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Leitthema

Chirurg P. Heger1,2 · F. Pianka1,2 · M. K. Diener1,2 · A. L. Mihaljevic1,2


DOI 10.1007/s00104-016-0231-0 1
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Heidelberg,
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016 Heidelberg, Deutschland
2
Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC), Universitätsklinikum Heidelberg,
Heidelberg, Deutschland

Aktuelle Studienlage zum


Bauchdeckenverschluss
Klassische Nahttechniken

Einleitung störungen oder Narbenhernien führt und qualität relevant, da das Narbenhernien-
somit nicht notwendig ist [9]. Dies wurde risiko auch 12 Monate postoperativ noch
Allein in Deutschland wurden im Jahr in einer Reihe weiterer Studien bestätigt ansteigt [10].
2014 über 16 Mio. operative Eingriffe [11], sodass heutzutage standardmäßig
durchgeführt, wovon die Abdominal-
chirurgie mit über 700.000 Eingrif-
keine Peritonealnaht nach abdominal-
chirurgischen Eingriffen empfohlen wird »Nahtmaterial
Nichtresorbierbares
erhöht die Rate an
fen einen großen Anteil einnimmt [4]. [19].
Die mediane Laparotomie ist der am Zur Frage der optimalen Faszienver- Narbenhernien
häufigsten durchgeführte abdominelle schlusstechnik wurde lange Zeit kon-
Zugangsweg in der Viszeralchirurgie. trovers diskutiert, ob eine fortlaufende Die INLINE-Analyse ergab, dass bei
In der Folge entwickeln jedoch mehr Naht einer unterbrochenen Nahttechnik elektiven offenen abdominalchirurgi-
als 10–15 % der Patienten postopera- in Bezug auf das Langzeitrisiko einer schen Eingriffen inklusive Relaparoto-
tiv Narbenhernien und ca. 15–30 % Narbenhernie überlegen ist. Des Weite- mien die fortlaufende Naht gegenüber
postoperative Wundinfektionen [15]. ren wurde eine Reihe moderner Naht- unterbrochenen Nahttechniken das Nar-
In randomisiert-kontrollierten Studien materialien mit unterschiedlichem Re- benhernienrisiko signifikant reduziert
(RCTs) mit lückenloser Nachsorge und sorptionsverhalten untersucht (schnell (Empfehlungsgrad nach Oxford CEBM
ausreichenden Nachbeobachtungszeiten resorbierbar vs. langsam resorbierbar [Centre for Evidence-Based Medicine]:
liegen diese Komplikationsraten sogar vs. nichtresorbierbar). Durch heteroge- Evidenzlevel 1a). Weiterhin konnte ge-
noch höher [5, 17, 18, 27]. In der 3-Jahres- ne Patientengruppen in den einzelnen zeigt werden, dass ein langsam resor-
Verlaufskontrolle zweier RCTs konnte Studien und methodologische Mängel bierbarer Faden gegenüber schnell re-
gezeigt werden, dass auch nach mehr als konnten jedoch lange Zeit die Frage nach sorbierbarem Nahtmaterial das Risiko
einem Jahr das Risiko für Narbenher- der optimalen Faszienverschlusstechnik für eine postoperative Narbenhernie
nien noch signifikant ansteigt (12,6 % nicht beantwortet werden. signifikant reduziert (Empfehlungsgrad
nach 1 Jahr vs. 22,4 % nach 3 Jahren, p < nach Oxford CEBM: Evidenzlevel 1a).
0,001; [10]). Stand 2010 – die INLINE- Nichtresorbierbares Nahtmaterial hin-
Metaanalyse gegen zeigte in der Metaanalyse eine
Technische Weiterentwicklung signifikant höhere Rate an postoperati-
des Bauchdeckenverschlusses Im Jahr 2010 fasste die INLINE-Meta- ven Narbenhernien. Bei notfallmäßigen
analyse des Studienzentrums der Deut- medianen Laparotomien konnten zum
Hernien und Wundinfekte, als die bei- schen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC; damaligen Zeitpunkt keine signifikanten
den häufigsten postoperativen Kompli- [8]) in einer definierten Patientenpopu- Unterschiede bezüglich Nahtmaterial
kationen nach abdominalchirurgischen lation mit abdominellem Eingriff durch oder Nahttechnik festgestellt werden.
Eingriffen, sind daher die Motivation, mediane Laparotomie die Ergebnisse al- Im Folgenden soll anhand der seit
Techniken und Materialien des Bauchde- ler RCTs zur Rate an Narbenhernien in ei- 2010 veröffentlichten RCTs zum Bauch-
ckenverschlusses zu verbessern. Ellis et ner systematischen Übersichtsarbeit und deckenverschluss dargestellt werden,
al. konnten bereits 1977 zeigen, dass ne- Metaanalyse zusammen. Es wurden hier- welche neuen Erkenntnisse sich zu die-
ben der Fasziennaht ein zusätzlicher Ver- bei nur RCTs eingeschlossen, welche eine sem Thema entwickelt haben. Hierfür
schluss des Peritoneums zu keiner signifi- Nachsorge von mindestens 12 Monaten wurde am 28.01.2016 eine systematische
kanten Erniedrigung der Wundheilungs- durchführten. Dies ist für die Ergebnis- Literaturrecherche mit den Suchbegrif-

Der Chirurg
Zusammenfassung · Abstract

Chirurg DOI 10.1007/s00104-016-0231-0


© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

P. Heger · F. Pianka · M. K. Diener · A. L. Mihaljevic


Aktuelle Studienlage zum Bauchdeckenverschluss. Klassische Nahttechniken
Zusammenfassung
Hintergrund. Zu den häufigsten Komplikatio- Stand der Evidenz zu den konventionel- antimikrobielle Beschichtung gefunden, die
nen nach abdominalchirurgischen Eingriffen len Nahttechniken zusammenfassend insgesamt keinen signifikanten Vorteil in
mittels Laparotomie gehören Narbenhernien darzustellen. Bezug auf Wundinfektionen durch Triclosan-
und Wundinfektionen, welche in mehr als Material und Methoden. Am 28.01.2016 Nahtmaterial zeigen konnten.
10–15 % der Fälle auftreten. Das Risiko dieser erfolgte eine systematische Literaturrecherche Diskussion. Die aktuelle Studienlage ergibt,
Komplikationen lässt sich durch chirurgische über „MEDLINE“ und das „Cochrane Central dass weiterhin ein langsam resorbierbares,
Technik und die Verwendung von speziellem Register of Controlled Trials“ (CENTRAL). monofiles Nahtmaterial in fortlaufender
Nahtmaterial jedoch reduzieren. Im Jahr Hierüber wurden alle verfügbaren RCTs Nahttechnik bei der elektiven medianen
2010 ergab die INLINE-Metaanalyse des zu chirurgischen Techniken des Bauch- Laparotomie die besten Ergebnisse zeigt.
Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft deckenverschlusses identifiziert und Triclosan-beschichtete Nahtmaterialien
für Chirurgie (SDGC), dass eine fortlaufende eingeschlossen. können zu einer Reduktion der Wundin-
Nahttechnik mit einem langsam resorbierba- Ergebnisse. Seit 2010 wurden neun RCTs fektionsrate nicht empfohlen werden. Für
ren Nahtmaterial die besten Ergebnisse nach identifiziert, die verschiedene Techniken zum Notfalllaparotomien konnte bisher kein Vorteil
elektiver medianer Laparotomie in Bezug auf Bauchdeckenverschluss verglichen. In drei für eine bestimmte Nahttechnik oder ein
das Narbenhernienrisiko zeigt. monozentrischen RCTs zum Vergleich von spezielles Nahtmaterial gezeigt werden.
Ziel der Arbeit. Ziel dieser Arbeit soll eine Nahtmaterialien nach Laparotomie ergaben
Aktualisierung der INLINE-Metaanalyse sein. sich keine neuen Erkenntnisse zur INLINE- Schlüsselwörter
Dazu sollen mittels einer systematischen Metaanalyse, sodass weiterhin ein langsam Laparotomie · Abdomen · Narbenhernie ·
Literaturrecherche alle randomisiert-kontrol- resorbierbarer Faden in fortlaufender Technik Wundinfektion · Randomisiert-kontrollierte
lierten Studien (RCT) erfassen werden, die zum Erreichen einer möglichst niedrigen Studien
seit 2010 zum Thema Bauchdeckenverschluss Narbenhernienrate empfohlen werden kann.
veröffentlicht wurden, um so den aktuellen Des Weiteren wurden sechs RCTs zum Thema

Current standards of abdominal wall closure techniques. Conventional suture techniques


Abstract
Background. The most frequent complicati- INLINE meta-analysis and summarize current but failed to show an overall advantage for
ons following midline abdominal laparotomy evidence. Triclosan-coated suture material with respect
include incisional hernias, which develop Material and methods. On 28 January 2016, a to surgical site infections.
in 10–15 % of patients and surgical site systematic literature search was performed in Conclusion. Current evidence shows that
infections in 15–25 % of cases; however, the MEDLINE and the Cochrane Central Register of slowly absorbable monofilament suture
risk of these complications can be reduced Controlled Trials (CENTRAL). All RCTs dealing material using a continuous suture technique
by the surgical technique and the use of with abdominal wall closure after midline provides the best results with regard to
special suture materials. In 2010, the INLINE laparotomy were identified and included for incisional hernia rates after elective midline
meta-analysis performed by the Study Centre further analysis. laparotomy. Triclosan-coated sutures cannot
of the German Society of Surgery (SDGC) Results. Since 2010 a total of 9 RCTs be recommended as a standard suture
revealed that a continuous suture technique comparing different techniques of abdominal material as they failed to reduce surgical
using slowly absorbable suture material wall closure have been published. Three site infections. For emergency laparotomies
resulted in the lowest risk of developing monocentric RCTs comparing different suture no evidence exists to recommend a specific
postoperative incisional hernia after elective materials, showed no significant differences kind of suture technique or a special suture
midline laparotomy. to the INLINE meta-analysis regarding material.
Objective. The aim of this study was to incisional hernia development; therefore,
perform a systematic literature search to slowly absorbable sutures using a continuous Keywords
identify all randomized controlled trials suture technique are still recommended for Laparotomy · Abdomen · Incisional hernia ·
(RCTs) that have been published since abdominal wall closure in elective cases. Surgical site infections · Randomized
2010 concerning conventional abdominal Furthermore, six RCTs were identified which controlled trials
wall closure in order to update the 2010 investigated antimicrobial suture materials

Der Chirurg
Tab. 1 Aktuelle randomisiert-kontrollierte Studien zum Thema Nahtmaterial
Studie Indikation/ Design/ Ergebnisse
Schnittführung Patientenzahl
Bloemen Elektive und Monozentrisch Fortlaufende Naht- Nichtresorbierbar Langsam resorbierbar
et al. [3] notfallmäßige n = 523 technik (Prolene ) ® ®
(PDS )
mediane n = 223 n = 233
Laparotomie Narbenhernie 45 (20,2 %) 58 (24,9 %) p = 0,229
Wunddehiszenz n.a. n.a. n.a.
Nahtsinus 3 (1,3 %) 5 (2,1 %) p = 0,602
Wundinfektion 14 (6,3 %) 18 (7,7 %) p = 0,366
Pandey et al. Elektive und Monozentrisch Fortlaufende Naht- Nichtresorbierbar Resorbierbar
[22] notfallmäßige n = 211 technik (Prolene ) ® ®
(Vicryl )
mediane n = 100 n = 100
Laparotomie Narbenhernie n.a. n.a. n.a.
Wunddehiszenz 6 (6,0 %) 17 (17,0 %) p = 0,015
Nahtsinus n.a. n.a. n.a.
Wundinfektion n.a. n.a. n.a.
Ohira et al. Elektive mediane Monozentrisch Einzelknopf Naht- Schnell resorbierbar Langsam resorbierbar
[21] Laparotomie n = 63 technik (Polysorb ) ® ®
(PDS II)
n = 28 n = 27
Narbenhernie 3 (21,4 %) 3 (14,3 %) p = 0,665
Wunddehiszenz 2 (6,5 %) 0 (0,0 %) p = 0,491
Nahtsinus n.a. n.a. n.a.
Wundinfektion n.a. n.a. n.a.

fen „laparotomy“, „abdominal surgery“ parotomy, [23], Trial Nr. NCT00544583) In einem ähnlichen Studiendesign
sowie „wall closure“ und „suture“ über und könnte neue Erkenntnisse bringen. verglich eine zweite monozentrische
„MEDLINE“ (via Pubmed) sowie dem RCT von Pandey et al. aus dem Jahr 2013
„Cochrane Central Register of Controlled Update – Nahtmaterial einen nichtresorbierbaren (Prolene ) ®
Trials“ (CENTRAL) durchgeführt. ®
und einen resorbierbaren Faden (Vicryl ,
Mithilfe der Studien in der INLINE- Resorptionszeitca. 56–70 Tage)beikonti-
Update – Nahttechnik Metaanalyse wurde die Frage nach dem nuierlicher Nahttechnik an 211 Patienten
Nahtmaterial bei der elektiven media- sowohl bei elektiven als auch bei Not-
Im Bereich der Nahttechniken beim nen Laparotomie hinreichend zugunsten falllaparotomien [22]. Hier zeigte sich
Bauchdeckenverschluss nach medianer eines langsam resorbierbaren Fadens in Bezug auf die Rate an Wunddehis-
Laparotomie gab es seit 2010 keine neu- beantwortet. Seit 2010 wurden drei zenzen ein signifikant geringeres Risiko
en RCTs. Da die INLINE-Metaanalyse weitere RCTs zum Vergleich langsam bei Verwendung eines nichtresorbierba-
einen klaren Vorteil für die kontinu- resorbierbares vs. nichtresorbierbares ren Fadens. Die Rate an Narbenhernien
ierliche, fortlaufende Naht gegenüber Nahtmaterial durchgeführt (. Tab. 1). wurde im Rahmen dieser Studie bei nur
Einzelknopfnähten bei Elektiveingriffen Bloemen et al. untersuchten 2011 90 Tagen Nachbeobachtung allerdings
zeigen konnte, gelten diese Empfehlun- an über 500 Patienten die postopera- nicht untersucht.
gen also weiterhin. tive Komplikationsrate nach elektiver
Für den Bauchdeckenverschluss nach
notfallmäßiger medianer Laparotomie
und notfallmäßiger medianer Laparo-
tomie mit fortlaufender Nahttechnik »FadenEinbleibt
langsam resorbierbarer
das Nahtmaterial
liegen weiterhin keine eindeutigen Stu- und verglichen ein nichtresorbierba-
dienergebnisse vor. Aktuell bleibt damit ®
res Nahtmaterial (Prolene ) mit einem der Wahl
weiter unklar, welches die optimale Naht- langsam resorbierbaren Faden (PDS , ®
technik beim Bauchdeckenverschluss Resorptionszeit ca. 180–240 Tage) [3]. Die aktuellste Studie von Ohira et al.
nach Notfalllaparotomie darstellt. Eine Es zeigte sich hierbei kein signifikanter aus dem Jahr 2015 verglich ein schnell
von SDGC und CHIR-Net (Studien- Unterschied zwischen nichtresorbier- resorbierbares Nahtmaterial (Polysorb ,®
netzwerk der Deutschen Gesellschaft barem und langsam resorbierbarem Resorptionszeit 56–70 Tage) mit einem
für Chirurgie) durchgeführte Studie zu Nahtmaterial in Bezug auf das Risiko für langsam resorbierbaren Nahtmaterial
dieser Thematik befindet sich aktuell in Entwicklung einer Narbenhernie, eines ®
(PDS II, Resorptionszeit 180–240 Tage)
der Auswertung (CONTINT, Continu- Nahtsinus oder einer Wundinfektion an einem kleineren Patientenkollektiv
ous versus Interrupted Abdominal Wall (medianer Nachbeobachtungszeitraum (n = 63) in Bezug auf das Risiko für
Closure after Emergency Midline La- 32 bzw. 31 Monate). Narbenhernien und Wunddehiszenzen,
allerdings ausschließlich bei Bauchde-

Der Chirurg
Leitthema

Tab. 2 Aktuelle randomisiert-kontrollierte Studien zur Triclosan-Beschichtung


Studie Indikation/ Design/ Ergebnisse
Schnittführung Patientenzahl
Rasic et al. Elektive mediane Monozentrisch Fortlaufende Naht- Triclosan-beschichtet Unbeschichtet
[24] Laparotomie n = 184 technik, langsam ®
(Vicryl Plus) ®
(Vicryl )
resorbierbar n = 91 n = 93
Wundinfektion 4 (4,3 %) 12 (13,2 %) p = 0,035
Wunddehiszenz 1 (1,1 %) 7 (7,7 %) p = 0,027
Baracs et al. Elektive Multizentrisch Fortlaufende Naht- Triclosan-beschichtet Unbeschichtet
[1] Laparotomie (7 Zentren) technik, langsam ®
(PDS Plus) (PDS II) n = 197
®
(n.n.b.) n = 485 resorbierbar n = 188
Wundinfektion 23 (12,2 %) 24 (12,2 %) p = 0,982
Wunddehiszenz n.a. n.a. n.a.
Nakamura Elektive Monozentrisch Einzelknopf Naht- Triclosan-beschichtet Unbeschichtet
et al. [20] Laparotomie und n = 410 technik, langsam ®
(Vicryl Plus) ®
(Vicryl )
Laparoskopie resorbierbar n = 87 n = 96
(n.n.b.) Wundinfektion 9 (4,3 %) 19 (9,3 %) p = 0,047
Wunddehiszenz n.a. n.a. n.a.
Justinger Laparotomie Monozentrisch Fortlaufende Naht- Triclosan-beschichtet Unbeschichtet
et al. [14] (n.n.b.) n = 1042 technik, langsam ®
(PDS Plus) ®
(PDS II)
resorbierbar n = 485 n = 371
Wundinfektion 31 (6,4 %) 42 (11,3 %) p < 0,05
Wunddehiszenz n.a. n.a. n.a.
Diener et al. Elektive mediane Multizentrisch Fortlaufende Naht- Triclosan-beschichtet Unbeschichtet
[7] Laparotomie (24 Zentren) technik, langsam ®
(PDS Plus) ®
(PDS II)
n = 1224 resorbierbar n = 587 n = 598
Wundinfektion 87 (14,8 %) 96 (16,1 %) p = 0,640
Wunddehiszenz 66 (13,4 %) 81 (16,3 %) p = 0,210
Mattavelli Elektive mediane Multizentrisch Einzelknopf Naht- Triclosan-beschichtet Unbeschichtet
et al. [16] Laparotomie (4 Zentren)
n = 300
technik, langsam ®
(Vicryl Plus und ®
(Vicryl und PDS II)®
resorbierbar ®
PDS Plus) n = 150
n = 150
Wundinfektion 18 (12,9 %) 15 (10,6 %) p = 0,564
Wunddehiszenz n.a. n.a. n.a.
n.n.b. nicht näher bezeichnet, n.a. nicht ausgewertet

ckenverschluss nach elektiver Laparoto- TINT-Studie zu dieser Frage neue Ergeb- die Frage, ob Triclosan-beschichtetes
mie. Hier konnte kein Vorteil für eines nisse liefern [23]. Nahtmaterial zu einer Reduktion der
der Nahtmaterialien gezeigt werden [21]. postoperativen Wundinfektrate nach ab-
Somit bleibt für den Bauchdecken- Antimikrobiell beschichtetes dominellen Eingriffen führt [13]. Ihre
verschluss nach medianer Laparotomie Nahtmaterial Ergebnisse zeigten, dass beschichtete
nach aktueller Evidenz ein langsam re- Nähte zu einer signifikant niedrigeren
sorbierbarer Faden das Nahtmaterial der Eine neuere Entwicklung im Bereich des Wundinfektionsrate führen. Seither sind
Wahl. Bauchdeckenverschlusses stellen Tric- eine Reihe weiterer Studien und sechs
Die Studie von Ohira et al. ergänzt losan-beschichtete Nahtmaterialien dar. RCTs zu dieser Thematik erschienen
mit ihrem Patientenkollektiv die Daten Da Wundinfektionen nach medianer (. Tab. 2).
der INLINE-Metaanalyse, ändert jedoch Laparotomie im Rahmen viszeralchir- Rasic et al. publizierten 2011 die erste
aufgrund des geringen Patientenkollek- urgischer Eingriffe in 14–30 % der Fälle randomisierte Studie, die die Effektivität
tivs die damaligen Aussagen nicht. Nach auftreten, wurden diese Nähte entwickelt, von Triclosan-beschichtetem Nahtmate-
wie vor ist unklar, welches das sinnvolls- um postoperative Wundinfekte zu sen- ® ®
rial (Vicryl Plus vs. Vicryl ) in Bezug
te Nahtmaterial für den Verschluss nach ken [5, 17, 18, 27]. RCTs mit adäquater auf Wundinfektionen und Wunddehis-
notfallmäßiger Laparotomie ist, denn in Nachbeobachtung und standardisier- zenzen untersuchte [24]. Diese mono-
den beiden RCTs von Pandey et al. und ten Endpunkten zeigen besonders hohe zentrische Studie mit einer Fallzahl von
Bloemen et al. fehlt eine entsprechende Wundinfektionsraten [2, 6, 12, 18, 25, 184 Patienten zeigte ein signifikant ge-
Subgruppenanalyse. Wie erwähnt könnte 26]. ringeres Risiko für postoperative Wund-
die im CHIR-Net durchgeführte CON- Justinger et al. analysierten bereits infektionen und Nahtdehiszenzen nach
2009 in einer retrospektiven Studie

Der Chirurg
Verwendung des Triclosan-beschichte- und zwar von Mattavelli et al. im Jahr Artikel in dieser Ausgabe von Der Chir-
ten Nahtmaterials. 2015 veröffentlicht [16]. Diese umfasste urg.
Im gleichen Jahr veröffentlichten Ba- nur ein geringes Patientenkollektiv von
racs et al. ihre Studie, die bei deutlich 300 Patienten, konnte aber hierbei in Fazit für die Praxis
größerer Patientenzahl (n = 485) und einem multizentrischen Setting ebenfalls
in einem multizentrischen Studiendesign keinen Unterschied zwischen den ver- 4 Die Raten an Narbenhernien und
keinen Unterschied zwischen den ver- wendeten Nahtmaterialien (beschichtet: Wundinfektionen nach medianer
®
wendeten Nahtmaterialien (PDS Plus vs. ® ®
Vicryl Plus und PDS Plus, unbeschich- Laparotomie sind nach wie vor hoch
®
PDS II) im Hinblick auf die Wundinfek- ® ®
tet: Vicryl und PDS II) finden. Diese und stellen damit für Patienten
tionsrate zeigen konnte [1]. Ergebnisse unterstützen somit die Daten relevante Komplikationen dar.
Zwei Jahre später wurden zwei mono- der PROUD-Studie. 4 Eine separate Naht des Peritoneums
zentrische RCTs veröffentlicht, die wie- Insgesamt ist somit der Nutzen von ist nicht notwendig.
derum beide eine signifikante Reduktion Triclosan-beschichtetem Nahtmaterial 4 Bei der elektiven medianen Laparo-
der Wundinfektionsrate durch ein an- im Sinne einer Reduktion der Wundin- tomie zeigt eine kontinuierliche
timikrobiell beschichtetes Nahtmaterial fektionsrate mehr als fraglich und war Nahttechnik mit einem langsam
zeigen konnten [14, 20]. Nakamura et al. bisher nur in monozentrischen Studien resorbierbaren Faden die besten
®
verglichen dabei Vicryl Plus vs. Vicryl ® nachzuweisen. Alle bis heute durchge- Ergebnisse.
an einem relativ kleinen Kollektiv von führten multizentrischen RCTs konnten 4 Mit Triclosan antimikrobiell beschich-
nur 183 Patienten nach elektiver Laparo- hingegen keinen Effekt auf die Wund- tetes Nahtmaterial kann nicht zu
tomie [20], Justinger et al. untersuchten infektionsrate nachweisen. Die aktuelle einer Reduktion der Wundinfektions-
® ®
PDS Plus vs. PDS II an einem relativ Evidenzlage lässt somit eine standard- rate empfohlen werden.
großen Patientenollektiv von 1042 Pati- mäßige Empfehlung, von beschichteten 4 Weitere Studien vor allem für speziel-
enten [14]. Nahtmaterialien nicht zu. Demzufol- lere Bereiche wie z. B. Laparotomien
ge wird auch in der aktuellen Leitlinie bei Notfallindikationen oder nach

»beschichtetem
Der Nutzen von Triclosan-
Nahtmaterial ist
der Europäischen Herniengesellschaft
von 2015 die Verwendung beschichteter
Transplantationen sind notwendig.

Nahtmaterialien nicht empfohlen [19].


fraglich Korrespondenzadresse
Laufende Studien zum M. K. Diener
Im Jahr 2014 wurde mit der PROUD Bauchdeckenverschluss Klinik für Allgemein-, Viszeral- und
(Prevention of Abdominal Wound Infec- Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum
tion) -Studie des SDGC und CHIR-Net Nach wie vor unklar ist der optimale Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 110, 69120 Heidelberg,
die bislang größte multizentrische Studie Bauchdeckenverschluss bei bestimmten Deutschland
zu diesem Thema veröffentlicht [7]. Die Risikopopulationen wie z. B. bei Notfall- markus.diener@med.uni-heidelberg.de
multizentrische PROUD-Studie konnte patienten oder nach Transplantationen.
bei 1224 Patienten in 24 Zentren keinen Eine wichtige, aktuell noch laufende RCT
signifikanten Unterschied zwischen be- zur Notfallindikation ist die multizentri- Einhaltung ethischer Richtlinien
®
schichteten (PDS Plus) und unbeschich- sche CONTINT-Studie ([23]; Trial Nr.
®
teten Nahtmaterialien (PDS II) bezüg- NCT00544583), die bei Patienten mit Interessenkonflikt. P. Heger, F. Pianka, M. K. Diener
lich der Wundinfektions- und Wundde- erstmaliger notfallmäßiger medianer La- und A. L. Mihaljevic geben an, dass kein Interessen-
hiszenzrate nach elektiver medianer La- parotomie schnell absorbierendes und konflikt besteht.
parotomie zeigen. Die inkludierte Meta- langsam absorbierendes Nahtmaterial Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren
analyse, die die bereits erwähnten Studi- in kontinuierlicher Nahttechnik mitein- durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.
en beinhaltete, erbrachte einen statistisch ander vergleicht und damit den 2010
relevanten Vorteil durch Triclosan-be- in der INLINE-Metaanalyse angespro-
schichtete Fäden, der durch die PROUD- chenen Studienmangel im Bereich der Literatur
Daten jedoch in Richtung der „Kein-Ef- Notfalleingriffe aufgreift. In einer aktu-
fekt-Linie“ verschoben wurde. Aufgrund ellen Suche in Studienregistern ließen 1. Baracs J, Huszar O, Sajjadi SG et al (2011)
Surgical site infections after abdominal closure
der hohen internen und externen Vali- sich keine RCTs identifizieren, welche in colorectal surgery using triclosan-coated
dität der PROUD-Studie im Vergleich Techniken des Bauchdeckenverschlus- absorbable suture (PDS Plus) vs. uncoated sutures
zu den zuvor durchgeführten Untersu- ses nach Transplantationen vergleichen. (PDS II): a randomized multicenter study. Surg
Infect 12:483–489
chungen gilt die Effektivität von Triclo- Zurzeit wird jedoch eine Reihe von Stu- 2. Bennett-Guerrero E, Pappas TN, Koltun WA et al
san-beschichteten Nahtmaterial seither dien durchgeführt, die eine prophylakti- (2010) Gentamicin-collagen sponge for infection
als fraglich. sche Netzimplantation sowie die „Small- prophylaxis in colorectal surgery. N Engl J Med
363:1038–1049
Seitdem wurde nur noch eine ein- stitches“-Nahttechnik untersucht. Hier 3. Bloemen A, Van Dooren P, Huizinga BF et al
zige weitere RCT zu diesem Thema verweisen wir auf die entsprechenden (2011) Randomized clinical trial comparing

Der Chirurg
Leitthema

polypropylene or polydioxanone for midline comparative randomized study of patients treated


abdominal wall closure. Br J Surg 98:633–639 for gastric or colon cancer. Surg Today 45:841–845
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Operationen prospective randomized study comparing non-
5. CulverDH, HoranTC, GaynesRPetal(1991)Surgical absorbable polypropylene (Prolene(R)) and
wound infection rates by wound class, operative delayed absorbable polyglactin 910 (Vicryl(R))
procedure, and patient risk index. National suture material in mass closure of vertical
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Der Chirurg