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LERNTAGEBUCH

Ringvorlesung Educating Artist WiSe 20/21

Richard Fuchs
Matrikel-Nr.: 943967
Inhaltsverzeichnis

FASZINATION BILDSCHIRM – VOM MUSIKALISCHEN LERNEN UND LEHREN AUF DISTANZ....................2


Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 14. Oktober 2020, Prof. Dr. Silke Lehmann
INKLUSIVE MUSIK- UND TANZPRAXIS.....................................................................................................4
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 21. Oktober 2020, Prof. Tamara McCall, Linda Effertz
„SICHTBAR MACHEN“.............................................................................................................................6
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 28. Oktober 2020, Prof. Dr. Lena Haselmann-Kränzle
Work in Progress – Zur Produktionspraxis deutschsprachiger Musical-Uraufführungen.......................7
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 18. November 2020, Dr. Jonas Menze
„KEEP IT GAY!“, Die Beschäftigung mit LGBTIQ- Aspekten im Musiktheater: Veränderungen,
Widerstände, Forderungen, neue Erkenntnisse...................................................................................10
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 25. November 2020, Dr. Kevin Clarke
„‘I can('t) help myself!‘ - Herausforderungen und Strategien von Musiker*innen im Umgang mit
psychischen Belastungen.“...................................................................................................................12
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 02. Dezember 2020, Dr. Melanie Ptatscheck
„KINDER, KÜNSTLER UND KONZERTE“, Prinzipien der Elementaren Musik-pädagogik in
Kinderkonzerten...................................................................................................................................14
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 09. Dezember 2020, Prof. Jule Greiner, Isabel Stegner
„‘He’s a complicated man‘: Inszenierungen von Männlichkeiten in der Black Music.“........................16
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 13. Januar 2021, Prof. Dr. Michael Rappe............................16

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FASZINATION BILDSCHIRM – VOM MUSIKALISCHEN
LERNEN UND LEHREN AUF DISTANZ
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 14. Oktober 2020, Prof. Dr. Silke Lehmann

Digitalisierung spielt heute eine immer größere Rolle. Sie ist aus den meisten Bereichen gar
nicht mehr wegzudenken. Dennoch gibt es viele Abteilungen, Institutionen und Orte an
denen die Digitalisierung nur schleppend bis kaum vorangeht. Die Corona- Krise hat uns vor
neue Aufgaben und Herausforderungen gestellt. An den Stellen, wo kaum Digitalisierung
stattgefunden hat, mussten innerhalb kürzester Zeit neue Konzepte und neue Ideen her.
Doch wie verbindet man die Musik und das Musizieren mit Digitalisierung? Dabei stellen sich
auch Fragen wie z.B. „Wie funktioniert Digitalisierung im Zusammenhang mit Elementarer
Musikpädagogik?“ und „Wie funktioniert das musikalische Lehren und Lernen auf Distanz?“
In ihrem Vortrag geht Frau Prof. Dr. Silke Lehmann auf diese Fragen ein. In einer sehr
interaktiven Vorlesung kommen auch die einzelnen Zuhörer ins Gespräch und schildern ihre
eigenen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Eindrücke. Eine zentrale These von Prof. Dr. S.
Lehmann ist, dass das Lernen auf Distanz und im digitalen Rahmen viele positive
Nebeneffekte mit sich bringt und grundsätzlich nicht nur schlecht ist. Vorteile sind vor allem
die mit der technischen Übermittlung verbundene Entschleunigung des Unterrichtes. Des
Weiteren werden die sprachliche Genauigkeit und der Ausdruck der Lehrenden immer
wichtiger. Darüber hinaus werden die Lehrenden daran gehindert voreilig einzugreifen.
Daher muss die Arbeit der Schüler*innen selbstständiger werden. Bei dem Lehren auf
Distanz entsteht dadurch eine neue Form der Achtsamkeit. Prof. Dr. Silke Lehmann stellt
außerdem die These auf das wir uns durch die Digitalisierung von der Form des
Meisterlernens weg entwickeln, hin zu einer Lernform der Selbstbestimmung, die jedoch
nicht bei jedem Lernenden vorausgesetzt werden kann.
Die Vorlesung war für mich besonders aufschlussreich vor allem daher, dass ich nicht
unbedingt positive Erfahrungen mit dem Lernen auf Distanz und im digitalen Rahmen
gemacht habe. Gegenteilige Berichte helfen mir die aktuell andauernde Corona- Situation
positiver und offener zu betrachten. Darüber hinaus regen mich viele Gedanken und
Ansichten nun selbst dazu an neue Formate und Ideen für das Lernen auf Distanz
anzuwenden und zu entwickeln. Dennoch hätte ich gern mehr über die negativen Effekte

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und Auswirkungen des Lernens auf Distanz erfahren. Was passiert mit unserer Empathie und
Menschlichkeit? Was passierte mit Arbeitsmoral und Arbeitsqualität, lernten und
unterrichteten wir physisch und psychisch ausschließlich im eigenen Haushalt und privaten
Rahmen? Brauchen wir Menschen nicht die persönliche Nähe und die körperliche Präsenz,
um im besseren Kontakt miteinander zu stehen?
Viele der Formate die in der Vorlesung besprochen wurden kenne ich aus eigener
Erfahrung bereits. Online- Meetings als Form des Digitalen Klassenzimmers in Fächern wie
z.B. Tonsatz und rhythmischer Gehörbildung, Gesangsvideos aufnehmen anstatt Songclass-
Unterricht. Für mich bedeutete der schnelle Wechsel von Präsenzunterricht zum Digitalen
Lernen eine enorme Umstellung zu Beginn des Lockdowns. Das digitale Lernen war für mich
vor allem mit mehr Vor- und Nacharbeit verschiedener Unterrichte verbunden. Es war ein
größerer Zeitaufwand nötig für die Bewältigung neugestellter Aufgaben. Meine
‚Bildschirmzeit‘ an technischen Geräten wurde wesentlich länger. Klavier und
Gesangsunterricht konnte fast in gewohnter Form stattfinden. Leider war das Ende der
Stunde kaum von einem Erfolgserlebnis gekrönt und eine Weiterentwicklung merkte ich
nicht, dadurch sank die Motivation für die digitalen Unterrichte.
Wir als neue Generation von Künstlern und Lehrenden haben die Aufgabe diese
neuen Formate und Wege in unser zukünftiges Schaffen und Arbeiten mit einzubinden. Es
bedeutet eine Chance um neue Herausforderungen für Schüler*innen und Lehrer*innen zu
schaffen. Achtsamkeit und Entschleunigung sind zwei positive Aspekte, die die Digitalisierung
im Rahmen des Unterrichtens mit sich bringt. Die damit einhergehende Selbstbestimmung
der Lernenden ist ebenso eine Chance um die Erfolge im Unterricht zu steigern und die
Schüler*innen heraus zu fordern. Dennoch finde ich ist es wichtig, dass wir das Neue mit
dem Altbewährten verknüpfen. Es gibt verschiedene Lerntypen und die Stärken und
Schwächen der Lernenden sind unterschiedlich. Wir müssen weiterhin besonders darauf
achten die Fertigkeiten und Fähigkeiten jedes Einzelnen zu fördern und sie nicht durch die
neuen Formate und die Digitalisierung einzuschränken oder zu verlieren. Die Schüler*innen
stehen im Vordergrund genauso wie die Musik, nicht der Computer, das Video oder die
Aufnahme.

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INKLUSIVE MUSIK- UND TANZPRAXIS
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 21. Oktober 2020, Prof. Tamara McCall, Linda
Effertz

Menschen mit einer Behinderung gehören zu unserer ‚bunten‘ Gesellschaft dazu. Wie
kommt es jedoch, dass diese Menschen oft im Verborgenen bleiben und für viele andere
unsichtbar sind? In ihrem Vortrag gehen Prof. Tamara McCall und Linda Effertz auf diese
Problematik ein. Sie sprechen auch über ihre Projekte und zeigen an Hand ihrer eigenen
Erfahrungen, was im Bereich der ‚Inklusion‘ alles möglich ist.
Das Inklusion ein Menschenrecht ist, ist eine zentrale These der beiden
Referentinnen. Es ist wichtig nicht nur die Barrieren und Grenzen abzubauen, sondern auch
ein Umdenken in den Köpfen jedes Einzelnen zu bewirken. Inklusion beginnt bei mir selbst,
in meinem Kopf, mit meiner eigenen Haltung. Deshalb ist es wichtig den Begriff der Inklusion
im Bewusstsein der Menschen präsenter zu machen und aufzuklären. Auf den Unterschied
und die Bedeutung von Exklusion, Separation, Integration und Inklusion gehen die beiden
Referentinnen in ihrem Vortrag ein. Mit dem neuen Verständnis, Bewusstsein und der
eigenen Haltung geht auch eine weitere These von Prof. T. McCall und L. Effertz einher:
‚Inklusion betrifft nicht nur die Menschen mit Behinderung‘. Es reicht nicht Umweltbarrieren
abzubauen. Wir müssen uns unserer Unsicherheit und unseren Ängsten beim Umgang und
der Kommunikation mit Menschen mit Behinderung stellen. Wir müssen ihnen, wie allen
anderen Menschen, mit Respekt und Wertschätzung begegnen und ihnen Vertrauen
schenken. Darüber hinaus bedarf es einer neuen eigenen Grundeinstellung, dadurch können
wir die Inklusion befördern. Jeder Mensch ist normal und besitzt Talente und besondere
Fähigkeiten und Fertigkeiten die er in eine Gruppe einbringen kann.
In der Vorlesung gehen L. Effertz und Prof. T. McCall ebenfalls auf die Ästhetik von
Kunst ein. Eine weitere These in ihrem Vortrag sagt, dass sich das Verständnis von Ästhetik in
der Kunst verändern muss. Es muss davon ausgegangen werden wer beteiligt ist und was
jeder einbringen kann. Wir brauchen einen neuen Umgang mit Kunst, sowie einen neuen
Blick für die Ästhetik von Kunst. Alle Menschen können teilhaben, mit ihren eigenen Stärken
und Fertigkeiten. Es geht darum Potenziale zu erkennen und diese zu nutzen. Dabei ist es
wichtig, dass niemand bevormundet wird. Denn Inklusion ist eine Form der Unterstützung
und keine Vertretung und Bevormundung. Jeder ist wichtig und bringt sich ein.
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In der Vorlesung sprechen die beiden Referentinnen ebenfalls über die „Max Einfach“
Methode von Robert Wagner. Bei dieser Methode lernen Musiker*innen mit
unterschiedlichen Spielniveau ihre individuellen Fähigkeiten zu benutzen. Da sie selbst
entscheiden wieviel des Musikstückes sie mitspielen können.
Die Wichtigkeit des Themas hat mich sehr ergriffen. Mich beeindruckt unfassbar der
Wunsch und das Ziel von Prof. T. McCall und L. Effertz jeden Menschen einzubinden und
jedem die Chance und Möglichkeit zu geben, seine Fertigkeiten und Fähigkeiten zu teilen.
Außerdem hat mich die Bandbreite der Möglichkeiten von Projekten und Kunstformen
begeistert. Die Gedankenanstöße, dass wir Impulse nutzen können und uns den, mit
Inklusion einhergehenden Herausforderungen stellen können, machen mir ebenfalls Mut für
eine wirklich ‚bunte‘ und ‚weltoffene‘ Gesellschaft. Wir können Freude an Diversität finden,
auch wenn es vielleicht viel Mut, Kraft und Herausforderung bedeutet.
Ich habe mit dem Thema bisher wenige Berührungen gehabt, weshalb mir die
Vorlesung bewusste gemacht hat, dass ich mich mehr mit der Thematik und meiner eigenen
Haltung, meinem Bewusstsein und Verständnis auseinandersetzen muss. Es ist unfassbar
wichtig alle Menschen unserer Gesellschaft in das öffentliche Leben zu inkludieren und sie
alle teilhaben zu lassen. Kunst, Musik und Tanz sind Bestandteil jeden Lebens, daher sollten
wir als zukünftige Generation von „Lehrenden Künstler*innen“ als Vorbild vorangehen und
weitere Projekte und Ideen antreiben und beleben. Wir sind mitverantwortlich eine neue Art
der Gesellschaft zu gestalten und den Umgang mit Menschen mit Behinderung zu verändern
und besser zu machen. Wir, als Künstler*innen und Pädagogen*innen können als Vermittler
dienen und die unterschiedlichsten Menschen in Kontakt miteinander treten lassen. Musik
verbindet. Sie kann als Hilfsmittel dienen Barrieren, Grenzen, Mauern und Ängste zu
überwinden. Bestenfalls kann sie diese auch zum Zerfall bringen. Das so etwas möglich ist,
zeigen Tamara McCall, Linda Effertz und Carolin Nowak mit ihrer Idee und ihrem Projekt
„JellyArt“. Davon braucht es mehr.

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„SICHTBAR MACHEN“
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 28. Oktober 2020, Prof. Dr. Lena Haselmann-
Kränzle

Frauen werden in der Musikgeschichte oft vernachlässigt und sind in der


Geschichtsschreibung überwiegend außen vor. Dabei gibt es zahlreiche Musikerinnen und
Komponistinnen, die einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung in der Musik hatten
und haben. Wie kommt es jedoch das heute immer noch zu wenig über diese Frauen
berichtet und gesprochen wird? Wer waren diese Frauen und welchen historisch
gesellschaftlichen Bedingungen mussten sie sich stellen? In dieser Vorlesung geht Prof. Dr. L.
Haselmann- Kränzle auf diese Fragen ein und sie spricht über das Projekt „Sichtbar machen“.
Eine ihrer zentralen Thesen ist, die Aufgabe und Wichtigkeit Frauen in der
Musikgeschichtsschreibung sichtbar zu machen und ihre Lebensläufe und Geschichten zu
erforschen und diese dann in den historischen Zusammenhang einzuordnen. In der
Vorlesung nimmt Prof. Dr. L. Haselmann- Kränzle Bezug auf Musikerinnen aus Teilen
Nordeuropas bzw. Skandinavien. Norwegen schuf früh für Frauenorganisationen einen
größeren Aktionsradius, da das Land seit 1814 über parlamentarische Strukturen verfügte.
Darüber hinaus spricht sie über eine Art Verhaltenskodex, dem Gesetz von Jante, der als
soziale Spielregeln im skandinavischen Kulturraum verstanden wurde. Er sollte ursprünglich
dazu dienen Kritik an sozialen Zwängen und Personen, die sich über Andere oder ihre soziale
Gruppe stellten, zu üben. Mit diesem Verhaltenscodex geht eine gewisse Ambivalenz einher.
Das egoistische Erfolgsstreben des Einzelnen kann durch ihn begrenzt werden. Andererseits
kann man ihn auch als Unterdrückung der eigenen Individualität auffassen, da man sich in
seiner persönlichen Entfaltung eingeschränkt sieht. Außerdem spricht Prof. Dr. L.
Haselmann- Kränzle über die besondere, fast schon schwierige Quellensituation. Viele
Schriften, Texte, wie z.B. Briefe, Tage- und Erinnerungsbücher befinden sich in Privatbesitz.
Des Weiteren stellte sie zwei Komponistinnen vor. Es wird ersichtlich, dass ihre Lebensläufe
und Biografien vom Frauenbild in Deutschland zu dieser Zeit beeinflusst sind. Beide
skandinavischen Komponistinnen studierten in Deutschland.
Mit Hilfe von Hörbeispielen führten wir mit den Teilnehmern der Vorlesung ein
kleines Experiment durch. Die Frage war, welches Werk stammt von einem Komponisten
und welches von einer Komponistin? Wir stellten fest, dass man keinen bewussten
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Unterschied hören oder wahrnehmen kann. Eine weitere zentrale These von Prof. Dr. L.
Haselmann- Kränzle ist damit ebenfalls bewiesen. Beim Hören von Musik kann man nicht
Hören, ob ein Mann oder eine Frau das Werk komponiert haben. Das spielt eigentlich auch
keine Rolle, denn die Kompositionen und Werke von Komponistinnen stehen denen der
Männer in nichts nach.
In meiner Zeit an der Berufsfachschule in Sulzbach- Rosenberg in Bayern
beschäftigten wir uns im Musikgeschichtsunterricht mit Frauen in der Musikgeschichte. Auch
dort stellten wir fest das nur „eine Handvoll“ von Musikerinnern, Komponistinnen und
Künstlerinnen wirklich bekannt sind und dass Frauen noch zu wenig Beachtung erfahren. Ich
fand es äußert interessant einmal außerhalb von Deutschland zu schauen und neue
Komponistinnen kennen zu lernen, die auch in Deutschland praktiziert haben. Mir wurde
dadurch bewusst wie groß die Zahl von unbekannten Musikerinnen und Komponistinnen
sein muss. Ich finde es wichtig ein Bewusstsein zu schaffen für diese Thematik und die
Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass eine Frau die Musik praktiziert und lebt,
genau so normal ist wie ein Mann der das tut. Gerade heute finde ich es für Musiker*innen
wichtig auch über Frauen in der Musikgeschichte zu erfahren. Wir können dafür sorgen, dass
diese Musik und diese Künstlerinnen sichtbarer gemacht werden, damit auch Frauen aus der
Vergangenheit eine Bühne bekommen. Das Thema ist in meinen Augen sehr aktuell, denn es
gibt immer noch zu wenig Frauen in künstlerischen Berufen, als Berufsmusiker oder in damit
verknüpften Berufen. Daran können wir in Zukunft etwas ändern.

Work in Progress – Zur Produktionspraxis deutschsprachiger Musical-


Uraufführungen
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 18. November 2020, Dr. Jonas Menze

Das Musical stellt im deutschsprachigen Raum schon längst einen festen Bestandteil in der
Theaterlandschaft dar. Es zählt zu den beliebtesten Gattungen des populären Musiktheaters.
In der Ringvorlesung vom 18. November spricht Dr. Jonas Menze über die Produktionspraxis
deutschsprachiger Musical-Uraufführungen, dabei bezieht er sich auf sein Buch „Musical
Backstages- Die Rahmenbedingungen und Produktionsprozesse des deutschsprachigen
Musicals“ aus dem Jahr 2018.

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Dr. J. Menze spricht über sein Interesse und Hintergründe rund um die Thematik und
erklärt weshalb er das Buch verfasst hat. Darüber hinaus schildert er sein methodisches
Vorgehen und gibt Einblicke in eine Vielzahl seiner Ergebnisse. Bei seinen Betrachtungen
bezieht er sich auf die „Musical“- Uraufführungen in den Spielzeiten 2003/2004 bis
2012/2013. Außerdem unterscheidet er in privat und öffentlich finanzierte Musical-
Produktionen. Im Übrigen beschäftigt sich Dr. J. Menze mit der Marktentwicklung und den
Produktionsbedingungen von Musicals. Des Weiteren zeigt er seine Erkenntnisse in
statistischen Erhebungen auf. Sie beschäftigen sich zum einen mit der Finanzierungsform
von Musicals, ihren Sujets und Vorlagen. In Bezug auf die verwendeten Vorlagen und Sujets
in den Musicals konnten keine Trends oder maßgebliche Unterschiede zwischen privat
finanzierten oder öffentlich finanzierten Stücken festgestellt werden. Publikumsforschung,
wie z.B. welche Stoffe und welche Sujets ein kommerzielles Potenzial besitzen, wird
ausschließlich von Ensuite- Produzenten getätigt. In den Erhebungen ist die wachsende
Uraufführungszahl von Musicals deutlich erkennbar. Weiterhin besteht eine zunehmende
Offenheit der öffentlich finanzierten Theater gegenüber der Gattung Musical. Eine der
zentralen Thesen von Dr. J. Menze ist, dass Produktionsprozesse und die Ästhetik neu
entstehender Musicals beeinflusst werden von konstituierenden Rahmenbedingungen wie
z.B. Finanzierungsform, Spielbetrieb, Theatergröße und personelle Ressourcen. Die
deutschsprachige Musicallandschaft und ihre Produktionen unterscheiden sich von denen im
angloamerikanischen Raum, sei es zum Beispiel die überwiegend privatwirtschaftlich
organisierten Stücke und Musicals am Broadway. Im deutschen Sprachraum bestehen ganz
andere Voraussetzungen, sowie auch der Unterschied in unserer Tradition von populären
Unterhaltungstheater bzw. Musiktheater. Eine weitere These von Dr. J. Menze ist, dass das
Musical im deutschsprachigen Raum der Optimierung vieler Prozesse unterlegen ist. Es
braucht auf der einen Seite in der Ausbildung von den beteiligten Akteur*innen und auf der
anderen Seite in den dispositiven Strukturen und Prozessen eine Professionalisierung und
Verbesserung. Vor allem in öffentlich finanzierten Theatern wäre diese Optimierung
wünschenswert, denn sie hätte eine Perfektionierung und Verbesserung des
Theatererlebnisses zur Folge. Über den reinen kommerziellen Erfolg einer Produktion, sollte
der Anspruch nach steigender Qualität für jedes Musicals stehen.
Der Vortrag von Dr. J. Menze war äußerst interessant. Die statistischen Erhebungen,
die er im Rahmen seiner Arbeit gemacht hat, finde ich sehr anschaulich. Tatsächlich habe ich

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mich bereits selbst mit der Thematik, aus eigenem Interesse heraus und dem Fakt
betreffend, dass ich Musical studiere, beschäftigt. Die wachsende Anzahl an Musical-
Uraufführungen an den Theatern in meiner Heimatregion habe ich in den letzten Jahren
auch wahrgenommen. Populäres Musiktheater und Theaterstücke mit Musik werden in den
Spielbetrieb von vielen städtischen Häusern und Privattheatern aufgenommen und erfreuen
sich dort großer Beliebtheit. Den Wunsch, von größeren künstlerischen Freiräumen an
öffentlich finanzierten Theatern, teile ich mit Dr. J. Menze. Die Staatsoperette in Dresden hat
seit vielen Jahren regelmäßig mehrere Musicalproduktionen in ihrem Spielplan, darunter
auch einige Eigenproduktionen und Uraufführungen. Mir gefallen viele der Stücke und
Inszenierungen sehr gut und ich bin der Meinung viele dieser Stücke bedienen sich teilweise
dieses künstlerischen Freiraums. Außerdem nutzen sie ihre finanziellen Mittel um auch
qualifizierte und ausgebildete Musical-Darsteller in ihren Produktionen engagieren zu
können. Dennoch würde ich mir gerade an so einem Haus noch mehr Eigeninitiativen und
mehr künstlerische Feingefühl z.B. in der Auswahl der Stücke wünschen.
Bei meiner ersten Recherche zur Produktionspraxis von Musical-Uraufführungen im
deutschen Sprachraum fand ich leider wenig Material, Texte und Bücher. Umso spannender
finde ich es und erfreut es mich, in Form dieser Vorlesung, von dem Buch Dr. J. Menzes
erfahren zu haben. Den Einblick den er uns gegeben hat, war für mich sehr bereichernd und
wird noch lange nachwirken. Gerade mit dem Hintergedanken selbst einmal auf den
deutschen Musicalbühnen zu spielen, finde ich es bedeutsam sich auch mit dieser Thematik
zu befassen. Sich mit dem Musicalgeschehen auch auf theoretischer, wie wissenschaftlicher
Ebene zu beschäftigen, kann meiner Meinung nach dazu beitragen, die Musicallandschaft im
deutschen Sprachraum zu verstehen und mitzugestalten. Wir als „Educating Artist“ können
Teil in einem zukünftigen Musical sein, sei es als Darsteller*in, Musiker*in, Akteur*in usw.
Wir sollten die damit verbundenen Erfahrungen und das Wissen mit anderen Menschen
teilen. Ebenso sehe ich es als bedeutsam an sich mehr mit der Thematik der Vorlesung zu
befassen um das Erlernte einbringen zu können. In meinen Augen ist das Wissen aus der
Vorlesung ein Schritt in Richtung Professionalisierung und Optimierung der Musical-
Landschaft.

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„KEEP IT GAY!“, Die Beschäftigung mit LGBTIQ- Aspekten im
Musiktheater: Veränderungen, Widerstände, Forderungen, neue
Erkenntnisse
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 25. November 2020, Dr. Kevin Clarke

In der Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 25. November spricht Dr. Kevin Clarke über
LGBTIQ- Aspekte im Musiktheater, dabei geht er auf historische Entwicklungen und Zustände
für Homosexuelle ein. Darüber hinaus spricht er über seine Arbeit im Schwule[n] Museum in
Berlin.
Dr. Kevin Clarke schildert über die Strafverfolgung und gesellschaftliche Ächtung von
Homosexuellen. Das lange Schweigen über Biografien und Lebensläufen verschiedenster
Persönlichkeiten, nennt er als ein Problem. Er meint, dadurch würde die Lebensleistung
dieser Menschen nicht richtig gewürdigt und wir könnten verschiedene Lebensläufe nicht
richtig verstehen. Eine seiner zentralen Thesen ist, dass die Populärkultur eine enorme
Wichtigkeit besitz und Einfluss nimmt auf die Sichtbarkeit. Sie kann einen Beitrag dazu
leisten sichtbar zu machen und das Schweigen zu beenden. Die Unwissenheit über
verschiedene Hintergründe ist ein Stolperstein, der die negative Verlängerung von
Unsichtbarkeit und Stille bzw. Schweigen zur Folge hat. Dass sich das ändern muss, ist eine
seiner zentralen Thesen. Unsere gesamte Gesellschaft muss mehr Sensibilisiert werden für
die „verborgene Welt“ um sie herum. An dieser Stelle zitiert Dr. K. Clarke Maria Mallé, eine
bekannte DDR-Musicaldarstellerin: „Desinteresse ist eine besonders unangenehme Form
von Ignoranz.“ Seiner Meinung nach ist Desinteresse eine besonders unangenehme Form
von Homophobie. Umso schlimmer ist es, wenn es dieses Desinteresse auch in öffentlichen
Einrichtungen und Institutionen gibt. Das muss sich ändern.
Des Weiteren gibt Dr. K. Clarke einen historischen Exkurs, um damit die Situation in
Deutschland historisch zu begründen. Dabei geht er auf die Ächtung von Homosexuellen ein.
Auf Forschungsebene kamen die ersten Impulse aus den USA. In Deutschland wollte man
über Schwule und Lesben nicht reden. Ab den 1970er Jahren wurden die ersten wichtigen
Texte veröffentliche, die sich mit homosexuellen Begehren bis zurück in die Antike
beschäftigten. Forscher wollten damit nachweisen das Schwule und Lesben schon immer Teil
der Gesellschaft sind und dass sie sich ebenfalls hinter vielen Kunsterzeugnissen verstecken.

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Außerdem spricht Dr. K. Clarke über seine Arbeit in Berlin am „Schwules Museum“. Er
stellt einige Ausstellungen vor und spricht über damit verbundene Entwicklungen,
Herausforderungen und Veränderungen.
Eine Veränderung im Erleben der Menschen kann durch das Umdenken und in einen
anderen Rahmen stellen von Themen, durch einen Perspektiv- oder Bedeutungswechsel,
geschehen. Dass das Musical so einen Perspektivwechsel benötigt, ist eine weitere zentrale
These von Dr. K. Clarke. Er spricht vom „Reframing the Musical“. Musikalisches
Unterhaltungstheater des 21. Jahrhunderts hat die Aufgabe sich mit Race, Culture, LGBTIQ-
Themen und Identity zu beschäftigen. Dr. K. Clarke übt Kritik an den fehlenden Publikationen
zu „alternativen“ Lesarten von Musikgeschichte und Musiktheater aus Deutschland. Es gibt
reichlich Bücher und Veröffentlichungen aus den USA, aber keine aus dem deutschen
Sprachraum. Diese Perspektiven auf unsere Gesellschaft und auf das Musiktheater spielen in
der deutschsprachigen Musiktheaterszene keine Rolle. Das liegt vor allem daran, weil Stücke
mit diesen Inhalten kaum bis gar nicht in Deutschland gespielt werden.
Ich fand die Vorlesung äußerst Aufschlussreich, vor allem waren mir viele historische
Hintergründe nicht so bekannt und bewusst. Meiner Meinung nach hilft uns das Wissen für
historische Hintergründe und Verhältnisse für aktuelle Debatten. In der Vorlesung hätte ich
mir noch einen größeren thematischen Schwerpunkt im Zusammenhang von Musical und
Homosexualität gewünscht, z.B. über Veränderungen im Musical mit direkten
Werkbeispielen. Der Schwerpunkt des Vortrages lag in meinen Augen mehr auf den
historischen Hintergründen und der Arbeit von Dr. K. Clarke im Schwulen Museum in Berlin.
In seinem Vortrag zitiert Dr. K. Clarke den CDU Politiker Friedrich Merz, „Dass wir
momentan wichtigere Probleme hätten.“ Dass Menschen die so etwas sagen und denken
unser Land mitregieren, finde ich erschreckend. Meiner Ansicht nach zeigt es am besten auf
welche Relevanz das Thema hat. Musical und Musiktheater muss eine Form sein, Menschen
zu erreichen, sichtbar zu machen und sie aufzuklären. Themen um Race, Identity und LGBTIQ
sollten noch mehr im öffentlichen kulturellen Leben Einzug halten. Ich als angehender
Musicaldarsteller möchte gegen die immer noch bestehende Einseitigkeit im deutschen
Musiktheater kämpfen. Wir, die neue Generation von „Educating Artist“ können diese
Chance nutzen eine diversere und interessantere Kulturlandschaft in Deutschland mit zu
gestalten.

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„‘I can('t) help myself!‘ - Herausforderungen und Strategien von
Musiker*innen im Umgang mit psychischen Belastungen.“

Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 02. Dezember 2020, Dr. Melanie Ptatscheck

Lampenfieber, Schweißausbrüche, Angstzustände, Existenzängste, Burn-out und


Depressionen sind Dinge die für viele Künstler*innen und Musiker*innen zum Alltag
gehören. Können wir als Künstler*innen und Musiker*innen mit solchen Problemen und
Krankheiten überhaupt arbeiten? Wie sollen wir mit unserer Arbeit für das seelische
Wohlbefinden Anderer sorgen, wenn wir selber krank sind und Hilfe benötigen? Oder
gehören solche seelischen Probleme, Ängste und Krankheiten heute schon zu einem ‚guten‘
Kunstschaffenden dazu? Können wir vielleicht nur ein*e „guter Musiker*in“ werden, wenn
wir unter Depressionen leiden? Mit vielen dieser Fragen beschäftigte sich Frau Dr. Melanie
Ptatscheck in dieser Vorlesung.
Eine ihrer zentralen Thesen beschäftigt sich mit der positiven Wirkung von Musik. Dr.
M. Ptatscheck zeigt auf, dass Musik und Wohlbefinden im Zusammenhang miteinander
stehen. Musikalische Aktivitäten besitzen gesundheitsfördernde Potenziale und sie haben
die Aufrechterhaltung und Verbesserung von seelischer Gesundheit und gesteigerter
Lebensqualität zur Folge. Des Weiteren geht sie auf den Begriff von Gesundheit und den
Wert von psychischer Gesundheit ein. Musik wird seit vielen Jahrhunderten als Ritual und
Heilung verwendet, so auch heute für therapeutische Zwecke.
„Was ist, wenn Musik krankmacht?“, ist eine zentrale Frage des Vortrages. In unserer
heutigen Zeit sind wir immer mehr dem Leistungsdruck ausgeliefert. In vielen Bereichen geht
es nur noch um höher, schneller, weiter. Auch viele Musiker*innen sehen sich diesen
Problemen ausgesetzt. Künstler*innen, Musiker*innen und Musikpädagogen*innen gehören
schon lange zu Hochleistungsberufen die ein „Burn-out“ zur Folge haben können. Frau Dr.
M. Ptatscheck zeigt typische Faktoren, mit einer belastenden Wirkung, im Beruf- und
Arbeitsfeld von Musiker*innen auf. Dabei geht sie auf unterschiedliche Ursachen ein, die
sehr individuell sein können und ebenso von außen auf uns einwirken. Außerdem erwähnt
Dr. M. Ptatscheck das Klischee, dem sich ein Großteil von Künstler*innen in unserer
Gesellschaft stellen müssen. „Musiker sind verrückt, sie lieben es doch zu stöhnen.“ Dr. M.
Ptatscheck stellt diesem Klischee ein Zitat der Psychologin Anne Löhr entgegen:
„Musiker*innen sind nicht per se Psychos.“
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In ihrem Vortrag spricht Dr. M. Ptatscheck über die positive, leistungssteigernde
Wirkung von Stress, aber auch über die Gefahr von Stress, als Auslöser für psychische
Störungen und Krankheiten. Die ständige Überlastung des Körpers schadet der Gesundheit.
„Wir können außerordentliche, begabte und sehr fleißige Musiker*innen sein, das heiß nicht
das wir auch Geld damit verdienen können.“ Das ist eine weitere These von Dr. M.
Ptatscheck, bei der sie sich erneut auf ein Zitat von A. Löhr bezieht.
Zur Bewältigung von Stress, Problemen, Ängsten und Depressionen gibt es verschiedene
gesundheitsfördernde Ressourcen. In der Vorlesung sprich Dr. M. Ptatscheck über den
Zustand und die Fähigkeit der Resilienz. Er hilft uns erfolgreich mit belastenden
Lebenszuständen, negativem Stress und seinen Folgen umgehen zu können. Eine ihrer
zentralen Thesen ist, dass wir uns die individuellen, inneren und äußeren Ressourcen zu
eigenmachen und nutzen lernen sollen. Diese helfen uns eine Widerstandfähigkeit, die
Resilienz, aufzubauen.
Den Vortrag von Dr. Melanie Ptatscheck fand ich sehr interessant und informativ.
Ihren Bezug zur aktuellen Corona- Krise und dem „Arbeitsverbot“ für Künstler*innen und die
damit einhergehenden Ängste und stressauslösende Faktoren fand ich besonders passend
gewählt. Meiner Meinung nach hat sie damit die Relevanz des Themas sehr gut aufgezeigt.
Ich will mich an dieser Stelle nicht mit den Künstler*innen gleichstellen, die unter
Depressionen, Burn-Out-Syndrom oder Existenzängsten leiden, jedoch merke ich wie die
Krise auch mein künstlerisches Schaffen negativ beeinflusst. Meine Motivation sinkt. Ich bin
oft lustlos, gereizt und ausgelaugt. Es gab bereits Momente in denen ich mir die Frage
gestellt habe: „Was macht es überhaupt für einen Sinn ein künstlerisches Studium in solchen
Zeiten zu machen? Was wird Kunst in Zukunft noch wert sein?“ Der Vortrag hat mir gezeigt,
dass ich mit Hilfe von Selbstwahrnehmung und Reflexion meine gesundheitsfördernden
Ressourcen herausfinden und mich so vor psychischen Krankheiten schützen kann. Ich teile
die Ansicht von Dr. M. Ptatscheck, dass wir innerhalb der Gesellschaft einen offeneren
Umgang mit dem Scheitern benötigen. Das Klischee, welches ich bereits erwähnt habe von
den „Psycho- Künstler*innen“, mag aufgrund von Marketingstrategien weiterhin bestehen,
jedoch sollten wir auch den Rest der Gesellschaft aufklären. Ein offener Umgang kann helfen
und aufzeigen, dass wir alle Menschen mit Problemen und Ängsten sind. Wenn wir uns für
den Weg des Kunstschaffenden entscheiden, sind uns die vielen Risiken und Stressfaktoren
oft bewusst. Wir sollten unsere Träume nicht durch depressive Phasen, Ängste und

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Selbstzweifel aus den Augen verlieren. Es ist und bleibt ein Prozess bis zum Ziel. Frau Dr. M.
Ptatscheck beweist ebenfalls in ihrer Vorlesung, dass es vollkommen in Ordnung ist um Hilfe
zu bitten.
Dass wir durch diesen Vortrag ins Gespräch kommen und offen über dieses wichtige Thema
sprechen, finde ich sehr bedeutsam. Wir sind Teil der neuen Generation von Künstler*innen
und Pädagogen*innen. Ich finde es elementar, dass wir aufgeklärt werden und einen offenen
Umgang mit psychischen Krankheiten lernen. Dadurch können wir positiver mit diesen
Problemen umgehen und einander helfen. Dr. M. Ptatscheck weist auf viele positive Studien
und einige Organisationen hin, die ebenfalls hilfreich für uns sein können. Durch diesen
offeneren Umgang gelingt es vielleicht in der Musik wieder eine Hilfe, Stütze oder ein Anker
in schwierigen und Ausnahmesituationen zu sehen.

„KINDER, KÜNSTLER UND KONZERTE“, Prinzipien der


Elementaren Musik-pädagogik in Kinderkonzerten
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 09. Dezember 2020, Prof. Jule Greiner, Isabel
Stegner

In der Ringvorlesung „Kinder, Künstler und Konzerte“ vom 09. Dezember sprechen Prof. Jule
Greiner und Isabel Stegner über Grundlegende Prinzipien in der Elementaren
Musikpädagogik und ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Die Elementare Musikpädagogik soll dazu dienen Menschen unterschiedlichsten
Alters die Ohren zu öffnen. Sie sollen in Verbindung mit der Musik treten können. Dabei geht
es vor allem um individuelle Wahrnehmungen und Eindrücke. Musik soll zugänglich und
erreichbar für jeden gemacht werden. Zu Sensibilisieren und den Entdeckungsgeist zu
wecken, ist dabei wichtig. Prof. J. Greiner geht auf methodische Prinzipien in der EMP ein.
Dazu gehören zum Beispiel Kontinuität, das Lernen in Gruppen und Gemeinschaften, das
verbindet, das körperorientierte und spielerische Arbeiten. Auf oft experimentelle, kreative
Weise versucht man Musik den Menschen näher zu bringen. In der Elementaren
Musikpädagogik arbeitet man vor allem prozessorientiert, weniger ergebnis- oder
leistungsorientiert. Ganz im Gegenteil arbeiten Konzertmusiker und Dirigenten. Konzerte
werden ergebnisorientiert geplant und umgesetzt. Dabei soll eine gewisse Qualität und
Leistung für die Konzertbesucher bestehen.
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Eine zentrale These der beiden Referentinnen ist, dass es eine neue Form von
Konzerten braucht, bei dem wirklich jeder eingebracht wird und jeder Zugang zur Musik
finden kann. Dabei können individuelle „Ankerpunkte“ helfen, die einen persönlichen Bezug
zu Musik herstellen und in denen sich jeder selbst wiedererkennt. Bei der Arbeit mit
Menschen die einen geringen Zugang zur Musik besitzen, ist es wichtig zu klären: Was und
wen will ich erreichen? Selbstständiges Arbeiten und das individuelle Einbringen des
Einzelnen sind weitere zentrale Aspekte. Die Fantasie von Kindern geht in der heutigen
digitalisierten Welt immer mehr verloren. Dennoch sollte man bei der Arbeit mit Kindern
ihre Offenheit nutzen und als Chance ansehen. Die Kinder und ihre Fantasie sollten
gefördert, gefordert und angeleitet werden, aber keinesfalls festgelegt und dadurch
begrenzt. In unserer Gesellschaft muss sich das Verständnis für das „Machen von Fehlern“,
also unserer Fehlerkultur, verändern. Es ist in Ordnung sich auszuprobieren und dabei Fehler
zu machen. Eine weitere These und bedeutender Leitsatz ist, dass bei der Arbeit mit
professionellen Musiker*innen ein geeignetes Setting gefunden werden muss, bei dem man
behutsam vorgeht, damit man die Kinder nicht bloßstellt, wenn sie neben ausgebildeten
Künstler*innen stehen und darbieten.
Prof. J. Greiner und I. Stegner haben in ihren Vortrag viele Beispiele und Videos aus
ihrer Arbeit eingefügt und besprochen. Die Vielzahl und die Unterschiedlichkeit von
Projekten hat mich beeindruckt. Ich habe selbst bisher wenige Erfahrungen in der Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen gemacht bzw. in der EMP. Bei der Arbeit mit Kindern begeistert
mich vor allem ihre Ehrlichkeit, sowie Offenheit. Kinder sagen und zeigen dir wenn ihnen
etwas nicht gefällt. Sie sind ehrliche Zuhörer und können dir gutes Feedback geben. Die
Arbeit mit Kindern kann sehr inspirierend sein, wie uns Prof. Jule Greiner und Isabel Stegner
gezeigt haben. Es ist wichtig, dass wir uns nicht mehr nur als reine Künstler verstehen. Wir
müssen auch zu Musikvermittlern werden. Ich finde es eine schöne Herausforderung und
sehe es als meine Aufgabe an vielleicht auch in Zukunft Musik Menschen aller Altersgruppen
näher zu bringen. Darüber hinaus finde ich es Wichtig das unsere Generation von
„Lehrenden Künstlern“ sich selbst einer breiteren Öffentlichkeit öffnet und anderen
Menschen die Ohren öffnet.

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„‘He’s a complicated man‘: Inszenierungen von Männlichkeiten in der
Black Music.“
Ringvorlesung „Educating Artist“ vom 13. Januar 2021, Prof. Dr. Michael Rappe

Wie werden schwarze Männer in popkulturellen Produkten repräsentiert bzw. wie


repräsentieren sie sich selbst? Welche Auswirkungen und Effekte hat das auf die
Wahrnehmung von schwarzer Männlichkeit? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr.
Michael Rappe in der Vorlesung vom 13. Januar.
Prof. Dr. M. Rappe eröffnet die Vorlesung mit seinen zentralen Fragen im Zusammenhang
mit Männlichkeiten und Farbigen. Darunter z. B. Wie kommt der Rassismus in die Welt? Wie
wird Macht durch wen ausgeübt? Wie werden Stereotypen gebildet? und Wer kann über
wen, wie reden? Im Laufe seines Vortrages versucht er Antworten und Erklärungen zu
finden.
Eine zentrale These seines Vortrages beschäftigt sich mit der Repräsentation von
Schwarzen, auf die in Form von Stereotypenbildung Macht ausgeübt wird. Prof. Dr. M.
Rappe stellt einige Stereotypen wie z.B. Brute-Stereotyp, Mammy-Stereotyp, Tragic Mulatto-
Stereotyp, vor und zeigt an Hand dieser die Unterdrückung von People of Color auf. Darüber
hinaus spricht er über die Schritte von Typisierung und wie es dadurch zu einer
Machtausübung kommt. Die weiße Bevölkerung wollte sich von der schwarzen Bevölkerung
abheben und naturalisiert ihre Überlegenheit. Jede Form des Protestes, der Abwehr und
Auflehnung bestätigten die Behauptungen der Weißen. Alle Stereotypen bestehen auf Grund
historischer Geschehnisse.
An Hand von drei Beispielen bespricht Prof. Dr. M. Rappe die Inszenierung von
Männlichkeiten in der Black Music. Eine seiner Thesen ist, dass sich die Inszenierung im
Laufe der Zeit verändert hat. Weg von einer Inszenierung des devoten schwarzen Mannes,
welcher nur in Form von geheimen Zeichen versteckte Kritik üben konnte, über die
Darstellung, des Selbstbestimmten, sich währenden, Selbstermächtigten schwarzen Mannes
wie z.B. bei Isaac Hayes Shaft mit Glamour und Goldketten hin zu einer Inszenierung die auf
Erweiterung beruht und dem Prinzip der Vielseitigkeit. Er führt die
Männlichkeitsinszenierung, wie beispielsweise bei Pharrell Williams an, die allumfassender
sein will und eine Mischung aus vielen Darstellungen ist.

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Das Thema der Vorlesung ist sehr umfangreich und es ist kaum in einem Vortrag
möglich „alles“ zu besprechen. Dennoch hat die Vorlesung mich dazu angeregt, mich mehr
über „Inszenierungen von Männlichkeiten in der Black Music“ zu informieren und darüber
hinaus mit historischen Hintergründen und den Ursprüngen dieser Inszenierungen zu
befassen. Rassismus ist noch immer hoch aktuell und beeinflusst das Leben von Schwarzen
und People of Color. Ich finde es in meinem Berufsfeld wichtig, mich auch mit dem Einfluss
von Rassismus und Diskriminierung in der Musik zu informieren. Wenn ich mich mit
politischer Black Music beschäftige, spielt der Hintergrund von Stereotypenbildung eine
wichtige Rolle. Ich hatte bis jetzt noch keine weiteren Berührungspunkte mit dem Thema:
„Inszenierung von Männlichkeiten in der Black Music“. Ich befinde mich in der Position des
privilegierten weißen Mannes. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, mich nicht mit
diesem Thema zu beschäftigen. Den Vortrag sehe ich als eine Aufforderung, das zu ändern.

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