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1. Erläutern Sie den Sozialrechtsbegriff! Nennen Sie die völkerrechtlichen bzw.

europäischen Programmnormen!
Summe jener Vorschriften, nach denen Leistungen vom Staat erbracht werden, und zwar in
besonderen Lebenslagen eines Menschen
• Art 12 der Europäischen Sozialcharta: System der Sozialen Sicherheit
einzuführen/beizubehalten, einen befriedigenden Stand zu halten und auf höheren
Stand zu bringen
• Art 34 der EU-Grundrechte-Charta: Anspruch auf Leistungen der sozialen Sicherheit
und soziale Vergünstigungen

2. Was versteht man unter „Sozialen Risiken“?


Lebensrisiken, die die wirtschaftliche, gesundheitliche oder soziale Existenz des Menschen
bedrohen zB. Krankheit, Mutterschaft, Arbeitslosigkeit, Alter, Arbeitsunfall und
Berufskrankheit, Familienlasten, Invalidität, unverschuldeter Verlust der Unterhaltsmittel,
Tod des Familienerhalters, Pflegebedürftigkeit
3. Stellen Sie das sog Bismarck’sche System dem Beveridge System gegenüber!
Bismarckschen System Beveridge System
Finanzierung durch Beiträge der Finanzierung durch Steuern der
Erwerbstätigen Gesamtbevölkerung
Ausgefallener Lohn Pauschalleistungen
Erhaltung des Lebensstandards Existenzminimum
Selbstverwaltende SV Staat
Bismarckschen System: Alle Personen, die von einem gemeinsamen Lebensrisiko betroffen
sind, werden durch Gesetz zu einer Risikogemeinschaft zusammengeschlossen
(Pflichtversicherung). Diese Risikogemeinschaft übernimmt dann gemeinsam die soziale
Absicherung derjenigen Personen, bei denen es zum Eintritt eines Lebensrisikos gekommen
ist. Es besteht organisatorisch aus vielfältig gegliederten, unterschiedlichen, sich selbst
verwaltenden SV. Die Leistungen werden großteils aus Pflichtbeiträgen finanziert, die vom
Arbeitseinkommen abhängen.
Beverigde System: Eine aus Steuermittel finanzierte staatlich
organisierteEinheitsversicherung mit einheitlichen Beiträgen und gleichen, tendenziell
niedrigen Leistungen, die alle Bürger des betreffenden Landes erfasst. Der Staat übernimmt
für die soziale Absicherung der Bürger die organisatorische Verantwortung.
4. Was sind die Charakteristika des „Rechts der sozialen Fürsorge“?
Personen, welche in einer besonders schwerwiegenden Notlage sind, werden aus Mitteln des
allgemeinen Steuereinkommens unterstützt.
• Bedarfsorientierte Mindestsicherung: Gewährt einen sozialen Mindeststandard, der
zu einem menschenwürdigen Leben erforderlich ist
• Pflegevorsorge: Übernimmt den Mehrbedarf notwendiger Pflege

5. Was sind die Wesenselemente des „Rechts der Versorgung“?


Finanzielle Absicherung von Personen, die besondere Opfer erbracht oder besondere Dienste
geleistet haben (Heeresversorgung, Versorgung von Verbrechensopfer, Pensionsrecht der
Beamten-Auslaufmodell!)
6. Beschreiben Sie die Charakteristika des „Familienausgleichsrechts“?
Grundgedanke: Die durch Kinder zusätzlich entstehenden Belastungen werden zu einem Teil
von der Gesamtheit der Erwerbstätigkeit getragen. Familienunterstützungen: Familienbeihilfe,
Kinderbetreuungsgeld, Kleinkindbeihilfe, Familienausgleich, Mutter-Kind-Pass-Bonus,
Schülerfreifahrt bzw. Schulfahrtbeihilfe, Beistellung von Schulbüchern
7. Nennen sie die wesentlichsten Rechtsquellen des Sozialrechts!
APG, ASVG, AlVG, BSVG, Beamten-Kranken-und UnfallversicherungsG,
Bundespflegegesetz BPGG, Freiberuflichen-SVG, Gewerbliches-SVG,
KinderbetreuungsgeldG, NotarversicherungsG
8. Erläutern Sie den Begriff der Satzung im Sozialversicherungsrecht!
Für jeden SV-Trägerist eine Satzung zu erlassen (Verordnung).
Aufgaben: Konkrete Regelungen zur internen Organisation und Regelungen zum
Leistungsrecht, eventuelle Ausweitung des Leistungskataloges der KV
Jede Satzung muss vom zuständigen Bundesminister genehmigt werden. Die Satzungen vom
SV-Träger müssen die vom HV sog. Mustersatzungenthalten.
9. Erörtern Sie die Rechtsnatur und die Inhalte der Krankenordnungen!
Krankenordnungen sind ebenfalls Verordnungen und werden von jedem KV-Träger
erlassen. Sie regeln das Verhalten der Versicherten und Leistungsempfänger im Leistungsfall
(zB Meldefristen), Verfahren bei der Inanspruchnahme von Leistungen (Zb
Rezepterstellung), die Kontrolle der Kranken, begrenzen Leistungsansprüche
Der Hauptverband kann für die KV-Träger verbindliche Musterkrankenordnungen erlassen.
10. Was sind die „Richtlinien des Hauptverbandes“?
Verordnung gem. § 31 ASVG, Förderung und Sicherstellung einer einheitlichen
Vollzugspraxis (zB ökonomische Grundsätze bei der Krankenbehandlung)
11. Was ist ein Gesamtvertrag iSd ASVG?
Der Gesamtvertrag ist ein privatrechtlicher Vertrag und der Inhalt ist zugleich auch Inhalt des
Einzelvertrags „Kassenvertrags“
Der Hauptverband schießt den Gesamtvertrag mit der jeweils örtlich zuständigen
Ärztekammer ab. Der HV vertritt die einzelnen KV-Träger, wobei sie dem vom
Hauptverband abgeschlossenen Gesamtvertrag zustimmen müssen. Er regelt die
grundsätzlichen Rahmenbedingungen für die Sachleistungserbringung durch freiberuflich
tätige Vertragsärzte: Festlegung der Zahl und der örtlichen Verteilung der Vertragsärzte
(Stellenplan), die Auswahl der Vertragsärzte, die Rechte und Pflichten der Vertragsärzte und
die Vergütung der Vertragsärzte (Honorarordnung).
12. Was ist ein Einzelvertrag iSd ASVG („Kassenvertrag“)?
Der Einzelvertrag regelt die Rechtsbeziehung des jeweiligen KV-Trägers mit einem
freiberuflichen tätigen Arzt. Durch den Abschluss des Einzelvertrags wird dieser Arzt zum
Vertragsarzt und er darf einen Versicherten auf Kosten des KV-Trägers behandeln. Inhalt:
neben Gesamtvertragsinhalt - konkrete Ordinationszeiten, Ordinationsort, Vertretungen
13. Wie ist das Sozialrecht kompetenzrechtlich im B-VG geregelt?
Bundeskompetenz: Art 10 Abs 1 Z 11 BVG Sozialversicherungswesen – Bund hat
Zuständigkeit für die Gesetzgebung und Vollziehung (KV,UV, PV und AlV)
Kompetenzteilung: Art 12 BVG Krankenanstalten und Kureinrichtungen, Bedarfsorientierte
Mindestsicherung – Bund hat Zuständigkeit für Grundsatzgesetzgebung, Land für
Ausführungsgesetzgebung und Vollziehung; bundesweit einheitliche BMS erfolgt nicht über
Grundsatzgesetz, sondern über Vereinbarung gem. Art 15a BVG im Konsens mit allen
Bundesländern
14. Was versteht man unter Sozialentschädigungsrecht iSd B-VG?
Das Sozialentschädigungsrecht beschreibt das Versorgungswesen und fällt in die
Bundeskompetenz gem. Art 10 BVG.
15. Beschreiben sie die Grundsätze des Internationalen bzw. Europäischen Sozialrechts!
Welche Sozialrechtsordnung ist auf einen sozialrechtlichen Sachverhalt mit Auslandsbezug
anzuwenden? ➔ Sozialkollisionsrecht
Dreistufigkeit: Den höchsten Anwendungsvorrang genießt die Koordinierungsverordnung,
die mit der Durchführungsverordnung konkretisiert wurde, subsidiär gelten bilaterale
Abkommen im Bereich der sozialen Sicherheit (Sozialabkommen), die Österreich mit
verschiedenen Staaten oder internationalen Organisationen abgeschlossen hat, subsidiär gelten
die gesetzlichen Regelungen über die Anwendbarkeit des ASVG (§ 1 und 3 ASVG)
16. Was ist die Koordinierungs-VO? Was sind ihre Grundsätze?
Verordnung zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit, gilt für: Staatsbürger
eines MS, Staatenlose, Flüchtlinge mit Wohnort in einem MS sowie für Familienangehörige
und Hinterbliebenen, Drittstaatangehörige mit Wohnort in EU-MS; Schutzbereich:
Krankheit,… außer Sozialhilfe und Leistungen für Kriegsopfer.
Gleichbehandlungspflicht: Verbot der Diskriminierung wegen Staatsangehörigkeit.
Leistungsexport: Leistungen dürfen nicht deshalb eingestellt/geändert/ werden, weil sich der
Leistungsberechtigte in einem anderen MS aufhält.
Kollisionsregeln: Für Sozialversicherte soll nur eine Sozialrechtsordnung gelten.
Grundsätzlich ist MS des gewöhnlichen Arbeitsorts maßgebend, wird in mehreren MS
gearbeitet ist Wohnort ausschlaggebend. Im Zweifel ist Staat mit Sitz des AG
ausschlaggebend.
17. Wie ist das Sozialkollisionsrecht im ASVG ausgestaltet?
Grundsatz: Territorialitätsprinzip: Grundsätzlich sind in Österreich alle jene Personen
sozialversichert, die im Inhalt selbstständig bzw. unselbstständig erwerbstätig sind. Welche
Staatsbürgerschaft vorliegt ist irrelevant, es kommt auf Beschäftigung im Inland an.
Ausnahmen: Einstrahlungsprinzip: Person ist in Ö tätig, bleibt aber in der ausländischen
SV versichert (zB kurzfristige Tätigkeit in Österreich ohne Firmenniederlassung oder
Wohnsitz im Inland); Ausstrahlungsprinzip: Person ist im Ausland tätig, bleibt aber in der
österreichischen SV versichert (zB. DN wird für nicht länger als 5 Jahre ins Ausland entsandt
und DG hat Sitz in Österreich)
18. Wo liegen die Strukturunterschiede zwischen Sozial- u. Privatversicherung?
Sozialversicherung: Solidaritätsprinzip, Versicherungszwang, öffentlich-rechtliche
LeistungsansprüchePrivatversicherung: Äquivalenzprinzip, Versicherungsfreiheit,
privatrechtliche Leistungsansprüche
19. Was ist unter „Solidaritätsprinzip“ in der Sozialversicherung zu verstehen?
Jeder Versicherte zahlt den gleichen Beitrag, der (nicht vom Risiko wie bei
Äquivalenzprinzip) vom Einkommen abhängt. Es decken einkommensstärkere Versicherte die
Leistungen für wirtschaftlich Schwächere ab, Gesunde zahlen für Kranke, aktive Beschäftigte
für Pensionisten – Generationenvertrag.
20. Wie ist das sozialversicherungsrechtliche Schuldverhältnis ausgestaltet?
Besteht aus Versicherungsverhältnis (begründet Anspruch auf Versicherungsleistungen durch
Pflichtversicherung, freiwillige Versicherung und Formalversicherung und regelt die
Beitragspflicht), aus dem sich Leistungsverhältnis ableitet.
21. Nennen Sie drei Arten der freiwilligen Versicherung!
Selbstversicherung, Zusatzversicherung, Höherversicherung
22. Wann entsteht eine Formalversicherung?
Tritt ein, wenn eine nicht versicherte bzw. nicht zu versichernde Person glaubt, sie unterliege
der Versicherungspflicht, deswegen Beiträge leisten und der SV-Träger diese annimmt.
Voraussetzungen: wer in keinem Versicherungsverhältnis in den in Betracht kommenden
Versicherungszweigen steht, Anmeldung zur SV darf nicht vorsätzlich unrichtig sein, SV-
Träger muss drei Monate ununterbrochen Beiträge unbeanstandet angenommen haben
23. Beschreiben Sie die Prinzipien der Pflichtversicherung im Allgemeinen!
Versicherung, die durch die Verwirklichung eines gesetzlichen Tatbestands die Versicherung
nach sich zieht (ex-lege oder ipso-iure-Versicherung). Die Sozialversicherungsgesetze
knüpfen die Pflichtversicherung an die Aufnahme einer bestimmten Erwerbstätigkeit.
24. Hängt die Sozialversicherungspflicht von der Staatsbürgerschaft ab?
25. Was besagt das sog. Territorialitätsprinzip?
➔ siehe oben

26. Wie beginnt die Pflichtversicherung?


27. Wie endet die Pflichtversicherung?
ASVG: Die Pflichtversicherung beginnt beim DN mit der Aufnahme des
Beschäftigungsverhältnisses und endet grundsätzlich mit dem Ende des
Beschäftigungsverhältnisses (Anspruch auf Entgelt endet)
GSVG: Beginnt mit Mitgliedschaft bei der Kammer(mit Erwerb einer
Gewerbeberechtigung) bzw. bei den sog. neuen Selbstständigen mit der tatsächlichen
Aufnahme der betrieblichen Tätigkeit und endet bei Ruhen der Gewerbeberechtigung bzw.
mit dem letzten Tag des Kalendermonats, in dem die Gewerbeberechtigung erloschen ist.
BSVG: Die Pflichtversicherung beginnt und endet allgemein mit dem Beginn bzw. Aufgabe
der Führung des Betriebs auf eigene Gefahr und Rechnung.
28. Was versteht man unter dem Prinzip der Meldeunabhängigkeit?
Die Pflichtversicherung entsteht unmittelbar durch das jeweilige Sozialversicherungsgesetz
(ex-lege-Versicherung). Damit begründet sich die Pflichtversicherung unabhängig von einer
Anmeldung bei einem SV-Träger.
29. Was versteht man unter einer Vollversicherung?
Vollversicherung bedeutet, dass jemand kraft Gesetz in allen Zweigen eines
Sozialversicherungsgesetzes pflichtversichert ist. Bsp.: Der DN im ASVG ist kranken-,
unfall- und pensionsversichert und damit vollversichert.
30. Was versteht man unter einer Teilversicherung? Nennen Sie Beispiele!
Bestimmte Gruppen von Versicherten sind aber nur in einem oder in zwei
Versicherungszweigen pflichtversichert und sind somit teilversichert. Bsp.: Geringfügige
Beschäftigte sind nur in der UV, nicht aber in der KV und PV pflichtversichert.
31. Schildern Sie die Problematik der Mehrfachversicherung!
Wie ist die Situation im Beitragsrecht, wie im Leistungsrecht?
Ein mehrfach Erwerbstätiger ist gleichzeitig in zwei oder mehrere SV-Systemen versichert.
Beitragsrecht: Für jedes Versicherungsverhältnis hat der Versicherte Beiträge zu entrichten-
nach oben durch Höchstbeitragsgrundlage begrenzt. Der Versicherte kann die Beiträge, die
von dem Einkommensteil berechnet werden, der die Höchstbeitragsgrundlage übersteigt,
zurückfordern (Überschreitungsbetrag).
Leistungsrecht: Krankenversicherung – Sachleistungen gebühren einmal und Geldleistungen
gebühren mehrfach; Unfallversicherung: es besteht für jede ausgeübte Erwerbstätigkeit UV-
Schutz, Leistungen unterfallen der Versicherung in deren Bereich die ursächliche Tätigkeit
liegt; Pensionsversicherung: Anspruch auf eine Versicherung (siehe unten
Wanderversicherung)
32. Worin liegt der Unterschied zwischen dem AN Begriff im Arbeitsvertragsrecht und
dem AN Begriff im ASVG?
Der DN-Begriff des ASVG umfasst jene Personen, welche in persönlicher und
wirtschaftlicher Abhängigkeit gegen Entgelt beschäftigt sind. Es wird auf faktische
Beschäftigung und nicht auf Vertrag abgestellt. Der Hauptunterschied liegt im Abstellen auf
die Entgeltlichkeit des ASVG, wohingegen der DN-Begriff des AV-Rechts keine
Entgeltlichkeit verlangt.
33. Sind arbeitnehmerähnliche freie Dienstnehmer vom ASVG erfasst?
Dienstnehmerähnliche freie DN sind versicherte Personen nach dem ASVG. Der Betreffende
erbringt persönlich Dienstleistungen aufgrund eines freien Dienstvertrages für einen
Dienstgeber. Er verfügt über keine wesentlichen eigenen Betriebsmittel und ist aufgrund
dieser Tätigkeit nicht bereits im GSVG und FSVG versichert.
34. Wer ist der Dienstgeber iSd ASVG?
Als DG gilt derjenige, für dessen Rechnung der Betrieb geführt wird, in dem der
Dienstnehmer in einem Beschäftigungsverhältnis steht. Gilt auch dann, wenn der Dienstgeber
den Dienstnehmer durch Mittelspersonen in Dienst genommen hat oder ihn ganz bzw.
teilweise auf Leistungen Dritter an Stelle des Entgelts verweist.
35. Welche Pflichten treffen den Dienstgeber?
Der Dienstgeber ist Beitragsschuldner und es treffen ihn Melde- und Auskunftspflichten.
36. Was versteht man unter geringfügig Beschäftige?
Derjenige, der im Rahmen des ASVG Einkünfte erzielt, die unterhalb der
Geringfügigkeitsgrenze bleiben. Sie sind nur in der UV teilversichert, nicht aber in der KV
und PV pflichtversichert. – Opting-In § 19a ASVG (Selbstversichern)
37. Erörtern Sie die Zielsetzung der pauschalierten Dienstgeberabgabe nach dem DAG!
Man will verhindern dass die Einnahmebasis der SV geschmälert wird, da aus
finanztechnischen Überlegungen Vollarbeitsplätze auf mehrere geringfügige Beschäftigte
aufgeteilt werden. Das Dienstgeberabgabegesetz sieht vor, dass der DG eine pauschalierte
Dienstgeberabgabe (16,4% der jeweiligen Beitragsgrundlage) zu leisten hat.
38. Wie ist die Pflichtversicherung für Selbstständige ausgestaltet?
Die Pflichtversicherung für Selbstständige ist im GSVG geregelt. Sie umfasst nur die KV und
die PV (die UV ist nach ASVG geregelt).
Alte Selbstständige: natürliche Personen, die
• Mitglieder der Wirtschaftskammer sind (Einzelunternehmer)
• Gesellschafter einer OG und Komplementäre einer KG, wenn Gesellschaften
wirtschaftskammerzugehörig sind
• Gesellschafter-Geschäftsführer einer wirtschaftskammerzugehörigen GmbH, wenn sie
als GF nicht bereits als DN oder dienstnehmerähnlicher freier DN pflichtversichert
sind
• Ausnahmen: Ruhen des Gewerbes (KV, PV und UV), Kleinunternehmerregelung
(nur KV, PV – Umsatzgrenze 30.000 Euro), Jungunternehmer
Neue Selbstständige:
• Selbstständig erwerbstätige natürliche Personen, die
• Aufgrund einer betrieblichen Tätigkeit
• Einkünfte iSd § 22 Z 1 bis 3 und 5 oder § 23 EStG erzielen
• Sofern auf Grund dieser betrieblichen Tätigkeit nicht bereits eine andere
Pflichtversicherung eingetreten ist (Subsidiarität) und
• Ausnahme – Versicherungsgrenzen: mind. 6453,36 € im betreffenden Jahr wer
ausschließlich Erwerbstätigkeiten als neuer Selbstständiger ausübt, wer auch andere
Erwerbstätigkeiten ausübt mind. 4743,72 €
Opting-Out: Gesetzgeber hat den Kammern die Option ermöglicht, mittels Antrag die
Mitglieder der Kammer aus der KV bzw. PV nach GSVG herauszunehmen, da sie schon
selbst eigene Systeme der KV/PV eingerichtet haben. Opting-Out aus KV haben alle
Kammern der freien Berufe gemacht. Vom Opting-Out aus PV hat die Rechtsanwaltskammer
Gebrauch gemacht.
39. Wie ist die Pflichtversicherung für selbständige Land- u. Forstwirte ausgestaltet?
Pflichtversichert im BSVG sind alle natürlichen Personen, die auf ihre Rechnung und Gefahr
einen landforstwirtschaftlichen Betrieb iSd Landarbeitsgesetz führen. Diese sog.
Betriebsführer sind nach dem BSVG vollversichert. Betriebe ab einem bestimmten
steuerlichen Einheitswert unterliegen der Pflichtversicherung (ab € 150 Einheitswert für UV,
ab € 1.500 Einheitswert für PV und KV). Weitere Vollversicherungspflicht für hauptberuflich
im Betrieb tätige Kinder, Ehegatten, Altbauern.
40. Beschreiben sie die Versicherung nach FSVG und NVG!
Gemäß dem Freiberuflichen-Versicherungsgesetz (FSVG) sind freiberufliche Ärzte/Zahnärzte
in der UV und PV pflichtversichert. Weiters sind selbstständige Apotheker und Patentanwälte
gemäß diesem Gesetz in der PV pflichtversichert.
Im Notarversicherungsgesetz (NVG) ist die Pflichtversicherung (umfasst nur PV) geregelt.
Freiberufler welche nicht unter diese Sonderbestimmungen fallen sind neue Selbstständige.
41. Was wird in den diversen sozialrechtlichen Gesetzen als Beitragsgrundlage
herangezogen?
ASVG: alle Bezüge aus dem Dienstverhältnis (Lohn, Gehalt), sofern sie nicht im ASVG aus
beitragsfrei bezeichnet werden, nicht nur auf Bezüge die direkt vom DG stammen sondern
auch Beträge von Dritten (Zb Trinkgelder)
GSVG: „vorläufige“ Beitragsgrundlage, der der Einkommenssteuerbescheid des jeweils
drittvorangegangen Kalenderjahres zugrunde liegt, Nachbemessung der SV-Beiträge, bei
Verlust und Firmengründung von Mindestbeitragsgrundlage, Beitrag zur UV ist monatlicher
Fixbetrag
BSVG: gesetzlich festgelegter Prozentsatz des Einheitswerts, Wahlmöglichkeit
(Beitragsgrundlagenoption) zum Einkünfte aus Einkommenssteuerbescheid
42. Erläutern Sie das Prinzip der Höchstbeitragsgrundlage bzw der
Mindestbeitragsgrundlage im Sozialrecht!
Für den Einkommensteil, der die Höchstbeitragsgrundlage überschreitet, werden keine SV-
Beiträge gezahlt (ASVG, GSVG, BSVG). Von einer Mindestbeitragsgrundlage werden die
SV-Beiträge auch dann berechnet, wenn die ermittelte Beitragsgrundlage tatsächlich niedriger
ist (nicht im ASVG und nicht für neue Selbstständige, aber für alte Selbstständige und BSVG)
43. Erörtern Sie die Melde- und Beitragspflichten des Dienstgebers nach ASVG!
Meldepflicht: Die Anmeldung zur SV hat vor Arbeitsantritt und die Abmeldung hat innerhalb
7 Tage nach Ende der Pflichtversicherung zu erfolgen. Die Anmeldung kann auch aufgeteilt
werden in eine Anmeldung mit Mindestangaben vorm Arbeitsantritt und eine darauf folgende
(innerhalb von 7 Tagen nach Beginn der Pflichtversicherung) vollständige Anmeldung. Es ist
eine Abschrift dem Arbeitnehmer zuzustellen.
Beitragspflichten: Beitragsschuldner ist nur der Arbeitgeber, Empfänger ist der zuständige
KV-Träger. Der DG hat den gesamten Beitrag zur Sozialversicherung zu leisten und damit
auch den Anteil des DN. Der DG hat dazu das Recht den Anteil des DN direkt von dessen
Entgelt abzuziehen und an die SV abzuführen (Abzugsrecht des DG). Das Recht des Abzugs
muss spätestens bei der auf die Fälligkeit des SV-Beitrags nachfolgenden Entgeltzahlung
ausgeübt werden (Nachholverbot). Ausnahme: fehlendes Verschulden des Arbeitgebers.
Jedenfalls gilt, dass auf einen Entgeltfortzahlungszeitraum nur bis zu zwei
Beitragszahlungszeiträume geldmäßig verrechnet werden können (Lohnschutz für den
Familienunterhalt).
Die Ermittlung der SV-Beiträge kann auf zwei Arten erfolgen: Beitragsvorschreibung durch
die KV-Träger oder Selbstabrechnung/Lohnsummenverfahren (Betrieben mit mehr als 15
DN).
Fälligkeit: Die SV-Beiträge sind am letzten Tag des Kalendermonats - Nachfrist von 15
Tagen. Bei nachfolgender Einzahlung innerhalb von 3 Tagen (Respirofrist) unterbleibt
Verzugszinsenvorschreibung.
44. Wann verjähren Beitragsschulden nach ASVG?
Feststellungsverjährung: Das Recht auf Feststellung der Verpflichtung zur Zahlung von
Beiträgen verjährt binnen 3 Jahren vom Tag der Fälligkeit der Beiträge. Die Frist verlängert
sich auf 5 Jahre, falls der DG/sonstige meldepflichtige Person fahrlässig keine Angaben oder
unrichtige Angaben über die beschäftigte Personen bzw. deren Entgelt gemacht wurden.
Einforderungsverjährung: Das Recht auf Einforderung festgestellter Beitragsschulden verjährt
binnen 2 Jahren nach Verständigung des Zahlungspflichtigen vom Ergebnis der Feststellung.
45. Was fällt unter den Entgelt-Begriff des ASVG?
Sämtliche Geld- und Sachbezüge, auf die der DN aus dem Dienstverhältnis Anspruch hat
(Anspruchslohnprinzip) oder die er darüber hinaus aufgrund des Dienstverhältnisses vom DG
oder von einem Dritten erhält.
46. Wie sind die Beitragssätze nach ASVG grundsätzlich ausgestaltet?

47. Kann man zu Ungebühr entrichtete Beiträge zurückfordern?


Zu Unrecht entrichtete SV-Beiträge können innerhalb von 5 Jahren ab dem Zeitpunkt der
erfolgten Zahlung zurückgefordert werden. Rückforderung ist ausgeschlossen, wenn damit
eine Formalversicherung begründet wurde oder innerhalb des Zeitraums, für den Beiträge
ungebührlich entrichtet worden sind, von der SV eine Leistung erbracht wurde.
Rückforderungsrecht hat der Versicherte bzw vermeintlich Versicherte für deren selbst
getragene Beiträge, sonst der DG bzw. vermeintliche DG für deren Beitragsanteil.
48. Erläutern Sie die Haftung für Beitragsschulden!
Mitdienstgeberhaftung: Wenn mehrere DG auf gemeinsame Rechnung einen Betrieb führen,
haften sie auch gemeinsam (solidarische Haftung für Beitragsschulden).
Haftung vertretungsbefugter Orange: Vertreter juristischer Personen/Personengesellschaften
(GF) sowie gesetzliche Vertreter natürlicher Personen (Sachverwalter) haften infolge
schuldhafter Verletzung der den Vertretern auferlegten Pflichten.
49. Erläutern Sie die Betriebsnachfolgerhaftung im ASVG!
Erwerber haftet für Beitragsschulden im Zeitraum von 12 Monaten vor dem Erwerb. Lässt
sich der Erwerber jedoch von KV-Träger eine Unbedenklichkeitsbescheinigung über
bestehenden Rückstand ausstellen, haftet er nur für diesen Betrag. Es muss sich beim Erwerb
um Veräußerungsgeschäft handelt (außer bei persönlicher und wirtschaftlicher
Nahebeziehung) – jedoch nicht bei Insolvenz.
50. Was ist die Vertragspartnerhaftung im ASVG?Wie kann man sich haftungsfrei
stellen?
Haftung ist sektoral auf die Baubranche eingeschränkt: Nur wer die Erbringung einer
Bauleistung weitergibt, haftet für das beauftragte Unternehmen. Die Haftung ist betragsmäßig
auf 20% des geleisteten Werklohns begrenzt.
Der Auftraggeber kann sich von seiner Haftung von vornherein entledigen, wenn er
zulässigerweise 20% des Werklohns direkt an Dienstleistungszentrum der Wiener GKK und
80% seinem Auftragnehmer überweist. Die Überweisung wirkt für den AG gegenüber seinem
AN schuldbefreiend und wird über das Dienstleistungszentrum dem Beitragskonto des
Auftragnehmers bei seinem zuständigen KV-Träger gutgeschrieben – oder wenn er darauf
achtet, dass sein Auftragnehmer in die Gesamtliste der haftungsfreistellenden Unternehmen
(HFU-Gesamtliste) eingetragen ist.
51. Erläutern Sie die Haftung für Beitragsschulden im Zusammenhang mit
Arbeitskräfteüberlassung!
Arbeitskräfteüberlassung: Der Beschäftiger haftet als Bürge (Ausfallbürge)iSd § 14 AÜG.
KRANKENVERSICHERUNG
52. Was sind die Aufgaben der Krankenversicherung?
Nachsorge: Krankheit, Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit (nur im ASVG), Mutterschaft
Vorsorge: Jugendlichen- und Gesundenuntersuchungen, Maßnahmen zur
Krankheitsverhütung, sonstige Maßnahmen zur Erhaltung der Volksgesundheit, Medizinische
Forschung
53. Welche Leistungsarten kennt die Krankenversicherung?
Sachleistungen: Krankenbehandlung, Hebammenbeistand, Vorsorgeuntersuchungen;
Geldleistungen: Krankengeld, Wochengeld

54. Wie steht der Krankheitsbeginn im Verhältnis zur Versicherungsdauer?


Die Ansprüche gelten sowohl für Krankheiten, welche schon vor dem Versicherungszeitraum
bestanden haben aber in jeden hinein wirken bzw. sich im Versicherungszeitraum ereignet
haben, jedoch darüber hinaus andauern. Des Weiteren wirkt der Schutz (nur Krankheit) 6
Wochen nach, wenn der Arbeitnehmer aus der Pflichtversicherung ausscheidet und
erwerbslos ist. Krankengeld wird jedoch nur für eine Schutzfrist von 3 Wochen im
Nachhinein gewährt.
55. Erläutern Sie das sog Finalitätsprinzip!
Die Ursache für den Eintritt des Versicherungsfalls ist für das Bestehen der Leistung
grundsätzlich irrelevant. Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn ein allgemeiner
Verwirkungstatbestand des § 88 ASVG vorliegt (vorsätzliche Selbstbeschädigung oder
durch eine gerichtlich strafbare Handlung mit Freiheitsstrafe von mehr als einem 1 Jahr
verurteilt), besonderer Verwirkungstatbestand des § 142 ASVG (Krankengeld: Raufhandel,
Trunkenheit, Suchtgiftmissbrauch)
56. Wer ist in der Krankenversicherung leistungsberechtigt?
Pflichtversicherte sowie deren Angehörige: Ehegatte/eingetragene Partner, Kinder,
Lebensgefährte (mind. 10 Monate in Hausgemeinschaft, dem Versicherten seit dieser Zeit
unentgeltlich den Haushalt führen und in diesem Haushalt kein/e arbeitsfähig/e Ehegatte/in
lebt), gleichgeschlechtliche Lebenspartner unter den selbigen obigen Gründen
57. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Krankheit und Gebrechen!
Krankheit liegt vor bei einem regelwidrigen Körper- oder Geisteszustand, der eine
Krankenbehandlung notwendig macht. Keine Krankheit liegt vor bei Gebrechen, das ist ein
gänzlicher Ausfall normaler Körperfunktionen, die einer Krankenbehandlung nicht mehr
zugänglich sind.
58. Welche Sachleistungen ergeben sich aus dem Versicherungsfall der Krankheit?
Krankenbehandlung, Anstaltspflege, medizinische Hauskrankenpflege
59. Was sind Ziel und Umfang der Krankenbehandlung?
Ziel der Krankenbehandlung ist es, die Gesundheit, die Arbeitsfähigkeit und die Fähigkeit des
Versicherten, für die lebenswichtigen persönlichen Bedürfnisse zu sorgen, nach Möglichkeit
wiederherzustellen, zu festigen oder zu bessern.
Wirtschaftlichkeitsgebot: Die Krankenbehandlung muss ausreichend und zweckmäßig sein
und darf das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Spannungsverhältnis zwischen
medizinisch Möglichem und wirtschaftlich Vertretbaren.
Umfang: ärztliche Hilfe (Vertragsarzt, Wahlarzt, Ambulatorien), Heilmittel, Heilbehelfe
Grundsätzlich keine zeitliche Begrenzung.
60. Wodurch unterscheiden sich Heilmittel und Heilbehelfe?
Heilmitteln: Arzneien und sonstige Mittel, die zur Beseitigung/Linderung der Krankheit
dienen. Die Kosten übernimmt der KV-Träger, wenn das Heilmittel vom Arzt verschrieben
wurde. Für den Versicherten besteht bei den Heilmitteln eine Selbstkostenverpflichtung
(Rezeptgebühr).
Heilbehelfe: Ersatz fehlende Körperfunktionen (Brillen, orthopädische Schuheinlagen). Vom
KV-Träger nur in begrenzten Umfang übernommen. Selbstbehalte im Ausmaß von 10% der
Kosten zu tragen (mind. 20% der Höchstbeitragsgrundlage, bei Brillen 60%).
61. Was sind Ziel, Umfang und Voraussetzung einer Anstaltspflege?
Ziel: Wiederherstellung/Besserung der Gesundheit durch integriertes
Leistungsprogramm.Umfang: ärztliche Untersuchung und Behandlung, Bereitstellung von
Heilmitteln, Pflege und Verköstigung, Voraussetzung: Versichertermuss von einem
Vertragsarzt in eine Krankenanstalt eingewiesen wird. In Notfällen auch ohne vorherige
Einweisung.
62. Was versteht man in der Anstaltspflege unter „Asylierung“?
Sollte der Versicherte keine ärztliche Behandlung mehr bedürfen, sondern nur mehr Pflege,
erlischt der Anspruch des Versicherten auf Anstaltspflege.
63. Was ist die medizinische Hauskrankenpflege und wann kommt es dazu?
Welche Leistungen stehen zu?
Wenn Versicherte aufgrund ihres Gesundheitszustandes der Krankenbehandlung bedürfen,
aber keinen Arzt aufsuchen können. Sie können medizinisch zu Hause versorgt und betreut
werden. Medizinische Hauskrankenpflege hat Vorrang gegenüber der Anstaltspflege.
Leistungen: Medizinische Leistungen (Injektionen, Infusionen), qualifizierte Pflegeleistungen
(Verbandwechsel, Sondenernährung, nicht Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung)
64. Beschreiben Sie die Krankengeldleistung bei Arbeitsunfähigkeit infolge einer
Krankheit!
Das Krankengeld soll verursachten Entgeltverlust ausgleichen (Lohnersatzfunktion).
Krankengeld gebührt vom 4. Tag der Arbeitsunfähigkeit im Ausmaß von 50% der
Bemessungsgrundlage (ab 43. Tag 60%, durch Satzung 75%) für 26 Wochen. Erhöht sich auf
52 Wochen, wenn der Anspruchsberechtigte innerhalb der letzten 12 Monate vor dem Eintritt
des Versicherungsfalls mindestens 6 Monate in der KV versichert war. Die Satzung des KV-
Trägers kann eine noch längere Dauer bis höchstens 78 Wochen vorsehen.
65. Wann ist das Krankengeld auf Grund von Arbeitsunfähigkeit ausgeschlossen und
wann ruht es?
Verwirkung: Arbeitsunfähigkeit als unmittelbare Folge von Trunkenheit oder von
Suchtmittelmissbrauch oder aufgrund schuldhaften Beteiligung an einem Raufhandel
Versagung: Ladung beim Kontrollarzt ohne wichtigen Grund nicht Folge leistet, sich der
Verpflichtung zur notwendigen Krankenbezahlung entzieht oder sich wiederholt den
Bestimmungen der Krankenordnung oder den Weisungen des behandelnden Arztes
widersetzt.
Ruhen: Der Anspruch auf Krankengeld ruht
• zur Gänze, wenn der Versicherte einen EFZ-Anspruch von mehr als 50% der vollen
Geld- und Sachbezüge gegenüber seinem Arbeitgeber besitzt.
• Zur Hälfte, wenn der Versicherte einen EFZ-Anspruch im Ausmaß von exakt 50%
gegenüber seinem Arbeitgeber hat,
• gar nicht, wenn der Versicherte keinen Anspruch auf EFZ oder einen Anspruch von
weniger als 50% gegenüber seinem Arbeitgeber hat.
• Entgeltfortzahlung meistens in den Stufen 100%, 50%, 0%

66. Wem und wann gebührt ein Zuschuss zur Entgeltfortzahlung?


Gem. § 53b ASVG gebührt dem Arbeitgeber ein Zuschuss zur EFZ bei Unfällen und
Krankheitsfällen in der Höhe von 50% des fortzuzahlenden Entgelts sofern:
• Im Unternehmen regelmäßig weniger als 51 DN beschäftigt werden,
• der entsprechende DN in der UV versichert ist
• wenn die Verhinderung bei Krankheit länger als 10 aufeinanderfolgende Tage oder bei
Arbeitsunfall 3 aufeinanderfolgende Tage andauert..
Der Zuschuss zur EFZ steht für maximal 42 Tage/Arbeitsjahr zu und gebührt bei
Krankheitsfällen ab dem 11. Tag bzw. bei Arbeitsunfall ab 1. Tag. Der Zuschuss in der Höhe
von 50% wird von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) entrichtet.
67. Beschreiben sie den Versicherungsfall der Mutterschaft!
Umfasst die Schwangerschaft, die Entbindung (Lebend- oder Totgeburt, nicht Fehlgeburt
weniger als 500g) und die Nachversorgung der Mutter und des Kindes nach der Geburt. Der
Versicherungsfall beginnt mit der 8. Woche vor dem voraussichtlichen Entbindung, wird das
Kind früher geboren mit dem Entbindungstag ein. Wenn nach amtsärztlichen oder
arbeitsinspektionsärztlichen Zeugnis das Leben oder die Gesundheit der werdenden Mutter
oder des Kindes bei fortdauernder Beschäftigung bereits vor der errechneten 8-Wochenfrist
gefährdet wären, wird der Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalls vorverlegt.
Die Mutterschaft muss während der pflichtversicherten Beschäftigungszeit eintreten –sonst
muss Mutter in der 32. Woche vor Entbindung noch pflichtversichert (für 13 Wochen)
gewesen sein.
68. Erörtern Sie den Anspruch auf Wochengeld! In welcher Höhe steht es zu?
8 Wochen vor der Geburt, für den Entbindungstag und 8 Wochen nach der Entbindung. Bei
Mehrlings- bzw. Frühgeburten und Kaiserschnittentbindung 12 Wochen nach der Geburt. Die
Höhe des Wochengelds richtet sich nach dem tatsächlichen Nettoverdient der letzten 13
Wochen. Für geringfügig Beschäftigte (§ 19a ASVG in die KV optiert) Fixbetrag pro Tag.
69. Gibt es für Selbstständige einen Anspruch auf Leistungen im Versicherungsfall
Mutterschaft?
Die sog. Betriebshilfe findet Anwendung auf weibliche Pflichtversicherte nach dem GSVG
und BSVG. Primär Sachleistungen: Bereitstellung entsprechend geschulter Kräfte durch den
SV-Träger, welche die Mutter bei der Verrichtung von unaufschiebbaren Arbeiten im Betrieb
ersetzen (Betriebshelfer). Zeitraum für die Betriebshilfe ist wie beim Wochengeld. Wenn vom
SV-Träger keine Bereitstellung von Arbeitskräften erfolgt, kommt gebührt subsidiär ein
tägliches Wochengeld, solange eine betriebsfremde/nicht betriebsfremde Hilfe vom
Selbstständigen ständig zur Entlastung der Versicherten eingesetzt werden musste.
UNFALLVERSICHERUNG
70. Erläutern Sie die Unfallversicherung und ihre Prinzipien – Kausalitätsprinzip und
Alles-oder-Nichts-Prinzip!
Kausalitätsprinzip: Personenschaden muss durch Arbeitsunfall/Berufskrankheit verursacht
worden sein Alles-Oder-Nichts-Prinzip:Mitverschulden des Versicherten ist irrelevant
71. Erläutern Sie Leistungsvoraussetzungen und die Leistungsberechtigten der
Unfallversicherung!
Versicherten und persönlichen Naheverhältnis zum Versicherten stehende Personen
(Angehörige: Witwenrente, Waisenrente, Eltern- und Geschwisterrente). Grundsätzlich sind
alle Erwerbstätigen in der UV pflichtversichert: Dienstnehmer, dienstnehmerähnliche freie
Dienstnehmer, alte und neue Selbstständige, aber auch Schüler und Studierende, sofern sie
durch einen Unfall iZm dem Schul- bzw. Studienbesuch geschädigt werden
• Personenschaden: körperlicher bzw. psychischer Art
• Personenschaden durch einen Unfall verursacht worden
• Dieser Unfall muss im geschützten Lebensbereich der UV liegen:
o Erwerbstätigkeit – Erfüllung des Dienstvertrages, Wegunfälle,
Betriebsverfassungsrechtliche Aktivitäten, Betriebliche Gemeinschaftsveranstaltungen,
Betriebliche Tätigkeiten Dritter
o Kindergarten-/Schulbesuch und Studium
o Handlungen im Fremdinteresse – Fälle der Versorgung Zb Feuerwehr, Lebensretter oder
Blutspender
• Dieser Unfall muss der Unfallversicherung zurechenbar sein.
o Bedingung der Kausalität: Ereignis ursächlich (kausal) für Personenschaden
o Bedingung des Sinnzusammenhangs: Zwischen Unfall und Ereignis aus dem geschützten
Lebensbereich Sinnzusammenhang.
o Bedingung der Wesentlichkeit: Die aus dem geschützten Lebensbereich stammende
Schadensursache muss im Verhältnis zu den anderen Schadensursachen nach der
Auffassung des Lebens am Eintritt des Personenschadens wesentlich mitgewirkt haben.
Keine Leistungspflicht, wenn der Schaden durch ein anderes alltäglicher Ereignis ebenso
ausgebrochen wäre (Gelegenheitsursache) oder der Schaden auch ohne den Unfall zum
ungefähr selben Zeitpunkt eingetreten wäre.

72. Was versteht man unter einem Arbeitsunfall?Welche Unfälle sind Arbeitsunfällen
gleichgestellt?
Unfälle, die sich im örtlichen, zeitliche und ursächlichen Zusammenhang mit der die
Versicherung begründenden Beschäftigung ereignen.
73. Was ist eine Berufskrankheit? Worin liegt der Unterschied zwischen einer konkreten
und einer abstrakten Berufskrankheit?
Grundsätzlich: tätigkeitsbedingte Erkrankung
Abstrakte Berufskrankheiten: Erschöpfende Liste - Gem. § 177 Abs 1 iVm Anlage 1 ASVG
gelten Berufskrankheiten die in der Anlage 1 bezeichneten Krankheiten unter den dort
angeführten Voraussetzungen, wenn sie durch Ausübung der die Versicherung begründenden
Beschäftigung in einem in Spalte 3 der Anlage bezeichneten Unternehmen verursacht sind.
Der Begriff der abstrakten Berufskrankheiten beinhaltet an sich drei wesentliche Kriterien,
nämlich die Art der Einwirkung (Schadstoffe, Lärm,..), die Art der Erkrankung und die Art
des Unternehmens.
Konkrete Berufskrankheiten:Generalklauselhafter Auffangtatbestand – Wenn der UV-Träger
aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse feststellt, dass diese Krankheit ausschließlich oder
überwiegend durch die Verwendung schädigender Stoffe bzw. Strahlen bei einer vom
Versicherten ausgeübten Tätigkeit entstanden ist. Die Versehrtenrente gebührt bei einer
konkreten B. erst bei einer MdE von mindestens 50% (sonst reichen 20%).
74. Würde eine Weihnachtsfeier dem Arbeitsunfall-Versicherungsschutz unterliegen?
Unfälle, die aufgrund der Teilnahme an einer Betriebsfeier erleidet, fallen unter den
geschützten Bereich des Arbeitsunfall-Versicherungsschutz.
75. Welche Sachleistungen gebühren aus der Unfallversicherung?

• Unfallheilbehandlung: ärztliche Hilfe, Heilmittel und –behelfe, Pflege in Kranken-


und Kuranstalten
• Rehabilitation: medizinische, berufliche und soziale
• Beistellung von Hilfsmitteln gem. § 202 ASVG

76. Welche Geldleistungen stehen aus der Unfallversicherung zu?

• Versehrtenrente und Versehrtengeld


• Integritätsabgeltung
• Hinterbliebenenrenten

77. Wann kommt es zu einer Versehrtenrente?


Wenn Erwerbsfähigkeit durch Folgen eines Arbeitsunfalls/Berufskrankheit um mindestens
20% vermindert ist. Diese MdE muss mehr als drei Monatedauern.
Die Höhe der Versehrtenrente hängt vom Grad der MdE und von der jeweiligen
Bemessungsgrundlage des Versicherten ab (Jahreseinkommen des Versicherten)
78. Erörtern Sie den Anspruch und die Funktion der Integritätsabgeltung?
Dienstnehmer, welche infolge eines Arbeitsunfalls/Berufskrankheit
• eine erhebliche oder dauernde Beeinträchtigung der körperlichen bzw. geistigen
Integrität erlitten haben,
• dies durch grob fahrlässige Außerachtlassung von Arbeitnehmerschutzvorschriften
herbeigeführt wurde und
• gleichzeitig auch ein Anspruch auf Versehrtenrente besteht.
Die Integritätsabgeltung ist eine einmalige Geldzuwendung (Obergrenze: doppelte
Jahreshöchstbeitragsgrundlage)

PENSIONSVERSICHERUNG
79. Erläutern Sie die Rechtsgrundlagen für die Pension ALT und die Pension NEU!
Neurecht: Nach dem 1. 1. 1955 geborene oder weniger als 36 Versicherungsmonate vor dem
1.1. 2005: APG (Allgemeinen Pensionsgesetz), soweit das APG aber nichts anderes bestimmt,
sind weiterhin die Bestimmung des ASV (bzw GSVG, BSVG, FSVG) anzuwenden
Altrecht: Vor dem 1.1. 1955 geborene oder weniger als 36 Versicherungsmonate nach dem
1.1.2005: gilt uneingeschränkt das alte System nach ASVG (bzw. GSVG, BSVG, FSVG)
80. Erläutern Sie die Grundprinzipien der Pensionsversicherung!
Umlagesystem, Prinzip der Beitragsgerechtigkeit, Solidaritätsprinzip, Prinzip der
Lebensstandardsicherung, Prinzip der Wanderversicherung
Solidaritätsprinzip: Durchbrechung des Äquivalenzprinzip (je höher die Beitragsleistung,
desto höher ist Pension) aus sozialen Erwägungen. Es wird auf Versicherte Rücksicht
genommen, die nur eine sehr geringe Pension erwarten und daher einen Ausgleich auf ein
existenzsicherndes Niveau bekommen (Ausgleichszulage).
81. Was ist unter dem Prinzip der Wanderversicherung zu verstehen?
Er hat nur Anspruch auf eine einheitliche Pensionsleistung. Zuständig für die Auszahlung ist
jener PV-Träger, bei dem der Versicherte in den letzten 15 Jahren die größere Anzahl an
Versicherungsmonaten erworben hat. Für den Fall, dass der Versicherte bei mehreren PV-
Träger die gleiche Anzahl an Versicherungsmonaten angesammelt hat, ist jener PV-Träger
zuständig, bei dem der letzte Versicherungsmonat erworben wurde.
82. Was versteht man unter Umlagesystem in der Pensionsversicherung? Worin besteht
der Unterschied zum Kapitaldeckungsverfahren?
Die Zahlungen an die Leistungsbezieher werden durch die Beitragsleistungen der
Erwerbstätigen finanziert (Generationenvertrag). Die eingehenden Zahlungen werden sofort
wieder an die Leistungsberechtigten ausgeschüttet.
Die private Pensionsversicherung folgt dem KapitaldeckungsverfahrendH die eingezahlten
Beiträge werden angespart und verzinst, um dann im Leistungsfall an den konkret
Versicherten ausbezahlt zu werden.
83. Wodurch kommt das Prinzip der Lebensstandardsicherung in der
Pensionsversicherung zum Ausdruck?
Grundsatz der Beitragsgerechtigkeit: Wer viel eingezahlt hat, soll auch eine hohe
Pensionsleistung erhalten. Es werden alle PV-Beiträge zusammengerechnet und ein
Durchschnitt gebildet.
Aufrechterhaltung des Lebensstandards: Wird die Pensionsleistung als Sicherung des zuletzt
erreichten Lebensstandards des Versicherten herangezogen – so wird nur der PV-Beitrag des
letzten Monats herangezogen.
Während ursprünglich das ASVG sich am Prinzip der Aufrechterhaltung des Lebensstandards
orientierte, ist im Neurecht mit Einführung des Pensionskontos der Grundsatz der
Beitragsgerechtigkeit zur Gänze verwirklicht.
84. Wer sind die Träger der Pensionsversicherung?
DN - Allgemeine Pensionsversicherungsanstalt (PVA), für Selbstständige die SVA, für Land-
und Forstwirte die SVB und für Eisenbahner und Bergarbeiter die VAEB.
85. Welche Arten der Pension gibt es?

• Versicherungsfall des Alters: Alterspension, Korridorpension, Schwerarbeiterpension,


Sonderunterstützung
• Versicherungsfall der geminderten Arbeitsunfähigkeit: Invaliditäts-, Berufsunfähigkeits-,
Erwerbsunfähigkeitspension
• Hinterbliebenenpension: Witwen- und Witwerpension, Waisenpension, Abfindung

86. Was versteht man unter der Pensionsformel „45-65-80“?


Der Versicherten hat nach 45 Versicherungsjahren, im Alter von 65 Jahren, eine Pension in
der Höhe von 80% des versicherungspflichtigen Lebensdurchschnittseinkommens.
87. Erörtern Sie die Konstruktion des Pensionskontos?
Die Pensionsberechnung erfolgt für die gesamte Versicherungszeit durch Aufzeichnungen am
Pensionskonto, auf dem die jährlichen Teilgutschriften für die Pension des jeweiligen
Versicherten gesammelt werden. Die Teilgutschriften bilden keinen Kapitalfonds, sondern
sind nur fiktive Rechengrößen, tatsächlich werden die Beitragszahlungen unmittelbar für die
laufenden Leistungen an andere Pensionsbezieher verwendet.
Für Jedes Jahr, in dem Versicherungszeiten erworben werden, wird eine Teilgutschrift auf
dem Pensionskonto abgebildet, die 1,78% des beitragspflichtigen Jahresentgelts, höchstens
aber 1,78% der Jahreshöchstbeitragsgrundlage beträgt (1,78% mal 45 sind 80%).
Auch wenn das Pensionskonto mit 2005 eingeführt wurde, werden für alle Versicherte, die
nach dem 31.12.1954 geboren wurden, auch Versicherungszeiten abgebildet, die sie bereits
vor dem 1.1.2005 erworben haben. Die Teilgutschriften für diese Versicherungszeiten
einschließlich der Ersatzzeiten nach Altrecht sind in der Kontoerstgutschrift enthalten.
Die Gesamtgutschrift eines Kalendesjahrs stellt die Summe der Teilgutschriften des laufenden
und der vergangenen Jahre dar. Weil inflationsbedingt die vergangenen Teilgutschriften im
Laufe der Zeit an Wert verlieren, wird die Gesamtgutschrift des Vorjahres mit der
Aufwertungszahl mutlipliziert. Die Gesamtgutschrift des letzten Kalenderjahrs ist gleichzeitig
die Höhe der jährlichen Pensionsleistung bei Inanspruchnahme der Regelalterspension (14
Mal jährlich Ausbezahlung).
88. Wie wirken sich Versicherungszeiten im Ausland auf den Pensionsanspruch in
Österreich aus?
Versicherungszeiten, in einem EWR-Mitgliedstaat oder Schweiz: Der österreichische und der
ausländische PV-Träger berechnet nach seinen nationalen Vorschriften eine fiktive
Vollpension unter Berücksichtigung der jeweiligen Versicherungszeiten aus dem anderen
Land. Pro-rata-temporis-Methode: im Verhältnis zu den im jeweiligen Staat erworbenen
Versicherungszeiten werden dann jeweils Teilpensionen ausbezahlt.
Parallel dazu berechnet jeder PV-Träger das Leistungsausmaß, das dem Versicherten allein
nach nationalen Vorschriften zustehen würde (autonome Leistung). Ist diese höher als die
Teilpension nach der obigen Methode, gebührt dem Versicherten die höhere autonome
Leistung (Petroni-Prinzip).
Versicherungszeiten in einem Staat mit Sozialversicherungsabkommen: Direktberechnung:
Die ausländischen Versicherungszeiten werden nur für die Prüfung der
Anspruchsvoraussetzungen herangezogen. Die Berechnung der Pensionshöhe erfolgt
hingegen ausschließlich mit den österreichischen Versicherungszeiten.
Keine Berücksichtigung erfolgt bei Versicherungszeiten in einem Staat ohne
Sozialversicherungsabkommen.
89. Was versteht man unter dem Antragsprinzip in der Pensionsversicherung?
Die PV erbringt ihre Leistungen nur über Antrag des Versicherten. Aus der Antragstellung
ermittelt sich der Stichtag. Der Stichtag ist der zeitliche Ausgangspunkt, von dem aus beurteilt
wird, ob der Versicherte die erforderlichen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt hat oder nicht.
Die anfallende Pension wird monatlich im Nachhinein jeweils zu Ersten des Folgemonats
ausgezahlt. In den Monaten April und Oktober gebührt zusätzlich je eine
Pensionssonderzahlung.
90. Wann ruht der Pensionsanspruch, wann erlischt er?
Der Pensionsanspruch ruht (wird vorübergehend nicht oder nur zum Teil erbracht)
• Auslandsaufenthalt (nicht bei weniger als 2 Monate im Jahr, oder innerhalb des EWR-
Raums und Schweiz, oder Zustimmung des PV-Träger zum Auslandsaufenthalt)
• Haft: Freiheitsstrafe oder Anstalt
• Krankengeldbezug
• Erwerbseinkommen: im Falle einer Frühpension bei Erwerbseinkommen über der
Geringfügigkeitsgrenze, bei Pension wegen geminderter Erwerbsfähigkeit Reduktion
auf Teilpension wenn Pensionsbezieher über ein zusätzliches Erwerbseinkommen
verfügt
Der Pensionsanspruch erlischt ohne weiteres Verfahren
• Bei Tod oder Verschollenheit des Anspruchsberechtigten
• Bei einer Befristung mit Ablauf der Frist
• Im Falle einer Witwen/Witwerpension mit der Wiederverehelichung
• Im Falle der Waisenpension mit Vollendung des 18. Lebensjahrs
Entziehung der Pension durch formellen Bescheid nach einem Feststellungsverfahren, wenn
eine Leistungsvoraussetzung nicht mehr vorhanden ist.
91. Was versteht man unter Korridorpension?
Bietet für langjährige Beitragszahler die Möglichkeit vor Erreichen des Regelpensionsalter
eine Alterspension in Anspruch zu nehmen.
• Vollendung des 62. Lebensjahres (für Frauen und Männer)
• Mindestversicherungszeit von 462 Versicherungsmonaten (38,5 Versicherungsjahren)

92. Welche Faktoren sind ausschlaggebend für die Pensionshöhe?


Die Höhe der Pension ergibt sich aus dem Pensionskonto. Sie hängt von den
Beitragsgrundlagen, dem Kontoprozentsatz und dem Alter bei Pensionsbeginn ab.
Altrecht: Pensionshöhe = Gesamtbemessungsgrundlage x Steigerungsbetrag (%)
Gesamtbemessungsgrundlage: jährlichen Beitragsgrundlagen eines jeden Jahres werden
mittels Aufwertungsfaktoren inflationsbereinigt, es werden nur die besten Jahresgrundlagen
für die Ermittlung der Gesamtbemessungsgrundlage herangezogen (Stichtag im Jahr 2014:
besten 26 Jahre, Zahl steigt bis 2028 auf 40 Jahre an)
Steigerungsbetrag: Summe der erworbenen Steigerungspunkte, die die Versicherungsdauer
repräsentieren (für je 12 Monate gebühren 1,78% an Steigerungspunkten, nach 45 Jahren
Steigerungsbetrag von 80% erreicht)
Vergleichspension: Unter Anwendung der am 31.12.2003 in Geltung gestanden Rechtslage
(ohne Pensionssicherungsreform 2003). Die tatsächliche Pension nach Altrecht darf einen
bestimmten, nach dem Jahr des Stichtags abhängigen Prozentsatz der Vergleichspension nicht
unterschreiten.
Erhöhung der Pension:
• Überschreitung des Regelpensionsalters (Bonus: Für jeden Monat des Aufschubs
gebührt eine Erhöhung der Pension um 0,35% höchstens jedoch um 12,6%).
• Nebeneinkommen: Für den Anspruch auf normale Alterspension ist die Beendigung
einer Erwerbstätigkeit nicht erforderlich. Für dieses Nebeneinkommen sind trotz
erfolgter Pensionierung auch PV-Beiträge zu entrichten. Es entsteht jedoch kein
zweiter Pensionsanspruch. Allerding führen die Versicherungsbeiträge über der
Geringfügigkeitsgrenze zu einer besonderen Höherversicherung.

93. Was versteht man unter der Ausgleichszulage?


Ausgleichszulage ist eine Art „soziale Unterstützungsleistung“, die aus Steuermitteln
finanziert wird und sowohl bei den Eigenpensionen als auch bei den
Hinterbliebenenpensionen gebührt. Wird vom jeweiligen PV-Träger ausgezahlt.
Voraussetzung ist, dass der Versicherte einen Pensionsanspruch hat und seinen rechtmäßigen,
gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat. Wenn das Gesamteinkommen des Versicherten
(Pension plus sonstiges Nettoeinkommen plus eventuell bestehende Unterhaltsansprüche)
unter einem vorgegeben Richtsatz liegt (Existenzminimum), erhält er die Differenz zwischen
seinem Gesamteinkommen und dem Richtsatz als Ausgleichszulage.
94. Gibt es in Österreich eine Mindestpension?
Anders als in anderen Ländern gibt es in Österreich keine Mindestpension. Das Ziel, allen
Versicherten im Alter ein Mindesteinkommen zu sichern, wird durch die Ausgleichszulage
verfolgt.
Zusätzliche Info von Folien:
Normale Alterspension: Anspruchsvoraussetzungen: Eintritt des Versicherungsfalls =
Erreichung der Altersgrenze (M: 65, F: 60), Erfüllung der Mindestversicherungszeit 180
Monate (15 Jahre) mind. 85 aufgrund Erwerbstätigkeit
Wartezeit nach Altrecht: 180 Versicherungsmonate in den letzten 360 Kalendermonates
ODER 180 Beitragsmonate im Laufe des gesamten Lebens „ewige Anwartschaft“ ODER 300
Versicherungsmonate im Laufe des gesamten Lebens