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Strafrecht Lewisch Casebook

Strafrecht (Wirtschaftsuniversität Wien)

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Lewisch
Casebook Strafrecht
AT I

1. Der Tatbestand des vorsätzlichen Begehungsdelikts

1.1 Grundstrukturen der Strafbarkeit

™ Gesetzlichkeitsprinzip: keine Strafe ohne Gesetz = nulla poena sine lege §1


™ Wahndelikt: fälschliche Vorstellung vom Bestehen eines Delikts (1. Fall)
™ Verhaltensweise nur strafbar bei passendem gesetzlichen Verbot (2.)
™ Voraussetzung der Strafbarkeit: Täter handelt nach gesetzlichem Tatbestand und fehlerhaft
(3.)
™ Tathandlung = nur sozial inadäquates Verhalten (4.)

1.2 Objektiver Tatbestand

1.2.1 Allgemeines

™ ob Tb= Tatbild: Summe aller obj Tatmerkmale, die generell den Unwertgehalt des
Täterverhaltens betreffen
™ Erfolgsdelikt: best. Erfolg muss eintreten (zB Tod)
™ Kausalität bedarf beim Vorsatzdelikt keiner genauen Prüfung (5.)

1.2.2 Tatbestandsprobleme

™ §127: Die weggenommene Sache muss selbst unmittelbar Wertträger sein (keine Sparbücher,
Kreditkarte); Wegnahme= Gewahrsamsbruch
™ Analogieverbot §1: belastende Rechtsfindung im Strafrecht über den äußerst möglichen
Wortsinn hinaus ist auf Grund dieser Vorschrift methodisch ausgeschlossen (siehe Art 7
EMRK und rechtsstaatliches Bundesprinzip des Art 18 BVG) (9.)

1.2.3 Kausalitätsprobleme

™ Kausalitätsprüfung mit der Formel der conditio sine qua non = Eliminationsmethode = Eine
Täterhandlung war kausal für einen Erfolg, wenn man sich die Handlung wegdenkt und der
Erfolg in seiner konkreten Gestalt mit Sicherheit entfallen wäre
™ Kausalität gehört zum obj Tb (11.)
™ man prüft nicht ob eine Ursache einen Erfolg bewirkt hat, sondern ob ohne diese Ursache der
Erfolg nicht ohnedies in gleicher Weise eingetreten wäre
™ Reserveursache= hypothetische Kausalität (15.)
™ Formel von der gesetzmäßigen Bedingung: ob eine Handlung bei obj ex post Betrachtung
den Erfolg bewirkt hätte (12.)
™ alternative= konkurrierende= kumulative Kausalität: zwei oder mehrere Ursachen führen
einen Erfolg gleichzeitig und unabhängig voneinander herbei, sodass der Erfolg in seiner
konkreten Gestalt jeweils auch ohne die andere Ursache eingetreten wäre (17.)
™ Doppelkausalität: Verursachung zweifelhaft (in dubio pro reo)
™ obj Bedingung der Strafbarkeit: zB §91 Raufhandel= abstraktes Gefährdungsdelikt: man
braucht Teilnahme am Raufhandel und zumindest schwere KV (19.)

1.3 Subjektiver Tb

1.3.1 Allgemeines

™ subj Tb: innere Tatseite: innere Beziehung des Täters zu seiner Tat

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™ §7/1: Sofern ein Tb des BT nichts anderes bestimmt, ist nur vorsätzliches Handeln strafbar
™ §5: Vorsätzlich handelt, wer einen SV herbeiführen will, der einem gesetzlichen Tatbild
entspricht. Vorsatz ist das Wissen und das Wollen der Tatbildverwirklichung
™ Soweit in den Delikten des BT nichts anderes normiert ist, reicht der Eventualvorsatz (dolus
eventualis)= Verwirklichung eines gesetzlichen Tatbilds ernstlich für möglich halten und
sich damit abfinden (20.)
™ Motivirrtum ändert am Vorsatz nichts

1.3.2 Vorsatzarten

™ Absichtlich handelt der Täter, wenn es ihm auf die Verwirklichung jenes
Tatbestandselements, für welches das Gesetz Absichtlichkeit fordert, gerade ankommt. (§5
Abs 2); (es reicht wenn er schwere KV für möglich hält) (24., 25.)
™ In einem absichtlichen Tötungsversuch ist auch die Absichtlichkeit in Hinblick auf schwere
KV inkludiert
™ §16 Rücktritt vom Versuch: freiwillige Erfolgsabwendung (26.)
™ Wissentlichkeit: Hätte- wissen- müssen egal; man braucht Kenntnis über seine Befugnis und
um die Unvertretbarkeit seiner eigenen Entscheidung (§5 Abs 3) (27.)

1.3.3 Vorsatzprobleme

™ error in objecto vel persona= auf Individualität des Opfers kommt es nicht an (28.)
™ Fehlgehen des Schusses= aberratio ictus (29.)
™ Vorsatz muss man auf alle Elemente des obj Tb haben, aber nicht auf konkreten
Kausalverlauf (30.)
™ dolus posterior/ dolus antecedens non nocet (31.)
™ Simultanitätsprinzip= Gleichzeitigkeitsprinzip von Tathandlung und Vorsatz: der Vorsatz
muss im Zeitpunkt der Tathandlung- und auf diese bezogen- vorliegen (32.)
™ kein Mordversuch, wenn noch im Versuchsstadium

1.3.4 Begleitwissen

™ Durch das Erfahrungswissen fließt die Vorstellung über die Tatobjekte notwendig in den Akt
der Wahrnehmung selbst ein= Mitbewusstsein (aktuelle Zuwendung nicht notwendig); hat
Täter Erfahrungswissen nicht: kein Vorsatz (34.)

1.3.5 Abgrenzungsfälle zum Eventualvorsatz

™ Vorsatz: Täter wird sich der Gefahr der Tatbildverwirklichung bewusst und nimmt dieses
Risiko in Kauf
™ Täter muss den Erfolg nicht positiv billigen (36.)
™ 2 Meinungen
o bei emotionalen Gegenakt kann das Sich- Abfinden ausgeschlossen werden Æ
vorsatzlos
o ab einem gewissen – normativ zu bestimmenden – Risiko soll sich Täter nicht darauf
berufen können, dass er die Gefahr nicht in Kauf genommen hat (gesetzestreuer
Bürger hätte Handlung unterlassen (37.)

1.3.6 Vorsatzmangel

™ wenn Vorsatz nicht auf alle Tatbestandsmerkmale besteht, dann Vorsatzmangel


o Gibt es ein anderes Vorsatzdelikt? wenn nein
o Gibt es eine Bestrafung nach einem Fahrlässigkeitsdelikt? wenn nein
o Straflosigkeit
™ Hätte jmd ein Tatbestandsmerkmal erkennen müssen, heißt das trotzdem nicht, dass er es
tatsächlich erkannt hat Æ Vosatz scheidet aus (42.)

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™ Täter muss den SV in seinem sozialen Bedeutungsgehalt zumindest in laienhafter


Parallelwertung richtig erfassen (muss Merkmale nicht exakt juristisch verstehen, sondern
wissen wie normative Tatbildelemente in der Gesellschaft gedeutet werden)
™ ist der normative Bedeutungsgehalt verhüllt, dann handelt der Täter vorsatzlos (48.)
™ Diebstahl: Tatbildvorsatz & erweiterter Vorsatz (Vorsatz auf unrechtmäßige Bereicherung
muss gleichfalls im Tatzeitpunkt vorliegen) (49.)
™ Auch die irrtümliche Annahme von Umständen, welche den erweiterten Vorsatz entfallen
lassen, führt zu einem Vorsatzmangel (50.)
™ „präsenter Deckungsfonds“: Fehlen des Bereicherungsvorsatzes, wenn der Täter im
Tatzeitpunkt zu prompten Ersatz willig und fähig ist (=Vorhandensein von kurzfristig
realisierbaren Vermögenswerten) (51.)

1.3.7 Fälle zum sozialen Bedeutungsgehalt

™ Irrtum über ein normatives Tatbildmerkmal Æ straflos, wegen Vorsatzmangels (eventuell:


Fahrlässigkeitsdelikt vorhanden!) (51.)
™ Rechtsirrtümer: 2 heterogene Gruppen
o welche dem Täter bereits die tatbildliche Situation verhüllen (normatives
Tatbestandsmerkmal wird verkanntÆ Vorsatzmangel)
o Täter hat die Grenzen der tatbildlichen Situation erkannt, denkt aber, dass die
Verwirklichung nichts Unrechtes ist Æ „Verbotsirrtum“ = Irrtum über das
Verbotensein einer Verhaltensweise nach §9 (auf Schuldebene zu prüfen)

2. Rechtswidrigkeit und Rechtfertigung

2.1 Notwehr §3

2.1.1 Allgemeines

™ objektiv muss eine Notwehrsituation vorliegen und die Notwehrhandlung muss den
gesetzlichen Anforderungen genügen (weiters erforderlich: subjektives
Rechtfertigungselement= Kenntnis der Notwehrlage)
™ Æ gegenwärtiger oder unmittelbar drohender, rechtswidriger Angriff gegen ein
notwehrfähiges Rechtsgut
™ Verteidigung muss zur Abwehr notwendig sein (nicht angemessen) und muss so den Angriff
verlässlich abwehren (Angegriffene muss kein Risiko eingehen)
™ Nothilfe ist Notwehr zugunsten eines Dritten (selbe Kriterien) (66.)
™ übersteigt die Notwehr das zulässige Maß Æ Notwehrexzess Æ keine Rechtfertigung
™ §3 Abs 2 enthält privilegierende Spezialregelungen: Notwehrexzess auf Grund asthenischer
Affekte (Furcht) Æ ‚nur’ Bestrafung nach dem Fahrlässigkeitsdelikt (67.)

2.1.2 Inhaltliche Voraussetzungen der Notwehrsituation

™ gegen einen rechtmäßigen Angriff ist Notwehr nicht zulässig (68.)


™ rechtswidrig bedeutet nicht unbedingt strafrechtswidrig, nur Widerspruch zur
Rechtsordnung (zB zivilrechtswidrig) (69.)
™ 2 Meinungen
o Notwehr zulässig, wenn Angriff von drohendem Erfolgsunwert bestimmt ist
o es muss ein obj sorgfaltswidriges Verhalten von Seiten des Angreifers vorliegen (70.)
™ rechtswidriger Angriff auch durch belebte oder unbelebte Werkzeuge möglich (Hund auf
jmd hetzen)
™ Angriff kann auch durch Unterlassen stattfinden (71.)
™ notwehrfähige Rechtsgüter sind taxativ in §3 aufgezählt

2.1.3 Zeitliche Grenzen der Verteidigung

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™ es muss ein enges zeitliches und örtliches Naheverhältnis zum drohenden Angriff bestehen
™ Präventivnotwehr ist unzulässig (74.)
™ auf die formelle Deliktsvollendung kommt es nicht an

2.1.4 Anforderungen an die Verteidigungshandlung

™ Notwendig ist die Abwehr, wenn sie im Zeitpunkt der Handlungsvornahme (ex ante) nach
einem obj Urteil zur verlässlichen endgültigen Abwehr des Angriffs durch den Verteidiger
erforderlich ist
™ es ist das gelindeste Mittel zu wählen, Verteidiger muss aber kein Risiko eingehen
™ Art 2 EMRK: schließt Einsatz tödlicher Gewalt zur bloßen Erhaltung von Sachwerten aus
™ Notwehr rechtfertigt nur Beeinträchtigung des Angreifers selbst, nicht aber solche an Dritte
™ §3 Abs 1 Satz 2: Angegriffenen droht nur ein geringer Nachteil Æ
„Angemessenheitsprüfung“ Æ Abwehr ist unangemessen, wenn sie zu einem erheblichen
Missverhältnis zu Lasten des Angreifers führt

2.1.5 Ausweichpflicht und Provokation

™ Ausweichpflicht besteht nicht, da Notwehr Gegenwehr ist (76.) (88.)


™ Notwehrsituation verlangt einen rechtswidrigen, nicht schuldhaften Angriff
™ neuere Judikatur: strengere Anforderungen bei besonders geschützten Personen
(Geisteskranke und Kinder, nicht aber Betrunkene) – Lehre lehnt dies ab (89.)
™ Notwehrprovokation Æ Notwehr strittig
o Jud.: Verteidigungsrecht verwirkt Æ rechtswidrig
o Bertel: keine Notwehr, wenn Provokation selbst rechtswidrig ist
o Fuchs: rechtsgetreuer Bürger darf sich nicht provozieren lassen Æ Notwehr zulässig
(90.)

2.1.6 Subjektives Rechtfertigungselement

™ = Kenntnis der Notwehrsituation


™ tatbestandsmäßiges Unrecht besteht aus Handlung- und Erfolgsunrecht, liegt Notwehr vor,
entfällt Erfolgsunwert, um den Handlungsunwert wegfallen zu lassen, benötigt man subj
Element, nämlich das Bewusstsein, etwas Erlaubtes zu tun
™ Meinungen
o Parallele zum Versuch (Versuchsregeln analog anwendbar (Analogie zugunsten des
Täters zu lässig)
o für vollendetes Delikt strafbar, wenn nicht vollständig gerechtfertigt (91.)
™ bei Notwehr kommt es nicht auf die Motive des Verteidigers an

2.2 Anhalterecht Privater

™ gem §86 StPO: erlaubt angemessene Anhaltung von Personen, die einer Straftat verdächtig
sind (Person hat Straftat ausgeführt oder es versucht, oder es wird nach ihr gefahndet); es
müssen hinreichend Gründe vorliegen, das Festhalten muss angemessen sein und es muss
unverzüglich ein Sicherheitsorgan verständigt werden (96.)
™ angemessenes Festhalten: schwere KV soll nicht wahrscheinlich sein (97.)
™ werden zeitliche Grenzen des Anhalterechts überschritten, ist es nicht mehr gerechtfertigt
(99.)
™ Selbsthilferecht
o Bestehen eines zivilrechtlichen Anspruchs
o Zu-spät-kommen staatlicher Hilfe
o Verhältnismäßigkeit der Abwehr
o Æ keine Bindung an zeitliches Näheverhältnis
o Æ zugänglich sind bloße Misshandlungen (100.)

2.3 Rechtfertigender Notstand

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™ im StGB nicht geregelt


™ Erhaltung von wertvollen Rechtsgütern unter Opferung geringwertiger fremder
Rechtsgüter= Güterabwägung
™ zulässig für Bedrohten und Notstandshelfer
™ Notstandssituation: unmittelbar drohender bedeutender Nachteil für ein Rechtsgut; im
Zeitpunkt der Handlungsvornahme prüfen (ex ante)
™ Notstandshandlung: drohender Nachteil muss deutlich schwerer sein als die
Beeinträchtigung fremder Rechtsgüter= Gesamtabwägung bez. Wert der Rechtsgüter &
Ausmaß der Gefährdung
™ nur ultima ratio ist zulässig, Nachteil darf nicht anders abwendbar sein
™ Angemessenheitskorrektiv: man fragt, ob sich die Rechtfertigung auch über den Einzelfall
hinaus als generalisierende Rechtsregel bejahen lässt
™ subj Seite: Kenntnis der obj Notstandsvoraussetzungen (101.)
™ bei mehreren möglichen Mitteln ist das schonendste zu wählen (primär eigene Rechtsgüter
heranziehen) (102.)
™ selbst wenn man leichtsinnig in die Gefahrenlage kommt Æ Notstand (solange keine
Notstandsabsichtsprovokation) (106.)
™ Das Rechtsgut Leben ist nicht quantifizierbar Æ Rechtfertigung wird verneint
™ maßgeblich ist immer die Interessenabwägung in concreto

2.4 Rechtfertigende Pflichtenkollision

™ zwei gleichwertige Handlungspflichten (zwei Meinungen)


o Täter muss bei Befolgung wenigstens einer Pflicht immer gerechtfertigt sein ODER
o es gibt keine rechtfertigende Pflichtenkollision, denn die Erfüllung der einen Pflicht
bedeutet Unrecht für die andere (hM) (114.)

2.5 Einwilligung

™ wenn Einwilligung oder Fehlen der Einwilligung Tatbestandsmerkmal ist, lässt sie den
Tatbestand entfallen (115.)
™ Einwilligung des Verletzten gem §90: bei
o Einwilligungserklärung
o konkreter Einwilligungsfähigkeit
o Freiheit von Gewalt und Drohung
o rechtsgutbezogene Irrtumsfreiheit (118.)
™ Rechtsgutbezogenheit der Sittenwidrigkeitsprüfung wird hervorgehoben
™ Rechtsgut der körperlichen Unversehrtheit ist nur beschränkt disponibel:
Sittenwidrigkeitskorrektiv beachten (je schwerer die KV desto weniger wirksam ist die
Einwilligung)
™ Einwilligung in schwere KV nur ausnahmsweise bei positiven Zwecken (Organspende)
(120.)
™ sittenwidrig = im Widerspruch zur Empfindung aller recht und billig Denkenden
™ Einwilligung immer nur im Hinblick auf Rechtsgüter möglich, hinsichtlich derer der
Einwilligende dispositionsbefugt ist (in die eigene Tötung kann man nicht einwilligen)
™ Organtransplantation: umstritten ist Gegenstand der Einwilligung Æ Einwilligung in
schweren Verletzungserfolg ODER Æ Einwilligung in Handlung (Organentnahme)?

2.6 Mutmaßliche Einwilligung

™ nicht ausdrücklich geregelter Rechtfertigungsgrund


™ Rechtsträger des geopferten und des geretteten Rechtsgutes sind ident
™ beruht auf hypothetischer Abwägung von Rechtsgütern
™ Einwilligung darf nicht erteilt und nicht rechtzeitig zu erlangen gewesen sein
™ subj Rechtfertigungselement (128.)

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3. Irrtümliche Annahme eines rechtfertigenden Sachverhalts gem §8

™ Vorsatzhaftung entfällt Æ evtl Haftung aus Fahrlässigkeitsdelikt


™ für die Fahrlässigkeitsprüfung muss man prüfen ob Verhalten obj sorgfaltswidrig war (man
prüft auch Zumutbarkeit) (130.)

4. Schuld

™ man tadelt den Täter persönlich für die Fehlerhaftigkeit seiner Willensbildung zur
rechtswidrigen Tat
™ Elemente, die man auf Schuldebene prüft, betreffen Voraussetzungen, um gegen einen
Menschen sinnvoll einen Tadel für best. Verhalten erheben zu dürfen
™ Mensch soll nur dann getadelt werden, wenn er sich wertkonform hätte verhalten können
™ traditionelles Schuldverhältnis: Schuldvorwurf, weil sich Täter zu rechtsuntreuem Verhalten
hat hinreißen lassen
™ man prüft, ob jmd anders (Vergleichsperson aus Verkehrskreis des Täters) die Tat
vermeiden hätte können
™ geltendes StGB: Schuld Æ Mangel an Wertverbundenheit (reduzierter Schuldbegriff) (137.)

4.1 Schuldfähigkeit

™ unter 14 Jahren strafunmündig (§ 4 Abs 1 JGG), auch wenn er schuldeinsichtig ist (an der
Schuld mangelt es auch bei verzögerter Reife, wenn Unrecht nicht eingesehen werden kann (§
4/2/1 JGG) (138.)
™ §11 Zurechnungsunfähigkeit: Beurteilung nach der gemischten (biologisch- psychologischen)
Methode: Sie liegt vor, wenn Täter
o auf Grund eines im Gesetz aufgezählten Defekts
o nicht in der Lage ist, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder aber auch nur nach
dieser Einsicht zu handeln (dh mangelnde Einsichtsfähigkeit oder mangelnde
Steuerungsfähigkeit)
™ Geisteskrankheiten: geistig- seelische Funktionen des Gehirns sind beeinträchtigt
™ Schwachsinn: prozesshaftes Krankheitsbild fehlt (zB Idiotie)
™ tiefgreifende Bewusstseinsstörung: partielle Ausschaltung des Selbst- und
Außenweltbewusstseins
™ Blutrausch fällt unter andere schwere gleichwertige seelische Störung
™ Alkohol- und Drogenrausch: tiefe Bewusstseinsstörung
o gilt ab 3 Promille (ab 2,5 kommt es auf subj Eigenschaften des Täters an, zB wie
trinkfest er ist)
o zurechnungsunfähig Æ §287 (Strafbarkeit erst ab der Rauschtat) (141.)
™ actio libera in causa: causa ist Berauschung selbst; „Doppelvorsatz“ wird verlangt (auf
Berauschung und auf Delikt); Täter war im Zeitpunkt des Entschlusses zurechnungsfähig und
hat sich im Zeitpunkt der Tathandlung absichtlich in den Zustand der
Zurechnungsunfähigkeit versetzt (haftet dann für ‚richtiges’ vollendetes Delikt zB §75) (142.)

4.2 Verbotsirrtum

™ = Rechtsirrtum: betrifft Verbotensein dieses zutreffend erkannten Sachverhalts (Unterschied


Tatbildirrtum: betrifft Faktizität und Bedeutungsgehalt des SV)
o direkter Verbotsirrtum: Irrtum über Umfang einer Strafvorschrift
o indirekter Verbotsirrtum: Irrtum über Umfang einer Erlaubnisnorm (über Existenz
oder Grenzen eines Rechtfertigungsgrundes)
™ § 9 Abs 1: Täter ist straflos, wenn der Verbotsirrtum nicht vorwerfbar ist
™ Irrtum ist vorwerfbar, wenn auch der wertverbundene Mensch zur Unrechtsfeststellung die
Kenntnis des Rechts nicht benötigt

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o Kernbereich des StGB: Unrecht der Tat ist vorwerfbar, wenn es für jedermann leicht
erkennbar war, dh für ein gewisses Maß an laienhafter Rechtskenntnis hat jeder
strafmündige Inländer einzustehen
o Nebenstrafrecht: Täter hätte sich mit Vorschriften bekannt machen müssen (144.)
™ Täter muss laienhaft erkennen, dass er ein sanktionsbewehrtes Verhalten setzt Æ dann
handelt er mit Unrechtsbewusstsein
™ Hätte man als wertverbundener Mensch zu diesem Unrechtsbewusstsein gelangen können
(potentielles Unrechtsbewusstsein) Æ vorwerfbarer Mangel an Unrechtsbewusstsein Æ
keine Straflosigkeit (aber Milderungsgrund) (145.)
™ 14jähriger: hM zielt auf einen gemischt obj- subj Maßstab an und beachtet auch subj
Verhältnisse des Täters (Alter, Schulbildung) (150.)
™ Falschauskunft ändert prinzipiell nichts an der Vorwerfbarkeit (151.), im Nebenstrafrecht
wird der Täter aber durch von kompetenter Stelle unrichtig erteilte Auskunft entschuldigt
(152.)

4.3 Entschuldigender Notstand gem §10

™ verlangt unmittelbar drohenden bedeutsamen Nachteil


™ Voraussetzung: der aus der Abwehr drohende Schaden darf nicht unverhältnismäßig
schwerer wiegen als der für das Rettungsgut drohende Nachteil (daher auch Opferung
Leben gegen Leben zulässig, da diese gleichwertig sind; siehe auch 158. Fall)
™ Korrektivfunktion der Maßfigur: Verhalten bleibt schuldhaft, wenn eine Maßfigur der
Zwangslange widerstanden hätte (156.)
™ Hat man selbst Gefahrensituation herbeigeführt Æ §10/2 1.Satz (159.)
™ Feuerwehrmann, Polizist usw. = gefahrengeneigter Beruf (160.), dh sie müssen höhere
Risiken eingehen, jedoch nicht ihr Leben aufopfern
™ ad §8 Æ §10/2 2. Satz: Fahrlässigkeitshaftung bei vorwerfbarer Annahme der tatsächlichen
Voraussetzungen der Entschuldigung (161.)

4.4 Notwehrexzess

™ §3/2
™ beruht Notwehrüberschreitung nicht ausschließlich auf einem taxativ aufgezählten
asthenischen Affekt, sondern auf Zorn Æ volle Haftung aus dem Vorsatzdelikt
™ hat er Notwehr innerhalb dieser Affekte überschritten Æ straflos, wenn nicht fahrlässig,
ansonsten Fahrlässigkeitsdelikt (Fahrlässigkeit liegt vor, wenn Beherrschung des Affekts
zumutbar gewesen wäre Æ prüfen, ob von dem Täter eine andere Konfliktverarbeitung zu
erwarten gewesen wäre) (162.)
™ angenommene Notwehrlage = Putativnotwehr; Überschreitung = Putativnotwehrexzess
(163.)

5. Das Fahrlässigkeitsdelikt

5.1 Obj Sorgfaltswidrigkeit

5.1.1 Allgemeines

™ §6 Fahrlässigkeit
o Täter muss Sorgfalt außer Acht lassen, zu der er nach den Umständen verpflichtet
gewesen wäre (= obj Sorgfaltswidrigkeit)
o + Fehler im Bezug auf die individuellen Befähigungen des Täters im Tatzeitpunkt
(= subj Sorgfaltswidrigkeit)
™ ist im BT fahrlässig angeführt, so muss der Täter obj sorgfaltswidrig = pflichtwidrig = sozial
inadäquat gefährlich handeln (Gefahrenurteil fällen)
™ Beurteilung nach dreierlei Hinsicht:
o Widerspruch zu Rechtsnorm

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o Zuwiderhandeln gegen Verkehrsvorschriften


o Widerspruch zum Verhalten des mit den rechtlichen Werten verbundenen
Menschen
™ Verhalten ist obj sorgfaltswidrig, wenn es die normale Lebensgefahr übersteigt (ex ante
prüfen)
™ gedachtes Vergleichsverhalten durch besonnenen, mit den rechtlichen Werten verbundenen,
aus dem Verkehrskreis des Täters stammenden, Menschen
™ Maßfiguren müssen aus dem Verkehrskreis der ausgeübten Tätigkeit kommen (175.)
™ handeln zwei Ärzte der selbst treffenden Sorgfaltspflicht zuwider, haften beide als
unmittelbare Täter (177.)
™ A überlässt Fahruntüchtigen sein Auto Æ Unfall Æ A haftet auch als unmittelbarer Täter
(178.)

5.1.2 Spezialfragen der objektiven Sorgfaltswidrigkeit (Selbstgefährdung, Vertrauensgrundsatz)

™ Sorgfaltsanforderung des Einzelnen wird durch das Prinzip der Selbstverantwortung


beschränkt; der Umstand, dass jmd Anlass für eine gefährliche Handlung eines anderen gibt,
begründet noch keinen Sorgfaltsverstoß
™ Sorgfaltsnorm will andere schützen, nicht aber, dass Personen aus Anlass der Wahrnehmung
dieses Sorgfaltsverstoßes sich selbst gefährden (Schutzzweck der Norm) (180.)
™ Vertrauensgrundsatz: man darf darauf vertrauen, dass andere Personen die für die
Benützung der Straße maßgeblichen Rechtsvorschriften befolgen §3 StVO (182.)
o nur ein in der spezifischen Situation zumindest konkret indiziertes Fehlverhalten
durchbricht die Anwendbarkeit des Vertrauensgrundsatzes (183.)
o nicht gültig für best. Personengruppen (Kinder, Sehbehinderte...)
o Anwendung auch über den Straßenverkehr hinaus
o gilt auch bei arbeitsteiligem Verhalten (Teamwork) Æ bei horizontaler Arbeitsteilung
darf man darauf vertrauen, dass Partner alles richtig macht (außer Fehlverhalten ist
konkret erkennbar) (188.)
™ Sonderwissen ist immer aus der Täterperspektive zu beurteilen, Maßfigur bleibt hinter dem
Täter um nichts zurück (186.)

5.2 Kausalität und objektive Zurechnung

™ hypothetisch angenommenes sorgfaltsgemäßes Täterverhalten wird als objektive


Zurechnung geprüft (Risikoerhöhung) (190.)

5.2.1 Adäquanz

™ ist zu verneinen, wenn entweder der Erfolg oder der konkret zu ihm führende Kausalverlauf
außerhalb der allgemeinen Lebenserfahrung liegt (191.)
™ abwegige Kausalverläufe werden ausgeschieden
o Tod durch seltene Krankheit- nicht adäquat
o Lungenentzündungen sind adäquat
o „Schwäche des Opfers“ (Bluter) = abnorme Konstitution: nicht adäquat (192.)

5.2.2 Risikozusammenhang/ Schutzzweck der Norm

™ man prüft, ob der eingetretene Erfolg als Verwirklichung gerade jenes Risiko erscheint,
welchem die übertretene Sorgfaltsnorm gezielt entgegenwirken wollte
™ fällt Erfolg nicht in den Schutzzweck der Norm Æ nicht obj zurechenbar
™ Geschwindigkeitsbeschränkungen bei Baustellen sollen speziellen Gefahren der Baustelle
entgegenwirken (nicht etwa Spaziergänger) (197.)
™ es gibt kein haftungseinschänkendes Mitverschulden, jeder haftet für sein eigenen
Verschulden (198.)

5.2.3 Erweiterter Risikozusammenhang

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5.2.3.1 Nachträgliches Fehlverhalten eines Dritten

™ wertungsmäßige Entscheidung über Zurechnung jener nachtäglichen Erfolge (für die das
sorgfaltswidrige Handeln kausal war) Æ Primärverursacher zurechnen?
o vorsätzliches Handeln des Dritten: Dritter haftet
o grob fahrlässiges Handeln eines Dritten: Dritter haftet
o leicht fahrlässiges Handeln eines Dritten: Erstverursacher haftet
™ Zurechnungsfrage des nachträglichen Fehlverhaltens bezieht sich allein auf den erweiterten
Risikozusammenhang, egal ob die Vortat vorsätzlich oder fahrlässig begangen wurde (203.)
™ Durchbrechung des Risikozusammenhang nur dann, wenn Erfolg ohne die Zweitursache
wahrscheinliche entfallen wäre (204.)

5.2.3.2 Nachträgliches Fehlverhalten des Verletzten selbst

™ Grad der Vernünftigkeit des Opfers ist maßgeblich


™ möchte der Verletzte den Erfolg selbst herbeiführen Æ Durchbrechung des Rzh
™ Rzh ist durchbrochen, wenn bei einer Gesamtabwägung aller Umstände das Verhalten des
Opfers grob unvernünftig erscheint (dh ein vernünftiger Mensch hätte in der Lage des Opfers
keinesfalls so unbegreiflich gehandelt)

5.2.3.3 Nachträgliches Fehlverhalten des Verletzers

™ begeht Täter zweites Fehlverhalten vorsätzlich, dann haftet er (Todeserfolg wird nicht der
ersten Verletzungshandlung zugerechnet)
™ hL
o 2. Fehlverhalten des Täters ist erlebnismäßig so eng mit dem ersten Fehlverhalten
verknüpft, dass es noch als seine Realisierung erscheint und das zweite Fehlverhalten
ist somit nicht gesondert anzulasten
o hat zweites Fehlverhalten wesentliches eigenes erlebnismäßiges Gewicht, dann
entfällt die Zurechnung zum ersten Sorgfaltsverstoß (206.)

5.2.3.4 Helfer und Retter

™ prüft man im Rahmen des erweiterten Risikozusammenhangs


™ Haftung des Primärverursachers für Schäden eines freiwilligen Helfers Æ hL verneint, da
o freiwillige Selbstgefährdung des Retters
o auch Rettung auf Grund einer Berufspflicht (207.)
o auch Verletzungen von Zuschauern, Reportern, Schaulustigen
™ auf die Schuldfähigkeit eines Dritten kommt es beim Durchbruch des Rzh nicht an (211.)
o grob unvernünftiges Verhalten auf Grund eines Schockzustandes ist unmittelbarer
Ausfluss des Primärgeschehens Æ wird Erstverursacher zugerechnet (214.)
o grobes nachträgliches Fehlverhalten des Verletzten ist Erstverursacher nicht
zuzurechnen
™ Kette an Folgeunfällen kann beliebig lang sein, Rzh wird erst durchbrochen, wenn sich Dritter
grob unvernünftig verhält (217.)
™ ist Unfallstelle bereits abgesichert fällt zB Tod unter allgemeines Lebensrisiko (218.)
™ Verfolgungsschäden (Verletzungen des Polizisten bei Verfolgung) liegen nicht im Rzh der
Haltegebotsnorm (220.)
™ schwierig: wenn nachträgliches Fehlverhalten eines Dritten in einem Unterlassen besteht
o Burgstaller: Unterlassen wie Tun behandeln
o aM: Rzh nur bei Vorsatz durchbrochen (221.)

5.2.4 Risikoerhöhung gegenüber rechtmäßigem Alternativverhalten

™ man vergleicht den realen Geschehnisablauf mit einem solchen bei hypothetischer
Annahme normgetreuen Verhaltens und frägt, ob sich aus der Einhaltung der Norm eine

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reale Chance der Erfolgsvermeidung ergeben hätte (ex post Analyse- meist
Sachverständigengutachten)
™ man prüft also, ob das Risiko des Erfolgseintrittes durch die Sorgfaltswidrigkeit ggü einem
vorgestellten rechtmäßigen Verhalten zweifelsfrei erhöht wurde (222.)
™ auch bei 50:50 Chance Risikoerhöhung bejahen
™ Ausnahme: wirken mehrere Verhaltensweisen zu einem Erfolg, dann soll dem Täter die
Berufung auf mangelnde Risikoerhöhung verwehrt sein, wenn sein Fehlverhalten den Erfolg
auch bei sorgfaltsgemäßen Verhalten aller anderen Beteiligten herbeigeführt hätte –
umstritten (226.)

5.3 Fahrlässigkeitsschuld

™ man prüft normale Schuldelemente und zusätzlich:


o subj Sorgfaltswidrigkeit: man fragt, ob Täter Sorgfaltspflichten nach seinen eigenen
körperlichen und geistigen Fähigkeiten im Tatzeitpunkt hätte erkennen und
erfüllen können
o subj Zurechenbarkeit: man fragt ob der Täter allgemein hätte erkennen können, dass
der Erfolg in einer Weise zustande kommt, die den Zurechnungserfordernissen
genügt
™ Täter wird bei beiden Prüfungen beschränkt individualisiert, dh sein geistiges und
intellektuelles Potenzial (nicht aber Charakterschwächen) wird berücksichtigt
™ man handelt obj sorgfaltswidrig, wenn man Sorgfaltsanforderungen, wie sie sich nach dem
einschlägigen Verkehrskreis im Bereich der ausgeübten Tätigkeit ergeben, nicht erfüllt (229.)
™ Übernahmsfahrlässigkeit: Übernahme einer Tätigkeit, für die man nicht ausgebildet ist,
derer Gefährlichkeit man sich bewusst ist und weiß, dass man ihr nicht gewachsen ist
(229.)
™ Fahrlässigkeitshaftung lässt sich nicht nur an Erfolgseintritt knüpfen, sondern auch an jede
(zeitlich vorgelagerte) Sorgfaltswidrigkeit (überhaupt betrunken ins Auto einsteigen und
losfahren)
™ § 81 Z2 nicht anwendbar, wenn man nicht erkennen konnte, dass man noch eine gefährliche
Tätigkeit ausführen muss (230.)
™ Zumutbarkeit rechtmäßigen Alternativverhaltens: man prüft, ob in der konkreten
Situation von einem mit den rechtlichen Werten verbundenen Menschen ein normgemäßes
Verhalten realistischerweise zu erwarten gewesen wäre
™ Sorgfaltspflicht wird in außergewöhnlichen, den Täter psychisch belastenden Konstellationen
begrenzt (223.)
™ gerät der Täter plötzlich und unverschuldet in eine schwierige Situation, so steht ihm eine
verlängerte Reaktionszeit (und etwaige Fehlreaktionen) zu (234.)

6. Zurechnung von Erfolgsqualifikationen

™ Gesetz knüpft oft höhere Strafen an schwere Tatfolgen, die vom Täter nicht umfasst sein
müssen (Grunddelikt muss vorsätzlich begangen worden sein, für die Qualifikation reicht
Fahrlässigkeit = Vorsatz- Fahrlässigkeits- Kombination) §7/2
™ obj und subj Sorgfaltswidrigkeit sind bereits durch die vorsätzliche Verletzungshandlung
indiziert (235.)
™ die nach §§ 84ff eingetretenen Erfolge sind schon dann vom Täter zu verantworten, wenn der
von ihm vorsätzlich verwirklichte Teil nur eine vorsätzliche Misshandlung war (§7/2)
™ obj Zurechenbarkeit des Erfolges zum vorsätzlich verwirklichten Teil muss unverkürzt
geprüft werden (236.)
™ bei atypischer Ungefährlichkeit der Misshandlung ist zu prüfen, ob die konkrete
Misshandlung sozial inadäquat nicht nur für den schweren Verletzungserfolg war, sondern
auch für einen überschweren Erfolg (iSd §85/3)
™ Die Gefährlichkeit entfällt, wenn ein solcher Eintritt außerhalb jeder Lebenserwartung liegt
und die Gefahr für einen überschweren Erfolg unwahrscheinlich war

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7. Unterlassungsdelikte

7.1 Allgemeines

™ §2: Erfolgsdelikte des BT können auch durch Unterlassen begangen werden


™ Täterkreis ist aber beschränkt: nur wer auf Grund von besonderen rechtlichen
Verpflichtungen zum Tun verhalten ist, kommt als Täter in Frage (=Garant) = unechtes
Unterlassungsdelikt
™ Unterlassungsdelikt- Voraussetzungen
o pflichtbegründende Situation muss vorliegen
ƒ bei Erfolgsdelikten: Gefahr des Erfolgseintritts muss vorliegen
o Tathandlung = Unterlassung = Nichtvornahme des gebotenen Tuns
o Täter muss physisch die Möglichkeit zur Handlungsvornahme haben
o Quasikausalität: bei Hinzudenken des gebotenen Tuns wäre der Erfolg in seiner
konkreten Gestalt entfallen (238.)
™ Garantenstellung: Verpflichtung durch die Rechtsordnung
o sittliche oder moralische Pflicht begründet keine Garantenstellung
™ §2 lässt Ableitung einer Garantenstellung durch Analogie zu: es gibt Garantenstellung kraft
o Vertrag (freiwillige Pflichtübernahme)
o Ingerenz
o Gefahrengemeinschaft
™ Obhutsgaranten haben Schutzfunktion für Rechtsgüter
™ Schutzgaranten sind aus der Beherrschung einer Gefahrenquelle ableitbar (239.)
™ Amtsmissbrauch: kein Erfolgsdelikt, hM und Jud bejahen trotzdem mögliche Unterlassung

7.2 Abgrenzung Tun- Unterlassen

™ Unterlassen heißt nicht, nichts zu tun, sondern das gebotene Tun zu unterlassen, also nicht zu
setzen (241.)
™ ist ein Verhalten mehrdeutig dann gilt: Primat des strafbarkeitsausschöpfenden Tuns:
Strafbarkeit knüpft an das Tun des Täters an, wenn dieses den strafwürdigen
Gesamtunwertgehalt der Tat ausschöpft
™ ungesicherte Verwahrung von gefährlichen Mitteln ist schon obj sorgfaltswidrig und schöpft
somit den Unwertgehalt der Tat aus (243.)
™ wer durch ein Tun eine Gefahr für ein Rechtsgut schafft, dem ist das nachträgliche
Unterlassen der Abwendung dieser Gefahr nicht gesondert zurechenbar (245.)
™ Verletzt A den X bei einem Autounfall und hilft ihm dann nicht, so zählt man dies als zwei
einzelne Delikte, die man gesondert betrachten muss (§88, §2 iVm 75) (246.)

7.3 Garantenstellung

7.3.1 Garantenstellung kraft Gesetzes

™ §137/2 ABGB: Eltern und Kinder haben einander beizustehen (248.)


™ es gibt keine jeden Arzt im Speziellen treffende Hilfspflicht iSd §2: nur wenn es sich um einen
behandelnden oder diensthabenden Arzt handelt (Obhutsgarant) kommt ihm
Garantenstellung zu (249.)
™ ist ein Polizist zu einer Deliktsbekämpfung konkret zuständig Æ Garant (250.)
™ Eltern haben eine Pflicht zur Verhinderung von strafbaren Handlungen ihrer
(minderjährigen) Kinder (251.)

7.3.2 Garantenstellung kraft Vertrags (freiwillige Pflichtübernahme)

™ zB Bademeister ist Garant kraft Vertrags, hat sich zur Überwachung verpflichtet (252.)
™ auf die zivilrechtliche Gültigkeit des Vertrags kommt es nicht an
™ Kindermädchen: Garant (schon bei Zusage zur Übernahme, Eltern darauf vertraut)

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™ Garantenpflicht umfasst nur Risiken, die spezifisch den Aufgabenbereich des Pflichtigen
betreffen (teleologische Begrenzung) (254.)

7.3.3 Garantenstellung kraft Ingerenz

™ Ingerenz= gefahrbegründetes Vorverhalten Æ Verhalten, das den nahen Eintritt einer


Gefahrensituation befürchten lässt; wer eine Gefahrenquelle eröffnet, ist dafür
verantwortlich, dass aus ihr kein Schaden erwächst (Überwachungsgarant)
™ Ingerenzprinzip lässt sich mit einer Erweiterung des Handlungsspielraumes begründen,
somit treffen den Täter auch zusätzliche Gefahrabwendungs- und Hilfspflichten (256.)
™ Verkehrssicherungspflichten: Verkehrsteilnehmer vor Gefahren warnen (259.)
™ ob sich eine Garantenstellung aus sozial inadäquater Vorhandlung ergeben kann, ist strittig
o Teil der Lehre: sozial adäquate Tätigkeiten werden von der Rechtsordnung toleriert
o Jud und hM: bejaht Garantenstellung (260.)
™ auch strittig: ob sich Ingerenz aus gerechtfertigtem Vorverhalten (Notwehr) ergeben kann
o Jud: bejaht, da Person durch Täterhandlung in eine hilfsbedürftige Lage gebracht
wurde
o hL verneint, da es nicht einzusehen ist, warum man aus einer gerechtfertigten
Abwehr Garant für die Rechtsgüter des Angreifers werden sollte Æ
Handlungsspielraum wird nicht erweitert Æ aber §94 (263.)
™ bei Notwehrexzess kommt es zur Garantenstellung (264.)
™ Garantenstellung bei Rauschgiftparties ist zu verneinen

7.3.4 Garantenstellung kraft Gefahrengemeinschaft

™ Gefahrengemeinschaft = Zusammenschluss von Personen, die gerade wegen der


spezifischen Gefahren einer Tätigkeit und der Notwendigkeit einer Kooperation erfolgt
(266.)

7.4 Handlungsmöglichkeit

™ auf Tatbestandsebene ist die Möglichkeit zur Handlungsvornahme zu prüfen, gibt es


faktisch diese Möglichkeit nicht, scheidet eine Haftung aus einem Unterlassungsdelikt aus
(269.)

7.5 Quasikausalität und objektive Zurechnung

™ Quasikausalität: man fragt, ob der Erfolg in seiner konkreten Gestalt mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit entfallen wäre, hätte A die gebotene Handlung gesetzt (271.)
™ hätte man den Erfolg sowieso nicht abwenden können Æ Quasikausalität und obj
Zurechnung verneinen (Erfolgseintritt war auch bei gebotener Handlung unvermeidlich) Æ
trotzdem bleibt es bei der Strafbarkeit aus dem versuchten Unterlassungsdelikt (272.)
™ oberes gilt auch, wenn Erfolg nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit entfällt
o Gegenmeinung (Fuchs, wer sonst): Kausalitätsprüfung in abweichender Form: man
fragt, ob Erfolg Ausfluss der Nichtvornahme der Risikoverringerung ist; man prüft,
ob das gebotene Tun die Gefahr für das Rechtsgut ex ante eindeutig vermindert hätte
und ob der eingetretene Erfolg Ergebnis dieses erhöhten Risikos ist (273.)
™ Echtes Unterlassungsdelikt des §95: Tatbild ist verwirklicht, wenn man in Notsituation
untätig bleibt, es bedarf keines Erfolgseintritts (= schlichtes Unterlassungsdelikt)
o Todesqualifikation – allg. Zurechnungsregeln:
ƒ könnte man den Verletzten retten Æ Quasikausalität, für Tod muss man
einstehen
ƒ könnte man den Verletzten nicht retten Æ keine Quasikausalität, da man
Erfolgsqualifikation nicht versuchen kann Æ Strafbarkeit nach Grunddelikt
(276.)

7.6 Gleichwertigkeit von Tun und Unterlassen

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™ bei reinen Verursachungsdelikten: keine Gleichwertigkeit (277.)


™ zB Beamter legt Akt zur Seite und bearbeitet ihn nicht weiter
o Unrechtsgehalt hängt von Begleitumständen und Modalitäten ab Æ
Gleichwertigkeitsprüfung
o unterlässt er Handlung wegen Arbeitsüberlastung Æ keine Gleichwertigkeit
o möchte er jmd schaden Æ Amtsmissbrauch
™ weitere verhaltensgebundene Delikte: Betrug und Untreue durch Unterlassen (278.)

7.7 Subjektiver Tatbestand

™ zB A verletzt X und erkennt nicht, dass X noch lebt


o §§ 2, 75 scheidet aus Æ Tatbildirrtum (erkennt pflichtbegründende Situation nicht)
o § 94 scheidet aus Æ Tatbildirrtum (Vorsatz fehlt)
o Haftung aus Fahrlässigkeitsdelikt, wenn A fahrlässig verkannt hat, dass X Hilfe
braucht
o verkennt A seine Garantenstellung und hilft deshalb nicht Æ § 95
o verkennt er Garantenstellung fahrlässig Æ §§ 2, 80 (280.)

8. Versuchsstrafbarkeit

8.1 Allgemeines

™ Versuch: der obj Tb ist in einer dem Täter zurechenbaren Weisen nicht voll erfüllt § 15
™ zB kommt es bei versuchtem Mord zur KV wird diese im Konkurrenzweg verdrängt (281.)

8.2 Abgrenzung Vorbereitung – Versuch

™ Versuch: zuerst subj Tb prüfen


™ § 15/2: Versuch benötigt Ausführungshandlung oder einer Ausführung unmittelbar
vorangehende Handlung (ausführungsnahe Handlung)
™ Waffen für Verbrechen beschaffen: Vorbereitungshandlung
™ Abgrenzung straflose Vorbereitungshandlung – strafbare Versuchshandlung kann nur aus
Täterperspektive sinnvoll beurteilt werden
o Handlung muss sich nach dem Tatplan des Täters obj als ausführungsnah darstellen
o Hilfskriterien
ƒ enges zeitliches und örtliches Naheverhältnis zur Tatausführung (Fuchs: es
dürfen keine Zwischenakte zur Ausführung mehr erforderlich sein)
ƒ Täter muss entscheidende Hemmstufe zur Tatausführung überschritten
haben
™ Bsp:
o ausführungsnahe Handlung: Maske aufsetzen und in die Bank gehen
o Ausführungshandlung: Bedrohen des Schalterbeamten (283.)
o Ausführungshandlung beim Diebstahl: Einbrechen selbst (284.)
™ ist Auflauern eine ausführungsnahe Handlung? Æ konkreten Tatplan beachten
o Versuch liegt vor, wenn Täter mit dem Erscheinen des Opfers rechnet und die Tat
sofort (ohne weitere Entscheidungen) durchführen will
™ Versuchsstrafbarkeit ist unabhängig davon, ob das Opfer wirklich erscheint
™ X wäre straflos, wenn er sich die Entscheidung zur Tatverwirklichung vorbehalten hätte (291.)
™ kann man Vorbereitungsdelikte versuchen Æ hL bejaht (297.)

8.2.2 Problemfälle

™ bei Delikten mit gesetzlicher Handlungsumschreibung (zB § 146 „Täuschen“), kommt es auf
eine Abgrenzung zur straflosen Vorbereitung gar nicht mehr an, da jedes Täuschen bereits
Ausführungshandlung ist

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™ hL unterscheidet zwischen „bloß vorbereitenden“ und „entscheidenden“


Täuschungshandlungen Æ konkreter Tatplan! (298.)
™ umstritten: Versuchsbeginn beim unechten Unterlassungsdelikt:
o Teil der Lehre: nach Verstreichenlassen der ersten Handlungsmöglichkeit
o anderer Teil: bei der letzten Handlungsmöglichkeit
o hM: Versuchsstadium beim Zeitpunkt, in dem ein weiteres Zuwarten nach
Tätersicht die Rettungsmöglichkeiten erheblich erschweren würde (299.)
™ § 94: schlichtes Unterlassungsdelikt: mit Unterlassen beendet, auf den Erfolgseintritt kommt
es nicht an (gibt keinen Versuch), aber beim rückkehrenden Täter kann es trotzdem zur
Straflosigkeit kommen (300.)
™ Versuch des § 223/2:
o Jud: Mit-sich-Führen = ausführungsnahe Handlung
o wird von der Lehre abgelehnt (302.)
™ hM: Erfolgsqualifikationen können nicht versucht werden (303.)

8.3 Abgrenzung zur Vollendung

™ nach konkretem Tb des BT zu ermitteln (306.)


™ Bsp:
o Betrug: bei Auszahlung des Kredits ist Delikt vollendet
o Ladendiebstahl: Größe des Diebstahls maßgeblich:
ƒ kleine Gegenstände
• bei Ansichnahme (in Jackentasche einstecken) Æ Vollendung
• wird man beobachtet Æ Versuch (und erst wenn man sich aus dem
Machtbereich des Gewahrsamsberechtigten entfernt dh das Geschäft
und die nähere Umgebung verlässt Æ Vollendung)
ƒ größere Gegenstände
• bei Verlassen des Geschäftslokales
ƒ neuere Auffassung: beides nur vollendet, wenn Geschäft verlassen (307.)

8.4 Absolute Untauglichkeit des Versuchs

8.4.1 Untauglichkeit des Subjekts

™ § 15/3: Versuch ist absolut untauglich und somit straflos, wenn mangels persönlicher
Eigenschaften, die das Gesetz beim Täter voraussetzt, die Vollendung unter keinen
Umständen möglich war (308.)

8.4.2 Untauglichkeit der Handlung

™ betrifft immer das „Wie“ oder „Womit“ der Deliktsverwirklichung


™ Beurteilung- hL und Jud
o Handlung wird nach einem Gefahrenurteil ex ante (= im Zeitpunkt der
Handlungsvornahme) geprüft, aus der Sicht eines begleitenden Beobachters (=
Eindruckstheorie)
™ Æ Eindruckstheorie
o Eindruck auf die Rechtsgemeinschaft ist dann ein verderblicher, wenn der Beobachter
die Deliktsverwirklichung nicht ausschließen kann Æ Rechtsgemeinschaft wird in
Rechtstreue erschüttert
o Hält ein Beobachter, der den Tatplan des Täters kennt und sonst mit
durchschnittlichem Erfahrungswissen ausgestattet ist, die Deliktsverwirklichung für
ausgeschlossen, so liegt absolute Untauglichkeit vor, sonst nicht
™ ansonsten liegt relativ untauglicher und strafbarer Versuch vor
™ der begleitende Beobachter tritt im Tatzeitpunkt zum Täter dazu, sein Täterwissen ist auf den
Zeitpunkt beschränkt, insofern macht er auch Irrtümer des Täters mit (nur wenn Irrtümer
offensichtlich sind Æ Eindruck der Ungefährlichkeit) (312.)

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™ werden Tathandlungen gesetzlich umschrieben (zB § 288), will ein Teil der Lehre (Fuchs)
absolute Untauglichkeit annehmen, wenn diese Tätigkeitsumschreibung obj nicht erfüllt ist

8.4.3 Untauglichkeit des Objekts

™ Burgstaller: Formel vom begleitenden Beobachter


™ Fuchs: geht nach Gesetzeswortlaut und Willen des Gesetzgebers; Prüfung nach den
tatsächlichen Umständen im Handlungszeitpunkt
™ Jud ist lange Zeit Burgstaller gefolgt, nun aber: obj Betrachtung Æ wird ex post durchgeführt
™ der begleitende Beobachter macht nicht alle Fehlvorstellungen mit, er ist mit
Durchschnittsfähigkeiten ausgestattet (315.)
™ § 15/3: untauglicher Versuch: unmittelbarer Täter und Beteiligter Æ straflos (316.)

8.4.4 Problemfälle und Fälle zum Üben

™ Fuchs: kommt bei seiner Prüfung darauf an, ob das Objekt zufällig abwesend (strafbar, da
relativ untauglicher Versuch) ist oder nicht (nicht strafbar, da absolut untaugl. Versuch) (321.)

9. Versuchsrücktritt

9.1 Rücktritt für den Einzeltäter

9.1.1 Überblick

™ § 16/1: Voraussetzungen, unter denen ein Täter Straflosigkeit erlangt


™ bei Rücktritt des Einzeltäters gibt es zwei Rücktrittsalternativen:
o Aufgabe der weiteren Tatausführung: Hat der Täter noch nicht alles unternommen,
was nach seinem Tatplan zur Deliktsverwirklichung erforderlich ist Æ es reicht, wenn
er „nicht weiter handelt“
o Abwendung des Erfolgs: Hat der Täter alles aus seiner Sicht zur
Deliktsverwirklichung Notwendige getan, muss er einen contrarius actus setzen (also
positiv tätig werden) um Erfolg abzuwenden
™ in beiden Fällen: Rücktrittswille erforderlich
™ in welcher Form die Tataufgabe/ Erfolgsabwendung geschieht ist belanglos
™ Täter muss freiwillig handeln, sonst keine Strafbefreiung (328.)

9.1.2 Fehlschlag und Tataufgabe

™ § 16/1: Strafaufhebungsgrund
o beim unbeendeten Versuch: Ausführung aufgeben
o beim beendeten Versuch: Erfolg abwenden
o Freiwilligkeit
™ ist Deliktsverwirklichung unmöglich geworden und erkennt dies der Täter =
fehlgeschlagener Versuch (Täter kann nicht zurücktreten, da Unmöglichkeit vorliegt) Æ
Strafbarkeit
™ Rücktritt Æ Rückkehr in Legalität
™ sind die Umstände erzwungen Æ Rücktritt unfreiwillig (wenn Täter im Vergleich zum
Tatplan deutlich ungünstigere Umstände hat- dh Chancen zur Deliktsverwirklichung haben
sich aus Täterperspektive verschlechtert) (329.)
™ Frank’sche Formel
o Ich will, aber kann nicht (mehr)
o Ich kann, aber will nicht (mehr)
™ Jud
o Freiwilligkeit, wenn das Weiterhandeln im Rahmes des Tatplans möglich wäre
™ Roxin’sche Formel

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o handelt der Täter durch die Tataufgabe nur der Verbrechervernunft gemäß Æ
unfreiwillig (333.)
™ man kann auch danach beurteilen, ob Rücktritt aus autonomen Gründen, also
situationsgebunden, ist oder ob der Anlass für den Rücktritt von außen kommt
™ Verwirklichung des Delikts in einer Qualifikation ist immer noch eine mögliche Fortsetzung
des Delikts (notwendig gewordener Modalitätenwechsel begründet keine Unmöglichkeit)
™ verzichtet man auf eine intensivere Deliktsverwirklichung, weil der Widerstand unerwartet
stark ist, dann tut man im Hinblick auf den unternommenen Deliktsversuch nichts
verdienstliches, wenn man zurücktritt, sondern fügt sich nur den Verhältnissen (335.)
™ verschlechtert sich eine Situation nicht für den Täter, sondern erhöhen sich die
Opportunitätskosten (Kosten der entgangenen Gelegenheit), ist es das einzig sinnvolle, die
vorherige Handlung aufzugeben und eine neue zu beginnen (= verbrecherrational;
Roxin’sche Formel) Æ keine verdienstliche Rückkehr in die Legalität, Täter bleibt für
vorheriges Delikt für den Versuch strafbar (336.)
™ tritt man aus inneren Motiven zurück Æ Freiwilligkeit (gesinnungsgemäße Läuterung oder
edle Motive sind nicht erforderlich) (327.)
™ tritt man freiwillig von einem bereits unternommenen Raubversuch zurück, haftet man für
mögliche KV oder Nötigung (338.)

9.1.3 Rücktritt durch Erfolgsabwendung

™ tritt man von einem beendeten Mordversuch zurück, bleibt Strafbarkeit für KV bestehen (339.)
™ auch Rücktritt aus Angst oder wegen Skrupel ist verdienstvoll (340.)

9.1.4 Endgültigkeit

™ Täter wird straffrei, wenn er aus Versuchssituation heraustritt und „zumindest jetzt nicht“ die
tat ausführt (auch wenn er sich Plan für späteren Zeitpunkt vorbehält) (342.)

9.1.5 Sonderprobleme

™ Beurteilung der Freiwilligkeit aus Täterperspektive, umstritten ist der Zeitpunkt


o Burgstaller: entscheidend ist der Zeitpunkt der erster Versuchshandlung: Täter hat
es ernstlich für möglich gehalten und sich damit abgefunden, dass zB erster Schuss
tödlich ist Æ er kann dann nicht mehr zurücktreten, da es sich bereits um einen
fehlgeschlagenen Versuch handelt (Tatgeschehen wird in dessen einzelne Teile
zerlegt = Einzelaktstheorie)
o Fuchs: berufen sich auf Wortlaut des § 16; Täter sieht die Möglichkeit, durch
Weiterhandeln zum Erfolg zu kommen und gibt die ihm mögliche Ausführung auf (=
Tateinheitstheorie) (343.)

9.2 Versuchsrücktritt bei Beteiligung mehrerer

™ persönlicher Strafaufhebungsgrund Æ für jeden Tatbeteiligten einzeln zu prüfen (351.)


™ entscheidende Frage ist, ob Beteiligter die Ausführung der Tat, zu der er ursprünglich einen
Beitrag geleistet hat, verhindert hat:
o Beteiligter ist für den Fall straflos, dass die verwirklichte Tat im Verhältnis zur Tat,
zu der B beigetragen hat, einen Exzess darstellt
o aM: in der verwirklichten Tat darf nichts enthalten sein, was mit dem einmal
geleisteten Beitrag im ursächlichen Zusammenhang steht (354.)

9.3 Putativrücktritt

™ § 16/2 gilt für Einzeltäter und Beteiligte


™ = unterbleibt ein zurechenbarer Erfolgseintritt, ohne dass dies vom zurücktretenden Täter
real bewirkt worden ist, so wird dieser dennoch straffrei, wenn er sich in Unkenntnis der
obj Sachlage freiwillig darum bemüht hat (357.)

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™ Problematisch: Anforderungen, die an das ernstliche Bemühen gestellt werden


o Jud: Rücktretende muss alles in seiner Macht stehende tun um Delikt abzuwenden
o aM: ernstliche Bemühen sind im Vergleich mit einem gedachten obj Dritten zu
bestimmen, dieser muss Rücktrittsbemühen als aussichtsreich beurteilen
™ Versuch ist misslungen: fehlgeschlagener Versuch von dem Täter nichts weiß Æ
Putativrücktritt möglich (362.)

10. Zusammenwirken mehrerer zu einer Straftat

10.1 Überblick

™ § 12 Alt 1: unmittelbarer Täter: Täter führt Tat eigenhändig aus


™ § 12 Alt 2: Bestimmungstäter: erweckt in jmd anderen den Tatentschluss
™ § 12 Alt 3: Beitragstäter: leistet Unterstützungs- und Förderungshandlungen (zB Borgen der
Waffe) = Täter durch sonstigen Beitrag (auch psychische Unterstützung/ Erleichterung);
™ physischer Beitrag muss sich auswirken (geborgte Waffe muss dann auch verwendet
werden)
™ es gibt kein eigenes Beteiligungsdelikt, sondern immer nur Täterschaft zu einem konkreten
Delikt
™ alle Täter müssen Tatvorsatz haben (363.)
™ Bestimmung zum Versuch: strafbar (§15/1 3.Fall)
™ Beitrag zum Versuch: strafbar (§15/1 3.Fall)
™ Bestimmungsversuch: strafbar (§15/2 2.Fall)
™ Beitragsversuch ist nicht strafbar (§ 15/2) Æ erst strafbar, wenn unmittelbarer Täter ins
Versuchsstadium eintritt (364.) und sich der Beitrag dann auswirkt= Quantitative
Akzessorietät (Unterstützungshandlungen im Vorbereitungsstadium belanglos)

10. 2 Bestimmungstäterschaft

™ = vorsätzliches Veranlassen eines anderen zur Ausführung einer bestimmten vorsätzlichen


Tat (Erwecken des Tatvorsatzes= Anstiftung)
™ Einwirken auf die Psyche des Täters
™ jede Art vorsätzlicher Vorsatzerweckung/ der Erweckung zum Tatentschluss kommt in
Betracht (auch zB Drohung)
™ Kettenbestimmung= das vorsätzliche Veranlassen eines anderen zu einer
Bestimmungshandlung, die einen Dritten zur unmittelbaren Tatausführung veranlassen soll =
Form der Bestimmung des unmittelbaren Täters Æ strafbar
o umstritten Æ ab welchem Zeitpunkt strafbar?
ƒ Jud: Strafbarkeit schon beim ersten Bestimmenden (Fuchs aM) (366.)
™ für eine Bestimmung zu einem Delikt ist nicht ausreihend, dass der Tatbeteiligte lediglich eine
Situation schafft, in der ein anderer ein Delikt begehen wird (367.)
™ der Inhalt der Tat muss bestimmt/ bestimmbar sein, konkrete Person des Ausführenden
nicht
™ Tat muss zumindest in groben Zügen nach ihrem Unrechtsgehalt skizziert sein
™ Bestimmungstäterschaft durch Unterlassen ist nicht möglich
™ Achtung!
o Versuch der Bestimmung zum Mord: §§ 15/2, 12 2.Fall iVm 75
o Bestimmung zum Morversuch: §§ 12 2.Fall, 15/2 iVm 75
ƒ tritt hier der unmittelbare Täter zurück, ändert das für den Bestimmungstäter
nichts (370.)
™ hat der Bestimmungstäter selbst keinen Vollendungsvorsatz nennt man ihn agent
provocateur oder Lockspitzel Æ straflos (371.)
™ keine Bestimmung, wenn unmittelbarer Täter schon fix entschlossen ist (omnimodo
facturus) Æ Haftung wegen Versuch zur Tatbestimmung (372.)

10.3 Täterschaft durch sonstigen Beitrag

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™ wer anders als durch Erwecken des Tatentschlusses die Ausführung einer bestimmten
strafbaren Handlung vorsätzlich fördert Æ Täter des § 12 3. Fall
™ Tat muss obj gefördert werden (physisch oder psychisch)
™ auf das Gewicht des Beitrages kommt es nicht an
™ Beitrag muss zur Förderung der Tat geeignet sein und sich in der Tat des unmittelbaren
Täters tatsächlich auswirken (374.)
™ reine Mitwisserschaft ist keine Beteiligungshandlung, ist Mitwisser kein Garant für die
Rechtsgüter des Gefährdeten Æ straflos (376.)
™ Beteiligung durch Unterlassen möglich (378.)
™ die Grenze strafbarer Beteiligung wird mit der formellen Deliktsvollendung gezogen (danach
geleistete Beiträge können sich ja nicht mehr auf die Tat fördernd auswirken) (382.)

10.4 Gemeinsame Probleme bei der Beteiligung

™ erweckt B bei A den Vorsatz zu einer konkreten Tat Æ Bestimmungstäter (384.)


™ weckt A in B Vorsatz zu einer bestimmten Qualifikation Æ hM bejaht Bestimmungstäterschaft
zum gesamten qualifizierten Delikt (385.)

10.5 Vorsatzprobleme und Exzess

™ Vorsatzmangel des Beitragstäters und Bestimmungstäters Æ qualitativer Exzess des


unmittelbaren Täters
o Haftung des Beitragstäters aus einem Fahrlässigkeitsdelikt (wenn er durch Beitrag
eine ihn selbst treffende Sorgfaltspflicht verletzt hat)
o Haftung des Beitragstäters aus jenem Delikt für das Beitragstäter Vorsatz hatte Æ
Versuch des sonstigen Tatbeitrags ist nicht strafbar (389.)
™ Quantitativer Exzess: Täter erbeutet mehr als erwartet, erstreckt sich der Vorsatz des
Beitragstäters nicht auf die Wertqualifikation, haftet er auch nicht dafür (391.)
™ error in persona wirkt sich für unmittelbaren Täter nicht aus, umstritten bei Beteiligten:
o hM: error des unmittelbaren Täters wirkt sich für den Beteiligten wie eine
abberratio ictus aus (= Deliktsversuch und Fahrlässigkeitshaftung)

10.6 Qualitative Akzessorietät (?)

™ Beitragstäter hat keinerlei Einwirkungsmöglichkeit für eine Rechtsgutsbeeinträchtigung Æ


straflos (393.)
™ Bsp Fall 394:
o Einheitstäterschaft: B wird als Täter durch sonstigen Beitrag zur vollendeten
Veruntreuung bestraft; A erfüllt den äußeren Tb und B hat den Vorsatz darauf (A
straflos) und unterstützt A

10.7 Unmittelbare Täterschaft (Spezialfragen)

10.7.1 Verdeckte unmittelbare Täterschaft (?)

™ X trinkt vergiftetes Getränk des A (Mord an sich selbst)


o hM: A: unmittelbarer Täter: zwar hat A nicht die entscheidende Handlung gesetzt,
trotzdem hat er den deliktischen Geschehnisablauf voll verantwortlich und
beherrschend in den Händen = Tatherrschaft; verwendet Opfer wie eine Marionette,
welche ihren Tod eigenhändig herbeiführt = Der Täter benützt ein tatbestandslos
handelndes Werkzeug Æ strafbar!!!
ƒ Jud: sieht dies als Bestimmungstäterschaft (398.)
™ Pfleger gibt X ein Getränk, das A vergiftet hat
o Jud: A ist Beitragstäter

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o aM: A ist unmittelbarer Täter, da P ahnungslose Marionette in den Händen des


Hintermannes ist Æ verdeckte unmittelbare Täterschaft (vorsatzlos handelndes
Werkzeug= P) (400.)
o handelt P obj sorgfaltswidrig Æ Fahrlässigkeitsdelikt; A trotzdem verdeckter
unmittelbarer Täter durch sonstigen Beitrag (403.)
™ „durchschaute verdeckte Täterschaft“: A wird aus der Rolle des (verdeckten) unmittelbaren
Täters gedrängt
o versuchte unmittelbare Täterschaft (eine Meinung: eigene Haftung wegen
vollendeten Mordes als Täter durch sonstigen Beitrag) (404.)
™ unterschätzt Täter seine Rolle: Täter hält sich selbst für den Bestimmungstäter des
verdeckten unmittelbaren Täters P
o einheitstäterschaftliches Modell: P = unmittelbarer Täter (mangels Vorsatz Haftung
aus Fahrlässigkeitsdelikt); A = Bestimmungstäter
o Model der Tatherrschaft: A unterschätzt seine Rolle, er ist aber verdeckter
unmittelbarer Täter
ƒ keine Haftung aus der unmittelbaren Täterschaft, da Hintermann keinen
Vorsatz hat
ƒ keine Haftung aus Bestimmungstäterschaft, da er keinen Vorsatz erweckt
ƒ Haftung wegen versuchter Bestimmungstäterschaft und Haftung aus einem
Fahrlässigkeitsdelikt (405.)
™ hält A, wenn auch von B gezwungen, eigenverantwortlich die Tatverwirklichung in den
Händen Æ unmittelbarer Täter und B Bestimmungstäter (406.)

10.7.2 Versuchsbeginn bei verdeckter unmittelbarer Täterschaft

™ sieht man A als verdeckten unmittelbaren Täter hat er, indem er das Gift in die Suppe leert,
schon alles Notwendige zur Deliktsverwirklichung getan Æ beendeter Versuch Æ Haftung
für Vollendung
o Einheitstätermodell: Versuch wird nach naturalistischem Handlungswillen des
unmittelbaren Täters beurteilt, in Fall 407: Strafbarkeit des A, wenn P das Bett der X
erreicht= Versuch; Strafbarkeit des A sobald X isst, wenn man X als unmittelbaren
Täter sieht (407.)
™ hM schränkt Strafbarkeit ein: erst wenn Kausalfaktoren wirken, tritt man ins
Versuchsstadium ein (409.)

10.7.3 Mittäterschaft

™ = bewusstes und gewolltes Zusammenwirken zu einer Straftat


™ auf Grund gemeinsamen Tatplans sind die Täter arbeitsteilig zur Deliktsverwirklichung
tätig geworden; beide haben Tatherrschaft, also sind beide unmittelbare Täter
™ Täter sind arbeitsteilig, in bewusstem und gewolltem Zusammenwirken auf Grund
gemeinsamen Tatplans tätig geworden Æ Mittäterschaft (412.)
™ Mittäterschaft kann auch bei einem spontan gebildeten Tatplan entstehen; machen die Täter
jedoch nur das gleiche, liegt Nebentäterschaft vor (413.)
™ Mittäter werden im gemeinsamen Wissen und Wollen tätig (414.)
™ dass jeder Mittäter schon allein durch seine eigene Handlung den Erfolg herbeiführen kann,
ist ohne Bedeutung (additive Mittäterschaft)
™ Mittäterschaft erlaubt eine wechselseitige Zurechnung von Erfolgen zu jenen Handlungen der
Mittäter, die im gemeinsamen Tatvorsatz lagen
™ Versuchsbeginn tritt bei beiden Mittätern ein, auch wenn erst einer ins strafbare
Versuchsstadium tritt (415.)
™ A tötet X. B haftet nur als Mittäter, wenn die Handlung, aus welcher der Erfolg entsprungen
ist, im gemeinsamen Vorsatz lag, ansonsten „Exzess des Mittäters“ (416.)
™ zB Betrug: verhaltensgebundenes Delikt: wer nicht selbst täuscht, kann nicht Tatherr sein
™ Bestimmungstäterschaft verdrängt den sonstigen Beitrag (418.)
™ wartet jmd im Auto während der andere ein Delikt begeht Æ sonstiger Beitrag, keine
Mittäterschaft, da die Tatausführung nicht selbst begangen worden ist (419.)

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™ hat man keine Kontrolle über das faktisch- rechtliche Geschehen, ist man kein Mittäter
(420.)
™ Das Anwerben von Gehilfen ist kein Fall von Bestimmungstäterschaft, sondern (versuchte)
„Bestimmung“ zur Deliktsbegehung durch sonstigen Tatbeitrag Æ straflos, da der
unmittelbare Täter selbst noch nicht ins Versuchsstadium eingetreten ist
™ „Bestimmungsversuch“ des Mittäters zur gemeinsamen Tatbegehung ist kein Fall der
Bestimmungstäterschaft, sondern der Versuch der Verabredung zu gemeinsamer
Tatbegehung Æ Strafbarkeit erst beim Ansetzen zur Tatverwirklichung (422.)
™ für die Strafbarkeit des unmittelbaren Täters reicht es, wenn er mit Gesamtvorsatz auch
nur eine der einschlägigen Tathandlungen verwirklicht

10.8 Beteiligung bei Sonderdelikten

™ bei Sonderdelikten kann nicht jeder unmittelbarer Täter sein, sondern nur Machthaber selbst
™ nach § 14/1 werden unrechtsrelevante Tatqualifikationen auch auf die Beteiligten, bei
denen sie gerade in eigener Person nicht vorliegen, erstreckt (425.)
™ auch wenn A und B arbeitsteilig werden, kann nur der Qualifizierte unmittelbarer Täter
eines Sonderdelikts sein (426.)
™ unechte Unterlassungsdelikte sind Sonderdelikte, die Garantenstellung prägt das Unrecht
der Tat (428.)
™ § 313 und § 39 sind Strafzumessungsregeln, § 14 unterliegt diesen nicht (429.)
™ § 211 ist ein eigenhändiges Delikt: Unrecht wird nur hergestellt, wenn die Qualifizierten in
der vom Gesetz vorgeschriebenen Weise mitwirken (430.)
™ § 76 und § 79 sind schuldrelevante Sonderdelikte: Die schuldrelevante Täterqualifikation
kommt nach § 14/2 dem Beteiligten nicht zugute Æ Haftung aus dem allg. Delikt (431.)
™ jeder tatbeteiligte Täter des betreffenden Delikts muss mit dem vom Gesetz geforderten
Vorsatz handeln; bei Untreue muss man wissentlich handeln, also auch der Tatbeteiligte Æ
strittig ob Beteiligter bezüglich des Vorsatzes des unmittelbaren Täters eine besondere
Vorstellung haben muss Æ es reicht dolus eventualis hinsichtlich der besonderen
Vorsatzerfordernisse des unmittelbaren Täters (432.)
™ es kann auch sein, dass mehrere unmittelbare Täter des Sonderdelikts sind (435.)
™ beachte § 166/2 (436.)
™ Kreis der unmittelbaren Täter von juristischen Personen beurteilt man gem § 161 iVm § 309
(437.)

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