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Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen

für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -


Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter:


Konsequenzen für die pädagogische Arbeit
in Kindertagesstätten

Fabienne Becker-Stoll
Staatsinstitut für Frühpädagogik

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
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Bindung und
Exploration

Implikationen Feinfühligkeit und


für die pädagogische Bindungsqualität
Arbeit

Gehirnentwicklung im
Kleinkindalter
Konsequenzen für
Neurobiologische
Bezugspersonen
Grundlagen

Neurobiologische
Grundlagen von
Bindung

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
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Bindung und Exploration


(Bowlby, 1951,1987/2003)

• Ein Säugling ist genetisch


vorprogrammiert, im ersten Jahr eine
Bindung an wenige Personen zu
entwickeln, die stärker und erfahrener
sind und die ihn schützen und versorgen
können.
• Bindungsverhalten zielt darauf ab, die
Nähe einer bevorzugten Person zu
suchen, um dort Sicherheit zu finden.

Bindung ist ein lang anhaltendes, gefühlsmäßiges Band zu


einer spezifischen Person, die nicht ausgetauscht werden
kann. (Mama bleibt die Nr. 1)
Komplementär zum Bindungsverhaltenssystem ist das
Explorationsverhaltenssystem.

Exploration – erkunden der Umwelt ist Lernen!


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Bindung und Exploration (Bowlby, 1951,1987/2003)


Bindung und Exploration als phylogenetisch angelegte
Verhaltenssysteme, die komplementär sind:

Bindungs-
verhaltenssystem

Explorations-
verhaltenssystem

Ø Dem kindlichen Bindungsverhaltenssystem steht das elterliche


Pflegeverhaltenssystem gegenüber.

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Bindung und
Exploration

Implikationen
Feinfühligkeit und
für die pädagogische
Bindungsqualität
Arbeit

Gehirnentwicklung
im Kleinkindalter
Konsequenzen für Neurobiologische
Bezugspersonen Grundlagen

Neurobiologische
Grundlagen von
Bindung

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Das Konzept der Feinfühligkeit


(Ainsworth, 1977,1978/2003)

• Die Fähigkeit und Bereitwilligkeit der


Betreuungsperson, die Mitteilungen
und das Verhalten des Säuglings
– wahrzunehmen und
– richtig zu deuten,
– und darauf prompt
– und angemessen zu reagieren.

• Die Feinfühligkeit der Eltern wirkt


sich neben den
Temperamenteigenschaften des
Kindes auf die Bindungsqualität
zwischen Kind und Elternteil aus.

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Väterliche Feinfühligkeit
(Kindler & Grossmann, 2002)

• In westlichen Gesellschaften zeichnen


sich die Vater-Kind-Beziehungen
durch einen hohen Anteil
spielerischer Interaktion aus, also
durch größere Nähe zur Exploration.

• Viele Väter neigen dazu, die Neugier


und die Fähigkeiten des Kindes eher
herauszufordern, als sein nach
körperlicher Nähe strebende Verhalten
zu unterstützen (Kindler, 2002).
Forschungsergebnisse zeigen:
Zusammenhänge zwischen der feinfühligen Ermutigung des Vaters zur
Qualität der Exploration und dem weiteren Verlauf der Bindungs- und
Sozialentwicklung sowie der emotionalen Sicherheit des Kindes in
neuartigen Situationen (Grossmann, 2002).

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Auswirkungen elterlicher Feinfühligkeit und sicherer Bindung


auf die weitere Entwicklung (Grossmann & Grossmann, 2004)

Frühe Kindheit
12 Monate: subtilere und vielfältige Kommunikationsfähigkeiten
(Ainsworth & Bell, 1974, vgl. Grossmann & Grossmann, 1991).

2 Jahren: kompetenteres Problemlöseverhalten


(Matas et al., 1978; Schieche, 1996)

5 Jahre im Kindergarten (Sroufe, 1983; Suess, Grossmann, & Sroufe, 1992)


- weniger aggressives bzw. feindseliges Verhalten
gegenüber anderen Kindern
- weniger emotionale Isolation und Abhängigkeit von
den Erzieherinnen mehr Kompetenz im Umgang mit
anderen Kindern
- und eine positivere Wahrnehmung von sozialen
Konfliktsituationen
- sehr viel konzentrierter beim Spiel

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Auswirkungen elterlicher Feinfühligkeit und sicherer Bindung


auf die weitere Entwicklung (Grossmann & Grossmann, 2004)

Im Schulalter
(Sroufe, 1983; Scheuerer-Englisch, 1989
Zimmermann, 1995
Spangler & Zimmermann, 1999)
- positive soziale Wahrnehmung,
- hohe soziale Kompetenz,
- bessere Freundschaftsbeziehungen
- hohes Selbstwertgefühl und großes Selbstvertrauen
- höhere Ich-Flexibilität
- sie sind eher in der Lage, die Kontrolle und Modulation von Impulsen,
Bedürfnissen und Gefühlen dynamisch an situative Erfordernisse
anzupassen
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Auswirkungen elterlicher Feinfühligkeit und sicherer Bindung auf die


weitere Entwicklung (Grossmann & Grossmann, 2004)

Jugendalter
- mehr Ich-Flexibilität und ein positives Selbstkonzept,
- Aktivere Copingstrategien und gelungener Umgang mit Problemen
(Zimmermann & Becker-Stoll, 2001, 2002)
- gelungenen Balance von Autonomie und Verbundenheit in der Beziehung zu den Eltern (Becker-
Stoll, 1997, Grossmann & Becker-Stoll, 2002)
- Bessere Freundschaften zu Peers und positivere Erfahrungen in ersten Partnerschaften
(Zimmermann, 1999; Becker-Stoll, 2004)

Erwachsenenalter (Grossmann, Grossmann & Waters, 2006)


Zusammenhänge
» mütterlicher Feinfühligkeit
» väterlicher Spielfeinfühligkeit
» Bindungsqualität des eigenen Kindes
• Transgenerationale Weitergabe der Organisation von Bindung,
Exploration und Autonomie
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Bindung und
Exploration

Implikationen
für die pädagogische Feinfühligkeit und
Arbeit Bindungsqualität

Gehirnentwicklung im
Kleinkindalter
Konsequenzen für Neurobiologische
Bezugspersonen Grundlagen

Neurobiologische
Grundlagen von
Bindung

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Neurobiologische Grundlagen

Bock, J. (2003). Frühkindliche


emotinale Erfahrungen beeinflussen
die funktionelle Entwicklung des
Gehirns. Neuroforum 2/03 S 15-20.

Braun, K. et al. (2002). Frühe


emotionale Erfahrungen und ihre
Relevanz für die Entstehung und
Therapie psychischer
Erkrankungen. In: Strauss B,
Beide Forscher untersuchen den Buchheim A, Kächele H (Hrsg.)
Einfluss früher Erfahrungen auf die Klinische Bindungsforschung –
Entwicklung des Gehirns. Methoden und Konzepte (121-128).
Schattauer: Stuttgart.

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Gene und Umwelt (Braun et al. 2002)

• In allen Entwicklungsstadien kommt es zu einem subtilen


Wechselspiel zwischen genetisch determinierten, d.h.
angeborenen, „vorprogrammierten“ zellulären und molekularen
Programmen und von Umwelteinflüssen, Erfahrungen und
Lernvorgängen (Abb. 2).

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Braun et al. 2002


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Gene und Umwelt (Braun et al. 2002)


• Vor der Geburt dominieren zunächst die genetisch
determinierten molekularen Programme, die durch die
auf den Fetus einwirkenden Umwelteinflüsse nur in
relativ geringem Maße moduliert werden.
• Bei der Geburt nimmt dann die Komplexität der
erfahrbaren Umwelt noch einmal sprunghaft zu.
• Die neu hinzukommenden sensorischen, motorischen
und vor allem auch die emotionalen Erfahrungen
übernehmen jetzt die Regie über die genetische und
molekularen Programme, um die weitere
Hirnentwicklung optimal auf die Umwelt- und
Lebensbedingungen des heranwachsenden
Individuums abzustimmen.
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Gene und Umwelt (Braun et al. 2002)


• Ein solch weitreichender Einfluß von Lern- und
Erfahrungsprozessen bei der Hirnentwicklung
wurde jahrzehntelang gewaltig unterschätzt.
• Man nahm lange Zeit an, dass ebenso wie z.B.
die Augen-, Haut- oder Haarfarbe genetisch
festgelegt sind, auch die Entwicklung, spätere
Funktionsweise und Leistungskapazität des
Gehirns intern vorprogrammiert sei und
innerhalb des ersten Lebensjahres fixiert wird.

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Gene und Umwelt (Braun et al. 2002)


• Systematische tierexperimentelle
Untersuchungen in den letzten Jahren zeigen
jedoch immer mehr, dass die Reichhaltigkeit
und der Abwechslungsreichtum der Umwelt
letztendlich darüber bestimmt, wie komplex
sich die zellulären informationsübertragenden
Strukturen des Gehirns entwickeln und
miteinander kommunizieren.

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Braun et al. 2002


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Gene und Umwelt (Braun et al. 2002)


• Eine abwechslungsreiche, interessante und anregende
Umwelt regt das Gehirn zu einer verstärkten Aktivität
an
– dadurch kann sich zum Beispiel die Sterberate von
Nervenzellen und deren synaptischen Kontakte vermindern,
– die Axone und Dendriten der häufiger aktivierten Nervenzellen
verlängern sich und sie bilden mehr synaptische Kontakte
untereinander aus.
• Hingegen führt ein Mangel oder das völlige Fehlen an
anregenden Umwelteinflüssen, oder das wiederholte
Auftreten von angstvollen oder schmerzhaften
Erlebnissen, zur Unter- oder Fehlentwicklung der
zellulären Komponenten des Gehirns.
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Bindung und
Exploration

Implikationen Feinfühligkeit und


für die pädagogische Bindungsqualität
Arbeit

Gehirnentwicklung im
Kleinkindalter
Konsequenzen für Neurobiologische
Bezugspersonen Grundlagen

Neurobiologische
Grundlagen von
Bindung

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Auswirkung feinfühliger Zuwendung auf das


kindliche Gehirn (Braun et al. 2002)
Durch die feinfühlige Interaktion mit
dem Kind trainiert die Mutter das Gehirn
des Kindes.
Sie stimuliert im Gehirn des Kindes
primäre und sekundäre Sinnes- und
Bewegungszentren, das Limbische
System, und Regionen im präfrontalen
Cortex.
Die Stimulation dieser drei Hirnregionen
führt zu neuen Vernetzungen.
Das gleichzeitige Aktivieren von
verschiedenen Nervenzellen führt zu
bleibenden Strukturveränderungen.

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Braun et al. 2002


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Frühkindliche emotionale Erfahrungen beeinflussen die funktionelle
Entwicklung des Gehirns (Braun et al. 2002)

Verdichtung der Neuronalen


Netzwerke im Gehirn des Kindes -
Gewicht des Gehirns bei Geburt
400g, mit zwei Jahren 1000g
Abbildung 1: Medianansicht des menschlichen Gehirns mit den wichtigsten limbischen Zentren.
Diese Zentren sind Orte der Entstehung von positiven (Nucleus accumbens, ventrales tegmentales
Areal), und negativen Gefühlen (Amygdala), der Gedächtnisorganisation (Hippocampus), der
Aufmerksamkeits- und Bewusstseinssteuerung (basales Vorderhirn, Locus coeruleus, Thalamus)
und der vegetativen Funktionen (Hypothalamus). (Aus Roth, 2001, nach Spektrum/Scientific
American, 1994, verändert).

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Unterschied zwischen dem frühkindlichen


und dem erwachsenen Gehirn (Braun et al. 2002)

• Ein entscheidender Unterschied zwischen dem


erwachsenen, erfahrenen Gehirn und dem kindlichen
noch unreifen, im Wachstum befindlichen Gehirn:
– kognitive vor allem aber auch emotionale Erfahrungen
hinterlassen im kindlichen Gehirn viel massivere und
dauerhaftere Spuren
– als im erwachsenen Gehirn, wo nur noch vergleichsweise
subtile Veränderungen beim Lernen stattfinden.

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Neurobiologische Grundlagen (Braun et al. 2002)


• Der angeborene „Lerntrieb“ der Kinder kann
mittlerweile auch neurobiologisch erklärt
werden:
→das Gehirn „sucht“ sich seine Anregungen, es
„sucht“ nach Abwechslung, und es versucht, Denk-
und Erklärungskonzepte zu erstellen.
• Dabei führt jeder Lernerfolg zu einem
Glücksgefühl, das über die Ausschüttung
körpereigener „Glücksdrogen“ vermittelt wird
– Das kindliche Gehirn ist von Natur aus „lernsüchtig“,
es sucht nach dem „Kick“ und nutzt hierzu seine
offenbar unerschöpfliche Leistungskapazität.

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Braun et al. 2002


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Neurobiologische Grundlagen (Braun et al. 2002)


Die Untersuchungen von Braun und Mitarbeitern haben
gezeigt, dass Deprivation (= Mangel bzw. völliges
Fehlen von sensorischen, motorischen und
emotionalen Umweltreizen),
• die funktionelle Reifung des präfrontalen Cortex
(=Assoziationscortex) und vermutlich auch
• das gesamte limbische System (=ein über Synapsen
miteinander kommunizierendes System verschiedener
Hirnregionen, welches maßgeblich bei Lernprozessen
und der Gedächtnisbildung, aber auch bei der
Wahrnehmung und Entstehung von Gefühlen und
gefühlsbetonten Verhaltensweisen beteiligt ist)
• in negativer Weise beeinflusst.
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Neurobiologische Grundlagen (Braun et al. 2002)


• Neuere tierexeperimentelle
Befunde bestätigen dies,
und sie zeigen darüber
hinaus, dass eine der
Ursachen für diese
deprivationsinduzierten
Lern- und Verhaltensdefizite
die gestörte Reifung des für
Lernen und
Gedächtnisbildung und die
emotionale Steuerung des
Verhaltens verantwortlichen
limbischen Systems ist.

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Die prägende Wirkung früher emotionaler Erfahrungen

Frühe emotionale Erfahrungen

Sozio-emotionale Deprivation
Traumatische Erlebnisse
Entwicklung sozialer
und intellektueller
Kognitive und psychosoziale
Fähigkeiten
Fehlentwicklungen

Beispiele
Heimkinder ohne Bezugsperson zeigen Defizite der intellektuellen und
emotionalen Kompetenzen. Nur stabile emotionale Beziehung kann helfen
(vgl. Rutter et al. 2001).
Sozial depriviert aufgewachsene Affen und Nager entwickeln
Verhaltensstörungen und verminderte Lernleistung (Harlow u. Harlow 1962,
Hall, 1998).
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Neurobiologische Grundlagen von Bindung


An Strauchratten (Octodon degus) haben Prof. Braun
und ihre Mitarbeiter untersucht, wie Elternkontakt
die Hirnentwicklung der Kinder Beeinflusst)

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Neurobiologische Grundlagen von Bindung Stoffwechselaktivität im


Vorderhirn von acht Tage
alten Jungtieren im
Sozialverband (links) und
während der Separation von
den Eltern (rechts).
Die separierten Tiere
zeigen eine deutlich
verminderte Aktivität im
Vergleich zu den sozialen
Tieren.
Während der Trennung setzt
das juvenile Gehirn seine
Aktivität auf „Sparflamme“.
Diese Prozesse führen zu
längerfristigen
synaptischen
Veränderungen im
präfrontalen Kortex.
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Deprivierte Strauchrattenjunge zeigen eine signifikant erhöhte Dichte


von Spinesynapsen und Spinefrequenzen und eine 50%tige
Reduktion von Schaftsynapsen.

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Neurobiologische Grundlagen von Bindung (Braun et al. 2002)


• Deprivierte Strauchrattenjunge zeigen erhöhte (140%) Dichte von
Spinesynapsen
– Das normalerweise stattfindende „Ausjäten“ von Synapsen wird durch
diese frühe Negativerfahrung blockiert
– Erhöhte Synapsendichte auch durch Stress induzierte überschießende
Synpasevermehrung erklärbar
• Veränderung der Synapsendichte bei deprivierten Tieren finden sich
im cingulären Kortex, Präfrotalkortex und limbischen Regionen
– Die synaptischen Verschaltunsmuster werden bei den deprivierten Tieren
regionsspezifisch neuorganisiert, so dass längerfristig daraus eine
veränderte Balance der Wechselwirkung zwischen limbischen
Hirnregionen resultieren kann.
• Gleichgewichte der Neurotransmitter und ihrer Rezeptoren, die im
Gehirn bei der Mudulation von Emotionen eine zentrale Rolle spielen,
werden auch durch die Separation verschoben.
– Bereits nach drei Tage nach kurzen Trennungsepisoden erhöhen sich die
dopaminerge und serotonerge Rezeptorsubtypen im präfrontalen Kortex,
Hippocampus und Amygdala.

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Neurobiologische Grundlagen von Bindung


Schlussfolgerungen

• Belastende Ereignisse wie


– der Verlust oder die Trennung der Eltern
– oder Misshandlungen und Vernachlässigung
• können auch beim menschlichen Säugling und Kleinkind die
synaptischen Umbauprozesse in den limbischen
Emotionsschaltkreisen verändern.
• Folge: ein falsch geknüpftes neuronales Netzwerk, das
Verhaltens- oder Lernstörungen bis hin zu psychischen
Erkrankungen bewirken kann.

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Braun et al. 2002


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Frühkindliche emotionale Erfahrungen beeinflussen


die funktionelle Entwicklung des Gehirns (Braun et al. 2002)

• die Anpassungsfähigkeit des frühkindlichen Gehirns ermöglicht


• es Eltern und Erziehern

• in den ersten Lebensjahren die Entwicklung der limbischen


Schaltkreise

• über eine emotionale und intellektuelle Förderung zu


optimieren.
• Gerade diese frühe Phase muss dazu genutzt werden,

• die hirnbiologische Basis für spätere Lernleistungen

• und sozio-emotionlae Kompetenz zu bilden.

• Welche Implikationen entstehen daraus für die Kindertagesbetreuung?

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Braun et al. 2002


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Bindung und
Exploration

Implikationen Feinfühligkeit und


für die pädagogische Bindungsqualität
Arbeit

Gehirnentwicklung im
Kleinkindalter
Konsequenzen für Neurobiologische
Bezugspersonen Grundlagen

Neurobiologische
Grundlagen von
Bindung

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
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Implikationen für die Eltern?


(Margot Sunderland, 2006)

• Alles, was ein Kind mit


seinen Eltern erlebt,
bewirkt Vernetzungen
zwischen den
Gehirnzellen seines
Großhirns.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


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Implikationen für Bezugspersonen?


(M. Sunderland, 2006)

• Deshalb ist die Art,


– wie die Eltern diesem Kind zuhören,
– mit ihm spielen,
– es in den Arm nehmen
– und trösten
– und wie Sie es behandeln, wenn es unartig ist,
so wichtig.
Es sind diese Momente mit den Eltern, die
darüber entscheiden können, ob sich dieses
Kind gut entwickeln wird.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


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Implikationen für die Bezugspersonen?


(M. Sunderland, 2006)

• Aufgrund der emotionalen Reaktion der Eltern


knüpfen sich im Gehirn des Kindes
Verbindungen, die es befähigen später im
Leben
– mit Stress fertig zu werden,
– erfüllte Beziehungen einzugehen,
– mit Wut umzugehen,
– freundlich und mitfühlend zu sein
– den Antrieb zu haben, Träume zu verwirklichen,
Ziele zu verfolgen
– und tiefe Ruhe zu empfinden.
© Fabienne Becker-Stoll 2008
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Bindung und
Exploration

Bindung und Bildung Feinfühligkeit und


von Anfang an Bindungsqualität

Gehirnentwicklung
im Kleinkindalter
Konsequenzen für Neurobiologische
Bezugspersonen Grundlagen

Neurobiologische
Grundlagen von
Bindung

© Fabienne Becker-Stoll 2008


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Bindung und Bildung


Bindungs- Explorations
verhaltenssystem verhaltenssystem

In der Familie fangen Bildung und Erziehung an.

Erst später kommen Krippe, Tagespflege, Kindergarten


und Grundschule hinzu.
Aber auch dann bleibt die Familie der am längsten und
stärksten wirkende Bildungsort des Kindes.
Alle Lernorte an denen Bildung und
Erziehung stattfindet, müssen
zusammenarbeiten.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


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Wer hat mehr Einfluss auf die


frühkindliche Entwicklung?

Die Familie?

Die außerfamiliale Betreuung?

Oder beide gleich viel?

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Klaus A. Schneewind, 2007


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Familie vs. Kindertagesstätte

• Beim Vergleich der Entwicklung von Kita-


Kindern mit Kindern ohne öffentliche
Betreuungserfahrung muss jedoch beachtet
werden, dass Kita-Kinder nicht etwa in
öffentlichen Kindereinrichtungen anstatt zu
Hause aufwachsen, sondern in einem
geteilten Betreuungsfeld agieren, bei dem die
Familie nach wie vor eine zentrale Rolle
spielt.

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Liselotte Ahnert, 2007, S.480,


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Die NICHD Längsschnittstudie in den USA


• Eine „Landmark“-Studie in den USA: National Institute of Child
and Human Development (NICHD) Early Child Care Research
Network
• Stichprobe: rund 1300 Kinder wurden von Geburt bis zum Alter
von 4,5 Jahren (Erhebungszeitpunkte: 1, 6, 15, 24, 36, 54
Monate) hinsichtlich ihrer Betreuungsverhältnisse und ihrer
Entwicklung von 10 Universitäten an 24 Erhebungsorten
untersucht
• Methoden: Mix von Beobachtung (Feld, Labor) Befragung,
Fragebogen, Tests

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Klaus A. Schneewind, 2007


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Fazit: Einflüsse von Eltern- und Fremd-


betreuung auf die frühkindliche Entwicklung

• Im Schnitt keine Unterschiede zwischen Elternbetreuung


und außerfamilialer Betreuung
• Einfluss von Elternbetreuung ca. zwei- bis viermal größer
als außerfamiliale Betreuung
• Bei kompetenter Elternbetreuung keine zusätzlichen
Effekte durch außerfamiliale Betreuung
• Bei wenig kompetenter Elternbetreuung moderat positive
Effekte durch außerfamiliale Betreuung
Quelle: NICHD Early Child Care Research Network, 2006

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Klaus A. Schneewind, 2007


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Außerfamiliale Formen der Entwicklungs-


förderung ersetzen nicht die Familie
als Erziehungs- und Bildungsinstanz
• Die primäre Schlussfolgerung ist, dass das
Elternverhalten einen viel größeren Einfluss im Hinblick
auf die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung
der Kinder hat als eine außerfamiliäre Kinderbetreuung.
• Es lohnt sich also, die elterlichen Bildungs- und
Erziehungskompetenzen zu stärken!

Quelle: NICHD Early Child Care Research Network, 2006

© Fabienne Becker-Stoll 2008 Klaus A. Schneewind, 2007


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Tagesbetreuung, Bindung und Bildung


(Ahnert, 2002, 2006)

Die Erzieherinnen müssen sowohl


„mütterliche“ als auch „väterliche“
Feinfühligkeit aufweisen und diese
auch dem Gruppengeschehen
dynamisch anpassen.

Dieses Erzieherverhalten bildet sich insbesondere in kleinen und stabilen


Gruppen aus (Ahnert, 2006).

Kindgerechte Bildungsprogramme sind auf der Grundlage sicherer


Erzieher-Kind Bindungen am wirksamsten.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


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Fazit
• Die Erzieherin-Kind-Beziehung kann nur dann
eine kompensatorische Wirkung entfalten,
– wenn die gesamte Qualität der Einrichtung dies
ermöglicht und
– wenn das Kind die Erzieherin als sichere Basis
erlebt, die ihm sowohl die Sicherheit der Bindung
als auch der Exploration gibt
– und damit die psychischen Bedürfnisse des Kindes
nach Bindung, Kompetenz und Autonomie
entwicklungsangemessen befriedigt.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Damit die Kindertageseinrichtung eine ergänzende oder


kompensatorische Funktion übernehmen kann,
braucht es:
1. Eine vertrauensvolle Bildungs- und
Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und
pädagogischem Personal
2. Elternbegleitete, bezugspersonenorientierte und
abschiedsbewusste Eingewöhnung
3. Kontinuierliche, feinfühlige Interaktionserfahrungen
mit der Bezugserzieherin
4. Kleine, stabile Gruppen
5. Geringe Personalfluktuation, Ersatzkräfte in der Kita
6. Hervorragende Aus- und Fortbildung des
pädagogischen Personals

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Tagesbetreuung, Bindung und Bildung


(Ahnert, 2002, Grossmann, 2002)

• Eine gesunde
Entwicklung über den
Lebenslauf braucht von
Anfang an sowohl die
Sicherheit der
Exploration als auch die
Sicherheit der
Bindung.
Feinfühliges Verhalten gegenüber einem Kind fördert somit die
Befriedigung der drei psychischen Grundbedürfnisse nach Bindung,
Kompetenz und Autonomie.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Auf den Anfang kommt es an!


Eine sichere Bindung ist die
beste Grundlage für
Exploration und damit für
eine aktive Auseinandersetzung
mit der Umwelt.

Feinfühlige Zuwendung
fördert die optimale
Entwicklung des frühkindlichen
Gehirns.

Und gibt Sicherheit für den Sichere Bindungen sind damit


Übergang zu außerfamiliärer die beste Grundlage
Bildung, Betreuung und für erfolgreiches lebenslanges
Erziehung. Lernen.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Fazit
• Für die Entwicklung des Kindes ist die Qualität
der Betreuungssituation entscheidend,
– nicht die Tatsache ob es nur von seinen Eltern
zuhause
– oder zusätzlich auch von anderen Personen
außerhalb seiner Familie betreut wird.

• Kinder können mehr, wenn sie von Anfang an


in ihrem Bedürfnis nach Bindung, Kompetenz
und Autonomie unterstützt werden!

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Auf den Anfang kommt es an!


Eine sichere Bindung ist die beste Grundlage für Exploration
und damit für eine aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt.

Feinfühlige Zuwendung fördert die optimale Entwicklung des


frühkindlichen Gehirns.

Und gibt Sicherheit für den Übergang zu außerfamiliärer


Bildung, Betreuung und Erziehung.

Sichere Bindungen sind damit die beste Grundlage


für erfolgreiches lebenslanges Lernen.

© Fabienne Becker-Stoll 2008


Zur Gehirnentwicklung im Kleinkindalter: Konsequenzen
für die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten -
Caritas Verband Nürnberg am 02.04.2008

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

© Fabienne Becker-Stoll 2008