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"Mir kennat ällas außer Hochdeitsch" – Baden-Württemberg setzt

im kommenden Schuljahr auf Dialekt als Schulfach


Ob „Grüß Gott!“, „Moin!“ oder „Gutsele!“ – neben der Hochsprache bietet die deutsche
Sprache eine Vielzahl an regionalen Dialekten.
Als Sprache bezeichnet man bekanntlich ein Verständigungssystem, die Basis jeder
Kulturleistung. Bei dem Dialekt handelt es sich um eine Sprachvarietät, eine regionale und
sozial gebundene Variante einer Sprache, die in einem bestimmten Gebiet gesprochen wird.
Dort, wo die SprecherInnen einer Gruppe mehrere Sprachen oder Sprachvarietäten
sprechen, kommt es zum Sprachkontakt, ein möglicher Grund für die Entstehung von
Sprachvarietäten.
Jeder Orts- und Gruppendialekt ist indes ein eigenständiges und selbständig
funktionierendes Kommunikationssystem. Sie sind meist überregional verständlich, weisen
aber mehr oder weniger starke landschaftliche Züge auf, an denen man die Herkunft des
Sprechers erkennt z.B. an der Intonation, eine regionale Färbung der Aussprache (r, st, ig),
dem süddeutschen Gebrauch von „sei“ bei „liegen“, „sitzen“ und „stehen“ gegenüber nord-
und mitteldeutsch haben. Aber auch wortgeografische Unterschiede, d. h. in Wörtern und
Ausdrücke, die als regionale Varianten der Gemeinsprache nebeneinander gelten. In den
letzten Jahren ist jedoch die Tendenz zum überlandschaftlichen Ausgleich im Wörterbuch
stärker geworden.
Trotzdem werden bereits in der Schule Kinder und Jugendliche darauf hingewiesen,
dialektfrei zu sprechen, obwohl in der vielseitigen Sprachlandschaft Baden-Württemberg
doch „Einheit durch Vielfalt“ gilt: Kurpfälzisch, Hohenlohisch, Badisch, Schwäbisch etc.
Immerhin „droht (der Dialekt) zu verschwinden.“, so der Kabarettist Arnim Töpel in seinem
2009er Essay „Unn - kennsch misch noch? Warum Kurpfalzisch nicht sterben darf.“ über die
Rolle des Dialekts.
So hat sich das Bundesland Baden-Württemberg im kommenden Schuljahr dafür
entschieden, dass Dialekt als Schulfach eingeführt werden soll: Ist der Dialekt nun der
Schule Freund oder Feind?
Der Versuch des Kulturministeriums ist in diesem Zusammenhang milde gesagt eine
Zumutung, denn streng „dialektologisch“ gesehen, sprechen vor allem die Menschen im
Ruhrgebiet keinen Dialekt. Die ursprünglichen plattdeutschen Dialekte sind hier längst
ausgestorben. Trotzdem leben Teile davon noch in der heutigen Umgangssprache weiter: so
auch die Kasusvertauschung „gib mich mal die Butter.“ Viele Vokabeln lassen sich auf das
Plattdeutsche zurückführen, zum Beispiel Döneken (Witz) oder pöhlen: Fußball spielen.
Wieso sollte man dann also noch ein Schulfach anbieten, wenn die Sprache freilich als
ausgestorben gilt. Wegen der paar Worte?
So gilt der alemannische Dialekt als Heimattümelei und Landläufigkeitsmischmasch. Man
verschanzt sich im Hinterwäldlerischen und Provinziellen.
Sprache dient zur Kommunikation, wenn sie das nicht erfüllt, dann hat sie versagt: Jemand
aus Greven würde sich kaum mit jemanden aus dem 80 km entfernten Löhne auf
Hochdeutsch unterhalten können. Die Wirkungsweite der Schule wäre also begrenzt. Es gibt
eine Vielzahl von Dialekten mit zahllosen Unterdialekten. Wenn wir beispielsweise ein
Gedicht oder Lied in fränkischer Mundart abdrucken, könnten es Schüler in Oberbayern nicht
oder nur schlecht lesen.
Nicht selten kommt aufgrund der Sprachbarriere zu Konflikten zwischen Dialektsprechern
und Nicht-Dialektsprechern – vor allem mit älteren Generationen. Gleiches wäre auf die
Schule übertragbar: Dabei gilt doch laut dem Schulordnungsrechts der Schulfrieden, der die
Ordnung in der Schule aufrechterhalten soll.
Durch den Dialekt kann es auch leichter zu Gruppierungen innerhalb einer Klasse bzw.
Schule kommen: Kinder, die besonders gut Mundart sprechen, und Kinder, die Hochdeutsch
sprechen und Probleme mit dem Erlernen des Dialektes haben. Das Selbstbewusstsein
würde darunter leiden. Als hätten die Schüler in den Schulen nicht schon genug mit
mangelndem Selbstvertrauen und Druck zu kämpfen. Der Dialekt kann demnach laut Töpel
auch ausgrenzen, und noch dazu die Falschen „worunter (er) (..) als Kind durchaus litt (Hea,
wiesso sprichsch Du so vornehm?")“
Mundarten sind nämlich immer auch stark mit Vorurteilen verknüpft - von den Bayern sagt
man, dass sie eher einfach gestrickt und grob sind - dieses Vorurteil kann allein durch den
Klang des Dialektes entstanden sein, da er auf Außenstehende oft nicht gerade freundlich
wirkt. Selbst Personen, die wissen, dass solch ein Effekt existiert, schreiben
DialektsprecherInnen mit starkem Dialekt eine geringere Kompetenz zu und sie werden als
minderbelichtet dargestellt. Forscher vermuten sogar, dass die
Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Dialekten geringer ist und diese somit schwerer zu
verstehen sind. Man kommt also mit vermeintlichem Allgemeinwissen aus der Schule und
wird schlussendlich trotzdem als „besemmelt“ gesehen.
In einer Schule mit Ausländern würde die Mundsprache, die Menschen zu verstehen oder
die Sprache zu erlernen, erschweren - die starken Unterschiede zwischen Dialekt und
Schriftdeutsch beeinträchtigen den Lernprozess erheblich. Der Journalist Matthias Köpf
vermutet in seinem 2017 in der Süddeutschen Zeitung erschienen Artikel „Lernt sprechen,
Kinder - aber bloß kein Hochdeutsch!“, dass vor allem in Stadt-Schulen, in denen bis zu 80
Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben, Bemühungen ums Bairische, so
seien, wie sie inzwischen im Grundschul-Lehrplan verankert sind - „mit einigen
Schwierigkeiten verbunden.“
Rechtschreibleistungen könnten, gerade bei rechtschreibschwachen Schülern, leiden, weil
zwei verschiedene Schriftsprachen geschrieben würden. Die Schüler wären völlig verwirrt,
von dem Deutsch-Unterricht auf der einen Seite und dem Dialekt-Unterricht auf der anderen,
der quasi die Regeln der deutschen Rechtschreibung völlig vernachlässigt! Als wäre die
Schule nicht anspruchsvoll genug, soll nun ein weiteres Fach auf die Schüler zukommen, der
sie völlig aus der Bahn werfen kann: Die Merkmale des Dialekts sind v.a. die Umschreibung
des Genitivs, die Mehrzahl im Ruhrgebiet – von Koffer zu „Koffers“ und der Hang zur
Verniedlichung: „Haus“ wird zu „Häusken.“
Anneliese Schürer beschäftigt sich in dem Text „Vom Intellekt her sind Dialektsprecher nicht
and Schulschwierigkeiten anders." - Dialektbedingte in Grundschulen 1974 und 2003 - ein
vergleichender Blick (2003)“ aus sprachwissenschaftlicher Sicht mit Dialekten und laut
Bildungsplan erscheinen „augenfälligsten Unterschiede (…), wenn es speziell um
Schulschwierigkeiten von Dialektsprechern geht. 1974 wird der Dialekt als ein großes
Hemmnis für gute Schulleistungen gesehen.“
Beherrscht man den Klang des Dialektes dann schlussendlich, lässt sich dieser nicht einfach
verbergen. Damit würde man anderen essentiellen in der Schule gelehrten Fremd- und
Weltsprachen, wie Englisch, in die Quere kommen
Doch Schulen sollen Kinder und Jugendliche auf das Berufsleben vorbereiten, Junge
Menschen im Land sollen eine gute Ausbildung bekommen und viele Chancen bei der
beruflichen Entwicklung haben. Im Berufsleben jedoch, wird Dialekt nicht gern gehört,
sondern natürlich Hochdeutsch bevorzugt. Der Dialekt beeinflusst den Eindruck beim
Vorstellungsgespräch negativ und erschwert somit vor allem die Jobsuche. Veranschaulicht
kann dies durch den Journalisten Stefan Myr werden, der in der Online Ausgabe der
Süddeutschen Zeitung „Nie wieder Schwäbeln (2017)“ mit dem Image des Dialekts
beschäftigt: Laut Diplom Spracherzieherin Ariane Willikonsky sei Schwäbisch nämlich ein
„Karrierekiller.“ Nicht grundlos hat sich die 50-jährige Stuttgarterin zum Beruf gemacht,
„schwäbelnden Managern und Sekretärinnen, Schauspielerinnen (und sogar) Politikern
Hochdeutsch bei(zubringen).“ Ihr Job ist es also wahrhaftig „den Leuten ihren Dialekt
auszutreiben.“ So sollen ihre Kunden „jenseits von Baden-Württemberg besser verstanden
werden und sympathischer wirken.“ So zeigt auch Töpel eine beispielhafte Alltagssituation
auf: „beim Metzger (Woscht willsch? Welli?"), entpuppte sich (der Dialekt) durch verstärkten
Umgang mit Nichteinheimischen als umsatzschädlich.“
Das Absurde daran: Während ein Beruf existiert, Menschen den Dialekt auszutreiben, soll in
Baden-Württembergischen Schulen der Dialekt gelehrt werden.
Gleiches gilt für die Medien, denn Töpel beschreibt richtig: „die Mediensprache ist
Hochdeutsch.“, schränkt seine Aussage jedoch ein: „(b)eziehungsweise das, was davon
übrigbleibt.“
Mit dem ersten Schultag treten die Kinder eine Reise an, auf der sie nicht nur Lesen,
Schreiben und Rechnen lernen. Gleichzeitig entstehen Beziehungen von der Grundschule
bis zur Oberstufe. Demgegenüber beschreibt beschriebt Ariana Wilikonsky den Dialekt als
„Flirtkiller.“ Beim ersten Date präsentiert man sich von seiner besten Seite und bemüht sich.
Das ein Date dann gerade wegen der durch die Schule erlernte Sprache missglückt, möchte
man sich doch wirklich nicht vorstellen.
In seinem Essay „Unn - kennsch misch noch? Warum Kurpfalzisch nicht sterben darf.
(2009)“ beleuchtet der Kabarettist Arnim Topel indes die Rolle des Dialekts: „Sprache
verändert sich.“ So ist die Welt „durch die schier unbegrenzte Mobilität und globale
Vernetzung“ stets im Wandel. Demzufolge muss sich Sprache dieser Globalisierung
anpassen und auf Einheit setzen – Hochdeutsch und Fremdsprachen priorisieren, nicht aber
ein Schulfach einführen, welches nur regionalen Nutzen hat.
Es ist also klar, dass wie Anneliese Schürer beteuert, der „Ruf nach Chancengleichheit auf
der Basis von Hochsprache“ liegt.
Im Gegensatz dazu, fordern an vielen Stellen Südwestdeutschlands Bürger, dass die Schule
eine aktive Rolle bei der Vermittlung der Regionalsprache übernimmt. Gleichzeitig nehmen
Vertreter der Bildungsverwaltungen und Politik diese Herausforderung an. „Dass das
Dialektsprechen Schülern keineswegs schadet, sondern eher nützt, ist in der Forschung
ohnehin Konsens.“, so Matthias Köpf.
Gewiss haben wir demnach viel Einheit erreicht, trotzdem wollen Sprachen nicht nur Einheit!
Im Gegenteil: Sie wollen Vielfalt - Moderne bringt mehr Fremdheit, Entfremdung der Sprache
und Einfluss anderer Kulturen. Einige Begriffe unserer Sprache heutzutage entstammen
hauptsächlich aus dem Englischen -Anglizismen - und aus dem arabisch-türkischen Raum.
Demzufolge steht die Globalisierung der Regionalität gegenüber. Es gibt kaum noch
Dialektsprecher, die wie noch im 19. Jhd. das reine Idiom ihrer Region beherrschen. Die
Schule setzt auf Fremdsprachen, um Kommunikation national und international zu
ermöglichen. Weshalb dann auch nicht regional? Ist die eigene Region nicht von
Bedeutung?
Mit dieser Frage setzt sich der Journalist Matthias Köpf auseinander: Nach einigen
beispielhaften Projekten an rund 20 Schulen und Kindergärten ließ der Bayernbund 2014
und 2015 insgesamt 7000 Exemplare einer mehr als 200-seitigen Materialiensammlung an
alle Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien in Ober- und Niederbayern und der
Oberpfalz verteilen.“ Hier sollte man hauptsächlich den bairischen Dialekt sprechen. Die
Frage nach dem Stellenwert der Mundart: „große Aufgeschlossenheit und viel
pädagogisches Engagement.“ Ein Zeichen dafür, dass das kommende Schuljahr in Baden-
Württemberg vermutlich demgemäß verlaufen wird.
Dialekt ist immerhin das Ergebnis der Geschichte einer Region - nur langsam entwickeln sich
Dialekte, bis sie vollkommen ausgereift sind. Dialekt bedeutet folglich auch das Festhalten
bzw. Aufrechterhalten von Tradition. Jung und Alt verwenden größtenteils die gleichen Worte
und Floskeln - nur einzelne Begriffe entstammen der Jugendsprache. So auch Köpf:
„Inzwischen gelte es, allen Dialektsprechern Wertschätzung entgegenzubringen, denn
Mundart vermittelt ein Heimat- und Wohlgefühl, das bei Lernen hilfreich sei.“ Die perfekte
Voraussetzung für eine Schule!
Die Mundart wird vor allem auf dem wöchentlichen Markt oder auch in der „Originale“
gesprochen, nicht zwischen Akten und Glasfassaden. Wieso dann auch nicht in der Schule?
Auch Literatur, Musik etc., die Gegenstände der Schule, sind gelegentlich in einem Dialekt
verfasst. „In den Medien nutzt man den Dialekt, um eine lockere Stimmung zu erzeugen.“, so
die Sprachwissenschaftlerinnen. Den Schülern wird also Allgemeinwissen mitgegeben, kaum
jedoch regionale Kultur.
Gleichwohl ist die Mundart identitätsstiftend und wie der Beitrag "Funktionen des Dialekts"
(2003) der Sprachwissenschaftlerinnen Simone Haug und Nina Kirn Leonhardt „Renaissance
des Dialekts?", erschienen in der Monografie „Renaissance des Dialekts?": die Förderung
eines „regionale(n) Gemeinschaftsgefühl(s) und die Identifikation mit der Heimat.“ sagt, „wie
die Kleidung, ein Merkmal für die Identität seines Trägers.“ Wer schon einmal auf einer
langen, vielleicht sogar mehrmonatigen Reise war, kennt das Wohlgefühl, wenn er endlich
wieder vertraute mundartliche Ausdrücke aufschnappt. Der Dialekt - die gemeinsame
Sprache in einer bestimmten Region - fungiert laut Simone Haug und Nina Krin als „soziales
Signal“, führt zu Verbundenheit, und einem Zugehörigkeitsgefühl, nach dem bayerischen
Motto "mia samma mia", was so viel bedeutet wie: "wir sind so, wie wir sind, und wir gehören
zusammen.“
Der Dialekt hat sogar bewiesenermaßen laut Annelise Schürer „genau wie die Hochsprache,
einen bestimmten Platz im Unterricht gefunden.“ Tatsächlich werden „(s)oziale
Benachteiligung und Leistungsschwäche (…) nicht mehr allein auf den Dialektgebrauch
zurückgeführt.“ Der Dialekt fördere das „Vertrauensverhältnis zum Lehrer, eine emotionale
Verbundenheit zur Sprache und eine kreative und freie Erzählweise.“
Des Weiteren fällt es Schülern leichter, Fremdsprachen z. B. in der Schule zu erlernen, da
die Bereiche ihres Gehirns bereits auf Mehrsprachigkeit vorprogrammiert wurden. Eine
Studie von Wolfgang Eichler hat sogar nachgewiesen, dass Schüler, die Hochsprache und
Dialekt beherrschen, „leichter Fremdsprachen lernen und weniger Rechtschreibfehler
machen.“ Hirnforscher attestieren Dialektsprechern ein höheres kognitives Potenzial. Bayern
und Baden-Württemberg gelten in Deutschland nicht grundlos als die besten
Bildungsregionen.
Dabei geht es aber im Kern nicht nur um persönliche Befindlichkeit, sondern um echtes
Können. Wer Dialekt spricht, bedient sich keiner minderwertigen Schwundform des
Hochdeutschen, sondern zeigt zusätzliche Sprachkompetenz. Dialekte sind gewachsene
Sprachen, die eine eigenständige Grammatik und eine in sich stimmige Wortbildung
besitzen, und eben keine defizitären Sprachsysteme sind.
Zu beachten ist hierbei, dass Standarddeutsch sprechende Menschen nicht per se
kompetenter sind als Dialektsprecher, obwohl das häufig so vermittelt beziehungsweise
wahrgenommen wird. Dabei kommt es doch vor allem darauf an, WAS man sagt. Denn
Schmarrn bleibt Schmarrn, auch wenn er standarddeutsch ausgesprochen wird.
Diplomerzieherin Ariane Willikonsky stellt den Dialekt sogar als Kundenbringer dar: „Ein
hochdeutsch sprechender Handwerker oder Wirt wäre auf dem Land chancenlos - da kann
er noch so gute Arbeit leisten.“ Damit wird die These, die Schule würde ihrer Funktion, die
Schüler auf das Leben vorzubereiten, nicht gerecht werden, vollkommen entmachtet.
Verwunderlich ist auch, dass wir in anderen Fällen doch auch bejubeln, wenn Kinder neben
dem Deutschen mit der Zweitsprache Englisch oder Französisch aufwachsen, dann feiern
wir das als bildungsbürgerlichen Startvorteil. Spricht man dagegen Fränkisch oder
Alemannisch wird dies von Bildungsbürgern und der Politik schnell als bildungsfern und
primitiv abgetan. Was für eine scheinheilige Doppelmoral!
Die Sprachenverteilung in Baden-Württemberg kann durch eine Umfrage verdeutlicht
werden, bei der bis zum Dezember 2014 ca. 1136 Personen teilgenommen haben und in der
Daten für das gesamte deutsche Sprachgebiet erhoben wurden: 10% sprechen reine
Mundart und 15% Mundart mit hochdeutschem Einfluss. 20% äußern sich auf Hochdeutsch
und 23% gleichermaßen, aber mit Akzent. Insgesamt 33%, der Großteil, sprechen eine
Mischung aus Mundart und Hochdeutsch.
Zusammenfassend bleibt also festzuhalten, dass immer mehr Menschen entweder nur
Dialekt oder nur Hochdeutsch sprechen und der Dialekt einen großen Stellenwert einnimmt.
Die Negation des Dialekts hat laut Stefan Mayr „viel mit Emotion zu tun - und weniger mit
Vernunft.“ Damit ist der Einführung des Fachs Dialekt im Folgejahr nur positiv
gegenüberzustehen, auch wenn immer wieder ein gleitender Übergang von wenig gefärbtem
Standard zu schon arg ampiniertem Dialekt auffällt. Es geht jedoch nicht um ein Entweder-
oder zwischen Hochsprache und Regionalsprache, sondern um ein Nebeneinander. Die
Einführung des Dialektes als Schulfach ist eine hervorragende Idee, solange sie nicht das
Hochdeutsch ersetzt, sondern flankierend begleitet.
Es kommt vielmehr darauf an, dass die Schüler zwischen den verschiedenen Varianten und
Stilebenen unterscheiden, ihnen Kultur mit auf den Weg gegeben wird und sie sich
angemessen in der jeweiligen Situation äußern können.
Somit sei es Auftrag der Schulen, neben der Vermittlung von geschichtlichem und
traditionellem Hintergrund, in Bezug auf Dialekte auch aufklärend zu wirken. Schulen sollten
allgemein mehr Möglichkeiten gegeben werden, die Mundart zu pflegen oder zu entdecken,
was die Einführung eines Schulfachs sogar gänzlich ersetzen könnte. Ideal sind
Theateraufführungen in Mundart oder Projektunterricht, indem beispielsweise der Herkunft
einzelner Wörter, ihren Veränderungen, Weiterentwicklungen und lokalen Ausprägungen
nachgegangen werden kann. Zeitungen und Lektüren sind sicher auch eine gute Idee. Man
könnte es auch mit einem Blog, Podcasts oder YoutTube-Videos versuchen. Eventuell wären
Vorträge oder Kurse an der VHS eine Idee -Sprachwebinare des Länderzentrums. Um dabei
wirklich allen Dialekten gerecht zu werden, könnte man auch eine Vielzahl von
Mundarttexten in Schulbücher aufnehmen.
Es stellt sich dann jedoch die Frage, ob es nicht viele Aufgaben gibt, die dringender sind als
die Imagepflege einer speziellen Mundart, wie zum Beispiel die Deutschförderung schon in
der Kita.