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BAW-Kolloquiurn „Baugrundaufsch lüsse - Planung , Ausschreibung , Durchführung und Überwachung"

Bundesansta lt für Wasserbau , Karlsruhe , 9. - 11. Mai 2006


Dr.-lng. B. Schuppener: Die DIN 4020 "Geotechnische Untersuchungen für bautechn ische Zwecke".

Die DIN 4020


"Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke

Dr.-lng. Bernd Schuppener


Bundesanstalt für Wasserbau, Kussmaulstraße 17, 76187 Karlsruhe
Telefon: 0721 / 9726-3800, e-Mail: bernd.schuppener@baw.de

1 Einleitung
Normgemäß und rechnerisch richtig durchgeführte geotechnische Nachweise der Standsicherheit und Gebrauchstaug-
lichkeit sind wertlos, wenn die Annahmen über den Aufbau des Baugrunds und die Bodenkennwerte unzureichend oder
falsch sind. Unabdingbare Voraussetzung für die Nachweise nach DIN 1054 (2005) ,,Baugrund - Sicherheitsnachweise
(
im Erd- und Grundbau" ist daher die Einhaltung der Mindestanforderungen an die Planung, Durchführung und die Be-
wertung von Baugrunduntersuchungen, wie sie in der DIN 4020 (2003) ,,Geotechnische Untersuchungen für bautechni-
sche Zwecke" normativ festgelegt sind.

Mit der Neuordnung der geotechnischen Normen im Zuge der Anpassung an das neue europäische Sicherheitskonzept
wurden beide Normen überarbeitet. Grund für die Überarbeitung der DIN 4020 war aber weniger die Anpassung an das
neue Sicherheitskonzept der Eurocodes als die Tatsache, dass die alte DIN 4020 von 1990 im Gegensatz zur DIN 1054
bauaufsichtlich nicht eingeführt war. Eine bauaufsichtlich eingeführte Norm unterscheidet sich von den sonstigen Nor-
men dadurch, dass ihre Einhaltung im Baugenehmigungsverfahren zu überprüfen ist. Damit wird baurechtlich die An-
wendung des „Vier-Augen-Prinzips" sichergestellt. Wegen der fehlenden bauaufsichtlichen Einführung bestand daher
beim Baugrund eine Sicherheitslücke, als Art und Umfang sowie die Bewertung der Baugrunduntersuchungen nicht
zwingend zu überprüfen waren und Baugrunduntersuchungen deshalb in der Praxis oft genug entsprechend schlampig
durchgeführt werden.

Eine bauaufsichtliche Einführung der alten DIN 4020 (1990) war damals von der Bauaufsicht der Länder abgelehnt
worden, weil die Norm Regelungen enthielt, die nicht Gegenstand einer Prüfung durch die Bauaufsicht oder den Prüf-
( statiker sein können. Um nun für die überarbeitete, neue Fassung der DIN 4020 eine bauaufsichtliche Einführung zu
ermöglichen, wurde die DIN 4020 neu gegliedert:

Den Kern der überarbeiteten DIN 4020 (2003) bildet das Normblatt, das die prüfbaren normativen Regelungen zu
den geotechnischen Untersuchungen enthält. Es sollte bauaufsichtlich eingeführt und in die Muster-Liste der Tech-
nischen Baubestimmungen aufgenommen werden.
Die nicht bauaufsichtlich zu prüfenden Teile sind in vier normativen und informativen Anhängen zusammenge-
fasst.
Darüber hinaus gibt es ein Beiblatt, das Anwendungshilfen und Erläuterungen enthält.

Neben der Neugliederung hat die DIN 4020 vor allem zwei wesentliche inhaltliche Änderungen erfahren. Es wurde der
Begriff des Baugrundrisikos definiert und der Fachplaner für Geotechnik eingeführt.

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BAW-Kolloquium „Baugrundaufschlüsse - Planung , Ausschreibung , Durchführung und Überwachung"
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2 Baugrundrisiko
Im Abschnitt 3 Begriffe findet sich folgende Begriffsbestimmung:

3.5 Baugrundrisiko
ein in der Natur der Sache liegendes, unvenneidbares Restrisiko, das bei Inanspruchnahme des Baugrunds zu
unvorhersehbaren Wirkungen bzw. Erschwernissen, z. B. Bauschäden oder Bauverzögerungen führen kann,
obwohl derjenige, der den Baugrund zur Verfügung stellt, seiner Verpflichtung zur Untersuchung und Be-
schreibung der Baugrund- und Grundwasserverhältnisse nach den Regeln der Technik zuvor vollständig nach-
gekommen ist und obwohl der Bauausführende seiner eigenen Prüfungs- und Hinweispflicht Genüge getan hat.

Es wird damit folgendes festgestellt: Auch wenn


der Auftraggeber, der den Baugrund zur Verfügung stellt, den Baugrund gewissenhaft nach DIN 4020 untersuchen
lässt und
der Bauausführende geprüft hat, ob die für ihn maßgebenden Angaben im Baugrundgutachten enthalten sind,
bleibt trotzdem beim Baugrund ein Restrisiko, das zu unvorhergesehenen Bauschäden und Bauverzögerungen führen
kann. Die Ursache für das Baugrundrisiko liegt daran, dass der Baugrund ein inhomogener, von der Natur vorgegebener
Werkstoff ist, der in seiner Gesamtheit nur in Stichproben, d. h. näherungsweise erkundet werden kann. Folglich haben
die geotechnischen Untersuchungen nur eine beschränkte Aussagefähigkeit, so dass sowohl die geometrischen Annah-
men - also die Schichtgrenzen - als auch die bodenmechanischen Eigenschaften für die Nachweise der Standsicherheit
und Gebrauchstauglichkeit immer nur Näherungen sind.

Da der Bauherr den Baugrund stellt, muss er auch das Baugrundrisiko übernehmen. Mehrkosten, die sich aus dem Bau-
grundrisiko ergeben, muss er in der Regel tragen. Aus der Definition des Baugrundrisikos ergibt sich das im Bild l
dargestellte Flussdiagramm zur Entscheidung, welche Vertragspartei aus dem Baugnmd ggf. entstehende Mehrkosten
zu tragen hat

Baugrund Kein Anspruch


anders als be-
des AN
schrieben?
Ja
(
Hat der AN auf
unzureichende Unter-
suchungen hin-
gewiesen?

Ja Anspruch Anspruch des


des AN nicht AN berechtigt
Baugrundrisiko: berechtigt
Anspruch des AN r------------ ------
: AG: ggf. Regress- :
berechtigt
: anspruch beim :
: Entwurfsverfasser j

Bild l: Flussdiagramm zur Entscheidung, wer Mehrkosten aus dem Baugrund trägt

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Dr.-l ng. B. Schuppener: Die DIN 4020 "Geotechn ische Untersuchungen für bautechn ische Zwecke".

Da es im Bauwesen nur beim Baugrund ein entsprechendes Risiko gibt, war es ein ganz besonderes Anliegen nicht nur
der Geotechniker, sondern auch der Prüfingenieure und der Firmen des Spezialtiefbaus, dass die überarbeitete DIN
4020 bauaufsichtlich eingeführt wird. Leider hat sich die Bauaufsicht der Länder auch nach der Überarbeitung nicht
entschließen können, die DIN 4020 bauaufsichtlich einzuführen. Sie hat das u. a. damit begründet, dass in der einge-
führten DIN 1054 mehrfach auf die DIN 4020 verwiesen wird. Aus diesem Grund wurde versteckt in einer Anlage
(Anlage 2.1/9) der Muster-Liste der Technischen Baubestimmung (Fassung September 2005) zur DIN 1054:2005-1
folgender Hinweis aufgenommen:

„DIN 1054 nimmt wiederholt Bezug auf Ergebnisse von Baugrunduntersuchungen, die den Anforderungen der
Norm DIN 4020:2003-9 genügen. Diese müssen vor der konstruktiven Bearbeitung der Baulichen Anlagen
vorliegen."

Dieser Hinweis ist zwar begrüßenswert, doch ist der Hinweis keine Verpflichtung für den Prüfingenieur zu kontrollie-
ren, ob die zitierte DIN auch beachtet wurde. Gerade das sollte erreicht werden. Insofern bleibt die Sicherheitslücke
bestehen, weil die Einhaltung des „Vier-Augen-Prinzips" bei den Baugrunduntersuchungen baurechtlich nicht zwin-
gend gefordert wird. Der Bauherr wurde von der Bauaufsicht der Länder mit dem Baugrundrisiko allein gelassen!
Der Einführungserlass des BMVBW für die WSV (EW 23/14.61.31-1.02/15 BAW 04) vom 22.12.2004 ist leider sogar
noch unverbindlicher:

DIN 1054 verweist hinsichtlich erforderlicher Untersuchungen zum Baugrund auf die DIN 4020, Ausgabe
2003-9 „Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke".

3 Der Fachplaner für Geotechnik


Obgleich die DIN 4020 nicht zu den bauaufsichtlich eingeführten Normen gehört, ist jedem Bauherrn dringend zu raten,
die DIN 4020 strikt zu beachten, um das Baugrundrisiko zu minimieren und die Sicherheitslücke bei der Einhaltung des
„Vier-Augen-Prinzips" zu schließen. Der für den Bauheim wichtigste Satz findet sich im Abschnitt 5.3, der für die
geotechnischen Untersuchungen kategorisch fordert:
,,Bei Bauwerken der Geotechnischen Kategorie 2 oder 3 ist ein Fachplaner für Geotechnik einzuschalten .... "

/
Die DIN 1054 geht noch etwas weiter und fordert im Abschnitt 4.1 Grundlegende Anforderungen zur Gewährleistung
der Sicherheitsnachweise:
,,(1) Die Herstellung von Gründungen und geotechnischen Bauwerken erfordert eine gründliche Planung und Vor-
bereitung. Hierzu müssen der verantwortliche Entwurfsverfasser bzw. die zuständigen Fachplaner über die zur Be-
wältigung ihres Aufgabenbereichs erforderliche Sachkunde und Erfahrung verfügen. Der Entwurfsverfasser ent-
scheidet nach Maßgabe der fachlichen Kompetenz ... über die Einschaltung eines Fachplaners für Geotechnik."

Bei der Einführung des Fachplaner für Geotechnik (FfG) in den beiden Normen wird auf die Musterbauordnung
(MBO) Bezug genommen, die im § 54 vorsieht: .
"(2) Hat der Entwurfsverfasser auf einzelnen Fachgebieten nicht die erforderliche Sachkunde und Erfahrung, so
sind geeignete Fachplaner heranzuziehen. Diese sind für die von ihnen gefertigten Unterlagen, die sie zu unter-
zeichnen haben, verantwortlich. Für das ordnungsgemäße Ineinandergreifen aller Fachplanungen bleibt der Ent-
wurfsverfasser verantwortlich."
Bei fehlender Fachkompetenz in der Geotechnik hat also nach der MBO der Entwurfsverfasser einen Fachplaner für
Geotechnik (FfG) einzuschalten. Welche Fachkompetenz ein Fachplaner haben muss, wird in der MBO nicht weiter
beschrieben. Für einen FfG geschieht dies in der DIN 1054 und der DIN 4020. Er wird dort allein durch die Aufgaben
definiert, die er im Bauplanungsprozess zu erfüllen hat. Eine staatliche Prüfung oder Anerkennung ist für einen FfG

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nicht erforderlich. Die Aufgaben eines FfG können daher auch Mitarbeiter von Ingenieurbüros oder Firmen mit den
erforderlichen geotechnischen Kompetenzen und Erfahrungen übernommen werden. Die Fachplanung für Geotechnik
ist daher nicht ausschließlich ein Betätigungsfeld für Baugrundgutachter.

An dieser Stelle ist eine Anmerkung notwendig. In der derzeitigen Fassung der DIN 4020 (2003) wird statt des Begriffs
Fachplaner far Geotechnik noch der Begriff des Sachverständigen far Geotechnik verwendet. Im Zuge der Verhand-
lungen mit der Bauaufsicht zur bauaufsichtlichen Einführung der DIN 1054, in der dieser Begriff Sachverständige far
Geotechnik zunächst auch verwendet wurde, war dieser Name von der Bauaufsicht kritisie11 worden. Als „Sachverstän-
diger" im Sinne der Gesetzes wird nur verstanden, wer eine Planung eines anderen beurteilt nicht aber, wer fachkundig
plant. Man hat sich daher darauf geeinigt, in der DIN 1054 den in der MBO vorgesehenen Begriff des Fachplaners zu
verwenden. Diese begriffliche Anpassung wurde in der DIN 4020 noch nicht vollzogen, da sie früher als die DIN 1054
abgeschlossen wurde. Der Sachverständige far Geotechnik der DIN 4020 ist daher der Fachplaner far Geotechnik der
DIN 1054.

Die Aufgaben des Fachplaners far Geotechnik und seine Zusammenarbeit mit dem Entwurfsaufsteller entwickeln sich
(
entsprechend DIN 4020 und DIN 1054 in folgenden Schritten:

• In der Regel beginnt ein Bauprojekt damit, dass ein Bauherr ein Ingenieurbüro oder eine Baufirma - als Entwurfs-
verfasser - mit der Planung für sein Bauvorhaben beauftragt. Der Entwurfsverfasser weiß um die Bedeutung einer
sicheren Gründung für das Bauwerk. Falls er selber keine ausreichende Kompetenz auf dem Gebiet der Geotechnik
besitzt, muss er nach § 54 der MBO den Bauherrn auf die Notwendigkeit der Beauftragung eines FfG und von geo-
technischen Untersuchungen hinweisen. Der Bauherr hat dann einen FfG mit der Planung, Durchführung und Be-
wertung der Baugrunduntersuchungen zu betrauen. Es versteht sich, dass die Koordinationsverantwortung der ge-
samten weiteren Planung beim Entwurfsverfasser verbleibt (siehe § 54 der MBO). Nachdem der Entwurfverfasser
den FfG über den Stand der Planung informiert und entsprechende Unterlagen übergeben hat, hat der FfG eine Orts-
begehung durchzuführen und daraufhin die erforderlichen Baugrunduntersuchungen und Messungen zu planen und
zu überwachen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind Grundlage für den Geotechnischen Untersuchungsbericht.
Er enthält:
die Auswertung und Bewertung der Untersuchungsergebnisse in Form eines geometrischen Berechnungsmodell
für den Baugrundaufbau mit den charakteristischen Werten für die Bodenkenngrößen,
die Festlegung der geotechnischen Kategorie für die Baumaßnahme und
die Prüfung, ob weitere Baugrunduntersuchungen notwendig sind. (
Außerdem wird eine erste Gründungsempfehlung gegeben.

In der täglichen Praxis eines Bauingenieurs ist es selbstverständlich, dass sich der Umfang und die Qualität
der Baugrunderkundungen,
der erdstatischen Nachweise und
der Überwachungsmaßnahmen
nach der Größe und Empfindlichkeit des Bauwerks und der Komplexität des Baugrunds richten. Man hat daher
Geotechnische Kategorien mit dem Ziel eingeführt, Baumaßnahmen im Hinblick auf die Mindestanforderungen an
Baugrunduntersuchungen, erdstatischen Berechnungen und Überwachungsmaßnahmen zu klassifizieren. Die geo-
technischen Normen sehen drei Kategorien vor, wobei die Geotechnische Kategorie GK 1 Baumaßnahmen mit ge-
ringem Schwierigkeitsgrad im Hinblick auf Bauwerk und Baugrund umfasst, GK 3 diejenigen mit dem größten
Schwierigkeitsgrad. Für die Anwendung gelten folgende grundsätzliche Regeln:
Jede Baumaßnahme ist zu Beginn der Planung in eine Geotechnische Kategorie einzuordnen.
Es kann eine Neueinstufung in eine Geotechnischen Kategorie möglich oder erforderlich werden, wenn die
späteren Untersuchungen oder Bauplanungen dies nahe legen.

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Es ist nicht notwendig, dass eine gesamte Baumaßnahme in ein und derselben GK eingeordnet wird. Für ein-
zelne Bauphasen und für einzelne Bauabschnitte dürfen unterschiedliche Einstufungen vorgenommen werden.
Einzelheiten über die geotechnischen Kategorien finden sich im Anhang A der DIN 4020 und in den Kapiteln der
DIN 1054, in denen die einzelnen Standsicherheitsnachweise geregelt sind.

• Auf Grundlage des geotechnischen Untersuchungsberichts wird dann der Entwurfsverfasser einen Gründungsent-
wurf aufstellen, wobei er sich natürlich vom FfG beraten lässt. Außerdem stellt er Unterlagen zur Verfügung, denn
der FfG hat
die Einstufung der GK zu überprüfen,
die Annahmen der Nachweise zu begründen,
auf die Vollständigkeit der Nachweise der Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit zu achten - nicht zu prü-
fen, denn dafür ist der Prüfstatiker bzw. der Prüfsachverständige für Erd- und Grundbau zuständig - und
ggf. die Erfordernisse der Beobachtungsmethode zu begründen.
Die Ergebnisse seiner Überprüfungen und Empfehlungen einschließlich der zugrunde liegenden Annahmen hat der
FfG in dem Geotechnischen Entwurfsbericht zusammenzufassen. Damit ist die Planungsphase abgeschlossen.

• Nach Auftragserteilung hat der Entwurfsverfasser noch einmal sicher zu stellen, dass die zur Erstellung des geo-
technischen Entwurfsberichts maßgebenden Angaben noch zutreffen. Mit dem Baubeginn kommt dem FfG eine
sehr wichtige Aufgabe zu, als er den im Geotechnischen Untersuchungsbericht angegebenen Schichtenaufbau beim
Aushub der Baugrube wenigstens bis zur Baugrubensohle zu überprüfen hat. Während der Gründungsarbeiten tre-
ten oft noch unvorhergesehene geotechnische Fragen auf, bei denen der FfG beratend zur Verfügung steht. In man-
chen Fällen stellt sich heraus, dass auch nach der Fertigstellung des Bauwerks noch eine weitere Überwachung
notwendig ist. Diese ist dann vom Bauherrn zu veranlassen.

Neben dem Fachplanerfiir Geotechnik, der beratend für den Entwurfsaufsteller tätig wird, sieht die Musterverordnung
über die Prüfingenieure und Prüfsachverständige von 2003 noch einen Prüfsachverständigen far Erd- und Grundbau
vor, der für den Prüfingenieur tätig wird. Seine Einschaltung wird im § 13 wie folgt geregelt:
,,(3) ... Verfügt der Prüfingenieur ... für Standsicherheit nicht über die zur Beurteilung der Gründung erforderliche
Sachkunde oder hat er Zweifel hinsichtlich der verwendeten Annahmen oder der bodenmechanischen Kenngrö-
ßen, sind von ihm im Einvernehmen mit dem Auftraggeber Prüfsachverständige für den Erd- und Grundbau einzu-
schalten .... "
(
In der alten Bauordnung war diese Funktion auch schon als „staatlich anerkannter Sachverständiger für Erd- und
Grundbau" vorgesehen. Seine Aufgaben sind im § 25 wie folgt definiert:
„Prüfsachverständige für Erd- und Grundbau bescheinigen die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben über
den Baugrund hinsichtlich Stoffbestand, Struktur und geologischer Einflüsse, dessen Tragfähigkeit und die getrof-
fenen Annahmen zur Gründung oder Einbettung der baulichen Anlage."

Als letztes ist in diesem Zusammenhang der öffentlich bestellte und vereidigte (öbv) Sachverständige zu erwähnen, der
die Gerichte in rechtlichen Streitfällen und selbständigen Beweisverfahren durch Gutachten bei ihren Entscheidungsfin-
dungen unterstützt. Für ihn gibt es keine bundesweit einheitliche Bezeichnung des Fach- bzw. Bestellungsgebietes.
Stattdessen bestimmt der Antragsteller das Bestellungsgebiet, meistens im Rahmen von Vorgaben der bestellenden
Körperschaft. Beispielsweise hat die Ingenieurkammer Niedersachsen sich eine Nomenklatur für Sachverständige ge-
geben, aus der das Bestellungsgebiet auszuwählen ist. So lauten die Bezeichnungen beispielsweise „öbv Sachverständi-
ger für Baugrunduntersuchungen, Gründungen" oder „für Erd- und Grundbauwerke" oder „für Geotechnik". Fast alle
Bundesländer haben die Bestellung und Vereidigung von Sachverständigen an Körperschaften des öffentlichen Rechts
wie die Industrie- und Handelskammern (IHK) oder die Ingenieurkammern übertragen.

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Bundesansta lt für Wa sserbau, Karlsruhe , 9. - 11. Mai 2006
Dr.-lng. B. Schuppener: Die DIN 4020 "Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke".

4 Zusammenfassung

• Voraussetzung für geotechnische Sicherheitsnachweise sind zuverlässige Kenntnisse des Baugrundaufbaus und der
Bodenkennwerte. Nur durch die Anwendung der DIN 4020 können die dazu notwendigen Mindestanforderungen
an die Planung, Durchführung und die Bewertung von Baugrunduntersuchungen erfüllt werden.
• Der Baugrund ist ein inhomogener, von der Natur vorgegebener Werkstoff, der in seiner Gesamtheit nur in Stich-
proben, d. h. näherungsweise erkundet werden kann. Daraus ergibt sich das Baugrundrisiko als ein unvermeidbares
Restrisiko. Das Baugrundrisiko trägt der BauhelT.
• Die überarbeitete DIN 4020 (2003) wurde bauaufsichtlich nicht eingeführt und die Einhaltung des sonst im Bauwe-
sen praktizierten „Vier-Augen-Prinzips" bei der Festlegung des geometrischen und bodenmechanischen Modells
für den Baugrund nicht zwingend gefordert. Damit erhält das Baugrundrisiko eine besondere Brisanz und Bedeu-
tung.
• Das Baugrundrisiko kann nur minimiert und die Sicherheitslücke bei der Einhaltung des „Vier-Augen-Prinzips"
nur geschlossen werden durch die strikte Beachtung der DIN 1054 und der bauaufsichtlich nicht eingeführten DIN (
4020.
• Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Fachplaner für Geotechnik zu, der vom Entwurfsverfasser nach MBO dann
heranzuziehen ist, wenn der Entwurfsverfasser in der Geotechnik nicht über die erforderliche Sachkunde und Er-
fahrung verfügt.
• Der Fachplaner für Geotechnik wird in DIN 1054 und DIN 4020 durch seine Aufgaben definiert, die er in der Zu-
sammenarbeit mit dem Entwurfsverfasser von der Planung und Bewertung der Baugrundaufschlüsse über die geo-
technische Beratung beim Entwurf bis zur Abnahme der Baugrubensohle zu übernehmen hat.

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