Sie sind auf Seite 1von 5

Geld macht doch glücklich - wissenschaft.

de 1/29/21, 12'15 PM

Nachrichten + Themen Bilder + Videos Rubriken Lexikon Rezensionen


! " # $

Magazin Weitere Angebote

Gesellschaft+Psychologie

Geld macht doch glücklich


18. Januar 2021

Geld macht selbst sehr Reiche noch


glücklich. (Bild: Nattakorn Maneerat/ iStock)

Vorlesen

Sorgt ein höheres Einkommen für mehr


Zufriedenheit? Offenbar ja, legt eine neue
Studie nahe. Anders als frühere
Untersuchungen kommt sie zu dem Ergebnis,
dass das empfundene Glück auch bei
Jahreseinkommen über 75.000 US-Dollar in
gleichem Maße weiter steigt. Unterhalb dieser
Summe steigt das Glücksniveau vor allem durch
die Abnahme negativer Gefühle wie Angst und
Stress. Mit zunehmendem Einkommen oberhalb
von 75.000 US-Dollar nehmen dagegen vor

https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/geld-macht-doch-gluecklich/# Page 1 of 5
Geld macht doch glücklich - wissenschaft.de 1/29/21, 12'15 PM

allem die positiven Gefühle wie Zuversicht und


Stolz zu.

Lohnt es sich, nach einem immer höheren


Einkommen zu streben, in der Hoffnung, dadurch
glücklicher zu werden? Oder erreicht das
Glücksniveau irgendwann ein Plateau, wenn das
Gehalt ausreicht, um einen gewissen
Lebensstandard und finanzielle Sicherheit zu
gewährleisten? Frühere Studien gingen davon
aus, dass Menschen mit einem Jahresverdienst
von deutlich über 75.000 US-Dollar – das
entspricht momentan rund 62.000 Euro – nicht
wesentlich glücklicher sind als solche, die eben
diese Summe zur Verfügung haben. Diese Studien
beruhten allerdings auf retrospektiven
Befragungen und boten nur die Alternativen
„glücklich“ oder „nicht glücklich“, statt eine
differenzierte Skala anzubieten. Somit sind sie nur
eingeschränkt zuverlässig.

Echtzeit-Befragung per Smartphone

Matthew Killingsworth von der University of


Pennsylvania hat die Frage nach dem
Zusammenhang von Glück und Gehalt nun mit
einer neuen Herangehensweise untersucht: Für
seine Studie gaben über 33.000 erwerbstätige US-
Amerikaner mehrfach täglich per Smartphone an,
wie zufrieden sie sich gerade fühlten und welche
positiven und negativen Emotionen sie spürten.
Dabei wählten sie ihre aktuellen Empfindungen
auf einer kontinuierlichen Skala aus. Viele von
ihnen beantworteten zusätzlich Fragen zu ihrer
allgemeinen Lebenszufriedenheit. Insgesamt

https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/geld-macht-doch-gluecklich/# Page 2 of 5
Geld macht doch glücklich - wissenschaft.de 1/29/21, 12'15 PM

wertete Killingsworth 1.725.994 einzelne


Glücksberichte aus.

Das Ergebnis: „Ein höheres Einkommen war


sowohl mit größerem gefühlten Glück als auch
mit einer höheren allgemeinen
Lebenszufriedenheit verbunden“, berichtet
Killingsworth. Dabei stellte er eine annähernd
lineare Beziehung zwischen dem Glücksniveau
und dem Logarithmus des Einkommens fest – das
heißt, eine Steigerung des Einkommens führte zu
einer ebensolchen Steigerung des Glücks. Das
Ausmaß der Glückssteigerung änderte sich auch
nicht bei sehr hohen Einkommen. Ob jemand
30.000 Dollar statt 15.000 Dollar verdient, machte
demnach für das Glück einen genauso großen
Unterschied als ob jemand 300.000 Dollar statt
150.000 Dollar verdient. Dieser Effekt blieb auch
statistisch signifikant, wenn der Autor andere
mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht,
Bildungsstand und Beziehungsstatus
herausrechnete.

Mehr Glück oder weniger Unglück?

Doch woher kommt das gesteigerte


Wohlbefinden? Hängt es vor allem damit
zusammen, dass sich Menschen mit
zunehmendem Wohlstand weniger unwohl
fühlen, oder damit, dass sie sich immer wohler
fühlen? Oder beides? Um diese Frage zu
beantworten, wertete Killingsworth aus, welche
Gefühle die Probanden in den Smartphone-
Befragungen angaben. Insgesamt zeigte sich,
dass mit zunehmendem Einkommen negative

https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/geld-macht-doch-gluecklich/# Page 3 of 5
Geld macht doch glücklich - wissenschaft.de 1/29/21, 12'15 PM

Gefühle wie Angst, Stress, Langeweile und Trauer


abnehmen und positive Gefühle wie Zuversicht,
Interesse, Inspiration und Stolz zunehmen.

„Es gab einige Hinweise darauf, dass ein höheres


Einkommen für Geringverdiener vor allem die
negativen Gefühle reduzierte, während ein
höheres Einkommen für Besserverdiener die
positiven Gefühle überproportional erhöhte“, sagt
Killingsworth. Während die früher angenommene
Grenze von 75.000 US-Dollar für das Glücksniveau
insgesamt keine Rolle spielte, machte sie hier den
Unterschied, ob zunehmendes Glück eher aus
weniger negativen oder aus mehr positiven
Gefühlen resultierte.

Kontrolle und Sicherheit

Doch welche Faktoren sorgen dafür, dass Geld


und Glück zusammenhängen? „Die Antwort auf
diese Frage ist notwendigerweise spekulativ“,
meint Killingsworth. Schließlich seien die Faktoren
mutmaßlich so vielfältig, komplex und
miteinander verknüpft, dass sich kaum einzelne
als besonders ausschlaggebend ausmachen
lassen. „Eine Möglichkeit ist, dass Menschen Geld
ausgeben, um Leiden zu verringern und Freude
zu steigern, und dass marginale Beträge je nach
Einkommen unterschiedlich für diese Ziele
eingesetzt werden“, sagt er. Dafür spricht das
Ergebnis, dass bei Geringverdienern ein höheres
Einkommen vor allem mit weniger negativen
Gefühlen assoziiert war, während sich bei
Besserverdienern stärker die positiven Gefühle
steigern.

https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/geld-macht-doch-gluecklich/# Page 4 of 5
Geld macht doch glücklich - wissenschaft.de 1/29/21, 12'15 PM

„Eine andere Möglichkeit, die mit der ersten nicht


unvereinbar ist, ist, dass größere Einkommen den
Menschen mehr Kontrolle über ihr Leben geben“,
mutmaßt der Forscher. Auch das Gefühl von
finanzieller Sicherheit spiele wahrscheinlich eine
Rolle. Wie wichtig den Probanden Geld war,
unterschied sich nicht zwischen Menschen mit
hohem und niedrigem Einkommen. Allerdings
waren unter den Geringverdienern diejenigen
zufriedener, die angaben, Geld sei für sie nicht
besonders wichtig. Bei den Besserverdienern war
es umgekehrt. „Insgesamt zeigt sich, dass die
früher angenommene Grenze von 75.000 US-
Dollar nicht zutrifft“, fasst Killingsworth
zusammen. „Es mag eine Grenze geben, aber
wenn, dann liegt sie deutlich höher als bisher
gedacht.“

Quelle: Matthew Killingsworth (University of


Pennsylvania), Proceedings of the National
Academy of Sciences, doi:
10.1073/pnas.2016976118

18. Januar 2021

© wissenschaft.de - Elena Bernard

Privacy - Terms

https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/geld-macht-doch-gluecklich/# Page 5 of 5

Das könnte Ihnen auch gefallen