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Aufklärung/ Sturm und Drang

1. Überblick:
a. Datierung:
- Aufklärung: 1720-1800
- Sturm und Drang: 1765-1785

b. Historischer Hintergrund:
- Aufklärung: Die Literaturepoche der Aufklärung ist vor dem Hintergrund
einer gesamteuropäischen bürgerlichen Bewegung im 18. Jahrhundert zu
betrachten. Die Epoche der Aufklärung hatte den Grundgedanken der
Emanzipation des Denkens.
- Sturm und Drang: Der Epoche des Sturm und Drang geht die Epoche der
Aufklärung voran, die durch eine Jugendbewegung ausgelöst wurde. Eine
gewisse Jugendlichkeit, die in dieser Epoche mitschwang, ging durch die
deutsche Literatur und wurde von einem hohen Idealismus gekennzeichnet.
Gefühle und die Freiheit und Triebe standen im Vordergrund.

c. Motive, Themen und Ideen


- Aufklärung:
o Kritik an der Kirche und Religion
o Kritik an staatlichen und gesellschaftlichen Ordnungen
o Unbedingter Fortschrittsglaube
o Das Gute und das Vernünftige werden gleich gesetzt
o Toleranz in Gesellschaft, Politik und Religion
o Menschlicher Verstand soll die Wahrnehmung beherrschen
o Geistige Emanzipation und Individualismus
- Sturm und Drang:
o Kritik am Feudalismus bleibt bestehen
o Persönlichkeitsideal: die junge Generation wendet sich gegen die
alten Traditionen, die Rationalität ging verloren, die Emotion
wurde in den Mittelpunkt gerückt.
o Selstbestimmung, Inspriration, Kreativität
o Gesellschaftliche Befreiung von Zwängen
d. Autoren und Werke
- Aufklärung: Gotthold Ephraim Lessing (Emilia Galotti – 1772, Nathan der
Weise – 1779); Christian Fürchtegott Gellert (Die zärtlichen Schwestern –
1747, Die Betschwester – 1745)...
- Sturm und Drang: Johann Wolfgang Goethe (Prometheus – 1772-1774,
Die Leiden des jungen Werther – 1774); Friedrich Schiller (Die Räuber –
1781, Don Karlos – 1783-1787); Johann Georg Hamann (Kreuzzüge des
Philologen – 1762)
e. Textbeispiel
- Aufklärung: Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing
Zweiter Auftritt
Conti. Der Prinz.
Der Prinz. Guten Morgen, Conti. Wie leben Sie? Was macht die Kunst?
Conti. Prinz, die Kunst geht nach Brot.
Der Prinz. Das muß sie nicht; das soll sie nicht—in meinem kleinen
Gebiete gewiß nicht.—Aber der Künstler muß auch arbeiten wollen.
Conti. Arbeiten? Das ist seine Lust. Nur zu viel arbeiten müssen kann ihn um den
Namen Künstler bringen.
Der Prinz. Ich meine nicht vieles, sondern viel; ein weniges, aber mit Fleiß.—Sie
kommen doch nicht leer, Conti?
Conti. Ich bringe das Porträt, welches Sie mir befohlen haben, gnädiger Herr. Und
bringe noch eines, welches Sie mir nicht befohlen: aber weil es gesehen zu werden
verdient.
Der Prinz. Jenes ist?—Kann ich mich doch kaum erinnern.

- Sturm und Drang: Die Räuber von Friedrich Schiller


Ich habe große Rechte, über die Natur ungehalten zu[S. 24] seyn, und bei meiner
Ehre! ich will sie geltend machen. — Warum bin ich nicht der Erste aus Mutterleib
gekrochen? Warum nicht der Einzige? Warum mußte sie mir diese Bürde von
Häßlichkeit aufladen? gerade mir? Nicht anders, als ob sie bei meiner Geburt einen
Rest gesetzt hätte? Warum gerade mir die Lappländersnase? Gerade mir dieses
Mohrenmaul? Diese Hottentottenaugen? Wirklich, ich glaube, sie hat von allen
Menschensorten das Scheußliche auf einen Haufen geworfen, und mich daraus
gebacken. Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben, jenem dieses zu
verleihen, und mir vorzuenthalten? Könnte ihr jemand darum hofiren, eh' er
entstund? Oder sie beleidigen, eh' er selbst wurde? Warum gieng sie so partheylich
zu Werke?
Nein! Nein! Ich thu' ihr Unrecht. Gab sie uns doch Erfindungsgeist mit, setzte uns
nackt und armselig ans Ufer dieses großen Ozeans, Welt — Schwimme, wer
schwimmen kann, und wer plump ist, geht unter! Sie gab mir nichts mit; wozu ich
mich machen will, das ist nun meine Sache. Jeder hat gleiches Recht zum Grösten
und Kleinsten, Anspruch wird an Anspruch, Trieb an Trieb, und Kraft an Kraft
zernichtet. Das Recht wohnet beim Überwältiger, und die Schranken unserer Kraft
sind unsere Gesetze.

f.Zentrale Gattungen
- Aufklärung: Drama, Fabeln, Parabeln, Lehrgedichte, Roman,
Gedankenlyrik
- Strum und Drang: Drama, Roman, Volkslied, Erlebnislyrik
-
2. Frage:
a. Was kritisiert Lessing vor dem Hintergrund der antiken Tragödie am
klassischen französischen Theater?
Ort (ein Schauplatz), Zeit (24 Stunden) und Handlung – des französischen
Klassizismus (Corneille, Racine)
b. Inwiefern spiegelt gerade die Figur des Hofmeisters die gesellschaftliche
Konfliktlage der Epoche wider?
Hofmeisters konnten gut die sozialen Zwänge der Zeit auf die Bühne
gebracht werden.
Nach ihrem Studium mussten viele bürgerliche Intellektuelle, vor allem
Schriftsteller, ihren Lebensunterhalt als Privatlehrer in Adelsfamilien
verdienen.
c. Aus welchen Gründen avanciert das Drama zur wichtigsten Gattung der
Epoche?
Das Drama spielte in der Aufklärung eine besondere Rolle. Hier hoffte
man die Zuschauer und Leser besser erziehen und verändern zu können, als
in anderen literarischen Gattungen.