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Zusammenfassung Bürgerliches Recht[ 946]

Zivilrecht für Fortgeschrittene (Wirtschaftsuniversität Wien)

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AUSGEARBEITETER FRAGENKATALOG PSK


1.1. „Privatrecht“ – Begriffe und Abgrenzungen
Warum unterscheidet man öffentliches Recht und Privatrecht voneinander?
Privatrechtssachen gehören vor Gerichte – öffentliches Recht zu Verwaltungsbehörden
Privatrechtssachen hat der Bund die Gesetzgebungskompetenz
Schadenersatzrecht – wird der Staat privatrechtlich tätig, haftet er nach allgemeinem SE-Recht. Bei
Vollziehung der Gesetze, haftet er nach Amtshaftungsgesetz

Inwiefern unterscheiden sich die Begriffe „Bürgerliches Recht“ und „Privatrecht“?


Innerhalb des Privatrechts unterscheidet man das allgemeine Privatrecht von den
Sonderprivatrechten. Das allgemeine Privatrecht wird als „Bürgerliches Recht“ bezeichnet – es hat
Rechtsverhältnisse zum Gegenstand, die für jedermann bedeutsam sind. Die Sonderprivatrechte
enthalten besondere Vorschriften für einen bestimmten Personenkreis oder spezielle Sachgebiete.

Was ist das Pandektensystem?


Die Rechtswissenschaft teilt das Bürgerliche Recht nach Sachgebieten in 5 Teile auf. Diese Fünfteilung
bezeichnet man als Pandektensystem: 1. Allgemeiner Teil, 2. Schuldrecht, 3. Sachenrecht, 4.
Erbrecht, 5. Familienrecht

Wie ist das ABGB aufgebaut?


Das ABGB folgt dem Institutionensystem, das von einer Abteilung des Stoffes in Personen- und
Sachenrecht ausgeht. Es besteht aus:
- Erster Teil: Personenrechte
- Zweiter Teil: Sachenrechte
- Dritter Teil: gemeinschaftliche Bestimmungen von Personen- und Sachenrecht.

Welche bürgerlichen Sondergesetze kennen Sie?


Neben den Modifikationen traten viele Sondergesetzt, die in bestimmten Gebieten sehr bedeutsam
sind:
EheG und EPG, MRG, Wohnungseigentumsgesetz (WEG), Amtshaftungsgesetz (AHG),
Organhaftpflichtgesetz (OrgHG), DHG, EKHG, PHG, KSchG, FAGG, VKrG, E-Commerce-Gesetz (ECG)
Zahlreiche Bestimmungen des ABGB und Sondergesetze basieren aber auf RL der europäischen
Union.

Welche Sonderprivatrechte kennen Sie? Was ist ihr Charakteristikum?


Sonderprivatrecht sind vor allem: Arbeitsrecht, Unternehmensrecht, Gesellschafts- und
Versicherungsvertragsrecht.
Sie alle enthalten besondere Vorschriften für einen bestimmten Personenkreis oder spezielle
Sachgebiete.

Erläutern Sie die Funktion des IPR!


Es beschäftigt sich mit Fällen mit Auslandsbezug und regelt die Frage nach welchem nationalen
Privatrecht solche Fälle zu beurteilen sind. Es handelt sich um Verweisungsnormen, die bloß das
Privatrecht eines bestimmten Staates zur Lösung einer Frage berufen.

Wie verhalten sich Zivilrecht und Verfahrensrecht zueinander?


Zivilverfahrensrecht ist die notwendige Ergänzung zum materiellen Privatrecht. Es regelt die
Durchsetzung privatrechtlicher Rechte und Pflichten. Das materielle Recht wäre also ohne das
Prozessrecht zahnlos.

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1.2. Anwendung des Privatrechts (Methodenlehre)


Welche Auslegungsmethoden kennen Sie? (Gesetzesauslegung)
1. Wortinterpretation – Erforschung des Wortsinnes des Geschriebenen. Existiert keine
Legaldefinition, ist der Begriff auszulegen.
2. Systematische Interpretation = die auszulegende Norm muss im Zusammenhang der
Gesamtregelung betrachtet werden. Unter mehreren dem Wortlaut nach möglichen Bedeutungen ist
diejenige zu wählen, die die Gesamtregelung konsequent erscheinen lässt.
Eine Unterart der systematischen Interpretation ist die verfassungskonforme Interpretation.
Mehrdeutige Rechtsvorschriften sind also so zu verstehen, dass sie mit dem Verfassungsrecht im
Einklang stehen (Stufenbau der Rechtsordnung).
3. Historische Interpretation – Wille des historischen Gesetzgebers, der In Gesetzesmaterialien zum
Ausdruck kommt (sofern diese nicht dem Wortlaut im Widerspruch stehen).
4. Teleologische Interpretation – man orientiert sich am objektiven Zweck der Regelung.

Die Auslegung ist im Privatrecht weniger am Wortlaut orientiert, sondern richtet sich mehr nach dem
Normzweck.

Wodurch unterscheidet sich die Gesetzesauslegung von der Analogie?


Die Grenze jeder Auslegung ist der äußerst mögliche Wortsinn (Wortlaut). Wo die Auslegung
aufgrund der Wortlautgrenze endet, beginnt die Analogie und teleologische Reduktion (§7). Analogie
ist die Erstreckung einer Rechtsnorm auf einen Sachverhalt, der vom Wortlaut nach nicht geregelt ist.

Was ist eine teleologische Reduktion?


Teleologische Reduktion ist die Nichtanwendung der Rechtsfolge einer Bestimmung auf einen
Sachverhalt, der dem Wortlaut nach schon mitgeregelt ist. Wurde also keine Ausnahmeregelung
getroffen, kommt die teleologische Reduktion zur Anwendung.

Welche Arten von Analogien kennen Sie? Was sind ihre Voraussetzungen?
1. Gesetzesanalogie = die für einen bestimmten Einzeltatbestand angeordnete Rechtsfolge wird auf
einem dem Wortlaut nach nicht geregelten Sachverhalt erstreckt.
Größenschluss a minori ad maius und a maiori ad minus

2. Rechtsanalogie = aus vorhandenen Regeln wird auf einen allgemeinen Grundsatz geschlossen, der
dann wiederum auf den nicht geregelten Fall angewendet wird. Die Rechtsanalogie ist nicht wie die
Gesetzesanalogie an einer einzigen, sondern an einer Vielzahl von Bestimmungen orientiert.

3. Gesamtanalogie = wenn sich ein Fall weder durch Gesetzes- noch Rechtsanalogie entscheiden
lässt. Es sind die natürlichen Rechtsgrundsätze heranzuziehen (§7). Sie stellt die ultima ratio dar.

Wann ist ein Umkehrschluss, wann eine Analogie geboten?


Liegt eine planwidrige Unvollständigkeit (=Rechtslücke) vor, liegt eine Analogie oder teleologische
Reduktion vor. Ist die Regelung allerdings nicht lückenhaft, weil der Gesetzgeber bewusst eine
entsprechende Regelung getroffen hat, ist der Umkehrschluss (argumentum e contratio) geboten.

Was ist ein Größenschluss?


Der Größenfall ist ein Unterfall der Gesetzesanalogie. Es gibt zwei Arten:
1. A minori a maius – Übertragung einer Rechtsfolge auf einen nicht geregelten Sachverhalt, auf den
der Zweck der Regelung umso mehr zutrifft.
2. A maiori ad minus – Wenn nach dem Gesetz nicht einmal der gewichtete Sachverhalt eine
Rechtsfolge auslöst, so erst recht nicht der weniger gewichtete.

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Was ist die Maxime zweiseitiger Rechtfertigung? Geben Sie Beispiele!


soll über die Verteilung von Vorteilen und Lasten entscheiden. Es muss immer gefragt werden,
warum die Belastung einer Person gerade zur Begünstigung einer anderen führen soll und
umgekehrt, warum eine Person einen Vorteil gerade auf Kosten einer anderen erlangen sol.
BSP: Wer den Geschädigten begünstigen will, indem er ihm einen Ersatzanspruch einräumt, muss
gleichzeitig rechtfertigen, warum er diesen Anspruch gerade gegen eine bestimmte andere Person
gewährt.

Was ist ein Vorabentscheidungsverfahren? Wer entscheidet darüber?


Europäische Rechtsakte können nur vom EUGH verbindlich ausgelegt werden. Ist sich ein
innerstaatliches Gericht nicht sicher, wie ein europäischer Rechtsakt auszulegen ist, kann es die Frage
dem EUGH vorlegen, der sie in einem Vorabentscheidungserfahren klärt. Letztinstanzliche Gerichte
müssen in diesem Fall sogar vorlegen.

Was ist eine richtlinienkonforme Interpretation? Welche Grenzen sind ihr gesetzt?
Das innerstaatliche Gericht ist verpflichtet, die RL beim Auslegungsvorgang mit zu berücksichtigen.
Die historische IP ergibt nämlich, dass der Gesetzgeber der RL entsprechen wollte.
Der hA geht aber noch weiter: der nationale Richter sei nicht nur dort zur Berücksichtigung
verpflichtet, wo Bestimmungen zu interpretieren sind, die in Umsetzung einer RL ergangen sind. Von
der richtlinienkonformen Interpretation werden vielmehr auch Normen erfasst, die nicht in
Umsetzungsabsicht ergangen sind.
Eine RL-konforme Auslegung ist jedoch nur dann vorzunehmen, wenn das nationale Recht nach
Berücksichtig der dargestellten Auslegungskriterien einen Spielraum für die richtlinienkonforme
Variante lässt (weil auch Unterschiede zwischen RL und Verordnung sein muss)
Ist dies nicht der Fall, scheidet deine RL-konforme Interpretation aus. Der Gesetzgeber muss dann
aber das nationale Recht korrigieren.

1.3. Privatrechtssubjekte
Erklären Sie den Begriff Rechtsfähigkeit!
= die Fähigkeit, Träger von Rechten und Pflichten zu sein. Alle Menschen sind rechtsfähig. Beginnt
mit der Geburt (Lebensgeburt) und endet mit dem (Hirn)Tod.

Welche Funktion erfüllt die Todeserklärung?


Der Beweis des Todes erfolgt durch ärztlichen Totenschein oder durch gerichtlichen Beschluss. Kann
der Todesbeweis nicht erbracht werden, kommt eine Todeserklärung in Betracht. Durch die
Todeserklärung wird die Vermutung begründet, dass der für tot Erklärte in dem im Beschluss
festgestellten Zeitpunkt gestorben ist. Sie ist im Todeserklärungsgesetz (TEG) geregelt und kommt
auf Antrag jedes Interessenten in Betracht, wenn Umstände vorliegen, die den Tod wahrscheinlich
machen. Voraussetzung ist Verschollenheit.

Beschreiben Sie die Rechtsstellung des nasciturus! Wozu ist die bedingte Rechtsfähigkeit
erforderlich?
Auch ein bereits gezeugtes, aber nicht geborenes Kind (nasciturus) ist bedingt und beschränkt
rechtsfähig (§22). Bedingt, weil es zwar schon im Mutterleib Träger von Rechten und Pflichten sein
kann, aber nur, wenn es später lebend geboren wird. Beschränkt, weil der nasciturus nur Rechte,
aber nicht Pflichten haben kann. Lebendgeburt ist zu vermuten. Diese Rechtfähigkeit ist va für das
Recht zu erben erforderlich.

Was ist das Trennungsprinzip?


Juristische Personen haben grundsätzlich nur mit ihrem eigenen Vermögen für ihre Schulden
einzustehen. Das Vermögen der juristischen Person ist daher von dem ihrer Mitglieder und

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Begünstigten zu trennen = Trennungsprinzip.


Ausnahme! – Offene Gesellschaft, Kommanditgesellschaft haften die Gesellschafter persönlich.

Warum gilt die ultra-vires-Lehre nicht?


Nach der ultra-vires Lehre wären juristische Personen bloß beschränkt rechtsfähig und können nur
Rechtsgeschäfte abschließen, die zur Erreichung des Vereinszwecks notwendig sind.
Darüberhinausgehende Geschäfte wären mangels Rechtsfähigkeit ungültig. Dies würde aber zu einer
Übermäßigen Belastung des Geschäftsverkehrs führen. Wer überprüft schon, ob ein bestimmtes
Rechtsgeschäft noch vom satzungsmäßigen Zweck eines Vereins umfasst ist?

Wieso wird §16 ABGB als besonders naturrechtlich inspirierte Norm angesehen? Worin liegt der
naturrechtliche Gehalt?
„Jeder Mensch hat angeborene, schon durch die Vernunft einleuchtende Rechte, und ist daher als
eine Person zu betrachten“

Welchen Umfang kann das postmortale Persönlichkeitsrecht haben?


Manche Persönlichkeitsrechte wirken fort. Dabei geht es um den Schutz der Ehre und der
Privatsphäre, dessen Geltendmachung nahen Angehörigen des Verstorbenen zusteht.

Erklären Sie die Begriffe Geschäftsfähigkeit und Deliktsfähigkeit!


Die Handlungsfähigkeit ist die Fähigkeit, durch eigenes Verhalten Rechte zu erwerben und Pflichten
zu begründen. Sie wird in Geschäftsfähigkeit und Deliktsfähigkeit unterteilt.
Geschäftsfähigkeit ist die Fähigkeit, sich durch eigenes Verhalten rechtsgeschäftlich zu berechtigen
und zu verpflichten.
Deliktsfähigkeit ist die Fähigkeit durch eigenes rechtswidriges Verhalten schadenersatzpflichtig zu
werden.

Welche rechtlich relevanten Altersstufen kennen Sie?


Kinder 0-7J, unmündige MJ -14J, mündige MJ -18J, Volljährig 18+

In welchen Fällen ist ein Sachwalter zu bestellen?


Ist ein bereits Volljähriger nicht geschäftsfähig, so kommen nahe Angehörige oder
Vorsorgebevollmächtigte sowie Sachwalter als Vertreter in Betracht. Bei andauernder
Beeinträchtigung kommt eine Sachwalterbestellung in Betracht, wenn die Vertretung durch nahe
Angehörige nicht ausreicht und der Betroffene keine Vorsorgevollmacht errichtet hat.

Warum kann jeder- egal wie alt oder geistesschwach – Geschäfte des Taschengeldparagraphen
abschließen?
Grundsatz der Selbstbestimmung

Wie wird bei Geschäftsunfähigkeit das Vertrauen des Vertragspartners geschützt?


Der Geschäftsunfähige wird auch gegenüber dem Gutgläubigen geschützt. Dh auch wenn ein MJ
schon erwachsen aussieht oder man die Geisteskrankheit einer Person nicht erkennen konnte, sind
die von diesen Personen geschlossenen Geschäfte unwirksam.

Wo liegt das Problem, wenn gegen den Willen der Eltern notwendige ärztliche Behandlungen
gesetzt werden sollen? Wie hätte ein Arzt vorzugehen?
Ärzte können in diesem Fall, wenn genug Zeit bleibt – die Zustimmung beim Gericht ersetzen lassen.

Wie unterscheiden sich Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht?


Patientenverfügung = Entscheidung einer Person über medizinische Behandlung für den Fall, dass die
Person eine solche Entscheidung im Krisenfall nicht mehr selbst treffen kann. Die Anforderungen für
ihr Zustandekommen sind besonders hoch (qualifizierte Schriftform, ärztliche Aufklärung,

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fünfjähriges Ablaufdatum). Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, ist sie nicht verbindlich, jedoch
beachtlich.
Vorsorgevollmacht = Jedermann kann einen Vertreter für den Fall des zukünftigen Verlustes der
nötigen Einsichtsfähigkeit bestimmten. Sie ist formpflichtig. Bezieht sie sich auf besonders wichtige
Fragen, bedarf es einer qualifizierten Vorsorgevollmacht, die nach Belehrung über die Rechtsfolgen
vor Gericht, Notar oder Rechtsanwalt errichtet wird. Der Vertreter hat den Willen der
beeinträchtigten Person möglichst zu berücksichtigen.

2. Zustandekommen von Verträgen


2.1. Grundsätze des Vertragsrechts
Welche Bedeutung hat staatlicher Zwang für die Privatautonomie?
Die Parteien schaffen untereinander Recht, das mit Hilfe staatlicher Behörden auch vollzogen werden
kann. Ihre überragende Bedeutung erlangt die Privatautonomie also durch die Möglichkeit
staatlicher Durchsetzung.
Da hinter der Privatautonomie staatlich organisierter Zwang steckt, kann sie nicht grenzenlos gelten.

Welche Bedeutung und Funktion hat dispositives Recht?


Es gilt der Grundsatz, dass die Parteien von den vertraglichen Bestimmungen des ABGB abweichen
können. Man bezeichnet dies als dispositives (=nachgiebiges) Recht.

Wie verhält sich der Kontrahierungszwang zur Privatautonomie?


Durch den Kontrahierungszwang wird die Abschlussfreiheit eingeschränkt. Monopolartige
Unternehmen (zb: Eisenbahn, Post, Energieversorger) dürfen nämlich nach der RSP die Erbringung
öffentlich angebotener Leistung nur aus sachlichen Gründen verweigern. Die RSP ist sachgerecht,
weil der Vertragszwang für denjenigen, der seine Güter ohnehin öffentlich anbietet, mit keinen
Nachteilen verbunden ist, für den Leistungsempfänger hingegen essentiell sein kann (MONOPOL!)

Welche Einschränkungen der Privatautonomie kennen Sie?


Die allgemeinen Grenzen der Privatautonomie, Schutz des Schwächeren (Allgemeine Bestimmungen,
Sektoraler Schutz wie Zb Verbraucherschutzrecht, Arbeitsrecht, Mietrecht).

Wie lässt sich rechtfertigen, dass ein rechtskundiger Rechtsanwalt, der für seine Wohnung einen
Fernseher bei einem Kleinhändler kauft, sich auf das KSchG stützen kann?
Entscheidend für die Anwendung des KSchG ist, dass ein Unternehmer und ein Verbraucher
miteinander einen Vertag schließen.
Man achtet hierbei also nicht auf die Überlegenheit einer Vertragspartei, sondern konzentriert sich
auf das Verhältnis Unternehmer – Verbraucher. Sonst käme man vielleicht in Einzelfällen zu
gerechten Ergebnissen, man würde zugleich aber auch auf die Rechtssicherheit eines typisierten
Merkmals verzichten.

Was versteht man unter dem Problem der „Dual use“?


Das ist die Frage, ob jemand Verbraucher oder Unternehmer ist, wenn er ein Rechtsgeschäft
abschließt, das zugleich privaten und unternehmerischen Zwecken dient. Man geht davon aus, dass
man schon dann Verbraucher ist, wenn der gewerbliche Zweck des Geschäfts nicht überwiegt.

In welchen Rechtsgebieten besteht eine typische Ungleichgewichtsanlage, die den Gesetzgeber


veranlasst hat, besondere Schutzmechanismen vorzusehen?
Im sektoralen Schutz: Es gibt zahlreiche Bereiche, in denen der Gesetzgeber ein typischerweise
vorhandenes Schutzbedürfnis einer der beiden Parteien anerkennt. Dabei handelt es sich um
Verbraucherschutzrecht, Arbeitsrecht und Mietrecht. Der Gesetzgeber hat dabei die

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Regelungstechnik des einseitig zwingenden Rechts gewählt, um die schwächere Partei zu schützen.
(Mindeststandards)

Welche Verbraucherschutzgesetze kennen Sie?


Das 1979 in Kraft getretene KSchG ist die stärkste Waffe des Konsumenten. Neben dem KSchG gibt es
weitere Verbraucherschutzgesetze in Form von Sondergesetzen. Die wichtigsten sind das FAGG, VKrG
und das Fernfinanzdienstleistungsgesetz (FernFinG)

2.2. Rechtsgeschäftslehre
Welche Arten von Rechtsgeschäften kennen Sie?
Rechtsgeschäft ist ein Überbegriff für all jene privatrechtlichen Institute, die eine oder mehrere
Willenserklärungen enthalten. Die wichtigsten Unterscheidungen sind
ein- und zweiseitige RG
ein- und zweiseitig verpflichtende RG
entgeltliche und unentgeltliche RG
Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft

Was ist gemeint, wenn es heißt, ein Vertrag sei eine „individuelle Rechtsquelle“?
Ein Vertrag kommt durch übereinstimmende Willenserklärung der beteiligten Personen zustande. Ein
Vertrag wird daher auch als Rechtsgeschäft bezeichnet. Durch ihn schaffen die Vertragspartner für
sich verbindliches Recht. Das nennt man individuelle Rechtsquelle.

Worin liegt der Unterschied zwischen Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft?


Verpflichtungsgeschäfte sind auf die Begründung der künftigen Leistungspflicht gerichtet.
Verfügungsgeschäfte wirken unmittelbar auf ein Recht ein. Das Verpflichtungsgeschäft allein bewirkt
noch keinen Rechtsübergang, dazu bedarf es ein Verfügungsgeschäft.

Was versteht man unter dem Prinzip der kausalen Tradition?


Innerhalb der Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäfte unterscheidet man zwischen kausaler und
abstrakte Geschäft.
Ein Verpflichtungsgeschäft ist kausal, wenn daraus ein Zweck hervorgeht, der es wirtschaftlich
erklärt, andernfalls ist es abstrakt.
Ein Verfügungsgeschäft ist kausal, wenn es von einem Rechtsgrund abhängt. Als Rechtsgrund kommt
insb. das Verpflichtungsgeschäft in Betracht, das auf die Übertragung der Rechtsposition gerichtet ist.
In Österreich gilt das Prinzip der kausalen Tradition: Es gibt grundsätzlich keine abstrakten
Verfügungsgeschäfte. Ist etwa der Kaufvertrag wegen Sittenwidrigkeit oder Dissens ungültig, so ist
auch das Verfügungsgeschäft unwirksam und bewirkt keine keinen Eigentumsübergang (unabhängig
davon, ob das Verfügungsgeschäft selbst mangelfrei war oder nicht).

Wie ist die Willenserklärung von unverbindlichen Erklärungen des Willens abzugrenzen?
Eine rechtserhebliche Willenserklärung liegt nur vor, wenn sie „mit Rechtsfolgewillen abgegeben“
wurde, dh. dass die Parteien den Willen haben müssen, rechtliche Wirkung auszulösen.
Beim Erklärenden darf das Bewusstsein nicht erkennbar fehlen, dass Rechte oder Rechtsverhältnisse
begründet, geändert oder aufgehoben werden sollen.

Warum gilt Schweigen in der Regel nicht als Zustimmung?


Eine Willenserklärung kann nach den Regeln des §863 ausdrücklich oder stillschweigend erfolgen.
Eine ausdrückliche erfolgt durch geschriebene oder gesprochene Worte und allgemein
angenommene Zeichen. Eine stillschweigende Erklärung ist bei Handlungen anzunehmen, welche mit

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Überlegung aller Umstände, keinen vernünftigen Grund, daran zu zweifeln, übriglassen, dass ein
bestimmbarer rechtsgeschäftlicher Wille vorliegt.
Die Handlung muss daher eindeutig und in eine bestimmte Richtung weisen. Daher ist Schweigen
auch nicht als konkludente WE zu verstehen, weil es verschiedene Bedeutungen haben kann und
somit gerade nicht eindeutig in eine Richtung verweist.

Wen trifft das Risiko des Verlustes einer Willenserklärung auf dem Weg vom Erklärenden zum
Empfänger?
Nach dem Zugangsprinzip werden WE rechtlich schon ab dem Zeitpunkt wirksam, in dem sie in den
Machtbereich des Empfängers gelangen. Das ist dann der Fall, wenn der Empfänger die Möglichkeit
hat, sich damit vertraut zu machen.
Da die Erklärung also erst mit ihrem Zugang wirksam wird, reist sie auf Risiko des Erklärenden.

Warum ist die tatsächliche Kenntnisnahme einer Willenserklärung keine Voraussetzung für ihre
Wirksamkeit?
Die tatsächliche Kenntnisnahme ist nicht erforderlich, da es sonst im Belieben des Empfängers
stünde, das Wirksamwerden der Erklärung zu verhindern.

Wie unterscheiden sich Wissenserklärung und Willenserklärung? Was sind ihre Gemeinsamkeiten?
Die Wissenserklärung ist eine schlichte Information, die aber ebenfalls rechtliche Bedeutung haben
kann. Sie enthält keine Willensäußerung, sondern bloß eine Nachricht über Tatsachen.

Welche Voraussetzungen bestehen für ein wirksames Angebot/ für eine wirksame Annahme?
Ein Vertrag kommt durch übereinstimmende Willenserklärungen zustande. Diese Willenserklärungen
nennt man Angebot und Annahme. Angebot wie auch Annahme müssen bestimmt sein und
Bindungswillen zum Ausdruck bringen (§869). Ein Angebot ist bestimmt, wenn es alle wesentlichen
Vertragspunkte enthält. Es wird mit Bindungswillen abgegeben, wenn der Offerent zum Abschluss
endgültig bereit ist.
Wenn ein bindendes (=bestimmtes und mit Bindungswille abgegebenes) Angebot vorliegt, kommt
ein Vertrag durch rechtszeitige Annahme zustande. Die Annahme ist bestimmt, wenn sie dem
Angebot entspricht.

Was ist eine stille Annahme?


Nach §864 Abs. 1: In Fällen, in denen eine Annahmeerklärung nach der Natur des Geschäfts oder der
Verkehrssitte gar nicht erwartet wird. Der Vertrag kommt dann durch tatsächliches Entsprechen
innerhalb der vom Antragsteller bestimmten, oder angemessener, Frist zustande. Es handelt sich um
einen Fall der Willensbetätigung.

Erläutern Sie die Vertrauenstheorie? Wofür hat sie Bedeutung?


Wo es weder einen natürlichen Konsens noch einen offenen Dissens gibt, ist zu fragen, ob und mit
welchem Inhalt ein Vertrag zustande gekommen ist. Das ABGB löst diese Frage mithilfe der
Vertrauenstheorie: Entscheidend ist das Verständnis eines redlichen Erklärungsempfängers. Man
fragt also, wie die Erklärung unter Berücksichtigung aller Umstände vom konkreten
Erklärungsempfänger objektiv verstanden werden musste.

Welche Auslegungsregeln für Willenserklärungen kennen Sie? In welcher Rangordnung stehen sie?
Die Vertrauenstheorie ist im Gesetz (§914,915) konkretisiert. Die Auslegung von Willenserklärungen
erfolgt demnach in 5 Schritten.

1. Einfache Auslegung – auszugehen ist dabei vom Wortsinn der Erklärung in seiner
gewöhnlichen Bedeutung (dabei ist auf die Übung des redlichen Verkehrs Bedacht zu
nehmen)

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2. Dispositives Recht – Wurde über den eingetretenen Konfliktfall nicht gesprochen, kann
dispositives Recht die vorhandene Lücke schließen.
3. Ergänzende Auslegung – wurde über das auftretende Problem nicht gesprochen, fragt man
nach dem hypothetischen Parteiwillen – es ist also zu fragen, was redliche, vernünftige
Parteien vereinbart hätten, wenn sie vom Problem gewusst hätten.
4. Unklarheitenregel – bei unentgeltlichen Rechtsgeschäften ist im Zweifel anzunehmen, dass
sich der Verpflichtete eher die geringere Last auferlegen wollte. Bei entgeltlichen sind
undeutliche Äußerungen zum Nachteil desjenigen auszulegen, der sich derselben bedient hat
5. Dissens – Lässt sich mithilfe der Auslegungsregeln kein Erklärungssinn ermitteln, ist das
Geschäft wegen Unbestimmtheit nichtig.

Was ist ein versteckter Dissens? Was ist ein normativer Konsens?
Wenn beide Parteien tatsächlich dasselbe wollen, liegt natürlicher Konsens vor. Ein normativer
Konsens liegt vor, wenn beide dasselbe erklären, aber unterschiedliches wollen. Ein versteckter
Dissens liegt vor, wenn sich kein normativer (durch Vertrauenstheorie gebildet) oder natürlicher
Konsens ermitteln lässt.

Nennen Sie Ausnahmen vom Grundsatz der Formfreiheit! (§883)


Schriftform verlangt das Gesetz bei  Verpflichtungserklärung des Bürgen,
Notariatsakt bedürfen  Ehepakte, Kauf- Tausch- und Darlehensverträge zwischen Ehegatten und
Schenkungsverträge ohne wirkliche Übergabe
notarielle Beurkundung  Beurkundung von Hauptversammlungsbeschlüssen einer AG oder
Beglaubigung von Unterschriften.
besondere Formvorschriften gibt es im Bereich der letztwilligen Verfügungen, Eheschließung sowie
im Verbraucherrecht.

Welche Folgen hat die Nichtbeachtung einer gesetzlichen Formvorschrift?


Bei Mängeln der gesetzlichen Form ist das Geschäft grundsätzlich unwirksam. Formwidrige
Rechtsgeschäfte sind aber kein absolutes Nichts, sondern bilden eine Naturalobligation: Aus einer
Naturalobligation kann nicht geklagt werden, sie rechtfertigt aber eine Vermögensverschiebung. Die
erbrachte Leistung kann nicht nach §1431 zurückgefordert werden.

Was sind AGB?


Allgemeine Geschäftsbedingungen sind vorformulierte Vertragsbedingungen, die eine Vertragspartei
einer Vielzahl von Verträgen zugrunde legen will. Sie werden vorwiegend von Unternehmen
verwendet, die viele ähnliche Verträge abschließen.

Wieso werden AGB nicht Vertragsinhalt, wenn der Verwender auf der Rechnung das erste Mal auf
sie verweist?
AGB werden nicht von selbst Vertragsinhalt, sondern müssen ausdrücklich oder schlüssig vereinbart
werden. AGB können von niemanden einseitig aufgezwungen werden. Der Kunde muss die
Möglichkeit haben, vom Inhalt der Bedingungen Kenntnis zu nehmen. Wenn der Unternehmer auf
der Rechnung das erste Mal darauf verweist, wurde der Vertrag ohne AGB geschlossen. Nur
ausnahmsweise gelten AGB kraft gesetzlicher Anordnung (zb Beförderungsbedingungen von Post und
Bahn)

Beschreiben Sie die Geltungskontrolle des §864a!


Ungewöhnliche Klauseln werden nicht Vertragsbestandteil, wenn sie dem anderen Teil nachteilig
sind und er mit ihnen nach den Umständen, vor allem nach dem äußeren Erscheinungsbild der
Urkunde, nicht zu rechnen brauchte (überraschende Klausel). Es sei denn, der AGB-Verwender hat

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den Kunden besonders darauf hingewiesen. Gilt sowohl gegenüber Verbraucher als auch
Unternehmer.

Welchen Sinn hat das Tranzparenzgebot des §6 Abs 3 KSchG?


Verschleierte, mehrdeutige oder unverständliche Klauseln werden nicht Vertragsinhalt.
Wenn sie auch mit Hilfe der Auslegungsregeln des §914, 915 zu keinem eindeutigen Ergebnis führen,
sind sie schon nach allgemeinen Regeln unwirksam, weil sie zu unbestimmt sind.

Wie verhalten sich das Tranzparenzgebot und die Auslegungsregel des §915 zueinander?
(Unklarheitenregel)
Nach §915 wird eine unklare Formulierung bei entgeltlichen Geschäften zulasten desjenigen
ausgelegt, der sich ihrer bedient. Da das Tranzparenzgebot den Kunden schützen soll, bleiben
iSd§915 unklare Formulierungen aufrecht, wenn sie den Kunden ausnahmsweise doch besser stellen
als das dispositive Recht. Klauseln, deren Inhalt NUR mithilfe des §915 eindeutig zu verstehen sind,
werden daher meist intransparent iSd §6 Abs. 3 KSchG sein.

Kann sich ein Unternehmer auf §879 Abs. 3 berufen?


§879 (Inhaltskontrolle), dh. eine in AGb enthaltene Bestimmung, die sich nicht auf die Hauptleistung
bezieht, ist jedenfalls nichtig, wenn sie unter Berücksichtigung aller Umstände des Falles einen Teil
gröblich benachteiligt.
Gilt auch gegenüber Unternehmern, freilich ist der Maßstab der gröblichen Benachteiligung
gegenüber einem Unternehmer unter Umstände ein anderer als gegenüber einem Verbraucher.

Kann eine AGB-Klausel eines Werkunternehmers, wonach er „in der Festsetzung des Werklohnes
frei“ ist, mit §879 Abs. 3 in Widerspruch stehen?
§879 betrifft nur Nebenbestimmungen, weil die Kontrolle der Hauptleistung durch die
Bestimmungen über Wucher, laesio enormis und die allgemeine Sittenwidrigkeitskontrolle geregelt
ist.
Der Begriff der Hauptleistung wird allerdings sehr eng verstanden, sogar Preisgleitklauseln an eine
Bezugsgröße unterliegen nicht dem Begriff.

2.3. Inhaltliche Mängel des Vertrages


Was versteht man unter dem Grundsatz „pacta sunt servanda“?
Das bedeutet, dass sich beide Teile an die Vereinbarung halten müssen, weil sie dadurch eine für sich
bindende Rechtsquelle geschaffen haben „lex contractus“

Wodurch unterscheiden sich Wurzelmängel von Leistungsstörungen?


Als Wurzelmangel bezeichnet man einen von der Rechtsordnung anerkannten Fehler im Zeitpunkt
des Vertragsabschlusses, der der endgültigen Wirksamkeit des Vereinbarten entgegensteht.
Als Leistungsstörung bezeichnet man hingegen eine Störung, die nach Vertragsabschluss bei Erfüllung
eines bestehenden Schuldverhältnisses auftritt.

Welche Folgen können sich aus einem Wurzelmangel ergeben?


1. Absolute Nichtigkeit
2. Relative Nichtigkeit
3. Gestaltungsrecht einer Partei

Was bedeutet „Unmöglichkeit der Leistungserbringung“?


Das bedeutet, dass der Erbringung einer Leistung ein tatsächliches oder rechtliches Hindernis
dauerhaft entgegensteht.

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Welche Gruppen „geradezu unmöglicher“ Vereinbarungen kennen Sie?


Geradezu Unmögliches (§878) wird unterteilt in rechtliche Unmögliches und faktisch absurdes.

Was sind die Rechtsfolgen „geradezu unmöglicher“ Vereinbarungen?


Sie sind absolut nichtig. Die rechtsgeschäftlichen Erklärungen der Geschäftspartner werden so
behandelt, als hätte es sie nie gegeben. Es gibt keinen Vertrag, Leistungen sind
bereicherungsrechtlich nach §1431 zurückzustellen. Überdies bestimmt §878 Satz 3, dass der
Geschäftspartner der die Unmöglichkeit kannte oder kennen musste, den anderen Teil den
Vertrauensschaden zu ersetzen hat (=jener Nachteil, den der Geschädigte erleidet, weil er auf die
Gültigkeit des Vertrages vertraut hat). Waren beide Teile sorglos, entfällt jedoch der SE-Anspruch
(Kulpakompensation)

Was hat derjenige zu leisten, der ein „schlicht unmögliches“ Versprechen abgegeben hat?
Im Falle der schlichten anfänglichen Unmöglichkeit kommt das Geschäft gültig zustande. Stellt sich
die Unmöglichkeit nach Übergabe heraus, ist dies ein Gewährleistungsfall.
Stellt sich die Unmöglichkeit vor Übergabe heraus, kann der Geschäftspartner nach hA in Analogie zu
§920 vom Vertrag zurücktreten und bereits erbrachte Leistungen bereicherungsrechtlich (1435)
zurückverlangen.
Daneben hat derjenige SE-Ansprüche. Uneinig ist man sich, ob Vertrauensschaden oder
Erfüllungsschaden. Nach einer Mittellösung steht dem Gläubiger grundsätzlich der Ersatz des
Vertrauensschadens zu, außer die Erfüllung wurde garantiert – dann das Erfüllungsinteresse.

Wieso ist der Verkauf einer fremden Sache gültig?


Wer eine fremde Sacher verkauft (vermietet usw.), ist verpflichtet, die geschuldete Leistung zu
erbringen. Ist er dazu nicht imstande, so sind die Regeln über die (anfängliche oder nachträgliche)
Unmöglichkeit anzuwenden, nach Übergabe der Sache kommt Gewährleistungsrecht in Betracht.

Was sind die Rechtsfolgen der Teilnichtigkeit?


Nach §878 Satz 2 bestimmt, dass für die Wirksamkeit des Restvertrages bei geradezu unmöglichen
Leistungsversprechen auf den hypothetischen Parteiwillen abzustellen ist: Hätten die
Vertragspartner auch den Rest des Vertrages alleine geschlossen, ist er jetzt gültig, sonst ungültig.

Was spricht gegen den Ersatz des Erfüllungsinteresses bei schlichter anfänglicher Unmöglichkeit?
Für diese Lösung wird vorgebracht, dass es sich gerade um keinen Fall des §878 handelt, nach dem
nur der Vertrauensschaden zu ersetzen ist. An dieser Lösung wird aber zu Recht kritisiert, dass sie
den Umstand missachtet, dass der Erfüllungsschaden nicht verursacht wurde.

Warum ist trotz des eindeutigen Wortlautes des §879 Abs. 1 nicht jedes Rechtsgeschäft, das gegen
ein gesetzliches Verbot verstößt, nichtig?
Das entspricht in vielen Fällen nicht der Absicht des Gesetzgebers. Eine Vereinbarung, die gegen eine
Norm verstößt ist daher nur dann nichtig, wenn der Zweck der Norm die Unwirksamkeit verlangt.
Abschlussverbote (Verbote, die nur den Ort oder die Zeit des Abschlusses betreffen) zeihen keine
Nichtigkeit nach sich. Verstoß gegen Inhaltsverbote sind allerdings unwirksam.

Was ist ein Umgehungsgeschäft? Ist ein solches wirksam?


Oft versuchen Parteien, gesetzliche Verbote dadurch zu umgehen, dass sie ein Geschäft auf
„unübliche Art und Weise“ ausgestalten = Umgehungsgeschäft. Die umgangene Norm ist auf das
Umgehungsgeschäft anzuwenden, wenn sonst der Normzweck vereitelt würde.

Nennen Sie Fallgruppen der Sittenwidrigkeit!


Persönlichkeitssphäre, wirtschaftliche Übermacht, grundlegende Einrichtung der Rechtsordnung,

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familienrechtliche Institutionen.
quota litis und Wucher.

Was versteht man unter einer wucherischen Vereinbarung?


Eine Vereinbarung ist nichtig, wenn jemand den Leichtsinn, die Zwangslage, Verstandesschwäche,
Unterfahrenheit oder Gemütsaufregung eines anderen dadurch ausbeutet, dass er sich oder einem
Dritten für eine Leistung eine Gegenleistung versprechen oder gewähren lässt, deren
Vermögenswert zu dem Wert der Leistung in auffallendem Missverständnis steht (=Wucher §879
Abs. 2)

Wann ist eine Vereinbarung relativ, wann absolut nichtig?


Soll eine der beiden Parteien geschützt werden, so kann sich nur der geschützte Teil auf die
Nichtigkeit berufen. Man spricht von geltend zu machende Nichtigkeit (=relativer Nichtigkeit)
Dient die Nichtigkeit hingegen dem Schutz Dritter oder der Allgemeinheit, so können aus dem
Rechtsgeschäft in keinem Fall Ansprüche abgeleitet werden (=absolute Nichtigkeit)

Wodurch unterscheiden sich die Rechtsfolgen der Teilnichtigkeit wegen Gesetz- oder
Sittenwidrigkeit von jenen der Teilunmöglichkeit nach §878 Satz 2?
Ist nicht die gesamte Vereinbarung, sondern nur ein Teil der Vereinbarung von der Nichtigkeit
betroffen, so ist dieser Teil jedenfalls nichtig.
Anders als bei der Teilunmöglichkeit ist bei der Teilnichtigkeit wegen Gesetz- oder Sittenwidrigkeit
nicht der hypothetische Parteiwille entscheidend, sondern der Zweck der Nichtigkeitssanktion.

Was ist eine „geltungserhaltende Reduktion“?


Ein Spezialproblem der Teilnichtigkeit stellt sich, wenn eine AGB-Klausel nur zum Teil ungültig ist. Der
Vertrag bleibt – abseits der Klausel – gültig. Fraglich ist, ob die gesamte Klausel wegfällt oder nur der
ungültige Teil (=geltungserhaltende Reduktion).
Die überwiegende Ansicht geht davon aus, dass die Klausel mit ihrem zulässigen Inhalt bestehen
bleibt. Im Verbrauchergeschäft verstößt eine geltungserhaltende Reduktion der AGB allerdings gegen
das Tranzparenzgebot (§6 Abs. 3 KSchG), weshalb sie hier ausgeschlossen ist. Eine analoge
Anwendung dieser Regel im Unternehmergeschäft hat sich noch nicht durchgesetzt.

Welche Sonderregeln für die Gesetz- und Sittenwidrigkeit im Verbrauchergeschäft kennen Sie?
§6 Abs. 1 KSchG – Klauselkatalog = bestimmte Klauseln „im Sinne des §879“ sind jedenfalls nicht
verbindlich, also relativ nichtig. §9 KSchG Gewährleistungsbestimmungen sind zwingend. Weiters
siehe §6 KSchG

Wo werden Sie die inhaltlich bedenklicheren Klauseln finden: in §6 Abs. 1 oder in §6 Abs. 2 KSchG?
Wohl eher in §6 Abs. 1 KSchG, da sie relativ nichtig sind, und nicht mal vereinbart werden können,
wen der Unternehmer sie mit dem Verbraucher im Einzelnen ausgehandelt hat oder der Verbraucher
ausdrücklich zugestimmt hat.
Nach §6 Abs. 2 KSchG an sich der Unternehmer gegenüber dem Verbraucher auf diese Klauseln
berufen, wenn er beweist, dass sie im Einzelnen ausgehandelt worden sind.

Was ist ein Willensmangel? Welche Arten kennen Sie?


Die Einwilligung in einen Vertrag muss frei, ernstlich, bestimmt und verständlich erklärt werden
(§869). Fehler bei einer solchen Willensbildung werden Willensmangel genannt.

Wie verhalten sich Dissens und Irrtum zueinander?


Dissens und Irrtum schließen einander aus, da ohne Vertrag keine Prüfung auf Geltendmachung
eines Irrtums in Frage kommt.

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Wann sind Motiv-, wann Geschäftsirrtümer beachtlich? Welche Kriterien gelten für die
Abgrenzung?
Der Motivirrtum betrifft Umstände, die außerhalb des Geschäftsinhaltes liegen. Auf ihn kann man
sich nur in 4 Fällen berufen: bei listiger Verursachung, wenn das Motiv zur Bedingung gemacht wurde
(Geschäftsgrundlage), letztwilligen Verfügungen, unentgeltlichen Geschäften.
Der Geschäftsirrtum ist stets relevant. Man unterscheidet Erklärungsirrtum und Geschäftsirrtum im
engeren Sinn, welcher sich auf Punkte bezieht, die Inhalt des Rechtsgeschäftes sind (Natur des
Geschäftes, Gegenstand des Geschäftes, Person des Vertragspartners).
Als Faustregel zur Abgrenzung: Liegt kein Erklärungsirrtum vor und wird auch nicht über den
Vertragspartner, die Natur des Geschäfts oder den Gegenstand des Geschäfts geirrt, handelt es sich
um einen Motivirrtum. Weitere Grundsätze nach §871 Abs. 2, Kalkulationsirrtum, Rechtsirrtum,
Wertirrtum, Irrtum über Zukünftiges.

Erläutern Sie die Begriffe Kalkulations-, Rechtsfolgen- und Wertirrtum. Handelt es sich jeweils um
Motiv- oder Geschäftsirrtümer? Wieso hat diese Kategorisierung Bedeutung?
Ein bei der Kalkulation unterlaufener Irrtum ist grundsätzlich ein Motivirrtum. Er ist nur dann ein
Geschäftsirrtum, wenn die Kalkulationsgrundlage Vertragsinhalt werden, was voraussetzt, dass sie
dem Gegner offengelegt werden und Einvernehmen darüber besteht, dass das Geschäft auf dieser
Basis erfolgen soll.
Als Rechtsirrtum (Rechtsfolgeirrtum) bezeichnet man den Irrtum über die an ein Geschäft geknüpften
Rechtsfolgen = Motivirrtum
Als Werteirrtum bezeichnet man den Irrtum über den gemeinen Wert (Verkehrswert) einer Sache =
Motivirrtum. Ausnahme: Irrtum über eine wertbildende Eigenschaft = Geschäftsirrtum

Warum sind Irrtümer über Zukünftiges meist unbeachtlich?


Da künftige Entwicklungen regelmäßig nicht vorhersehbar sind, muss in dieser Hinsicht jeder auf
eigenes Risiko disponieren. Fehlvorstellungen über Zukünftiges können beim Wegfall von der
Geschäftsgrundlage und beim Widerruf von Schenkungen beachtlich sein.

Was bedeutet Veranlassung, Auffallenmüssen und rechtzeitige Aufklärung des Irrtums? Wofür
haben diese Tatbestände Bedeutung?
Veranlassung des Irrtums bedeutet adäquate Verursachung durch aktives Tun oder Unterlassen einer
Aufklärung (verschuldensunabhängig).
Auffallenmüssen bedeutet, dass dem Geschäftspartner der Irrtum aus den Umständen offenbar
auffallen musste, dh. er ihn fahrlässig nicht erkannt hat.
rechtzeitige Aufklärung liegt vor, wenn der Partner noch keine vermögenswerten Dispositionen im
Vertrauen auf die Gültigkeit des Geschäftes vorgenommen hat.
Der Irrende kann sich nur unter einer dieser Tatbestände auf den Irrtum berufen.

Was ist ein „durchschauter Irrtum“? Welche Folgen hat er?


Weiß der Vertragspartner, was der Irrende tatsächlich meint (durchschauter Irrtum) kommt der
Vertrag entsprechend dem wahren Willen des „Irrenden“ zustande.

Berechtigt ein gemeinsamer Irrtum zur Anfechtung?


Gemeinsamer Irrtum = wenn beide Vertragspartner demselben Irrtum unterliegen. Nach
überwiegender Ansicht berechtigt dieser Umstand allein nicht zur Anfechtung. Die Berufung auf
einen Irrtum ist nur dann gerechtfertigt, wenn eine der drei in §871 Abs. 1 ausdrücklich genannten
Voraussetzungen vorliegt. Der Irrende muss schutzwürdiger als sein Vertragspartner sein.

Welche Besonderheiten gelten bei listiger Verursachung des Irrtums?


Die Geltendmachung des Irrtums fällt bei List leichter: Nicht nur Geschäfts- sondern auch
Motivirrtümer sind beachtlich, der Überlistete hat 30 Jahre ab Vertragsabschluss die Möglichkeit,

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sich auf die Irreführung zu berufen und es bedarf keine Prüfung der Voraussetzungen des §871 (weil
List eine qualifizierte Form der Irrtumsveranlassung ist).

Welche Rechtsfolgen zieht eine Drohung nach sich?


Der Bedrohte kann den Vertrag anfechten, sofern die Drohung ungerecht und die Furcht begründet
war. Ungerecht ist sie, wenn das angestrebte Ziel nach der Rechtsordnung nicht mit diesem Mittel
erreicht werden darf. Begründet ist sie, wenn die Konsequenzen der Drohung nicht objektiv
belanglos erscheinen mussten.
Der Bedrohte kann sein Recht innerhalb von 3 Jahren ab Wegfall der Zwangslage geltend machen
(1487).

Ist jede Person, die nicht Vertragspartner ist, Dritter im Sinne des §875? Wofür hat die Einordnung
Bedeutung?
Gehilfen werden dem jeweiligen Vertragspartner stets zugerechnet. Die Herbeiführung eines
Willensmangels durch Dritte, die keine Gehilfen sind (=echte Dritte) ist in §875 geregelt. Sie führt nur
dann zur Anfechtung, wenn der Geschäftspartner an der Handlung des Dritten teilnahm oder von
derselben offenbar wissen musste.

Erläutern Sie die Problematik des Wegfalles der Geschäftsgrundlage!


Als Geschäftsgrundlage bezeichnet man für ein Geschäft typische Umstände, von denen beide
Geschäftspartner zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ausgehen.
§901, der den Motivirrtum nur dann für beachtlich erklärt, wenn das Motiv zur Bedingung gemacht
wurde, erfasst aber nur individuelle Voraussetzungen und Motive eines bestimmten
Vertragspartners. Geschäftstypische Voraussetzungen, von denen beide Parteien ausgehen
(Geschäftsgrundlage), sind nicht erfasst.

Worin liegt der Unterschied zwischen Anfechtung und Anpassung des Vertrages in Voraussetzung
und Rechtsfolge?
Für die Ermittlung der Rechtsfolge bei einem Irrtum fragt man nach dem hypothetischen
Parteiwillen. Wesentlicher Irrtum – Vertragsauflösung, Anfechtung.
Unwesentlicher Irrtum – Vertragsanpassung 872

Welche Rücktrittsrechte stehen nur Verbrauchern zu? Erklären Sie den Hintergrund dieser
Rücktrittsrechte!
Ein Verbraucher hat die Möglichkeit, sich innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angaben von
Gründen von einem Vertrag oder Vertragsangebot zu lösen. Ein Verbraucher kann zurücktreten nach:
§11 FAGG, (subsidiär) nach §3 KSchG, nach §8 FernFinG, nach §12 VKrG, nach §5c VersVG
Auch §3a KSchG enthält ein Rücktrittsrecht Verbrauchers, welches jedoch an das Vorliegen konkreter
Gründe geknüpft ist (Nichteintritt maßgeblicher Umstände)

Erläutern Sie den wesentlichen Regelungsgehalt des Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetzes!


Das FAGG ist anwendbar, wen ein Unternehmer mit einem Verbraucher einen Vertrag unter
ausschließlicher Verwendung von Fernkommunikationsmittel schließt, sofern sich der Unternehmer
eines für den Fernabsatz organisierten Vertriebs- oder Dienstleistungssystems bedient (§3 Z 2 FAGG)

Welche Informationen muss ein Unternehmer einem Verbraucher vor Vertragsabschluss erteilen?
Der Unternehmer muss dem Verbraucher zahlreiche vertragsbezogene Informationen erteilen:
- §4 Abs. 1 FAGG enthält die aus bereits §5a KSchG bekannten Informationspflichten (Wesentliche
Eigenschaft der Ware oder Dienstleistung, Name oder Firma des Unternehmers, Gesamtpreis etc.)
- Der Unternehmer muss über das Bestehen des Rücktrittsrechts informieren
- über zahlreiche weitere Umstände nach §4 Abs. 1

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Welche Sanktionen hat die Verletzung von Informationspflichten des Unternehmers?


Konsequenzen der Pflichtverletzung ist jedenfalls eine Verwaltungsstrafe (§19 FAGG). Die Verletzung
mancher Pflichten kann bei der Auslegung des Vertragsinhaltes eine Rolle spielen oder führt
aufgrund gesetzlicher Anordnung zur Vertragskorrektur
Bei Verletzung der gesetzlichen Informationspflichten kommen überdies die allgemeinen
zivilrechtlichen Instrumente der Gewährleistung, der culpa in contrahendo und der
Irrtumsanfechtung in Betracht.

Hat der Unternehmer einen Bereicherungsanspruch, wenn der Verbraucher von einem Vertrag
nach FAGG zurücktritt?
Hierbei unterscheidet man ob es sich um eine Dienstleistung handelt oder nicht.
Der Rücktritt lässt alle vertraglichen Verpflichtungen erlöschen. War der Unternehmer zur
Warenlieferung verpflichtet, folgt die Rückabwicklung des Vertrages – mit gewissen Modifikationen –
den allgemeinen bereicherungsrechtlichen Regeln:
- der Unternehmer muss den Verbraucher alle Zahlungen erstatten (§14 FAGG)
- Der Verbraucher muss die Ware zurückstellen (§15). Die Kosten der Rücksendung trägt
grundsätzlich der Verbraucher.
Dienstleistungen: Die Rückabwicklung ist unproblematisch, wenn mit der Dienstleistung noch nicht
begonnen wurde. Andernfalls ist zu differenzieren:
Hat der Unternehmer den Vorgaben nach §10 FAGG entsprochen und mit der Leistungserbringung
bereits begonnen, aber noch nicht vollendet, hat der Unternehmer einen anteiligen Entgeltanspruch.
Hat er den Vorgaben des §10 nicht entsprochen oder nicht korrekt über das Rücktrittsrecht belehrt,
kann der Verbraucher nicht nur innerhalb der Fristen des §§ 11 und 12 FAGG zurücktreten. Er ist
auch keinem Bereicherungsanspruch ausgesetzt, selbst wenn der Unternehmer vollständig und
mangelfrei erfüllt hat.

Wodurch unterscheiden sich das Rücktrittsrecht bei Auswärtsgeschäften und das bei
Haustürgeschäften?
Der Rücktritt beim Haustürgeschäft nach §3KSchG ist anders als beim Auswärtsgeschäft nach dem
FAGG, ausgeschlossen, wenn der Verbraucher selbst die geschäftliche Verbindung angebahnt hat.

Wie verhalten sich Gestaltungsrecht und bereicherungsrechtlicher Rückwicklungsanspruch


zueinander?
Für den mit Wurzelmangel behafteten Vertrag, der mittels Gestaltungsrecht beseitigt werden kann,
gilt die Zweispurigkeit der Rückabwicklung. In diesem Fall wird so getan, als hätte es den Vertrag nie
gegeben und man kann Eigentum mit §366 oder bereicherungsrechtlich zurückverlangen (bei Irrtum
§877)

Was versteht man unter „schuldrechtlich ex tunc-Wirkung“, „sachenrechtlich ex-tunc-Wirkung und


„sachenrechtlicher ex nunc-Wirkung“? Welche Auflösungsbestände wirken wie?
Bei der Vertragsauflösung wegen Wurzelmangels spricht man davon, dass die Beseitigung des
Vertrags auf den Vertragsabschlusszeitpunkt zurückwirkt (=ex tunc-Wirkung, außer in seltenen
Ausnahmen).
Die Besonderheit der Auflösung wegen einer Leistungsstörung liegt in den sachenrechtlichen
Konsequenzen. Die ex-tunc-Wirkung besteht allerdings nur für den Bereich des Schuldrechts.
Sachenrechtlich wirken sie nicht zurück, sondern nur ex nunc. Dies gilt auch bei der schlichten
anfänglichen Unmöglichkeit.

Worin liegt der Vorteil eines sachenrechtlichen Herausgebeanspruches gegenüber einem


schuldrechtlichen?

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Der Unterschied zeigt sich ZB in der Insolvenz des Leistungsempfängers: Sachenrechte sind absolute
Rechte, Schuldrechte sind relative Rechte. Wer nur einen schuldrechtlichen Anspruch hat, muss sich
eine Kürzung seines Anspruches gefallen lassen.

Kann es sein, dass der Herausgabeberechtigte trotz einer sachenrechtlich ex-tunc-wirkenden


Vertragsauflösung nicht mehr Eigentümer ist?
Wer die Leistung zurückfordert, kann sein Eigentum in der Zwischenzeit verloren haben:
Vermengung, gutgläubiger Erwerb eines Dritten, Sachuntergang.

2.4. Vertragsabschluss durch Dritte (Stellvertretung)


Was ist direkte Stellvertretung? Nennen Sie ihre zentralen Voraussetzungen!
Bei der direkten Stellvertretung berechtigt und verpflichtet man, anders als bei der indirekten, die
Person ohne Umwege. Voraussetzung hierfür ist die Offenlegung, die Vertretungsmacht und das der
Vertreter zumindest beschränkt Geschäftsfähig ist.

Was ist Aktiv-, was ist Passivvertretung?


Je nachdem, ob der Stellvertreter Rechtswirkungen für den Vertretenen durch ABGABE einer
Willenserklärung oder durch deren EMPFANG hervorruft, unterscheidet man zwischen Aktiv- und
Passivvertretung.

Was sind „höchstpersönliche Rechtsgeschäfte“?


Höchstpersönliche Geschäfte sind vertretungsfeindlich und umfassen: Verlöbnis, Eheschließung,
Errichtung einer letztwilligen Verfügung, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Anerkennung der
außerehelichen Vaterschaft

Wodurch unterscheiden sich die Ermächtigung von Auftrag und Dienstvertrag?


Bei der Ermächtigung KANN der Ermächtigte das Geschäft ausführen, bei Auftrag und Dienstvertrag
MUSS er.

Erläutern Sie den Begriff Vertretungsmacht!


Als Vertretungsmacht bezeichnet man die Rechtsmacht, im fremden Namen (mit Wirkung für den
Vertretenen) handeln zu können. Ohne Vertretungsmacht kommt es zu keiner wirksamen
Stellvertretung. Sie kann eingeräumt werden: Rechtsgeschäftlich, gesetzlich oder organschaftlich.

Warum ist die Offenlegung eine Voraussetzung wirksamer Stellvertretung?


Dieses Erfordernis erklärt sich aus der Privatautonomie des Geschäftspartners, der ein Recht und
Interesse hat zu wissen, mit wem er kontrahiert.

Was ist Handeln unter fremden Namen? Wodurch unterscheidet es sich vom Handeln im fremden
Namen?
Handeln im fremden Namen bedeutet, dass der Vertreter die Beziehung gegenüber dem
Geschäftspartner klarzustellen hat, sonst kann der Vertretene nicht Vertragspartner werden.
Wer nicht in fremden Namen, sondern unter fremden Namen handelt, legt sich beim Abschluss des
Rechtsgeschäftes den Namen einer fremden Person zu und ruft den Eindruck hervor, diese Person zu
sein.

Wieso ist auch bei wirtschaftlich bedeutenden Geschäften die volle Geschäftsfähigkeit des
Vertretenen keine zwingende Vorschrift?
Weil der Vertreter ja nicht selbst Vertragspartner wird, sondern den Vertretenen verpflichtet.

In welchen Fällen bedarf es gesetzlicher Vertretung?


Wenn eine natürliche Person nicht geschäftsfähig ist

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Was versteht man unter einer Formalvollmacht? Wo bestehen solche Vollmachten?


Bei der organschaftlichen Vertretungsbefugnis  die Vertretungsmacht der Organe ist im Gesetz
geregelt, Beschränkungen werden weitgehend nicht zugelassen. Man spricht in diesen Fällen von
Formalvollmachten, weil die Vertretungsmacht in diesen Fällen nicht beschränkbar ist.

Wie wird eine Vollmacht rechtsgeschäftlich eingeräumt?


Bei der rechtsgeschäftlich eingeräumten Vertretungsbefugnis (Bevollmächtigung) handelt es sich um
eine einseitig empfangsbedürftige Willenserklärung des Vollmachtgebers. Zur wirksamen Erteilung
von Vollmacht bedarf es keiner Zustimmung des Vertreters. Als Vollmacht bezeichnet man
üblicherweise auch eine Urkunde, die den Vertreter als solchen ausweist. Die Vollmacht betrifft das
rechtliche Können im Außenverhältnis.

Worin liegt der Unterschied zwischen Innen- und Außenvollmacht?


Die Innenvollmacht wird gegenüber dem Vertreter erklärt, die Außenvollmacht wird (auch)
gegenüber dem Dritten erklärt. Der Umfang der Vertretungsmacht bestimmt sich aus dieser
Erklärung.

Erläutern Sie die Voraussetzungen einer Anscheinsvollmacht!


Wurde dem Dritten gegenüber ein begründeter Anschein erweckt, der Vertreter hätte Vollmacht und
wurde dieser Anschein vom Vertretenen zurechenbar verursacht, und ist der Dritte gutgläubig, so
entsteht Anscheinsvollmacht.

Erläutern Sie die Begriffe „Spezialvollmacht“, „Gattungsvollmacht“ und „Generalvollmacht“


Spezialvollmacht – Der Vertreter ist nur zum Abschluss eines bestimmten Geschäftes bevollmächtigt
(Einzelvollmacht.
Gattungsvollmacht – Der Vertreter ist nur bevollmächtigt, bestimmte Arten von Geschäften
abzuschließen.
Generalvollmacht – Der Vertreter ist zu allen Geschäften bevollmächtigt, die überhaupt Gegenstand
einer Vertretung sein können.

Welche Konsequenzen hat der Missbrauch der Vollmacht? Welche eine Überschreitung?
Hält sich der Vertreter nicht im Rahmen der Vollmacht, wird die Vertretungsmacht überschritten, es
kommt daher kein Vertrag zustande. Anderes gilt, wenn die Vollmacht das Geschäft deckt, und nur
gegen das Innenverhältnis verstößt (Vollmachtsmissbrauch). Das Bestehen der Vollmacht allein
macht das Geschäft mit dem Dritten gültig. Der Geschäftsherr kann nur im Innenverhältnis
Schadenersatz verlangen.
Kollusion: Wirken Vertreter und Geschäftspartner in gemeinsamer Absicht zusammen, den
Vertretenen zu schädigen, kommt kein Geschäft zustande (sittenwidrig §879).

Worin liegen die Gefahren von Insichgeschäften? Wie versucht man, dieser Gefahr Herr zu
werden?
Ein Insichgeschäft liegt vor, wenn der Vertreter mit sich selbst abschließt, oder wenn er als Vertreter
beider Vertragsteile abschließt. Problematisch sind sie deshalb, weil die Vermutung naheliegt, dass
der Vertreter die Interessen des Vertretenen nicht optimal wahrnimmt. Insichgeschäfte sind daher
unwirksam, da sie typischerweise sittenwidrig sind. Anderes gilt, wenn der, der sich auf das Geschäft
beruft, beweisen kann, dass keine Interessenskollision drohte.

Was ist eine „nachträgliche Genehmigung“?


Wer im Zeitpunkt der Abgabe der Erklärung keine Vollmacht hat, vertritt nicht wirksam. §1016
bestimmt, dass das Geschäft heilt, wenn der vorerst unwirksam Vertretene es nachträglich
genehmigt. Wird das Geschäft nicht genehmigt, bleibt es unwirksam.

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Was ist eine „Prokura“?


Im Firmenbuch eingetragene Unternehmer können Prokura erteilen (§48-53 UGB). Dabei handelt es
sich um eine Formalvollmacht. Eine Beschränkung der Prokura gegenüber Dritten ist unwirksam. Die
Prokura kann nur voll geschäftsfähigen natürlichen Personen eingeräumt werden.

Was ist die „Immobiliarklausel“?


Die Prokura berechtigt zu allen Arten von gerichtlich und außergerichtlichen Geschäften und
Rechtshandlungen, die der Betrieb eines Unternehmens mit sich bringt. Einige Geschäfte sind
allerdings ausgenommen, insb. die Veräußerung und Belastung von Grundstücken
(=Immobiliarklausel). Grundstücke erwerben, vermieten oder verpachten darf der Prokurist hingegen
schon.

Welche Faktoren spielen bei der Anfechtung der Bevollmächtigung eine Rolle?
Die Vollmacht kann auch wegen Willensmangel angefochten werden, was den Vertreter nachträglich
zum falsus procurator macht. Bei interner Bevollmächtigung ist das weniger problematisch, da der
Dritte ohnehin ein Risiko eingeht. Bei externer Bevollmächtigung besteht allerdings ein erhöhtes
Schutzbedürfnis. Anfechtungsgegner ist daher der Dritte, bei ihm müssen auch die Voraussetzungen
des §871 vorliegen.

Wie verhalten sich Eigengeschäft und Scheinvertretung zueinander?


Handelt jemand als falsus procurator entsteht weder ein Vertrag mit dem Dritten, noch mit ihm
selbst. Hat der Handelnde nicht ausreichend offengelegt, kommt das Geschäft mit ihm selbst
zustande.

Welche Voraussetzungen bestehen für den Schadenersatzanspruch gegen den Scheinvertreter


nach §1019?
§1019 bestimmt, dass der Vertreter ohne Vertretungsmacht dem anderen Teil zum Ersatz des
Schadens verpflichtet ist, den dieser im Vertrauen auf die Vertretungsmacht erleidet. Ein solches
Verschulden liegt vor, wenn der Scheinvertreter trotz Erkennbarkeit des Vertretungsmangels die
Vertretungshandlung setzt. Kenntnis des Dritten von der fehlenden Vertretungsmacht hindert den
Anspruch.

Erläutern Sie den Begriff „hypothetisches Erfüllungsinteresse“! Welche Bedeutung hat das
hypothetische Erfüllungsinteresse für den Schadenersatzanspruch gegen den Scheinvertreter?
Nach §1019 haftet der Scheinvertreter auf das Vertrauensinteresse und zwar um den Betrag, um den
der Dritte ärmer ist, weil er nicht gewusst hat, dass das Geschäft unwirksam ist. Die Haftung des
Scheinvertreters darf den Betrag des Erfüllungsinteresses nicht überschreiten. Die Begrenzung ist
damit zu rechtfertigen, dass der Geschäftspartner über den Erfüllungsschaden hinaus nicht
schutzwürdig ist.

In welchen Fällen hat der unwirksam Vertretene schadenersatzrechtlich für das Verhalten des
Scheinvertreters einzustehen?
In Betracht kommt eine schadenersatzrechtliche Zurechnung über §1313a, wenn der Scheinvertreter
als sein Verhandlungsgehilfe anzusehen ist, ZB. ein vom Geschäftsherrn eingesetzter
Geschäftsvermittler, der vollmachtslos abschließt.

Was ist ein Bote?


Bote ist, wer eine fremde Willenserklärung überbringt oder für jemand anderen in Empfang nimmt.
Der Bote agiert als verlängerte Hand, er ist lediglich Transporteur.

Worauf kommt es bei der Abgrenzung zwischen Bote und Stellvertretung an?
Der Bote bildet im Gegensatz zur Stellvertretung keinen rechtsgeschäftlichen Willen. Er teilt als

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verlängerte Hand bloß einen fremden Willen mit oder nimmt ihn entgegen. Er hat keinen eigenen
Entscheidungsspielraum.

Welche Formen der Treuhand kennen Sie?


Je nachdem, ob der Treuhänder für einen oder mehrere Treugeber agiert, spricht man von
einseitiger, zweiseitiger (beidseitiger) oder mehrseitiger Treuhand. Bei der fremdnützigen Treuhand
(Verwaltungstreuhand) handelt der Treuhänder nur im Interesse des Treugebers. Die eigennützige
Treuhand dient auch den Interessen des Treuhänders.

Wodurch unterscheidet sich ein Vermittler von einem Vertreter?


Geschäftsvermittler schließen nicht selbst ab, sondern bringen nur Vertragsparteien zusammen. Ihre
Tätigkeit besteht in der Einziehung von Erkundigungen und im Erteilen von Auskünften. Vermittler
sind daher keine Stellvertreter, weil sie den Geschäftsabschluss nur vorbereiten, ihn aber nicht selbst
tätigen.

3. Grundlagen des Schuldrechts


3.1. Das Schuldverhältnis: Entstehung und Inhalt
Was ist das Synallagma? Wie wirkt es sich aus?
Die Verknüpfung von Leistung und Gegenleistung im Sinne des do ut des Prinzips (ich gebe, damit du
gibst) wird Synallagma genannt. Jede Partei ist Schuldner und Gläubiger gleichzeitig. So lange ein
Partner beim synallagmatischen Vertrag nicht bereit ist, seine Leistung zu erbringen, muss der
andere Vertragspartner aufgrund der Verknüpfung auch nicht leisten. (Zug-um-Zug-Einrede §1052)

Unterscheiden Sie Hauptleistungspflichten von Nebenpflichten!


Die prägenden Rechte und Pflichten bezeichnet man als Hauptleistungspflichten. Dazu gehört va.
Zahlung des Kaufpreises gegen Übergabe der Kaufsache.
Nebenpflichten ergeben sich aus besonderen Vereinbarungen, aus dem Gesetz oder aus ergänzender
Vertragsauslegung. Eine besondere Kategorie der Nebenpflichten sind die Schutz- und
Sorgfaltspflichten.

Worauf kann ein Schuldverhältnis basieren?


Ein Schuldverhältnis kann gem. §859 basieren auf: Einem Gesetz, einem Rechtsgeschäft, oder
erlittener Beschädigung (was ja eig. Gesetz ist)

Welche Funktion hat die culpa in contrahendo?


CIC bedeutet, dass das Schuldverhältnis bereits mit der Aufnahme des rechtsgeschäftlichen Kontakts
entsteht. Unabhängig vom späteren Vertragsabschluss. Dazu gehören Schutz- und Sorgfaltspflichten,
sowie Aufklärungspflichten. Die Bedeutung der Annahme dieses Schuldverhältnisses besteht darin,
dass der Schuldner bei Verletzung aus dem Schuldverhältnis entspringende Pflichten nach den
strengeren vertraglichen Regeln haftet (quasi-vertragliche-Haftung  Geschäftsherr haftet nach
1313a, Verschuldensvermutung nach §1289, Schutz des bloßen Vermögens)

Sind Forderungsrechte rechtlich geschützt?


Die Beeinträchtigung eines fremden Forderungsrechts ist nicht rechtswidrig. Das wird damit
gerechtfertigt, dass relative Forderungsrechte mangelnde Publizität haben und einem Dritten im
Gegensatz zu absoluten Rechten meist unbekannt sind. In Ausnahmefällen ist daher auch die
Beeinträchtigung fremder Forderungsrechte rechtswidrig und macht schadensersatzpflichtig. Bei:
- wissentliche Beeinträchtigung fremder Forderungsrechte §1295
- fahrlässige Beeinträchtigung eines Forderungsrechts, wenn es durch Besitzverstärkung besonders
publik ist
- Anmaßung er Gläubigerstellung hinsichtlich einer fremden Forderung.

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Was folgt aus der Qualifikation eines Rechts als „absolut“?


Absolute Rechte haben Bedeutung im Insolvenzrecht und im Schadenersatzrecht. Im Insolvenzrecht
ist das absolute Recht des Gläubigers zu respektieren während schuldrechtliche (relative) Ansprüche
in der Insolvenz gekürzt werden.
Im Schadenersatz ist die Beeinträchtigung eines absoluten Rechts rechtswidrig. Man sagt, die
Rechtswidrigkeit werde durch den Eingriff in fremdes Eigentum indiziert.

Welche Bedeutung haben tatsächlicher Schaden und Verschulden für eine Vertragsstrafe?
Durch die Vertragsstrafe (Konventionalstrafe) vereinbaren die Parteien einen pauschalierten
Schadenersatz für den Fall der schuldhaften Nicht- oder Schlechterfüllung. Sie kann unabhängig
davon gefordert werden, ob ein Schaden eingetreten ist. Sie kann auch für die Nichteinhaltung der
Erfüllungszeit oder des Erfüllungsortes vereinbart werden.
Es besteht ein richterliches Mäßigungsrecht auf Verlangen der betroffenen Parteien. Die
Vertragsstrafe setzt eine gültige Hauptverbindlichkeit voraus.

Was ist gemeint, wenn es heißt, der Schuldner hafte für die Erfüllung der Verbindlichkeit?
Aus einem Schuldverhältnis ergibt sich, dass eine Partei leisten soll (Schuldner), die andere Partei
verlangen kann (Gläubiger). Leistet der Schuldner nicht, kann der Gläubiger sein Recht grundsätzlich
vor Gericht durchsetzen und den Schuldner zur Leistung zwingen (=Haftung des Schuldners)

Was sind Naturalobligationen?


Das sind Schulden „ohne Haftung“. Es besteht keine Möglichkeit zur zwangsweisen Durchsetzung,
trotzdem schuldet der Naturalschuldner wirklich. Erbringt er seine Leistung freiwillig, erfüllt er damit
eine Verbindlichkeit und kann das Geleistete nicht mit der Begründung zurückverlangen, der
Gläubiger habe keinen Anspruch (§1432). Naturalobligationen sind verjährte und aufgrund eines
Formmangels ungültige Schulden, sowie Wettschulden.

3.2. Leistungsstörungen
Welche Leistungsstörungen kennen Sie?
nachträgliche Unmöglichkeit, Verzug, Gewährleistung

Welche Bedeutung hat die Unterscheidung zwischen Nichterfüllung und Schlechterfüllung?


Zur Nichterfüllung zählen nachträgliche Unmöglichkeit und Verzug, zur Schlechterfüllung zählt die
Gewährleistung.

Was bedeutet Bring-, Hol- und Schickschuld? Was gilt, wen die Parteien darüber nicht gesprochen
haben?
Hier spricht man vom Erfüllungsort. Dieser richtet sich primär nach der Parteienvereinbarung,
sekundär nach dem Zweck der geschuldeten Leistung. Im Zweifel gilt Hol-, vor Schick-, vor
Bringschuld (§905).

Wodurch unterscheidet sich eine Erfolgs- von einer Sorgfaltsverbindlichkeit?


Bei einem Erfolg ist ein tatsächlicher Erfolg geschuldet, bei einer Sorgfaltsverbindlichkeit ist bloßes
Bemühen gefordert.

Nach welchem Maßstab ist zu beurteilen, ob eine Gattungsschuld oder eine Speziesschuld vorliegt?
Gattungsschuld bestimmt sich nach generellen Merkmalen (Verkehrsauffassung), Speziesschuld nach
individuellen Merkmalen.

Unterscheiden sie anfängliche und nachträgliche Unmöglichkeit!


Bei der anfänglichen Unmöglichkeit ist die Leistung schon im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses
unmöglich. Hier spricht man von schlichter anfänglicher Unmöglichkeit, die ein Wurzelmangel ist und

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KEIN Fall des §878 (anfängliche Unmöglichkeit Faktisch absurdes, rechtlich Unmögliches). Der Vertrag
kommt bei der schlichten anfänglichen Unmöglichkeit zustande.
Bei der nachträglichen Unmöglichkeit wird die Leistung zwischen Vertragsabschluss und Erfüllung
unmöglich.

Wem weist die Rechtsordnung grundsätzlich das Risiko des zufälligen Sachuntergangs zu?
casum sentit dominus: Der Zufall trifft den Eigentümer. Das Risiko trägt also der jeweilige
Eigentümer, dh. vor Übergabe der Verkäufer, nach Übergabe der Käufer.

Wieso ist ein zufälliger Sachuntergang im subjektiven Schuldnerverzug kein Fall des §1447?
Befindet sich der Schuldner im Verzug, geht die Gefahr auch zum Zeitpunkt der bedungenen
Übergabe nicht über. Solange der Schuldner die Sache nicht übergibt, trägt er das Risiko.

Welche schuldrechtlichen Konsequenzen hat zufällige Untergang eines Stückes aus der
geschuldeten Gattung?
Bei Gattungsschulden gilt: genus non perit – dh. die Gattung geht nicht unter. Das Unmöglichwerden
der Leistungserbringung führt nicht zur Unmöglichkeit. Es kann und muss ein anderes Stück aus der
Gattung geliefert werden (Schuldner trägt also die Leistungsgefahr). Hat der Schuldner bereits
bestimmte Stücke aus der Gattung ausgesondert um den Vertrag zu erfüllen, kommt es im Zeitpunkt
der bedungenen Übergabe zur Konzentration, dh dass die Gattung ab diesem Moment als Spezies
behandelt wird. Geht die gesonderte Sache dann unter, liegt eine Unmöglichkeit der
Leistungserbringung vor.

Wer trägt die Gefahr für den zufälligen Untergang der Leistung bei Schickschulden? Steht die
Regelung im Einklang mit §1447?
Der Verkäufer trägt das Risiko bis zur bedungenen Übergabe. Nach §429 ist die Sache bereits mit
ihrer Aushändigung an eine mit der Übersendung betraute Person übergeben. Eine andere
Risikoverteilung gibt es im Verbraucherrecht §7b KSchG: Die Gefahr geht erst auf den Verbraucher
über, sobald die Ware an den Verbraucher abgeliefert wird.

Geben Sie ein Beispiel für das stellvertretende commodum? Welcher Gedanke steckt dahinter?
Bsp: Versicherungssumme für ein abgebranntes Bild. Tritt an die Stelle der untergegangenen Leistung
ein anderer Wert in das Vermögen des Schuldners, kann der Gläubiger die Herausgabe dieses
Vorteils verlangen (gegen Erbringung der eigenen Leistung). Gedanke dahinter ist, dass sich der
Schuldner mit dem Ausscheiden der Sache aus dem eigenen Vermögen einverstanden erklärt hat und
daher auch „Ersatzleistungen“ hergeben muss.

Wie und wann unterscheiden sich Austauschanspruch von Differenzanspruch?


Beim Austauschanspruch wird die eigene Leistung erbracht und der Wert der untergegangenen
Gegenleistung gefordert (§920). Beim Differenzanspruch wird die Wertdifferenz zwischen der
eigenen Leistung und Gegenleistung gefordert (§921).
Das führt zum selben Ergebnis, wenn die Gegenleistung in Geld besteht. Ein Unterschied besteht
dann, wenn sie nicht in Geld besteht. Probleme bereitet es auch, wenn nicht die wertvollere, sondern
die weniger wertvolle Leistung untergeht. Der Schadenersatzanspruch des Gläubigers soll ihm all
jene Nachteile ersetzen, die durch die verschuldete Nichterfüllung erlitten hat (abstrakt oder
konkret).

Welche Folgen hat eine dem Gläubiger zuzurechnende Unmöglichkeit?


Dem Schuldner gebührt in diesem Fall das vereinbarte Entgelt, der Gläubiger erhält dafür aber keine
Leistung. Der Schuldner hat sich allerdings anzurechnen, was er sich durch das Unterbleiben der
Leistung erspart hat, oder was er stattdessen erworben hat. (§1168)

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Nach welchen Kriterien wird beurteilt, ob bei teilweiser Unmöglichkeit von einer Teilunmöglichkeit
der Leistung oder einer Gesamtunmöglichkeit auszugehen ist?
Das hängt von dem Willen der Parteien ab  subjektive Teilbarkeit.

Was spricht für, was gegen eine Repartierung bei der beschränkten Gattungsschuld?
Fall der beschränkten Gattungsschuld, deren Vorrat nicht ausreicht, um alle Gläubiger zu
befriedeten. Es kommt also zur Repartierung (Aufteilung) des vorhandenen Vorrats. Nachteil ist, dass
die Relativität der Forderungsrechte durchbrochen wird.

Definieren Sie Schuldnerverzug und Gläubigerverzug!


Ein Schuldner gerät in Verzug, wenn er seine Verbindlichkeit entweder nicht zur gehörigen Zeit, am
gehörigen Ort oder auf die bedungene Weise erfüllt (§918)
Ein Gläubiger gerät in Verzug, wenn er die vom Schuldner vereinbarungsgemäß angebotene Leistung
nicht annimmt.

Was ist ein objektiver, was ein subjektiver Schuldnerverzug?


Beim objektiven Schuldnerverzug, ist der Verzug dem Schuldner nicht vorwerfbar (unverschuldeter
Verzug). Beim subjektiven trifft ihn ein Verschulden daran.

Welche Rechtsfolgen hat der Schuldnerverzug? Inwiefern beeinflusst die Vorwerfbarkeit eines
Verzugs seine Rechtsfolgen?
Beim objektiven Schuldnerverzug hat der Gläubiger ein Wahlrecht (§918): Entweder er hält am
Vertrag fest oder er tritt unter Setzung einer Nachfrist vom Vertrag zurück. Beim subjektiven
Schuldnerverzug hat der Schuldner überdies hinaus auch noch Schadenersatz zu leisten. Hält der
Gläubiger am Vertrag fest, umfasst dies den Verspätungsschaden. Tritt er vom Vertrag zurück, kann
er das Erfüllungsinteresse verlangen (Berechnung wie Differenzenanspruch).

Welche Besonderheiten gibt es bei Fixgeschäften?


Nach §919: Fixgeschäfte sind Geschäfte, die entweder jetzt oder nie erfüllt werden müssen. Beim
Fixgeschäft ist daher weder eine Nachfrist zu setzen, noch eine Rücktrittserklärung erforderlich. Der
Vertrag zerfällt einfach. Bei einem Verschulden des Schuldners an der Nichterfüllung wird er überdies
nach den allgemeinen Regeln (§921) schadenersatzpflichtig.
Sofern der Gläubiger an der Leistung noch Interesse hat, kann er den Vertrag retten, indem er dies
dem Schuldner unverzüglich mitteilt.

Kann der Gläubiger vom gesamten Vertrag zurücktreten, wenn der Schuldner einen Teil der
geschuldeten Leistung nicht erbringt?
Beim Teilverzug (§918 Abs. 2) ist die Leistung teilbar. Der Gläubiger hat daher kein Recht auf einen
Gesamtrücktritt, er kann nur den Teilrücktritt erklären.
Bei Sukzessivlieferungsverträgen hat der Gläubiger das Wahlrecht hinsichtlich noch offener
Leistungen, die ja noch gar nicht fällig sind (§918 Abs. 2).

Wie sind Geldschulden zu erfüllen?


Geldschulden sind nach dem Zahlungsverzugsgesetz 2013 (ZGV) entgegen der allgemeinen Regeln
Bringschulden. Der Schuldner trägt also das Risiko der Verzögerung und des Verlustes des
Geldbetrags.

Was sind Zinsen und wonach richtet sich ihre Höhe?

Kann ein Schuldner wegen Gläubigerverzugs vom Vertrag zurücktreten?


Die Annahme ist nur Obliegenheit (§1419). Der Gläubiger ist nicht verpflichtet, die angebotene Sache

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auch anzunehmen. Es liegt lediglich eine Obliegenheitsverletzung vor (Verletzung einer Pflicht
minderer Ordnung).

Welche Rechtsfolgen hat der Gläubigerverzug?


§1419: die widrigen Folgen fallen auf denjenigen, der gezögert hat, die Leistung anzunehmen.
Welche Folgen das sein sollen, sagt das Gesetz nicht. Von Lehre und aRsp wurde allerdings folgendes
herausgearbeitet:
- Gefahrenübertragung
- Haftungsminderung des Schuldner (haftet nur mehr für grobes Verschulden, nicht aber für leichte
Fahrlässigkeit)
- Hinterlegungsmöglichkeit
- Aufwandersatz
- Selbsthilfeverkauf
Abweichend vom innerstaatlichen Recht besteht nach Art 53 UNK eine Abnahmepflicht des Käufers.

Wieso bleibt beim Schuldnerverzug die Gefahr beim Schuldner und geht beim Gläubigerverzug auf
den Gläubiger über?
Weil mit der Vereinbarung eines Fälligkeitstermins eine Regelung über die Risikoverteilung getroffen
wurde. Der Schuldner will das Risiko nur bis zu diesem Termin tragen, danach soll sie dem Gläubiger
gehören.

Was versteht man unter dem Verbot des „ultra alterum tantum“?
Das ist eine Regel im Zusammenhang mit Verzugszinsen. Unabhängig von der Höhe der Zinsen ist zu
bedenken, dass §1335 das Verbot des ultra alterum tantum vorsieht. Zum Schutz des Schuldners darf
der Gläubiger keine weiteren Zinsen fordern, wenn er die Zinsen bis auf den Betrag der Hauptschuld
hat ansteigen lassen, ohne die Forderung einzuklagen. Diese Regelung gilt allerdings nicht für
Geldforderungen gegen einen Unternehmer aus unternehmensbezogenen Geschäften (§353 UGB)

Welche Aufgabe hat das Gewährleistungsrecht?


Zweck ist die Wiederherstellung der Äquivalenz von Leistung und Gegenleistung.

Warum gibt es bei einer Schenkung keine Gewährleistung?


Eben aus dem Grund, dass die Äquivalenz wiederhergestellt werden soll. Bei einer Schenkung gibt es
keine Gegenleistung, daher auch kein Ungleichgewicht, das wiederhergestellt werden muss. Deshalb
gilt die Gewährleistung nur bei entgeltlichen Geschäften.

Welche Arten von Mängel kennen Sie?


§§922 ff. Ein Mangel ist eine Abweichung vom Vertrag. Die Prüfung der Mangelhaftigkeit bezieht sich
immer auf bedungene Eigenschaften sowie gewöhnlich vorausgesetzte. Man unterscheidet
außerdem Sachmangel und Rechtsmangel. Ein Sachmangel haftet der Sache körperlich an. Ein
Rechtsmangel verschafft dem Erwerber nicht die geschuldete Rechtsposition.

Erläutern Sie die Vermutung des §924. Wofür gilt sie?


§924 bestimmt, dass der Übergeber nur für Mängel Gewähr leistet, die bei der Übergabe vorhanden
sind. Grundsätzlich ist es Sache des Übernehmers zu beweisen, dass ein Mangel vorliegt und dass
dieser schon im Zeitpunkt der Übergabe vorhanden war. Kommt er allerdings in den ersten 6
Monaten ab Übergabe hervor, muss der Übergeber beweisen, dass der Mangel nicht schon im
Zeitpunkt der Übergabe vorhanden war.
Die Vermutung der Mangelhaftigkeit gilt nicht, soweit sie mit der Art dr Sache oder des Mangels
nicht vereinbar wäre.

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In welchem Verhältnis stehen primäre und sekundäre Behelfe zueinander?


Die primären Behelfe (Verbesserung, Austausch) haben Vorrang, wodurch dem Übergeber eine
zweite Chance eingeräumt wird, zu erfüllen und seinen Entgeltanspruch zu behalten. Die sekundären
Behelfe stehen also nur subsidiär zu.

Kann der Übernehmer Verbesserung verlangen, wenn der Übergeber sich weigert sie
vorzunehmen?
Grundsätzlich hat der Übernehmer das Wahlrecht zwischen Verbesserung und Austausch. Ist
allerdings einer der Behelfe unmöglich, oder mit einem unverhältnismäßigen Aufwand für den
Übergeber verbunden, bleibt nu der andere (§932 Abs. 2)
Weigert sich der Übergeber zur Nacherfüllung stehen die sekundären Behelfe zu.

Besteht ein freies Wahlrecht der Übernehmers zwischen Preisminderung und Wandlung?
Der Übernehmer kann die Wandlung nur dann begehren, wenn es sich um keinen geringfügigen
Mangel handelt. Die Geringfügigkeit bestimmt sich hier in der „Verhältnismäßigkeit“ zwischen
Vertragsauflösung und Preisminderung. Meist werden dabei objektive und subjektive Merkmale
kombiniert: Je höher die objektive Wertminderung, desto eher ist der Mangel nicht mehr geringfügig.
Fehlt eine ausdrücklich bedungene Eigenschaft (oder zugesicherte Eigenschaft) wird der Mangel
ebenfalls nicht geringfügig sein.

Was würden Sie ienem Übernehmer raten, der die mangelhafte Sache selbst verbessert hat?
In Österreich kann man dieses „Problem“ auf zwei Arten lösen: Entweder durch §1042 oder durch
§1168.
1042: Aufwand gemacht, den ein anderer nach dem Gesetz hätte machen müssen. Ersatzanspruch
beschränkt sich auf das, was der Gewährleistungspflichtige erspart hat.
OGH löst das Problem durch die analoge Anwendung des §1168: Anrechnen lassen, was er sich
erspart hat, damit eine ungerechtfertigte Bereicherung vermieden wird. Analogie: dem
Gewährleistungspflichtigen wird abgezogen, was er sich durch die unterbliebene Verbesserung
erspart hat.

Ab welchen Zeitpunkt laufen die Gewährleistungsfristen? Wie lange sind sie?


Bei beweglichen Sachen beträgt die Gewährleistungsfrist 2 Jahre, bei unbeweglichen 3 Jahre. Die
Frist beginnt grundsätzlich mit Besitzverschaffung, weil ab dann die Sache überprüft werden kann
und der Mangel dem Übergeber zumindest abstrakt erkennbar ist. Sonderregel Rechtsmängel: Ab
Erkennbarkeit des Mangels.

Wie wirkt die Perpetuierung der Einrede?


Nur eine gerichtliche Geltendmachung wahrt die Frist, eine außergerichtliche Anzeige hat auf den
Fristenablauf keine Auswirkung. Die außergerichtliche Anzeige hat aber Bedeutung, wenn der
Übernehmer die Gegenleistung noch nicht erbracht hat. Ihm bleibt nach §933 Abs. 3 nämlich die
Geltendmachung durch Einrede vorbehalten, wenn er innerhalb der Frist dem Übergeber den
Mangel anzeigt (=Perpetuierung der Einrede). Klagt der Übergeber den Kaufpreis ein, kann sich der
Übernehmer auf die außergerichtliche Anzeige erfolgreich im Prozess berufen.

Welches Ziel erfolgt §933b (Händlerregress)?


Muss ein Unternehmer einem Verbraucher Gewähr leisten, kann er von seinem Vormann auch nach
Ablauf der Gewährleistungsfrist Gewährleistung fordern. Dazu muss binnen zwei Monaten nach
Erfüllung der eigenen Gewährleistungspflicht der Regress geltend gemacht werden. Absolute Frist
von 5 Jahren.

Was ist ein offenkundiger Mangel?


Gewährleistungsausschlüsse kommen in Betracht bei: vertraglichen Gewährleistungsausschluss, Kauf

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in Pausch und Bogen, offenkundige Mängel (§928).


Bei Mängel, die ins Auge fallen gibt es keine Gewährleistung, da solche Mängel aus Sicht des
Gesetzgebers beim Preis berücksichtigt werden. Ausnahme bei zugesicherten Eigenschaften oder arg
listiger Täuschung.

Unter welchen Voraussetzungen kann der Übernehmer einer mangelhaften Sache Schadenersatz
statt Gewährleistung verlangen?
§933a: SE statt GEW steht zu, wenn der Übergeber den Mangel verschuldet hat. In den ersten 10
Jahren ab Übergabe wird das Verschulden des Übergebers sogar vermutet (Achtung, das Vorliegen
eines Mangels hat stets der Übernehmer zu beweisen).

Was ist ein Mangelfolgeschaden? Wann wird er ersetzt?


Ersatz für Mangelfolgeschäden ist allgemeines Schadenersatzrecht, der Ersatz wird aber auch in
§933a angeordnet. Ein Mangelfolgeschaden ist wenn einem Übernehmer durch eine mangelhafte
Leistung noch weitere Schäden zugefügt werden. Der Übergeber haftet dem Übernehmer ex
contractu. Er wird bei Verschulden des Übergebers ersetzt.

Was sind Begleitschäden?


Begleitschäden entstehen bei unsorgfältigem Verhalten (Verletzung von Schutz- und
Sorgfaltspflichten) während der Erfüllung. Sie werden nach allgemeinen SE-Recht ersetzt (ex
contractu).

Welche Bedeutung hat das Aliud für die Abgrenzung zwischen Gewährleistung und Verzug.
Beim Aliud leistet der Übergeber nicht nur eine mangelhafte Sache, sondern etwas ganz Anderes, als
geschuldet wurde. Weil etwas geliefert wurde, was gar nicht geschuldet war, geht man davon aus,
dass der Verkäufer noch im Verzug ist. Der Übernehmer erwirbt kein Eigentum und kann sich auf die
Rechtsfolgen des §918 berufen (am Vertrag festhalten, oder nach Nachfrist vom Vertrag
zurücktreten).

Was ist eine Selbstverbesserung? Was sind ihre Rechtsfolgen?


Selbstverbesserung liegt vor, wenn der Übernehmer die Verbesserung selbst durchführt, oder einen
Dritten damit beauftragt (und dann die Kosten vom Übergeber verlangt). Rechtsfolgen siehe oben.

Was versteht man unter Rügeobliegenheit?


Die Rügeobliegenheit kommt beim beidseitigen Unternehmergeschäft zur Anwendung. §377 UGB
sieht vor, dass der Käufer Mängel der Ware, die er bei ordnungsgemäßen Geschäftsgang nach
Ablieferung durch Untersuchung festgestellt hat oder feststellen hätte müssen, dem Verkäufer
binnen angemessener Frist anzuzeigen hat.
Unterlässt er diese Anzeige, verliert er die Ansprüche auf Gewährleistung, Schadenersatz statt
Gewährleistung, sowie aus Irrtum über die Mangelfreiheit. §381 dehnt die Rüge auch auf Werk- und
Tauschverträge über bewegliche körperliche Sachen aus.

Was ist ein Quantitätsmangel? Kommt Schlechterfüllung- oder Nichterfüllungsrecht zur


Anwendung?
Ein Qualitätsmangel betrifft die Eigenschaft, ein Quantitätsmangel die Menge. Unechte
Qualitätsmängel unterstehen jedenfalls dem Gewährleistungsrecht. Vor Übergabe geht man von
Nichterfüllung, nach Übergabe von Schlechterfüllung.

Unter welchen Voraussetzungen kann sich ein Vertragspartner auf die laesio enormis berufen?
Wenn ein Beteiligter nicht einmal die Hälfte dessen als Gegenleistung erhält, was er selbst erhält,
dann er sich auf die laesio enormis (§934) berufen. Maßgebend sind die objektiven Werte der
Leistungen im Vertragsabschlusszeitpunkt.

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Welche Folgen hat die Geltendmachung der laesio enormis?


Der Verkürzte kann den Vertrag anfechten. Sein Vertragspartner hat jedoch die Möglichkeit, den
Vertrag durch Aufzahlung auf den gemeinen Wert zu retten (Ersetzungsbefugnis,
Alternativermächtigung, facultas alternativa).
Zahlt er nicht auf, wird der Vertrag durch Anfechtung aufgehoben, erbrachte Leistungen sind
bereicherungsrechtlich herauszugeben (§1435). Aufhebung wirkt nur schuldrechtlich, nicht
sachenrechtlich.

In welchen Fällen kann sich der Verkürzte nicht auf die laesio enormis berufen?
Nach §935 kann er sich nicht berufen, wenn er den wahren Wert der Sache kannte, er die Sache aus
besonderer Vorliebe übernommen hat, er sie bei einer gerichtlichen Versteigerung erworben at oder
bei einer gemischten Schenkung erhalten hat.

Welche Zwecke verfolgen die §§25a, b IO?


Sie schränken die Rücktrittsrechte des Vertragspartners des Insolvenzschuldners ein. Damit soll
verhindert werden, dass für die Masse wichtige Verträge aufgelöst werden und so eine mögliche
Fortführung und Sanierung des insolventen Unternehmens gefährdet wird.

Wessen Schutz dient das Rücktrittsrecht des Insolvenzverwalters nach §21 IO?
Es dient zum Schutz der Masse. Bei beidseitig nicht erfüllten Verträgen hat der Insolvenzverwalter
zum Schutz der Masse ein besonderes Wahlrecht. Er kann sich aussuchen, ob er in den Vertrag
eintritt und ihn erfüllt (dann erhält der Vertragspartner die volle Leistung als Masseverbindlichkeit)
oder ob er vom Vertrag zurücktritt.

3.3. Beendigung des Schuldverhältnisses


Wie werden Schuldverhältnisse beendet?
Ein Schuldverhältnis wird grundsätzlich durch seine Erfüllung beendet. Erfüllung ist dabei die
obligationsgemäße Leistung.

Welche Besonderheiten gelten bei der Erfüllung durch Dritte? Welche Rolle spielt §1422 bei
Erfüllung durch Dritte?
Auch die Leistung einer dritten Person kann schuldbefreiend wirken. Ein Dritter kann aber nur dann
die geschuldete Leistung erbringen, wenn entweder der Schuldner oder der Gläubiger zustimmt
(§1423). §1442 bestimmt: wer die Schuld eines anderen bezahlt, kann vor oder bei der Zahlung vom
Gläubiger die Abtretung seiner Rechte verlangen (=Einlösung der Forderung). Verlangt der Dritte die
Abtretung nicht, so kann er zwar nicht mittels §1442, aber doch gemäß §1042 gegen den früheren
Schuldner vorgehen, weil er einen Aufwand macht, den dieser nach dem Gesetz hätte selbst machen
müssen.

Wie grenzt man Novation, Leistung an Zahlungs statt und Leistung zahlungshalber voneinander ab?
Mit Einverständnis von Schuldner und Gläubiger kann durch eine andere Leistung statt der
ursprünglichen geschuldeten Forderungen erfüllt werden. Werden nur die Nebenbestimmungen
geändert, Rechtsgrund und Hauptgegenstand aber unberührt gelassen, spricht man von einer
Schuldänderung (§1379).
Die Vereinbarung, den Gegenstand der Forderung oder ihren Rechtsgrund zu ändern, wird hingegen
Novation genannt (§1376). Durch eine solche Vereinbarung erlischt die ursprüngliche Verbindlichkeit,
eine neue entsteht (auch Bürgschaften und Pfandrechte erlöschen mit der alten Verbindlichkeit)
Wird die neu vereinbarte Leistung gleichzeitig erbracht, wird eine solche Vereinbarung Leistung an
Zahlungs statt genannt (§1414). Der Unterschied zur Novation besteht also darin, dass die neu
begründete Verbindlichkeit sofort und endgültig erfüllt wird.
Bei der Leistung zahlungshalber wird dem Gläubiger etwas gegeben, aus dem er sich Befriedigung

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verschaffen kann. Durch die Hingabe einer Leistung zahlungshalber erlischt die Schuld daher noch
nicht! Faustregel: Körperliche Sachen werden an Zahlungs statt übergeben, Forderungen
zahlungshalber.

Welche Voraussetzungen gibt es für die einseitige Aufrechnung?


Unter Aufrechnung versteht man die Bezahlung einer Verbindlichkeit durch eine Gegenforderung
(§1438). Voraussetzung jeder Aufrechnung ist die Gegenseitigkeit. Bei der einvernehmlichen
Aufrechnung ist die Gegenseitigkeit die einzige Voraussetzung. Bei der einseitigen bedarf es noch
zusätzlicher Voraussetzungen: gleicher Schuldinhalt (Gleichartigkeit), Gültigkeit (nur einklagbare,
keine verjährten Forderungen)

Es heißt, die Aufrechnung wirke zurück. Was heißt das?


Es kommt für die Zulässigkeit der Aufrechnung auf den Zeitpunkt an, in dem sich die Forderungen
zum ersten Mal gegenübergestanden sind. Wichtig ist nur, dass sich Forderungen irgendwann einmal
gültig gegenübergestanden sind.

Wodurch unterscheiden sich Vergleich und Anerkenntnis voneinander?


Vergleich: Die Parteien könenn unter beiderseitige Nachgeben streitige oder zweifelhafte Rechte neu
festlegen (§1380).
Anerkenntnis: Spezialfall des Vergleichs. Im Gegensatz zum Vergleich gibt allerdings nur der
Schuldner nach, indem er das bestrittene Recht in vollem Umfang anerkennt. Das Anerkenntnis
schafft also wie der Vergleich einen neuen Verpflichtungsgrund.

Gibt es einen entgeltlichen Verzicht? Begründe!


Ja, der dem Schulderlass zugrundeliegende Titel kann entgeltlich oder unentgeltlich sein. Gläubiger
und Schuldner können durch einen Verzicht die Verbindlichkeit des Schuldners aus der Welt
schaffen. Erlässt jemand dem Schuldner die Forderung im Gegenzug dafür, dass dieser seinen
Gartenzaun streicht, liegt ein entgeltlicher Verzicht vor.

Hebt der Tod des Gläubigers die Verbindlichkeit des Schuldners auf? Begründung!
Nein, stirbt der Gläubiger geht die Forderung auf die Erben über. Abweichendes kann vom Gesetz
vorgesehen werden oder ergibt sich aus der Parteienvereinbarung (besonders bei
höchstpersönlichen Leistungen).

Wofür hat die Unterscheidung in befristete und unbefristete Dauerschuldverhältnisse Bedeutung?


Befristete enden grundsätzlich durch Zeitablauf, unbefristete durch ordentliche Kündigung. Sowohl
befristete und unbefristete können aber auch jederzeit aus wichtigem Grund sofort beendet werden.

Welche Folgen hat die Verjährung?


Verjährung = Rechtsverlust wegen Nichtausübung eines Rechtes durch eine bestimmte Zeit. Das
Recht verliert nach Ablauf der Frist die Klagbarkeit.

Welche Rechte sind unverjährbar?


Hoheitsrechte, Sachenrechte, persönliche Freiheitsrechte, Personen- und Familienrechte und die
damit verbundenen Pflichten.

Wie lange dauert die Verjährung?


Die Verjährung beginnt mit dem Zeitpunkt zu laufen, in dem das Recht an sich schon hätte ausgeübt
werden können (§1478). Von Bedeutung ist nur der objektive Umstand des Zeitablaufes.

Was ist eine lange, was eine kurze Verjährung?


Man unterscheidet zwischen langer 30-jährigen Frist und den kurzen Fristen, die individuell sind. Die
Lange ist der Regelfall. Findet man im Gesetz keine Sonderbestimmung, ist die lange Verjährung

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maßgebend. Für Rechte von juristischen Personen beträgt die Frist 40 Jahre. Die Kurze gilt für Rechte,
bei denen die Beweisschwierigkeiten üblicherweise hoch sind.

Wodurch wird eine laufende Verjährung unterbrochen?


Die Verjährung wird durch die Geltendmachung durch Klage oder durch das Anerkenntnis des
Verpflichteten unterbrochen. Sie beginnt nach dem Wegfall des Unterbrechungsgrundes neu zu
laufen.

Wodurch unterscheiden sich Fort- und Ablaufshemmung?


Bei der Fortlaufshemmung ruht die Verjährung, bei der Ablaufshemmung wird der Ablauf bis zum
Wegfall des Hemmungsgrundes verhindert.

4. Vertragliche Schuldverhältnisse
4.1. Die Vertragstypen des ABGB
Welche im ABGB geregelten Verträge kennen Sie?

- Kauf §1053 ff
- Tausch §1045 ff
- Schenkung §938 ff
- Werkvertrag §1165 ff
- Dienstvertrag §1151 ff
- Auftrag §1002 ff
- Verwahrung §957 ff
- Darlehens- und Kreditvertrag §983 ff
- Bestandsvertrag §1090 ff
- Wette und Spiel §1270 ff
- Leibrentenvertrag §1284 ff
- Trödelvertrag §1086 ff
- Vertrag über die Errichtung einer GesbR §1175 ff

In welche Gruppen lassen sich die ABGB-Vertragstypen einteilen?


Kauf, Tausch und Schenkung sind Veräußerungsverträge.
Leihe, Darlehen und Bestandvertrag (Miete, Pacht) sind Gebrauchsüberlassungsverträge.
Werkvertrag, Dienstvertrag, Auftrag und Verwahrung sind Dienstleistungsverträge.
Weiteres unterscheidet man zwischen entgeltlichen und unentgeltlichen Verträgen, je nachdem ob
eine Partei eine Leistung um einer Gegenleistung willen oder freigiebig erbringt.

Welche Aufgabe nimmt das Besondere Vertragsrecht des ABGB wahr?


Die Aufgabe des Besonderen Vertragsrechts des ABGB ist es, die Grundregeln für die einzelnen
Schuldverhältnisse zu konkretisieren, aber auch zu ändern.

Was sind gemischte Verträge? Welche Regeln sind auf sie anwendbar?
Werden Elemente verschiedener Verträge zu neuen Typen verbunden, sodass die verschiedenen
Leistungen zusammengehörend geschuldet werden, spricht man von gemischten Verträgen (zB.
Reiseveranstaltungsvertrag)
Welche Bestimmungen auf solche Verträge anzuwenden sind, regelt das Gesetz mit zwei möglichen
Lösungen:

1. Absorptionstheorie
der gemischte Vertrag wird nach den Regeln eines Vertragstypes behandelt. Diese Theorie

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gilt dem Gesetz nach, wenn die Parteien Elemente von Miete und Pacht oder Kauf und
Tausch mischen.
2. Kombinationstheorie
bei den meisten anderen gemischten Verträgen gilt diese Theorie, nach der jeder Teil der
Vereinbarung soweit wie möglich nach dem jeweils „passenden“ Vertragstyp zu behandeln
ist.

Inwieweit sind der Privatautonomie der Vertragspartner Grenzen gesetzt?


Innerhalb des Vertragstyps können die Parteien weitgehende Abänderungen vornehmen, weil kaum
zwingendes Recht vorhanden ist.
Zu beachten sind allerdings die Grenzen, die die Privatautonomie auch im Schuldrecht hat:

- §§878, 879 – eine allgemeine Schranke für privatrechtliche Vereinbarungen, wonach


geradezu unmögliches ebenso wie gesetz- und sittenwidriges nicht Vertragsinhalt werden
kann
- Zwingende Mindeststandards gibt es auch im Verbraucherschutzrecht (KschG, FaGGm VKrG)
- Miet- und Arbeitsrecht

4.2. Veräußerungsverträge
Wie kommt ein Kaufvertrag zustande?
Der Kaufvertrag ist ein formfreier Konsensualvertrag, in dem sich eine Partei verpflichtet, eine Sache
einer anderen Partei gegen Geld zu übertragen. Es bedarf einer Einigung über Warte und Preis
(essentialia negotii) sowie der Abschlusswille.

Warum ist der Kauf einer fremden Sache wirksam?


Aus der Trennung von Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft ergibt sich, dass ein Kaufvertrag über
eine fremde Sache möglich ist (§923). Der Verkäufer könnte ja noch vor Übergabe Eigentum an der
Sache erwerben. Ein weiteres Argument für die Gültigkeit ist §367 über den gutgläubigen
Eigentumserwerb einer fremden Sache.

Was sollte ein Käufer tun, wenn er erfährt, dass sein Vertragspartner einen weiteren Käufer aus dem
Kaufvertrag über dieselbe Kaufsache verpflichtet ist?
Dies nennt sich Doppelverkauf (bzw. Mehrfachverkauf). Die Kaufverträge sind zwar gültig, der
Verkäufer kann aber nicht alle erfüllen. Es gilt „prior tempore, potior iure“ (wer zuerst kommt, mahlt
zuerst). Es erwirbt also derjenige Eigentum dem die Sache zuerst übergeben wird (§430). Bei
Liegenschaften wird Eigentümer, wer zuerst um seine Einverleibung im Grundbuch ansucht (§440).
Der andere Erwerber hat vertragliche Nichterfüllungsansprüche gegen den Verkäufer.

Welchen Pflichten treffen den Käufer und den Verkäufer beim Kaufvertrag?
Der Verkäufer muss die Ware zum freien Besitz übergeben, dem Käufer also lastenfreies Eigentum
und freie Innehabung verschaffen (§1061 iVm §1047). Lastenfrei ist, wenn es keine Schulden oder
Rückstände (Steuern, Abgaben) an der Kaufsache gibt.

Die Ware ist mit ihren Bestandteilen und allem Zugehör in dem Zustand, in dem sie sich bei
Vertragsabschluss befunden hat, zu übergeben. Den Verkäufer können neben den Hauptpflichten
auch noch Nebenpflichten treffen, zB. Verpackung, Versendung oder Transport der Waren, Übergabe
einer Dokumentation, etc. Die Kosten trägt nach §1063a grundsätzlich der Verkäufer. Die Kosten der
Versendung trägt der Käufer.

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Der Käufer muss den Vereinbarten Kaufpreis Zug um Zug gegen die Ware in bar zahlen (§§1062,
1054). (Auch Überweisung). Die Übernahme der gehörig angebotenen Leistung des Verkäufers ist
keine Pflicht, sondern eine Obliegenheit. Eine Pflichtverletzung wird ausnahmsweise bei besonderem
Interesse des Verkäufers an der Abnahme zu bejahen sein. Die Vertragsauslegung kann nämlich
ergeben, dass die Abnahme eine Nebenpflicht ist.

Wer wird die Vereinbarung eines Eigentumsvorbehaltes eher anstreben? Käufer oder Verkäufer?
Warum.
Nach §1063 geht das Eigentum an der Ware schon an den Käufer über, auch wenn der Kaufpreis
noch nicht bezahlt wird. Dadurch verliert der Verkäufer sein absolut wirkendes Sachenrecht
Eigentum und hat nur mehr einen schuldrechtlichen Kaufpreisanspruch. Während im Konkurs
absolute Rechte von allen anderen Gläubigern zu repsketieren sind, werden vloß relative Rechte nur
anteilig befriedigt.
Der Eigentumsvorbehalt bewirkt, dass Eigentum trotz Übergabe erst übergehen soll, wenn der
Kaufpreis bezahlt wird.

Welche im ABGB geregelten Nebenvereinbarungen kennen sie? Was haben all diese
Nebenvereinbarungen gemeinsam?
Wiederverkaufsrecht, Rückverkaufsrecht und Vorkaufsrecht – sie sind alle Gestaltungsrechte, die mit
Optionen verwandt sind
Außerdem gibt es noch den Kauf mit Umtauschvorbehalt, Kauf auf Probe, Vorbehalt eines besseren
Käufers sowie den Verkaufsauftrag.

Was ist ein Tausch?


Bei einem Tauschvertrag wird eine Sachen gegen eine andere Sache überlassen. Der Tausch ist ein
bloßes Verpflichtungsgeschäft, der Tausch fremder, nicht vorhandener, künftiger Sachen ist also
wirksam.

Kann man wirtschaftlich vom Tausch einer Sache gegen Geld sprechen? Wäre das juristisch
korrekt?
nach dem ABGB ist der Kauf ein Spezialfall des Tausches – eine der Sache ist Geld. In der Praxis ist der
Kauf allerdings das viel häufigere Geschäft.

Kommen die Regeln für entgeltliche oder für unentgeltliche Verträge auf entgeltfremde
Vereinbarungen zur Anwendung?
Was ist eine gemischte Schenkung?
Wenn die Parteien (nur) einen Teil der Leistung schenken wollen. Der unentgeltliche Teil muss aber
auch tatsächlich in Schenkungsabsicht zugewendet werden.

Was bedeutet „wirkliche Übergabe“ iSd. §943?


Für die Gültigkeit von Schenkungen bedarf es der wirklichen Übergabe oder des Notariatsaktes.
Damit sollen unüberlegte Schenkungsversprechen, die man später bereut, möglichst verhindert
werden.
Die „wirkliche Übergabe“ ist aufgrund dieses Zwecks nicht mit den gesetzlich geregelten
Übergabsformen gleichzusetzen. Ein Besitzkonstitut ist zwar eine vom Gesetz anerkannte
Übergabsform (§428), es handelt sich dabei aber nicht um eine wirkliche Übergabe.
Umgekehrt bedarf es für die wirkliche Übergabe nicht unbedingt die Eigentumsübertragung. Wird
eine Liegenschaft dem Beschenkten körperlich übergeben, so ist die Schenkung auch dann wirksam,
wenn der Beschenkte noch nicht im Grundbuch einverleibt ist.

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Können Schenkungen widerrufen werden?


Eine Schenkung kann abweichend des Grundsatzes pacta sunt servanda in zwei Fällen widerrufen
werden.

- Wegen nachträglicher Dürftigkeit (also Armut) des Geschenkgebers. Der Geschenkgeber hat
aber bloß das Recht auf die gesetzlichen Zinsen vom geschenkten Betrag, wenn es ihm am
notdürftigen Unterhalt fehlt.
- Wegen groben Undanks (§984) – kann geltend gemacht werden, wenn der Beschenkte eine
gerichtlich strafbare Verletzung am Leibe, an der Ehre, an der Freiheit oder am Vermögen
des Wohltäters oder seiner nahen Angehörigen begeht.

Erläutern Sie das Sprichwort „einem Geschenkten Maul schaut man nicht ins Maul“!
Dieses Sprichwort bezieht sich auf die leistungsstörungsrechtlichen Regeln des §917 ff, die auf die
Schenkung keine Anwendung haben, da es sich um ein unentgeltliches Geschäft handelt. Nach §945
macht nur die wissentliche Schenkung einer fremden Sache schadenersatzpflichtig.

Unter welchen Voraussetzungen kann der Beschenkte gegen den Geschenkgeber Ansprüche wegen
Mangelhaftigkeit der übergebenen Sache richten?
Aus §945 ist abzuleiten, dass der Mangelschaden bei Rechtsmängel erst bei Wesentlichkeit
ersatzfähig ist. Für Schäden bei Sachmängeln wird von der überwiegenden Ansicht angenommen,
dass die Parteien konkludent einen Ausschluss der Haftung für leichte Fahrlässigkeit vereinbaren. Das
gilt aber nicht für Schäden an sonstigen Rechtsgütern (zB. Mangelfolgeschäden)

4.3. Gebrauchsüberlassungsverträge
Was ist ein Bestandvertrag?
Bestandvertrag ist der Überbegriff für Miete und Pacht. Unter Miete versteht man die entgeltliche
Überlassung einer Sache zum Gebrauch. Pacht ist die entgeltliche Überlassung einer Sache zum
Gebrauch und Fruchtziehung.

Was ist Regelungsgegenstand des MRG?


Die wichtigsten Regelungsbereiche des MRG sind:

- Kündigungsschutz §§ 29ff
- Festlegung von Mietzinsobergrenzen §§16 ff, 26
- Schutz des Mieters bei Eigentümerwechsel §2
- Gesetzliche Eintrittsrechte §§ 11-14
- Beschränkung der Befristungsmöglichkeit §29
- Sonderverfahrensbestimmungen §§37- 41

Wann kommt das MRG zur Anwendung?


Das MRG gilt für die Miete von Wohnungen, einzelnen Wohnungsteilen oder
Geschäftsräumlichkeiten samt den dazu gehörigen Haus- und Grundflächen und genossenschaftliche
Nutzungsverträge.
Teilanwendungsbereich: Mietgegenstand, das sich in einem Gebäude befindet, das ohne
Zuhilfenahme öffentlicher Mittel mit nach dem 30.06.1053 erteilen Baubewilligung erbaut wurde
(hier gelten nur §14, 29-36; nicht aber die Zinsregelungen). Dasselbe gilt für Eigentumswohnungen
(wenn Baubewilligung nach 1945 erteilt wurde) und bestimmten Dachbodenausbauten.

NICHT zur Anwendung kommt das MRG nach §1 Abs. 2 MRG, bei:

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- Vermietung von Zweitwohnungen zu Erholungszwecken, weil dann der Schutzzweck des


MRG nicht greift
- Höchstens auf ein halbes Jahr befristete Vermietungen: von Geschäftsräumlichkeiten oder
bei vorübergehendem durch den Erwerb bedingten Ortswechsel (Philharmoniker Paragraph)
- Vermietung im Rahmen des Betriebs bestimmter Unternehmen: Beherbergungs-,
Garagierungs-, Speditions- oder Flughafenbetriebsunternehmen.
- Dienstwohnungen, weil dort der Schutz des Arbeitsrechts ausreichen soll
- Vermietung im Rahmen von Studenten- oder Altersheimen, weil dafür Sondergesetze
bestehen
- Vermietung in einem Gebäude mit nicht mehr als zwei selbständigen Wohnungen.

Welche Funktion hat das Bestandgeberpfandrecht?


Zur Sicherung des Bestandzinses hat der Vermieter einer unbeweglichen Sache ein gesetzliches
Pfandrecht am vom Mieter und seinen Angehörigen eingebrachte Sachen (invecta illata), das mit der
Einbringung entsteht (§1101).

Ist ein Mieter zur Untervermietung berechtigt? Worauf kommt es an?


Es ist zu unterscheiden, ob der Mieter dem MRG unterliegt oder nicht. Nach dem MRG kann sich der
Vermieter nur bei Vorliegen wichtiger Gründe auf ein vertragliches Untervermietverbot berufen (§11
MRG). zB. Wenn die Wohnung zur Gänze untervermietet werden soll, wenn die Anzahl der Bewohner
die Zahl der Wohnräume übersteigt oder wenn Grund zur Befürchtung besteht, dass der Untermieter
den Hausfrieden stört.
Nach ABGB: Grundsätzlich gilt, dass Mieter und Pächter zur Untervermietung berechtigt sind, wenn
die ohne Nachteile des Eigentümers geschehen kann und im Vertrag nicht ausdrücklich untersagt
worden ist (§1098)

Wer trägt die Gefahr der zufälligen Unbenutzbarkeit der Bestandsache?


Der Bestandgeber muss die zufällig unbrauchbar gewordene Sache wieder brauchbar machen, wenn
dies möglich ist. Wird die Unbrauchbarkeit durch einen außerordentlichen Zufall verursacht, ist er zur
Wiederherstellung nicht verpflichtet (§1104).
Ist aber der Bestandnehmer verhindert, die Sache zu gebrauchen, hat er trotzdem Zins zu zahlen.

Was versteht man unter Anzeigepflicht des Bestandnehmers?


Werden Ausbesserungen nötig, die dem Bestandgeber obliegen, so ist der Bestandnehmer
verpflichtet, dies unverzüglich anzuzeigen (§1097).
Bei einem schuldhaften Verstoß gegen diese Anzeigepflicht kann der Bestandnehmer
schadenersatzpflichtig werden. Außerdem verliert er in diesem Fall sein Mietzinsminderungsrecht
und die Möglichkeit den Vertrag nach §1117 wegen Unbrauchbarkeit der Bestandsache vorzeitig
aufzulösen.
Vorsicht: Im MRG hat der Vermieter einzelne Mietgegenstände nur so weit zu erhalten, als dies zur
Behebung ernster Schäden des Hauses, zur Beseitigung einer erheblichen Gesundheitsgefährdung
oder zu Übergabe in brauchbaren Zustand erforderlich ist. Er hat überdies gem. §4 MRG nützliche
Verbesserungen durchzuführen, wenn sie zweckmäßig erscheinen und die Kosten (aus der
Mietzinsreserve) gedeckt sind.

Welche Ansprüche hat der Mieter gegen Dritte bei Beschädigung der Bestandsache?
Der Mieter ist Rechtsbesitzer und kann gegen Dritte mit der Besitzstörungs- und
Besitzentziehungsklage vorgehen. Unabhängig davon hat er das Recht, bei Störungen durch
Außenstehende vom Bestangeber Abhilfe zu verlangen.

Wie werden Bestandverträge beendet?


ABGB:

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- Die Vertragsparteien können den Vertrag jederzeit einvernehmlich auflösen


- Der Vertrag wird ex lege aufgelöst, wenn die Bestandsache zu Grunde geht und der
Bestandgeber nicht zu einer Wiederherstellung verpflichtet ist
- Befristete Verträge enden durch Zeitablauf, unbefristete durch ordentliche Kündigung.
- Können jederzeit aus wichtige Grund mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden

MRG:

- Vermieter kann nur aus wichtigem Grund ordentlich kündigen. Kündigungsgründe sind in §30
Abs. 2 MRG beispielhaft aufgezählt. Vereinbarungen, die dem Vermieter
darüberhinausgehende Kündigungsrechte einräumen, sind unwirksam. Mitverträge können
vom Vermieter nur gerichtlich gekündigt werden, wenn
o Gewisse Vertragsverletzung des Mieters, Zb. Grob ungehöriges Verhalten gegenüber
Mitbewohnern, qualifizierter Zinzahlungsverzug
o Mangelnden Bedarf des Mieters, wenn die Wohnung zur Gänze weitergegeben wird
und kein dringender Bedarf in naher Zukunft besteht.
o Eigenbedarfs des Vermieters, nur wenn der Vermieter Ersatz beschafft oder eine
Notstandslage des Vermieters vorliegt.
o Untermietverhältnisse können gekündigt werden, wenn die Fortsetzung wichtige
Interessen des Untervermieters verletzen würde.

Welche Konsequenzen hat der Tod des Bestandnehmers?


Stirbt der Mieter, wird der Bestandvertrag nicht aufgelöst. Es kommt zu einer
Gesamtrechtsnachfolge. Erben und Vermieter haben jedoch bei Wohnungsmiete ein
Kündigungsrecht.

Wenn MRG:
Beim Tod des Mieters treten bestimmte Angehörige in den Vertrag ein, wenn ein dringendes
Wohnbedürfnis besteht und diese schon bisher im gemeinsamen Haushalt gewohnt haben, sofern sie
nicht binnen 14 Tagen den Verzicht erklärt haben. Das gilt auch dann, wenn sie nicht Erben sind. Der
Vermieter kann unter Umständen den Zins erhöhen.

Bleibt der Erwerber der Bestandsache an einen Bestandvertrag, den der Voreigentümer
abgeschlossen hat, gebunden?
ABGB: Ist die Bestandsache noch nicht übergeben, st der Erwerber nicht an den Vertrag gebunden.
Ist sie bereits übergeben, geht das Bestandverhältnis auf den Erwerber über.
War die Bestandsache nicht im Grundbuch eingetragen, kann der Erwerber innerhalb der
gesetzlichen Fristen kündigen (auch befristete). War sie hingegen im Grundbuch eingetragen, muss
der Eigentümer das Mietrecht ohne besonderes Kündigungsrecht gegen sich gelten lassen.

Was ist eine Leihe?


Leihe ist die unentgeltliche Überlassung einer unverbrauchbaren Sache zum Gebrauch.

Wie ist die Leihe vom Bestandsvertrag abzugrenzen?


Das entscheidende Abgrenzungskriterium ist die Unentgeltlichkeit der Gebrauchsüberlassung. Der
Leihnehmer trägt nur die gewöhnlich mit dem Gebrauch verbundenen Aufwendungen. Werden
außerordentliche Aufwendungen erforderlich, kann er die Sache entweder zurückgeben oder die
Kosten vorläufig selbst tragen und Ersatz wie ein redlicher Besitzer verlangen. Ersatz gibt es aber – da
hier die Regeln der GoA angewandt werden – nur, wenn die Aufwendungen zum objektiven und
klaren Nutzen waren.

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Wann liegt eine Leihe, wann eine Bittleihe vor?


Die Dauer der Leihe ergibt sich aus der Vereinbarung oder den Umständen. Nach Beendigung des
Vertrages ist die Sache zurückzustellen. Während aufrechter Leihe kann der Verleiher die Sache nicht
zurückfordern (der Leihnehmer schon).
Das unterscheidet die Leihe auch von der Bittleihe. Bei der Bittleihe ist der Verleiher jederzeit zum
sofortigen Rückforderung berechtigt. Auf die Bittleihe kommen die gewöhnlichen Vorschriften der
Leihe zu, allerdings ist der Prekarist (Bittleiher) kein Rechtsbesitzer.

Welche Formen der Kreditierung kennen Sie?


Kreditgeschäfte sind auf die Verschaffung von Kapital gerichtet. Merkaml ist die Vorleistung eines
Vertragspartners. Typische Fälle sind der Darlehens- und Kreditvertrag. Auch der Kreditkauf gehört zu
den Kreditgeschäften.

Wodurch unterscheiden sich Darlehens- und Kreditvertrag voneinander?


Der Darlehensvertrag kommt durch Überlassung einer vertretbaren Sache (Darlehensvaluta) an den
Darlehensnehmer zustande, mit der Abrede, dass dieser dem Darlehensgeber nach Vertragsende
ebenso viel von derselben Gattung und Güte zurückzugeben hat. Eine Sache ist vertretbar, wenn sie
nach Maß, Zahl oder Gewicht bestimmt wird.
Der Kreditvertrag ist nach §988 ein entgeltlicher Darlehensvertrag über Geld. Das Entgelt besteht idR
in dem vom Kreditnehmer zu zahlenden Zinsen.

Welche Funktion haben Zinsen beim Darlehen?


Unentgeltliche (Zinslose) Darlehensverträge bergen ein gewisses Risiko für den Darlehensgeber. Um
der Gefahr unentgeltlicher Darlehensversprechungen entgegenzuwirken, ordnet §984 an, dass ein
unentgeltlicher Darlehensvertrag entweder der Übergabe der Valuta oder der Schriftform bedarf.

Wie werden Darlehensverträge beendet?


Darlehensverträge können auf bestimmte oder unbestimmte Zeit abgeschlossen werden. Ein
befristeter Vertrag endet grundsätzlich durch Zeitablauf, ein unbefristeter durch ordentliche
Kündigung. Eine einvernehmliche Auflösung ist jederzeit möglich. Außerdem können beide Parteien
den Vertrag außerordentlich kündigen, wenn die Aufrechterhaltung des Vertrages aus wichtigem
Grund unzumutbar ist.
Zur vorzeitigen Rückzahlung hat der Darlehensnehmer kein Recht.

Welche Besonderheiten gelten für eine Kreditgewährung durch Unternehmer an Verbraucher?


Das VKrG schützt den Verbraucher vor allem durch Informationspflichten, Bonitätsprüfung und
Rücktrittsrecht.
Der Unternehmer hat den Verbraucher vor allem über seine Identität, den Inhalt des Kreditvertrages
sowie über die Rechte des Verbrauchers zu informieren. Außerdem besteht Dokumentationspflicht:
Der Unternehmer muss den Kreditvertrag uns seine wesentlichen Inhalte auf Papier oder einem
anderen dauerhaften Datenträger zur Verfügung stellen (nicht mit Formvorschrift zu verwechseln!)

Außerdem enthält §7 VKrG eine zwingende Prüfung der Kreditwürdigkeit des Verbrauchers durch
den Unternehmer (Bonitätsprüfung)

Wann ist das VKrG anwendbar? Welche Bestimmungen enthält es?


Das VKrG ist anwendbar, wenn ein Unternehmer einem Verbraucher einen Kredit mit einem
Gesamtkreditbetrag von mindestens €200 gewährt oder zu gewähren verspricht. Es ist auch
anwendbar bei entgeltlichem Zahlungsaufschub, vertraglich eingeräumten
Überziehungsmöglichkeiten und bei Verbraucherleasingverträgen.
Inhaltlich schützt es den Verbraucher vor allem durch Informationspflichten, Bonitätsprüfung und
Rücktrittsrecht.

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Wodurch unterscheidet sich die Dokumentationspflicht des VKrG von einer Formpflicht?
Der Unternehmer ist verpflichtet, dem Verbraucher den Kreditvertrag uns seine wesentlichen Inhalte
auf Papier oder einem anderen dauerhaften Datenträger zur Verfügung zu stellen
(=Dokumentationspflicht). Anders als bei der Formpflicht ist der Kreditvertrag aber auch dann
wirksam, wenn keine schriftliche Ausfertigung an den Verbraucher verfolgt.

Was ist ein Leasingvertrag?


Leasinggeschäfte sind im Gesetz nicht geregelte Verträge, durch die dem Leasingnehmer ein
Leasingobjekt während der vertraglichen Nutzungsdauer gegen Entgelt zum Gebrauch und Nutzen
überlassen wird. Gegenstand eines Leasingvertrages sind meist Konsum- oder Investitionsgüter.

Wodurch unterscheiden sich Operating- und Finanzierungsleasing voneinander?


Beim Operatingleasing wird dem Leasingnehmer nur der vorübergehende, kurzfristige Gebrauch
eingeräumt. Das Entgelt entspricht der vereinbarten Nutzungsdauer und nicht der getätigten
Gesamtinvestition des Leasinggebers. Der Leasinggeber bleibt nach Vertragsablauf Eigentümer. Eine
solche Konstruktion ist Miete im herkömmlichen Sinn.

Finanzierungsleasingsverträge weisen hingegen sowohl Elemente des Kaufs, als auch der Miete auf.
Allerdings wird bei Finanzierungsleasingsverträgen das wirtschaftliche Risiko anders als bei einem
Mietvertrag dem Leasingnehmer zugeordnet. Dieser ist verpflichtet, die Raten bei zufälliger
Beschädigung des Leasinggutes weiter zu zahlen und trägt die Gefahr des zufälligen Untergangs. Man
unterscheidet

- Vollamortisationsvertrag = die vereinbarte Vertragsdauer kommt der wirtschaftlichen


Lebensdauer nahe (bis zu 90%) und das Leasingentgelt deckt die Anschaffungs- und
Finanzierungskosten inkl. Gewinnzuschlag. Der Leasinggeber ist wirtschaftlich ein
Kreditgeber, er bekommt die Anschaffung „auf Raten“ vergütet.
- Teilamortisationsverträge = haben eine viel kürzere Laufzeit. Die vertragliche Nutzung
entspricht nicht annähernd der Lebensdauer des Leasinggutes. Das Risiko wird dadurch auf
den Leasingnehmer überwälzt, dass er dafür einzustehen hat, dass das Leasingobjekt nach
Vertragsende zum vereinbarten Restwert verkauft werden kann (oft hat er dann auch eine
Kaufoption zu einem im Vorhinein fixierten Kaufpreis).

Welche Regeln kommen bei einem Finanzierungsleasingsvertrag zur Anwendung?


Finanzierungsleasingsverträge sind gemischte Verträge und unterliegen nach der Absorptionstheorie
den Regeln des Kaufrechts. Die Einordnung des Leasing als Miete oder Kauf ist insbesondere deshalb
bedeutsam, weil zu überprüfen ist ob zwingende Normen (MRG und Verbraucherschutzgesetz) zur
Anwendung kommen.
Operatingleasing an unbeweglichen Sachen = MRG
Finanzierungsleasingsverträge = VKrG
Leasingverträge zwischen Unternehmern und Verbrauchern (Verbraucherleasing) unterliegen dem
VKrG, wenn der Verbraucher zum Erwerb der Sache verpflichtet ist bzw. vom Unternehmer
verpflichtet werden kann oder der Verbraucher für einen bestimmten (Rest-)Wert einstehen muss –
also nur für Finanzierungsleasingsverträge.

Welche Ansprüche hat der Leasingnehmer gegen einen Dritten, er das Leasinggut beschädigt?
Der Leasingnehmer kann Schadenersatzansprüche gegen Dritte durch den deliktischen SE-Anspruch
geltend machen. Die Rechtswidrigkeit wird von der überwiegenden Ansicht aus §372 begründet
(absolut geschützte Rechtsposition des Leasingnehmers).
eine Mindermeinung verneint zwar einen allgemeinen deliktischen Schutz des Leasingnehmers,
bejaht aber seinen SE-Anspruch aus dem Gedanken der Drittschadensliquidation. Ergebnis ist
dasselbe. Problem ist lediglich die Schadensberechnung.

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4.4. Dienstleistungsverträge
Wodurch unterscheidet sich der Werkvertrag von einem Dienstvertrag, wodurch von einem
Auftrag?
Beim Werkvertrag verpflichtet sich der Werkunternehmer gegenüber dem Werkbesteller zur
Herstellung eines Erfolges (§1151) - beim Dienstvertrag wird bloß ein sorgfältiges Bemühen
geschuldet. Von einem Auftrag spricht man, wenn eine tatsächliche Handlung geschuldet wird.

Sind Behandlungsverträge mit Ärzten als Werkvertrag zu qualifizieren?


Durch die Vertragsauslegung ergibt sich, dass Behandlungsverträge über schwerwiegende Eingriffe
(ZB Herz-OP) als freie Dienstverträge zu qualifizieren sind, weil nicht nur die Künste des Arztes für
einen Behandlungserfolg entscheidend sind.

Warum gewährt §1170b nur dem Bauhandwerker, nicht aber jedem Unternehmer einen
Sicherstellungsanspruch?
§1170b gilt, wenn ein Werkunternehmer bei einem beidseitigen Unternehmergeschäft ein Bauwerk
errichtet. Die Fälligkeitsregel besagt, dass der Werklohn mangels anderer Vereinbarung nach
Vollendung des Werkes und dessen Prüfung fällig ist.
Das ist besonders für den Werkunternehmer nachteilig, wenn er aufgrund des Vertrages verpflichtet
ist, auf dem Grundstück des Werkbestellers Arbeiten zu verrichten, weil er das Eigentum daran bei
Verbindung mit der Liegenschaft verliert.
§1170b gibt also dem Werkunternehmer (bei beidseitigem Unternehmergeschäften) das Recht, ab
Vertragsabschluss eine Sicherstellung in Höhe eines Fünftel zu verlangen (Bauhandwerkersicherung).
Die Sicherstellung beträgt sogar 2/5 wenn der Vertrag innerhalb 3 Monate zu erfüllen ist.

Wodurch unterscheiden sich Pauschale und Kostenvoranschlag?


Kostenvoranschlag ist die Aufstellung der mit der Ausführung des Werkes verbundenen Kosten
(Materialien, Arbeitsaufwand etc.). Ohne Gewähr – geringe Abweichungen sind unproblematisch.
Mit Gewähr – Vereinbartes ist Obergrenze. Im KSchG ist im Zweifel anzunehmen, dass Gewähr
geleistet wurde.
Der Werklohn wird bei der Pauschale anders ermittelt: das Entgelt ist unabhängig vom konkreten
(Material-) Aufwand. Der Werkunternehmer trägt die Gefahr, wenn der Aufwand höher ist als von
ihm kalkuliert, er hat aber auch den Vorteil, wenn er niedriger ist.

Welche Frage regelt die Sphärentheorie?


§1168 regelt die Frage, wer das Risiko des Unterbleibens der Werkherstellung zu tragen hat. Es wird
geprüft, aus wessen Sphäre der Grund für das Scheitern stammt.

Inwiefern spielt die Sphärentheorie für die Gewährleistungspflicht des Werkunternehmers eine
Rolle?
§1168 geht von der gänzlichen Unmöglichkeit der Werkherstellung aus. Dies gilt auch für teilweiser
Nicht- oder Schlechterfüllung. Ist das Werk also aus Umständen in der Bestellersphäre nicht ganz
unterblieben, sondern nur mangelhaft, so gibt es keinen Gewährleistungsanspruch, wenn der
Besteller das Risiko trägt.

Was sind Warnpflichten des Werkunternehmers?


§1168a: Missling das Werk, weil die Anweisungen des Werkbestellers oder sein Stoff ungeeignet
sind, stammt der Umstand, der die Ausführung vereitelt, zwar aus der Bestellersphäre, jedoch trifft
den Werkunternehmer die Pflicht, den Besteller zu warnen. Verletzt er diese Pflicht schuldhaft, hat er
bei Vereitelung der Werkherstellung keinen Entgeltanspruch – der Werkbesteller hat überdies hinaus
Gewährleistungsansprüche bei bereits abgeliefertem Werk.

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Ein Verschulden ist dann nicht anzunehmen, wenn ein sorgfältiger Werkunternehmer die
Untauglichkeit von Stoff oder Anweisung nicht erkennen konnte.

Was sind Sowiesokosten? Sind sie vom Werkbesteller zu ersetzen?


Der Werkbesteller kann bei Verletzung der Warnpflicht den Vertrag nach §872 anpassen. Führt diese
Vertragsanpassung zur Erhöhung der Leistung des Werkunternehmers, muss mit der
Vertragsanpassung auch eine Erhöhung der Leistung des Werkbestellers einhergehen. Diese
Erhöhung des Werklohnes bezeichnet man als Sowiesokosten.
Will der Werkbesteller die Sowiesokosten nicht tragen, muss er die Vertragsanpassung nicht wählen
und kann die sekundären Gewährleistungsbehelfe geltend machen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Reiseveranstaltungs- und einem


Reisevermittlungsvertrag?
In einem Reiseveranstaltungsvertrag wird eine Gesamtheit von Reiseleistungen um ein einheitliches
Entgelt versprochen. Es handelt sich um einen gemischten Vertrag.
Beim Reisevermittlungsvertrag verpflichtet sich ein Unternehmer nicht zur Erbringung der
Reiseleistung im eigenen Namen, sondern nur zur Auswahl eines Reiseveranstalters und/oder zur
Information des Reisenden.
Entscheidend für die Abgrenzung ist das Auftreten des Anbieters gegenüber dem Reisenden.
Der Reiseveranstalter ist selbst zur Erbringung der Reiseleistungen verpflichtet (bedient er sich
anderer Unternehmen, so hat er für diese nach §1313a einzustehen). Der Reisevermittler ist nur zur
sorgfältigen Auswahl und/oder Information verpflichtet. Er haftet für Auswahlverschulden oder
Fehlinformation.

Welche gewährleistungs- und schadenersatzrechtlichen Besonderheiten gibt es beim


Reiseveranstaltungsvertrag?
§31e KSchG bestimmt, dass der Reisende den Mangel einem Repräsentanten des Veranstalters
unverzüglich mitzuteilen hat, wenn ihm ein solcher bekanntgegeben wurde und dieser an Ort und
Stelle ohne nennenswerte Mühe erreichbar ist und wenn ihn der Veranstalter schriftlich auf diese
Obliegenheit hingewiesen hat. Das Unterlassen der Mitteilung berührt die
Gewährleistungsansprüche des Reisenden allerdings nicht, es kann ihm aber ein Mitverschulden auf
SE-Ansprüche angerechnet werden. Auch darauf ist der Reisende schriftlich hinzuweisen.

§31e ordnet außerdem an, dass der Reisende einen Anspruch auf angemessenen Ersatz der
entgangenen Urlaubsfreude hat, wenn der Reiseveranstalter schuldhaft einen erheblichen Teil seiner
vertraglich vereinbarten Leistung nicht erbracht hat.

Was ist Inhalt eines Verwahrungsvertrages?


Ein Verwahrungsvertrag ist (§957) ist ein Vertrag über die Übernahme der Obsorge über eine fremde
Sache. Er begründet ein Dauerschuldverhältnis und kommt als Realvertrag erst durch die tatsächliche
Übergabe der Sache zustande.

Haftet der Verwahrer für eine zufällige Beschädigung der in Obsorge genommenen Sache?
Der Verwahrer hat die Pflicht zur Obsorge. Dazu gehört nicht nur die bloße passive Aufbewahrung,
sondern auch die Pflicht zu allen positiven Handlungen, die zur Erhaltung der Sache und
Verhinderung ihrer Verschlechterung notwendig sind. Er haftet daher für jede schuldhafte Verletzung
seiner Obsorgepflicht (§964). Für zufällige Beschädigungen haftet er sogar, wenn er von der
hinterlegten Sache unerlaubt Gebrauch macht, sie ohne Not oder Erlaubnis des Hinterlegens einem
Dritten in Verwahrung gibt oder die Rückstellung verzögert (=casus mixtus Haftung).

Welche Funktion hat die casus-mixtus-Haftung?


Der Vertragspartner verhält sich vorwerfbar vertragswidrig, indem er die Sache in verbotener Weise

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nutzt. Deswegen hat er auch einen dadurch zufällig entstandenen Schaden zu ersetzen, der sonst
nicht eingetreten wäre.

Erläutern Sie das ratio der Gastwirtehaftung!


Der Gastwirt haftet sowohl für sein eigenes Verschulden oder das Verschulden seiner Leute
(Verschuldenshaftung). Er hat das fehlende Verschulden zu beweisen (=Beweislastumkehr). Darüber
hinaus haftet der Gastwirt auch für Schäden, die durch im Hause ein- und ausgehende Personen
verursacht wurden (Gefährdungshaftung). Auch hier trägt der Gastwirt die Beweislast.
Die strenge Haftung wird mit der Gefahr des offenen Hauses begründet.

Was ist ein Gastwirt?


Der Gastwirt und der Gast schließen einen Beherbergungsvertrag, der Elemente verschiedener
Vertragstypen enthält.

Warum hat die Gastwirtehaftung praktisch keine besondere Bedeutung?


Da niedrige Haftungshöchstgrenzen bestehen. Der Gastwirt haftet idR höchstens bis zu einem Betrag
von 1100€, bei Kostbarkeiten, Geld oder Wertpapieren sogar nur bis 550€.
Die Beschränkung gilt idR nicht in den Fällen, in denen man ohnehin vertragliche Ansprüche geltend
machen könnte.

Was unterscheidet den Auftrag von der Ermächtigung?


Ein Auftrag(svertrag) ist die Verpflichtung, auf fremde Rechnung Rechtsgeschäfte oder
Rechtshandlungen vorzunehmen.
Eine Ermächtigung betrifft wie der Auftrag nur das Innenverhältnis zwischen Ermächtigendem und
Ermächtigtem, NICHT das Außenverhältnis. Im Unterschied zum Auftrag ist der Ermächtigte aber zum
Tätigwerden nicht verpflichtet. Die Ermächtigung beruht nicht auf einem Vertrag, sondern auf einer
einseitigen Willenserklärung.

Was versteht man unter der „Interessenswahrungspflicht“ des Auftragnehmers?


Der Auftragnehmer muss den Auftrag persönlich ausführen
und das Geschäft sorgfältig ausführen, die Interessen des Auftraggebers wahren und, wenn nötig,
dessen Weisungen einholen, jeden aus dem Geschäft erlangten Vorteil herausgeben und Rechnung
legen (§1009). = Interessenswahrungspflicht.

Was versteht man unter der „Antwortpflicht“ des Auftragnehmers?


Wenn der Auftragnehmer zur Besorgung bestimmter Geschäfte öffentlich bestellt ist, muss er nach
§1003 unverzüglich erklären, ob er ein auf Abschluss des Vertrages gerichtetes Angebot annimmt
oder nicht. Eine Verletzung dieser Antwortpflicht führt aber nicht zum Vertragsabschluss, sondern
macht SE-pflichtig.

Was ist an der Risikohaftung des §1014 besonders, verglichen mit allgemeinen
schadenersatzrechtlichen Grundsätzen?
Der Auftraggeber hat dem Auftragnehmer jeden schuldhaft verursachten Schaden zu ersetzen. Aus
§1014 wird überdies eine verschuldensunabhängige Risikohaftung des Auftraggebers für Schäden
abgeleitet, die aus der Verwirklichung auftragstypischer Gefahren entstehen.

Was ist eine Substitution? Unter welchen Voraussetzungen ist sie zulässig?
Der Auftragnehmer muss den Auftrag persönlich ausführen. Er darf sich aber – mangels anderer
Vereinbarung – Gehilfen bedienen, für die er nach §1313a einzustehen hat. Eine Sonderregel besteht
für die Substitution, also die gänzliche Weitergabe der vertraglichen Pflicht. Sie ist nicht nur im Falle
der Gestattung durch den Auftraggeber zulässig, sondern auch, wenn sie durch die Umstände
unvermeidlich wird. Eine weitergehende Möglichkeit für die Substitution besteht für Rechtsanwälte.

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Wie werden Aufträge beendet?


Der Auftragsvertrag wird automatisch beendet:
- durch Erfüllung (wenn Zielschuldverhältnis)
- durch Tod des Auftragnehmers/Auftraggebers. Wenn der Auftraggeber stirbt, endet es jedoch
nicht, wenn es sich um ein unaufschiebbares Geschäft handelt.
- bei der zufälligen Vereitelung der Ausführung. Der Auftragnehmer hat aber einen Anspruch auf
Ersatz der notwendigen und nützlichen Aufwendungen.
- durch Eröffnung der Insolvenz über den Auftraggeber

Außerdem kann der Auftraggeber jederzeit beenden


- jederzeit durch Widerruf.
- wenn unwiderruflich, dann nur aus wichtigem Grund

Der Auftragnehmer kann den Auftrag beenden:


- durch ordentliche Kündigung unter Einhaltung einer angemessenen Frist, wenn es sich um ein
Dauerschuldverhältnis handelt. Er kann auch grundlos kündigen, wenn es sich um ein
Zielschuldverhältnis handelt (macht aber Ersatzpflichtig). Handelt es sich um ein unaufschiebbares
Geschäft, muss er weiterführen.
- jederzeit aus wichtigen Grund.

5. Schadenersatzrecht
5.1. Grundlagen
Wie ist der Grundsatz „casus sentit dominus“ im österreichischen Recht verwirklicht?
Bedeutet, dass der Zufall den Eigentümer trifft (wie schon bei den Gefahrentragungsregeln). Die
Grundregel ist, dass jeder das allgemeine Lebensrisiko und damit seinen Schaden selbst trägt.Das
Schadenersatzrecht ist also Ausnahme dieser Regel

Welche Zurechnungsmomente im Schadenersatzrecht kennen Sie? Worin liegt jeweils die


Rechtfertigung?
Verschuldenshaftung, Eingriffshaftung, Gefährdungshaftung

Unterscheiden Sie Gefährdungshaftung und Eingriffshaftung. Kann man sagen, dass die Schädigung
in beiden Fällen erlaubt ist?
Bei der Gefährdungshaftung wird Ersatz gewährt, weil die Rechtsordnung jemanden erlaubt, eine
vorhersehbar gefährliche Tätigkeit auszuüben (PHG, EKHG). Auch bei der Eingriffshaftung kommt es
wie bei der Gefährdungshaftung nicht auf Verschulden an. Anders als bei der Gefährdungshaftung ist
allerdings der konkrete Eingriff, der zur Schädigung führt, erlaubt. Der Eingriff führt aber trotzdem
zur Ersatzpflicht.

Welche Fälle der Gefährdungshaftung gibt es? Welche bei der Eingriffshaftung?
Die wichtigsten Fälle der Gefährdungshaftung sind das PHG und das EKHG. Die Eingriffshaftung
regeln §1306a – Schädigung im rechtfertigenden Notstand) und §364a (Schädigung durch
genehmigte Betriebe).

Welche Funktionen hat das Schadenersatzrecht?


Ausgleichsfunktion, Präventionsfunktion, Sanktionsfunktion

Wieso kann die Schadensprävention keine Rechtfertigung für die Einwirkung von
Gefährdungshaftungen bilden?

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Weil es bei der Gefährdungshaftung nicht auf ein Verschulden ankommt. Dort wird eben nicht auf
ein unerlaubtes Handeln abgestellt und somit nicht versucht, ein bestimmtes Verhalten zu steuern.

Inwiefern kann das Schadenersatzrecht verhaltenssteuernd wirken?


Da dem Schädiger die Pflicht droht, bei rechtswidriger und schuldhafter Schadenszuführung den
Schaden wieder gut zu machen, wird ein Anreiz geschaffen, nicht zu schädigen.

Was sind punitive damages?


Das sind Geldstrafen, die abgekoppelt vom wirklichen Schaden an den Geschädigten zu zahlen ist.
Besonders im angloamerikanischen Rechtskreis üblich.

5.2. Verschuldenshaftung nach ABGB


Welche Tatbestandsmerkmale müssen für einen Schadenersatzanspruch erfüllt sei?
§§1293 ff. Schaden/Verursachung/Rechtswidrigkeit/Verschulden

Wie soll nach dem Modell des ABGB Schadenersatz geleistet werden? Wie wird das heute
verstanden?
Nach §1323 soll der vorige Zustand wiederhergestellt werden (Naturalrestitution). Nur wenn die
Naturalrestitution untunlich oder nicht möglich ist, gebührt Wertinteresse (Geldersatz).

Was ist ein Totalschaden? Wozu führt er?


Bei einem Totalschade ist die Naturalrestitution untunlich, da die Wiederherstellung
unverhältnismäßig mehr kosten würden, als das Gut wert ist. Der Schaden übersteigt also den Wert
des Guts.

Wann verjähren Schadenersatzansprüche?


3 Jahre ab Kenntnis von Schaden und Schädiger, daneben beginnt eine absolute Frist von 30 Jahren
zu laufen ab der schädigenden Handlung. 30 Jahre Frist gilt auch, wenn der Schaden aus einer
gerichtlich strafbaren Handlung entstanden ist, die nur vorsätzlich begangen werden kann und mit
mehr als einjähriger Freiheitsstrafe bedroht ist §1489

Grenzen Sie Schadenersatz von Unterlassung und Beseitigung ab!


Der Unterlassungsanspruch greift vor Entstehung des Schadens ein, wenn ein solcher droht oder
wenn ein Schaden bereits eingetreten ist und Wiederholungsgefahr besteht. Zum Unterschied vom
Schadenersatzanspruch bedarf es aber kein Verschulden.
Der Beseitigungsanspruch ist auf die Rückgängigmachung der rechtswidrigen Inanspruchnahme einer
fremden Vermögenssphäre gerichtet und steht insofern dem Schadenersatzanspruch nahe. Auch hier
spielt das Verschulden keine Rolle. Außerdem richtet sich der Beseitigungsanspruch nur auf die
Rückgängigmachung eines Zustandes, nicht aber auf den umfassenden Ausgleich des Nachteils.

Grenzen Sie Schadenersatzrecht und Bereicherungsrecht voneinander ab!


Das SE-Recht knüpft nicht an einem Vorteil an, der in das Vermögen des Bereicherten getreten ist,
sondern an ein Vermögensminus beim Geschädigten.

Was unterscheidet den Vermögensschaden vom immateriellen Schaden?


Vermögensschäden sind in Geld messbar. Sie gehen auf die Beeinträchtigung geldwerter Güter oder
der Person zurück. Immaterielle Nachteile sind nicht in Geld messbar. Sie werden nur in gewissen
Fällen ersetzt.

Was sind fiktive Mietwagenkosten? Stehen sie zu?


Fiktive Mietwagenkosten bezeichnet man als Ersatzkosten eines Gebrauchsgegenstands, die der
Geschädigte nicht beschafft hat. Der Nachteil liegt dann in der Unbenutzbarkeit des

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Gebrauchsgegenstands. Die herrschende Ansicht in Österreich gewährt für fiktive Mietwagenkosten


keinen Schadenersatz. Man betrachtet den in der Unbenutzbarkeit liegenden Schaden als einen
ideellen.

Was ist zum Ersatz immaterieller Schäden zu sagen?


Sie werden nur dann ersetzt, wenn das Gesetz dies vorsieht. Man bejaht sie in folgenden Fällen:
Schmerzensgeld bei der Körperverletzung, Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreude, Eingriffe in
die Privatsphäre, Affektionsinteresse.

Was versteht man unter dem gegliederten Schadensbegriff?


Das ABGB folgt einem gegliederten Schadenbegriff (§§1323,1324). Innerhalb der Vermögensschäden
wird daher weiter differenziert: positiver Schaden / entgangener Gewinn

Inwieweit hat der Verschuldensgrad Einfluss auf die Höhe des Ersatzes?
Der entgangene Gewinn wird nur bei grobem Verschulden ersetzt (Außer bei Unternehmen).
Außerdem hat der Geschädigte ein Wahlrecht zwischen objektiver und subjektiver
Schadensberechnungsmethode, wenn der Schädige grob fahrlässig gehandelt hat.

Welche Schäden werden bei Körperverletzung ersetzt?


Bei Beeinträchtigung der körperlichen oder seelischen Gesundheit werden gemäß §1325 folgende
Schäden ersetzt: Heilungskosten, Verdienstentgang, Schmerzensgeld.

Was versteht man unter objektiver, was unter subjektiver Schadensberechnung?


Bei der objektiven Schadensberechnung wird der Ersatz des gemeinen Wertes der Sache ersetzt.
Man bezeichnet den Schaden durch Heranziehung des Marktwerts der zerstörten Sache. Hat eine
Sache keinen gemeinen Wert, sind die Kosten der Neuherstellung zu ersetzen.
Bei der subjektiven Berechnung geht man vom Ersatz des Wertes, den die Sache gerade im
Vermögen des Geschädigten hatte aus. Man Vergleicht in dem Fall das hypothetische Vermögen des
Geschädigten mit der tatsächlichen.

Wie sind Vorteile, die ein Geschädigter durch die Schädigung erlangt, zu berücksichtigen?
Bei der objektiven Berechnungsmethode könnte ein Neuaustausch zu Ungerechtigkeiten führen.
Darum muss der Geschädigte sich nach herrschender Ansicht einen verhältnismäßigen Betrag für die
längere Lebensdauer abziehen lassen.

Wie funktioniert die Kausalitätsprüfung nach der condictio sine qua non? Welche Grenzen hat
diese Methode?
Ein Verhalten für einen Schaden ist kausal, wenn der Schaden ohne dieser Verhalten nicht
eingetreten wäre. Ob das so ist, wird logisch geprüft. Adäquat verursacht sind aber nur
vorhersehbare Schäden.

Was ist die Äquivalenztheorie? Welche Funktion kommt der Adäquanz dabei zu?
Äquivalenztheorie bedeutet, dass alle Bedingungen gleichwertig sind. Die Bedingungstheorie
(Äquivalenztheorie) zieht die äußerste Grenze der Ursächlichkeit. Fehlt der
Bedingungszusammenhang, so kommt keine Ersatzpflicht in Betracht. Man muss prüfen, ob der
eingetretene Schaden auch eingetreten wäre, wenn man sich das Verhalten des Schädigers
wegdenkt, oder hinzudenkt (Tun oder Unterlassen).
Durch die Adäquanz wird die Äquivalenztheorie eingeschränkt: Nicht jede beliebige Ursache führt zur
Haftung: Zur rein logischen csqn-Prüfung tritt eine wertende Abwägung hinzu.

Erläutern Sie das Erfordernis der Adäquanz!


Adäquanztheorie: Der Schädiger soll nur für Schäden haften, die er adäquat herbeigeführt hat.
Adäquanz liegt vor, wenn die Ursache ihrer allgemeinen Natur nach für die Herbeiführung eines

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Erfolges wie des eingetretenen noch geeignet erscheint und der Erfolg nicht nur wegen einer ganz
außergewöhnlichen Verkettung von Umständen eingetreten ist.
Die Adäquanz ist der erste grobe Filter, der Rechtswidrigkeitszusammenhang die Feinprüfung. Die
Fälle psychischer Kausalität scheitern kaum je an der Adäquanz, ausschlaggebend ist meist der
Rechtswidrigkeitszusammenhang.

Was versteht man unter Verfolgungsfälle? Welches besondere schadenersatzrechtliche Problem


verbirgt sich dahinter?
In besonderen Situationen wird eine Haftung von psychischer Kausalität bejaht. Diese liegt vor, wenn
der Täter bloß eine Situation schafft, auf die ein Dritter reagiert, weshalb ein Schaden entsteht. Meist
scheitert eine Haftung am Rechtswidrigkeitszusammenhang, da jeder für seine eigenen Handlungen
verantwortlich ist und eine Überwälzung dieser Verantwortung auf jemand anderen nicht in Betracht
kommt. Die Rechtswidrigkeit wird in solchen Verfolgungsfällen bejaht (ZB Polizeiauto wird bei der
Verfolgung vom Dieb beschädigt, Kind folgt jemanden, der bei Rot über die Ampel geht)

Was hat bei Schadensverursachung durch mehrere Schädiger zu gelten? Welche Rolle spielt der
Verschuldensgrad dabei?
Setzen mehrere eine Bedingung für den Eintritt des Schadens, so haften alle für den gesamten
Schaden solidarisch. Im Innenverhältnis besteht ein Rückgriffsrecht (§896).
Solidarische Haftung tritt auch ein, wenn mehrere gemeinschaftlich und vorsätzlich bei der
Verursachung des Schadens handeln (gemeinsamer Tatvorsatz §1301).
Haben bei der Zufügung eines Schadens mehrere Täter fahrlässig gehandelt, ohne allein für den
gesamten Schaden ursächlich gewesen zu sein, unterscheidet man:

- Lassen sich die Anteile der Schädiger am Gesamtverhalten feststellen, haftet jeder für seinen
Anteil. §1302
- Lassen sich die Anteile nicht feststellen, haften alle solidarisch §1302

Was ist minimale Kausalität? Ist dieser Begriff juristisch korrekt?


Die Solidarhaftung scheint in Fällen sog. Minimaler Kausalität nicht angemessen. Ein Teil der Lehre
möchte den Schaden in diesen Fällen auch im Außenverhältnis aufteilen.

Was sind Fälle kumulativer Kausalität? Was sind ihre Folgen?


bei der kumulativen Kausalität wird ein Schaden von zwei gleichzeitig wirksam werdenden Ursachen
herbeigeführt, von denen jede einzelne den Schaden für sich allein herbeigeführt hätte. Es kommt
zur solidarischen Haftung, untereinander können sie Rückgriff nehmen.

Welche Rechtsfolgen haben Reserveursachen im Schadenersatzrecht?


In den Fällen überholender Kausalität führt ein Ereignis (reale Ursache) einen Schaden herbei, den
später ein anderes Ereignis ebenfalls verursacht hätte (=hypothetische Ursache, Reserveursache).
Nach HA haftet jedenfalls derjenige, der den Schaden real verursacht hat. Strittig ist, ob der
hypothetisch Schadensverursacher auch haftet. Die Fälle sind unterschiedlich. Keine Haftung gilt,
wenn der zweite Täter gar kein Rechtsgut mehr beschädigen könnte.

Wie unterscheiden sich kumulative und überholende Kausalität?


Die überholende Kausalität ist verwandt mit der kumulativen Kausalität. Bei der überholenden
hätten mehrere Schadensursachen zur selben Schädigung geführt, sie fallen nur zeitlich auseinander.
Es handelt sich um zeitlich gedehnte kumulative Kausalität. Zur Rechtsfolge siehe oben.

Wodurch lässt sich der Verzicht auf das Kausalitätserfordernis bei der alternativen Kausalität
begründen?
Bei der alternativen Kausalität gibt es einen Schaden und mehrere mögliche Täter, von denen

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zumindest einer den Schaden verursacht hat. Wer, lässt sich aber nicht feststellen.
Nach der csqn Formel ist keiner kausal. Nach HA haften alle potenziellen Schädiger solidarisch, wenn
sie rechtswidrig, schuldhaft und konkret gefährlich gehandelt haben (§1302 analog). Die konkrete
Gefährlichkeit ersetzt den Verursachungsbeweis. Ohne konkret gefährliches handeln gibt es aber
keine Haftung. Das lässt sich dadurch erklären, dass eine Person nicht haften soll, wenn sie nicht
rechtswidrig gehandelt hat. Ein Schädiger, der bei der alternativen Kausalität den Schaden beglichen
hat, kann Rückgriffsanspruch gegen die anderen Täter nehmen.

Worin könnte ein wertungsgemäßer Unterschied zwischen alternativer Kausalität und alternativer
Kausalität mit dem Zufall liegen?
Bei der alternativen Kausalität mit dem Zufall kann nicht bewiesen werde, ob eine Schädigung zufällig
ist oder einem Schädiger zugerechnet werden kann. Während bei der alternativen Kausalität
feststeht, dass ein Dritter rechtswidrig und schuldhaft einen Schaden verursacht hat, ist bei der
alternativen Kausalität mit dem Zufall nicht sicher, ob überhaupt ein Schaden verursacht wurde und
sich nicht das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht hat. Der Täter haftet daher nicht.

Woraus kann sich die Rechtswidrigkeit eines Verhaltens erheben?


Die Rechtswidrigkeit eines Verhalten besteht im Pflichtenverstoß. Dieser kann vertraglich oder
deliktisch sein. Im vertraglichen Bereich kommt es sowohl auf Verletzung von Haupt- als auch von
Nebenpflichten an (Schutz, Sorgfalt, Aufklärung). Im deliktischen Bereich ergibt sich die
Rechtswidrigkeit entweder aus dem Verstoß gegen ein Schutzgesetz, oder der Verletzung absolut
geschützter Rechtsgüter sowie der Verletzung von Verkehrssicherungspflichten und absichtlicher
sittenwidriger Schadenszufügung.

Welche Rechtsgüter genießen „absoluten Schutz“? Was bedeutet das?


Absolut geschützte Rechtsgüter sind Rechtspositionen, die jedermann zu achten hat. Das sind:
Persönlichkeitsrechte, dingliche Rechte, Rechtsbesitzer (strittig, HA gewährt aber in Analogie zu
§372), das Erbrecht. Werden absolut geschützte Rechtsgüter verletzt, wird die Rechtswidrigkeit
vermutet. Man sagt der Eingriff indiziert die Rechtswidrigkeit.

Welche Folgen ergeben sich aus der Qualifikation einer Vorschrift als Schutzgesetz?
Ein Schutzgesetz ist eine generelle Rechtsnorm, die bestimmte abstrakt gefährliche Verhaltensweisen
verbietet, um Schädigung vorzubeugen (§1311). Nicht jedes Gebot oder Verbot ist aber ein
Schutzgesetz. Verwirklicht sich die Gefahr, die durch das Schutzgesetz vermieden werden soll, so ist
die Rechtswidrigkeit zu bejahen.

Wodurch unterscheidet sich der bloße, von anderen Vermögensschäden und vom
Fortlaufschaden?
Jeder Vermögensschaden, der nicht auf die Beeinträchtigung eines absolut geschützten Rechtsgutes
zurückgeht, wird „bloßer Vermögensschaden“ genannt. Bei bloßen Vermögensschäden gebührt nur
ausnahmsweise Ersatz: neben dem Fall der absichtlich sittenwidrigen Schädigung, auch bei bloßen
Vermögensschäden eines Vertragspartners oder quasi-vertraglich und wenn ein Schutzgesetz verletzt
wird, das das bloße Vermögen schützt.
Der Vermögensschaden tritt infolge eines Eingriffs in ein absolut geschütztes Rechtsgut ein
(Folgeschaden) und ist deshalb ersatzfähig.

Inwiefern besteht ein Zusammenhang zwischen Drittschaden und bloßem Vermögensschaden?


Drittschäden sind laut OGH: ein Schaden, der nicht in der Richtung des Angriffs, sondern in Folge
einer Seitenwirkung in einer Interessensphäre auftritt, die nicht durch das Verbot des Angriffs
geschützt ist.
Drittschäden sind bloße Vermögensschäden und werden nur ausnahmsweise ersetzt, nämlich bei:
gesetzlicher Anordnung und Schadensverlagerung.

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Warum wird bei Schadensverlagerung ein bloßer Vermögensschaden ersetzt?


Schadensverlagerung liegt vor, wenn zwar ein absolut geschütztes Rechtsgut beeinträchtigt wird, der
Schaden aber bei einem Dritten eintritt, nicht beim Rechtszuständen. Bei objektiver des
beeinträchtigten Gutes verlangen kann. Es existieren zwei verschiedene Ansichten, wie der mittelbar
Geschädigte in Fällen der Schadensverlagerung zu Ersatz kommt: mittelbar Geschädigte hat einen
eigenen Anspruch gegen den Schädiger oder der unmittelbar Geschädigte ist verpflichtet, ihm seinen
Anspruch abzutreten oder ihm den liquidierten Ersatz auszufolgen (Drittschadensliquidation).

Macht die Lehre vom Rechtswidrigkeitszusammenhang die Anzahl ersatzfähiger Schäden größer
oder kleiner? Warum?
Sie macht die Anzahl kleiner, da man hier prüft, ob die missachtete Verhaltensanordnung gerade den
Schaden verhindern soll, der eingetreten ist.

Welche Rechtfertigungsgründe kennen Sie?


Notwehr, Notstand, Selbsthilfe, Einwilligung der Verletzten in die schädigende Handlung, Handeln
auf eigene Gefahr

Kann Notwehr gegen eine Notstandshandlung geübt werden?


Notwehr (§3 StGB) erlaubt dem Schädiger einen Eingriff in ein Rechtsgut des Geschädigten nur zur
notwenigen Abwehr eines gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden (keine Vergeltung)
rechtswidrigen Angriffs auf ein notwehrfähiges Rechtsgut (Leib und Leben, Freiheit, Vermögen, nicht
auch Ehre) des Schädigers durch den Geschädigten.
Da Notstand ein Rechtfertigungsgrund ist liegt wohl kein rechtswidriger Angriff vor, weshalb dieser
auch nicht mit Notwehr abgewehrt werden kann.

Welche Funktion hat das rechtmäßige Alternativverhalten?


Lehre vom rechtmäßigen Alternativverhalten: Handelt jemand rechtswidrig, haftet er nur, wenn der
Schaden auch dann eingetreten wäre, wenn er sich rechtmäßig verhalten hätte. Ist der Schaden
durch das rechtswidrige Verhalten größer, wir durch die Schadenserhöhung gehaftet.

Welche Tatbestände spielen in der Arzthaftung eine wichtige Rolle?


Mangelhafte Behandlung (Kunstfehler) = wenn der Arzt nicht lege artis behandelt, oder mangelhafte
Einwilligung (Aufklärungsfehler). Gerade letzteres hat große praktische Bedeutung, weil der Arzt auch
dann haftet, wenn er die Behandlung nach den Regeln der Kunst vorgenommen hat und sich nur das
normale Operationsrisiko verwirklicht hat, weil in dessen möglichen Eingriff gerade nicht eingewilligt
wurde. Die Aufklärungspflichtverletzung muss aber jedenfalls kausal gewesen sein (Patient hätte bei
richtiger Aufklärung Behandlung verweigert)

Der OGH hat Schockgeschädigte lange als mittelbar Geschädigte qualifiziert. Zutreffend?
Es handelt sich eher um einen unmittelbaren Schaden, weil der Angehörige ja selbst in einem absolut
geschützten Rechtsgut (Gesundheit) verletzt wird.

Was sind Trauerschäden?


Ersatz gibt es auch für die Trauer naher Verwandte, die keinen Krankheitswert erreicht. Ersatz für
solche Trauerschäden wird aber unter Berufung auf §1323, 1324 nur bei groben Verschulden
gewährt.

Kann ein Deliktsunfähiger haften?


Der Deliktsunfähige haftet ausnahmsweise. Unter Umständen haftet die Aufsichtsperson aufgrund
Aufsichtsverletzung. Subsidiär kann auch den deliktsunfähigen Schädiger selbst zugegriffen werden
(Billigkeitshatung), wenn die Aufsichtsperson keine Aufsichtspflicht verletzt hat oder selbst kein
Vermögen hat. Der Schädiger haftet also umso eher, umso mehr die im Folgenden genannten

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Umstände gegeben sind (§1310):


- Wenn der Schädiger im Einzelfall doch die Fähigkeit hatte, das Unrecht seiner Tat einzusehen,
- wenn ein Vermögensvergleich mit dem Geschädigten den Ersatz gerechtfertigt erscheinen lässt
- wenn der Geschädigte aus Rücksicht auf den Schädiger die Verteidigung unterlassen hat (selten)

Grenzen Sie leichte und grobe Fahrlässigkeit voneinander ab!


Unterläuft die Sorgfaltswidrigkeit gelegentlich auch sorgfältigen Menschen – leichte FL, wenn nicht –
grobe FL

Welche Funktion hat die Sachverständigenhaftung (§1299) ?


Der Sorgfaltsmaßstab richtet sich grundsätzlich nach den „gewöhnlichen Fähigkeiten“ eines
Maßmenschen. Anders bei Sachverständigenhaftung – wer als Sachverständiger auftritt, hat stets die
typischen Fähigkeiten dieser Gruppe zu haben, der Gegenbeweis ist ausgeschlossen (Ärzte, Anwälte,
Architekten, Führerscheininhaber usw.)

Was ist das Mitverschulden des Geschädigten (§1304) rechtstechnisch?


Handelt auch der Geschädigte sorgfaltswidrig, trägt er mit dem Schädiger den Schaden
verhältnismäßig – bei Zweifel anteilig. Es besteht eine Schadensminderungspflicht, die allerdings
keine Pflicht, sondern bloß eine Obliegenheit des Geschädigten darstellt.

Wie ist die Beweislast im Schadenersatzrecht verteilt?


Grundsätzlich muss der Geschädigte das Verschulden des Schädigers beweisen. Anderes gilt im
vertraglichen und quasi-vertraglichen Bereich sowie beim Verstoß von Schutzgesetzen: Hier gilt die
Beweislastumkehr (§1298) – der Schädiger muss beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft.

Nach welchem Abgrenzungskriterium werden Erfüllungsgehilfen und Besorgungsgehilfen


unterschieden?
Je nachdem ob der Geschäftsherr mit dem Geschädigten in einer vertraglichen Verbindung (ein
Schuldverhältnis) steht oder nicht. 1313a gilt also gegenüber vertraglichen Verhältnissen, während
1315 gegenüber der restlichen Welt gilt.

Worin liegt die Rechtfertigung der verschiedenen Zurechnung von Erfüllungs- und
Besorgungsgehilfen?
Der Sinn bei der Erfüllungsgehilfehaftung ist leicht nachvollziehbar: Der Geschäftsherr soll nicht
weniger haften, weil er Gehilfen tun lässt, was er eigentlich selbst tun sollte. Beim
Besorgungsgehilfen haftet er nur, wenn dieser habituell untüchtig und wissentlich gefährlich ist. Der
Geschäftsherr haftet für den Gehilfen nach §1315 nur selten. Er haftet weniger streng als bei 1313a,
weil es um eine Haftung gegenüber jedermann geht.

Ist ein Besorgungsgehilfe, der einen Schaden grob fahrlässig verursacht, habituell untüchtig?
Habituell untüchtig bedeutet, dass der Gehilfe für die ausgeübte Tätigkeit nicht geeignet war. Eine
bloß einmalige Unachtsamkeit reicht nicht aus. Interessanter ist die wissentliche Gefährlichkeit
(Vorstrafen usw.)

Kann eine juristische Person deliktisch haften? Wenn ja, wie?


Organe von juristischen Personen werden bei Handeln in ihrer Funktion immer der juristischen
Person zugerechnet (§26). Auch Repräsentanten und Gehilfen.

Was versteht man unter Repräsentantenhaftung?


Repräsentanten sind zwar keine Organe der juristischen Person, jedoch sind sie in einer
verantwortlichen, leitenden oder überwachenden Funktion für die juristische Person tätig. Man

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spricht auch von Machthabern (§377). Für sie haftet die juristische Person wie für eigenes Verhalten
– was den Schadenersatz betrifft ist das Handeln eines Machthabers also dem Handeln eines Organs
gleichzustellen.

Wozu gibt es das DHG?


Das Dienstnehmerhaftpflichtgesetz soll den Dienstnehmer von der alleinigen Schadenstragung
entlasten. 1313 wird durch das DHG verdrängt.
Bei entschuldbaren Fehlleistungen des DN kann der DG gar keinen Regress nehmen. Hat der Gehilfe
selbst ersetzt, kann der IDR vom DG Rückersatz fordern. Schädigt der DN den DG unmittelbar, haftet
er nicht bei entschuldbaren Fehlleistungen, bei fahrlässiger Schädigung kann vom Richter gemäßigt
werden. Bei Vorsatz kommt eine Minderung jedoch nicht in Betracht.

Was versteht man unter der Gleichbehandlungsthese bei der Zurechnung von Gehilfen?
Nach dieser soll auf der Geschädigtenseite dieselbe Zurechnungsregel wie auf Schädigerseite gelten.
In Analogie zu 1313a hat sich der Geschädigte das Verschulden seiner Gehilfen als Mitverschulden
anzurechnen lassen (bei vertraglicher Haftung). Im Deliktischen Bereich schwankt man noch
zwischen der Gleichbehandlungsthese, wonach nach 1315 zugerechnet wird und der Haftung für
Bewahrungsgehilfen.

Was ist ein Bewahrungsgehilfe?


Das sind jegliche Gehilfen auf Geschädigtenseite. Ein Teil der Lehre begründet die Haftung für solche
Gehilfen auf Geschädigtenseite damit, dass der Geschädigte die Gewahrsame über seine Güter
anderen überlassen habe, dann habe er sich auch solche eines Bewahrungsgehilfen zurechnen zu
lassen.

Welche Unzulänglichkeiten der Gehilfenzurechnung besteht im ABGB?


In der Lehre und RSP haben sich 2 Fallgruppen herausgebildet, in denen eine quasi-vertragliche
Haftung zwischen Personen angenommen wird, die keinen Vertrag miteinander geschlossen haben –
culpa in contrahendo und Vertrag mit Schutzwirkung zugunsten Dritter.

Worin liegt die sachliche Rechtfertigung der strengen Haftung in contrahendo?


Das Schuldverhältnis besteht bereits mit Aufnahme rechtsgeschäftlichen Kontakts. Der Schuldner
haftet bei Verletzung seiner Pflichten wie ein Vertragspartner (1313a, Beweislastumkehr, Ersatz für
bloße Vermögensschäden). Inhalt des cic sind: Schutz- und Sorgfaltspflichten, Aufklärungspflichten.

Worin bedarf es des Vertrags mit Schutzwirkung zugunsten Dritter?


Weil in vielen Fällen das Schuldverhältnis des ABGB auf ein zwei-Parteien-Schuldverhältnis abgestellt
wird. Aus diesem Grund werden bestimmte Personen in den Schutzbereich des Vertrages mit
einbezogen, wenn sie von der Erfüllung vorhersehbar mitbetroffen sind. Sie werden von Schutz- und
Sorgfaltspflichten erfasst. Bei Verletzung haben diese Personen Ansprüche wie aus vertraglichen
Schadenersatz. Sie können sich daher auf 1313a und 1298 stützen – strittig ist der bloße
Vermögensschaden (Befürworter und Gegner, aber auch die Gegner gewähren bei Rat, Auskunft und
Gutachten).

Wann wird das Erfüllungsinteresse Ersetzt, wann das Vertrauensinteresse? Worauf kommt es an?
Die Frage, was ersetzt wird, stellt sich nur bei vertraglichen, nicht bei deliktischen Bereich. Hat der
Schädiger eine Leistungspflicht verstoßen, so wird das Erfüllungsinteresse ersetzt. Dazu fragt man,
wie der Geschädigte bei ordnungsgemäßer Erfüllung gestanden wäre, also um wie viel er reicher
wäre (konkret). Voraussetzung ist, dass ein Vertrag bestand und die Erfüllung zumindest im
Vertragsabschlusszeitpunkt möglich war.
Hat der Geschädigte allerdings nur auf die Erfüllbarkeit eines ungültigen oder eines nicht erfüllbaren
Vertrages vertraut, besteht der Nachteil im Vertrauensinteresse. Die Rechtswidrigkeit liegt in diesem

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Fall in einer Verletzung der vorvertraglichen Aufklärungspflicht. Man fragt, um wie viel der
Geschädigte ärmer ist.

Erklären Sie die Funktion des hypothetischen Erfüllungsinteresses!


Der Vertrauensschaden ist durch das hypothetische Erfüllungsinteresse begrenzt. Sinn dahinter ist,
dass der Geschädigte nicht besser stehen soll, als er bei tadelloser Erfüllung gestanden wäre. Es gibt
keinen Ersatz für Fehlspekulationen.

5.3. Spezielle Haftungstatbestände


Welche Bedeutung hat §1300?
§1300 regelt die Haftung bei Erteilung eines falschen Rates oder einer falschen Auskunft durch einen
Sachverständigen. Er unterscheidet
- §1300 Satz 1 – Vertragspartner – jeder falsche Rat in einer Sonderbeziehung führt zur Haftung nach
§1300
- Satz 2 – jedermann haftet für Schäden, die er durch die wissentlich falsche Erteilung von Rat oder
Auskunft verursacht hat. Bezieht sich nur auf bloße Vermögensschäden.

Wieso haftet der Wohnungsinhaber nach §1318 so streng?


Nach §1318 haftet der tatsächliche Inhaber einer Wohnung für Schäden, die aus dem Herabfallen
gefährlich aufgehängter oder gestellter Sachen durch Hinauswerfen oder Hinausgießen von Sachen
aus einer Wohnung entstehen. Verschuldensunabhängig.
Hintergrund ist, dass für einen Geschädigten oft nicht nachvollziehbar ist, wer etwas aus einer
Wohnung hinausgeworfen hat – für den Inhaber leichter.

Wie sind §1318 und §1319 voneinander abzugrenzen?


Bei §1319 haftet der Besitzer (Halter) eines Gebäudes oder eines anderen auf einem Grundstück
aufgeführten Werkes für den Einsturz des Gebäudes oder Ablösen von Teilen eines Gebäudes, wenn
nicht die Einhaltung aller erdenklichen Sorgfalt bewiesen wird.
Abgrenzung: 1318 ist verschuldensunabhängig, 1319 nicht.

Inwiefern verändert §1319a die Rechtsstellung zum Wegehalters im Vergleich zum allgemeinen
Schadenersatzrecht?
Nach §1319a haftet der Halter eines Weges deliktisch für dessen mangelhaften Zustand bei eigenem
groben Verschulden oder grobem Verschulden seiner Leute. Es handelt sich um gesetzlich verankerte
Verkehrssicherungspflichten. Die Vertragsverhältnisse gehen vor. Pflichtenübertragung auf
selbständige Unternehmer ist möglich. Der Halter haftet dann nur mehr für Auswahl- und
Überwachungsverschulden.

Was ist eine Leutehaftung? Wie passt sie in das allgemeine Konzept der Zurechnung fremden
Verschuldens?
Leute sind alle Personen, deren sich der Halter bedient, um den Zustand des Weges zu erhalten. Es
kommt zu einer Zurechnung aller Gehilfen (ohne Vorliegen der Voraussetzungen des 1315) auch im
deliktischen Bereich. Nur bei groben Verschulden (Haftungsverschärfung und Haftungserleichterung)

Wie schützt die Rechtsordnung die Privatsphäre?


Verletzung der Persönlichkeitsrechte §§1328-1330. §1328a – Privatsphäre – Bei rechtswidriger und
Schuldhafter Verletzung (…) muss der dadurch entstandene Schaden ersetzt werden. Privatsphäre ist
ohnehin ein absolut geschütztes Rechtsgut, weshalb diese Bestimmung nur deklarativen Charakter
hat. Bei erheblicher Verletzung wird auch der immaterielle Schaden ersetzt.

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Unterscheiden Sie Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung. Wo können Sie den Wahrheitsbeweis


erbringen?
Bei der Ehrenbeleidigung (§1330 Abs1) passiert ein Angriff auf die Würde durch Werturteile (unter
Umständen auch bei juristischen Personen). Zu ersetzen ist neben dem Anspruch auf Unterlassung
auch der positive Schaden und entgangener Gewinn. Da die Ehrenbeleidigung an Werturteile
(subjektiv) gründet, ist der Wahrheitsbeweis ausgeschlossen.
§1330 Abs. 1 – Kreditschädigung – wenn jemand Tatsachen verbreitet, die den Kredit, den Erwerb
oder das Fortkommen eines anderen gefährden (…). Natürliche und juristische Personen. Hier geht es
um die Verbreitung unwahrer Tatsachen – Wahrheitsbeweis des Schädigers ist zulässig.

Welche Besonderheiten gegenüber dem allgemeinen Schadenersatzrecht bestehen im


Amtshaftungsgesetz?
Das AHG enthält ein eigenes Schadenersatzrecht für Schäden, die Organe in Vollziehung der Gesetze
rechtswidrig und schuldhaft zugefügt haben. Grundsätzlich bestehen im AHG dieselben
Anspruchsvoraussetzungen wie in der Verschuldenshaftung des ABGB, es existieren jedoch einige
Abweichungen:
- Das schädigende Organ haftet niemals allein (§1 Abs. 1, §9 Abs. 5 AHG), sondern immer nur der
Rechtsträger (Bund, Gemeinde, etc.)
- Der Schaden ist stets in Geld zu ersetzen (keine Naturalrestitutionen)
- Den Geschädigten trifft eine Rettungspflicht (er muss alle möglichen Rechtsmittel ergriffen haben)
- Rückgriffsanspruch des Rechtsträgers gegen den Organwalter besteht nur bei groben Verschulden
(§3 AHG)
- keine Amtshaftung für Höchstgerichte (OGH, VfGH, VwGH)

Warum kann aus Entscheidungen der Höchstgerichte kein Amtshaftungsanspruch abgeleitet


werden?
Ist eine Höchstgerichtsentscheidung falsch, müsste dieser Umstand im Amtshaftungsprozess eines
anderen – niederrangigen – Gerichts festgestellt werde. Die Überprüfung durch Untergerichte ist
unerwünscht.

Inwiefern ist die Rettungspflicht systemwidrig?


Während der Anspruch bei Verletzung der Rettungspflicht im ABGB nach §1304 gemindert wird,
während er nach dem AHG komplett entfällt. (ZB Kläger muss vorher berufen, bevor er
Schadenersatz nach AHG verlangt)

Nach welchem Gesetz haftet eine Gebietskörperschaft in der Privatwirtschaftsverwaltung?


Nach dem ABGB. Das AHG ist nur anwendbar bei Schädigungen im Bereich der Hoheitsverwaltung
(Judikative, Exekutive). Bei Privatwirtschaftsverwaltungen hingegen kommt ein SE nach dem AHG
nicht in Betracht.

Welche Funktion hat das PolBEG?


Wer bei Ausübung polizeilicher Zwangsbefugnisse, die er nicht durch eigenes rechtswidriges
Verhalten hervorgerufen hat, geschädigt wird, hat nach den Bestimmungen des PolBEG einen
verschuldensunabhängigen Ersatzanspruch gegen den Bund. Sinn ist es Lücken zu schließen.

Wie verhält sich das OrgHG zum DHG?


Das Organhaftpflichtgesetz enthält Regelungen über Schäden, die Organwalter ihren Rechtsträgern
bei Ausübung hoheitlicher Tätigkeit zufügen. Es ist ein Spezialgesetz das DHG. Folgende Unterschiede
- Schaden ist immer in Geld zu ersetzen
- keine Haftung für Schäden, die in Befolger dienstlicher Weisung zurückzuführen sind (wenn von
Vorgesetzten und kein strafbares Handeln)
- richterliches Mäßigungsrecht wie im DHG, allerdings nach AHG erst Regress bei groben Verschulden

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Welche Funktion hat die Staatshaftung?


Ausgleich der Schutzlücken. Im AHG wird nämlich nicht gehaftet für legislatives Unrecht und
höchstgerichtliche Urteile.

In welchen Fällen ist die Staatshaftung relevant?


Insb. in Fällen, in denen es nach innerstaatlichem Recht keine Ansprüche geben würde. Wird eine
RU-RL nicht bzw. fehlerhaft umgesetzt oder liegt ein gegen Unionsrecht verstoßendes
höchstgerichtliches Urteil vor, haftet der Staat daher unabhängig von den Voraussetzungen des AHG.

Unter welchen Voraussetzungen steht ein Staatshaftungsanspruch zu?


Anspruchsvoraussetzungen: wer nachweist, durch in hinreichend qualifizierten Verstoß gegen das
Unionsrecht geschädigt worden zu sein. Erfordernisse der Kausalität und Rechtswidrigkeit. Anspruch
ist vor ordentlichen Gerichten durchzusetzen. Geht es allerdings um legislatives Unrecht oder die
Gemeinschaftsrechtwidrigkeit höchstgerichtlicher Entscheidungen, wird eine Zuständigkeit des
Verfassungsgerichtshofs (VfGH) angenommen.

Welche Arten von Providern kennen Sie? Warum sind verschieden strengen Haftungen für die
einzelnen Arten nötig?
Innerhalb der Provider unterscheidet man zwischen Access-, Host-, und Content-Provider. Das E-
Commerce-Gesetz regelt nur die Haftung von Access-, und Host-Providern. Das Gesetz bestimmt nur
Haftungsbefreiungsvoraussetzungen.

Welche Aufgaben hat das ECG?


Das ECG regelt den Aspekt der deliktischen Haftung der Internetdienstanbieter (Provider).

Nach welchen Regeln haftet ein Content Provider?


Die Haftung des Content-Provider ist nicht im ECG geregelt. Er haftet nach den allgemeinen Regeln
(ABGB)

5.4. Gefährdungshaftung
Auf welche Tatbestandsmerkmale der Verschuldenshaftung verzichten Gefährdungshaftungen?
Anders als bei der Verschuldenshaftung ist bei der Gefährdungshaftung das Verschulden und die
Rechtswidrigkeit keine Voraussetzungen.

Worin liegt die sachliche Rechtfertigung von Gefährdungshaftung


Sie knüpft an eine gefährliche, aber erlaubte Sache an. Sinn dahinter ist, dass derjenige, der einen
Vorteil aus der gefährlichen Tätigkeit hat, auch die damit verbundenen Nachteile tragen soll (guter
Tropfen – böser Tropfen). Bei Konkurrenz mit der Verschuldenshaftung kann sich der Geschädigte
aussuchen, nach welcher Haftungsgrundlage er den Schädiger in Anspruch nimmt (bedeutend wegen
Höchstgrenzen bei Gefährdungshaftung)

Welche Gesetze, die Gefährdungshaftung vorsehen, kennen Sie?


Zu erwähnen sind VA: Eisenbahn- und Kraftfahrzeughaftungsgesetz (EKHG) für Schäden aus dem
Betrieb von Kraftfahrzeugen und Eisenbahnen.
Luftfahrtgesetz für Schäden durch Luftfahrzeuge
Gentechnikgesetz – Schäden durch Arbeiten mit gentechnisch veränderten Organismen oder durch
deren Freisetzung
Atomhaftpflichtgesetz: Schäden durch Kernanlagen und Kernmaterialien
Produkthaftungsgesetz (PHG): Schädigung durch Produkte

Wieso wurde das PHG eingeführt? Mit welchen Konstruktionen hat man sich vor der Einführung
beholfen?

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Das ABGB lässt Lücken in der Produzentenhaftung. Die Haftung für Schäden, die durch das Produkt
an anderen Rechtsgütern geschehen, wird daher als unbefriedigend empfunden. Deshalb bediente
man sich dem Vertrag mit Schutzwirkung gegenüber dem Letztabnehmer, wo aber innocent
bystander (unschuldige Dritte) nicht erfasst sind. Auch bei Schäden, in denen dem Hersteller kein
Verschulden nachgewiesen werden kann, greift die Verschuldenshaftung nicht (Ausreißer). Diese
Probleme konnten nur mit der verschuldensunabhängigen Haftung des Produzenten für seine
Produkte beseitigt werden, die durch das PHG eingeführt wurde.

Was ist ein Produkt?


Die Produkthaftung ist die zwingende, verschuldensunabhängige Haftung des Herstellers gegenüber
jedermann für die Gefährlichkeit seiner Produkte.
Die Haftung besteht nur für Produkte iSd §4 PHG = bewegliche körperliche Sachen (auch wenn mit
unbeweglichen verbunden werden), einschließlich Energie. Darunter fallen auch Tiere,
Mikroorganismen, Viren sowie menschliche Organe und Blut nach ihrer Trennung vom Spender bis zu
ihrer Verwendung. Strittig sind Computer-Softwares.

Wann ist ein Produkt fehlerhaft?


wenn es nicht die Sicherheit bietet, die man unter Berücksichtigung aller Umstände zu erwarten
berechtigt ist. Dies orientiert sich an: Darbietung der Sache, dem Gebrauch, mit dem billigerweise
gerechnet werden kann sowie dem Zeitpunkt, in dem die Sache in Verkehr gebracht worden ist.
Entscheidend ist nicht die tatsächliche Vorstellung der Beteiligten, sondern ein objektiver Maßstab.

Wie verhält sich der Produktfehler zum Mangel im Sinne des Gewährleistungsrechts?
Bei der Gewährleistung spricht man von einem Mangel, wenn es eine Abweichung vom Vertrag ist
(bedungene Eigenschaft oder gewöhnlich vorausgesetzte). Beim PHG ist ein Fehler eine Enttäuschung
der Sicherheitserwartungen. Bietet das Produkt nicht diese Sicherheit, ist es fehlerhaft. Davon erfasst
sich Konstruktionsfehler, Produktionsfehler, Instruktionsfehler sowie Wirkungslosigkeit.

Wer haftet nach dem PHG?


Schadenersatz nach dem PHG hat zu leisten (§1 Abs. 1 PHG):
- der Unternehmer, der das Produkt hergestellt und in den Verkehr gebracht hat (Hersteller), auch
Anscheinsproduzenten
- der Unternehmer, der es zum Vertrieb in den Europäischen Wirtschaftsraum eingeführt hat und
hier in Verkehr gebracht hat (Importeur)
- subsidiär haftet der Händler, wenn er nicht binnen angemessener Frist den Hersteller/Importeuer
oder seinen sonstigen Vormann benennt.
Gibt es mehrere Haftpflichtige, haften alle solidarisch.

Welche Überlegungen könnten bei der Einführung des Tatbestandes des Anscheinsherstellers
maßgeblich gewesen sein?
§3 PHG ergänzt den Herstellerbegriff um den Anscheinsproduzenten (Scheinproduzenten, Als-Ob) Als
Hersteller haftet nämlich auch jeder, der als Hersteller auftritt, indem er seinen Namen, seine Marke
oder ein anderes Erkennungszeichen auf dem Produkt anbringt, das jemand anderer erzeugt hat (bei
Handelsmarken oder Franchising)

Was ist ein Ausreißer? Haftet der Produzent für Ausreißer?


Ausreißer = Fälle, in denen die Gefährlichkeit zwar abstrakt bekannt ist, aber konkret nicht
beherrscht werden kann. Einzelstücke einer an sich tadellosen Serienproduktion, die trotz Einhaltung
aller Sorgfalt und Kontrolle gefährliche Mängel aufweisen. §16 PHG – Hier ist eine Haftung zu
bejahen.

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Was versteht man unter Werktorprinzip?


Jede Haftung des PHG setzt das Inverkehrbringen voraus. Maßgebend ist, dass der Hersteller die
tatsächliche Verfügung über das Produkt verliert, sobald es endgültig die Fabrik verlässt
(=Werktorprinzip). Nicht im Verkehr sind Sachen, solange sie sich im Unternehmensbereich befinden,
also noch im Produktionsvorgang, beim Test oder bei der Kontrolle.

Was spricht für den verkehrstechnischen Ansatz? Für welche Frage spielt er eine Rolle?
Grundtatbestand des EKHG ist ein Unfall beim Betrieb eines KFZ oder einer Eisenbahn. Für die Frage,
wann das Fahrzeug in Betrieb ist, bezieht man sich auf den verkehrstechnischen Ansatz, wonach es
dann in Betrieb ist, wenn es am Verkehr beteiligt ist. Nach dem maschinentechnischen Ansatz ist es
jedenfalls dann in Betrieb, wenn es sich aufgrund eigener Motorkraft fortbewegt.

Wer ist Haftpflichtiger im EKHG?


Grundsätzlich der Halter eines KFZ (§5 EKGH): Halter ist, wer die Verfügungsmacht über das KFZ hat
und es auf eigene Rechnung betreibt. Für Unfälle beim Betrieb von Eisenbahnen haftet der
Betriebsunternehmer der Eisenbahn. Hat ein KFZ mehrere Halter (Ehepaar) haften diese solidarisch
und können intern Regress nehmen (§896).

Welche Rolle spielt der Schwarzfahrer im EKHG?


Der Halter haftet aber nicht, wen jemand das KFZ ohne Willen und Wissen des Halters in Betrieb
nimmt (§6 EKHG). Allerdings haftet der Halter mit dem Schwarzfahrer solidarisch, wenn er die
Schwarzfahrt schuldhaft ermöglich oder begünstigt hat. Der Halter haftet auch, wenn der Unfall von
einer Person verursacht wird, der das Verkehrsmittel vom Halter zu bestimmen Zwecken überlassen
wurde, die aber keine Erlaubnis für die konkrete Fahrt hatte (angestellter Schwarzfahrer §6 Abs. 2
EKGH)

Verwirklicht das EKGH eine Erfolgshaftung? Welche Rolle spielt das unabwendbare Ereignis in
diesem Zusammenhang?
Entlastung ist nach §9 EKHG möglich. EKHG ist keine Erfolgshaftung. Eine Haftungsbefreiung ist
möglich wenn der Unfall bei Einhaltung aller Sorgfalt durch ein unabwendbares Ereignis verursacht
wurde, nicht auf eine außergewöhnliche Betriebsgefahr zurückzuführen ist und das Fahrzeug in
technisch einwandfreiem Zustand ist. DH ist die Sphäre des Halters völlig mangelfrei, wird nicht
gehaftet, außer wenn eine außergewöhnliche Betriebsgefahr (=jede Art von Kontrollverlust) vorliegt.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Haftung nach EKHG und der KFZ-
Haftpflichtversicherung?
Für KFZ besteht eine Versicherungspflicht, die jeder Halter eines KFZ abschließen muss. Die
Versicherung haftet solidarisch mit dem Halter (§26 KHVG). So hat der Geschädigte ausreichend
Haftungsfonds.

6. Bereicherungsrecht und Geschäftsführung ohne Auftrag


6.1. Bereicherungsrecht
Was ist die Grundidee des Bereicherungsrechts?
Die Rückgängigmachung ungerechtfertigter Vermögensverschiebungen.

Wie verhalten sich Schadenersatz- und Bereicherungsrecht zueinander?


Sind die Voraussetzungen eines Schadenersatzes und eines Bereicherungsanspruches gegeben, hat
der Entreicherte (Geschädigte) die Wahl, ob er sich auf das eine oder andere stützen möchte.

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Wie verhalten sich Leistungskondiktionen und Verwendungsansprüche zueinander?


Die Leistungskondiktion (Vermögensverschiebung durch eine Leistung des Entreicherten an den
Bereicherten) geht den Bereicherungen in sonstiger Weise (Verwendungsanspruch) vor.

Was versteht man im Bereicherungsrecht unter einer Leistung?


Leistung ist die bewusste Zuwendung eines Vorteils durch ein Tun oder Unterlassen. Mit einer
Leistung wird ein bestimmter Zweck verfolgt. Als Leistungszweck kommen insbesondere in Betracht:
Erfüllung einer Verbindlichkeit, Erlangung einer Gegenleistung, Hoffnung auf eine bestmimte
Entwicklung.

Welche Bedeutung hat der Leistungszweck für die bereicherungsrechtliche Rückforderung?


Wird der angestrebte Leistungszweck erreicht, gibt es keine Rückforderung.

Warum können Leistungen, die in Erfüllung eines gültigen Vertrags erbracht wurden erst nach
dessen Beseitigung zurückgefordert werden?
Solange der Vertrag noch besteht, ist die im Hinblick darauf erbrachte Leistung nämlich noch durch
ihn gerechtfertigt.

Unter welchen Voraussetzungen kann eine bezahlte Nichtschuld zurückgefordert werden?


Hier spricht man von der condictio indebiti (§1431): Voraussetzung hierfür ist das Fehlen einer
Verbindlichkeit und der Irrtum des Leistenden über ihren Bestand. Er glaubt, er schulde. Der
Leistende kann daher nicht zurückfordern, wenn er wusste, dass er eine Nichtschuld bezahlt (§1432).
Verschulden ist unbeachtlich. Nach §1431 kann aber eine Leistung nicht zurückgefordert werden, die
bloß eine Nichtschuld war, weil sie noch nicht fällig war (vorzeitig gezahlte Schuld), sowie
Naturalobligationen.

Wann ist §877 anwendbar, wann §1435?


§877 condictio sine causa: wenn die Aufhebung eines Vertrages aus mangelnder Einwilligung begehrt
wird (Anfechtung wegen Irrtum, Drohung, List).
§1435: condictio causa finita: gewährt eine Leistungskondiktion, wenn der rechtliche Grund eine
Leistung zu behalten aufgehört hat. Die Bestimmung kommt nach HA dann zur Anwendung, wenn ein
Vertrag mit schuldrechtlicher ex-tunc Wirkung, aber ohne sachenrechtliche Konsequenten wegfällt
(Rücktritt wegen Schuldnerverzugs, Aufhebung des Vertrages wegen nachträglicher Unmöglichkeit
oder wegen laesio enormis, gewährleistungsrechtliche Wandlung sowie Rücktrittsrecht im
Verbraucherrecht, Haustürgeschäft, Nichteintritt maßgeblicher Umstände, Fernabsatzverträge und
Auswärtsgeschäfte)

Welche Kondiktion ist anwendbar, wenn im Hinblick auf einen wegen versteckten Dissens
ungültigen Vertrag Leistungen erbracht werden?
Da bei einem versteckten Dissens der Vertrag ja gar nicht zustande kommt, würde 877 nicht gelten,
weil es zu keiner Aufhebung kommen kann (nach dem Wortlaut). Bei irrtümlicher Zahlung bei Dissens
kommt die Rückforderung nach §1431 in Betracht.

Was ist die condictio sine causa data causa non secuta?
Die in Analogie zu §1435 gewährte condictio sine causa data causa non secuta wird gewährt, wenn
der Zweck einer außerhalb eines Verpflichtungsverhältnisses erbrachten Leistung verfehlt wird. (ZB
Bauernhof arbeiten um Alleinerbe zu werden). Ein Irrtum des Leistenden ist keine Voraussetzung,
allerdings wird der Anspruch verneint, wenn der Leistende den Zweck treuwidrig vereitelt hat.

Welche Grundsätze gelten für die Rückforderung, wenn Leistungen im Hinblick auf gesetz- oder
sittenwidrige Vereinbarungen erbracht wurden?
Ist ein Vertrag wegen Gesetz- oder Sittenwidrigkeit (§879 Abs. 1) ungültig, so ist die Frage, ob eine

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Rückabwicklung stattfindet damit verbunden, warum der Vertrag nichtig ist:


- Will das Gesetz die Entstehung durchsetzbarer Verpflichtungen verhindern, ohne eine tatsächliche
Vermögensverschiebung zu missbilligen, findet eine Rückforderung nicht statt, wenn der mit der
Leistung verfolgte Zweck erreicht ist (Geld für Nasen-OP)
- Bezweckt das Verbot den Schutz einer der beiden Parteien, so findet eine Rückforderung statt, egal
ob mit der Leistung der Zweck erreicht ist.
- Die Rückforderbarkeit ist aber ausgeschlossen, wenn etwas wissentlich zur Bewirkung einer
unerlaubten Handlung gegeben wurde (§1174 Abs. 1 Satz 1) – egal ob Zweck erreicht oder nicht.

Erläutern Sie die Voraussetzungen des §1041! Was versteht man unter dem Begriff „Sache“ in
§1041?
Nach §1041 kann der Eigentümer eine Sache zurückfordern, wenn sie zum Nutzen eines anderen
verwendet worden ist. Sache und Eigentümer sind im 1042 weit gefasst. Sache ist im weitesten Sinn
des §285 zu verstehen: körperliche Sachen, Forderungsrechte, Markenrechte, Namensrechte,
Urheberrechte und auch Arbeitsleistungen.
Eigentümer ist jeder, dem ein Rechtsgut zugewiesen ist (Eigentümer einer körperlichen Sache,
Inhaber eines Patentrechtes, Gläubiger einer Forderung usw.)

Was ist gemeint, wenn es heißt, der Verwendungsanspruch sei ein subsidiärer Behelf?
Er besteht nicht, wen ein Vertragsverhältnis die Bereicherung rechtfertigt, gegen den gutgläubigen
Erwerber, wenn die Vermögensverschiebung durch eine Leistung des Entreicherten an den
Bereicherten erfolgte, wenn der Entreicherte ein GOA ist oder, wenn sonstige gesetzliche Normen
die Vermögensverschiebung rechtfertigen.
ACHTUNG: Subsidiarität des Verwendungsanspruches gegenüber der Leistungskondiktion gilt nur im
zweipersonalen Verhältnis.

Was ist ein Versionsanspruch?


actio de in rem verso: Unter diesem Titel wird die Frage behandelt, ob jemand einen
Verwendungsanspruch hat, auch wenn er wegen der Entreicherung einen unmittelbaren
vertraglichen Anspruch gegen eine Mittelperson hat (dieser aber nicht einbringlich ist). Heute wird
der Versionsanspruch überwiegend abgelehnt, weil keine rechtsgrundlose Vermögensverschiebung
vorliege. Nur bei Ungültigkeit des Vertrages zwischen Entreicherten und Mittelmann kann der
Entreicherte direkt gegen den Bereicherten vorgehen (Leistungskondiktion oder
Verwendungsanspruch).

Erläutern Sie die Voraussetzungen des §1042!


„Wer für einen anderen einen Aufwand macht, den dieser nach dem Gesetz selbst hätte machen
müssen, hat das Recht, Ersatz zu fordern.“

Warum handelt es sich bei §1042 um keine Leistungskondiktion, obwohl der Aufwand doch in der
Erbringung einer Leistung besteht?
Es wird zwar eine Leistung erbracht, jedoch an einen anderen als denjenigen, der bereichert ist.

Was meint man, wen man sagt, der Anspruch nach §1042 sei doppelt begrenzt?
Der Aufwand kann in der Leistung von Geld oder anderen Vermögenswerten Leistungen bestehen.
Der Befreite hat zu ersetzen, was er sich an Aufwand erspart hat. Darin liegt sein Nutzen. Der
Anspruch unterliegt damit einer doppelten Begrenzung. Der Entreicherte bekommt nie mehr, als er
tatsächlich aufgewendet hat. Er bekommt aber auch nicht mehr, als sich der Bereicherte erspart hat.

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Wann ist der Anspruch des §1042 ausgeschlossen?


wenn der Aufwendende gegenüber dem gesetzlich Verpflichtete mit Schenkungswillen gehandelt hat
(nicht zu vermuten). Wenn andere Rückgriffsnormen eingreifen. Wenn der Aufwand aufgrund einer
sonstigen eigenen Rechtspflicht erfolgt. Strittig: bei voreiliger Selbstverbesserung

Erklären Sie die Funktion des §1042 bei voreiliger Selbstverbesserung!


Man könnte sich auf 1042 auf das Argument stützen, man habe durch Selbstvornahme der
Verbesserung einen Aufwand getätigt, den nach §932 Abs. 2 der Übergeber hätte machen müssen.
Dagegen wurde eingewendet, dass der Anspruch nach §1042 nur auf dreipersonale Verhältnisse
zugeschnitten ist. Die Lösung ist umstritten. Die überwiegende Ansicht verneint die Anwendbarkeit
des 1042. Der OGH hat das Problem durch analoge Anwendung des §1168 gelöst.

Wofür hat die Redlichkeit/Unredlichkeit des Bereicherungsschuldners Bedeutung?


Grundsätzlich ist der Inhalt des Bereicherungsanspruchs die Rückgängigmachung der
Vermögensverschiebung, in erster Linie in Natura. Soweit es sich um körperliche Sachen handelt,
kann der bereicherungsrechtliche Herausgabeanspruch mit dem sachenrechtlichen Anspruch nach
§366 konkurrieren.
Ist die Rückgabe in Natura nicht möglich oder nicht tunlich, muss die Vermögensverschiebung auf
andere Weise rückgängig gemacht werden – in diesen Fällen Wertersatz (§1437, §417). Grundsatz ist,
dass der Bereicherte den durch das Unmöglich- oder Untunlich werden der Rückgabe erlangten
Vorteil herauszugeben hat. Man muss also immer fragen, worin der erlangte Vorteil liegt. Für die
Berechnung zieht man die Vorschriften über den redlichen und unredlichen Besitzer heran (§329 ff,
§417). Redlich ist, wer den Mangel seiner Berechtigung weder kannte, noch kennen musste.
Unredlich ist schon der Bereicherungsschuldner, der erst nachträglich unredlich wird. Redlichkeit
wird vermutet (§328).
Als Richtschnur für die Höhe des Wertersatzes dient folgende Formel:

- Der redliche Bereicherungsschuldner hat nach herrschender Auffassung den konkreten


Nutzen zu ersetzen, höchstens aber den Verkehrswert.
- Der unredliche hat den konkreten Nutzen, mindestens aber den Verkehrswert zu ersetzen
- Besteht der Nutzen in einer bestimmungsgemäßen Verwendung, hat der redliche den
Marktwert, der unredliche den höchstem am Markt erzielbaren Preis herauszugeben (§417
analog)

Welche Konsequenzen hat es, wenn die zurückstellende Sache untergeht?


allgemeine Regeln: Ist einmal ein Nutzen eingetreten, muss der Schuldner ihn herausgeben,
unabhängig davon, was mit dem Nutzen später passiert. Geht die Sache bei einem redlichen
Bereicherungsschuldner unter, lässt die überwiegende Ansicht den Bereicherungsanspruch nur
entfallen, wenn der BS noch kein Eigentum erworben hat, sonst ist der Verkehrswert der Sache zu
ersetzen.
Zwei-Kondiktionen-Theorie: IN Österreich herrschend -> den redlichen Käufer trifft keine
Ersatzpflicht – auch wenn der Vertrag sachenrechtlich ex nunc aufgelöst wird (er also Eigentümer
bleibt). Der Käufer bekommt seinen Kaufpreis auch dann zurück, wenn er selbst nichts herausgeben
muss
Saldotheorie: aus Deutschland: Die Gefahr des zufälligen Untergangs wird stets dem Käufer auferlegt,
auch bei sachenrechtlicher ex tunc Wirkung. Der Käufer kann seinen Kaufpreis nur insoweit
kondizieren, als er den Wert der untergegangenen Kaufsache übersteigt. (Achtung: Wenn unredlich
muss er jedenfalls Wertersatz leisten. Die Theorien gelten nur bei zufälligem Untergang)

Muss der Bereicherungsschuldner die gezogenen Früchte herausgeben?


Wieder unterscheiden wir zwischen redlich und unredlich. Der redliche BS kann alle aus der Sache

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entspringenden Früchte behalten (§330).


Der Unredliche ist verpflichtet, jeden durch den Besitz erlangten Vorteil herauszugeben (§335).
Ausnahme: Wenn die Ziehung der Früchte auf besondere Fähigkeiten und Kenntnisse des BS
zurückgeht. Dan hat er nicht alle Früchte, sondern ein angemessenes Entgelt für die Verwendung
fremden Rechtsguts zu leisten.

Wodurch unterscheiden sich die Zwei-Kondiktionen-Theorie und die Saldotheorie?


Die Zwei-Kondiktionen-Theorie ist die in Österreich herrschende Ansicht: Den redlichen Käufer trifft
keine Ersatzpflicht, er trägt stets das Risiko des zufälligen Untergangs.
Die Saldotheorie kommt aus Deutschland: Die Gefahr des zufälligen Untergangs wird stets dem
Käufer auferlegt. Er muss jedenfalls Wertersatz leisten. Er kann nach Vertragsauflösung seinen
Kaufpreis nur soweit kondizieren, als er den Wert der untergegangenen Kaufsache übersteigt.

Was ist die „Unterhaltsverbrauchsjudikatur“?


danach können Leistungen mit Unterhaltscharakter, die bereits vom Leistungsempfänger gutgläubig
verbraucht wurden, nicht in voller Höhe zurückgefordert werden, weil das den
Bereicherungsschuldner oftmals zu hart treffen würde. Das ist mit dem allgemeinen Prinzip des
redlichen Schuldners, die am tatsächlich erlangten Nutzen ansetzt, durchaus in Einklang zu bringen.

Welche Besonderheiten gelten für Bereicherungsansprüche gegen einen Geschäftsunfähigen?


Der Geschäftsunfähige, die Unterhaltsverbrauchsjudikatur sowie der Verbraucher sind Gegenstand
des „schutzbedürftigen Bereicherungsschuldners“. Der Geschäftsunfähige wird bei der
bereicherungsrechtlichen Rückabwicklung besonders geschützt: Er hat stets nur dann Ersatz zu
leisten, wenn die Sache, durch die er bereichert wurde, noch vorhanden ist oder zu seinem Nutzen
verwendet worden ist (§1424 analog). DH: Auch er muss grundsätzlich in Natura zurückgeben, ist
dies allerdings nicht möglich, wird er beim Wertersatz begünstigt, weil er nur den tatsächlichen
Nutzen herausgeben muss (kein WE bei zufälligem Untergang).

Welche bereicherungsrechtlichen Besonderheiten gelten im Verbrauchergeschäft?


Die Rücktrittsrechte des Verbrauchers ermöglichen ihm, sich von einer bindenden Erklärung zu lösen.
Sind bereits Leistungen erbracht worden, können sie mit einer Leistungskondiktion zurückverlangt
werden (§4 KSchG, §14 FAGG, §12 VKrG). Auf den Bereicherungsanspruch des Verbrauchers gegen
den Unternehmer kommen die dargestellten Regeln zur Anwendung. Für die Leistungskondiktionen
des Unternehmers gegen den Verbraucher gibt es allerdings Besonderheiten:

- Bei Rücktritt muss Verbraucher Waren zurückstellen, bei Unmöglichkeit Wertersatz leisten,
aber
o Für den Wertersatz kommt es nach §4 KSchG (Haustürgeschäft, nichteintritt
maßgeblicher Umstände) nicht auf Redlichkeit an, sondern ob der Konsument einen
klaren und überwiegenden Vorteil erlangt hat. Ist dies nicht der Fall, muss der
Verbraucher bereicherungsrechtlich nichts leisten.
o Bei FAGG hat der Verbraucher nur dann eine Entschädigung für die Wertminderung
zu zahlen, wenn dieser Wertverlust auf einen zur Prüfung der Beschaffenheit, der
Eigenschaft oder der Funktionsweise der Ware nicht notwendigen Umgang
zurückzuführen ist (§15 Abs. 4 FAGG)
o Bei der Rückabwicklung von Dienstleistungen steht ein Bereicherungsanspruch gegen
den Verbraucher trotz Nutzen für ihn nur sehr selten zu.

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6.2. Geschäftsführung ohne Auftrag (§§1035 ff)


Was ist die Geschäftsführung ohne Auftrag?
Die GOA nach §1035 ff. ist die eigenmächtige Besorgung der Angelegenheiten einer fremden Person
in der Absicht, deren Interessen zu fördern.

Was versteht man unter Fremdgeschäftsführungswillen und wofür hat er Bedeutung?


Der Geschäftsführer handelt ohne Auftrag, also eigenmächtig, wenn er weder durch den Willen des
Geschäftsherrn noch aufgrund des Gesetzes zur Führung des Geschäftes befugt ist. Voraussetzung ist
also der Fremdgeschäftsführungswille (animus rem alteri gerendi) = bewusst in fremden Interesse
tätig wird.

Wie ist die GOA vom Bereicherungsrecht abzugrenzen?


Abzugrenzen ist am Merkmal des Fremdgeschäftsführungswillen. Liegt er vor, ist GOA zu prüfen, liegt
er nicht vor, ist nur noch ein bereicherungsrechtlicher Anspruch anwendbar. Praktisch relevant sind
VA drei Fallgruppen:

- §1431  Wer ein fremdes Geschäft in fälschlicher Meinung führt, gegenüber dem
Geschäftsherrn dazu verpflichtet zu sein, kann sich mangels Fremdgeschäftsführungswillen
nicht auf GOA stützen. Hat er dem Geschäftsherrn eine Leistung erbracht, kommt eine
Leistungskondiktion nach §1431 in Betracht.
- §1042  Wer glaubt, ein eigenes Geschäft zu führen, tatsächlich aber ein fremdes führt, hat
keinen Anspruch auf GOA, sondern nach §1042 (wer einen Aufwand macht, den ein anderer
nach dem Gesetz selbst hätte machen müssen …)
- Der Verwendungsanspruch nach §1041 ist nach gesetzlicher Anordnung gegenüber der GOA
subsidiär. Wer mit Fremdgeschäftsführungswillen agiert, kann daher nur nach GOA nicht
nach §1041 stützen.

Wodurch unterscheidet sich die Geschäftsführung im Notfall von der nützlichen


Geschäftsführung?
§1036 – Notfall  Ein solcher liegt vor, wenn ein Schaden den Geschäftsherrn unmittelbar droht
und seine rechtzeitige Zustimmung nicht mehr eingeholt werden kann. Der Geschäftsführer
handelt nicht rechtswidrig und ihm gebührt der Ersatz der ex ante notwendigen und
zweckmäßigen Aufwendungen, selbst, wenn erfolglos. Außerdem: wenn er in Ausübung seines
Berufs oder Gewerbes gehandelt hat, hat er einen Anspruch auf Entgelt. Er hat
Rechnungslegungs- und Herausgabepflicht des Vorteils nach §1939 – allerdings keine
Fortsetzungspflicht (§1312)

§1037 – Nützliche  wenn der Geschäftsführer zum klaren und überwiegenden Vorteil des
Geschäftsherrn gehandelt hat, allerdings kein Notfall vorliegt. Geschäftsführer hat Anspruch auf die
wirklich getätigten Aufwendungen, soweit sie zum Vorteil es Geschäftsherrn fortwirken. Bei
erfolglosen Aufwendungen gebührt kein Ersatz. Der Geschäftsführer muss Rechnung legen, Vorteile
herausgeben und hat eine Fortführungspflicht nach §1039. War die Geschäftsführung nicht zum
klaren und überwiegenden Vorteil des Geschäftsherrn (unnütze Geschäftsführung), bestimmt §1038,
dass der Geschäftsführer zur Wiederherstellung des vorigen Stands verpflichtet ist, Schaden ersetzen
muss, der ohne Einmischung nicht entstanden wäre plus Pflichten des §1039.

Wodurch unterscheidet sich die angewandte Geschäftsführung von der GOA?


Bei der angewandten verzichtet das Gesetz auf den Fremdgeschäftsführungswillen. Das ist der Fall
bei: §366 – unredlicher Besitzer zum Eigentümer, §418 – unredliche Bauführer zum

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Grundeigentümer, §873 Satz 3 – Miteigentümer gegenüber Teilhaber, §1098 – Bestandnehmer


gegenüber Bestandgeber

Wodurch unterscheiden sich unerlaubte und unnütze Geschäftsführung voneinander?


Bei der unerlaubten handelt der Geschäftsführer gegen den ausdrücklichen Willen des
Geschäftsherrn (§1040). Er ist zur Widerherstellung in den vorigen Stand verpflichtet und muss jeden
Schaden ersetzen, der ohne Einmischung nicht entstanden wäre. Ihm gebührt kein Aufwandersatz, er
kann lediglich den gemachten Aufwand in natura zurückfordern, sofern dies möglich ist (ius tollendi).
Bei der unnützen gebührt kein Aufwandersatz, muss in vorigen Stand zurückversetzen, Schaden
ersetzen. Bei beiden besteht keine Fortsetzungspflicht, jedoch eine Rechnungslegungs- und
Herausgabepflicht.

Was versteht man unter Aufopferung?


§1043 – hat jemand in einem Notfall, um einen größeren Schaden von sich und anderen
abzuwenden, ein Eigentum aufgeopfert, so müssen ihm alle, welche darauf Vorteile zogen,
verhältnismäßig entschädigen.
Greift auch ein, wenn eigene Rechtsgüter zur Schadensabwehr eingesetzt werden. Es bedarf keinen
Fremdgeschäftsführungswillen.

7. Sachenrecht
7.1. Grundlagen

Was sind die grundlegenden Prinzipien des Sachenrechts?


Sachenrechte (Dingliche Rechte) wirken absolut, dh sie sind von jedermann zu respektieren. Zum
Unterschied zu anderen absoluten Rechten (ZB Persönlichkeitsrechte) beziehen sich Sachenrecht
immer auf körperliche Sachen. Der Durchsetzung solcher Rechte dienen Herausgabe-, Unterlassungs-
und Beseitigungsansprüche.
Das Sachenrecht knüpft an eine gewisse Publizität (Offenkundigkeit) an. Diese wird bei beweglichen
Sachen durch Besitz, bei unbewegliche Sachen durch Eintragung in das Grundbuch erreicht. Für
Übereignungsakte verlangt das Gesetz einen Titel und Modus.

Unterscheiden Sie absolute und relative Rechte!


Schuldrechte sind bloß relative Rechte, sie bilden ein Rechtsband zwischen zwei Personen, das Dritte
nicht kümmern muss. Das Schuldrecht verleiht ein Recht auf etwas, das Sachenrecht ein Recht AN
etwas. Sie sind unmittelbar wirkende Herrschaftsrechte, die einem an einer Sache zustehen und die
auch dingliche Rechte genannt werden.

Welche Bedeutung hat der Grundsatz nemo plus iure transferre potest quam ipse habet?
„Niemand kann mehr Rechte übertragen, als er selbst hat“ §422. Die Übertragung eines Rechtes setzt
voraus, dass der Vormann das Recht selbst hat oder dass der Vormann vom wirklich Berechtigten
eine Verfügungsermächtigung erhalten hat.

Sind Tiere Sachen?


Nach §285 ist alles eine Sache, was von der Person verschieden ist und zum Gebrauch der Menschen
dient. Tiere sind zwar keine Sache (§285a) die für Sachen geltenden Vorschriften werden aber auf sie
angewendet (schadenersatzrechtliche Ausnahme §1332a). An einem Tier kann man daher Eigentum
haben, es verpfänden etc.

Welche Sachverbindungen kennen Sie? Wie wirken sich die verschiedenen Verbindungen
sachenrechtlich aus?
Einfache Sachen – bestehen aus einem Stück

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zusammengesetzte Sachen – bestehen aus mehreren Bestandteilen (selbständige, unselbständige


Bestandteile)
Unselbständige Bestandteile stehen in einem so engen Zusammenhang mit der Hauptsache, dass ihre
Abtrennung unmöglich oder unwirtschaftlich wäre, weil Bestandteil und Rest wesentlich weniger
wert sind als die ungeteilte Sache. Sie sind sonderrechtsunfähig, sie sind ans Schicksal der
Hauptsache gebunden. Auch der natürliche Zuwachs einer Sache teilt bis zur Abtrennung von der
Muttersache ihr Schicksal. Ausnahme §300: Weinkeller, Tiefgaragen oder Stollen = gesondertes
Eigentum.
Selbständige Bestandteile: Eine Trennung ist wirtschaftlich sinnvoll möglich. Zubehör und
selbständige Bestandteile sind beide sonderrechtsfähig. Haben aber im Zweifel dasselbe rechtliche
Schicksal wie die Hauptsache (§§457, 1047, 1061). Ist die Hauptsache eine Liegenschaft, werden
Zubehör und selbständige Bestandteile wie unbewegliche Sachen behandelt §293

Was bedeutet der Einbau einer Sache als unselbständiger Bestandteil für den Verkäufer?
Unselbstständige Bestandteile haben kein eigenes rechtliches Schicksal, sondern folgen dem der
Hauptsache und sind somit sonderrechtsunfähig. Dh. die eingebaute unselbständige Sache folgt der
Hauptsache bei der Veräußerung.

Welche Sonderregeln gelten für Maschinen?


Maschinen, die mit einer unbeweglichen Sache in Verbindung gebracht werden, gelten nur dann
nicht als Zubehör, wenn im Grundbuch angemerkt wird, dass die nicht dem Liegenschaftseigentümer
gehören (§297a). Durch die Anmerkung kann der Verkäufer, der die Maschine unter
Eigentumsvorbehalt veräußert hat, verhindern, dass die Maschine zum Zubehör wird und damit
Pfandrechte an der Liegenschaft auch die Maschine umfassen. Diese Anmerkung wirkt nur fünf Jahre
ab Eintragung. Unterbleibt die Anmerkung, gilt der Traktor als Zubehör, auch wenn er noch im
vorbehaltenen Eigentum des Verkäufers steht.

Welche Auswirkungen hat der Grundsatz „superficies solo cedit“? Welche Ausnahmen kennen Sie?
Alles, was mit einer Liegenschaft fest verbunden ist, teilt das rechtliche Schicksal der Liegenschaft.
Der verbundene Bestandteil ist sonderrechtsunfähiger Teil der unbeweglichen Sache. Ausnahme
dafür ist §300 – nimmt Räume und Bauwerke, die sich unter der Oberfläche eines fremden
Grundstücks befinden und die damit an sich unselbständige Bestandteile der Liegenschaf wären, mit
Einwilligung des Liegenschaftseigentümers, dass sie gesonderte Eigentum begründen aus. ZB
Weinkeller, Stollen, Tiefgaragen
Superädifikate

Welche Rechtsverhältnisse sind bei der Veräußerung eines Superädifikates zu beachten?


Superädifikate sind Bauwerke, die auf fremden Grund in der Absicht aufgeführt sind, dass sie nicht
stets darauf bleiben sollen (§435).
Das Superädifikat ist eine Baut, die jemand anderen als dem Grundeigentümer gehört und somit
sonderrechtsfähig ist. Notwendig für ein Superädifikat ist die fehlende faktische oder rechtliche
Belassungsabsicht.

7.2. Besitz
Sind Besitz und Eigentum dasselbe? Was meint man, wen man sagt, man besitze ein schönes Haus?
Wer eine Sache mit dem Willen in seiner Macht hat, sie als seinige zu behalten, ist ihr Besitzer §309.
Entscheidend hierfür ist animus und corpus. Die materielle Berechtigung ist hingegen Eigentum.

Im nicht juristischen Bereich verwendet man oft „Besitzer“, meint aber den Eigentümer der Sache.

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Wird der Dieb einer Sache Besitzer?


Man prüft den Besitzwillen (animus), sowie die Gewahrsame der Sache (corpus). Der Dieb hat beides,
er wird Besitzer.

In welchen Formen kann Besitz durch Dritte aufrechterhalten werden?


Man unterscheidet Besitzmittler und Besitzdiener. Der Besitzmittler hat die Sache aufgrund eines
gesetzlichen oder vertraglichen Rechtsverhältnisses für den Besitzer inne. (Mieter, Pächter)
Der Besitzdiener hat sie aufgrund eines Abhängigkeitsverhältnisses für den Besitzer inne
(Arbeitnehmer, Familienangehöriger)

Was ist zu den Besitzverhältnissen einer gemieteten Sache zu sagen?


Der Mieter ist Rechtsbesitzer – er ist bloßer Inhaber der Sache, er hat sie in seiner Macht
(Gewahrsame). Für den Sachbesitz fehlt es dem Inhaber (Mieter) am Willen, die Sache für sich zu
haben.

Schließt Rechtsbesitz Sachbesitz und Buchbesitz aus?


Rechtsbesitz und Sachbesitz schließen einander keinesfalls aus, sondern bestehen häufig
nebeneinander (doppelter Besitz). Der Sachbesitz wird dabei durch den Rechtsbesitz eingeschränkt.
Sach- und Rechtsbesitz nennt man Naturalbesitz. Daneben gibt es auch Buchbesitz (Tabularbesitz),
der durch Eintragung im Grundbuch erworben wird (§321). Der Buchbesitzer genießt als solchen
keinen Besitzschutz, weil mit der Eintragung ins Grundbuch keine faktische Verfügungsmacht
verbunden ist. Meist werden Buch- und Naturalbesitz aber identisch sein (also schließen sie sich nicht
aus).

Wie wird Besitz erworben?


Durch animus und corpus. Animus ist der Wille, eine Sache für sich zu haben. §314 unterscheidet die
verschiedenen Arten des Besitzerwerbs. Für die Gewahrsame wird nach dem gesetzlichen
Grundmodell bei beweglichen Sachen durch die körperliche Übergabe verschafft (§426). Das Gesetz
spricht von einer Übergabe von Hand zu Hand, es reicht aber die Verschaffung von Sachherrschaft.
Das Gesetz sieht also Übergabesurrogante vor, die eine körperliche Übergabe ersparen: Übergabe
durch Zeichen (§427), Übergabe durch Erklärung (§428), Versendung (§429).
Rechtsbesitz wird dadurch erworben, dass jemand gegenüber einem anderen ein Recht im eigenen
Namen wirklich ausübt und der andere sich dementsprechend verhält. Ob das Recht wirklich besteht,
ist nicht entscheidend.

Wie unterscheiden sich Übergabe durch Zeichen, Erklärung und Versendung voneinander?
Die Übergabe durch Zeichen ist nur subsidiär, sie ist nur bei Sachen zulässig, bei denen die
körperliche Übergabe untunlich oder unmöglich ist (Warenlager).
Bei der Übergabe durch Erklärung sollen unnötige Hin- und Herverschiebungen vermieden werden.
Man unterscheidet:

- Übergabe kurzer Hand (traditio brevi manu)  Die Sache ist schon beim Erwerber, er war
bisher nur nicht Besitzer, sondern hatte die Sache ohne Besitzwillen inne
- (constitututm possessorium)  Der frühere Besitzer will seinen Besitz aufgeben, aber die
Sache weiter innehaben
- Besitzanweisung  Die Sache ist bei einem Dritten, bei dem sie auch nach Besitzerwechsel
bleiben soll

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Bei der Versendung erwirbt der Erwerber Besitz und Eigentum schon im Zeitpunkt der Übergabe an
den Transporteur, wenn eine vereinbarte oder verkehrsübliche Versendungsart gewählt wurde
(Ausnahme KSchG).

Wann besitzt man rechtmäßig, wenn redlich und echt?


Rechtmäßig besitzt man, wenn man einen gültigen Titel für seinen Besitz hat (§316). Redlich besitzt,
wer aus wahrscheinlichen gründen glauben darf, dass er zum Besitz (va als Eigentümer) berechtigt
ist, also glaubt und glauben darf, dass er zum Besitz berechtigt ist.
Echt besitzt, wer nicht durch Gewalt, List, Heimlichkeit oder Bitte erworben hat.

Welche Bedeutung hat der rechtliche Besitz?


Wer rechtmäßig, redlich und echt besitzt, ist qualifizierter Besitzer (rechtlicher Besitzer). Der
rechtliche Besitzer hat eine bereits geschützte Rechtsposition, er ist werdender Eigentümer, da er die
Sache ersitzen kann. Er hat die actio publiciana (§372), mit der er gegenüber schlechter Berechtigten
durchdringt.

Wird der Finder einer Sache ihr Besitzer? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wovon hängt es ab?
Ob der Finder Besitzer wird, hängt davon ab, ob er animus und corpus hat. Corpus hat er wohl
jedenfalls, ist er auch willig, die Sache für sich zu haben, hat er auch animus und wird Besitzer.

Unter welchen Voraussetzungen steht die Besitzstörungsklage zu?


Die Besitzstörungsklage (possesorischesn Verfahren) steht unabhängig vom qualifizierten Besitz zu.
Echtheit wird vermutet. Der Kläger muss den letzten Besitzstand und die Störung beweisen – auf eine
Qualifikation kommt es ebenso wenig an wie auf Verschulden des Störers – Im Verhältnis zu Dritten
genießt auch der unechte Besitzer Schutz (§339).
Tatbestand: die eigenmächtige Störung oder Entziehung des Besitzes

Was kann der Kläger mit der Besitzstörungsklage verlangen?


Feststellung der erfolgten Störung, Unterlassung weiterer Störungen und die Wiederherstellung des
letzten Besitzstandes

Erläutern Sie die Voraussetzungen der actio Publiciana?


Die a.p. schützt den rechtlichen Besitzer (qualifizierten Besitzer). Er kann die Sache von jedem nicht
oder schlechter Berechtigten Besitzer herausverlangen (§372). Fehlt nur eine der Voraussetzungen,
wird die Klage abgewiesen.

Aus welchen Gründen wird sich ein Eigentümer auf die actio Publiciana berufen wollen?
Die a.p. ähnelt der Eigentumsklage, verlangt aber nicht den Beweis des Eigentums des Klägers,
sondern nur das bessere Besitzrecht. Gerade bei der Eigentumsklage wird es oft schwierig sein zu
beweisen, dass der Vormann Eigentümer war (probatio diabolica). Daher ist es unkomplizierter.

Kann ein Finder, der entschließt die gefundene Sache nicht abzugeben, Besitzschutz in Anspruch
nehmen?
Der Besitzschutz steht unabhängig von der Qualifikation des Besitzes zu. Auch der unredliche,
unrechtmäßige und unechte Besitzer genießt in einem gewissen Umfang Besitzschutz. Allerdings
kann sich der unechte Besitzer bei dem Besitzstörungsverfahren gegenüber dem früheren Besitzer,
der sich die Sache zurückholt, nicht auf eine Besitzstörung berufen. Der früherer Besitzer hätte die
Einrede der Unechtheit.

Setzen Sie Unterlassungsansprüche, Wiederherstellungsansprüche und Schadenersatzansprüche


bei Besitzstörungen zueinander in Beziehung!

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Schadenersatz kann im Besitzstörungsverfahren nicht zugesprochen werden. Solche Ansprüche


können nur in einem regulären (also nicht possesorischen, sondern petitorischen) Verfahren
aufgrund der Verletzung einer materiell bestehenden Rechtsposition geltend gemacht werden.

Was ist der unmittelbare Anwendungsbereich der actio Publiciana? Welche Bedeutung hat ihre
analoge Anwendung?
Nach verbreiteter Auffassung steht die a.p. auch bloß obligatorisch berechtigten Sachinhabern
(Rechtsbesitzern) zu. Die wichtigsten Anwendungsfälle sind der außerbücherliche Erwerber einer
verbücherten Liegenschaften der Vorbehaltskäufer und der Bestandnehmer.
Die Genannten können in analoger Anwendung nicht nur in analoger Anwendung des §372 nicht nur
die betreffende Sache von einem Dritten herausverlangen, sondern bei Verletzung ihrer Position
durch Dritte auch SE- und Bereicherungsansprüche geltend machen.

Was muss der Beklagte beweisen, damit die actio Publiciana abgewiesen wird?
Er muss beweisen, dass er besser zum Besitz qualifiziert ist als der Kläger. Sind beide dreifach
qualifiziert, kommt es darauf wen, wessen Besitz weniger schutzbedürftig ist. Dabei spielt ZB die
Person des Vormanns eine Rolle (§373). Kann auch der Beklagte keinen oder nur einen verdächtigen
Vormann angeben, verliert er. Auch die Entgeltlichkeit ist ein Kriterium.
Sind beide gleich qualifiziert, entscheidet die tatsächliche Gewahrsame über den Prozessausgang.

7.3. Eigentum
Was sind die Sonderformen der Besitzstörungsklage?
Eine Sonderform ist die Bauverbotsklage (§340 f.) Der Besitzer einer unbeweglichen Sache oder eines
dinglichen Rechts an einer Liegenschaft hat schon bei bloßer Gefährdung seines Besitzes durch
Bauführung ein Klagerecht. Es handelt sich um einen Fall der vorbeugenden Unterlassungsklage.

Welche Einschränkungen seines Rechts hat sich der Eigentümer gefallen zu lassen?
gesetzliche und privatautonom vereinbarte Schranken. Falle solche Beschränkungen wieder weg,
dehnt sich das Eigentum wieder aus – man spricht von Elastizität des Eigentums

Was kann der Eigentümer einer rei vindicatio verlangen?


Herausgabe einer Sache oder die Räumung einer Liegenschaft. Sie richtet sich auch auf Herausgabe
der Sache samt Zuwachs.

Welche Ansprüche können mit der Eigentumsklage konkurrieren?


Besitzstörung, actio publiciana, Bereicherungsanspüche, Schadenersatz

Welche Abwehransprüche gewährt die Eigentumsfreiheitsklage verschuldensunabhängig? Was


stünde bei einem Verschulden des Beklagten (noch) zu?
Die actio negatoria (Eigentumsfreiheitsklage) bezieht sich auf sonstige Störungen. Sie richtet sich auf
Unterlassung weiterer Störungen und Wiederherstellung des Zustandes vor der Störung
(Beseitigung).
Verlangt werden kann nur, dass sich der andere aus dem Rechtskreis des Eigentümers zurückzieht.
Verschulden ist nicht nötig. Bei Verschulden besteht allerdings auch immer neben dem
sachenrechtlichen Ansprüchen Schadenersatzansprüche.

Was kann der Eigentümer tun, wenn der Inhaber der Sache die Sacher zerstört hat?
Wird eine rei vindicatio wegen Sachuntergangs unmöglich, kann der Eigentümer mit
Bereicherungsansprüchen oder Schadenersatz Wertersatz verlangen (§§, 417, 1437, 1323)

Welche Immissionen muss man dulden?


Niemals dulden muss man unmittelbare Zuleitungen, grobkörperliche Einwirkungen und

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gesundheitsgefährdende Einwirkungen. Bei allen anderen Immissionen kommt es zu einer


Abwägung: Sie sind unzulässig, wenn sie das ortsübliche Maß überschreiten und dadurch die
ortsübliche Nutzung der Liegenschaft wesentlich beeinträchtigt wird (§364). Zu dulden hat der
Eigentümer also alle ortsüblichen Immissionen sowie solche, die die Nutzung seiner Liegenschaft
nicht wesentlich beeinträchtigen.
Seit einigen Jahren verbietet das Gesetz auch bestimmte negative Immissionen: Licht und Luft.
Sonderregelung gibt es für genehmigte Anlagen. Sie sind vom Eigentümer auch dann zu dulden,
wenn sie das ortsübliche Maß überschreiten, solange sie sich in Grenzen der Genehmigung halten
(Ausgleichsanspruch des Eigentümers).

Welche Bedeutung kann eine Betriebsanlagengenehmigung im Nachbarrecht haben?


Dem Eigentümer wird der Anspruch auf Unterlassung ortsüblicher Immissionen genommen, er
bekommt allerdings als Entschädigung für diese Eigentumsbeschränkung einen Ausgleichsanspruch
gegen den Anlagebetreiber. Setzt kein Verschulden noch Rechtswidrigkeit voraus.

Was sind negative Immissionen?


der Entzug von Luft und Licht (§364): Maßstab ist höher als bei den herkömmlichen Immissionen 
Überschreitung des ortsüblichen Maßes, unzumutbare Einschränkung der Nutzung (sonst:
wesentliche Beeinträchtigung der ortsüblichen Nutzung)
Vor gerichtlicher Klage müssen außerdem Einigung (Schlichtungsstelle, Mediator, Gericht) versucht
worden sein.

Wodurch unterscheidet sich schlichtes Miteigentum von real geteiltem Eigentum, wodurch von
Gesamthandeigentum?
Beim real geteilten Eigentum gehört jedem Miteigentümer ein realer Teil an der Sache (Zb. Auto –
linke und rechte Hälfte). Kann nach österreichischem Recht aber nicht begründet werden, rechtlich
nicht möglich. Früher schon (wenn das der Fall ist kann sie auch weiterhin bestehen).
Bei schlichtem Miteigentum (gemeinschaftliches Eigentum, Miteigentum nach Bruchteilen) gehört
jedem Miteigentümer ein ideeller Anteil an der Sache. Das Recht ist geteilt, die Sache nicht (§825 ff.).
Gehört eine Sache also mehreren Personen, steht sie dem Konzept des ABGB im schlichten
Miteigentum.
Beim Gesamthandeigentum ist die Sache weder real geteilt, noch besteht ein ideeller Anteil an ihr.
Alles gehört allen. Das ist üblich bei Personengesellschaften. Das ABGB kennt aber kein
Gesamthandeigentum.

Wie kann schlichtes Eigentum entstehen?


Entweder durch einen Vertrag, das Gesetz oder einer letztwilligen Verfügung.

Grenzen Sie ordentliche von außerordentlicher Verwaltung ab!


Verwaltung = Maßnahmen zur Erhaltung oder zur Verbesserung der gemeinschaftlichen Sache.
ordentliche  notwendige und zweckmäßige Maßnahmen, die den Interessen aller Miteigentümer
dienen und mit keinen besonderen Kosten verbunden sind. Es entscheidet die Mehrheit der Stimmen
(nach Anteilen). Alle Miteigentümer müssen jedoch im Vorhinein rechtzeitig verständigt werden.
außerordentliche  besonders wichtige Veränderungen, alle Verwaltungsmaßnahmen, die nicht
unter die ordentliche Verwaltung fallen (schwerwiegende faktische Eingriffe, außergewöhnliche
Geschäfte und relevante Änderungen des wirtschaftlichen Zwecks). Einstimmigkeitsprinzip.
Ansonsten komplizierte Regelung der §§834 f.

Welche Besonderheiten gegenüber den allgemeinen Regeln enthält das WEG?


Die Besonderheit besteht darin, dass Wohnungseigentümer von vorherein ein ausschließliches
Nutzungsrecht an einem Wohnungseigentumsobjekt haben. Es gilt also kein Alleineigentum an der
Eigentumswohnung. Der Wohnungseigentümer ist also Miteigentümer der ganzen Liegenschaft und

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erhält ein dingliches Nutzungs- und Verfügungsrecht an bestimmten Räumlichkeiten. Besonderheiten


in der Verwaltung.

Was ist eine Eigentümergemeinschaft?


Als Ausfluss des ausschließlichen Rechts an der eigenen Wohnung ist der Wohnungseigentümer
allein berechtigt, die eigene Wohnung zu verwalten. Soweit es die allgemeinen Teile der Liegenschaft
betrifft, sind die Wohnungseigentümer zur Eigentümergemeinschaft zusammengefasst. Die
Eigentümergemeinschaft ist eine auf Angelegenheiten der Verwaltung beschränkte juristische Person
(§18 WEG). Es handelt sich also um eine Rechtsperson mit beschränkter Rechtsfähigkeit, was im
Privatrecht unüblich ist.

Erklären Sie die Rechtsstellung des Verwalters der Eigentümergemeinschaft!


Die Eigentümergemeinschaft wird durch die Mehrheit der Wohnungseigentümer oder (idP üblich)
durch einen Verwalter vertreten, wenn ein solcher bestellt ist.
Der Verwalter hat eine Formalvollmacht für Angelegenheiten der Verwaltung.

Was versteht man unter dem Prinzip der kausalen Tradition? Kann man sagen, dass die
sachenrechtlich ex nunc wirkende Vertragsauflösung eine Ausnahme von diesem Prinzip ist?
Derivativer Eigentumserwerb setzt voraus: Titel, Modus, Berechtigung des Vormanns.
Das Erfordernis des gültigen Titels für den Erwerb eines dinglichen Recht nennt man Prinzip der
kausalen Tradition. Wird ein Vertrag sachenrechtlich ex-tunc beseitigt, wird davon ausgegangen, dass
er nie existiert hat. Eigentum ist daher nie übergegangen.
Bei der ex-nunc Beseitigung, bleibt eine darauf basierende Übereignung wirksam, sie muss erst durch
Rückübertragung rückgängig gemacht werden (Leistungskondiktion).

Welche Voraussetzungen bestehen für den Eigentumserwerb nach §367?


Fehlt ein berechtigter Vormann, kommt ein derivativer Eigentumserwerb nicht in Frage. Ein
originärer ist unter Umständen möglich. Ein Gutglaubenserwerb ist möglich, wenn ein: entgeltliches,
gültiges Titelgeschäft, über eine bewegliche körperliche Sache vorliegt, die bereits übergeben wurde,
kann ein gutgläubiger (redlicher) Erwerber bei Vorliegen eines der folgenden Tatbestände originär
Eigentum erwerben:
Erwerb in einer öffentlichen Versteigerung
Erwerb vom Unternehmer im gewöhnlichen Betrieb seines Unternehmens
Erwerb vom Vertrauensmann

Wie könnte ein Käufer Eigentum erwerben, wenn der Kaufvertrag über die Liegenschaft wegen
Dissens ungültig war?
Da der Titel fehlt, scheidet der derivative Erwerb aus. §367 scheidet auch aus, da dieser nur auf
bewegliche Sachen anwendbar ist. Ein gutgläubiger Erwerb im Vertrauen auf das Grundbuch setzt
eine Grundbuchseintragung voraus, die falsch ist.
Man unterscheidet:
War die Eintragung auf die der Erwerber vertraut, ursprünglich richtig, so erwirbt der gutgläubige
Dritte sofort mit Eintragung, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind (§1500)
Auch ein Erwerb im Vertrauen auf eine ursprüngliche unrichtige Eintragung kommt in Betracht. In
diesen Fällen kann es aber sein, dass der wirklich Berechtigte besonders schützenswert ist.

Worin liegt der Unterscheid zwischen den Regeln über die Vermengung nach §414 ff und §371?
Werden ununterscheidbare Sachen verschiedener Eigentümer miteinander vermengt, erhalten alle
Eigentümer Miteigentum (Quantitätseigentum) an der Gesamtsache (§414 ff).
Vermengt jemand seine Sache mit einer fremden und sind die Anteile nicht mehr feststellbar, erwirbt
der Vermengende Alleineigentum (§371).

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Wie lange dauert die Ersitzungsfrist?


bei beweglichen Sachen:
- 3 Jahre, wenn ein Titel für den Rechtserwerb vorhanden ist (qualifizierter Besitz): (eigentliche
Ersitzung, §1466)
- 6 Jahre, wenn zwar ein Titel vorhanden ist, der Vormann aber unecht oder unredlich ist (§1476)
- 30 Jahre, wenn ein Titel fehlt (uneigentliche Ersitzung, nur redlich, §1477)
bei unbeweglichen Sachen stets 30 Jahre.
Umstritten ist ob die Echtheit Voraussetzung der Ersitzung ist.

Wie wird das Prinzip superficies solo cedit beim Bau verwirklicht?
fremdes Material, eigener Grund – Grundeigentümer erwirbt originär, hat Ersatz des Materials zu
leisten §417
eigenes Material, fremder Grund – Eigentümer des Grundes wird Eigentümer des Bauwerks.
Allerdings Fall des Grenzüberbaus nach §414 ff: außerbücherliche Miteigentum am Gebäude und an
der verbauten Fläche.
Bei geringen Überbauten §416 analog: Bauführer wird Alleineigentümer am Bauwerk und am
überbauten Grund und muss dem enteigneten Nachbarn Ersatz leisten. Grundsatz superficies solo
cedit kann nicht durch Vereinbarungen umgangen werden.

Worin liegt der Unterschied zwischen Fund, Schatz und Zueignung?


Zueignung = Okkupation §381 – Besitzergreifung an einer herrenlosen Sache mit dem Willen, daran
Eigentum zu erwerben,
Fund = keine herrenlose, sondern eine verlorene oder vergessene Sache an sich, ist das Fundrecht
anwendbar (§§381 ff.)
Schatz = wertvolle herrenlose Sache, es entsteht zur Hälfte Miteigentum des Entdeckers und
Grundeigentümer (§§398, 399)

Erläutern Sie den wirtschaftlichen Hintergrund des Eigentumsvorbehaltes!


Der Verkäufer geht beim wirtschaftlich bedeutenden Kreditkauf ein hohes Risiko ein, da der Käufer
nach §1063 schon mit Übergabe Eigentum erwirbt. Da er beim Kreditkauf jedoch erst später, oder in
Raten zahlt, verliert der Verkäufer sein absolutes Recht daran und erwirbt ein schwaches relatives
Rech, das bei Insolvenz des Käufers gekürzt wird. Dieses Problem der dispositiven Regel, dass der
Eigentumserwerb auch bei Kreditierung mit der Übergabe stattfinden soll, durch Vereinbarung
abzuwählen. Durch den Eigentumsvorbehalt wird vereinbart, dass Eigentum erst mit vollständiger
Kaufpreiszahlung übergehen soll.

Was ist ein weitergeleiteter, ein verlängerter, ein nachgeschalteter Eigentumsvorbehalt?


Die Veräußerung der Anwartschaft wird weitergeleiteter Eigentumsvorbehalt genannt, obwohl nicht
das Eigentum weitergeleitet wird, sondern der Vorbehaltskäufer leitet sein erworbenes
Anwartschaftsrecht an einen Dritten weiter. Nachteil ist, dass der Eigentumserwerb beim Dritten
dann von der Kaufpreiszahlung des Vorbehaltskäufers abhängt (praktisch geringe Bedeutung).
Häufig gestattet der Vorbehaltsverkäufer dem Vorbehaltskäufer daher, die Sache im eigenen Namen
weiterzuveräußern und Eigentum zu übertragen (durch Verfügungsermächtigung unproblematisch).
Zweite Käufer erwirbt dadurch derivativ Eigentum. Häufig geht eine solche Ermächtigung unter der
Bedingung ein, dass eine Ersatzsicherheit für die Aufgabe des Eigentumsvorbehalts eingehen muss
(VA publizitätsbedürftige! Sicherheitsabtretung der aus dem Weiterverkauf resultierenden
Forderung) (=Verlängerter Eigentumsvorbehalt).
Behält sich der Eigentümer gegenüber dem sein Eigentum vor, existieren zwei Eigentumsvorbehalte.
Wird der Eigentümer befriedigt, erhält der erste Vorbehaltskäufer ein belastetes Eigentum durch das
Anwartschaftsrecht des Zweitkäufers. Bezahlt dieser hingegen zuerst, erlangt er das Vollrecht

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(derivativ durch Verfügungsermächtigung Eigentum erworben) = nachgeschalteter


Eigentumsvorbehalt

Welche Rolle spielt die Verfügungsermächtigung beim verlängerten Eigentumsvorbehalt?


Durch die Verfügungsermächtigung des Eigentümers an den Vorbehaltskäufer, kann dieser
problemlos Eigentum an den Dritten übertragen.

7.4. Grundbuch
Was ist das Grundbuch?
Das Grundbuch ist ein öffentliches Register, in dem alle Grundstücke und die an ihnen bestehenden
dinglichen Rechte eingetragen sind. Die relevanten Bestimmungen dazu befinden sich im ABGB,
Grundbuchgesetz und mehreren Nebengesetzen.

Welche Funktion hat die Einverleibung im Grundbuch?


Die Eintragung im Grundbuch übernimmt bei Liegenschaften weitgehend die Funktion des Besitzes
bei beweglichen Sachen. Zudem ist die Einverleibung ein Indiz für die tatsächlich Bestehende
Berechtigung. Bei Liegenschaften ist die Einverleibung Rechtsschein für das Eigentum.

Welche Bedeutung hat die Grundbuchsmappe?


Das Grundbuch besteht aus Hauptbuch und Urkundensammlung. Es wird elektronisch geführt.
Daneben gibt es noch Hilfseinrichtungen, die nicht Bestandteil des Grundbuchs sind. Dazu gehört die
Grundbuchsmappe. Das ist eine Landkarte, auf der die Lage der Grundstücke ersichtlich ist. Das
Vertrauen auf die dort eingezeichneten Grenzen ist aber nicht geschützt.

Wie ist das Grundbuch aufgebaut?


Österreich besteht im Grundbuch aus verschiedenen Katastralgemeinden (KG). Meistens bilden
mehrere KG eine politische Gemeinde (Wien). Innerhalb der KG gibt es Grundbuchseinlagen, die mit
einer Einlagezahl bezeichnet werden. Die Grundbuchseinlage kann eine oder mehrere Liegenschaften
enthalten, die auch als Grundbuchskörper bezeichnet werden. Weil die Einlage jeweils für einzelne
Liegenschaften errichtet wird, spricht man von Realfoliensystem.
Jede Grundbuchseinlage ist dreigeteilt, sie besteht aus:
- Grundbestandsblatt (A-Blatt)
- Eigentumsblatt (B-Blatt) und
- Lastenblatt (C-Blatt)

Welche sind die Prinzipien des Grundbuchsrechts? Was besagen sie?


Die wichtigsten Prinzipien sind:
- Öffentlichkeitsgrundsatz  jedermann kann ins Grundbuch Einsicht nehmen und so Auskunft über
die Rechtsverhältnisse an Liegenschaften erhalten.
- Eintragungsgrundsatz  besagt, dass der Modus für Erwerb, Eintragung, Beschränkung oder
Aufhebung bücherlicher Rechte ausschließlich die Eintragung im Grundbuch ist (§431): körperliche
Übergabe genügt nicht.
- Prinzip des bücherlichen Vormanns  Eintragungen sind nur gegen den Zulässig, der zur Zeit des
Ansuchens als Eigentümer der Liegenschaft oder Inhaber eines sonstigen bücherlichen Rechts, an
den Veränderungen erfolgen sollen, im Grundbuch aufscheint oder zumindest gleichzeitig
eingetragen oder vorgemerkt wird (§21 GBG)
- Vertrauensgrundsatz  Man kann sich auf die Richtigkeit und Vollständigkeit des Grundbuchs
verlassen
- Prioritätsgrundsatz  Wer zuerst kommt, mahlt zuerst
- Spezialitätsprinzip  Bücherliche Rechte können nur an bestimmten Grundbuchskörpern
begründet werden

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- Antragsprinzip  Grundbuchseintragungen erfolgen idR nur auf Antrag. Daher wird auch das
Antragsprinzip als weiteres Prinzip des Grundbuchs angeführt
- Legalitätsprinzip  Wird ein Antrag gestellt, hat das Grundbuchsgericht die Voraussetzungen für
eine bücherliche Eintragung allerdings von Amts wegen und umfassend zu prüfen.

Was ist die materielle, was die formelle Seite des Öffentlichkeitsgrundsatzes?
Die formelle Seite des Öffentlichkeitsgrundsatzes ist, dass jedermann Einsicht nehmen und so
Auskunft erhalten kann, sog. Formelles Publizitätsprinzip. Das materielle Publizitätsprinzip ist der
Vertrauensgrundsatz, der besagt, dass man sich auf die Richtigkeit und Vollständigkeit des
Grundbuches verlassen kann.

Welchen Zweck hat die Anmerkung der Rangordnung?


Das Institut der Anmerkung der Rangordnung (§§53 ff.)
Die Anmerkung der Rangordnung dient der Sicherung des bücherlichen Ranges für eine beabsichtigte
Veräußerung oder Verpfändung während der Dauer eines Jahres ab dem Tage der Bewilligung des
Antrages. Das Gericht stellt einen Rangordnungsbeschluss in einfacher Ausfertigung aus. Wer diesen
in Händen hat ist gegen Verfügungen der (noch) Liegenschaftseigentümerin/des (noch)
Liegenschaftseigentümers abgesichert, sofern sie/er innerhalb der Wirkungsfrist der Rangordnung
sein Recht eintragen lässt.

Was ermöglicht die Sprungeintragung?


Das Gesetz sieht teilweise Abkürzungen vom Prinzip des bücherlichen Vormanns vor: Das ist der Fall,
wenn der eingetragene A die Liegenschaft an B und diese an C weiterverkauft. In diesem Fall kann C
sofort eine Eintragung erwirken, auch wenn B nicht im Grundbuch eingetragen war (§22 GBG). Dies
wird Sprungeintragung oder bücherliches Streckengeschäft genannt.

Welche Eintragungen im Grundbuch kennen Sie?


Nach §8 GBG gibt es 3 verschiedene Eintragungsarten:
- Einverleibung  bewirkt den unbedingten Rechtserwerb oder Rechtsverlust. Nach §9 GBG können
nur einverleibt werden: dingliche Rechte, Wiederkaufsrecht und Vorkaufsrecht sowie Bestandrechte.
- Vormerkung
- Anmerkung

Was ist eine Aufsandungserklärung? Muss sie der Verkäufer oder der Käufer einer Liegenschaft
abgeben?
Für die Einverleibung ist nötig die Urkunde über das Erwerbsgeschäft und eine
Aufsandungserklärung. Das ist eine Erklärung des derzeit Berechtigten, dass er damit einverstanden
ist, dass sein Recht übertragen, beschränkt, belastet oder aufgehoben wird. Sie ist also üblicherweise
vom Verkäufer abzugeben.

Was sind verbücherungsfähige Urkunden?


Einverleibung wird bei Gericht beantragt und darf nur bewilligt wären, wenn eine
einverleibungsfähige Urkunde vorgelegt wird. Tauglich sind öffentliche Urkunden (Einantwortung,
vollstreckbare Vergleiche) und bestimmte Privaturkunden, bei denen jedoch die Unterschriften der
Vertragsparteien gerichtlich oder notariell beglaubigt sein müssen.

Ist ein mündlicher Kaufvertrag über eine Liegenschaft wirksam?


Der Vertrag ist gültig, jedoch ohne einverleibungsfähige Urkunde kann der Vertrag nicht
grundbücherlich durchgeführt werden. Weigert sich der Verkäufer so eine Urkunde auszustellen,
kann B ihn darauf klagen.

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Welchen Vorteil bietet eine Vormerkung?


Die Vormerkung führt nicht zu einem sofortigen, sondern zu einem bedingten Rechtserwerb oder
Rechtsverlust. Die Eintragung ist bedingt, nicht das Recht. Meist kommt es zu einer Vormerkung,
wenn zwar eine Urkunde über das Rechtsgeschäft existiert, jedoch die besonderen Erfordernisse für
eine Einverleibung noch nicht vorliegen (nicht beglaubigt etc.): Die Bedeutung der Vormerkung liegt
darin, dass dadurch der Rang des Vorgemerkten gewahrt uns so verhindert wird, dass Dritte Rechte
erwerben, die in seine Rechtsstellung eingreifen.

Welche Rechtsfolgen hat eine Streitanmerkung? Kann sie in einem Verfahren auf Übereignung der
Liegenschaft aus einem Kaufvertrag beantragt werden?
Die Anmerkung hat als solche nichts mit Rechtserwerb oder Rechtsverlust zu tun. Sie dient entweder
der Ersichtlichmachung bestimmter rechtserheblicher Tatsachen oder bewirkt besondere
Rechtsfolgen. Durch die Ersichtlichmachung soll der Rechtsverkehr geschützt werden.
Besondere Rechtsfolgen bewirkt die Streitanmerkung (§§ 61 ff. GBG). Sie kann während eines
laufenden Rechtsstreits über die Löschung eines bücherlich Eingetragenen begehrt werden und
bewirkt, dass ein dem Klagebegehren stattgegebenes Urteil auch gegen alle Dritte wirkt, die in der
Zwischenzeit bücherliche Rechte an der Liegenschaft erworben haben.

7.5. Pfandrecht
Was ist ein Pfandrecht? Wodurch unterscheidet sich die Haftung eines Drittpfandbestellers von der
Bürgenhaftung?
Pfandrecht ist das Recht, sich aus einer Sache zu befriedigen, wenn eine bestimmte Forderung bei
Fälligkeit nicht bezahlt wird (§477). Bei der Bürgschaft hat der Gläubiger bloß eine weitere
Personalhaftung, welche bei der Insolvenz den Bürgen wieder gekürzt werden würde. Die größte
Sicherheit hat der Gläubiger daher, wenn er eine ganz bestimmte Sache zu seiner Befriedigung
reserviert. Pfandbesteller kann entweder der Personalschuldner oder ein Dritter (Drittpfandbesteller)
sein. Der Drittpfandbesteller haftet dem Gläubiger daher nicht mit seinem ganzen Vermögen
(persönlich), sondern nur mit der Pfandsache.

Welche Prinzipien des Pfandrechts kennen sie?


Das Pfandrecht ist durch 4 Prinzipien geprägt:
- Akzessorietät (ohne Forderung, kein Pfandrecht)
- Recht an fremder Sache (kein Pfandrecht an eigenen Sachen)
- Spezialität (keine Generalhypothek, Pfandrechte kann man nur an einzelnen Gegenständen des
Vermögens begründen)
- Ungeteilte Pfandhaftung (Pfandrecht bleibt an der ganzen Sache aufrecht, solange die Forderung
nicht bezahlt ist)

Was kann alles Pfandobjekt sein?


§448 – jede Sache die im Verkehr steht. Nur solche Sachen, die verwertbar sind. An beweglichen und
unbeweglichen, körperlichen oder unkörperlichen Sachen (Zb. Immaterialgüter, Forderungsrechte,
Bestandrechte usw.).

Erklären Sie die Funktion des Pfandrechts in der Insolvenz. Wodurch unterscheiden sich das durch
das Pfandrecht bestehende Absonderungsrecht von Aussonderungsrechten?
Das Pfandrecht ist ein (beschränktes) dingliches Recht und daher absolutes Recht. Als absolutes
Recht wird es bei der Insolvenz nicht gekürzt. Seine Forderung wird aus der Pfandsache voll
befriedigt (Absonderungsrecht).

Wie erwirbt man ein Pfandrecht?


Durch Titel und Modus. Titel ist der Pfandbestellungsvertrag (§449). Modus ist nach §451 – die

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Übergabe der Sache bzw. muss der Gläubiger die Sache, wenn sie beweglich ist „in Verwahrung
nehmen“. Es gilt das Faustpfandprinzip bei beweglichen Sachen. Bei unbeweglichen Sachen kann die
Verpfändung nur durch eine Eintragung der Hypothek im Grundbuch erfolgen.

Welche Bedeutung hat die Publizität im Pfandrecht


Das Prinzip, dass das Pfand nicht beim Pfandschuldner sein darf soll potenzielle Gläubiger schützen.
Sie sollen nicht auf eine falsche Vermögenslage des Pfandbestellers vertrauen.

Was ist zur Übergabe durch Erklärung beim Pfandrecht zu sagen?


ausnahmsweise, wenn eine körperliche Übergabe nicht möglich oder nicht zulässig ist, kann eine
symbolische Übergabe durch Zeichen erfolgen. Aus diesen Zeichen muss jedermann die Verpfändung
leicht erkennbar sein (§452). Das Pfand verbleibt dabei ausnahmsweise beim Pfandschuldner, das
Vertrauen Dritter wird aber durch die Zeichen zerstört. Die HA lässt die Übergabe durch Zeichen VA
bei großen Warenlagern oder sehr großen Maschinen durch die Anbringung von Schuldnern zu: Der
OGH verlangt bei Warenlagern zusätzlich, dass dem Pfandschuldner der Zugang entzogen wird.

Welche Probleme stellen sich bei Forderungen im Zusammenhang mit Publizität?


Schwierig ist die Publizität bei Forderungen: Hier kommt grundsätzlich die
Drittschuldnerverständigung in Frage. Der Drittschuldner wird davon verständigt, dass die Forderung
gegen ihn nun verpfändet ist.

Was ist zur Stärke des Publizitätsprinzips im österreichischen Recht zu sagen?


Das Publizitätsprinzip wird in Österreich nicht sehr konsequent durchgehalten, was aber im
Wirtschaftsleben unvermeidlich ist. Wer einen Sportwagen unter Eigentumsvorbehalt hat, kann
damit herumfahren und den Eindruck erwecken, er wäre Eigentümer. Gehört der Wagen tatsächlich
ihm und verpfändet er ihn, darf er ihn wegen des Faustpfandprinzips nicht bei sich haben 
inkonsequent.

Wie werden bewegliche Sachen verpfändet?


Bewegliche Sachen sind dem Pfandgläubiger körperlich zu übergeben  Faustpfandprinzip

Welche Probleme stellen sich durch das Faustpfandprinzip?


Dadurch, dass die Sache nicht beim Schuldner sein darf, kann er keine wirtschaftlichen Erträge
daraus erzielen womit er wiederum seine Verbindlichkeit tilgen könnte. Man überlegt daher die
Einführung eines Pfandregisters, das die körperliche Übergabe ersetzen soll.

Welche Rechte hat der Pfandgläubiger vor, welche nach Fälligkeit?


VORHER: Pfandgläubiger hat die Sache sorgfältig zu verwahren, darf keine Früchte daraus ziehen und
sie ohne Erlaubnis nicht benutzen. Bei Untergang oder Verschlechterung kann er unter Umständen
ein Ersatzpfand verlangen. Er kann die Pfandsache (sein absolutes Recht) von jedem Dritten
herausverlangen, der kein Recht zum Besitz hat (Pfandklage) und die Unterlassung von faktischen
oder rechtlichen Einwirkungen auf das Pfand verlangen (Devastationsklage).
NACHHER: Bei Pfandreife (trotz Fälligkeit wurde die Forderung nicht bezahlt) kann er die Sachhaftung
in Anspruch nehmen und das Pfand verwerten lassen. Eine Verwertung vor Fälligkeit ist nicht zulässig
(Ausnahme, wenn verderben oder an Wert verlieren würde)

Wie wird der Erlös verteilt, wenn die Pfandsache mehreren Personen verpfändet wurde? Worauf
kommt es an?
Reicht der Erlös für alle Forderungen, ist das unproblematisch. Ist das nicht der Fall, ist der Pfandrang
maßgebend: prior tempore prior iure -> es kommt auf den Zeitpunkt der Begründung des
Pfandrechts an. Bei Liegenschaften auf die Grundbuchseintragung.

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Was ist eine Einlösung? Wer hat warum ein Interesse an ihr?
Ein nachrangiger Pfandgläubiger der sich bei späterer Verwertung einen höheren Erlös erwartet, hat
ein Einlösungsrecht (ius offerendi, §462).

Welchen Vorteil haben Teilschuldverschreibungen bei großen Finanzierungen?


Hier ist der aus dem Papier Berechtigte nicht Gläubiger der Gesamtdarlehensforderung, sondern nur
eines Teils davon. Derartige Teilschuldverschreibungen können hypothekarisch besichert werden.
Dabei wird das Pfandrecht auf der Liegenschaft nicht zugunsten namentlich angeführter Gläubiger,
sondern zugunsten der jeweiligen Besitzer der Schuldverschreibung für einen Gesamtbetrag
einverleibt. Die Interessenten der Gläubiger werden durch einen gemeinsamen Kurator vertreten.

Inwiefern ist die Akzessorietät bei Hypotheken eingeschränkt?


Um eine Hypothek formell zum Löschen zu bringen, muss die Löschung der Hypothek einverleibt
werden. Bis dahin besteht sie materiell zwar nicht mehr und es besteht eine forderungsentkleidete
Eigentümerhypothek. Dritte könnten aufgrund der grundbuchsrechtlichen Publizität auf den Bestand
der Hypothek vertrauen.

Warum würden Sie einem Liegenschaftseigentümer die Löschung einer Hypothek nach Bezahlung
der gesicherten Forderung empfehlen?
Verfügt der immer noch eingetragene Hypothekargläubiger über die nicht mehr existente
Hypothekarforderung, indem er sie rechtswidrig einem Dritten abtritt, kann der Dritte aufgrund der
grundbuchsrechtlichen Publizität auf den Bestand der Hypothek vertrauen und gutgläubig die
Hypothekarforderung erwerben.

Was ist eine Simultanhypothek?


Bei der Simultanhypothek werden für eine Forderung mehrere Liegenschaften verpfändet. Vorteil für
den Gläubiger ist die erhöhte Sicherheit. Er kann auf jede Liegenschaft greifen und aus ihr die
gesamte Forderung befriedigen.

Welches Problem kann bei einer Simultanhypothek entstehen?


Probleme gibt es erst, wenn es nachrangig bücherlich Berechtigte gibt oder die Liegenschaft
verschiedenen Personen gehören. Zwar bleibt das Wahlrecht des Gläubigers uneingeschränkt,
gehören die Liegenschaften aber verschiedenen Eigentümern gibt es Regress analog zu §896
(Solidarschuld). Im Fall nachrangiger Berechtigung gibt es nach §222 EO einen dinglichen
Ausgleichsanspruch zwischen den nachrangigen Hypothekargläubigern. Sie haben Anspruch auf
Einräumung von Ersatzhypotheken, wenn sich der Pfandgläubiger übermäßig aus einer Liegenschaft
befriedigt, an der sie ein Pfandrecht hatten.

Was ist eine Ersatzhypothek?


siehe oben

Welche Besonderheiten weist eine Höchstbetragshypothek auf?


Das Spezialitätsprinzip besagt, dass nur bestimmte Sachen für bestimmte Forderungen verpfändet
werden. Die Höchstbetragshypothek ist eine Ausnahme von dem Prinzip, als dabei eine Liegenschaft
nicht für eine bestimmte Forderung verpfändet wird, sondern für Forderungen aus bestimmten
Grundverhältnissen ein Pfandrecht für einen Höchstbetrag eingeräumt wird. Liegt vor, wenn
Gläubiger und Rechtsgrund feststehen, aber die Höhe der Forderung noch nicht angegeben werden
kann.

Worin liegt der Unterschied zwischen Sicherungseigentum und Pfandrecht an einer körperlichen
Sache?
Da es sich beim Sicherungseigentum um eine dem Pfandrecht vergleichbare Sicherung handelt, sind

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die pfandrechtlichen Publizitätsvorschriften (Faustpfandprinzip) analog anzuwenden. Vorteil des


Sicherungseigentums ist dass die Verwertung etwas einfacher ist. Ein weiterer Unterschied liegt
darin, dass das Sicherungseigentum nicht akzessorisch ist (wenn keine Vereinbarung), dh. dass die
Sacher nach beglichener Forderung rückübereignet werden muss.

Welcher Modus ist bei der Sicherungszession erforderlich?


Bei der Sicherungszession wird dem Gläubiger eine Forderung nicht als Pfand gegeben, sondern zur
Gänze übertragen. Er hat wie bei der Sicherungsübereignung das Vollrecht, er ist jedoch intern
gebunden. Gültiger Publizitätsakt ist bei der Sicherungszession wie beim Pfandrecht die
Drittschuldnerverständigung, bei Buchforderungen kann alternativ auch ein Buchvermerk gesetzt
werden.

Erläutern Sie die Voraussetzungen der Zurückbehaltung nach §471!


Das Zurückbehaltungsrecht gewährt dem Inhaber einer körperlichen Sache das Recht, die
Herausgabe zu verweigern, bis gewisse Forderungen befriedigt werden. Das Zurückbehaltungsrecht
besteht wegen Forderungen, die sich aus der Verursachung eines Schadens durch die Sache ergeben
oder aus einem Aufwand, der auf die Sache gemacht wurde, resultiert. Die Forderung muss also
konnex sein.

Wie hängen das Problem des Versionsanspruches und jenes des gutgläubigen Erwerbs von
Zurückbehaltungsrechten zusammen?
Um eine Zurückbehaltung zu rechtfertigen, muss sich die Forderung gegen den
Herausgabeberechtigten richten.; Besteht die Forderung gegen einen Dritten (Nichteigentümer), so
gibt es kein Zurückbehaltungsrecht gegen den Eigentümer. Manche vertreten allerdings die Ansicht,
dass man Zurückbehaltungsrechte gutgläubig in sinngemäßer Anwendung des §367 erwerben kann.
Beachte: Gewährt man sowieso einen Versionsanspruch gegen den Eigentümer, stellt sich die Frage
des gutgläubigen Erwerbs gar nicht mehr, weil dann sowieso ein Anspruch wegen des Aufwandes auf
die Sache besteht, der sich gegen den Eigentümer richtet und die Zurückbehaltung jedenfalls möglich
ist.

7.6. Weitere Sachenrechte


Was ist eine Servitut?
Servituten (Dienstbarkeiten) sind beschränkte dingliche Nutzungsrechte an einer fremden Sache
(§472). Durch die Servitut wird der Eigentümer einer Sache zum Vorteil des Berechtigten verpflichtet,
etwas zu dulden oder zu unterlassen (bejahende und verneinende Dienstbarkeit).

Wodurch unterscheiden sich Personal- von Grunddienstbarkeiten?


bei Personaldienstbarkeiten ist eine bestimmte Person Servitutsberechtigter (ZB Gebrauchsrecht,
Fruchtgenussrecht, Wohnrecht).
Bei Grunddienstbarkeiten ist die Berechtigung an einem dienenden Grundstück mit dem Eigentum an
einer herrschenden Liegenschaft verbunden. Hier sind Felddienstbarkeiten und Hausdienstbarkeiten
zu unterscheiden.

Wie entstehen Servituten?


es bedarf einen gültigen Titel (Servitutsbestellungsvertrag, letztwillige Verfügung) und einen Modus,
der bei unbeweglichen Sachen in der Einverleibung im Lastenblatt des Grundstückes besteht.
Praktisch bedeutsam ist der Erwerb von Servituten nach Ersitzung. Dazu bedarf es bei Liegenschaften
30 Jahre andauernder, redlicher und echter Nutzung. Wurde ein Recht ersessen, kann der
Berechtigte die Eintragung m Grundbuch verlangen (Actio confessoria §523).
Sie erlöschen mit dem Untergang der dienenden Sache und durch langjährige Nichtausübung.
Personaldienstbarkeiten erlöschen auch mit dem Tod des Berechtigten.

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Was ist eine Freiheitsersitzung?


Sonderfall der Verjährung ist die Freiheitsersitzung durch den Eigentümer. Widersetzt sich der
Verpflichtete der Dienstbarkeit und lässt es der Berechtigte drei Jahre dabei bewenden, so erlischt
die Servitut. P

Worin unterscheiden sich Reallasten und Servituten?


Bei der Reallast handelt es sich um das dingliche Recht an einem Grundstück, vom
Grundstückseigentümer bestimmte, meist wiederkehrende Leistungen (positives Tun) verlangen zu
können (§12 GBG). Während bei der Servitut ein aktives Handeln nicht verlangt werden kann, ist das
bei der Reallast schon möglich.

Erläutern Sie den Begriff Baurecht!


Das Baurecht ist das dingliche, veräußerliche und vererbliche Recht, auf oder unter der Bodenfläche
eines fremden Grundstücks ein Bauwerk zu haben (§1 BauRG). Für die Entstehung bedarf es Titel und
Modus, der in der Eintragung im Lastenblatt des Grundbuchs liegt (C-Blatt). Das Baurecht ist
notwendig befristet (nicht weniger als 10, nicht mehr als 100 Jahre). Erlischt es, fällt das Bauwerk an
den Grundeigentümer, indem es unselbständiger Bestandteil wird.

Wodurch unterscheidet sich das Baurecht von einem Superädifikat?


Superädifikat ist ein rechtlich selbständiges Bauwerk auf fremdem Grund ohne die Absicht, dass es
dauerhaft stehen bleibt (§435). Wie das Baurecht folgt es nicht dem Grundsatz “superficies solo
cedit”. Es muss der Erbauerin an Belassungsabsicht fehlen. Ein Superädifikat ist eine bewegliche
Sache, die Übertragung erfolgt durch Urkundenhinterlegung. Ist ein Superädifikat unselbständiger
Bestandteil eines Baurechtes, gilt er ausnahmsweise als unbewegliche Sache.

8. Familienrecht
8.1. Grundlagen
Welche Regelungskomplexe enthält das Familienrecht?
Regelungsmateriealien sind vor allem mit Eherecht und Kindschaftsrecht.

In welchen Gesetzen finden Sie familienrechtliche Regelungen?


Das Eherecht ist zersplittert geregelt. Das EheG regelt die Eingehung und Auflösung der Ehe, das
ABGB regelt die Ehewirkungen (§§44-100) und die Ehepakte (§§1217 – 1266). Das Kindschaftsrecht
ist hauptsächlich im ABGB geregelt. Daneben bestehen zahlreiche Sondergesetze
(Unterhaltsschutzgesetz, Fortpflanzungsmedizingesetz) aber auch internationale Rechtsquellen wie
das Haager Kindesentführungsübereinkommen oder das Haager Unterhaltsprotokoll.

8.2. Ehe, Partnerschaft, Lebensgemeinschaft


Wieso ist der Vorvertrag „Verlöbnis“ nicht durchsetzbar?
Das Verlöbnis ist ein formfreier Vertrag, das jederzeit einseitig aufgelöst werden kann. Nach §45
besteht keine einklagbare Heiratsverpflichtung. Die Willensfreiheit bei der Eheschließung muss in
vollen Umfang gewahrt bleiben – deshalb kann das Verlöbnis auch nicht durch Konventionalstrafen
gesichert werden (§45).
Die einseitige Auflösung des Verlöbnisses kann dennoch Rechtsfolge nach sich ziehen:
Derjenige, der schuldlos am Rücktritt ist, kann vom anderen Teil Schadenersatz verlangen. Bei
Verschulden des anderen: es wird nur der wirkliche Schaden ersetzt (Kosten für Brautkleid etc.).
Der Geschenkgeber kann Geschenke, die im Hinblick auf eine erwartete Ehe an einen Verlobten
Erfolgt sind Wiederrufen, wenn der Eheabschluss ohne Verschulden des Geschenkgebers
unterblieben ist.

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Unterscheiden Sie Nichtehe, Ehenichtigkeit und Aufhebbarkeit der Ehe!


Eine Nichtehe liegt vor, wenn auch nur eine der unbedingten Wirksamkeitsvoraussetzungen fehlt
(Geschlechterverschiedenheit, übereinstimmende Willenserklärung beider Parteien, Mitwirkung des
Standesbeamten). Hier bedarf es keine gerichtliche Geltendmachung, da solche Akte ohnehin
unwirksam sind.
Gemäß §20 EheG ist eine Ehe nur in den von §21-25 bestimmten Fällen nichtig. Die Ehe kann durch
richterliches Gestaltungsurteil rückwirkend (ex-tunc) für nichtig erklärt werden. Ist dies der Fall sind
zur Klage die Ehegatten und der Staatsanwalt berechtigt. Vor Erfolgen der Nichtigerklärung gilt die
Ehe.
In weniger schweren Fällen kann die Ehe vom Gericht nur ex nunc für ungültig erklärt werden
(aufgehoben). Aufhebungsgründe sind UA in §35, 37, 39 aufgezählt. Der Mangel ist im Klageweg
geltend zu machen, die Ehe wird mit der Rechtskraft eines stattgegebenen Urteiles aufgehoben. Die
Aufhebungsklage steht jeweils nur jenem Teil zu, dessen Willensbildung mangelhaft war – das
Klagerecht ist mit einem Jahr ab Entdeckung des Irrtums oder der Täuschung befristet (§40 EheG)
(bei arglistiger Täuschung gibt es keine Bewährung)

Welches Konzept steht hinter der Heilung einer mangelhaften Ehe?


Der Mangel wird etwa geheilt, wenn man zu erkennen gibt, dass man die Ehe nach Wegfall des
Mangels fortsetzen will. Das ist etwa der Fall, wenn man nach Kenntnis über die Tatsachen, welche
die Aufhebung begründen würden, die Ehe fortsetzen will.

Udo Schmidt und Maria Habsburg-Lothringen heiraten: Welchen Namen könnte Maria führen?
Der Ehename darf maximal zwei Namensbestandteile erfassen (§93). Maria könnte den Namen
Schmidt, Habsburg-Schmidt, Lothringen-Schmidt, Habsburg-Lothringen in diesen Kombinationen
tragen.

Silvia Mark heiratet Hubert Lenin und nimmt einen Namen an. Die Ehe wird geschieden. Silvia
heiratet danach Franz Trotzki und nimmt seinen Namen an. Auch diese Ehe scheitert. Welchen
Namen kann Silvia führen?
Maria kann nach aufgelöster Ehe den Ehenamen weiterführen oder jeden früher rechtmäßig
geführten Namen wieder annehmen. Sie könnte sowohl Mark, Lenin als auch Trotzki annehmen.
Bestand der frühere Name aus Mark-Lenin und später ZB aus Lenin-Trotzki, kann sie auch diesen
beibehalten.

Was versucht das Recht auf Wohnungserhaltung zu verhindern?


Sondervorschrift des §97: Dient eine Wohnung über die ein Ehegatte verfügungsberechtigt ist, der
Befriedigung des dringenden Wohnbedürfnisses des anderen Ehegatten, so hat dieser einen
Anspruch darauf, dass der Verfügungsberechtigte alles unterlässt und vorkehrt, damit der auf die
Wohnung angewiesene Gatte sie nicht verliert (Wohungsbenützung = Naturalunterhalt). Der auf die
Wohnung angewiesene (ZB wegen Erwerbslosigkeit) Ehegatte kann auch beantragen, dass dem
anderen das Verlassen der Wohnung aufgetragen wird (Wegweisung), wenn dieser ihm durch
Drohung oder körperliche Angriffe das Zusammenleben unzumutbar macht. Dies kann bis zu 2
Wochen die Polizei tun. Wenn kein Verfahren wegen Scheidung, Aufhebung oder Nichtigkeit läuft
maximal auf 6 Monate.

Müssen Ehegatten gemeinsam wohnen?


Die Pflicht zum gemeinsamen Wohnen bedeutet, dass die Gatten in Hausgemeinschaft leben solle.
Ausnahmsweise ist diese Pflicht aufgehoben. Eine abweichende Vereinbarung ist zulässig. Ein
Ehegatte kann sich auch vorübergehend gesondert eine Wohnung nehmen, solange ihm ein
Zusammenleben mit dem anderen unzumutbar ist oder aus sonstigen wichtigen persönlichen
Gründen gerechtfertigt ist (§92). Auch Verlegung des Wohnsitzes ist möglich.

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Welche Kriterien sind für die Unterhaltsbemessung bei aufrechter Ehe maßgebend?
Anspannungstheorie: Jeder hat nach seinen Kräften und nach der Gestaltung der
Lebensgemeinschaft zur Deckung beizutragen (§94). Der Unterhalb richtet sich in erster Linie nach
der Vereinbarung der Ehegatten. Ein kompletter Vorausverzicht ist unzulässig, ein krasses
Missverhältnis kann sittenwidrig sein. Gibt es keine Vereinbarung, gilt dispositives Recht: Der
Unterhalt bestimmt sich nach den gemeinsamen Lebensverhältnissen der Ehepartner. Gesetzlicher
Unterhaltsanspruch beträgt 33% des tatsächlichen Nettoeinkommens des alleinverdienenden
Unterhaltspflichtigen. Der Naturalunterhalt (Finanzierung der Wohnung usw.) wird angerechnet.

Inwiefern weicht die Regelung über die Schlüsselgewalt von allgemein stellvertretungsrechtlichen
Prinzipen ab?
§96 sieht besondere Stellvertretungsregelungen vor. Der einkommenslose (dazu zählt auch
geringfügig) haushaltführende Ehegatte vertritt den andern bei alltäglichen Rechtsgeschäften, die er
für den Haushalt schließt, sofern diese den Lebensverhältnissen entsprechen.
Ausnahme von der allgemeinen Stellvertretung: keine Offenlegung  haften solidarisch. Offenlegung
 haftet nur der vertretene Ehegatte.

Was ist ein Anspruch auf angemessene Abgeltung? Wodurch unterscheidet er sich von Ansprüchen
aus deinem Dienstvertrag?
Der Ehegatte, der im Erwerb des anderen mitwirkt, hat Anspruch auf angemessene Abgeltung (§98),
und zwar unabhängig davon, ob er zur Mitwirkung verpflichtet war oder über seine Beistandspflicht
hinausgegangen ist. Die Ehegatten können aber abweichende Vereinbarungen treffen. Die Abgeltung
wird im Regelfall erst bei Auflösung der Ehe begehrt, kann aber schon während ihrer Dauer verlangt
werden (6 Jahre ab Ende des Monats, in dem die Leistung erbracht wurde §1486a).
Die Höhe des Anspruchs richtet sich nach Art, Dauer und Intensität der Leistung (auch
Unterhaltsleistungen sind zu berücksichtigen). Es ergibt sich daraus, dass kein Vergütungsanspruch
wie bei Arbeitsverhältnissen besteht, der allein von Art und Dauer der Leistung abhängt. Haben die
Gatten allerdings ein Dienstverhältnis begründet, bleibt der gesetzliche Anspruch gewahrt.

Warum weichen Ehegatten selten von der Gütertrennung ab?


Gütergemeinschaften sind selten, da sie aufgrund der mit Entstehung einsetzenden Solidarhaftung
Risiken birgt.

Welche Grundprinzipien des Scheidungsrechts kennen Sie?


Die Scheidung ist die Trennung einer gültigen Ehe. Erfolgt stets durch gerichtliche Entscheidung
(Urteil oder Beschluss) und wirkt ab deren Rechtskraft. Man unterscheidet einvernehmliche und
streitige Scheidung, wobei man bei der streitigen Scheidung weiter in Verschuldensscheidung und
Scheidung wegen Zerrüttung unterscheidet. Da auch die einvernehmliche Scheidung die Zerrüttung
der Ehe verlangt, lässt sich die Scheidung in Zerrüttungsprinzip und Verschuldensprinzip einteilen.

Was sind die Vorteile einer einvernehmlichen Scheidung? Unter welchen Voraussetzungen ist sie
zulässig?
Eine einvernehmliche Scheidung ist billiger, schneller und „sauberer“. Die Parteien wissen was sie
wollen und müssen es nur noch vom Richter durchführen lassen. Die Voraussetzungen sind:
- gemeinsamer Scheidungsantrag
- mindestens 6 Monate Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft
- Zugeständnis der unheilbaren Zerrüttung
- Einigung über die wesentlichen Scheidungsfolgen

Welche Bedeutung hat der Verschuldensausspruch in einem Scheidungsurteil?


Wichtige Scheidungsfolgen hängen vom Verschulden ab (Unterhalt). Ob Verschulden vorliegt und in
welchem Grund, ist dem Scheidungsurteil zu entnehmen. Man unterscheidet folgende

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Konstellationen:
- Verschulden bei Verschuldensscheidung – die einfachste Möglichkeit, die Ehe wird aufgrund vom
Verschulden des Beklagten geschieden. Das Urteil hat amtswegig das Verschulden auszusprechen
- Verschulden des Klägers – Hält sich der Beklagte für unschuldig und will an der Ehe festhalten,
könnte er eine Klageabweisung beantragen, in der er vorbringt, dass die Voraussetzungen für eine
Verschuldensscheidung nicht vorliegen. Es empfiehlt sich aber mit der Klagebestreitung einen
Mitverschuldensantrag zu stellen. Damit macht man zur Verteidigung für den Fall, dass das Gericht
die Vorwürfe des Klägers stichhaltig findet, eigene Vorwürfe geltend (§60 EheG).
- will der Beklagte selbst ohnehin nicht an der Ehe festhalten, kann er eine Widerklage einbringen
(zweite Scheidungsklage, in der der Beklagte der ersten Scheidungsklage als Widerkläger de Kläger
der ersten Klage als Widerbeklagten klagt. Mitverschuldensantrag ist also ein Verteidigungsmittel,
die Widerklage ein Angriff.

Der brutale Schläger will eine Scheidungsklage einbringen. Welche kommt in Betracht? Was
empfehlen Sie einer Ehefrau aus vermögensrechtlicher Sicht? Soll sie ihrerseits auf Scheidung
klagen oder zuwarten?
Der Schläger könnte allenfalls eine Verschuldensscheidung begehren. Das Gesetz begünstigt
denjenigen, der an der Ehe festhalten will. Deshalb sollte die Ehefrau ihrerseits eine Klagsabweisung
mit einem Mitverschuldensantrag stellen. Sieht das Gericht kein Verschulden bei der Beklagten, muss
es die Verschuldensscheidung abweisen. Sieht es ein Verschuldend der Beklagten, wird durch den
Mitverschuldensantrag vermiesen, dass es zum Ausspruch des Alleinverschuldens der Beklagten
kommt, wenn auch der Kläger Eheverfehlung gesetzt hat. Das Gericht kann die wechselseitigen
Vorwürfe abwägen.

Welche Auswirkungen hat die Scheidung auf den Ehenamen?


Der Ehename kann grundsätzlich behalten werden (§62 EheG). Es kann aber auch ein früherer
Familienname (auch ein früherer Ehename) angenommen werden (§93a).

Welche Vermögenswerte sind bei einer Scheidung aufzuteilen, welche nicht?


es gilt das System der Gütertrennung: dieses sieht vor, dass die Ehegatten Eigentümer des jeweiligen
Vermögens bleiben, das sie in die Ehe eingebracht haben und während der Ehe erworben haben. Die
Ehegatten verwalten das eigene Gut selbst und haften nur für eigene Schulden. Erst im Fall einer
Auflösung der Ehe werden das eheliche Gebrauchsvermöge und die ehelichen Ersparnisse aufgeteilt.

 Eheliches Gebrauchsvermögen
Das sind alle beweglichen und unbeweglichen Sachen, die während der Ehe dem Gebrauch beider Eheleute dienten:
o Hausrat und Ehewohnung
o Gemeinsames Auto, aber auch Zweitwohnung
o Luxusgüter (z.B. Segelyacht, Reitpferd)
o Rechte (z.B. Anwartsrecht auf Einräumung von Wohnungseigentum)
 Eheliche Ersparnisse
Darunter versteht man Wertanlagen, die die Eheleute während ihrer Ehe ansammeln und die ihrer Art nach
üblicherweise für eine Verwertung bestimmt sind:
o Sparbücher
o Kunstsammlung
o Nicht ins Gebrauchsvermögen fallende Immobilien
Von der Aufteilung ausgenommen sind Sachen, die
 von der Ehegattin/dem Ehegatten
o in die Ehe eingebracht,
o von Todes wegen erworben oder
o ihr/ihm von Dritten geschenkt wurden;
 dem persönlichen Gebrauch der Ehegattin/des Ehegatten allein (z.B. Schmuck) dienen,

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 der Ausübung eines Berufes (z.B. Bücher, PC, Werkzeug) dienen,


 zu einem Unternehmen gehören, Unternehmen als solche sowie Unternehmensanteile (außer bloße Wertanlagen).
ACHTUNG: Die Ehewohnung, die von der Ehegattin/dem Ehegatten in die Ehe eingebracht wurde,
geerbt oder geschenkt wurde, wird in die Aufteilung miteinbezogen, wenn dies mittels Notariatsakt
vereinbart wurde, oder wenn die Ehegattin/der Ehegatte bzw. ein gemeinsames Kind auf die
Weiterbenützung der Ehewohnung und des Hausrates angewiesen ist.

M und F schließen einen Ehevertrag, darin wird vereinbart, dass das eheliche Gebrauchsvermögen
und die ehelichen Ersparnisse nach einer Scheidung dem M gehören.
- Unter welchen Voraussetzungen ist eine solche Vereinbarung wirksam?
- Kann der Richter von einer solchen Vereinbarung abgehen?
Vereinbarungen im Zuge eines Scheidungsverfahrens sind unproblematisch und formlos möglich.
Vorausvereinbarung (sog. Eheverträge) sind komplizierter. Sie sind über eheliche Ersparnisse und
eheliches Gebrauchsvermögen zulässig (auch über die Ehewohnung). Die Vereinbarung muss
formpflichtig sein, bei Vereinbarungen über die ehelichen Ersparnisse und die Ehewohnung gilt
Notariatsakt. Vereinbarungen über eheliches Gebrauchsvermögen bedürfen nur der Schriftform
(§886 Unterschriftlichkeit).
Selbst wenn sie formgültig geschlossen wurde, unterliegt sie einer richterlichen Kontrolle
(Billigkeitskontrolle). Das Gericht kann nämlich von einer Vereinbarung abweichen, wenn die
Vereinbarung in einer Gesamtbetrachtung des in die Aufteilung einzubeziehenden Vermögens im
Zeitpunkt der Aufteilungsentscheidung einen Teil unbillig benachteiligt, sodass ihm die Zuhaltung
unzumutbar ist (§97 Abs. 2 EheG).
Voraussetzungen sind also Formpflicht und Billigkeitskontrolle. Für die Entscheidung, ob eine
Vorausvereinbarung gültig ist (und bleibt) soll §97 Abs. 4 EheG Abhilfe schaffen: Das Gericht soll
demnach auf diese Kriterien Bedacht nehmen:

- Gestaltung der ehelichen Lebensverhältnisse und die Dauer der Ehe. Je älter die
Vereinbarung ist und je weniger sie eine Entsprechung in der gelebten Ehe findet, desto eher
wird sie beseitigt werden können
- Inwieweit rechtliche Beratung der Vereinbarung vorgegangen ist und in welcher Form sie
geschlossen wurde.

ACHTUNG: Sonderregeln bestehen hinsichtlich Vorausvereinbarungen über die Ehewohnung:


Ehewohnung fällt grundsätzlich in das Gebrauchsvermögen in die Aufteilungsmasse. Wurde sie
allerdings vom Ehegatten eingebracht, geerbt oder von Dritten geschenkt, unterliegt sie der
Aufteilung nur dann, wenn der andere Ehegatte oder ein gemeinsames Kind darauf angewiesen sind
oder mittels Notariatsakt vereinbart wurde.

M und F schließen einen Ehevertrag vor dem Notar: Darin steht, dass das Grundstück EZ 101, KG
01001 (das seit Generationen im Besitz der Familie Ms steht und diesem gehört), nach der
Scheidung an M fällt.
- Wie bezeichnet man eine solche Vereinbarung? Ehevertrag
- Ist die zulässig? Siehe oben
- Wenn ja: Ist sie kontrollfähig? Siehe oben

M und F schließen vor der Ehe eine schriftliche Vereinbarung, wonach M nach Scheidung die
Wohnung „Top 4, EZ 100, KG 01004“ gehört:
- Ist der Scheidungsrichter an die Vereinbarung gebunden?
- Wie ist der Fall zu beurteilen, wenn die beiden Ehegatten während der Ehe nie in der im Vertrag
bezeichneten Wohnung gelebt haben (sondern diese vermietet) haben?
Unterliegt eine Ehewohnung der Aufteilung, kann der Richter nach §87 EheG entweder

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obligatorische oder dingliche Rechte an der Wohnung begründen oder sogar das Eigentum
übertragen. Das neue Recht kennt zwei verschiedene Fälle des opting-out (beide bedürfen
Notariatsakt):

- Bei Wohnungen, die nur auf Grund besonderen Bedarfs der Aufteilung unterliegen, können
die Parteien die Übertragung des Eigentums oder dinglichen Rechts ausschließen. Es bleibt
jedenfalls die Möglichkeit des Richters, ein schuldrechtliches Rechtsverhältnis zu begründen.
Der Richter könnte einen Ehegatten ZB verpflichten, dem geschiedenen Ehegatten und dem
gemeinsamen Kind ein Mietrecht an der früheren Ehewohnung bis zur Volljährigkeit des
Kindes einzuräumen.
- Bei Wohnungen, die zum normalen ehelichen Gebrauchsvermögen gehören (..) hat der
Richter auch hier die Möglichkeit, sachenrechtliche Nutzungsrechte einzuräumen, wenn
besonderer Bedarf besteht.

Die Ehegatten können auch die Einbeziehung einer an sich nicht in die Aufteilungsmasse fallenden
Ehewohnung vereinbaren (opt-in).

M und F schließen vor der Ehe eine formgültige Vereinbarung, wonach M nach Scheidung Mieter
der von ihm gemieteten Wohnung Top 4, EZ 100, KG 01004 bleibt.
- Ist die Vereinbarung kontrollfähig?
- Macht es einen Unterschied, ob es gemeinsame Kinder gibt?
siehe oben

Die Ehefrau hat eine Eigentumswohnung geerbt, in der das Ehepaar gewohnt hat. Ist die
Ehewohnung Gegenstand der Güteraufteilung?
Die Ehewohnung ist auch dann in die Güteraufteilung einzubeziehen, wenn sie eingebracht,
geschenkt odergeerbt wurde, wenn der Ehegatte dringend darauf angewiesen ist. Das ist nach §82
anzunehmen, wenn der Ehegatte zur Sicherung seiner Lebensbedürfnisse auf die Wohnung
angewiesen ist oder ein gemeinsamen Kind an der Weiterbenützung ein Interesse hat.

Wo spielt das Anspannungsprinzip eine Rolle?


Das Anspannungsprinzip spielt beim Unterhalt eine Rolle, es findet auf beiden Seiten Anwendung: Es
geht nicht darum, was die Geschiedenen tatsächlich verdienen, sondern was sie bei einer
zumutbaren Erwerbstätigkeit verdienen könnten. Dadurch soll vermieden werden, dass sich der
unterhaltspflichtige Ehegatte um den Unterhalt drückt oder dass sich der Unterhaltsberechtigte auf
Kosten des anderen ein schönes Leben macht.
Besonderheit bei der Heimtrennungsklage,  wenn auf Antrag des BEKLAGTEN ausgesprochen
wurde, dass den Kläger das alleinige oder überwiegende Verschulden trifft (§69).
Der unschuldig Geschiedene, der die Scheidung selbst ja nicht wollte (Keine Widerklage), soll als
Ausgleich (Durchhalteprämie) dafür, dass sich der Schuldige von ihm gegen seinen Willen trennen
konnte, den Unterhalt wie bei aufrechter Ehe (also 33 bzw. 40%) behalten.
ABER: Vom Beklagten wird KEINE andere Erwerbstätigkeit erwartet, als jene, die er schon bei
aufrechter Ehe gehabt hat. Eine zwar zumutbare aber tatsächlich nicht ausgeübte Tätigkeit mindert
den Unterhaltsanspruch nicht – außerdem genießt der geschiedene Ehegatte Vorrang gegenüber
einem neuen.

Was ist die eingetragene Partnerschaft


Seit 1. Jänner 2010 können in Österreich zwei Menschen des gleichen Geschlechts eine
eingetragene Partnerschaft begründen. Damit gehen sie eine Lebensgemeinschaft auf Dauer mit
gegenseitigen Rechten und Pflichten ein.

Worin bestehen die Gemeinsamkeiten von Ehe und eingetragener Partnerschaft, worin die
Unterschiede?

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Die EP ist der Ehe in vielen Punkten gleich, jedoch gibt es auch bedeutende Unterschiede:
- nicht vorm Standesamt, sondern vor der Bezirksverwaltungsbehörde
- bei Bruch des Verlöbnisses kein Schadenersatz
- keine Auswirkung auf den Namen, allerdings kann durch Namensänderung den Namen des anderen
annehmen.
- Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft bildet bereits nach 3 Jahren einen absoluten
Auflösungsgrund
- EG wird nicht als EHE bezeichnet,
- keine Möglichkeit zur Mündigerklärung ab 16 Jahren – nur Volljährige

Inwiefern sind Regenbogenfamilien gegenüber anderen Familien benachteiligt?


Regenbogenfamilie = homosexuelle Partner mit Kinder. Seit 1.1. 2016 dürfen sie auch Kinder
adoptieren und künstliche Befruchtung bei Lesbischen ist möglich. Allerdings wird die EP immer noch
nicht als Ehe bezeichnet, wodurch manche kritisieren, dass sich Kinder gleichgeschlechtlicher Paare
so fühlen könnten, als wäre ihre Familie „weniger wert“.

Warum gibt es im österreichischen Recht kaum Regeln über Lebensgemeinschaft?


Ein Grund dafür sind die Abgrenzungsschwierigkeiten: als Charakteristikum einer
Lebensgemeinschaft gilt das Vorliegen einer länger andauernden Wohnungs-, Wirtschafts-, und
Geschlechtsgemeinschaft. Außerdem liegt es daran, dass sie ja gerade keine Ehe oder EP wollen – es
stünde ihnen ja offen. Deshalb kann nicht in analoger Anwendung eherechtlicher Bestimmungen eine
Güteraufteilung oder ein Unterhaltsanspruch konkretisiert werden.

Charakterisieren sie das mietrechtliche Eintrittsrecht!


Eine der wichtigsten gesetzlichen Regelungen für Lebensgemeinschaften findet sich im Mietrecht:
Bestimmte Personen haben im Fall des Todes des Mieters einer Wohnung ein Eintrittsrecht in den
Mietvertrag, wenn sie mit dem Erblasser gemeinsam gewohnt haben und ein dringendes
Wohnbedürfnis besteht. Sie gehen den Erben vor. Nach §14 Abs. 3 MRG ist auch der Lebensgefährte
des Mieters eintrittsberechtigt. Steht auch gleichgeschlechtlichen Lebensgefährten zu
(rechtskonforme Auslegung).

Welche Probleme stellen sich bei der Auseinandersetzung der Lebensgemeinschaft?


Die eherechtlichen Vorschriften können nicht analog angewendet werden, daher ist es ratsam für
den Fall der Auflösung vorzusorgen und Regeln zu vereinbaren. Gibt es solche nicht, muss auf das
allgemeine schuldrechtliche Instrumentarium zurückgegriffen werden. So wird ein gemeinsamer
Hausbau häufig als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts qualifizier, für die eigene Regeln gelten.
Leistung eines Partners an den anderen können bereicherungsrechtlich rückforderbar sein (§1435
analog), Zuwendungen können wegen Irrtums angefochten werden usw.

8.3. Kindschaftsrecht
Was kann ein Mann tun, wenn ein Kind seiner Ehefrau nicht von ihm stammt?
Wird ein Kind während aufrechter Ehe geboren, ist es ein Kind des Ehemanns (§144). Dieselben
Regeln gelten, wenn das Kind vor Ablauf von 300 Tagen nach dem Tod des Ehemanns geboren wird.
Es gibt folgende Möglichkeiten der Änderung einer bestehenden Vaterschaft:

- Feststellung der Nichtabstammung vom Ehemann (§151)  beseitigt die Vermutung, dass
der Ehemann der Mutter Vater des Kindes ist. Kann auf Antrag des Ehemanns oder des
Kindes erfolgen, wenn die absolute Unwahrscheinlichkeit der Zeugung bewiesen wird. Antrag
ist binnen 2 Jahre ab Kenntnis der gegen die Vaterschaft sprechenden Umstände
einzubringen.

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- Unwirksamerklärung eines Vaterschaftsanerkenntnis  durch Wiederspruchserhebung der


Mutter oder Kind, aber auch, wenn der Anerkennende einen Willensmangel geltend macht
oder beweist, dass das Kind doch nicht von ihm abstammt und er nachträglich davon
Kenntnis erlangt hat.
- Abänderungsantrag  gegen den Feststellungsbeschluss, mit dem ZB geltend gemacht
werden kann, dass neue Beweismittel zeigen, dass der Feststellungsantrag abzuweisen
gewesen wäre – solche Abänderung kann binnen 30 Jahren erfolgen.
- Vätertauch  kann nur das Kind beantragen, Vaterschaft des ersten Mannes wird durch die
des zweiten Mannes abgelöst
- Vaterschaftsdurchbrenchendes Anerkenntnis Dritter muss die Vaterschaft anerkennen und
entweder eigenberechtigtes Kind muss zustimmen oder, wenn das Kind nicht eigenberechtigt
ist, bedarf es Zustimmung des Jugendwohlfahrtstägers und der Bezeichnung des
Anerkennenden als Vater durch die Mutter. Bisherige Vater kann Widerspruch erheben.
Auch Mutter bei eigenberechtigten Kindern. Geschieht das nicht, hat das Kind einen neuen
Vater.

Wie kommt ein uneheliches Kind zu einem Vater?


entweder er ist Ehemann der Mutter im Zeitpunkt der Geburt, anerkennt die Vaterschaft oder wurde
gerichtlich als Vater festgestellt.

Was ist die Zeugungsvermutung?


§148  derjenige kann als Vater festgestellt werden, der der Mutter innerhalb der kritischen Zeit
(180-300 Tage vor der Geburt) beigewohnt hat. Die Zeugungsvermutung kann wiederum vom
Antragsgegner entkräftet werden (DNA – Beweis). Eine Vaterschaftsfeststellung aufgrund
Zeugungsvermutung ist nach dem Tod des Mannes nur binnen 2 Jahre zulässig. Gilt nicht, wenn der
positive Abstammungsbeweis des Mannes unmöglich ist.

Welchen Namen erhält ein Kind? Wovon hängt es ab?


Kinder erhalten gem. §155 den gemeinsamen Familiennamen ihrer Eltern, auch Doppelnamen. Wenn
kein gemeinsamer Familienname, können die Eltern bestimmen – jede beliebige Kombination der
Nachnamen der beiden Eltern ist zulässig (solange max. zwei Namensbestandteile). Wenn keine
einvernehmliche Bestimmung erhält es den Familiennamen der Mutter (auch wenn Doppelname).

Welche Aufgaben haben Obsorgeberechtigte?


Pflege und Erziehung, Verwaltung des Kindesvermögens, Vertretung des Kindes nach außen

Wer vertritt das Kind in Vermögensangelegenheiten?


§164 – die Eltern müssen ach dem objektiven Maßstab das Vermögen des Kindes erhalten und wenn
möglich vermehren

Welche Bedeutung hat das Kindeswohl bei der Erziehung?


Kindeswohl §138 = leitender Gedanke und Prüfmaßstab der Obsorge

Wer ist bei einem ehelichen/unehelichen Kind obsorgeberechtigt?


Sind die Eltern verheiratet, sind die kraft Gesetzes gemeinsam mit der Obsorge betraut. Sind sie nicht
verheiratet, hat kraft Gesetzes die Mutter die alleinige Obsorge. Änderung dieses Zustandes ist
einvernehmlich mit dem Vater oder durch Richterspruch möglich.

Wie ist die Obsorge nach einer Scheidung gestaltet?


Wird die Ehe aufgelöst, bleibt eine vorher bestehende gemeinsame Obsorge aufrecht. Sie können
aber eine andere Vereinbarung schließen. Tun sie das nicht, bleibt es bei der gemeinsamen Obsorge

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und sie müssen aufgrund der Trennung vor Gericht eine Vereinbarung darüber schließen, in wessen
Haushalt das Kind hauptsächlich betreut wird.

Haben Sie die Möglichkeit zu beantragen, dass einem Nachbarn das Sorgerecht entzogen wird,
wenn sie den Verdacht haben, dass sein Kind vernachlässigt wird?
Gefährden die Obsorgeberechtigten das Kindeswohl, hat das Gericht die notwendigen Verfügungen
zu treffen (§181). Antragslegimitiert sind jeder Elternteil, Verwandte in aufsteigender Linie,
Pflegeeltern, Jugendwohlfahrtsträger sowie das mündige Kind selbst. Hat das Gericht allerdings
Kenntnis von einer Gefährdung des kindeswohl, hat es amtswegig einzuschreiten  es hat daher
jeder, auch Nachbarn, die Möglichkeit, der Behörde Missstände zu melden.

Welche Faktoren hat die Anspannungstheorie im Kindschaftsrecht?


Hat das Kind aus eigenem Verschulden kein ausreichendes Einkommen, kann es keinen Unterhalt
beanspruchen. Verdient der Unterhaltspflichtige auffallend weniger, als er könnte, wird ein fiktiv
höheres Einkommen unterstellt.

Steht Unterhalt während eines Studiums zu?


Betreibt das Kid ein Studium ernsthaft und zielstrebig, wird die Selbsterhaltungsfähigkeit dadurch
hinausgeschoben, der Unterhaltsanspruch bleibt aufrecht. Dabei darf die durchschnittliche
Studiendauer nicht wesentlich überschritten werden. Häufiger Studienwechsel bringt die
Verpflichtung zum Erlöschen. Ob ein Doktorat oder Masterstudium auch noch finanziert werden
muss, hängt davon ab, ob das Kind bisher überdurchschnittliche Studienerfolge erzielen konnte und
damit später bessere Berufschancen haben wird.

Was ist und wozu gibt es die Playboygrenze?


Für die Höhe des Unterhalts sind zwei Faktoren maßgebend: Leistungsfähigkeit der Eltern,
Bedürfnisse des Kindes. Der so ermittelte Bedarf ist mit der Prozentsatzmethode zu konfrontieren.
Bleibt der Prozentsatz hinter dem Bedarf zurück, kann der Unterhalt erhöht werden. Würde die
Prozentsatzmethode bei hohen Einkommen zu einem unangemessen hohen Unterhalt führen,
könnte dem Kind der Anreiz genommen werden, auf eigenen Beinen zu stehen. Daher Playboygrenze
 Unterhaltsstopp bei mehr als das Zweifache des Regelbedarfs.

Wann wird ein Unterhaltsvorschuss gewährt?


Ist der Unterhaltspflichtige mit der Zahlung säumig, leistet der Bund minderjährigen Kindern einen
Vorschuss, wenn es einen vollstreckbaren Exekutionstitel gibt (§1 ff UVG). Der Bund regressiert sich
dann am wirklichen Unterhaltsschuldner. Verletzung der Unterhaltspflicht ist zudem strafbar.

Welche Rechtsfolgen hat die Zahlung von Unterhalt durch nicht zur Leistung von Unterhalt
verpflichteter Dritte?
kommt in 2 Konstellationen vor: Entweder der Zahler weiß, dass er nicht wirklich
Unterhaltsschuldner ist oder er glaubt, er sei es, ist es aber nicht (Kuckuckskind). Wer freiwillig
einspringt, macht einen Aufwand, den der Vater nach dem Gesetz hätte machen müsse (§1042). Wer
hingegen über die Vaterschaft irrt, kann bereicherungsrechtliche Ansprüche gegen das Kind haben
(§1031, allerdings zum Schutz des Minderjährigen eingeschränkt) oder alternativ gegen den
wirklichen Vater nach §1042.
Beachte: Zahlt der Scheinvater in der irrigen Annahme, ist er in vielen Fällen juristischer Vater
(Ehemann): Damit er seine Ansprüche geltend machen kann, muss seine Vaterschaft zuerst beseitigt
werden.
Zahlt der Scheinvater, könnten auch schadenersatzrechtlicher Anspruch gegen die Mutter zustehen.

Welche Funktion hat das Unterhaltsschutzgesetz?


Das USchG soll verhindern, dass der Unterhaltspflichtige offiziell kein Einkommen erzielt, aber sich

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von einem Dritten aushalten lässt. Es haftet nämlich derjenige, der ohne dazu verpflichtet zu sein,
einem Erwerbslosen selbst Unterhalt gewährt, als Bürge und Zahler für die Unterhaltsschuld des
Erwerbslosen. Voraussetzung ist, dass derjenige das weiß.
Auch wenn offiziell ein geringeres Entgelt angegeben wird, als ausbezahlt wird – es gilt
angemessenes Entgelt ans geschuldet. Die gerichtliche Geltendmachung des Kindesunterhaltes
erfolgt mittels Antrag beim örtlich zuständigen Bezirksgericht. Unterhaltsforderungen verjähren nach
3 Jahren.

Welche Wirkung hat eine Adoption? Kann es einen „Adoptivgroßvater“ geben?


Durch die Adoption wird ein leibliches Kindschaftsverhältnis nachgebildet. Die Adoption stellt eine
leiblichere Verwandtschaft entsprechendes Eltern-Kind Verhältnis her. Die Adoptionswirkung erfasst
allerdings nur den Annehmenden und dessen Nachkommen einerseits und den Angenommenen und
dessen zum Zeitpunkt der Adoption minderjährige Nachkommen andererseits. Kann also gegeben
sein.

Charakterisieren Sie die Rechtsnatur der Adoption!


Erfolgt durch Vertrag zwischen Wahleltern und Wahlkind, bedarf gerichtlicher Genehmigung. Kann
durch Ehegatten gemeinsam oder Nicht-Ehegatten einzeln. Voraussetzungen sind die Beachtung der
Altersgrenzen (Erwachsene die das 25. Lebensjahr erreicht haben, Unterschied von mind. 16 Jahren),
es muss bei minderjährigen Kindern zumindest die Aussicht auf eine kindschaftsähnliche Beziehung
bestehen, bei Volljährigen muss die bereits gegeben sein. Es dürfen keine überwiegenden Anliegen
leiblicher Kinder bestehen.
Es bedarf die Zustimmung der leiblichen Eltern, kann aber auch gerichtlich ersetzt werden.

Charakterisieren Sie eine Pflegefamilie!


Manchmal leben Kinder ohne adoptiert zu werden bei Personen, die Pflege und Erziehung besorgen
und zu denen eine Eltern-Kind-ähnliche Beziehung besteht = Pflegeeltern (§184). Ist Kraft Gesetz
gegeben, wenn die Tatbestandsmerkmale gegeben sind. Sie sind keine gesetzlichen Vertreter des
Kindes, ihnen muss nach §185 auf ihren Antrag aber die Obsorge übertragen werden, wenn das
Pflegeverhältnis nicht nur für kurze Zeit beabsichtigt ist du die Übertragung dem Kindeswohl
entspricht.

Was ist eine Patchwork-Familie? Welche Bedeutung hat dieser Begriff im ABGB?
Das sind Fälle, in denen ein Kind nicht in der klassischen Mutter-Vater-Kind Familie lebt, sondern
gemeinsam mit dem neuen Partner eines Elternteils. Stiefeltern stehen im ABGB grundsätzlich zu
keiner Beziehung (egal ob verheiratet oder nicht) mit dem Kind.

Was versteht man unter der Beistandspflicht gegenüber Ehegatten nach §90 Abs. 3 ABGB? Welche
Konsequenz hat ihre Verletzung?
Eheliches Patchworking ist allerdings eine Ausnahme, da der neue Ehegatte (§90) dem anderen in
der Ausübung der Obsorge für dessen Kinder in angemessener Weise beizustehen hat. Die
Verletzung der Beistandspflicht wird als Eheverfehlung im Scheidungsverfahren zu qualifizieren sein.

Unter welchen Umständen wird ein Stiefelternteil zum gesetzlichen Vertreter?


§90/3 bestimmt gesetzliche Vertretungsmacht des Stiefelternteils in Obsorgeangelegenheiten des
täglichen Lebens. Nach dem Wortlaut vertritt der Steifelternteil den Ehegatten, nicht das Kind und ist
daher kein gesetzlicher Vertreter des Kindes. Er kann also auch falsus procurator sein, wenn die
Vertretungsmacht nicht gegeben ist.

Erläutern Sie die Schutzpflicht zugunsten minderjähriger Mitbewohner!


Zweite Ausnahme bildet §139 Abs. 2 für Patchwork-Familien außerhalb einer Ehe:

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- Eine mit einem Elternteil und dessen minderjährigem Kind nicht nur vorübergehend im
gemeinsam lebenden Haushalt volljährige Person, die in einem familiären Verhältnis zum
Elternteil steht, kann den Elternteil, wenn es die Umstände erfordern, in
Obsorgeangelegenheiten des täglichen Lebens vertreten.
- Außerdem hat die das Kindeswohl zu schützen (Schutzpflicht zugunsten minderjähriger
Mitbewohner).

Bestimmung gilt nicht nur für Patchwork Familien, sondern für alle Volljährigen Personen, die mit
dem Elternteil und dem Minderjährigen im gemeinsamen Haushalt leben und wenn ein familiäres
Verhältnis besteht. Schuldhafter Verstoß gegen die Schutzpflicht kann einen Schadenersatzanspruch
des Kindes gegen des Schutzpflichtigen auslösen und auch strafrechtliche Folgen (Garantenstellung)
haben.

9. Erbrecht
9.1. Grundlagen
Welche beiden Regelungsprinzipien beherrschen das österreichische Erbrecht?
Das Erbrecht beschäftigt sich mit der Rechtsnachfolge nach einer natürlichen Person (Verstorbenen).
Juristische Personen können niemals Erblasser sein, da sie nicht sterben können. Sie können aber
sehr wohl Erben sein (Tierschutzverein).
Das Erbrecht verteilt die vermögenswerten Rechte (Aktive) und Pflichten (Passiva) des Verstorbenen,
die zusammen die Verlassenschaft bilden (§531), die man oft auch Nachlass nennt. Wer Erbe wird,
richtet sich im österreichischen Recht nach 2 Grundsätzen: Testierfreiheit und Familienerbfolge.

Was befindet sich in der Verlassenschaft, was nicht


Das Erbrecht beschäftigt sich vor allem mit dem Übergang von Privatrechten. Dazu gehören dingliche
Rechte (Eigentum, Pfandrecht), Gesellschaftsrechte (ZB Aktien), schuldrechtliche Forderungen, aber
auch Verbindlichkeiten des Erblassers (Schadenersatz, Kreditrückzahlung, offener Mietzins).
Unvererblich sind öffentlich-rechtliche Rechte und Pflichten sowie höchstpersönliche Rechte,
Persönlichkeitsrechte, Auftrag und Bevollmächtigung.

Was versteht man unter Transmission?


Wer an sich gültig berufen wäre, kann nur Erbe werden, wenn er den Erblasser überlebt hat. Da das
Erbrecht erst mit dem Tod des Erblassers (Erbfall) entsteht, muss der Erbe in diesem Zeitpunkt leben
und damit rechtsfähig sein. Die Entstehung des Erbrechts wird Erbanfall genannt (§536). Stirbt ein
möglicher Erbe davor, erwirbt er kein Erbrecht und kann es daher auch nicht an seine Erben
(Erbeserben) übertragen. Anderes gilt, wenn der Erbe nach dem Erbanfall stirbt. Diese Vererbung des
angefallenen Erbrechts nennt man Transmission (§537).

Welche Bedeutung hat die bedingte Rechtsfähigkeit des nasciturus im Erbrecht?


Die Regeln über das Erleben des Erbanfalls wird durch §22 für den nasciturus ergänzt. Da dieser
unter der Bedingung seiner späteren Lebensgeburt schon im Mutterleib für rechtsfähig gehalten
wird, fällt ihm das Erbrecht auch während der Schwangerschaft an, wenn er nach dem Tod des
Erblassers lebend geboren wird.

Was hätte zu gelten, wenn ein Kind kurz nach seiner Geburt stirbt?
Ein bereits gezeugtes aber nicht geborenes Kind (nasciturus) ist bedingt und beschränkt rechtsfähig.
Bedingt, weil es zwar schon im Mutterleib Träger von Rechten sein kann, aber nur, wenn es später

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lebend geboren wird. Kann nicht festgestellt werden, ob das Kind lebend oder tot geboren wurde, ist
Lebendgeburt zu vermuten (§23).

Wann ist man erbunwürdig?


Erbe kann grundsätzlich jeder sein, der rechtsfähig ist. Voraussetzung ist auch, dass man nicht
erbunwürdig ist. Die Erbunwürdigkeit ist eine Sanktion für Fehlverhalten. Das Gesetz unterscheidet
zwischen absoluter (§539 ff) und relativer Erbunwürdigkeit (§541). Absolute, also besonders schwere
Verfehlungen, machen jedenfalls erbunwürdig. Relative nur dann, wenn der Erblasser wegen
Terstierunfähigkeit, aus Unkenntnis oder aus sonstigen Gründen nicht in der Lage war, eine
Enterbung vorzunehmen. Sie greift also nur, wenn der Erblasser nicht in der Lage war, eine
Enterbung vorzunehmen.
Absolut erbunwürdig ist:
- wer gegen den Erblasser oder die Verlassenschaft eine qualifizierte Straftat, nämlich eine gerichtlich
strafbare Vorsatztat mit einer Strafdrohung von mehr als einem Jahr begangen hat (§539).
- wer absichtlich die Verwirklichung des wahren letzten Willens des Verstorbenen zu vereiteln
versucht (§540). Erfasst ist die Testamentfälschung genauso wie die Unterdrückung letztwilliger
Verfügungen oder das Verhindern des (gültigen) Testierens.

Wodurch unterscheiden sich absolute und relative Erbunwürdigkeit?


nur relativ erbunwürdig ist,
- wer gegen den Ehegatten, eingetragenen Partner oder Lebensgefährten des Verstorbenen oder
gegen dessen Verwandte in gerader Linie eine gerichtlich strafbare Vorsatztat mit einer Strafdrohung
von mehr als einem Jahr begehrt (§541 Z1).
- wer dem Verstorbenen in verwerflicher Weise schweres seelisches Leid zugefügt hat (NICHT:
missbilligte Studien-, Partnerwahl, wohl aber Psychoterror, Imstichlassen in Not und intensive
Kränkungen)
- wer die Pflicht zwischen Eltern und Kind gröblich vernachlässigt hat (ZB grundlose Ablehnung des
Kontakts oder gröbliche Verletzung der Unterhaltpflicht, nicht aber Verletzung von Pflichten aus dem
Eheverhältnis – stellen nur einen Enterbungsgrund dar).

Maßgebender Zeitpunkt für die Beurteilung der Erbfähigkeit ist zwar grundsätzlich der Erbanfall, wer
allerdings danach Verfehlung gegen die Verlassenschaft oder gegen den letzten Willen begehrt, wird
nachträglich erbunwürdig. Eine Verzeihung ist dann ausgeschlossen.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Erbunwürdigkeit und der strafrechtlichen


Beziehung im Familienkreis?
§166 StGB bestraft die Begehung bestimmter Straftaten, insb. von Vermögensdelikten gegen nahe
Angehörige, oft milder (unter einem Jahr). Es liegt daher oft keine Erbunwürdigkeit vor.

Kann jemand, der auf sein Erbrecht verzichtet hat, vom Erblasser letztwillig bedacht werden? Kann
er gesetzlicher Erbe sein?
Vom gesetzlichen Erbrecht ist auch ausgeschlossen, wer auf sein Erbe verzichtet hat (§551. Der
Verzicht verhindert aber eine letztwillige Bedenkung durch den Erblasser nicht.

Was ist die Einantwortung?


Nicht jeder der behauptet, Erbe zu sein, kann die Erbschaft einfach in Besitz nehmen. Es wird in
einem gerichtlichen Verfahren („Verlassenschaftsverfahren“) festgestellt, wem das Erbe zusteht.
Dieser Person ist die Verlassenschaft mit Gerichtsbeschluss einzuantworten. Erst damit wird der Erbe
Eigentümer der Verlassenschaftssachen, Gläubiger der Forderungen des Erblassers und Schuldner
seiner Verbindlichkeit. Mit der Einantwortung kommt es zur Universalsukzession, der Erbe tritt
vermögensrechtlich an die Stelle des Erblassers.

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Was geschieht, wenn ein potenzieller Erbe letztwillige Verfügungen manipuliert?


Nach §540 ein absoluter Erbunwürdigkeitsgrund. Der potenzielle Erbe wird kein Erbe.

9.2. Gesetzliche Erbfolge


Wann kommt es zur gesetzlichen Erbfolge?
Die gesetzliche Erbfolge kommt subsidiär zur gewillkürten Erbfolge zur Anwendung, wenn der
Erblasser nicht, nicht gültig, nicht über die gesamte Verlassenschaft letztwillig verfügt hat oder, wenn
die von ihm eingesetzten Erben nicht zur Erbschaft gelangen.

Nennen sie das tragende Prinzip der gesetzlichen Erbfolge! Wer wird dadurch begünstigt?
Die gesetzliche Erbfolge ist der gesetzlich positivierte, hypothetische Wille eines typischen Erblassers
(Was würde ein typischer Erblasser verfügen?). Die gesetzliche Erbfolge ist die Familienerbfolge, da
von ihr einerseits die Blutsverwandten profitieren (Verwandtenerbfolge nach dem
Parantelensystem), andererseits der Ehegatte (§730). Eingetragene Partner sind stets wie Ehegatten
zu behandeln, weswegen auch diese profitieren.

Was versteht man unter „Erbrecht nach Köpfen“?


Zuerst ist immer festzustellen, in welchen Parentelen Verwandte des Erblassers vorhanden sind.
Dann ist die niedrigste zu ermitteln und NUR diese erbt. Das Vermögen ist auf die einzelnen Erben zu
verteilen. Dabei stehen den einzelnen Erben keine bestimmten Vermögensstücke zu, sondern nur ein
Anteil an der gesamten Verlassenschaft (ZB ¼). Die Anteile werden nach Köpfen auf sie aufgeteilt.

In welchem Verhältnis stehen Anwachsung und Repräsentation?


Innerhalb einer Parentel erben primär die Vorfahren (alt vor jung). Nur wenn diese nicht zum Zug
kommen (weil sie ZB vorverstorben oder erbunwürdig sind), treten ihre Nachkommen in ihre
Rechtsposition ein. Ist auch die Repräsentation nicht möglich, kommt es zur Anwachsung: dh. der
Erbteil des ausgefallenen Miterben fällt den übrigen miterben zu. Es gilt: Repräsentation vor
Anwachsung!

Was ist die Erbrechtsgrenze?


Die vierte Parentel besteht aus den Urgroßeltern, deren Nachfahren haben allerdings im Gegensatz
zu den niedrigeren Parentelen kein Erbrecht mehr – hier verläuft die Erbrechtsgrenze (§741, §743)

In welchen Schritten ermitteln Sie die gesetzlichen Erben?


Bei der Ermittlung der richtigen Parentelen gilt „jung vor alt“. Dh. Kinder vor Eltern, Eltern vor
Großeltern etc. Nur die niedrigste Parentel erbt. Es können niemals mehrere Parentelen
nebeneinander erben.
Steht fest, welche Parentel erbt, gilt innerhalb der Parentel „alt vor jung“. Dh. Kinder vor Engel,
Eltern vor Geschwister etc. Grundsätzlich kann als Prüfungsschema festgehalten werden:
- jung vor alt
- alt vor jung
- Repräsentation
- vor Anwachsung

Welchen Einfluss hat eine Scheidung auf das Erbrecht der Ehegatten? Gibt es Unterschiede
zwischen gesetzlicher und gewillkürter Erbfolge?
Geschiedenen Ehegatten steht kein gesetzliches Erbrecht mehr zu (§746 Abs. 1). Das Erbrecht geht
im Zweifel sogar schon während des Scheidungsverfahrens verloren, wenn die Ehegatten eine
Vereinbarung über die Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens und der Ersparnisse für den
Fall der Scheidung getroffen haben.

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Hat der Erblasser seinen Ehegatten testamentarisch begünstigt, wird außerdem diese Verfügung
durch eine Scheidung aufgehoben (wenn der Erblasser nicht ausdrücklich das Gegenteil anordnet
§725). Dies gilt im Zweifel auch, wenn einer der Ehegatten das Scheidungsverfahren eingeleitet hat
und der Erblasser vor dessen Abschluss stirbt.

Wie ist der Ehegatte des Erblassers bei im Erbrecht zu beachten?


Der Ehegatte des Erblassers hat ein gesetzliches Erbrecht. Neben der ersten Parentel erbt der
Ehegatte 1/3. Neben den Eltern des Erblassers erbt der Ehegatte 2/3, jeder Elternteil also ein
Sechstel. Ist ein Elternteil vorverstorben, erhält der Ehegatte des Erblassers auch dessen Teil. Der
Ehegatte verhindert also die Repräsentation durch Geschwister und die Anwachsung von einem
Elternteil.
Neben der dritten und vierten Parentel erbt der Ehegatte alles (§744).

Wie hoch ist die Erbportion des Ehegatten?


Seine Erbportion hängt davon ab, mit welchen Verwandten aus dem Parentelensystem er
konkurriert. Daraus ergibt sich die Erbquote des Ehegatten, nur was übrigbleibt, kann nach der
Parentelenordnung verteilt werden (§744).

Was ist das Vorausvermächtnis? Unter welchen Voraussetzungen kann es entzogen werden?
Welche Funktion hat es?
Unabhängig ob der Ehegatte zum Erben berufen ist oder nicht, steht ihm das gesetzliche
Vorausvermächtnis zu. Damit ihm das gewohnte Lebensumfeld erhalten bleibt. Das
Vorausvermächtnis kann (wie der Pflichtteil) nur durch eine rechtmäßige Enterbung entzogen
werden (§745). Gegenstand des Vorausvermächtnisses sind:
- die zum Haushalt gehörenden beweglichen Sachen.
- Ein Wohnrecht (wenn nicht schon §14 MRG, §14 WEG)

Welche Stellung hat der Lebensgefährte im Erbrecht?


Lebensgefährten haben ein außerordentliches Erbrecht, wenn kein gesetzlicher Erbe zur
Verlassenschaft gelangt. Er kommt somit nur vor den Vermächtnisnehmern und dem Bund zum Zug
(§748).

Wie unterscheiden sich das Vorausvermächtnis des Ehegatten und das Vorausvermächtnis des
Lebensgefährten?
Das Vorausvermächtnis der Lebensgefährten ist im Gegensatz zu dem der Ehegatten schwach – der
Lebensgefährte kann die Sachen und die Wohnung des Verstorbenen nämlich nur für ein Jahr nach
dem Tod des Erblassers benützen (§745 Abs. 2).

Ab wann ist man „Lebensgefährte“? Sind nach dem Tod eines Menschen mehrere
Lebensfährtenbegriffe zu beachten?
Lebensgefährte im erbrechtlichen Sinn ist nur, wer zumindest in den letzten drei Jahren vor dem Tod
des Erblassers mit ihm im gemeinsamen Haushalt gelebt hat. Anders als nach §14 Abs. 3 MRG genügt
es nicht, dass beide gemeinsam einzogen sind.
Auch beim Pflegevermächtnis hat der Gesetzgeber an den Lebensgefährten gedacht – Teleologisch
spricht hier viel dafür, nicht auf die 3-Jahres-Frist des §784 abzustellen, da das Pflegevermächtnis ja
belohnenden Charakter hat.

Wer wird von den Wirkungen einer Adoption erfasst?


Zwischen Annehmenden und seinen Nachkommen und dem Adoptivkind und seinen im Zeitpunkt
der Adoption minderjährigen Nachkommen wird eine Beziehung wie bei Blutsverwandtschaft

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angenommen §197. Ein Adoptivkind ist daher juristisch das Kind seiner Adoptiveltern. Die leiblichen
Kinder werden Geschwister des Adoptivkindes usw.
Die Adoption erfasst nur Annehmenden und dessen Nachkommen sowie Angenommenen und
dessen bei der Adoption minderjährige Kinder. Die Adoptivgroßeltern sind daher nicht erfasst.

Anton wird von Helga adoptiert. Anton hat selbst zwei Kinder, die 12-jährige Maria und den 19-
jährigen Daniel. Helga hat eine 10-jährige Tochter Sabina und eine 25-jährige Tochter Margarete.
Auch Helgas Eltern Franz und Sissi sind noch am Leben. Wer wird von den Wirkungen der Adoption
erfasst?
Von den Wirkungen werden Helga und deren Nachkommen (Sabina und Margarete), sowie Anton
und dessen im Zeitpunkt der Adoption minderjährige Kinder erfasst (also nur Maria, da Daniel schon
volljährig ist). Die Adoptivgroßeltern Sissi und Franz sind von den Wirkungen nicht mehr erfasst.

Welche Funktion hat die Hinzu- und Anrechnung auf den Erbteil?
Hat der Erblasser zu Lebzeiten bereits größere Vermögenswerte übergeben, könnte das zu
Ungerechtigkeiten führen. Zur Lösung dieses Problems zieht man die Hinzu- und Anrechnung her.

Gibt es in der gesetzlichen Erbfolge eine Hinzu- und Anrechnung auf den Erbteil des Ehegatten?
Zuwendungen an den Ehegatten zu Lebzeiten sind bei der gesetzlichen Erbfolge nur nach §752
anzurechnen (wenn eine Anrechnung vereinbart oder verfügt worden ist). Der Ehegatte muss sich
allerdings von seinem Erbteil alles abziehen lassen, was er durch den Erbvertrag – oder (selten)
Ehepakt erhält (§744 Abs. 2). Vermächtnisse oder Zuwendungen blieben also unberücksichtigt, es sei
denn der Erblasser ordnet etwas Anderes an.

Werden bei der gesetzlichen Erbfolge alle Schenkungen berücksichtigt?


Berücksichtigt werden Schenkungen unter Lebenden und auf den Todesfall, wobei der Begriff
Schenkung weit zu verstehen ist (§871). Bei der gesetzlichen Erbfolge gibt es verschiedene Wege, die
zur Berücksichtigung von Schenkungen führen können: Anrechnung auf Wunsch des Verstorbenen
oder auf Wunsch eines Kindes (§752, §753).

Wie werden Schenkungen bewertet?


Schenkungen iSd Erbrechts sind auch Leistungen, die nach ihrem wirtschaftlichen Gehalt einem
unentgeltlichen Rechtsgeschäft unter Lebenden gleichkommen.
Die Berücksichtigung von Schenkungen erfolgt durch Hinzurechnen der anrechnungspflichtigen
Posten zur Verlassenschaft. Vom Erbteil des anrechnungspflichtigen Erben ist dann seine Schenkung
abzuziehen. Dabei bleiben die Erbquoten gleich, nur die Aufteilung der Verlassenschaft ändert sich.
Der Ausgleich erfolgt nur durch die Mittel der Verlassenschaft, der Beschenkte muss nichts
herausgeben (wenn der Pflichtteil nicht verkürzt wurde).
Da Schenkungen außerdem lange zurückliegen können, ist der Zeitpunkt maßgebend, in dem die
Schenkung wirklich gemacht wurde. Dieser Wert wird zum Todeszeitpunkt aufgewertet
(inflationsbereinigt). An späteren Wertsteigerungen profitiert die Verlassenschaft daher nicht (§755
Abs. 1)

Was ist zur Hinzu- und Anrechnung bei gewillkürter Erbfolge zu sagen?
Anders als bei der gesetzlichen Erbfolge, gibt es bei der gewillkürten Erbfolge jedenfalls einen vom
Verstorbenen geäußerten letzten willen, weswegen eine Anrechnung nur dann vorzunehmen ist,
wenn der Verstorbene sie letztwillig verfügt oder mit dem Geschenkgeber vereinbart hat. Der
Erblasser kann sein Vermögen innerhalb der Grenzen des Pflichtteilsrechts nach eigenem Ermessen
verteilen. Er könnte auch Posten anrechnen lassen, die in der gesetzlichen Erbfolge nicht
berücksichtigt werden.

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Welche Rolle spielt der Wille des Erblassers bei der Hinzu- und Anrechnung auf den gesetzlichen
Erbteil, welche bei der Anrechnung auf den gewillkürten Erbteil?
Während bei der gesetzlichen Erbfolge die Anrechnung auf Wunsch des Verstorbenen und jene auf
Wunsch des Kindes gibt, kennt die gewillkürte Erbfolge nur die Anrechnung auf Wunsch des
Verstorbenen. Man geht davon aus, dass der Erblasser bei der Verteilung seiner Verlassenschaft
Zuwendungen unter Lebenden berücksichtigt hat. Tat er das nicht, spielt das auch keine Rolle, da er
innerhalb des Pflichtteilsrechts in eigenem Ermessen verteilen kann.

Welche gesetzlichen Sonderregeln gibt es für die Rechtsnachfolge von Todes wegen?
gesetzliche Sondererbfolgen gibt es im Wohnungseigentum, Mietrecht, Pflegevermächtnis,
Anerbenrecht und bei außerordentlichen Lebensgefährten.

Welchen Zweck verfolgen die Sonderregeln des §14 WEG?


War der Erblasser gemeinsam mit einer anderen Person Miteigentümer einer Wohnung, sollen
diesem nach dem Tod der Erblasser kein fremder Partner aufgezwungen werden. Sie können eine
Parteienvereinbarung für die Nachfolge des Hälfteanteil schließen (dritte Person, die eintritt). Diese
muss vor einem Notar oder Rechtsanwalt geschlossen werden.
Nimmt der Begünstigte den Hälfteanteil nicht an oder gibt es keine Vereinbarung, geht der Anteil
unmittelbar ins Eigentum des überlebenden Partners über (§14 WEG). Es handelt sich dabei um eine
spezielle Anwachsung, dass kein erbrechtlicher Erwerb ist (dh. auch Erbunwürdigkeit schadet nicht).
Damit die Erben nicht benachteiligt werden, muss der Anwachsungsberechtigte einen
Übernahmepreis für den Hälfteanteil zahlen. Dieser beträgt die Hälfte des Verkehrswerts der
Eigentumswohnung.

Wer ist „Eintrittsberechtigter“ nach dem MRG?


Den gewöhnlichen Erben gehen beim Tod des Hauptmieters einer Wohnung bestimmte angehörige
vor (§14 MRG), sofern sie ein dringendes Wohnbedürfnis haben und schon bisher im gemeinsamen
Haushalt mit dem Mieter in der Wohnung gewohnt haben. Sind mehrere Eintrittsberechtigte
vorhanden, treten sie gemeinsam in den Mietvertrag ein.
Eintrittsberechtigt sind: Ehegatte, eingetragene Partner, Verwandte in gerader Linie und Geschwister
des bisherigen Mieters sowie Lebensgefährte (auch gleichgeschlechtlich)

Wozu gibt es eine Nachtragserbteilung?


Zur Vermeidung und Zerstückelung bäuerlicher Erbhöfe bestimmt das AnerbenG, dass aus den
möglichen Erben der am besten geeignete, sog. Anerbe ausgesucht wird, der den Hof übernehmen
will, aber dafür die übrigen weichenden Erben abfinden muss. Der Anerbe erhält den Erbhof zu
einem ihn begünstigten Übernahmepreis, der vom Verlassenschaftsgericht nach Billigkeit festgesetzt
wird §11 AnerbenG.
Der Anerbe könnte versucht sein, den um den billigen Übernahmspreis aus der Verlassenschaft
gekauften Erbhof teuer weiterzuverkaufen. Solchem Missbrauch wird durch die Nachtragserbteilung
begegnet. Überträgt der Anerbe binnen 10-jähriger Frist nach dem Tod des Erblassers den Erbhof,
hat er jenen Betrag herauszugeben, um den der Erlös den seinerzeitigen Übernahmepreis übersteigt.
Dieser Mehrbetrag ist an die Erben zu verteilen.

Welches Anliegen verfolgt das Pflegevermächtnis? Wer bekommt wofür wieviel?


Wer dem Verstorbenen gepflegt hat, soll durch ein gesetzliches Vermächtnis unabhängig von seiner
Motivation belohnt werden (§§677 f). Die Höhe richtet sich nach den erbrachten Pflegeleistungen
und dem Nutzen, den der Verstorbene daraus gezogen hat. Es soll im Verlassenschaftsverfahren eine
einvernehmliche Lösung gefunden werden (§147a AußStrG). Gelingt das nicht, muss das Vermächtnis
durch Klage gegen die Verlassenschaft oder nach Einantwortung gegen die Erben geltend gemacht
werden.

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Wie unterscheidet sich das Aneignungsrecht von einem Erbrecht?


Das Aneignungsrecht ist die ultima ratio. Es ist aber kein eigentliches Erbrecht, der Staat gibt keine
Erbantrittserklärung ab und haftet immer nur bis zur Höhe der übernommenen Aktiven, die wie
Passiven zwingend inventarisiert werden (§15 AußStrG). Ein Unterschied zum echten Erbrecht zeigt
sich auch daran, dass es keine Transmission an den Staat gibt.

Was ist die TEAGLAB-Formel?


Mit dieser Formel ermittelt man die Erben. In seltenen Fällen, wenn weder der Ehegatte noch
Verwandte ein Erbrecht haben, kommt der Lebensgefährte zum Zug. Nach ihm die
Vermächtnisnehmer, obwohl sie vom Erblasser nicht zum Erben berufen wurden. TEAGLAB:
Zuerst ist die Verteilung durch gewillkürte Erbfolge zu prüfen, also ob es einen TESTAMENTSERBEN
gibt. Danach ob, ein ERSATZERBE (Repräsentant) berufen ist, danach ob eine ANWACHSUNG
stattfinden kann. Schließlich ob die GESETZLICHE Erbfolge eintritt. Ist das nicht der Fall, ist das
außerordentliche Erbrecht des LEBENSGEFÄHRTEN zu prüfen, ehe das AUSSERORDENTLICHE Erbrecht
der Vermächtnisnehmer das Aneignungsrecht des Bundes verhindert.

9.3. Letztwillige Verfügungen


Wer ist testierfähig?
Testierfähig sind jedenfalls alle geistig gesunde Volljährige. Auch mündige Minderjährige können
mündlich vor Gericht oder Notar testieren (§569). Personen, denen ein Sachwalter bestellt wurde,
können testieren, wenn die dafür notwendige Einsichtsfähigkeit gegeben ist, die generell unter jener
für die volle Geschäftsfähigkeit angesiedelt ist. Sie können dann wie mündige Minderjährige vor
Gericht oder Notar mündlich testieren.

Welche Testamentformen kennen Sie?


eigenhändiges Testament, fremdhändiges Testament und Öffentliche Testamente vor Gericht oder
Notar.

Warum haben Nottestamente praktisch keine große Bedeutung?


In Fällen, in denen der Erblasser kein reguläres privates oder öffentliches Testament errichten kann,
weil unmittelbar die Gefahr droht, dass er stirbt oder seine Testierfähigkeit verliert (§584), lässt das
Gesetz ein Nottestament zu. Der Erblasser kann dann mündlich oder fremdhändig schriftlich unter
Beiziehung zweier fähiger Zeugen testieren, wobei schon mündige Minderjährige als fähige Zeugen
Betracht werden. Das Nottestament verliert allerdings drei Monate nach Wegfall der Gefahr seine
Gültigkeit, dann gelten früher errichtete im Zweifel wieder. Da das Nottestament nur zulässig ist,
wenn kein reguläres Testament errichtet werden kann, hält sich die praktische Bedeutung in
Grenzen, da zumindest ein eigenhändiges Testament oft möglich ist. Der OGH hat das Vorliegen noch
nie bejaht.

Bei welchen Testamentformen spielen Zeugen eine Rolle? Was ist zu beachten?
beim fremdhändigen Testament bedarf er der gleichzeitigen Anwesenheit dreier Zeugen, deren
Identität aus der Urkunde hervorgeht. Sie müssen eigenhändig mit einem Hinweis auf ihre
Zeugeneigenschaft unterschreiben. Sie müssen volljährige sein und in der Lage sein, den Testierakt
mit Einsichtsfähigkeit zu verfolgen und ihn wiederzugeben (§587). Überdies müssen die Zeugen
unbefangen sein (§588).
Fehlt ein Tatbestandsmerkmal, ist die Verfügung ungültig. Auch beim Nottestament bedarf es
Zeugen. Siehe oben.

Können Testamente auch konkludent widerrufen werden?


Der Widerruf einer Verfügung kann ausdrücklich erfolgen, indem in einer formgültigen

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Testamentform erklärt wird, eine bestimmte Verfügung aufzuheben. Oder stillschweigend


(konkludent), indem die Urkunde vom Erblasser vernichtet oder vertilgt wird. Wird das Testament
aber nicht mit dem Willen zerstört es aufzuheben, bleibt es gültig. Im Verlassenschaftsverfahren
muss aber derjenige den Beweis antreten, der sich darauf beruft.
Man kann eine Verfügung auch konkludent durch die Errichtung einer neuen Widerrufen.

Was ist die nuncupatio? Wer hat sie vorzunehmen?


Die nuncupatio ist eine Voraussetzung für das fremdhändige Testament. Der Erblasser muss den
fremdhändig geschriebenen Text mit einem eigenhändig verfassten Zusatz, dass die Urkunde sein
letzter Wille enthält unterschrieben werden. Das nennt man nuncupatio.

Was sind derogatorische Klauseln? Was ist zu ihrer Zulässigkeit zu sagen?


Aufgrund der Testierfähigkeit ist auch die Widerruflichkeit letztwilliger Verfügungen möglich (§552).
Der Erblasser kann sich diese Widerrufsmöglichkeit auch selbst nicht nehmen, sodass Klauseln wie
„dies ist mein endgültiger Wille, spätere Anordnungen sollen nicht gültig sein“ ungültig sind. Solche
Klauseln nennt man derogatorische Klauseln.

Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen der Andeutungstheorie und dem erbrechtlichen
Formzwang her!
Um ein Testament auszulegen verwendet man die Willenstheorie. Das so ermittelte
Auslegungsergebnis muss aber mit dem Testament zumindest angedeutet sein, da sonst der
Formzwang umgangen würde. Das Auslegungsergebnis darf daher nicht dem eindeutigen Text des
letzten Willens wiedersprechen = Andeutungstheorie. Diese besagt auch, dass das Umschreiben des
Willens des Erblassers gegen den Wortlaut der Verfügung nicht zulässig ist (weil sonst der
Formzwang unterlaufen würde).

Was versteht man unter Anwachsung?


Fällt einzelnen Erben das Erbrecht nicht an und hat der Erblasser für diesen Fall keine Anordnung
getroffen, regelt §560 die Anwachsung frei gewordener Anteile. Hat der Erblasser über die gesamte
Verlassenschaft verfügt, kommt es zur Anwachsung des freigewordenen Teils an die übrige. Hat er
dies nicht, fällt der freigewordene Teil den gesetzlichen Erben zu. Dasselbe passiert mit Anteilen, die
nicht erst frei geworden, sondern schon von Anfang an frei geblieben sind, weil der Erblasser nicht
über die ganze Verlassenschaft testiert hat.
Die Anwachsung gilt nur für frei gewordene Teile und wird daher durch eine Ersatzerbenberufung
oder Transmission ausgeschlossen.

Was bedeutet der Grundsatz „favor testamenti“?


Dieser Grundsatz besagt, dass bei der Auslegung des Testaments möglichst viel vom Testament und
dem Erblasserwille aufrecht bleiben soll.

Welche Rolle hat der Erblasserwille bei der Auslegung letztwilliger Verfügungen?
Der Erblasserwille ist das maßgebende Auslegungskriterium, er soll verwirklicht werden. Die
Andeutungstheorie sowie der Grundsatz des „favor testamenti“ bewirken, dass so viel vom
Erblasserwille aufrechterhalten werden soll, wie möglich.

Wie ist das Verhältnis von Anwachsung zu Transmission und Ersatzerbschaft?


Die Anwachsung kommt nur bei frei gebliebenen Anteilen in Betracht. Die Transmission und die
Ersatzerbenberufung schließen die Anwachsung daher aus, weil in beiden Fällen der Anteil des nicht
zur Erbschaft gelangten Erben gar nicht erst frei wird.

Welche Irrtümer sind im Erbrecht beachtlich? Wodurch rechtfertigen sich die Unterscheide zur
Rechtsgeschäftslehre?

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Es gilt die Willenstheorie: daher führen wesentliche Irrtümer zur Anfechtbarkeit, unwesentliche zur
Anpassung. Um welchen Irrtum es sich handelt, ist grundsätzlich irrelevant. Sogar ein Irrtum über
Zukünftiges kann zur Anfechtung berechtigen, allerdings formuliert §572 für Motivirrtümer
restriktive Anforderungen. Nach dem Gesetz muss die Verfügung einzig und allein wegen des Irrtums
getroffen worden sein. Die Anfechtung führt jedenfalls zur Beseitigung der Verfügung soweit der
Willensmangel reicht (favor testamenti). Vom Irrtum nicht betroffene Anordnungen sollen aufrecht
bleiben.
Nach der Andeutungstheorie ist hingegen ein Umschreiben des Willens gegen den Wortlaut nicht
zulässig (Unterlaufung des Formzwangs). Das Ergebnis muss im Wortlaut immer zumindest
angedeutet sein.

Wer kann letztwillige Verfügungen anfechten?


Anfechtungsberechtigt ist nur, wer vom Wegfall einer Verfügung profitieren würde.

Was versteht man unter Agnation und Präterition?


Das Gesetz trifft für die irrtümliche Übergehung pflichtteilsberechtigter Kinder Vorsorge (§775 Abs.
2). Übergeht der Erblasser sein einziges Kind, weil er nicht gewusst hat, dass er es hat (Präterition),
wird der letzte Wille entkräftet. Man spricht von testamentum ruptum (zerrissenes Testament). Die
Folge ist der Eintritt in die gesetzliche Erbfolge, da keine Grundlage mehr für die testamentarische
Erbfolge vorhanden ist.
Vom Wortlaut des Gesetzes nicht erfasst ist der vergleichbare Fall, dass ein kinderloser Erblasser
nach Erklärung seines letzten Willens ein Kind erhält, dass er nicht berücksichtigt hat (Agnation).
Dabei dürfte es sich aber um ein Versehen des Gesetzgebers handeln, da kein sachlicher Grund für
eine Differenzierung besteht.

Beschreiben Sie die Rechtsstellung des Vermächtnisnehmers!


Vermächtnisse sind Zuwendungen des Verstorbenen, die keine Erbenstellung begründen. Der
Vermächtnisnehmer bekommt eine bestimmte Sache, keinen Erbteil (§535). Er wird nicht
Gesamtrechtsnachfolger, sondern Einzelrechtsnachfolger.

Was ist dein Damnations-, was ist ein Vindikationsvermächtnis?


Ein Damnationsvermächtnis bedeutet, dass der Erbe schuldrechtlich verpflichtet ist, die Sache
herauszugeben. Nach der Einantwortung richtet sich die Forderung gegen die Erben, erst wenn der
Anspruch erfüllt wird (Übergabe, Zession, Verbücherung), erlangt der Vermächtnisnehmer seine
Rechtsposition (Eigentümer).
Bei einem Vindikationslegat würde der Vermächtnisnehmer ipse iure Eigentümer der Sache werden
und könnte sie vom Erben mit der Eigentumsklage herausverlangen.

Was ist ein Vorausvermächtnis?


Hinterlässt der Erblasser das Vermächtnis dem Erben zusätzlich zu seinem Erbteil, spricht man von
Vorausvermächtnis. Ist das Vermächtnis vom Erbteil abzuziehen spricht man von Hineinvermächtnis.
Im Zweifel nimmt man das Vorausvermächtnis an (§648)

Welche Stellung hat der Begünstigte aus einem Pflegevermächtnis im Vergleich mit anderen
Vermächtnisnehmern?
Das Kürzungsrecht nach §764 wird als materielle Beitragspflicht der Vermächtnisnehmer bezeichnet.
Nicht gekürzt werden das gesetzliche Vorausvermächtnis von Ehegatten und Lebensgefährten und
das gesetzliche Pflegevermächtnis, da diese gesetzlichen Zuwendungen selbst Pflichtteilscharakter
haben.

Erklären Sie die verschiedenen Kürzungsrechte des Erben gegenüber den Vermächtnisnehmern!
1. §692: Bedingte Erbantrittserklärung  der Erbe haftet nur mit der Höhe der übernommenen

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Aktiva. Er kann Vermächtnisse, die er aus der Verlassenschaft nicht mehr befriedigen kann, kürzen.
Das ergibt sich aus den allgemeinen Grundsätzen der Erbenhaftung.
2. §764: Pflichtteilsverkürzung  Wurde dem Pflichtteilsberechtigten der Pflichtteil nicht oder nicht
ausreichend vom Erblasser zugewendet, entsteht der Pflichtteilanspruch in Geld. Diesen
Pflichtteilanspruch muss der Erbe nicht allein aufbringen, er sind auch die Vermächtnisnehmer
heranzuziehen. Der Erbe hat daher das Recht, die Zuwendungen an die Vermächtnisnehmer zu
kürzen. Dieses Recht steht unabhängig von der Art der Erbantrittserklärung zu, also auch bei
unbedingter Antretung der Erbschaft.

Welche Funktion hat das außerordentliche Erbrecht der Vermächtnisnehmer? Was ist sein
gesetzgeberischer Hintergrund?
Gibt es keine eingesetzten Erben, die zur Erbschaft gelangen, nach diesen keine Ersatzerben und
Anwachsungsberechtigten und auch keine gesetzlichen Erben sowie keine Lebensgefährten, sind die
Vermächtnisnehmer zur Vermeidung der Aneignung durch den Bund verhältnismäßig zu Erben
berufen (§749).
Ratio ist, dass der Erblasser sein Vermögen lieber in den Händen von Personen gesehen hätte, denen
er irgendwas hinterlassen wollte, als jenen des Staates. Kein außerordentliches Erbrecht haben
hingegen sie gesetzlichen Vermächtnisnehmer, also der Ehegatte oder Lebensgefährte mit seinem
Vorausvermächtnis und der Begünstigte aus einem Pflegevermächtnis.

Unterscheiden Sie Ersatzerbschaft und Nacherbschaft!


Die Ersatzerbschaft (§604) soll Vorsorge für den Fall treffen, dass der vom Erblasser eigentlich
gewollte Erbe nicht zur Erbschaft gelangt, da er vorverstorben oder erbunwürdig ist oder die
Erbschaft ausschlägt. Stirbt der jeweils Berufene zwar nach dem Erbanfall, aber bevor er die
Erbschaft angenommen hat (durch Erbantrittserklärung), geht der Ersatzerbe der Transmission vor.
Ausnahme: Die Nachkommen eines letztwillig bedachten Kindes sind im Zweifel seine Ersatzerben.
Bei der Nacherbschaft will der Erblasser auch noch darüber bestimmen, wer sein Vermögen nach
seinem Erben erhalten soll. Der Erblasser verpflichtet bei der Nacherbschaft daher den ersten Erben
(Vorerben), die Verlassenschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt (Nacherbfall) dem nächsten
(Nacherben) herauszugeben. Im Zweifel ist der Nacherbfall der Tod des Vorerben. Der Erblasser kann
aber auch einen anderen anordnen (Studienabschluss, Volljährigkeit etc.).
Obwohl das dem Erblasserwillen widerspricht, können Vorerbe und Nacherbe nach herrschender
Ansicht gemeinsam die Nacherbschaft aufheben (Formerfordernis des Erbschaftskaufs, §1278 Abs.
2).
Es ist unklar, ob dem Reformgesetzgeber nicht die Änderung der einvernehmlichen Aufhebung
wollte.

Welchen Beschränkungen unterliegt der Erblasser bei Einsetzung von Nacherben? Wieso?
Die Anzahl der Nacherben ist gesetzlich beschränkt. Der Erblasser kann zwar so viele Zeitgenossen als
Nacherben einsetzen, wie er will – setzt er aber keine Zeitgenossen ein, kann er für bewegliche
Sachen maximal zwei, für unbewegliche sogar nur einen Nacherben bestimmen (§611 ff). Juristische
Personen sind keine Zeitgenossen, weil bei ihnen die natürliche Beschränkung auf ein
Menschenleben nicht greift und daher eine solche ewige Immobilisierung droht. Grund für diese
Regelung ist, dass das Vermögen dem Rechtsverkehr nicht dauerhaft entzogen werden soll.

Charakterisieren Sie die Rechtsstellung des Vorerben!


Der Vorerbe wird zwar durch Einantwortung Eigentümer der Verlassenschaft und kann sie
unbeschränkt nutzen, jedoch hat er die Substanz zu schonen und unterliegt einem Veräußerungs-
und Belastungsverbot. Er hat also die Stellung eines Fruchtnießers (§613). Dritte können analog zu
§367 Rechte erwerben und Aufwendungen hat der Vorerbe zu tätigen, wenn sie einem Fruchtnießer
obliegen (§513).

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Was ist befreite Vorerbschaft?


Bei der Nacherbschaft auf den Überrest, auch befreite Vorerbschaft genannt, kann der Vorerbe unter
Lebenden (aber nicht letztwillig) über das Substitutionsgut verfügen und es sogar verschenken,
sodass dem Nacherben nur der Überrest bleibt (§609). Die Grenze ist die sittenwidrige Schädigung.

Was ist eine Konversion im Erbrecht?


Das Gesetz deutet Testierverbote und Gebote (aufgrund von unbewussten Verstoß der
Testierfreiheit) um (§610).

Wodurch unterscheiden sich Bedingung und Befristung?


Bei einer Bedingung wird der Eintritt oder Wegfall eines Rechtes an den zukünftigen Eintritt eines
noch ungewissen Ereignisses geknüpft (§696). Man unterscheidet Suspensiv- und
Resolutivbedingung. Bei der Suspensivbedingung kann der Erblasser anordnen, dass das Recht erst
mit dem Eintritt eines bestimmten Ereignisses entstehen soll. Vorher hat der Begünstigte nur eine
aufschiebend bedingte Rechtsposition. Sein Erbrecht entsteht erst mit dem Eintritt des Ereignisses
(§703).
Bei der Resolutivbedingung ordnet der Erblasser den Verlust eines Rechts mit dem Eintritt eines
Ereignisses an. Der Begünstigte hat eine auflösend bedingte Rechtsposition, er hat das Recht also
schone erworben, kann es aber wieder verlieren.
Im Unterschied zur Bedingung steht fest, dass der Zeitpunkt kommen wird. Die Zuwendung ist also
mit einem sicher eintretenden Ereignis verbunden.

Was geschieht mit negativen Suspensivbedingungen?


Bei aufschiebenden negativen Bedingungen kann es notwendig sein, sie in positiv auflösende
umzudeuten. Dh. Man deutet eine negative Suspensivbedingung in eine positive Resolutivbedingung
um.

Was ist ein Bestreitungsverbot? Welche Überlegung des Erblassers könnte hinter solchen
Anordnungen stecken?
Das Bestreitungsverbot (kassatorische Klause) ist eine Klausel, in der der Erblasser eine Bedenkung
mit der Bedingung knüpft, dass sie verloren geht, wenn der letzte Wille bestritten wird (§712). Das
Bestreitungsverbot ist dann ungültig, wenn die Echtheit der Verfügung bestritten wird, also dass sie
vom Verstorbenen stammt, oder sonst dem wahren Willen des Verstorbenen zu Durchbruch
verholfen werden soll.

Wie lassen sich Auflage und Vermächtnis abgrenzen?


Die Auflage gebietet oder verbietet dem Empfänger einer Zuwendung ein bestimmtes Verhalten bei
sonstiger Sanktion (§709). Die Erfüllung der Auflage kann erzwungen werden (aber nicht vom
Auflagebegünstigten). Während Bedingungen genau erfüllt werden müssen, genügt bei der Auflage
die annähernde Erfüllung, wenn die genaue Befolgung unmöglich ist. Ist auch das nicht möglich, fällt
die Auflage ganz weg. Die verschuldete Nichterfüllung der Auflage gilt als auflösende Bedingung. Der
Bedachte verliert die Zuwendungen, es sei denn, dass das dem Erblasserwillen nicht entspricht
(§710).

Wo gibt es ein reines (freies) Viertel? Welches rechtliche Schicksal hat es?
Nach §1253 darf sich der Erbvertrag maximal auf drei Viertel des Vermögens beziehen, ein freies
Viertel muss dem Erblasser zur freien Verfügung bleiben. Bestimmt der Erblasser nichts, tritt die
gesetzliche Erbfolge ein, durch die auch der Vertragserbe begünstigt werden kann. Die Art der
Berechnung ist umstritten. Nach HA sind von der reinen Verlassenschaft auch die Pflichtteile
abzuziehen, anschließend ist das freie Viertel vom Rest zu berechnen.

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Was spricht gegen die Gültigkeit einer Übergabe auf den Todesfall? Unter welchen
Voraussetzungen wäre die Übergabe gültig?
Bei der Übergabe auf den Todesfall übergibt der Erblasser einen Gegenstand einem Dritten, der ihn
nach dem Tod der Erblassers behalten können soll. Dafür spricht, dass mit der Übergabe zwar eine
Schenkung unter Lebenden gültig wäre, allerdings möchte der Erblasser bis zu seinem Tod noch kein
Eigentum übertragen. Es fehlt also die Form für eine letztwillige Verfügung (Vermächtnis) und für
eine Schenkung auf den Todesfall. Die Zuwendung ist ungültig.

Was ist eine Bezugsberechtigung? Welches erbrechtliche Problem bringt sie mit sich?
Der Versicherungsnehmer kann bestimmen, dass bei seinem Ableben die von ihm genannte
bezugsberechtigte Person die Versicherungssumme erhält (Vertrag zugunsten Dritter). Diese
Begünstigung wird Bezugsberechtigung genannt (§166 Abs. 1 VersicherungsvertragsG). Sie kann
unter Lebenden, aber auch durch eine letztwillige Verfügung erfolgen. Gibt es eine
Bezugsberechtigung, fällt die Versicherungssumme nicht in die Verlassenschaft, wodurch Pflichtteile
gefährdet wären  Pflichtteilsberechtigte können daher die Hinzu- und Anrechnung nach §§781 ff
verlangen.

Wie ist die Schenkung auf den Todesfall in der Verlassenschaft rechnerisch zu behandeln? Was
bedeutet dies für etwaige Pflichtteile?
Schenkungen auf den Todesfall binden den Erblasser zu seinen Lebzeiten und verpflichtet ihn, alles
zu unterlassen, was den Anspruch des Geschenkten gefährdet. Der Beschenkte ist ein Gläubiger und
geht den sonstigen (entgeltlichen) Gläubigern in der Insolvenz nach (§58 IO). Die Passivierung führt
dazu, dass das Geschenk zunächst nicht zur Berechnung der Pflichtteile herangezogen wird. Da der
Erblasser so aber Pflichtteile umgehen könnte, kann er Pflichtteilsberechtigte eine Hinzu- und
Anrechnung der Schenkung verlangen. Zu den Pflichtteilen beitragen muss der Beschenkte im
Rahmen der Hinzu- und Anrechnung aber nur dann, wenn die Verlassenschaft sonst nicht ausreicht.

Passt die Behandlung von Schenkungen auf den Todesfall zur Behandlung von Vermächtnissen?
Der Beschenkte auf den Todesfall hat als Verlassenschaftsgläubiger eine stärkere Position als
Vermächtnisnehmer (§764), die auch sonst eine materielle Beitragspflicht trifft.

Unterscheiden sie materielle und formelle Repräsentation!


materielle Repräsentation – Berechtigung leitet sich vom Vormann ab.
formelle Repräsentation – nur Umfang der Erbquote leitet sich vom Vormann ab, das Recht entsteht
aber beim Repräsentanten.

Unterscheiden Sie die Ausschlagung der Erbschaft vom Verzicht auf das Erbe!
Der Erbverzicht ist die einzig zulässige Verfügung, die über ein künftiges Erbrecht getroffen werden
kann (§§551, 879 Abs. 2 Z 3). Sie bedarf eines Notariatsaktes zwischen dem Erben und dem Erblasser.
Zu unterscheiden ist die Entschlagung, die kein Vertrag zu Lebzeiten des Erblassers ist, sondern die
einseitige unwiderrufliche Erklärung des potenziellen Erben im Verlassenschaftsverfahren, das Erbe
nicht antreten zu wollen. Ob der Erbverzicht auch für die Nachkommen des Verzichteten gilt, ist
Auslegungssache, grundsätzlich geht das Gesetz aber schon davon aus, dass durch einen
Verzichtsvertrag der ganze Stamm sein Erbrecht verliert und daher auch Repräsentation
ausgeschlossen ist.
Der Verzicht auf das Erbrecht erfasst im Zweifel auch den Pflichtteil. Der Verzicht auf den Pflichtteil
berührt das gesetzliche Erbrecht umgekehrt jedoch nicht. Wer verzichtet hat, kann vom Erblasser
außerdem letztwillig bedacht werden.

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9.4. Pflichtteilsrecht
Definieren Sie den Begriff Pflichtteilsanspruch!
Der Pflichtteil ist die Quote des gesetzlichen Erbrechts. Das Pflichtteilsrecht sichert den Personen, die
aufgrund ihrer besonders engen Beziehung zum Erblasser jedenfalls am Vermögen teilhaben sollen,
einen Anteil der Verlassenschaft. Das Pflichtteilsrecht begünstigt nur Familienangehörige.

Wer ist pflichtteilsberechtigt? Wovon hängt die konkrete Pflichtteilsberechtigung ab?


Pflichtteilsberechtigt sind nach §757 der Ehegatte und die Nachkommen den Erblasers (1. Parentel).
Diese Personen kommen also abstrakt für den Pflichtteil in Frage. Von der abstrakten ist die konkrete
zu unterscheiden: Konkret pflichtteilsberechtigt ist, wem ohne letztwillige Verfügung ein gesetzlicher
Erbteil nach dem Verstorbenen zustünde. Nicht konkret pflichtteilsberechtigt sind daher
Vorverstorbene, Erbunwürdige, Enterbte oder Personen, die auf den Pflichtteil verzichtet haben.

Kann der Erblasser bestimmen, in welcher Form ein Pflichtteilsberechtigter seinen Pflichtteil
erhält? Ist der Pflichtteilsberechtigte daran gebunden?
Auf die Zuweisung bestimmter Sachen hat der Pflichtteilsberechtigte keinen Anspruch. Er kann sie
daher nicht ausschlagen und stattdessen seinen Geldpflichtteil fordern. Der Verstorbene kann also
den Pflichtteil zuwenden, wie er möchte. (§808 Abs. 2)

Wie lange kann der Erblasser den Pflichtteilsanspruch stunden?


Das Gesetz gewährt dem Verstorbenen die Möglichkeit, den Pflichtteil letztwillig auf bis zu fünf Jahre
nach seinem Tod zu stunden oder binnen dieses Zeitraums in Raten auszahlen zu lassen (§766).

Der Erblasser enterbt seine Tochter A, da sie aus der Kirche ausgetreten ist. Er hinterlässt noch eine
Ehefrau. Die reine Verlassenschaft beträgt 30.000. Auf wie viel hat die Tochter Anspruch?
Der Erblasser kann den Pflichtteil nicht ohne weiteres entziehen  er kann nur unter den engen
Voraussetzungen einer Enterbung entzogen werden. Die Enterbungsgründe sind in §770 aufgezählt.
Da ein Austritt aus der Kirche keinen Enterbungsgrund setzt, steht der Tochter der Pflichtteil zu
(10.000).

Was ist eine untechnische Enterbung?


Eine untechnische Enterbung ist der Ausschluss vom gesetzlichen Erbrecht.

Unter welchen Voraussetzungen kann ein Ehegatte enterbt werden?


In §§539 ff stehen die Erbunwürdigkeitsgründe, welche zugleich Enterbungsgründe sind. Das Gesetz
lässt die Enterbung aber auch bei Vergehen zu, die nicht zur Erbunwürdigkeit führen – ZB die
Verletzung der ehelichen Beistandspflichten, die Verurteilung zu einer lebenslangen oder 20-jährigen
Freiheitsstrafe sowie bei der Behandlung qualifizierter Straftaten gegen Angehörige des Erblassers
(weiterer Kreis der Angehörigen als bei der Erbunwürdigkeit). Auch §771 (Enterbung in guter
Absicht), bei verschwenderischen oder verschuldeten Pflichtteilsberechtigten die Gefahr besteht,
dass sie alles verprassen.

Was ist der Unterschied zwischen der Anrechnung und der Hinzu- und Anrechnung? Wann kommt
was zum Tragen?
Auf seinen Pflichtteil muss sich der Pflichtteilsberechtigte Zuwendungen von Todes wegen anrechnen
lassen (§780). Die Hinzu- und Anrechnung ist ein zweiaktiger Vorgang (§787). Zunächst sind alle
anrechnungspflichtigen Schenkungen der reinen Verlassenschaft hinzuzurechnen. Die Summe der
reinen Verlassenschaft und der hinzugerechneten Schenkungen ergibt die neue
Bemessungsgrundlage für den Pflichtteil.

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Wer profitiert von der Hinzu- und Anrechnung auf den Pflichtteil?
Von der neuen Bemessungsgrundlage sind die Pflichtteile zu ermitteln. Auch der Ehegatte profitiert
von der Anrechnung auf den Pflichtteil (anders als bei der Anrechnung auf den Erbteil).

Wer kann die Hinzu- und Anrechnung auf den Pflichtteil verlangen?
§§782 f  regelt ausführlich, wer die Hinzu und Anrechnung verlangen darf (Aktivlegitimation).
Grundsätzlich sind das diejenigen, die ein rechtliches Interesse daran haben. Konkret alle
Pflichtteilsberechtigten, Ehegatte, Erbe.

Von wem sind die Pflichtteile aufzubringen?


Primär erfolgt der Ausgleich mit den Mitteln der Verlassenschaft (§789). Wenn die Verlassenschaft
nicht zur Deckung der Pflichtteile ausreicht, kann ein Beschenkter zur Zahlung des Fehlbetrages
herangezogen werden – bezahlt er nicht, hat er die Sache herauszugeben. Seine Haftung beschränkt
sich jedoch auf die noch vorhandene Bereicherung. Mehrere Beschenkte haftet anteilig im Verhältnis
des Werts ihrer Geschenke.

Welche zeitlichen Befristungen sind bei der Hinzu- und Anrechnung zu beachten?
Das Gesetz unterscheidet bei der Anrechnung zwischen Schenkungen an Pflichtteilsberechtigte und
an nicht pflichtteilsberechtigte Personen. Schenkungen an pflichtteilsberechtigte sind unbefristet
anzurechnen (§783) – Schenkungen an nicht pflichtteilsberechtigte Personen sind nur anzurechnen,
wenn sie innerhalb von zwei Jahren vor dem Tod des Erblassers erfolgt sind (§782, 792).

Welche Schenkungen sind pflichtteilsrechtlich zu berücksichtigen? Welche nicht?


Eine Hinzu- und Anrechnung von Zuwendungen unter Lebenden kommt bei allen Schenkungen in
Frage. Dabei zählen nicht nur zivilrechtliche Schenkungsverträge (§781), sondern auch Abfindungen
für einen Erb- oder Pflichtteilsverzicht, die Ausstattung eines Kindes zur Eheschließung, Vorschüsse
auf den Pflichtteil oder stiftungsrechtliche Begünstigungen. Überhaupt alle Leistungen, die nach
ihrem wirtschaftlichen Gehalt einem unentgeltlichen Rechtsgeschäft unter Lebenden gleichkommen.
Ausnahmen in §784 (Schenkungen, die das Stammvermögen nicht geschmälert haben, auf
gemeinnützige Zwecke oder sittlicher Pflicht).

Welche Auswirkungen hat ein Erbverzicht auf die Anrechnung?


Es kommt auf die abstrakte Pflichtteilsberechtigung an. Wer im Schenkungszeitpunkt abstrakt
pflichtteilsberechtigt ist, unterliegt daher der Berücksichtigung.

Wann beginnt die 2-Jahres-Frist bei der Hinzu- und Anrechnung?


§782 lässt die 2-Jahres-Frist nicht beginnen, bis der Verstorbene die Schenkung wirklich gemacht hat,
also das Vermögensopfer erbracht hat.

Wonach richtet sich die Haftung des Erben für die Schulden des Erblassers?
Die Haftung richtet sich danach, ob der Erbe eine bedingte oder unbedingte Erbantrittserklärung
abgegeben hat. Bei der unbedingten haftet er für alle Verbindlichkeiten des Erblassers mit seinem
gesamten Vermögen (§801). Bei der bedingten hat der Gerichtskommissionär eine genaue
Aufstellung der Vermögenswerte des Erblassers zu machen. Der Erbe haftet nur bis zum Wert der
übernommenen Aktiven (nicht aber auf den Nachlass gehörige Sachen).
Haben die Gläubiger jedoch eine Nachlassseparation (Verlassenschaftsseparation) beantragt, kommt
es ausnahmsweise zur Haftung nur mit den Vermögensstücken des Erblassers (cum-viribus).

Welche Möglichkeiten der Aufhebung der Erbengemeinschaft gibt es?


Gibt es mehrere Erben, steht jedem eine Quote an der Verlassenschaft zu. Da
Miteigentumsgemeinschaften unpraktisch sind, werden sie häufig aufgelöst. Dies kann durch
einvernehmliches Erbteilungsübereinkommen erfolgen oder durch eine Erbteilungsklage.

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Kann man ein Erbrecht veräußern?


Während man über ein in der Zukunft anfallendes Erbrecht nicht einmal gültig verfügen kann, gilt für
ein angefallenes Erbrecht vor der Einantwortung anderes. Das Gesetz kennt Erbschaftskauf und
Erbschaftsschenkung – bei beiden handelt es sich um eine (technische) Veräußerung des Erbrechts
(§1278), die der Form eines Notariatsaktes oder eines gerichtlichen Protokolls bedarf. Der Erwerber
tritt an die Stelle des Erben und setzt das Verlassenschaftsverfahren in diesem Stadium fort, in dem
es sich befindet.

10. Mehrpersonalität
Erläutern Sie das zessionsrechtliche Verschlechterungsverbot!
Zession = die Übertragung einer Forderung durch den Gläubiger auf einen neuen Gläubiger §1392 ff.
Die Zession bewirk also einen Gläubigerwechsel. Die Zession ist das Verfügungsgeschäft. Es bedarf
also auch einen Titel, der die Zession wirtschaftlich rechtfertigt (Kaufvertrag, Sicherungsabrede etc.).
Zession ist formfrei, es kann jedoch sein, dass das Titelgeschäft bestimmten Formerfordernissen
unterliegt (ZB Schenkung). Einen besonderen Publizitätsakt bedarf die Sicherungszession. Eine gültige
Abtretung erfordert nicht die Zustimmung des Schuldners. Er muss nicht einmal informiert werden.
Als Ausgleich dafür sieht das Gesetz allerdings ein zessionsrechtliches Verschlechterungsverbot in
§1396 vor. Dieses besagt, dass die Forderung völlig unverändert bleibt und der Schuldner alle
Einwendungen behält, die er den Altgläubigen entgegenhalten konnte. Einer der wichtigsten Aspekte
des zessionsrechtlichen Verschlechterungsverbotes ist die Erhaltung von Aufrechnungslagen. Eine
Aufrechnung ist allerdings nur für Forderungen möglich, die dem Zessus entstanden sind, BEVOR er
von der Abtretung erfahren hat. War die Forderung schon vor der Verständigung angelegt, ist eine
Aufrechnung auch dann möglich, wenn sie erst danach entstanden ist. Dasselbe gilt für konnexe
Forderungen (stammen aus demselben Rechtsverhältnis).

Welche Funktion hat die Verständigung des debitor cessus?


Die Verständigung des Schuldners von der Zession kommt aber nicht nur für die Wahrung der
Aufrechnungslagen Bedeutung zu, sondern könnte es auch sein, dass er in Unkenntnis der Zession an
dem Altgläubigem leistet. Nach §1395 ist eine solche Leistung schuldbefreiend (Vertrauensschutz).
Sobald der Zessus allerdings wirksam verständigt wurde, kann er nur mehr beim Neugläubiger
leisten. Der Gutglaubensschutz nach §§1395 ff greift auch bei falscher Verständigung ein
(Putativzession).

Welche Funktion hat die Drittschuldnerverständigung bei der Sicherungszession?


Bei der Sicherungszession wird eine Forderung einem Neugläubiger nur als Kreditsicherheit
übertragen. Der Neugläubiger kann sich im Fall des Zahlungsverzugs des Altgläubigers aus der
Forderung befriedigen (die Forderung einziehen). Da die Sicherungszession der Verpfändung von
Forderungen gleicht, bedarf sie eines Publizitätsaktes (Drittschuldnerverständigung; Buchvermerk).
Bei diesem Publizitätsvermerk handelt es sich um den Modus. Vor seiner Setzung ist die Zession nicht
wirksam. Die Drittschuldnerverständigung hat bei der Sicherungszession also zwei Funktionen: Sie
bewirkt das gültige Zustandekommen der Zession und nimmt zugleich dem Drittschuldner die
Möglichkeit, noch an den Altgläubiger zu leisten.

Was versteht man unter Putativzession? Welche Regeln gelten für sie?
Wird der Zessus fälschlich von einer Zession verständigt, die gar nicht wirksam stattgefunden hat
(=Putativzession), greift der Gutglaubensschutz ach §§1395 ff (analog). Erkennt der Zessus allerdings,
dass die Informationen falsch sind, kann er sich auf die Ungültigkeit der Zession berufen. Er darf
Einwendungen aus dem Rechtsverhältnis zwischen Altgläubiger und Neugläubiger aber nur erheben,
sofern sie sich unmittelbar auf die Gläubigerstellung des Neugläubigers beziehen. Er kann hingegen
keine Gestaltungsrechte eines der beiden ausüben.

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Was gilt bei Doppelzession?


Treffen mehrere Zessionen einer Forderung zusammen, erwirbt der erste Zessionar die Forderung,
späteren kann sie vom Altgläubiger nicht mehr übertragen werden, da er nicht mehr über sie verfügt
(§442). Wird die Forderung von einem Dritten eingezogen, der manuell nicht berechtigt ist, hat der
Gläubiger einen Verwendungsanspruch nach §1041, weil seine Sache rechtsgrundlos zum Vorteil
eines Dritten verwendet wurde.

Was versteht man unter Factoring?


Factoring ist so wie die Inkassozession, Sicherungszession und Stille Zession eine Sonderform der
Zession. Beim Factoring spricht man von der Zession von Forderungen aus Dienstleistungen oder
Warenlieferungen an einen Factor (Neugläubiger). Wenn der Factor das Risiko der Uneinbringlichkeit
der Forderung übernimmt (Delkredereübernahme), spricht man von echtem Factoring, sonst von
unechtem. Bei echtem gibt es daher keine Gewährleistung für die Uneinbringlichkeit. Das Factoring
hat Finanzierungsfunktion. Der Zedent erhält sofortige Liquidität, der Factor profitiert davon, dass er
die Forderung nicht zum Nominale, sondern einem darunterliegenden Preis kauft.

Was ist eine Inkassozession?


Die Abtretung an einen Neugläubiger, der nur die Eintreibung der Forderung übernehmen soll.
Wirtschaftlich bleibt der Altgläubiger Gläubiger, es handelt sich um eine Treuhandkonstruktion, bei
der ein Vermögenswert zwar übertragen wird, der Erwerber aber strengen Bindungen im
Innenverhältnis unterliegt. Aus diesem Grund soll der Zessus auch Einwendungen haben, die ihm
gegen den Altgläubiger erst nach der Verständigung entstanden sind.

Was ist eine Legalzession? Wodurch unterscheidet sie sich von einer notwendigen Zession?
Legalzession = gesetzliche Zession (cessio legis). In diesen Fällen bedarf es der Abtretung keiner
Parteieneinigung, sondern das Gesetz selbst ordnet den Forderungsübergang an:

- §1358 regelt den Rückgriff des Bürgen oder Drittpfandbestellers gegenüber dem
Hauptschuldner. Meist haben Sicherheitsbesteller ohnehin einen Ersatzanspruch (durch
einen Auftragsvertrag). Falls nicht, können sie sich auf §1358 stützen. Damit wird eine
gesetzliche Zession der bezahlten Forderung angeordnet. Im Zeitpunkt der Zahlung geht die
Forderung samt allfälligen Sicherheiten über.
- Im Versicherungsrecht: nach §332 ASVG, §67 VersVG
- §1422 (Einlösung)Bezahlt jemand eine fremde Schuld, für die er nicht persönlich oder mit
bestimmten Vermögenswerten haftet, kann er bei Bezahlung die Abtretung verlangen. Es
gehen nach HA auch Sicherungsrechte über.

Worin liegt der Unterschied zwischen Schuldübernahme und Schuldbeitritt?


Bei der Schuldübernahme wird der Schuldner ausgewechselt (private, befreiende Schuldübernahme,
Schuldeintritt §1405). Da damit die Gefahr verbunden ist, dass sich der Haftungsfonds des Gläubigers
verringert, ist dafür die Zustimmung des Gläubigers notwendig. Wer für den alten Schuldner gebürgt
oder ein Pfand bestellt hat, müssen ebenfalls dem Schuldnerwechsel zustimmen, sonst haften sie
nicht weiter §1407.
Beim Schuldbeitritt (kumulative Schuldübernahme) tritt ein zweiter Schuldner der Schuld bei, der
alte Schuldner bleibt aber unverändert gebunden. Da es für den Gläubiger risikolos ist, bedarf es
auch nicht seiner Zustimmung. Da sich aber niemand etwas aufdrängen lassen muss, kann der
Gläubiger dieses Recht zurückweisen (§882). Da der Schuldbeitritt eine gewisse Nähe zur Bürgschaft
hat, ist das Schriftformerfordernis der Bürgschaft (§1346) zu Sicherungszwecken analog anzuwenden.

Wieso muss der Gläubiger einer befreienden Schuldübernahme zustimmen?


Bei einer befreienden Schuldübernahme wird der Schuldner ausgewechselt, weshalb das ein

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gewisses Risiko für den Gläubiger bewirkt, da sich der Haftungsfonds verkleinern könnte. Deshalb
bedarf es seiner Zustimmung und jener, der Sicherheitenbesteller. Wird die Zustimmung vom
Gläubiger erteilt, tritt der neue Schuldner an die Stelle des alten. Er übernimmt die Forderungen so
wie sie vorher waren und kann die Einwendungen des alten Schuldners geltend machen, aber auch
eigene Einwendungen.

Erläutern Sie Hintergrund und Wirkung des gesetzlichen Schuldbeitritts nach §1409!
In bestimmten Fällen ordnet das Gesetz selbst einen Schuldbeitritt an. So haftet der Erwerber eines
Unternehmens oder Vermögens für alle dazugehörigen Schulden, die er kannte oder kennen musste
(§1409). Die Haftung ist mit der Höhe der übernommenen Aktiven beschränkt (pro-viribus-Haftung).
Der ursprüngliche Schuldner haftet weiterhin.
Hintergrund ist die Erhaltung von Haftungsfonds. §1409 ist eine Gläubigerschutzvorschrift und daher
zwingend. Wird der Übernehmer tatsächlich zur Haftung herangezogen, hat er gegen den Veräußerer
meist Ansprüche aus der Gewährleistung, weil er vom Veräußerer kein lastenfreies
Unternehmen/Vermögen erworben hat (Rechtsmangel). 1409 kommt aber nur zur Anwendung,
wenn ein Vermögen oder ein Unternehmen auf einen anderen übertragen wird, nicht aber, wenn das
Unternehmen weiter demselben Rechtssubjekt gehört und sich nur die Eigentumsverhältnisse an
diesem ändern.

Was ist eine Erfüllungsübernahme? Kann der Gläubiger den Übernehmer klagen?
Bei der Erfüllungsübernahme verspricht ein Dritter dem Schuldner, die Leistung an den Gläubiger zu
erbringen (§1404). Die Vereinbarung wirkt nur zwischen Schuldner und Übernehmer, dem Gläubiger
entsteht kein Anspruch. Da der Dritte aber mit Einverständnis des Schuldners agiert, muss der
Gläubiger die Leistung annehmen und kann sich nicht an den Schuldner halten. Da er also keinen
Anspruch gegen den Dritten hat, kann er diesen nicht klagen, muss seine Leistung aber annehmen.

Wodurch unterscheidet sich eine Schuld- von einer Vertragsübernahme?


Während bei der Schuldübernahme der Schuldner ausgewechselt wird, soll bei der (gesetzlich nicht
geregelten) Vertragsübernahme der Vertragspartner geändert werden. Es soll also das gesamte
Schuldverhältnis übertragen werden. Dies bedarf der Zustimmung aller Beteiligten (also auch des
ausscheidenden Vertragspartners, der seine Rechte aus dem Vertrag verliert). Auch das Gesetz
ordnet manchmal die Vertragsübernahme an (ZB Eintritt naher Angehöriger im Mietrecht,
Betriebsübergang im Arbeitsrecht, Unternehmensübergang nach §38 UGB)

Sind die Regeln über die Hypothekenübernahme ein Widerspruch zur Depuierungspflicht?
Erwirbt jemand eine Liegenschaft, die mit einer Hypothek belastet ist, wird er jedenfalls
Realschuldner. Er muss, wenn der Personalschuldner seine Verbindlichkeiten nicht bezahlt, die
Zwangsversteigerung in seine Liegenschaft dulden.
Wäre der Übergeber verpflichtet gewesen, lastenfreie zu übergeben, ist die Leistung mangelhaft
(Rechtsmangel). Maßstab ist die Parteienvereinbarung, wobei §928 als Regel normiert ist, dass
offenkundige Mängel nicht zur Gewährleistung berechtigen. Die Regel hat aber auch die Ausnahme,
dass auf der Sache haftende Schulden jedenfalls zu vertreten sind (Depuierungspflicht) – es sei denn,
die Parteien haben etwas anderes vereinbart. Im Zweifel ist die Liegenschaft daher lastenfrei zu
übergeben.
§1408 vermutet, dass die Übernahme der auf einer Liegenschaft lastenden Hypothek im Zweifel als
Schuldübernahme zu verstehen ist. Diese bedarf der Zustimmung der Gläubiger. Diese gilt als erteilt,
wenn der Veräußerer den Gläubiger zur Annahme des neuen Schuldners auffordert, und dieser nicht
binnen 6 Monate widerspricht.

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Was ist eine Bürgschaft?


Ein Bürge verpflichtet sich zur Befriedigung des Gläubigers für den Fall, dass der Hauptschuldner die
Verbindlichkeit nicht erfüllt (§1346). Die Bürgschaft ist ein klassisches Mittel der Kreditsicherung. Der
Bürge geht eine Personalhaftung ein. Die Bürgschaft ist ein Vertrag zwischen Gläubiger und Bürgen.
Sie bedarf aufgrund Warnfunktion der Schriftform. Eine private Bürgschaft mit elektronischer
Signatur ist grundsätzlich nicht möglich, es sei denn nach voriger Aufklärung durch einen
Rechtsanwalt oder Notar. Wird aufgrund einer formunwirksamen Bürgschaft bezahlt, kommt es aber
zur Heilung nach §1432.

Wodurch unterscheidet sich der gemeine Bürge vom Bürger und Zahler?
Der Bürge haftet nur subsidiär. Er haftet nur, wenn der Hauptschuldner trotz Mahnung nicht bezahlt
hat. Das nennt man gemeiner Bürge.
Nur, wenn die Parteien anderes vereinbart haben, kann der Bürge gleich in Anspruch genommen
werden (Bürge und Zahler). Der Ausfallbürge kann nur in Anspruch genommen werden, wenn er
Hauptschuldner ausgefallen ist. Dazu muss aber die Inanspruchnahme des Hauptschuldners durch
Exekution gescheiter sein.

Was ist ein Nachbürge?


Es kann auch eine Nachbürgschaft vereinbart werden, bei der der Nachbürge nicht für den
Hauptschuldner bürgt, sondern für den Bürgen. Er kann erst herangezogen werden, wenn der Bürge
nicht leistet.

Welche Regeln über Verbraucherbürgschaften gibt es?


Da Verbraucher oft ruinöse Bürgschaften eingehen gibt es einige Schutzmechanismen. §25c KSchG
verpflichtet unternehmerische Gläubiger den Bürgen über die wirtschaftliche Lage des Schuldners
aufzuklären, wenn sie erkennen müssen, dass der Schuldner seine Verbindlichkeit voraussichtlich
nicht oder nicht vollständig erfüllen wird. Bei Unterlassung begeht der Unternehmer eine
Verwaltungsübertretung. Der Bürge haftet dann nur, wenn er seine Verpflichtung trotz des Hinweises
übernommen hätte. Diesen Beweis wird der Gläubiger kaum führen können.
§879 Abs. 2 Z 4  Angehörigenbürgschaft: analoge Anwendung des Wuchertatbestandes bei nahen
Angehörigen, wenn sie sich krass überfordern würden und sich in einer psychischen Zwangslage
(verdünnte Willensfreiheit) befinden.
§25d  Mäßigungsrecht des Richters bei unbilligem Missverhältnis der Leistungsfähigkeit.
Maßgebend ist der Zeitpunkt der Bürgschaft, nachträgliche Vermögensverschlechterung schadet
nicht.
§25a  Ehegattenbürgschaft: Sie sind aufzuklären, dass die Bürgschaft auch nach Scheidung
bestehen bleibt.
Selbigen Regeln gelten bei Schuldbeitritt und Garantie (NICHT auf Pfandbestellung).

Welche Rechtsgrundlagen stehen dem Bürgen zur Verfügung, um sich beim Hauptschuldner zu
regressieren?
Liegt ein Auftrag vor, dann §1014. Ansonsten §1358 (Bürgenregress) = gesetzliche Zession.

Welche Konsequenz hat die Entlassung eines Bürgen durch den Gläubiger?
Gibt es mehrere Bürgen, haften sie solidarisch. Der Gläubiger kann entscheiden, wen er in Anspruch
nimmt. Im Innenverhältnis können sich die Bürgen anteilig regressieren. Daneben stehen dem
Bürgen seine Ersatzansprüche gegen den Hauptschuldner zu.
Wurde der Bürge vom Gläubiger aus seiner Haftung entlassen, kann er das seinen Mitbürgen nicht
entgegenhalten (§1363): Der Gläubiger kann ihn dann nicht mehr in Anspruch nehmen, jedoch wird
die Regressmöglichkeit der Mitbürgen nicht abgeschnitten.

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Die für den Bürgen geltenden Regeln gelten allgemein für Sicherheitenbesteller. Also auch für
Drittpfandbesteller.

Was ist eine Garantie?


In einem Garantievertrag verspricht ein Garant einem Begünstigten, für einen bestimmten Erfolg
einzustehen (§880a). Tritt der Erfolg nicht ein, muss der Garant leisten, er haftet auf volle
Genugtuung. Eine Garantie ist entweder zweipersonal (Franchise-Garantie, Herstellergarantie) oder
dreipersonal.
Bei der dreipersonalen Garantie wird der Garant nicht aus eigenem Antrieb, sondern aufgrund der
Beziehung des Garanten zum Garantieauftraggeber (Deckungsverhältnis) tätig. Zwischen
Garantieauftraggeber und Begünstigten liegt ein Valutaverhältnis.

Was bedeutet Abstraktheit des Garantievertrages?


Dreipersonale Garantien sind meist abstrakt. Das bedeutet, dass bei einem gültigen Garantievertrag
der Garant auch dann leisten muss, wenn Deckungsverhältnis oder Valutaverhältnis ungültig oder
sonst mangelhaft sind. Der Garantievertrag ist vom Deckungs-, vor allem aber vom Valutavertrag
abstahiert (besteht nur zwischen Begünstigten und Garant). Der Garant kann sich gegenüber dem
Begünstigten nicht auf diese beiden Verhältnisse berufen.

Wodurch unterscheidet sich die Garantie von der Bürgschaft?


Auch der Garantievertrag bedarf der Schriftlichkeit, allerdings liegt der wesentliche Unterschied in
der Akzessorietät, da dreipersonale Garantien meist abstrakt sind. Ein Bürge muss daher nur zahlen,
wenn die Schuld für die er haftet, wirklich besteht. Der Bürge kann sich daher weigern zu zahlen,
wenn er Kaufvertrag ungültig ist.
Die Abstraktheit der Garantie führt aber dazu, dass zuerst einmal bezahlt werden muss. Man
bezeichnet dies als Bargeldfunktion der Garantie. Allerdings kann der Garant trotz der Abstraktheit
folgende Einwendungen geltend machen: Einwendung aus dem Garantievertrag selbst oder den
rechtsmissbräuchlichen Abruf der Garantie.

Aus welchem Rechtsgrund kann ein Garant Ersatz fordern, wenn er seiner Garantieverpflichtung
nachgekommen ist?
Der Garantiebegünstige kann eine Leistung, die im materiell nicht zusteht, nicht behalten. Der Garant
hat allerdings aufgrund der Abstraktheit keinen Rückforderungsanspruch. Zwischen Garant und
Begünstigten ist die Leistung nicht rechtsgrundlos (Garantievertrag ist gültig). Der
Herausgabeanspruch steht vielmehr dem Garantieauftraggeber zu: Die Rechtsgrundlage richtet sich
nach dem jeweiligen Mangel im Valutaverhältnis (877 bei Irrtum, 1435 bei Wandlung etc.). Der
Garantieauftraggeber kondiziert die Leistung daher, als habe er sie selbst erbracht. Dass der
Rückforderungsanspruch dem Garantieauftraggeber zusteht, wird dadurch verständlich, dass er ja
aufgrund des Deckungsverhältnisses verpflichtet ist, dem Garanten seinen Aufwand zu ersetzen.

Besteht die Möglichkeit, dass der Garant dem Begünstigten einwendet, seine Zahlungsbegehren
seien unberechtigt?
Einwendungen nur aus dem Garantievertrag selbst oder bei rechtsmissbräuchlichen Abruf der
Garantie. Sonst gilt die Abstraktheit.

Was kann der Garant fordern, wenn sich nach Leistung herausgestellt, dass das Valutaverhältnis
ungültig war? Darf der Begünstigte in diesem Fall die Leistung behalten?
siehe oben. Der Garant selbst bekommt vom Garantieauftraggeber aufgrund des
Deckungsverhältnisses bloß seinen Aufwand ersetzt. Ansprüche gegen den Begünstigten stehen nicht
zu. Der Garantieauftraggeber hat allerdings einen Herausgabeanspruch nach erfolgtem Irrtum,
Wandlung etc.

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Erläutern Sie den Begriff Anweisung!


C kauf ein Auto von B. B deckt sich beim Hersteller A ein. Teilt B dem A mit, dass dieser die Leistung
direkt an C erbringen soll, handelt es sich um eine Anweisung (§1400 f). Die Anweisung enthält eine
doppelte Ermächtigung.

Welche Zwecke werden mit einer Anweisung verfolgt?


Die Anweisung dient der vereinfachet Abwicklung zweier Schuldverhältnisse durch eine Leistung. Für
die Wirksamkeit der Anweisung bedarf es nicht der Zustimmung des Angewiesenen. Die Anweisung
kann durch den Anweisenden widerrufen werden. Sie erlischt dann, die Schuldverhältnisse müssen
am langen Weg erfüllt werden.

Welche Folgen hat die Annahme der Anweisung?


Der Anweisungsempfänger kann den Angewiesenen nicht auf Leistung klagen, die beiden verbindet
kein Schuldverhältnis. Einen unmittelbaren Anspruch erlangt der Empfänger gegen den
Angewiesenen erst, wenn ihm die Erklärung des Angewiesenen über die Annahme der Anweisung
zugekommen ist. Diese schafft zwischen den beiden ein Schuldverhältnis.
Hat der Angewiesene die Anweisung dem Empfänger gegenüber angenommen, so kann er diesem
nur noch solche Einwendungen entgegensetzen, welche die Gültigkeit der Annahme betreffen oder
sich aus dem Inhalt der Anweisung oder aus seinen persönlichen Beziehungen zum Empfänger
ergeben. Die Annahme führt zum Entstehen eines abstrakten Schuldverhältnisses.

Ist der Angewiesene verpflichtet, die Anweisung auch anzunehmen?


Der Angewiesene ist zur Annahme nicht verpflichtet. Oft wird er aber daran ein Interesse haben, weil
er selbst daran verdient. Er muss trotz Annahme allerdings nicht leisten, wenn das Einfordern durch
den Anweisungsempfänger rechtsmissbräuchlich wäre. Das wird ZB angenommen, wenn sowohl
Deckungs- als auch Valutaverhältnis erkennbar ungültig sind.

Erwirbt der Anweisungsempfänger Eigentum, wenn sowohl im Deckungs- als auch im


Valutaverhältnis gewandelt wird?
Sind beide Kaufverträge gültig und befindet sich die Sache beim Letzterwerber, erwirbt dieser
derivativ Eigentum. Ist einer oder beide Kauverträge ungültig, zieht man ebenfalls eine Parallele zum
langen Weg. Das Ergebnis ist – mit einer Ausnahme – dasselbe.
Ist das Deckungsverhältnis betroffen, kann der Empfänger nicht derivativ erwerben. Man bejaht
allerdings eine analoge Anwendung des §367, wobei das Tatbestandselement des Vertrauensmanns
ersetzt wird.
Ist das Valutaverhältnis ungültig, kann der zweite Käufer mangels Titels weder derivativ noch originär
erwerben.
Sind beide ungültig, kann C weder derivativ noch gutgläubig Eigentum erwerben. A bleibt
Eigentümer.

Gegen wen kann der Angewiesene nach seiner Leistung bereicherungsrechtlich vorgehen, wenn
das Deckungsverhältnis ungültig ist? Ändert sich etwas, wenn der Angewiesene die Anweisung
angenommen hat?
War das Deckungsverhältnis ungültig, hat der Angewiesene eine Leistungskondiktion gegen den
Anweisenden, weil er durch die Leistung dieses Schuldverhältnis erfüllen wollte.
War das Valutaverhältnis ungültig, kann der Anweisende B vom Anweisungsempfänger kondizieren.
Waren beide ungültig oder aufgelöst, kondiziert der Angewiesene vom Anweisenden und dieser vom
Anweisungsempfänger.

Was ist ein Vertrag zugunsten Dritter?


Beim Vertrag zugunsten Dritter verspricht der Schuldner, die Leistung an einen Dritten, also an eine
andere Person als den Vertragspartner zu erbringen.

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Worin liegt der Unterschied zwischen dem echten und unechten Vertrag zugunsten Dritter?
Kommt Die Leistung hauptsächlich dem Dritten zugute, ist dieser berechtigt, die Leistung zu fordern
(Echter Vertrag). Sowohl der Versprechungsempfänger, als auch der Dritte können dann die Leistung
fordern. In den übrigen Fällen ist nur der Versprechungsempfänger klageberechtigt (unechter
Vertrag).

Inwiefern sind die Rechtsfolgen einer angenommenen Anweisung und eines echten Vertrages
zugunsten Dritter verschieden?
Während der unechte Vertrag zugunsten Dritter in den Rechtsfolgen mit der nicht angenommenen
Anweisung vergleichbar ist, unterscheiden sich echter und angenommene Anweisung stark
voneinander.
Der Schuldner kann beim echten Vertrag zugunsten Dritter nämlich alle Einwendungen aus dem
Deckungsverhältnis entgegenhalten. Nur auf das Valutaverhältnis zwischen Versprechungsempfänger
und Drittem kann er sich nicht berufen. Bereicherungsrechtliche Ansprüche nach Auflösung des
Vertrages hat aber der Versprechungsempfänger – er war ja Schuldner der Gegenleistung und daher
Gläubiger der Leistungskondiktion.

Was sind drittfinanzierte Verträge?


Nimmt der Verkäufer einen Kredit auf, spricht man von Absatzfinanzierung. Wird der Käufer
Kreditnehmer, von Konsumfinanzierung. Die rechtlichen Schicksale des „drittfinanzierten“
Kaufvertrages und des mit dem Finanzierer abgeschlossenen Kreditgeschäfts sind grundsätzlich
voneinander unabhängig. Arbeiten Verkäufer und Finanzierer zusammen, um das wirtschaftliche Ziel
eines Geschäftsabschlusses zu erreichen, nennt man das drittfinanzierten Kaufvertrag.

Wieso hat man bei der Abtretungskonstruktion keine Probleme mit einem Einwendungsdurchgriff?
Bei der Absatzfinanzierung, auch Abtretungskonstruktion bezeichnet, gewährt der Finanzierer dem
Verkäufer einen Kredit, sodass dieser in die Lage versetzt wird, seinerseits den Kaufpreis zu
kreditieren. Im Gegenzug dazu lässt sich der Finanzierer zur Sicherung der Kreditrückzahlung die
Ratenkaufpreisforderung abtreten (auch eine Einlösung nach §1422 möglich). Üblicherweise wird
beim Ratenkauf auch ein Eigentumsvorbehalt vereinbart, welcher ebenfalls an den Finanzierer
übertragen wird. Modus ist die Besitzanweisung.
Zahlt der Käufer nicht, kann sich der Finanzierer aus der abgetretenen Kaufpreisforderung
befriedigen. Der Käufer hat als debitor cessus gegenüber dem Finanzierer als Zessionar der
Forderung alle Einwendungen aus dem Kauvertrag, weil das zessionsrechtliche
Verschlechterungsverbot gilt (§1396).

Welche Funktion übernimmt §13 VKrG bei drittfinanzierten Verträgen?


Gewährt der Finanzierer dem Käufer einen Kredit: Besteht ein gewisses Naheverhältnis zwischen
Verkäufer und Finanzierer.
Dem Käufer kommt dabei ein erhebliches Aufspaltungsrisiko zu  Seine kaufvertraglichen Rechte
stehen ihm gegenüber dem Verkäufer zu, während ihn die Zahlungspflicht gegenüber dem
Finanzierer trifft, der sich wahlweise auf die Kaufpreisforderung oder die eigenständige, davon
verschiedene Pflicht zur Rückzahlung des Kredits stützen kann. Das würde dazu führen, dass sich der
Käufer auf einen Mangel im Kaufvertrag – anders als bei der Abtretungskonstruktion – nicht berufen
kann, weil der Finanzierer immer noch die Forderung aus dem Kreditvertrag hätte.
Die Konstruktion ist insgesamt für den Käufer nachteilig: obwohl der Verkäufer sofort Geld erhält,
erlischt die Kaufpreisforderung nicht, sie wird künstlich am Leben erhalten, um den Finanzierer eine
dingliche Sicherung (vorbehaltenes Eigentum) zu geben. Der Finanzierer erhält so die größtmögliche
Sicherheit, der Käufer kann gegen die Rückzahlungsansprüche keine Einwendungen erheben. Diese
Aufspaltung erscheint in Fällen nicht sachgerecht, in denen Verkäufer und Finanzierer dem Käufer

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gegenüber als eine Einheit auftraten.


§13 VKrG ermöglicht ihm daher unter Bestimmten Bedingungen, die Befriedigung des Kreditgebers
aufgrund eines Fehlers im finanzierten Geschäft zu verweigern (Einwendungsdurchgriff bei
drittfinanzierten Verträgen). Der Durchgriff ist nur bei verbundene Verträgen möglich. Ein solcher
liegt nach §13 Abs. 1 VKrG vor.

Wann liegt eine „wirtschaftliche Einheit“ vor?


Nach §13 Abs. 1 VKrG. Einwendungsdurchgriff ist nur bei verbundenen Kreditverträgen möglich. Ein
solcher liegt vor, wenn der Kreditvertrag der Finanzierung eines Vertrages über die Lieferung
bestimmter Waren oder die Erbringung einer bestimmten Dienstleistung dient, und außerdem muss
der Kreditvertrag mit dem finanzierten Geschäft eine wirtschaftliche Einheit bilden.
Diese liegt ZB vor, wenn Verkäufer und Finanzierer in ständiger Geschäftsbeziehung wegen solcher
Geschäfte stehen oder wenn die beiden im konkreten Fall in Rechtsbeziehung zueinander treten.
Auch, wenn im Kreditvertrag die spezifische Ware angegeben ist (häufig).

Was ist ein „umgekehrter Durchriff“?


§13 Abs. 4 VKrG regelt auch den umgekehrten Fall (umgekehrter Durchgriff): Tritt der Verbraucher
gem. §12 VKrG vom Kreditvertrag zurück, kann er nämlich binnen einer Woche ab Abgabe der
Rücktrittserklärung auch von einem verbundenen Vertrag über die Warenlieferung oder
Dienstleistungen (finanziertes Geschäft) zurücktreten.

Von wem können Käufer und Verkäufer und Finanzierer bei drittfinanzierten Verträgen ihre
Leistung zurückverlangen?
Bei der Abtretungskonstruktion ist die Rückabwicklung unproblematisch. Schwieriger ist es bei
verbundenen Kreditverträgen. Raten die der Käufer dem Finanzierer bereits gezahlt hat, werden
durch eine Auflösung rechtsgrundlos. Zwar beseitig die Wandlung, Irrtumsanfechtung oder
Aufhebung wegen laesio enormis grundsätzlich nur den Kaufvertrag, doch dringt der Käufer wegen
§13 VKrG damit auch gegen den Finanzierer durch. Da der Finanzierer nach der Parteienvereinbarung
Leistungsempfänger ist, kann der Käufer die Leistungskondiktion gegen ihn richten. Wurden dem
Verkäufer Leistungen erbracht (ZB Anzahlung), kann er sie von ihm zurückfordern.
Verkäufer kann die nun rechtsgrundlos gelieferte Kaufsache vom Käufer kondizieren. Da
drittfinanzierte Verträge in der Regel unter Eigentumsvorbehalt abgeschlossen werden, könnte der
Verkäufer sich stets auch alternativ nach §366 berufen, solange noch nicht alle Raten gezahlt sind.
Meist wurde der Vorbehalt allerdings an den Finanzierer übertragen, wodurch dieser §366 geltend
machen kann.
Der Finanzierer hat nach HA Bereicherungsansprüche nur gegen den Verkäufer (§1435) da er in
eigenem Namen leistet. Der Käufer konnte die gezahlten Kreditraten ja vom Finanzierer aufgrund des
Einwendungsdurchgriffs zurückverlangen. Hat der Finanzierer die Kaufsache mit §366
herausverlangt, muss er dem Verkäufer die Kaufsache Zug um Zug gegen Erfüllung seiner Ansprüche
herausgeben.

Welche Schuldner-, welche Gläubigermehrheiten kennen Sie?


Schuldnermehrheit: Teilschuld, Gesamtschuld
Gläubigermehrheit: Teilforderung, Gesamthandforderung

Inwiefern ist die Teilbarkeit der Leistung bei Schuldner- und Gläubigermehrheiten von Bedeutung?
Für die Frage wie die Rechte und Pflichten aufzuteilen sind, kommen mangels Vereinbarung die
dispositiven Regeln der §§888 ff zur Anwendung. Diese unterscheiden sowohl bei Schuldner- als auch
bei Gläubigermehrheiten in erster Linien danach, ob die geschuldete Leistung teilbar ist oder nicht.

Worin liegt der Unterschied zwischen einer Teil- und Gesamtschuld? Was wäre Ihnen lieber, wenn
Sie sich in die Gläubigerposition versetzen?

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Bei der Teilschuld kann jeder Schuldner vom Gläubiger in der Höhe seines Anteils in Anspruch
genommen werden. Die Größe der Anteile richtet sich nach den internen Verhältnissen, im Zweifel
sind sie gleich groß.
Bei einer Gesamtschuld kann der Gläubiger jeden Schuldner gesondert in Anspruch nehmen. Leistet
einer davon, werden die anderen frei. Interner Regress nach §896.
Gesamtschuld ist daher für den Gläubiger günstiger.

Worin liegt der Unterschied zwischen Gesamt- und Gesamthandforderung?


Gläubigermehrheit: Haben mehrere Anspruch auf eine unteilbare Leistung, entsteht eine
Gesamthandforderung. Nur die Leistung an alle Gläubiger befreit den Schuldner, jeder Gläubiger
kann aber die Leistung an alle Gläubiger fordern.
Gesamtforderung entsteht nur, wenn mehrere Personen ausdrücklich berechtigt werden, eine
Leistung zur ungeteilten Hand zu fordern. Hat der Schuldner die Leistung einmal erbracht, erlischt
der Anspruch aller Gläubiger.

11. Internationale Bezüge des Privatrechts


11.1. Grundlagen
Was versteht man unter „Internationalem Privatrecht“?
Die Aufgabe des Internationalen Privatrechts ist zu entscheiden, nach welcher Rechtsordnung bei
Fällen mit Auslandsbezug vorgegangen werden soll – also welches Privatrecht anwendbar ist. Beim
IPR handelt es sich um Verweisungsnormen (auch Kollisionsnormen genannt), die nur das Privatrecht
eines bestimmten Staates zur Lösung einer Frage berufen. Dieser Vorgang wird Anknüpfung genannt.

In welcher Beziehung stehen Internationales Privatrecht und Internationales Zivilverfahrensrecht?


Voraussetzung für die Anwendung des österreichischen IPR ist die Zuständigkeit der österreichischen
Gerichte. Ob der Gerichtsstand in Österreich gegeben ist, regelt das Internationale
Zivilverfahrensrecht.

11.2. UN-Kaufrecht
Welche Initiativen der Rechtsvereinheitlichung auf Unionsebene sind Ihnen bekannt?
Beispiele sind das UN-Kaufrecht, Instrument der EU-RL

Kommt das UNK auch auf Werkverträge zur Anwendung?


Das UNK kommt auf Kauverträge über Waren zwischen Parteien zur Anwendung, die ihre
Niederlassung in verschiedenen Staaten haben, wenn diese Staaten Vertragsstaaten sind (autonome
Anknüpfung) oder die Regeln des internationalen Privatrechts zur Anwendung des Rechts eines
Vertragsstaates führen (Vorschaltslösung).
. Es kommt auch dann zur Anwendung, wenn der Veräußerer konnexe Arbeiten und Dienstleistungen
vorzunehmen hat, außer diese machen einen überwiegenden Teil seiner Pflichten aus. Bloße, nicht
konnexe Werkverträge fallen also nicht darunter.

Ö hat seine Niederlassung in Österreich, B in einem Staat, der das UNK nicht ratifiziert hat. Kann
trotzdem das UNK zur Anwendung kommen, wenn die beiden einen Kaufvertrag schließen?
Haben die Regeln des Internationalen Privatrechts zur Anwendung des Rechts des Vertragsstaates
geführt (von Ö), kann das UNK trotzdem zur Anwendung kommen.

Was versteht man unter einer Ware im Sine des UNK?


Waren sind nur bewegliche Sachen. Maßgebend ist der Zeitpunkt der Lieferung. Das UNK ist auch auf
Verträge über die Lieferung herzustellender oder zu erzeugender Waren anwendbar

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(Werklieferungsverträge), außer der Besteller stellt einen wesentlichen Teil des Stoffes selbst zur
Verfügung

Ö und D haben jeweils Niederlassungen in verschiedenen UNK Vertragsstaaten. Die beiden haben
ihrem Vertrag AGB zugrunde gelegt, in denen sie die Anwendung des österreichischen Rechts
vereinbaren. Kommt das UNK auf diesen Vertrag zur Anwendung? Welche Argumente könnten (in
welchen Konstellationen) dagegensprechen?
Vereinbaren die beiden österreichisches Recht, geht die RSP davon aus, dass das UNK zur
Anwendung kommt, weil es sich durch Ratifikation ja um österreichisches Recht handelt. Das
entspricht kaum dem Willen der Parteien, die ja das ABGB und UGB gemeint haben. Es empfehlen
sich daher Klauseln wie „Anwendung des österreichischen Rechts unter Ausschluss des UNK“

Regelt das UNK die Frage, ob eine der Vertragsparteien die Vereinbarung wegen Irrtums anfechten
kann?
Das UNK regelt nicht die Rechts- und Geschäftsfähigkeit, Vertretungsmängel, sachenrechtlichen
Folgen des Vertragsabschlusses und der Lieferung sowie die Geltendmachung von Willensmängel
(Art 4 UNK), sowie die Haftung für Personenschäden. Diese Fragen entscheidet das durch das IPR
berufene nationale Recht.

Nennen Sie die Unterschiede zwischen ABGB und UNK im Recht des Vertragsabschlusses!
Die im UNK und ABGB entaltenen Regeln über das Zustandekommen des Vertrages stimmen zu
großen Teilen überein. Es bestehen aber zwei Abweichungen: Gem. Art 16 kann ein Angebot bis zur
Absendung der Annahmeerklärung wirksam widerrufen werden, wenn es nicht unwiderruflich war.
(Nach dem ABGB wäre ein Widerruf des Angebots nur bis Kenntnis durch den Empfänger möglich).
Enthält die Annahme unwesentliche Änderungen des Angebots kommt der Vertrag nach Art 19. Abs.
2 UNK trotzdem zustande, wenn der Offerent dies nicht unverzüglich beanstandet. (nach dem ABGB
würde ein neues Angebot vorliegen, das angenommen werden müsste).

Welche Pflichten hat der Verkäufer, welche der Käufer nach dem UNK? Worin liegen die
Unterschiede zum ABGB?
Der Verkäufer ist verpflichtet, die vertragsgemäße Ware zu liefern und dem Käufer Eigentum zu
verschaffen (Art 30 UNK). Ob die Ware dem Vertrag entspricht, bestimmt sich nach der
Vereinbarung, subsidiär nach Art 35 Abs. 2 und 3 UNK.
Der Käufer ist verpflichtet, die Ware anzunehmen und den Kaufpreis Zug um Zug zu bezahlen (Art.
53, 58 UNK). Anders als im ABGB ist die Annahme daher Pflicht, nicht bloße Obliegenheit.

Welche Bedeutung hat die Vertragsverletzung im UNK?


Es bestehen große Unterschiede zum ABGB hinsichtlich der Rechtsfolgen einer Leistungsstörung. Das
UNK enthält einen einheitlichen Leistungsstörungsgegenstand (Vertragsverletzung).

Inwiefern kommt es im UNK darauf an, ob die Vertragsverletzung wesentlich ist?


Liegt eine wesentliche Vertragsverletzung vor, kann der Käufer die sofortige Vertragsaufhebung
erklären. Selbiges gilt, wenn eine wesentliche Vertragsverletzung durch den Käufer erfolgte.

Welche Rechte gibt das UNK dem Käufer im Falle der Nichtlieferung durch den Verkäufer?
Hat der Verkäufer den Vertrag verletzt, ist zu unterscheiden: Hat er nicht geliefert, kann der Käufer
die Herstellung des vertragsgemäßen Zustandes, also Erfüllung verlangen. Der Käufer kann dem
Verkäufer alternativ auch eine Nachfrist setzen und den Vertrag nach ihrem Verstreichen aufheben.
Bei einer wesentlichen Vertragsverletzung kann der Käufer auch sofortige Vertragsaufhebung
erklären.

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Wie lange kann sich der Käufer auf eine Vertragsverletzung des Verkäufers berufen?
Bei vertragswidriger Leistung läuft eine relative Frist zur Geltendmachung. Der Käufer muss die
Vertragswidrigkeit innerhalb angemessener Frist ab tatsächlicher oder möglicher Feststellung
anzeigen, widrigenfalls der Käufer seiner Rechte verlustig geht (außer der Käufer hat eine vernünftige
Entschuldigung). Bei Sachmängeln gibt es überdies hinaus eine absolute zweijährige Frist ab
Übergabe.

Welche schadenersatzrechtlichen Besonderheiten enthält das UNK gegenüber dem ABGB?


Das UNK gewährt dem geschädigten Vertragspartner einen verschuldensunabhängigen
Schadenersatzanspruch für Sach- und Vermögensschäden.

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