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Gewidmet

Ida & Jonas


Impressum

Veröffentlicht: 2018

Text: © Copyright by Brigitte Graf

Illustrationen: © Copyright by Brigitte Graf

Verlag: Brigitte Graf


Wernsbach 12
91166 Georgensgmünd
indersonneliegen@web.de

Druck: epubli - ein Service der neopubli


GmbH, Berlin
von
BRIGITTE GRAF
In einem Häuschen lebten
einmal drei gute Freunde
zusammen:
Der kräftige Max, der so
stark war, dass er sogar
ganze Äste hochheben
konnte. Da war auch noch der
geschickte Hannes, der so gut
kletterte, dass er immer die
besten Kirschen von ganz
oben im Baum pflücken
konnte. Und es wohnte auch
noch Kalle im Haus. Er war
der Kleinste. Eines Morgens
sagte der kleine Kalle zu
seinen Freunden: „Ich will
einen Schatz finden, den ich
euch zeigen werde, wenn ich
ihn gefunden habe.“
So zog er los in den
nahegelegenen Wald.

Nachdem er schon ein ganzes


Stück gelaufen war und viel
gesucht hatte, fand er
plötzlich eine große, goldene
Schnecke am Wegesrand.
Voller Freude nahm er sie mit
nach Hause und freute sich
schon darauf, den Schatz
seinen Freunden zu zeigen,
aber die schliefen schon.

Sorgsam legte er seine


Goldschnecke in eine leere
Schachtel und pflückte ihr
auch noch ein paar saftige
Grashalme, damit sie etwas
zu essen hatte.
Müde von der Suche ging er
dann auch bald in sein
Bettchen.

Doch als er eingeschlafen


war, kroch die Schnecke ganz
leise und unbemerkt wieder
hinaus in den Wald.
Am nächsten Morgen suchte
Kalle die Schnecke, doch sie
war weg.

„Ohje, meine schöne, goldene


Schnecke ist weg!“ hörte man
ihn jammern.
Enttäuscht zog er von Neuem
los und wollte sich nun eben
einen neuen Schatz suchen.
Er musste lange laufen, aber
dann fand er einen schönen
bunten Schmetterling, den er
mit einem Netz einfing und
zuhause in einen Karton
setzte.
Damit der Schmetterling was
zu essen hat, legte er auch
noch ein paar schöne Blumen
mit hinein und deckte den
Karton vorsichtig mit einem
Tuch zu.
Aber in der Nacht, als Kalle
schlief, da blies der Wind
durch das geöffnete Fenster
das Tuch weg und der
Schmetterling flog schnell
davon.
Als Kalle dies am nächsten
Morgen bemerkte, war er so
traurig, dass er sich, ohne zu
frühstücken, gleich wieder
auf den Weg machte. Er ging
in den Wald, um wieder einen
neuen Schatz zu suchen.
Er lief den ganzen Tag durch
den Wald, bis er etwas sehr
Schönes fand.

Es war eine glitzernde


Haselnuss. „Bestimmt ist es
eine Zauberhaselnuss. Endlich
habe ich einen Schatz, der
nicht davonlaufen kann, der
immer bei mir bleibt,“ dachte
sich Kalle. Als er abends
schlafen ging, verkündete er
stolz seinen Freunden: „Ich
werde euch morgen meinen
Schatz zeigen!“ Damit sie
keiner vorher sehen konnte,
legte er die Haselnuss unter
sein Bettchen. Aber kaum
war er eingeschlafen, kam
eine hungrige Maus aus ihrem
Mauseloch heraus und fraß
die schöne Glitzerhaselnuss
einfach auf.
Am nächsten Morgen fragten
Max und Hannes: „Zeigst du
uns nun deinen Schatz?“ „Ja,
kommt alle mal mit in mein
Zimmer,“ antwortete er.

Jedoch als er die Haselnuss


unter dem Bett hervorholen
wollte, war sie weg! Und die
Maus auch.

Max und Hannes kicherten


nur. Aber Kalle war sehr
traurig deswegen, und seine
Füßchen taten auch schon
weh, von dem vielen und
langen Suchen. Er weinte den
ganzen Tag lang, bis er
einschlief.

In jener Nacht aber, geschah


etwas Besonderes. Eine
echte Fee besuchte Kalle im
Traum und sie flüsterte ihm
leise Etwas ins Ohr: „Finde
deine eigene Melodie und
singe sie laut, dann hast du
einen Schatz den du nicht
verlieren kannst, den dir auch
niemand klauen kann und der
dich nie verlässt.“
Am nächsten Morgen blieb
Kalle erst ganz still in seinem
Bettchen sitzen, bis er auf
einmal den ersten Ton seiner
Melodie fand. Bald schon
folgten weitere Töne und das
gefiel ihm gut. Kalle summte
die Melodie immer wieder.
Und bald konnte er zur
Melodie auch singen. Noch am
selben Tag rief er seine
Freunde herbei: „Max, Hannes
kommt, ich kann euch jetzt
meinen Schatz zeigen.“
Neugierig kamen schnell seine
Freunde zu Kalle, der draußen
unterm Kirschbaum saß. Und
Kalle fing an, seine Melodie
erst zu summen, und dann
sang er sein Lied. Es war so
schön, dass es nicht lange
dauerte, da fingen seine
Freunde auch an mitzusingen
und sie tanzten sogar dabei.

Erst sangen sie noch ganz


leise, dann immer lauter, so
dass man es im ganzen Wald
hören konnte. Auch die
goldene Schnecke, der bunte
Schmetterling und die
hungrige Maus hörten das.
Und alle kamen herbei und
blieben den ganzen Tag, um
der schönen Melodie zu
lauschen. Das freute Kalle.
Alle sangen und tanzten mit.
Es war ein richtiges Fest.
Und Kalle war zufrieden und
musste keinen Schatz mehr
suchen, denn er hatte jetzt ja
einen Schatz, den er, so oft
er wollte, auch zeigen konnte.
Und das war seine
wundervolle Melodie, die so
schön war, dass er damit alle
die sie hören konnten, eine
Freude machen konnte.
Das Lied von Kalle
„Ich bin ein Schatz für diese Welt“

Liedtext von Brigitte Graf


Melodie von Claudia Escher
Kalle und seine Freunde
Kalle findet eine goldene
Schnecke im Wald.
In der Nacht kriecht die
Schnecke wieder zurück
in den Wald.
Kalle findet einen schönen
Schmetterling.
In der Nacht fliegt
der Schmetterling
wieder davon.
Kalle findet eine
Zauberhaselnuss.
In der Nacht kommt
eine Maus und frisst
die Haselnuss.
Kalle wird von seinen
Freunden ausgelacht.
Kalle weint ganz viel.
Dann erscheint im
Traum eine Fee.
Kalle singt sein Lied
und alle freuen sich.
Über die Autorin
und ihre Gedanken zur Geschichte

Brigitte Graf (Jahrgang 1971)


Brigitte ist beruflich als Erzieherin in einem Wohnheim für
junge Menschen mit Behinderung tätig. Sie ist Mutter von
zwei mittlerweile erwachsenen Kindern.

Das sagt sie über ihr Buch:

„Der Grundstoff dieser Geschichte ist aus meiner


persönlichen Lebenserfahrung gegriffen. Wie mühselig es
ist, wenn man seine Wertigkeit von Dingen oder anderen
Menschen abhängig macht oder sich abmüht, im
Vergleich mit anderen Menschen zu bestehen. All das
schafft Kummer und Sorgen.

Diese Geschichte soll Mut machen. Sie vermittelt, dass in


jedem Menschen ein ganz besonderer „Schatz“ – eine Gabe
angelegt ist. Auch wenn diese Gabe manchmal nicht auf
den ersten Blick zu erkennen ist. Anstatt sich an anderen
Menschen zu orientieren, oder angestrengt im Außen
nach Schätzen und Bestätigungen zu suchen, was meist
nur Ärger und Frustrationen, bzw. kein dauerhaftes Glück
bringt, ist es ratsam einfach zur Ruhe zu kommen, um dann
dieses „Innere“ - unsere „ureigenste Wesensgabe“ am
ehesten zu vernehmen.

Wenn wir diese Gabe finden und leben, werden wir


feststellen, dass sie uns Freude und Leichtigkeit in unser
Leben bringt und dass wir gerade in unserer gelebten
Individualität ein bereichernder und wunderbarer Teil für
diese Welt sind. Und damit ein „Schatz für diese Welt“.

„Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“


(Lukas 17:21)