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Frankfurter Rundschau › Frankfurt

Arabische Demo in Frankfurt


Noch nie so stolz
Der Römerberg wird am Samstagnachmittag zum Ort der Solidarität mit den Aufständen in
der arabischen Welt. Zwischen 700 und 1500 Menschen fordern bei einem Protestzug den
Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Und das ist nicht das einzige.

Ein kleines Fahnenmeer strömt am frühen Samstagnachmittag die Braubachstraße hinauf. In


langsamen Tempo schreitet der Trupp von Demonstranten einem weißen Transporter
hinterher. „Freiheit! Würde! Gerechtigkeit!“ und „Nieder mit Mubarak“, schallt es von den
Mauern wieder, während im Wind die Flaggen des Jemen, Tunesiens, Algeriens und natürlich
Ägyptens einträchtig neben einander herflattern. Ein Demonstrant hält ein Schild vor die
Brust. „Tahrir-Platz“, steht darauf zu lesen – das Epizentrum des Volksaufstandes in Ägypten.
Diese Demonstration allerdings zieht es auf einen anderen Platz – den Frankfurter Römer.

Es ist keine Großdemonstration. Am Ende füllen die Demonstranten gerade einmal den
Samstagsberg. 700 Teilnehmer zählt die Polizei, von 1500 sprechen die Organisatoren. Die
Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Ein buntes Grüppchen, das arabischstämmige
Frankfurter und Sympathisanten vereint, säkulare und gläubige Muslime und Christen.
„Christen, Moslems – kein Unterschied“, ruft Youssef Shebab, einer der Organisatoren der
Menge zu. „Wir kämpfen für Menschenrechte und Demokratie und dafür, das Blutvergießen
zu beenden.“ „Mubarak raus!“, antworten die Demonstranten.

Alle Nationen vertreten

Es sind die Ägypter, die an diesem Samstag den Ton angeben, auch wenn alle arabischen
Nationen vertreten sind. Zu nahe sind noch die Ereignisse in Kairo, Alexandria und Gizeh, als
dass es anders sein könnte. „Die vergangenen zehn Tage habe ich nur vor dem Fernseher und
dem Internet verbracht, um so viel wie möglich mitzukriegen“, berichtet Reda, der seit 17
Jahren in Deutschland lebt. „In meinem ganzen Leben war ich noch nie so stolz“, sagt er,
„aber angesichts der Toten auch noch nie so traurig.“

Stolz und Trauer sind auch am Römerberg herauszuhören. Hinzu kommt eine gehörige
Portion Wut auf die Herrscher in den arabischen Staaten. „30 Jahre Mubarak“, schreit
Youssef Shebab ins Mikrofon, „es reicht!“ Applaus und Jubelschreie sind die Antwort.

Doch die Wut richtet sich nicht alleine gegen die Potentaten im Nahen Osten. Auch die
Bundesregierung und die Römerparteien bekommen ihr Fett weg. Der Einladung, sich an der
Demonstration zu beteiligen, sei mit Ausnahme der Linken keine Partei gefolgt, erbost sich
Shebab. „Die müssen Farbe bekennen und nicht in verrauchten Stuben hocken!“ Wieder
erntet er Applaus. Nach gut einer Stunde löst sich die Kundgebung auf, mit der Ansage
wieder zu kommen. So wie die Demonstranten am Tahrir-Platz.