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5 Phytopharmaka
5.1 Abgrenzung Die Angaben im Kasten schreibt der § 1 der über Lebensmittel mit der Einteilung in Nutri-
Neben den Teedrogen werden in diesem Buch (deutschen) Nahrungsergänzungsmittelverord- tion Claims (enthalten in Positiv- bzw. Negativ-
auch jene Drogen beschrieben, die nicht zur Be- nung (NemV) von 2004 vor, mit der die Europä- Listen), Health-Claims (mit Bezeichnungen:
reitung eines Tees dienen, sondern aus denen ische Richtlinie von 2002/64 EG in nationales „ist gut für […]“ oder „schützt vor […]“; eine
Phytopharmaka hergestellt werden. Was Phyto- Recht umgesetzt wurde (in Österreich und vie- wissenschaftliche Begründung ist erforderlich)
pharmaka sind, wurde bereits im Kapitel Tee- len anderen Ländern wurde analog verfahren). und in Risk Reduction Claims („hilft das Risi-
drogen und Phytpharmaka definiert (siehe Kas- Rechtlich gesehen sind Nahrungsergänzungs- ko bei […] zu senken“). Hier bedarf es einer Zu-
ten, ▹ Kap. 2.1). mittel im Bereich der Lebensmittel angesiedelt, lassung durch die ESFA (European Food Safety
wobei die moderne Definition, was ein Lebens- Authority). Mit der Verordnung (EU) Nr.
Phytopharmaka spielen seit Jahren eine zuneh- mittel ist (Europäische Lebensmittel-Basisver- 432/2012 und der dazu ergänzenden Verord-
mend wichtiger werdende Rolle im Bereich der ordnung EG Nr. 178 von 2002), sehr allgemein nung (EU) Nr. 536/2013 erfolgte die Festlegung
pflanzlichen Arzneimittel, besonders in den definiert: „Alle Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener An-
heute üblichen Arzneiformen wie Tabletten, bestimmt sind oder von denen nach vernünfti- gaben über Lebensmittel als Angaben über die
Dragees, Kapseln, Tropfen etc. Der Bundesver- gem Ermessen erwartet werden kann, dass sie in Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die
band der Arzneimittelhersteller e. V. (BAH) verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder un- Entwicklung und die Gesundheit von Kindern.
rechnet allerdings auch die klassischen Tees (die verarbeitetem Zustand von Menschen aufge- Damit sind alle nicht zugelassenen und nicht
in diesem Buch jedoch gesondert betrachtet nommen werden.“ zurückgestellten bzw. noch nicht geprüften An-
werden) zu den Phytopharmaka. Gesetzliche gaben verboten.
Regelungen, in Deutschland das Gesundheits- Da Nahrungsergänzungsmittel als Tabletten,
modernisierungsgesetz, und vor allem der Weg- Dragees etc. in den Handel kommen, äußerlich Die Europäische Behörde für Lebensmittelsi-
fall der Erstattungsfähigkeit haben für viele also wie Arzneimittel aussehen, und häufig ge- cherheit (EFSA), die für die Prüfung zuständig
(nicht rezeptpflichtige) Phytopharmaka zu ei- nug auch mit verklausulierten Heilanpreisungen ist, hat aktuell europaweit 222 gesundheitsbezo-
nem Rückgang des Umsatzes geführt. Hingegen versehen werden, ist die Entscheidung, ob es genen Angaben zugelassen. Diese sind in der so-
haben andere pflanzliche Produkte, die jedoch sich bei einem bestimmten Produkt nicht doch genannten Artikel-13-Liste geregelt. Bei den bis-
keine Arzneimittel sind, an Bedeutung gewon- um ein (nicht zugelassenes) Arzneimittel han- lang zugelassenen Stoffen handelt es sich vor-
nen, vor allem Nahrungsergänzungsmittel, diä- delt, für den Apotheker eine schwierige, aber wiegend um Vitamine und Mineralstoffe. Die
tetische Lebensmittel und Medizinprodukte, immens wichtige Frage. In letzterem Fall wäre Zulassung der Wirkung von Pflanzen und Pflan-
von denen Phytopharmaka abzugrenzen sind. eine Abgabe an Kunden ein strafbarer Tatbe- zeninhaltsstoffen steht noch aus.
Die Kenntnis dieser Abgrenzung ist für den stand! Leider ist die Entscheidung, ob etwas ein
Apotheker sowie den Anwender sehr wichtig. Nahrungsergänzungsmittel oder doch ein Arz- Inzwischen ist, der zunehmenden Bedeutung
neimittel ist, nicht immer einfach und so muss- entsprechend, die Literatur über Nahrungser-
ten sich in den letzten Jahren auch die Gerichte gänzungsmittel stark angewachsen. Eine sehr
NemV, § 1 Anwendungsbereich
mit Streitfällen (bes. Zimt- oder Ginkgo-Präpa- gute Übersicht findet sich in Lit.1, empfehlens-
1) Nahrungsergänzungsmittel im Sinne dieser rate) befassen. wert sind die Bücher von A. Hahn2, die NEM-
Verordnung ist ein Lebensmittel, das Liste 20083 sowie eine Übersicht zu Botanicals in
1. dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernäh-
Für dieAbgrenzung eines Arzneimittels von ei- Nahrungsergänzungsmitteln16.
rung zu ergänzen,
nem Lebensmittel ist die Zweckbestimmung
2. ein Konzentrat von Nährstoffen oder sons-
tigen Stoffen mit ernährungsspezifischer
von entscheidender Bedeutung. Alle Mittel, „die Diätetische Lebensmittel sind für besondere
oder physiologischer Wirkung allein oder in der Heilung oder Verhütung von Krankheiten Ernährungszwecke bestimmt, und zwar für Per-
Zusammensetzung darstellt und dienen, oder die durch eine pharmakologische, sonen, die sich in besonderen physiologischen
3. in dosierter Form, insbesondere in Form immunologische oder metabolische Wirkung Umständen befinden und daher einen besonde-
von Kapseln, Pastillen, Tabletten, Pillen die menschlichen physiologischen Funktionen ren Nutzen aus der kontrollierten Aufnahme be-
und anderen ähnlichen Darreichungsfor- beeinflussen“, sind Arzneimittel und können stimmter Nährstoffe ziehen können. Hierher ge-
men, Pulverbeuteln, Flüssigampullen, Fla- nicht gleichzeitig Lebensmittel sein, dies re- hören die bekannten Säuglingsanfangs- und
schen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen geln nicht nur die nationalen Arzneimittelgeset- -folgenahrungen, die Trinknahrungen für Pati-
Darreichungsformen von Flüssigkeiten und ze, sondern auch die Europäische Arzneimittel- enten mit Kau- und Schluckstörungen, Lebens-
Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen
Richtlinie von 2001. Seit 1. Juli 2007 gilt die sog. mittel für besondere medizinische Zwecke (bi-
kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht
Health-Claims-Verordnung (EG Nr. 1924/2006) lanzierte Diäten), glutenfreie Lebensmittel oder
wird.
zur Regelung gesundheitsbezogener Angaben Lebensmittel für intensive Muskelanstrengung.
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Anders als bei Nahrungsergänzungsmitteln, bei sche Instrumente, medizinische Software, Ka- Die Anwendungsgebiete der Phytopharmaka
denen von Gesetzes wegen kein besonderer Nut- theter, Herzschrittmacher, Dentalprodukte, sind teilweise die gleichen, wie sie bei Teedrogen
zen genannt werden muss, ist bei diätetischen Verbandstoffe, Sehhilfen, Röntgengeräte, Kon- beschrieben wurden, zum Teil jedoch von ihnen
Lebensmitteln ein spezifischer Nutzen für eine dome, ärztliche Instrumente und Labordiag- sehr verschieden. So sind etwa psychische Er-
engere Zielgruppe anzugeben. Im September nostika. Aber auch Produkte, die einen Stoff krankungen wie Depression mit Teedrogen
2010 (mit Übergangsfrist bis 2012) wurde übri- oder Zubereitungen aus Stoffen enthalten oder praktisch nicht, wohl aber mit entsprechenden
gens beschlossen, die spezifischen Anforderun- mit solchen beschichtet sind, die bei gesonder- Phytopharmaka (Hypericum-Präparate) sehr gut
gen an Diabetiker-Lebensmittel zu streichen. ter Verwendung als Arzneimittel oder Bestand- zu behandeln. Ähnliches lässt sich für die Thera-
Damit musste die Produktion von Lebensmit- teil eines Arzneimittels (einschließlich Plasma- pie der Veneninsuffizienz (Extrakte aus Rosskas-
teln mit dem Hinweis „Für Diabetiker geeignet“ derivate) angesehen werden und in Ergänzung tanie oder Mäusedorn) und der Behandlung von
für den deutschen Markt eingestellt werden, zu den Funktionen des Produkts eine Wirkung Hirnleistungsstörungen (Ginkgo-Präparate)
denn es kann für Nahrungsmittel mit Zucker- auf den menschlichen Körper entfalten, können feststellen. In manchen Therapiebereichen ste-
austauschstoffen kein Nutzen für Diabetiker dazu gehören. Medizinprodukte bedürfen kei- hen Teedrogen und Phytopharmaka annähernd
nachgewiesen werden. Somit gelten für Diabe- ner Zulassung, müssen aber ein sog. Konformi- gleichwertig nebeneinander, z. B. bei nervöser
teskranke die gleichen Ernährungsempfehlun- tätsbewertungsverfahren durchlaufen. Das Me- Unruhe und Einschlafstörungen, gastrointesti-
gen wie für die Allgemeinbevölkerung. dizinproduktegesetz gibt es seit 1995. Die Auf- nalen Beschwerden oder Leber- und Gallebe-
gaben des BfArM im Bereich der Medizinpro- schwerden. Bei Harnwegsinfektionen geben
Ergänzende bilanzierte Diäten sind eine spezi- dukte ergeben sich durch das Medizinprodukte- nicht wenige Ärzte den Tees den Vorzug vor
elle Gruppe diätetischer Lebensmittel, die erst gesetz (MPG), die Medizinproduktesicherheits- Phytopharmaka, weil beim Tee die Durchspü-
2002 genau definiert wurde. Sie müssen alle An- verordnung (MPSV) und die Verordnung über lungstherapie im Vordergrund steht.
forderungen an diätetische Lebensmittel erfül- klinische Prüfung von Medizinprodukten (MP-
len, zusätzlich wird jedoch verlangt, dass sie auf KPV). Einige sog. Schlankheitsmittel und Sätti- Die Entwicklung von Spezialextrakten hat vor
besondere Weise verarbeitet oder formuliert gungskapseln (z. B. mit Chitosan, quellenden allem bei einigen Phytopharmaka Bedeutung, so
werden und für die diätetische Behandlung von Ballaststoffen) wurden als Medizinprodukte an- bei Ginkgo-Präparaten und Hypericum-Präpa-
Patienten bestimmt sind. Obwohl sie definiti- gemeldet, inzwischen ist ihre Zahl aber wieder raten (▹ Kap. 2.2).
onsgemäß Lebensmittel sind, haben ergänzende zurückgegangen.
bilanzierte Diäten einen therapeutischen An- Die Marktbedeutung der Phytopharmaka ist
spruch bei einer definierten Krankheit, Störung Zur Abgrenzung gegenüber Arzneimitteln sei nicht zu unterschätzen. Nach einer Erhebung
oder Beschwerde, die eben durch diätetische angemerkt, dass die Leitsätze über Tee und tee- des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller
Behandlung erfolgt, nicht ausschließlich durch ähnliche Produkte den schwarzen und den grü- sind für rezeptfreie Arzneimittel in deutschen
Arzneimittel. Ergänzende bilanzierte Diäten nen Tee sowie nicht vom Teestrauch (Camellia Apotheken im Jahr 2013 insgesamt 5,98 Mrd. €
sind im Unterschied zu vollständig bilanzierten sinensis) stammende Pflanzenteile, die in der Art (Endverbraucherpreise) ausgegeben worden,
Diäten nicht für die ausschließliche Ernährung wie Tee verwendet werden (z. B. Kamillentee des davon 4,73 Mrd. € in der Selbstmedikation. Phy-
von Patienten bestimmt. Die Verwendung die- Lebensmittelhandels), den Lebensmitteln zu- topharmaka hatten davon einen Anteil von etwa
ser diätetischen Lebensmittel muss für den Pa- ordnen. Überschneidungen mit Arzneitees kann 1,3 Mrd. Euro, das sind rund 22 % (4 % Verord-
tienten insbesondere nutzbringend und wirk- es dann nicht geben, solange Tee und teeähnli- nung, 18 % Selbstmedikation). Dazu kommen
sam sein. Lebensmittel für besondere medizini- chen Produkten keine arzneilichen, krankheits- noch die nicht-apothekenpflichtigen Phytophar-
sche Zwecke (bilanzierte Diäten) unterliegen ei- bezogenen Aussagen zugeteilt werden. Ähnli- maka, die auch in Reformhäusern oder Drogeri-
nem Anzeigeverfahren nach § 4a Abs. 1 DiätV, ches gilt für Gewürze und Aromen, die beide en vertrieben werden.
für welches das Bundesamt für Verbraucher- dem Lebensmittelbereich zugehören, obwohl ei-
schutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu- nige Gewürzdrogen auch in Arzneimitteln ent- In der Selbstmedikation spielen vor allem Hus-
ständig ist. halten sind. ten- und Erkältungsmittel, Magenmittel, Beru-
higungs- und Schlafmittel, Herz- und Kreislauf-
Medizinprodukte sind Stoffe, die zwar wie Arz- Wichtig ist stets die Zweckbestimmung des mittel (hoher Beratungsbedarf!), Mittel gegen
neimittel der Erkennung, Verhütung, Behand- konkreten Produkts. Ein Arzneimittel kann Muskel- und Gelenkschmerzen sowie pflanzli-
lung oder Linderung von Krankheiten dienen, (auch juristisch betrachtet) nicht gleichzeitig Le- che Tonika und „Geriatrika“ eine Rolle. Der
bei denen jedoch die Hauptwirkung nicht bensmittel sein und umgekehrt. Aber ein und Trend zur Selbstmedikation mit pflanzlichen
durch pharmakologische, immunologische derselbe Stoff (ein Extrakt aus Kamillenblüten) Arzneimitteln ist anhaltend, nicht zuletzt aus
oder metabolische Mechanismen zustande kann einmal Arzneimittel (z. B. Kamillan® sup- Sorge um mögliche Nebenwirkungen chemisch-
kommt. Die bestimmungsgemäße Hauptwir- ra) und ein andermal Lebensmittel (z. B. Kamil- synthetischer Arzneimittel. Nicht gering ist da-
kung wird primär auf z. B. physikalischem Weg le als Tee) sein. Die Art der Herstellung, Quali- bei auch die Menge an pflanzlichen Arzneimit-
erreicht. Zu den Medizinprodukten gehören tätskriterien, die Konzentration von relevanten teln, die zur Vorbeugung von Erkrankungen
z. B. Implantate, Produkte zur Injektion, Infusi- Inhaltsstoffen, ein Wirksamkeitsnachweis und (Erkältung, Grippe, Schlafstörungen) einge-
on, Transfusion und Dialyse, humanmedizini- Zulassungsverfahren entscheiden darüber. nommen werden.
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5.2 Extrakte und Extraktherstellung Extrakten (z. B. Baldriantinktur) bestimmen Propanol sowie deren Mischungen mit Wasser
Martin Tegtmeier nur die Qualität des Ausgangsmaterials und die bleibt Spezialextrakten vorbehalten. Bei diesen
Eignung des Herstellungsverfahrens die Ex- erfolgt durch sehr selektive Extraktion entweder
5.2.1 Die industrielle Herstellung von traktgüte. die Anreicherung erwünschter Inhaltsstoffe
Pflanzenextrakten oder auch die Abtrennung unerwünschter (z. B.
Die moderne Phytotherapie benötigt Arznei- 5.2.2 Extraktion toxischer) Substanzen. Beispiele sind Ginkgo-
mittel, die bei jeder Charge die gleiche Wirk- Um eine kontinuierliche und erschöpfende Ex- trockenextrakt (Abtrennung der Ginkgol-Säu-
samkeit, Qualität und Unbedenklichkeit besit- traktion zu realisieren, folgen die modernen An- ren, siehe Monographie Ginkgo folium) oder ei-
zen. Die natürlichen Schwankungen im Inhalts- lagen dem Grundprinzip der Perkolation. nige Hypericum-Extrakte (Anreicherung der
stoffspektrum, die jede einzelne Pflanze und da- Durch entsprechende Ergänzungen und Variati- Flavonoide). Analog zur klassischen Teezuberei-
mit auch Arzneidroge kennzeichnen, sollten onen, z. B. Vormazeration und Stufenextraktion, tung kann auch eine industrielle Extraktion bei
ausgeglichen werden, um dem Patienten Präpa- werden die individuellen Bedingungen der Arz- höheren Temperaturen durchgeführt werden. In
rate mit konstantem Wirkstoffgehalt anbieten neipflanzen und der unterschiedlichen Pflan- diesen Fällen kann der Anteil eines organischen
zu können. Im Unterschied zur Teezubereitung, zenteile beachtet. So ist beispielsweise bei eini- Lösungsmittels reduziert werden oder gegebe-
aber auch zu der Extrakt- und Tinkturherstel- gen Wurzeldrogen ein Vorquellen notwendig, nenfalls komplett entfallen, da heißes Wasser
lung in der Apotheke, können durch die Ex- während bestimmte Blüten- und Blattdrogen ei- auch eine akzeptable Lipophilie besitzt. Aller-
traktion im industriellen Maßstab viele natür- nen zügigen Beginn der Hauptextraktion erfor- dings vermindert sich die Löslichkeit vieler In-
liche Schwankungen, die sich aus der Beschaf- dern. Bei der Herstellung pflanzlicher Arznei- haltsstoffe beim Abkühlen auf normale Umge-
fenheit der Arzneidrogen ergeben, kompensiert mittel, die zur allopathischen Therapie bestimmt bungstemperatur wieder, sodass diese Verfah-
werden, sodass die Extrakte eine einheitliche sind, werden fast ausschließlich getrocknete rensoption nur bei einigen Arzneidrogen ge-
Qualität aufweisen. Eine wichtige Vorausset- Arzneidrogen eingesetzt. Wird, wie z. B. im Fall nutzt werden kann. Generell kann ein Tempera-
zung für diese hohe Qualität bedeutete der der Heidelbeeren, die frische oder tiefgefrorene, turgradient nur eingesetzt werden, wenn die In-
Übergang von der Wildsammlung zum kontrol- reife Frucht verwendet, müssen die Produkti- haltsstoffe höhere Temperaturen ohne Quali-
lierten Arzneipflanzenanbau, der bereits einen onsanlagen entsprechend ausgerüstet sein, um tätseinbußen tolerieren. In einigen Fällen wird
enormen Qualitätssprung (z. B. im Hinblick auf eine (mikrobielle) Verderbnis zu vermeiden. Zu- das Extraktionsergebnis auch durch eine Verän-
Verfälschungen, Verwechslungen oder Erntebe- dem erfolgt meist eine unmittelbare Verarbei- derung des pH-Werts erreicht. So enthält z. B.
dingungen) ermöglichte. Die industrielle Ex- tung nach der Ernte, wobei eine kurze Distanz das Extraktionsmittel für die Herstellung des
traktion ist aber auch die Basis für die Produk- zwischen Ernteflächen und Extraktionsstätte Thymianfluidextrakts etwas Ammoniak. Ein
tion von Fertigarzneimitteln mit gleichbleiben- wünschenswert ist. sehr interessantes Extraktionsmittel stellt auch
der Zusammensetzung. überkritisches Kohlendioxid dar, das bereits mit
Die Partikelgröße der Arzneidroge, der soge- großem Erfolg im Lebensmittelbereich verwen-
Seit der 5. Ausgabe des Europäischen Arznei- nannte Extraktionsschnitt, die Art des Extrakti- det wird. Der Vorteil von fluidem Kohlendioxid
buchs unterscheidet man zwischen drei Ex- onsmittels sowie die Anlagengeometrie und -di- liegt in seiner exzellenten Extraktionskraft für li-
trakttypen: den standardisierten Extrakten mension beeinflussen in Verbindung mit den pophile Inhaltsstoffe und der nicht vorhandenen
(Extracta normata), den quantifizierten Extrak- Umgebungsbedingungen wesentlich das Ergeb- Rückstandsproblematik bei den Extrakten. Lei-
ten (Extracta quantificata) und den anderen Ex- nis der Extraktion. Durch den geeigneten Ex- der konnte dieses Extraktionsmittel für Arz-
trakten (Ph. Eur. 8.0/0765 Extrakte – Extracta). traktionsschnitt wird ein schnelles und mög- neidrogen bei den Zulassungsbehörden noch
Mit dieser Klassifizierung soll das unterschiedli- lichst vollständiges Benetzen der Arzneidroge nicht etabliert werden.
che Wissen über die wirksamkeitsbestimmen- mit dem Extraktionsmittel erreicht. Zu grobe
den Inhaltsstoffe bei der jeweiligen Arzneidroge Drogenteile können eine vollständige Extrakti- Die Konstruktion der Extraktionsanlagen er-
berücksichtigt werden. Bei den standardisierten on genauso verhindern wie zu fein geschnittene gibt sich aus dem gewünschten Extraktionsver-
Extrakten (z. B. eingestellter Sennesblättertro- oder pulverisierte Arzneidrogen, bei denen bei- fahren. Prinzipiell soll in den Anlagen durch
ckenextrakt) kann der Extrakt auf einen defi- spielsweise die Gefahr der Bildung von Trocken- leichte Modifikationen eine Extraktion entspre-
nierten Gehalt an den Inhaltsstoffen, deren nestern droht. chend den spezifischen Erfordernissen der je-
Wirksamkeit bekannt ist, z. B. durch die Zugabe weiligen Arzneidroge ermöglicht werden. So
von inerten Hilfsstoffen oder durch Vermischen Beim Extraktionsmittel orientiert man sich an sind oft Grundelemente, wie Extraktionsbehäl-
von verschiedenen Extraktchargen eingestellt dem gewünschten Inhaltsstoffmuster, welches ter, mehrfach vorhanden, um durch entspre-
werden. Da bei den quantifizierten Extrakten aus der Arzneidroge in den Extrakt überführt chende Serienschaltungen beispielsweise Stu-
(z. B. quantifizierter, raffinierter Ginkgotrocken- werden soll. In den vergangenen Jahren haben fenextraktionen ausführen zu können. Der
extrakt) diese Kenntnis nicht exakt vorhanden sich Ethanol-Wasser-Mischungen, deren Mi- Wunsch, verschiedene organische Extraktions-
ist, wird der Extrakt über eine oder mehrere schungsverhältnis die individuellen Bedingun- mittel verwenden oder Extraktionen bei erhöh-
Leitsubstanz(en) auf einen definierten Gehalts- gen der jeweiligen Arzneidroge berücksichtigt, ten Temperaturen ablaufen lassen zu können,
bereich meistens durch Vermischen verschiede- als Standardextraktionsmittel etabliert. Die Ver- führt zu komplexen Anlagen und Betriebsstät-
ner Extraktchargen eingestellt. Bei den anderen wendung von Aceton, Hexan, Methanol und ten, um alle Anforderungen an die Sicherheit,
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| Abb. 5.1 Die Herstellung von Extrakten


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Umweltverträglichkeit und Verfahrenstechnik bekannten Arzneibüchern monographierten anderen Herstellungsarten Wärme, sodass sie
zu erfüllen. Fluidextrakte vorgestellt. Bestandteil der thermischen Verfahrenstechnik
sind. Während in einigen Fällen das Pflanzen-
Neben der Extraktion einer einzelnen Arznei- Technologisch betrachtet gehört auch die Ge- material ohne Zusätze erhitzt wird und die Ge-
droge können auch mehrere Arzneidrogen ge- winnung von ätherischen Ölen zu den Extrak- winnung des ätherischen Öls über eine soge-
meinsam extrahiert werden. Bei der Mischex- tionsprozessen. Dabei haben sich drei Verfah- nannte „trockene Destillation“ gelingt, wird in
traktion ist das bewährte Prinzip der traditio- renstechniken etabliert. Die Möglichkeit des den meisten Fällen Wasser zu den Arzneidrogen
nellen Zubereitung von Arzneiteemischungen in Auspressens und -quetschens von Arzneidrogen hinzugefügt, damit der durch die Erwärmung
den industriellen Maßstab übertragen worden4. ohne Erwärmung wie z. B. bei Citronenöl (Li- entstehende Dampf als Schleppmedium eine
Dadurch können wichtige Extraktionssynergien monis aetheroleum) folgt einem mechanischen möglichst vollständige Gewinnung des ätheri-
zwischen den einzelnen Arzneidrogen wahrge- Verfahrensprinzip. Dagegen nutzen die beiden schen Öls gewährleistet, z. B. beim durch Was-
nommen werden, die entscheidend für die Ein-
zigartigkeit von Wirksamkeit und Qualität Tab. 5.1 Aufstellung der in der Apothekenpraxis üblichen Tinkturen (Forts.)
pflanzlicher Kombinationsarzneimittel sind.
Tinktur Tinctura Arzneidroge Plantae medicinales Fundstelle
Mischextrakte werden nach den gleichen Regeln
und mit den gleichen Techniken wie Extrakte Arnikatinktur Arnicae tinctura Arnikablüten Arnicae flos Ph. Eur. 8.0/1809
aus einer einzelnen Arzneidroge hergestellt. Der Baldriantinktur Valerianae tinctura Baldrianwurzel Valerianae radix Ph. Eur. 8.0/1899
einzige Unterschied besteht darin, dass der Ex- Eingestellte Bella- Belladonnae folii Belladonnablät- Belladonnae folium Ph. Eur. 8.0/1812
traktionsbehälter bei Mischextrakten mit meh- donnatinktur tinctura normata ter
reren Arzneidrogen und nicht nur mit einer be- Siam-Benzoe-Tink- Benzois tonkinensis Siam-Benzoe Benzoe tonkinensis Ph. Eur. 8.0/2157
füllt wird. tur tictura
Sumatra-Benzoe- Benzois sumatrani Sumatra-Benzoe Benzoe sumatranus Ph. Eur. 8.0/1813
Als Ergebnis der Extraktion liegt ein genuiner
Tinktur tictura
Flüssigextrakt vor, der in den meisten Fällen zu
einem Dickextrakt weiterverarbeitet wird. Aller- Bitterorangenscha- Aurantii amari epi- Bitterorangen- Aurantii amari epi- Ph. Eur. 8.0/1604
lentinktur carpii et mesocarpii schale carpium et meso-
dings kann sich auch als Zwischenschritt eine
tinctura carpium
Flüssig-Flüssig-Extraktion anschließen, um eine
weitere Selektion bei den Inhaltsstoffen zu errei- Brennnesselblät- Urticae folii tinctura Brennnesselblät- Urticae folium DAC B – 134
chen. tertinktur ter
Brennnesselwur- Urticae radicis tinc- Brennnesselwur- Urticae radix DAC B – 137
Das Europäische Arzneibuch unterscheidet ver- zeltinktur tura zel
schiedene Formen des Flüssigextrakts (Ph. Eur. Eingestellte Ca- Capsici tinctura Cayennepfeffer Capsici fructus Ph. Eur. 8.0/2337
8.0/0765 Extrakte – Extracta). Die Tinktur yennepfeffertinktur normata
(Tinctura) folgt in ihrem Herstellungsweg dem Standardisierte Cinchonae corticis Chinarinde Cinchonae cortex DAC C – 100
traditionellen Extraktionsprinzip des früheren Chinarindentinktur tinctura normata
Apothekenalltags. So beträgt das Verhältnis von Zusammengesetzte Cinchonae tinctura Chinarinde, Enzi- Cinchonae cortex, DAB
Arzneidroge zu Auszugsmittel üblicherweise 1 Chinatinktur composita anwurzel, Pome- Gentianae radix,
zu 5 oder 1 zu 10, wobei Ethanol in geeigneter ranzenschale, Aurantii pericarpi-
Konzentration als Auszugsmittel verwendet Zimtrinde um, Cinnamomi
wird. Anstelle der ursprünglich als einziges Ver- cortex
fahren zulässigen Mazeration kann nun auch Enziantinktur Gentianae tinctura Enzianwurzel Gentianae radix Ph. Eur. 8.0/1870
eine Perkolation durchgeführt werden. Eine
Eukalyptustinktur Eucalypti tinctura Eukalyptusblätter Eucalypti folium DAC E – 190
Übersicht über gängige Tinkturen enthält
▹ Tab. 5.1. Ginsengtinktur Ginseng tinctura Ginsengwurzel Ginseng radix DAC G – 050
Ingwertinktur Zingiberis tinctura Ingwerwurzel- Zingiberis rhizoma DAC I – 020
Fluidextrakte (Extracta fluida) stellen in den stock
meisten Fällen nur noch eine Zwischenstufe in Eingestellte Ipeca- Ipecacuanhae tinc- Ipecacuanha- Ipecacuanhae radix Ph. Eur. 8.0/1530
der Produktion zu Dickextrakten (Extracta cuanhatinktur tura normata wurzel
spissa) und Trockenextrakten (Extracta sicca) Korianderfrüchte- Coriandri fructi Koriander Coriandri fructus DAC K – 180
dar. Die direkte Herstellung eines Fertigarznei- tinktur tinctura
mittels mit einem Fluidextrakt erfolgt nur noch,
Myrrhentinktur Myrrhae tinctura Myrrhe Myrrha Ph. Eur. 8.0/1877
wenn eine flüssige alkoholhaltige Darreichungs-
form für die Arzneidroge eine therapeutische Eingestellte Opium- Opii tinctura nor- Opium Opium crudum Ph. Eur. 8.0/1841
tinktur mata
Relevanz besitzt. In ▹ Tab. 5.2 werden die in den
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Tab. 5.1 Aufstellung der in der Apothekenpraxis üblichen Tinkturen (Forts.) serdampfdestillation gewonnenen Nelkenöl
(Caryophylli floris aetheroleum).
Tinktur Tinctura Arzneidroge Plantae medicinales Fundstelle
Pfefferminztinktur Menthae piperitae Pfefferminzblät- Mentae piperitae DAC P – 046 Fette Öle pflanzlichen Ursprungs werden entwe-
tinctura ter folium
der nur durch mechanische Techniken (Kalt-
Primelwurzeltinktur Primulae radicis Primelwurzel Primulae radix DAC P – 210 pressen, Zentrifugieren) oder durch Kombinati-
tinctura onen von Pressen und Lösungsmittelextraktion
Ratanhiatinktur Ratanhiae tinctura Ratanhiawurzel Ratanhiae radix Ph. Eur. 8.0/1888 gewonnen. Gegebenenfalls schließen sich Raffi-
Ringelblumentink- Calendulae tinctura Ringelblumen- Calendulae flos DAC R – 032 nationsprozesse und eine chemische Behand-
tur blüten lung an, um die gewünschte Qualität und Stabi-
lität des pflanzlichen fetten Öls zu gewährleisten.
Salbeitinktur Salviae tinctura Salbeiblätter Salviae officinalis Ph. Eur. 8.0/1889
folium
5.2.3 Dickextrakte
Thymiantinktur Thymi tinctura Thymiankraut Thymi herba DAC T – 052
In den meisten Fällen können die genuin entstan-
Tormentilltinktur Tormentillae tinc- Tormentillwur- Tormentillae rhizo- Ph. Eur. 8.0/1895 denen Flüssigextrakte nicht unmittelbar für die
tura zelstock ma Herstellung von Fertigarzneimitteln verwendet
Weißdorntinktur Crataegi tincture e Weißdornblätter Crataegi folium cum DAC W – 047 werden. Insbesondere bei der Verwendung von
aus Blättern und foliis cum floribus mit Blüten flore nicht wässrigen oder wässrig-ethanolischen Ex-
Blüten traktionsmitteln muss im nächsten Verfahrens-
Wermuttinktur Absinthii tinctura Wermutkraut Absinthii herba DAC W – 050 schritt die Abtrennung des jeweiligen organischen
Zimtrindentinktur Cinnamomi corticis Zimtrinde Cinnamomi cortex Ph. Eur. 8.0/1819 Auszugsmittels (z. B. Aceton, Hexan oder Metha-
tinctura nol) erfolgen. Zudem ist oft eine Anreicherung
der Extraktivstoffe, die im Sinne des Europäischen
Arzneibuchs als Trockenrückstand des genuinen
Tab. 5.2 Beispiele für monographierte Fluidextrakte
Flüssigextrakts quantifiziert werden, für die Wei-
terverarbeitung unumgänglich. So erfordern die
Fluidextrakt Extractum fluidum Arzneidroge Plantae medicinales Fundstelle
bei der Herstellung von Trockenextrakten haupt-
Eingestellter China- Cinchonae extrac- Chinarinde Cinchonae cortex Ph. Eur. 8.0/1818 sächlich eingesetzten Sprühtürme und Bandtrock-
rindenfluidextrakt tum fluidum nor- ner Extraktivstoffgehalte von mind. 50 %, wäh-
matum rend die genuinen Flüssigextrakte meist Extrak-
Condurangorinden- Condurango corticis Condurangorinde Condurango cortex DAC C – 276 tivstoffgehalte deutlich unter 20 % aufweisen.
fluidextrakt extractum fluidum
Hamamelisblätter- Hamamelidis folii Hamamelisblät- Hamamelidis folium DAC H – 025 Für die Einengung der genuinen Flüssigextrakte
fluidextrakt extractum fluidum ter werden üblicherweise Fallstrom-, Platten- und
Hamamelisrinden- Hamamelidis corti- Hamamelisrinde Hamamelidis cortex DAC H – 035 Vakuum-Umlaufverdampfer eingesetzt (ႼAbb.
fluidextrakt cis extractum flui- 5.2 – ႼAbb. 5.4). Die für die jeweilige Arzneidro-
dum ge und deren Extrakt am besten geeignete Tech-
Eingestellter Ipeca- Ipecacuanhae ext- Ipecacuanha- Ipecacuanhae radix Ph. Eur. 8.0/1875 nik ergibt sich unmittelbar aus dem Charakter
cuanhafluidextrakt ractum fluidum wurzel der Extraktivstoffe. Im Vordergrund steht dabei
normatum deren Thermostabilität, und damit die Frage, wie
Kamillenfluidex- Matricariae extrac- Kamillenblüten Matricariae flos Ph. Eur. 8.0/1544
lange und in welchem Ausmaß Wärmeenergie
trakt tum fluidum auf die Extraktivstoffe einwirken darf, ohne dass
nennenswerte Qualitätseinbußen bei der Pro-
Ringelblumenflui- Calendulae extrac- Ringelblumen- Calendulae flos DAC R – 030
duktion des Dickextrakts auftreten. Zusätzlich
dextrakt tum fluidum blüten
muss darauf geachtet werden, ob mit der Verän-
Eingestellter, etha- Liquiritiae extrac- Süßholzwurzel Liquiritiae radix Ph. Eur. 7.3/1536
derung der Polarität und den Lösungseigenschaf-
nolischer Süßholz- tum fluidum etha- (nicht mehr in
ten der Flüssigphase, die während des Einen-
wurzelfluidextrakt nolicum normatum 8.0)
gungsprozesses kontinuierlich stattfindet, kriti-
Thymianfluidex- Thymi extractum Thymiankraut Thymi herba DAB sche Reaktionen der Extraktivstoffe (z. B. ver-
trakt fluidum
mehrte Ausfällungen und/oder Aggregationen)
Quantifizierter Crataegi folii cum Weißdornblätter Crataegi folium cum Ph. Eur. 8.0/1864 auftreten. Neben diesen, für die Verfahrensfüh-
Weißdornblätter- flore extractum flu- mit Blüten flore rung sehr entscheidenden Bedingungen, bildet
mit-Blüten-Flui- idum quantifica- auch die Anwesenheit von Saponinen in dem ge-
dextrakt tum
nuinen Flüssigextrakt einen teilweise nicht zu un-
Phytopharmaka │ 31

| Abb. 5.2 Fallstromverdampfer | Abb. 5.3 Fallstromverdampfer | Abb. 5.5 Vakuum-Umlaufverdampfer

terschätzenden Schwierigkeitsgrad, da Schäu- stillationsanlagen installiert worden, um die nannten Redestillate nur für die gleiche Arz-
mungsprozesse beim Einengen möglichst ver- bei der Dickextraktherstellung abgetrennten or- neidroge wieder zur Verwendung kommen.
mieden werden sollten. ganischen Extraktionsmittel aufarbeiten zu kön- Dieser Prozess ist nicht nur ökonomisch, son-
nen. Durch die Aufreinigung können die Flüs- dern auch aus ökologischer Sicht begrüßens-
Als maschinentechnische Ergänzung zu den sigkeiten wieder zur Herstellung neuer Extrakti- wert.
Verdampfern sind in den meisten Betrieben De- onsmittel verwendet werden, wobei die soge-
5.2.4 Ölharze
Das Europäische Arzneibuch hat mit den Öl-
harzen (Oleoresina, Oleosa) für Dickextrakte,
welche ein Harz enthalten, das in einem ätheri-
schen und/oder fetten Öl gelöst ist, eine eigene
Rubrik geschaffen (Ph. Eur. 8.0/0765 Extrakte –
Extracta). Aus technologischer Sicht handelt es
sich wie bei den üblichen Dickextrakten um
eine halbfeste Suspension, wobei der Charakter
der extrahierten Pflanzeninhaltsstoffe den Um-
gang im Produktionsalltag bestimmt. Promi-
nentes Beispiel für diese Extraktgruppe ist das
quantifizierte, raffinierte Cayennepfefferölharz
(Capsici oleoresina raffinata et quantificata,
Ph. Eur. 8.0/2336).

5.2.5 Extraktzubereitungen
Am Ende der Extraktherstellung stehen die Ex-
traktzubereitungen, welche bei der industriellen
Herstellung von Phytopharmaka den Wirkstoff
darstellen. Im Fall von Trockenextraktzuberei-
tungen wird den Dickextrakten (Extracta spis-
sa) im Rahmen des Trocknungsvorgangs das
restliche Auszugsmittel entzogen, das haupt-
| Abb. 5.4 Plattenverdampfer
sächlich aus Wasser besteht und nur noch Spu-
32 │ Phytopharmaka

ren der jeweiligen organischen Phase enthält. extrakten, bevor diese in die Trocknungsanlagen 5.2.6 Rahmenbedingungen für
Vom Dickextrakt liegen somit nur noch die ext- gelangen. Extraktionsverfahren
rahierten Bestandteile der Arzneidroge vor, wel- Für die in der Therapie etablierten Arzneidrogen
che mit dem Begriff Nativextrakt bezeichnet Für Produktionsstätten, die neben der Extrakti- existieren meist Monographien, die vom Aus-
werden. Bei den meisten Arzneipflanzen neigen on auch eine Formgebung besitzen, existiert mit schuss für pflanzliche Arzneimittel (Commitee
die Nativextrakte zu einer plastisch-gummiarti- der Direktgranulierung eine interessante Vari- on Herbal Medicinal Products, HMPC) der Eu-
gen Konsistenz, die eine weitere Verarbeitung ante bei der Herstellung von Trockenextrakten. ropäischen Arzneimittel-Agentur in London
stark einschränken. Deswegen erfolgt schon Bei der Direktgranulierung wird der Dickex- (European Medicines Agency, EMA) publiziert
während des Trocknungsvorgangs die Zugabe trakt, bei einigen Arzneipflanzen auch schon der worden sind. Bei diesen Monographien steht die
von inerten Hilfsstoffen, die die Funktion eines genuine Flüssigextrakt, unmittelbar den Hilfs- medizinisch-therapeutische Bewertung im Vor-
Trägerstoffs und Fließmittels erfüllen. Die Aus- stoffen für das Granulat hinzugegeben. Bei die- dergrund. Deswegen werden weitreichende Vor-
wahl der geeigneten Hilfsstoffe orientiert sich an sem Verfahren, das sich bei Eintopfgranulierern gaben an pflanzliche Arzneimittel formuliert,
dem Charakter der Extraktivstoffe. Dabei wer- anbietet, übernimmt der Extrakt gewissermaßen die die jeweilige Arzneidroge enthalten. So wer-
den meistens Maltodextrin, Glucosesirup und die Funktion einer Granulierflüssigkeit. Die den die möglichen Extrakttypen sowie die dafür
mikrokistalline Cellulose als Trägermaterialien Technik führt zu sehr hochwertigen Trockenex- zu wählenden Droge-Extrakt-Verhältnisse
sowie hochdisperses Siliciumdioxid als Fließre- traktzubereitungen oder (Basis-)Granulaten (DEV) und Auszugsmittel benannt. Bei Berück-
gulierungsmittel eingesetzt. In den letzten Jah- und bietet sich gerade auch bei Arzneipflanzen sichtigung dieser Vorgaben ist im Rahmen eines
ren hat die früher gern genutzte Lactose auf- und deren Zubereitungen an, die nicht so große Zulassungsverfahrens in der Europäischen Uni-
grund ihrer (wenn auch seltenen) Intoleranzre- Produktionsvolumina erreichen. on eine Bezugnahme auf die Monographie mög-
aktionen an Bedeutung verloren und wird in lich. Am Ende der Drogenmonographie Zingi-
den meisten Fällen durch Maltodextrin ersetzt. Neben den Trockenextraktzubereitungen gibt es beris rhizoma wird die HMPC-Monographie für
auch flüssige Extraktzubereitungen, bei denen Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzelstock) bei-
Inerte Hilfsstoffe werden aber auch zur Erzie- beispielsweise ein definiertes Droge-Extrakt- spielhaft vorgestellt. Neben dem dargestellten
lung definierter Wirkstoffkonzentrationen be- Verhältnis (DEV) oder eine Standardisierung Monographie-Text (Community Herbal Mono-
nötigt, wie es insbesondere das Europäische (z. B. eingestellter, ethanolischer Süßholzwurzel- graph) sind noch weitere Informationen verfüg-
Arzneibuch für standardisierte Extraktzuberei- fluidextrakt, Ph. Eur. 8.0/1536) erzielt werden bar, z. B. ein umfangreicher Bewertungsbericht
tungen (z. B. eingestellter Sennesblättertrocken- soll. Wiederum wird der genuine Flüssigextrakt (Assessment Report) mit dazugehöriger Litera-
extrakt, Ph. Eur. 8.0/1261) vorsieht. Daneben als unmittelbares Produkt der Drogenextraktion tur (List of References), welche die Grundlage
existieren Arzneidrogen, wie z. B. Efeublätter, zunächst zu einem Dickextrakt eingeengt, der für die Monographie darstellen (siehe Home-
deren Nativextrakte ohne Zugabe von Hilfsstof- anschließend meistens mit Ethanol und Wasser page EMA). Vergleichend sind andere Mono-
fen bereits als Trockenextrakte eingesetzt wer- auf die gewünschte Zusammensetzung einge- graphie-Texte bzw. Hinweise zum Zugang zu
den können. stellt wird. Idealerweise entspricht das Lösungs- solchen Monographie-Texten zu Zingiberis rhi-
medium der Fluidextraktzubereitung in seiner zoma ebenfalls im Anhang aufgeführt, und zwar
Für die Trocknungsverfahren bieten sich Zusammensetzung der des Extraktionsmittels, solche aus dem Europäischen Arzneibuch
Sprühtürme an, mit denen große Extraktmen- um die beste Löslichkeit für die Extraktivstoffe (Ph. Eur.), von der European Scientific Coopera-
gen schnell hergestellt werden können. Eine Al- zu gewährleisten. tive on Phytotherapy (ESCOP), der World
ternative stellen Bandtrockner dar, insbesonde- Health Organisation (WHO) und der Kommis-
re in der heute üblichen Konzeption als Vaku- Das Ergebnis einer Extraktion ist zunächst im- sion E.
umbandtrockner. Die Festlegung des geeigneten mer ein genuiner Flüssigextrakt, unabhängig da-
Trocknungsverfahrens orientiert sich primär an von, ob eine Einzel- oder eine Mischextraktion Vorgaben zur Qualität des Extrakts orientieren
den Eigenschaften der Arzneidroge und ihrer stattfindet. In den meisten Fällen schließt sich sich an den Monographien des Europäischen
Dickextrakte. Durch den Trocknungsprozess eine Konzentrierung zu einem Dickextrakt an, Arzneibuchs oder den nationalen Ausgaben. So
sollten möglichst keine Qualitätseinbußen und der dann die Grundlage für die Herstellung der wurden in den vergangenen Jahren kontinuier-
nur geringe Ausbeuteverluste entstehen. Zusätz- finalen Trockenextrakt- oder Fluidextraktzube- lich Monographien für Trockenextraktzuberei-
lich limitieren Chargengrößen und Bedarfsmen- reitung bildet. Daneben existieren interessante tungen veröffentlicht. Außerdem müssen alle
gen die Maschinentechniken, indem beispiels- Alternativwege, indem z. B. der genuine Flüssig- verwendeten Ausgangsmaterialien (von der
weise bei Sprühtürmen meist nur Kampagnen- extrakt und ein Dickextrakt direkt in ein Granu- Arzneidroge bis zum Auszugsmittel) die Quali-
produktionen im Tonnenmaßstab sinnvoll sind. lat eingearbeitet werden können. tätsanforderungen der Arzneibücher erfüllen.
Insbesondere bei den Sprühtürmen darf die Mi-
krobiologie bei der Prozessführung nicht ver- Die Auswahl der geeigneten Verdampfertechnik 5.3 Gesetzliche Bestimmungen zur
nachlässigt werden, um qualitativ hochwertige orientiert sich am Inhaltsstoffspektrum des Ex- Beurteilung, Prüfung, Zulassung
Trockenextraktzubereitungen zu erhalten. Des- trakts. Dabei müssen insbesondere die Thermo- Phytopharmaka sind immer Vielstoffgemische.
wegen sorgen indirekte Uperisationsverfahren stabilität und die Löslichkeitseigenschaften der Es ist einleuchtend, dass je nach Ausgangsmate-
für höchste mikrobielle Reinheit bei den Dick- Inhaltsstoffe berücksichtigt werden. rial (Charge) und Bedingungen bei der Extrakt-
Phytopharmaka │ 33

herstellung (Lösungsmittel, Mengenverhältnis- von 20:1 bedeutet z. B. 5 % Extraktivstoffgehalt Beispiel also 750 × 4,5 = 3375 mg Droge Hyperi-
se, Extraktionsverfahren, Temperatur, Extrakti- im betreffenden Drogenmaterial, ein DEV von ci herba, also rund 3,4 g. In der Monographie der
onsdauer etc.) nicht ohne weiteres Extrakte an- 4:1 hingegen einen Extraktivstoffgehalt von Kommission E ist eine notwendige Tagesdosis
fallen werden, die in ihrer Zusammensetzung 25 %. Andererseits bedeutet ein DEV von 20:1 von 2–4 g Johanniskraut angegeben, Zuberei-
völlig identisch sind. Selbst bei Verwendung von eine wesentlich stärkere Anreicherung der Dro- tungen entsprechend. In unserem Beispiel wür-
Drogen mit möglichst gleichen Wirkstoffgehal- geninhaltsstoffe im Extrakt als dies bei einem de also bereits mit einer Tablette die notwendige
ten und Einhaltung genau definierter Bedingun- DEV 4:1 der Fall ist, was natürlich für die Dosie- Tagesdosis erreicht.
gen bei der Herstellung entstehen Extrakte mit rung des Extrakts im Fertigarzneimittel von Be-
zwar sehr ähnlicher, aber nicht exakt gleicher deutung ist. Zweites Beispiel: Ein Präparat aus Efeublättern
Zusammensetzung. Um solche Extrakte und ist folgendermaßen deklariert:
entsprechende Phytopharmaka hinsichtlich ih- Für verschiedene Extrakte liegen die DEV-Wer-
rer pharmazeutischen Qualität beurteilen zu te häufig in folgenden Bereichen: 1 Filmtablette enthält 25 mg Trockenextrakt
können, müssen deshalb bestimmte Angaben (DEV 5–7,5:1). Aus dem Mittelwert für das DEV
von Seiten des Herstellers verlangt werden, die ▶ Trockenextrakte: 3–15:1, von 6,25:1 ergibt sich die der Droge Hederae
eine Einschätzung der Wirksamkeit erlauben. Es ▶ Spezialextrakte: > 30:1, folium entsprechende Menge zu 25 × 6,25 =
sind daher viele Hersteller von sich aus dazu ▶ Fluidextrakte: ca. 1:1, 156,25 mg; 25 mg Extrakt (1 Filmtablette) ent-
übergegangen, ihre Präparate entsprechend zu ▶ Tinkturen: ca. 1:5 bis 1:10. sprechen also ca. 0,156 g Droge. Die Dosierungs-
deklarieren. Diese im Folgenden genannten An- empfehlung lautet 3-mal täglich 2 Filmtabletten
gaben finden sich häufig schon auf der Verpa- Um immer möglichst ähnlich zusammengesetz- (diese entsprechen etwa 3 × 0,3 g Droge); damit
ckung, im Text der Beipackzettel oder in der Ro- te Extrakte zu erhalten (siehe Standardisierung), wird die Dosierungsempfehlung der Kommissi-
ten Liste®. müssen die eingesetzten Drogenmengen je nach on-E-Monographie (mittlere Tagesdosis 0,3 g
Wirkstoffgehalt variieren. Deshalb schwankt das Droge) übererfüllt.
Zur Beurteilung wichtig sind neben der Ex- DEV von Charge zu Charge in Abhängigkeit
traktmenge (meist in mg pro Kapsel, Filmtablet- vom Extraktivstoffgehalt der eingesetzten Dro- Die Angabe des Auszugsmittels (AZM) ist zur
te, Dragee etc. oder pro ml) das Droge-Extrakt- ge, dem verwendeten Auszugsmittel und dem Berechnung des Wirkstoffgehalts zwar nicht er-
Verhältnis (DEV, auch exakter als DEVnativ be- Herstellungsverfahren. Das DEV wird daher ge- forderlich, sie ist aber bei Drogenmaterial mit
zeichnet) und die Angabe des verwendeten Aus- wöhnlich als Schwankungsbreite angegeben, Inhaltsstoffen unterschiedlicher Löslichkeit von
zugsmittels (AZM). z. B. 6–8:1, d. h. 1 Teil Extrakt entspricht 6–8 Tei- großer Bedeutung, weil sie über die Extraktion
len Droge als Ausgangsmaterial. Bei höheren der einen oder anderen Gruppe von Inhaltsstof-
In diesem Buch sind bei den einzelnen Drogen- DEV-Werten kann die Schwankungsbreite auch fen eine Aussage erlaubt. So werden in der Grup-
monographien im Abschnitt Phytopharmaka größer sein, z. B. 15–25:1; solche Schwankungen pe Urologika Präparate aus Brennnesselwurzeln
immer wieder entsprechende Angaben zu fin- sind normal und unvermeidbar. Für die nachfol- angeboten, deren Extrakte einerseits mit Metha-
den. genden Berechnungen wird (wie üblich) dann nol 20 % oder aber Ethanol 80 % hergestellt wur-
der Mittelwert verwendet (im Beispiel also 20:1). den. In ersterem Fall werden vorwiegend hydro-
Die Extraktmenge wird zur Rückrechnung auf Basis bildet dabei die Beziehung zwischen der phile Stoffe (wie Lektine, Polysaccharide) im
die ursprüngliche Drogenmenge benötigt, u. a. erforderlichen Tagesdosis (TD) für die Droge Präparat enthalten sein, im zweiten Fall vorwie-
weil in den Monographien der Kommission E und der TD für den Extrakt: gend lipophile Substanzen (Sterole und Ste-
bei den Dosierungsangaben häufig nur auf die rolglucoside). Näheres siehe in der Monogra-
Droge Bezug genommen wird, nicht aber auf TD Droge [g] = TD Extrakt [g] × DEV phie Urticae radix. Für eine Beurteilung von
Zubereitungen (es heißt dann „mittlere Tages- bzw. Phytopharmaka ist die Angabe des AZM nach
dosis × g Droge, … Zubereitungen entspre- TD Extrakt [g] = TD Droge [g] Art und Konzentration somit essenziell und
chend“). geteilt durch DEV wird inzwischen von Herstellern berücksichtigt
und auf den Arzneimittelpackungen angegeben.
Das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV) wird Zur Anwendung dieser Angaben auf die Beur-
ebenfalls zur Berechnung der entsprechenden teilung von Präparaten zwei Beispiele: Die früher (und z. T. auch heute noch) üblichen
Drogenmenge benötigt. Es gibt an, wie viel Tei- Begriffe der Standardisierung und der Normie-
le eingesetzter Droge einem Teil des erhaltenen Ein Präparat XY mit einem Extrakt aus Hyperi- rung, die vor allem in Deutschland gebraucht
Extrakts entsprechen (DEV = Masse eingesetz- ci herba ist deklariert mit 750 mg Extrakt pro Ta- wurden (und z. T. noch werden), sind im Zuge
ter Droge zu Masse erhaltener Extrakt). Beispiel: blette, DEV 3–6:1. Daraus ergibt sich ein Mittel- der Europäisierung weitgehend durch die in die
Aus 400 kg Droge werden durch Extraktion mit wert des DEV von 4,5:1; 1 g Extrakt entspricht so- Ph. Eur. eingeführten Extraktbezeichnungen ab-
einem Lösungsmittel 100 kg nativer, getrockne- mit 4,5 g Drogenmaterial. Für das Präparat lässt gelöst worden. Der Begriff „Standardisierung“
ter Extrakt erhalten. Dies entspricht somit ei- sich der dem Gehalt an Hyperici herba entspre- wurde wie folgt definiert5:
nem DEV von 4:1. Dabei weisen große Zahlen chende Wert berechnen durch Multiplikation
auf niedrige Extraktivstoffgehalte hin. Ein DEV der Extraktmenge mit dem DEV, im gewählten
34 │ Phytopharmaka

Standardisierung 5.3.1 Qualität, Wirksamkeit und Unbe- Im Gegensatz zu anderen europäischen Län-
denklichkeit dern, die bis 1990 weitgehend die Überprüfung
Standardisierung bedeutet die Qualitätsverein- Die Qualität eines Phytopharmakons wird heu- ihrer Fertigarzneimittel nach den EG-Richtlini-
heitlichung auf allen Stufen der Herstellung
te allgemein durch Deklaration folgender Para- en abgeschlossen hatten, ging Deutschland ei-
ausgehend von der Droge bis zum Extrakt, die
meter offengelegt (und von Amts wegen ver- nen anderen Weg, indem Kommissionen für
notwendig ist, um einen definierten Standard
(Spezifikation) zu erreichen.
langt)8, 9: bestimmte Arzneimittelgruppen eingesetzt
wurden. Diese hatten die Aufgabe, anstatt Fer-
▶ Art des Wirkstoffs (genaue Drogenbezeich- tigarzneimittel Reinsubstanzen, Arzneipflanzen
Hingegen wurde die „Normierung“ folgender- nung als Ausgangsmaterial, Extraktbezeich- bzw. sonstige Bestandteile bzgl. Wirksamkeit
maßen definiert6: nung wie z. B. Trockenextrakt), und Unbedenklichkeit aufzubereiten, Monogra-
▶ Menge des Wirkstoffs bzw. des Extrakts (bei phien zunächst vorab zu publizieren und nach
Tabletten, Kapseln, Dragees usw. pro Einzel- Stellungnahme interessierter Fachleute endgül-
Normierung
dosis, bei flüssigen Arzneiformen pro Pa- tige Monographien im Bundesanzeiger (BAnz)
Normierung bedeutet die Einstellung eines Dro- ckung), zu veröffentlichen. So wurde aufgrund der Be-
genpulvers oder Extrakts auf einen festgelegten ▶ das Droge-Extrakt-Verhältnis (z. B. DEV = stimmungen des Arzneimittelgesetzes die Kom-
Normwert mit Angabe des Mindest- und
8–12 :1), mission E (für den humanmedizinischen Be-
Höchstgehalts, bezogen auf eine Substanz bzw.
▶ Art und Konzentration des Auszugmittels reich, phytotherapeutische Therapierichtung
Substanzgruppe, die als wirksamkeitsbestim-
mende gilt.
(z. B. AZM = Methanol 50 % m/m), und Stoffgruppe) als Expertengremium einge-
▶ Indikation(en), richtet, sie war interdisziplinär zusammenge-
▶ empfohlene Tagesdosis. setzt und begann 1978 ihre Arbeit. Sie hat in ih-
Die deutsche Übersetzung der Standardised rer langen Amtsperiode von 1978–1994 von ins-
Extracts mit „Standardisierte Extrakte“ ent- Die Anforderungen an Wirksamkeit und Unbe- gesamt 378 Drogen und Drogenzubereitungen
spricht eher dem früher üblichen Begriff der denklichkeit werden häufig durch Berufung auf das weltweit vorhandene wissenschaftliche Er-
Normierung, denn bei ihnen erfolgt eine Ein- Monographien (HMPC, ESCOP, Komm. E) er- kenntnismaterial ausgewertet und folgendes er-
stellung auf einen vorgegebenen Gehalt an be- füllt, zum Teil werden von Seiten der Hersteller stellt:
kannten wirksamkeitsbestimmenden Inhalts- klinische Prüfungen durchgeführt bzw. in Auf-
stoffen; Beispiele sind Belladonna- oder Sennes- trag gegeben17. Für Kombinationspräparate ist ▶ 230 Positiv-Monographien (positives Nutzen-
Extrakte. Hingegen entsprechen die Quantified der Beitrag jedes arzneilich wirksamen Bestand- Risiko-Verhältnis),
Extracts übersetzt mit „Quantifizierte Extrak- teils an der positiven Beurteilung nachzuweisen. ▶ 133 Negativmonographien (ungünstiges Nut-
te“ eher dem, was früher unter standardisiert Für bekannte Kombinationen bekannter Stoffe zen-Risiko-Verhältnis oder fehlendes wissen-
verstanden wurde, denn hier sind die Inhalts- kann das „wissenschaftliche Erkenntnismateri- schaftliches Erkenntnismaterial für Wirksam-
stoffe hinsichtlich ihrer klinischen Wirksam- al“ genutzt werden. keitsnachweis),
keit nicht definiert; Beispiele sind Hypericum- ▶ 19 Stoffcharakteristiken,
oder Ginkgo-Extrakte7. 5.3.2 Zulassung von Phytopharmaka ▶ 63 Muster.
Phytopharmaka dürfen, wie alle anderen Arz-
In der Praxis wird sehr viel häufiger von „einge- neimittel, erst nach Zulassung durch zuständige Lange waren die Monographien der Kommissi-
stellten“ Präparaten gesprochen, unabhängig da- Behörden in den Verkehr gebracht werden. In on E in Deutschland offizieller Standard und
von, ob ein standardisierter oder quantifizierter Deutschland ist das Bundesinstitut für Arznei- fanden auch weltweit Beachtung und Anerken-
Extrakt verwendet wurde. Wo die wirksamkeits- mittel und Medizinprodukte (BfArM), in Öster- nung. Die Kommission E hat 1994 ihre Arbeit,
bestimmenden Inhaltsstoffe nicht eindeutig reich das Bundesamt für Sicherheit im Gesund- was die Erarbeitung und Aktualisierung von
(oder noch nicht) bekannt sind, werden als ana- heitswesen (BASG) und in der Schweiz seit 2002 Monographien angeht, eingestellt. Sie ist aber
lytische Hilfsmittel oft sog. Leitsubstanzen ver- das Schweizerische Heilmittelinstitut (Swissme- noch als Expertenkommission für das BfArM
wendet. Es sind dies für die Droge charakteristi- dic) zuständig. In allen Fällen ist der Nachweis für die Therapierichtung Phytotherapie bera-
sche Inhaltsstoffe oder Inhaltsstoffgruppen mit der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklich- tend tätig.
auffälligen und/oder analytisch leicht nachweis- keit zu erbringen.
baren Strukturen, die aber für die Wirksamkeit Neben Positiv- bzw. Negativmonographien wur-
nicht unbedingt relevant sind. Leitsubstanzen Es sei einleitend darauf hingewiesen, dass die Be- den von der Kommission E Stoffcharakteristiken
dienen also analytischen Zwecken bei der Qua- stimmungen für die Zulassung (gerade auch für für Bestandteile mit unzureichender Wirksam-
litätssicherung eines Produkts. Beispiele für pflanzliche Arzneimittel) in den letzten 25 Jah- keit und ohne Risiko, die nur in Kombinationen
Leitsubstanzen sind die Valerensäuren (Valeria- ren wiederholt geändert wurden, wobei auch die vorkommen und Muster von Kombinationen
nae radix) oder das Echinacosid (Echinaceae Umsetzung europäischer Richtlinien in nationa- publiziert, um das Nachzulassungsverfahren
pallidae radix), wobei beide allerdings teilweise les Recht zu bewältigen war. Im Folgenden wird von Altarzneimitteln zu beschleunigen. Ein ers-
auch als wirksamkeits(mit)bestimmend einge- versucht, die ziemlich kompliziert gewordene ter Einschnitt in das Nachzulassungsverfahren
stuft werden. Materie möglichst übersichtlich darzustellen. erfolgte mit der 5. AMG-Novelle vom 09.08.1994
Phytopharmaka │ 35

(BAnz. Nr. 182 vom 24.09.1994) mit dem Ende Nach dem Wortlaut des § 109a AMG waren al- Medicinal Products (HMPC) als Nachfolger der
der Erstellung und Aktualisierung von Mono- lerdings bestimmte Stoffe und bestimmte An- Herbal Medicinal Products Working Party
graphien sowie der Beweislastumkehr von wendungsgebiete von vorneherein davon ausge- (HMPWP) geschaffen, sondern auch die Rege-
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Diese schlossen, in eine solche Liste aufgenommen zu lung für eine einheitliche Verkehrsfähigkeit im
mussten nunmehr vom Antragsteller im Nach- werden. Diese Ausschlusskriterien waren In- europäischen Raum. Nach HMPC existieren in
zulassungsverfahren (§ 105 Abs. 4 c) nachgewie- haltsstoffe aus den Anlagen 1b und 4 der Apo- Europa zwei Möglichkeiten der Beurteilung von
sen werden. Für Altarzneimittel, die aufgrund thekenpflicht- und Freiverkäuflichkeitsverord- Phytopharmaka:
der Empirie eine lange Tradition hatten, wurde nung, Stoffe mit pharmakologischen Wirkungen
vom Gesetzgeber in § 109a eine Erleichterung entsprechend § 9 der Verordnung, bestimmte Traditional use: Hierbei handelt es sich um rei-
im Nachzulassungsverfahren geschaffen. Dieses Darreichungsformen entsprechend § 10 der Ver- ne pflanzliche Arzneimittel bzw. solche mit Zu-
Vorgehen für traditionelle Arzneimittel nach ordnung und Anwendungsgebiete, die in der satz von Vitaminen und/oder Mineralstoffen
§ 109a AMG entsprach dem Wunsch, die im Anlage 3 der Verordnung (sog. „Krankheitska- (sofern deren Unbedenklichkeit bewiesen und
Verkehr befindlichen Naturheilmittel, mild talog“) genannt sind, z. B. ernste Erkrankungen ihre Wirkung für das Anwendungsgebiet plausi-
wirksame Arzneimittel sowie Arzneimittel einer innerer Organe, Stoffwechselkrankheiten oder bel ist). Die traditionellen Anwendungsgebiete
bestimmten Therapierichtung zu erhalten. bestimmte Hautkrankheiten. müssen eine Selbstmedikation ohne Inan-
spruchnahme eines Arztes ermöglichen. Eine
Nach § 109a Abs. 2 AMG waren die Anforde- Nach § 109a wurden in 20 Teillisten mit der In- belegte langjährige Tradition der Anwendung
rungen an die Qualität erfüllt, wenn eine phar- dikation „traditionell angewendet“ insgesamt bedeutet: medizinische Verwendung über mind.
mazeutische Dokumentation und ein analyti- 1073 traditionelle Präparate verabschiedet und 30 Jahre, für außereuropäische Präparate mind.
sches Gutachten vorlagen und vom pharmazeu- im Bundesanzeiger in den Bekanntmachungen 15 Jahre innerhalb der EU. Es muss ein Quali-
tischen Unternehmer eidesstattlich (laut der veröffentlicht. tätsdossier vorliegen sowie Angaben zur Unbe-
26. Bekanntmachung vom 26.07.1995) versi- denklichkeit und Plausibilität der pharmakolo-
chert wurde, „dass das Arzneimittel nach Maß- Von den traditionellen pflanzlichen Arzneimit- gischen Wirkungen oder der Wirksamkeit. Er-
gabe der allgemeinen Verwaltungsvorschrift teln nach § 109a waren Phytopharmaka abzu- füllt der Hersteller die vom HMPC verlangten
nach § 26 AMG geprüft ist und die erforderliche grenzen, die einen höheren Indikationsanspruch Anforderungen, so erhielt sein Präparat auf An-
Qualität aufweist.“ Bis zum Ablauf der Frist am besitzen. Zu Recht wurden an diese „rationalen“ trag (nach § 39 a–d des AMG; bis 31.12.2008 zu
01.02.2001 wurden für ca. 7300 Phytopharmaka Phytopharmaka die gleichen Anforderungen stellen) vom BfArM eine Registernummer
Anträge zur Nachzulassung nach § 105 AMG wie an chemisch definierte Arzneimittel gestellt, (Reg.-Nr.), die somit die traditionellen Arznei-
bzw. § 109a AMG eingereicht. Als Nachweis der d. h. Nachweis der Qualität anhand der vom mittel leicht erkennbar macht. Nicht registrierte
Wirksamkeit für traditionelle Phytopharmaka BfArM geprüften pharmazeutischen Dokumen- Präparate sind seit 30.04.2011 nicht mehr ver-
nach § 109a galten ältere Publikationen, begrün- tation, wissenschaftliches Erkenntnismaterial kehrsfähig.
dete pharmakologische Plausibilität anhand von zum pharmakologischen Wirkprofil, zur Toxi-
Inhaltsstoffen sowie, als niedrigste Stufe, die tra- kologie, soweit möglich zur Pharmakokinetik, Well-established use: Hierbei handelt es sich
dierte und dokumentierte Anwendung. Die Ver- zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Wur- um Phytopharmaka mit einem höheren thera-
antwortung für die Indikation oblag dem Bun- den diese Bedingungen erfüllt, dann erhielten peutischen Anspruch. Grundlage für die Zulas-
desinstitut für Arzneimittel und Medizinpro- „rationale” Phytopharmaka den gleichen Zulas- sung solcher Präparate sind entweder ein präpa-
dukte (BfArM) nach Anhörung der vom Bun- sungsstatus wie chemisch definierte Präparate. ratespezifischer Vollantrag mit Unterlagen zur
desminister berufenen Kommission nach In der Kennzeichnung waren rationale Phyto- Qualität, Pharmakologie und klinischen Wirk-
§ 109a AMG, die im Frühjahr 1995 ihre Arbeit pharmaka nach § 105 (Zul.-Nr.: mmm) von zu- samkeit oder der Bezug auf bibliografische Un-
aufnahm und in den folgenden Jahren 1073 tra- gelassenen traditionellen Phytopharmaka terlagen z. B. anhand der HMPC- bzw. ESCOP-
ditionelle Präparate verabschiedete (in 20 Teil- nach § 109a (ebenfalls Zul.-Nr.: nnn, später Monographien (▹ Kap. 6), die laufend ergänzt
listen im BAnz veröffentlicht). Die Anwen- dann Reg.-Nr. nnnnn.00.00) durch den Hinweis und überarbeitet werden. Einzelheiten siehe
dungsgebiete wurden unter Berücksichtigung „traditionell angewendet bei“ zu unterscheiden. Lit.10, 18.
der Besonderheiten dieser Arzneimittel und der
tradierten und dokumentierten Erfahrung fest- Ein zweiter Einschnitt in das Zulassungsverfah- Laut BfArM-Statistik belief sich der Stand für
gelegt und erhielten den Zusatz: „traditionell an- ren für pflanzliche Arzneimittel ergab sich durch zugelassene und nachzugelassene Phytophar-
gewendet“, mit folgenden Formulierungen für die Notwendigkeit, die Europäische Richtlinie maka (inkl. traditionelle nach § 105 AMG in
die Anwendungsgebiete: 2004/24 EG (Änderung der Richtlinie Verbindung mit § 109a AMG) Ende 2014 auf 1189
2001/83 EG) vom 31. März 2004 in die jeweiligen Monopräparate und 229 Kombinationspräpara-
▶ Zur Stärkung oder Kräftigung … nationalen Rechtssysteme umzusetzen. In te. Für verkehrsfähige traditionelle pflanzliche
▶ Zur Besserung des Befindens bei … Deutschland erfolgte dies mit der 14. Novelle Arzneimittel (nach § 39a-d AMG), die ein Regis-
▶ Zur Unterstützung der Organfunktion … zum AMG vom 6. September 2005. Mit dieser trierungsverfahren abgeschlossen haben, be-
▶ Zur Vorbeugung gegen … europäischen Richtlinie wurde nicht nur ein trägt der Stand 110 für Monopräparate und 111
▶ Als mild wirksames Arzneimittel bei … neuer Ausschuss, das Commitee on Herbal für Kombinationspräparate.
36 │ Phytopharmaka

In Österreich kannte man neben dem Verfahren ▶ Zentrale Zulassung (EWG Verordnung schen Prüfung zu unterziehen. Die Autoren
der Vollzulassung mit ausführlichem Nachweis 2309 /93), obligatorisch für biotechnologische (Uehleke, Frank und Reinhard) postulierten,
von Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklich- Produkte, fakultativ für andere „High-Tech- Zubereitungen mit bekannten wirksamkeitsbe-
keit auch die erleichterte Zulassung (Österr. Produkte.“ Die Verordnung sieht die Möglich- stimmenden Inhaltsstoffen und bekannten Be-
AMG, § 17a). Letztere konnte nur für rezeptfreie keit einer Zulassung gleichzeitig für alle EU- gleitstoffen als phytoäquivalent zu bezeichnen.
Präparate beantragt werden, die erleichterte Zu- Staaten vor10. Es kam eine längere Diskussion mit unterschied-
lassung war auch nur anwendbar für Bestandtei- ▶ Dezentrales Verfahren (Richtlinie 93 /39 / lichen Argumenten zustande12, 13, bei denen die
le, deren Qualität und Unbedenklichkeit ohne EWG) mit gegenseitiger Anerkennung natio- Unterschiede der Phytopharmaka im Vergleich
eingehende Begutachtung im Einzelfall gesi- naler Zulassungsentscheidungen. zu chemisch definierten Arzneimitteln eine we-
chert erschienen. Dann wurden für diese Grup- sentliche Rolle spielten. Als Ergebnis kann fest-
pe von Arzneimitteln in der EU-Direktive In diesem Zusammenhang ist auch auf die seit gestellt werden: Eine phytochemische Äquiva-
2004/24 im Artikel 2 Übergangsbestimmungen 1995 eingerichtete EMA (European Medicines lenz ist prinzipiell möglich, wenn ein Standard
definiert mit einer Übergangsfrist bis 30.04.2011. Agency, Sitz in London) hinzuweisen, die auch für das Ausgangangsdrogenmaterial beachtet
Danach erlosch die nach dem § 17a der früheren Sitz vom Committee on Herbal Medicinal Pro- wird, wenn das Auszugsmittel und die Herstel-
Fassung des AMGs erleichtert zugelassenen ducts (HMPC) ist; ausführliche Informationen lungsverfahren vergleichbar sind, wenn ein
Arzneimittel die Verkehrsfähigkeit. Die Zulas- siehe www.ema.europa.eu. Standard für die Extraktzubereitung gegeben ist,
sungsinhaber hatten die Möglichkeit, einen An- wenn vergleichbare Präparate hinsichtlich Art
trag auf Registrierung als traditionelles pflanzli- 5.3.3 Phytoäquivalenz und Dosierung vorliegen und schließlich, wenn
ches Arzneimittel einzubringen, um die Produk- Durch die immer höheren Anforderungen, die die Gleichwertigkeit mit geeigneten Methoden
te weiter am Markt zu halten. an Phytopharmaka gestellt werden, kam schließ- qualitativ und quantitativ überprüft werden
lich die Frage nach einer Vergleichbarkeit von kann. Von medizinischer Seite wird betont, dass
In der Schweiz gab es ähnliche Regelungen wie Präparaten in Gang. Ähnlich wie die Bioäquiva- neben der pharmazeutischen bzw. phytochemi-
in Österreich. Zum Heilmittelgesetz vom lenz bei chemisch definierten Substanzen wollte schen Äquivalenz auch der Nachweis der Bio-
01.02.2002 erschienen 2006 Institutsverordnun- man eine therapeutische Äquivalenz für Phyto- äquivalenz zu fordern ist. Hierzu wären effekt-
gen (01.10.2006), darunter eine vereinfachte Zu- pharmaka definieren. Der hierfür 1994 erstmals kinetische Untersuchungen notwendig, da bei
lassung für traditionell angewendete Phytophar- zur Diskussion gestellte Begriff der Phytoäqui- Pflanzenextrakten wegen mehrerer wirksam-
maka (Komplementär- und Phytoarzneimittel- valenz11 war dabei zunächst die Folge des Nach- keitsrelevanter Komponenten mit einem breite-
verordnung). denkens darüber, dass es wissenschaftlich, wirt- ren Wirkprofil zu rechnen ist als mit einer iso-
schaftlich und ethisch nicht vertretbar ist, Phy- lierten Reinsubstanz14, 15. Eine eingehende Be-
Auf europäischer Ebene besteht seit 1993 ein topharmaka, die in ihrer Zusammensetzung sprechung von für die Phytoäquivalenz wichti-
zweigeteiltes Zulassungssystem: sehr ähnlich sind, jeweils einzeln einer klini- gen Faktoren findet man in Lit.8, 15.

Literatur
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2002
342 │ Hyp │ Hyperici herba

| Abb. 1 Johanniskraut

Die Droge besteht aus den zur Blütezeit geernte-


ten und anschließend getrockneten Zweigspitzen
von Hypericum perforatum L.
Beschreibung: Auffallend sind besonders die gel-
ben bis gelbbraunen, u. U. noch in traubig zu-
sammengesetzten Trugdolden stehenden Blü-
ten, deren Kronblätter auf der Fläche zahlreiche
dunkle Punkte oder Striche aufweisen; Kelch-
blätter lanzettlich, sehr spitz, zur Blütezeit dop-
pelt so lang wie der Fruchtknoten. Die je Blüte
ca. 50–60 Staubblätter sind meist in 3 Bündeln
verwachsen. Die hell- bis braungrünen, eiför-
mig-elliptischen, bis 3,5 cm langen, häufig fal-
tig geschrumpften Blätter sind ganzrandig, kahl
und deutlich durchscheinend punktiert. Die
gelbgrünen, runden Stängelstücke sind hohl
und weisen oft 2 einander gegenüberliegende
Längsleisten auf (s. auch Abschnitt Verfälschun-
gen).

1 cm

Hyperici herba Johanniskraut


Monographien: Ph. Eur. 8.0, HMPC (12/2009),
ESCOP, WHO, Kommission E, St. Zul.
1059.99.99.

Stammpflanze: Hypericum perforatum L. (Jo-


hanniskraut), Hypericaceae (= Guttiferae).

Synonyme: Tüpfelhartheu, Blutkraut, Johan-


nisblut, Herrgottsblut, Waldhopfenkraut, Feld-

| Abb. 2 Hypericum perforatum L., blühende


Pflanze
Die etwa 60 cm hohe, krautige Pflanze besitzt
5-zählige, gelbe Blüten mit auffallenden, zahl-
reichen, langen Staubblättern (ႼAbb. 3). Die
Blätter stehen gegenständig, sind durchschei-
nend punktiert (Ölbehälter) und besitzen über-
wiegend am Blattrand blutrote bis schwarze Hy-
pericinbehälter (ႼAbb. 5). Ein charakteristi-
sches, zur Unterscheidung von anderen Hyperi-
cum-Arten dienendes Merkmal ist der mit 2
Längsleisten versehene markige Stängel.
Hyperici herba │ Hyp │ 343

hält 0,1–0,3 % Naphthodianthrone, die sog.


OH Hypericine (nach Ph. Eur. mind. 0,08 % Ge-
samthypericine, ber. als Hypericin), mit den
HO O
Hauptkomponenten Hypericin und Pseudohy-
3 pericin, daneben kommen Proto-, Protopseu-
OH do- und Cyclo-Pseudohypericin sowie Skyrin-
OH O
Derivate vor 3, 4. 0,2–0,4 % Phloroglucin-Deri-
HO O
8 vate, bes. Hyperforin 5 und Adhyperforin sowie
deren Abbauprodukte, die Furanohyperfori-
ne 6, 7 und Perforatumon 8. 2–4 % Flavonoi-
OH O de 3, 9, vor allem Hyperosid, Rutosid, Isoquerci-
I3,II8-Biapigenin trin, Miquelianin u. a. 10 sowie Biflavone (diese
| Abb. 3 Hypericum perforatum L., Blüten
nur in den Blüten), darunter I3, II8-Biapigenin
H 3C und Amentoflavon. Procyanidine 11, die ebenso
CH3
wie die Flavonoide die Löslichkeit der Hyperi- Verhaltensmodellen an lebenden Tieren, der
cine in Wasser (Teezubereitung!) stark erhö- Nachweis erfolgt durch klinische Studien. Im
CH3 HO hen 12, 13. Weitere phenolische Inhaltsstoffe sind Vordergrund des Interesses steht die Hem-
CH3
O Xanthon-Derivate 14 sowie Phenolcarbonsäu- mung der synaptosomalen Aufnahme von Se-
H3C
CH3 ren (Cryptochlorogensäure u. a.) 15. Johannis- rotonin, Dopamin, Noradrenalin sowie GABA
O
O CH3 CH3 kraut enthält geringe Mengen an ätherischem und Glutamat 18–20. Sie liegt für die drei Neuro-
CH3 Öl, das vorwiegend aus Sesquiterpenen besteht transmitter bei 2 μg/ml und damit im human-
H3C
H3C (Caryophyllen, Spathulenol u. a.) 16. therapeutischen Bereich. Für diese Effekte
Hyperforin scheint Hyperforin die hauptverantwortliche
Der Gehalt an allen diesen Inhaltsstoffen ist Struktur zu sein 18–22, während die früher ver-
OH O OH stark abhängig vom Entwicklungszustand der mutete Hemmwirkung auf MAO (Monoami-
Pflanze 16; höchster Gehalt an Hypericinen zur nooxidase) für Hypericum-Extrakte nicht be-
Zeit der voll entwickelten Blüten, höchster Ge- stätigt werden konnte. Ähnlich wie klassische
HO R halt an Hyperforin in reifen Früchten 17. Antidepressiva bewirken Hypericum-Extrakte
auch eine β-Down-Regulation und eine 5-HT2-
HO CH3
Wirkungen: Seit der Entdeckung der antide- Up-Regulation. Es gilt heute als sicher, dass ne-
pressiven Wirkung um etwa 1985 hat die inten- ben Hyperforin auch die Hypericine, die Fla-
sive pharmakologische und klinische For- vonoide und Biflavone zur Wirksamkeit der
OH O OH
schung dazu geführt, dass eingestellte Hyperi- Hypericum-Extrakte beitragen. Von eingestell-
Hypericin: R = CH3 cum-Extrakte zu den wichtigen Arzneimitteln ten Extrakten und Einzelfraktionen sind zu-
Pseudohypericin: R = CH2OH zur Behandlung von leichten und mittelschwe- sätzlich Interaktionen und Bindungen an ver-
ren Depressionen gehören. Das therapeutische schiedene Rezeptoren belegt 23. Tierexperi-
Wirkprinzip von Antidepressiva wird mit einer mentell untersucht wurde die antidepressive
Störung der Signalübertragung von Zelle zu Wirkung von Hypericum-Extrakten pharma-
hopfenkraut, Walpurgiskraut, Sonnwendkraut, Zelle an Synapsen erklärt, an denen die Neuro- kologisch an der Interaktion mit Reserpin,
Mannskraft, Konradskraut, Hexenkraut. St. transmitter Serotonin, Dopamin, Noradrena- Apomorphin oder Ketamin auf zentrale Akti-
Johns wort (engl.). Millepertuis, Herbe de la lin und Acetylcholin beteiligt sind. Antidepres- vitäten wie Aggressivität, physikalische Aktivi-
Saint-Jean (franz.). siva fördern die Signalübertragung in be- tät, ethanolinduzierte Schlafdauer sowie auf
stimmten Synapsen, indem sie die Wiederauf- induzierte Verhaltensänderungen, z. B. Forced-
Herkunft: Heute vorwiegend aus dem Anbau in nahme der Neurotransmitter in die Präsynap- Swimming-Test (FST) 10, 11, 24. Als Hinweis auf
Deutschland, Osteuropa und Chile, nur noch se hemmen (z. B. selektive Serotonin-Wieder- zentrale Vorgänge im FST-Test bei Ratten ver-
kleinere Mengen aus Wildvorkommen in Eu- aufnahmehemmer wie Sertralin u. a.), die kürzten verschiedene Flavonoidglykoside so-
ropa und dem westlichen Asien. Funktionstüchtigkeit erhöhen und physiologi- wie Hyperforin die Immobilitätsdauer.
sche Prozesse im neuronalen Netzwerk nor-
Inhaltsstoffe: Johanniskraut enthält zahlreiche malisieren, welche somatische, affektive und Wirksamkeit: Erste kontrollierte klinische Stu-
Naturstoffgruppen mit phenolischem Charak- kognitive Funktionen regulieren. Der Nach- dien begannen etwa um 1985 und sind trotz
ter: Hypericine (Naphthodianthrone), Hyper- weis des pharmakologischen Wirkprofils er- zwischenzeitlich geänderter Prüfrichtlinien
forine (Phloroglucin-Derivate), Flavonoide, folgt deshalb in  vitro molekularpharmakolo- akzeptabel, da grundlegende Anforderungen
Procyanidine, Xanthone, Phenolcarbonsäuren gisch an etablierten Testsystemen; Hinweise berücksichtigt werden wie Randomisierung,
u. a.; gute Übersichten in Lit. 1–3. Die Droge ent- auf eine Wirksamkeit erhält man anhand von Placebo- oder Referenzsubstanzkontrolle, Ver-
344 │ Hyp │ Hyperici herba

niskraut-Extrakte bzgl. Wirksamkeit und Un-


bedenklichkeit zu den am gründlichsten mit
zeitgemäßen Verfahren geprüften Arzneimit-
teln zählen. Dies wird durch mehrere Meta-
analysen bestätigt 33–37, aus denen die Überle-
genheit gegenüber Placebo die Gleichwertig-
keit zu chemisch definierten Antidepressiva
hervorgeht.

Anwendungsgebiete: HMPC (well-est. use):


Trockenextrakte 3–7:1 oder 3–6:1, AZM Etha-
| Abb. 4 Hypericum perforatum L., frische und ge- nol 80 %: leichte bis mittelschwere Depressio-
quetschte Blüte
nen (bis ICD-10); Trockenextrakte 2,8–8:1,
AZM Ethanol 50–68 %: kurzfristig bei leichter
| Abb. 6 Hypericum perforatum L., beim Zerreiben
depressiver Verstimmung. HMPC (trad. use): oder Zerquetschen der Blüten entsteht durch
wendung definierter Kenngrößen wie Hamil- innerlich: Linderung vorübergehender menta- freigesetzte Hypericine eine Rotfärbung auf Fin-
ton-Depressions-Skala (HAMD), Montgome- ler Erschöpfungszustände, symptomatische gern und Unterlagen (ႼAbb. 4).
ry-Asberg-Depressions-Skala (MARDS), Ha- Behandlung leichter Magen-Darm-Beschwer-
milton-Angst-Skala (HAMA), Clinical-Glo- den; äußerlich: zur symptomatischen Behand-
bal-Impressions-Skala (CGI), Beschwerdeliste lung leichter Hautentzündungen (z. B. Son- chovegetative Störungen, depressive Verstim-
nach von Zerssen (B-L), State-Trait-Anxiety- nenbrand), zur Heilung von kleinen Wunden. mungszustände, Angst und/oder nervöse Un-
Inventory (STAI) oder Kurztest der allgemei- ESCOP: ethanolische Extrakte (50–60 % Etha- ruhe. Ölige Zubereitungen bei dyspeptischen
nen Informationsverarbeitung nach Lehrl so- nol oder 80 % Methanol), Tinkturen (49–50 % Beschwerden; äußerlich: ölige Hypericum-Zu-
wie konfirmatorische Auswertung. Heute for- Ethanol): leichte depressive Störungen oder bereitungen zur Nachbehandlung von schar-
dert die EMA-Richtlinie „Note for Guidance leichte bis mittelschwere depressive Episoden fen und stumpfen Verletzungen, Myalgien
on clinical investigation of medicinal products entsprechend ICD-10. Andere Zubereitungen: (Muskelschmerzen) und Verbrennungen
in the treatment of depression“ 25 eine Klassifi- leichte Depressionen, Stützung der emotiona- 1. Grades.
zierung der depressiven Störung nach interna- len Balance. Kommission  E: innerlich: psy-
tional anerkanntem System (u. a. den interna- Volksmedizinische Verwendung 38: Seit langer
tionalen Diagnoseschlüsseln DSM  IV oder Zeit als Mittel gegen Brandwunden und gegen
ICD-10), kontrollierte klinische Studien von Melancholie „gar nutzlich zu gebrauchen zu
mind. 6-wöchiger Dauer, Bewertung nach der den zerknirschten und zerstoßenen Nerven,
HAMD-Skala (vorzugsweise in der 17-Item […] tauget es dem Schlag, der schweren Not
Version: Fremdbeurteilungsskala, die 17 typi- der Melancholia hypochondriaca, […] dass sie
sche Merkmale der Depression berücksichtigt, das Blut in den Wunden stillen und dieselbi-
welche zum Summenscore aufaddiert werden gen, sonderlich was verbrannt ist, heilen.“ 39.
und eine Graduierung der Schwere erlauben) Heute noch als Mittel bei Gastritis und Gallen-
oder zusätzliche Kriterien. Werte auf der blasenerkrankungen. Bekannt ist auch die Ver-
HAMD-Skala bis 12 gelten als normal, bis 20 wendung von Oleum Hyperici (ein Auszug mit
als leichte, bis 25 als mittlere und darüber als Olivenöl, Sonnenblumenöl oder – am besten –
schwere Depression 26. Als Response gilt eine mit Weizenkeimöl) zur Wundbehandlung bei
50 %ige Reduktion des HAMD-Werts bzw. Verbrennungen; es fehlte früher in keiner
eine Reduktion unter den Wert von 10. Schmiedewerkstatt. Oleum Hyperici enthält
kein Hypericin, sondern dessen rotbraune Ab-
Geprüft wurden ethanolische (50 % oder 60 %, bauprodukte, Flavonoide und Hyperforine 40
V/V) und methanolische (80 %, V/V) Extrak- bzw. Orthoforin 41, das Abbauprodukt des Hy-
te mit einer Tagesdosis von 600–900 mg gegen perforins.
Placebo und u. a. gegen Imipramin, Maproti-
lin, Fluoxetin, Amitryptilin, Sertralin, Paroxe- Gegenanzeigen: Bekannte Lichtüberempfind-
tin oder Lichttherapie. Neben der HAMD- lichkeit der Haut, schwere depressive Episo-
Skala kamen auch andere Bewertungskriterien den, gleichzeitige Gabe von Ciclosporin, Tac-
zur Anwendung. Verschiedene Übersichtsar- | Abb. 5 Hypericum perforatum L., Blatt mit durch- rolimus, Indinavir (bzw. anderer Proteinase-
beiten 27–32 kommen nach der jeweiligen klini- scheinenden Öldrüsen und dunklen Hypericinbe- hemmer in der HIV-Behandlung), Irinotecan,
hältern
schen Datenlage zu dem Schluss, dass Johan- Imatinib, Warfarin, von anderen Zytotstatika
Hyperici herba │ Hyp │ 345

sowie von anderen Antidepressiva. Patienten Monopräparate im Handel (s. Abschnitt Tee- als den halben Blattquerschnitt einnehmen
< 12 Jahre, Schwangerschaft und Stillzeit auf- präparate). und die mit stark lichtbrechenden Tropfen er-
grund nicht ausreichender Untersuchungen. füllt sind. In der Nähe des Blattrandes liegen
2–4 g fein geschnittene Droge mit ca. 150 ml schwärzliche, Hypericin enthaltende Exkretbe-
Nebenwirkungen: Selten allergische Reaktio- kochendem Wasser übergießen und nach hälter. In den gelblichen Korollblättern zahlrei-
nen (Hautrötung, Schwellung, Juckreiz), Pho- 5–10 min abseihen. Bei Langzeitanwendung che, etwa 200 μm weite Hypericinbehälter; sol-
tosensibilisierung mit sonnenbrandähnlicher Nebenwirkungen beachten! che findet man auch in der Konnektivspitze
Hautreaktion nach starker Sonnenbestrahlung der Staubblätter. Pollen etwa 25 μm, rundlich
möglich bei hellhäutigen Personen, selten Ma- 1 Teelöffel = etwa 1,8 g. bis dreiseitig, glatt.
gen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit, Unruhe.
Eine Übersicht über die Nebenwirkungen, bes. Teepräparate: Einige Teepräparate, auch in Fil- Eine Identitätsprüfung kann mittels DC erfol-
des Hyperforins, gibt Lit. 46. terbeuteln, sind noch auf dem Markt wie z. B. gen (nach Ph. Eur. Nachweis der Flavonoide
H&S Johanniskraut Tee und Johanniskrauttee und Hypericine im charakteristischen Finger-
Wechselwirkungen: Sie beruhen auf erhöhter Sidroga. Phytopharmaka mit quantifizierten print), s. dazu auch Abschnitt Verfälschungen.
Aktivität arzneistoffmetabolisierender Isoen- Trockenextrakten sollte der Vorzug gegeben Der Gehalt an Hypericinen, Flavonoiden und
zyme (CYP3A4, CYP1A2, CYP2C9 und werden. Hyperforin in Hypericum-Präparaten wird
CYP2C19) sowie des Transporterproteins P- mittels HPLC bestimmt (Detailangaben auch
Glykoprotein (P-gp). In  vitro sind Johannis- Phytopharmaka: Zahlreiche Monopräparate in Ph.-Eur.-Monographie „Quantifizierter Jo-
kraut-Extrakte und insbesondere Hyperforin enthalten Trockenextrakte mit Wirkstärken hanniskrauttrockenextrakt, Hyperici herbae
starke Aktivatoren des Pregnan-X-Rezeptors, von 250–900 mg (deklariertes DEV und AZM), extractum siccum quantificatum“).
der die Transskription von Cyp3A4 und P-gp sodass eine Umrechnung auf die mittlere Ta-
vermittelt 42–45. Folge ist ein Absinken der Plas- gesdosis von entspr. 2–4 g Droge (Kommission Verfälschungen: Nur noch bei Droge aus
maspiegel mit Wirkungsabschwächung von E) möglich ist. Präparatebeispiele sind: Fe- Wildsammlungen durch andere Hypericum-
folgenden Arzneistoffen: Antikoagulanzien lis® 450 mg Hartkapseln, 650 mg Filmtabletten Arten. Solche lassen sich vor allem an Stängel-
vom Cumarin-Typ (z. B. Phenprocoumon, (Johanniskraut-Trockenextrakt DEV  3,5–6:1, stücken erkennen: Hypericum maculatum
Warfarin), Ciclosporin und Tacrolimus (Im- AZM Ethanol 60 %); Jarsin® 300/450/750 mg, Crantz hat 4-kantige Stängel (am häufigsten
munsuppressiva), Digoxin, Indinavir und an- Jarsin®  RX  300 mg, überzogene Tbl. bzw. beobachtet), Hypericum montanum L. hat stiel-
deren Protease-Hemmstoffen in der HIV-Be- Filmtbl. (Johanniskraut-Trockenextrakt runde Stängel. Bei Hypericum barbatum Jac-
handlung, Irinotecan (Hemmstoff der To- DEV  3–6:1, AZM Methanol  80 %); qu. sind die Laubblätter nicht oder nur sehr
poisomerase I), Amitriptylin und Nortriptylin, Kira®  300 mg Filmtbl. (Johanniskraut-Tro- spärlich punktiert. Eine ausführliche Beschrei-
Midazolam, Theophyllin. ckenextrakt DEV 3–6:1, AZM Methanol 80 %); bung der Hypericum-Arten, die evtl. als Verfäl-
Laif® 612 Filmtbl. (Johanniskraut-Trockenex- schung in Betracht kommen, einschließlich ei-
Bei Anwendung oraler hormoneller Kontra- trakt DEV  5–8:1, AZM Ethanol  50 %) und ner DC-Prüfung mit Farbabbildung findet sich
zeptiva sind Zwischenblutungen möglich; die Laif® 900 Filmtbl. (Johanniskraut-Trockenex- in Lit. 47.
Sicherheit der Kontrazeption kann herabge- trakt DEV  3–6:1, AZM Ethanol  80 %). Jar-
setzt sein. Bei gleichzeitiger Anwendung be- sin® RX 300 mg überzogene Tbl. und Laif® 900 Erwähnenswert ist es, dass in einer Untersu-
stimmter Antidepressiva (Nefazodon, Paroxe- Filmtabl. sind zugelassen zur Behandlung mit- chung von freiverkäuflichen, nicht apotheken-
tin, Sertralin) ist eine verstärkte pharmakolo- telschwerer bzw. leichter bis mittelschwerer de- pflichtigen Johanniskrautpräparaten mehrfach
gische Wirkung möglich. In Einzelfällen kön- pressiver Episoden, unterliegen der Verschrei- eine nichtoffizinelle Johanniskraut-Varietät
nen Übelkeit, Erbrechen, Angst, Ruhelosigkeit bungspflicht und sind verordnungsfähig. Für chinesischer Herkunft ohne jeglichen Wirk-
und Verwirrtheit auftreten (Übersicht über die weitere Präparate wird auf die Rote Liste® ver- samkeits- und Unbedenklichkeitsnachweis ge-
Nebenwirkungen, bes. des Hyperforins: Lit. 46). wiesen. funden wurde 48. Eine Unterscheidbarkeit zur
offizinellen Droge ist über den dünnschicht-
Teezubereitung: Wird nicht mehr empfohlen Prüfung: Makroskopisch (s. Abschnitt Be- chromatographischen Fingerprint möglich 48.
(wegen stark schwankender Werte bzgl. der In- schreibung) und mikroskopisch. Auffällig sind
haltsstoffe)! Standardisierten Phytopharmaka die im Blattmesophyll verstreuten, großen, ku- Volk / Wichtl / Loew
ist der Vorzug zu geben. Trotzdem sind noch geligen Exkretbehälter (ႼAbb. 5), die oft mehr
604 │ Sen │ Sennae folium

| Abb. 1 Sennesblätter

Die Droge besteht aus den getrockneten Fieder-


blättern von Cassia angustifolia Vahl und Cassia
senna L.
Beschreibung: Die kurzgestielten, ganzrandigen,
lanzettlichen bis schmal-lanzettlichen Fieder-
blättchen sind 2–6 cm lang und 7–12 mm breit.
Ihr Blattgrund ist asymmetrisch, ihre Spreite ist
dünn, starr, zerbrechlich, hellgrün und erscheint
kahl.
Geruch: Schwach, eigentümlich.
Geschmack: Anfangs süßlich, dann bitter.

1 cm

Sennae folium Sennesblätter


Monographien: Ph. Eur. 8.3, HMPC (10/2006);
ESCOP; WHO; Kommission E; St. Zul.
7399.99.99.

Stammpflanzen: Cassia angustifolia Vahl (lie-


fert sog. Tinnevelly-Senna) und Cassia senna
L. (syn. Cassia acutifolia Delile, liefert sog.
Alexandriner-Senna), Caesalpiniaceae. Heute
werden die beiden Arten meistens als eine Art
zusammengefasst, nämlich als Senna alexand-

| Abb. 2 Cassia angustifolia Vahl, blühende Zweige


Der etwa 1–1,5 m hohe Strauch trägt traubige
Blütenstände mit zahlreichen gelben, etwa
3 cm großen, zygomorphen Blüten (im Gegen-
satz zu den Schmetterlingsblüten mit aufstei-
gender Knospendeckung!). Die Blätter sind
paarig gefiedert mit oval-lanzettlichen Fieder-
blättchen, die Hülsen flach, etwas nierenförmig
gebogen, braungrün und pergamentartig mit
sich deutlich abdrückenden Samen.
Sennae folium │ Sen │ 605

CH2OH CH2OH
HO O HO O
HO O O OH HO O O OH
OH OH
8 1
3
10
COOH H COOH
H H
R H R
10’
3’
8’ 1’
CH2OH CH2OH
HO O HO O
HO O O OH HO O O OH
OH OH

Sennosid A: R = COOH Sennosid B: R = COOH


Sennosid C: R = CH2OH Sennosid D: R = CH2OH

OH O OH
| Abb. 3 Cassia angustifolia Vahl, leicht zygomor-
phe Blüten
10
COOH
H H
Rhein-Anthron die wirksamen Metaboliten (Anthrone) gespal-
ten, die durch direkten Kontakt mit der Darm-
schleimhaut wirken (Kontaktlaxanzien). Zu
Wirkungen und zum Wirkungsmechanismus
rina Mill. Die Ph. Eur. folgt dieser Auffassung koside wie z. B. Tinnevellinglucosid (in Tinne- siehe die ausführlichen Angaben in Lit. 9, 10, 12
bisher nicht. velly-Senna) oder Hydroxymusicinglucosid (in und in der Monographie Aloe barbadensis; zur
Alexandriner-Senna) 7; ca. 0,05 % ätherisches Bioverfügbarkeit im Darm siehe Lit. 11, 13. In-vi-
Synonyme: Senna leaf, Cassia leaf (engl.). Öl (Mono- und Sesquiterpene, Phenylpropane, tro-Untersuchungen zeigen proliferationshem-
Feuille se séné (franz.). Palmitinsäure u. a. enthaltend) 8 und Benzo- mende und antimutagene Eigenschaften von
phenon-Derivate. Extrakten bzw. Anthracen-Derivaten aus Cas-
Herkunft: Cassia angustifolia (Tinnevelly-Sen- sia angustifolia 12, 13.
na) ist in Arabien heimisch, wird aber in gro- Wirkungen/Wirkungsmechanismus: Das
ßem Umfang in Südindien kultiviert 1; Cassia komplexe Gemisch der Dianthronglykoside Anwendungsgebiete: HMPC (well-est. use):
senna (Alexandriner- oder Khartum-Senna) (Sennoside A–F) gehört zur Gruppe der anti- kurzzeitig zur Behandlung einer gelegentlich
ist in Nord- und Nordostafrika beheimatet und absortiv und sekretagog wirkenden Laxanzien. auftretenden Obstipation. ESCOP: kurzfristi-
wird im Niltal angebaut. Die Drogenimporte Sie werden im Magen-Darm-Trakt kaum re- ge Behandlung einer gelegentlich auftreten-
kommen hauptsächlich aus Indien und aus sorbiert, sondern erst im Kolon bakteriell in den Obstipation. Kommission E: Obstipati-
dem Sudan. on.

50 μm
Inhaltsstoffe: Meist über 3 % Dianthronglyko- Anmerkung: Sennesblätter gehören zu den
side enthaltend. Hauptwirkstoffe sind die Iso- am häufigsten gebrauchten pflanzlichen Ab-
dianthronglykoside Sennosid A, Sennosid A1 führmitteln; Angaben zur Beratung in Lit. 14.
und Sennosid B, daneben die stereoisomeren
Isodianthronglykoside Sennosid C und Senno- Gegenanzeigen: Darmverschluss, akut ent-
sid D, außerdem u. a. die SennosideE–F 2, 3 so- zündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus
wie kleine Anteile an Anthrachinonglykosi- Crohn, Colitis ulcerosa, Appendizitis), abdo-
den, bes. Rhein-8-glucosid und -sophorosid 4 minale Schmerzen unklarer Genese, schwere
(nach Ph. Eur. mind. 2,5 % Hydroxyanthracen- Dehydration mit Wasser-, Elektrolytverlusten,
glykoside, ber. als Sennosid B); das Entfernen Kinder < 12  Jahre. Aufgrund unzureichender
der Bütenknospen steigert den Sennosidgehalt toxikologischer Untersuchungen nicht in
in den Blättern deutlich, die jüngsten Blätter Schwangerschaft und Stillzeit.
weisen den höchsten Sennosidgehalt auf 5.
| Abb. 4 Blattepidermis mit überwiegend parazyti-
Weiterhin etwa 2–3 % Schleimstoffe 6; Flavono- Nebenwirkungen: In Einzelfällen krampfarti-
schen Spaltöffnungen
ide, bes. Kämpferol-Derivate 4; Naphthalingly- ge Magen-Darm-Beschwerden (Dosisredukti-
606 │ Sen │ Sennae folium

50 μm
1 mm 1 mm

| Abb. 5 1-zelliges Borstenhaar von Cassia senna


(links; mit warziger Kutikula) und von Cassia au- | Abb. 6 Blattunterseite von Cassia auriculata | Abb. 7 Blattunterseite von Cassia senna mit kur-
riculata (Verfälschung; rechts) (Verfälschung!) mit langer, dichterer Behaarung zen Borstenhaaren

on erforderlich). Bei chronischer Anwendung Antiarrhythmika. Kaliumverluste können tion mit anderen abführend wirkenden Dro-
und nach Durchfällen kann es zu Störungen durch Kombination mit Thiaziddiuretika, Ne- gen wie Faulbaumrinde oder mit gegen Blä-
des Wasser- und Elektrolythaushalts kommen, bennierenrindensteroiden, Süßholzwurzel ver- hungen wirksamen Kümmelfrüchten ist sinn-
besonders zu Kaliumverlusten. Folgen sind stärkt werden. voll.
Störungen der Herzfunktion und Muskel-
schwäche, insbesondere bei gleichzeitiger Ein- Teezubereitung: 0,75–1,5 g fein geschnittene Eintritt der Wirkung etwa 10–12 Std. nach Ein-
nahme von Herzglykosiden, Diuretika oder Droge (bzw. ein Filterbeutel, was wegen der ge- nahme.
Nebennierenrindensteroiden. Nach längerer naueren Dosierung zu empfehlen ist 24) werden
Einnahme können Albuminurie, Hämaturie mit heißem (nicht mit kochendem) Wasser 1 Teelöffel = etwa 1,5 g.
und harmlose reversible Pigmentierung der übergossen und nach 10–20 min abgeseiht.
Darmschleimhaut (Pseudomelanosis coli) auf- Von einigen Autoren wird auch empfohlen, die Teepräparate: Sennesblätter werden als Tee
treten. Es besteht kein Zusammenhang zwi- Droge mit kaltem Wasser 10–15 Std. unter gele- mit dem Anwendungsgebiet Obstipation von
schen der Einnahme senneshaltiger Laxanzien gentlichem Umrühren zu extrahieren und zahlreichen Herstellern angeboten, auch unter
und dem Auftreten von Dickdarm- oder ande- dann abzuseihen; als Begründung wird ange- besonderen Warenzeichen, lose, in Filterbeu-
ren Karzinomen 15–19. Epidemiologische Studi- führt, dass dabei weniger „Harze“ in Lösung teln, als Bestandteil von Teemischungen und
en zeigen kein erhöhtes Missbildungsrisiko bei gehen, die für Leibschmerzen verantwortlich als Instanttee. Teilweise sind die empfohlenen
Kindern, deren Mütter während der Schwan- gemacht werden. Dieses Verfahren liefert aller- Tagesdosen an Arzneitee auf 30 mg Hydroxy-
gerschaft senneshaltige Laxanzien eingenom- dings wesentlich geringere Anthranoidgehalte anthracen-Derivate, berechnet als Sennosid B,
men hatten 20. Bei Kleinkindern wird über (46–75 %) im Vergleich zum Heißwasseraus- eingestellt. Beispiel: Midro® Tee, der als Tee ge-
Dermatitis nach Verabreichung senneshaltiger zug 24, was vielleicht die bessere Verträglichkeit trunken, aber auch direkt (als Pulver) einge-
Laxanzien berichtet 21. Tierversuche mit hohen erklärt; außerdem fehlt im Kaltwasserauszug nommen werden kann.
Dosen von Cassia angustifolia ließen keine He- Rhein-8-O-glucosid, das möglicherweise das
patotoxizität erkennen 22. „schlecht verträgliche Harz“ darstellt 24. Phytopharmaka: Angeboten werden Sennes-
blätter und ihre Extrakte als Abführmittel in
Wechselwirkungen: Bei chronischem Ge- Um die als Richtdosis angesehene Menge von Monopräparaten, in verschiedenen Darrei-
brauch/Missbrauch ist durch Kaliummangel 20–30 mg Sennosid A/B pro Tag zu erreichen, chungsformen als Dragees, Granulat, Tabletten
eine Verstärkung der Wirkung bzw. Steigerung reicht die Heißwasserextraktion von 1,5– und Tropfen. Es gibt Kombinationen mit
der Toxizität von Herzglykosiden 25 möglich, 2 g  Droge für 10 min vollkommen aus (liefert Quellstoffen, z. B. Agiolax® (+ Plantaginis ova-
ebenso eine Beeinflussung der Wirkung von etwa 20–30 mg Sennosid A/B). Die Kombina- tae semen), oder mit anderen Anthranoiddro-
Sennae folium │ Sen │ 607

gen, wie z. B. Neda Früchtewürfel (+ Sennae baren Muster an Naphthalinglykosiden 7. DC- 600 μm), nur wenig gewarzt und mehr in der
fructus). Präparate der Gruppe Laxanzien ent- Nachweis der Sennoside nach Ph. Eur. Spitze gekrümmt (ႼAbb. 5 im Vergleich mit
halten häufiger Sennesfrüchte als Sennesblät- Haaren der Sennesblätter). Palthé-Senna ergibt
ter. Zur Gehaltsbestimmung von Sennosid A und mit 80 %iger Schwefelsäure eine karminrote
Sennosid B in Drogenmaterial und Zuberei- Färbung (Übergang des Leukoanthocyanidins
Prüfung: Makroskopisch (s. Abschnitt Be- tungen mittels Festphasenextraktion und Goratensidin in Oxoniumsalze).
schreibung) und mikroskopisch nach Ph. Eur. HPLC siehe Lit. 25.
Charakteristisch sind die überwiegend parazy- Aufbewahrung: Schutz vor Feuchtigkeit und
tischen Spaltöffnungen (ႼAbb. 4), die 1-zelli- Verfälschungen: Kommen heute kaum noch höherer Temperatur sind besonders wichtig,
gen, dickwandigen, kutikular gewarzten, an vor, auch die Blätter von Cassia auriculata L. weil es sonst zu einem enzymatischen Abbau
der Basis gekrümmten Haare (ႼAbb. 5), der (Palthé-Senna) werden im Drogenhandel nur von Wirkstoffen kommt; genaue Untersuchun-
isolaterale Blattquerschnitt, verschleimte Epi- selten gefunden; diese Verfälschung enthält gen darüber liegen vor, siehe Lit. 24.
dermiszellen, Kristallzellreihen und Oxalat- keine Sennoside. Man erkennt sie schon bei
drusen. der Betrachtung mit der Lupe an der dichten Lindequist / Wichtl / Loew
Behaarung der Blattunterseite (ႼAbb. 6, im
Tinnevelly-Senna und Alexandriner-Senna Vergleich mit Sennesblättern ႼAbb. 7), diese
unterscheiden sich in ihrem im DC nachweis- Haare erweisen sich als sehr lang (bis über

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