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Mensch und Hund verarbeiten Sprache ähnlich - wissenschaft.

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Gesellschaft+Psychologie

Mensch und Hund


verarbeiten Sprache ähnlich
3. August 2020

Forscher untersuchen die Hirnreaktionen


von Hunden auf Sprache durch funktionelle
Magnetresonanztomographie. (Bild: Eniko
Kubinyi / Eötvös Loránd University)

Vorlesen

„Sitz! Das hast du fein gemacht!“ Wie erfassen


Hunde, was und wie wir ihnen etwas sagen?
Eine Studie zeigt nun, dass das Gehirn der
Vierbeiner bei der Sprachverarbeitung
hierarchisch vorgeht – genau wie das unsrige:
Die Emotion vermittelnde Tonlage wird durch
grundlegendere Hirnebenen erfasst, die
Wortbedeutung hingegen in den höher
entwickelten Regionen des Cortex. Dabei

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handelt es sich um eine interessante Parallele


zwischen der Arbeitsweise des menschlichen
Gehirns und der einer Spezies ohne
gesprochene Sprache, sagen die Forscher.

Sie können hunderte von unterschiedlichen


Wörtern verstehen und reagieren zudem auf die
emotionalen Botschaften in der Intonation
unserer Sprache. Diese Fähigkeit der Hunde spielt
eine wichtige Rolle bei der innigen Beziehung des
Menschen zu seinem „besten Freund“. Wenn wir
beispielsweise „Sitz!“ sagen, können Hunde dies
dem gewünschten Verhalten zuordnen. Ein Lob
wie „Das hast du fein gemacht!“, verstehen Hunde
zudem als eine positive emotionale Botschaft
anhand der charakteristischen Tonlage, mit der
sie Menschen sprechen. Beide Aspekte der
Sprache spielen auch bei der
zwischenmenschlichen Kommunikation eine
wichtige Rolle und es sind bereits einige Prozesse
bekannt, die dabei im Gehirn ablaufen.

Einblicke ins Hundehirn

Doch geht auch Ähnliches im Gehirn der Hunde


vor? Schon seit einiger Zeit beschäftigen sich
ungarische Forscher mit dieser Frage. „Die
Erforschung der Ähnlichkeiten und Unterschiede
in der Sprachverarbeitung zwischen Hunde- und
Menschengehirnen kann viel zum Verständnis der
Schritte beitragen, die während der Evolution zur
Entstehung der Sprache geführt haben“, sagt Co-
Autorin Anna Gábor von der Eötvös Loránd
Universität in Budapest. Durch Untersuchungen
mittels funktioneller

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Magnetresonanztomographie (fMRI) konnten sie


und ihre Kollegen bereits grundsätzlich zeigen,
dass Hunde die beiden Aspekte der Sprache
separat erfassen: Unterschiedliche Hirnbereiche
scheinen an der Verarbeitung von
Wortbedeutungen und dem emotionalen Tonfall
beteiligt zu sein.

Doch bisher blieb die Frage offen, ob das Gehirn


der Hunde dabei auch eine weitere
charakteristische Funktionsweise mit dem
menschlichen Gegenstück teilt: Wir verarbeiten
die beiden Komponenten der Sprache
hierarchisch. Das bedeutet, dass
evolutionsbiologisch ältere Hirnbereiche des
auditorischen Systems die emotionale
Information der Intonation erfassen, während die
Wortbedeutung auf einer höheren Ebene der
zerebralen Hierarchie verarbeitet wird.

Um zu untersuchen, ob auch das Hundehirn


ähnlich hierarchisch vorgeht, führten die
Wissenschaftler erneut Versuche mit ihren
Hunden durch, die daran gewöhnt sind, ruhig in
einem Magnetresonanz-Tomografen zu liegen.
Die Versuchstiere hörten während der fMRI-
Aufnahmen ihrer Hirnaktivität lobende Ausdrücke
wie „Gut gemacht!“ von ihren Trainern sowie
unbekannte, neutrale Wörter sowohl mit
lobender als auch mit neutraler Intonation.

Um detailliertere Einblicke in die Hirnfunktion zu


gewinnen als zuvor, verwendeten die
Wissenschaftler bei den neuen Tests eine

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spezielle Technik: Sie nutzten den Effekt der


Habituation – den durch Gewöhnung bedingten
Rückgang der Reaktion auf einen wiederholten
Reiz, der ohne Folge bleibt. Der Effekt hat sich in
der Hirnforschung als eine Möglichkeit zur
Untersuchung erwiesen, ob Individuen in der
Lage sind, zwischen bestimmten Reizen zu
unterscheiden, und auch wo die entsprechende
Verarbeitung abläuft.

Menschenähnliche Sprachverarbeitung

„Während der Gehirnabtastung wiederholten wir


manchmal Wörter, manchmal Intonationen“, sagt
Gábor. In dem Rückgang der Aktivität in
bestimmten Hirnarealen spiegelt sich ihre
Beteiligung
Nachrichten an einer Reizverarbeitung
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erklären die Wissenschaftler. So ist auch eine
genaueWeitere
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Weise konnten sie nun bestätigen, dass auch das
Hundegehirn hierarchisch bei der
Sprachverarbeitung reagiert: Intonation aktiviert
niedrige Stufen (subcortikal), während bekannte
Wörter auf höheren Ebenen des Gehirns (in
cortikalen Regionen) verarbeitet werden, ging aus
den Hirnscans hervor.

„Obwohl die Sprachverarbeitung beim Menschen


in vielen Aspekten einzigartig ist, zeigt diese
Studie interessante Ähnlichkeiten zwischen uns
und den Hunden“, resümiert Co-Autor Attila
Andics. Das bedeutete allerdings nicht unbedingt,
dass sich diese hierarchische Verarbeitungsweise
speziell für den Umgang mit Sprache entwickelt
hat“, gibt der Wissenschaftler zu bedenken.

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„Stattdessen könnte sich in dem System ein


allgemeineres, nicht sprachspezifisches
Verarbeitungsprinzip widerspiegeln:
Grundlegendere, emotional geladene Hinweise –
wie die Intonation – werden typischerweise auf
niedrigeren Stufen analysiert, während
komplexere, erlernte Informationen – wie die
Wortbedeutung – bei mehreren Spezies auf
höheren Stufen analysiert werden“, sagt Andics.

Speech processing hierarchy i…

Quelle: Eötvös Loránd Universität, Fachartikel:


Scientific Reports, doi:10.1038/s41598-020-68821-
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3. August 2020

© wissenschaft.de - Martin Vieweg

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