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Entwurf VDI 2230 Blatt 2 –9–

tisch näherungsweise beschreibbare Teilkörper – ßig von allen Schrauben aufgenommen werden,
die Elemente – zerlegt, die über Knotenpunkte in während dies gleichzeitig bei anderen (z. B.
ihrer Lage bestimmt und verknüpft sind. Biegemoment) nicht der Fall ist.
Bei entsprechend genauer Modellierung, Diskreti- x Angriffspunkt bzw. -fläche und Richtung der
sierung und Festlegung der Randbedingungen Belastungen. Exzentrizitäten können sich ver-
werden an MV bei Umgehung analytischer Be- stärkend auswirken, die Lage (Höhe) des Kraft-
rechnungen die Schraubenkräfte FS oder Schrau- einleitungspunkts beeinflusst das Kraftverhält-
benzusatzkräfte FSA und die Restklemmkräfte FKR nis )en*.
ermittelt. Damit ist die Ermittlung des Abstands a Aus der Sicht des Zusammenspiels der Belastungs-
ebenso nicht erforderlich wie die der Exzentrizität zeit und der Größe der Last muss zwischen stati-
ssym und des Krafteinleitungsfaktors n, meist auch scher, periodischer und stochastischer Belastung
nicht die der anteiligen Betriebskraft FA. Detaillier- unterschieden werden. Wie in allen technischen
te Hinweise zum Einsatz der FEM enthält Ab- Systemen können die letzten Beiden als wechseln-
schnitt 7. de Belastung mit konstanter oder variabler Ampli-
tude bei variabler Mittellast beschrieben werden.
6 Analytische Berechnungen Darauf wird aber nicht weiter eingegangen.
6.1 Lastverteilung und Schraubenbelastung 6.2 Vorgehensweise
Die auf eine MV einwirkenden Belastungen führen Gesucht wird zum Nachweis der Funktions- und
nur im Ausnahmefall zu einer gleichmäßigen Be- Tragfähigkeit die anteilige Belastung der Schrau-
anspruchung aller Schrauben eines Schraubenfelds. ben im Schraubenfeld oder der MV. Hierzu sind
In der Regel wird die Schraubenbelastung infolge die für die MV bekannten bzw. ermittelten Belas-
der Lage des Lastangriffs, der Anordnung der tungen anteilig auf die einzelnen Schraubenverbin-
Schrauben und der spezifischen Strukturmerkmale dungen umzurechnen. Anschließend ist aus dem
unterschiedlich sein. Schraubenfeld die kritische EV virtuell herauszu-
Beeinflusst wird die Lastverteilung insbesondere lösen und diese einer Berechnung nach VDI 2230
durch folgende Faktoren, die im Zusammenhang Blatt 1 zu unterziehen. Als kritische EV ist diejeni-
zu betrachten sind: ge Verbindung anzusehen, bei der zuerst mit einem
x Gesamtkonstruktion der umgebenden Struktur Versagen infolge überschreiten der zulässigen Be-
(Anschlusssteifigkeiten) und die Geometrie der triebsbeanspruchung, der zulässigen Schwing-
verschraubten Bauteile. Die Verformungsfähig- festigkeit oder Klaffen zu rechnen ist. Eventuell sind
keit des Schraubenfelds und der Struktur weist deshalb mehrere Schrauben zu untersuchen.
dabei einen großen Einfluss auf, in der Praxis Für typische und häufig vorkommende Arten von
ist bzgl. der Struktur zwischen folgenden Fällen MV lassen sich unter bestimmten Annahmen und/
zu unterscheiden: oder bestimmten Voraussetzungen analytische
 Biegeschlaffe Strukturen (mit E · I = 0) Näherungsberechnungen anwenden. Diese bauen
im Wesentlichen auf den in Abschnitt 5 dargestell-
 Biegeweiche Strukturen (mit E · I > 0) ten grundsätzlichen Verfahren auf.
 Starre Platten/Bauteile (unendlich biegesteif, Welches Verfahren angewendet werden sollte oder
siehe Abschnitt 6.2) kann, hängt wesentlich ab
Von Bedeutung ist das Verhältnis der Steifig- x von den Anforderungen an die Genauigkeit des
keit der Struktur zu jener der Schrauben, was zu Ergebnisses,
folgenden relevanten Fällen führt:
x von der Anordnung der Schrauben im Zusam-
 Vergleichsweise weiche Verbindung: die menhang mit der Belastungseinleitung,
Steifigkeit der Struktur nähert sich jener der
Schrauben an. Einfache Näherungsverfahren x vom Grad der statischen Unbestimmtheit,
sind nur in Sonderfällen möglich. x von den Steifigkeitsverhältnissen,
 Hinreichend steife Verbindung: Die Struktur x von der Möglichkeit ein verwendbares Ersatz-
ist um ein Mehrfaches steifer als die Schrau- Modell zu finden, und
ben (Regelfall). x vom zu erwartenden Berechnungsaufwand.
x Art, Größe und eventuell Kombination ver- Die Verfahren der Starrkörpermechanik dienen zur
schiedener Belastungen. Hierzu zählen auch näherungsweisen Ermittlung der Schraubenbelas-
thermische Zusatzkräfte. Einzelne Komponen- tung, das heißt der anteiligen Betriebskraft FA. Die
ten (z. B. eine Querlast) können auch gleichmä- Güte des Berechnungsergebnisses hängt allerdings
– 10 – VDI 2230 Blatt 2 Entwurf

in besonderem Maß von dem Verhältnis der Stei- Beanspruchung der Schrauben wesentlich beein-
figkeiten (oder Nachgiebigkeiten) ab. flussen. Dabei ist prinzipiell wie folgt vorzugehen:
Die ermittelten Reaktionskräfte können auch in 1) Ermittlung des Schwerpunkts des Schrauben-
eine nachfolgende elastomechanische Berechnung felds S
einfließen, um den Hebelarm a der exzentrischen 2) Bestimmung der Hauptachsen x und z
Belastung zu ermitteln. Ist eine elastomechanische
3) Ermittlung der Flächenträgheitsmomente bezo-
Berechnung möglich, so sollte diese auch vorge-
gen auf das Hauptachsensystem
nommen werden (siehe Bild 2). Dem hat ein Her-
auslösen eines definierten Abschnitts (Ausschnitt, 4) Transformation aller Belastungsgrößen in S als
Segment und dergleichen) mit der oder den Drehmomente um die Hauptachsen
höchstbelasteten SV vorauszugehen, wobei die 5) Berechnung der Belastung jeder SV
Anschlussstrukturen zu beachten sind. Letztlich ist Für die Schwerpunkte im x*-z*-Koordinaten-
das Einspannmoment ME oder der Biegemomen- system, Bild 3, gelten bei nS Schrauben:
tenverlauf zu ermitteln, um daraus den Hebelarm a
x MV mit einem Schraubennenndurchmesser
zu erhalten.
nS

¦z
1
zS* ˜ *
i (1)
nS i 1
nS

¦x
1
xS* ˜ *
i (2)
nS i 1

x Sonderfall: unterschiedliche Schraubennenn-


durchmesser
nS

¦A ˜z i
*
i
zS* i 1
nS
(3)
¦A i 1
i

nS

¦A ˜x i
*
i
xS* i 1
nS
(4)
¦A i 1
i

Bild 2. Grundlegende Vorgehensweise zur analy-


tischen Berechnung von MV und Herauslösen
einer EV
1)
Bei Starrkörpermodellen ergibt sich a = 0 und
n = 1, was zu erheblichen Unsicherheiten in der
Berechnung führen kann. Bezüglich der Rest-
klemmkraft sollte daher mit n = 0 gerechnet wer-
den.
Bild 3. Schwerpunkt des Schraubenfelds
6.3 Starrkörpermechanik
Für die Flächenträgheitsmomente, bezogen auf die
6.3.1 Nicht rotationssymmetrische Hauptachsen x und z, gilt bei gleichem Schrauben-
Schraubenfelder nenndurchmesser:
6.3.1.1 Geometrisch-mechanische Kenngrößen nS
§ d2 2·
Bei der Ermittlung der höchstbelasteten Schraube
I xx A˜ ¦ ¨¨© 16  z
i 1
¸
i ¸
¹
(5)
eines Schraubenfelds werden häufig einige Kenn-
nS
§ d2 2·
¦
größen benötigt, die die Größe und Verteilung der
I yy A˜ ¨  x ¸ (6)
¨ i ¸
i 1 © 16 ¹
Entwurf VDI 2230 Blatt 2 – 11 –

Vereinfacht kann wegen des überwiegenden Ein-


flusses des Abstands von der Achse auch nur mit
dem „Steineranteil“ gerechnet werden
nS
§ ʌ˜d2 2·
I xx ¦ i
¨

¸
¨ 4  zi ¸
¹
(7)

§ ʌ˜d2 2·
nS
I yy ¨
i 1 ©
¦ ¸
¨ 4  xi ¸
¹
(8)

Für den Sonderfall unterschiedliche Schrauben-


nenndurchmesser gilt z. B.: Bild 4. Lastfälle durch Querkraft belasteter MV
nS
§ ʌ ˜ di2 ʌ ˜ di2·
I xx ¦ ¨¨©
i 1 64
 zi2 ˜ ¸
4 ¸¹
(9)

oder vereinfacht:

¦ z
nS
I xx 2
i ˜ Ai (10)
i 1

Im Folgenden wird immer von gleichen Schrauben-


nenndurchmessern innerhalb eines Schraubenfelds
ausgegangen.
Bild 5. Belastung einer Schraubenreihe durch
6.3.1.2 Querkraft- und torsionsbelastete Querkräfte
Schraubenfelder Verläuft die Schraubenreihe parallel zur Kraftrich-
Treten Querkräfte in der z-x-Ebene auf, so sind tung (FQBz) werden die Schrauben real ungleich-
diese kraftschlüssig, das heißt über die Reibung in mäßig belastet. Hier tragen die beiden äußeren
den Kontaktflächen der verspannten Teile zu über- Schrauben die größte Belastung, Bild 6. Ein
tragen. Die Schraube ist im Gegensatz zum Stahl- Starrkörperansatz bezüglich der verspannten Teile
bau (SL-Verbindung) grundsätzlich von einer führt bei FQBz zu einem gleichmäßigen Anteil aller
Scherbelastung (ausgenommen Passschrauben) frei Schrauben an der Übertragung der Querkraft. Ein
zu halten. Im Betrieb dürfen somit keine oder nur solcher Zustand stellt sich für die reale Verbindung
geringe Verschiebungen (Schlupf) zwischen den erst nach einer plastischen Verformung beispiels-
Verbindungselementen und/oder den verspannten weise im Bereich der Bohrung ein. Insbesondere
Teilen selbst auftreten. bei wechselnden Belastungen kann hiervon nicht
Je nach Anordnung der Schrauben zur Richtung ausgegangen werden, weshalb bei der Berechnung
der Querkraft oder der Auswirkung eines Momen- der Beanspruchung die elastischen Verformungen
tes um die y-Achse ergeben sich die in Bild 4 der Platten und Schrauben zu berücksichtigen sind.
dargestellten Fälle. Der Sonderfall kreisförmige Im Abschnitt 6.6 wird weiter und vertiefend auf
Verschraubung wird im Abschnitt 6.3.2 behandelt. die Belastungsfälle an einer Schraubenreihe einge-
Bei kombinierten Belastungen gilt für starre Kör- gangen.
per das Superpositionsprinzip. Für jeden Belas- Solange eine Anlage der Schrauben an der Boh-
tungsfall können die anteiligen Belastungen sepa- rungswand (Lochleibung) ausgeschlossen werden
rat ermittelt und anschliessend für jede EV addiert kann (grundlegende Forderung), gilt in Näherung
werden. mit der Anzahl der kraftübertragenden inneren
Von einer gleichmäßigen Belastung aller Ver- Trennfugen qF:
schraubungsstellen in einer Reihe durch eine ¦ FV
˜ qF ! FQBmax (11)
Querkraft kann in der Regel ausgegangen werden, PTmin
wenn die Schraubenreihe senkrecht zur Kraftrich-
tung (FQBx in Bild 5) verläuft und die Belastung Bei Schraubenfeldern, die durch ein an der senk-
zentrisch angreift. recht zur Trennfuge stehenden Achse y wirkendes
Torsionsmoment Mges = My belastet werden, dreht
dieses um den Schwerpunkt S und belastet die
Schraubenverbindungen auf Schub, Bild 7.
– 12 – VDI 2230 Blatt 2 Entwurf

Bild 6. Querlastverteilung (schematisch) innerhalb einer Schraubenreihe an einer zweischnittigen Verbin-


dung (a) bei zunehmender Querlast (von b nach d) – theoretische Verteilung bei größeren Verformungs-
fähigkeiten

M y ˜ rmax M y ˜ §¨ x 2  z 2 ·¸
© ¹ max
FqM max (12)
¦
nS nS

¦r
i 1
i
2

i 1
xi2  zi2

Treten zudem Querkräfte FQB auf, so ergibt sich


bei gleichmäßiger Aufnahme dieser durch alle
Schrauben und Zusammenfassung mit den an der
höchstbelasteten Schraube (Abstand rmax mit den
Koordinaten xmax und zmax) in x- und z-Richtung
wirkenden Komponenten.
z
Fq x ,max FqBx  FqM max ˜ max
rmax
FQBx M y ˜ z max (13)
Bild 7. Momentenbelastung um die vertikale 
¦ x
nS
nS
y-Achse und Querkräfte an einer doppelt- 2
i  zi2
symmetrischen MV i 1

Unter der Annahme, dass sich die Reaktionskräfte und analog


der Verschraubungsstellen proportional zu ihrem FQBz M y ˜ xmax
Abstand vom Schwerpunkt aufteilen, gilt bei einer Fq z ,max  (14)
¦
nS
Einleitung des Moments über eine Struktur (Bal- nS
xi2  zi2
ken, Flansch etc.) außerhalb des Schraubenfelds i 1
(Bild 8a) für die äußerste(n) Schraube(n) (Ab-
Wird das Moment über eine Struktur (Welle, Profil
stand rmax) die maximale Querkraft 1) aus dem Mo-
etc.) innerhalb des Schraubenfelds eingeleitet
ment:
(Bild 8b), so sind entsprechend des Kraftflusses
die inneren Schrauben (Abstand rmin mit den Koor-
dinaten xmin und zmin) höher belastet. Mit der An-
nahme einer gleichmäßigen Momentenverteilung
—————
1)
gilt:
In Abweichung vom klassischen Starrkörpermodell wird
hier ein dem realen Verhalten besser entsprechender An-
satz verwendet, bei dem die höchstbelasteten Schrauben
den geringsten Abstand zur Momenteneinleitung aufwei-
sen.
Entwurf VDI 2230 Blatt 2 – 13 –

Bild 8. Momenteneinleitung außerhalb (a) und innerhalb (b) des Schraubenfelds


My My Fällt der Angriffspunkt bzw. die Wirkungslinie der
FqM max
n S ˜r min
nS ˜ xi2  zi2
min
(15) Betriebskraft nicht mit S zusammen, liegt also eine
exzentrische Belastung vor (Bild 10) so wird die
Bei gleichzeitig wirkenden Querkräften FQB folgt MV zusätzlich durch ein Biegemoment MB be-
analog (vgl. Abschnitt 6.3 Gleichung (13)): lastet.
FQBx M y ˜ z min
Fq x ,max  (16)
nS n S ˜rmin
2

oder unter Verwendung der Koordinaten der durch


die Momentenwirkung höchstbelasteten Schraube:
FQBz M y ˜ xmin
Fq z ,max 
nS n S ˜rmin
2
(17)
FQBz M y ˜ xmin

nS
nS ˜ xmin
2
 z min
2

Letztlich folgt in beiden Fällen für die resultieren-
de maximale Querbelastung einer Schraube:
Fqres,max Fq2x ,max  Fq2z ,max (18) Bild 10. Schraubenfeld aus je zwei Reihen und
Spalten mit exzentrischer reiner Zug-Belastung
6.3.1.3 Reine Zugbelastung Allgemein gilt analog der Spannungsverteilung an
Bei der Übertragung von senkrecht zur MV angrei- einem Biegeträger für die axiale Belastung einer
fenden Betriebskräften sind nach Möglichkeit die Schraube infolge der Wirkung eines Moments z. B.
nS Schrauben so anzuordnen, dass der Angriffs- um die x-Achse (MB = Mx) mit dem Schrauben-
punkt bzw. die Wirkungslinie mit dem Schwer- querschnitt A:
punkt S des Schraubenfelds zusammenfällt, M x ˜ A ˜ zi
Bild 9. Für sehr steife Verbindungen gilt dann in FA M x i (20)
I xx
Näherung:
FB,Zug FB Und zusammengefasst für beide Biegeachsen:
FA i
nS nS M x ˜ A ˜ zi M z ˜ A ˜ xi
(19) FA M i  (21)
I xx I zz
Vereinfacht kann auch verwendet werden:

M x ˜ zi M z ˜ xi
FA M i nS
 nS
(22)
¦
i 1
zi2 ¦i 1
xi2

Für Bild 10 gilt dann:

FB ˜ zS ˜ l zi FB ˜ xS ˜ l xi
Bild 9. Angriff einer axialen Zugbelastung im FA M i nS 2
 nS 2
(23)
§l · §l ·
Schwerpunkt einer MV ¦
2 ˜ ¨ zi ¸
i 1© 2 ¹
¦
2 ˜ ¨ xi ¸
i 1© 2 ¹
– 14 – VDI 2230 Blatt 2 Entwurf

Unter Beachtung der Zuglast folgt bei nS Schrauben: Bei frei angreifenden Momenten an axialsymmet-
rischen Schraubenfeldern (Bild 12) ergibt sich
FA,max FA M  FB / nS (24) eine gleichmäßige Belastung innerhalb einer
i
Schraubenreihe. Auf der Momentenachse liegende
Welche Schraube am höchsten durch das Moment Schrauben werden nicht belastet. Für die anteilige
belastet wird, ist anhand der Abmessungsverhält- Betriebskraft je Schraube gilt analog Glei-
nisse zu untersuchen. Im Regelfall wird die chung (20).
Schraube mit der geringsten Entfernung zur Kraft-
einleitung am höchsten belastet. Im Schraubenfeld
nach Bild 10 betrifft die Schraube R1/S1:
§1 z x ·
FA,max FB ˜ ¨¨  S  S ¸¸
© 4 2 ˜ lz 2 ˜ lx ¹ (25)
6.3.1.4 Momentenbelastung in der x-z-Ebene
Wirken Momente um eine x- oder z-Achse in ei-
nem Schraubenfeld, so sollten die Schraubenreihen
parallel zur Drehachse verlaufen, um die Belastung
Bild 12. Rechteckige MV unter Momentbelastung
zu verringern und zu vergleichmäßigen.
(hier nSB = 4)
Indem für das Flächenträgheitsmoment nur der
dominierende Einfluss des Steiner-Anteils beachtet
werden braucht, gilt für nur eine Schraubenreihe je
Seite gemäß Bild 10 mit der Anzahl der be- oder
entlasteten Schrauben nSB:
2˜ MB MB
FA (27)
nSB ˜ l x nSB ˜ xS
Die gleiche Beziehung ergibt sich in diesem Fall
auch bei einer Herleitung über das Momenten-
gleichgewicht.
6.3.1.5 Kombinierte Belastungen
Die Belastungen sind unter Beachtung der Rich-
tung und der zeitlichen Abhängigkeiten vektoriell
zusammenzufassen. Bei Unklarheiten und Belas-
tungsvarianten ist vom Fall der größten möglichen
Bild 11. Momentenbelastetes Schraubenfeld mit Schraubenbelastung auszugehen.
fixer Drehachse
Für eine Zugbelastung im Schwerpunkt und
Für ein Moment MBges = Mx ergibt sich mit Glei- gleichzeitige Momentenbelastung (Bild 13) gilt
chung (20) bei maximalem Abstand zmax die größte z. B. bei ns Schrauben unter Verwendung von (Ab-
Zug-Kraft an der am weitesten entfernten Schrau- schnitt 6.3, Gleichung (22)):
benreihe: FA i FA B  FA M
˜ A zmax˜ M Bges / I xx
i
FA max
(26) FB,Zug M x ˜ zi M z ˜ xi
 
Wegen des Einflusses des Flächenträgheitsmomen- nS nSB
2
nSB
2
tes (primär des „Steiner-Anteils“) wird die Schrau- ¦ zi ¦ xi
i 1 i 1
(28)
benbelastung umso kleiner, je weiter die fixe
Drehachse vom Schraubenfeld entfernt ist. Im Bei Schrägzug (Bild 14) ist die Kraft FB in Kom-
Fall 1 gemäß Bild 11 ergibt sich für die Reihe I ponenten zu zerlegen
eine 2,5-fach höhere Schraubenbelastung als im FAB FB ˜ sinD
Fall 2. Gleiches trifft für den Fall zu, dass das
Moment in der Reihe II angreift [5]. Weiterhin und
wird die Reihe II entweder nicht auf Zug (Fall 1) FQB FB ˜ cosD (29)
oder geringer als Reihe I (Fall 2) belastet.
Entwurf VDI 2230 Blatt 2 – 15 –

Bei nur einer Schraubenreihe (in z-Richtung) gilt


für den momenteninduzierten Anteil der Betriebs-
kraft analog (Gleichung (20)):
Mz ˜ x Mz
FA M ˜A| (32)
I zz nS ˜ x
Bei mehreren belasteten Reihen gilt:
M z ˜ xi
FA M (33)
i nSB
2
¦ xi
i 1
oder
M z ˜ xmax
FA M nSB
(34)
Bild 13. Rechteckige MV unter Momenten- und max

Zugbelastung ¦ xi2
i 1
Verläuft die Wirkungslinie der Belastung durch FAB
den Schwerpunkt, so gilt für eine Verbindungsstel- Mit FA B i (35)
nS
le:
FAB folgt für die äußersten Schrauben:
FA i
nS FA,max FA B i  FA M (36)
(30) max

6.3.2 Rotationssymmetrische
Schraubenfelder: Kreisflansch
Bei der Sonderform einer MV, dem Kreisflansch,
liegen in der Regel axiale zentrische Belastungen
(durch den Schwerpunkt verlaufend) und/oder ein
an der Hauptachse angreifendes Moment My vor,
sodass in diesen Fällen von einer gleichmäßigen
Belastung aller Schrauben ausgegangen werden
kann. Dies ändert sich bei Beaufschlagung durch
ein Biegemoment MB.
Bild 14. MV unter Schrägzug und mit Wirkungsli-
nie der Betriebskraft durch den Schwerpunkt des 6.3.2.1 Belastung durch Querkräfte
Schraubenfelds
Es wird vereinfachend von einer gleichmäßigen
Wird das Schraubenfeld exzentrisch belastet Belastung aller Schrauben ausgegangen, wenn die
(Bild 15) ergibt sich ein um S drehendes Mo- Querkraft FQB durch den Schwerpunkt des Schrau-
ment: benfelds verläuft (Bild 16) und über die Struktur
Mz FQB ˜ h  FAB ˜ xS (z. B. Welle, Rohranschluss) eingeleitet wird:
(31)
Fq FQB / nS (37)

Bild 15. MV unter Schrägzug und mit Wirkungsli-


nie der Betriebskraft außerhalb des Schwerpunkts
des Schraubenfelds
Bild 16. Einleitung von Querkräften am Kreis-
flansch
– 16 – VDI 2230 Blatt 2 Entwurf

Wird die Querkraft nicht zentrisch, sondern als Bei der klassischen Einleitung des Momentes in-
Umfangskraft FQB,exz eingeleitet (Bild 16), entsteht nerhalb des Schraubenfelds folgt gemäß Glei-
ein Moment um die y-Achse, das zu einer zusätzli- chung (15) für Bild 17:
chen Schraubenbelastung analog Gleichung (38) My
mit My = FQB,exz ˜ re , siehe unten, führt. Fqmax (42)
nS ˜ rS,min
Der exzentrische Angriff bewirkt bezüglich der
Querkraftkomponente eine ungleichmäßige Last- 6.3.2.3 Belastung durch Betriebsmoment und
verteilung, siehe auch Abschnitt 6.3.1. Axialkraft
6.3.2.2 Belastung durch ein Torsionsmoment Bei Belastung durch ein (reines äußeres) Betriebs-
My bzw. Biegemoment berechnet sich die größte Be-
Die aus dem Moment resultierenden Umfangskräf- triebskraft analog Gleichung (34).
te FU bewirken eine Querbeanspruchung in der Wirkt zusätzlich noch zentrisch eine Längskraft,
Trennfuge. Bei gleichmäßiger Teilung und einem gilt unter der Voraussetzung, dass es nicht zum
Schraubenkreis liegt als Gesamtbeanspruchung partiellen Klaffen kommt, bei steifen Anschlüssen
vor: in Näherung [4] für die maximale Zug-
My Betriebskraft an der äußeren Schraube (1) bei An-
FQM FU (38) ordnung auf der Achse x-x mit MB = Mz:
rS
Mz § F ˜d ·
Vereinfacht kann von einer identischen Belastung FA,z max ˜ ¨¨ B t  4 ¸¸ (43)
nS ˜ d t © Mz ¹
aller Verschraubungsstellen ausgegangen werden,
sodass je Schraube gilt: Für die maximale Druckbetriebskraft gilt (Schrau-
My be 2):
Fq FQM nS (39) § F ˜d ·
rS ˜ nS FA,Dmax
Mz
˜ ¨¨ B t  4 ¸¸ (44)
nS ˜ d t © Mz ¹
Bei mehr als einem Schraubenkreis (nT > 1)
(Bild 17), gelten die Annahmen in Ab-
schnitt 6.3.1. Wird ein Moment außerhalb des
Schraubenfelds (siehe auch Bild 8a) eingeleitet,
gilt für die höchstbelasteten Verschraubungsstellen
auf dem größten Radius analog (Gleichung (12)):
M y ˜ rS, max
Fq max n

¦r
S
2
Si
i 1 (40)
Im Fall der gleichen Anzahl Schrauben je Teilkreis
gilt bei nT Radien:
M y ˜ rS,max
Fq max n

¦r
T

nS ˜ 2
Si
i 1 (41)

Bild 18. Flanschverbindung, zentrisch belastet


durch ein Betriebsmoment und eine Längskraft

Bild 17. Kreisflansch unter Drehmoment


Entwurf VDI 2230 Blatt 2 – 17 –

Bei symmetrischer Anordnung um die Achse x-x


(Bild 19) gilt für die Zugseite (Schraube 1 und
Schraube 8)
M z § FB ˜ d t D·
FAz z ,max ˜¨  4 ˜ cos ¸ (45)
nS ˜ d t © M z 2¹
und die Druckseite (Schraube 4 und Schraube 5)
Mz § F ˜d D·
FAD z ,max ˜ ¨ B t  4 ˜ cos ¸ (46)
nS ˜ d t © Mz 2¹
Bild 20. Kreisplatte unter Innendruck

6.3.2.5 Kombinierte Belastungen


Analog Abschnitt 6.3.1 sind bei Vorliegen mehre-
rer Belastungen diese unter Beachtung der Rich-
tung und der zeitlichen Abhängigkeiten vektoriell
zusammenzufassen. Bei Unklarheiten und Belas-
tungsvarianten ist vom Fall der größten möglichen
Schraubenbelastung auszugehen.
Bei gleichzeitig wirkendem Drehmoment My und
Schubbelastung FQB ist analog Abschnitt 6.3.1,
gemäß der Gleichungen (13), (14), (16), (17) und
(18) vorzugehen.
Bild 19. Flanschverbindung gemäß Bild 17, 6.4 Elastomechanik
Schraubenlage symmetrisch zur Achse x-x Die grundlegende Vorgehensweise besteht darin,
Anmerkung: Bei gleichzeitig wirkendem Moment und axialer aus den Belastungen der Struktur die Lagerreaktio-
Betriebskraft verschiebt sich die Biegenulllinie, je nachdem ob nen zu ermitteln. Die Lagerungen der Struktur sind
eine Druck- oder Zugbetriebskraft wirkt, hin zur Zug- oder häufig linien- oder flächenförmig, während eine
Druckseite des Flansches. Eine genauere Berechnung unter
einzelne SV eher einer punktförmigen Lagerung
Beachtung der Kontaktsteifigkeiten würde schon bei alleinig
wirkendem Moment zu einer Verschiebung der Nulllinie entspricht. Somit müssen die aus diesen Lösungen
führen [7]. ermittelten Lagerlasten noch auf die einzelnen SV
aufgeteilt werden.
6.3.2.4 Belastung durch Innendruck p Wegen der Vielfalt in der Geometrie der MV und
Das auf die Verschraubungsstelle wirkende Mo- der Belastungsfälle können hier nur allgemeine
ment berechnet sich für eine allseitig eingespannte Hinweise gegeben werden. Für einige wenige
Kreisplatte (Bild 20) mit der druckbelasteten Problemstellungen sind in der Literatur, z. B. [3],
Fläche AI zu [13] Lösungen beschrieben, die meist auf das Verhalten
DI ˜ p ˜ AI der Struktur ausgerichtet und deshalb nur be-
M (47) schränkt für SV anwendbar sind.
8 ˜ nS
Damit wird: 6.4.1 Grundsätzliches Vorgehen
Bild 21 zeigt Beispiele von MV, die für eine
M p ˜ AI
FAM 2˜ (48) elastomechanische Berechnung geeignet sind.
DI 4 ˜ nS
Bei mehreren Verbindungsbereichen hängt die
Für die Wirkung Betriebsdruckkraft gilt: Lastverteilung im Wesentlichen von der Steifigkeit
p ˜ AI der Struktur zwischen ihnen ab. Aus den Verfor-
FA (49) mungen der Struktur lassen sich dann die Schnitt-
nS
lasten berechnen. Enthält ein Verbindungsbereich
und: nur eine SV, kann danach direkt zu VDI 2230
p ˜ AI Blatt 1 gewechselt werden, da die Schnittlasten der
FA max FA  FAM 1,25 ˜ (50) Struktur bereits die gesuchten Schraubenlasten
nS
sind.
– 18 – VDI 2230 Blatt 2 Entwurf

Bild 21. Beispiele für eine MV


Befinden sich in einem Verbindungsbereich meh- verteilt, sodass jede eine Zugbelastung in Höhe der
rere SV, ist also eine MV vorhanden, sind für den äußeren Belastung erfährt. Der Tragfähigkeits-
Verbindungsbereich erst die Schnittlasten an sei- nachweis kann nun direkt nach VDI 2230 Blatt 1
nem Rand bekannt. Sie müssen noch anhand der ausgeführt werden.
Steifigkeiten der verspannten Teile auf die einzel-
nen Schrauben verteilt werden.
Ist nur ein Verbindungsbereich vorhanden, müssen
keine Schnittlasten an der Struktur bestimmt wer-
den, da die äußeren Belastungen direkt auf den
Verbindungsbereich wirken. Bei MV ergibt sich
die Lastverteilung auf die einzelnen Schrauben
wiederum aus den Steifigkeiten der verspannten
Teile.
Eine Allgemeine Beschreibung der Vorgehenswei- Bild 22. Kragarm mit einer Schraube je Verbin-
se ist nur schwer möglich, da für jede Mehrschrau- dungsbereich
benverbindung geeignete Ersatzsysteme zu finden a) Struktur
sind, die auf den jeweiligen Anwendungsfall zuge- b) Biegebalken als elastomechanisches Modell mit
schnitten sein müssen. Daher werden die Möglich- Querkraftverlauf
keiten der unterschiedlichen Berechnungsansätze
6.4.2.2 Mehrere Verbindungsbereiche mit
im folgenden Abschnitt anhand von Beispielen
mehreren SV
beschrieben.
In diesem Beispiel sind die einzelnen SV gegen-
6.4.2 Beispiele über dem vorherigen Beispiel durch jeweils vier
Schrauben ersetzt (Bild 23). Nun wäre es unver-
6.4.2.1 Mehrere Verbindungsbereiche mit je
hältnismäßig aufwendig, die Schraubenbelastungen
einer SV
direkt aus der äußeren Belastung zu berechnen.
Ein Kragarm sei mit vier Schrauben an ange- Daher wird nun in zwei Schritten vorgegangen.
schweißten Laschen auf einem sehr steifen Fun-
dament befestigt. Struktur und Belastung sind be-
züglich der Belastungsebene symmetrisch. Somit
können die beiden Schrauben je Lasche durch je
eine Lagerung ersetzt werden. Da die Laschen im
Verhältnis zum Kragarm sehr dünn sind, können
sie als gelenkig betrachtet werden. Der Kragarm
selbst wird als Biegebalken modelliert (Bild 21).
Der Biegebalken ist statisch bestimmt gelagert. Die
Lagerreaktionen können direkt aus den Gleichge- Bild 23. Kragarm mit mehreren SV je Verbin-
wichtsbedingungen berechnet werden. Das der dungsbereich
Belastung zugewandte Lager wird entlastet, wo-
a) Struktur
durch die Schrauben auf Zug belastet werden. Die
b) Biegebalken als elastomechanisches Modell mit
Zugbelastung in Höhe der doppelten äußeren Be- Querkraftverlauf
lastung wird gleichmäßig auf beide Schrauben
Entwurf VDI 2230 Blatt 2 – 19 –

x Im ersten Schritt werden die Schraubenfelder belastung in der Symmetrieachse, ist direkt zu
durch punktförmige Lagerungen ersetzt. Unter VDI 2230 Blatt 1 zu wechseln. Andernfalls wird
Ausnutzung der Symmetrien entsteht das glei- die äußere Belastung mittels geeigneter elastome-
che elastomechanische Modell wie zuvor. So- chanischer Modelle auf die übrigen Schrauben
mit wirkt auf jeden der der Belastung am nächs- verteilt.
ten liegenden Verbindungsbereiche eine
6.4.3 Lagerungsvarianten
Schnittlast in Höhe der äußeren Belastung.
Die Lagerung hat einen großen Einfluss auf die
x Im zweiten Schritt wird diese Schnittlast auf
Verformungen. Da die Schnittlasten stets aus den
die vier Schrauben des Schraubenfelds verteilt
Verformungen berechnet werden, hängen auch sie
(Bild 24). Wird nur die Kraft FB berücksichtigt,
von der Lagerung ab. Das Beispiel in Bild 25 soll
kann das mittels eines gelenkig gelagerten Bie-
verdeutlichen, wie unterschiedlich die Verformun-
gebalkens geschehen.
gen sein können.

Bild 24. Verteilung der Belastung des Schrauben-


felds auf die einzelnen Schrauben
Für eine genauere Lastverteilung kann noch die
Verdrehung der Struktur am Rand des Schrauben-
felds berücksichtigt werden, wobei davon ausge-
gangen wird, dass die Struktur wesentlich steifer
ist als die Lasche. Andernfalls müsste die Steifig-
keit der Lasche bereits bei der Berechnung der
Verformungen der Struktur berücksichtigt werden. Bild 25. Schematischer Verformungsverlauf eines
Als mechanisches Ersatzmodell für die Lasche verschraubten Balkens bei unterschiedlicher Mo-
eignet sich eine Platte. Idealerweise würde man die dellierung
Schrauben als vier einzelne Gelenke modellieren. a) Kragarm
Für diese Problemstellung existiert jedoch keine b) Einspannungen
exakte Lösung. Daher wird vereinfachend ange- c) gelenkige Lagerungen
nommen, jeweils zwei Schrauben bilden einen d) elastische Lagerung
gelenkig gelagerten Rand. e) elastische Bettung
Aus der Verdrehung der Platte entstehen an den Es kann Variante d als Modell für ein klaffendes
Rändern Linienlasten. Diese werden jeweils System interpretiert werden, die Variante e als
gleichmäßig auf die beiden Schrauben verteilt. Modell für die ideal verspannte MV.
Durch Überlagerung der Belastungen von Biege-
balken und Platte ergibt sich schließlich die Last- 6.4.4 Lagerung der Struktur
verteilung auf die einzelnen Schrauben des Für die Ermittlung der Schnittlasten ist es zweck-
Schraubenfelds. mäßig die Verbindungsbereiche zunächst wegzu-
lassen und durch einfache Randbedingungen in
6.4.2.3 Ein Verbindungsbereich mit mehreren
Form von Lagerungen zu ersetzen. Die nachfol-
Schrauben (Schraubenfeld)
genden Lagerungsvarianten sind für die Modellie-
Bei einem Schraubenfeld sollte zunächst durch rung der Schraubenfelder an der Struktur sinnvoll.
Ausnutzung aller Symmetrien bzw. Antimetrien
versucht werden, die Anzahl verschieden belasteter Einspannung
Schrauben zu reduzieren. Kann das Schraubenfeld Der Berechnung nach VDI 2230 Blatt 1 liegt
auf nur eine Schraube vereinfacht werden, z. B. bei zugrunde, dass die Trennfuge nicht aufklafft. So-
einem rotationssymmetrischen Flansch unter Zug- mit darf ein Schraubenfeld für die Berechnung der