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Bautechnik 83(7), 2006, S.

482-491

Über die Korrelation der


Torsten Wichtmann
Theodor Triantafyllidis ödometrischen und der ”dynamis-
chen” Steifigkeit nichtbindiger Böden

Der ”dynamische” Schubmodul Gdyn des Bodens, halten (u.a. Akkumulation von Verformungen) wurde
d.h. die Sekantensteifigkeit der Schubspannungs- u.a. in [1], [2] thematisiert. Dieser Beitrag wid-
Scherdehnungs-Hysterese bei sehr kleinen Dehnungsam- met sich dem Kurzzeitverhalten, bei dem die Bo-
plituden, wird häufig mit Hilfe eines Diagramms deneigenschaften im betrachteten Zeitausschnitt als un-
abgeschätzt, welches den dynamischen Steifemodul veränderlich angenommen werden. Für die Analyse
Es,dyn mit dem Steifemodul Es bei ödometrischer des Kurzzeitverhaltens wird der Boden oft durch Fed-
Kompression (Erstbelastung) korreliert. Die Anwen- ern und Dämpfer approximiert (z.B. [3], [4], [5]). In
dungsvoraussetzungen und -grenzen dieser Korrelation die Feder- und Dämpferparameter geht die Schub-
sind jedoch nicht klar. Im Rahmen dieses Beitrags steifigkeit G und die Querdehnzahl ν des Bodens ein.
wird die Korrelation Es ↔ Es,dyn für vier Sande Da es sich um zyklische Belastungen handelt, ist für
mit unterschiedlichen Korngrößenverteilungskurven G die Sekantensteifigkeit Gsec der Schubspannungs-
überprüft. Zu diesem Zweck wurden Ödometerversuche Scherdehnungshysterese (Bild 1a) einzusetzen.
und Messungen der Kompressionswellengeschwindigkeit
in einer Triaxialzelle durchgeführt. Zum Teil ergaben a) 
b)
Gsec
sich deutliche Abweichungen der Messwerte vom Gsec
bisher verwendeten Korrelationsansatz. Auf der Basis 1 Gdyn
ampl
der Wellenmessungen und ergänzender Resonant- 

1 Gdyn
Column-Versuche diskutiert dieser Beitrag weiterhin
Gdyn 1
die ”dynamische” Querdehnzahl ν und gibt eine modi-
fizierte Korrelation Es ↔ Gdyn an. Hysterese

ampl
~ 10-5 ampl

On the correlation of the oedometric and


the ”dynamic” stiffness of non-cohesive soils.
The ”dynamic” shear modulus Gdyn of the soil, i.e. Fig. 1: a) Definition der Sekantenschubsteifigkeit Gsec der τ -
γ-Hysterese, b) Abnahme von Gsec vom Maximalwert Gdyn
the secant stiffness of the shear stress - shear strain
mit zunehmender Scherdehnungsamplitude γ ampl
- hysteresis at very small strain amplitudes is often
Fig. 1: a) Definition of the secant shear stiffness Gsec of the
estimated my means of a diagram correlating the
τ -γ-hysteresis, b) Decrease of Gsec from its maximum value
dynamic constrained elastic modulus Es,dyn with the Gdyn with increasing shear strain amplitude γ ampl
oedometric stiffness Es for first loading. However,
the assumptions and limits of this correlation are not Diese Sekantensteifigkeit Gsec ist bei nichtbindi-
clear. In the context of this paper the correlation gen Böden bis zu einer Scherdehnungsamplitude von
Es ↔ Es,dyn is checked for four sands with different ca. γ ampl = 10−5 konstant und nimmt für größere Am-
grain size distribution curves. For this purpose tests plituden mit zunehmendem γ ampl ab (Bild 1b). Der
with oedometric compression and measurements of Maximalwert Gdyn bei sehr kleinen Scherdehnungsam-
the compression wave velocity in a triaxial cell were plituden wird oft als ”dynamischer” Schubmodul beze-
performed. Partially, significant deviations of the ichnet. Diese Terminologie ist im Grunde genommen ir-
measured data from the correlation approach actually reführend, da die Sekantensteifigkeit Gsec nicht von der
used were obtained. On the basis of the wave velocity Frequenz abhängt, mit der die Spannungs-Dehnungs-
measurements and supplementing resonant column Hysterese durchlaufen wird. In diesem Beitrag soll je-
tests this paper also discusses the ”dynamic” Poisson’s doch die dem Leser vertraute Bezeichnung beibehal-
ratio ν and presents a modified correlation Es ↔ Gdyn . ten und von einer ”dynamischen” Steifigkeit gesprochen
werden. Im Fall sehr kleiner Scherdehnungsamplitu-
1 Einleitung den γ ampl < 10−5 kann direkt Gdyn in die Gleichun-
Im Fall einer zyklisch (quasi-statisch oder dynamisch) gen für die Feder- bzw. Dämpferparameter einge-
belasteten Gründung ist sowohl das Kurz- als auch das setzt werden. Bei größeren Amplituden ist eine Ab-
Langzeitverhalten zu untersuchen. Das Langzeitver- minderung dieses Maximalwertes mit einem Faktor
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Gsec /Gdyn vorzunehmen [6], [7].


Der dynamische Schubmodul Gdyn nichtbindiger
Böden kann auf verschiedene Weisen mit jeweils unter-
schiedlich hohem Aufwand bestimmt werden:
1. In-situ-Messungen
p der Scherwellengeschwindigkeit
vS = Gdyn /%, wobei % die Dichte des Bodens ist.
2. Laborversuche (z.B. Resonant-Column-Versuche
oder Messungen der Scherwellengeschwindigkeit in
einer Triaxialzelle mit Hilfe piezoelektrischer El-
emente). Bei im Labor rekonstituierten Proben
werden die in-situ-Struktur des Korngerüstes und
Alterungseffekte nicht reproduziert, so dass der
in-situ-Wert von Gdyn durch die Laborversuche
zumeist unterschätzt wird. Ob eine aufwendi- Fig. 2: Verhältnis Es,dyn /Es in Abhängigkeit von Es nach
[11], [4]
gere Probenentnahme mittels Gefrierverfahren die
Fig. 2: Ratio Es,dyn /Es in dependence on Es after [11], [4]
Struktur des Korngerüstes bewahrt, ist umstritten.
3. Abschätzung von Gdyn mit Hilfe überschlägiger
Tabellenwerte (z.B. aus Tabellen in [4]). Die In [4] bleibt jedoch unklar, für welche Span-
Bandbreite dieser tabellierten Steifigkeiten ist groß. nungen, Lagerungsdichten, Kornformen und Ko-
Da keine Aussagen zum Spannungsniveau getrof- rngrößenverteilungskurven diese Grenzlinien ermit-
fen werden, ist von einer Verwendung dieser telt wurden. Eine Verwendung von Bild 2 ist somit
Schätzwerte dringend abzuraten. stets mit der Gefahr verbunden, dass man sich
außerhalb der Gültigkeitsgrenzen des Korrelations-
4. Abschätzung von Gdyn aus geschlossenen Formeln, diagramms befindet.
z.B. nach Hardin [8], [9]:
Ziel dieses Beitrags ist die Überprüfung der let-
(a − e)2 ztgenannten Möglichkeit, d.h. der Abschätzung von
Gdyn [MPa] = A (p[kPa])n (1)
1+e Gdyn mit Hilfe des Diagramms in Bild 2. Dazu
Darin ist e die Porenzahl und p der mittlere Druck. wurden verschiedene Laborversuche an vier Sanden
Die Konstanten A, a und n hängen von der Korn- mit unterschiedlichen Korngrößenverteilungskurven
form ab. Gleichung (1) liefert für Sande mit einer durchgeführt:
gleichförmigen Korngrößenverteilungskurve akzept- • Versuche mit ödometrischer Kompression
able Werte [7]. Für ungleichförmige Sande sollte
Gleichung (1) nicht angewandt werden, da sie • Triaxialversuche zur Ermittlung des Peak-
die deren Sekantensteifigkeit um bis zu 100 % Reibungswinkels ϕP (benötigt zur Abschätzung
überschätzt [10]. des Seitendruckbeiwertes im Ödometer nach der
Jaky-Formel K0 = 1 − sin ϕ)
5. Verwendung des Diagramms in Bild 2 (nach [11],
[4]), welches das Verhältnis Es,dyn /Es als Funk- • Messungen
p der Kompressionswellengeschwindigkeit
tion von Es zeigt. Dabei ist Es,dyn der dy- vP = Es,dyn /% in einer Triaxialzelle mit Hilfe
namische Steifemodul und Es der Steifemodul bei piezoelektrischer Elemente
ödometrischer Kompression (Erstbelastung). Mit
• Resonant-Column-Versuche zur Ermittlung von
Hilfe von Es kann aus Bild 2 also Es,dyn /Es abge-
Gdyn
lesen werden. Mit einer geschätzten Querdehnzahl
ν erhält man aus Es,dyn den dynamischen Schub- Die Ergebnisse werden im folgenden dargestellt und hin-
modul Gdyn : sichtlich einer Korrelation Es,dyn ↔ Es bzw. Gdyn ↔
Es diskutiert.
1 − ν − 2ν 2
Gdyn = Es,dyn (2)
2(1 − ν 2 )
2 Testmaterial
Die Korngrößenverteilungskurven der vier getesteten
Diese Methode wird oft angewandt, da für viele in- Sande sind im Bild 3 dargestellt. Dabei handelt es sich
situ Böden Erfahrungswerte für Es vorliegen bzw. um drei enggestufte Böden im Feinsand- bis Feinkies-
eine Bestimmung von Es im Labor wesentlich ein- bereich sowie einen weitgestuften Sand. Tabelle 1
facher und kostengünstiger erfolgen kann als ein fasst die mittleren Korndurchmesser d50 und die Ungle-
Versuch zur Ermittlung von Gdyn . ichförmigkeitszahlen U = d60 /d10 sowie die Porenzahlen
Das Diagramm in Bild 2 gibt obere und un- emax und emin bei lockerster und dichtester Lagerung der
tere Grenzen für das Verhältnis Es,dyn /Es an. Testmaterialien zusammen.

2
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Sand Kies chen Reibungswinkel ϕc gilt, wurde die Funktion


Fein Mittel Grob Fein
100
= ϕc exp aϕ (emax − eP )bϕ

Siebdurchgang [Gew-%] ϕP (3)
80
1 2 3 an die Messdaten angepasst. Die Konstanten aϕ und bϕ
60 wurden in Tabelle 2 zusammengestellt. Die angegebe-
nen kritischen Reibungswinkel ϕc wurden als Mittelw-
40 erte aus mehreren Schüttkegelversuchen bestimmt.
4
20 1000 1000
Sand 1 Sand 2 Mc( P) =
Mc( P) =
1,63 1,72
0
0,1 0,2 0,6 1 2 6 800 1 800 1
1,37 1,50
Durchmesser [mm] 1 1
600 Mc( c) = 600

q [kPa]
1,31

q [kPa]
Fig. 3: Korngrößenverteilungskurven der vier getesteten 1,32 1
1
Mc( c) =
Sande 400 400 1,25
1
Fig. 3: Grain size distribution curves of the four tested sands
ID0 = ID0 =
200 0,94 - 0,96 200 0,95 - 1,02
0,57 - 0,60 0,59 - 0,67
Sand d50 U emin emax 0,18 - 0,26
0 0
[mm] [-] [-] [-] 0 200 400 600 0 200 400 600
p [kPa] p [kPa]
1 0,21 2,0 0,575 0,908
2 0,55 1,8 0,577 0,874 1000 Sand 3 1000 Sand 4
Mc( P) =
3 1,45 1,4 0,623 0,886 1,69 Mc( P) =
800 800 1,60
4 0,52 4,5 0,422 0,691 1
1
1,44
1 1,41
600 600 1
q [kPa]

q [kPa]
Mc( c) = Mc( c) =
Table 1: Mittlerer Korndurchmesser d50 , Ungleichförmigkeit
1 1,37 1 1,34
U = d60 /d10 , minimale (emin) und maximale (emax ) Poren- 400 400
zahlen nach DIN 18126 für die vier getesteten Sande
ID0 = ID0 =
Tab. 1: Mean grain diameter d50 , non-uniformity index 0,88 - 0,90
200 0,99 - 1,02 200
U = d60 /d10 , minimum (emin ) and maximum (emax ) void 0,60 - 0,64 0,63 - 0,67
ratios according to DIN 18126 for the four tested sands
0 0
0 200 400 600 0 200 400 600
p [kPa] p [kPa]

3 Triaxialversuche zur Bestimmung des Peak-


Fig. 4: Peak-Spannungszustände in der p-q-Ebene für
Reibungswinkels ϕP die vier getesteten Sande und unterschiedliche An-
Bei der Auswertung der im Abschnitt 4 diskutierten fangslagerungsdichten ID0
Ödometerversuche wurde die seitliche Spannung σ3 aus Fig. 4: Peak stress states in the p-q-plane for the four tested
der vertikalen Spannung σ1 entsprechend σ3 = K0 σ1 sands and different initial densities ID0
berechnet. Der Seitendruckbeiwert wurde nach Jaky zu
K0 = 1 − sin ϕP angesetzt.
Der von der Lagerungsdichte ID bzw. der Poren- 45 Sand 1 45 Sand 2
40 40
[˚]

[˚]

zahl e abhängige Peak-Reibungswinkel ϕP wurde in Ver-


P

35 35
 

suchen mit triaxialer Kompression bestimmt. Für je-


30 30
den der vier Sande wurden Versuchsreihen mit unter- 0,6 0,7 0,8 0,9 0,6 0,7 0,8 0,9
schiedlichen Anfangslagerungsdichten ID0 durchgeführt. Porenzahl eP [-] Porenzahl eP [-]

Innerhalb jeder Versuchsreihe wurden die Seitenspan- 45 Sand 3 45 Sand 4


40 40
[˚]
[˚]

nungen σ3 = 50, 100 und 200 kPa getestet. Bild 4


P
P

zeigt die gemessenen Peak-Spannungszustände in der p- 35 35





q-Ebene, wobei p = (σ1 + 2σ3 )/3 der mittlere Druck 30 30


0,6 0,7 0,8 0,9 0,5 0,6 0,7
und q = σ1 − σ3 die Deviatorspannung ist. Die Nei- Porenzahl eP [-] Porenzahl eP [-]
gung der Geraden durch den Ursprung und diese Peak-
Spannungszustände beträgt Mc (ϕP ) = 6 sin ϕP /(3 − Fig. 5: Peak-Reibungswinkel ϕP in Abhängigkeit der Poren-
sin ϕP ), woraus ϕP berechnet werden kann. In Bild 5 zahl im Peak eP für die vier getesteten Sande, Anpassung
ist ϕP für die vier Sande als Funktion der im Hoch- der Gleichung (3)
punkt der q-ε1 -Kurve gemessenen Porenzahl (”Peak- Fig. 5: Peak friction angle ϕP in dependence on peak void
ratio eP for the four tested sands, fitting of Eq. (3)
Porenzahl”) eP dargestellt. Unter der Annahme, dass
für e = emax näherungsweise ϕP ≈ ϕc mit dem kritis-

3
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Sand ϕc aϕ bϕ das Bild 7 exemplarisch für anfangs lockere und dichte


[◦ ] [-] [-] Proben.
1 32,8 78,9 4,6 0,88
2 31,2 3,0 1,7
3 33,9 16,1 3,2
4 33,3 648 5,4 0,86

Table 2: Kritischer Reibungswinkel ϕc , Konstanten aϕ und 0,84


bϕ in Geichung (3)
Tab. 2: Critical friction angle ϕc , constants aϕ and bϕ in lockere Proben:

Porenzahl e [-]
Eq. (3) 0,82 ID0 = 0,02 - 0,03

4 Steifemodul Es bei ödometrischer Kompres- 0,80


sion
0,62
Für die Ödometerversuche wurde aufgrund der besseren
Reproduzierbarkeit der Ergebnisse für nichtbindige
Böden anstelle des Standard-Ödometers (Proben- 0,60
durchmesser d = 7 cm, Probenhöhe h = 2 cm) ein dichte Proben:
größerer Ödometertopf (d = 28 cm, h = 8 cm) ver- ID0 = 0,88 - 0,90
wendet (Bild 6). Das Verhältnis d/h = 3, 5 entspricht 0,58
dem des Standard-Ödometers. Es handelt sich um ein 1 10 100 1000
Versuchsgerät mit feststehendem Ring. Versuche mit Mittlerer Druck p [kPa]
Sand 1 zeigten, dass beide Ödometer gleiche Ergebnisse
liefern. Deren Streuung ist beim größeren Ödometertopf Fig. 7: Reduktion der Porenzahl e mit dem mittleren Druck
und insbesondere bei grobkörnigen Sanden jedoch p in Ödometerversuchen an Sand 2
wesentlich geringer. Die axiale Spannung σ1 wurde Fig. 7: Reduction of void ratio e with mean pressure p in
oedometric tests on sand 2
über ein pneumatisches Belastungssystem und einen
vertikal kugellagergeführten Laststempel auf die Probe
Für eine bestimmte Laststufe wird der Steifemodul
aufgegeben. Mit Hilfe eines Wegaufnehmers wurde die
Es als Sekantenmodul aus dem Inkrement der axialen
axiale Stauchung ∆h der Probe ermittelt. Die seitliche
Spannung ∆σ1 , der Porenzahländerung ∆e innerhalb
Spannung wurde nicht gemessen. Zu ihrer Abschätzung
der Laststufe und der Porenzahl e0 am Anfang der Last-
siehe Abschnitt 3.
stufe berechnet [12]:
Axiale Kraft ∆σ1
(Pneumatik und Es = (1 + e0 ) (4)
Hebelarmsystem) ∆e
Dies entspricht Es = ∆σ1 /∆ε1 , wenn bei der Berech-
nung des Inkrements der axialen Dehnung ∆ε1 die
Kraftmessdose Wegauf-
Höhenänderung ∆h innerhalb der Laststufe auf die An-
nehmer fangshöhe der Laststufe h0 bezogen wird.
Das Bild 8 zeigt den Steifemodul Es als Funktion
der Porenzahl e für sieben Druckstufen 50 kPa ≤ p ≤
400 kPa (Datenpunkte aus Interpolation zwischen den
nächstgelegenen Messwerten von p). An die Messdaten
8 cm

Bodenprobe
wurde die Funktion

28 cm
(a − e)2
Es = A (5)
1+e
Fig. 6: Versuchsgerät für die ödometrische Kompression (d mit den Konstanten A (in der Einheit [MPa]) und
= 28,0 cm, h = 8 cm) a angepasst. Eine einheitliche Beschreibung des
Fig. 6: Test device for oedometric compression (d = 28.0 cm, porenzahl- und druckabhängigen Steifemoduls durch
h = 8 cm) eine Gleichung analog zu Gleichung (1) war nicht
möglich, so dass Gleichung (5) separat an jede Druck-
Für jeden Sand wurden Versuche mit unter- stufe angepasst wurde. Die sich aus der Anpassung
schiedlichen Anfangslagerungsdichten ID0 durchgeführt. ergebenden Konstanten A und a sind in der Tabelle 3
Die axiale Spannung wurde jeweils in 15 Laststufen bis zusammengestellt.
auf σ1 = 800 kPa erhöht. Die Reduktion der Poren- Bild 9 vergleicht die Steifemoduli Es für die vier
zahl e mit dem mittleren Druck p = (σ1 + 2σ3 )/3 zeigt getesteten Sande und die Druckstufe p = 200 kPa. Bei

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p Sand 1 Sand 2 Sand 3 Sand 4


A a A a A a A a
50 53,5 1,58 125,3 1,28 42,4 1,77 263,3 0,82
75 60,6 1,66 176,6 1,26 73,9 1,62 317,5 0,84
100 106,3 1,51 270,9 1,22 103,2 1,54 366,7 0,84
150 235,9 1,34 342,6 1,24 128,0 1,53 463,6 0,85
200 305,6 1,31 478,8 1,21 159,6 1,50 604,1 0,83
300 382,7 1,30 382,9 1,34 198,1 1,47 597,0 0,86
400 400,6 1,31 337,9 1,41 190,6 1,51 542,6 0,91

Table 3: Konstanten A in [MPa] und a in Gleichung (5) für die vier getesteten Sande
Tab. 3: Constants A in [MPa] and a in Eq. (5) for the four tested sands

a) 180 Sand 1 b) 160 Sand 2 p [kPa] =


400
160 140 300
140 200
120 150
Steifemodul Es [MPa]

Steifemodul Es [MPa]
120 100
100
75
100
80 50
80
60
60
40 40

20 20
0 0
0,55 0,60 0,65 0,70 0,75 0,80 0,85 0,90 0,55 0,60 0,65 0,70 0,75 0,80 0,85
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

c) d)
140 Sand 3 120 Sand 4
120 100

100
Steifemodul Es [MPa]
Steifemodul Es [MPa]

80
80
60
60
40
40
20
20

0 0
0,50 0,55 0,60 0,65 0,70 0,75 0,80 0,85 0,40 0,45 0,50 0,55
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

Fig. 8: Ödometrischer Steifemodul Es als Funktion der Porenzahl e für unterschiedliche mittlere Drücke p
Fig. 8: Oedometric stiffness Es as a function of void ratio e for different mean pressures p

gleicher Porenzahl weisen die enggestuften Sande 1 bis Anfangslagerungsdichten durchgeführt. Die isotrope
3 wesentlich größere Steifemoduli als der weitgestufte Spannung (p = σ1 = σ3 ) wurde in sieben Druckstufen
Sand 4 auf. Im Fall der enggestuften Sande wurden gesteigert (p = 50, 75, 100, 150, 200, 300 und 400
bei den kleineren Porenzahlen Steifemoduli gemessen, kPa). Zwischen den Messungen von vP in den einzelnen
die mit steigendem mittleren Korndurchmesser d50 ab- Druckstufen lag eine 15-minütige Wartezeit. Die Verfor-
nehmen. mungen der trockenen Proben wurden mit einem We-
gaufnehmer (axiale Richtung) und mit berührungslosen
5 Dynamischer Steifemodul Es,dyn Wegsensoren (seitliche Richtung) gemessen. Das Bild 11
Der dynamische Steifemodul Es,dyn wurde aus Mes- zeigt den dynamischen Steifemodul Es,dyn als Funktion
sungen der Kompressionswellengeschwindigkeit vP = des Druckes und der Porenzahl.
p
Es,dyn /% in einer Triaxialzelle ermittelt (Bild 10). Das Das Bild 12 vergleicht die gemessenen Steifemod-
Versuchsgerät und die Messtechnik wurden ausführlich uli Es,dyn (e) der vier Sande für die Druckstufe p
in [7] vorgestellt. Analog zu den Ödometerversuchen = 200 kPa. Im Hinblick auf die im Abschnitt 7
wurden für jeden Sand Versuche mit unterschiedlichen noch erläuterte wesentlich geringere dynamische Schub-

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a) Sand 1 b) 800 Sand 2


600
600
Es,dyn [MPa]

Es,dyn [MPa]
400
400

200
200

0 0
0,56 0,64 0,72 0,80 0,88 0,56 0,64 0,72 0,80 0,88
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]
p [kPa] =
c) d) 400
800 Sand 3 1000 Sand 4 300
200
150
800
600 100
75
Es,dyn [MPa]

Es,dyn [MPa]
50
600
400
400

200
200

0 0
0,56 0,64 0,72 0,80 0,88 0,40 0,48 0,56 0,64 0,72
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

Fig. 11: Dynamischer Steifemodul Es,dyn als Funktion der Porenzahl e für unterschiedliche mittlere Drücke p
Fig. 11: Dynamic stiffness Es,dyn as a function of void ratio e for different mean pressures p

140
Sand 1 Piezoelektrische
120 Elemente:
Sand 2
Sand 3
Steifemodul Es [MPa]

100 Kompressions-
Sand 4 Output
element (CE)
80 vP
Scherelement
tt
60 (SP) vS
Biegeelement
40 Input
(BE) vS
20 Bodenprobe
(d = 10 cm,
0 h = 20 cm)
0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9
Porenzahl e [-] Fig. 10: Triaxialgerät mit piezoelektrischen Elementen zur
Messung von P- und S-Wellengeschwindigkeiten
Fig. 9: Ödometrischer Steifemodul Es (e) für die vier Fig. 10: Triaxial device with piezoelectric elements for the
getesteten Sande bei p = 200 kPa measurement of P and S wave velocities
Fig. 9: Oedometric stiffness Es (e) for the four tested sands
at p = 200 kPa
drei Sande.
Die Beschreibung von Es,dyn (e, p) erfolgt in An-
steifigkeit Gdyn des ungleichförmigen Bodens im Ver- lehnung an Gleichung (1) durch
gleich zu den gleichförmigen Böden bei e = kon-
(aE − e)2
stant überrascht es, dass im Bild 12 kaum eine Es,dyn = AE patm 1−nE pnE . (6)
Abhängigkeit der P-Wellengeschwindigkeit bzw. des 1+e
daraus ermittelten Steifemoduls Es,dyn von der Ko- Darin ist patm = 100 kPa der atmosphärische Druck. Die
rngrößenverteilungskurve festzustellen ist. Für eine bes- Konstanten AE , aE und nE sind in Tabelle 4 zusam-
timmte Porenzahl e sind lediglich die Werte Es,dyn des mengestellt. Die durchgezogenen Kurven in Bild 11
Grobsandes 3 etwas größer als diejenigen der anderen entsprechen der Gleichung (6) mit den Konstanten der

6
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700 dere für größere Drücke und kleinere Porenzahlen, d.h.


Sand 1 größere Werte von Es , innerhalb der in Bild 2 angegebe-
Dyn. Steifemodul Es,dyn [MPa]

600 Sand 2 nen Bandbreite. Mit zunehmendem mittleren Korn-


Sand 3 durchmesser d50 wurde bei den enggestuften Sanden 1
Sand 4
bis 3 für einen bestimmten Wert von Es eine Zunahme
500
des Verhältnisses Es,dyn /Es gemessen. So liegen die
Verhältnisse Es,dyn /Es im Fall des Mittel- und Grob-
400 sandes 2 zum größten Teil leicht unterhalb der oberen
Grenze des in Bild 2 grau hinterlegten Bereiches. Im Fall
300 des Grobsandes 3 liegen die gemessenen Verhältniswerte
Es,dyn /Es bereits oberhalb des in [4] empfohlenen Able-
200
sebereiches. Beim ungleichförmigen Sand 4 unterschätzt
0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 die in Bild 2 angegebene Bandbreite das tatsächliche
Porenzahl e [-] Verhältnis Es,dyn /Es deutlich (Faktor 1,5 bis 3). Aus
Bild 13 kann demnach geschlossen werden, dass das Di-
Fig. 12: Dynamischer Steifemodul Es,dyn (e) für die vier agramm in Bild 2 nur für enggestufte Fein- bis Mittel-
getesteten Sande bei p = 200 kPa sande angewandt werden sollte.
Fig. 12: Dynamic stiffness Es,dyn (e) for the four tested sands
at p = 200 kPa
7 Dynamischer Schubmodul Gdyn und
Querdehnzahl ν
Sand AE aE nE
Aus den Bildern 2 bzw. 13 erhält man für einen bes-
[-] [-] [-]
timmten ödometrischen Steifemodul Es den dynamis-
1 585 3,52 0,43 chen Steifemodul Es,dyn . Zumeist benötigt man jedoch
2 1820 2,36 0,40 den dynamischen Schubmodul Gdyn , der aus Gleichung
3 1914 2,46 0,38 (2) unter Annahme einer Querdehnzahl ν berechnet
4 3074 1,91 0,43 wird. In [4] wird für Sand und Kies 0, 25 ≤ ν ≤ 0, 35
empfohlen. Die P-Wellenmessungen in der Triaxialzelle
wurden um Resonant-Column-(RC)-Versuche zur Bes-
Table 4: Konstanten AE , aE und nE der Gleichung (6) für timmung des dynamischen Schubmoduls Gdyn ergänzt
die vier getesteten Sande (S-Wellenmessungen in der Triaxialzelle wurden leider
Tab. 4: Constants AE , aE and nE of Eq. (6) for the four nicht vorgenommen, RC-Versuche liefern jedoch nahezu
tested sands
identische Werte [7]). Das Versuchsgerät ist in Bild 14
dargestellt und wurde in [7] ausführlich beschrieben. Die
Tabelle 4. annähernd isotrope Spannung (eine leichte Anisotropie
resultiert aus dem Gewicht des Erregerkopfes [7]) wurde
analog zu den P-Wellenmessungen in der Triaxialzelle in
6 Korrelation des ödometrischen Steifemoduls sieben Druckstufen gesteigert (p = 50, 75, 100, 150, 200,
Es mit dem dynamischen Steifemodul Es,dyn 300 und 400 kPa). Bei jedem Druck wurde Gdyn nach
Mit den Ergebnissen der Ödometerversuche (Abschnitt einer 15-minütigen Wartezeit gemessen. Verformungen
4, Gleichung (5)) und der P-Wellenmessungen (Ab- der Probe infolge der Druckerhöhung wurden lokal mit
schnitt 5, Gleichung (6)) wurden die Diagramme in Bild berührungslosen Wegaufnehmern ermittelt.
13 erstellt. Sie zeigen für die vier Sande das Verhältnis
Es,dyn /Es als Funktion von Es . Ein Wertepaar Erregerkopf
Es ,Es,dyn wurde für den gleichen mittleren Druck p er- elektrodynamische
mittelt. Dabei ist zu bedenken, dass der Spannungszu- Schwingerreger
stand im Ödometer anisotrop (σ1 > σ3 ) und bei der P- Beschleunigungs-
Wellenmessung isotrop (σ1 = σ3 ) ist. Ein Vergleich der aufnehmer
Steifigkeiten Es und Es,dyn für p = konstant ist dennoch Plexiglaszylinder
gerechtfertigt, da sich eine Spannungsanisotropie erst Bodenprobe
bei Spannungsverhältnissen σ1 /σ3 nahe dem Bruchzu- berührungslose
stand in einer Veränderung der dynamischen Steifigkeit Wegaufnehmer
bemerkbar macht [13]. Die Auswertung der Beziehung Druckzelle
Es,dyn /Es ↔ Es erfolgte für eine im Bild 13 angegebene drehbarer Sockel
Bandbreite der Porenzahlen im Abstand ∆e = 0, 01 (= Kugellager
Abstand zweier Datenpunkte).
Die Kurven für unterschiedliche Druckniveaus p wer- Fig. 14: Schema des Resonant-Column-Gerät
den im Bild 13 mit dem grau hinterlegten Bereich aus Fig. 14: Scheme of the resonant column device
Bild 2 verglichen. Für den Fein- und Mittelsand 1
liegen die gemessenen Verhältnisse Es,dyn /Es insbeson- Das Bild 15 stellt den dynamischen Schubmodul für

7
Wichtmann & Triantafyllidis Bautechnik 83(7), 2006, S. 482-491

a) 50 Sand 1 b) 50 Sand 2 p [kPa] =


400
300
20 20 200
150
100
Es,dyn / Es [-]

Es,dyn / Es [-]
10 10 75
50
5 5

2 Auswertung für 2 Auswertung für


e = 0,55 - 0,85 e = 0,55 - 0,85
1 1
5 10 20 50 100 200 500 5 10 20 50 100 200 500
Es [MPa] Es [MPa]

c) Sand 3 d)
50 50 Sand 4

20 20
Es,dyn / Es [-]

Es,dyn / Es [-]
10 10

5 5

2 Auswertung für 2 Auswertung für


e = 0,55 - 0,85 e = 0,40 - 0,60

1 1
5 10 20 50 100 200 500 5 10 20 50 100 200 500
Es [MPa] Es [MPa]

Fig. 13: Faktor Es,dyn /Es als Funktion von Es (grau hinterlegter Bereich entspricht der in Bild 2 angegebenen Bandbreite)
Fig. 13: Factor Es,dyn /Es as a function of Es (shadowed area coincides with the band width given in Fig. 2)

die vier Sande als Funktion des mittleren Druckes p 250


und der Porenzahl e dar. In Bild 16 sind die Kurven Sand 1
Dyn. Schubmodul Gdyn [MPa]

Gdyn (e) der vier Sande für die Druckstufe p = 200 kPa Sand 2
200
Sand 3
gegenübergestellt. In Übereinstimmung mit früheren Sand 4
Versuchsergebnissen [10] sind die Schubsteifigkeiten für 150
die enggestuften Sande bei einer gleichen Porenzahl na-
hezu unabhängig von d50 (etwas größere Steifigkeiten
wurden für den gröbsten Sand 3 gemessen). Der ungle- 100
ichförmige Sand weist bei e = konstant wesentlich gerin-
gere Werte von Gdyn auf als die enggestuften Sande. 50
Die Abhängigkeit Gdyn (e, p) kann durch die dimen-
sionsreine Variante der Gleichung (1) 0
0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9
(aG − e)2 Porenzahl e [-]
Gdyn = AG patm 1−nG pnG (7)
1+e
Fig. 16: Dynamischer Schubmodul Gdyn (e) für die vier
beschrieben werden. Die aus einer Kurvenanpassung getesteten Sande bei p = 200 kPa
Fig. 16: Dynamic shear modulus Gdyn (e) for the four tested
erhaltenen Materialkonstanten AG , aG und nG sind in
sands at p = 200 kPa
Tabelle 5 zusammengestellt. Die gute Approximation
der Messdaten durch die Gleichung (7) und die Kon- s
stanten der Tabelle 5 zeigen die durchgezogenen Linien α α
2
α−2
im Bild 15. ν = + − (9)
4(1 − α) 4(1 − α) 2(1 − α)
Die Querdehnzahl ν erhält man bei bekannten Aus-
breitungsgeschwindigkeiten der Kompressions- (vP ) und mit α = Es,dyn /Gdyn . Gleichung (9) wurde mit den Gle-
der Scherwelle (vS ) aus ichungen (6) und (7) sowie den Konstanten der Tabellen
4 und 5 für die vier Sande ausgewertet. Die daraus erhal-
2 − (vP /vS )2 tenen Querdehnzahlen ν sind im Bild 17 in Abhängigkeit
ν = bzw. (8)
2 − 2 (vP /vS )
2 der Porenzahl e und des mittleren Druckes p dargestellt.

8
Wichtmann & Triantafyllidis Bautechnik 83(7), 2006, S. 482-491

a) 300 Sand 1 b) 300 Sand 2


250 250

Gdyn [MPa] 200 200

Gdyn [MPa]
150 150

100 100

50 50

0 0
0,55 0,60 0,65 0,70 0,75 0,80 0,50 0,55 0,60 0,65 0,70 0,75
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

c) 300 Sand 3 d) 300 Sand 4 p [kPa] =


400
250 250 300
200
200 150
200
Gdyn [MPa]

100

Gdyn [MPa]
75
150 150 50

100 100

50 50

0 0
0,55 0,60 0,65 0,70 0,75 0,80 0,40 0,45 0,50 0,55 0,60 0,65
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

Fig. 15: Dynamischer Schubmodul Gdyn als Funktion der Porenzahl e und des mittleren Druckes p für die vier getesteten
Sande
Fig. 15: Dynamic shear modulus Gdyn as a function of void ratio e and mean pressure p for the four tested sands

Sand AG aG nG 0, 375 Es,dyn und für ν = 0, 4 gilt Gdyn = 0, 167 Es,dyn .


[-] [-] [-] Die Diagramme in Bild 17 können zu einer genaueren
1 1196 1,84 0,45 Abschätzung der Querdehnzahl herangezogen werden.
2 2513 1,46 0,43
3 1288 1,90 0,42 8 Korrelation von Es mit Gdyn
4 1409 1,47 0,53 Die Bestimmung von Gdyn aus Es lässt sich abkürzen,
indem man beide Größen direkt miteinander korre-
liert. Solche Diagramme, die das Verhältnis Gdyn /Es als
Table 5: Konstanten AG , aG und nG der Gleichung (7) für
Funktion von Es zeigen, enthält das Bild 18. Die dort
die vier getesteten Sande
angegebenen Bandbreiten für die untersuchten Drücke
Constants AG , aG and nG of Equation (7) for the four tested
sands und Porenzahlen sollten in jedem Fall genauere Werte
für Gdyn liefern als das Diagramm in Bild 2 in Kombi-
nation mit der Annahme einer Querdehnzahl.
Für alle vier getesteten Sande steigt ν mit der Poren- Natürlich hängt eine Abschätzung von Gdyn aus
zahl e. Mit zunehmendem mittleren Korndurchmesser Es in entscheidender Weise von der Qualität des Ein-
d50 und mit zunehmender Ungleichförmigkeitszahl U gangswertes Es ab. Verwendet man hierfür grobe
ist diese Zunahme weniger stark ausgeprägt. Die le- Erfahrungswerte, wird auch eine verbesserte Korre-
ichte Spannungsabhängigkeit resultiert aus den etwas lation Es ↔ Gdyn , wie sie Bild 18 enthält, wenig
unterschiedlichen Werten der Konstanten nE und nG nützen. Eingangswerte für die Korrelationsdiagramme
in den Gleichungen (6) und (7). Für die enggestuften sollten daher die Ergebnisse qualitativ hochwertiger
Sande 1 bis 3 liegen die Querdehnzahlen im Bereich Ödometerversuche sein.
0, 18 ≤ ν ≤ 0, 37. Für den weitgestuften Sand 4 wurden Am Lehrstuhl für Grundbau und Bodenmechanik
größere Werte 0, 34 ≤ ν ≤ 0, 43 ermittelt. der RUB läuft zur Zeit eine umfangreiche Untersuchung
Der Fehler, der sich (zusätzlich zu der aus Bild 2 zum Einfluss der Korngrößenverteilungskurve nicht-
resultierenden Ungenauigkeit) aus einer falschen Ab- bindiger Böden auf die dynamische Schubsteifigkeit
schätzung der Querdehnzahl ergibt, kann beträchtlich Gdyn . Hierfür werden Versuchsreihen im Resonant-
sein. So erhält man für ν = 0, 2 die Beziehung Gdyn = Column-Gerät durchgeführt. Ziel ist es u.a., die Kon-

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Wichtmann & Triantafyllidis Bautechnik 83(7), 2006, S. 482-491

0,5 Sand 1 0,5 Sand 2

0,4 0,4 p = 50 kPa


Querdehnzahl ν [-]

Querdehnzahl ν [-]
p = 50 kPa
0,3 0,3

p = 400 kPa
0,2 0,2
p = 400 kPa
0,1 0,1

0 0
0,56 0,64 0,72 0,80 0,88 0,56 0,64 0,72 0,80 0,88
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

0,5 Sand 3 0,5 Sand 4


p = 50 kPa
0,4 0,4
Querdehnzahl ν [-]

Querdehnzahl ν [-]
p = 50 kPa
0,3 0,3
p = 400 kPa

0,2 p = 400 kPa 0,2

0,1 0,1

0 0
0,64 0,72 0,80 0,88 0,40 0,48 0,56 0,64 0,72
Porenzahl e [-] Porenzahl e [-]

Fig. 17: Querdehnzahl ν als Funktion der Porenzahl e und des mittleren Druckes p für die vier getesteten Sande
Fig. 17: Poisson’s ratio ν as a function of void ratio e and mean pressure p for the four tested sands

a) 10 Sand 1 b) 10 Sand 2 p [kPa] =


400
300
200
5 5 150
100
Gdyn/Es [-]

Gdyn/Es [-]

75
50

2 2

Auswertung für Auswertung für


e = 0,55 - 0,85 e = 0,55 - 0,85
1 1
5 10 20 50 100 200 500 5 10 20 50 100 200 500
Es [MPa] Es [MPa]

c) d)
10 Sand 3 10 Sand 4

5 5
Gdyn/Es [-]

Gdyn/Es [-]

2 2
Auswertung für Auswertung für
e = 0,55 - 0,85 e = 0,40 - 0,60

1 1
5 10 20 50 100 200 500 5 10 20 50 100 200 500
Es [MPa] Es [MPa]

Fig. 18: Korrelation des dynamischen Schubmoduls Gdyn mit dem ödometrischen Steifemodul Es
Fig. 18: Correlation of the dynamic shear modulus Gdyn with the oedometric stiffness Es

10
Wichtmann & Triantafyllidis Bautechnik 83(7), 2006, S. 482-491

stanten der Gleichung (7) mit der Granulometrie (ins- [7] T. Wichtmann and T. Triantafyllidis. Dynamis-
besondere mit der Ungleichförmigkeitszahl U ) zu korre- che Steifigkeit und Dämpfung von Sand bei kleinen
lieren. Solch ein empirischer Ansatz mit geschlossenen Dehnungen. Bautechnik, 82(4):236–246, 2005.
Gleichungen wird bessere Abschätzungen des dynamis-
chen Schubmoduls Gdyn ermöglichen als Korrelationsdi- [8] B.O. Hardin and F.E. Richart Jr. Elastic wave
agramme Es ↔ Es,dyn bzw. Es ↔ Gdyn . velocities in granular soils. Journal of the
Soil Mechanics and Foundations Division, ASCE,
89(SM1):33–65, 1963.
9 Zusammenfassung
[9] B.O. Hardin and W.L. Black. Sand stiffness
Dieser Aufsatz diskutiert eine häufig verwendete under various triaxial stresses. Journal of the
Korrelation des ödometrischen Steifemoduls Es mit Soil Mechanics and Foundations Division, ASCE,
dem dynamischen Steifemodul Es,dyn bzw. mit 92(SM2):27–42, 1966.
dem dynamischen Schubmodul Gdyn . Dazu wurden
Ödometerversuche, P-Wellenmessungen in einer Triaxi- [10] T. Wichtmann and T. Triantafyllidis. Über den
alzelle sowie Resonant-Column-Versuche an vier Sanden Einfluss der Kornverteilungskurve auf das dynamis-
mit unterschiedlichen Korngrößenverteilungskurven che und das kumulative Verhalten nichtbindiger
durchgeführt. Die Auswertung dieser Versuche Böden. Bautechnik, 82(6):378–386, 2005.
zeigt, dass die bisher verwendete Korrelation nur für
[11] I. Alpan. The Geotechnical Properties of Soils.
enggestufte Fein- bis Mittelsande angewandt werden
Earth Science Reviews, Elsevier, (6):5–49, 1970.
sollte. Für gröbere enggestufte Sande und Kiese sowie
weitgestufte Böden wird das Verhältnis Es,dyn /Es zum [12] E DIN 18135:1999-06 ”Baugrund - Untersuchung
Teil signifikant unterschätzt. Weitere Fehler können von Bodenproben - Eindimensionaler Kompres-
aus der Abschätzung der Querdehnzahl resultieren, sionsversuch”, 1999.
die für die Umrechnung von Es,dyn in Gdyn benötigt
wird. Dieser Beitrag gibt Anhaltswerte von ν für die [13] P. Yu and F.E. Richart Jr. Stress ratio effects on
unterschiedlichen Sande an. Außerdem wurde eine shear modulus of dry sands. Journal of Geotechni-
auf den Messdaten basierende Korrelation von Gdyn cal Engineering, ASCE, 110(3):331–345, 1984.
mit Es entwickelt. Sie liefert realistischere Werte für
Gdyn als die bisher verwendete Korrelation in Bild 2, Autoren dieses Beitrages:
ist aber ebenso wie diese auf qualitativ hochwertige Dr.-Ing. Torsten Wichtmann, Univ.-Prof. Dr.-Ing. ha-
Eingangswerte von Es angewiesen. bil. Theodor Triantafyllidis, Ruhr-Universität Bochum,
Lehrstuhl für Grundbau und Bodenmechanik, Univer-
sitätsstraße 150, 44780 Bochum
References
[1] T. Wichtmann, A. Niemunis, and T. Triantafyl-
lidis. Setzungsakkumulation in nichtbindigen
Böden unter hochzyklischer Belastung. Bautechnik,
82(1):18–27, 2005.

[2] T. Wichtmann, A. Niemunis, and T. Triantafyllidis.


FE-Prognose der Setzung von Flachgründungen
auf Sand unter zyklischer Belastung. Bautechnik,
82(12):902–911, 2005.

[3] F.E.Jr. Richart, J.R.Jr. Hall, and R.D. Woods. Vi-


brations of Soils and Foundations. Prentice-Hall,
Englewood Cliffs, New Jersey, 1970.

[4] Empfehlungen des Arbeitskreises 1.4 ”Baugrunddy-


namik” der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik
e.V. (DGGT), 2001.

[5] G. Gazetas. Foundation Engineering Handbook,


2nd Edition, chapter 15: Foundation vibrations,
pages 553–593. 1991.

[6] B.O. Hardin and V.P. Drnevich. Shear modulus


and damping in soils: design equations and curves.
Journal of the Soil Mechanics and Foundations Di-
vision, ASCE, 98(SM7):667–692, 1972.

11