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Ausformulieren der b)-Frage zur Glosse „Wer will das haben?


Im Folgenden soll nun die sprachlich-stilistische Gestaltung erläutert werden.
Zunächst werden zahlreiche Informationen bereitgestellt, wie z.B. der Organisationsname des
Experiments in der Schweiz (vgl. Z. 51). Auch veranschaulichende Flächenangaben, welche
beispielsweise darstellen, dass „jeden Tag allein [in der Schweiz] die Fläche von acht
Fußballfeldern verbaut wird“ (Z. 52 f.), machen es für den Leser leichter verständlich und
vorstellbar. Zusätzlich bekommt man einen Einblick in das Wirtschaftsjargon und erfährt von dem
problematischen, aber auch notwendigen, Wachstum der Industrie (vgl. Z. 25ff.).
Des Weiteren wird der Leser in den Text miteinbezogen und es wird gekonnt an Lesererfahrungen
angeknüpft. Dieser fühlt sich durch Verwendung des Anredepronomen „Sie“ an Textanfang und
Textende direkt angesprochen. Zudem wird das Personalpronomen der 1. Person Plural - oft auch
in rhetorischer Hinsicht – verwendet, um eine gewisse Nähe zum Leser zu erreichen (vgl. Z. 45f.).
Die vielen Fragen zu Beginn sollen ihn zusätzlich zum Nachdenken anregen. Kolloquiale oder
umgangssprachliche Formulierungen wie „Na gut“ (Z.44) oder „okay“ (Z.7) werden eingesetzt, um
den Text etwas aufzulockern und um den Leser zum Schmunzeln zu bringen. Die ironisch-
rhetorische Frage (vgl. Z. 68) trägt ebenfalls dazu bei und findet sicherlich Zustimmung seitens des
Lesers.
Darüber hinaus wird die Ironisierung als Mittel der Kritik oder auch des Appells angewendet. Die
Textpassage, die darstellt, dass man „bei spezialisierten Online-Geschenkehändlern angeben
könnte, für wen man alles Geschenke sucht und was sie kosten sollen“ (Z. 59 ff.), wird
durchgehend im Konjunktiv Ⅱformuliert und bringt die Abwegigkeit dieses Gedankens gezielt auf
den Punkt. Die Anspielungen auf das Öko-Jargon (vgl. Z. 47, 63) können ebenfalls als ironisch-
kritisch gewertet werden und bringen alternative Sichtweisen in den Text hinein. Der Einsatz von
Gedankenstrichen (vgl. Z. 18, 48, 63) bringt ein meist flapsig formuliertes Fazit zum bereits
Gesagten und trifft dies gekonnt. Der bereits im vorherigen Abschnitt erwähnte Fragesatz aus Z. 68
ist ebenfalls im Bereich der Ironisierung zu nennen.
Zu guter Letzt werden Zusammenhänge und Schlussfolgerungen hervorgehoben. Der Doppelpunkt
(vgl. Z. 5, 33) wird eingesetzt, um den Leser auf ein kurzes Fazit hinzuweisen. Etwas längere
Schlussfolgerungen findet man unter Verwendung des Konjunktiv Ⅱ, wobei darauf hingewiesen
wird, dass „das Renten unbezahlbar würden, das Bildungssystem aus den Fugen ginge, [und] dem
Gesundheitswesen der Zusammenbruch [drohe], von den Pflegekräften ganz zu schweigen.“ (Z.
39ff.), womit die Dramatik klarer herausgestellt wird. Auch eine Klimax (vgl. Z. 31f.), sowie die
Fügung „rasendes Auf-der-Stelle-treten“ (Z.34) als Oxymoron veranschaulichen dieses
Wirtschaftswachstum. Ein Kausaladverb (vgl. Z. 22) sowie ein wertendes Adjektiv in Kombination
mit einem Neologismus (vgl. Z. 69) bringen zusätzlich einzelne kurze Schlussfolgerungen. Der
Konditionalsatz (Z. 55ff.) bringt ein geschicktes Fazit, das den Leser zum Nachdenken bewegt.
Abschließend sollen nun die Wirkungsabsichten einer Glosse anhand des Textes aufgezeigt und
belegt werden.
Der Leser wird gut unterhalten und kann sich aufgrund einiger ironischer Stellen durchaus
amüsieren, was durch beispielsweise rhetorische Fragen (vgl. Z. 69) hervorgerufen wird, jedoch in
einem vorhergehenden Abschnitt (vgl. Ironisierung als Mittel der Kritik oder des Appells) bereits
genauer geschildert wurde.
Das Thema der Glosse ist trotz dem Fakt, dass Weihnachten vorbei ist, aktuell, da jährlich
besonders zu diesem Fest das zwanghafte und überhäufte Schenken gut festgestellt werden kann
und das Problem immer offensichtlicher und präsenter wird, wie in Z. 15-20: „Wohin mit dem
ganzen Zeugs? Das Bücherregal ist voll. Das Küchenregal ist voll. An der Wand ist kein Platz mehr
für Kalender, und wenn doch, dann hängen wir lieber einen auf, den wir selbst ausgesucht haben.“
Auch dieser Text ist subjektiv-wertend und wurde mit der Intention verfasst, die Leser auf ein
generelles Umdenken beim Thema schenken zu bringen und schafft es durch Einbringen von
wirtschaftlichen Fakten zu unserer Wachstums- und Konsumorientierung (vgl. 37-42). Zusätzlich
beleuchtet der Autor Hartmut Rosa mit dem ironischen Beispiel des Turboschenkens (vgl. Z. 59-
67) die Thematik kritisch, sodass seine Haltung deutlich wird.