
bisherige Zen-Laufbahn durch die Konfrontation
mit einer lebensgefährlichen Krankheit und
meiner eigenen Vergänglichkeit infrage.

Instinktiv wusste ich, dass ich alleine durch das


Leben und den Tod hindurch gehen müsse. Kein
Lehrer, kein Buddha, keine Übungen würden mir
helfen können.
Daher verließ ich alle Lehrer, um das Leben, so
wie es sich eben entfaltet, Moment für Moment,
ganz und gar zu erfahren. Denn alles ist bereits
vollkommen. Genau so!

Alles Zen, alle Erleuchtung, alle Suche brachen in


sich zusammen.

Seidem versuche ich, Menschen dabei zu helfen,


ihren eigenen Weg zu erforschen und zu gehen.
Meine Begegnungen finden daher nicht im Kloster
oder auf dem Meditationskissen statt. Sondern in
Cafés und Bars, beim gemeinsamen Musizieren,
auf Arbeit oder einfach nur bei einem Spaziergang.

Mir ist bewusst, dass niemand einem anderen


Menschen Zen und das Leben beibringen kann.
Insofern: Nehmen wir es einfach nicht so ernst
und geben trotzdem unser Bestes!

Letztendlich müssen wir vollkommen enttäuscht


werden von allem Zen, allen Methoden und
Übungen, um wieder ganz bei uns selbst
anzukommen.
Ein Wunsch

Dieses Buch ist aus dem Wunsch eines guten


Freundes heraus entstanden, meine losen Notizen,
Haikus und Niederschriften, die ich ursprünglich
für mich selbst geschrieben habe, in einem Buch
zu veröffentlichen. Gleichzeitig spiegelt es meine
Bemühungen um einen offenen und
unkonventionellen Zen-Stil wider.

Alle Texte, Anleitungen, Gedichte und Haikus


stellen einen Versuch dar, Dir auf möglichst
einfache Art und Weise den Zugang zu Deinen
inneren Kenntnissen zu offenbaren und großes
Vertrauen in Dich selbst zu wecken.
Meine Worte sind letztlich unzureichend, da sie
nicht Deiner Erfahrung entspringen. Ich hoffe,
dass sie Dir trotzdem eine Hilfe sein werden.
BEGINN EINER REISE
Beginn einer Reise

Alles startet damit,


dass sich Etwas in uns regt.
Wir ahnen, dass uns Etwas abhanden
gekommen ist.
Noch können wir es nicht beschreiben.
Aber genau dieses undefinierbare Gefühl
ist der Beginn einer wunderbaren, wenn auch
schwierigen Reise zurück zur Einfachheit,
Gegenwärtigkeit und Natürlichkeit.
Die folgenden Zeilen zeigen genau dies auf.
Reines Erleben
Schwer zu fassen mit dem Kopf,
leicht zu erleben mit dem Herzen.
Das wunderschöne Gedicht Lulu
von Hermann Hesse könnte es nicht besser
wiedergeben:
Zwischen Traum und Traum zuweilen,
Will das Leben mich ereilen,
Glänzt so gold und lockt so heiter,
Und erlischt - ich träume weiter.

* Hermann Hesse (2011): Stufen. Ausgewählte Gedichte. Berlin.


Unser wahres Wesen ist immer frisch.
Ein reines, klares Vernehmen der Welt -
wie ein spielendes Kind auf einer Wiese.
Ohne Sorgen, ohne Pläne an ein Morgen.

Siehe da. Ein Schmetterling -


und alles ist gut!
Erinnerungen, Gedanken und Pläne
können wie Staub sein.
Sie halten uns vom Leben fern.

Zwischen Traum und Traum zuweilen,


Will das Leben mich ereilen.

Für was werden wir uns entscheiden?


MEDITATION
Meditation

Wir spüren die Sehnsucht nach dem Erwachen.


Gewöhnlich beginnen wir mit Meditation.
Meditation bedeutet Medizin.
Techniken gibt es wie Sand am Meer.
Ich gehe davon aus, dass wir keine Technik
brauchen. Wir wissen eigentlich genau, was zu
tun ist. Einfach mal anhalten, sich hinsetzen -
hineinspüren - ruhen. Die folgenden Worte
können uns intuitiv auf diesem Weg begleiten.
Lebendiges Sitzen
Sich setzen und still sein.
Dem Moment lauschen,
so wie er wirklich ist.
Mit all seinen Freuden und Tiefen,
ohne zu kämpfen.
Den Atem spüren,
wie er kommt und geht.
Das Denken verstummen lassen,
und das Ich ganz vergessen.
Den Augenblick betrachten,
bis man selbst nur noch ist.
Und alles sich fügt,
man das Leben genießt,
und der Frieden entsteht.
Niemand sein
Nach Hause kommen.
Sich niedersetzen und durchatmen.
Den Tag hinter sich lassen.
Nicht über die Welt nachdenken,
wie sie sein könnte,
oder wie sie war.
Sich in den gegenwärtigen Moment
fallen lassen und aufgefangen werden.
Sich setzen und einfach nur da sein.
Niemand Besonderes sein.
Einatmen. Ausatmen.
Sich selbst und die Welt
nicht mehr ändern,
verbessern oder erleuchten wollen -
Einfach lächeln; angekommen sein.
Wach sein - sich freuen.
Alles erreicht haben.
In diesem Moment.
Ausatmen
Aufrecht sitzen.
Bequemlichkeit.
Wann und wo auch immer.
Ausatmen - langsam und tief.
Herabfallen - tiefer und tiefer.
Das ganze Gewicht in den Bauch hinein.
Die Bewegung nach unten fühlen,
bis zum Schluss - und es genießen!
Einatmen - es geschieht von selbst.
Mühelos und leicht.

Ausatmen und herabfallen.


Erneut und erneut.
Sich umschauen:
Genau jetzt - nichts brennt!
Frieden ist schon da.

Vielleicht nicht gestern.


Vielleicht nicht morgen.
Doch genau jetzt!
Wieder und wieder eintauchen -
in dieses losgelöste Jetzt.

Lauschen, dem eigenen Geist.


In dieser offenen Weite -
welch‘ ungeheure Kraft!
EINSICHTEN
Einsichten

Aus der eigenen Einfachheit, einem wachen,


gegenwärtigen, unkomplizierten Gewahrsein,
entspringen alle Einsichten, alle Freude.
Jeder von uns trägt alle Weisheit, alles Glück der
ganzen Welt in sich. Alles ist immer schon da.
Die folgenden Zeilen sollen genau dies aufzeigen.
Vertrauen
Wenn Du nicht weißt,
wo lang es geht,
wer sollte es dann wissen?

Nicht ich, der Buddha,


noch ein großer Lehrer können
Dir den Weg weisen und Dich erlösen.
Höre auf Dich selbst.
Du bist der Meister!
Niemand sonst.

Es gibt eben nur Dich selbst.


Keiner nimmt Dir die
Erfahrungen des Lebens ab.
Keiner wird kommen,
um Dir Deine Antwort zu geben.

Vertraue Dir selbst.


Frieden finden
Du suchst Frieden?
Das Geheimnis ist:

Sei ehrlich zu Dir.


Sei einfach im Denken.
Sei Du selbst.
Liebe Dich, so wie Du bist.
Und die ganze Existenz
findet ihren Frieden.
Gewahrsein
Du!
Der Du jetzt gerade
diese Zeilen liest:
Du gewahrst meiner Worte.
Du gewahrst diesen Augenblick.
Du gewahrst Deiner Selbst.

Dieses einfache Gewahren -


formlos, still und frei.
Leuchtend klar!

Vögel zwitschern -
der Wind weht.
Achte einfach drauf.
Was auch passiert -
vertraue.
Hier und Jetzt -
mehr ist es nicht.
Erwachen
Erleuchtung gibt es nicht.
Erlösung gibt es nicht.
Das ist die Wahrheit.

Dieser wache und freie Geist in uns -


er ist doch immer schon da!
Wir hören schon die Wellen rauschen.
Wir sehen schon die Farben der Blumen.
Wir nehmen schon unsere Gefühle
und Gedanken wahr.
Wir sind schon wach!
Wie hell soll die Welt mit ihren Farben
denn noch leuchten?

In all diesen Zuständen:


Fröhlich, unglücklich, ängstlich, wütend...
All das zieht an uns vorbei - durch uns hindurch.
Wir sind immerzu dabei,
sind und bleiben immer frei.

Dieser erleuchtete Geist -


Wer ist es, der die Welt erlebt?
Dies ganz klar zu erkennen -
Dies einfach anzuerkennen:

Lautes Lachen!
Leerheit
Leerheit. Was bedeutet das?
Es bedeutet, wie eine Lichtung im Wald zu sein.
Hier ist Platz für den Sonnenschein,
den jetzigen Moment und alles Neue,
was in diese Lichtung hinein und
hindurchziehen will.
Die Melodie des Waldes,
die Sonne auf der Haut,
Gedanken und Gefühle,
die eigene Vergänglichkeit.
Krankheit, Leiden, Alter, Tod.

Es bedeutet nicht, nicht zu denken.

Sondern dass alles frei durch mich,


diese offene Lichtung,
ungehindert fließen kann.
Selbst-Sein
Wir alle wollen besser sein,
erleuchteter, weiser, irgendwie anders.
Wir wollen bloß nicht wir selbst sein.
Irgendwie scheinen wir zu glauben,
es sei nicht in Ordnung,
schlicht und einfach wir selbst zu sein.
Daher all unsere Verwirrung.
Daher all unser sinnloses Streben:

Von uns selbst weg,


aus dem Hier und Jetzt fort,
in einen zukünftigen Zustand hinein,
in dem alles anders oder besser sei.
Genau darin liegt unser Irrtum.
Genau darin liegt unsere Verwirrung.

Denn:
Welch‘ Wunder es ist,
schlicht und einfach
man selbst zu sein
und auf dieser Erde zu wandeln -
Moment für Moment.
Allein-Sein
Alleine sein.
Dabei nicht einsam sein!
Ich mit mir. Endgültig.
Eine klare Entscheidung:
Mich nicht mehr ändern wollen.
Mich in Ruhe lassen. In aller Liebe!
Der Wandel geschieht - ohne Zutun.
Das Ich vergeht - ganz ohne Kampf.

Welch‘ Freude
im Allein-Sein mit allem
zusammen zu sein!
HAIKUS
Haikus

Der Begriff Haiku beschreibt eine japanische


Gedichtform. Ein einzelnes Haiku besteht aus
3 Zeilen. Die 1. Zeile besteht aus
5 Silben, die 2. Zeile aus 7 Silben, die 3. Zeile
wieder aus 5 Silben.

Haikus werden spontan aus dem Moment heraus


verfasst.
Daher spiegeln sie einen klaren, einfachen und
äußerst wachen Geisteszustand wider.
Mögen wir klar sein und einfach denken.
Sanfter Vogelruf
erklingt unter dem goldnen
Mond am Horizont.
Wir alle streben nach Etwas.
Was auch immer das sein mag, sei jedem selbst
überlassen. Manchmal tut es aber gut, einfach
stehen zu bleiben, um zu lauschen. Ob wir den
Mond erreichen oder den Vogelgesang - beides
ist bewundernswert!
Die Meister töten,
ihre Kôans verbrennen -
erst dann herrscht Frieden!

* Kôans sind Rätsel, die im Zen als Methode zum Erwachen genutzt werden.
Kaum jemand ist je im Tempel erwacht. Kein
Lärm, keine Ablenkung. Wie sollte das gehen?
Wir tendieren dazu, die Stille von der
lärmenden Welt abgrenzen zu wollen.

Daher jetzt mal ehrlich:

Erst wenn alle Tempel brennen, alle Meister tot


sind und nichts übrig ist als heiße Asche, erst
dann wachen wir auf. Kein besonderer Ort,
keine Übung, keine Lehrer übrig. - Alles weg!
Dann fangen wir an, wach zu sein, wo immer
wir auch gerade sind. Denn uns bleibt nichts,
auf das wir uns stützen könnten.

Ob im Sitzen, Gehen, Stehen oder Liegen.


Der wahre Ort klarer Wachheit
ist Hier und Jetzt.
- Sie ist an keinen Ort, an keine Zeit, an keine
Übung gebunden!
Klarer blauer See,
im Herzen keine Wolke -
Morgensonne scheint!
Das Leben ist Begegnung:
Der Morgen bricht an.
Wir treffen einander
und umarmen uns.
Ich atme ein -
lass Dich in mein Herz hinein.

Ich atme aus -


und Du nimmst mich auf.
Wie wunderbar,
sich so zu durchdringen.

Wie wunderbar,
sich so begegnen zu können.
Dem Tag.
Den Menschen.
- Dir!
Immergleicher Weg.
Alter Pfad im dunklen Wald -
keine Spur vom Meer.
Häufig fühlen wir uns sicher und wohl
in unserem vertrauten Leben.
Doch ohne es zu sehen, dursten wir
nach der Weite des Meeres.
Das Segelschiff wartet nur darauf
abzufahren.
Schwankend durch die Gass‘ -
Berühre mich, oh Leben.
Gib mir Wein, Wein, Wein!
Gelegentlich überkommt uns eine
so heftige Freude, dass wir wie
betrunken durch das Leben rennen.
Angeheitert möchten wir singen, tanzen,
lieben und in Ekstase geraten.
Genießen wir diese Freuden ohne Scheu!
Heiteres Treiben.
Alte Buche schwingt im Wind.
Niemand weiß wohin.
Manchmal lassen wir uns treiben
vom Wind und wir wissen nicht,
wohin es geht.
Und das ist völlig in Ordnung.
Neugierde und Abenteuer sind
Teil dieses Lebens.
Voller Mond zur Nacht.
In der Hütte nah beim Meer
ist niemand mehr da.
Manche Nächte sind sehr einsam
und friedvoll. Ein vertrautes Licht breitet
sich um uns herum aus.
Und vielleicht bemerken wir:
Obwohl niemand Bekanntes da ist,
sind wir doch nicht allein.
Das goldene Stroh -
Blühendes Feld aus einer
längst vergessnen Welt.
Vertraute Orte und das Stroh
aus der goldenen Zeit. Viele Dinge
verändern sich im Leben - gehen verloren
und abhanden. Doch der Glanz bleibt bestehen.
Der Duft einer alten Liebe weht
unverwechselbar noch immer durch
unsere Herzen hindurch.
Bald ist’s Frühling schon.
Und das Eis, das langsam taut -
ein Schneeglöckchen dann.
Der Wandel kommt gewiss.
Die Dinge, die wir lieben, werden vergehen.
Doch ergeben sich genau daraus neue
Chancen. So wie das Schneeglöckchen das
Wasser zum Wachsen braucht,
so brauchen auch wir die Veränderung,
um voran zu schreiten.
Spuren verblassen.
Der Duft, der nicht ewig währt,
im Herzen bewahrt.
Aus der Ferne duftet es nach Zimt.
Es dämmert in uns und wir spüren,
dass wir schon sehr lange hier sind.
Unabhängig von der Zeit scheint es fast so,
als wären wir schon immer hier gewesen.
Im tiefgrünen Moor,
weit weg von jeder Manier -
stiller Froschgesang.
Wir alle haben Geheimnisse in den
dunklen Kammern unserer Herzen.
Doch egal, wie sehr wir sie auch verstecken -
es gibt immer zwei Augen, die darum wissen.
Trauen wir uns, ehrlich und liebevoll
zu uns selbst zu sein?
Alte Heimatstadt -
wie lange ist es jetzt her?
Nah bist Du am Meer.
Lange Zeit wandern wir umher.
Wir sind berauscht von der Suche nach
einer Heimat. Eines Tages erkennen wir,
dass wir immer ein Zuhause hatten -
Und wir es nur verlassen haben,
da wir noch nicht bereit dazu waren,
dies zu erkennen.
Feine Stachelwand -
lieblich duftend, wunderschön.
Roter Rosenbusch.
Wir schlendern durch diese farbenfrohe
Welt und sammeln Blumen.
Doch nicht jede lässt sich mitnehmen.
Zuweilen ist das Leben wie ein Rosenbusch -
Wunderschön!
Doch pflücken können wir es nicht.
Am stillen Abend -
gesellig im trauten Heim,
pocht des Lebens Herz.
Ein alter Mann sagte einmal,
wer alleine ist, hat tausend Freunde.
Mit offenem Herzen sitzen wir beisammen,
teilen unseren Wein
und genießen ein gesundes Lachen
aus der Mitte unseres Herzens.
Die höchste Weisheit:
Zu wissen, was zu tun ist -
in jedem Moment.
Die höchste Form der Weisheit -
nicht etwa die Geheimnisse
des Universums oder Gott.

Nein!
- Das Offensichtliche; ganz Mensch sein.

Hungrig? - Einfach was essen.


Erschöpft? - Einfach mal ausruhen.
Verliebt? - Schreib ‘nen Liebesbrief.

Stets zu wissen, was zu tun ist.


Und es dann tun.
- Das ist gelebte Weisheit.
Alles, was ich weiß:
Das grüne Gras am Berghang
wächst auch ohne mich!
Buddha ist ein Gärtner.
Denn er weiß, das Gras wächst ohne ihn.
Dennoch tut er, was er tut.
Er wässert, redet mit den Pflanzen, spricht
ihnen Mut zu, pflegt und umsorgt die Blumen.
Obwohl alles schon vollkommen ist,
tut er das.

- Wieso nur?
Die Uhr tickt runter.
Der Mensch weint, die Schwalbe fliegt.
Und kümmert sich nicht.
Tausend Plagen, die wir tragen.
Heute jung und morgen alt.
Während wir uns mit Sorgen und Plänen
unsere Särge bauen,
fliegt die Schwalbe einfach frei.
Einfach mal Tier sein.
Frei am Himmel schweben,
mit den Flügeln den Wind spüren.
Kleines Vogelnest
ruht einsam und verlassen.
Wo sind sie wohl hin?
Wir kehren heim und niemand ist da.
Freunde verließen diesen Ort.
Nicht ein Wort durchhallt das Zimmer.
Wir warten auf die Wiederkehr.

Menschen sind Zugvögel.


Was uns bleibt?
Abwarten. Alleine sein. Genießen.

Am Ende strandet jeder wieder hier.


- Das gilt für alle.
Sanfter Grünteeduft
und leiser Nieselregen.
Hier blüht das Leben.
Der Berg Hieizan in Kyôto.
Mönche mit mildem Lächeln.
Besenschwünge werfen Blattlaub auf.
Es duftet nach Tee, die Tempelglocke klingt.
Hier herrscht kein Stillstand. Das Leben blüht
und die Herzen verrichten das Alltägliche.
Wolken ziehen auf
in dem endlos leeren Raum
der Erinnerung.
Unsere schönsten Träume sind
wie Zeichnungen im Wasser.
In äußerst klaren Momenten
zeichnen wir mit unserem Finger
die verschwommenen Konturen nach,
berühren das kühle Nass und
spielen mit unseren Träumen.
Heute ein Wunsch frei:
Wehe sanft, Du Winterwind -
belebe mein Herz!
Ein einfaches Herz mit einem
einfachen Wunsch:

Stets im Einklang
mit dem Moment zu sein.
- Das ist schon alles.

Der weiße Schnee, eine leichte Brise, Kühle im


Gesicht. Das Herz im Winterwind.

Alles ist schon da.


Wir sind erfüllt.
Zur Mitte der Nacht
mündet letztes Tageslicht
in neuem Feuer.
Selbst in einem dunklen Raum,
in tiefster Finsternis zur Nacht -
da gibt es immer auch ein Licht.

Die Sonne am Tag.


In der Nacht: die Kerze und der Mond.
Im Schlaf: ein kunterbuntes Farbenspiel.

Dieses eine Licht, das in uns scheint -


in ihm leuchten Sonne, Mond und Sterne.
Ein Weidenkätzchen.
Zart und weich fühlt es sich an.
Ich sehn‘ mich nach Dir!
Eine Berührung auf der Haut -
durchdringt den Körper,
füllt mein Herz.

Ich finde:
Diese Welt ist furchtbar hart.
Viel zu selten sind wir zart.

Wie schön wäre es doch,


sich einfach mal zu halten,
zu umarmen, sich zu streicheln.

Damit die Härte von uns weicht.


Und die Liebe uns erreicht.
Wolke an Wolke.
Ein Blitz, der den Himmel teilt.
Erst nachts scheint der Mond.
Dieses Feuer in Dir und mir -
Eine gewaltige Flammenwand
zwischen uns:

Sie verbrennt Freund.


Sie verbrennt Feind.
Schließlich auch uns selbst.

Die Einsicht folgt meist nachts:

Wo vorher Schönheit war -


lauter Asche nun.
Wiesen und Felder.
Das grüne Gras besingen -
Berge bezwingen.
Inmitten der alltäglichen Routine,
der Arbeitswelt, dem Beziehungsstress,
dem Erleuchtungswahn:

Sei wieder Kind.


Geh in den Wald.
Erklimme Berge.
Atme.
Spiele.
Entdecke.

Lass alles hinter Dir!


Warmer Sonnenschein.
Daheim bist Du, wo Du bist -
Lass die Sorgen sein!
Genau in diesem Moment:
Tür zu. Glücklich sein!
NATÜRLICHKEIT
Natürlichkeit

Die folgenden Zeilen sind einfach ein


kleiner Ausklang zum Ende dieses Buches.
Sie sind Ausdruck eines einfachen Geistes -
frei von jedem intellektuellen Schnickschnack.
Glücklich sein, natürlich sein, präsent sein.
Mehr ist das Leben nicht.
Völlig ausreichend.
Im Einklang sein
Das Leben voll und ganz genießen.
Ohne zu streben, ohne abzulehnen.
Dann leben wir im Einklang mit der Welt.
Keine Gedankenreisen,
die um ein Gestern noch ein Morgen kreisen.
Dann hören unsere Schmerzen und Ängste auf.
Einfach wach und still sein,
in diesem gegenwärtigen Erleben.
Dann entfaltet sich in uns der Frieden.
Die alten Meister sagen:
„Alles ist gut, nichts brennt!“
Und so können wir uns endlich ausruhen.
Ohne Ideen und Vorstellungen,
Wünsche und Verlangen zu hegen:
Dann sehen wir unser Leben erblühen.
Keine Selbstgespräche mehr.
Laut auflachen und frei sein.
Dann wird unser Leben zu einem Tanz.
Wach sein, in jedem Augenblick.
Und dem Alltäglichen begegnen.
Dann haben wir alles erreicht.
VERGESSEN
Vergessen

Es gibt kein Ende auf der Reise.


Und keinen Anfang.
Alles fließt ungehindert.
Nirgendwo gibt es ein Stehenbleiben.
Das einzige Beständige:
Der Wandel. Und mittendrin:
Immer-währendes Erleben.
Alle Worte und Lehren,
Erfahrungen und Einsichten
gehen abhanden. Am Ende gehen wir
leer aus. Und sind doch erfüllt.
Jedes Mal...
Jedes Mal,
wenn wir einen schädlichen Gedanken
erkennen,
und ihn ziehen lassen,
heilen wir diese Welt und unser Herz.
Jedes Mal,
wenn wir einen heilsamen Gedanken
erkennen,
und ihm folgen,
heilen wir diese Welt und unser Herz.
Jedes Mal,
wenn wir in der Lücke zwischen den
Gedanken ruhen,
und uns in ihr entspannen,
kommen wir uns selbst und dem Leben
ein wenig näher.
Mögen wir alle Worte vergessen.
Mögen wir alle Lehren vergessen.
Mögen wir das Leben direkt erfahren.
Über das Buch
„Sanfter Vogelruf
erklingt unter dem goldnen
Mond am Horizont.“

Zen. Einfach, klar, direkt!


Schlichte Worte, die das Herz
bereichern. Mit kurzen Gedichten, Haikus,
meditativen Anregungen und lebendigen Bildern.
Zum Nachdenken, Ausprobieren und als Wegbegleiter.