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Information des Konzernbetriebsrates für

Beschäftigte in den Unternehmen des


AWO-Bezirks Westliches Westfalen e.V.

Nr. 1/2016 Dortmund, den 20.04.2016

Mein Kind ist krank!


„Kinderkrankengeld“ und/oder Arbeitsbefreiung!?
Beschäftigte mit Kindern haben es nicht immer leicht, sowohl ihre arbeitsrecht-
lichen als auch ihre persönlichen Pflichten unter einen Hut zu kriegen. Das wird vor
allem bei der Erkrankung eines Kindes offensichtlich. Gesetzliche und tarifliche
Regelungen sollen jedoch eine sog. Pflichtenkollision vermeiden helfen.

Denn für solche Fälle enthält das bürger- Arbeitgeber einen Anspruch auf bezahlte
liche Gesetzbuch eine grundsätzliche Freistellung hat. 2
Regelung. Wenn Beschäftigte aus einem Deshalb verwundert es nicht, dass im TV
Grund, den sie selbst nicht zu vertreten AWO NRW eine Entgeltzahlung für den
haben, an der Erfüllung ihrer Arbeitspflich- Fall ausgeschlossen wird, dass Arbeits-
ten gehindert sind, muss sie der Arbeit- tage wegen schwerer Erkrankung eines
geber von der Arbeit freistellen. Für einen Kindes unter 12 Jahren ausfallen, für die
geringen Zeitraum muss er – für den Fall der/die Beschäftigte Anspruch auf
das der/die betroffene Beschäftigte kein Krankengeld hat. 3
Anspruch gegenüber einer Kranken- oder
Unfallversicherung geltend machen kann … oder Entgeltfortzahlung
– das Entgelt weiter bezahlen.1
Tatsächlich gibt es Fälle, in denen Be-
schäftigte kein Krankengeld beanspru-
entweder Krankengeld … chen können. Dies ist z.B. der Fall,
Das entsprechende Sozialgesetzbuch
schließt die Zahlung von Krankengeld im
Falle der Erkrankung eines Kindes aus,
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wenn der/die Beschäftigte gegenüber dem

2
siehe § 45 Absatz 4 SGB V
1 3
§ 616 BGB siehe § 32 Absatz 1 Buchstaben e) bb)

1
a) bei krankenversicherungsfreien Be- Gesetzlich Krankenversicherte haben An-
schäftigten 4 wie z.B. spruch auf Krankengeld, wenn sie zur
Beschäftigte, deren regelmäßiges Ein- Beaufsichtigung, Betreuung oder Pflege
kommen die Jahresarbeitsentgeltgren- ihres erkrankten und versicherten Kindes
ze übersteigt (wobei Zuschläge, die mit der Arbeit fernbleiben müssen, sofern das
Rücksicht auf den Familienstand ge- Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht
zahlt werden, unberücksichtigt bleiben) vollendet hat oder behindert und auf Hilfe
oder angewiesen ist. Das Krankengeld wird
Beschäftigte, die während der Dauer längstens für 10 Arbeitstage, bei allein-
ihres Studiums (als Studierende einer erziehenden Versicherten längstens für 20
Hochschule oder einer der fachlichen Arbeitstage in jedem Kalenderjahr gezahlt.
Ausbildung dienenden Schule) gegen Bei Erkrankung weiterer Kinder können
Arbeitsentgelt beschäftigt sind Versicherte insgesamt nicht mehr als 25
oder Arbeitstage, alleinerziehende Versicherte
privat versicherte Beschäftigte. nicht mehr als 50 Arbeitstage je
b) wenn das erkrankte Kind selbst nicht Kalenderjahr Krankengeld erhalten.8
gesetzlich krankenversichert ist 5. Krankengeld für einen längeren, nicht be-
c) bei Beschäftigten, die z.B. an Leistun- fristeten Zeitraum gibt es nur dann, wenn
gen zur Teilhabe am Arbeitsleben teil- das Kind an einer Erkrankung leidet,
nehmen 6. a) die fortschreitende verläuft und bereits
d) Auszubildende, deren Ausbildung unter ein weit fortgeschrittenes Stadium erreicht
das Berufsbildungsgesetz (BBiG) fällt. 7 hat,
b) bei der eine Heilung ausgeschlossen
und eine palliativmedizinische Behandlung
notwendig oder von einem Elternteil
erwünscht ist und
c) die lediglich eine begrenzte Lebens-
erwartung von Wochen oder wenigen
Monaten erwarten lässt.9

Entgeltfortzahlungsanspruch
Beschäftigte, die keinen Krankengeldan-
spruch haben und bei einem Arbeitgeber
arbeiten, bei dem der TV AWO NRW gilt,
erhalten bei Erkrankung eines Kindes
unter 12 Jahren stattdessen eine
Entgeltfortzahlung für bis zu 4 Tage im
Kalenderjahr10 und bei Erkrankung eines
weiteren Kindes bis zu insgesamt 5 Tage
im Kalenderjahr 11.
Auszubildende, deren Ausbildung unter
das Berufsbildungsgesetz (BBiG) fällt,
haben zur Pflege und Betreuung ihres
Kindes Anspruch auf eine sechswöchige
Entgeltfortzahlung statt auf Krankengeld.12
Krankengeldanspruch
8
§ 45 Absatz 2 Satz 1 und 2 SGB V
4 9
gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 13 i.V.m. § 6 Abs. 1 SGB V siehe § 45 Absatz 4 SGB V
5 10
siehe Urteil des BSG vom 31.03.1998, gemäß § 32 Absatz 1 Buchstaben e) bb)
11
Az.: B 1 KR 9/96R siehe Urteil des BAG vom 05.08.2014,
6
gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 6 SGB V Az.: 9 AZR 878/12
7 12
siehe § 19 Absatz 1 Nr. 2. b) BBiG siehe § 19 Absatz 1 Nr. 2. b) BBiG

2
Freistellungsanspruch Kinder im Haushalt
Für den Zeitraum, für den Beschäftigte Das erkrankte Kind, welches im Haushalt
Krankengeld erhalten, müssen sie von des/der Beschäftigten lebt, muss nicht das
ihrem Arbeitgeber von der Arbeit befreit leibliche sein, um Krankengeld oder Ar-
werden. Den gleichen Anspruch haben beitsbefreiung mit und ohne Entgelt-
aber auch die Beschäftigten, die kein zahlung beantragen zu können. Der An-
Krankengeld erhalten, unabhängig davon, spruch auf Freistellung besteht auch für
ob und wie viele Tage vom Arbeitgeber zu Stiefkinder (einschließlich Kinder des
bezahlen sind.13 Lebenspartners), Enkelkinder, Pflegekin-
der oder adoptierte bzw. zur adoptierende
andere Betreuungsperson Kinder.16

Anspruch für Kinder über 12


Von den oben genannten Ausnahmen
abgesehen (schwerstkranke, behinderte
bzw. dauernd pflegebedürftige Kinder) ha-
ben Beschäftigte mit Kindern über 12 Jah-
ren i.d.R. keinen Anspruch auf Kranken-
geld oder auf Arbeitsbefreiung. In diesem
Fall kann ein freier Arbeitstag je Kalen-
derjahr wegen schwerer Erkrankung eines
Angehörigen gestellt werden.17 Insgesamt
können aber fünf Arbeitstage im
Kalenderjahr nicht überschritten werden.18

Die Arbeitsbefreiung dient lediglich dem weitere Möglichkeiten


Zweck, „sofort“ und „vorläufig“ die Pflege
Wenn das Kontingent an bezahlten freien
des kranken Kindes sicherzustellen. Der
Tagen erschöpft ist, wäre es noch mög-
Arbeitnehmer kann deshalb für die ersten
lich, einen Antrag auf Arbeitsbefreiung
Tage der Erkrankung eines solchen Kin-
ohne Entgeltfortzahlung oder mit Nach-
des im Allgemeinen nicht darauf verwie-
arbeit der ausgefallen Arbeitstage (sog.
sen werden, dass außerhalb des Haus-
begründeter Fall) zu stellen.19 Für diejeni-
halts lebende Personen das Kind pflegen
gen Beschäftigten, die keinen Kranken-
oder betreuen könnten 14. Sinnvoll ist es
geldanspruch haben, dienen mindestens
trotzdem, sich sofort darum zu bemühen,
die gesetzlich zugesicherten Arbeits-
dass recht bald eine andere Person die
befreiungstage als Maß. Soweit Beschäf-
Pflege wahrnimmt.
tigte über ein Arbeitszeitkonto verfügen,
Erkrankt dann aber auch noch die Be-
können sie ihr Zeitguthaben abbauen.
treuungsperson selbst, kann der Beschäf-
Darüber hinaus könnte noch ein Antrag
tigte innerhalb eines Zeitraumes von
auf Gewährung von Erholungsurlaub
einem Jahr Arbeitsbefreiung mit Entgelt-
gestellt werden. 20 weiter auf S. 4
fortzahlung für bis zu vier Arbeitstage be-
antragen. Diese Möglichkeit besteht aber
nur, wenn das Kind das 8. Lebensjahr 16
siehe § 10 Absatz 4 SGB V
noch nicht vollendet hat oder wegen kör- 17
§ 32 Absatz 1 Buchstaben e) aa) TV AWO NRW
18
perlicher, geistiger oder seelischer Behin- § 32 Absatz 1 Buchstabe e) letzter Satz TV
derung dauernd pflegebedürftig ist.15 AWO NRW
19
siehe § 32 Absatz 3 Satz 2 TV AWO NRW
20
siehe Urteil des LAG Hamm vom 15.12.2011,
13
siehe § 45 Absatz 5 SGB V Az.: 11 Sa 1006/11
14
siehe Urteil des BAG vom 19.04.1978, beachte auch Urteile des BAG vom 19.04.1978,
Az.: 5 AZR 834/76 Az.: 5 AZR 834/76, sowie vom 21.05.1992,
15
§ 32 Absatz 1 Buchstaben e) cc) TV AWO NRW Az.: 2 AZR 10/92

3
Vorlage einer
ärztlichen Bescheinigung
Bei der Beantragung von Krankengeld
muss eine ärztliche Bescheinigung vor-
gelegt werden, aus der hervorgeht, dass
das Kind so krank ist, dass es beauf-
sichtigt, betreut oder gepflegt werden
muss. Für den gleichzeitig zu stellenden
Antrag auf Arbeitsbefreiung ohne Entgelt-
fortzahlung reicht es ggfs. aus, dem
Arbeitgeber eine Bescheinigung der Kran-
kenkasse vorzulegen.
Beschäftigte, die keinen Anspruch auf
Krankengeld haben oder die Arbeitsbe-
freiung für ein Kind über 12 Jahren bean-
tragen, müssen die ärztliche Bescheini-
gung beim Arbeitgeber einreichen, sobald
sie den Arbeitsbefreiungsantrag stellen.

Nachweis über
Unabkömmlichkeit
Gegenüber der Krankenkasse muss i.d.R.
auch der Nachweis erbracht werden, dass
es im Haushalt des/der Beschäftigten
keine andere Person gibt, die die Be-
treuung übernehmen kann.
Diese Erklärung ist auch gegenüber dem
Arbeitgeber abzugeben, wenn kein
Anspruch auf Krankengeldzahlung besteht
und stattdessen Arbeitsbefreiung mit oder
ohne Entgeltfortzahlung beantragt wird.

V.i.S.d.P.:
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