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FSG „Akademiker Lyudmil Stoyanov“, Blagoevgrad

Deutsche Literatur
Aufklärung
„Nathan der Weise”
(Gotthold Ephraim Lessing)

I. Information über das Literaturwerk


 Erscheinungsjahr: 1779
 Autor: Gotthold Ephraim Lessing
 Uraufführung: 1783, Berlin
 Literaturgattung: Drama
 Der Autor bestimmt sein Werk als „ein dramatisches
Gedicht“. Trotzdem ist es kein typisches Gedicht, weil
es nicht gereimt ist und weil es eine Parabel enthält, also
eine belehrende Geschichte. Die Parabel stellt eine
Literaturgattung dar, in der eine kurze belehrende
Geschichte erzählt wird. In dieser Geschichte werden
Metaphern, Symbole, Figuren benutzt, damit der Leser
aus dem Erzählten eine Lehre ziehen kann. Man soll
zuerst die überlieferten Bedeutungen von den Worten
und den Gestalten verstehen und dann kann man auf
diese Weise den wahren Sinn des Literaturwerks und
die Botschaft des Schriftstellers begreifen.
 Die Handlung spielt zur Zeit des Dritten Kreuzzuges
(1189–1192) während eines Waffenstillstands in
Jerusalem.
 Das Stück besteht aus insgesamt fünf Aufzügen.
II.Hauptfiguren in dem Drama
 Nathan: ein reicher jüdischer Kaufmann; ein
Schuldeneintreiber; leider seine sieben Söhne verloren
 Recha: die christliche Waisentochter von Nathan
 Daja: die Erzieherin von Recha
 Der christliche Tempelherr: der Retter von Recha
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 Sultan Saladin: der muslimische Herrscher von
Jerusalem
 Assad: der todgeglaubte Bruder von Saladin
III. Zusammenfassung des Inhalts
Nathan, ein reicher jüdischer Kaufmann und Schuldeneintreiber,
kommt von einer langen Geschäftsreise nach Babylon wieder nach
Jerusalem zurück. Er erfährt, dass es in seiner Abwesenheit zu
einem Brand in seinem Haus gekommen sei. Ein christlicher
Tempelherr habe seine Tochter Recha gerettet. Nathan hört
außerdem, dass der Ordensritter sein Leben dem Sultan verdanke.
Saladin habe ihn als einzigen von zwanzig gefangenen
Tempelherren begnadigt und ihn nicht getötet, weil er dem
verschollenen Bruder des Sultans, Assad, ähnle.
Nathan möchte sich bei dem Tempelritter für die Rettung seiner
Tochter bedanken. Er schickt Rechas Erzieherin, die Christin Daja,
mit einer Einladung zu ihm. Der Tempelherr lehnt ab, da er mit
Juden nicht verkehren will. Doch Nathan gibt nicht auf und fängt
den Ordensritter auf der Straße ab. Dieser verhält sich Nathan
gegenüber zunächst sehr unhöflich, lässt sich dann aber zunehmend
von seinem toleranten Benehmen einnehmen.
Sultan Saladin denkt darüber nach, wie er Frieden zwischen
Christen und Muslimen schaffen könnte. Er weiß, dass seine Kassen
leer sind und er seinen Gegnern nicht viel anzubieten hat, damit
diese in den Frieden einwilligen. Auf der Suche nach einem
Kreditgeber lässt er Nathan rufen. Der Kaufmann ist erstaunt, weil
der Sultan ihm plötzlich diese Frage stellt, welche Religion er für
die „wahre“ halte. Eine falsche Antwort könnte ihn seinen Kopf
kosten. Deshalb erzählt er dem Sultan Saladin eine alte Geschichte,
die Ringparabel.
In dieser Geschichte geht es um eine Familie, in deren Tradition ein
besonderer Ring vom Vater an den jeweils liebsten Sohn vererbt
wird. Der Träger des Rings – eine demütige Haltung vorausgesetzt
– ist beliebt bei Gott und den Menschen. Ein Vater jedoch, der drei
Söhne hat und alle gleichermaßen liebt, kann sich nicht entscheiden,
an welchen der Söhne er den Ring vererbt. Deshalb beschließt er,
von dem Ring Duplikate anzufertigen. Dann verteilt er die
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identischen Ringe an die Söhne. Nach dem Tod des Vaters kommt
es zu einem Streit zwischen den Brüdern, welcher der echte Ring
sei. Der angerufene Richter weigert sich ein Urteil zu sprechen. Er
sagt vielmehr, jeder solle seinen Ring als den „wahren“ ansehen,
denn alle spiegeln die Liebe des Vaters wider. So sei es auch mit
den Religionen.
Der Sultan ist beeindruckt von der Parabel und bietet Nathan seine
Freundschaft an. Zur selben Zeit besucht der Tempelherr Nathans
Haus, wo er nur Recha und Daja antrifft. Sobald der junge Mann
bemerkt hat, dass er sich in Recha verliebt hat, zieht er sich
zunächst zurück.
Schließlich kann der Tempelherr seine Liebe nicht länger
unterdrücken. Ungeachtet ihres unterschiedlichen Glaubens hält er
um Rechas Hand an. Nathan erkundigt sich daraufhin bei einem
Klosterbruder nach der Herkunft des Tempelherrn. Heimlich trifft
sich in der Zwischenzeit Daja mit dem Ordensritter. Sie verrät ihm,
dass Recha nicht die leibliche Tochter Nathans sei, sondern dessen
Pflegetochter und zudem christlicher Herkunft.
Im Palast des Sultans kommt es zu einer Begegnung zwischen dem
Tempelherrn und Nathan. Dabei stellt sich heraus, dass der
Ordensritter und Recha Bruder und Schwester sind. Sultan Saladin
findet dies in einem Abstammungsbuch bestätigt, das Nathan von
einem Klosterbruder erhalten hat. Erstaunt stellt Saladin fest, dass
es sich bei dem leiblichen Vater von Recha und dem Tempelherrn
um seinen verschollenen Bruder Assad handelt.
Der christliche Ordensritter und die Pflegetochter eines jüdischen
Kaufmanns sind also Neffe und Nichte eines muslimischen Sultans.
Somit gehören alle drei Weltreligionen zu ein und derselben
Familie.
IV. Themen, Motive und Lehren
 der religiöse Konflikt, in dem Christentum, Judentum und
Islam standen;
 die Idee der Toleranz und der Humanität; zu Frieden führen;
 Alle drei Weltreligionen sind in einer Familie vertreten und
somit untrennbar miteinander verbunden. Jede Religion hat
ihre Existenzberechtigung und es gibt keine „wahre“
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Religion. Die Familie von den verschiedenen Religionen
symbolisiert die Menschheit.
 Die Humanität liegt aller drei Religionen zugrunde.
 Der allgemeine Gott aller Religionen: Er liegt ihnen zugrunde,
aber hat unterschiedliche Namen und sieht in allen Glauben
anders aus. Es gibt eigentlich nur einen Gott in allen Glauben.
 „Nathan der Weise“ vermittelt eine der Ideen der Aufklärung
– die Idee der (religiösen) Toleranz.
 Die enge Verbindung zwischen den drei Religionen zeigt sich
auch geografisch: Der Felsendom steht dort, wo einst der
jüdische Tempel stand; die Moschee an der Stelle, wo
Abraham laut Bibel seinen Sohn Isaak opfern sollte und wo
Mohammed später in den Himmel aufgefahren sein soll. Nicht
weit von der Klagemauer, einziger Überrest des jüdischen
Tempels, liegen Kreuzigungsstätte und Grabeskirche Christi.
 Der Richter in der Ringparabel steht für Nathan der Weise,
sowohl die drei Söhne als auch die drei Ringe stehen für die
drei Weltreligionen – Christentum, Judentum und Islam – und
der Vater steht für den allgemeinen Gott aller Religionen, für
den allgemeinen Ursprung von den drei Weltreligionen.