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DER LANGE WEG NACH MITTE (Der Sound und die Stadt)

Diedrich Diederichsen

Herkömmlicher Pop- Begriff


- „Popkultur“ allgegenwärtig
- „Popkultur“ durch „(neue) Öffentlichkeit“ ersetzen
- Ist Politik „popfähig“?
- Auch öffentliche Gegenpositionen: der Hochkultur bzw. Pop-Feindschaften,
Endsolidarisierung und soziale Kälte in Gesellschaft durch „Popkultur“
- → fehlende definitorische Trennschärfe
- Pop- Begriff endlos zuständig und dehnbar

Verwandlung des Pop-Begriffs


- 60er bereits große Range des Pop-Begriffs
- Pop= Umbau der Welt durch Jugend- und Gegenkulturen initiieren
- Dadurch gemeinsame Werte/ Ziele (bspw. sexuelle Befreiung, Bürgerrechte von
Minoritäten, Ablehnung von Hierachien und Autoritäten usw.)
- erstmaliger Kult um Berühmtheit („Stardom“)
- Technologischer Fortschritt
- Ausbreitung der Medien
 → „einigermaßen heterogene[s] Sammelsurium“
- Absetzung dieser Bewegung seitens großen Entscheidungsträgern
 → „einigermaßen heterogene[s] Sammelsurium“

Pop I
- 60er bis 80er Jahre
- „spezifischer Pop“
- Gegenbegriff zu eher etablierten Kunstbegriffen
- grenzüberschreitende Bewegungen
- oppositionellen Strukturen folgend (unabhängig von Inhalt)
- Verpflichtende Zugehörigkeit zu Gruppe

Pop II = „Allgemeiner Pop“


- 90er Jahre
- neuerdings im Gegensatz zu Politik
- eher „Öffentlichkeit“
- Keine Grenzen mehr
- Dominant: Überlagerung von Gemeinschaften
- Regeln selten formal beschrieben, konkretes Treiben interessanter
- „Auffangbecken“ für alles inner- und außerhalb der Strukturen
Charakteristika zur Abgrenzung von Pop II zu Traditionellem Begriff

1. Neue pluralisierte Öffentlichkeit


- Dichte an neuen Talk- Shows
- Thematisierung von Aspekten des Alltags
- „Edutainment- Inszenierung“
- Entmachtung des Interpretationsmonopols
- → neuer (popverwandter) Typus von Öffentlichkeit
 jede Stimme ist multiplizierbar und hörenswert
- Verallgemeinerung von Volksstimmen zu bekannten Ideologien
- Folge: Wenige Reichweite für tatsächliche „Überschreitung“

2. Verstärkte Durchlässigkeit
- =neue Öffentlichkeit und Pop-Kulturen vermischen sich
- Underground profitiert von neuem Kulturfeld (Pop II) und andersherum
- Grenzen aufgeben:
 Provokation und Erlaubtes
 „Zumutbares Genre“ und Underground
 „oppositionelle“ Kunst (im alten Sinne) schafft es in neue Öffentlichkeit
- Style und Habitus konträr zu Inhalt und Message
- Ungehörte Gegenstimmen durch „Vielstimmigkeit“
- „Nivellierung“ ≠ „Vereinnahmung“

3. Pluralisierung und Überlagerung von Pop- Kulturen


- Popkulturen von Pop I gelöst und vervielfältigt
- Pop- Kultur ≠ neue Öffentlichkeit
- „Dialektik aus Inklusion und Exklusion“
- Unklarheit wegen Überschneidung von Gemeinschaften
- Bedeutung nur durch Zugehörigkeit zu Gemeinschaft möglich

Pop- Kultur
- Flüchtigere Lebenspläne → verwaschene Bedeutung der Gemeinschaften
- Viele parallele Partizipationsmöglichkeiten
- „Trotz aller Überbietungsversuche beim konkreten Inhalt […] ist „Pop-Kultur“ heute vor allem
ein Begriff, an dem etwas über ‚uns‘ oder die ‚Gesellschaft‘ klar werden soll. Das Gesamt-
Territorium der Pop-Kulturen ist auffälliger als die einzelnen Ausprägungen, und von denen
sind nur die relevant, die in ihrem pop-kulturellen Spezialtreiben das Gigantische und
Massenhafte der Pop-Kultur ans sich zum Ausdruck bringen, von der ‚Love Parade‘ bis zur
Guildomania (S.208f.)“

- Erstaunlich: Rätselhafte, Erklärungsbedürftigkeit der Popkultur benötigt gewisse


Größenordnung, gleichzeitig aber auch Basis der „Pop- Kultur“ (Begriff, Argumente)

- Frage nach Übermacht der Pop- Kultur: Wer siegt „Wir“ oder die Pop-Kultur?
 Antwort: Durchsetzung von selbstkreierten Sprechweisen
- Attraktivität in ständiger Möglichkeit der Grenzüberschreitung
- Festhalten an „alten subkulturellen Zusammengehörigkeitsgefühlen […]“
 Zweck- Allianzen von Subkultur- Anhängern und Konservativen
- Exzentrische Konformisten (Trash- Theorie)
- „Mainstream der Minderheiten“
- Struktur aller Pop- Kulturen einheitlich (Verbindlichkeit)

Fazit
- Zwar gibt es traditionelle Form des Mainstreams nicht mehr, aber wir sind weder Gewinner
noch Verlierer der Pop-Kultur
 Ziel: Durchsetzung von selbstkreierten Sprechweisen
- Immer noch vorhanden: subkulturelle Lebensformen
- Veröffentlichung erschwert durch indifferente Kulturindustrie
- Pop II: Überlagerung von künstlerischen und politischen Strategien
 → (produktive) Überlagerung künstlerischer und alltagssprachlicher Äußerungen
- Pop= Rahmen Austausch für individuelle Belange
- Pop ist Konkurrenz und durchlässig zu neuer Kuns UND (Repräsentations-) Politik
- trotzdem nicht identisch mit Vorhandenem
- Aufforderung zur Erforschung von POP II durch (staatlich finanzierte) Wissenschaft
 Verhältnis Pop I zu Pop II und neuer Öffentlichkeit
- Pop II: in allen öffentlichen Kommunikationsformen eingedrungen (tendenziell nicht total)
- Bedeutungsproduktion noch nie so relevant (gleichzeitig nie so flüchtig, ersetzbar)
- Pop als Reduktion auf vermeintliche Fakten, kurze Sätze= rechte Propaganda (Apell zur
Vorsicht)