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Migräne ist mehr als Kopfschmerz – die Ursachen - wissenschaft.

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Gesundheit+Medizin

Migräne ist mehr als


Kopfschmerz – die Ursachen
6. Januar 2021

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Vorlesen

Gewöhnliche Kopfschmerzen sind den meisten


Menschen bekannt. Wer aber unter
wiederkehrenden Migräneanfällen leidet, kennt
den Unterschied zum Spannungskopfschmerz.
Der Schmerz ist pulsierend und lähmend. Die
Betroffenen leiden meist sehr unter den
Beschwerden und sind ihnen oft hilflos
ausgeliefert.

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Bewegung, Licht und Geräusche verschlimmern


die Symptome häufig und klassische
Schmerzmittel helfen wenig. Um Migräne effektiv
zu behandeln, ist es wichtig zu wissen, woher die
Migräne kommt. Erfahren Sie hier mehr rund um
die Ursachen der Migräne und über den aktuellen
Stand der Wissenschaft.

Die Formen der Migräne

Die Migräne hat im Gegensatz zum gewöhnlichen


Spannungskopfschmerz viele Gesichter. Bei
manchen Betroffenen tritt sie nur ein- bis zweimal
jährlich auf. Andere leiden mehrmals im Monat
oder sogar täglich unter Migräneattacken.

Zu den starken, anfallsartigen Schmerzen


gesellen sich weitere Symptome wie Übelkeit,
Licht- und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Der
Körper reagiert manchmal auch auf starke
Gerüche und Bewegung. Gelegentlich treten
Sehstörungen auf, die als Migräne-Aura
bezeichnet werden. Eine Migräne mit Aura
kündigt sich meist schon vor dem Kopfschmerz
beispielsweise mit Taubheitsgefühlen und
Sehstörungen an.

Die Migräne zwingt die meisten Betroffenen dazu,


ihren Tagesablauf zu unterbrechen und in
Dunkelheit und Ruhe auszuharren, bis die
schmerzhafte Attacke vergeht.

Wie bekommt man Migräne: Ursachen

Es gibt viele Situationen und Umstände, die als

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Migräne-Auslöser infrage kommen. Diese


sogenannten Trigger können innere und äußere
Ursachen haben. Typische äußere Auslöser sind
verrauchte Räume, Alkohol, flackerndes Licht,
Lärm, starke Gerüche oder Wetterveränderungen.
Auch Nahrungsmittel wie Käse, Zitrusfrüchte oder
Schokolade werden häufig im Zusammenhang
mit einer Migräneattacke genannt, konnten aber
als direkte Auslöser der Attacke noch nicht von
Wissenschaftlern nachgewiesen werden. Innere
Ursachen für eine Migräneattacke sind dagegen
oft ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
und Tagesablauf, Unterzucker, Stress, starke
Emotionen oder hormonelle Veränderungen
durch beispielsweise die Pille. Wer unter immer
wiederkehrenden Migräneattacken leidet, sollte
versuchen, mögliche Auslöser zu vermeiden. Um
die individuellen Ursachen für Migräne zu
identifizieren, kann ein Schmerztagebuch helfen.

Die meisten Migränepatienten haben außerdem


Verwandte im engeren Familienkreis, die
ebenfalls unter Migräne leiden. Daher ist es sehr
wahrscheinlich, dass auch erbliche Faktoren eine
wichtige Rolle bei der Frage spielen, wie man
Migräne bekommt.

Woher kommt die Migräne: Ursachen im


Gehirn

Da nicht jeder Mensch unter Migräne leidet, muss


es zusätzlich zu Erbfaktoren und Triggern noch
grundlegendere Ursachen für Migräne geben.
Woher also kommt die Migräne? Früher hielt man
eine Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn,

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eine kurzzeitige Verengung und folgend eine


plötzliche Erweiterung der Blutgefäße für die
Ursache der Migräne. Inzwischen geht die
Forschung aber davon aus, dass die Migräne
durch eine Störung im Gleichgewichtszustand von
Schmerzzentren des Hirnstamms entsteht. Dieser
bestimmte Bereich im Hirnstamm
(periaquäduktales Grau), welcher als Migräne-
Zentrum bezeichnet wird, reagiert empfindlich
auf alle einströmenden Reize. Der Teil des
Hirnstamms ist bei Migränepatienten stärker
durchblutet und verursacht eine Überaktivität der
Nervenzellen, sobald eine Migräneattacke
beginnt.

Eine weitere wichtige Verbindung für die


Entstehung einer Migräne ist die Schnittstelle des
Trigeminusnervs (Gesichtsnerv) und der
Blutgefäße im Gehirn. Feine Äste des Nervs
stehen mit den Blutgefäßen in Kontakt. Kommt es
nun zu einer Überaktivität der Nervenzellen im
Hirnstamm, meldet dies der Trigeminusnerv an
das Gehirn. Als Folge schüttet das Gehirn
Botenstoffe (in dem Fall: vasoaktive
Neuropeptide) aus, die Blutgefäße dehnen sich,
werden durchlässiger für Flüssigkeit und es
kommt schließlich zu einer Art Entzündung des
Hirngewebes. Diese Entzündung wird als
neurogene Entzündung bezeichnet. Sie ist für
jene Schmerzimpulse verantwortlich, die als der
pulsierende Migräneschmerz bekannt sind. Der
für die Migräneforschung wichtigste Botenstoff ist
dabei das Eiweiß CGRP (Calcitonin gene related
peptide). Während einer andauernden Migräne ist
der CGRP-Spiegel im deutlich erhöht und sinkt

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nach der Attacke aber wieder ab.

Migräne und CGRP-Antagonisten

Die effektivste Behandlung von Migränepatienten


setzt direkt beim überstimulierten
Trigeminusnerv und dem Eiweiß CGRP an. Bisher
wurde das CGRP bei Migräne vor allem durch
bestimmte Schmerzmittel, den Triptanen,
behandelt. Sie hemmen die Freisetzung des CGRP.
Da diese allerdings gefäßverengend wirken,
dürfen sie bei Patienten mit
Durchblutungsstörungen und während der
Schwangerschaft oder Stillzeit nicht verwendet
werden. Auch Fälle von Unwirksamkeit und
Überempfindlichkeit von Triptanen erfordern eine
alternative und ebenso effektive Behandlung.
Hier setzt man inzwischen auf den Einsatz von
CGRP-Antagonisten. Diese wirken nur auf die
CGRP-Rezeptoren und blockieren sie. Die
Migräne-Behandlung kann dadurch
unerwünschte Nebenwirkungen wie
Gefäßverengungen verhindern. Durch die
blockierten Rezeptoren kann das CGRP bei Beginn
einer Migräneattacke nicht mehr andocken.
Folglich entsteht im Gehirn keine Entzündung und
bestehende Entzündungsprozesse klingen ab.

So belastend Migräneattacken auch sind – durch


eine richtige Behandlung können viele Betroffene
gut mit den Beschwerden umgehen. Wer seinen
Alltag umstellt und mögliche Trigger versucht zu
vermeiden, kann bereits viel zur
Migräneprophylaxe beisteuern. Bei immer
wiederkehrenden Attacken und größerer

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Belastung ist eine Behandlung durch den


Hausarzt oder Neurologen möglich.

6. Januar 2021

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