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Band 66.] Κ . SETHE : Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode.

Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode


(mit einem Exkurs über das whrn msw.t der thebanischen Grabberaubungsakten).

Von K U R T SETHE.

1.
W. STRUVE hat in dieser Zeitschrift (ÄZ 63, 45ff.) die Bezeichnung der Hundsstern-
oder Sothisperiode als Ära από Μενόφρεως bei Theon wieder, wie es schon LEPSI us getan
hatte, auf einen König der 19. Dynastie mit dem in dieser Dynastie beliebten Namen
Mr-n-pth („geliebt von Ptah") bezogen1, ein Name, der in der Uberlieferung des Manethos
in den offenbar durch das Beispiel des Amenophis der 18. Dyn. verderbten Formen
Άμενωφαϋ und Άμενεφϋης vorliegt, mit einer augenscheinlich absichtlichen Differen-
zierung, die uns auch in anderen Dynastien bei Manethos entgegentritt2. Während aber
LEPSI us in dem bei Theon genannten König den Nachfolger Ramses' II. Mr-n-pth
Htp-hr-mi* .t („geliebt von Ptah, zufrieden mit der Wahrheit")* den wir gewöhnlich
Menephthah nennen, sehen wollte, denkt STRUVE an Sethos I., der als erster in der Dynastie
den Namen Mr-n-pth als Zusatz zu seinem eigentlichen Namen (Geburtsnamen) geführt
hat, Stjj Mr-n-pth („der Sethische, geliebt von Ptah"). Dieser König scheint in der
manethonischen Königsliste der 19. Dyn. in der Tat, wenn man Africanus folgt, als
Άμενωφαϋ mit 19 Jahren 6 Monaten neben seinem Vater Ramses I. und seinem Sohne
Ramses II. (Ραμεσσης Μιαμμοϋν) mit ihren richtigen, durch die Denkmäler bestätigten
Regierungszahlen (1 Jahr 4 Monate bzw. 66 Jahre 2 Monate) genannt gewesen zu sein8,
während sein eigentlicher Name Σε&ως bei Africanus dahinter als Name eines besonderen
Herrschers mit einer unmöglichen Regierungszahl aufgeführt erscheint und bei Josephus
durch irrige Interpolationen4 oder andere Versehen zu dem seines Nachfolgers Ramses' II.
bzw. dieser zu ihm geraten ist {Σε&ως δ καί 'Ραμεσσης)6.
Was auf den ersten Blick verwunderlich erscheint, daß der König bei der Nachwelt
unter seinem Beinamen Mr-n-pth statt unter seinem eigentlichen Namen Stjj fortgelebt
haben soll, erklärt sich vielleicht daraus, daß die in den Königsnamensring eingeschlossene
Verbindung dieser beiden Namen in den hieroglyphischen Schreibungen der Denkmäler
stets so geschrieben wird, daß der Name Mr-n-pth von Rechts wegen zuerst gelesen

1) Meine Bemerkung über die Worte des Theon in der Abhandlung über die Zeitrechnung (Nachr.
Gött. Ges. d. Wiss. 1 9 1 9 , 3 0 9 ) hat STRUVE seltsamerweise so verstanden, als ob ich die von BIOT und KKALL
vertretene Deutung „von Memphis" billigte. Gerade das Gegenteil ist der Fall; ich habe sie mit LEPSIUS
verworfen. — 2) In der 6 . Dyn. bei Φιος und Φιωψ, in der 1 2 . Dyn. bei Σεαογχωαις und Σεαωατρις, in der 2 6 . Dyn.
bei den Namen der 3 Psammetiche, endlich auch in der 19. Dyn. selbst bei den verschiedenen Ramses.
— 3) Für diese Beziehung des Namens Αμενωφαϋ auf Sethos I. mit STRUVE spricht auch die von E D .
MEYER, Ag. Chronologie S. 9 1 , Anm. 1 zitierte Stelle desChairemon (Άμενωφιν καί τον viòv αντοϋ 'Ραμεααην).
E D . MEYER sah in dem Könige vielmehr Menephthah, den Sohn Ramses' II., der wie dieser sein Vater bei
Manethos doppelt genannt sei, einmal mit den oben erwähnten 19 J. 6 M., die in Wahrheit Sethos I. gehören
dürften, und einmal abgerundet mit 2 0 J., welche letzteren (auch nach STRUVE) wirklich dem Menephthah,
Sohn Ramses' II., gehören. — 4 ) So E D . MEYER a. a. 0., meines Erachtens überzeugend. — 5) Wenn STRUVE
das Σε&ως dieser Worte Σε&ώς δ και 'Ραμεαοης in Σεαως ändern und darin den Kosenamen Ss, den Ramses II.
einige Male erhält, erblicken will, so kann ich ihm darin nicht folgen. Dieser Name ist hier nicht am Platze.
Eher wäre dann noch zu erwägen, ob die Worte Σε&ώς ό καί nicht versehentlich aus einer Nennung Σεΰώς δ
καί Άμενωφαά zu Ramses II. geraten sind.
Zeitschr. f. Äi?ypt. Spr., Gß Band. 1
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2 Κ. SETHE: Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode. [66. Band.

werdeji müßte: / m T ^ Y Stellung des dazu gehörigen am Ende des Ringes


verrät dem Ein- ο χ \ geweihten, daß dies doch wohl nicht beabsichtigt war, und daß die
Voranstellung ^ [j jj der Zeichen j( V vermutlich nur aus Respekt vor dem Gotte
Ptah erfolgt ist, l ΑΛΛΛΛ, , dem Gott der damaligen Hauptstadt, mit dem der König sich
durch die Wahl dieses Namens „geliebt von Ptah" verbunden zeigen wollte. Die
richtige Lesung Stjj Mr-n-pth ergeben die Schreibungen der hieratischen Papyri
(^J^lï Es ist sehr wohl denkbar, daß man in späterer Zeit nur die Schrei-
bungen der Denkmäler vor Augen hatte und dadurch zu der Meinung verleitet wurde,
daß der eigentliche Name des Königs Mr-n-pth gewesen sei. Dazu konnte dann auch das
mithelfen, daß der Name Stjj auf den Denkmälern meist durch Ausmeißelung des Bild-
zeichens des Gottes Seth unkenntlich oder schwer kenntlich gemacht war.
Zu der Beziehung der Angabe des Theon από Μενόφρεως auf Sethos I. statt auf Me-
nephthah wurde S T R U V E durch die Erwägung geführt, daß nach unseren heutigen Kennt-
nissen die Regierung des Menephthah erst rund 100 Jahre nach Erneuerung der Sothis-
periode gefallen ist, und daß andererseits die Regierung Sethos' I. in der Tat so gelegen
haben muß, daß dieses Ereignis sehr wohl damit in Zusammenhang gebracht werden
kann. Nach den neueren Ansetzungen von P E T R I E und B R E A S T E D soll die Regierung
Sethos' I., die sie in Übereinstimmung mit der oben zitierten Regierungszahl bei Manethos
auf etwa 20 Jahre annahmen, 1326 bzw. 1313 v. Chr. begonnen haben, so daß die Er-
neuerung der Sothisperiode gerade in die Mitte zwischen diesen nur unwesentlich aus-
einander gehenden Schätzungen zu liegen kommt. Auch E D . M E Y E R S neueste Ansetzung
der Regierung Sethos' I. auf etwa 1308—1298 v. Chr., für die der gleich nach 1300 anzu-
setzende Anfang Ramses' II. den festen Ausgangspunkt bildete1, befindet sich in völliger
Übereinstimmung damit, wenn man an ihr die nach der manethonischen Zahl (19 Jahre
6 Monate) erforderliche Korrektur durch Hinaufrückung des Anfanges um etwa 10 Jahre
vornimmt2. Danach würde die Erneuerung der Sothisperiode mit dem Anfang der Re-
gierung des Königs geradezu zusammen gefallen sein, worauf ja auch die Vermittlung
zwischen den Ansetzungen von P E T R I E und B R E A S T E D führte.

2.
Bei dieser Sachlage ist es nun vielleicht bemerkenswert, daß wir zwei historische
Inschriften Sethos' I. aus dem 1. und dem 4. Jahre seiner Regierung kennen, die in ihrer
Datierung eine ganz ungewöhnliche Angabe enthalten, welche das betreffende Datum
als Anfang einer langen Zeitfolge oder geradezu gesagt als eine Epoche bezeichnet3.
Das eine dieser beiden Denkmäler ist die von G R I F F I T H , Journ. Eg. Arch. 13, 1 9 3 f f .
veröffentlichte und meisterhaft behandelte Stele von Nauri in Nubien. Sie trägt das
1
! . k l J I ® ! ?
u s w (£ol en
ÌΠ k M ? ,^ ! Y ' e ^ N a m e n d e s Königs)
„Jahr 4, erster Monat der Winterzeit Tag 1, Anfang der Ewigkeit (nhh), Beginn4 der
2
1) Gesch. des Altertums II S. 340. — 2 ) Wenn ED. MEYER dem Könige zusammen mit Ramses I.
„nur höchstens ein Jahrzehnt" zubilligen will, so ist das angesichts der Tatsache, daß wir Daten aus dem
9. Jahre Sethos' I. besitzen, entschieden zn knapp gerechnet. STRUVE gibt 21 Jahre für Sethos als durch die
Denkmäler bezeugt an, aber ohne Beweise dafür zu liefern. Das dürfte doch wohl auf einem Irrtum beruhen.
— 3) Das Ungewöhnliche dieser Angabe ist von GRIFFITH in dem gleich zu benennenden Falle sehr wohl
bemerkt worden, aber er hat sie als rein phrasenhaft angesehen und nicht ihrem Inhalt entsprechend ge-
wertet. — 4) ssp „empfangen" in dieser Bedeutung gerade bei Zeitausdrücken gut belegt, insbesondere auch
im Neuägyptischen, s. ERMAN-GRAPOW, Äg. Wörterb. IV 533.

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Band 66.] Κ. SETHE: Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode. 3

Freude, Hunderttausender von Jahren, Millionen von Jubiläen auf dem Throne des
Horizontbewohners, einer Ewigkeit im Königtum des Atum, seitens der Majestät des
Königs Sethos' I."
Das andere Denkmal, das einen entsprechenden Zusatz zu dem Datum enthält,
ist die von Sethos I. an der linken Türlaibung des Speos Artemidos angebrachte große
Inschrift, von der L E P S I U S (LD Text II 111) nur die Anfangsworte publiziert hat, von
der ich selbst unter Mithilfe von S C H Ä F E R 1925 eine vollständige Abschrift genommen
habe, die ich demnächst hier zu veröffentlichen hoffe. Hier lautet die Datierung so:
f î ^ r M ' ^ â T l ' , ! !
usw <folgen die N a m e n
I ·
des Königs) „Jahr 1, Anfang der Ewigkeit {nhh), Beginn der Ewigkeit {d.t), des Feierns
von Millionen von Jubiläen, (des Verbringens) Hunderttausender von friedlichen Jahren,
der Lebenszeit des Re', [ ], des [Königtums [des Atum seitens der Majestät
des] Königs Sethos' I."
In beiden Fällen zerfällt die Epochenangabe, die in ganz unerhörter Weise das
Datum von dem dazu gehörigen und sonst ihm stets unmittelbar folgenden hr hm η
„seitens der Majestät des (Königs NN.)" d. i. „unter der Regierung des (Königs NN.)"
trennt, in zwei Teile, einen kürzeren allgemeinen, der das Datum als „Anfang der Ewig-
keit" bezeichnet, und einen längeren speziellen, der sich auf die Regierung des
Königs oder genauer auf deren Beginn bezieht und in dem die Zahlausdrücke „Milli-
onen" und „Hunderttausende" natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sondern wie
in allen ähnlichen Fällen nur als übertreibende Ausdrücke im Sinn von „sehr
viele" zu verstehen sind. Für unsere Frage ist der erste Teil von Interesse. Er
erinnert auf das Stärkste an die Aufschrift Αίών, welche die bei der Erneuerung der
Sothisperiode unter Antoninus Pius in den Jahren 139—142 n. Chr. zu Alexandria ge-
prägten Münzen mit Bezug auf dieses Ereignis tragen8, das übrigens auch damals in die
Anfänge einer Regierung, d. h. in das 2. Jahr des Kaisers, gefallen isti
Nach S T R U V E S einleuchtenden Ausführungen stehe ich nicht an, die Angabe „Anfang
der Ewigkeit" der beiden Inschriften Sethos' I. ebenfalls auf die Erneuerung der Sothis-
periode zu beziehen. Da beide Inschriften innerhalb von 4 Jahren gesetzt sind, der
Zeitspanne, in der der Siriusfrühaufgang auf den gleichen Kalendertag zu fallen pflegt,
so konnten sie beide die gleiche, auf die Erneuerung der Sothisperiode, d. i. die Rückkehr
des Siriusaufganges auf den Neujahrstag des ägyptischen Kalenders (1. Thoth) Bezug
nehmende Bezeichnung erhalten, gerade wie die Münzen des Antoninus Pius aus dem
2. und dem 6. Jahre seiner Regierung, d. i. dem ersten und dem letzten Jahre, in dem
dieser Zusammenfall von Siriusfrühaufgang und Kalenderneujahr stattfand4, die gleiche
Aufschrift ΑΙών mit dem Bilde des Phönix tragen.
Wenn das alles richtig ist, würden also die ersten 4 Regierungsjahre Sethos' I.
mit der Tetraeteris, in der damals dieses kalendarische Ereignis stattgefunden hat, zu-

1) SO« eine in dieser Zeit häufige Schreibung für cncg „Ewigkeit", ERMAN-GRAPOW, Äg.
WAW ^ _
<=>
Wörterb. II 301. — 2) In Z. 4 der Inschrift heißt es, daß die Götter dem Könige | ^Λ n Jj
• W. ^ ^ ^ ^ gegeben (d. h. verheißen hätten. — 3) s. BORCHARDT, Die Annalen und die zeitliche
Festlegung des Alten Reichs der ägyptischen Geschichte S. 55. — 4) Da das alexandrinische Jahr am
29. Aug. jul. begann, fiel das mit dem 1. Thoth am 19. Juli 139 n. Chr. beginnende ägyptische Kalender-
jahr in das 2. und 3. Jahr des Kaisers, drei Jahre später das letzte Jahr derselben Tetraeteris (19. Juli 142
bis 18. Juli 143) also in das 5. und 6. Jahr desselben (29. Aug. 141—28. Aug. 143). Siehe BORCHARDT
a. a. 0 . S. 56.
1*

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4 Κ . SETHE: Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode. [66. B a n d .

sammengefallen sein. Das stünde in vollkommener Übereinstimmung mit dem, was


oben für den Anfang dieser Regierung als wahrscheinlich ermittelt wurde. Es scheint
auch in den Datierungen der beiden Inschriften durch die Nebeneinanderstellung der
beiden Teile der Epochenangabe ausgedrückt zu sein; der „Anfang der Ewigkeit", d. i.
die Erneuerung der Sothisperiode, und der Beginn glücklicher Jahre des Königs sind
darin einander gleichgesetzt.
Damit hätten wir ein neues „Sothisdatum" für das Neue Reich gewonnen. Der
Beginn Sethos' I. ist jetzt mit einer minimalen Fehlermöglichkeit auf das Jahr 1318 v. Chr.
datierbar.

3.
Vielleicht besitzen wir aber noch ein anderes Zeugnis für diesen Zusammenfall des
Regierungsbeginns Sethos' I. mit dem Beginn einer neuen Sothisperiode. Seit langem
hat ein anderes Datum aus dem 1. Jahre des Königs durch seine ungewöhnliche Fassung
die Aufmerksamkeit erregt und viel zu denken gegeben, das Datum einer der Inschriften,
die die Kriegsbilder auf der nördlichen Außenwand des großen Hypostyls von Karnak
begleiten: { Μ — ( θ Jl e ^ ] [ \ f „Jahr 1, Wiederholung der Geburt 1 ,
(unter) König Sethos I . " LD III 128a ( G A U T H I E R , Livre des Rois III S. 1 1 ) .
Hier steht in ganz analoger Weise, wie die Epochenangabe in den oben besprochenen
Fällen, die Angabe eines, wie es scheint, gleichfalls epochalen Ereignisses zwischen das
Datum und die zugehörige Nennung des Königs eingeschoben. Zu diesem lang bekannten
Beispiel ist neuerdings ein Seitenstück hinzugetreten, das die gleiche Datierungsweise
für das 2. Jahr des Königs belegt, das von C Z E R N Y , Journ. Eg. Arch. 15, 196 veröffent-
lichte Ostrakon des Kaixiner Museums, das so datiert ist: f Q M ] ( J Í ^ , ^O ^ ^ [f)|
„Jahr 2, Wiederholung der Geburt, (unter) Sethos I." 2 .
Man hat das whm msw.t dieser Datierungsweise gewiß mit Recht mit dem nb.tj-
Namen des Königs zusammengebracht, der in seiner normalen Fassung ^ ^ | ||j ^ ^
, | j | „der nb.tj·. Wiederholer der Geburt, mächtig mit dem
Kriegsschwert, der die 9 Bogen abwehrt" lautet. Wenn man es aber weiter geradezu
als eine Abkürzung dieses Namens, den der König während seiner ganzen Regierung
beibehalten hat, ansehen wollte, so daß die Datierung „ J a h r 1 des Wiederholers der
Geburt" zu übersetzen wäre3, so ist das doch recht bedenklich, da eine solche Abkürzung
ohne den Titel nb. tj schon an sich ebenso ungewöhnlich wäre wie ihre Nennung im Datum,
und da überdies dann doch zu erwarten wäre, daß das Auftreten des whm msw. t in den
Datierungen nicht bloß auf die ersten Jahre des Königs beschränkt sei, wie es tatsächlich
der Fall ist, sondern ebenso wie der nb. ¿/-Name während der ganzen Dauer seiner Re-
gierung in Gebrauch geblieben sei.
Im Datum ist nach dem Beispiel der Epochenangaben in den Inschriften von Nauri
und Speos Artemidos doch wohl die infinitivische Auffassung des whm msw. t das Näher-
liegende. Sie wird wohl über jeden Zweifel erhoben durch eine andere Inschrift derselben
Kriegsdarstellungen Sethos' I. zu Karnak, in denen das oben zitierte Datum aus dem 1. Jahre

1) „ G e b u r t " , nicht „ G e b u r t e n " , wie vielfach unrichtig übersetzt worden ist. Die Plüralstriche
gehören zur üblichen Schreibung von msw.t „ G e b u r t " . — 2) Daß dieses D a t u m Sethos I. gehört und nicht
dem letzten Ramessiden der 20. Dyn., der gleichfalls Mn-m}' ,t-r\ aber mit dem Zusatz stp-n-Pth „erwählt
von P t a h " hieß, hat CZERNY a u s paläographischen und orthographischen Gründen gefolgert. E s war aber
auch schon aus dem Fehlen dieses Zusatzes, das bei dem König der 20. Dyn. eine völlig beispiellose Aus-
nahme gebildet hätte, zu ersehen. — 3) So GUIEYSSE (Ree. de trav. 11, 60, anders ib. 62, s. u.), GAUTHIER
(Livre des Rois I I I S. 11, Anm. 3), BREASTED (Anc. Records I I I § 101. 108).

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Band 66.] Κ. SETHE: Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode. 5

vorkam. Dort erscheint die gleiche Bezeichnung „ J a h r 1, Wiederholung der Geburt"


nicht als Datierung am Kopf eines Textes, sondern im Zusammenhang eines Satzes und
ohne nachfolgenden Königsnamen:

^ ^ ^ S ^ j ) S «'ü í ? I f!ì Ρ ^ Kriegsgefangenen, die seine Majestät ein-


brachte in dem Lande der Schos-Beduinen, das seine Majestät selbst erobert hatte im
Jahre 1, der Wiederholung der Geburt" C H A M P . Not. II 94 = Ros. Mon. stör. 52.
Hier wird niemand das xvhm msw. t als Namen des Königs nehmen wollen, nachdem
dieser eben vorher als „seine Majestät" bezeichnet ist; vielmehr könnte man hiernach
versucht sein zu übersetzen „Jahr 1 der Wiederholung der Geburt"2, indem das zweifellos
infinitivisch zu fassende whm als Genitiv zu den Worten hl.t-sp 1 „Jahr 1" (bezw. als
Apposition zu dem darin enthaltenen sp 1 „erstes Mal") genommen würde.
Wie man das whm msw.t dieser Jahresangaben aber auch auffassen mag, auf alle
Fälle bleibt es etwas so Ungewöhnliches, so Eigenartiges, daß es notwendig seinen be-
sonderen Sinn und Zweck gehabt haben muß. Daß die Wiedergeburt oder renaissance,
von der darin wie in dem nb. //'-Namen des Königs die Rede ist, ein passendes Bild für
den Anbruch eines neuen Zeitalters sein würde, wie das der Beginn einer neuen Sothis-
periode ja sein sollte, wird niemand bestreiten, zumal nicht angesichts der Tatsache,
daß der Tag des Siriusaufganges geradezu als dies natalis mundi bezeichnet wurde3,
und angesichts der Darstellung des Phönix neben dem Worte Αιών auf den Münzen
des Antoninus, denn dieser Vogel war ja geradezu für die Ägypter der späteren Zeiten
das Sinnbild der Auferstehving.
Diese Auslegung des Ausdrucks whm msw. t in seiner Beziehung zu Sethos I.,
dem König, unter dem sich 1318 v. Chr. die Sothisperiode erneuerte, findet ihre Unter-
stützung in den Parallelfällen, die wir dazu kennen. Als whm msw. t „Wiederholer der
Geburt" d. h. „wiedergeboren" (renatus oder renascens) hat sich vor Sethos I. in ganz ent-
sprechender Weise ein König genannt, der in der ägyptischen Geschichte eine epochale
Stellung eingenommen hat, wie neben ihm vielleicht nur noch Menes, der Gründer des
geschichtlichen ägyptischen Staates, des Alten Reiches von Memphis. Amenemmes I.,
das Haupt der 12. Dynastie, der· Begründer des Mittleren Reiches, der Herrscher, mit
dem Manethos den 1. Band seines Geschichtswerkes Schloß, war es, der sich als Horus
und als nb. t j so nannte: „der Horus Wiederholer der Geburt, der nb. t j Wiederholer der
Geburt". Damit wollte er offenbar sagen, daß in ihm wieder nach längerer Zeit ein
echter Horus und ein echter nb. t j dem Lande „wiedergeboren" sei4, der für dieses eine
neue und glückliche Zeit heraufführe. Wieder drängt sich dabei die Parallele mit dem
Phönix auf den Münzen des Antoninus Pius auf; auch er sollte ja mit seiner Erneuerung
eine solche Zeitwende bringen.
Es ist nicht unmöglich, daß Sethos I., als er sich nb. t j „der wiedergeboren ist"
nannte, geradezu dem Beispiel Amenemmes' I. gefolgt ist, zumal er sich gelegentlich
von einem Gotte (Amun) auch als Horus mit dem Beiwort anreden läßt: „wie schön ist
dieses feste und treffliche Denkmal, das du mir gemacht hast, o Horus, der wiedergeboren

1) /WWW nur bei ROSELLINI. — 2) So auch GUIEYSSE, Ree. de trav. 11, 62, nachdem er vorher in
der anderen Inschrift „de celui qui renouvelle les naissances" übersetzt hatte. — 3) S. m. „Zeitrechnung
der alten Ägypter", Nachr. Gött. Ges. d. Wiss. 1920, S. 51. — 4) Daß das whm msw.t in dem Königs-
namen so zu verstehen ist (mit passivischer Bedeutung der Geburt) und nicht etwa so, daß der König dem
Lande eine Wiedergeburt desselben gebracht, es neu geboren habe (mit aktivischer Bedeutung der Geburt),
daran lassen die analog mit msw.t gebildeten Namen anderer Könige wie 'nk msw.t „lebend geboren"
(Sesostris I.), ntrj msw.t „göttlich geboren" (Sesostris III.), twt msw.t „ansehnlich geboren" (Tut'anch-
amun), keinen Zweifel.

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6 Κ. SETHE: Sethos I. und die Erneuerung der Hundssternperiode. [66. Band.

CHAMP. Not. I I 7 9 / 8 0 , koll.). Er legt sich auch offiziell als Horus-


namen bisweilen die Bezeichnung ,,Horus, der starke Stier, der wiedergeboren ist" bei
(MAR. Abyd. I 14a, 2; 42, c, 3), die sich von dem Horusnamen Amenemmes' I. nur durch
das im NR seit Thutmosis I. unentbehrliche „starker Stier" unterscheidet.

4.
Dem renascens oder renatus, der hier die neue Zeit verkörpern soll, steht die Wieder-
geburt, die Renaissance in dem whm msw. t der Jahresdatierungen wohl als die Er-
neuerung der Zeit gegenüber. Auch sie hat ihre Parallele in den Datierungen gewisser
Urkunden, die zu dem Aktenmaterial über die Grabberaubungen der thebanischen Nekro-
pole aus dem Ausgang der 20. Dyn. gehören, und die man deshalb bisher in eben diese Zeit
gesetzt hat. Es handelt sich um Daten aus 6 aufeinander folgenden Jahren ( P E E T , Journ.
Eg. arch. 14, 65), in denen der Ausdruck whm msw. i ganz ähnlich wie in den Sethos-
Datierungen, jedoch durch die Präposition m eingeleitet und stets ohne Nennung eines
Königs, auf die Jahresangabe (in der üblichen Form j" Q hi. t-sp mit folgender Zahl)
folgt, und zwar auch da, wo eine Angabe des Monats und des Tages dazu gehört, die
dadurch also ganz gegen alle sonstige Sitte von der Jahresangabe getrennt ist. Als Probe
diene die Datierung des Wiener Papyrus, den B R U G S C H , ÄZ 14, Iff. veröffentlicht hat:
foli! U k J i l ^ 6 der Wiederholung der Geburt" (oder: „als Wieder-
holung der Geburt" ?), und die Datierung des von P E E T publizierten Pap. Mayer A, 1, 1 :
f S ' k l k J L W ® M u M § ¡ G n 'Í "jahr 1 in der Wiederholun
Geburt" § der

Monat 4 der Sommerjahreszeit Tag 15".


Aus dieser Behandlung der Monats- und Tagesdaten geht klar hervor, daß die
Nennung des whm msw. t ein Teil der Jahresangabe ist und nicht etwa einen Königs-
namen darstellt oder vertritt, was ja auch durch die Präposition m ausgeschlossen ist.
Ein Königsname würde erst am Schluß der ganzen Datierung genannt sein. Diese Fest-
stellung dürfte auch für die Beurteilung der Sethos-Datierungen mit whm msw. t, die
leider nur ohne Monats- und Tagesdatum belegt sind, wichtig sein und ihrerseits die
Auffassung, zu der wir oben hinsichtlich dieser gelangten, bestätigen.
Während P E E T noch schwankte, welcher der drei letzten Regierungen der 20. Dyn.
diese Datierungen mit m whm msw. t zuzuweisen seien, und sich nur mit Vorbehalt
zu gunsten der letzten Regierung des oben genannten Königs Mn-mi'. t-r* stp-n-Pth,
(nach der heute üblichen Zählung Ramses XI.) aussprach, hat C Z E R N Y in dem bereits
zitierten Aufsatz (Journ. Eg. Arch. 15, 194ff.) überzeugend dargetan, daß sie in der Tat
frühestens in die Zeit dieses letzten Ramessiden gehören, möglicherweise aber erst hinter
diese Regierung zu setzen sind 1 . Das letztere dürfte das Richtige sein. Die 6 mit
whm msw. t bezeichneten Jahre der thebanischen Aktenstücke werden nichts anderes
sein als die ersten 6 Jahre, welche dem Ende der 20. Dynastie folgten 2 , die Jahre der

1) ,,we are forced to place whm msw.i at least in the reign of Rameses XI., if not after it - '. —
2) In diesem Falle kann natürlich die Beziehung des Datums „Jahr 1 = Jahr 19" auf der Rückseite des
Pap. Abbott auf das 1. Jahr mit whm msw.t (CZERNY a. a. 0 . 1 9 6 ) nicht zutreffen. Sollte es sich nicht doch auf
den Übergang zwischen den Regierungen Ramses' IX. {N/r-ks-r') und Ramses'X. beziehen, der als unmittel-
barer Nachfolger des ersteren erwiesen ist (PEET, Journ. Eg. Arch. 14, 64) ? Es ist doch nicht unwesentlich,
daß es auf der Rückseite eines Schriftstückes steht, das aus dem 16. Jahre Ramses' IX. stammt. — Worauf
sich die Inschrift LDIII 248 b eigentlich bezieht, die man auf die „Usurpation" des Hri-hor und das Ende
des letzten Ramessiden (Abdankung oder Absetzung?) gedeutet hat (so auch ED. MEYER, Sitz.-Ber. Beri.
Akad. 1928, 495/6), ist bei der schlechten Erhaltung ganz ungewiß. Von einer Erhebung des Hri.hor zu
einer höheren Stellung, als er sie vorher in den Reliefs des Hypostyls des Chonstempels hatte, finde ich in

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Baud 66.] Κ. SETHE: Sethos I. und die E r n e u e r u n g der H u n d s s t e r n p e r i o d e .

königslosen Zeit, die uns am klarsten in der aus dem 5. Jahre gevviß eben dieser Zeit
datierten Erzählung von der Reise des Unamun nach Phönizien entgegentritt 1 . Damals
herrschte in Theben der Hohepriester des Amun Hri-hor, der bereits unter dem letzten
Ramessiden, jenem Könige Mn-nß\t-r stp-n-Pth, eine fast königliche Rolle gespielt
hatte, in Tanis ein gewisser Smendes (.Ns-bi-nb-dd.t), zwei Männer, die beide später die
Königswürde angenommen haben, in jenen ersten Jahren nach dem Ende der Ramessiden
aber noch als hohe Staatsbeamte ohne Königstitel auftraten.
Aus derselben Periode einer Art Interregnums dürften wohl auch die aus dem
Jahre 6 ohne Angabe eines Königs datierten Aufschriften stammen, welche jener Hri-hor
auf die Särge setzen ließ, in denen er die Mumien der Könige Sethos' I. und Ramses' II.
aufs neue beisetzen ließ (MASPERO, Mom. roy. p. 553. 557). Daß diesen Daten (der Ge-
schichte des Unamun und dieser Sargaufschriften) die Angabe des whm msw. t fehlt,
hat nichts zu sagen ; fehlt sie doch auch in den Aktenstücken über die Grabberaubungen
nicht selten, wo sie zu erwarten wäre2. Und das Gleiche ist denn ja auch bei Sethos I. zu
beobachten (s. G A U T H I E R , Livre de Rois I I I S. lOff.), u. a. auch in den Kriegsdarstellungen
von Karnak, in denen uns das Datum „Jahr 1, Wiederholung der Geburt" zweimal be-
gegnete (LD III 126a).
Wenn die hier vorgeschlagene Auffassung der Datierungen mit whm msw. t aus dem
Ausgang der 20. Dyn. richtig ist, so haben auch sie epochalen Charakter, wie es für die
entsprechenden Datierungen Sethos' I. der Fall war, wenn diese sich, wie zu vermuten,
auf die Erneuerung der Sothisperiode bezogen. Sie stellen, wie das P E E T richtig betont
hat, den Anfang oder besser gesagt den Ansatz zu einer Ära dar, die bald wieder außer
Gebrauch gekommen ist. Man kann diese Ära der königslosen Übergangszeit zwischen
der 20. und 21. Dynastie mit der französischen Revolutionsära vergleichen, die ja auch
nur ein kurzes Leben gehabt hat und von Bonaparte nach seiner Erhebung zum Kaiser
ebenso selbstverständlich abgeschafft worden ist, wie vermutlich die Ära des whm msw. t
in Theben mit der Erhebung des Hri-hor zum König ihr Ende genommen haben wird.
Die neue Zeit, deren Anbruch diese Ära als „Wiedergeburt" feierte, war die Priester-
herrschaft oder Theokratie, von der E D . M E Y E R in seiner Abhandlung „Gottesstaat,
Militärherrschaft und Ständewesen in Ägypten" (Sitz.-Ber. Beri. Akad. 1928, 495ff.)
ein so lebendiges Bild gezeichnet hat 3 .

dem Texte schlechterdings nichts. Das einzige, was man zu diesem sagen kann, ist eigentlich, daß er nicht
vor dem 17. Jahre Ramses' XI. abgefaßt sein kann, da in diesem Jahre noch Pij-nhsj Königssohn von Kusch
gewesen ist (Pap. Turin, PLEYTE und Rossi, Taf. 87). Für unsere Frage ist aber schließlich nur das von
Wichtigkeit, daß Hri-hor auch in diesem Texte noch nicht königliche Titel bekommt.
1) Gegen die herkömmliche Datierung in die Zeit des letzten Ramessiden hat sich letzthin auch ED.
MEYER, Sitz.-Ber. Beri. Akad. 1928, 497, Anm. 3 ausgesprochen. — 2) z. B. Pap. Mayer A. 11, 1. Pap. B.
M. 10383, s. PEET, Journ. Eg. Arch. 14, 65 Anm. 5. — 3) Als Ergänzung des SETHEschen Aufsatzes dient
der Artikel von J. CERNY, der durch einen bedauerlichen Irrtum nicht an dieser Stelle, sondern bereits
in Band 65, S. 129 f. dieser Zeitschrift abgedruckt worden ist. [G. STEINDORFF.]

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