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Früher Charakter prägt nachhaltig - wissenschaft.

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Gesellschaft+Psychologie

Früher Charakter prägt


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nachhaltig
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21. April Weitere
2020 Angebote

Wenn Kinder ein sehr vorsichtiges,


ängstliches und ausweichendes Verhalten
zeigen, spricht man von einer
Verhaltenshemmung. (Bild:
NiDerLander/iStock)

Vorlesen

Vorsichtig und schüchtern: Manche Kleinkinder


besitzen einen auffallend zurückhaltenden
Charakter. Eine Langzeitstudie belegt nun, dass
dieses Verhaltensmuster auch voraussagt,
welche Persönlichkeitsmerkmale ein Mensch im
Erwachsenenalter besitzen wird: 14 Monate alte
Kinder, die diese sogenannte
Verhaltenshemmung zeigten, entwickelten sich
später zu vergleichsweise introvertierten

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Erwachsenen mit wenig sozialen Aktivitäten.


Auch mit psychischen Gesundheitsproblemen
können diese Merkmale verknüpft sein, geht
aus der Studie hervor.

Jeder Mensch ist anders – und diese Individualität


zeichnet sich bekanntlich schon sehr früh im
Leben ab. Ein wichtiger Aspekt des frühkindlichen
Charakters ist dabei, wie die Kleinen emotional
und im Verhalten auf andere Personen und ihre
Umwelt reagieren. Während viele Kleinkinder
vergleichsweise abenteuerlustig und
kontaktfreudig sind, gibt es auch den
gegenteiligen Charakter: Die sogenannte
Verhaltenshemmung zeichnet sich durch
vorsichtiges, ängstliches und ausweichendes
Verhalten gegenüber unbekannten Menschen,
Objekten und Situationen aus.

Dieses Persönlichkeitsprofil bei Kindern stand


bereits im Fokus von früheren Untersuchungen.
„Obwohl Studien bereits frühkindliche
Verhaltensweisen mit der Entwicklung von
bestimmten Merkmalen in Verbindung gebracht
haben, sind die Ergebnisse unserer Studie
besonders“, sagt Daniel Pine vom National
Institute of Mental Health in Bethestda. Er und
seine Kollegen haben den Blick auf eine sehr
frühe Entwicklungsphase gerichtet und ihre
Studie erfasste einen ausgesprochen langen
Zeitraum: Sie geht bis auf die frühen 1990er Jahre
zurück. Damals gewannen die Forscher 165 kleine
Probanden für ihre Studie. „Es ist erstaunlich,
dass wir mit dieser Gruppe von Menschen über

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so viele Jahre hinweg in Kontakt bleiben konnten.


Zuerst ihre Eltern und jetzt sind sie weiterhin
interessiert und an der Arbeit beteiligt“, sagt Co-
Autor Nathan Fox von der University of Maryland
in College Park.

Frühkindliche Zurückhaltung zeichnet sich ab

Für die Langzeitstudie wurden die Kinder im Alter


von 14 Monaten mit Videokameras
aufgenommen, während sie in Begleitung ihrer
Mütter drei ungewohnten Situationen ausgesetzt
waren: Ein fremder Erwachsener näherte sich, sie
kamen in ein unbekanntes Spielzimmer und sie
wurden mit einem Spielzeugroboter konfrontiert,
der so groß war wie sie selbst. Die
Wissenschaftler werteten dann aus, wie lange die
Kinder brauchten, um sich an die Situationen
anzupassen und wie nahe sie bei ihren Müttern
blieben. Daraus leiteten sie dann den Grad der
Verhaltenshemmung ab.

Im Alter von 15 Jahren wurden die Teilnehmer


dann erneut zu Tests gebeten. Sie absolvierten
dabei am Computer Aufgaben, während ihre
Hirnaktivität durch Elektroenzephalographie (EEG)
erfasst wurde. Im Fokus standen dabei die
Reaktionen der Probanden, wenn sie Fehler
machten. Wie die Forscher erklären, kann dies
Einblicke in den Grad der Empfindlichkeit
gegenüber diesen Negativerlebnissen geben, was
wiederum mit anderen psychischen Merkmalen
eines Menschen verknüpft ist. Abgerundet wurde
die Studie dann durch eine detaillierte Befragung
der Probanden im Alter von 26 Jahren. Sie lieferte

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detaillierte Einblicke in die


Persönlichkeitsmerkmale, die psychische
Gesundheit und das Sozialleben der
Studienteilnehmer.

25 Jahre später…

Die Forscher stellten fest, dass eine


Verhaltenshemmung im Alter von 14 Monaten
bestimmte Persönlichkeitsmerkmale im Alter von
26 Jahren voraussagte: Diese Probanden wiesen
als Erwachsene einen vergleichsweise hohen
Grad an Zurückhaltung und Introvertiertheit auf
und pflegten eher wenig Umgang mit Freunden
und Familienmitgliedern. In ihrem Liebesleben
waren sie allerdings nicht unbedingt erfolgloser:
Sie berichteten von vergleichsweise wenigen
Partnern in den letzten zehn Jahren, waren im
Alter von 26 aber nicht seltener in einer festen
Beziehung als andere. Auch beim Bildungserfolg
und der Berufstätigkeit stellten die Forscher keine
besonderen Auffälligkeiten fest.

Wie sie weiter berichten, zeichnete sich bei den


Probanden, die im Alter von 14 Monaten eine
Verhaltenshemmung gezeigt hatten, auch eine
Neigung zu psychischen Problemen wie
Angststörungen und Depressionen ab. Allerdings
war dies nur bei denjenigen deutlich ausgeprägt,
die auch erhöhte fehlerbezogene
Negativitätssignale im Alter von 15 Jahren zeigt
hatten.

Veranlagung und Erfahrungen prägen

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Zur Frage, auf was der prägende Effekt der


frühkindlichen Verhaltenshemmung beruhen
könnte, verweisen die Forscher auf eine mögliche
Mischung aus Veranlagung und damit
verknüpften Erfahrungen. „Mit zunehmendem
Alter kann sich die grundlegende Persönlichkeit
durch Erfahrungen, die von den Individuen selbst
ausgewählt oder geschaffen werden, zunehmend
verfestigen“, schreiben die Wissenschaftler.
Beispielsweise könnten manche Eltern mit ihren
schüchternen Kindern überfürsorglich umgehen,
wodurch der Grundcharakter und das Meiden
von sozialen Interaktionen weiter verstärkt
werden.

Was auch immer die genauen Hintergründe sind –


die Studie unterstreicht den Einfluss des
frühkindlichen Temperaments auf den Charakter
im Erwachsenenalter, resümieren die
Wissenschaftler. Die Ergebnisse legen zudem
nahe, dass neurophysiologische Marker wie die
fehlerbezogene Negativität dabei helfen können,
Personen zu identifizieren, die am stärksten
gefährdet sind, im Erwachsenenalter bestimmte
psychische Probleme zu entwickeln.

Quelle: National Institute of Mental Health,


Fachartikel: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1917376117

21. April 2020

© wissenschaft.de - Martin Vieweg

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