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Fokus Deutsch – Erfolgreich in Alltag und Beruf C1


Modelltest telc Deutsch C1

Leseverstehen, Teil 3
Lesen Sie den folgenden Text und die Aussagen 13–23. Welche der Aussagen sind richtig (+),
falsch (-) oder gar nicht im Text enthalten (x)? Markieren Sie. Es gibt jeweils nur eine richtige
Lösung.

____________ (Überschrift)

Wenn man ins Auto steigt, schnallt man sich an und, bevor man über die Straße geht, schaut man zuerst
nach links und dann nach rechts. Nachrichten über verschiedene Viren, Krankheiten und Epidemien
lassen die Einschaltquoten in die Höhe schnellen und besorgte Menschen ihren Arzt oder Apotheker um
Rat bitten. Das sind typische, offene oder versteckte, Angstsituationen, die uns alle durch das Leben
begleiten. Nun kann es vorkommen, dass die Angst übermäßig stark wird und krankhafte Dimensionen
annimmt. Dann ist von einer „Angsterkrankung“ die Rede, einer psychischen Erkrankung, die ähnlich
häufig wie die verschiedenen Formen von Depression vorkommt. Wird das Problem nicht rechtzeitig
angegangen, dann kann diese Angst zusehends außer Kontrolle geraten. Wer darunter leidet, hat Angst
davor, Angst zu bekommen, er bleibt nach Möglichkeit von Orten und Situationen fern, die ihm Angst
machen, er isoliert sich. Fehlendes Selbstbewusstsein und Hilflosigkeit sind – neben den rein
körperlichen Symptomen – die Folge.
Menschen, die unter Angststörungen leiden, ergreifen oft selber die Initiative zur Heilung. Für viele ist
Alkohol das erste Mittel, nach dem sie greifen, Alkohol mildert ja, zumindest vorübergehend, die Intensität
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von Angstgefühlen ab. Andere geben wiederum Beruhigungsmitteln den Vorzug. Deren Wirkung ist
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allerdings von kurzer Dauer, ein Überkonsum kann zu gesundheitlichen Schäden führen.
Es gibt verschiedene Typen von Angsterkrankungen, als häufigste gilt die generalisierte Angststörung.
Alle Rechte vorbehalten.

Sie macht sich in Form von Sorgen und Ängsten in vielen verschiedenen Lebensbereichen bemerkbar.
Einen offenkundigen Grund gibt es oft nicht, oft hat er sogar seinen Ursprung in der Angst um eine liebe
Person, z. B. einen Freund oder Familienangehörigen, und steigert sich in unnatürlicher Weise.
Menschen mit generalisierter Angststörung empfinden tiefe innere Unruhe und Nervosität und klagen in
der Regel über schlechten Schlaf. Charakteristisch für diese Form von Angst ist die Vorahnung, dass
bald ein furchtbares Ereignis eintreten wird. All diese Symptome treten nicht zur gleichen Zeit auf,
sondern vereinzelt und über den ganzen Tag verteilt.
Die schlimmste Art von Angsterkrankung ist zweifellos die Panikstörung. Sie äußert sich in schweren
Anfällen von Angst, die nur ein paar Minuten oder auch länger, jedoch selten länger als eine halbe Stunde
dauern und sich wiederholen. Der Patient spürt Druck in der Brustgegend, kann nur schwer atmen, sein
Herz rast. Weil Panikattacken unterschiedlich häufig auftreten können, von mehrmals am Tag bis einmal
im Monat, leben die Menschen, die darunter leiden, beständig in Angst vor der nächsten Attacke.
Meistens ist die Panikstörung mit einer Agoraphobie, im Volksmund Platzangst genannt, verbunden.
Agoraphobiker empfinden in bestimmten Situationen und an bestimmten Orten große Angst, weil sie
Für inhaltliche Veränderungen durch Dritte übernimmt der Verlag keine Verantwortung.

befürchten, dass sie im Falle einer Panikattacke nicht schnell genug ärztliche Hilfe bekommen und sich
vor allen Augen blamieren werden.
Die Vervielfältigung dieser Seite ist für den eigenen Unterrichtsgebrauch gestattet.

Als soziale Phobie wird eine markante Ausprägung von Schüchternheit bezeichnet. Wer darunter leidet,
empfindet Angst in Situationen, in denen er das Gefühl hat, dass ihn die Leute um ihn herum mit
strengem, kritischem Blick verfolgen. Wenn er beispielsweise auf einem Seminar ein Referat hält, mit
seinem Chef ein ernstes Gespräch führt oder in ein Wortgefecht hineingezogen wird, dann befindet er
sich in einer Situation, der er um jeden Preis entfliehen möchte. Falls es keinen Ausweg gibt, wird der
Arme rot, zittert oder – noch schlimmer – kann sich sogar übergeben.
Zur letzten Gruppe, den sogenannten spezifischen Phobien, gehören Angstzustände der
verschiedensten Art, oft ausgelöst durch Situationen oder Objekte, die eigentlich keine Gefahr bedeuten.
Allein der Gedanke daran macht sie krank, kann sogar zu einer Panikattacke führen. Fast jeder ist schon
mal Leuten begegnet, die Angst vor Hunden, Mäusen, Spinnen oder Wespen haben, kein Blut sehen
können oder Höhenangst empfinden und aus diesem Grund fast ohnmächtig werden, wenn sie in ein
Flugzeug steigen müssen.
Egal um was für eine Art von Angst es sich handeln mag, hinter jedem Angstzustand verbirgt sich ein
natürlicher Zusammenhang. Die zuletzt angesprochenen spezifischen Phobien zum Beispiel lassen sich
auf weit zurückliegende Ängste der Menschen zurückführen. Menschen, die im Urwald wohnten, hatten

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Autor: Spiros Koukidis

Persönliche Ausgabe Fawaz Barbar


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Angst vor Wölfen, Schakalen und Schlangen, die sie angreifen und töten konnten. Wer den Kontakt mit
solchen Tieren mied, hat überlebt und die empfundenen Ängste wurden durch sein Erbgut an seine
Nachfahren übertragen.
In einer echten Angstsituation reagiert als Erstes der Körper auf die vermeintliche Gefahr und das ist gut
so, denn, wenn man schneller atmet, reichert sich das Blut mit Sauerstoff an und, wenn das Herz höher
schlägt, werden die Muskeln mit Blut versorgt und der Mensch ist gut gewappnet, sei es zu kämpfen
oder zu fliehen. Bei einer Phobie wird die gleiche Reaktion registriert, allerdings ist sie diesmal
unbegründet und unpassend. Inwieweit dabei jeder einzelne Patient das Maß übersteigt, hängt von
mehreren Faktoren ab, biologischer und psychologischer Art.
Angsterkrankungen tauchen nicht einfach so auf, ihnen liegt in der Regel eine Reihe psychischer
Faktoren zugrunde. Das können erlebte körperlich-seelische Gewalt in der Kindheit sowie hartnäckig
wiederkehrende Stress-Situationen im Erwachsenenalter sein. Lerntheoretische Erkenntnisse
bestätigen auf der anderen Seite, dass negative Lernerfahrungen ebenfalls Ängste entstehen bzw.
weiterbestehen lassen. Wer demnach bewusst Situationen ausweicht, die ihm Angst machen, kann nicht
zur positiven Lernerfahrung gelangen, dass es eigentlich eine grundlose Angst ist, die ihn immer wieder
quält.
Der allgemeine Fortschritt der Medizin kommt mittlerweile auch der Behandlung von Angsterkrankungen
zugute. Als besonders effektiv erweisen sich dabei die kognitive Verhaltenstherapie, eine
medikamentöse Therapie oder auch die Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten. Es
versteht sich von alleine, dass die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung darin besteht, dass der
Patient über seine Krankheit voll im Bilde und entsprechend motiviert ist. Er muss also lernen Symptome
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zu erkennen, die Angst signalisieren, seine Krankheit zu akzeptieren, vor allem aber vor seinen Ängsten
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nicht wegzulaufen. Konkret bedeutet das, dass er nicht ein Taxi nimmt, weil eine Busfahrt in ihm Angst
auslöst, aus demselben Grund nicht lieber in einem kleinen, teureren Geschäft statt in einem Supermarkt
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einkauft, und letztendlich den Schritt in den Fahrstuhl wagt, statt wieder die Treppe hochzulaufen.
Der Terminus „Psychotherapie“ klingt zwar etwas abschreckend, jedoch führt bei der Behandlung von
Angsterkrankungen kein Weg an der kognitiven Verhaltenstherapie vorbei. Dabei wird dem Leidenden
genau erklärt, in welchen geistigen Prozessen seine Angst verwurzelt ist, was ihre Intensität erhöht und
welche Verhaltensänderung zur Heilung erforderlich ist – eben nicht weglaufen, sondern kämpfen. Mit
dem behandelnden Arzt an seiner Seite wird er für längere Zeit intensiv mit der Situation konfrontiert, die
ihm Angst macht. In der Anfangsphase sind die Angstgefühle ausgesprochen stark, doch bald merkt der
Patient, dass ihre Intensität mit der Zeit abnimmt. Selbstverständlich müssen solche Übungen mit
Feingefühl vorbereitet und durchgeführt werden, der Patient muss jederzeit die Möglichkeit haben, sich
für oder gegen eine Übung zu entscheiden.
Was die medikamentöse Behandlung von Angststörungen betrifft, so werden heute überwiegend
Antidepressiva verwendet. Auch hier ist höchste Vorsicht geboten, denn manche sonst gut wirksame
Medikamente erhöhen das Risiko, süchtig zu werden, und sollten deswegen nur für kurze Zeit und bei
besonders starker Angst verabreicht werden. Ein Facharzt kann die Medikamente so dosieren, dass bei
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der Therapie keine Nebenwirkungen auftreten. Dabei muss man bedenken, dass die Einnahme von
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Medikamenten nicht sofort aufhört, wenn sich der Zustand des Patienten gebessert hat, sondern für noch
mindestens ein halbes oder ein ganzes Jahr fortgesetzt wird. Wichtig ist auch Folgendes: Den Weg aus
dem Leiden finden die Angstgeplagten selten allein, sie brauchen die Hilfe ihrer Familienangehörigen,
nicht zuletzt um auf ihr Drängen hin den Weg zu einem Psychologen oder Psychiater, sprich zu
professioneller Hilfe zu finden.

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Autor: Spiros Koukidis

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Welche der Aussagen sind richtig (+), falsch (-) oder nicht im Text enthalten (x)? Markieren Sie.

richtig falsch nicht im Text


(+) (-) (x)
13 Gegen aufkommende Angst kann Alkohol auf lange Sicht eine   
Hilfe sein.

14 Eine generalisierte Angststörung kann einfach so entstehen


und hängt nicht mit bestimmten Umständen zusammen.   

15 Statistisch gesehen leiden Frauen häufiger als Männer an Angst-


störungen aller Art.   

16 Typisch für Panikattacken ist, dass sie nicht gleich häufig auftreten
und nicht gleich lange dauern.   

17 Spezifische Phobien entwickeln besonders häufig Menschen, die


extrem schüchtern sind.   

18 Angststörungen nehmen mit zunehmendem Alter zu.   


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19 Viele der heutigen Ängste sind in der geschichtlichen Frühzeit


der Menschheit verwurzelt.   
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20 Ursache für die Entstehung aller Angststörungen scheinen


ausschließlich genetische Faktoren zu sein.   

21 Es ist die falsche Verhaltensweise, wenn man Situationen, die


einem Angst machen, systematisch aus dem Weg geht.   

22 Bei der kognitiven Verhaltenstherapie muss der Patient mit der


Situation, die ihm Angst macht, ganz allein zurechtkommen.   

23 Sämtliche medikamentöse Angst-Therapien machen früher oder


später süchtig.   
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Welche der Überschriften a, b oder c trifft die Aussage des Textes am besten? Markieren Sie.

24 a  Was sich hinter Angststörungen verbirgt


b  Angststörungen – die schlimmste Form von Depression
c  Angsterkrankungen – einfach unheilbar

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Autor: Spiros Koukidis

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