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11.

Das Wort, seine lexikalische Bedeutung und seine Bestandteile

Das Wort ist die grundlegende Einheit der Sprache, die in der Struktur einer Sprache
Schlüsselpositionen einnimmt.

Das Wort ist ein bilaterales sprachliches Zeichen, eine dialektische Einheit von
Formativ (Lautfolge) und Bedeutung (Bewusstseinsinhalt). Als anerkannt gilt
folgende Definition: Die Bedeutung ist ein gesellschaftlich determiniertes
interindividuelles Abbild der Merkmalstruktur eines Gegenstandes oder einer
Erscheinung der objektiven Realität.

Die Wortbedeutung hat komplexe Natur, sie stellt eine enge Verflechtung von
Komponenten\Aspekten dar. Man unterscheidet die folgenden drei Komponenten der
Wortbedeutung (in Anlehnung an die vier Funktionen der Sprache: kommunikative,
nominative, kognitive und pragmatische):

1) den denotativen Aspekt (die gegenständliche Bedeutung, d.h. Beziehung „Wort —


Gegenstand"): Die denotative Komponente ist die in einer sprachlichen Äußerung
realisierte Funktion des Zeichens, eine bestimmte Erscheinung der objektiven
Realität (Gegenstand, Denotat) zu repräsentieren;

2) den signifikativen Aspekt (die begriffliche, logische Bedeutung, d. h. Beziehung


„Wort — Begriff): Die signifikative Komponente resultiert aus der Funktion des
Wortzeichens, das interindividuell invariante Abbild der Merkmalstruktur einer
Erscheinung der objektiven Realität zu sein. Auf Grund dieser Eigenschaft der
Wortzeichen — eine kategoriale Abgrenzung zu schaffen, zu verallgemeinern und zu
abstrahieren — können sie als Benennungen für ganze Klassen von Gegenständen
dienen;

3) den pragmatischen (konnotativ-stilistischen) Aspekt (Beziehung „Wort—


Mensch").

Die konnotative Komponente resultiert aus wertenden semantischen Merkmalen der


signifikativen Bedeutung der betreffenden Wörter. In den Wertungen drücken sich
die Beziehungen des Menschen zu den von ihm widergespiegelten Gegenständen und
Erscheinungen der objektiven Realität aus. Solche Wertungen werden in der
signifikativen Bedeutung sprachlicher Zeichen als begrifflich wertende semantische
Merkmale fixiert und kodifiziert. Vgl. Wörter wie Gelaufe, Visage, Früchtchen
(„Taugenichts", „Nichtsnutz"), Flasche („unfähiger Mensch, Versager, bes. auf
sportlichem Gebiet"), Raumpflegerin („Putzfrau").

Daraus ergibt sich, dass der ganze Wortschatz in zwei große Schichten eingeteilt
wird:
1. neutrale Lexik,

2. expressive (stilistisch markierte) Lexik, z. B.: das Gesicht (neutral) — das Antlitz
(poet.) — das Angesicht (geh., poet.) — die Visage (ugs. abwertend) — die Fassade
(salopp-ugs.) — die Fresse (derb).

Im Hinblick auf die Dichotomie (Zweiteilung) Sprache—Rede unterscheidet man


(nach W. Schmidt) die potenzielle lexikalische Bedeutung im Sprachsystem und die
aktuelle, in der Rede realisierte Bedeutung. In der Regel stützt sich die aktuelle
Bedeutung auf die potenzielle. So hat das Wort „Ring" die folgenden potenziellen
Bedeutungen (Sememe):

1. Schmuckstücke aus verschiedenen Stoffen, die am Finger, um den Hals, den Arm,
im Ohr, in der Nase usw. getragen werden; 2. Haltevorrichtung für Servietten; 3.
verschiedene technische Gegenstände von runder Form; 4. eine rund um den
Stadtkern laufende Straße; 5. Lichthof (z. B. um den Mond).

In der semantischen Struktur mehrdeutiger Wörter kann man die folgenden Typen
der Bedeutungen aussondern (drei Oppositionen):

1. Hauptbedeutung — Nebenbedeutungen. Die Hauptbedeutung ist die Bedeutung,


die zu einem bestimmten Zeitpunkt als gesellschaftlich wichtigste Bedeutung im
Bewusstsein der meisten Sprachträger zuerst realisiert wird, z. B. Löwe — 1. großes
katzenartiges Raubtier mit graugelbem Fell, langem Schwanz und langer Mähne
(beim männlichen Tier). Die Nebenbedeutungen sind andere sekundäre Sememe, die
von der Hauptbedeutung semantisch abgeleitet sind. Gewöhnlich entstehen sie durch
metaphorische oder metonymische Übertragung. Im Wort „grün" — 1. frisch: grünes
Gras; 2. unreif: ein grüner Apfel, grünes Obst; 3. roh, ungesalzen: grüner Hering; 4.
(ugs. abwertend) unerfahren, sozial unreif: ein grüner Junge; du bist mir noch zu
grün, um Ratschläge zu geben.

2. Direkte, eigentliche — übertragene, uneigentliche Bedeutung. Die direkte


Bedeutung des Wortes entsteht bei der primären Nomination von Gegenständen und
stimmt oft mit der Hauptbedeutung überein. Die oben genannten Hauptbedeutungen
der Wörter „grün, hell, Löwe" sind zugleich ihre direkten Bedeutungen. Übertragene
Bedeutungen entstehen bei der sekundären Nomination und beziehen sich auf die
Denotate indirekt, durch semantische Übertragung, durch ein Bild, einen Vergleich,
z. B.: ein tiefer Brunnen — tiefe Gedanken; ein schlauer Mensch — ein schlauer
Plan etc.

Die semantische Übertragung erfolgt in verschiedenen Richtungen: konkret —


abstrakt (das häufigste Modell), physisch — psychisch, moralisch {Schmerz 1., 2.),
Tier — Mensch {Bär, Esel, Fuchs, Löwe — in Bezug auf den Menschen), Körperteil
— Gegenstand, Instrument {Bein des Stuhles, Tisches).
3. Syntaktisch freie — phraseologisch gebundene Bedeutung. Diese
Unterscheidung gründet sich auf das Verhältnis zwischen der Wortbedeutung und
seiner Umgebung, dem Kontext. Syntaktisch freie Sememe kommen in einer großen
Anzahl von Kontexten vor, sie sind weniger kontextabhängig. In der Regel ist die
direkte, die Hauptbedeutung des Lexems auch eine syntaktisch freie Bedeutung.
Phraseologisch gebundene Bedeutungen werden nur in einer begrenzten Anzahl von
Kontexten realisiert: grüner Hering, ein grüner Junge, er ist der Löwe des Tages; ein
heller Kopf (ein kluger Mensch).

Manchmal verbinden sich phraseologisch gebundene Bedeutungen mit einem


einzigen Wort: blinder Passagier — Fahrgast ohne Fahrkarte (an Bord eines
Schiffes, eines Flugzeuges); kalte Miete — Miete ohne Heizungskosten.

12. Wortbildung (Zusammenyetzung, Ableitung und Konversion)

1. Wortbildung

Die Wortbildung bezeichnet einerseits einen der Wege der Entwicklung des
Wortschatzes (dabei einen recht produktiven Weg), andererseits die Wortstruktur.

Die Wortbildung heißt die Bildung der neuen Wörter nach den für diese Sprache
charakteristischen wortbildenden Modellen der Wortbildungsmittel. Das
„Wortbildungsmittel“ ist ein konkretes Morphem, ein lexikalisches Affix, das neben
dem primären Stamm ausgesondert wird, wie z.B. -ler in Tischler, be- in bedienen
u.a. Der primäre Stamm geht in den Bestand des sekundären Stammes ein: z. B. Wort
Tischtuch, das ein sekundärer Stamm ist, zerfällt in zwei primäre Stämme Tisch und
Tuch.

Die Haupttypen der deutschen Wortbildung sind:

 Zusammensetzung
 Ableitung (Derivation)
 Abkürzung
 Übergang aus einer Wortart in andere Wortart (Konversion)
 Innere Derivation (Brechung, Umlaut, Ablaut)

Die Zusammenrückungen und Zusammenbildungen sind in der modernen Sprache


sehr verbreitet. Viele dieser Wörter sind bloß einmalige Bildungen und werden in den
allgemeinen Wortbestand nicht aufgenommen. Das ist gewöhnlich das Resultat
individueller Wortschöpfung

Nach der Theorie von Stepanova werden die deutschen ZS unter 3 Aspekten od. von
3 Prinziepien klassifiziert:
1. Nach dem morphologischen Prinzip werden die ZS verschiedenen
Wortarten zugeordnet- zusammengesetzte Substantive (Klebstoff,
Wortart), Adjektive (hilfsbereit), Verben ( fernsehen, teilnehmen).
2. Nach dem strukturell- genetischen Prinzip geht man von der formalen
Struktur der Komposita aus. Hier unterscheidet man:
 Eigentliche od. echte ZS – ZS ohne Fuge, ohne Bindeelement zwischen
den Bestandteilen- Tischlampe, hellblau.
 Uneigentliche, unechte ZS, deren Komponenten durch eine Fuge
verbunden sind. Bei solchen ZS steht das Bestimmungswort, wenn es ein
Substantiv ist, meist im Genitiv. Bindeelement: -s, -n,-e-, -nen-, er-.:
Universitätsgebäude, Freundeskreis, Haltestelle, willensstark.
 Zusammenrückungen- eine lockere Verbindung mehrerer Wörter oder
eines kleinen Satzes zu einer Einheit, wobei Komponenten keine
Veränderungen erleiden- Tischleindeckdich, aufgrund, mithilfe,
dementsprechend. Vollständige ZR- die Komponenten sind zu einer
Einheit verschmolzen- Langeweile, Taugenichts. Unvollständige ZR- die
völlige Verschmelzung der Komponenten hat noch nicht sttattgefunden-
das Anders- Sein-Wollen.

3. Nach dem syntaktisch-semantischen Prinzip (das logische Verhältniss


zwischen den Komponenten) – 3 Abarten:

 Bestimmungszusammensetzungen. Das Grundwort wird von der 1.


Komponente näher bestimmt od. ergänzt. Das Bestimmungswort
kann das Grundwort in vieler Hinsicht näher bestimmen. Durch
die Bestimmungskomponente wird angegeben: der Urheber
( Mutterliebe), der Besitzer (Stadtpark), der Ort ( Waldblume), der
Stoff (Lederschuh), das Instrument (Augenglass).
 Kopulative ZS mit kopulativen Verhältniss, bei dem die
Komponenten logisch gleichgeordnet sind. Zwischen den
Komponenten kann man „und“ einfügen- Dichterkomponist,
nasskalt, dreizehn.
 Satz- od. Imperativnamen mit erstarrtem Verhältniss- Langeweile,
infolge, Tischleindeckdich.

Die Ableitung als Art der Wortbildung ist die Bildung neuer Wörter mit Hilfe von
Affixen, Präfixen und Suffixen

Ableitung- die Bildung neuer Wörter mit Hilfe von Affixen, Präfixen, Suffixen.

Das Suffix- ein wortbildendes Morhem, das am Ende des Wortes zur Wurzel od.
Stamm hinzugefügt wird.
Das Präfix- ein wortbildendes Morphem, das am Anfang des Wortes an die Wurzel
od. an den Stamm angehängt wird.

Die Klassifikation der Affixe beruht auf 4 Prinzipien:

1. Nach dem Herkunft :


 Affixe, die aus selbstständigen Wörtern entstanden sind- schaft
(aus dem Substantiv „scaft“ mit der Bedeutung „Zustand,
Eigenschaft“)- Freundschaft, Mutterschaft, Wissenschaft)
 Affixe, die sich infolge der Neuverteilung der Stämme entwickelt
haben. Sie werden erweiterte Variante der Suffixe genannt,
entstehen durch Veränderung der Morhemgrenze, durch Zufügung
eines Lautes zu Stamm. Das Suffix –ing erweiterte sich zum Suffix
–ling durch Verschiebung der Morhemgrenze- „Caro-ling-i“. Auf
diese Weise sind die folgenden Suffixe entstanden:

a). Suff. der Substantive: - ling, ler, ner, keit, erei.

b). Suff. der Adjektive: -ern- silbern

c). Suff. der Verben: - ern, sen, zen – flüstern, lächeln, duzen.

 Affixe, die aus Fremdsprachen entlehnt sind- Präfixe- anti, in, re,
neo+Suff.- ist, ent, är, tion, enz- Literatur, Auditorium, Publikum.

2. Nach dem morphologischen Prinzip- Suff. u. Präf. Verschiedener


Wortarten.

 Nominalpräfixe (bilden Substantive u. Adjektive)- un-,ur-, erz-: Unruhe,


ursprünglich
 Verbalpräf: be-, er, emp, zer-
 Präf. aller 3 Wortarten: ge-, miss-(Gebäck, Missgunst)
 Suff der Substantive: -er, in, schaft, nis, heit
 Suff der Adjektive: -ig, bar, haft, sam
 Suff der Verben: -en, -ern

3. Nach dem semantischen Prinzip: Suffixe werden in 10 Gruppen


zusammengefasst: Personenbezeichnungen- er, ist, ant, eur;
Abstammungsbezeichnung –aner, -er, -in „Russin, Moskauer“; Kollektiva
–Studentenschaft, Bürgertum; Abstrakta – Dunkelheit, Hoffnung;
Resultat der Handlung- Ergebnis, Sammlung u.a.

4. Nach dem Historischen Prinzip:

 Unproduktive Suff u. Präf.- schaffen keine neuen Wörter: -t-Macht, -end-


Jugend, Aber- Aberglaube.
 Produktive Affixe- bilden neue Wörter: -er, ler, ung,schaft, bar, haft.
 Halbsuff u. Halbpräf.: Seemann, Schuhwerk, Flugzeug,Edelfrau.
+Halbsuff der Adjektive- voll, leer, reich, lustig, würdig;…der
Adverbien- -weise.

Der Übergang aus einer Wortart in eine neue Wortart (die Konversion,
Konvertierung) bildet auch eine Art der Wortbildung und ist eines der
Bereicherungsmittel des Wortbestandes. Besonders verbreitet ist für die deutsche
Sprache der substantivierte Infinitiv. Sehr verbreitet ist auch der Übergang eines
Adjektivs in die Wortart des Substantivs (laut, der Laut).

Man kann 4 Konversiontypen unterscheidet:

1. Substantivierung.- produktivste Art der K., dabei entsteht kein neues Wort. Jedes
Verb lässt sich substantivieren: das Kommen, Lesen.

2 Arten der Substantivierung: die festen- das Gehen, Rauchen u. die fakultativen, die
im Wärterbuchnicht registriert sind- das Aneinandergeraten.

Verbreitet sind substantivierte Adjektive u. Partizipien I, II.- sind fester Art,


bewahren adjektivische Deklination- der Alte, die Kranke, der Reisende. Sie können
auch fakultativ sein- das Neue, die Angesprochene. Substantivierte Pronomen: Das
Ich, Du; …Numeralien: das Hundert; … Präpositionen u. Konjunktionen: das
Gegenüber, kein Wenn u. Aber; …Interjektoinen: mit Ach u. Krach; …Suffixe u.
Buchstaben: von A bis Z.

Die affixlose Bildung der Substantive von Stämmen starker Verben, die meisten
Ableitungen dieser Art- Maslulina (der Gang, Spruch), feminina, Neutra- die Wand,
das Band, das Verbot.

2.Verbalisierung.- ziemlich produktiv, durch diesen Prozess die Klasse der


schwachen Verben wird vervollständigt- das formbildende Infinitivsuffix –en wird an
den Stamm angehängt- Film-filmen, Mond-monden.

3. Adjektivierung- nicht produktiv.Von Substantiven abgeleiteten Wörter: ernst,


freund sein, schuld, schade. Undeklinierbare Adjektive von Stadt- u. Ländernamen-
Berliner Ensemble, Wiener Walzer. Adjektivierte Adverbien- eine seltene Gabe.
Adjektivierte Partizipien- eine ausgezeichnete Leistung.

4. Adverbialisierung beschränkt sich auf eine Reihe von Wörtern: abends, morgens,
zu Hause, zu Fuß+Präpositionen- aufgrund, infolge, entsprechend.
13. Semantische Derivation

Unter dem Bedeutungswandel bzw. der semantischen Derivation versteht man


die Bedeutungsveränderungen der Wörter im Laufe der Zeit, bedingt durch
Wesen und Charakter der Sprache als gesellschaftliche Erscheinung.
Die Bedeutungsveränderung kann verbunden sein: mit der
Bedeutungserweiterung (Generalisierung), mit der Bedeutungsverengung
(Spezialisierung) und Bedeutungsübertragung (Verschiebung)

1. Im ersten Fall geht es um die Erweiterung des Bedeutungsstruktur


eines Wortes und dementsprechend ist dieser Prozess mit deer
Erweiterung der nominativen Funktion des Wortes verbunden z.B das
Wort gehen bedeutete früher “eine Bewegung NUR mit den Füßen”,
heute kann auch “die Uhr gehen”.
2. Die Bedeutungsverengung ist das Gegenstück zur
Bedeutungserweiterung und beruht auf begrenzter Gebrauchsphäre der
bekannten Lautkörper. z.B. fahren bezeichnete ursprünglich jede Art der
Fortbewegung. Im heutigen Deutsch versteht man aber unter fahren nur
die Fortbewegung auf Wagen, Schiffen, mit der Bahn.
3. Bei der Bedeutungsübertragung werden neue Denotate der objektiven
wirklichkeit mit bereits vorhandenen Formativen auf Grund einer
Ähnlichkeit oder Assoziation benannt. Die Ähnlichkeit ergibt die
Metapher, eine unmittelbare Beziehung (Assoziation) zwischen zwei
Begriffen ergibt die Metonymie.
Die Metapher ist die Übertragung der Namenbezeichnung auf Grund einer
aüßeren und inneren Ähnlichkeit: Esel - Tier - halsstarriger Mensch
Zu der Metapher gehören Personifizierung (die Uhr geht), die Synästhesie
(schreiende Farben)
Die Metonymie ist auch eine Art der Bezeichnungsübertragung, aber auf Grund
räumlicher, zeitlicher, stofflicher, kausaler Beziehungen zwischen Handlung
und Resultat der Handlung.
Eine Sonderart der Metonymie ist die Synekdoche, die Namensübertragung auf
Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil, wobei besonders
häufig ein Teil stellvertretend für das Ganze steht: ein heller Kopf - ein kluger
Mann
Bahuwrihi ist die metonymische Bezeichung nach einem charakteristischen
Merkmal: Langfinger - Taschendieb.
4. Die Veränderung de Bedeutung kann in Richtung der Wertminderung
erfolgen, in diesem Fall spricht man über die
Bedeutungsverschlechtung: Dirne - ahd. Jungfrau, heute Prostituierte.
5. Das Gegenteil zur Bedeutungsverschlechtung ist die
Bedeutungsverbesserung: Marschale mhd. Pferdeknecht, heute der
höchste Offizier der Armee

14. Entlehnungen.
Unter Entlehnung versteht man in der einschlägigen Literatur den
Entlehnungsvorgang, das heißt die Übernahme fremden Sprachgutes sowie das
Ergebnis dieses Prozesses - das entlehnte fremde Sprachgut selbst.
Nach der Art der Entlehnung werden abgegrenzt:
1. Bei der Sach- und Wortentlehnung werden aus der Sprache fremde
Formative übernommen, deren Denotate in der entlehnenden Sprache neu
oder unbekannt sind: Straße - lat.Strata
2. Bei Wortentlehnungen werden fremdsprachliche Formative übernommen,
deren Denotate in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter
ausgedrückt sind: Job - Arbeit.
Nach der Entlehnungsform sind zu unterscheiden:
1. Fremdwortübernahme (direkte Entlehnung). Fremde Formative werden in
die entlehnende Sprache mit minimaler Abänderung aufgenommen:
Datscha, Bodybuilding.
2. Lehnprägung - Nachbildung des fremdsprachlichen Inhalts mit
vorhandenen Mitteln der eigenen Sprache. Dazu gehören:
1. Lehnübersetzung. Glied-für-Glied Übersetzung: cold war ß der kalte
Krieg
2. Lehnübertragung - freie Wiedergabe der Morphemstruktur des fremden
Wortes: patria - Vaterland
3. Lehnbedeutung ist die Zuordnung einer fremdsprachlichen Bedeutung zu
einem deutschen Formativ: das Wort “Fall” mit dem Einfluss des lat.
casus (cadere - fallen) die terminologische Bedeutung “Kasus”
angenommen.

Wege der Übernahme:


1. Der direkte Kontakt (mündlichen Weg)
2. literarische Entlehnung (schriftlicher Weg)
3. Rückentlehnung - wenn ein deutsches Wort in eine andere Sprache in der
frühesten Zeit übernommen wurde und später ins Deutsche
zurückkommt: Balken - Balkon

Die Klassifikation des entlehneten Wortgutes.


Nach dem Grad der Assimilation gibt es verschiedene Klassifikationen von
Entlehnungen.
Die traditionelle Klassifikation:
1. Lehnwörter sind die Entlehnungen, die im Deutschen völlig assimiliert
sind. Sie haben sich dem Deutschen in Lautgestalt und Betonung, Flexion
und <schreibung völlig angepasst: Schule, Straße
2. Fremdwörter dagegen haben ihren fremdsprachlichen Charakter bewahrt,
sie fallen durch einige Merkmale auf: Jogging, Interview.
Die Klassifikation von Zinder und Strojeva unterscheidet im Deutschen
Wörtbestand drei Gruppen:
1. Deutsche Wörter (Deutsche Stammwörter: Haus, gut und Lehnwörter:
Fenster, Keller)
2. Internationalismen (Demokratie, Atom)
3. Fremdwörter (Jogging, Interview)
15.PHRASEOLOGIE IN DER DEUTSCHEN SPRACHE

Die Phraseologie ist die Wissenschaft oder Lehre von den festen Wortkomplexen
bzw. Wortverbindungen einer Sprache, die in System und Satz Funktion und
Bedeutung einzelner Wörter (Lexeme) erfüllen. Unter festen Wortkomplexen sind
Wortverbindungen, Wortgruppen, festgeprägte Sätze zu verstehen, die über eine
besondere Semantik verfügen.

Man unterscheidet vier Klassen der festen Wortkomplexe:

1. Phraseologismen
2. Phraseologisierte Verbindungen
3. Modellierte Bildungen
4. Lexikalische Einheiten

Phraseologismen sind feste Wortkomplexe verschiedener syntaktischer


Strukturtypen mit singulärer Verknüpfung der Konstituenten, deren Bedeutung durch
eine vollständige oder teilweise semantische Transformation des
Konstituentenbestandes entsteht.

Strukturell-semantische Klassifikation der Phraseologismen:

 Subklasse Ia, in der einschlägigen Forschung unter dem Terminus


„phraseologische Einheiten“ bzw. „phraseologische Ganzheiten“ bekannt;
 Subklasse Ib — „festgeprägte Sätze“;
 Subklasse Ic — „phraseologische Verbindungen“.

Phraseologismen kann man auch mit Wortarten klassifizieren. Auf diese Weise
entsteht die lexikalisch-syntaktische Klassifikation der phraseologischen Einheiten:

 Verbale Phraseologismen (jm unter die Arme greifen).


 Substantivische Phraseologismen (das schwarze Gold).
 Adverbiale Phraseologismen (ab und zu).

Die festgeprägten Sätze sind Phraseologismen mit der syntaktischen Struktur der
Sätze. Nach dem kommunikativen Wert und der semantischen Beschaffenheit sind
hier zwei große Gruppen festgeprägter Sätze zu unterscheiden:

 sprichwörtliche Satzredensarten (das sind semantische Transformationen


des Typs metaphorische und metonymische Bezeichnungsübertragung
einschließlich Bedeutungserweiterung; kann wertend, modal (ja, nein,
keineswegs), interjektionell (ah, och): alles ist es in Butter
 Sprichwörter (пословицы) (ihre Semantik entsteht nicht durch die
Phraseologisierung des Konstituentenbestandes im jeweiligen
Sprichwort, sondern stellt die auf bestimmte Situationen bezogenen
Verallgemeinerungen der menschlichen Lebenserfahrung dar. Sie
gehören zur Folklore.

Phraseologische Verbindungen realisieren ihre semantisch transformierte


(übertragene) Bedeutung nur in einer einzigen Verbindung: „ein blinder Passagier“.

Phraseologisierte Verbindungen sind feste Wortkomplexe mit analytischer


Bedeutung (einer der Konstituenten mit übertragener Bedeutung mit Wärtern einer
bestimmten semantischen Gruppe in Verbindung tritt): jmdm. Achtung,
Anerkennung, Bewunderung, Lob zollen.

Modellierte Bildungen entstehen in der Sprache nach bestimmten strukturell-


semantischen Modellen, die in der Rede situativ realisiert oder aktualisiert werden: in
Zersplitterung halten.

Lexikalische Einheiten sind feste Verbindungen mit nominativer Funktion; es fehlt


jede Art semantischer Transformation: die Bundesrepublik Deutschland, die
künstliche Intelligenz.