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Arbeitsteilige Medizin zwischen Vertrauen und strafbarer Fahrlässigkeit

Von Prof. Dr. Gunnar Duttge, Göttingen

I. Verhaltensorientierung durch Vertrauen ons- wie emotionspsychologisch das Sich-Bewegen in einem


„Vertrauen“ – so hebt die berühmte Eingangssequenz der Kontext ohne Misstrauen, ohne Zwang zur Aktivierung von
gleichnamigen sozialwissenschaftlichen Studie Niklas Luh- Kontrollprozessen weit befriedigender erscheint.
manns an – ist im Sinne eines fraglosen „Zutrauens zu den Allerdings: Vertrauen bleibt stets ein Wagnis und deshalb
eigenen Erwartungen“ ein „elementarer Tatbestand des sozia- angewiesen auf die fortlaufende Verarbeitung von Erfahrun-
len Lebens“: Der Mensch hat zwar in vielen Situationen die gen nach Art einer Rückkoppelungsschleife und – zu Beginn
Wahl, ob er im Rahmen des sozialerheblichen Geschehens – auf ein „Mindestmaß an realen Grundlagen“, weil blindes
mit Blick auf Erhofftes (Wunsch) oder Befürchtetes (Sorge) Vertrauen nicht den integrierten Teilnehmer am sozialen
Vertrauen schenken will oder nicht; ohne jegliches Vertrauen Verkehr, sondern den sozial Unmündigen oder Unwilligen
aber „könnte er morgens sein Bett nicht verlassen“ – ja mehr kennzeichnet.6 Gesellschaftlich akzeptiertes Vertrauen kann
noch: Er könnte nicht einmal mehr darin ruhig verbleiben, es also nur „in Grenzen und nach Maßgabe bestimmter, ver-
weil natürlich auch die Nichtinanspruchnahme von Hand- nünftiger Erwartungen“, mithin nicht „ohne Rücksicht auf
lungsoptionen i.d.R. Resultat einer Entscheidung ist, die sich Partner, Situation und Umstände“ geben. Vertrauen ist daher
niemals ganz ohne Risiko treffen lässt. Die ungewisse Zu- keine statische, sondern eine dynamische Kategorie7 und –
kunft, die weit mehr Möglichkeiten enthält als in der Gegen- mit den Worten des Philosophen Werner Stegmaier – „nur
wart antizipier- und damit beherrschbar, ist also die unhinter- erfolgreich, wenn auch das Misstrauen wach bleibt“8; die
gehbare Ausgangsbedingung – Luhmann spricht vom „unbe- Orientierung behilft sich mit einer Strategie des „Oszillie-
zweifelbaren Faktum“ der Welt- bzw. Menschen-„Natur“ – rens“, wobei der abrupte Umschlag in Misstrauen nicht schon
für Vertrauen als Basis der eigenen Verhaltensorientierung, bei der kleinsten Unstimmigkeit, sondern je nach Festigkeit
die in einer sozialen Umgebung von überwältigender Kom- der vorausgegangenen Vertrauensroutine erst dann erfolgt,
plexität nicht ohne ein gewisses Minimum an Handlungssi- wenn deren Absorptionskraft erschöpft ist.9 Der hier jeweils
cherheit auskommt.1 relevant werdende „Schwellenwert“ lässt sich natürlich nicht
Die Orientierung stiftende Kraft von Vertrauen als Ver- allgemeingültig beziffern; stets liegt aber einem Umschlag in
haltensmaxime eines Lebens „in offenen Horizonten“ konsti- Misstrauen das „Ins-Bild-Treten“ von irritierenden, die bishe-
tuiert sich dabei im Wege einer „Antizipation des Günsti- rige Orientierung diskreditierenden Ereignissen innerhalb der
gen“, obgleich natürlich ein jeder weiß, dass sich diese „Fest- umgebenden Sozialstruktur zugrunde, „die Warnfunktionen
legungsstrategie“ bei ex ante regelmäßig defizitärer Informa- ausüben und spezifische Defensiven oder Anpassungsreakti-
tionslage im Nachhinein auch als die falsche erweisen, also onen nahelegen“10.
mit einer Enttäuschung enden kann.2 Doch erst dieses „Über-
ziehen der vorhandenen Informationen“ und „Überwinden II. Vertrauen im Recht
der Zeitdifferenz“ schafft die bekannten erweiterten Hand- Was hat das Ganze aber mit dem Recht und insbesondere mit
lungsspielräume, ohne die eine vielfältig differenzierte und dem Fahrlässigkeitsdelikt zu tun? Nun: Die soziologische
arbeitsteilig organisierte Gesellschaft nicht auskommen Analyse kennt nicht nur das „personale Vertrauen“ als ur-
kann.3 Wer wollte denn heute auf so selbstverständlich er- sprünglichen Modus der vertrauten interpersonalen Begeg-
scheinende Wohlstandsattribute wie Straßenverkehr, Internet nung, sondern – bedingt durch die exorbitante Ausweitung
oder eben auch eine fortschrittliche Universitätsmedizin noch von Interaktionen innerhalb der modernen Gesellschaft in
verzichten?4 In dem Maße, wie das zugrunde liegende Ver- räumlicher, zeitlicher und sozialer Hinsicht – das sog. „Sys-
trauen wächst, nimmt auch das Potential an Handlungs- und tem- oder Funktionalitätsvertrauen“11, also insbesondere in
Entfaltungsmöglichkeiten zu: „Wer im Zweifelsfall misstraut, Institutionen, strukturierte Verfahrensabläufe, Sprachen und
erlebt [zwar] keine Enttäuschungen, aber er erlebt weniger“5. Symbolen der vernetzten Kommunikation.12 Zu diesen „gene-
Darin dürfte jedenfalls zu einem nicht unerheblichen Teil
zugleich die Ursache dafür zu finden sein, dass auch kogniti-
6
Duttge, Straf- und haftungsrechtliche Fragen der arbeitstei-
ligen Wundtherapie, in: GMS Krankenhaushygiene Interdis-
1
Vgl. Luhmann, Vertrauen, Ein Mechanismus der Reduktion ziplinär 2007 (online: http://www.egms.de/static/en/journals/
sozialer Komplexität, 4. Aufl. 2000, S. 1. dgkh/2007-2/dgkh000063.shtml).
2 7
Voswinkel, in: Mönnich/Bartsch (Hrsg.), Glaubwürdigkeit Luhmann (Fn. 1), S. 36, 40.
8
kommunizieren, Jahresheft der Sprech-Kontakte über Zu- Stegmaier, in: Fischer/Kaplow (Hrsg.), Vertrauen im Un-
kunftsthemen der Sprechkommunikation in Wirtschaft, Wis- gewissen, 2008, S. 16.
9
senschaft, Weiterbildung und Verwaltung, 1997/1998, S. 2. Duttge (Fn. 4), S. 466 f.
3 10
Luhmann (Fn. 1), S. 31, 97. Luhmann (Fn. 1), S. 64.
4 11
Vgl. Duttge, Zur Bestimmtheit des Handlungsunwerts von Hof, Rechtsethologie, Recht im Kontext von Verhalten und
Fahrlässigkeitsdelikten, 2001, S. 2. außerrechtlicher Verhaltensregelung, 1996, S. 201.
5 12
Strasser/Voswinkel, in: Schweer (Hrsg.), Interpersonales Hart, in: Kern/Wadle/Schroeder/Katzenmeier (Hrsg.),
Vertrauen, Theorien und empirische Befunde, 1997, S. 217, Humaniora, Medizin – Recht – Geschichte, Festschrift für
233; Voswinkel (Fn. 2), S. 2 (S. 15). Adolf Laufs zum 70. Geburtstag, 2006, S. 843.
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ralized mechanisms“ (Talcott Parsons) zählt nicht zuletzt lässigkeitsspezifischen Verhaltensfehler herausragende Be-
auch die Rechtsordnung, die für bestimmte Erwartungen und deutung gewinnt. Denn selbst bei größtmöglichem Bemühen
Sanktionsmöglichkeiten hohe Sicherheit – eben die sog. bewahrt die „gute Absicht“ bekanntlich nicht immer vor
„Rechtssicherheit“ – verspricht und dadurch vom Risiko des „bösen“ Taten – ja ein Scheitern ist mit Donald Davidson erst
nicht selten unkalkulierbaren Vertrauensvorschusses gegen- vor dem Hintergrund überwiegenden Gelingens überhaupt
über Fremden entlastet.13 Diese „Differenzierung von Recht vorstellbar;16 diese Begrenztheit menschlichen Voraussehen-
und Vertrauen“, oder besser: zwischen Recht und sozialer und Vermeiden-Könnens mahnt jedoch nicht nur den Akteur
Mitwelt als Bezugsgegenstand von Vertrauen ist aber keine zur ständigen Überprüfung seiner Erwartungen hinsichtlich
vollkommene, bewirkt also keine hermetisch abgeschlosse- der möglichen Folgen seines Handelns, sondern nicht minder
nen Sphären; vielmehr rekurriert das Recht in vielfältiger auch die rechtliche Bewertung zur Rücksichtnahme auf diese
Weise auf verlässliche und daher vertrauensbegründende spezifischen Handlungsbedingungen, die durchweg vom
Strukturen der Interaktion, die auf diese Weise ausgezeichnet Fehlen absolut verlässlicher Wegweiser geprägt sind. Dies
und durch Implementierung von durchsetzbaren Rechten und eigens zu betonen besteht umso mehr Anlass, als die „actor-
Pflichten gleichsam „wetterfest“ gemacht werden. observer-Differenz“ haarsträubende Attributionsfehler bei der
Mitunter verweist das Recht dabei unmittelbar auf etab- nachträglichen Bewertung menschlichen Verhaltens nahe
lierte Kontinuitätserwartungen innerhalb der jeweiligen Ver- legt: Die Offenheit der Handlungssituation wird vom Beurtei-
kehrskreise wie etwa auf „Treu und Glauben“ (§ 242 BGB), ler ebenso gerne unterschätzt wie die Möglichkeit einer ratio-
„Handelsbräuche“ (§ 346 BGB), „anerkannte Regeln der nalen Entscheidungsfindung überschätzt; die Kenntnis über
ärztlichen Kunst“ bzw. der „medizinischen Wissenschaft“ die tatsächlich eingetretenen Handlungsfolgen lässt sich nur
(z.B. § 40 Abs. 4 Nr. 1 AMG, § 3 Abs. 1 Nr. 2 TPG) oder schwer ausblenden, so dass nachträgliche Prognosen einem
durch Statuierung von „Anscheinstatbeständen“ im Zivil- „schleichenden Determinismus“ unterliegen; und schließlich
oder „Anvertrauenstatbeständen“ im Strafrecht (z.B. §§ 203, erfolgen Bewertungen häufig in Relation zur Schwere der
246 Abs. 2, 266 StGB, z.T. ebenso § 13 StGB). Aber auch negativen Handlungsfolgen, so dass stets die Gefahr einer
dort, wo sich – wie häufiger – den ausdifferenzierten Rechts- unangemessenen „Erfolgsorientierung“ und Reduktion des
konstruktionen der Bezug zu menschlichem Vertrauen als Bewertungsvorgangs auf die bloße „Rekonstruktion eines
zentraler Verhaltensmaxime nicht derart unvermittelt ent- versteinerten Kausalverlaufs“ besteht („severity-responsibili-
nehmen lässt, zählt der Vertrauensgedanke gleichsam zu den ty-relation“).17
Universalien, die der gesamten Rechtsordnung inhärent sind.
Das zeigt sich nirgends deutlicher als im Lichte der Verrecht- III. Vertrauensgrundsatz und Fahrlässigkeitsdelikt
lichungsdebatte, wenn also die Frage akut wird, inwieweit Was begründet aber jene die soziale Interaktion prägenden,
soziale Beziehungen einer rechtlichen Regulierung überhaupt das Verhalten der Menschen orientierenden, ihr Vertrauen
zugänglich sind, ohne dadurch Schaden zu nehmen; an ande- auf einen „guten Verlauf“ stützenden Handlungsmuster, die
rer Stelle findet sich dies als die „dunkle Seite“ des Strebens eine dieser Lebenswelt adäquaten Rechtsordnung nicht ver-
nach Rechtssicherheit bezeichnet.14 Bezogen auf das im hie- fehlen darf? Sind es soziale Konventionen, generalisierte
sigen Kontext besonders interessierende Themenfeld trägt ein Lebenserfahrungen, nach und nach zur Norm verdichtete
von dem Soziologen Franz-Xaver Kaufmann herausgegebe- praktische „Normalitäten“, sind es zugeschriebene soziale
ner Sammelband den sprechenden Titel: „Ärztliches Handeln Rollenbilder oder allein rechtsnormativ betrachtet diejenigen
zwischen Paragraphen und Vertrauen“15; je nach Gusto wer- „Wegstrecken“, die sich als „notwendig“ oder zumindest
den manche dabei eher an Sterbehilfe und andere mehr an die „freigestellt“18 nach Berücksichtigung aller Ver- und Gebote
ärztliche Aufklärungspflicht, an die Richtlinien des Gemein- der Rechtsordnung ergeben? Letzteres scheint diejenige Fas-
samen Bundesausschusses im System der gesetzlichen Kran- sung des Vertrauensgrundsatzes nahezulegen, die sich im
kenversicherung oder an anderes mehr denken. Zuge der den Paradigmenwechsel vollziehenden Entschei-
Sind die bestehenden sozialen Strukturen aber nicht ledig- dung des Vereinigten Großen Senats aus dem Jahre 1954 mit
lich Objekt, sondern zugleich Einflussgrößen der rechtlichen Blick auf die Verhältnisse des Straßenverkehrs etabliert hat:
Gestaltung – sei es durch ihren Transfer in rechtliche Zu- Danach „darf derjenige, der sich im Straßenverkehr ord-
sammenhänge oder gerade umgekehrt durch ein gewolltes nungsgemäß verhält, vorbehaltlich gegenteiliger Anhalts-
Verschontbleiben von rechtlicher Regulierung –, und resul- punkte darauf vertrauen, dass andere dies auch tun“.19 Die
tiert auf der Handlungsebene der Bedarf an vertrauensbe- zweite, neben dem Straßenverkehr allgemein anerkannte
gründenden Faktoren stets aus dem Dilemma des Entschei-
dens in Unsicherheit, so kann eigentlich nicht mehr überra- 16
Davidson, in: Davidson, Inquiries into Truth and Interpre-
schen, dass das Momentum des Vertrauen-Müssens, aber
tation, 1984, S. 199.
nicht immer Vertrauen-Dürfens bei der Frage nach dem fahr- 17
Vgl. Duttge (Fn. 4), S. 13; Roth, Zur Strafbarkeit leicht
fahrlässigen Verhaltens, 1995, S. 19; ausführlich Kuhlen, in:
13
Duttge (Fn. 4), S. 484. Jung/Müller-Dietz/Neumann (Hrsg.), Recht und Moral, Bei-
14
Dazu näher Duttge, in: Höver/Baranzke/Schaeffer (Hrsg.), träge zu einer Standortbestimmung, 1991, S. 341 (S. 358 ff.).
18
Sterbebegleitung: Vertrauenssache!, 2011 (in Vorbereitung). Zu den normlogischen Implikationen näher Joerden, Logik
15
Kaufmann (Hrsg.), Ärztliches Handeln zwischen Paragra- im Recht, 2005, S. 199 ff.
19
phen und Vertrauen, 1984. BGH, Urt. v. 20.5.1954 – 4 StR 857/53 = NJW 1954, 1169.
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Fallgruppe – das arbeitsteilige Zusammenwirken insbesonde- der Regel darauf verlassen, dass dies in der gebotenen Weise
re auf der Ebene des gleichgeordneten Miteinanders – zeigt bereits durch den Erstbehandler geschehen ist.26 Anders liegt
jedoch, dass eine derart einseitig rechtsnormative Betrach- es jedoch, wenn im Rahmen der weiteren Behandlung oder
tungsweise der lebensweltlichen Verankerung der Verantwor- Operation signifikante Zweifel an der zuvor gestellten Diag-
tungsbereiche nicht gerecht würde. Denn dass etwa vom nose aufkommen wie etwa in einem vom OLG Köln ent-
Chirurgen nicht verlangt werden kann, als Nichtspezialist die schiedenen Fall, in welchem der operierende Arzt bei einer
anästhesiologische Behandlung des Patienten durch den Spe- geschlechtsbezogenen Operation statt einen wie gedacht
zialisten (Anästhesiologen) zu überwachen und zu kontrollie- überwiegend männlichen einen rein weiblichen Organismus
ren, resultiert im Wesentlichen aus der Rollenzuschreibung, vorfand.27 Bei bloß zeitlicher Nachfolge von Ärzten dersel-
wie sie sich innerhalb der medizinischen Wissenschaften ben Fachrichtung verlangen die Oberlandesgerichte demge-
durch Spezialisierung und Professionalisierung sukzessive genüber stets die eigenverantwortliche Überprüfung von
herausgebildet und in Leitlinien und curricula für die ärztli- Diagnose und Therapiewahl durch den nachfolgenden Arzt.28
che Ausbildung ihren Ausdruck gefunden hat. Die Rechts- Und schließlich – eine keineswegs unwichtige Ergänzung –
ordnung kann diese rollenspezifischen Prägungen und Festle- umfasst der eigene Verantwortungsbereich nach st. Rspr. u.U.
gungen sehr wohl anerkennen, nicht aber selbst kreieren. auch die spezifischen Gefahren des arbeitsteiligen Zusam-
Auch jenseits des eben genannten alltäglichen Beispiels menwirkens an den jeweiligen Schnittstellen wie z.B. bei
gilt im Rahmen der horizontalen Arbeitsteilung, dass sich Verwendung eines sog. Thermokauters (= Glühbrenner) im
„im Interesse eines geordneten Ablaufs“ die Vertreter der Rahmen einer Augen-Operation, wenn der Anästhesiologe
einen Fachrichtung grundsätzlich auf die fehlerfreie Mitwir- zugleich hochkonzentrierten Sauerstoff verwendet. Die
kung der Kollegen/Innen aus der anderen Disziplin verlassen Reichweite des Vertrauensgrundsatzes wird somit auf solche
dürfen,20 sofern und solange sich nicht Zweifel hieran auf- Konstellationen beschränkt, in denen es um Gefahren geht,
grund konkreter Anhaltspunkte aufdrängen wie z.B. bei gro- die ausschließlich dem Aufgabenbereich eines der beteiligten
ben Nachlässigkeiten oder bei Kenntnis oder leichter Erkenn- Ärzte zugeordnet sind.29
barkeit von Qualifikationsmängeln21 (etwa bei einer „Anfän- Man könnte annehmen, im Falle der vertikalen Arbeitstei-
geroperation“)22. Im Falle des Zusammenwirkens von nieder- lung sei alles ganz anders, also bei einem Zusammenwirken
gelassenem Arzt und Krankenhaus darf ersterer auf die Dia- auf Grundlage der fachlichen Über- bzw. Unterordnung.30
gnostik der ihm personell und apparativ überlegenen Klinik Bei näherer Betrachtung ist jedoch ein gewisses Maß an
grundsätzlich vertrauen, es sei denn, die bei ihm vorauszuset- Vertrauendürfen des weisungsberechtigten Arztes geradezu
zenden Kenntnisse und Erfahrungen hätten ihn zu ernsten unausweichlich, weil ihm andernfalls im Zweifel nur die
Zweifeln an der Richtigkeit drängen müssen.23 Aber auch im höchstpersönliche Erbringung der jeweiligen Maßnahme
umgekehrten Fall sollen eigene Befunderhebungen durch den verbliebe.31 Wenn die Anzeichen nicht trügen, weisen die
Krankenhausarzt nur veranlasst sein bei leicht erkennbaren jüngeren Entwicklungen aber deutlich in Richtung einer
„Qualitätsunterschieden, die nach der Erfahrung eines sol- weiter reichenden Delegation von ursprünglich allein im
chen Arztes in der Person des niedergelassenen Kollegen ärztlichen Verantwortungsbereich liegenden Aufgaben,32
liegen könnten, oder wenn die Befunde des Einweisenden sicherlich nicht unwesentlich mitbedingt durch die Kostensi-
nicht zum Krankheitsbild passen“24. Überdies dürfe sich der tuation und den sich abzeichnenden Ärztemangel. Zuletzt
zur Durchführung einer Operation hinzugezogene Chirurg forderte insbesondere das Gutachten des Sachverständigen-
auf das Bestehen einer ordnungsgemäßen Aufklärung seitens rats zur Kooperation und Verantwortung im Gesundheitswe-
des überweisenden Arztes verlassen.25 Ein konsiliarisch hin- sen 2007 eine neue Arbeitsverteilung zwischen den Gesund-
zugezogener Arzt ist einem Beschluss des Thüringischen heitsberufen und eine klare Abgrenzung der jeweiligen Auf-
OLG zufolge nicht verpflichtet, eine Anamnese durchzufüh-
ren und weitere Befunde zu erheben, die über den konkreten 26
Thüringisches OLG, Beschl. v. 15.1.2004 – 4 U 836/03 =
Untersuchungsauftrag hinausgehen; vielmehr kann er sich in
OLG-NL 2004, 97.
27
OLG Köln, Beschl. v. 3.9.2008 – 5 U 51/08 = MedR 2009,
20
BGH, Urt. v. 2.10.1979 – 1 StR 440/79 = NJW 1980, 649. 343; siehe auch OLG Köln, Urt. v. 14.7.1993 – 27 U 13/93 =
21
BGH, Urt. v. 8.11.1988 – VI ZR 320/87 = VersR 1989, VersR 1993, 1157; BGH, Urt. v. 28.5.2002 – VI ZR 42/01 =
186; BGH, Urt. v. 19.11.1997 – 3 StR 271/97 = MedR 1998, NJW 2002, 2944.
28
218. KG Berlin, Urt. v. 13.11.2003 – 20 U 111/02 = NJOZ
22
OLG Zweibrücken, Urt. v. 7.10.1987 – 2 U 16/86 = VersR 2004, 594.
29
1988, 165. BGHZ 140, 309 (314).
23 30
Laufs/Kern, in: Laufs/Kern (Hrsg.), Handbuch des Arzt- Dazu näher Deutsch, in: Duttge (Hrsg.), Perspektiven des
rechts, 4. Aufl. 2010, § 100 Rn. 10 f. Medizinrechts im 21. Jahrhundert, 2007, S. 69 (S. 71 ff.).
24 31
OLG Köln, Urt. v. 14.7.1993 – 27 U 13/93 = VersR 1993, BGH, Urt. v. 2.10.1979 – 1 StR 440/79 = NJW 1980, 649.
32
1157; BGH, Urt. v. 28.5.2002 – VI ZR 42/01 = NJW 2002, Zur Delegationsfähigkeit von intravenösen Injektionen auf
2944. medizinisch-technische Assistenten für Radiologie: OLG
25
OLG Köln, Beschl. v. 3.9.2008 – 5 U 51/08 = VersR 2009, Dresden, Urt. v. 24.7.2008 – 4 U 1857/07 = MedR 2009, 410;
1670 (1671); OLG Köln, Urt. v. 17.3.2010 – 5 U 51/09 = s.a. Bergmann, MedR 2009, 4; Spickhoff/Seibl, MedR 2008,
VersR 2011, 83. 463.
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gabenfelder.33 Der zum 1.7.2008 in Kraft getretene § 63c kümmern sollten. Entscheidend war für den BGH das Beste-
Abs. 3c SGB V erlaubt Modellprojekte, die eine Übertragung hen einer Dienstanweisung, wonach sich „jeder Beschäftigte
von genuin ärztlichen Tätigkeiten auf Angehörige der Pflege- bei Arbeitsunterbrechung und nach beendeter Arbeit davon
berufe zum Gegenstand haben. Für diesen größer werdenden überzeugen [müsse], dass die Strecke betriebssicher ist“. Es
Bereich delegierbarer Tätigkeiten bedarf es nicht anders als ist aber deutlich zu erkennen, dass damit nur eine Spezifika-
bei der horizontalen Arbeitsteilung eines angemessenen, tion der generellen Vermeidepflicht, des allgemeinen „nemi-
lebensadäquaten Zuschneidens der Verantwortungsbereiche. nem laede“ formuliert ist, nicht aber die in der konkreten
Nach gängiger Auffassung treffen den Fachvorgesetzten Situation die Beteiligten jeweils individuell treffende „Sorg-
Sorgfaltspflichten daher nur in dreifacher Hinsicht: Er hat faltspflicht“38. Läge es anders, wäre stets ein jeder für alles
erstens gewissenhaft zu prüfen, ob von dem Delegationsemp- verantwortlich, was dem eigenen Wirkbereich nicht von
fänger eine fehlerfreie Ausführung der Maßnahme erwartet vornherein entzogen ist (im Schwebebahn-Fall also jeder
werden kann (Auswahlpflicht); er muss zweitens diesem – Arbeiter verpflichtet, tatsächlich noch einmal in eigener Per-
zumindest im Wege einer allgemeinen Dienstanordnung – die son die vollständige Sicherheit der gesamten Bahnstrecke zu
für die Aufgabenerledigung nötigen Instruktionen zukommen überprüfen); eine solche Betrachtungsweise würde die an den
lassen (Instruktionspflicht) und schließlich muss er drittens Einzelnen gestellten Anforderungen weit überspannen und
die ordnungsgemäße Ausführung der Aufgabe durch regel- jedes kooperative Zusammenwirken einem unkalkulierbaren
mäßige stichprobenhafte Kontrollen überprüfen (Überwa- Haftungs- und Strafbarkeitsrisiko aussetzen.
chungspflicht).34 Die zum Teil darüber hinaus postulierte Deshalb ist schlechterdings nicht einzusehen, warum der
ausnahmslose Endkontrolle nach Abschluss der übertragenen Anwendungsbereich des Vertrauensgrundsatzes auf jene
Tätigkeit würde demgegenüber den intendierten Entlastungs- Themenfelder beschränkt sein soll, auf denen er sich in seiner
effekt der arbeitsteiligen Erledigung wieder ad absurdum Sinnhaftigkeit mehr oder minder zufällig zuerst gezeigt hat.
führen. Deshalb gilt, sofern die vorstehende Pflichtentrias Dies verdeutlicht in augenfälliger Weise die gängige Recht-
beachtet worden ist, dass der Sorgfalt, Umsicht und Gewis- fertigung seiner Geltung im Straßenverkehr: Denn wenn
senhaftigkeit der Hilfskräfte im Hinblick auf deren eigene hierfür der Umstand ausschlaggebend sein soll, dass sich ein
unmittelbare Primärverantwortlichkeit35 grundsätzlich ver- nicht unerhebliches Maß an Gefährlichkeit auch bei Einhal-
traut werden darf.36 tung aller Verkehrsregeln nicht völlig vermeiden lässt,39 so ist
dies gerade keine Besonderheit des Straßenverkehrs, sondern
IV. Auf dem Weg zu einem „erweiterten Vertrauens- eine Grundtatsache menschlichen Lebens schlechthin. Hier
grundsatz“ wie dort herrscht regelmäßig der „Geist der Gleichrangigkeit“
Die abschließende, noch wesentlich bedeutsamere Frage und des „jeder für sich“,40 was ein unabgestimmtes und da-
lautet: Beschränkt sich hierauf das Anwendungsfeld des durch gefahrenträchtiges Geschehen deutlich wahrscheinli-
Vertrauensgrundsatzes oder reicht dieses weiter? Die Rspr. cher macht als im Falle eines „Kooperationsverhältnisses“.
ist bisher äußerst zögerlich und neigt zu großer Zurückhal- Wenn der Vertrauensgrundsatz aber selbst dort gelten soll
tung. Im Wuppertaler Schwebebahn-Urteil37 hat sich der (wenngleich in Grenzen), wo Einfluss- und Kontrollmöglich-
BGH einem Rückgriff auf den Vertrauensgrundsatz ganz und keiten ausgeübt werden können,41 so muss dies erst recht für
gar verweigert trotz Vorliegens einer klaren Absprache zwi- den Regelfall der anonymen Sozialbeziehungen – und zwar
schen den paarweise eingesetzten Arbeitergruppen, die sich grundsätzlich jedweder Art – gelten.
um die Entfernung der später unfallursächlichen Stahlkralle Von nicht minderer Fragwürdigkeit erweist sich bei nähe-
rer Analyse der üblicherweise angebrachte Vorbehalt des
33 eigenen verkehrsgerechten Verhaltens: Verstünde sich dieser
Vgl. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwick-
im Sinne einer Art von „Verwirkung“ des Vertrauensschutzes
lung im Gesundheitswesen, Kooperation und Verantwortung.
und damit gleichsam als „Bestrafung“ des Verkehrsteilneh-
Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversor-
mers für die eigene Verkehrswidrigkeit, so käme das offen-
gung, 2007, S. 104 ff.
34 sichtlich der unzulässigen Sanktion eines versari in re illicita
Siehe Duttge (Fn. 6) m.w.N.
35 gleich.42 Wäre bei jedweder Verkehrswidrigkeit, selbst wenn
Die Hilfskräfte dürfen auch ihrerseits nicht „blind“ auf
Anweisungen ihrer Vorgesetzten vertrauen, wenn deutliche
Anhaltspunkte für einen schadensträchtigen Verlauf beste-
38
hen; zur Problematik zuletzt BGH, Urt. v. 13.11.2008 – 4 StR Zur Individualisierung des Fahrlässigkeitsmaßstabs näher
252/08 = BGHSt 53, 38 = NStZ 2009, 146 m. Bspr. Duttge, Duttge, in: Joecks/Miebach (Hrsg.), Münchener Kommentar
HRRS 2009, 145; Renzikowski, StV 2009, 443 richtig dage- zum Strafgesetzbuch, Bd. 1, 2003, § 15 Rn. 94 ff. m.w.N.
39
gen BGHSt 52, 159 m. Anm. Kühl: keine Entlastung eines Sternberg-Lieben, in: Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch,
Kfz-Werkstattleiters, wenn Firmeninhaber Gefahr einer de- Kommentar, 28. Aufl. 2010, § 15 Rn. 144.
40
fekten Bremsanlage nicht ernst nimmt. Herzberg, Die Verantwortung für Arbeitsschutz und Un-
36
Zuletzt BGH, Urt. v. 13.12.2006 – 5 StR 211/06 = MedR fallverhütung im Betrieb, 1984, S. 172.
41
2007, 304; siehe auch Ulsenheimer, in: Laufs/Kern (Fn. 23), So Sternberg-Lieben (Fn. 39), § 15 Rn. 151.
42
§ 140 Rn. 27. Duttge (Fn. 38), § 15 Rn. 142; zust. Vogel, in: Laufhütte/
37
BGHSt 47, 224 m. krit. Bspr. Duttge, NStZ 2006, 266; Rissing-van Saan/Tiedemann (Hrsg.), Strafgesetzbuch, Leip-
Freund, NStZ 2002, 424. ziger Kommentar, Bd. 1, 12. Aufl. 2007, § 15 Rn. 226; Ro-
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sie für den konkreten Geschehensverlauf keinerlei Auswir- sein, die Sorgfaltspflicht selbst und nicht lediglich deren
kung gehabt hätte, die Anwendbarkeit des Vertrauensgrund- Ausnahmebereich zu bestimmen,50 also das Maß dessen
satzes gleichsam „gesperrt“, so würde sein Sinn damit gründ- sichtbar werden zu lassen, was einem jeden innerhalb des
lich verkannt.43 Intendiert jene Bedingung aber lediglich eine eigenbeherrschten Handlungsbereichs an Vorsicht und Zu-
Widerlegung des Vertrauendürfens in solchen Fällen, in de- rückhaltung abverlangt werden kann.51
nen das „verkehrswidrige Verhalten“ erkennbar Fehlreaktio- Bei einem solchen Verständnis wandelt sich der Vertrau-
nen anderer provoziert und auf diese Weise eine „anomale ensgrundsatz folgenreich in eine fundamentale „Metaregel
Verkehrslage“44 herbeiführt, dann manifestiert sich hierin zur Bestimmung derjenigen Gefahren, die der Täter in einer
nichts anderes als die allgemeine Begrenzung des Vertrau- bestimmten Situation vorauszuberechnen und gegen die er
ensgrundsatzes durch das Vorliegen „gegenteiliger konkreter Vermeidestrategien zu entwickeln hat“52. Vertrauen und
Anhaltspunkte“.45 Mit anderen Worten entbehrt jener Ver- Misstrauen stehen sich nunmehr – aber erst jetzt – als zwei
wirkungssatz dann jedweder Funktion und zeigt sich damit funktional aufeinander bezogene und in dieser Funktion den
als vollkommen überflüssig.46 Gehalt des Rechts bzw. des Unrechts bestimmende Äquiva-
Nicht anders liegt es schließlich mit der dritten Ein- lente einander gegenüber, wobei das Misstrauen gleichsam
schränkung, der Ausrichtung des Vertrauensgrundsatzes auf „Kodifikationsprinzip des Rechts“ ist auf der Grundlage
das „ordnungsgemäße Verkehrsverhalten anderer“. Soweit prinzipiellen Vertrauens.53 Der in diesem Sinne grundlegend
hiermit auf „konkrete Sondernormen“ Bezug genommen erweiterte Vertrauensgrundsatz findet seine Grenze immer
werden soll, wird deren auch nach h.M. nur indizielle Bedeu- erst dort, wo konkrete Anhaltspunkte für die gegenteilige
tung bei der Feststellung des fahrlässigkeitsspezifischen Ver- Annahme vorliegen;54 er bildet damit im Kontext des Fahr-
haltensfehlers verkannt.47 Denn sie regeln das menschliche lässigkeitsdelikts nicht etwa bloß einen punktuellen Aus-
Verhalten doch nicht um der Regulierung willen, sondern zur schnitt, sondern den gesamten Bereich des „erlaubten Risi-
Ermöglichung eines schadlosen sozialen Lebens.48 Sie reprä- kos“ ab.55 Was das umgekehrt für die Konstruktion des fahr-
sentieren nicht mehr und nicht weniger als das Ergebnis einer lässigkeitsspezifischen Verhaltensfehlers im Einzelnen zur
auf allgemeiner Erfahrung und Überlegung beruhenden um- Folge hat, lässt sich im hiesigen Rahmen nicht mehr näher
fassenden Voraussicht möglicher Gefahren; was man dem ausbuchstabieren. Welches Grundverständnis von Recht und
Einzelnen aber an Vertrauensschutz im konkreten Fall in Rechtswissenschaft sich damit jedoch erfüllt, kann mit einem
Rechnung stellen kann, hängt letztlich allein von der je indi- abschließenden Bonmot Arthur Schopenhauers unschwer
viduellen Situation ab.49 Hierfür ist das soziale Verhalten der verdeutlicht werden: „Wer die (Straf-)Rechtswissenschaft als
anderen Verkehrsteilnehmer (i.w.S.) zwar von notwendiger, praktische Wissenschaft begreift, deren Erkenntnisse dem
aber keineswegs von hinreichender Bedeutung. Nicht weni- Leben dienen sollen […], der muss dafür sorgen, dass sich
ger relevant für das Ausbleiben einer Rechtsgutsbeeinträchti- ihre Begriffe im Leben auch bewähren. […] Jeder Begriff hat
gung ist, wie sich der Einzelne selbst in der konkreten Situa- seinen Wert und sein Dasein in der, wenn auch sehr vermit-
tion mit dem Verhalten der anderen abstimmt. Sinn eines telten Beziehung auf eine anschauliche Vorstellung; was von
wohlverstandenen Vertrauensgrundsatzes kann es daher nur den Begriffen gilt, gilt auch von den aus ihnen zusammenge-
setzten Urteilen und von den ganzen Wissenschaften“. Echte
Wissenschaft gewinnt ihre Probleme nicht aus abstrakten
xin, Strafrecht, Allgemeiner Teil, Bd. 1, 4. Aufl. 2006, § 24
Überlegungen, sondern aus dem „Anblick der Welt“.56
Rn. 24.
43
Gropp, Strafrecht, Allgemeiner Teil, 3. Aufl. 2005, § 12
Rn. 38; Krümpelmann, in: Küper/Puppe/Tenckhoff (Hrsg.),
Festschrift für Karl Lackner zum 70. Geburtstag am 18. Feb-
ruar 1987, 1987, S. 289.
44
Roxin (Fn. 42), § 24 Rn. 24.
45
Duttge (Fn. 38), § 15 Rn. 142.
46
Wie hier bereits Krümpelmann (Fn. 43), S. 289 (S. 292);
50
Niewenhuis, Gefahr und Gefahrverwirklichung im Verkehrs- Puppe (Fn. 49), Vor § 13 Rn. 166.
51
strafrecht, 1984, S. 125; Puppe, Jura 1998, 21 (23). Köhler, Strafrecht, Allgemeiner Teil, 1997, S. 189.
47 52
Näher Duttge (Fn. 38), § 15 Rn. 113 ff., 135 ff.; siehe auch Puppe (Fn. 49), Vor § 13 Rn. 162.
53
Duttge, GA 2003, 451 sowie zuletzt Duttge, Comparative Otto, ZStW 87 (1975), 539 (560).
54
Law Review (jap.) 43 (2009), 21. Duttge (Fn. 38), § 15 Rn. 144.
48 55
In dieser Grundsätzlichkeit natürlich unstrittig, deutlich Duttge (Fn. 38), § 15 Rn. 139; zum „erlaubten Risiko“ aus
wie hier Jakobs, Strafrecht, Allgemeiner Teil, 2. Aufl. 1991, der Perspektive eines individualisierten Fahrlässigkeitsmaß-
7/35; noch immer treffend Bockelmann, Verkehrsstrafrechtli- stabs jüngst Duttge, in: Bloy/Böse/Hillenkamp/Momsen/
che Aufsätze und Vorträge, 1967, S. 107: „Geboten ist letzt- Rackow (Hrsg.), Gerechte Strafe und legitimes Strafrecht,
lich niemals das Vorschriftsmäßige, sondern – selbstverständ- Festschrift für Manfred Maiwald zum 75. Geburtstag, 2010,
lich – das Richtige“. S. 133.
49 56
Puppe, in: Kindhäuser/Neumann/Paeffgen (Hrsg.), Nomos Schopenhauer, in: von Löhneysen (Hrsg.), Sämtliche Wer-
Kommentar, Strafgesetzbuch, Bd. 1, 3. Aufl. 2010, Vor § 13 ke, 5. Aufl. 1995, Bd. 1, Die Welt als Wille und Vorstellung,
Rn. 155; Krümpelmann (Fn. 43), S. 289 (S. 305). (1819), § 9 (S. 77 ff.) und § 14 (S. 108 ff.).
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