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Clemens Brentano (1778-1842)

In der Fremde (entstanden zwischen 1810 und 1812) romantisches Gedicht /aus der
Literaturepoche der Romantik

Weit bin ich umhergezogen – ein Wandermanns, ein Handwerksbursche


Über Berg und über Tal
Und der treue Himmelsbogen
Er umgibt mich überall.

Unter Eichen unter Buchen


An dem wilden Wasserfall
Muss ich nun die Herberg suchen
Bei der lieb Frau Nachtigall

Die in brünstigem („brünstig“ hier im Sinne von „innbrünstig“= aus voller Kehle) Abendliede
Ihre Gäste wohl bedenkt
Bis sich Schlaf und Traum und Friede
Auf die müde Seele senkt.

Und ich hör dieselben Klagen


Und ich hör dieselbe Lust
Und ich fühl das Herz mir schlagen
Hier wie dort in meiner Brust

Aus dem Fluss, der mir zu Füßen


Spielt mit freudigem Gebraus
Mich dieselben Sterne grüßen
Und so bin ich hier zu Haus.

Aus: Clemens Brentano. Sämtliche Werke, hg. von W. Frühwald und D. Lüders.
Berlin/Stuttgart/Köln. 1983. S. 128 f.