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“Расkеn Sie's ein. Alles!

Jan H., 19. hat 125.000 Euro Schulden und steht demnächst wegen Betrugs vor Gericht. Weil er mit dem
Einkaufen nicht mehr aufhören konnte.

Vor zwei Jahren bekam Jan zum ersten Mal feuchte Hände, als er eine Boutique betrat. “Ich konnte mich
nicht entscheiden zwischen Dolce & Gabbana und Tommy Hilfiger, dem schwarzen Anzug und dem hellen
Mantel, dem glänzenden Seiden-hemd und dem Polohemd. Da habe ich einfach gesagt: Packen Sie es ein,
alles.” Voller Erregung fährt er mit seinen Tüten nach Hause. Er ist glücklich, denn er glaubt, jetzt wird er
endlich von all denen bewundert, die er toll findet. Jans Chef zum Beispiel. Der war ein Jungmanager der
Computerbranche und Mercedes-CLK-Fahrer. Fär den arbeitete der damalige Gymnasiast Jan nachmittags
nach der Schule als Webdesigner. Mit 17 verdiente Jan mit diesem Schulerjob schon 2500 Euro im Monat.
Als er 18 wurde, räumte ihm seine Bank einen Kredit von 12.000 Euro ein. Einfach so, nicht auf Jans
Wunsch. Man kennt sich ja im Ort, die Eltern sind angesehene Leute. Jan fühlte sich damals wie ein König
und verließ vor dem Abitur die Schule. “Ich war völlig berauscht vom Geldverdienen. Ich hatte nur noch mit
Leuten zu tun, die sich nahezu alles leisten konnten.” Er geht jeden Tag auf Shoppingtour. Jedes Mai, wenn
er ein neues Teil in den Händen hält, spürt er “den totalen Kick”. Innerhalb weniger Wochen ist der
Kleiderschrank restlos voll. Was nicht mehr hineinpasst, stapelt Jan unter seinem Bett.

So geht das einige Monate. Immer hat er Herzklopfen beim Einkaufen, doch etwas beginnt sich zu
verändern: “Die Verkäuferinnen haben mich plötzlich so komisch angeguckt und sich hinter meinem
Rucken komische Blicke zugeworfen. Dabei habe ich doch immer alles bezahlt.” Irgendwann fühlt Jan sich
so beobachtet, dass er keinen Laden mehr betritt. Also bestellt er per Internet, aber die Befriedigung ist
nicht mehr dieselbe. Bis die Sachen bei ihm ankommen, interessieren sie ihn nicht mehr. Unausgepackt
steckt er sie zu den anderen Tüten in den Keller. Rechnungen wirft er ungeöffnet in den Papierkorb. “So
waren sie für mich nicht mehr vorhanden.” Jan sagt, er sei schon immer ein Meister im Lügen und
Verdrängen gewesen.

Zu der Zeit, als er süchtig per Internet bestellt, besitzt er fünf Kreditkarten. Außer teurer Kleidung ordert er
nun auch DVD-Spieler, Fernseher, Telefone, Computer. Der Gerichtsvollzieher kommt inzwischen
regelmaßig. Das spricht sich herum bis zu den Internetfirmen, für die er arbeitet. Von nun an bleiben die
Aufträge aus. Als die Onlineshops wegen der offenen Rechnungen nicht mehr liefern wollen, wendet Jan
Tricks an. Er bestellt unter seinem zweiten Vornamen. Jan hat mittlerweile den Überblick verloren. Er weiß
nicht, welche der Dinge in seinem Schrank er in letzter Minute noch bezahlt hat, wie viele Tüten
unausgepackt im Keller stehen.

Schließlich teilt die Polizei ihm mit, dass gegen ihn mehrere Betrugsanzeigen vorliegen. Das Gericht
bestimmt, dass er mit einem Psychologen sprechen muss. Der erzählt ihm, dass er an “Oniomanie” leidet,
das heißt pathologische Kaufsucht. Jan erklärt sich bereit, eine Therapie zu machen. Zur Therapie gehört
das so genannte Expositionstraining. Mit 200 Euro in der Tasche muss er in die Stadt gehen und versuchen,
nichts zu kaufen. Seine Gefühle muss er protokollieren, jede noch so geringe Erregung schriftlich für den
Therapeuten aufzeichnen. Obwohl Jan in einer Boutique vor Erregung feuchte Hände bekommt und die
Verkäufer in längere Gespräche verwickelt, besiegt er sein Verlangen. Er kauft nichts.

Nach drei Monaten wird er aus der Klinik entlassen. Zurück in die Realität und zu den Schulden. Zurück in
die Katastrophe, die er angerichtet hat. In den nächsten Wochen stehen ihm zwei Prozesse bevor.
Aufgabe 15.

Welche Statussymbole wünschen sich junge Leute heutzutage? Machen Sie eine Liste. Welches dieser
Dinge besitzen Sie persönlich? Warum/Warum nicht?

Aufgabe 16.

Lesen und übersetzen Sie den folgenden Text. Ergänzen Sie die Informationen.

1. Wem gehört die Supermarkt-Kette?

2. Wann wurde den ersten Laden eröffnet?

3. Wer kauft bei Aldi?

4. Wo gibt es Aldi-Geschäfte?

5. Wie viele Geschäfte gibt es in Deutschland?

6. Wie viele verschiedene Waren kann man in einer Aldi-Filiale kaufen?

7. Wie macht Aldi Werbung?

8. Wie sorgt Aldi für Qualität beim Angebot?

Aldi ist der Kurzname der beiden weltweit operierenden deutschen Handelsunternehmen Aldi Nord und
Aldi Süd. Der Firmenname Aldi ist eine Abkürzung und steht für Albrecht-Discount.

Aldi geht auf ein 1913 gegründetes Lebensmittelgeschäft in Essen zurück. Es handelte sich um ein kleines
Ladengeschäft von 35 m², das von der Mutter von Karl Albrecht und Theo Albrecht betrieben wurde. Nach
dem Krieg übernahmen Karl und Theo den elterlichen Betrieb. Im Essener Ortsteil Schonnebeck eröffneten
sie bald ein größeres Geschäft. Sie expandierten weiter und hatten es bis 1950 bereits zu einer kleinen
Lebensmittelkette von 13 Geschäften herkömmlicher Prägung gebracht. 1960, im Jahr der Aufteilung in Aldi
Nord und Aldi Süd, waren es bereits 300 Läden mit einem Umsatz von 90 Millionen DM. Aldi expandiert
auch heute noch weltweit mit Erfolg.

Heute rangieren die Brüder laut US-Wirtschaftsmagazin “Forbes” auf dem dritten Platz der reichsten
Menschen der Welt. Geschätztes Vermögen: 26,8 Milliarden Euro. Dennoch leben sie bescheiden.

Während der restliche Handel zurzeit nicht mit steigenden Umsätzen und Gewinnen rechnen kann, geht es
bei Aldi aufwärts. Gespart wird immer. In guten wie in schlechten Zeiten. Denn mittlerweile kaufen über 75
Prozent der Deutschen bei Aldi ein – auch Besserverdienende. Die fast 3.800 deutschen und die 2.600
ausländischen Aldi-Filialen nehmen im Jahr schätzungsweise rund 30 Milliarden Euro ein. Bei einer
geschätzten Umsatzrendite von fünf Prozent verdient Aldi jährlich 1,5 Milliarden Euro.

Die Erfolgsstory Aldi basiert auf einem einfachen Prinzip: Alles ist einfach. Es gibt “nur” rund 600
verschiedene Basisartikel. Der Warenumschlag ist schnell, die Produkte werden in Kartons ausgelegt und
die Anordnung ist in allen Filialen gleich. Bescheiden müssen auch die Aldi-Chefeinkäufer bleiben:
Einladungen und Geschenke von Lieferanten sind tabu.Die Umschlagsgeschwindigkeit von Aldi-Artikeln ist
extrem hoch. Entsprechend gut ist die Versorgung der Filialen organisiert. Dreh- und Angelpunkt für den
Warenumschlag sind 65 Zentrallager in Deutschland, jedes so groβ wie fünf bis sechs Fuβballfelder.
Teure Werbekampagnen sind bei Aldi nicht nötig, weil Aldi auch so funktioniert. Angeblich hat die Aldi-
Kette in ihrer Firmengeschichte noch keinen einzigen Cent für Werbeagenturen ausgegeben. Die
Konkurrenz staunt – und rauft sich die Haare. Ganz ohne Werbung kommt aber auch Aldi nicht aus. Einmal
wöchentlich schaltet der Discounter Anzeigen in Zeitungen mit der Überschrift: “Aldi informiert”. Das klingt
zwar eher wie eine amtliche Bekanntmachung, passt aber zum Aldi-Prinzip: Auf den Preis kommt es an.

Im Norden Deutschlands stets am Mittwoch, im Süden am Montag und Donnerstag – der Aldi-Tag sorgt für
lange Warteschlangen vor Ladenöffnung. Denn jeder kennt den Aldi-Satz: “Sollten diese Artikel allzu schnell
ausverkauft sein, bitten wir um Ihr Verständnis”. Mit diesen immer wiederkehrenden Angebotstagen sorgt
Aldi ohne groβen Aufwand für Aufmerksamkeit. Die Kundschaft freut sich Woche für Woche. Und
mittlerweile gehört es fast schon zum guten Ton, mit Kollegen über aktuelle Aldi-Schnäppchen zu plaudern.

Aldi setzt auf Qualität zum günstigen Preis. Obwohl der Discounter keine Markenprodukte im Sortiment
hat, gibt es eine Reihe von Aldi-Waren, die in Untersuchungen von Verbraucherschützern mit “gut” oder
“sehr gut” benotet werden. Das verwundert kaum. Angeblich bleiben Produkte nicht im Sortiment, Wenn
sie nicht mindestens mit “befriedigend” abschneiden. Dass die Qualität hoch ist, liegt auch an den
Markenherstellern, die sich hinter einigen Billig-Produkten verbergen. Die Kunden freut's.

Aufgabe 17. Das Aldi-Prinzip wurde oft kopiert, erreicht hat es niemand. Still und heimlich erobern Theo
und Karl Albrecht die Welt. Blicken Sie hinter die Kulisse: So wurde Aldi erfolgreich. Besprechen Sie das
Aldi-Prinzip im Kurs.

Das ALDI-Prinzip

Wir wollen, dass die Verbraucher die wichtigsten Lebensmittel ganz in der Nähe, immer frisch, immer von
hoher Qualität und immer zum günstigen Preis kaufen können. Daraus haben wir ein Prinzip gemacht:

Qualität ganz oben – Preis ganz unten.

· Wir kaufen

von leistungsstarken Lieferanten. In so groβen Mengen, dass wir die Qualität bestimmen, die Frische
garantieren und selbstverständlich günstiger einkaufen als alle, die weniger davon kaufen.

· Wir garantieren

hohe Qualität. Und lassen uns diese durch ständige, unabhängige Lebensmittelkontrollen bestätigen.

· Wir sparen
bei allem, was Ware üblicherweise nur verteuert. Unsere Läden sind nicht zu groβ. Unser Sortiment ist
nicht zu breit, die Warenpräsentation nicht aufwändig. Unsere Logistik ist äuβerst rationell.

· Wir liefern

was wir versprechen: Produkte von hoher Qualität, in groβer Frische. So günstig, wie nur ALDI es kann.

· Wir sind stolz

auf unsere freundlichen und zuverlässigen Mitarbeiter. Und unseren Erfolg. 85% aller Haushalte kaufen
heute schon bei ALDI. Das sind mehr, als bei jedem anderen Lebensmittelanbieter.

· Wir sagen Danke

für Ihre Treue. Und wir garantieren Ihnen - falls ein Produkt einmal nicht Ihren Geschmack treffen sollte -
Rücknahme und Kaufpreiserstattung ohne Nennung von Gründen.

· Wir versprechen

dass wir, zu Ihrem Nutzen, immer und überall unser ALDI-Prinzip konsequent einhalten. Davon können Sie
sich selbst überzeugen. Jeden Tag.

Aufgabe 18. Ist das für Sie ein Thema – preiswert einkaufen? In welchen Geschäften kaufen Sie für Ihren
täglichen Bedarf (Lebensmittel, Waschmittel etc.) ein? Gibt es etwas Ähnliches wie Aldi auch bei Ihnen?
Berichten Sie.

Aufgabe 19. Lesen Sie den Text und beantworten Sie folgende Frage: Wieviel Geld braucht man Ihrer
Meinung nach mindestens zum täglichen Leben?

Wie viel braucht ein Mensch zum Leben? Wie oft soll jemand ins Kino gehen können, wie oft darf er sich
und seinen Kindern einen Besuch im Zoo gönnen, wie häufig ein gutes oder auch ein schlechtes Buch
kaufen, ein Konzert besuchen, eine leckere Scheibe Käse oder Schinken aufs Brot legen, wie teuer darf der
Sekt zur Geburtstagsfeier sein und muss man Mitglied in einem Sportverein werden? Wie viel Geld also
braucht der Mensch, damit er nicht ausgeschlossen ist in dieser Gesellschaft?

Ein Deutscher, so hat es der Gesetzgeber festgelegt, braucht 345 Euro im Monat. Das hat das
Bundessozialgericht nun bestätigt. Aber kann eine gut dotierte Sozialrichterin, kann eine gut verdienende
Politikerin, kann eine gut bezahlte Journalistin überhaupt beurteilen, wie viel Geld der Mensch im Monat
braucht? Hat man in solchen Positionen noch eine Vorstellung davon, was es heißt, mit einer so geringen
Summe am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen? Und braucht überhaupt jeder Mensch gleich viel – als
Minimum?

All diese Fragen lassen sich schlicht und leider nur sehr hart beantworten: Es gibt keine objektivierbaren
Bedürfnisse, es gibt kein Recht auf Leben im Wohlstand. Ein junger Mann, der nie gearbeitet hat, mag mit
345 Euro gut zurechtkommen. Eine Angestellte, die anderes gewöhnt war, erlebt dies als dramatischen
Abstieg. Materielle Gerechtigkeit kann der Rechtsstaat nicht herstellen. Er kann nur minimale Teilhabe
sichern und - hoffentlich - Armut verhindern.

Aufgabe 20. Wann gilt ein Mensch für Sie als arm? Sie können die Ergebnisse folgender Umfrage benutzen:

Umfrage – Was bedeutet Armut?

„Arm ist jemand, wenn er/sie ...“

... dauernd Hunger leiden muss _____________________________________ 81%

... obdachlos ist _________________________________________________ 77%

... sich nur billigste Lebensmittel leisten kann _________________________ 46%

... sich keinen Euro im Monat ersparen kann __________________________ 41%

... sich keinen Fernseher leisten kann ________________________________ 17%


... sich kein Telefon oder Handy leisten kann __________________________ 14%

... sich kein motorisiertes Fahrzeug leisten kann _______________________ 12%

... den Urlaub daheim verbringen muss ______________________________ 11%

Aufgabe 21. Referieren Sie über den Inhalt des Textes. Bestimmen Sie den Grundgedanken des Textes und
äußern Sie Ihre Meinung darüber.

Armut gefährdet die Gesundheit

Eine große Studie zeigt: Kinder aus sozial schwachen Familien sind besonders häufig dick und psychisch
auffällig

Den meisten Kindern und Jugendlichen in Deutschland geht es gesundheitlich und seelisch gut: 85 Prozent
fühlen sich glücklich und gesund und sehen optimistisch in die Zukunft. Das ist das positive Fazit des großen
Kinder- und Jugendgesundheitssurvey, kurz: Kiggs, dessen Ergebnisse jetzt im Bundesgesundheitsblatt
veröffentlicht wurden. Forscher vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin haben für die Studie Daten von
mehr als 17 000 Kindern und Jugendlichen erhoben. “Das ist keineswegs eine kranke, dicke und faule
Generation, die da zurzeit heranwächst”, sagte Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth. Zusammen mit
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) präsentierte sie am Mittwoch in Berlin die Ergebnisse.

Die Untersuchung bringt jedoch auch bedenkliche Entwicklungen ans Licht: Chronische Erkrankungen wie
Übergewicht, Allergien und psychische Störungen sind weit verbreitet. Darüber hinaus greifen viele
Teenager regelmäßig zu Zigaretten (20 Prozent) und alkoholischen Getränken (25 bis 30 Prozent).

Besonders häufig sind die Leiden und Laster bei Kindern aus sozial schwachen Schichten und aus
Migrantenfamilien. Das sei eine wichtige Erkenntnis, sagte Bärbel-Maria Kurth: “Alle Bemühungen, die
Gesundheit der Kinder und Jugendlichen zu verbessern, können sich nun auf diese sozialen Gruppen
konzentrieren.”

Die Kiggs-Studie liefert erstmals umfassende Daten über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland. Drei Jahre lang - von Mai 2003 bis Mai 2006 - sind die RKI-Forscherteams durch Deutschland
gereist, um Kinder und ihre Eltern zu befragen und zu untersuchen. Initiiert wurde die Studie vom
Gesundheitsministerium. Es hat die Erhebung auch zu einem großen Teil finanziert und 9,35 Millionen Euro
dafür bereitgestellt; weitere 2,5 Millionen Euro kamen vom Forschungsministerium.

Von einer neuen Morbidität sprechen Bärbel-Maria Kurth und ihre Kollegen angesichts der Ergebnisse. Statt
akuter Krankheiten wie Mumps und Röteln stellen die Forscher zunehmend chronische Erkrankungen wie
Übergewicht und Allergien fest. Unter den chronischen Erkrankungen finden sich zudem vermehrt
psychische Leiden.

Den Kiggs-Daten nach sind 12 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen zwischen 3 und 17 Jahren
auffällig in ihrem Verhalten - also aggressiv, hyperaktiv oder sehr ängstlich. Psychische Probleme fanden
sich bei Kindern aus Familien mit niedrigem sozialökonomischem Status mit 23 Prozent
überdurchschnittlich oft. Bei Sprösslingen aus gut situierten Familien sind es nur 8 Prozent.

Ebenfalls ein Problem der sozialen Schicht - aber auch ein Problem der Mädchen - sind Essstörungen wie
Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Fressanfälle und Fettsucht. 29 Prozent der 11- bis 17-jährigen Mädchen
zeigen der Erhebung zufolge Symptome von Essstörungen, bei den Jungen sind es 15 Prozent. Jugendliche
aus sozial schwachem Umfeld sind fast doppelt so häufig betroffen wie Jugendliche aus wohlhabenden
Familien. Was den Forschern darüber hinaus auffiel: Die Betroffenen rauchen überdurchschnittlich oft.
Offenbar versuchen sie so ihr Gewicht zu regulieren. Essstörungen entwickelten sich oft zu schweren und
langwierigen Erkrankungen. Die Früherkennung müsse daher verbessert und es sollten wirksame Konzepte
zur Prävention entwickelt werden, schreibt RKI-Forscherin Heike Hölling.

Ein weiteres erhebliches Problem der jungen Generation manifestierte sich auf der Waage: 15 Prozent der
3- bis 17-Jährigen sind übergewichtig, 6 Prozent so stark, dass sie als fettsüchtig (adipös) eingestuft werden.
Im Vergleich mit kleinen Studien aus den Achtziger- und Neunzigerjahren habe sich der Anteil der
Übergewichtigen somit verdoppelt, berichten Bärbel-Maria Kurth und ihre Kollegen. Prädestiniert für
Übergewicht sind den Daten zufolge Kinder aus sozial schwachen Familien, aus Migrantenfamilien sowie
Kinder, deren Mutter übergewichtig ist.

Allergien kommen als einzige chronische Erkrankung in gut situierten Familien häufiger vor als in sozial
Schwachen und bei Migranten. Etwa 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen leiden an Neurodermitis, Asthma
oder Heuschnupfen. Unterschiede zwischen Ost und West, wie sie früher festgestellt wurden (bei Kindern
im Osten waren Allergien seltener als im Westen), entdeckten die Forscher nicht mehr.

Vermutlich erklärt die Angleichung der Lebensstile den Befund. Kinder im Osten werden nicht mehr wie
früher vom ersten Lebensjahr an in Krippen untergebracht und wachsen mittlerweile oft als Einzelkinder
auf. Der Hygiene-Hypothese zufolge schützt aber gerade der frühe Kontakt mit anderen Kindern sowie das
Großwerden mit mehreren Geschwistern vor Heuschnupfen und Co. Die Krippen-Initiative der
Bundesregierung, mit der die Betreuungsangebote für unter Dreijährige verbessert werden sollen, könnte
sich demnach auch für die Allergiebekämpfung als nützlich erweisen.

Die Kiggs-Studie liefert noch ein weiteres Argument dafür, mehr Krippen- und Kitaplätze zu schaffen und so
Frauen in den Beruf zu locken: “Kinder von berufstätigen Müttern weisen seltener psychische
Auffälligkeiten auf - das gilt auch für die niedrigen Einkommensschichten”, sagte RKI-Forscherin Bärbel-
Maria Kurth.

Gesundheitsministerin Schmidt will die Erkenntnisse der Kiggs-Studie künftig berücksichtigen. Vor allem die
Probleme in sozial schwachen und Migrantenfamilien bereiten ihr Sorgen. “Wir dürfen diese
gesundheitliche Ungleichheit nicht zulassen”, sagte die Ministerin. Der Aktionsplan Ernährung und
Bewegung der Bundesregierung werde bei den benachteiligten Gruppen einen Schwerpunkt setzen. Mit
dem geplanten Präventionsgesetz sollten außerdem die Beratungs- und Hilfsangebote in den Stadtteilen
verbessert und Familien zur Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen bei Kinderärzten ermuntert
werden. Die Krankenkassen, schlug Schmidt vor, sollten bei den neuen Wahltarifen künftig präventive
Maßnahmen bezuschussen.

Um Übergewicht und psychische Probleme besser bekämpfen zu können, möchte die Bundesärztekammer
sogar eine Pflicht zu Vorsorgeuntersuchungen einführen. Die verbindliche Teilnahme an regelmäßigen
Früherkennungsuntersuchungen müsse endlich Standard werden, sagte Ärztekammer-Vorstandsmitglied
Rudolf Henke am Mittwoch beim Deutschen Ärztetag in Münster.
Der Kiggs-Studie nach nehmen 81 Prozent der Kinder an allen Vorsorgeuntersuchungen teil, die bis zum
sechsten Lebensjahr angeboten werden (U1 bis U9), 3 Prozent erscheinen nie. Um
Vorsorgeuntersuchungen verbindlich zu machen, schlug Henke allerdings keine staatlichen
Zwangsmaßnahmen vor, sondern ein Melde- und Warnsystem. Henke: “Wer nicht kommt, könnte vom
Kinderarzt zunächst per Brief und dann über das persönliche Gespräch aufgefordert werden.”

Henke zeigte sich besorgt, angesichts der rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche, die hierzulande nach
Berechnungen des Kinderschutzbundes auf Sozialhilfeniveau leben: “Wir können es uns nicht leisten,
diesen Kindern einen erfolgreichen Start ins Leben zu verwehren.”

Aufgabe 22. Heidemarie S. arbeitete in Dortmund als Psychotherapeutin, bevor sie 1996 beschloss, ihr
Leben zu ändern. Sie verschenkte ihr Gespartes und ihren gesamten Besitz, kündigte Wohnung und
Krankenversicherung und lebt seither vom Tauschen. Hören Sie das Interview mit Heidemarie S. und
nummerieren Sie die Reihenfolge der Themen.

- Wohnen

- Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln

- Essen

- Gründung der Gib-und-Nimm-Zentrale

- Verwendung des Honorars für das Buch

- Vorbild eines Tauschrings in Kanada

- Wäsche

Aufgabe 23. Hören Sie das Interview noch einmal in Abschnitten. Sind diese Aussagen über Heidemarie
richtig oder falsch? Kreuzen Sie an.

Abschnitt 1. richtig falsch

a. Sie ist berufstätig und verdient viel Geld.

b. Sie ist arbeitslos.

c. Sie hat eine eigene Wohnung, aber sie ist nie da.

d. Sie bietet anderen Menschen Dienstleistungen an, z.B. Babysitten.

Abschnitt 2. richtig falsch

e. Sie hat ein Buch mit dem Titel “Das Sterntaler -Experiment” geschrieben.

f. Sie fühlt sich abhängig von anderen Menschen.

g. Sie besitzt keine Geldbörse.

h. Sie ist nicht prinzipiell gegen Geld.


Abschnitt 3. richtig falsch

i. Sie möchte, dass andere Menschen auch auf Geld verzichten.

Aufgabe 24. Beantworten Sie diese Fragen.

a. Was ist Heidemarie S. wichtiger als Geld?

b. Wie fühlt sie sich dabei, ohne Geld zu leben?

c. Was möchte sie in der Gesellschaft bewirken?

Aufgabe 25. Lesen und übersetzen Sie den folgenden Text. Gibt es etwas Ähnliches wie Wohngeld auch bei
Ihnen? Berichten Sie.