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ÖSTERREICHISCHE
NATIONALBIBLIOTHEK

231384 - B
Neu
- -
Österreichische Nationalbibliothek

+Z258513905
Abrichtungs -Reglement

für die

k. k. Linien - und Grenz: Infanterie.

18 5 1.

Wien , 1851.
Gedrudt bei Leopold Sommer.
3

231384 -B.
Armee - Befehl.

Ich habe befunden cine Reviſion ſämmtlicher Vor


ſchriften für die taktiſche Ausbildung Meines Hee
res anzuordnen und dabei die Vereinfachung aller
Grundformen und thunlichſte Übereinſtimmung der
ſelben bei den verſchiedenen Waffengattungen als
Begel beſtimmt.
Die auf dieſe Grundlage ausgearbeiteten Be
glements zerfallen bei allen Truppengattungen nach
ihren Eigenthümlichkeiten in das Abrichtungs - und
Ererzir - Keglement, und jencs für die Bewegungen
mit größeren Körpern . Sie haben ſämmtlich nach
ihrer ſucceſſiven Veröffentlichung zur unabweichlichen
Richtſchnur ſowohl für die Ausbildung als die An
wendung zu dienen , und es if Mein ernſter Wille,
daß ſich Wiemand eine willkürliche Abweichung von
denſelben geftatte.

Franz Joſeph
V o r w o r t.

Die Ausbildung des Soldaten iſt der erſte Grund


zur möglichften Brauchbarkeit eines Kriegsheeres, folga
fich die erſte Vorbereitung zur Ausübung der
Kriegskunſt.
· Gegenwärtige Vorſchrift enthält den Leitfaden ,
nach welchem der Soldat in dem Gebrauche ſeiner
Waffen unterrichtet werden ſoll; um ſowohl als Theil
des Ganzen zweckmäßig mitzuwirken , als auch ſich
ſelbſt zu vertheidigen und ſeinen Gegner zu überwäls
tigen .
Einheit des Ganzen ift thr Zwec .
Die pünktliche , buchſtäbliche Befolgung dieſer
Vorſchriften wird , um dieſe ſo nöthige Einheit zu er
zielen , allen Vorgeſepten zur unbedingten Pflicht ge
macht. Minder Fähige werden hierburde ſchon einen
Theil ihrer Berufſpflicten erfüllen, während Fähigere
in jenen Vorſchriften eine fichere Anleitung finden,
VI

um ihre Begriffe zu ordnen , zu befeſtigen , und ſich zu


einem größeren Wirkungskreiſe vorzubereiten .
Die erſte Bedingniß zu einer zweckmäßigen und
erfolgreichen Ausbildung des Soldaten beſteht darin ,
daß man ihm eine entſprechende moraliſche Erziehung
und einen wahren Begriff von den Ehrenſtande bei
bringe, dem er angehört. Demgemäß müſſen ihm
ſchon bei Ablegung des Eides , die Wichtigkeit dieſer
Handlung, ſo wieder ganze Umfangder Verbindlichkeiten ,
die er hierdurch eingegangen iſt, und deren Befolgung
er unwiderruflich bekräftiget hat, wohl begreiflich ge
macht werden . Die verſchiedenen Dienſtes - Verhaltun
gen , ſo wie die Kriegs-Artikel , müſſen ihm öſter in
ſeiner Mutterſprache vorgeleſen und erklärt werden .
Nebſtbei wird dem jungen Soldaten ein verläßlicher
gedienter Mann zur Aufſicht beigegeben , welcher ihn
mit Wohlwollen und Freundlichkeit in ſeinen Dienſtes
pflichten unterrichtet, ihm lehrt, wie er ſich ,dann ſeine
Pontur und Rüftungsſtücke zu reinigen , ſein Gewehr zu
pußen und dieſes immer im brauchbarſten Stande zu
erhalten habe, 1 . dgl.
Die unabläſſige Sorgfalt jedes Borgeſeşten muß
ferner dahin geheit, in der Bruſt des jungen Soldaten
Liebe zu ſeinem Monarchen und ſeinem Stande, An
hånglichkeit an ſeine Vorgeſepten , und Gemeingeift
VII
arzuregen . Ermuß ihn mit den Beſchwerlichkeiten ſeines
Standes , der Nothwendigkeit ſeiner Berufsbildung,
dann der Handhabung einer ſtrengen Disziplin ver
trautmachen, und ganz beſonders,was lektere Betrifft,
durch eigenes Beiſpiel im unbedingten Gehorſame ge
gen jeden Vorgeſepten voranleuchten ; kurz , er muß es
verſtehen , ihm wahren Soldatengeiſt einzuflößen . Da
durch wird der Soldat auf ſeinen Beruf ſtolz werden ,
die Strenge der Disziplin ehren lernen , ſeinen Stand
lieb gewinnen , und denſelben nicht als ein unerträge
liches Joch betrachten .

· Jede Mißhandlung, jede Gewaltthätigkeit wird


bei dem Unterrichte auf das Schärfſte unterſagt. Ein
rauhes Benehmen iſt gemeiniglich ein Beweiß eigener
Unwiſſenheit, und vernichtetdas Ehrgefühl, die Seele
des Soldaten . Trägheit, böſer Wille, Widerſpenſtigkeit,
verdienen Strafe; Strafe beſſert, aber Mißhandlung
empört. Menſchenkenntniß, Humanitat, Sorgfalt für
das Wohl des Soldaten , und gründliche Kenntniß der
eigenen Berufspflichten , müſſen daher bei jedem Vor
geſepten vorausgeſeßtwerden , wenn derſelbe ſeiner Bes
ſtimmung als Lehrer und Führer des Soldaten , in jes
der Gelegenheit wahrhaft entſprechen ſoll; denn nur bei
dem Vorhandenſein dieſer Eigenſchaften wird es ihm
möglich werden , alle Triebfedern rege zu machen , die
Vu

nothwendig find, um den Geift ſeiner Untergebenen zu


beleben, und fie ohne Zweig den jedegmaligen Umftan
den gemäß zu lenken .
Außerdem find: Gleichförmigkeit, Verſtändlichkeit,
Einfachheit, und ſtufenweiſes Fortſchreiten vom Leich
teren zum Schwereren , für den Unterricht höchft noth
wendige Bedingnifſe; worüber in der nachfolgenden
Einleitung das Nähere vorkommen wird .
Bei Befolgung dieſer Grundfäße kann man ſich
verſprechen , daß der Soldat recht bald die zur Füh
rung ſeiner Waffe nöthige Geſchicklichkeit erlangen ,
überdieß auch in ſeinem Benehmen jene Wohlanſtän - ;
digkeit zeigen werde,die gleich weit von der Ungeſchlif
fenheit und Rohheit,als von der Ungeſchidlichkeit und
Schüchternheit entfernt iſt.
Einleitung.

Der Soldat der Linien - Infanterie iſt zunächſt beſtimmt,


den Feind in geſchloffener Ordnung und in größeren Maſ
ſen zu bekämpfen ; demungeachtet muß derſelbe aber auch
die Fähigkeit beſißen , ſeinem Gegner im Einzelngefechte,
nämlich in geöffneter Ordnung, mit Vortheil entgegens
zutreten , weil er durch Terrain und andere Verhältniſſe
häufig an dieſe Fechtart gewieſen wird. Demnach zerfält
auch deffen Ausbildung in zwei weſentlich von einander
verſchiedene Theile , nämlicy:
1. In jene für ſeine Verwendung in Reih und
Glied (geſchloffene Ordnung) .
. 2. In die für ſeine Verwendung als Plänkler
(geöffnete Ordnung).
Da es die vorzüglichfte Beſtimmung der Linien - In
fanterie bleibt, in geſchloſſener Ordnung zu wirken , ſo
muß zwar mit der Ausbițdung des Soldaten für dieſe
Gefechtsart der Anfang gemacht, nebſtbei müſſen aber
ſchon das Plånkeln , Bajonetfechten und überhaupt alle die
Gewandtheit des Körpers fördernden Unterrichts - Gegen
ftände vorgenommen werden ; weil durch eine zwedmäßige
Abwechslung in denſelben nicht nur die Ausbildung des
Refruten beſchleuniget , ſondern auch vermieden wird ,
daß derſelbe durch beſtändige Wiederholung des nämlichen
Gegenſtandes gelangweilt und ermüdet werde.
Die zur Ausbildung des Soldaten Berufenen , ings
beſondere aber die Offiziere, müſſen ſich vor Adem eine
genaue und gründliche Kenntniß der in dieſem Reglement
enthaltenen Vorſchriften eigen machen ; denn nur der ſelbſt
unterrichtet iſt, kann Andere belehren . Sie müſſen ſich
hierbei eines dem Faſſungsvermögen des Auszubildenden
entſprechenden Vortrages befleißen , Jeden nach ſeiner In
dividualität behandeln , den Fleißigen und Geſchicten bes
loben und auszeichnen , den Ungeſdickten oder Schwachen
mit unerſchöpflicher Geduld heranzubilden trachten , den
Nachläſſigen mit Strenge zur Erfüllung ſeiner Pflichten
verhalten ; kurz , durch zwedmäßige Behandlung eines jeden
Einzelnen , den Unterricht möglichſt zu fördern bemüht ſein .
Jede übereilung beim Unterrichte muß ſorgfältig
vermieden werden ; weil ſidy das Verabſäumte ſväterhin
ſchwer oder gar nicht mehr nachholen läßt. Es darf daher
mit dem Unterrichte nur in dem Maße fortgeſchritten
werden , als der Soldat das ihm Gelehrte begriffen und
auszuführen erlernt hat; widrigenfalls ſeine Ausbildung
nie volftändig erfolgen kann .
• Bei der Ausbildung des Soldaten für feine Vers
wendung in geſchloſſener Schlachtordnung, muß
man denſelben anfänglich nicht zu lange in der ihm unges
wohnten Stellung verweilen , ſondern ihn öfter und an
haltend ruhen laſſen ; widrigenfalls er zu ſehr erſchöpft
werden , und mit der eintretenden Abſpannung der Kräfte
alle Luft für den Unterricht verlieren könnte. Durch die fortges
feßte Übung wird er nach und nach die zur Führung ſeiner
Waffe nöthige Geſchicklichkeit und Gelenkigkeit erlangen ,
XI

ſich gewöhnen , ohne übermäßige Anſtrengung andauernd


unterm Gewehr zu ſtehen , und überhaupt die mit feinem
Stande verbundenen Beſchwerlichkeiten mit Leichtigkeit
und frohem Muthe ertragen lernen .
Bei deſſen Ausbildung zum Plånkeln muß wies
der ein ganz verſchiedenes , eigenthümliches Verfahren
beobachtet werden . Hat man von ihm in Reih und
Glied eine feſte Haltung, Gleichförmigkeit in Ausführung
der Gewehrgriffe u . dgl. gefordert ; ſo kommt beim
Unterrichte im Plankeln hauptſächlidy dahin zu wirken ,
daß er ſich jedes Zwanges in der Stellung , jeder Abges
meſſenheit in den Gewehrgriffen enthalte, ſein Augen
mert vorzüglich auf die Benüßung des Terrains zur
eigenen Dedung und zum Nachtheile des Gegners richte,
ſeine Waffe ſelbſtſtändig , nach eigener Beurtheilung ent
ſprechend gebrauche ; kurz , fich auf eine dem jeweiligen
Gefechtsverhältniſſe angemeſſene Weiſe benehme. Dieſes
feßt aber bei dem Soldaten das Vorhandenſein eines ges
wiffen Grades von Intelligenz und eigener Urtheilstraft
voraus ; daher der Unterrichtende vor Alem bemüht ſein
muß , dieſe bei der Mannſchaft zu weden und rege zu
machen , wozu , nebſt einem gründlichen Unterrichte, praf
tiſche, auf dem Terrain erläuterte Beiſpiele , das geeig
netſte Mittel bieten . - Da fidy nicht für alle beim
Plänkeln vorkommenden Fälle beſtimmte Regeln geben
laſſen ; ſo werden die Offiziere bei Übung dieſer Fechtart
hinlänglid Gelegenheit finden , ihre Einſicht und Ges
ſchidlichkeit geltend zu machen , und folche durch entſpres
chende Belehrung auf die ihnen zur Ausbildung anvers
traute Truppe, zu übertragen .
XII

Wird die Ausbildung der Mannſchaft nuch den bier


aufgeſtellten allgemeinen Grundfäßen , unter der Leitung
von unterrichteten und von echt militäriſchem Geifte bes
ſeelten Offizieren betrieben ; ſo wird ſie raſch und mit
Erfolg fortſchreiten , und der Soldat in kurzer Zeit jenen
Grad militäriſcher Ausbildung erlangen , welcher deſen
vollſtändige Brauchbarkeit zur Erfüllung ſeiner ehrenvol
len Berufspflichten , in jeder Gelegenheit verbürgt.
Teri
ng

zit I nha t.
ten
Ten I. A bth e il u n g.
Seite
Cole - Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in
geſchloſſener Schlachtordnung. . . . 1
Erſtes Hauptſtück.
Ausbildung des einzelnen Soldaten . . . -
Erſter Abſchnitt.
Unterricht ohne Geweht . . .
§. 1. Die Stellung . . . . . . . . . . . . . 3
S. 2. Wendungen des Kopfes . . . . . . . . . . 4
S. 3, Wendungen des Körpers . .. . . . . . . . .
S. 4. Vom Marſchiren . . . . . . . . . . . , 5
Der Marſch vorwärts und rüdwärts . . . , -
S. 5. Die Ziehung oder der Marſch in einer ſchrägeu Direktion
S. 6 . Ehrenbezeigung . . . . . . . . . . . . . 9
Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre . . . . 11
S. 7 . Stellung mit dem Gewehre . . . . . . .
S. 8. Gewehrgriffe . . . . . . . . . . . . . . 1%
S. 9. Unterricht im Laden und Feuern . . . . . . .
S. 10. General - Decharge . . . . . . . . . . . .
S. 11. Vom Zielen und Treffen . . . . . . . . . .
$. 1 . Belehrung über das Scheibenſchießen . . . ii .
S. 13 . Ghrenbezeigungen mit dem Gewehre . . . . . .
Zweites Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten im Gliebe . . .
S. 14 . Stellung . . . . .
S . 15. Ropf- und Körperwendungen .
. . · · · · ·

S. 16. Richtung . . . . . . . . . . . . .
S . 17 . Frontmarſch vors und rückwärts . . . . . . . 65
S. 18. Zichung im Frontmarſche . . . . . . ..
S. 19. Schwenkung . . . . . . . . . . . . . 70
S. 20. Gewehrgriffe . . ' . . . . . . . . . . . 73
S. 21. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . 74
S. 22. Seneral - Decharge . . . . . . . . . . . .
·
XIV

Drittes Hauptſtück . Seite


Ausbildung des Soldaten im Zuge. . . .
S. 23. Stellung des Zuges . . . . . . . . . . .
S. 24. Öffnen und Schließen der Glieder . . . . .
S. 25. Ropf- und Körperwendungen . . . . .
S. 26. Richtung . . . . . . . . . . . .

· ·
S. 27. Frontmarſch vor- und rückwärts . ' . . . . . . . 85
S. 28. Ziehung in Frontmarſche . . . . . . . . . 87
S. 29. Schwenkung . . . . . . . . . . . . . . -
S. 30 . Formirung der Reihenfolonne und Bewegungen derſelben 88
S . 31. Formirung der Doppelreihen -Kolonne und Bewegungen
derſelben . . . . . . . . . . . . . .
S . 32 . Abfallen aus Doppelreihen in Reihen u . ſ. w . . . 93
S . 33. Aufmarſd aus Reihen in Doppelreihen . . . . . 94
S. 34 . Aufmarſch aus der Reihenfolonne in die Front . . 95
S. 35. Aufmarſch aus der Doppelreihenkolonne in die Front 101
S. 36. Frontveränderungen mittelſt Reihen und Doppelreihen 102
S. 37. Ginzelne und reihenweiſe Deſilirung , . . . . . 103
S. 38 . Gewehrgriffe . . . : : . . . . . . . . . 106
S. 39. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . . -
S. 40. Angriff mit dem Bajonete . . . . . . . . . 117
S . 41. Rallirung . . . . . . . . . . . . . .. 118
S. 42. Belehrung zur Formirung der Gewehr - Pyramiden . 119 .
S. 43. General- Decharge . . . 121
Viertes Hauptſtück.
Ausbildung der Chargen vom Feldwebel abwärts . 123
Erſter Abſchnitt.
Ausbildung der Kompagnie - Chargen . . . -
S . 44. Benennung und Erklärung einiger Linien . . . . 124
S . 45. Unterricht im geraden Marſchiren . . . . . . . 129
S . 46. Vorübung zu der Chargen - Richtung . . . . . . 130
S. 47. Vorübung zum Marſche im Alignement . . . . . 132
S. 48. Vorübung zur Ziehung im Front- und Kolonnenmarſche 133
S. 49. Vom Kommandiren . . . . . . . . . . . 134
S. 50 . Stellung und Grerziren derUnteroffizieremit dem Gewehr.
Ehrenbezeigungen. . . . . . . . . . . . . 136
S. 51. Stellung und Grerziren der Schüßen mit der Kam :
i merbüchſe, – Ehrenbezeigungen . . . . . . . 139
S. 52. Stellung, Grerziren und Marſchiren des Tambours mit
der Trommel . . . . . . . . . .. . . . . : 162
S. 53. Stellung und Grerziren des Hcrniſten . . . .. . . 167
S. 54. Stellung und Ererziren des Zimmermannedmit der Hace 170
XV
Zweiter Abſchnitt . Geite
eite Ausbildung der Stabs- Chargen . . . . 171
77
S . 55. Stellung und Ererziren des Regimento - Tambours -
S . 56 . Stellung und Ererziren des Bataillons - Tambours . . 172
SO
S. 57. Stellung und Ererziren des Bataillons - Horniſien . . .
32
S. 58. Stellung , Ehrenbezeigungen und Ererziren des Führers
mit der Fahne . . . . . . . . . . . . 173
85 1. Saluti ung vor der Allerhöchilen Herrſchaft . . . 175
Herſtellung . . . . . . . . . . . . . .
11. Salutirung vor dem Kriegsminiſter , den Feldmar
? challert', dem Armées und Korp8 - Rommandanten . -
III. Griffe , welche der Führer auf das Rommando
91 gleichzeitig mit der Truppe vollfuhrt . . . . . 176
93 S . 59, Stellun , und Ererziren des Hautboiſter. . . . . 177
94
95 II. Abtheilung.
101
102 Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in
103 der geöffneten Schlachtordnung . . . . 179
106 Erſtes Hauptſtück.
Ausbildung des Soldate: zum Plánfeln . i . -
117 Erſter Abſchnitt.
118 i Einzelne Ausbildung zum Plänkeln . . .
S. 60. Zweckmäßige Leibesübung . . . . . . . . . . -
S. 61. Entſprechender Gebrauch des Feuergewehres . . . . 187
S. 68, Benüßung verſchiedener Terraingegenſtände zur De:
ckung gegen das Feuer des Feindes . . . . . . 193
S. 63. Hornſignale, und reſpektive Trommelzeichen, welche bei
der Plänklerkette, deren Unterſüßungs- und Reſerve
Abtheilungen die Stelle der Kommando vertreten . . 193
. . Zweiter Abſchnitt.
124 Ausbildung einzelner Rettenglieder . . . . 203
129 S . 64. Allgemeine Beſtimmungen für die Stellung der Retten :
130 glieder . . . . . . . . . . . . . . . . -
132 $. 65. Gegenſeitige Unterſtügung der Plänkler, insbeſondere
133 der zu einem Kettengliede gehörigen Männer . . . 205
134 Dritter Abſchnitt .
136 Auflöſung geſchloſſener Abtheilungen in eine Plänklerkette und
Bewegungen derſelben . . . . . . 209
S. 66. Formirung der Kette von der Stelle aus. - Feuern
derſelben . . . . . . . . . . . . . . . 210
S . 67. Formirung der Stette vorwärts. - Feuern derſelben . 215
162
S . 68. Marſch der Kette vora, rück und ſeitwärts. -
Feuern derſelben . . . . . . . . . . . .
XVI
S. 69. Erweitern and Berengern der Intervalle zwiſchen den
Rettengliedern . . . . . . . . . . . . . 223
S. 70 . Vor- oder Zurücknahme der Flügel der Rette . . . 226
S. 71. Angriff mit dem Bajonete . . . . . . . . : 228
$. 79. Formirung der Klumpen zur Vertheidigung gegen Kas
pallerie . . . . . . . . . . . . . . . 230
$. 73. Nallitung oder Verſammlung der Plänkler in die ges
ſchloſſene Ordnung . . . . . . . . . . . . 233
S . 74 . Räumung der Front . . . . . . . . . . . 234
S . 75 . Ablöſung der Kette . . . . . . . . . . . -
S . 76. Verſtärkung der Rette . . . . . . . . . . . 239
$. 77, Pafſirung eines Defilées im Vor- oder Rüdmarfde . -
Schlußbemerkung . . . . . . . . . . . . .
Zweites Hauptſtüc .
Ausbildung des Soldaten , im Gebrauche des Gewehres
alb Stoßwaffe . . . . . . . . . 247
Erſter Abſchnitt
Unterricht ohne Gewehr . . . . . . 250
$. 78. Ausbildung des einzelnen Soldaten ohne Geweht . . -
Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre i 263
S . 79. Einzelner Unterricht mit dem Gewehre . . . . . -
S. 80. Anleitung zur Vertheidigung gegen mehrereKavalleriſten 280
S. 81. Das Schwingen und Ballſtoßen . . . . . . . . 281
S. 82 . übungen mit der bereits unterrichteten Mannſchaft . 283
III. Abtheilung.
Stellung und Ererziren der Stabs- und Ober-Offiziere
init dem Säbel. . . . . . . 287
$. 83. Stellung und Grerziren der Stabsoffiziere zu Pferde, mit
dem Säbel . . . . . . . . . . . . . -
S . 84. Stellung und Ererziren der Oberoffiziere mit dem Säbel 292
Horn - Signale und Trommelſtreiche
zur Anwendung in der geöffneten Schlachtordnung . 301
A . Aviſo -Signale oder Rufe . . . . . . . . . . . -
B . Kommando- Signale . . . . . . . . . . . . . 30 %
Garniſons- und Feldſtöße . . . . . . . . . . . . 304
Trommelftreiche . . . . . . . . . . . . . . . 309
Volks - Hymne . . . . . . . . . . . . . . 319
I. Abtheilung .
Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in
geſchloſſener Schlachtordnung.

Erftes Haupt ftüd .


Ausbildung des einzelnen Soldaten.
Erfter Abſchnitt.
Unterricht ohne Gewehr.
Bei jeder Ausrüdung hat der Soldat nach der jeweis 1.
ligen Anordnung des Truppen -Kommandanten , jedoch ſtets
vorſchriftsmäßig und reinlich gekleidet zu ſein .
Der erſte Unterricht geſchieht wo möglich einzeln. 2 .
Erfordern es die Umſtände, daß mehrere Soldaten zuſammen
unterrichtet werden , ſo ſind ſie ſtets aufdie Entfernung eines
Schrittes von einander zu ſtellen.
$. 1.
Die Stellung.
Eine gute Stellung iſt die Grundlage zu den Wen - 3.
dungen, Richtungen und zum Marſche. Sie muß gerade,na
türlich und ungezwungen ſein .
Die Abfäße kommen in gleicher Linie , und ſo nahe 4 .
an einander , als es der Körperbau des Monnes erlaubt.
Die Fußſpißen ſind gleichmäßig ſo viel auswärts gewendet ,
309 daß die Entfernung der einen von der andern tas Maß der
319
eigenen Fußlänge beträgt. Die Kniee werden angezogen ,
ohne ſie jedoch ſteif zu halten ; die Hüften ſtehen wagrecht,
Abrichtungs- Regl. f. 8. Inft.
und der Oberleib ruht gleichmäßig auf denſelben ; der Bauch
iſt weder eingezogen , noch vorgeſtredt; die Bruſt und der Ober
leib aber werden aus den Hüften gehoben , und ohne Zwang
etwas vorgebracht, die Schultern natürlich geſenkt und in
gleicher Höhe dergeſtalt zurüdgezogen , daß die Bruſt mit
Freiheit hervortritt. Die Hände liegen ungezwungen , näm
lich weder geſpreizt , noch an den Schenkeln angeflammert,
mit der innern Fläche an denſelben , wobei der Daumen
auf der Hoſennaht zu liegen hat. Der Kopf wird gerade
und frei aufwärts gehalten , das Rinn ohne Steifheit etwas
angezogen , und der Blick vorwärts gerichtet. Die Schwere
des Körpers ruht gleichmäßig auf der Mitte der Fußſohlen .
-5 . Der Soldatmuß anfänglich verhalten werden , in der
vorgeſchriebenen Stellung die Abſäße langſam zu erheben und
wieder langſam zu ſenken , damit er lerne, mehr auf den Bals
Ten der Füße zu ſtehen , und ſich entwöhne, das Gewicht des
Rörpers nach rückwärts auf den Abſaßen ruhen zu laſſen ;was
überhaupt , beſonders aber im Marſchiren ſehr hinderlich iſt.
6. Die Stellung muß ſtets aus einer Entfernung von drei
bis vier Schritten , und zwar immer von unten aufwärts
beurtheilt werden , und ſoll ſich von vorne und rückwärts an
geſehen , nach der Mittellinie des Körpers genau ſenkrecht,
dagegen von der Seite angeſehen etwas vorgeneigt darſtellen .
Um den Mann in die wahre Stellung zu bringen , wirkt an
fänglich die Belehrung faſt gar nicht , das Beiſpiel nurwes
nig ; der Soldat muß mechaniſch in ſeine Stellung hineinges
bogen , d . h . durch das Gefühl auf ſeine Fehler aufmerkſam
gemacht, und zur Verbeſſerung derſelben angehalten wers
den ;wobei jedoch ein - fürallemal erinnert wird, daß diehiers
zu erforderlichen Hilfen nicht auf eine ungeſtüme, rohe Weiſe,
ſondern mit Ruhe und Gelaſſenheit anzuwenden ſind.
7. Da das längere Verweilen in der vorgeſchriebenen
Stellung anfangs ermüdet, ſo muß zeitweiſe : » Ruht!« aviſtet
er ? werden ; worauf es dem Soldaten erlaubt iſt, ſich zu bewe
ng
gen , ohne jedoch den linten Abſaß von der Stelle zu rüfen .
in
Soll wieder in die vorgeſchriebene Stellung überge- 8 .
mit
gangen werden , ſo wird : » Habt Acht!« aviſërt; worauf der
cm
Soldat die gehörige Stellung annimmt, und ſo lange unbe
weglich in derſelben verbleibt, bis ein anderes Kommando
ert,
erfolgt.
nen Das Aviſo : » Habt Acht !“ dient außer dem vorers 9.
аде
wähnten Falle auch im Allgemeinen dazu , die Aufmerkſam
pas
keit des Soldaten vor Anordnung einer Bewegung oder eines
vere
Griffes zu ſteigern , und kann daher in dieſer Abſicht , nach
en . Ermeſſen des Kommandanten , jedem andern Aviſo oder
der Kommando vorgefeßtwerden .
und Hat der Rekrut die Stellung durch längere Zeit 10 .
Bal beizubehalten erlernt, ſo ſind ihm der Begriff, die Unterſcheis
des dung und Betonung des Kommando im Allgemeinen zu erklä
was ren ; worauf zum Unterrichte in den Wendungen des Ropfes
- iſt. geſchritten wird .
drei S. 2 .
ärts Wendungen des Ropfes.
ans Auf das Kommando: » Rechts (links) — schaut!* 11.
echt, wendet der Soldat ohne die Schultern zu verdrehen , den Kopf
len . raſch nach ber anbefohlenen Seite , jedoch nur ſo viel, daß
an : beim Wenden des Kopfes rechts das linke, und bei je
nem links das rechte Auge in der Mittellinie des Körpers
ige zu ſtehen kommt.
Tam Zur Herſtellung wird: „Habt – Achtl« fomman- 12.
pers birt ;woraufderSoldat den Kopfwieder raſch in die vorgeſchries
giers beneStellung gerade wendet, und den Blid vorwärts richtet.
eiſe, Der Ropf darf nie mehr als ' hier vorgeſchrieben ges 13.
wendet werden ; indem durch ein ſtärkeres Verdrehen desſels
-enen ben die Schultern aus ihrer Lage kommen , was beſonders
viſirt bei der Richtung ſehr nachtheilig ift.
$. 3 .
Wendungen des Körpers.
14 . Die Wendung des Körpers iſt entweder eine ganze,
eine halbe oder eine doppelte Wendung, und zwar
eine ganze Wendung : wenn ſich der Mann ſo weit rechts
oder links wendet, bis er mit dem Geſichte dahin gerichtet iſt,
wo vor dieſer Bewegung eine feiner Schultern war; eine
halbe Wendung : wenn derMann nur die Hälfte von der
eben erklärten Bewegung (unter einem Winkel von 45 Grad)
vollführt ; eine doppelte Wendung : wenn der Mann
zwei ganze Wendungen durch Eine Bewegung vollführt,
fonach mit dem Geſichte dahin gerichtet iſt , wo in der urs
ſprünglichen Stellung ſein Rüden war.
15 . . Alle Wendungen des Körpers auf der Stelle werden
ſtets auf dem linken Abſaße , mit geringer Cihebung des
linken Fußballens und des rechten Abſaßes vollführt.
16 . Während der Wendung ruht die Schwere des Körpers
auf dem linken Abſaße, welcher nicht von der Stelle ge.
rückt werden darf, und es wird zur Erleichterung mit dem
Ballen des rechten Fußes ein dem Maße der jeweiligen Wen
dung entſprechender Dind auf den Boden gegeben , und die
ſer in ſo lange fortgeſeßt , bis ungefähr die Hälfte der Wens
dung vcllführt iſt. Nach vollbrachter Wendungwird der rechte
Fuß in die vorgeſchriebene Lage neben dem linken niederges
feßt, und die Schwere des Körpers ruht wieder auf beiden
Füßen . . .. .
17. Die ganze Wendung erfolgt auf das Kommando : » Rechts
(links) – um !« nach der bezeichneten Seite.
18. Zur Ausführung der halben Wendung wird : » Halb
- rechts ! (links!) « fommardirt.
19. Der übergang in die früher innegehabte Auffels
lung, nach vollführter ganzer oder halber Wendung , findet
auf das Kommando : » Front !« gleichfalls mittelſt Aus
führung einer ganzen oder halben Wendung nach der ents
ſprechenden Seite ſtatt.
" .

Die doppelte Wendung erfolgt auf das Rommando : 30.


Kehrt — euch ! «
Auf das : » Kehrt!« bringtderSoldat die rechte Hand 21.
raſch und nahe am Leibe naci rüdwärts , ergreift den Pa
trontaſchendedel am unteren Rande in der Mitte dergeſtalt,
daß der Daumen an der inneren Fläche desſelben , die übrigen
Finger aber geſchloſſen auswärts zu liegen kommen ; zu
gleich wird die Patrontaſche abwärts gezogen , und an das
Rüdgrat gedrückt , wobei der rechte Ellenbogen nicht vom
Leibe abſtehen darf. Auf daß nachfolgende: »Euch !« wird
jederzeit eine doppelte links um - Wendung in einen Tem
po vollzogen,nach deren Vollendung die rechte Hand, die Pa
trontaſche verlaſſend , wieder die vorgeſchriebene Lage ha
ben muß.
Damit der Soldat ſerne, ſeinen Körper bei Voll- 22 .
führung derWendungen im Gleichgewichte zu erhalten ,müſſent
dieſe anfänglich langſam , und erſt bei zunehmender Fertig
keit raſch vollführtwerden .
Nach jeder Wendung iſt darauf zu ſehen , ob ſolche 23.
gänzlich vollzogen worden , und der linke Abſat nicht von
der Stelle gewichen ſei; ferner kommt auch die Stellung des
Soldaten zu prüfen , und nöthigenfalls zu berichtigen .

S. 4.

Vom Marí chiren .


Der Mario 3.0 rw årts und rüdw arts. .
Die Abſicht beim Marſchiren iſt, in der kürzeſten Zeit, 24 .
jedoch mit thunlichſter Schonung der Kräfte des Soldaten ,
möglichſt viel Terrain zu gewinnen ; da derMarſch nur dann
jeine Pollommenheit erhält, wenn dieſer Zwed erreich von
Ein Hausterforderniß hierzu iſt eine freie, völlig ungezwun
gene Haltung des Körpers, wie ſie bei der Stellung vorge
chrieben worden .
25. Die Länge des Schrittes iſt dergeſtalt zu bemeſſen , daß im
Durchſchnitte fünf Schritte zwei Wiener Klafter betragen .
26. Die Schnelligkeitoder der Takt des Marſches iſt derart
feſtgelegt, daß 105 bis 108 Schritte in einer Minute hins
terlegt werden . - i
27. Auf das Aviſo : »Mit der Front marschiren !« wird die
Sdwere des Körpers auf den rechten Fuß übertragen , da der
Marſch immer mit dem linken Fuße angetres
ten werden muß. Auf das unmittelbar darauf folgende
Kommando: »Marsch - Eins !« hebt der Soldat den lins
ken Fußmit angezogenem Kniee, und feßt ihn ſoweit vot, daß
er beim Niederſeßen desſelben die vorgeſchriebene Schritt
länge erreicht habe. Gleichzeitig hebt er den rechten Fuß
dergeſtalt , daß das Knie gebogen ſei, und die Fußſpiße den
Boden nur leicht berühre. Şierbei iſt ganz vorzüglich dahin
zu wirken, daß der Soldat den linken Fuß gleichmäßig, und
ohne denſelben zurückzuziehen , ſo auf den Boden ſeße, daß
hierdurch kein Schwanken des Oberkörpers, und beſonders
der Hüften entſtehe. Nach einer Pauſe, welche nach der Ges
ſchidlichkeit des Soldaten zu bemeſſen iſt, ſich aber im höchſten
Falle – um die Erhaltung des Gleichgewichts nicht zu
ſchwierig zu machen – nicht über ein paar Sekunden zu ers
ſtređen hat , wird : »Zwei!« kommandirt ; wonach auf
obige Art der rechte Fußvorgeſeßt und der linke erhoben ,und
dieß ſofort abwechſelnd auf: » Eins ! Zwei!« ſtattzufins
den hat. Nach und nach, und bei zunehmender Geſchicklichkeit
des Soldaten , werden die Pauſen des Zählens verkürzt,
endlich in den vorgeſchriebenen Marſchtalt übergegangen .
Dieſe Übung hat in den erſten Wochen häufig wiederholt,
namentlich auch bei ſchon ausgebildeten und nur aus der 28.
übung gekommenen Soldaten zeitweiſe erneuert zu werden . ;
Zum Einſtellen des Marſches wird : » Halt ! « komman - 29..
dirt,worauf der Solbatden rückwärts beñndlichen Fuß auf die
volle Länge des Schrittes vorwärts niederſeßt, den andern in
die vorgeſchriebene Stellung beizieht, und ruhig ſtehen bleibt:.
Der Übergang vom Mariche zur: Halt, und zum Wie- 30 .
deraustritte auf das Rommando: »Marsch !« muß fleißig
geübt werden , damit der Soldat ſich gewöhne, augenblidlig
ſtehen zu bleiber , und eben ſo raſch auszutreten ; wobei bes ;
ſonders darauf zu ſehen iſt , daß auf das : „ Halt !« der
Oberleib nicht zurüdgenommen werde.
Hat der Soldat einige Fertigkeit im Marſchiren erlangt,31.
ſo ſtellt man ſich auf ungefährzwanzig Schritte vor denſelben,
und läßt ihn auf ſich zu gehen , damit er lerne, in vollkom
men gerader Richtung zu marſchiren . Bei bereits erlangter
en hinlänglicher Fertigkeit im Marſchiren endlicy, muß der Sol
dat an das Einhalten des vorgeſchriebenen , gleichmäßigen Lats
tes gewöhnt werden .
Dieß wird ihm durch den Marſch nach dem Trommels 3a.
ſchlage, oder wo folches nicht thunlich iſt, durch das unter
Beobachtung des gehörigen Zeitmaßes erfolgende Zurufen :
„ Eins — Zwei! Eins - Zwei! « u . ſ. w . gelehrt.
31 Erfolgtwährend des Marſches das Kommando : » Ver - 33
ers kürzt den – Schritt !« ſo vollführt der Soldat -- mit
auf Beibehalt des Laktes - den Schritt nur in ſeiner halben
ind Länge , und nimmt erſt auf das nachfolgende Kommando :
ins » Im vollen – Schritt!« die vorgeſchriebene Schrittlänge
Eeit wieder an.
rzt, Damit der Soldat, wenn er den Schritt verloren hat,34.
gen . ihn ſogleich wieder zu gewinnen wiſſe , wird feſtgeſeßt, daß
der Schritt ftets ſo abgenommen werden müſſe , daß beim
Anfange des durch den Lambour bezeichneten Marches jes
derzeit der linke Fuß auf den Boden gefeßt werde.
35. Zu der mithin nach Umſtänden nöthig werdenden Abs
nahme des gleichen Trittes dient dem Soldaten das Schritt
wechſeln ; wobei er den rüdwärts befindlichen Fuß mit dop
pelter Schnelligkeit bis zu dem Abſaße des vorwärts ſtehenden
vorzieht, und ſoðann mit dieſem neuerlich ausſchreitet.
36. Dieſes Schrittwechſeln iſt anfänglich auf das Kommando :
„ Wechselt . Sehritt! " dann aber auch ohne Komman
do , blos auf ein einfaches Aviſo zu üben.
37. Der Marſch rückwärts (eigentlich rüdlings ) findet
nur auf kurze Strecken ſtatt , und erfolgt auf das
Kommando : Rückwärts - Marsch !« ; wobei gleichfalls
mit dem linken Fuße, jedoch rüdwärts,ausgetreten , der Schritt
nur halb ſo groß als vorwärts gemacht und mit der Spike
des zurückſchreitenden Fußes der Eoden leicht geſtreift wird .
38. Auf das: » Halt!« wird der zum Rüdwärtsſchreiten
aufgehobene, vorwärts befindliche Fuß , ohne den Schritt zu
vollendent , dem andern beigeſeßt.
39. Hat der Rekrut endlich hinlängliche Fertigkeit in Voll
führung der Wendungen und im Marſchiren c.langt , ſo
find die ganzen Wendungen recht8 = nmn und links sum
auch während des Marſches zu üben , und ohne Unter
brechung des Marſches , jedoch ſtets auf dem Ballen des vor
'wärts befindlichen Fußes auszuführen ; daher das : » um !«
in dein Augenblicke zu kommandiren iſt, wo der Soldat
den einen oder den anderen Fuß niederſeßt.
S. 5.
Die Ziehung oder der Márich in einer ſchrägen
Direktion.
40. Die Ziehung findet ſtets unter einem Winkel von
45 Graben ſtatt , und kann ſowohl von der Stelle, wie auch
während des Marſches angetreten werden .
9

. Zur Ziehung von der Stelle wird aviſirt: » Ziehung 41.


rechts ! (links !) « und ſodann kommandirt: „ Halb –
rechts ! ( links !) * ; worauf der Soldat die halbe Wens
dung nach der anbefohlenen Seite vollführt, die Schwere
des Körpers auf den rechten Fuß überträgt,' und auf das
sen nachfolgende: »Marsch !« die Bewegung in der durch die
Rörperwendung erlangten neuen Direktion nach der im vor
10 : hergehenden S. gegebenen Regel antritt.
in Die Ziehungwährend des Marſches erfolgt nach voraus- 42,
gegangenem Aviſo : » Ziehung rechts ! (links!) « aufdas Roms
Det mando : » Halb – rechts ! (links !) ; worauf der Sol
g dat die halbe Wendung nach der bezeichneten Seite volls
INS führt , und in der dadurch erlangten neuen Direktion unaufs
ritt gehalten fortmarſchirt.
Jiße Erfolgtwährend der Ziehung das Kommando : »Halt !“ ;43.
ſo bleibt der Soldatunbeweglich ſtehen , und erwartet das Rom
iten mando : »Marsch !“ zur Fortſeßung, oder das Komman
do : » Front !« zum Einſtellen der Ziehung.
Das Einſtellen der Ziehung während des Marſches fin - 44.
oll det auf das Kommando : » Grad - - aus !“ ſtatt , worauf
fo derSoldat die entſprechende halbe Rörperwendung in die frü
um her innegehabte Lage vollführt, und ſeinen Marſch unaufges
ter Halten in gerader Richtung fortſeßt.
Bors In Betreff des Kommandirens beim Antritte und beim 45.
Einſtellen der Ziehung während des Marſches iſt ſich analog
oldat nach Nr. 39 zu benehmen .
S. 6 .

gen
Ehrenbezeigungen.
Befindet ſich der Soldat ohne Gewehr und außer Reih: 46.
von
und Glied , ſo hat er — wie immer adjuſtirt – die jedem
audi
Höheren ſchuldige Ehrenbezeigung ſtets auf dieſelbe Art zu
leiſten .
10
47. Um einen vor ihm ſtehenden Vorgejeften zu ſalutiren ,
erhebt der Soldat, ohne den Kopf zu ſenken oder hinauf zu
ichnellen , den linken Arm ungezwungen und ohne Wegſtreken
des Ellenbogens , hält die Hand, mit der innern Fläche:
gegen das Geſicht gewendet, dergeſtalt ſeitwärts vom linken
Auge, daß die geſchloſſenen Fingerſpißen den Sonnenſchirm
der Kopfbedeckung, bei der Lagermüße aber den unteren Rand
derſelben berühren , und verbleibt in dieſer Stellung ſo lange
man ungefähr im Marſchtakte : Eins ! Zweil Drei ! zählen
fann ; worauf er ſich herſtellt , nämlich die linke Hand raſch
wieder an die Seite herabbringt.
48. Geht ein Vorgeſekter an dem Soldaten vorüber, ſowens
det Leßterer den Kopf gegen jene Seite, von welcher der Hös
bere kommt, vollbringt auf drei Schritte Entfernung dievors
geſchriebene Salutirung, und begleitet ihn durch langſames
Wenden des Kopfes – ohne dabei die Schultern zu ver
rüden — während des Vorübergehens bis auf die Entfer
nung von drei Scritten ; worauf er fich wieder herſtellt.
49. Beim Vorübergehen an einem Vorgeſepten oder an
einer Schildwache wendet der Soldat bei Annäherung auf
drei Schritte gegen dieſelben den Ropf, vollbringt die Salus
tirung, und herſtellt ſich wieder, wenn er drei Schritte über
dieſelben hinausgelangt iſt.
50. Iſt der Vorgeſeßte ſelbſt im Geher begriffen , ſo erfolgt die
Salutirung auf dieſelbe Weiſe während des Vorübergehens.
51. Bei Begegnung der Allerhöchſten Herrſchaft und des
Hochwürdigen macht der Soldat jedoch jederzeit vorher auf
drei Schritte Entfernung Front gegen dieſelben , wendet den
Ropf dahin, und vollbringt dann im erſteren Falle die vors
geſchriebene Salutirung , im leßteren Falle aber kniet er .
hierauf nach Nr. 91 – 94 zum Gebete nieder , wobei er die
rechte Hand am Schenkel herablaßt.
52. Trågt der Soldat jedoch etwas in einer Hand, ſo macht
er niemals Front, und kniet auch bei Begegnung des Hoch
würdigen nicht zum Gebete nieder; fondern ſalutirt im Vors
übergehen nach Nr. 49 , jedoch ſtets mit der freien Hand.
Trägt der Soldat in beiden Händen etwas , ſo hat er53.
den Vorgeſeßten im Vorübergehen bloß mit militäriſchem
Anſtande anzuſehen .
Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre.
Sobald derSoldat in der Stellung, in den Wendungen 54.
und im Marſchiren hinlängliche Fertigkeit erreicht hat , wird,
Na zum Unterrichte mit dem Gewehre geſchritten.
$. 7.
re
Stellung mit dem Gewehre.
er :
Wenn der Soldat außrüdt, trägt er ſtets das Gewehr65.
era
- ohne darauf gepflanztem Bajonete – in ſehräger lage
auf der linken Schulter , den Kolben mit der linken Hand
umfaßt , auf nachſtehende Weiſe :
Von der linken Hand liegt das erſte Glied des Daumens56 .
Us
auf der Kolbenblattſchraube , der Zeigefinger folgt der Ab
rundung des Rolbens , und die anderen Finger -- an den
Zeigefinger geſchloſſen – ſind gleich dieſem mit den beiden
erſten Gliedern an die innere Fläche des Kolbens gedrüdt.
Der linke Ellenbogen behält die natürliche Lage, der Vorarm
iſt beiläufig wagerecht, der Umbug der Dedelfeber in gleicher
Şöhe mit dem Schlüſſelbeine. Das Gewehr liegtmöglichſt
Tup im Gleichgewichte auf der Schulter , und darf — von vorne
en
angeſehen – weder rechts noch links von der geraden Richa
ors tung abweichen.
er Dieſe Art das Gewehr zu tragen heißt die Stellung
mit geidultertem Gewehre.
Bei Ausführung der Körperwendungen und beim Mar-57.
oft
12

(chiren muß das Gewehr ſtets in der vorgeſchriebenen Lage


erhalten werden .
58. Wihrend des Marſches iſt es dem Soldaten in allen
Gelegenheiten geſtattet, den rechten Arın naturgemäß zu bes
wegen ; was jedoch keineswegs in ein übermäßiges Schleudern ,
noch weniger in eine gezwungene, nach beſtiminten Vorſchriften
bemeſſene Bewegung ausarten darf.
59. Wird : »Ruht!« avifirt , ſo benimmt ſich der Soldat
nach Nr. 7 . Auf das Aviſo : » Habt Acht !« hat er wieder die
vorgeſchriebene Körperſtellung zu nehmen , und das Gewehr
auf diefelbe Art zu tragen , wie vor dem : »Ruht !«
S. 8.
Gewehrgriffe.
60. Jeder Gewehrgriff beſteht aus einem oder aus mehre
ren Tempo , von denen jedes auf ein beſonderes Kommando
ausgeführt wird .
61. Zur beſſeren Erläuterung fint die einzelnen Griffe, aus
denen jedes Tempo beſteht, in dernachfolgenden Beſchreibung
mit Nummern bezeichnet , und müſſen beim erſten linters
richte dem Soldaten in dieſer Reihenfolgeerflärt und sorgezeigt,
dann von demſeiben auf das Vorzählen aus geführt wers
den . Dieſes Vorzählen hat anfänglich langſam , dann im
mer ſchneller ftattzufinden , bis jedes Tempo gleichſam in
einem Griffe ausgeführt wird ; worcufdas Vorzählen ganz
aufhört, und die Ausführung eines jeden Lempo ſtets un
mittelbar auf das Kommando erfolgt. Das Einüben der
Gewehrgriffe mit Vorzählen darf jedoch nur bei der Ausbil
dung des einzelnen Mannes, von jener im Gliede angefar
gen aber in feiner größeren Abtheilung , ſtattfinden . .
62. Die Gewehrgriffe müſſen ſtets ſchnell und kurz , nahe
am Leibe , und ohne die vorgeſchriebene gute Haltung des
Rörpers zu verlieren ,ausgeführt werden . Nach jedem Tempo
: 13
ige muß der Mann vollkommen ruhig ſtehen , und es müſſen
dann die Fehler ſorgfältig abgeſtellt werden .
Tent
• Iſt ein einzelner Griff oder ein Tempo fehlerhaft aus
be geführt worden , ſo iſt: »Herstellt !« zu avifiren ; worauf der
ern, Soldat wieder die früher innegehabte Stellung nimmt.
ften
Kommando
Worte. Belehru n g.
[dat
die
ehr I. In Aiin uud Schultern .
In - 1 . Die linke Hand bringt den Kolbeu | 63.
Arm ! « an den Schenkel berab, die rechte erfaßt den
Rolbenhals. 2 . Die linke Hand verläßt den
Rolben , der linke Vorarm wird über den
bres rechten gelegt. Von der linken Hand liegen
indo das ciſte Olied des Daumens auf der innern
Naht des Ärmels, die vier andern Finger,
aus geſchloſſen , abwärts am rechten Vorarme,
ung und das Gewehr ruhtmittelſt des Hammers
ters auſ dem linken Vorarme.
igt, » Schul 1. Die rechte Hand läßt das Gewehr) 64.
ver tert ! «
auf die Adſel ſinken , die linke ergreift den
im Koiven , und 2 . bringt das Gewehr in die
in vorgeſchriebene Lage , während die rechte
ganz lichnell an die Seite zurüdkehrt.
uns In jenuit Fällen , wo dem Maune, bei 65.
Der längerem Verweilen in der Otellung mit
bil dein Gewehre in Arm , einige Erholung
far : geſtattet wird, fann derſelbe die rechte Hand
vom Kolbenhalſe weg , und den Arm bequem
nabe an die rechte Seitebringen . Vor Ausführung
des eines Gewehrgriffes hat jedoch die rechte
inpo Hand wieder ben Kolbenhals zu erfaſſen .
Kommando
Worte. Belehrung.

66 Iſt mit dem Gewehre in Arm die


doppelte Wendung zu vollziehen , ſo ergreift
|die rechte Hand nach Nr. 21 die Patrontaſche,
und wird nach vollführter Wendung wieder
in ihre frühere Lage gebracht.
II. Jn die Balance, beim Fuß und Schultern .
» In die 1. Die linke Hand bringt den Kolben |
Balancel an den Schenkel berab , und wendet das
Gewehr gleichzeitig ſo, daß die Abrundurg !
des Kolbens vor die Mitte des linken Schen
fels zu ſtehen komme, und der Lauf rechts
ſeitwärts gerichtet ſei. 2 . Der rechte Arm
wird nahe vor dem Leibe aufwärts gebracht; }
die rechte Hand umfaßt das Gewehr in glei
cher Höhe mit der linken Achſel , und bringt
folches ,während die linke an die Seite zurüd
kehrt , den lauf nach růdwärts wendend, bei
natürlich gebogenem Armeſchnell an die rechte
Seite herab, läßt es durch die Hand gleiten ,
umfaßt es ober dem unteren Laufringe im
Gleichgewichte , und drüdt gleichzeitig die
Mündung ungefähr auf eine Spanne vor
die rechte Achſel.
Mit dem Gewehre in der Balance wers
den nur die halben und ganzen Körperwens
dungen vollführt.
Beim Fuß wird das Gewehr nur von
» in der Balance« genommen. mnien .
Kommando
Worte. Belehr un g.

» Beim – Die rechte Hand drüdt den Kolben etwas 68.


Fuss ! "
vorwärts, und ſtellt das Sewehr ſachte derges
italt auf den Boden , daß die Spiße des
Kolbens in gleicher Höhe mit der Fußſpiße
fich befindet, und der Lauf an der Achſel
anliege. Die rechte Hand hält das Gewehr
mit natürlich gebogenein Arme ſo erfaßt ,
daß der Daumen rüdwärts am Laufe, die
andern Finger am Schafte liegen .
Das Gewehrwird jederzeit beim Fuß 69.
genommen , wenn man dem Soldaten , bei
längerem Verweilen auf der Stelle , eine
vollſtändige Erholung gönnen will.
Um das Gewehr von beim Fuß, in
DieBalance zu nehmen ,wird auf das Kom
mando : „ In die — Balance !« das Ges
wehr wieder im Gleichgewichte voll umfaßt,
und dieMündung auf ungefähr eine Spanne
vor die Achſel gedrüdt.
„ Schul — 1. Das Gewehr wird mit der rechten 70.
tert ! . .. Hand aufwärts geſchnellt ( geſchupft) , unters
(von „ in die
Balance« und halb des untern Laufringes wieder umfaßt,
„ beim Fuß « )
ichnell und nahe am Leibe — mit dem Laufe
vorwärts gewendet — vor den linken Schenfel
gebracht, und mit der linken Hand der Kol
ben ergriffen , 2 . welche nun das Gewehr ,
mittelft Vordrüđen und Aufwärtsſchieben des
Kolbens, in die vorgeſchriebene Lage auf die
Xchſel bringt, während die rechte Hand
ſchnell an die Seite zurüdfehrt.
16

Kommando
Worte. Beleh t u n g .

III. Verdeckttragen des Bewehres and


Schultern .
71. » Ver - 1. Gewehr und Hände werden in die
deckt!« beidem erſten Griffe von » In Arm « erklärte
Lage gebracht. 2 . Die rechte Hand läßt
das Gewehr vorwärts ſinken , die linke
fängt es ſchnell am untern Laufringe, und
umfaßt es mit voller Fauſt, 3. drückt es
dann mit der Mündung abwärts und mit
dem Rolbenhalſe unter die Achſel, während
die rechte ſchnell an die Seite zurücfehrt.
DieMündung ſteht ungefähr auf einen Fuß,
bei gepflanztem Bajonet die Bajonetſpißeauf
ungefähr6 Zolle,vom Boden ab. Das Schloß
liegt hinter dem Elenbogen , und das Ge
wehr wird mit dem linken Oberarme an
den Leib gedrüdt.
72. » Schul — 1. Die linke Hand erhebt das Gewehr
tert ! «
in die ſenkrechte Lage, die rechte erfaßt den
Kolbenhals ; 2 . worauf das Gewehr auf die
bei: Sdultert von : In Arm erklärte
Weiſe in die vorgeſchriebene lage auf die
Schulter gebracht wird.

IV . Piftiiang des Gewehres und Schultern .


73 . »Zur Visiii- 1. Wie der erſte Griff von : In Arm .
rung des — 12. Die rechte Hand ziehtdas Gewehr, ſo weit
Gewehrs!
der Arm reicht , herab , zugleich erfaßt die
- 17

Kommando
Worte. Bele hr un 8 .

linke ſolches ober dem unteren Laufringe ;


3 . bringtes - bei gleichzeitigem Wenden deos
ſelben mit dem Labftode gegen den Leib -
vollends an die linke Seite herab, und ſtellt
es ſachte auf den Boden , während die rechte
Hand ſchnell das Rohr bei der Mündung er
greift. Die Kolbenfläche liegt am linken Vors
fuße an , die Abrundung des Kulbens iſt in
gleicher Höhe mit der Fußſpiße, und der
inittlere Laufring befindet ſich in der Mittels
linie des Körpers.
Der linke Arm iſt natürlich gebogen ,
die Hand hält das Gewehrleicht umfaßt, und
brüdtes mäßig an den Leib . Von der rechs
ten Hand iſt der Daumen rechts neben dem
Labſtode längs des Laufes aufwärts geſtredt,
die Spike in gleicher Höhemit der Mündung.
Kleinere Leute müſſen den Kolben To
weit ſeitwärts ſchieben , bis die Mündung)
in gleiche Richtung mit dem Rinne kommt.
»Ladstock in 1. Der Ladſtock wird mit dem Daumen |
- Lauf!« lund gekrümmten Zeigefinger unterhalb des
Anſaßes ergriffen und ſo weit aus der Nuth
gezogen , bis der Arm geſtredt iſt; 2. wor:
auf die Hand (duell am labſtode berab:
gleitet , denſelben mit voller Fauſt knapp
oberhalb der Mündung umfaßt , vollende
herauszieht und ſo weit in den Lauf bringt,
bie der kleine Finger die Mündung berührt.
3. Nun wird der Ladſtod durch die leicht ges
Abrichtungs -Regl. f. 6. Inft.
Kommando Belehrun g .
Worte.

öffnete Fauſt langſam in das Rohrgleiten ges


laſſen , und hierauf bie Mündung analog
nad Nr. 73 umfaßt.
Der Vifitirende ſieht nun nad , ob die
Gewehre nach Vorſchrift ungeladen , oder in
Folge früheren Befehls bereits geladen ſind.
75. Versorgt 1. Der Labſtod wird mit Daumen und
stock ! - Zeigefinger ergriffent, ſeiner ganzen länge
nad aus dem Laufe geſchnellt, mit geſtred's
Stem Arme und voller Hand etwas unter ſeis
ner Mitte erfaßt , und ein Blick auf den
Trichter gerichtet; 2 . ber Ladſtod in dens
ſelben geſtedt und in die Nuth hinabgedrückt,
bis der kleine Finger die Mündung berührt.
3 . Hierauf wird der Ladſtod mit geſtredtem
Arme neuerdings erfaßt, ſo weit in die Nvth
gebracht, bis die Hand an die Mündung
fömint, dans vollends verſorgt,und die Müns
dung auf die bekannte Art umfaßt. '
Wird dem Soldaten das Gewehr zur
äußeren Viſitirung abgenommen , ſo läßt
er es fdneſl mit beiden Händen los und
bringt diefe an die Seite. Wird es ihm nach
der Viſttirung wieder zurüdgegeben , ſo ers
faßt er ſolches mit der linken Hand oberhalb
des unteren Laufringes , und bringt ichnell
das Gewehrund die Hände in die frühere lage.
77. l» Schuł - 1 1. Das Gewehr wird mit der linken
tert ! «
Hand – ſoldes gleichzeitig mit dem Laufe
nach vorwärts wendend - in die ſentrechte
Kommando
Worte. Belehrung.

lageſo hoch erhoben ,daßdie rechte, beigeftredes


tenn Arme, den Kolbenhals umfaſſen könne,
2.woraufdieſe dasGewehrſo viel als nöthig
Hebtundauf die Achſelfinlen läßt,die linteaber
gleichzeitig den Kolben ergreift, und das Ges
wehr in die vorgeſchriebene Lage bringt, wähn
frend die rechte järell an die Seite zurüdfehrt.
Die Vifitirung des Gewehres findet in 78.
der Regel vor jeder Ausrüdung und nach
jedein Einrüđen ſtatt.
. Beim Ausrüden zum gewöhnlichen 79.
| Grerciren nimmt der Soldat nach erfolgter
|Viſitirung des Gewehres, auf den Zuruf des
Kommandanten : „ Pfropf in Lauf!« den
Erercirpfropf aus der Patrontarde, und ſtellt
ihn in den lauf, worauf Sann : „ Schul
tert!« kommandirtwird. a
1 Beim Einrüden wird die Mannſqaft ,| 80.
unmittelbar nach erfolgter Viſitirung , und
nach Umſtänden veranlaßter Entladung der
Gewelre, zum Abtreten beordert ; worauf
und der Soldat regleich den Hammer auf den
Zahn herabzulaſſen , und dann erſt abzutres
ten hat. ::
alb Wird jedoch nur som gewöhnlichen 81. .
Ercrciren eingerüdt, fo kann nach Umſtänden
die Bifttirungdes Gewehres unterbleiben , und
ge.
Ten • es hat der Soldat nach erfolgtem Abtreten
ufel . . . 'i den Grercirpfropf aus dem Laufe zu bringen ,
und wieder in der Patronttaſche zu verwahren.
3 *
' 80

kommando
Worte . Belehru n g.

V . Pflanzen und Perſorgen des Bajonetes.


1 . Das Gewehr wird in dieſelbe Lage
- Bajo gebracht, wie zur Viſitirung des Ges
net !« ..
wehres. 2 . Das Gewehr wird in den
Bug des rechten Armes fallen gelaſſen ;
die rechte Hand ergreift die Bajonetdülle,
wobei das Gewehrmäßig an den Leib gedrüdt
wird ; 3 . zieht das Bajonet aus der Scheide,
und wendetes mit derSpiße aufwärts , wåts
rend die linke das Gewehr wieder ergreift,
und in die frühere lage bringt; worauf 4, die
rechte Hand das Bajonet dergeſtalt auf den
Laufſteckt, daß der Hödſte Theil des Bajonets
wulſtes gerade über dem Anſaße und der
Bajonetfeder ſtehe, dann die Dülle ſo lange
abwärts drüdt, bis die Bajonetfeder ein
lichnappt. 5 . Das Gewehr wird ohne Koms
mando , wie nach der Viſitirung des
cwehrs geſchultert.
83. » Versorgt 1 1 . Das Gewehr wird in dieſelbe Lage
das — Ba - lgebracht wie zum Pflanzen . 2. Die rechte
jonet !«
Hans drückt mit dem Mittel- und Zeiges
finger die Bajonetfeder einwärts , gibt mit|
|dem Daumen den nöthigen Gegendrud, und
bebt das Bajonet vom Laufe. 3. Das Ges
wehr wird in den Bug des rechten Armes
fallen gelaſſen , die Bajonettaſche mit der
linken Band Hervorgezogen, und das Bajos
Kommando
Worte. Be ! e brun g.

net in die Scheibe verſorgt. 4 . Das Ges .


wehr und die Hände kommen in die im er
Iſten Griffe bezeichnete Lage ; worauf 5 . wie
nach dem Pflanzen ohne Kommando geſchul
tert wird .
Das Pflanzen und Verſorgen des Bas 84 .
jonetes während des Marſches erfolgt auf
ähnliche Weiſe, nur wird hierzu das Gewehr
etwas über den Boden erhoben getragen , und|
der Kolben ein wenig nach rückwärts gedrückt.

VI. Fällen des Bajonetes und Schultern.


Bei dem Unterrichte iſt es nicht nöthig,
hierzu jedesmaldas Bajonet pflanzen zu laſſen .
» Fällt das 1. Das Gewehr wird in die beim er 85 .
Bajonet!
* liten Griffe von »in die Balance « erklärte
lage gebracht und mit der rechten Hand
der Kolbenhals voll umfaßt. 2 . Die rechte
Kand reißt das Gewehr nahe am Leibe an
die rechte Seite ; die linke fängt dasſels
be am unteren Laufringe , und umfaßt es
fräftig mit voller Fauft. Der linke Vorarm
liegt beinahe wagrecht am Leibe geſchloſſen ;
der rechte Arm wird ſo weit abwärts und
zurüdgezogen , daß der Mittelſchaft nebſt!
dem Griffbügel unterhalb des Hüftgelenkes
zu liegen kommt; wodurch die Bajonetſpiße
ichräge aufwärts gerichtet ſein wird. Der
Lauf iſt rechts ſeitwärts , das Schloß abs
wärts gewendet.
Kommando
Worts

86 . » Schul -- 1. Das Gewehr wird mit beiden Håns


tort !«
Iden gleichzeitig den lauf nach vorne
wendend in die ſenkrechte Lage vor den
linten Schenkel erhoben ; % , worauf es die
rechte Hand auf bie Adſel finfen läßt, die
linke aber gleichzeitig den Solben ergreift,
und das Gewehr in die vorgeſchriebene las
De bringt, während die rechte ſchnell an die
Seite zurüdfehrt.
Während des Marſches erfolgt das Fala
len des Bajonetes ſtets aus der Balance ;
wozu der Solbat auf bas betreffende Kom
mando das Gewehr - den Lauf gleichzei
tig rechts wendend - ſchnell etwas in die
Hihe ſchnellt , mit der linken Sand am
unteren Laufringe, mit der rechten am Kols
benbalſe voll umfaßt, und in die vorges
ſchriebene Lage bringt; auf das: „ Halt !«
OREC

oder den während des Marſches erfolgenden


Zuruf: Allarm !“, aber augenblidlich
ſtehen bleibt, und ohne ein weiteres Kom
mando abzuwarten , ſchultert.
VII. Präſentiren und Schaltern.
88. »Praesen - 1. Wie der erſte Griff von Fållt
das Bajonet!“ Das Gewehr wird in die
beim erſten (Hriffe vor in die Balance« ers
klärte Lage gebracht, und mit der rechten
Hand der Rolbenhals umfaßt. Dieſer Griff
iſt ſcarf markirt auszuführen ; worauf 2.
Kommando
Worte.

die rechte Hand das Gewehr nahe am


Leibe in gerader Richtung abwärts zieht,
und zugleich dergeſtalt, daß der Gewehr
riemen vorwärts fieht, und die Spiße des
Hammerf sweife$ die Weichę nadhit dem
linken Hüftfnoden berührt. Die linte Band
gleitet in demſelben Augenblide vom Kels
ben ſchnell aufwärts , und ergreift das Ges
wehr ſo , daß der kleine Finger den Umbug
der Dedelfeder berührt, die an einander ges
chloſſenen Finger ſich mit den Spißen an
den Rand des Schaftes anklammern , und
der Daumen , einwärts am Schafte, aufwärts
geftređt ift. Die rechte Hand bålt in der
lage, in welche ſie nach der Wendung des
Gewehres gelangt , den Kolbenhals leicht
umfaßt; der Daumen liegt rüdwärts , die
Mitte des Zeigefingers knapp unter dem
Griffbügel, und die übrigen Finger find
leicht an dieſeit geſchloſſen . Beide Ellen :
bogen bleiben natürlich am Leibe. Das Ges
wehr ſteht vollommen ſenkrecht, bie Edwerel
desſelben ruht in der linken Hand.
. Schul - 1. Das Gewehr wird mit der linken 89.
tert ! «
Þand erhoben , bis die rechte den Kolben
hals voll umfaſſen kann ; 2. ſchnell mit
beiden Händen ſo gewendet, daß der kauf :
gerade vorwärts ſieht; gleichzeitig läßt die
rechte Band es auf die Adfel finten , die
linke ergreift den Kolben, und bringt das
kommando
Worte . Belehr un g .

Gewehr in die vorgeſchriebene Lage, wäh


rend die rechte ſchnell an die Seite zurüd
fehrt.
VIII. Stellen zum Gebete und Herſtellen .
Dieſer und der folgende Griff werden
aus der Stellung mit dem Gewehre xbeim .
Fuß« vollführt.
Stellt euch Die linke Hand wird zur Salutirung !
zum - Ge
bet !« ſchnell erhoben .
90. » Herstellt . Die linke Hand wird raſch wieder an
euch vom
die Seite herab gebracht.
Gebet !
IX . Niederknieen zum Gebete und auf som
Gebete .
91. »Kniet nieder 1. Beide Vorfüßewerden fchnell fo zu :
zum - Ge
bet ! ſammengebracht, daß die Ballen ſich berüh
ren ; 2 . hierauf der rechte Fuß, und mit
dieſem der Oberleib -- ohne ſich vorzubeu
gen - ſo weit zurüdgenommen , und fich
auf das rechte Knie niedergelaſſen , daß der
linke Unterſchenkel ſenkrecht gegen den Bos
den fteht. Die rechte Fußipiße wird gegen
den Boden geſtemmt. Das Gewehr bleibt
in ſeiner ſenkrechter Lage, und wird mit der
rechten Hand voll umfaßt. Die linke Hand
wird flach auf das Knie gelegt , die Finger:
ſpißen in gleicher Höhe mit demſelben .
92. Czako oder 1 . Die linke Hand ſtößt das Sturm
Grenadier
mütze - band mit den Daumen vor das Kinn , und
ab !« ergreift hierauf den Czako links ſeitwärts der
Aommando
Worte. Belehr un g.

vaba
Roſe ſo , daß dieſe in die Gabel zwiſchen
üd
Zeigs und Mittelfinger zu ſtehen kömmt;
2 . der Czako wird ſchnell abgezogen , undmit
en . der Höhlung ſo auf das Snie geſeßt , daß
rden er ſenkrechtaufdem Oberſchenkel ſtehe, und der
Schirm lints ſeitwärts gerichtet iſt. Die Grena
diermüßewird mit dem Daumen , Zeig - und
ung Mittelfinger an der Egaliſirung erfaßt , und
auf gleiche Weiſe wie der Ozako auf das
an
Rnie gebracht.
» Czako oder 1. Der Czafo wird - ohneden Kopfvors 93.
Grenadier
mütze – zuneigen — von vornenad rückwärts gut aufs|
vom auf !« . gefeßt , das Sturmband unter das Kinn ges !
zogen , und die linke Hand wieder flach
jauf das Knie gelegt.
Auf vom - 1. Wird mit einem Drucke des rechten 94.
Gebet ! Fußballens — ohne den Oberleih vorzunei
gen - mit geradem Körper aufgeſtanden ,
|der rechte Fuß an den linken gezogen , und
|die vorgeſchriebene Stellung wieder anges
nommen .

X. Bum Schwören und Herſtellung.


» Zum - 1. Wie das Tempo zur » Viſitirung) 95 .
Schwö .
ren !« des Gewehre8.c 2. Die linke Hand
gleitet ſchnell am Gewehre aufwärts und
umfaßt ſolches am mittleren Laufringe, wos
bei der Daumen länge der Ladſtodnuth auf
wärts geſtrecktwird .
26

Kommando
Worte. · Belehrung.
96. » Czako oder 1. Die Kopfbedeckung wird aufdie be.
Grenadier
mütze – tannte Weiſe - jedoch auf der entgegen
abl gefepten Seite und mit der rechten Hand
abgenommen , das Gewehr mit der linken
Hand , ohne Berrüdung des Kolbens, auf
den für die Kundung der Kopfbededung
erforderlichen Raum vom Leibe entfernt, die
Kopfbededung an den linten Daumen ges
ſtedt, und durch dieſen an den Schaft und
in entgegengeſeßter Richtung an den leib
gedrüdt. Der Sonnenſchirm ſteht rechts ſeits
wärts . 2. Die rechte Hand wird rechts ſeits
wårts mit dem Daumen bis in gleiche Höhe
init dem Auge erhoben , der Daumen , Zeis
ge - und Mittelfinger werden aufwärts ges
ſtredt, die andern Finger aber geſchloſſen .
97. .Czako oder ] 1 . Die Kopfbedeckung wird auf die bes
Grenadier - tannte Art ergriffen und aufgeſeft; das Gese
mütze -
auf ! « wehr mit der linken Hand wieder an den
Leib gedrüdt und mit der rechten an der
Mündung erfaßt; worauf 2. die linke Hand
ſolches bei natürlidh gebogenem Arme wieder
i ob ergas
oberhalb des unteren Laufringes ergreift.
98. Schul Wie Nr. 77 beim Gewehrgriffe »zur
itert!«
Viſitirung des Gewehr8.
27
$. 9 .
Unterridt imladen und Feuern .
Der Unterricht iin Laden und Feuern muß mit der 99 .
äußerſten Sorgfalt betrieben werden , damit der Soldat
lerne, ſein Gewehrals Feuerwaffe entſprechend zu gebraus
chen , und ſolches ſelbſt in der Hiße des Gefechtes gehörig
und ohne übereilung zu laden und abzufeuern ; was ikmº
das nöthige Vertrauen zu ſeiner Waffe geben , und in jeder
GefahrMuty und Entſchloſſenheit in ihm aufrecht erhalten wird.
4. Bei dem erſten Unterrichte ſins die Labungstempo gleich : 100 .
falls mit zergliederten Griffen aufs Vorzählen , dann nach
vorausgegangenem Aviſo ber Tempo, dieſe aufs Zahlen
von Eins - Sed , und endlich ohne Aviſo blog auf& Zåh .
len zu üben . Hierbei wird anfangs langſam , dann aber
immer ſchneller gezählt , bis der Soldat die Fertigkeit ers
langt, die Tempo nach einander ſchnell, jedoch genau und
ohne Übereilung auszuführen ; worauf das Zahlen ganzaufo
hört,und nach vorausgegangenein » Aviſo : » Ladet !« die Auss
führung der Ladungstempo ununterbrochen ſtattzufinden hat.
Der erſte Unterricht im Laden iſt mit hölzernen – 101.
nach Art der wirklichen — mit Papierhülſen und Zünter .
verſehenen Patronen zu ertheilen.
Hat der Soldat bereits hinlängliche Fertigkeit erlangt, 103,
ſo iſt mit blinden , endlich mit ſcharfen Patronen zu laben
und zu feuern .
Kommando
Worte . Belehe u ng.

I. Laden des Gewehrs.


„ La - det!! 1. Der Soldatvollführt die Halbrecht8 | 103,
wendung und ſtellt gleichzeitig den rechten
Fuß, ohne ihn zu verdrehen , ungefähr
auf die eigene Sğuhlange gerade zurüc.
Kommando
Worte. Beléb ru n g.

2. Das Gewehr wird in die beim erſten Griffe


vou » In die Balance« erklärte Lage ge
bracht, und mit der rechten Hand der Kols
benhals umfaßt. 3. Die rechte Hand zieht
den Kolben nabe am Leibe gegen die rechte
Hüfte, die linke erfaßt das Gewehr ſchnell
am unteren Laufringe; der linke Ellen
bogen bleibt an den Leib geſchloſſen . Das
Seitenblech liegt an der Magengrube, die
linke Hand iſt in gleicher Höhe mit der Achs
fel,und das Gewehr in ſeiner ſchrägen Lage
gerade vorwärts gerichtet. Der Daumen der
linken Hand liegt ſammt dem Ballen längs
des Schaftes , die übrigen Finger — an eins
ander geſchloſſen - umklammern den Schaft,
ohne den Laufzu berühren . Die rechte Hand
hat den Kolbenhals umfaßt, der Ellenbogen
bleibt in ſeiner natürlichen Lage. 4. Die
rechte Hand wird vorwärts an das Schloß
gebracht, der Daumen gegen den Hammers
|fopf gedrückt , das Mittelglied des gekrümms
ten Zeigefingers unter den Hebelsarm gelegt;
ſobann 5 .miteinem raſchen Drucke aufwärts
der Deckel geöffnet. Nach bewirktem Öffnen
des Dedels bleibt der Daumen aufdem Hams
merkopfe , die übrigen Finger in ihrer gesl
krümmten Lage ſeitwärts desſelben .
104. »Ergreift diel - 1. Die rechte Hand wird nahe am
Patrone ! Pleer
Eins ! . Leibe zurückgezogen , der Patrontaſchendeckel
mit verkehrter Hand geöffnet; in dem Kaften
29

Kommando
Worte. Belehr un g .

eine Patronemit voller Hand ergriffen , ges


gen die Pfanne gebracht , und daſelbſt, -
wenn dieß nicht ſchon der Fall iſt, – ſchnell
derart in der Hand gerichtet, daß die Kugel
an den kleinen Finger anſtehe,und das obere
Ende der Pulverladung - der Umbug der
Papierhülſe aufwärts befindlich — zwiſchen
Daumen und Zeigefinger gehalten werde.
2 . Der Umbug der Papierhülſewirdmit dem
Daumen aufgeſtoßen undmit Hilfe des Zeige
fingers vollends umgebogen , ſodann
der Zünder mit dem Daumen und Zeigefinger
an ſeinem rückwärtigen Ende ergriffen , wäh
rend die Patrone in der hohlen Hand bleibt.
» Zünder in 1 1 . Der Zünder wird — bei etwas gegen
die Pfanne! den Leib gewendetem Gewehre — nach ſeiner 105.
- Zwei!«
(wird gedehnt.) !ganzen Länge in Rern und Pfanneeingeführt,
der Zünderdrath mit dem Daumen knapp an
der Pfanne herabgebogen und an dieſe feſt=
gedrüdt; die Finger werden geöffnet und
mit dem Mittelgliede des gekrümmten Zei
gefingers der Drath der freiſchwebenden Pa
trcne unter die Pfanne gedrückt. 3 . Der
Daumen wird auf den Hebelsarm gebracht,
der Dedelmit einem Fräftigen Drude geſchloſs
ſen , und ſodann mit dem Daumen von außen
gegen den Lauf gedrüdt; die Patrone aber
mit Daumen und Zeigefinger knapp ober dem
Pulver erfaßt, feſt zugehalten , und — mits
|telſt eines raſchen Zuges nachy rüdwärts —
Kommando
Worte Boleh r u n g.. .

von dein Zünder getrennt. Das Gewehr wird


Tonach wieder gerade gewendet. 3. Ģierauf
fömit die rechte Hand an den Kolbenbals ;
die Patrone wird mit dem Daumen , Zeige
und Mittelfinger — gut geſchloſſen - aufs
wärts gehalten , undwährend die leßten zwei
Finger den Rolbenhals umklammern , ruht
der Ballen der Hand auf demſelben .
106 . » Schwenkt1 1 . Die rechte Hand drüdt den Rolben
aung ſoweit der Arm reicht ~ abwärts gegen
- Drei ! *
den linken Schenkel, und wendet gleichzeitig)
das Gewehr in der linken Hand ſo, daß der
Lauf vorwärts , der Riemen Segen den
Leib zu ſtehen fotme, wobei das Gewehr!
durch die Teicht geöffnete linke Hand gleitet,
und mit dieſer oberhalb des unteren Laufs
ringes umfaßt wird. 2. Das Gewehr wird
mit der linken Hand auf die nämliche Art
Trachte auf den Boden geſtellt, und in dieſelbe
Lage gebracht, wie bei der » Viſitirung des
Gewehres « , während die rechte das Rohr
an der Mündung mit den lebten zwei Fin
gern Teicht umfaßt. Hierauf gleitet die linke
Hand ſchnell am Gewehre aufwärts , und
ergreift es knapp unterhalb des oberen lauf
ringes zwiſchen demn Ballen des Daumens
und den Teßten drei Fingern ſo , daß der
Daumen und Zeigefinger vorwärts des lau
fes zu ſtehen kommen . Der linke Ellenbogen
bleibt am feibe geſchloſſen . 3. Die Patrone
Kommando
Worte. Belehrung.

wird nun gegen die linke Hand gebracht ,


mit dieſer der Umbug der Papierhülſe zwis
ſchen dem Dauinen und dem zweiten Gliede
des Zeigefingers knapp am Pulver erfaßt,
und die Hülſe, durch ein raſdes Drehen der
rechten Hand von außen gegen den Leib,abs
geriſſen . Nach dem Abreißen wird das Ges
wehr mit der linken Hand, - ohne deren
Lage zu verändern , - voll umfaßt , mit der
rechten aber die Patrone, damit fein Pulver
(verſtreut werde, zwiſchen Daumen und Zeist
gefinger gut zuſammengedrückt, und rechts
ſeitwärts des laufes in gleicher Höhe mit
der Mündung gehalten ; wobei die mittleren
Glieder der Finger den Lauf leicht berühren .
Sollte wegeir Steifheit der Finger ber
linken Hand,wie z. B .FeiſtarkerKälte u . ſ.w .,
das Abreißen der Patrone aufdie vorbeſdries
bene Art nicht leicht ausführbar ſein , ſo ift
les dem Manne geſtattet, den Umbug der Pas
pierhülſe zwiſchen den Zähnen knapp am
Pulver zu erfaſſen , und die Hülſe, durch ein
raſches Abwärtsdrehen der rechten Hand - -|
von der reihten gegen die linke Seite, - abs!
zureißen .
Patrone in Der rechte Ellenbogen wird erhobent , | 107.
Lauf - · lund damit kein Pulver verſchüttet werde ,
Vier !«
die Patrone---- zuſammengebrüdt – in den
(wird gedehnt.)
' Lauf gebracht, zwiſchen Daumen und Zeiges !
finger, um ihr die Rundung zu geben, etwas
32

Aommando
Worte Beleh r u n g.

gedreht, ſorgfältig ausgebeutelt ; das Ges


wehr mit der linken Hand etwas erhoben und
mit einem leichten Stoße wieder zu Boden
geſeßt; hierauf die Kugel mit dem Zeigefin
ger in den Lauf hinabgedrüdt, und dann der
Ladſtock auf die bekannte Art ergriffen .
108. » Ladstock in 1 . Der Ladſtod wird – wie bei der
Lauf comment Viſitirung des Gewehrs Nr. 74 erklärt
Fünf !
aus der Nuth gezogen und in den Lauf ges
bracht , dann die Patrone ſo lange hinab
gedrückt, bis der kleine Finger die Mündung
berührt; worauf 2 . die rechte Hand, bei ges
ſtrecktem Arme, das osere Ende des Lad
ſtodes wieder ergreift, und die Patrone mit
voller Gewalt in die Pulverkammer hinabs
ſtößt.
109. Setztan und 1. Der Labſtock wird ungefähr eine
versorgt den Spanne erhoben und kräftig auf die Patrone
Ladstock !
Sechs !« geſtoßen , wobei man die Finger ſchnell loss
läßt; dann 2 . nach der bekannten Art verſorgt,
woraufdie linke Hand ſchnell am Gewehre ab
wärts gleitet, und dieſes bei natürlich ges
ſtrectem Armewieder umfaßt.,
110 . Um die Gleichheit der Schüſſe zu beförs
dern , muß die Kugel ſtets gehörig auf die
Pulverladung gedrüdt, und gleichmäßig an
geſeßt werden , was der Soldat dadurch er
fennt, wenn der Labſtod jedesmal aufgleiche
länge aus der Mündung hervorſteht.
33

Kommando
Worte. Bé Tehr un g .

» Schul Der Soldatherſtellt ſich durch die Halb - 111.


tert !«
linkswendung, mit gleichzeitigem Anziehen
des rechten Fußes, in die Front, und bringt
das Gewehr, wie auf dieſes Kommando nach
der Viſitirung des Gewehres ,aufdie Schulter.
II. Feuern.
» Habt Acht ! Dient als Avertiſſement zur Verſtändi- 118 . .
» Feuern !«
gung des Soldaten .
» Fertig !" 1 . Körper und Gewehr kommen in die- 113.
ſelbe Lage , wie auf die erſten drei Griffe
von vladet;« worauf 2. der Hammer ges
ſpannt, und der Blick auf den fürgewählten
Zielpunkt gerichtet wird .
Zum Spannen des Hammers wird der 114 .
Daumen der rechten Hand auf den Hammers
fdweif gebracht, und der Zeigefinger außer
halb der vorderen Wölbung des Griffbügels
ganz ausgeſtredt, während die drei andern
Finger knapp hinter dem Griffbügel liegeu
und den Kolbenhals dortmöglichſt umfaſſen.
Der Hammer wird langſam zurück gezogen ,
bis man das Eingreifen des Stangels in
die Hinterraſt hört; hierauf der Kolbenhals
umfaßt , wobei der Zeigefinger auswärts
des Grijſbügels ausgeſtreckt bleibt.
| Um den Soldaten zu lehren , wie er 116
den Hammer aus der Spannung wieder in
die Ruheraſt zu bringen hat, wird aviſirt :
» Hammer in die Ruhe!“
Abrichtungs-Regl. f. t. Inft.
35

Kommando
Worte . Belehr un g .

1. Der Soldat bringt die Finger der


rechten Hand in die zum Spannen des Ham
mers vorgeſchriebene Lage , zieht den Ham
mer – noch über die Hinterraſt hinaus —
zurück, legt aber gleichzeitig das Mittelglied
des Zeigefingers an das Züngel, und drüct
dicſes mit angemeſſener Kraft ſo lange zurück,
bis der Hammer – von dem Daumen nur
allmälig vorgelaſſen -- langſam an den
Zahn gelangt; worauf der Zeigefinger wie
der an die Wölbung des Griffbügels zurück
kehrt, der Hammer neuerlich ſo weit zurüd
gezogen wird, bis man das Eingreifen des
Stangels in die Ruheraft hört , und ſodann
die rechte Hand den Kolbenhals umfaßt.
Zur mehreren Sicherheit kann der Soldat
während dieſes Griffes auf das Schloß hers
fabbliden . 2. Hierauf Herſtellt ſich derſelbe
ſogleich mittelſt der Halblinkswendung in
die Front, zieht den rechten Fuß an den
linken , und bringt das Gewehr auf ähnliche
Art in die vorgeſchriebene Lage auf die linke
Schulter , wie auf » Schulterte nach
Fällt das Bajonet.“ Nun wird neuer
lich » Fertig« fommandirt, und der Un:
terricht fortgeſeßt.
116 . l» An !« Der linke Arm wird vorwärts geſtreckt,
(wird in der Fol-laleidszeitig erhebt die rechte Hand den Rols
ge im Verhält:
niß zur Abtheia ben an die Adfel , wodurch die innere Rols
lung gedehnt
ausgeſprochen.) benfläche an den Baden , und das Gewehr
in eine wagrechte lage kommt. Die linkel
Kommando
Worte. Belehrung.

Hand, welche unverändert am unteren Lauf


ringe verblieben iſt, unterſtüßt das Gewehr,
zu welchem Ende der Ellenbogen etwas nach
einwärts gedrückt wird. Die rechte Hand
hält den Kolbenhals gut umfaßt und drückt
die Rolbenſpiße bis zur Kolbenblattſchraube
Feit an die Achſel , während der Zeigefinger
innerhalb des Griffbügels mit dem Mittel
gliede Teicht an das untere Ende des Zün
gels gebracht wird. Der Lauf muß vollkom
men gerade aufwärts gerichtet , nämlich we
der rechts noch links gewendet ſein , ſo zwar,
daß das Korn ſenkrecht und dasAbſehen wag.
recht ſtehe. Die Schwere des Körpers ruht
gleichmäßig auf beiden Füßen .
Nun wird der Kopf vor- und rechts 117.
ſeitwärts geneigt, das linfe Auge geſchlof-|
ſen , und mit dem rechten durch den Ein
ichnitt des Abſehend und die Mitte des Kor
nes auf den dem Soldaten vorher bezeich
neten Punkt gezielt. Der Kopf darf hier
bei jedoch nur fo viel geneigt werden ,
daß die Naſe nicht an das Gewehr
forime, widrigenfalls diefe beim Abfeuern
durch den Küdſtof beſchädigt mrerden
fönnte.
.. . Soll der im Anſchlage befindliche Sol- 118.
dat das Gewehr wieder in die Lage von
- Fertig “ bringen , ſo wird : „Setzt - ab !«
kommandirt. Dieſes Kommando iſt übers)
36

Kommando
Worte. Beléh r u n A .

haupt ein gutes Mittel , um Aufmerkſamkeit


und pünktliche Folgeleiſtung zu bewirken .
L . Nachdem der Soldathieraufwieder zum
Anſchlagen beordert worden , erfolgt das
Kommando :
119 . |» Feuer !« | Ohne das Gewehr aus ſeiner Lage zu
bringen , brüdt der Soldat - die möglichſte
Ruhe beobachtend – das Züngel mit an
gemeſſener Kraft rückwärts , bleibt nach er
folgtem Abdrücken — ſo lange man unges
|fähr : Eins, zwei, drei zählt — im An
ſchlage; bringt hierauf das Gewehr ſchnell
in die Lage von » Fertig« , zieht den Ham
mer in tie Ruheraſt zurüd , öffnet den Des
del, und richtet ſeinen Blick auf die Pfanne,
uin ſich zu überzeugen , ob der Schuß abges
gangen ſei; was er daran erkennt, wenn
ans der Kernhöhlung Rauch entweicht. Nun
wird der entladene Zünder aus der Pfanne
gezogen , oder wenn er ſich auf dieſe Art
nicht beſeitigen ließe, hierzu das Schloß ab
wärts gewendet und mit dem Ballen der
rechten Hand ein Schlag auf das Seitenblech
angebracht. Adenfalls zurüdbleibende Zün
derſplitter werden mit der Raumnadel ents
fernt. Nach Beſeitigung des explodirten Zün
ders , verbleibt die rechte Hand in der nach
dem Öffnen des Pfannendedels vorgeſchries
benen Lage , und der Soldat erwartet die
weitere Anordnung zum Laden .
120. If der Schuß nicht abgegangen , Fol
Kommando
Worte. Belehrun g ..

wird der Zünder, er mag erplodirt Haben •


oder nicht, - beſeitigt, und durch einen Kes
Fervezünder erſeßt. Hat jedoch der Zünder
explodirt ohne der Schuß zu heben , ſo muß
nach der Wechslung des Zünbers jederzeit
zur Ladung gefchwenkt , und die Patrone
mit dem Ladſtođe nochmals angeſeßtwerden .
Wenn nach lingerem Feuern die Pfanne 1
ſehr beſchmußt iſt, ſo werden die Baden
derſelben , ſammt dem ſichtbaren Theile des
Korns, mit dem Daumen der rechten Hand,
welcher hierzu im Munde befeuchtet werden
tann , abgewiſcht. .
Werden nach dem Feuern die Ladungs 122.
tempo mit Aviftren und Zählen , oder mit
zählen allein geübt, ſo iſt nach beendeter las
dungnicht : » Schultert,« ſondern : » Fers
tig “ zu kommanbiren ; worauf der Soldat
das Gewehraufnachſtehende Art : » Fertige
nimmt:
Die linke Hand bringt das Gewehr ges 198.
gen die rechte Seite , wobei ſte es etwas in
die Höhe ſchnellt (ſchupft), am untern laufs
ringe erfaßt, und gleichzeitig ſo wendet, daß
das Schloßblech gegen den Leib gekehrt ſei,
während die rechte Hand — mit zum Ham
merſpannen bereit gehaltenen Fingern - es
Jam Schloſſe erfaßt; worauf der Soldat das
Gewehr und die linke Hand in die für|
Fertig« vorgeſchriebene lage bringt, und) .
Iden Hammer ſpannt. .
kommando
Worte. Beléhr un g. .
124 . Ergeht nach dem Abfeuern der Zuruf:
» Ladet !« , ſo hat der Soldat die Ladungss
tempo – ohne ein weiteres Aviſiren oder
Vorzählen derſelben abzuwarten -- ununters
brochen, möglichſt ſchnell, jedoch genau und
ohne übereilung - auszuführen , nach dem
Verſorgen des Ladſtocks ſogleich auf die
vorgeſchriebene Art » Fertig “ zu nehmen ;
dann aber mit Fertig gehaltenem Gewehre
ſtets ſo lange ſtehen zu bleiben , bis das
Rommando : » An !« erfolgt.
126 . Soll das Feuern eingeſtellt werden ,
ſo wird : »Halt !“ (gedehnt auszuſprechen )
zugerufen. Auf dieſen Zuruf hat fich der
Soldat folgendermaßen zu benehmen :
1. Iſt er im Anſchlage, ſo bringt er das
Gewehr in die Lage von » Fertige , feßt
den Hammer in die Ruheraft , und ſchultert.
1 . 2. Steht er mit fertigem Gewehrc, fol
ließt er gleichfalls den Hammer in die Ruhes
raſt, und ſchultert.
: 3. Iſt er im Laden begriffen , ſol
lichultert er nach deſſen Vollendung.
1 4 . Hat er eben abgefeuert , ſo ladet
ler ſchnell und ſchultert hierauf; daher nach
leingeſtelltem Feuer das Gewehr ſtets gelas )
Iden ſein muß.
' $. 10 .
con Generals Decharge.
186 Die General- Decharge iſt entweder ein
Freudenfeuer , oder eine Ehrenbezeigung beil
39

kommando
Worte . Belehrung.

feierlichen Gelegenheiten ; daher die betref


fenden Griffe ſtets raſch und mit Prāciſion
ausgeführt werden müſſen .
HabtAcht! Erfolgt nach Nr. 161. 127.
„ Zur Gene
ral — De
charge! «
» Fertig !«
» Hoch an !« Das Gewehr wird dergeſtalt ſchräge 128.
(gedehnt ausges aufwärts in Anſdlag gebracht , daß der
ſprochen .)
Soldat — ohne den Kopf zu erheben oder
die Stellung des Oberleibes zu verrüden -
nod über das Abſehen und Korn wegſehen
fann ; worauf erſt das Mittelglied des Zeiges
fingers an das Züngel zu bringen iſt.
» Feuertas Der Soldatzieht raidh an dem Zünger, 128.
bringt nach erfolgtem Abfeuern das Gewehr
ſchnell in die Lage von » Fertig,« und ums
faßt mit der rechten Hand den Kolbenbals .
» Scbul – Erfolgt die Herſtellung in die Front 130.
tert ! “ und das Schultern des Gewehres auf die
befannte Art.
Nach der General Decharge wird jeders, 131.
zeit präſentirt. Erfolgt hierauf neuerlich
Idas Komniando zum Laden, ſo hat der Soldat
nach dem Herabbringen des Gewehres den
Hammer in die Ruheraſt zurüdzuziehen ,
und nach erfolgtem Öffnen der Pfanne
den erplodirten Zünder zu beſeitigen .

Wenn nicht im Feuer erercirt wird , ſo hat bei der 132.


Übung der Lad - und, Feuergriffe , mit Ausnahme der
General- Decharge, das Aufziehen und Abdrüden des Hams .
mers ganz zu unterbleiben , und nur bei der Ausbildung
der Rekruten anfänglid in ſo lange ftattzufinden , als zur
Einübung unumgänglich nöthig ift.
133. Die in dieſem Abſchnitte Feſtgeſebte Reihenfolge iſt bei
der Ausbildung des Soldaten unter den gewöhnlichen Vers
hältniſſen unbedingt genau einzuhalten ; ſollten jedoch beſors
dereUmſtände eintreten , welche eine Abweichung davon räths
lich , oder gar nothwendig machen , ſo bleibt die Anordnung
der dem jeweiligen Zwede entſprechenden Modifikationen ,
dem Ermeſſen,der Truppen - Kommandanten anheimgeſtellt .
", S . 11 . .
.. . · Bom Zielen und Ireffen.
134. DerSoldatmuß ſeiner Beſtimmung gemäß im eigentlichen
Bemerkungeu . Sinne des Worts føießen , d . h . den in der Entfernung
derKernſchußw.eite über das Abſehen und das Korn aufs
Ziel gefaßten Feind mit Sicherheit, entferntere Gegens
ſtände aber noch mit ziemlichem Erfolge treffen lernen .
135 . Hierzu iſt es erforderlich, daß man dem Soldaten , nach
Maß ſeiner Verſtandeskräfte , vorerſt flare und richtige Bes
griffe von der Wirkung des Pulsers , von der Bahn der abs
geſchoſſenen Kugel , von der Richtungslinie des Anſchlages
und den Schußweiten beibringe.
136 . Die Unteroffiziere , ganz vorzüglich aber die Offiziere,
welch ' lekteren die Belehrung der Chargen obliegt, müſſen
daher eine genaue Kenntniß von Allem befißen, was ſich auf
die Einrichtung, den Gebrauch und die Wirkung des Feuer
gewehres bezieht.
137 . Jedermann weis, daß irgend eine Kraft nothwendig iſt,
Kraft des
Pulvers. um einen Körper in Bewegungzu ſeßen . Für die Feuerwaffen
beſteht die Kraft in dem Schießpulser, (einer ſorgfältigen
Miſchung von Salpeter , Schwefel und Kohle ,) welches die
Gigenſdaft beſikt, daß es durch den kleinſten Feuerfunken ,
felbft in einer großen Menge, faſt augenblidlich zuſammens
41

brennt, und wenn die Entzündung im Freien ſtattfindet,


in dampfjörmiger Geftalt verflüchtiget. Geſchicht jedoch dieſe
Entzündung iunerhalb eines nach allen Seiten geſchloſſenen
Raumes, ro ſucht das entzündete Pulver vermöge ſeiner Glas
ftizität, fich nach allen Seiten gleichmäßig auszudehnen , und
wird den einſchließenden Körper ſtets an ſeiner ſchwädſten ,
nämlich an der den geringſten Widerſtand leiſtenden Stelle
ſprengen oder durchbrechen .
Bei dem geladenen Fenergewehre befindet ſich das Puls 138.
"Der an dem unteren Ende des Laufes , nåmlich in der Kammer,
und wird von dieſer und der auf dem Pulver gelagerten Ku
gel eingeſchloſſen . Erfolgt die Entzündung desPulvers , ſo wird,
nady obiger Theorie, deſſen Kraft hauptſächlich auf die Stelle
des geringſten Widerſtandes, hier alſo auf die Kugel wirken ,
und dieſe mit großer Schnelligkeit aus dem Laufe treiben .
Jeder durch eine Kraft fortgetriebene Körper bewegt 139.
fich nothwendigerweise in der Richtung , welche er durch jeneanan
- Kraft erhält. Da nun die Kugel im Rohre, in der Richtung Rugel.
des kaufes getrieben wird , ſo muß ſie auch außerhalb des
felben , dieſer urſprüngliden Richtung ſo lange folgen , bis
rfie durch eine andere Kraft in dieſer Bewegung aufgehalten ,
oder von derſelben abgelenkt wird.
Denkt man ſich durch dieMitte des Laufes , vom Pulver- 140.
A chie des
facke bis zurMündung eine gerade Linie ab , ſo heißt man hourens :
dieſe die Adre des Rohres , und ihre Verlängerung Achſenlinie.
b , c, c, c, die Adrenlinie. Die abgeſchoſſene Kugel Fig . 1 .
wird ſich alſo im Laufe , nach der Richtung der Achſe, außers
halb desſelben nach jener der Achſenlinie bewegen . Demnach
kann man ſagen :
Die anfängliche Bewegung der Kugel ges
foieht in der Richtung der Adſenlinie.
- Denkt man ſich einen wagrechten Boden x y, 4 '/, Fuß 141.
nemöhnlichen Anschrochahe Bewegung der
bo to " Det gewegungen unutuyguye Kugel zufolge.
einer Mannes mittlerer Größe, - die Achle eines Feuerger derErfahrung.
48
wehres wagrecht, wie ab, und daher die Achſenlinie b , c, c, c,
gleichlaufend mit dem Boden x y ; ſtellt man ferner von 50
zu 50 Schritten auf den mit D , E , F . . bezeichneten
Punkten, mit Papier überzogene Rahmen als Scheiben auf;
bemerkt auf dieſen die gleich hohen Punkte c , nämlich wo
die Achſenlinie dicfeScheiben durchſchneidet, und feuert dann
das Gewehr ab ; fo trifft die abgeſchoſſene Kugel die Scheis
ben auffolgende Weiſe :
Nach den erſten 50 Schritten ſtedt die Rugel nurwenig
unterhalb der Adſenlinie ro , daß man annehmen kann , fie
habeſich bisdorthin ganz in der anfänglichen Richtung bewegt;
nach 100 Schritten ftedt dieſelbe ſchon tiefer u. f. f., bis fte
endlich nad) 300 Schritten ganz auf den Boden fällt. Vers
bindetman nun die Punkte k, l, m , n , o undp, - wo dieab
geſchoſſene Kugel die aufgeſtellten Scheiben getroffen hat, -
ſo zeigt die ſo erhaltene Linie die Flugbabn der Kugel
oder die Edublinie an , welche - wie aus der Zeichnung zu
erſehen - eine krumme Linie iſt, die nur einekurze Strede der
Richtung der Achſenlinie folgt, dann aber fortwährend fid ;
unterhalb derſelben ſenkt, bis ſie endlich den Boden erreicht.
142. Die Urſache dieſer allmäligen Senkung der Kugel liegt
allmåligen set in ihrer eigenen Schwere ; vermöge rrelcher ſie , wie jeder
Senkung der anderenicht unterſtüßte Körper ,während ihrer Bewegung durch
Kugel.
die Luft, fich nach abırårt3 fenten , oder failen muß. Außer
dem fekt auch noch die Luft der Bewegung der Kugel einis
ger Widerſtand entgegen , und vermindert deren Gefdwin
digkeit in dem Maße, als die Kugel fich von der Mündung
entfernt.
143. Die Flugbahr der Kugel (Kugelba bu) iſt daher eine
eigenthümliche, unter der Achſenlinie liegende frumme Linie,
welche durch die drei Kräfte : 1. Triebfraft des Plilvers,
2 . Widerſtar:d der Luft und 3. die eigene Schwere der Rus
gel bedingt wird ; ſo zwar , daß die erſte dieſer Sräfte die
Kugel in der Richtung der Achſenlinie vorwärts treibt, die
43
zweite die Bewegung derſelben in dieſer Richtung allmälig
verzögert , die dritte endlich die Kugel von dieſer Richtung
allmålig ablenkt und nach abwärts zieht.
Erhebt man das Rohr über die wagrechte Lage, oder 144 .
Rugelb
ahn
ſenkt man es unter dieſelbe, ſo wird die Kugelbahn , obwohl
fie im erſten Falle ſtarter , im lekteren ſchwächer gefrämmtAdſenlinie.
oder geſenkter
iſt , den wie früher wagrecht angenommenen Poden im ers
ſten Falle – jedoch nur bis zu einer Erhebung des Rohs
res von 45 Graden - ſpåter , alſo an einem entfernteren
Punkte , im lekteren aber früher, nämlich an einem näher
liegenden Punkte erreichen .
Man erreich : daber mit erhöhtem Rohre, 145 .
und z w ar bis zu einem Winkel von 45 Graden ,
eine größere,mit geſenktem Robreeine kleinere
S dußweite, als bei w agrechter lage desſelben.
Um das Gewehr entſprechend auf den zu treffenden 146 .
- Diſtrlinie und
Gegenſtand zu richten , ſieht man , wie bereits beim Laden
und Feuern erklärt worden , über die an beiden Endpunts Plan I.
ten des Laufes angebrachten Erhöhungen ; von welchen die
rückwärtige d das Abſehen, die vordere e das Korn, und
die von dem Auge des Schüßen , durch den Einſchnitt des
Abſehens und die Mitte des Kornes , nach dem zu trefs
fenden Gegenſtande gedachte Linie KL die Viſirlinie ges
nannt wird,
Da der Einſchnittdes Abſehen s,wegen der größe: 147.
ren Dide des Laufes am unteren Ende, uin vier Linien höher
über der Achſenlinie ſteht, als die Mitte des Korns ; ſo
ergibt ſich hieraus, daß die Viſirlinie und die Achſenlinie
mit einander nicht parallel laufen , ſondern fich etwa neun
Schuh vor der Mündung durchſchneiden , und dort einen
ſpißen Winkel dgf bilden , welchen man den Kernwinkel
nennt, von dəffen Scheitel g angefangen , ſich die Achſen
linie immer mehr über die Vifirlinie erhebt.
148. Vergleicht man ferner die Lage der Kugelbahn mit
Kugelbahn. der Viſirlinie , ſo zeigt ſich , daß die erſtere anfänglich -
gleich der Achſenlinie - die Viſirlinie vor der Mündung
in dem Punkte g durchſchneidet , von hier aus eine Zeit
lang über die Viſirlinie erhoben bleibt, fich dann allmålig
ſentt , die Vifirlinie zum zweitenmal in einem Punkte h
durchſchneidet , und von dort aus fortwährend unterhalb
derſelben bleibt.
149. Stellt man auf die Punkte M , N , O , P , Scheiben
Plan 1. auf, oder denkt man fich auf jenen Punkten einzelne Sols
Fig . 2 .
daten aufgeſtellt, und viftrt immer auf einen gleichhoch
über den Boden erhabenen Punkt , z. B . immer auf die
Bruft des Mannes , oder das in gleicher Höhe angebrachte
Schwarze der Scheibe ; ſo wird man in M und o dort
treffen ,wohin man gezielt hat,während man zwiſchen Mund
: 0 , z. B . in N höher, jenſeits 0 , z. B . in P , tiefer trifft.
150. Der Punkt h , wo die Kugelbahn die Viſirlinie zum
ir meitenmale durchſchneidet, heißtder Viſir- oderkernfuß;
weil man dorthin trifft, wohin man gezielt hat , nämlich
der Treffpunkt daſelbft mit dem Zielpunkte zuſammenfält.
161. Wird demnach auf verſchiedene Entfernungen ein gleich
Beftändiger
Ser hoher Zielpunktangenommen , ſo wird man aufviſirſdu ßs
licher Sick weite den Gegenſtand dort treffen , wohin man gezielt ,
punkt.
dießſeits derſelben aber -- außer ganz nahe vor der Müns
dung -- höher , jenſeits dagegen tiefer treffen , als man
gezielt hat. Will man daher auf verſchiedene Entfernungen
den Gegenſtand immer auf den nämlichen Punkt treifen ,
d . h. den Treffpunkt unverändert beibehalten , ſo muß
dießſeits der Viftrſchußweite verhältnißmäßig tiefer, jenſeits
derſelben aber höher gezielt werden , als man treffen wilt;
was fich aus der Fig . % recht gut erfehen läßt, wenn
man nämlich die dort gezeichnete Ragelbahn mit der Bis
ſirlinie vergleicht.
46
Dieſer unveränderliche Treffpunkt iſt für den Solda- 152.
ten die Bruft des Gegners , da ſie die größte Fläche
bietet , und der hier getroffene Gegner am ſicherſten kampf
unfähig wird.
Bei dem Infanterie - Gewehre iſt die Viſir: 163.
ſchußweite, -- nämlich der Punkt h, — 150 Schritte, Schußregeln
von der Mündung entfernt ; woraus ſich für das Zielen Feuergewehr
der Infans
und Treffen folgende Regeln ergeben : terie.
Um die Bruſt des Gegners zu treffen , zielt man : 154.
auf 100 Schritte auf den Unterleib ; auf 150 bis 200
Schritte auf die Bruſt; auf 250 S dritte auf den
Kopf; auf 300 Schritte auf den höchſten Theil der
Kopfbedeckung.
Auf lektere Diſtanzen kann ſich der Mann übrigens 155.
dadurch helfen , daß er beim Zielen das Rorn soll nimmt,
nämlich das ganze Rorn über den Einſchnitt des Abſe
hens hervorſehen läßt; wodurch die Schußlinie verhältniß
mäßig gehoben wird .
Obwohl die Kugel hinlängliche Triebfraft hat , um 156.
bei gehörig erhöhter Lage des Laufes , ſelbſt in einer Ent:
fernung von 800 Schritten und darüber , den Gegner zu
treffen und wirkſam zu beſchädigen , ſo nimmt man doch
die Schußweite gegen Infanteriſten , und wo es fich um
gezielte Schüſſe handelt, höchſtens auf 300 Schritte an ,
weil bei größerem Abſtande der Zielpunkt über der Ropfs
bedeckung des Gegners , alſo außerhalb des zu treffenden
Gegenſtandes, gewählt werden müßte, welches ſchwierig zu
bewirken wäre. Reiter können jedoch von guten Schüßen
auch in größerer Entfernung beſchoſſen werden , da ſie hös
her über dem Boden ſtehen , und überdieß ihre Pferde grös
Bere Flächen bieten , alſo auch leichter getroffen werden können.
Außer dieſen Hauptregeln für das Zielen und Treffen , 157,
kömmt noch Folgendes für beſondere Fälle zu berüdſichtigen : .
46
- 1. Wenn man aufwårts , nämlich auf hochitehende
Gegenſtände ſchießt , muß man verhältniſmäßig höher,
abwärts aber tiefer zielen , als bei gleicher Entfernung des
zu treffenden Gegenſtandes auf wagrechtem Boden ; weil
im erſteren Falle die Sdwerkraft der Kugel mehr, im leptes
ren weniger hemmend auf deren Bewegung einwirkt.
2 . Beim Schießen über ausgedehnte Waſſerfl åden
muß man in der Regel etwas höher zielen , als über den
ebenen Boden , weil man auf dem gleichförmigen Waſſer
ſpiegel , wegen Mangel an Zwiſchenpunkten , die Diſtanzen
ineiſtens zu kurz ſchäßt.
3 . Zieltman aufin der Bewegung begriffene
Gegenſtände, ſo muß man , im Verhältniß der Schnels
ligkeit ihrer Bewegung , etwas vorhaiten und abdrüđen .
Entfernt ſich ein Gegenſtand, ſo muß etwas höher, nås
hert ſich derſelbe, - ſo muß etwas tiefer gezielt werden.
4. Bei heftigem , von der Seite einfallendem
Winde muß man in der Nichtung, von welcher der Wind
Tommt, etwasvon dem eigentlichen Zielpunkte abweichen , weil
die Kugel durch deſſen Einwirkung feitwärts getrieben 'wird .
158. Um wie viel in den obigen Fällen beim Zielen auf
verſchiedene Diſtanzen böher oder niederer angeſchlagen
werden müſſe, läßt ſich mit beſtimmter Genauigkeit um fo .
weniger angeben , als die , wenn auch geringen Abwei
chungen in der Konſtruktion des Gewehres , die ſtärkere
oder ſchwächere Beſchaffenheit des Pulsers , ein feuchter
oder windiger Tag u . f. w . eine entſchiedene Einwirkung
auf den Trieb des Pulvers und den Flug der Kugel
haben . Der Soldat muß daher bemüht fein , die Eigenſchaf
ten ſeines Gewehres durch praktiſche Verfuche jeder Art ken
nen zu lernen , uns dabei die erwähnten Fälle beim Laden
“und Zielen ganz beſonders berücfichtigen .
169. Da es dem Schüßen die meiſten Schwierigkeiten verurs
47
facht, auf die im S . 11 angegebene Weiſe zu zielen , und ins:
beſondere den Schuß abzudrücken , ohne die genaue Befols
gung jener Regeln jedoch ein ficheres Schießen nicht erlangt.
wird ; ſo iſt hierin eine ununterbrochene Übung erforderlich .
Hierzu ſtellt man ſich vor den Soldaten , und läßt ihn , das
rechte Auge als Zielpunkt bezeichnend, über Abſehen und
Korn auf dasſelbe zielen . Sind Rorn und Abſehen , ſo wie
das Auge des Zielenden , in gerader Linie auf das Auge des
Prüfenden gerichtet ; ſo iſt dieß der Beweis , daß der Sol
dat gut zu zielen verſteht. Hierauf läßt man ihn aus dieſer
Stellung das Gewehr abdrücken , um ſich zu überzeugen , ob
er dabei ruhig im Anſchlage geblieben ſei. Dieſe Übung kann
auch auf - in den Zimmern oder den Gängen angebrachte
Zielpunkte -- ſtattfinden .
Bei der Übung im Zielen iſt zugleich auf einen zweckmä- 160 .
Bigen Anſchlag zu ſehen , welcher darin beſteht, daß der Körper
sim Gleichgewichte zwiſchen beiden Füßen rube , der linke
Oberarm mehr an den Leib geſchloſſen als vorgeſtredt, der
rechte aber , um dem Kolben eine feſtere Stüße zu geben ,
erhoben werde. Der Kopf iſt beim Zielen nur mäßig vor
und rechts ſeitwärts geneigt, der Baden wird nur leicht
an den Kolben , dagegen dieſer um fo feſter an die Schuls
ter gelegt ; weil dann der Rückſtoß nicht ro empfindlich
iſt. Während des Zielens muß getrachtet werden , daß das
Korn ſtets in der Mitte des am Abſehen befindlichen Ein
ſchnittes erhalten werde.
Bei Anfängern kann man ſich zur Übung im Zielen einer 161.
im Plan I Fig . 5 dargeſtellten , leicht anzufertigenden Höl- Plan
* Fig . 5 I. .
zernen Vorrichtung bedienen, weldye man entweder auf einen
Tiſch , oder mittelſt der darin befindlichen Öffnung auf einen ,
am oberen Theile mit einein Zapfen verſehenen Stanbpflock
ſtellt , ſodann ein Gewehr darauf legt, und dieſes ist die
Richtungslinie bringt. Nun läßt man den Soldaten das
48
Gewehr mittelſt Vor- und Zurüddrüden des Keiles auf den
Zielpunkt richten , und überzeugt ſich hierauf von deſſen rich
tigem Erfaſſen .
162. Der Schüße muß nicht allein geübt ſein , den Anſchlag
ſtets genau auszuführen , ſondern durch tägliche Übung es
dahin bringen , ſolchen ſchnell annehmen zu können ; was
durch öfter nach einander erfolgendes Anſchlagen , Zies
len und Abfeßen zu erreichen ’iſt.
163. Das ruhige Abdrücken des Züngels kann dem Soldas
ten am beſten dadurch beigebracht werden , wenn man ihn
die leere Hand ausſtrecken, dann die Bewegung ſo mit dem
Zeigefinger – als ob er das Züngel wirklich abzudrücken
hätte - machen , und dieß ſo lange wiederholen läßt,
bis man bemerkt, daß die Fauſt dabei ganz ruhig bleibt,
und an der Bewegung des Zeigefingers keinen Antheil
nimmt. Nun lehnt man ſeinen eigenen Zeigefinger gegen
das Mittelglied jenes des Soldaten , läßt ihn an ſelben
langſam andrücken , und belehrt ihn , daß er auf gleiche
Weiſe trachten müſſe , mit dem Drucke gegen das Züngel
den Schuß abgehen zu machen .
164. Die vorſtehende Abhandlung über das Zielen und
Treffen genügt, um die Chargen mit der Theorie des Schies
ßens und den Urſachen der verſchiedenartigen Wirkung der ab
geſchoſſenen Kugel bekannt zu machen . Es wird zur Er
leichterung und Förderung des Unterrichtes gut ſein , wenn
man die Fig . 2 an der langen Wand eines Ganges oder des
Kaſernhofes möglichſt groß zeichnen läßt , weil mit Hilfe
dieſer Zeichnung die Schußregeln um ſo leichter praktiſch er
läutert und verſinnlicht werden können .
165. Bei dem Soldaten , deffen geiſtige Ausbildung im Ads
fur. gemeinen nicht von der Art iſt, daß er die Theorie iber das
den Soldaten
Zielen und Treffen in ihrer ganzen Ausdehnung auffaſſen
kann , und bei dem es ſich übrigens mehr an die Kenntniß
49
der Wirkung ſeiner Waffe , als um jene der Urſachen
dieſer Wirkung handelt , kann der Unterrichi im Allgemeis
nen auf die obigen Schußregeln beſchränkt werden .
Da die Wahl des Zielpunktes von der Entfernung des 166.
Schäßung der
zu beſchießenden Gegenſtandes abhängt , und darnach bemef- Diſtanzen.
ſen werden muß, ſo iſt es für den Soldaten von Wichtigs
keit , daß er die Diſtanzen bis auf wenigſtens 300 Schritte
möglichſt genau abſchäßen lerre; was nur durch Übung er
zielt werden kann .
Hierzu ſtellt man einzelne Männer , anfänglich auf 50, 167.
dann auf 100 , 150 Schritte u . f. w . auf, und läßt Andere
dieſe Diſtanzen beurtheilen und ſodann abſchreiten , damit
fich ein Jeder von der Richtigkeit oder Unrichtigkeit ſeiner
Schäßung überzeuge. Hat der Soldat die Entfernung von
50 Schritten richtig zu beurtheilen erlernt , ſo muß ihm gez
ſagt werden , daß er bei Schäßung größerer Diſtanzen dieſe
Strece gleichſam als Maßſtab gebrauchen , nämlich ſolche
in Gedanken gegen den betreffenden Punkt überſchlagen ,
und auf dieſe Art ermitteln ſoll, wie oft dieſe 50 Schritte
in der ganzen Strecke enthalten ſein können ; nur muß
er aufmerkſam gemacht werden , daß ſich die zweiten 50
Schritte , der größeren Entfernung wegen, dem Auge etwas
kürzer zeigen als die erſten , u . ſ. w . ..
Überdieß muß dem Manne geſagt werden , daß er ſich 168.
jedesmal merken ſolle, welche Theile des Körpers, der Rüs
ſtung oder Armatur ſeines Gegners er auf die verſchiedes
nen Entfernungen ehe, und wie er ſie ſehe; damit er
ſpäterhin aus der Anſchauung der Gegenſtände ihre Ent
fernung beurtheilen lerne.
Beſtimmtere Regeln laſſen ſich für das richtige Abfchä- 169 .
Ben der Diſtanzen nicht geben . Die Übung muß hier das
Meiſte thur., aufwelche daher hingewieſen und ſolche beſonders
den Offizieren und Unteroffizieren empfohlen wird, damit fie
Abrichtungs-Regl. f. &. Inf.
50
im . Stande find, ihrer Mannſchaft die jedesmalige Entfer
nung des zu beſchießenden Gegenſtandes, welcher — wenn
es z. B . eine Batterie , eine Maſſe oder eine Kavalleries
Abtheilung betrifft, - auch auf 500 — 600 Schritte ent
fernt ſein kann , mit Beſtimmtheit und aller Genauigkeit
anzugeben .
S . 12.
Belehrung über das Scheibenſchießen.
170. Um die Mannſchaft mit den Gebrauche und der Wir
tung ihrer Gewehre vertraut zu machen , dienen die alljährs
lich vorzunehmenden Schießübungen nach der Scheibe.
171. Der Schießplaß ſoll eben , und in der Gegend des Zieles
plaß . teßo wo möglich durch eine ſteile Anhöhe begrenzt ſein ; um die
hoch über das Ziel geſchoſſenen Kugeln aufzufangen .
172 . Die Schußrichtung wird mittelſt einer tracirten Linie,
Plan I. und von 50 zu 50 Schritten init Diſtanzpflöden markirt.
Fig . 3. "
173. Am Ziele wird ein Kugelfang von ungefähr 6 Klafs
ter Länge , 12 Fuß Höhe, und 4 Fuß oberer Øreite , auß
Erde errichtet.
174. Etwa 30 Schritte ſeitwärts dieſes Sugelfanges wird
eine Schußweb re für den Zieler angebracht.
175. Die Scheibe muß aus einer rechtwinkligen , weiß an
perde,
Plan 1 . geſtrichenen Holztafel, oder einem mit Leinwand oder als
tem Kittelzwilch und darübergeklebtein Papier überzogenen
Eiſens oder Holzrahmen , von wenigſtens 4 Schuh Grund
linie und 6 Schuh Höhe beſtehen . In der Mittellinie wers
den , um Kopf und Bruſt des Gegners verzuſtellen , zwei
fchwarze kreisförmige Zielpunkte bezeichnet, deren jeder
. . 6 Zoll im Durchmeſſer hat, iind wovon die Mitte des erſtes
ren 4 Schuh, jene des zweiten aber 5 Schuh 3 Zoll vom
unteren Nande der Scheibe abſteht. Aus dem Mittelpunkte
des unteren Schwarzen werden 6 , einen Zoll von einander
81
abſtehende Kreiſe gezogen und von Außen nach Inner
numerirt .
Zur beſſeren Verſinnlichung des Zieles wird auf die 176.
Scheibe die Figur eines Mannes nach dem Hauptnmriffe
gezeichnet; ſo , daß das obere Schwarze den Kopf, das un
tere die Bruſt derſtedt.
Die Scheibe muß in ihrer Mitte genau in der Schuß- 177.
linie und ſenkrecht auf dieſe aufgeſtellt werden .
Am Schießftande wird ein ſtarker Pfahl in die Erbe 178.
An Der Stands
gegraben , oder ſonſt befeſtiget , welcher vor 2 zu 3 Zoll
mit Löchern für einen hölzernen Bolzen zu verſehen kommt,
auf welchen das Gewehr aufgelegt werden kann. Auf dem
Bolzen wird eine weide. Unterlage angebracht , damit das
Gewehr beim Souſſe nicht prelle. Dieſer Pfahl heißt ber
Standpflod .
Um die Schüſſe zu bezeichnen , erhält der Zieler , je 179.
nach Beſchaffenheitder Scheibe, eine verhältnißmäßige Menge Der Zieler.
entweder an eine Schnur gereihrer Pflödchen , oder runder
Zettel bon farbigem Papiere , welche mit der fortlaufenden
Nummer bezeichnet find. Nach jedem Schuſſe begibt er fich
an dieSdheibe, zeigt den Schuß im Weißen mit der ſchwarzen ,
den im Schwarzen mit der weißen Seite ſeines Zeigers an,
und ſchlägt ein Pflödchen ein , oder überflebt den Schußmit
einem Zettel; überdieß hat er durch ein Zeiden anzubeuten ,
ob die Figur oder auch ein Kreis und welcher getroffen
wurde.
Jeder Schuß muß in der Schußtabelle genau einge- 180.
tragen werden , und erhält dort die mit dem Pflöciben oder
Zettel des Zielers gleichlautende Nummer , damit man die
Schüſſe eines jeden Mannes kontrolliren könne. Für die
Richtigkeit der Schußtabelle haftet ber Feldwebel. Um den '
Zieler zu fontroliren , hat derſelbe nach jedem zehnten
Schuile dem eintragenden Feldwebel die Nummer laut zus
4 *
32
zurufen , welche dann ſtets mit der im Schießbuche einges
tragenen übereinſtimmen muß.
181. Die Übung im Scheibenſchießen iſt in der Regel nur
mit Abtheilungen bis zur Stärke von 20 Mann vorzu
nehuen , und der Soldat zu jeder derſelben höchſtens mit
zehn Städ Patronen zu betheilen ; auf dieſe Art aber im
Verlaufe des Jahres ſo lange fortzufahren , bis zuleßt die
ganze Mannſchaft die vorgeſchriebene Anzahl von Patronen
perfeuert hat, wobei das geſammelte Blei dergeſtalt zu ver
wenden iſt , daß von den ſchwächeren Schüßen jeder wenig.
ſtens 30 Schüſſe im Jahre mache.
182. Zur Bildung dieſer Abtheilungen ſind, -- um bei der
Übung nicht aufgehalten zu werden , - jene Leute , welche
· als beſſere Schüßen bekannt ſind , und eben ſo auch jene,
welche auf die nahe Diſtanz allein zu feuern haben , vorerſt
auszuſcheiden .
183. Ilm die Fortſchritte jedes einzelnen Mannes im Schies
- Ben fortwährend genau fontrolliren zu können , hat jede
Plan II. Kompagnie ein Schießbuch im Quartformate nach Plan II.
anzulegen . Bei jeder Ausrüdung zum Schießen foumt auf
die rechte Blattſeite die Schußtabelle , auf die entſprechend
linke Seite aber werden im verjüngten Mabitabe die Scheibe
fanımt der Figur verzeichnet, und auf ſelber alle gemachten
Treffer nebſt Beifeßung des betreffenden Numero angemerkt.
Jede einzelne Schußtabelle und Scheibe iſt nach der fortlaus
fenden Zahl der ſtattfindenden Übungen numerirt. Am Ende
- des Schießbuches befindet ſich das Namenregiſter , in wels
Wein bei jedem Manne die Nummern derjenigen Schußtabela
len , - in welchen er eingetragen iſt, beſeßtwerden .
184. Hierdurch wird der Vorgeſepte in den Stand gefekt,
ſich jederzeit augenblidlich die überzeugung zu verſchaffen ,
auf welche Diſtanzen und mit welchem Erfolge jeder eins
zelne Mann im Verlaufe der ganzen übungszeit gefeuert
53
hat, ſo wie auch aus den in der Rubrik » Anmerkung“ , beigerek
ten Anordnungen der Bataillons- und Kompagnie - Rommans
danten zu beurtheilen , ob der Fürgang ein richtiger war.
Die zuerſt zum Schießen beorderte Unter - Abtheilung 185 .
wird ſeitwärts des Schießſtandes aufgeſtellt, und, wenn die
Gewehre viſitirt und anſtandlos befunden wurden , zum
Laden beordert.
Rekruten , und im Schießen noch ungeübte Leute, läßt 186 .
man unter Aufſicht einer Charge - einzeln laden , und
hierbei über das Einführen des Zünders, Abreißen der
Papierhülſe, Ausbeuteln der Patrone, und Anſeßen der
Kugel praktiſch belehren .
Hierauf läßt man einen Mann nach dem andern an 187 .
die ſeitwärts des Schießſtandes anzubringende , in Nr. 161
erwähnte Vorrichtung treten , ein zu dieſem Zwecke auf
derſelben liegendes Reſerve-Gewehr, nach der jeweiligen Ents
fernung , auf den betreffenden Punkt der Scheibe richten ,
und erſt, nachdem man ſich die Überzeugung verſchafft hat,
daß die Belehrung über das Zielen von ihm richtig erfaßt
wurde, an den Standpflock treten , und ſeinen Schuß auf dies
ſelbe Art anbringen .
Hiermit iſt der Anfang auf 50 Schritte zu machen ; ſor 188.
dann wird auf die Diſtanz von 100 Schritten dieſe Übung
fortgefeßt, und der allenfallſigeReſt der Patronen ſonach auf
150 Schritte verfeuert. Es darf jedoch in keinem Falle frü
her auf eineweitere Diſtanz zurüdgegangen werden , bis der Sof
dat von der früher innegehabten drei Sdüſſe nach ein
ander , in die Scheibe gebracht hat. Geübtere Schü $ en
läßt man auf die Diſtanz von 100 Schritten anfangen , und
unter derſelben Beobachtung erſt auf 150 Schritte zurüdgehen .
Ganz ausgebildete Schüß en beginnen gleich auf
die Diſtanz von 150 Schritten , und können , wenn ſie unter
drei Schüſſen jederzeit wenigſtens zwei in die Scheibe
treffen , auch auf die weiteren Diſtanzen von 200 und 350
Schritten zurüdgeführt werden .
189. Nach vollendeter Ladung wird ein Mann nach dem an
deren in den Schießſtand gerufen , von einem ſeitwärts auf
zuſtellenden Tambour oder Horniften – als Zeichen , daß
der Zieler unter keinerlei Vorwand aus ſeiner Dedung treten
dürfe, — der Ruf geſchlagen oder das Signal: » feuerna
geblaſen , und hierauf der betreffende Mann unter folgender
Belehrung zum Schießen nach der Scheibe angewieſen :
1 . Das Gewehr mit ruhiger Hand und ohne Übereis
lung anzuſchlagen , den Kolben gut an die Schulter zu drüs
den , den Laufweder auf die eine noch auf die andere Seite
zu verdrehen .
2 . Mit dem Auge nicht zu blinzeln , ſondern feſten
Blickes den Einſchnitt des Abſehens , die Mitte des Rornes
und den Zielpunkt in eine Linie zu bringen .
3 . Zum Abfeuern des Gewehres , ohne zu wankerr
oder irgend eine Bewegung zu machen , den Zeigefinger lang
ſam vom Griffbügel ab , mit dem Mittelgliede an das uns
tere Ende des Züngels zu bringen , und dieſes — während
der Athem eingehalten wird – durch einen nach und nachy
verſtärkten Druck abzudrücken , während die übrigen Finger
in ihrer Lage am Kolbenhalſe verbleiben , und ja nicht
der Bewegung des Zeigefingers folgen dürfen ; widrigenfalls
das Gewehr aus ſeiner Lage verrüdt würde.
4 . Fühlt der Mann , während er ſich im Anſchlage
befindet, daß das Gewehr nicht ruhig in der Hand liegt,
oder glaubt er dasAbſehen undKorn noch nicht in die wahre
Richtung gebracht zu haben , ſo ſoll er nicht losdrüden ; ſona
dern gelaſſen abſeßen , ausruhen , und wieder anſchlagen .
5 . Brennt der Zünder ab , ohne daß ſich die Ladung
entzündet , ſo ſoll der Mann nicht gleich abfelsen , ſondern
noch eine Weile im Anſchlage bleiben ; dann aber das Gewehr
55

in der Richtung der Scheibe unter die Bruſt herabziehen , die


Pfanne nöthigenfalls mit dem Raumer reinigen , einen friſchen
Zünder einführen , und die Kugel mit dem Ladſtođe noch ein
mal anſeßen . Erplodirt der Zünder abermals allein , ſo tritt
der Mann ab , und verfügt ſich ſeitwärts zu einem eigens
hierzu aufgeſtellten Unteroffiziere, unter deſſen Aufſicht das
Nöthige veranlaßt , oder der Schuß ausgezogen wird.
. 6 . Nach erfolgtem Abfeuern ſoll der Mann mit geſouls
tertem Gewehre noch ſo lange ſtehen bleiben , bis ihm dex
Zieler ſeinen Schuß auf der Scheibe gezeigt hat. Ein geübter
Schüße roll übrigens wiſſen ,wo die Kugel ſtedt, bevor ihm
dieſes durch den Zieler gezeigtwird, da er die Richtung, welche i
das Gewehr im Augenblicke des Losdrüdens hatte, kennen muß
Es iſt nicht unbedingt nöthig , das linke Auge beim 190.
Zielen zu ſchließen . Leute , die dieß nicht können , find wie
alle Anderen auf die bekannte Weiſe im Zielen zu üben ; da
die Erfahrung lehrt , daß manche gute Schüßen dieſe Art zu
zielen , der mit geſchloſſenem Auge vorziehen .
Auf dieſe Weiſe wird Mann für Mann vorgenommen 191..
und gründlich belehrt.
: Eine gewiſſe Anzahl Schüſſe müſſen mit gepflanztem 192..
Bajonete gemachtwerden , damit es dem Soldaten nicht ſchwer
werde , auch auf dieſe Weiſe ſicher zu treffen .
Ferner kann auch das Schießen liegend, knieend, fißend 1931
hođend 2 . auf dem gewöhnlichen Schießſtande mit ſämmts
licher Mannſchaft eingeübt werden .
Guten Schüßen iſt in der Stellung , Haltung des Ges 194.
wehres , der Kände u. ſ. w . völlige Freiheit zu geſtatten ; . .
minder gute, oder ſchlechte Schüßen müſſen verhalten werden ,
ſich ſtrenge nach der Vorſchrift zu benehmen . .
Wenr: die ganze Unter - Abtheilung durchgefeuert hat, 1960
werden die Gewehre viſitirt, und entweder neuerlich geladen , ,
00*r eine andere Abtheilung vorgerufen .
: 56
196 . In der Nähe des Schießſtandes ſollen Ruhe undOrdnung
herrſchen , um den Unterricht nicht zu ſtören , und Unfällen
vorzubeugen ; weshalb ſich auch die Mannſchaft Hets ſeits
und rüdwärts des Schießſtandes aufzuſtellen kat.
197. Schließlich wird den Offizieren , insbeſondere aber den
KompagniesKommandanten empfohlen , auf die Ausbildung
der Mannſchaft im Schießen mit allem Fleiße und beſondes
rer Sorgfalt zu wirken ; da dieſer Gegenſtand zu den wich
tigſten des praktiſchen Unterrichtes gehört, und die Brauchbars
feit der Infanterie größtentheils von der geſchidten und wirks
ſamen Anwendung des Feuergewebres abhängt.
198. Da ein theoretiſder Unterricht nur dann von Erfolg bes
gleitet wird , wenn ihn gleichzeitig die praktiſche Erfahrung
unterſtüßt; ſo iſt es erforderlich , daß die Offiziere nicht allein
die Theorie des Schießens in ihrem ganzen Umfange kennen
und genau zu ertheilen verſtehen , ſondern daß ſie auch ſelbſt
gute Schüßen ſind , um durch ihr Beiſpiel auf die Nacheifes
rung des Soldaten einwirken zu können .
199. Die Bataillons-Kommandanten , denen insbeſondere die
Ausbildung der Offiziere obliegt, haben ſolche daher einiges
mal im Jahre zu verſammeln , und nach der Scheibe ſchießen
zu laſſen ; wozu ein Theil des erſparten Pulvers und des
geſammelten Bleies zu verwenden iſt.
200. überhaupt muß vorzüglich dahin geſtrebt werden , bei
Der Mannſchaft Luft für dieſe Übungen , ſo wie eine Art
Wetteifer anzuregen ; weil dieß das geeignetſte Mittel iſt,
um ein günſtiges Reſultat herbeizuführen .
201. Um den Soldaten für gute Schüſſe auszuzeichnen , iſt
feſtzuſeßen, daß für jeden Treffer in der Figur der General
marſch der Füſiliere, für jeden Kreisſchuß aber jener
der Grenadiere geſchlagen werde.
20% . Ferner ſind kleine Maſchen oder Rofarden von Bändern
verſchiedener Farben anfertigen zu laſſen, und dieMannſchaft
67
damit, je nachdem die Figur oder ein Kreis, und welcher Kreis
getroffen wurde, - während der Übung zu betheilen .
- Endlich werden jährlich nach beendetem Scheibenſchießen 203.
Prämien vertheilt, deren Anzahl derart zu bemeſſen fömmt,
daß nach dem Stande der Mannſchaft, welche dieſer Übung
beigewohnt hat, auf zehn Mann Eine entfalle.
Die mit ſolchen Prämien betheilte Mannſchaft iſt ſodann 304.
bei der nächſten Muſterung dem Brigadier vorzuſtellen ; übers
dieß ſind die vorzüglichen Schüßen bei der Vertheilung der
Kammerbüchſen zu berückſichtigen , wenn ſie anders durch
ihre ſonſtigen Eigenſchaften hierzu entſprechen .
Von dem zu dieſem Zwede jeder Kompagnie jährlich bes 205.
willigten Geldbetrage iſt, nach Abſchlag der für Anſchaffung
von Bändern oder Rofarden gemachten Auslagen , in der
Regel ein Drittheil für die erſte, ein Drittheil für die zweite
und dritte Prämie zu beſtimmen ; das leßte Drittheil aber
unter die übrigen Prämien im abnehmenden Verhältniſſe ſo
zu vertheilen , daß die leßte Prämie wenigſtens noch eine
doppelte Löhnung des Soldaten betrage.
Den Anſpruch auf die erſte, und ſofort aufdie folgenden 206 .
Prämien gibt unbedingt die größere Anzahl der Treffer in
der Scheibe , und nur bei gleicher Anzahl derſelben entſcheis
det die Zahl der vorzüglicheren Schüſſe; wobei vorerſt die in
den Kreiſen , und dann jene in der Figur zu berückſichtigen ſind.
$. 13.
Ehrenb eze igu nge n mit dem Gewehre.
Wenn der Soldat allein auf der Straße geht, trägt er das 207.
Gewehr in der Regel aufder Schulter. Begegnet er einem Vorges ·
feßten , ſo geht er mit militäriſchein Anſtande an ihm vorüber,
undwendet auf drei Schritte Entfernung den Kopf nach jener
Seite,aufwelcher ſich der Vorgeregte befindet. Dasſelbe thuter ,
wenn er vor einer Schildwache vorüber geht. Iſt er auf drei
Schritte an dem Vorgeſekten , oder dem Aufſtellungspunkte der
Schitwache vorüber , ſo wendet er den Ropf wieder gerade.
58

208. Vor der Allerhöchfter Herrſchaft macht er in


der Entfernung von drei Schritten Front, präſentirt
und folgt derſelben mit der Wendung des Kopfes. Iſt die
Allerhöchſte Herrſchaft drei Schritte an ihm vorüber, ſo ſchuls
tert er und ſeßt ſeinen Weg fort.
209. Wird das Kochwürdige vorübergetragen , ſo macht
er auf ähnliche Weiſe wie vor der Allerhöchſten Herrſchaft
Front, nimmt aber hierauf das Gewehr beim Fuß und
Iniet zum Gebete nieder.
210. Auf Dach und Poſten trägt der Soldat das Gewehr
nach Bequemlichkeit geſchultert oder in Arm . Bei Annäherung
eines Unteroffiziers oder Priina-Planiſten , begibt er ſich auf
den Plaß , auf welchem er aufgeführt worden , nimmt auf
drei Schritte Entfernung, das Gewehr wenn er es geſchultert
trägt, » In Arm « , und begleitet den vorübergehenden Vorges
ſepten mit der Kopfwendung. Iſt dieſer drei Schritte an ihm
vorüber , ſo bewegt er ſich wieder nach Willkür.
211. Bei Annäherung eines Obers oder Stabs -Offiziers, eines
Generals, der Allerhöchſten Herrſchaft oder des Hochwürdigen
begibt er ſich mitgeſchultertem Gewehre auf den Plaß, aufwels
chen er aufgeführtworden , wendet, ſobald ſich der Höhere auf
drei Schritte genähert hat, den Kopf nach jener Seite, präs
ſentirt, und begleitet den Höheren mit der Kopfwendung.
Iſt derſelbe drei Schritte an ihm vorüber, ſo wendet er den
Kopf gradaus, ſchultert, und bewegt ſich nach Willkür.
212. Trägt der Solbat das Gewehr verdedt, ſo behält er
ſolches in jeder Gelegenheit in dieſer Lage; nur wenn er für
fich allein auf der Straße geht , hat er vor dem Hochwürbis
gen Front zu machen , und ſich nach Vorſchrift zum O es
bete zu ſtellen, mit dem Bemerken jedoch, daß hier ſtatt der
linken , die rechte Hand zum Sonnenſchirmeerhoben wird .
213 . Dieweiteren Belehrungen über das Bertalten des Soldaa
ten auf Wach ' und Poſten ſin ) im Dienſtreglement enthalten .
Bweites Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten im Gliede.
Iſt die Ausbildung des einzelnen Soldaten mit genüs 214.
gendem Erfolge bewirkt , ſo ſtellt man mehrere, mit Rüdſicht
auf ihre Fähigkeiten fechs bis zehn , zum weiteren Unters
richte in ein Glied .
Die Ausführung aller Bewegungen und Gewehrgriffe 215 .
hat im Sliede auf das betreffende Kommando von allen Måns
nern gleichzeitig, vorſchriftsmäßig , ſchnell und kurz zu erfols
gen , nach Vollendung derſelben aber muß vollkommene Uns
beweglichkeit und Ruhe Herrſchen .
$. 14.
Stell u ng.
Bei der Aufſtellung eines Gliedes zum Unterrichte, rich- 216 ,
tet ſich die Rangirung derMänner nach jener ter Kompagnie,' .
zu welcher ſie gehören .
An jebem Flügel des Gliedes wird ein Unteroffizier,217 .
oder ein im Ererziren , gewandter Soldat als Stellvertreter,
aufgeſtellt.
Zur guten Stellung eines ganzen Gliedes iſt nel ſt der 218,
genauen Beachtung der für den einzelnen Soldaten insbes
60
fondere gegebenen Vorſchriften noch erforderlich , daß
mit oder ohne Gewehr - jeder ſeinen Nebenmann an dem
Ellenbogen leicht fühle, ohne ihn zu drüđen oder ſich auf
denſelben zu lehnen , und daß Abfåße und Sdultern
aller einzelnen Männer in einer und derſelben geraden Linie
fich befinden , welche man die Front- oder Richtungs
linie des Gliedes nennt.
919. Bei dem jedesmaligen Antreten des Gliedes wird in der
Regel die Fühlung gegen den rechtsſtehenden Nebenmann ge
nommen . Das Erfaſſen der Frontlinie wird ſowohl durch die
Fühlung, als, bei gerade gewendetem Kopfe, durch einen Blick
gegen den Nichtungspunkt bewirft. Es muß hierbei vorzüg
lich darauf geſehen werden , daß ſich der Soldat an eine leichte
Fühlung mit natürlich an den Leib geſchloſſenen Ellenbogen
gewöhne, indem das Zuſammenpreſſen nicht nur überhaupt
unbequem , ſondern überdieß bei Ausführung der Gewehr
griffe , ganz beſonders aber beim Feuern ſehr hinderlich iſt.
230. Der Kommandant prüft und berichtigt die Stellung
jedes Einzelnent; wobei jeder Mann demſelben beim Vor
übergehen mit dem Kopfe zu folgen , und dieſen ſo lange
dahin gewendet zu behalten hat, bis : » Habt – Acht!“
kommandirt wird. Hierbeimuß die Mannſchaft unbeweglich
ſtehen bleiben , ihre ganze Aufmerkſamkeit auf den Kommans
danten richten , und überhaupt vollkominene Stille und Ruhe
beobachten .
281. Küdſichtlich des der Mannſchaft zeitweiſe zu geſtatten
den Rubens gelten die in Nr. 7 gegebenen Vorſchriften .
$. 15 .
· Kopfs und Körperwendungen .
322. Die Kopf- und Körperwendungen erfolgen im Gliede
von allen Männern gleichzeitig , auf die bei der Ausbildung
des einzelnen Soldaten erklärte Weiſe und auf dasſelbeRoms
61

mando ; auch treten nach Vollführung derſelben für den


Kommandanten die daſelbſt angegebenen Brobachtungen ein .
. Bei Ausführung der doppelten Körperwendung wird jes 223.
doch dem Kommando nos das Avertiſſement: » Die Front
verkehren !“ und im Faile die Front verkehrt worden
wäte und wieder in die uriprüngliche Richtung hergeſtellt
werden ſoll : „Die Front herstellen !“ , vorgeſeßt.
$. 16 .
Richtung.
. Zur guten Richtung eines Gliedes gehört , daß ſich alle 324 .
Männer in der vorgeſchriebenen Stellung, dann mit den Abs
fäßen und Schultern in jener geraden Linie befinden , wels
che die beiden Endpunite oder Flügel des Gliedes vers
vindet.
Um den Soldaten das genaue Erfaſſen der Fronts oder 226 ,
Richtungslinie zu lehren , wird : Rechts (links) richt —
euch « fommandirt; worauf die Manr:ſchaft den Kopfnach
der anbefohlenen Seite wendet und ſich richtet. Nun muß
· jedem einzelnen Soldaten praktiſch beigebracht werden , daß
er, um ſeine Richtung vollkommen zu bewirken , 3. B . bei
red t $ gewendetem Kopfe mit dem rechten Auge blos
einen Nebenmann erbliden , mit dem linken hingegen ,
von ſeinem zweiten rechtsſtehenden Nebenmanne und von der
weiteren Frontlinic nur einen Schein entdeden dürfe , bei
mäßigem Vorbiegen des Körpers aber die Front überſehe.
Für die Richtung links gilt das Entgegengeſepte.
Gewöhnlich verfehlt der Soldat die Nichtung dadurch ,226.
daß er bei jener rechts die linke, bei jerer links die rechte
- Fußip i $ e mehr auswärts gewendet, oder die Abfäße nicht
gleichgeſtellt hat; wodurch die der Richtungsſeite entgegen .
geſepte Hüfteund Schulter verſagt, und es ſowohl ihm ſelbſt,
wie auch den nachfolgenden Männern , unmöglich wird ,
62

die Richtungslinie gehörig zu erfaſſen . Dieſer Fehler , ſowie


aud das Vorhängen des Kopfes beim Erfaſſen der Richa
tungslinie , haben zur Folge , daß von den Manne an , wo
derſelbe entſtand , alle folgenden hinter der wahren Rides
tungslinie zurüdbleiben ; ſo wie im Gegentheile, wenn ein
Mann den Kopf , oder bei der Richtung rechts die rechte,
bei jener links die linte Fußſpite zu viel auswärts
gewendet, ſomit die entgegengeſepte Schulter vorgeſchobent
hat, ſowohl er ſelbſt , wie auch alle nachfolgenden Männer
über die Richtungslinie vorprellen .
297. Zur Beurtheilung der Richtung ſtellt ſich der Rommans
dant ſtets einige Schritte ſeitwärts des Flügels auf, von
welchem die Richtung ausgeht.
228 . Jit das Glied nicht geģörig gewichtet, ſo ſind die Fehler
nicht durch Vor- oder Zurüdrufen der betreffenden Leute zu
verbeſſern , ſondern der Rommandant hat ſich zu demjenigen
Manne zu verfügen , welcher zu der falſchen Richtung Anlaß
gegeben hat, und deſſen Stellung zu prüfen und zu berichtigen ;
weld leßteres, jedoch nicht inittelft Antaſten dei Rörpers, juis
dern dadurch zu geſehen ha:, das der Main angewieſen wird ,
auf ſeine Füße zu ſehen , ſolche gehörig zu ſtellen , und dann
feine gute Richtung nach eigener Beurtheilung zu ſuchen .
229. Sollte jedoch keiner der oberwähnten Fehler der mans
gelhaften Richtung zum Grunde liegen , ſo iſt das unrichtige
Augenmaß desjenigen Mannes , bei welchem die fehlerhafte
Richtung ihren Anfang geneunmen hat, durd wiederholte
Belehrung zu berichtigen .
230. Bei zunehmender Fertigkeit muß jedoch die Mannſchaft
gewöhnt werden , ihre Richtung auf das Vors oder Zurücs
winken des ſeitswärts des Nichtungspunktes aufgeſtellten
Kommandanten zu verbeſſern . Der mittelſt det Winfens zum
Vor- oder Zurücktreten angewieſene Mann, darf ſeine fehs
lerhafte Rid;tung nicht durch das Vor- oder Zurüdbiegen des
63
Körpers verbeſſern , ſondern muß durch Vor- oder Zurüdtres
ten ſeine Richtung zu gewinnen ſuden .
3ft das Glied gehörig gerichtet , ſo wird : Habt - 231.
Acht! « tommandirt.
Damit der Soldat die nöthige Fertigkeit erlange, eine 932.
beſtimmte Frontliniemöglichſt ſchnell und genau zu erfaffen ,
ro wie auch eine fehlerhafte Richtung ſchnell zu berichtigen ,
läßt man jene Flügelcharge des Gliedes , von welcher die
Richtung ausgehen ſoll , die eine oder die andere Schulter ,
mittelſt einer geringen Wendung des Körpers etwas vors
nehmen , und weiſet die Mannſchaft an , auf das nachfol.
gende Kommando : » Rechts (links) richt - euch !“
den Kopf nach der bezeichneten Seite zu wenden , ſchnell in
die neue Richtungslinie einzutreten , und dieſe ger.au zu ges
winnen ; hierbei aber vorzüglich das Vorprellen über dieſelbe
zu vermeiden .
Sod endlich die Mannſchaft des Gliedes in einewenige 233.
Schritte vorwärts gelegene Linie verjebt, und dort neuerlich
eingerichtetwerden, ſo wird die fürgewählte neue Richtungs
linie jederzeit vorher marfirt , worauf dann erſt ein Mann
nad dem anderen in die neue Richtungslinie abrüdt. Je nach
dem dieſes Abrücken vom rechten oder linken Flügel beginnt,
wird dieſe Bewegung eine Richtung rechts oder links genannt.
Zur Übung dieſer Richtung im Griede rüden auf das 234 .
Kommando : Chargen und rechter (linker) Flügelmannni! PlanIII.
- Marsch !« die an den Flügeln eingetheilten Unteroffiziere
und der benannte Flügelmann ſe dy & Schritte gerade vor,
bleiben ohne Rommando ſtehen und wenden hierauf den Kopf
rechts (links).
Der Unteroffizier an jenein Flügel , von weld;cm die 235 .
Ridtung arisgehen ſoll , bildet den Stüßpunkt der neuen
Aufſtellungslinie, und dient 311 gleich für die Mannſchaft als
Richtungspunft, gegen welchen ſie Füh:ung und Nichtung
64

zu nehmen hat ; während jener am entgegengeſeßten Flügel


als Richtungsobjekt dient.
336 . Hat der Kommandant die Überzeugung gewonnen , daß
die Chargen gerade vorgetreten ſind , und die allenfelſige
Abweichung berichtigt; ſo verfügt er ſich auf einige Schritte
ſeitwärts des Stübrunftes, und richtet die beiden Unteroffiziere
und den vorgetretenen Flügelmann genau aufeinander.
237. Beim erſten Unterrichte wird hierauf vorerſt jederMann
einzeln in die neue Richtungslinie vorgerufen , um deſſen Richs
tung gehörig prüfen , und nöthigenfalls berichtigen zu können .
238. Hierzu ſtellt fich der Kommandant gerade vor denjenigen
Mann , welcher zuerſt abzurücken hat, und belehrt ihn , daß
er auf das Rominando : » Rechts (links) richt — euch !“
austreren , gerade vorgehen , den lebten Schritt in drei kleine,
ſchnell auf einander folgende Schritte abtheilen , hiers
bei den Kopf nach der bezeichneten Richtungsſeite wenden,
ſeinen bereits in der neuen Richtungslinie befindlichen Nes
benmann mit dem Ellenbogen leicht fühlen , und ich ſchnell
nach demſelben richten müſſe.
839 . Hat der Mann die Richtung gut erfaßt , ſo laſſe man
ihn etwas weniges hinter die Richtungslinie zurück, oder aus
derſelben vortreten , um ihn zu überzeugen , daß er z. B . bei
der Richtung rechts, im erſteren Fallemit dem linken Auge den
Schein der Front verloren habe , im lekteren dieſelbe übers
ſehen könne; daher bei weiterem Zurüdgehen oder Vorriden
endlich mit beiden Augen die Frontlinie von rückwärts oder
von vorne ganz überſehen werde. Sierauf laſſe man ihn die
wahre Richtungslinie neuerdings ſelbſt ſuchen .
240. Auf gleiche Art wird nun jeder Mann eirzeln vorgerus
fen , und ,wenn alle Männer des Gliedes in der neuen Richs
tungslinie ſich befinden : » Habt – Acht!« kommandirt;
auf weldes Kommando die Köpfe nad Nr. 12 gerade zu
wenden ſind.
65
Hat die Mannſchaft einen richtigen Blick und eine ge- 241.
wiſſe Zuverſicht im Erfaſſen der Richtung erlangt, ſo erfolgt,
nach vorausgegangenem Marfiren der neuen Richtungslinie,
die Richtung auf das Kommando : » Rechts (links) richt - -
euch !“ vom ganzen Gliede; wobei nicht mehr einzeln ,
Mann für Mann , ſondern ſtaffelförmig in die neue Front
linie abgerůdt wird . Es tritt nämlich der dem Richtunge
flügel zunächſtſtehendeMann unmittelbarauf das Kommando ,
jeder andere aber dann aus, wenn ſein dem Richtungsflügel
zunächſtſtehender — Nebenmaun um einen Schritt vorges
treten iſt; im Übrigen aber hat jeder Mann ſich auf die
bei dem einzelnen Vorrüden erklärte Art zu berehinen , und
die Richtung ſchnell zu ſuchen .
Zum Kommandiren dieſer Richtungwird ſich der Rom - 242.
mandant in ſolder Entfernung vor die Mitte der neuen
Frontlinie ſtellen , daß er das ganze Glied während der ſtaf
felförmigen Vorrüdung gut überſehen könne. Hierbei hat er
fein Augenmerk hauptſächlich darauf zu richten , daß jeder
Mann gerade vormarſchire , nicht über die Richiungslinie
vorprelle, die Füße ridtig ſtelle, den Kopf nidt zu viel wende,
die Ellenbogen an den Leib ſchließe, die vorgeſchriebene
Stellungund leichte Fühlung beibehalte undnach dein leßten
kleinen Schritte genau in der neuen Nichtungslinie fich befinde.
. Nach dem erfolgten Einrücken in die neue Frontlinie 243.
überzeugt ſich der Kommandant, ob die Richtung genau
nach dem aufgeſtellten Richtungsobjekte erfolgt ſei, benimmt
ſich hierbei überhaupt , ſo wie beim Abſtellen der etwa vor
handenen Mängel, nach Nr. 227 bis 230 , und kommandirt
ſodann : „ Habt - acht!“
S . 17.
Frontmarich vors und rü c w å rts.
: Wenn ein Glied aus ſeiner Aufſtellung dergeſtalt vor- 244.
tüdt, daß deſſen Front- oder Richtungslinie während des
Abrichtungs-Regl. f. d. Inft.
66
Marſches fortwährend mit der verlaſſenen Stellung parals
Iel bleibt, ſo nennt man dieſe Bewegung einen Fronts
marſd .
345. Beim Frontmarſche wird die Marſdirektion , - je
nachdem das Glied zu einer von der Mitte des Bataillons,
nämlich der Fahne, rechts- oder linksſtehenden Rompagnie
gehört, – von dem auf dem linken oder rechten Flügel
eingetheilter Unteroffiziere geleitet.
346 . Dieſer Unteroffizier hat ſich einen in ſenkrechter Linie
auf die Front des Gliedes befindlichen Gegenſtand als
Direktionsobjekt, und die nöthigen Zwiſchenpunkte zu wäha
len , um unaufgehalten gerade marſhiren zu können ; wos
bei er überdieß ſtets den gleichen Taft einhalten , und
die Schritte in der gleichen und vorgeſchriebenen Länge volls
führen muß.
247. Fühlung und Richtung werden während des Frontmars
fches immer gegen die Marſchdirektionsſeite genommen .
248. Zur Ausführung des Frontmarſches wird aviſirt: » Mit
der Front marschiren !“ und nad dem die Wahl des Dis
rektionsobjektes und der Zwiſchenpunkte geprüft wurde, kom
mandirt : »Glied ! — Marsch !« ; wobei auf: »Glied ! «
jeder Mann die Schwere des Körpers auf den rechten Fuß
zu übertragen hat , um auf das : „Mersch !« ſogleich
ſchnell und im vollen Schritte austreten zu können .
249. Der Marſch muß frei und ungezwungen ſein , und
der Oberleib mit dem vorſchreitenden Fuße gutvorgebracht
werden .
250. Die Richtung darf nicht ängſtlich geſucht , ſondern
muß vorzüglich durch die leichte Fühlung gegen die Marſchs:
direktionsſeite , ſo wie durch das Einhalten eines gleichen .
Schrittes und Trittes erzielt werden ; wobei zur Verges
wiſſerung derſelben , zeitweiſe ein Blid gegen die Marſcha.
direftionsſeite genügt.
67

Bemerkt ein Mann , daß er über die Richtungslinie 251.


hinausgerüdt, oder hinter derſelben zurüdgeblieben ſei, fo
muß er dieſe durch verkürzte oder verlängerte Schritte, ohne
jedoch dabei aus dem Talte zu kommen , wieder zu ges
winnen ſuchen .
Seinen Nebenmann gegen die Marſchdirektionsſeite 252.
hin , muß er ſtets mit dem Edenbogen leicht fühlen , den
ſelben niemals verlaſſen , und wenn er von ihm getrennt
wurde , ſich durch eine mehr vors als ſeitwärts gerichtete
Bewegung, wieder an ihn zuſchließen ſuchen . Dem Drude
von dieſer Seite muß er nachgeben , dem von
der entgegengeſeßten hingegen widerſtehen, das
mit der führendeUnteroffizier nicht aus der ſenkrechten Marſch
direktion gedrängt werde.
Entſtehen während des Marſches Trennungen oder 253.
Drückungen , die ſich von Mann zu Mann fortpflanzen
und immer wieder erneuern , ſo iſt die Marſchdirektion nicht
ſenkrecht auf die urſprüngliche Frontlinie genommen worden .
In dieſem Falle läßt man das Glied halten , berichtigt die
Marſchdirektion , und weiſet die Mannſchaft an , auf das
nachfolgende Kommando: »Glied ! – Marschl« nach
und nach wieder die verlorene Fühlung und Richtung zu
gewinnen .
Um das Glied während des Marſches in gleichem Lakte 254 .
zu erhalten , iſt demſelben zeitweiſe : Eins! Zwei! Eins!
3 wei! u . ſ. w . nach dem Marſchte:npo zuzurufen .
Verliert der Mann den Schritt, ſo hat er, um ihn wie: 255.
der zu gewinnen, nach Nr. 34 auf das Einſchlagen des Mars
ſches durch den Tambour achtſam zu ſein ; in Ermanglung
eines Tambours aber ſich ſtets nach dem Schritte des dem
Richtungspunkte zunächſtſtehenden Nebenmannes zu richten .
Zu der Beurtheilung des Frontmarſches begibt ſich der 256,
Kommandant abwechſelnd bald vor die Mitte , bald auf den
68
Richtungsflügel. Aus erſterer Aufſtellung wird er die Rör
perhaltung und den geraden Marſch jedes einzelnen Mannes ,
aus leßterem Standpunkte aber die Richtung des Gliedes
und die Lage der Gewehre prüfen .
257. Die Kommando zum Verkürzen des Schrittes und zum
Wiederaustreren im vollen Schritte , ſind die in Nr. 33 vors
geſchriebenen ; dem Kommando: »Marsch !“ , ſo wie jes
nem : » Halt!« wird jederzeit das Aviſo : » Glied !“ vors
geſeßt.
258. Während des Frontmarſches ſind zeitweiſe auch die
Kopfwendungen , jedoch immer nur auf kurze Stres
den , ferner das Tragen des Gewehres in der Balance,
dann das Pflanzen , Fällen und Verſorgen des Bajonetes zu
üben ; wobei darauf zu ſehen kommt, daß die Mannſchaft
auch bei gewendetem Kopfe geradeaus marſchire, ohne fich
zu brängen , bei Ausführung der Gewehrgriffe aber der
Marſch nicht ins Stocken gerathe.
259. Der Frontmarſch rückwärts , ohne die Front zu verkeh
ren , erfolgt auf das Kommando : » Glied ! Rückwärts —
Marsch !« nach Nr. 37, wobei – da er immer nur
auf ganz kurze Strecken vodführt wird , die Fühlung
nicht gegen die Mitte des Bataillons zu nehmen iſt.
260. Soll jedoch auf weitere Entfernung zurückmarſchirt
werden , ſo iſt das Glied vorerſt nach Nr. 223 zum Verkehren
der Front, dann zum Frontinarſche, und nach Hinterlegung
des beabſichtigten Raumes wieder zum Herſtellen der
Front zu beordern ; wobei während des Rüdmarſches der
ſelbe Unteroffizier die Marſchdirektion zu leiten hat , welchem
dieſes beim Vormarſche zukommt.
69

$. 18.
Ziehung im Frontmarſche.
Die Ziehung dient dazu , um das Glied in einer mit 261.
ſeiner Aufſtellung parallelen Front vor- und zugleich feit
wärts zu bewegen . Die Marſch direktion iſt demnad nicht
wie beim Frontmarſche ſenkrecht auf die Grundlinie , fons.
dern bildet mit der Verlängerung derſelben einen Winkel
von 45 Graden .
Die Ziehung , ſo wie das Einſtellen derſelben , erfolgen 262.
ſowohl von der Stelle , wie während des Marſches auf dies
ſelben Rommando und auf dieſelbe im S . 5 vorgeſchriebene
Weiſe.
Der an dem ziehenden Flägel befindliche Unteroffizier 263.
hat ſich unmittelbar auf das Aviſo , unter dem Winkel von
45 Graden ein entſprechendes Direktionsobjekt, und die nö
thigen Zwiſchenpunkte zu wählen .
Jeder Mann muß die halbe Wendung gehörig voll- 264,
führen , während der Ziehung ſeinen Körper in der durch
die erfolgte Wendung entſtandenen Lage zu ſeinem auf der
Seite des Ziehungsflügels befindlichen Nebenmanne erhal
ten ; darf fich mithin nicht wie beim Frontmarſche Ellen
bogen an Ellenbogen an dieſen ſchließen , ſondern muß viels
mehr trachten , immer auf den durch die Körperwendung er
folgten Abſtand von ihm , nämlich Schulter hinter
Schulter, zu verbleiben , wobei er niemals den Naden ſeis
nes zweiten Nebenmannes erblicken wird.
Wird die Ziehung eingeſtellt , ſo nimmt jeder Mann 265 .
nach erfolgter Körperwendung die Fühlung, Ellenbogen an
Ellenbogen , wieder an, und es werden , wenn das Einſtellen
während des Marſches erfolgt , Fühlung und Richtung wie:
der gegen die Marſ( direktionsſeite genommen .
266 . Mehr ſeitwärts , nämlich innerhalb des Winkels von
43 Oraden liegende Punkte können nicht mehr mittelft der
Ziehung erreicht werden ; wogegen man auf Punkte, die
nach vorwärts von dieſem Winkel abweichen , dadurch ge
langt, daß man die Ziehung ſo lange fortſeßt, bis der
ziehende Flügel in die ſenkrechte Richtung des zu erreichen :
den Punktes kommt, worauf: » Grad — aus ! « kommans
dirt , und in gerader Richtung auf ſelben hinmarſchirt wird .
. S . 19.
Schwenkung.
267. Die Schwenkung iſt die — in geſQloſſener Ordnung
bewirkte – Verſeßung der Front, unter jedem beliebigen
Winkel, bis in eine ihrer Flanken .
268. Wird ſie bis zum rechten Winkel vollführt , ſo heißt ſie
eine ganze Schwenkung ,während jede andere eine u n
vollendete Sdwenkung ( Direktionsverändes
rung) genannt wird. Im Kommando werden beide kurzweg
mit Schwenkung bezeichnet.
269. Die Schwenkung kann ſowohl von der Stelle aus, wie
auch während des Marſches ſtattfinden , und erfolgt jeder
zeit mit beweglichem Pivot.
270 . In jeder ſchwenkenden Front unterſcheidet man : 1. den
ſchwenkenden Flügel, 2 . die Mitte und 3 . den
Pivotflügel.
271. Die Richtung wird w .ihrend der Schwenkung ſtets
durch die leichte Fühlung gegen den Pivot , und durch
einen Blick gegen den ſchwenkenden Flügel, ſo wie
auch dadurch erhalten , daß, während der ſchwenkende Flü
gel im vollen Schritte ausſchreitet, die Mitte die Schritte
nur halb ſo groß , und die von ihr gegen den Pivotflügel
befindlichen Männer dieſe noch kleiner zu machen haben.
71
Der Unteroffizier am Pivotflügel, kurzioeg die Pivot- 272.
Charge genannt, bewegt ſich ſtets auf einem
Kreis bogen , deſſen Halbmeſſer zwei Schritte beträgt ,
und theilt ſolchen in ſo viele kleine Schritte ein , als der
ſchwenkende Flügel zur Beendigung der Schwenkung volle
Schritte benöthigt. Während dieſer Bewegung wendet ſich die
Pivot-Charge nur nach Maß, als der ſchwenkende Flügel und
die Mitte vorwärts ſchreiten , und ſorgt hierbei dafür, daß
die ihr zunächftſtehenden zwei oder drei Mann mit ihren
Schultern immer auf den ſchwenkenden Flügel gerichtet ſeien ,
und dem allenfalls von dort kommenden Druce widerſtehen ;
weil ſie ſonſt von ihrem Kreisbogen gedrängtwürde.
Der Unteroffizier am ſchwenkenden Flügel marſchirt bei 273.
dem Antritte der Schwenkung gerabaus, und geht erſt, —
nach Maß als das Glied aus mehr oder weniger Månnern
beſteht, — nach einigen Schritten in die ſchwenkende Bewe
gung über; wobei er ſeinen Nebenmann immer leicht fühlen ,
den Blic aber fortwährend gegen die Pivot - Charge wen
den, und darauf ſehen muß , daß die ihm zunächitſtehenden
zwei , drei Mann ununterbrochen auf dieſe gerichtet bleiben .
Sowohl der Antritt,wie auch das Einſtellen der Schwen :274.
kung , werden von der Stelle aus durch den Koinmandanten ,
während des Marſches dagegen durch die betreffende Flügels
charge des Glietes angeordnet.
Zur Schwenkung von der Stelle aviſirt der Kommans 275.
dant : » Rechts (links) schwenken !“ ; worauf die Schwere PlanIII.
Fig . 2 .
des Körpers auf den rechten Fuß übertragen , auf das
nachfolgende Kommardo : »Marsch !« die Schwenkung
nach der vorſtehenden Belehrung angetreten , und ſo lange
fortgefeßt wird , bis das Kommando : Halt !« erfolgt,
welches der Rommandant in dem Augenblide auszuſprechen
hat, wenn das Glied noch einen Schritt von der beabs
fichtigten neuen Frontlinie entfernt iſt.
72

276. Soll während des Marſdes geſchwenkt werden , ſo


kommandirt die betreffende Flügelcharge des Gliedes , nachs
dem ſie vorher durch den Kommandanten hierzu aviſirt wors
den , 'und auf dem betreffenden Schwenkung89
punkte a ng.elangt i ft : „ Rechts (links) -
schwenkt!« ; auf welches Kommando die Schwenkung fos
gleich angetreten wird.
277. Zum Einſtellen der Schwenkung wird – nach vors
ausgegangenem Aviſo : » Geradaus!« des Kommandanten —
das Glied durch die Pivot - Charge mittelft des Kommando :
„ Gerad - aus!« zur Fortſeßung des Marſches in gerader
Direktion beordert ; worauf ſogleich Alles wieder im vollen
Schritte austritt , und Fühlung und Richtung gegen die
Marſchdirektionsſeitenimmt.
278. Die Schwenkungen während des Marſches müſſen ims
mer genau auf dem beſtimmten Punkte begonnen werden , das
herdie betreffende Pivot- Chargedas: » Rechts« oder : »Links“
ſchon angemeſſen vorher, das : » Schwenkt!" aber im Au
genblice des Anlangens an dem Schwenkungspunkte auszu
ſprechen hat. Eben ſo iſt auch beim Einſtellen der Schwena
kung das : „ Gerad « fchon drei Schritte früher zu aviſtren ,
das : » aus !« aber in demſelben Augenblicke auszuſprechen ,
wo der lekte Schritt zur Beendigung der beabſichtigten
Schwenkung ausgeführtwird.
279. Ilm die richtige Bewegung der Pivot-Charge während der
Fig . 3 .
• Schwenkung , ſo wie auch das entſprechende Kommandiren
beim Antritte und beim Einſtellen der Sdwenkung zu über
wachen , find beim erſten Unterrichte, der Anfangs- und
Endpunkt des Viertelkreis - Bogens, auf welchem die Bes
wegung der Pivot-Charge ſtattzufinden hat, durch Aufſtellung
von zwei Mann zu markiren .
S . 20.
Gewehrgriffe.
Wie bereits in Nr. 215 erwähnt , ſind im Gliede die 280 .
Gewehrgriffe ſtets von allen Männern gleichzeitig ſchnell und
kurz auszuführen , und es hat nach Vollführung derſelben
die größte Ruhe und Stille zu herrſchen . Es wird demnach
hier nur noch beigefügt, daß dieß ganz beſonders bei jenen
Gewehrgriffen ſtattzufinden habe , welche, wie das Präſen :
tiren , Stellen zum Gebet, die General-Decharge u . 1. w ., als
Ehrenbezeigungen dienen oder ſonſt nur bei feierlichen Geles
genheiten ausgeführt werden. · ·
Zur Übung der Gewehrgriffe ſtellt ſich der Kommandant 281.
in angemeſſener Entfernung vor die Mitte des Gliedes , und
aviſirt : » Die Gewehrgriffe exer - ciren !«
Auf dieſes Aviſo nehmen die an den Flügeln des Glies 282.
des eingetheilten Unteroffiziere »beim Fuß,« und bleiben in
dieſer Stellung , bis nach beendeter Übung das Rommando :
» Chargen ! Schul – tert !“ erfolgt. .
Die Gewehrgriffe werden von der Mannſchaft in nach - 283.
ſtehender Reihenfolge ausgeführt :
1. In Arm , Schultert.
2 . In die Balance , Schultert.
3. Fällt das Bajonet, Schultert.
4. Präſentirt , Schultert.
5. In die Balance , beim Fuß.
6. Stellen zum Gebete und Herſtellen .
7. Niederknieen zum Gebete und auf vom Gebete.
8. Zum Schwören und Herſtellen .
Während der Ausführung der Gewehrgriffe hat ſich der 284 .
Kommandant zeitweiſe auf den einen oder andern Flügel zu
begeben , um von dort aus die Nichtung des Gliedes und
en .
die Lage der Gewehre beurtheilen zu können .
386 . Nach jedem Teinpo , beſonders aber nach jenen ; in
welchen der Soldat in der Regel beſichtigt wird , muß der
Kommandant auf die vollkommene Gleichheit ſehen , jeden
Fehler mit aller Sorgfalt abſtellen , und wodas bloße Anrufen
des Fehlenden nicht genügt , fich hierzu an Drt und Stelle
begeben .
S . 21.
286 .
laden und Feuern .
Im Gliede werden die Ladungstempo nur nach dem
Kommando: » Habt Acht! Glied ! La — det!« , noch auf
das Vorzählen von Eing bis Sedis , bei dem Laden unmit
telbar nach dem Roumando: » Feuer !« aber jederzeit, ohne
den Zuruf: Ladet !« abzuwarten , ununterbrochen nach
287 . Nr. 124 ausgeführt.
Bei dieſem Unterrichte im Sliede iſt vorzüglich darauf
zu ſehen , daß die Männer nicht gedrängt ſtehen , um in der
freien Bewegung beim Laden , und namentlich beim Feuern ,
288.nicht gehindert zu ſein .
Wo es die Örtlichkeit geſtattet, oder wenn ſich in an
gemeſſener Entfernung gegenüber des Gliedes eine Truppe
aufgeſtellt befindet , muß der Mannſchaft beim Feuern –
mit Rückſicht auf die Entfernung des zu beſchießenden Ges
genſtandes — ein Zielpunkt angegeben werden . Wo bieß
nicht thunlich iſt, muß die Mannſchaft verhalten werden , die
Gewehre wagrecht, und überdieß ſenkrecht auf die Frontlinie
des Gliedes , in Anſchlag zu bringen .
Kommando
Worte. Belehr un g .

Habt Acht!
» Glied ! La —
det !« Wie bei der Belehrung für den einzel- 289.
Eing !
nen Soldaten .
Zwei !“ etc .
Herstellt – Jeder Mann berichtigt Fühlung und 290.
Euch ! Stellung.
Feuern !* Wie bei der Belehrung für den einzel- 291.
nen Mann .
»Glied !« Auf das Aviſo: » Glied !« treten diel .
an den Flügeln eingetheilten Unteroffiziere
|fünf Schritte gerade zurück.
» Fertig !“ Wie bei der Belehrung für den eins 292.
» An ! « Izelnen Mann. Nach erfolgter Beſeitigung !
» Feuer ! «
des explodirten Zünders wird ſogleich die
Ladung begonnen , ununterbrochen fortges
feßt , und nach Beendigung derſelben das
Gewehr fertig genommen .
„ Halt !« Wird ſich nach Nr. 125 benommen . 293.
Die zurüdgetretenen Unteroffiziere treten an
die Flügel des Gliedes vor. Der Romman
bant hat das : » Halt « abwechſelnd, ſowohl
während des Ladens, als wenn das Glied
fertig ſteht, zuzurufen , um die Überzeugung
zu erlangen , daß ſich die Mannſchaft hierbei
nach Nr. 123 benehme.
» Herstellt - Stellung, Fühlung und Richtung wer- 294.
Euchl«
den berichtigt.
S . 22.
Genera l- Decharge.
295. Die General- Decharge wird im Gliede auf dieſelben
Rommando, und ganz nach der bei der Ausbildung des eins
zelnen Mannes gegebenen Belehrung ausgeführt.
296. Dem Kommando : » Ladet « und : „ Fertig !« wird jeders
zeit das Aviſo : » Glied !« vorgefeßt; nach dem Kommando:
» Schul - tert!« aber : »Herstellt — Euch !« kommans
dirt, worauf jeder Mann Stellung, Fühlung und Richtung
zu berichtigen Gat.
Drittes Haupt it ück.
Ausbildung des Soldaten im Zuge.

Sobald der Soldat durdy den Unterricht im Gliebe die 297.


zu ſeiner Verwendung in ganzen Abtseilungen nothwendige
Vorbildung erlangt hat, wird zur Formitung des Zuges ge
ſchritten , und mit dieſem nicht allein das bereits Erlernte,
mit Rüdſicht auf die für den Zuſammenhang des ganzen
Truppenkörpers erforderlichen Beobachtungen , wiederholt ;
ſondern es werden auch jene Bewegungen gelehrt , welche
ein Zug bei dem Ererziren in der Kompagnie oder in größe:
ren Abtheilungen auszuführen beſtimmt iſt.
Der Hauptmann überträgt jedem feiner Offiziere , dann 298.
dem Feldwebel, und in Abweſenheit des Einen oder Anderen,
dem geſchicteſten Unteroffiziere einen Zug zum Unterrichte.
Der Kompagnie - Kommandant hat mit aller Sorgfalt dar
über zu wachen , daß jeder Zugs - Kommandant in den Geiſt
der beſtehenden Vorſchrift gehörig eindringe, den Unterricht
genau nach derſelben , ohne ſich jedoch ängſtlich mit unwes
fentlichen Formen zu beſchäftigen , gründlich ertheile , wie
auch überhaupt mit allein Eifer ſich angelegen ſein laſſe , die
ihm anvertraute Abtheilung auf jenen Grad der Ausbildung
zu bringen , welcher in allen Gelegenheiten die volle Brauch
barkeit des Soldaten verbürgt.
78
299. Dieß wird um ſo mehr nothwendig ſein , als ohne
yorausgegangene gründliche Ausbildung der Züge kein ents
ſprechendes Reſultat bei dem Grerziren in der Kompagnie
u . . w . erlangt werden kann .
S. 23 .
Stellung des 3 uges.
300. Jede zum Zugsunterrichte ausrückende Abtheilung wird
ſtets ſo aufgeſtellt, und mit denſelben Unteroffizieren verſehen ,
wie es ihre Eintheilung als Zug in der Kompagnie mit
ſich bringt; mit dem Bemerken , taß die hinter die Front
gehörigen Unteroffiziere in das dritte Glied einzutreten
haben . Abgängige Chargen werden durch Stellvertreter ers
reßt. Befindet ſich ein Tambour bei dem Zuge, ſo ſtellt ficky
derſelbe hinter der Mitte , drei Schritte vom dritten Gliede
entfernt, auf.
301. Die Entfernung der Glieder beträgt - von der Abſaßs
linie des einen bis zu jener des anderen Gliedes --- die dope
pelte Mannsbreite (ungefähr drei Schuh).
302. Jeder Soldat muß die vorgeſchriebene Stellung haben ;
die Männer des erſten Gliedes nehmen die Fühlung gegen
den rechten Flügel , und erfaſſen die Frontlinie; jene des
zweiten und dritten Gliedes ſtehen – ohne Rüdſicht
auf die Fühlung – auf dem vorgeſchriebenen Abſtande, ſent
recht hinter ihren Vornånnern , ſo daß ſie auf dieſe ges
dedt find.
303. Die Richtung der Glieder darf nicht ängſtlich geſucht
werden , ſondern muß ſich bei dem erſten Gliede durch die
leichte Fühlung gegen den rechtsſtehenden Nebenmann , and
durch einen ſchnellen Blid dahin ; bei dem z 30 eiten und
dritten aber , nebſt der ſo nöthigen parallelen Lage der
rüdwärtigen Glieder , durd das Einhalten der Glieberdiſtang
jedes einzelnen Mannes von ſelbſt ergeben .
79
Drei auf oberwähnte Art hintereinander ſtehende Män - 304.
ner nennt man eine Rotte; fehlthiervon ein Mann im zweis
ten Gliede, ſo wird ſie eine halbblinde, und, wenn nebſt
dieſem auch noch jener des dritten Gliedes fehlt, eine
blinde Rotte genannt.
Der auf vorſtehende Weiſe geſtellte Zug wird nun in 305.
gerade und ungerade Rotten , ſowohl vom rechten ges
gen den linken , wie auch vom linken gegen den rechten
Flügel abgetheilt ; wobei der Zugs -Kommandant immer von
den Flügelrotten , als der erſten ungeraden auszugehen, und
am Schluſſe des Abtheilens beizufügen hat: » Zum Abs
marfde recht8 ! (links),« je nachdem er das Abtheis
len bei der rechten oder linken Flügelrotte begonnen hat.
Jede Rotte muß fich wohl merken , von welchem Flügel 306.
fte eine gerade oder ungerade bildet, und ſoll ferner wiſſen ,
die wie vielfte ſie vom rechten oder linker. Flügel iſt ; ſo wie
jeber Soldat ſeinen Nebens, Vors und Hintermann genau
zu kennen hat.
Soll ein Zug, 8. B . auf der Wache u . f. w . in Ein 307.
Glied formirt werden , ſo geſchieht dieß auf das kom :
mando : » In ein Glied ! Zweites und drittes Glied ! links
(rechts) - um ! Marsch !« ; worauf das zweite und dritte
Glied , wenn ſie auf die erforderliche Entfernung gelangt
find, fid herſtellen und dann in die Frontlinie des erſten
Sliedes einrichten .
Um aus einem Gliede den Zug zu foriniren , wird nach 808.
vorausgegangenem Abtheilen des Gliedes kommandirt : » In
• den Zug ! Zweites und drittes Glied ! rechts (links) —
um ! Marsch !« ; worauf ſich die Männer des zweiten und
Ors
dritten Gliedes ſeitwärts ziehen , und ſofort auf die vor
geſchriebene Gliederdiſtanz, fenfrecht hinter ihren betreffenden
Vormännern des erſten Gliedes herſtellen .
$. 24 .
Öffnen und Schließen der Glieder.
309. Das Öffnen der Glieder dient zur Viſitirung oder näs
heren Beſichtigung eir.es bereits formirten Zuges , dann zur
Übung der Gewehrgriffe.
310. Hierzu wird kommandirt: »Glieder öffnen ! — Rück
wärts — Marsch !«
Auf dieſes Kommando tritt das zweite Glied vier ,
das dritte acht Schritte gerade zurück , wobei jeder Mann
fortwährend auf ſeinen Vormann gedeckt zu bleiben hat.
311. Schreitet der Zugs-Kommandant nach erfolgtem Öffnen
der Glieder zur Beſichtigung des Zuges , - wobei er die
Stellung und das Gewehrtragen jedes einzelnen Mannes zu
prüfen hat, – ſo kommandirt er, je nachdem die Beſichtigung
von rechten oder linken Flügel begonnen wird : » Rechts
(links) richt - euch « ; aufwelches Kommando die Mann
ſchaft aller drei Glieder den Kopf nach der bezeichneten Seite
wendet , und ſich ſchnell richtet; die Männer des betreffenden
Gliedes aber dem Kommandanten beim Vorübergehen mit dem
Kopfe langſam folgen , uno dieſen dann ſo lange dahin ges
wendet behalten , bis nach beendeter Beſichtigung das Roms
mando : » Habt — Acht!“ erfolgt.
312. Vor Beſichtigung eines jeden einzelnen Gliedes durch
einen Höheren , hat der Kommandant, wenn dieß nicht ſchon
der Fall ſein ſollte , die Köpfe nach jener Seite wenden zu
laſſen , von welcher er kommt.
313. Zum Schließen der Glieder wird kommandirt: » Glie
der schliessen ! – Marsch !« ; worauf das zweite Glied
zwei, das dritte Glied vier Schritte vorwärts macht, und
jeder Mann ſogleich ſeine Dedung und Glieberdiſtanz bes'
richtigt.
S . 25 .
Kopf- und Körperwendungen.
Die Kopfwendungen werden im Zuge auf die im 314. . .
S . 2 vorgeſchriebenen Kommando und auf dieſelbe Weiſe,
jedoch nur von den Männern des erſten Gliedes vollzogen ;
während jene des zweiten und dritten Gliedes den Kopf uns
verrüdt auf ihre Vormänner gerichtet behalten .
Solen aber, wie z. B . bei der Beſichtigung der Truppe 315.
durch einen Höheren oder beim Defiliren geſchloſſener Ab
theilungen , alle drei Glieder die Kopfwendung vollführen ; ro
muß dem betreffenden Kommando zur Kopfwendung jederzeit
das Aviſo : » Zug !« vorgeſeßt, und ſobald der die Truppe
beſichtigende Höhere vorüber , oder die defilirende Abtheilung
an dieſem vorbeinarſchirt iſt: » Habt – Acht !“ komman
dirt werden.
Die Körperwendungen erfolgen im Zuge von jedem 316 .
Manne auf die in $ . 3 vorgeſchriebene Art. Nach vollführs
ter Wendung rechts- oder linksum , nennt man die neben
einander ſtehenden drei Männer jener Rotte eineReihe.
Zur Vollführung der ganzen Wendung wird avertirt : 317.
» In Reihen — rechts ! (links !) « , unddann erſt kommans
dirt : „ Rechts (links) — um !«
Die Herſtellung in die urſprüngliche Front erfolgt auf 318.
das Kommando : » Front! “
Zum Verfehren der Front und zum Herſtellen derſels 319 .
ben in die urſprüngliche Richtung dienen die in Nr. 323 vors
geſchriebenen Kommando. Nach dem Verkehren der Front
treten für dieMänner des dritten , nunmehrigen vorderen
Gliedes die für das erfte Glied vorgeſchriebenen Beobachs
tungen ein . Befindet ſich bei dem Zuge eine blinde Rotte,
ſo tritt nach vollbrachter Wendung der betreffende Mann des
erſten Gliedes in das dritte , nunmehrige vordere Glied,
Abrichtungs-Regl. f. d. Inft.
S . 26.
Richtung.
320. Die Richtung erfolgt im Zuge auf das Kommando :
»Rechts (links) richt – euch !« von dem erſten Gliede
nach der in Nr. 225 enthaltenen Vorſchrift. Die Männer
des zweiten und dritten Gliedes behalten den Ropf ge
radaus gewendet, und berichtigen blos ihre vollkommene
Dedung und Gliederdiitanz; Daher ſie , ſo oft ihre Vor
männer zum Verbeſſern der Richtung vor- oder zurüdtreten ,
ein Gleiches thun müſſen .
321. Iſt das erſte Glied gutgerichtet, ſo werden es das zweite
und dritte auch ſein ; iſt das erſte Glied aber nicht gerichtet ,
ſo können und ſollen es das zweite und dritte auch nicht ſein :
weil es die erſte Obliegenheit der Männer der rüdwärtigen
Glieder bleibt, Vorinann und Gliederdiſtanz genau zu halten .
322 . Soll der Zug in eine wenige Schritte vorwärts gele:
gene Linie eingerichtet werden , ſo rüđen , zur Richtung
rechts , auf das Kommando : »Zur Richtung rechts ! Flü
gelchargen ! – Marsch !« die an den beiden Flügeln
des erſten Sliedes eingetheilten Unteroffiziere ſechs Schritte
gerade vor, bleiben ohne Kommando ftehen , und wenden
hierauf den Kopf rechts . Gleichzeitig tritt der am rechten Flügel
des dritten Gliedes befindliche Unteroffizier auf ungefähr ſechs
Schritte rechts ſeitwärts , in die linie der Unteroffiziere des
erſten Gliedes vor.
323. Dieſer Unteroffizier und der rechtsſtehende des erſten
Sliedes , bilden für die Mannſchaft die Richtungs
puntte, der linfeſtehende aber das Richtungsobjekt
der neuen Frontlinie,und es werden ſonach dieſe drei Punkte
genau auf einander gerichtet.
384. Iſt dieß erfolgt , jo läßt der Zugs- Kommandant an
jänglich eine Rotte nach der anderen auf das Kommando :
83
» Rechts richt - euch !“ wie dies bei den Gliederuu
terrichte Mann für Manu ſtattgefunden – in die neue Rich
tungslinie vortreten . Der Mann des erſten Gliedes jeder
Rotte benimuit ſich nach der in Nr. 238 gegebenen Weiſung,
wobei der zunächſt am Richtungsflügel befindliche zu beleh
ren iſt, daß er beim Einrüđen ſeine Richtung nicht blos
nad den Schultern des neben ihm ſtehenden Unteroffizieres
des erſten Gliedes ſuchen dürfe, ſondern ſich nach dieſem und
dem rechts ſeitwärts aufgeſtellten Unteroffiziere richten müſſe;
fomit leßteren mit dem rechten Auge nicht ſehen ſolle.
Die Männer des zweiten und dritten Gliedes jeder 325.
Rotte treten gleichzeitig mit ihren Vormännern aus, theis
len gleich diefen den leßten Schritt in drei kleine, und fu
chen dadurch ihre vollkommene Dedung und Gliederdiſtanz
zu erlangen .
Iſt dieß mit genügendem Erfolge einigemal geübt wor- 326 .
den , fo läßt der Zugø - Kommandant, nach vorausgegans Fig . 4 .
gener Aufſtellung der Unteroffiziere , die Richtung nicht mehr
Rotte für Rotte , ſondern mittelft des ſucceſſiven Abrüdens
der Kotten ausführen ; wozu auf das Kommando : » Rechts
richt - euch !« die dem Richtungsflügel zunächftſtehende
Kotte ſogleich austritt , die Männer des erſten Gliedes der
übrigen Rotten aber erſt dann nachfolgen , wenn ihr dem
Richtungsflügel zunáchſt befindlicher Nebenmann um einen
Sdritt vor iſt. Die Männer des zweiten und dritten Glie
des jeder Kotte treten möglichſt gleichzeitig mit ihren Vors
männern des erſten Gliedes aus.
Der Zugs - Kommandant hat darauf zu ſehen , daß die 327.
Rotten gerade vorgehen , die Männer des erſten Gliedes nach
bem lekten verkürzten Schritte Fühlung haben , und gerichtet,
jene des zweiten und dritten Gliedes aber gedeckt ſeien ; in
dem ein durch Vernachläſſigung deifen entſtehender Fehler fich
6 *
84
allen folgenden Rotten mittheilen , und die Richtung dadurch
verzögert , oder garmißrathen würde.
328 . Sind alle Rotten eingerügt, ſo begibt ſich der Roms
mandant ſeitwärts des als Richtungspunkt aufgeſtellten Uns
teroffizieres , des dritten Gliedes und überzeugt ſich , ob die
Frontlinie fich genau zwiſchen den markirenden Unteroffizies
ren befinde,prüft die Gliederdiſtanz der rückwärtigen Glieder ,
und berichtigt ſolche, wenn es nothwendig wäre , indem er
fich zu derjenigen Notte begibt, wo ein Fehler abzuſtellen iſt.
329. Nach beendeter Richtung wird : »Habt – Acht!«
fommandirt.
330. Die Richtung links erfolgt mit denſelben Beobach
tungen nad der entgegengeſekten Seite.
331. Iſt die Linie , in welche der Zug eingeführt werden
ſoll , mehr als ſechs Schritte von der Front entfernt, ſo muß
derſelbe durch den Frontmarſch ungefähr bis aufſechsSchritte
zu jener Linie herangezogen werden ; worauf erſt das Vors
treten der Unteroffiziere u . f. w . erfolgt.
332 Soll der Zug in eine rückwärts gelegene Linie verſekt
werden , ſo wird derſelbe durch das Verkehren der Front und
den darauf folgenden Frontmarſo ſo weit zurüdgeführt , bis
das erſte Glied auf einige Schritte über die Richtungslinie
hinausgerädt iſt ; worauf die Front hergeſtellt und die Rich
tung in die nunmehr vorwärts liegende Linie , auf die bes
kannte Art vollzogen wird.
333. . Handelt es ſich jedoch nur darum , den Zug in eine
wenige Schritte rückwärts gelegene Linie zu verfeßen , ſo wird
derſelbe durch den Rüdwärtsmarſd bis in dieſe gebradit, und
dann mittelſt des'Kommando : » Rechts (links) richt -
euch !« eingerichtet.
. S . 27.
Frontmaridi vor- und rüdwårt 8.
Der Frontmarſch wird nach den beim Gliederunter: 334.
richte feſtgeſtellten Grundſäßen und auf dasſelbe Kommando
ausgeführt, nur daß dem Kommando : »Marsch !« ſtatt :
»Glied !« das Aviſo : » Zug !« vorzuſeßen kommt.
Für das erſte Glied gelten die Sajelbft erklärten Bes 335.
obachtungen ; die Männer des zweiten und dritten Glies
des hingegen haben fortwährend auf ihre Vormänner ges
deckt zu bleiben , und die vorgeſchriebene Gliederdiſtanz ge
nau beizubehalten ; worauf mit beſonderer Strenge zu res
hen iſt.
Kommt der Zug während des Frontmarſches an eine 336.
Stelle , welche er mit ſeiner ganzen Breite nicht paſſiren.
kann , ſo kommandirt der in dem erſten Gliede eingetheilte
Urteroffizier des betreffenden in ſeinem Mariche gehinder
ten Flügels : „ Drei (vier ) Rotten ! Verkürzt den -
Schritt!« , und wenn das dritte Glied des mittlerweile im
vollen Schritte fortmarſcirenden Zuges über die abgebroches
nen Rotten hinausgerückt iſt, und das Abbrechen vom rech
ten Flügel ſtattfinde : » Halb – links !« ; dann , wens er
mittelſt dieſes Seitenmarſches , im vollen Schritte , in das
Alignement der erſten nicht abgebrochenen Rotte des Zuges
gelangt : » Grad — aus !«
In dieſem Verhältniſſe, auf Gliederdiſtanz an das dritte 337.
Glied des Zuges geſchlosſen , verbleibt der Unteroffizier mit
den abgebrochenen Rotten ſo lange , bis der Terrain wies
der den Marſch des Zuges in ſeiner vollen Breite geſtattet;
worauf er : „ Halb – rechts !“ und wenn er den Raum
zum geraden Einrüden in die Front gewonnen hat: »Grad -
aus!« kommandirt, und ſofort in .Beſchleunigtem Scritte
in die Frontlinie des Zuges vorrückt , woſelbſt die abgebros
86
chenen Rotten , Fühlung und Taft von der übrigen Mann
ſchaft , dann aber , wenn das Abbrechen von der Marſchdis
rektionsſeite ſtattgefunden hätte , die Fühlung wieder gegen
dieſe Seite zu nehmen haben .
333 . Das Abbrechen vom linken Flügel findet unter den
analogen Beobachtungen nach der entgegengeſekten Seite ſtatt.
339. Dieſe Art des Abbrechens muß öfter, bals vom rechten ,
bald vom linken Flügel geübt werden .
340. Hat der Zug während des Frontmarſches einen Graben
zu pafſiren , oder einen ſteilen Ravin zu erſteigen , ſo koin
inandirt der Zugs - Kommandant einige Schritte früher :
» In die — Balance !« und läßt ſucceſſive ein Glied nach
dem andern das Hinderniß überſchreiten ; worauf der Zug
fich auf ungefähr ſechs Schritte jer:ſeits des Hinderniſſes wie
der mit geſchultertem Gewehre formirt , und dann ſeinen
Marſch fortſeßt.
341. Hierbei iſt darauf zu ſehen , daß die Gewehre in der
Balance nahe am Leibe und nicht vorhängend getragen wer
den ; widrigenfalls die Mannſchaft der rückwärtigen Glieder
ihre Vormänner beſchädigen könnte.
342. . Der Frontmarſch růdwärts – ſowohl dermittelſt des
Rückwärtsſchreitens, wie auch jener nach vorangegangenem
Verkehren der Front, erfolgt auf die in Nr. 259 und 260
erklärte Weiſe und auf dasſelbe Kommando.
343. Bei dem Frontmarſche mittelſt des Rückwärtsſchreitens
hat die Mannſchaft des zweiten und dritten Sliedes fortwähs
rend auf ihre Vormänner gedeđt zu bleiben .
344. Bei dem Frontmarſchemit verkehrter Front gelten fürdas
Dritte,nunmehrige vordere Glied ,die bei dem Frontmarſche
porwärts für das erſte Glied vorgeſchriebenen Regeln ; ſo wie
fich die nunmehr rückwärtigen Glieder nach den für dieſe Glies
der überhaupt aufgeſtellten Grundſäßen zu benehmen haben .
S. 28.
Zieh ung im Frontmarſche.
Die Ziehung ſowohl von der Stelle , als während des 345.
Marſches , erfolgt nach den im $. 18 aufgeſtellten Grunds
jäßen und auf dieſelben Kommando.
Die Mannſchaft aller drei Glieder vollführt auf das 346 .
Plan III .
betreffende Kommando die halbe Wendung, und jeder Mann
bleibt während der Ziehung fortwährend in dem durch
die Körperwendung fich ergebenden Abſtande und Verhälts
niſſe von ſeinem Neben - und Vormanne, ſo daß fich dieMans
ner des zweiten und dritten Gliedes , nicht wie beim Front
marſche ſenkrecht hinter ihren Vormännern , ſondern ſtaffel
förmig , ſeit- unb rüdwärts derſelben , befinden ; damit auf
das Kommando zum Einſtellen der Ziehung, die ſenkrechte
Dedung der Männer jeder Rotte , und die Glieberdiſtanz
ſogleich vorhanden ſeien .
Die Ziehung hat in der Regel nur auf kurze Stređen 347..
in Anwendung zu kommen , indem man entferntere Punkte
auf andere Weiſe init mehr Leichtigkeit zu erreichen vermag.
6. 29.
Schwenkung.
Die Schwenkung wird im Zuge auf dasſelbe Kommans 348:
do , und was die Bewegung des erſten Gliedes betrifft , nach
denielben Grundſäßen und auf dieſelbe Art vollführt , wie
in $ . 19 des Gliederunterrichtes vorgeſchrieben werden . Die
Männer des zweiten und dritten Gliedes müſſen während
der Schwenkung unausgefeßt auf ihre Vormänner gededt
bleiben und die vorgeſchriebene Gliederdiſtanz beibehalten ;
wozu von Seite der dem Pivot- Flügel Zunächſtſtehenden ein
mäßiges Vertürzen der Schritte und gleichzeitig es Seitwärts
treten genügen .
$. 30. . .
Formirung der Reihenfolonne und Bewegun
gen derſelben.
349. Wird der Zug mittelſt des Kommando : » In Reihen -
rechts ! (links) !« » Rechts (links) — um !« in Reihen
gebrochen , ſo nennt man ihn eine Reihenfolonne, und
zwar eine rechts - oder linksformirte , je nachdem die Wen
dung rechtsum oder linksum ſtattfand.
350. Die vorderſte Reihe heißt die Tête - die leßte aber
die Queue der Kolonne.
351. Die Formirung der Reihenkolonne fann ſowohl auf der
, Stelle , wie auch während des Marſches ſtattfinden .
352. Soll eine Reihenfolonne marſchiren , ſo wird kom
. mandirt : » Zug ! — Marsch !“. Auf das Aviſo : » Zug !«
hat jeder Mann die Schwere des Körpers auf den rechten
Fuß zu übertragen , auf das nachfolgende : »Marsch !“ die
ganze Reihenkolonne zugleich auszutreten .
363. Der an der Tête der Kolonne befindliche Unteroffizier
des erſten Gliedes leitet die Marſchdirektion ; wozu er fick
ein Direktionsobjekt und einige Zwiſchenpunkte wählt, auf
die er in geraber Richtung binmarſchirt.
354. Alle Mäuner des erſter Gliedes bleiben fortwäbrend
auf dieſen Unteroffizier , Schulter auf Schulter , gedeckt , ſo
daß keiner den Naden ſeinee zweiten Vormannes ſieht. Dieſe
Dedung der Männer des erſten Gliedes nenntman das Ko
lonnen -Alignement.
355. Die Männer des zweiten und dritten Gliedes halten ſich
dergeſtalt ſeitwärts , daß nach dem zweiten Schritte das
zweite Glied an das erſte, und das dritte an das zweite,
Ellenbogen an Ellenbogen geſchloſſen fei ; worauf ſie dann
fortwährend die Fühlung gegen das erſte Glied , nämlich ges
gen die Alignementsſeite nehmen .
89

Die Tête der Kolonne tritt auf das „Marſch fo : 356 .


gleich im vollen Schritte aus. Bei den folgenden Reihen fann
dieſes jedoch wegen des geringen Raumes , welcher ſie trennt,
nicht gleich geſchehen ; daher jeder Mann anfänglich ſeis
nen Fuß dahin reßt, wo ihn ſein Vormann weg
gehoben hat, und ſo fortunarſchirt, bis ſich, durch das
ungehinderte Ausſchreiten der Tête , nach und nach für jede
Reihe der nöthige Raum zur Vollführung des vollen Schrits
tes ergibt. Dieſer Abſtand eines Scrittes von einer Reihe
zu der anderen muß dann während des Marſches ſorgfältig ers
halten werden ; widrigenfalls , bei ſich ergebenden größeren
Abſtänden , die Kolonne zu ſehr verlängert , ſomit audy der
Aufararſch ist die Front zu ſehr verzögert würde.
Soll die Reihenfolonne ihre Marſchdirektion åndern , 357.
fo aviſirt der Zugs-Kommandant die Tête zum Rechts- oder
Linksſchwenken , und ſobald die beabſichtigte neue Direktion
erlangt iſt, wieder zur Fortſeßung des geraden Marſches.
Die Schwenkung wird auf das Aviſo von der Tête358.
ſogleich, und ſofort ſucceſſive von jeder anderen Reihe auf
derſelben Stelle, mit beweglichem Pivot vollzogen ;
wobei, — die Schwenkung mag rechts oder links ſtattfins
den , — die Fühlung immer gegen das erſte Glied,
welches das Kolonnen - Alignement bildet , beizubehalten iſt.
Der den beweglichen Pivot jeder Reihe bildende Mann hat
fidh auf einem Kreisbogen , deſſen Halbmeſſer einen halben
Schritt beträgt, zu bewegen , und hierbei die Schritte in
dem vierten Theile der vorgeſchriebenen Länge zu soll
führen .
Dem Kommando : » Halt!« zum Einſtellen des Kei: 359.
beninarſches wird das Aviſo : » Zug !* vorgefest.
Soll die Reihenfolonne eine Ziehung vollbringen , ſo 360.
wird kommandirt : » Ziehung rechts (links) !« » Halb –
– rechts ! (links !) « , welchem — wenn die Kolonne
90
nicht im Marſde begriffen wäre, — noch das Kommando :
Zug ! — » Marsch !« beizufügen kömmt.
361. Die Ziehung wird von allen Männern gleichzeitig
angetreten , und nach SS. 37 vollführt. Die Männer desjes
nigen Gliedes , welches ſich auf der Seite befindet , wohin
die Ziehung vorgenommen wird , müſſen fortwährend die
äußere Wand bilden , d. 1 . aufeinander gedeckt bleiben .
Die Männer jeder Reihe müſſen den durch die Körperwen
dung entſtandenen Zwiſdenraum von einander unausgefeßt
beibehalten ; mit dem Bemerken jedoch , daß , wenn die Reis
henkolonne noch nicht von der Stelle gerüdt wäre , fie fich
gleichzeitig bis auf das Ziehungsverhältniß aneinander , und
zwar gegen diejenige Seite zu ſchließen haben , wohin die
Ziehung ſtattfindet.
362. Zum Einſtellen der Ziehung wird : » Zug ! Halt!«
» Front !“ – zum Übergange in den geraden Marſch :
» Grad — aus !« kommandirt; worauf im lekteren Falle,
nach erfolgter Körperwendung, das Kolonnen - Alignement jes
derzeit wieder auf das erſte Glied übergeht.
363. Soll eine im Marſde begriffere Reihenfolonne dieſen
in der entgegengefeßten Richtung, nämlich gegen die Queue
antreten , ſo wird vorerſt : »Zug ! — Halt!“ und hier
auf: » Die Kolonne verkehren !* — »Kehrt! - euch !“
kommandiri. Dadurch wird die Kolonne, wenn fie eine
rechtsformirtewar — eine links formirte.
364. Die Reihenkolonne dient außer als Vorbereitungsmittel
zu Frontveränderungen von der Stelle, noch zur Bewegung
ter Truppe auf ichmalen Roinmunikationen , ſowie auch, unter
gewöhnlichen Verhältniſſen , für kleine Abtheilungen zum
Marſche von einem Orte zum anderen .
91

S . 31.
Formirung der Doppelreihen - Rolonne und
Bewegungen derſelben.
Die Formirung der Doppelreihen - Kolonne fann ſo - 365.
wohl auf der Stelle, wie auch während des Marſches, ſtatt
finden . Zur Formirung der Doppelreihen -Kolonne auf der
Stelle rechts, kommandirt der Zugskommandant: » In Doppel
reihen – rechts !« » Rechts — um !"
Nach erfolgter Wendung treten die Männer der geraden 366.
Por, Plan IV .
Rotten ſogleich dergeſtalt links vorwärts neben ihre Vor Fig . 1 .
männer der ungeraden Rotten ein , daß die Intervallen aus
gefülltwerden .
Die Männer des erſten Gliedes ber geraden Rotten 367.
bilden die äußere Wand der Doppelreihen - Rolonne, und in
dieſer je ſechs nebeneinander ſtehende Männer eine Dop
pelreihe.
Die an der Tête der Kulonne befindlichen Unteroffiziere 368.
treten nach vollbrachter Wendung einen Schritt
og links
holu ſeits un
und Fig . 3.
vorwärts . Die an der Queue befindlichen bleiben bei gerader
Rottenzahl des Zuges ſtehen ; beſtünde jedoch der Zug aus
einer ungeraden Rottenzahl, ſo treten ſie nach der Wendung
eine Mannsbreite linf8 ſeitwärts , um den zum
Ausſchreiten im vollen Schritte erforderlichen Raum zu erhalten .
Bei Formirung der Doppelreihen -Kolonne lints , fins 369.
det alles auf ähnliche Weiſe , jedoch auf die entgegengeſepte
Seite ſtatt.
Soll eine Doppelreihen - Kolonne marſchiren , ſo hat auf 370.
das Aviſo : Zug !« jeder Mann die Schwere des Körpers
auf der rechten Fuß zu übertragen , auf das nachfolgende:
»Marsch !« aber ſogleich im vollen Schritte aus
zutreten ; worauf beſonders ſtrenge geſehen werden muß. Der
an der Tête befindliche Unteroffizier des erſten Gliedes leitet
92

die Marſchdirektion. Die Männer des erſten Sliedes der


geraden Rotten , welche die äußere Wand , ſomit das
Kolonnen - Alignement bilden , bleiben während des
Marſches hintereinander und auf den vormarſchirenden Un
teroffizier ſo gedeckt, daß keiner den Naden ſeines zweiten
Vormannes ſieht, und inüſſen die zwiſchen ihner. und der
vormarſchirenden Doppelreihe befindliche Gliederdiſtanz fort
w å brend genau einhalten. Die übrigen Männer jeder Dop
pelreihe nehmen die Fühlung ſtets gegen die äußere Wand.
371. Die Doppelreihen-Kolonne vollführt die Schwenkungen
gleichfalls ſucceſſive, Doppelreihe für Doppelreihe,nach Nr. 357
und 358 ; nur hat der Halbmeſſer des Kreisbogens, aufwels
chem der Pivot fich bewegt , einen Schritt zu betragen .
372 . Die Ziehung erfolgt auf dieſelbe Weiſe und auf dasſelbe
Kommando wie bei der Reihenkolonne, und die daſelbſt
für die Reihen gegebenen Vorſchriften gelten hier für die Dops
pelreihen .
373 . Soll eine im Marſde begriffene Doppelreihen -Rolonne,
– ſie ſei rechts - oder linksformirt, — dieſen in der Richtung
gegen die Queue antreten , ſo geſchieht dieß , nachdem ſie
früher zum Halten beordert wurde, auf das Aviſo : » Die
Kolonne verkehren !« » Zu Zweien ! – Kehrt euch ! « ;
worauf die zwei nebeneinander ſtehenden Männer des gleichs
namigen Gliedes jeder Doppelreihe, mit Beibehalt der Fühs
lung, auf dem Drehpunkte ihrer Mitte die Front verkehren ,
indem ſich der links ſtehende links rückwärts , der rechts
ſtehende links vorwärts bewegt.
374. Befindet ſich an der Queue der Kolonne eine einfa
che , nur aus drei Männern beſtehende Reihe, ſo macht
jeder für fich kehrt , und tritt dann einen Schritt feitwärts
gegen die Seite des neuen Kolonnen -Alignements . Auf ähn
liche Weiſe benehunen ſich Sie nach der Wendung an der runs
mehrigen Tête befindlichen Unteroffiziere.
93
Durch das Verkehren der Doppelreihen - Kolonne wird 375.
dieſe , wenn ſie eine rechtsformirte war , eine linksformirte.
Die Formirung der Doppelreihen - Kolonne während 376 .
des Marſches erfolgt auf das für jene von der Stelle vors
geſchriebene Kommando . Die Männer der ungeraden
Rotten vollziehen die anbefohlene Wendung während des
Marſches , jene der geraden dagegen ſchwenken in das bei
ter Formirung dieſer Kolonne auf der Stelle erklärte Ver.
hältniß neben jene der ungeraden ; worauf der Marſch
unaufgehalten in der durch die Körperwendung erlangten
Direktion fortgeſeßt, und ſich hierbei nach Nr. 370 benom
men wird .
Die Doppelreihen - Kolonne hat iin Vergleiche mit der 377.
Reifenkolonne den Vortheil , daß alie Doppelreiber ſogleich
den nöthigen Raum zum Ausſchreiten im vollen Schritte has
ben , die Rulonne ſich ſomit während des Marſches nicht vers
Jängert ; daher auch die Front augenbliclick herſtedtwerden
kann .

$. 33.
Abfallen aus Doppelreihen in Reiben u . f. w . .
Soll eine Doppelreihen - Kolonne während des Mar- 378 .
ſches in Reihen abfallen , ſo wird kommandirt : » In Reihen !«
» Fallt – ab !“ Die Männer der ungeraden Rotten
marſchiren unaufgehalten fort, jene der geraden verkürzen
den Soritt, und ziehen fich hinter ihre Nebenmänner; zut
gleich ſchließt ſich das zweite und dritte Glied gegen das erſte,
und die Unteroffiziere verfügen ſich auf die ihnen in der Rei
henkolonne zukommenden Pläße.
· Geſchiebt das Abfallen auf der Stelle , fo treten auf379.
das Kommando : » In Reihen!« »Fallt - ab !* die Män
ner der geraden Rotten mittelſt eines Schrittes rüd - und
ſeitwärts hinter ihre Nebenmänner. Das zweite und dritte
Glied ſchließt ſich jedoch erſt dann gegen das erſte , wenn die
Reifenkolonne zum Mariche beordertwird.
380. Iſt ein Defilé, 3. B . ein Steg u . dgl., ſo ſchmal , daß
e3 auch mit der Reihenfolonnenicht paſſirtwerden kann, ſo geht
auf das Aviſo : »Rottenweise abfallen !« — »Marsch !*
Reihe für Neihe in die Rottenſtellung über. Nämiich der
Mann des erften Gliedes der erſten Neiße marſchirt zuerſt
vor, ihm folgt jener des zweiten , dieſem jener des drit
ten Gliedes ; hierauf kommt der Mann des erſten Gliedes
der zweiten Reihe u . f. w .
381. Zum Aufmarſche wird auf das Kommando : » In Reihen
aufmarschiren !« — »Marsch !« rottenweiſe wieder in die
Reihenſtellung übergegangen . Hierzu verkürzt die Tête den
Schritt ſo lange , bis alle Reihen ihre gehörige Diſtanzwie
des erreicht haben ; worauf: » Im vollen - Schritt !« koms
mandirt wird.
382. Auf dem Ererzirplaße iſt zur beſſeren Verſinnlichung für
die Mannſchaft das Defilé durch die Unteroffiziere des dritten
Gliedes markiren zu laſſen .
$. 33.
Aufmarſch aus Reihen in Doppelreihen .
383 . Soll eine im Marſde begriffene Reihenfolonne in Dop
pelreihen aufmarſchiren , ſo wird aviſirt: » In Doppelreihen !« ;
unsE
worauf die Männer des zweiten und dritten Sliedes der UN
geraden Rotten ſich aufMannsbreite feitwärts von ihren
Nebenmännern des erſten , bezüglich zweiten Gliedes ziehen .
Auf das gleich darauf folgende Kommando: »Marschirt —
auf !« begeben ſich die Männer des zweiten und dritten
Gliedes der geraden Rotten in die durch das Seitwärts
treten ihrer bisherigen Vormänner der ungeraden Rotten
entſtandenen Lüden , jene des erſten Gliedes aber auswärts
neben ihre Vormänner, und die Unteroffiziere verfügen fich
95
auf die ihnen zukommenden Pläße. Die Tête, und ſucceſſive
die folgenden Doppelreihen , müſſen den Schritt ſo lange ver
kürzen , bis alle auf die vorgeſchriebene Diſtanz gelangt ſind;
worauf der Zugs-Rommandant: » Im vollen - Schritt !«
kommandirt.
: Der Aufmarich auf der Stelle, und bevor noch das zweite 384 .
und dritte Glied an das erſte geſchloſſen iſt , erfolgt auf das
Rommando : » In Doppelreihen !« » Marschirt - auf!«
nach Nr. 366.
S . 34 .
Aufmarſch aus der Reihenfolonne in die
Front.
.. . Der Auſmarſch eines Zuges aus der Reihenfolonne in 385 .
die Front, kann in vier verſchiedenen Direktionen erfolgen ,
nämlich :
: 1 . Mit der Front gegen die Seite des Kolonnen
Alignements.
2 . Auf die Tête der Kolonne, mit der Front gegen
- die Marſchdirektion.
. 3. Auf die Tête der Rolonne, mit der Front gegen
die Queue.
4 . Mit der Front auf die entgegengeſepte Seite des
Kolonnen-Alignements .
Jeder dieſer Aufmärſche fann ſowohl von der Stelle, 386.
018 auch während des Marſches der Reihenkolonne ſtattfinden .
Bei der nachfolgenden Erkläruag der Ausführung wird 387.
als Beiſpiel durchgehends eine rechtsformirte Reihenfolonne
angenommen ; woraus ſich der Aufmarſch einer linksformirten
ohne weitere Erklärung entnehmen läßt.
96
1.
Herſtellung der Front, oder Aufmarſch auf die Seite
des Kolonnen - Nlignements .
388. Die Herſtellung der Front erfolgt bei einer nach ihrer
Formirung noch nicht von der Stelle gerüdten Reihenkolonne
auf das Kommando: » Front!“ , indem jeder Mann die
Linksumwendung vollführt.
389. Iſt jedoch die Kolonne im Marſche begriffen , oder , obs
gleich dermalen auf der Stelle, nach ihrer Fovanirung ſchon
in Bewegung geſebt geweſen ; ſo bleiben auf das Aviſo :
» Links die Front herstellen !“ , welchem im leßteren Falle
noch »Marsch !“ beizufeßen kommt, die beiden an der
Têtemarſchiren den Unteroffiziere ſtehen und machen gleich
zeitig mit der erſten Reihe linksum . Der Mann des erſten
Gliedes wendet den Kopf rechts , nimmt die Fühlung gegen
den Unteroffizier , und richtet ſich nach ihm . Die Männer
des zweiten und dritten Glicdes treten auf die vorges
ſchriebene Gliederdiſtanz zurück und deden ſich auf itren Vors
mann des erſten Gliedes . Auf die nämliche Art geſchieht
ſucceſſive die Herſtellung aller Männer der folgenden Reis
ben mittelſt der Linksumwendung, ſobald ſie ihren Vors
männern ſo nahe gekommen ſind , daß ſie mit ihrer Hera
ſtellung auch ſchon die gehörige Fühlung erlaugen ; um nicht
etwa nach erfolgter Wendung in die Front die Fühlung
erft ſuchen zu müſſen .
390. Nach erfolgter Herſtellung ſämmtlicher Reihen wird :
Habt — Acht!“ kommandirt.
II.
Aufmarſch auf die Tête mit der Front gegen die
Marſchdirektion .
391. Hiezu wird kommandirt: » Links aufmarschiren !«
Plan lvV .. » Halb — links!* »Marsch !" Der an der Zête befind
Fig . 3 .
97
liche Unteroffizier des erſten Gliedes bleibt unverrüdt
ſtehen und bildet den Stütpunkt der Aufmarſchlinie. Die
Reihenfolonne vollführt die anbefohlene Wendung , und tritt
ſodann die Ziehung an . Die Männer des erſten Oliedes
bilden die äußere Wand, herſtellen ſich, — ſobald ſie ſucceſſive
links neben ihren Vormann gelangen, — in die Front, wens
den den Kopf rechts , und nehmen ſchnell Fühlung und Richs
tung gegen den bereits in der neuen Frontlinie ſtehenden Nes
benmann. Die Männer des zweiten und dritten Gliedes
gehen ,wenn ihre Vormänner des erſten Sliedes ſich herſtellen ,
nach Maß des fid; ergebenden Raumes, ſogleich in die Rotten :
ſtellungüber, und berichtigen Rottendeđung und Gliederdiſtang;
was der an der Tête des driiten Gliedes eingetbeilte Unters
offizier bei der Flüge?rotte genau zu überwachen hat. Sobald
drei bis vier Männer des erſten Gliedes in die Front eingerüdt
ſind,wendet ſich der ain Flügel befindliche Unteroffizier linfos
um gegen das erſte Glied , beſorgt die Richtung der nach
und nach einrückenden Männer ſenkrecht auf das geweſene
Kolonnen -Alignement, und herſtellt ſich ſodann wieder in
ſeine Eintheilung.
Nach erfolgten Aufmarſche wird : »Habt – Acht!« 392 .
kommandirt.
Wird der Aufmarſch während des Marſches der Rei- 393.
henfolonne angeordnet, ſo bleibt auf das Kommando: »Halb
- links !“ der an der Tête marſchirende Unteroffizier des
erſten Gliedes ſtehen ; während die übrige Reihenfolonne die
Wendung vollzieht, und nach der vorſtehenden Erklärung ſuc
ceſſive in die Front einrüdt.
Soll der Aufmarſch auf die Tête der Reiyenkolonne un- 394.
Plan IV .
mittelbar nach Paſſirung eines Defilé's, und bei fortgeſekter
Bewegung ſtattfinden ; ſo wird in dem Augenblice, wo die
Tête aus dem Defilé hervorbridt, agifirt : » Im Zug aufmar
schiren !“ und Gierauf: »Marsch !« kommandirt.
Abrichtungs-Regl. f. 8 . Inft.
98

395 . Der an der Tête befindliche Unteroffizier des erſten


Gliedes zielt fich ſogleich rechts , und mäßigt dabei – ohne
den Takt zu verändern – etwas den Schritt. Der Unteroffi
' zier des dritten Gliedes bleibt ein wenig zurück , und folgt
dann jenem des erſten auf den Abſtand der doppelten Glieders
diſtanz nach. Der Mann des erſten Gliedes der erſten Reihe
ſchließt fich ſogleich rechts an den Unteroffizier des erſten
Gliedes , und reßt mit dieſem den Marſch in der Ziehung
fort. Die Männer des zweiten und dritten Gliedes aber ver
kürzen ſo lange den Schritt, bis der Mann des erſten Gliedes
vor ihnen iſt; worauf ſie aus der Reihen - in die Rottens
ſtellung übergehen . Sobald die zweite Reihe aus dem Defilé
hervorbricht, feßt ſich der Mann des erſten Sliedes ſogleich
in die Ziehung rechts , und ſchließt ſich an jenen der erſten Reihe;
während die Männer des zweiten und Dritten Gliedes
auf gleiche Weiſe , wie bei der erſten Reihe erklärt worden ,
den Schritt verkürzen , und in die Rottenſtellung übergeben .
396 . Auf dieſe Art marſchirt eine Reihe nach der anderen
auf, und wenn der Zug formirt iſt , kommandirt der zuleßt
aufmarſchirende Unteroffizier des erſten Gliedes : Gerad —
aus ! « ; worauf ſogleich im vollen Schritte in gerader Rich
tung ausgetreten , und die Fühlung gegen die Marſcdirek
tionsſeite genommen wird. Bei der Übung auf dem Ererzir
plaße iſt das Defilé nach Nr. 382 zu markiren .
397 . Die beiden obbeſchriebenen Aufmärſche auf die Lête
der Reihenkolonne tönnen nach Umſtänden auch auf das
dritte Glied , und zwar mittelſt des Kommando : » Auf das
dritte Glied rechts aufmarschiren !« » Halb – rechts !«
»Marsch !« oder: „ Auf das dritte Glied im Zug aufmar
schiren !« »Marsch !« ſtattfinden ; wobei der Unteroffizier
und die Mannſchaft des dritten Gliedes alles dasjenige zu
beobachten haben , was beim Aufmarſ:He auf das erſte Glied,
für jene dieſes Gliedes vorgeſchrieben worden .
99
Ein ſolcher Aufmarſch kann z. B . bei einem Nüđzuge 398.
nothwendig werden , woman nach Paſſirung eines Defilés
aus Reihen in größere Abtheilungen aufnarſdiren, und den
Marſch mit einer auf das dritte Glied formirten Abtheilungs
Kolonne fortſeßen will.
III.
Aufmarſch auf die Tête, mit der Front gegen die Queue.
Hierzu wird kommandirt : » Rechts aufmarschiren !* 399.
Halb – rechts !« »Marsch !“ Der Aufmarſch erfolgt
auf den an der Tête befindlichen Unteroffizier des dritten
Gliedes , welcher ſich , ſo wie auch die Mannſchaft dieſes
Gliedes, analog nach der in Nr. 391 für dieſe Individuen
des erſten Gliedes ertheilten Belehrung benehmen. Der Zugs
Kommandant aviſírt hieraufwährend des Aufmarſches : » Die
Front herstellen !“ und komunandirt, ſobald die leßte Reihe
in die Front gerüct iſt: » Kehrt ! – euch !«
IV .
Auf marſch auf die entgegengeſekte Seite des Kolonnen
Alignements .
Hierzu wird aviſirt : » Rechts schwenken und aufmar - 400.
schiren !“ , welchem , wenn die Reihenkolonnenicht im Marice
begriffen iſt, das Kommando : »Marsch !« hinzuzuſeßen iſt.
Die beiden an der Tête befindlichen Unteroffiziere voll- 401.
führen ſogleich eine ganze Schwenkung rechts , und tüden fe, Plan IV .
" Fig . 4 .
ſodann bei der Übung in der Regel auf ſechs Schritte , bei
der Anwendung aber ſtets bis auf jenen Punkt vor , an
welchen ſich der Flügel des aufmarſchirenden Zuges zu leba,
nen haben wird ; wo ſodann der des erſten Gliedes ſtehen
bleibt und hierdurch die Aufſtellung der neuen Frontlinie mars
kirt, jener des dritten Gliedes aber ſich auf die doppelte
Sliederdiſtanz hinter ihm aufſtellt.
100
402. Die erſte Reihe vollführt die gleiche Schwenkung einen
Schritt ſpäter als dielinteroffiziere, und marſchirt ſodann ge
rade vor. Der Mann des erſten Gliedes rüdt links neben
den Unteroffizier dieſes Gliedes , wendet den Kopf rechts ,
und nimmt ſchnell Fühlung und Richtung dahin . Während
der Mann des erſten Gliedes in die Frontlinie tritt , gehen
die Männer des zweiten und dritten Gliedes , nach
Maß als ſich der Raum hierzu ergibt , in die Rottenſtellung
über, und berichtigen ſogleich Rottendeđung und Gliederdi
ſtanz; was der im dritten Gliede aufgeſtellte Unteroffizier zu
überwachen hat.
403. Auf dieſelbe Weiſe benehmen ſich alle übrigen Reihen ,
indem ſie ſucceſſive — jede einen Schritt ſpäter als die vors
marſchirende — lewenfen , beim Einrüden in die neue
Frontlinie in die Rottenſtellung übergehen , die Männer
des erſten Gliedes ſogleich den Kopf rechts wenden ', Füh
lung und Richtung gegen den bereits in der Frontlinie ſtes
henden Nebenmann nehmen ; jene des zweiten und dritten
Gliedes aber Rottendeđung und Gliederdiftanz berichtigen .
404 Nach erfolgtem Aufmarſche wird : »Habt – Acht!“ .
kommandirt.
405. Der Zugsfommandant hat darauf zu ſehen , daß jede
Reihe bis auf den Schwenkungspunkt in gerader Richtung
marſchire, und ſich nicht gegen die neue Frontlinie ziehe ;
ferner unmittelbar nach Erreichung des Schwenkungspunktes
ſogleich ſchwenke , um die Nachrückenden nicht in Marſche
aufzuhalten .
406. Seflatten die Lokalverhältniſſe dieſen Aufmarſch mittelſt
des Rechtsſchwenkens nicht , ſo kann derſelbe auch mittelſt
des lintsſchwenkens ausgeführt werden ; wobei alles für den
Unteroffizier und die Männer des erſten Gliedes Vorgeſchrie
bene auf den Unteroffizier und die Männer des dritten Glie.
des Bezug hat. Während des Aufmarſches aviſirt ſodann
102
der Zugs-Kommandant: „ Die Front herstellen !“ , und koms
mandirt, wenn die lebte Reihe eingerüdt iſt: » Kehrt !
cuch !«
S. 35 .
Aufmarſch aus der Doppelreihen - Rolonne
in die Front.
Die Herſtellung der Front fann bei der Doppelreihen -407.
Kolonne ſowohl nach vorausgegangenent Ha!t, wie and wah
rend des Marſches ſtattfinden .
Zur Herſtellung der Front nach vorausgegangenem 408.
Halt wird kommandirt : » Front! Jeder Mann voll
führt , wenn die Rolonne z. B . rechts formirt iſt, – die
Wendung linfsum nach der Seite des Kolonnen - Aligne
ments , nämlich gegen das die äußere Wand bildende erſte
Glied ; worauf ſich dieMänner der ungeraden Rotten ſo
gleich, mittelſt eines Schrittes vors und rechis ſeitwärts , wie
der neben ihre Nebenmänner der geraden Kotten aufſtellen ,
und die Chargen auf die ihnen zukommenden Pläße ver
fügen .
Durch die obbeſchriebene Herſtellung der Front kommnt409.
die neue Frontlinie um eine Mannsbreite vorwärts der vor
dem Abmarſche innegetabten Auftellungslinie. Sollte eß jes
doch unbedingt nothwendig ſein , die Herſtellung genau auf
dieſer Linie zu vollführen ; ſo läßt man die Doppel
reihen - Rolonne nach vorausgegangenem valt in Reihen
abfallen , und kommandirt dann uninittelbar hierauf:
» Front!“
Soll die Herſtellung der Front während des Kolonnen - 410.
marſhes erfolgen , ſo wird kommandirt: » Zug !-- Front!“
Die Männer der geraden Notten vollführen ſogleich die
ganze Wendung gegen die Alignementsſeite , jene der uns
gera den hingegen ſchwenken neben ihre Nebenmänner der
102
geraden Hotten ein ; der Marſch wird unaufgehalten forts
geſebt , und die Fühlung gegen die Marſchdirektionsſeite
genommen .
11. Der Aufmarſch auf die Tête mit der Front gegen die
Marſhdirektion , ſo wie auch der mit der Front gegen die
Queue, ferner jener auf die entgegengeſepte Seite des Ros
Tonnen - Alignements , finden auf dasſelbe Kommando und unter
denſelben Beobachtungen ſtatt, wie jene aus der Reihenko
lonne; wobei je zwei nebeneinander ſtehende Männer des
felben Gliedes fich vereint auf dieſelbe Art benehmen , wie
es dort für den einzelnen Mann vorgeſchrieben worden ; nur
hat in den betreffenden Fällen die Herſtellung der Front –
nach dem Einrüden ſämmtlicher Doppelreihen – auf das
Aviſo : » Zu Zweien ! Kehrt euch !« nach Nr. 373 zu ers
folgen.
- S . 36 .
Frontveränderungen mittelſ Reihen und .
Doppelreihen .
412. Zur Vollführung von Frontveränderungen wird der
Zug vorerſt in Reihen oder Doppelreihen gebrochen , und
ſodann der Aufmarſch aus der Reihenkolonne bewirkt.
413. Zur Frontserärderung rechts kommandirt der Zugs
Kommandant:
» In Reihen (Doppelreihen) - rechts !« » Rechts
- um !“ , hierauf: » Links aufmarschiren !« » Halb –
links !* »Marsch ! “
414 . Zur Frontveränderung links :
In Reihen (Doppelreihen) - links !« »Links –
um !“ , hierauf: » Rechts aufmarschiren !« » Halb -
rechts !« »Marsch !«
415 . Zur Frontveränderung rechts růdwärts , wobei
nämlich der linke Flügel ſtehen bleibt, der rechte aber zurüd
genommen wird :
103
» In Reihen (Doppelreihen ) – links !« » Links –
um !< , hierauf: » Links aufmarschiren !« » Halb - links!“
»Marsch !« ; ſodann : „ Die Frontherstellen ! « » Kehrt !
- euch !« (»Zu Zweien ! Kehrt euch !« )
Zur Frontveränderung links rüc w årts , wobei der 416.
rechte Flügel ſtehen bleibt, der linfe aber zurüdgenommen
wird :
» In Reihen ( Doppelreihen) — rechts !« » Rechts
um !« , hierauf: » Rechts aufmarschiren !« » Halb —
rechts !« »Marsch !“ ; ſodann : » Die Frontherstellen !“
>>Kehrt! – euch !« (»Zu Zweien ! Kehrt euch!« )
Soll endlich die Front des Zuges dorthin kommen ,wo- 417.
hin früher der Rüden gefehrt war, ſo erfolgt dieß mittelft Pian
* * Fig . 6 .
des Kommando : « Front und Flügel verändern !« » Rechts
(links) – um !« »Marsch !« Der ganze Zug vollführt
die anbefohlene Wendung, und tritt den Reihenmarſch an .
Der an der Queue im erſten Gliede befindliche Unteroffizier
bleibt jedoch ſtehen , und markirt den Aufſtellungspunkt der
neuen Frontlinie. Die Unteroffiziere an der Tête vollführen
ſogleich, die übrigen Reihen aber ſucceſſive auf ders
ſelben Stelle, zweimal unmittelbar nach einander eine ganze
Schwenkung links (rechts) , marſchiren längs des erſten Glies
des vor , und es erfolgt die Herſtellung der Front , wenn
die Unteroffiziere in gleiche Höhe mit dem zum Martiren des
Flügels ſtehen gebliebenen gelangt find; worauf dieſer in
ſeine Eintheilung zurüdfchrt.
Nach bewirkter Herſtellung wird » Habt – Acht !« 418.
kommandirt.
S . 38 .
Einzelne und reiben w eiſe Defilirung.
Die einzelne Defilirung dient zur näheren Beſichtigung 419.
und Prüfung der militäriſchen Haltung , des Marſches und
Gewehrtragens jedes einzelnen Soldaten ; wobei ein Mann
104
dem anderen auf den Abſtand von vier Schritten zu folgen
hat. Hierzu wird kommandirt:
»Einzeln rechts defiliren !« » Rechts — um ! «
Der ganze Zug,mit Ausnahme der auf dem rechten Flü
gel eingetheilten Unteroffiziere , von welchen der des erſten
Gliedes ſogleich ein ſenkrecht vor ihm liegendes Direktions
objekt fürzuwählen hat, vollführt die anbefohlene Wendung.
Der an der Queue im erſten Gliede befindliche Unteroffizier
ſtellt ſich ſogleich links neben , und mit der Front gegen den
Flügelmann des erſten Gliedes auf, und der Zugs-Komman
dant gibt den an der Tête befindlichen Unteroffiziere den Punkt
an,wo der Zug nach der Defilirungwieder formirtwerden ſoll.
420. Auf das : »Marsch ! « beginnt der Unteroffizier des
erſten Gliedes ſogleich den Mario in gerader Richtung auf
das fürgewählte Direktionsobjekt. Sobald dieſer den linten
Fuß zur Vollführung des fünften Schrittes vorbringt, tritt
der Flügelmann des erſten Gliedes aus , wendet ſich ſchnell
links , und folgt dem linteroffiziere in der vorgeſchriebenen
Diſtanzvon vier Schritten . Auf dieſelbe Weiſe tritt ein Mann
nach dem andern aus, wendet ſich beim Anlangen an den
zur Markirung aufgeſtellten Unteroffizier ſchnell links , und
folgt dem vormarſchirendeu Manne auf die vorgeſchriebene
Entfernung, bis das ganze erſt e Glied auf der Defilirungs
linie ſich befindet ; worauf das dritte Glied , und nads
dieſem das zweite auf ähnliche Weiſe nachfolgt. Der zur
Markirung aufgeſtellte Unteroffizier überwacht das zeitgemäße
Abrüden , ſo wie die Wendung jedes einzelnen Mannes , und
folgt nach dem Abrüden des ganzen Zuges , dem leßten Mannie
des zweiten Gliedes auf die vorgeſchriebene Diſtanz nach.
421. Jeder einzelne Mann hat fortwährend auf den vor
ihm marſchirenden Mann gedeckt zu bleiben , bei Annähe:
rung auf drei Schritte an den Höheren , vor welchem des
filirt wird , den Kopf raſch gegen denſelben zu wenden ,
105

mit militäriſdem Anſtande vorbeizumarſiren , und erſt, wenn


er drei Schritte über ihn hinaus iſt , wieder geradaus zu
ſehen .
Laßt der Zuge - Kommandant nicht vor fich , ſondern 422.
vor einem höheren Vorgeſeßten defiliren , ro ſtellt er ſich , nach
dem er die Wendung kommandirt hat, auf vier Schritte
vor den Unteroffizier des erſten Gliedes , fommandirt von
dort aus : »Marsch !“ , tritt gleichzeitig aus, vollführt beim
Vorbeimarſche vor dem Höheren die vorgeſchriebene Ehrenbes
zeigung,und begibt ſich, wenn er drei Schritte an ihm vorüber
iſt , auf ungefähr drei Schritte rechts ſeit- und rückwärts
desſelben ,wo er ſich auffellt,und dieweiteren Befehle erwartet.
Befindet fich ein Tambour bei dem Zuge, ſo ſtellt ſich 423.
dieſer ſogleich auf das Aviſo zur Defilirung auf ungefähr
zehn Schritte gegenüber der Perſon , vor welcher Deflirt wird,
und ſchlägt während der Deſilirung den Marſd .
• Die reihenweiſe Deſilirung dient, um ſich zu überzeu - 424.
gen , ob die drei zu einander gehörigen Männer während des
Marſches gehörig auf einander gerichtet bleiben , Fühlung
und gleichen Schritt falten , die Schwenkungen mit beweg
lichein Pivot gehörig ausführen u . dgl.
Hierzu wird kommandirt :
> Reihenweise rechts defiliren !« » Rechts — um !« 425.
worauf der ganze Zug die anbefohlene Wendung vollzieht,
und der an der Queue im erſten Gliede befindliche Unteroffis
zier ſich nach Nr. 419 benimmt.
Auf das darauf folgende : »Marsch ! « vollführen die 426 .
beiden Unteroffiziere des rechten Flügels ſogleich eine ganze
Linksſchwenkung , und jener des erſten Gliedes leitet die
Marſchdirektion . Alle anderen Reihen rüden ſucceſſive auf
ähnliche Weiſe aus ihrer Aufſtellung, wie es bei der einzels
nen Defilirung für die Männer des crſten Gliedes erfíärt
wurde; wobei ſich die Mänuer des zweiten und Critten Glie
106
des ſogleich an die Männer des erſten Gliedes ſchließen, wels
che die äußere Wand bilden . Die Schwenkung wird von
jeder Reihe aufdemſelben Punkte begonnen, wo dieß von den
Unteroffizieren ſtattfand; die drei Männer jeder Reihe wenden
beim Vorbeimarſche vor dem Höheren , bei Annäherung auf
drei Schritte, den Kopf gegen denſelben , und ſchen , wenn
fie auf drei Schritte an ihm vorüber ſind, wieder geradaus.
427. In allem Übrigen gelten hier die bei der einzelnen Des
filirung feſtgelegten Vorſchriften .
428. Sollte ſich der Höýere ſo aufſtellen , daß ihm bei der
Defilirung das dritte Glied zunächſt ſtünde, ſo hat auf tas
Kommando : » Rechts — alignirt !« der Unteroffizier des
dritten Gliedes die Marſchdirektion zu leiten ; die Männer
dieſes Gliedes bilden nun dieäußere Wand, jene des zweiter
und erſten aber ſchließen an die Männer des Dritten Gliedes.
429. Die Defilirung links , ſowohl einzeln als reihenweiſe,
wird unter den ågnlichen Beobachtungen nach der entgegens
geſeßten Seite vollführt.
S. 38 .
Gewehrgriffe.
430. Zum Ererziren der Gewehrgriffe werden anfänglich
vorher die Glieder geöffnet ; bei einer bereits ausgebildeten
Truppe müſſen jedoch die Gewehrgriffe auch öfter bei geſchloſs
rener Stellung der Glieder geübt werden .
431. In beiden Fällen werden die Gewehrgriffe ſodann auf
dasſelbe Kommando , in derſelben Ordnung und unter dens
ſelben Beobachtungen ausgeführt, wie bei dem Gliederuns
terrichte vorgeſchrieben worden iſt.
S . 39.
Laden und Feuern.
432. Das Laden und Feuern wird ſtets bei geſchloſſenen
Gliedern geübt. Da man vorausſeßt, daß der Soldat ſowohl
einzeln als im Gliede darin gehörig ausgebildet worden ſei ;
107
To find im Zuge die Ladungstempo jederzeit , ohne das Vors
zählen oder den Zuruf: » Ladet !« abzuwarten , ununterbros
chen,möglichſt ſchnell, jedod genau und ohne Übereilung aus :
zuführen , woraufmit Strenge geſehen werden muß.
Zur Übung im Laden und Feuern wird kommandirt :433.

Kommando
Worte. Belehrun g. i

Habt Acht ! Auf dieſes Kommando treten die Män -| 434.


Laden !“
Zug ! " Iner des zweiten Gliedes ſchnell einen halben
Schritt vor-, und ſo viel rechts ſeitwärts ,daß
ſie mit der Mittellinie ihres Körpers gerade
hinter den äußeren Rand der rechten Achſel
ihres Vormannes zu ſtehen kommen .
Worauf die Ladung von allen drei 435 .
Gliedern ununterbrochen erfolgt.
Nade bewirkter Ladung kommandirt der
Zugs -Kommandant:
» Herstellt - Das zweite Glied tritt ſchnell links ſeit- | 436.
euch ! «
und rüdwärts , und berichtigt, ſo wie auch
das dritte, Gliederdiftanz und Rottendeckung;
während das erſte Fühlung und Richtung
Igegen die rechte Seite nimmt.

I. 3 ugsfeuer.

| » Habt Acht! Die im erſten Sliede ſtehenden Unter- | 437.


feuer !«Zugs- offiziere treten auf den leßten Trommelſtreich ,
Zrommelzei: ohue eine Wendung zu vollführen , fünf,
chen des Hufes. Idie im dritten Sliede ſtehenden aber zwei
Schritte rüdwärts ; wodurch erſtere an die
Stelle der leßteren gelangen werden .
108

Kommando
Worte. Belehra n g.
438 . Iſt kein Lambour vorhanden, ſo erfolgt
dieſes Zurücktreten der Urteroffiziere auf das
nachfolgende Kommando: »Zug !«
439 . Der Zugs -Rommandant ſtellt fich ſeits
wärts des erſten Gliedes, mit der Wendung
linksum gegen dasſelbe , und kommandirt:
410, » Zug !« Erfolgt das Vor- und Seitwärtstreten
der Männer des zweiten Gliedes,wie jenſeits
beim Laden erklärtworden .
461. » Fertig !“ Wird blos von den Männern des erſten
und zweiten Gliedes auf die vorgeſchriebene
Weiſe ausgeführt, während jene des dritten
Gliedes unbeweglich ſtehen bleiben. .
442 . An !« Zwiſchen dem Kommando: » An« und
» Feuer !“
» Feuer !« muß ein wenig ausgehalten wer
Iden , um der Mannſchaft Zeit zu laſſen ,
Iden Zielpunkt gehörig zu erfaſſen , oderwenn
fein beſtimmter Zielpunkt vorhanden iſt, die
Gewehre vollkommen wagrecht in Anſdlag
zu bringen .
443 Nach dem Feuer werden die Gewehre aus
dem Anſchlage in die vorgeſchriebeneLage an
die Bruſt herabgebracht, ohne Aufenthalt
geladen , und ſodann wieder fertig genom
mert; worauf das Feuer auf das Koms
mando : » An !« » Feuer« nach Belieben Fort
geſeßtwerden kann.
444 . Nach dem » An !« iſt zeitweiſe : » Setzt
- ab !“ zu kommandiren , um hierdurch
Jſowohl die Aujmerkſamkeit der Mannſchaft,
109

Kommando
Worte Belehru n g.

wie auch den richtigen Anſchlag zu prüfen ,


und Leßteren nöthigenfalls zu berichtigen .
Der Zugs - Kommandant hat übrigens 445 .
ſtrenge darüber zu wachen , daß die Mann
ichaft beim Feuern nicht gedrängt ſtehe, die
Flügelrotten vielmehr in der Folge den durch
das Zurüdtreten der Unteroffiziere fich erges
benden Raum benüßen , um in den Bewes
gungen beim Laden und Feuern nicht ges
hindert zu ſein , vorzüglich aber um dem
zweiten Gliede den hinlänglichen Raum
zum Anſchlage zu geſtatten. Deßhalb müf
ſen auch die Männer des erſten Gliedes
verhalten werden , beim Anſchlagen den
Ellenbogen etwas nach abwärts zu drüs
cen , und die Schwere des Körpers auf
beiden Füßen gleichmäßig ruhen zu
laſſen , feinesfalls aber auf den linken Fuß
zu übertragen .
ie Unteroffiziere haben darauf zu ſe= 1446.
ben , daß die Ladungstempo gehörig und
ohne libereilung voltzogen werden , jeder
Soldat, – auch wenn ohne Patronen erers
zirt wird, — ordentlid in die Patrontaſche
greife , das Gewehr in Anſchlag bringe; kurz,
daß das Laden und Feuern genau nach Vor
ichriſt ausgeführt werde.
Trommelzeichen
des Rufes , oder
Auf den leßten Trommelſtreich, 447.
der Zuruf: oder unmittelbar auf den Zuruf: „ Halt !«
» Halt ! *
rücken die Unteroffiziere ſchnell in ihre Ein
110

Kommando
Worte. Belehrung.
theilung in das erſte und dritte Glied vor.
Die Mannſchaft des erſten und zweiten Glies
des benimmtfich nach der in Nr. 125 für das
Einſtellen des Feuers gegebenen Belehrung.
448. » Herstellt - Wird von dem Zugs- Rommandanten
euch !«
kommandirt, ſobald alle Gewehre geſchultert
find;worauf ſich die Männer aller drei Glies !
der , wie auf dieſes Kommando beim Laden
erklärt worden , benehmen .
» Habt Acht !" II. Glieder- und Einzelnfeuer .
» Zum Glie
449. derfeuer !“ Erfolgt Alles nach der. bein Zugs
( Trommelzei
djen) lfeuer ertheilten Belehrung.
» Zug !"
» Fertig !«
Hierauf wird kommandirt :
»Zweites
450. Glied Wie bekannt, mit dem Bemerken , daß

» An !« das erſte Glied erſt dann zum Anſchlagen zu
Feuer !« beordern iſt , wenn die Männer des zweiten
» Erstes Gliedes die Patrone in den Lauf ſchütten .
Glied !«
NA

» An !«
» Feuer !«
451. Zum Übergange in das Einzelnfeuer
ruft der Zugs-Kommandant:
» Feuert!« worauf jederMann des erſten und zwei
ten Gliedes, ohneaufein Kommando zu wars
ten , ſo oftundſo ſchnellnach einander feuert,als
es ihm ohneſchädlicheÜbereilung möglich iſt.
452. Bei dem Umſtande, daß nicht alle Män
ner die Ladung gleich ſchnell vollbringen, fo
mit auch nicht alle gleichzeitig feuern kön
111

kommando
Worte . Belehr un g .

nen , wird das Feuer im Verfolge ununters


brochen fortdauern . Damit jedoch bei dem Bes
ginnen des Einzelnfeuers nicht alle Männer
des mit ſdjußfertigem Gewehre ſtehenden Glie
des ihre Gewehre aufden Zuruf: » Feuert!*
zugleich abdrüden ; ſo hat das Feuer das erſte
Mal von dem rechten Flügel gegen den linken
zu laufen ,dann aber im Verfolge des Feuerns
jederMann,ohneRüdſicht auf ſeinen Neben -,
Hinter - oder Vormann , ſo oft zu feuern ,
als es ihm nurmöglich iſt.
Trommelzeichen
des Rufes oder
der Zuruf: Wird ſich nach der beim Zugsfeuer 453.
»Halt!“ ertheilten Belehrung benommen .
>>Herstellt –
euch !«
Bei dem Einzelnfeuer haben die einge- 454.
theilten Unteroffiziereganz beſonders undmit
aller Strenge auf das augenblickliche Abbres
chen desſelben , und zwar gleich beim Beginnen
des Trommelzeichens, zu halten ; widrigen
falls es in ernſtlichen Gelegenheiten unmoga
lich würde, die Truppeſchnell aus dem Feuer
zu bringen , und anderweitig verwendbar zu
machen .

Um das dritte Glied gleichfalls in den verſchiedenen 456,


Feuerarten zu üben , iſt vorerſt die Front zu verkehren ,
dann der Zug zuin Laden und Feuern zu beordern ; wobei
alles in dieſer Hinſicht bisher Vorgeſchriebene, mit Rückſicht
auf die veränderte Stellung der Glieder , feine volle Anwen
112
dung findet. Iſt ein Lambour bei dem Zuge, ſobegibtſich ders
ſelbe auf das Aviſo zum Verkehren der Front vor die Mitte
des erſten Gliedes, und vollführt die Wendung gleichzeitig
mit dem Zuge. Wird nach beendeter Übung die Front wies
der hergeſtellt , ſo begibt ſich der Tambour , gleid auf das
Aviſo hierzu , wieder vor die Mitte des Dritten Gliedes.

III. Feuern aus der geſchloſſenen Front, im Retiriren durch


ein Defilé.

456. Iſt ein Zug genöthiget , während des Retirirens durch


ein Defilé das Feuer aus der geſchloſſenen Front anzuwen
den ; ſo werden , wo es der Terrain zuläßt , die Männer
des Dritten Gliedes rechts und links, oder nach Umſtänden
auch nur auf einer Scite , möglichſt gedeckt aufgeſtellt , um
das Feuer aus der geſchloſſenen Abtheilung zu unterſtüßen .
457. Der Zugs - Kommandant kommandirt das Gliederfeuer
und ordnet den Übergang in das Einzelnfeuer an. Will
er hiernach den Rüdzug antreten , ſo läßt er das Feuer ein
ſtellen , und kommandirt : » In die — Balance !« — » Rechts
und links — um !« ;worauf die rechte Hälfte des Zuges die
Rechtsun -, die linke die Linksum -Wendung macht, und der
Rüdmarſch reihenreiſe auf das Kommando : »Marsch ! “ ,
oder wenn er beſchleunigt werden ſoll , auf: »Marsch —
Marseh !“ angetreten wird.
458. Dort wo der Zugs- Rommandant eine neuerliche Aufftels
lung beabſichtiget , was bei dem erſten linterrichte auf kurzen
Abſtand -geſchehen kann , ſpäter aber fich nady der Terrain
beſchaffenheit richtet, kommandirt derſelbe: » Halt !« — wor
auf jeder Mann das Gewehr ſchultert, dann : »Kehrt ! -
euch !“ , und hieranf: »Marsch ! « ; auf welches Kom
mando ſich beide Hälften gegeneinander zuſammenziehen , wie:
der den Zug formiren , und ſodann zum Laden beordertwerden .
113
Wenn die Männer des dritten Gliedes nach Nr. 456 459. .
rechts und links , ober blos auf einer Seite , zur Unters
ftübung des Feuers des Zuges verwendet werden ſollen ; hat
der Zuge - Kommandant folde vor dem Kommando zum
Feuern dahin zu beordern , und darauf zu ſehen , daß fie
fich , — wo auf dem Terrain nicht durch Dedungsgegen
ftände ſchon die vortheilhafteften Pläße bezeichnet ſind, - auf
beiläufig einen Schritt von einander entfernt, in einer Linie
aufſtellen , und ſogleich einzeln das Feuer beginnen . So
bald bei dem Zuge das Feuer eingeſtellt wird , befolgen
ſolches die ſeitwärts verwendeten Männer des dritten Slies
des gleichfalls , und trachten während des Rüdmarſches in
ihre Eintheilung im Zuge zu gelangen .

IV . Borăbung zur Bertheidigung im Quarré gegen


Kavallerie.
Zum Unterrichte über die Obliegenheiten bei der Vers 460.
theidigung im Quarré wird der Zug vorher in vier Glieder
rangirt, das Bajonet auf's Kommando gepflanzt, und ſobann
das Gewehr in Arm genommen .
It dieſes geſchehen , ſo läßt der Zugskommandant das 461.
Signal: » Klampen « * ) blaſen , oder kommandirt in Ermang
lung eines Horniſten : „ Fertig !« Die Männer des zweiten ,
dritten und vierten Gliedes treten nach der beim Zugs
Feuer für das zweite Glied ertheilten Belehrung vor- und
rechts ſeitwärts , ſo daß fie auf einander gededt bleiben . Die
Männer aller vier Glieder nehmen das Gewehr fertig ; wos
bei nur jene des zweiten Gliedes den Zeigefinger der rechten
Hand an den Griffbügel ausſtreden , alle übrigen den Kols
benhals mit voller Hand umfaſſen . Die Männer des erſten
* ) Bei jenen Truppenkörpern , welche feine Horniſten haben, wird
ſowohl zum Beginnen , wie auch zum Einftellen des Feuerns,
der „Kuf« geſchlagen .
Abrichtungs-Regl. f. 8. Inf.
114

Gliedes laſſen ihr Gewehr mit der Bajonetſpiße ſo weither


unter finken , daß es beinahe wagrecht zu ſtehen komme, und
legen , um demſelben eine beſſere Stüße zu geben , die Ab:
rundung des Kolbens in den Bug des rechten Armes. Die
linke Hand hält das Gewehr an dem unteren Laufringe fråf
tig umfaßt , der linke Ellenbogen wird feſt an die Seite
gedrůdt, und die Schwere des Rörpers auf den linken Fuß
übertragen .
462. Auf das Kommando: » ZweitesGlied !« » An !“ „ Feuer ! «
feuert dieſes Glied , und wechſelt unmittelbar darauf die Ges
wehre mit jenen des Dritten Gliedes, welches wieder die über
nommenen entladenen Gewehre ſogleich mit den geladenen
des vierten verwechſelt, und zwar auf nachſtehende Weiſe :
463. Der Mann Ses zweiten Gliedes bringt ſein Gewehr ins
gleich , ohne den Hammer in die Mittelraſt zurückzuziehen
oder ſonſt ein Ladungstempo auszuführen , in die ſenkrechte
Lage ; wendet fich gleichzeitig mit dem Oberleibe , ohne die
Füße aus ihrer Stellung zu verrüden , etwas recht& rückwärts
gegen ſeinen Hintermann des dritten Gliedes ; und überläßt
diejem ſein Gewehr, indem er es mit beiden Händen nahe
am Leibe dergeſtalt hält , daß die Fauft der rechten Hand
knapp ober dein rechten Hüftknochen ruhe. Aus dieſer Stellung
übernimmt er das ihm von dem Manne des dritten Glie des
dargereichte Gewehr mit der linken Hand am unteren Lauf
ringe, und bringt es ſobann in die Lage von Fertig .
464. Der Manndes dritten Gliedes reicht dem des zweiten
ſein Gewehr, indem er ſolches mit der am Kolbenhalſe befinds
lichen rechten Hand vorwärts , nämlich gegen ſeinen Vormann
ſtößt , wodurch die Mündung nach aufwärts for .mt. Gleids
zeitig nimmt er das Gewehr des Mannes vom zweiten Gliede
mit der linken Hand am unteren Laufringe, umfaßt es mit
der mittlerweile frei gewordenen rechten Hand am Kolbenhalſe,
and verwechſelt ſelbes auf die eben beſchriebene Art mit jes
115
nem feines Hintermannes vom vierten Gliede. Nun
wird abermals : »Zweites Glied !« » An !« »Feuer!* kom
mandirt, worauf die Verwechslung der Gewehre zwiſchen
dem zweiten und dritten Gliede neuerlich ftattfindet. Wird
nun zum dritten Mal: » Zweites Glied ! « » An!« Feuer !«
kommandirt , ſo hält der Soldat dieſes Gliedes das entla
dene Gewehr ſodann auf diefelbe Weiſe wie es hier oben für
den Mann des erſten Gliedes erklärt worden ; nur mit dem
Unterſchiede, daß er die Bajonetſpiße etwas höher als dieſer,
nämlich ungefähr in gleicher Höhe mit der Schulter hält.
Endlich erfolgt auf tas Kommando : »Erstes Glied !«
» Feuer !“ das Feuer dieſes Gliedes aus der innehabenden
Stellung ; wozu aufdas Aviſo : »Erstes Glied !« der Zeige
finger som Rolbenhalſe an das Züngel gebracht wird .
- Beim Anſchlagen im Quarré iſt auf die Bruſt 4 65 .
des Pferdes, nicht aber auf den Reiter zu zielen , was
der Mannſchaft beſonders eingeſchärftwerden muß.
Zur Ladung der Gewehre muß auf den Zuruf: 466.
» La - det !« vorerſt die Wechslung der Gewehre ſtatt
finden.
Hierzu dient der Mann des dritten Sliedes als 467.
Mittel, indem er nach einmaligem Gewehrwechſeln des z w e is
ten Gliedes , zuerſt das in Händen haltende Gewehr mit
dem im vierten , und dann dieſes mit dem im zwei- .
ten Gliede ſtehenden Manne gegen fein eigenes umtauſcht.
Wenn aber das zweite Glied zweimal gewechſelt hätte, – in
welchem Falle er ſein Gewehr ſchon in Händen hat und fol
ches in Arm nimmt, - ergreift er das Gewehr des im
vierten Gliede ſtehenden Mannes, überreicht es jenem in
zweiten Gliede und übergibt dann das dafür übernommene
Gewehr dem im vierten Gliede ſtehenden Manne.
: Nach erfolgter Wechslung der Gewehre wird die Ladung 468.
von jenen Gliedern vollzogen , welche ſich im Beſiße ungelas
116
dener Gewehre befinden , während die andern in der anges
nommenen Stellung verbleiben . Nach bewirkter Ladung bringt
jeder Mann ſein Gewehr wieder in die vorher innegehabte
Lage vor Fertig .
469. Soll das Feuer gånzlich eingeſtellt werden , ſo wird
hierzu das Signal : » Feuereinſtellen « geblaſen , oder : » Halt !«
zugerufen , worauf nach nöthigenfalls bewirkter Wechslung der
Gewehre, fich von ſämmtlicher Mannſchaft nach Nr. 125 bes
nommen ,das Gewehr aber ſodann in Arm genommen wird .
470. Iſt nach eingeſtelltem Feuer die Ladung vollbracht, ſo
wird : » Herstellt – euch !« kommandirt; worauf das
zweite, dritte und vierte Glied links ſeits und ridwärts tres :
ten , und jeder Mann die nöthige Dedung, Gliederdiſtanz,
Fühlung u . ſ. w . berichtigt.
471. Zum Quarré:Feuer nach růdwärts wird allen vier Glies
dern »Kehrt! – euch !« kommandirt, und dann wie
früher erklärt , verfahren. Um das Feuer nach den beiden
Flanken zu üben , iſt der Zug früher wieder in drei Glieder
zu formiren , ſodann rechts (links) in Doppelreihen zu brechen ,
und hierauf das Feuer auf die vorbeſchriebene Art durchzu
machen . Hierbei wird bemerkt, daß nach dem Brechen des
Zuges in Doppelreihen , nur die im zweiten , dritten und
vierten Gliede ſtehenden Männer auf die vorgeſchriebene
Diſtanz entfernt bleiben , die Männer aller weiter rüdwärts
befindlichen Glieder dagegen ſogleich aufMannsbreite an das
vierte Glied und an einander zu ſchließen haben ; ferner, daß
auf das Signal: » Klumpen « nur die vorderen vier Glieder
die ſchußfertige Stellung nehmen , alle übrigen aber fortwah
rend mit dem Gewehre in Arm ſtehen bleiben .
472. Bei dieſem Unterrichte zur Vertheidigung gegen Ra
vallerie muß dem Soldaten begreiflich gemacht, und wohl ein
geprägt werden , daß eine brave, auf ihre Ordnung vers
117
trauende, im Gebrauche ihrer Waffe geſchidte Infanterie
von einem KavalleriesAngriffe nichts zu beſorgen habe, viels
mehr ſolchen jederzeit Flegreich zurüdweiſen wird. Ferner ,
daß wenn es überhaupt die Pflicht des Soldaten iſt, in jeder
Gelegenheit mit der geſpannteſten Aufmertſamkeit auf das
Rommando ſeiner Vorgefepten zu achten , dieß bei der Vers
theidigung im Quarré in einem noch höheren Grade der
Fall ſein müſſe, und Jeder, der es wagen ſollte, ſein Gewehr
ohne Kommando loszudrüden , der ſchärfften Strafe verfalle.
$. 40.
Angriff mit dem Bajonete.
Soll der Feind durch einen raſchen , entſchloſſenen An - 473.
griff aus ſeiner Stellung geworfen werden , ſo wird die
Iruppe mit gefälltem Bajonete gegen ihn geführt.
Zur Übung des Angriffes mit dem Bajonete läßt 474.
der Zugs-Kommandant vorerſt das Bajonet pflanzen, ſodann
wenn ein Lambour vorhanden iſt, den Sturm ſtreich
folagen , und fommandirt hierauf den Frontmarſch .
Der Vormarſch geſchieht im gewöhnlichen Marſchtakte , 475.
wobeider Tambour unausgeſeßt den Sturmmarfch ſchlägt.
Erſt wenn ſich der Zug der ſupponirter: Aufſtellung des Geg
ners nähert, wird : »Marsch — Marseh ! « fommandirt;
worauf die Mannſchaft das Gewehr in die Balance nimmt
und in einen mäßigen Lauf (Lauftritt) einfällt , wozu der
Zambour den Sturmmarfd in einem beſchleunigteren
Lempo zu ſchlagen hat. Auf höchſtens 60 Schritte von der
ſupponirten Aufſtellungdes Feindes endlichwird : „Fällt das -
Bajonet !« kommandirt. Der Lambour ichlägt nun zum
zweitenmal den Sturmſtreich , die Gewehre werden
>Fällt das Bajonet« genommen , und die Mannſchaft
rüdt in vollem Laufe vor.
Auf den Allarmſtreich oder den Zuruf: » Allarm !* 476.
wird die Vorrůdung ſogleich eingeſtellt und die Mannſchaft
118
formirt fich ſchnell mit geſchultertem Gewehre in den
Zug. .
479. In Fällen , wo man den ſupponirten Angriff des Feins
des in einer Stellung erwarten will, wird vorher das Bas
jonet gepflanzt, ſodann das legte Feuer in der Entfernung
von 50 Schritten , nach vorausgegangener Erinnerung :
» Tief« gegeben , unmittelbar hierauf: »Fällt das — Bajo
net !« kommandirt , der Sturmſtreich geſchlagen , und im
vollen Laufe sorgerůdt.
S. 41.
Rallirung.
478 . Die Mannſchaft muß ſchon im Zuge geübt werden , fich
aus der aufgelöften oder geöffneten Ordnung ſchnell wieder in
die geſchloſſene zu ſammeln , d. . fich zu ralliren .
479. Zur Übung der Rallirung wird kommandirt : Aus
einander !“ . Soll ſich der Zug hierauf wieder ralliren , ſo
läßt der Zugs-Kommandant durch den Tambour den Al
Jarmſtreich fchlagen , oder ruft in Ermanglung eines
Tambours : „ Allarm !« ; worauf die Mannſchaft im ſchnella
ſten Laufe , mit dem Gewehre in der Balance , dahin eilt ,
wo der Zugs -Kommandant aufgeſtellt iſt, und fich dort ohne
Lärmen mit geſchultertem Gewehre in den Zug formirt, ſo daß
deſſen Front dem Geſichte des Zugs-Kommandanten zugewens
det , die Mitte aber gegenüber von ihm zu ſtehen kommt.
Hierbei hat ſich der Zugs -Kommandant ſtets der beabſichtigs
ten neuen Front entſprechend aufzuſtellen , die Mannſchaft
aber um Beſchädigungen vorzubeugen , — ſobald ſie rich der
Front nähert, — zu ſchultern.
480. .. Der Soldat muß belehrt werden , daß die Rallirung
im Bataillone ſtets bei der Fahne ſtattfindet, und daß, falls
ſolche in der Frontſtellung erfolgen ſoll, die Seite, nach
welcher die Fahne geneigt iſt , den Aufſtellungspunkt des
rechten Flügels andeutet.
119

S . 42. :
Belehrung zur Form irung der Gewehrpyras
miden . .
Die Formirung der Gewehrpyramiden erfolgt aus der 481.
Stellung beim Fuß oder in der Balance mit gepflanztem Bas
jonete , auf das Kommando : » In Pyramiden setzt –
- an !« Der Mann des erſten Sliedes bringt ſein Ges
wehr yor die Mitte des Leibes , übernimmt es dort mit
der linken Hand ober dem mittleren Laufringe, und ſtellt
es dann bergeſtalt ſchräge vor fich hin , daß der Rolben
neben den rechten Fuß ſeines linkeſtehenden Nebenmannes
komme, und der Laufnach vorwärts gewendet ſei. Gleichzeitig
reicht der Mann des 3 weiten Gliedes ſein Gewehr ſeinem
Vormanne des erſten Gliedes , welcher ſolches mit der
rechten Hand etwas ober dem mittleren Laufringe erfaßt,
und dann dergeſtalt gerade vor ſeine rechte Schulter hin
ſchnellt , daß der Kolben auf einen Schritt vor ihm auf den
Boden zu ſtehen komme, und die Mündung gegen ihn gee
neigt ſei; worauf er die Bajonethålſe beider Gewehre ſo zu
ſammenfügt, daß ſie ſich freuzen . Der im dritten Sliede ſte
hende Mann reicht ſein Gewehr dem Vormanne des zweis
ten Gliedes, welcher ſolches mit der rechten Hand ober dem
oberen Laufringe ergreift, vorwärts neigt, und dann das
Bajonet mit Hilfe der linken Hand zwiſchen , und zwar
unterhalb der Bajonethälfe der beiden anderen Gewehre fte& t;
worauf der Mann des erſten Sliedes dieſes Testere Gewehr
mit der rechten Hand etwas erhebt, und dergeſtalt ſeitwärts
ſchiebt, daß der Kolben zwiſchen die Füße des rechtsſtehen
den Nebenmannes komme.
Nach erfolgter Formirung der Gewehrpyramiden ver-482.
bleibt die Mannſchaft noch ſo lange in ihrer Eintheilung ,
bis : „ Auseinander !« fommandirt wird ; worauf die Leute
180
abtreten , die Unteroffiziere aber ihre Gewehre an die Pyras
miden ihrer Nebenrotte , ſo wie , falls eine blinde oder halb
blinde Rotte vorhanden wäre , die betreffenden Männer ders
ſelben ihre Gewehre an die der Flügelrotte zunächſt ſtehende
Pyramide anlehnen , und hierauf gleichfalls abtreten .
483. Die Flügelzüge der Kompagnieen find überdieß zu bes
lehren , daß bei Formirung der Gewebrpyramiden in gro
Beren Truppenabtheilungen , die Pyramide der äußeren
Flügel - Rotte nach Umſtänden hinter jene der zweiten
Rotte zurüdgezogen werden könne; falls man nämlich
zwiſchen den Kompagnieen einen freien Durchgang erlans
gen will.
Sollen die Gewehre wieder ergriffen werden , ſo fors
mirt ſich der Zug auf das Zeichen der Vergatterung ders
geſtalt hinter den Gewehrpyramiden , daß jede Rotte un
mittelbar hinter ihrer betreffenden Pyramide zu ſtehen komme;
worauf das Kommando : » Ergreift das Gewehr !« erfolgt.
Auf dieſes Kommando erfaßt der Mann des erſten Gliedes
mit der linken Hand fein eigenes Gewehr, mit der rechten jes
nes des Mannes des zweiten Gliedes ober dem mittleren
Laufringe. Der Mann des zweiten Sliedes tritt mit dem
rechten Fuße bis zu dem rechten Abſaße ſeines Vormannes
vor, neigt ſich vorwärts , und ergreift mit der rechten Hand
das Gewehr des Mannes vom dritten Sliede ober dem mitts
leren Laufringe; worauf er , mit dem Manne des erſten
Gliedes vereint, die Pyramide erhebtund die Gewehre trennt.
Der Mann aus dem zweiten Gliede gibt nun jenem des
dritten ſein Gewehr, und übernimmt von dem des erſten
'Oliebes ſein eigenes ; worauf jeder Soldat in der Stellung
mit dem Gewehre beim Fuß verbleibt, und die weiteren Bes
fehle erwartet.
485. Wird dagegen , während die Truppe auseinander iſt ,
von den Lambours Arlarm geſchlagen , ſo läuft jeder Soldat
121
in möglichſter Gile zu ſeinem Gewehre, und ſchultertdasſelbe,
ohne hierzu auf ein Kommando zu warten.
Wil man die Gewehrpyramiden ſtatt vor, hinter der486.
Front formiren laſſen , ſo muß hierzu voreiſt die Front ver
kehrt werden ; worauf der Mann des dritten Gliedes fich
nach den Vorſchriften für den Mann des erſten Gliedes, jes
ner des erſten aber nach jenen für den Mann des dritten
Gliedes benimmt.
$ . 43.

Kommando
Worte. Belehru n g.
General- De charge.
Zur Ausführung der General- Decharge 487.
wird kommandirt:
» Habt Acht!“
Zur Gene
ral - Des
charge !«
»Zug ! Das Bor - und Seitwärtstreten der
Männer des zweiten Gliedes erfolgt auf die
bekannte Art. Die Unteroffiziere verbleiben
in ihrer Eintheilung.
» Fertig ! Alle drei Glieder nehmen das Gewehr
fertig.
Hoch an !«
» Feuer ! « Erfolgt von den Männern aller drei 488.
„ Schul Glieder, auf die bei der Ausbildung des
tert !«
einzelnen Soldaten erklärte Weiſe.
Herstellt
euch ! Die Männer aller drei Glieder beneh - 489.
men ſich nac Nr. 436.
123
490. Wird ein bereits vollkommen ausgebildeter Soldat in
der Folge aus einer andern als der vorgeſchriebenen Stel
lung mit geſchultertem Gewehre , zu Gewehrgriffen oder zum
laden befehligt, oder durch Umſtände dazu gezwungen ; ſo
wird er anſtandlos dem nachzukommen im Stande fein . Die
Anforderung jedod , daß alle Griffe aus jeder geſtatteten Art
das Gewehr zu tragen , auch geübt werden , ift keinesfalls
zu ſtellen , da ſolche von einem bereits ererzirten Soldaten
ohne Schwierigkeit ausgeführt werden .
Viertes Hauptflüd .
Ausbildung der Char. g en vom Feldwebel
a bwärts.

Erſter Abſchnitt.
Ausbildung der Kompagnie - Chargen .
Die Chargen müſſen nicht allein die Fähigkeit beſißen , 491.
ihren Untergebenen die Grundfäße und Vorſchriften der im
Abrichtungs - Reglement enthaltenen Gegenſtände zu ers
klären und beizubringen , ſondern auch verſtehen , ſolche felbft
auf das Vollkommenſte praktiſch auszuführen. Iim ſie hierin
in ſteter Übung zu erhalten , haben die mit dem Feuergewehre
ausgerüſteten Konipa gnie - Chargen öfter , namentlich aber
vor dem Eintritte des Zeitpunktes, wo der einzelne und Glies
derunterricht beginnt, in ein oder zwei Glieder zuſammen zu
tüden , und in der Ausführung aller bei dem Gliederunter
richte vorkommenden Gegenſtände geübt zu werden . Dieſe
Übung hat gleichfalls jährlich mit den Subaltern -Offizieren
auf ähnliche Weiſe gründlich vorgenommen zu werden. Ge
ſtatten es dic . Dislokationsverhältniſſe , ſo fommt überdieć
zeitweiſe aus den Chargen eines jeden Bataillons eineKom
pagnie zu formiren , in welcher die Offiziere und Feldwebel
die Chargenplaße einnehmen . Mit dieſer Kompagnie find
vorzüglich die Gewehrgriffe, dann das Laden und Feuern zu
124
üben ; um etwaige Verſchiedenheiten in der Ausführung der
bießfälligen Griffe ausmitteln , und ſolche auf die beſtehenden
Vorſchriften zurüdführen zu können . .
492. Da ($ ferner dem Soldaten nur dann möglich iſt , den
beim Ererziren an ihn geſtellten Anforderungen zu ents
ſprechen , wenn er dabei durch die Chargen ſtets vorſchrifts
mäßig und rechtzeitig kommandirt, wie auch entſprechend ges
leitet wird ; ſo bleibt es die vorzügliche Sorge des Rompag
nie s Kommandanten , ſeine Chargen auch in dieſer Beziehung
gründlich zu belehren und praktiſch auszubilden : worüber,
ſo wie auch über die ſonſtigen ſpeziellen Vorſchriften für die
Rompagnies Chargen , in den nachfolgenden SS. das Nöthige
enthalten iſt.
S . 44 .

Benennung und Erilärung einiger Linien.


493. Die Unteroffiziere, insbeſondere aber die ihrer Fähigkeis
ten wegen vorzugsweiſe zur Ausbildung der Soldaten berus
fenen , müſſen zur Beurtheilung der Stellung , der Wen
dungen , der Richtung, und mehrerer anderer beim Grerziren
vorkommenden Gegenſtände, folgende Linien kennen lernen
und zu benennen wiſſen :
494. 1. Eine gerade linie iſt jene, die in ihrer anfäng
Plan V . lichen Richtung, ohne irgend einer Abweichung rechts oder
Fig . 1 .
links , ununterbrochen fortläuft. Sie bildet die kürzeſte
Verbindung zwiſchen ihren Endpunkten . Hier z . B . die
Linie ab.
495 . Alle Richtungen geſchehen nach geraden
linien .
496. 2. Iſt eine Linie cd ſo gegen eine andere a b geſtellt ,
Plan V . daß fie fich nach keiner Seite mehr als nach der andern neigt,
Fig . 2 .
ſo ſagtman , die Linien ſtehen ſenkrecht auf einander.
497 . Beim Frontmarſche &. B . muß die Direktion fenks
125

recht auf die Frontlinie genommen werden . Bei jeder gans


zen Schwenkung muß ſich die neue Front ſenkrecht auf der
verlaſſenen Aufſtellungslinie befinden . Beim Anſchlagen
des Gewehres muß dasſelbe ſenkrecht auf die Frontlinie ges
ftellt ſein u. ſ. w .
Denkt man fich ferners einen vollkommen ebenen Boden 498.
- gleich dem Waſſerſpiegel eines Sees – und ſtellt auf
dieren eine Linie dergeſtalt , daß fie fich nach feiner Seite
mehr als nach der anderen neigt , ſo ſagt man : dieſe Linie
fteht ſenkrecht auf dem Boden . Eine ſolche Linie wird am
beften durch eine frei hängende , am unteren Ende mit
einem Bleigewichte verſehene Schnur dargeſtellt.
Die Stellung des Mannes , von vorne angeſehen , foli 499.
fich nach der Mittellinie , nämlich von der Stirne bis zu
dem Vereinigungspunkte der Abfäße, ſenkrecht darſtellen .
3. Parallele linien nennt man jene, welche wie500.
Plan V .
a b und c d dergeſtalt neben einander fortlaufen , daß alle
" Fig . 3 .
ſenkrechten , welche man von beliebigen Punkten der einen
Linie auf die andere zieht, gleich lang ſind. Hier z. B .
die ſentrechten a c , fe und b d . In dieſem Verſtande
ſagt man , daß bei parallelen Linien alle Punkte
gleich weit von einander abſtehen , daher fie fich auch
niemals begegnen oder durchſchneiden fönnen .
Die drei Glieder einer Abtheilung z. B . ſtehen paral:501.
lel,weil alle Männer des zweiten und dritten Gliedes, gleichs
weit, nämlich auf die doppelte Mannsbreite (ungefähr drei
Schuh ) von ihren Vormännern abftehen .
4. Sdråge linien find jene, welche von ihrem 50%.
Anfange bis an das Ende, ungleich von einander abſtehen . Planv.
Hier z. B . a b und od , weil die ſentrechten Abftände a c ,
fe und b d ungleich find.
Verlängert man zwei ſchräge Linien , ſo werden ſie ſich 503.
auf der einen Seite immer mehr von einander entfernen , auf
126
der entgegengeſeblen aber immer mehr nähern , bis ſie end
lich zuſammenkommen . Wo ſich zwei ſchräge Linien vereini
gen , entſteht ein Winkel. Der Vereinigungspunkt g heißt
der Scheitel des Winkels , die Linien g b und g d die
Schenkel desſelben.
504. 5 . Winkel wie a b c , welche ſich am Vereinigungs
Plan ' . punkte zweier auf einander ſenkrechten Linien ergeben ,
Fig . 5 .
Plan V .
heißen rechte Winkel, wogegen ſolche wie d e f oder g h i,
Fig . 6 . welche durch die Vereinigung zweier ſchrägen Linien ent
Plan V . ſtehen , je nachdem ſie wie d e f kleiner , oder wie g h i
Fig . 7. größer als ein rechter Winkel ſind , im erſteren Falle
ſpiße, im Teşteren ſtumpfe Winkel genanntwerden ,
505. Bei einer ganzen Schwenkung z. B . muß die neue
Frontlinie , wie bereits vorher erwähnt, mit der verlaſſenen
einen rechten, dagegen bei einer unvollendeten (Direktions
veränderung) einen ſpißen Winkel bilden .
506 . Bei der Ziehung bildet die Marſchlinie im mit der
Plán V . Frontlinie 1 k einen ſtumpfen Winkel k l m ; dagegen , wenn
Fig . 8 .
man die Frontlinie in der Richtung 1 n verlängert, einen
ſpißen Winkelmln.
507. 6 . Schließt man einen Winkel durch eine dritte Linie ,
Fig . 9 . • ſo entſteht ein Dreied a b c , d . h. eine Figur, welche
dreiSeiten und dreiWinkel hat. Sind die drei Seiten gleich,
wie a b, b c und a c , ſo heißt das Dreieck ein gleich
Plan V . Feitiges. Stehen zwei Seiten rechtwinklig auf einander ,
Fig. 10 . wie e d und d f , ſo heißt es ein rechtwinkliges Dreied .
508. Da bei der Stellung des Soldaten die Entfernung einer
Schuhſpiße von der anderen , der eigenen Fußlänge gleich
ift, ſo bildet ſeine Baſis ein gleich ſeitiges Dreieck.
509. 7. Ein Viered iſt ein von vier Seiten eingeſchloſſener
W.
Fig . 11. Raum . Sind alle vier Seiten gleich , und alle vier Winkel
rechte, wie jene in a b dc, ſo heißt es Quadrat oder
vollkommenes Viered .
127
Zieht man von dem einen Winkel zu dem dråg hin - 510.
über liegenden eine Linie c b oder a d , ſo heißt dieſe eine
Diagonale, durch welche das Quadrat in zwei vollkom
men gleiche rechtwinflige Dreieđe getheiſt wird.
8 . Der Kreis oder Zirtel iſt eine in ſich ſelbſt zu - 511.
rüdkehrende krumme Linie , von welcher alle Punkte von dem
beſtimmten Mittelpunkte gleichweit abſteher .
Die in ſich ſelbſt zurüdfehrende krumme Linie a ef b d 512.
Plan V .
beißt der Kreis umfang, der Mittelpunkt c das Sen - fic
trum . Theile des Umfanges wie a e , af, heißen Kreis
bögen ; gerade linien , welche von dem Centrum bis zu
dem Umfange gezogen ſind , wie ca, ce, cf, cb und
c d heißen Kalbmeſſer; ſolche, welche von einem Punkte
des Umfanges durch das Sentrum zu einem andern Punkte
des Umfanges gezogen ſind, wie a b, d, f, Durchmeſſer.
Alle Halbmeſſer und alle Durchmeſſer ſind unter einan - 513.
der gleich.
Jeder Kreisumfang , derſelbe mag flein oder groß ſein ,514.
wird in 360 gleiche Theile , welche man Grabe nennt,
getheilt.
Zieht man in einem Kreiſe zwei aufeinander ſenkrechte 515 .
Durchmeſſer , wie a b und df, ſo iſt der Umfang in vier
Viertel getheilt und jedes Viertel hat daber 90 Orade. Hal
birt man ein ſolches Viertel , wie hier durch die Linie ce,
ſo erhält man einen Achtelkreis a e , nämlich von 45 Graden
u . r. w .
Durch je zwei Halbmeſſer, wie z. B . a c und ec, ec016 .
und fc, a c und fc u . f. w . bilden fich in dem Cen :
trum Winkel , denen beſtimate Bögen gegenüber ſtehen .
So ſteht dem rechten Winkel a cf ein Bogen von 90
Graden , dem ſpißen Winkel e c f ein Bogen von 45
Graden , dem ſtumpfen Winkel e c d ein Bogen von 135
Graden entgegen . In dieſem Verſtande ſagt man , daß ein
128
Winkel ſo viel Grade hat, als der Bogen zwiſchen ſeinen
Schenkeln , oder es dienen diefe Bögen den Winkeln zum Maße.
517. Die Renntniß des Umkreiſes und der Bögen gehört
zu dem Unterrichte der Wendungen für den einzelnen Mann ,
und der Schwenkungen für ganze Abtheilungen . .
518 . Steht z. B . der Mann auf dem Punkte e mit dem
Geſichte gegen a gekehrt , und macht er rechts um , ſo
wird er nach der Wendung mit dem Geſichte gegen f ftes
hen , alſo einen viertel Kreisbogen beſchrieben haben . Macht
er Kehrt euch, ſo wird er mit dem Gefichte gegen b gekehrt
ſein und einen halben Kreisbogen beſchrieben haben . Wendet
er ſich aber nur halb rechts, ſo daß er gegen e ſteht - wie
3. B . bei dem Antritte der Ziehung – ſo beſchreibt er blos
einen achtel Kreisbogen , nämlich vor 45 Graben .
519. Bei Schwenkungen ganzer Abtheilungen wird das
Centrum ſtets zwei Schritte ſeitwärts ber Pivot- Charge
bei c gedacht.
520. Schwenkt z. B . eine Abtheilung cf dergeftalt , daß
ſte in die Lage c a kommt, ſo hat die Pivot- Charge, wie
auch die Abtheilung einen viertel Kreisbogen beſchrieben ,
oder eine ganze Linksſchwenkung vollführt. Würde aber die
Schwenkung von an der Linie c e enden , ſo hätte die
Pivot-Charge ſo wie die Abtheilung blos einen achtel Kreis
bogen ,nämlich von 46 Oraden beſchrieben , ſomit eine unvollens
dete Schwenkung (Direktionsveränderung) links ausgeführt.
521. Hiermit iſt im Weſentlichen dasjenige erſchöpft , was
der Unteroffizier zur vollkommenen Erfüllung ſeiner Bes
rufspflichten von den Linien zu wiſſen braucht. Es wird
nur noch bemerkt , daß der Unterricht hierin immer mit
Rücficht auf die individuellen Fähigkeiten der Chargen
ſtattzufinden habe ; nämlich, daßman ſich beimanchen darauf
beſchränken müſſe, ihnen die einfachſten Begriffe,wie z. B .
von den Senkrechten , den Parallelen u . dgl. beizubringen ,
129
während bei andern der Unterricht in ſeiner ganzen Auss
dehnung ſtattfinden kann .

$. 45.
Unterricht im geraden Maridiren.
Die Leitung der Marſchdirektion beim Frontmarſche52% .
ſowohl, als in der Kolonne, liegt den Chargen ob. Es iſt
daher von Wichtigkeit , daß dieſelben die Fähigkeit beſiken,
anhaltend in vollkommen gerader Richtung zu marſchiren ,
weldes eine beſondere Übung erheiſcht. Vor allem muß den
Chargen erklärt werden , daß jeder Marſch nach einem im
voraus zu beſtimmenden Objekte , welches man das Direks
tions objekt nennt, ſtattfindet; ferner , daß die Linie,
welche von dein eigenen Standpunkte in gerader Richtung
zu jenem Direktionsobjekte führt, die Marſch direktions
linie heißt ; endlich , daß alle in diefer geraden Linie bes
findlichen Punkte, Zwiſchenpunkte genannt werden .
Zu Direftionsobjekten find itets möglichſt entfernte , 528 .
über den Boden hervorragende Gegenſtande , als : Kirchs
thürme, hohe Bäume, martirte Bergſpißen u . dgl. fürzus
wählen . Ift das Direktionsobjekt ausgemittelt worden , ſo
muß die Charge auf der Direktionslinie die nöthigen Zwis
ſchenpunkte ſchnell aufſuchen und beſtimmen ; wozu jeder noch
ſo unbedeutende Terraingegenſtand, als : einzelne Schollen ,
Stauden , Steine u . dgl. geeignet iſt. Dieſe Zwiſchenpunkte
dürfen nicht weiter als böchſtens 30 bis 40 Schritte von ein
ander abſtehen , und da es bei langen Marſblinien nichtmögs
lid ift, alle Zwiſchenpunkte auf einmal fürzuwählen ; fo
muß mit der Beſtimmung der nächſten zwei der Anfang . .
gemacht , nach Maß als man aber vorſchreitet , mit jener .
der entfernteren fortgefahren werden . Der Marſch von einem
Zwiſchenpunkte zum anderen muß in vollkommen gerader
Richtung geſchehen , was der Fall ſein wird , wenn die
Charge dergeſtalt marſcirt , daß die Zwiſchenpunkte unauss
Abrichtunge - Kegl. f. 8. Inft.
130
geſeßt auf einander und auf das Direktionsobjett gedegt,
nämlich in einer Linie bleiben .
524 . Zur Prüfung der Wahl der Zwiſchenpunkte und des
Marſches ſelbſt , muß man ſich tergeſtalt hinter die Charge
aufſtellen , daß man auf dieſe und das Direktionsobjekt ge
dedtftebe ; wodurch man jede Åbweichung von der Direktions
linie ſogleich wahrnehmen und berichtigen kann.
525. Bei einiger Übung werden die Chargen in Kurzem die .
nöthige Geſchidlichkeit erlangen, um von ihrem Standpunkte
in vollkommen gerader Richtung nach einem gegebenen Direks
tionsobjekte hinzumarſchiren . Was jedoch deren Ausbildung
in der entſprechenden Wahl des Direktionsobjektes ſelbſt bes
trifft, ſo kann dieſe nicht beim einzelnen Unterrichte ftat:
finden ; da das Direktionsobjekt immer nur nach der Lage
der ganzen Frontlinie , nicht aber bloß nach jener der Schul
tern der einzelnen Charge, ermittelt und beſtimmtwerden darf.
$. 46 .
Vorübungen zu der Chargen -Richtung.
326 . Als Vorbildung zu der im Ererzir - Reglement vors
kommenden Chargen - Richtung werden die Chargen in ein
Glied , auf ſechs bis acht Schritte Abſtand von einander,
aufgeſtellt. Iſt dieß geſchehen , ſo läßtman , je nachdem die
Richtung rechts oder lints geübt werden ſoll , die zwei rechts
oder links ſtehenden Chargen , dann jene des entgegengeſeks
ten Flügels , zur Marfirung der neuen Richtungslinie auf
ungefähr ſechs Schritte vorrüden , und richtet dieſe drei
Chargen ſcharf auf einandır. Hierauf kommandirt inan :
Rechts (links) richt – euch !“ , auf welches Kommando
die Shargen auf ähnliche Weiſe . fuccefſive vortreten , wie es
bei dem Glieder-Unterrichte für die Mannſchaft vorgeſchrieben
worden iſt; nur mit dem Unterſchiede,daß hier die Richtung,
ohne Fühlung gegen einen Nebenmann , von entfernten ,
freiſtehenden Punkten abgenommen wird , welches ſchwieris
131

ger auszuführen iſt, daher einer beſonderen übung bedarf.


Hierbei iſt darauf zu ſehen , daß jede Charge vollkommen
gerade vorgehe , nämlich die Diſtanz von der nebenſtehenden
genau beibehalte , die dem Stüfpunkte nähere um einen
Schritt früher abrüden laſſe , den leßten Schritt gehörig in
drei fleine eintheile , und bei dem leßten kleinen Schritte ſich
auch ſchon in der neuen Richtungslinie befinde.
. Sollte eine oder die andere Charge eine fehlerhafte 527.
Richtung annehmen , ſo darf ſich die nächſtfolgende durch
dieſe nicht irre leiten laſſen ; ſondern fie muß den Fehler
dadurd zu verbeſſern ſuchen , daß fie ſich nach den andes
ren , entfernteren Chargen richtet.
Beim erſten Unterrichte laſſe . man die Chargen ein - 538.
zeln , nämlich eine nach der andern , in die Richtungslinie
portreten ; bei erlangter Fertigkeit einer jeden Einzelnen aber
hat die Richtung , wie geſagt , ſtaffelförmig zu geſchehen .
Damit endlich die Chargen eine gewiſſe Selbſtſtändig - 529.
teit im Auffaſſen und Beurtheilen einer Richtungslinie
* *er- Figan
. 13 ..
langen , welches beſonders bei gleichzeitigen Aufmårſchen
größerer Truppenkörper , dann auch bei Richtungen und Auf
märſchen auf die Mitte, ſehr nothwendig iſt; müſſen dieſels
ben auch geübt werden , fich zwiſchen zwei entfernte Punkte
ſchnell und genau einzurichten . Hierzu werden zwei Chargen ,
nämlich a und b , auf eine Entfernung von ungefähr 60 - 80
Schritten aus einander geſtellt, um zwei Punkte im Lerrain
zu markiren .
Zwei andere Chargen c und d ſtellen ſich ungefähr 530 .
10 - 20 Schritte von einander entfernt rückwärts dieſer
Linie ſo auf, daß ſie auf einen der Punkte a oder b , hier
auf b, gerichtet ſind. Hierauf bewegen ſich beide vorwärts ,
wobei c beſtändig gegen d fieht, und auf dieſe und den
Punkt b gerichtet bleibt ; d ſieht dagegen gegen c, und ruft
in dem Augenblice, als dieſe den Punkt a dedt: »Halt !«.
Die hierdurch ausgemittelten Punkte E und F befinden ſich in
138
der geſuchten Linie , welche ſofort auf die eine oder andere
Seite verlängert werden kann .
· 631. Durch dieſe Übungen ſchärft fich das Auge und ſomit
das Beurtheilungsvermögen ; da die Chargen ſich bemühen
müſſen , auf größere Entfernungen auch die kleinſten Abweis
chungen von der Richtungslinie zu beurtheilen , und ſelbe, uns
abhängig von den durd die Mannſchaft begangenen Fehlern
auch durch jene Punkte aufzufaſſen , welche ſick auf der Seite
des Richtungsobjektes durd Ridtungs - Abtheilungen nebens
ftehender Truppen , Adjutanten u. f. w . ergeben .
$. 47.
Vorübung zum Mariche im Alignement.
532. Zur Voriibung des beim Kolonnenmarſche ſo noths
wendigen Marſo irens im Alignement, werden die
Chargen ungefähr auf 20 Schritte Abſtand hinter einander
geſtellt. Hierauf bezeichnet man den zwei vorderſten Chars
gen einen in der Verlängerung der durch ſie gebildeten
Linie befindlichen Gegenſtand als Direktionsobjekt , und bes
lehrt dieſelben , daß fich die vorderſte die nöthigen Zwiſchen
punkte nach Nr. 523 zu wählen habe, die unmittelbar hinter
ihr marſchirendeaber jederzeit über erſtereaufdas Direktionss
objekt genau gedeckt bleiben müſſe. Iſt dieß erfolgt, ſo werden
die übrigen Chargen mittelft des Zurufes : » Alignirt !« an
gewieſen , fich ſucceffive in das durch die Aufſtellung der vors
derſten zwei Chargen beſtimmte Alignement einzuridhten , und
dabei belehrt , daß, um dieſes zu bewirken, jede Charge fich
in die Verlängerung der durch je zwei unmittelbar vor ihr
ftehende Chargen gebildeten Linie zu ſtellen , und derart
Schulter hinter Schulter zu beden habe, daß ſie den Naden
der zweiten vor ihr befindlichen Charge niemals eiblide. Hierzu
beordert man anfänglich eine Charge nach der anderen , um
auf dieſe Art das gehörige Erfaſſen des Alignements durch
jebe einzelne Charge prüfen und nöthigenfalls berichtigen zu
133
Yönnen ; wozu man fich jederzeit růdwärts berſelben auf
ftellt.
: Haben die Chargen die Fertigteit erlangt, fich auf dieſe633.
Art ſchnell und genau zu aligniren , ſo müſſen ſie auch geübt.
werden, dieſes während des Marſches zu bewirkeri, und dann
unausgelebtalignirt fortzamarſchiren ; wobei gleichfalls die vor
ſtehenden Beobachtungen in ihrem ganzen Umfange eintreten .
DieſeÜbung wird anfänglich in unınittelbar gerader Di: 534.
rektion vorgenommen . Sobald jedoch die Chargen die erfors
derliche Gewandtheit in dem Einhalten des Alignements wäh.
rend des geraden Vormarſches erlangt haben , ſtellt man in
der Verlängerung der Marſdirektionslinie eine Charge auf,
läßt die an der Tête marſchirende Charge beim Anlangen
an dieſer Stelle eine geringe Körperwendung vollführen , und
bezeichnet ihr ſogleich das neue Direftionsobjekt. Die nächit
folgende Charge vollführt aufderſelben Stelle,wo dieß von der
Tête-Charge ftattfand, die entſprechende Körperwendung, und
alignirt fich, nachdem ſie gleichfalls von dem fürgewählten Dis
rektionsobjekte verſtändigt worden , ſogleich über die an der Tête
marſchirende Charge auf das Direktionsobjekt. Alle übrigen
Chargen vollführen dann ſucceſſive die Wendung auf derſelben
Stelle, wo dieß von der Tête- Charge ſtattfand, und trachten
hierauf ſchnell ihre Dedung auf die bekannte Artzu bewirken .
S. 48.
Vorů b ung zur Ziehung im Front- und Rolonta
nenmariche.
Zur entſprechenden Ausführung der Ziehung , ſowohl535.
im Fronts als Kolonnenmarſche, iſt unumgänglich erforder
lich , daß dieſe ſtets genau unter dem Winkel von 45 Gra
den angetreten werde; indem durch jede Abweichung von
dieſem Winkel entweder Drüdungen und das Vorprel
len , oder Trennungen und das Zurückbleiben des nochzie
benden Flügels unausweichlich erfolgen müſſen. Das Gelingen
134
einer Ziehung hängtdemnach weſentlich von der richtigen Wahl
des hierzu erforderlichen Direktionsobjektes ab , welche jeders
zeit der an dem ziehenden Flügel eingetheilten Charge obliegt.
636 . Zur dießfälligen Belehrung und praktiſchen Einübung
PlanIII.werden die Chargen in ein Glied a b geſtellt , und die Zies
Fig . 5 . hung z. B . rechts aviſërt. Auf dieſes Aviſo hat die am recha
ten Flügel des Sliedes eingetheilte Charge a ſogleich einen
in ſenkrechter Richtung auf die Frontlinie des Gliedes , zehn
Schritte vorwärts gelegenen Punkt c am Boden ins Auge zu
faſſen , und hierauf von dieſem rechts ſeitwärts — gleichfalls
auf die Entfernung von zehn Schritten, — in ſenkrechter lage
aufdie Linie a c, den zweiten Punkt d auszumitteln . Iſt ſos
dann die Körperwendung auf das Kommando : » Halb
rechts !“ erfolgt, ſo wählt dieſe Charge einen in der
Verlängerung der Linie a d gelegenen geeigneten Gegenſtand
e als Direktionsobjekt , und es wird dann die linie a e mit
der verlängerten Frontlinie a f genau einen Winkel von 45
Graden bilden .
537. Haben die Chargen die gehörige Fertigkeit in Ausmitts
lung des entſprechenden Direktionsobjektes zur Ziehung ers
langt, ſo ſtellt man dieſelben nach Nr. 532 hintereinander,
und läßt ſie anfänglich von der Stelle aus, dann aber auch
während des geraden Vormarſches , die Ziehung antreten ;
wobei darauf zu ſehen iſt , daß die an der Tête befindliche
Charge das Direktionsshjekt entſprechend wähle, und unaufs
gehalten auf dieſes hinmarſchire , alle übrigen Chargen aber ,
in der durch die Wendung erlangten Körperſtellung , ſenkrecht
hinter einander gededtbleiben und ihren Abſtand beibehalten .
S. 49.
Vom Kommandire n .
538. Jede Bewegung aus der vorgeſchriebenen Stellung er
folgt auf ein Sommando. Da nun viele diefer Roms
mando, aus mehreren Sylben oder aus mehreren Worten bes
133
flehen ; ſo hat die Ausführung der jeweilig anbejohlenen
Bewegung immer erſt auf jene Sylbe oder jenes Wort
z11 erfolgen , welche in dem Kommando rafo , mithin bez
tont ausgeſprochen werden ,während die anderen Sylben oder
Worte nur als ein vorläufiges Aviſo zu betrachten , daher
aud ftets måßig gedehnt auszuſprechen ſind.
Die lebteren ſind im Lerte mit dünnen Lettern , die 539. -
Erſteren dagegen mit ſtarterer Schrift gedruckt , z. B . » In
Reihen – rechts !« » Rechts — um !“ .
Die genaue Betonung der Sylben oder Worte, — aus 540.
denen ein Kommando beſteht, — muß ſtets beobachtet, und
es müſſen überdieß auch die in dem Terte zwiſchen denſelben
bezeichneten Pauſen jederzeit gehörig ausgehalten werden , um
der Mannſchaft und den Chargen die zumn Auffaſſen des An
geordneten , und zur Vorbereitung für die Ausführung ers
forderliche Zeit zu belaſſen . Hierbei wird ganz beſonders bes
merkt , daß dieſe Pauſen in keinem Falle durch langwierige
Erplikationen ausgefüllt werden dürfen ; wodurch die Aufs
merkſamkeit des Soldaten nur geſtört , und jede raſche Auss
führung auf das Kommando unmöglich wird. In den Rom
uandoworten darf keine Abweichung ſtattfinden . Ihr Ton ,
Accent, ihr Nachdrud , müſſen in der ganzen Armee gleich
ſein ; wobeidie Erhebung der Stimme fich ſtets nach der Stärke
oder Ausdehnung der Truppezu richten hat, dieman befehligt.
Beim Kommandiren überhaupt, ganz beſonders aber 54f.
bei jenem der Zwiſchenbewegungen durch die eingetheilten
Chargen , inüſſen die Vorbereitungs-Sylben oder Worte ſtets
angemeſſen vorher , die Ausführungs - Sylben oder Worte
aber, genau in dem geeigneten Momente ausgeſprochen werden .
So oft die Mannſchaft zweierlei Wendungen , nämlich 542.
der eine Theil rechts , der andere links zu vollführen hat,
iſt in dem Kommando jederzeit die Bewegung desi'nigen
Lheiles zuerſt auszuſprechen , welcher in der Front rechts von
der Mitte oder einer ſtehen bleibenden Abtheilung, in der
136
Kolonne abervor der ſtehen bleibenden Abtheilung fich bes
findet z. B.
» Links und rechts - um !«
643. Das ſtets vorſchriftsmäßige und entſprechende Kommans
diren erhält die Aufmerkſamkeit der Mannſchaft rege, ermög
licht das richtige Führen der Abtheilungen durch dieChargen ,
und befördert ſomit weſentlich die entſprechende und präcije
Ausführung der beim Ererziren vorkommenden Gewehr
griffe und Bewegungen ; daher auf die genaue Beachtung der
dießfälligen Vorſchriften ſowohlvon dem jeweiligen Kommans
danten ,wie auch von den Chargen ,mit Strenge zu ſehen iſt.
S . 50.
Stellung und Ererziren der Unteroffiziere
mit dem Gewehre. – Ehrenbezeigungen .
: 544. DieStellung des Unteroffizieres mit den Gewehre iſt die
für den Soldaten vorgeſchriebene; desgleichen gelten für die
Ausführung der Ger ehrgriffe , welche der Unteroffizier -
mit Ausnahme des Präſentirens — in Reih und Glied ſtets
gleichzeitig mit der Mannſdaft vollzieht, die im $. 8 ertheil
ten Vorſchriften , und müſſen von ihm bei allen Gelegenheis
ten auf das Genaueſte befolgt werden , um auch hierin ſeinen
Untergebenen zum Vorbilde zu dienen.
545. Bei dem Gewehrgriffe : » Zum - Schwörenl« hat
der Unteroffizier nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung den
Handſchuh der rechten Hand auszuziehen.
546. A18 Kommandant einer Abtheilung nimmt der Unter
effizier das Gewehr ſowohl auf der Stelle wie auch wähs
rend des Marſches zur Leiſtung der jedem Höheren gebüh
renden Ehrenbezeigung , in der Front eingetheilt aber auf
das Kommando: » Präsen — tirt!« , auf nachſtehende Art
in rechten Arm :
547. Die linke Hand bringt den Kolben an den Schenkel
herab, und wendet das Gewehr ſo, daß der Lauf rechts ſeits
137
wärts gerichtet iſt. Die rechte Hand umfaßt den Kolbenhals ,
und zieht das Gewehr — den Riemen gleichzeitig vorwärts
wendend — an die rechte Seite herab , während welcher Bes
wegung die linke Hand ſolches am unteren Laufringe ums
faßt , die rechte aber den Kolbenhals ſchnell in der Gabel
zwiſchen dem Zeige- und Mittelfinger ergreift, und das Ges
wehr vollends an die rechte Seite bringt ; worauf die linke
Hand an die Seite zurückkehrt. Beim Tragen des Gewehres
im rechten Arme wird der Kolbenhals in der Gabel zwiſchen
dem Zeige- und Mittelfinger ſo ergriffen , daß der Zeigefins
ger knapp, unter den Griffbügel , der Daumen ober demſel
ben, die drei andern Finger aber geſchloſſen hinter dem Ham
mer , welcher auf dem fleinen Finger rụht, zu liegen koms
men . Der Ballen der rechten Hand bedeckt das Schloß , die
Schloßidrauben find gegen den rechten Schenkel geipendet ;
der Arm iſt ohne Zwang natürlich gebogen ; der Lauf des
Gewehres , welcher an die Achſel gelehnt wird , muß fent: .
recht ſtehen .
Die Herſtellung erfolgt in der Front auf das Soms548.
mando: » Schul - tert ! ,« außer derſelben aber nach Er
reichung der vorgeſchriebenen Entfernung, auf nachſtehende
Weiſe :
Die rechte Hand bringt das Gewehr, – indem ſie ſol- 549.
ches gleichzeitig etwas erhebt, und den Gewehrriemen links
ſeitwärts breht, - vor die Mitte des Leibes ; wo es die linke
Hand an dem unteren Laufringe erfaßt, und mit dem Laufe
nach vorwärts wendet, während die Rechte den Kolbenhals
ergreift , das Gewehr ſo viel nöthig hebt, und dann auf die
Achſel ſinken läßt. Gleichzeitig ergreift die linke Hand den
Kolben , und bringt das Gewehr in die vorgeſchriebene Lage
auf die Schulter , während die rechte an die Seite zurücs
kehrt.
Der Unteroffizier hält nur bei der Vertheidigung im 550 .
Quarré das Gewehr idußfertig ; wobei er ſich , ſo wie auch
188
im Übrigen , nach den dießfalls für den Soldaten ertheilten
Vorſchriften zu benehmen hat.
Ehrenbezeigungen.
561. Der Unteroffizier trägt das Gewehr in und außer der
Front, als Kommandant, Aufführer, Anmelder , ſo wie
auch in allen Gelegenheiten , wo die Truppe zwar ohne
Feuergewehr, jedoch mit Seitengewehr ausgerückt iſt , nach
Vorſchrift geſchultert.
562. Bei Begegnung eines Vorgeſepten, ſo wie auch bei jener
des Hochwürdigen , benimmt ſich der Unteroffizier wie für den
Soldaten vorgeſchrieben worden .
553. Bei Begegnung der Allerhöchſten Herrſdaft macht er auf
drei Schritte Front, und nimmt das Gewehr in rechten Arm .
Iſt die Allerhöchſte Herrſchaft auf drei Schritte an ihm vor
über , ſo ſchultert er , und reßt ſeinen Weg fort.
554. Als Kommandant nimmt der Unteroffizier, ſtehenden Fu.
Bes , nachdem er bei Annäherung eines Höheren auf 30
Schritte ſeine Abtheilung zur entſprechenden Kopfwendung,
dann wo es gebührt, zum Präſentiren befehligt hat, das Ges
wehr in rechten Arm ; ſchultert , wenn dieſer auf 9 Schritte
porüber iſt, und ordnet die Herſtellung ſeiner Abtheilung an.
555 . Eben ſo benimmt er ſich als Kommandant oder Auffühs
zer bei Begegnung eines Höheren während des Marſdes ,
nachdem er ſeine Abtheilung zur entſprechenden Kopfwens
dung befehliget hat.
556. Auf gleiche Weiſe wie der Unteroffizier haben ſich auch
der Gefreite und Füſilier oder Grenadier zu benehmen , wenn
fie die Dienſte eines Unteroffizieres als Kommandant, Aufs
führer oder Anmelder verrichten .
357. Befindet ſich der Unteroffizier außer Reih und Glied
ohne Gewehr , ſo hat er ſich nach der für den Soldaten ers
theilten Vorſchrift zu benet,men .. *
139

S . 51. '
Stellung und Grergiren des Schüßen mit der
Kammer bú chyſe. – Ebrenbezeigungen . .
I. Jm 'Allgemeinen .
Bei einem einzelnen Zuge ſtehen die Schüßen jederzeit 558.
im dritten Sliede am Rangirungsflügel; werden jedoch bei
der Formirung in ein Glied , wie z. B . bei einem Wachpos
ſten , nach der Größe einrangirt.
Im Allgemeinen gelten für die Stellung und das Be- 559.
nehmen des Schüßen ſowohl in geſchloſſener , als in zers
ſtreuter Drdnung , die für den Infanteriſten dießfalls übers
haupt beſtehenden Vorſchriften ; jedoch mit Rüdſicht auf die
durch die Beſchaffenheit ſeinerWaffe bedingten Abweichungen
bei den Gewehrs , labs und Feuergriffen .
II. Stellung mit der Kammerbädſe .
Der Schüße trägt die Kammerbüchſe – ohne bar- 560.
auf gepflanztem Bajonete – ſowohl in als außer
Reih ' und Glied ſo auf der rechten Schulte« üibergehängt,
taß die Mündung aufs , das Sdloß rechts auswärts und
der Riemen an der Achſelwulſt zu ſtehen kommt. Die Rams
merbüchſe hängt ihrer natürlichen Schwere überlaſſen ; der
Riemen wird mit der rechten Hand zwiſchen dem Daumen und
den übrigen Fingern , ohne jedoch lektere zu feſt zu ſchließen ,
ſo hoch ergriffen , daß der Vorarin wagrecht liege.
.: Dieſe Art das Gewehr zu tragen , heißt die Stellung561.
mit geſchultertem Gewehre.
Bei Vollführung der Körperwendungen muß der Ries 562,
men etwas nach abwärts gezogen , bei der doppelten Wens
dung die Patrontaſche nach Nr. 21 , jedoch mit der linken
Hand ergriffen werden .
Während des Marſdes wird der rechte Ellenbogen må-563.
Big gegen die Kammerbüchſe gedrüdt; auch iſt dem Schüs
140
Ben geſtattet, den linten Arm analog nach Nr. 58 zu bes
wegen .
664. Trägt der Schüße die Kammerbüchſe mit verſorgtem
Bajonete auf die vorbeſagte Art am Riemen geſchultert, ſo
hat er ſowohl bei Annäherung eines Höheren an die Front,
als auch während des Defilirens , und zwar auf das erfol
gende kommando zur Kopfwendung, als Ehrenbezeigung
folgendes Gewehrhalten anzunehmen :
565 . Die rechte Hand verläßt den Gewehrriemen und ergreift
bei natürlich geſtredtem Arme den Rolbenhals berart, daß
der Daumen den Griffbügel , die anderen Finger geſchloſ
Ten den Kolbenhals umfaſſen . Der Daumen liegt an der
Hoſennaht, der Ellenbogen iſt am Mittelſchafte angeſchloſs
ſen . Während des Mariches wird die Rammerbüchſe ſo der
natürlichen Schwere überlaſſen , daß ſie an den Bewegungen
der Füße keinen Antheil nimmt.
566 . Auf die vorbeſagte Art hält der Schüße die' Kammer
büchſe ſo lange, bis das kommando :
567. » Habt- Acht!« erfolgt, worauf die rechte Hand wies
der den Riemen nach Nr. 560 ergreift.
568. Hat der Schüße das Bajonet gepflanzt, jo trägt er die
Kammerbüchſe in Reib ' und Glied auf gleiche Weiſe auf der
linken Achſel geſchultext, wie der Infanteriſt, hat gleich dies
ſem zu präſentiren ,und alle anderen für denſelben vorgeſchrie
benen Gewehrgriffe analog aus dieſer Stellung auszuführen .
III. Gewehrgriffe.
Kommando
Worte. , Belehru n g.

569. » In die - 1 . Die rechte Hand verläßt den Ries


Balance !
men , ergreift den Kolbenhals nach Nr. 565 ,
und ſchiebt den Kolben , ohne daß der Ries
men von der Achſel abgleite , gerade vors
141

Kommando
Worte. Belehrung.

wärts ; 2. die linke Sand ergreift die Ram .


merbüchſe unter dem Riemen beim Abſes
ben ; beide Hände erheben dieſelbe, damit
der Riemen von der Schulter über die Achs
ſelwulſt herabfalle : worauf die rechte Handl.
zwiſchen der Kammerbüdſe und dem Leibe
nach rüdwärts durdſchlüpft, und 3. ſolcheober
der linken umfaßt, leßtere aber an die Seite
zurüdkehrt. 4. Der rechte Arm wird natürs
lich geſtredt; die Rollenſpiße iſt mit der
Rundung des Abſaßes gleich .
» Béim - Wie für das Infanterie- Gewehr vorges 570.
Fass !
ſchrieben .
» In die - Die Kammerbüchſe wird wieder im 571.
Balance ! «
Gleichgewichte ergriffen , und die Kolben
fpiße in der Richtung der Abfäße zurückges
drüdt.
» Schul – 1 . 1. Die Kammerbüchſe wird vor den 572.
tert ! «
rechten Schenkel ſo hoch gehoben , daß der
Balance“ und obere Riemenbügel dem Kinne gleich und das
„ beim Fuß “ )
Schloß nach vorwärts ſtehe; die linke Hand
umfaßt den Riemen , mit dem Daumen auf,
mit den andern Fingern unter deinſelben ,
|knapp am oberen Riemenbügel. 2 . Die
rechte Hand ſchlüpft, mit geringer Vornahme
der rechten Schulter, zwiſchen Büchſe und
Kiewien durch , und erfaßt den Kolbenbals,
während die, linke die Kaminerbüchſe über
die Schulter hängt, und den Riemen auf
eine Spanne durch die Finger gleiten läßt ;]
3.worauf die rechte Hand den Riemen auf
142

Aommando
Worte. elehrun g . . ...

die bekannte Art ergreift, und die linke ſo


dann an die Seite zurüdkehrt.
573. » Ver – 1. Wie die erſten zwei Griffe von » In
deckt !“ die Balance« . 2. Die rechte Hand um
faßt den Rolbenhals , beide Hände wens
den das Gewehr ſo , daß der Lauf nach vor
wärts gerichtet iſt; 3. worauf mit der rechten
Hand der Kolben aufwärts gegen die Achſels
höhlung , mitder linken aber die Kammer
büchſe abwärts gebrüdt wird . 4 . Die rechte
Hand umfaßt die Kammerbüchſe vorwärts
der linfen , welche ſogleich an die Seite zu
rückehrt. Das Schloß kommtober der Hüfte
zu liegen . Das Gewehr wird mit dem rech
ten Oberarme an den Leib gedrüdt, die
Mündung ſteht ungefähr 2 Schub vom Bos
den ab.
574. Schul — I Die rechte Hand läßt den Kolben nach
tert ! abwärts ſinken , die linke ergreift den Rie
men am oberen Bügel , mit dem Daumen
auf, und den andern Fingern unter dem ,
felben , und beide Hände bringen die Kam
merbüchſe in die ſenkrechte Lage ſo , daß die
linke Hand in die Höhe des Kinnes gelange,
und das Schloß vorwärts ſtehe; woraufdas
Gewehr auf die bekannte Art auf die rechte
Achſel gebracht wird .
675. » Zur Visiti - ! 1. Wie die erſten zwei Griffe von - Jnl
rung des – die Balance ". 2 . Die linke Hand bringt
Gewehrs !
die Kammerbüchſe vor die Mitte des Leibes ;
die rechte umfaßt dieſelbe unter dem mittle
143

Aommando
Worte. · Belehrung.
ren laufringe , renkt und wendet ſte jo , daß
der Lauf vorwärts zu ſtehen foinme. 3. Die
linke Hand verläßt die Kammerbüchſe, gleitet
ſo unter den oberen Laufring, daß das zweite
Glied des Zeigefingerð unter der Müce liegt,
der Daumen aber rückwärts am Ladſtode
aufgeſtemmt iſt, und beide Hände ſtellen
die mit dem Laufe nach vorwärts gewendete
Kammerbüchſe ſenkrecht vor die Mitte der
Fußſpißen , ſo daß die Kolbenſpiße mit
ſelben gleichlaufe , und die Mündung beis
läufig eine Spannevom Leibeentfernt bleibe.
4. Die rechte Hand erfaßt ſodann auf die
für das Infanterie- Gewehr vorgeſchriebene
Weiſe das Rohr bei der Mündung.
» Ladstock in Wie für das Infanteriegewehr vorges | 576 .
1 Lauf ! « st .
lichrieben , jedoch wird der Ladſtod mit der
rechten Hand anfänglich nur bis zur Hälfte!
aus der Nuth gezogen.
>> Versorgt Wie für das Infanteriegewehr vorge- 577.
den — Lad - sh
ſchrieben . .
stock !"
Wird dem Schüßen die Kammertüdyre 578 .
zur äußeren Viſitirung abgenommen, ſo bes
nimint er ſich hierbei, wie auch beim Zurüd
geben derſelben nach Nr. 76 ; nur hat er im
lekteren Falle dieſelbe mit der linken Hand
wieder unterhalb des oberen Laufringes zu
ergreife
" n ..
ell

» Schul - 1 1. Die Rammerbüchſe wird ſo gewen - 579.


tert !“
det, daß der Lauf rechts , das Schloß vors
wärts zu ſtehen komme; 2. die linke Hand
145

Sommando Belehrung.
Worte .

ergreift den Gewehrriemen knapp beim obes


ren Bügel wie bekannt , die rechte aber die
Kammerbüchſe unter demſelben ; worauf
3 . dieſe auf ähnliche Art , wie von In
die Balance auf die Soulter gebracht
wird.
680. »Pflanzt das 1. Wie die erſten zwei Griffe von » In
- Bajo .
net ! « die Balance« . 2 . Die Kammerbüdſe
wird mit Hilfe der rechten Hand , welche
dieſelbe unter der Müđe ergreift , durch die
linke gleiten gelaſſen , und zugleich ſo vor die
linke Fußſpiße geſtellt, daß das Schloß vors
wärts , die Mündung in der Mittellinie des
Körpers ſtehe. 3. Die rechte Hand erfaßt
nun, zwiſchen Rammerbüchſe und Leib , den
überſchwungriemen in der Gegend der Hüfte,
zieht ihn ſo weit vor- und aufwärts , daß
die Bajonetſcheide mit dem linken Vorarme
feſt an den Leib gedrüdt werden kann ; ers
greift das Bajonet an der Dülle , zieht es
aus der Scheide, und wendet es , - wähs
rend der linke Vorarm die Bajonetſcheide
fallen läßt, - mit der Spiße aufwärts .
4 . Die rechte Hand ſtedt das Bajonet , -
den höchſten Theil ſeines Wulles nach
einwärts gehalten , - auf den Lauf, dreht
es unter dem Anfaße des Ladſtodes derges
ftalt a usw årts, daß die Hülſe mit ihrem
Einſchnitte über die Bajonetfeder zu ſtehen
komme, und drückt es hierauf ſo lange nach
abwärts , bis die Bajonetfeder einſchnappt.
Aommando
Worte.' . Belehra n . .

15 . Die Rammerbüchſe wird - wie für das


Infanteriegewehr vorgeſchrieben – auf die
linke Schulter gebracht.
Hat der Schüße das Bajonet gepflanzt, | 581.
T .. . Iſo trägt er, die Kammerbüchſe : Schul
tert!« in der Regel auf die für das In
fanterie- Gewehr vorgeſchriebene Ait auf der
linken Achſel ; und es gelten dann für ihn, in
dieſer Stellung , bei Ausführung der Gewehrs
griffe : » In — Arm !« » Schul — tert ! «
» In die - Balance !« » Beim - Fuss !“
» Schul — tert !« » Fällt das — Bajo
Jnet!« _ Schul – tert!« »Präsen -
tirt!« und » Schul – tertl« analog)
die dießfalls gegebenen Vorſchriften .
Jn beſonderen Fällen , wie bei Pas |582
trouillen , Avantgarden , als Schildwache,
oder wenn der Schüße für ſich allein geht
u . ſ. w ., fann die Kammerbüchſe, mit auf
gepflanztem Bajonete, auch auf die bekannte
Weiſe am Riemen auf der rechten Achſel
geſchultert getragen werden ; jedoch ift|
dieß nicht als ein eigener Gewehrgriff eins
zuüben .

» Versorgt 1 1. Die linke Hand bringt den Rolben 583.


das — Ba - Jan den Schenkel berab , und wendet das Se:
- jonet
Iwehr gleichzeitig ſo , daß das Schloß vors
wärts ſtehe. Die rechte ergreift den Kolben
hals , und zieht die Kammerbücre ſo weit|
Abrichtungs-Regl. f. 8. Inft. 10
kommando
Worte. ' Belehru n g.
berab, als der Arm reicht, während die
linke folche unter dem oberen Riemenbügell
erfaßt; 2. worauf die Kammerbüchſe mit
Hilfe der rechten Hand , welche dieſelbe uns
ter der Müde ergreift, ſo vor die linte
Fußſpiße geſtellt wird , wie beim Pflans
zen des Bajonetes erklärt worden . 3. Die
rechte Hand ergreift nun den Überſchwungs.
riemen , zieht ihn auf die bekannte Art
vor, umfaßt die Bajonetdülle und hebt das
Bajonet vom Laufe herab; 4 . worauf das
Bajonet in die Scheide verſorgt , mit der
rechten Hand die Kammerbüchſe unter dem
mittleren Laufringe, mit der linken aber der
Riemen auf die bekannte Art am Bügel ers
griffen , und ſodann 5. die Kammerbüchſel
in die vorgeſchriebene Lage auf die rechte
Achſel überhängt wird.
»Stellt euch
zum
Gebet !«
Herstellt
euch vom -
Gebet !"
» Kniet nie Auf die in Nr. 90 bis 94 vorgeſchries
584. der zum
Gebet!«etc. bene Weiſe.

585. Zum — i. Wie die erſten zwei Griffe von in


Schwö die Balance. 2. Die rechte Hand
ren ! «
ergreift die Kammerbüchſe unterhalb des
mittleren Laufringes, und ſtellt dieſelbe mit
Hilfe der linken Hand , welche – ohne den
kommando
Worte Belehrung.

Oberarm vom Leibe zu bringen – die


Mündung umfaßt und den Daumen ein :
wärts am Laufe aufſtemmt, nach der bei
» Pflanzt das Bajonet« gegebenen Ers
klärung vor die linke Fußſpiße. Der rechte
Arm iſt natürlich geſtreďt, die Rammerbüch je
- mit der Mündung in der Mittellinie des
Körpers ſtehend — wird mit der linken Hand
leicht an den Leib gefchloſſen.
» Csako -
ab ! «
» Csako - 1
auf ! « Wie für das Infanterie - Gewehr vors 586 .
geſchrieben . Nach dem Aufſeßen des Oſato
werden die Rammerbüchſe und der Miemen ,
wie nach dem Verſorgen des Bajonetes er
|klärt worden , ergriffen , uns ſodann auf das
Kommando :
„ Schul –
tert !« die Rammerbüchſe auf die bekannte 587
Art in die vorgeſchriebene Lage auf die rechte
Achſel gebracht.
IV . Laden und Feuern .
Die Kammerbüchſe wird mit ſcharfen 388.
Patronen , welche eine Spikkugel enthalten ,
geladen .
» La - det ! « . 1. Wie die erſten zwei Griffe von in 589.
die Balance. 2. Der Schüße vollführt
die Halbrechtswendung, und drückt die Kama|
inerbüchſe mit der linken Hand , welche ihre
lage am Abfehen beibehält, mit dem Kolben
derart nach rückwärts, daß der Daumen mit
10 *
148

Kommando
Worte . 11 : Biele hr un g.."
der Achſelwulft in gleicher Höhe ſtehe, das
. . . . Seitenblech an der Magengrube ruhe , und
die Rammerbüdſe in ihrer ſchrägen Lage ges
rade vorwärts,gerichtet ſei. Die linke Hand
. . . i í hält die Rammerbüchſe auf die für das In
| fanterie-Gewehr erklärte Weiſe in der Höhe
des Abſehens erfaßt. 3. Der Deckel wird
may nach Nr. 103 geöffnet.
» Ergreift die
Patrone ! -
Eing !«
» Zünder in
die Pfanne !
590. - Zwei!" · Analog nach Nr. 104 und 105.

591. - Schwenkt . Die Kammerbüchſewird mit der rechs


zur Ladung ' ten Hand vor die Mitte des Leibes - der ]
– Drei !«
Kolben abwärts – gebrüdt, und während
der Mann ſich mittelſt der Halblinkswen
dung in die Front Herſtellt , in der linken !
Hand ſo gewendet, daß der Lauf vorwärts,
der Riemen gegen den Leib zu ſtehen
komme. 2. Die rechte Hand verläßt den Rols
| benhals , die linke ſenkt - ſoweit der
Arm reicht - die Kammerbüchſe abwärts .
Dieſe wird nun mit dem Ballen des Daumens
und den leßtenzwei Fingern der rechten Hand
ober dem Niemenbügel, dann mit der linken
an der Mündung ſo erfaßt, daß der Mittel
finger in gleicher Höhe mit der Mündung
i fich befinde, der Zeigefinger aber über
149

Kommando
Worte. Belieb r un g. , , ,

dieſe hervorrage; worauf beide Hände die


Rammerbüchſe zwiſchen die Fußſpißen ſachte
auf den Boden ſtellen. 3. Sodann bringt
die rechte Hand die Patrone an die Müns
dung, der Umbug der Papierhülſe wird
mit der linken Hand zwiſchen dem Daumen
und dem zweiten Gliede des Zeigefingers
knapp am Pulver erfaßt , und die Hülſe,
durch ein raſches Drehen der rechten Hand
von außen gegen den Leib , – abgeriſſen .
Nach dem Abreißen wird die Patrone, — das
mit kein Pulver verſtreut werde, — zwiſchen
Daumen und Zeigefinger der rechten Hand
gut zuſammengedrüdt, und rechts ſeitwärts
des Laufes in gleicher Höhemit der Mündung|
gehalten ; wobei die mittleren Glieder der.
Finger beider Hände fidh leicht berühren .
: Im Falle der Nothwendigkeit kann das
Abreißen der Patrone auf die in Nr. 106 ers
klärte Art mit Hilfe der Zähne bewerkſtelligt
werden .

» Patrone in 1. Der rechte Ellenbogen wird erhoben , 592.


Lauf !
Vier ! “
- und, damit kein Pulver verſchüttet werde, die
Patrone zuſammengedrückt in den Lauf ge
bracht; zwiſchen Daumen und Zeigefinger --
um ihr die Rundung zu geben – etwas ges
dreht, und ſorgfältig ausgebeutelt. 2. Nun :
wird die Patrone mit der rechten Hand aus
dem Laufe gehoben und in derſelben fo ge
150

kommando Belehru n g.
Worte.

dreht, daß der ober der Kugel befindliche Ums


bug der Papierhülſe gegen den Leib gewendet
ſei. Der Umbug wird mit dem Daumen der
rechten Hand aufgeſtoßen , die Kugel zwiſchen
Daumen und Zeigefinger dieſer Hand Feſt
gehalten ; der Umbug zwiſchen Daumen
und Zeigefinger der linken Hand knapp an
der Kugel ergriffen , und mittelſt eines raſchen
Drehens der rechten Hand von außen ges
gen den Leib, - abgeriſſen . Hieraufwird der
rechte Ellenbogen etwas crhoben , die Rugel
mit der rechten Hand nach abwärts gewendet,
und durch einen Drud mit dem Daumen und
Zeigefinger dieſer Hand, aus der Hülſe in die
Mündung gedrüdt, die Hülſeweggeworfen ,
und die Kugel mit dem Zeigefinger der rechten
Hand in den Lauf geſchoben . 3 . Die linke .
Hand umfaßt die Kammerbüchſe unter dem
oberen Laufringe; worauf die rechte den Lad
ſtock mit dem Daumen und gekrümmten Zeis
gefinger am Anſaße ergreift.
Im Falle der Nothwendigkeit kann das
Abreißen des Papierumbuges ober der Kugel
auf die in Nr. 106 erklärte Art mit Hilfe
der Zähne bewerkſtelligt werden .

593. „ Ladstock 1. Der Ladſtock wird zur Hälfte hers


Lauf ! - ausgezogen , ſodann mit verkehrter Hand
Fünf !«
knapp an der Mündung erfaßt ; 2 . vollends
161

Kommando Belehrung.
Worte . .

bcrausgebracht und gewendet ; mit dem Aus


faße in den lauf auf die Kugel gelaſſen ,
und dieſe auf die Kammer hinabgeſchoben ;
ſobann – wenn es nicht ſchon zum Hinab
ſchieben der Kugel geſchehen iſt - der labs
ſtod mit dem Daumen und Zeigefinger an
ſeinem dünnen Ende ergriffen .

|» Setztan und ) 1. Der Ladſtod wird verhältniệmäßig ) 894 .


versorgt den gehoben , und träftig aufdie Kugel geſtoßen ;
Ladstock !
Sechs ! « wobei man die Finger ſchnell losläßt, das
mit er frei auf die Kugel falle. 2 . Der Labs
ftod wird mit dem Daumen und Zeigefinger
neuerlich ergriffen , aus dem Laufe geſchnellt,
mit verkehrter Hand in derMitte erfaßt, bers
ausgezogen und gewendet, dann endlich auf
diebekannte Art verſorgt. 3. Die rechte Hand
ergreift die Kammerbüchſe unter dem Ries
menbügel, wendet ſie in ihrer lagemit dem
Laufe nach der rechten Seite, wobei die linke
Hand den Gewehrriemen auf die bekannte
Art am Bügel ergreift.
Das Anſeßen der Kugel ſoll kraftig,abernur
mit einem einzigen Stoße, und ſtets gleichmås
Big geſchehen ; was der Schüße nach dem Ers
folge ſeiner Treffer beim Scheibenſchießen am .
beſten erlernen , und zu beurtheilen ſich eigen
machen wird. Der Unterſchied desBodens,auf
welchen das Gewehr ſteht, bedingt mitunter
Kommando
Worte . . . . Belehrung. . ."

Jauch, ob ein ſtärkerer oder ſchwächerer Schlag )


bei dem Anſeßen der Rugel erforderlich werde.
.
595 . . . Der eingefettete Wollfaben an den
. " Spißfugeln richtet beim Herabgleiten auf
die Kammer ſeine Fäden nach abwärts , bei
dem Schuſſe hingegen verändern dieſe Woll
fäden ihre Hichtung, und pußen dabei den
Brand des vorhergehenden Schuſſes theils
596 . » Schul , weiſe von den Wänden des Laufes hinweg .
tert ! * *** Die Kammerblichie wird auf die bes
Jaht Acht la fannte Art gedultert.
» Feuern !* Wie bekannt.
697. | » Fertig !« . 1. Wie die erſten zwei Griffe von
ladet, wobei der rechte Fuß nach Nr. 103
zurücgefeßt, dann 2. der Hammer geſpannt,
hierbei jedoch der Mittelfinger an den Griff
bügel-Anjaş gelegt wird.
; 598. » Hammer in 1 . Der Hammer wird nad; Nr. 115 in
die Ruhe gefeßt. 2 . Während der Schüße
ich in die frühere Front herſtellt , und den
rechten Fuß an den linken zieht , wird der
Kolben mit der rechten Hand vors und ab
wärts gedrüdt, ſo daß der Lauf ſenkrecht|
ſtehe, dabei die Kammerbüdſe derart gewen
det, daß das Schloß nach vorwärts komme. Die
rechte Hand hält bei wagrechtem Vorarme
den Kolbenhals umfaßt. 3 . Die linke Hand -
ergreift den Nienen am Bügel, und es wird
ſonach auf die bekannte Weiſe geſchultert.
599. »Fertig !« . Wie in Nr. 597 erklärt.
Kommando
Worte. Belehru n g.

» An !« Auf die in Nr. 116 und 117 erklärte 600 .


Weiſe. Die linke Hand bleibt unverändert
in ihrer Lage am Abſehen .'
ftit ihres

» Feuer !« : | Wie in Nr. 119 erklärt; nur wird nach 601.


dem Abfeuern gleichzeitig der rechte Fuß an
den linken gezogen . Werden nach dem Feuern
die Ladungstempo'mit Vorzählen geübt, ſo
hat der Schüße hierbei auf das Rommando :
| » Fertig !“,wenn aber phné Börzählen der
Tempo geladen wird, unmittelbar nach vollen
deter Ladung die Kammerbüchſe auf folgende
Art in die Lage von » Fertig zu bringen :
I : Die Kammerbüchſe wird mit der rech - 602.
ten Hand unter dem mittleren Laufringe er
faßt, und vor die Mitte des Leibes derge
ſtalt erheben , daß die Hand mit dent Rinne
gleich ſtehe. Gleichzeitig wendet ſich der Schüße
halbrechts, feßt den rechten Fuß zurück,umfaßt
die Kammerbüchſe mit der linken Hand beim
Abſehen , mit der rechten ſo wie auf das
Kommando » Fertig« ,undſpanntdenHammer.
Beim Laden und Feuern ſowohl in der 603.
? Front, als im Quarré und bei der Ges
neral- Decharge , benimmt ſich übrigens der
Schüße, mit Rückſicht auf ſeine vorgeſchrie
bene Aufſtellung im dritten , oder ausnahing
weiſe, - wie z. B . im Quarré ic. 20. -
in einem oder dem anderen Gliede, nach den
dießfalls für die mit dem Infanterie-Gewehre
Bewaffneten ertheilten Vorſchriften .
154
604. Beim Berlaben des Gewehres auf wa& immer für eine
Weiſe, iſt die Anwendung des Kugelziehers möglicht zu vermei
den ; weil die Erfahrungzeigt, das hierdurch die Züge des Laufes
am meiſten zu Grunde gehen , und mindeſtens eine ſolche Rans
bigfeit erhalten , daß der Roſt fich leichter anzuſeßen vermag.
605 . Wäre die Ladung der Kugel ohne Pulver geſchehen , ſo
laffen fich durch das Zündloch allmählig zwei Pfannen von
Pulver in die Kammer benteln , was hinlänglich iſt , die
Kugel auf 10 bis 20 Schritte auf dem Erdboden hinzutreis
ben, ohne einen bedeutenden Knall zu verurſachen .
606. Auf Wachen und Poſten , wo dharf geladen wird,
und wo es ſich nur darum handeln kann , einen Menſchen auf
kleinere Diſtanzen niederzuſchießen , wird von der Spißkugel
der Wollfaden herabgenommen und nach der Ladung des
Scießpulverg die nadte Kugel aufdie Kammerhinabgelaſſen ;
dann aber mit einem Luchs, Werts oder Papierpfropfen , und
einem mäßigen Drude auf ſelben , die ganze Ladung geſchloſ
ſen . Dieſer Pfropf lågt ſich nach der Wache leicht entfers
nen, die Kugel fällt willig heraus, wie ebenfalls das Pulver
aus der Rammer , und beides kann beim nächſten Aufziehen
auf die Wache wieder gebraucht werden .
607. Beim Laden uit blinden Patronen ohne Rugel,
wird eben ſo wie beim Laden zum ſcharfen Schießen , die
ausgebeutelte Hülſe weggeworfen , und ſtatt der Bleifugel eine
aus Papier, zum Verſchließen der Sammer und Ausfüllen
der Einfräßung derſelben angewendet. – Die Papierfus
gel wird aus /. Bogen weichen Flußs oder Drudpapier
erzeugt, dazu im trodenen Zuſtande zuſammengerollt, und
wegen des beſſeren Zuſammenhaltens mit einem leichten
Zirirnsfaden freuzweiſeüberbunden . Das Anſeßen der Papiers
kugel geſchieht nur mit ſo viel Kraft, um diefelbe zu lagern .
163
V : Dom Bielen and Treffen.
Der Schüße muß ſich im ficheren Treffen , ſelbſt auf die 608.
vor dem Feinde zumeiſt vorkommenden entfernteren Diſtanzen ,
vor dem mit dem glatten Gewehre bewaffneten Infantes
riſten auszeichnen . ,
Es wird vorausgeſeßt , daß die im $ . 11 über das 609.
Zielen und Treffen enthaltenen Belehrungen dem Schüs
Ben bekannt ſind ; daher hier nur dasjenige angeführt wird ,
was bezüglich der Rammerbüchſen noch nothwendig erſcheint.
Bei der Kammerbüchſe lagert die Sugel nicht unmit: 610.
telbar auf dem Pulver, ſondern auf der Einfråßung der
Kammer , wodurch zwiſchen der Kugel und dem Pulver ein
leerer Raum entſteht.
Die LiſirsSdußweite, nämlich der Punft h , iſt 611.
bei der Rammerbüchſe 160 Sdritte von der Mündung ent- Fiani:
fernt, woraus ſich für das Zielen und Treffen mit dieſer
Schußwaffe folgende beiläufige Regeln ergeben :
Um die B : uſt des Gegners zu treffen , zielt man über 612 .
die Entfernung von
100 Sáritten mit geſtrichenem Rorne auf den Unterleib.
Bruſt

150 — 200 » mit feinem oder geſtrichenem Korne


auf
.die

250 ( mit vollem Korne


300 — 350 » über die erſte Klappemit geſtrichenem Korne
400 » » » zweite » » »
500 » » » » » » vollem
In der Regel nimmt man die Schußweite mit der Kam - 613.
merbüchſe gegen Infanteriſten , und wo es fich um gezielte
Schüſſe handelt, nur auf 400 Sdritte an ; Reiter jedoch,
ſo wie Batterien und Maffen , können audy in größerer Ents
fernung,bis auf800 Schritte und darüber, beſchoſſen werden ;
wozu dann der Schüße über das zweite Aufiaßblatt mit vols
lem Korne zu zielen , und um die Tragweite noch zu vermeh.
ren , den Zieļpunft verhältniſmäßig höher zu wählen hat.
156
614 . Die oben gegebenen Regeln für das Zielen auf den
verſchiedenen Diſtanzen find jedoch nicht als unabweichlich
zu betrachten, da faſt bei jeder einzelnen Waffe in der Nors
mal- Tragweité fich Verſchiebenheiten zeigen . Es muß daher
die für jedes Gewehr entſprechende Art des Zielens durch
: !' wiederholte Verſuche ausgemittelt werden ; weil die genaue
Renntniß der Eigenthümlichkeiten ſeiner Waffe ' die vorzügs
lichfte Bedingung eines guten Schüßen iſt.
615. : !' Für beſondere Fälle köinmt beim Zielen unő Treffen
noch Folgendes zu berückſichtigen :
: 1. Das Einfallen des verſchiedenen Lichtes auf Müde
und Grinſel verurſacht mehrfache Täuſdungen , welche forg=
fältig zu vermeiden ſind. DieMüce ſcheint bei hellein Sona
nenlichte größer zu ſein , daher man folche gewöhnlich fei
ner nimmt, und folglich zu kurz' fchicßt. Iſt nur eine Seite
der Müde von der Sonne beſchienen , wodurch dieſe Seite
dider erſcheint, To ſchießt man leicht auf die entgegenge
ſepte Seite. Bei trüber Witterung oder bei Dämmerlichte
ſteht man die Mücke nicht genau , man nimunt fte alſo
leicht zu soll, und erhält ſomit einen Hochſchuß.
616. 2 . Die Rugelbahn iſt, wie aus dem Plan I, Fig .
oberhalb N zu erſehen , höher als die Viſirlinie, daher der
Schüße Bedacht nehmen muß, daß der Kugel in dieſem
Raume kein Hinderniß , wie z . B . ein Baumaſt, Zweige 30.
entgegenſtehe. Als Maßſtab iſt anzunehmen , daß der höchſte
Abſtanţ zioiſchen der Kugelbahn und der Viſirlinie ſchon
auf 150 Schritte Einen Schuh , und auf 400 Schritte
mehr als drei Schuh beträgt ; weßhalb der Schüße beim
Schießen auf weitere Diſtanzen die Freiheit der Kugelhahn
- ober der Viſirlinie insbeſondere zu berückſichtigen hat.
617. : In Nr. 612 ſind die Regeln enthalten , wie auf die vers
ſchiedenen Diſtanzen zu zielen ſei. Da dieſe jedoch nur von 50
zu 50,und ſelbſt von 100 zu 100 Schritten angegeben ſind ; ſo
157
muß der Schüße dadurch , daß er das Korn feiner oder voller
nimmt, auch verſtehen, auf Gegenſtände innerhalb dieſer bes
nannten Entfernungen den Schuß - mit Rüdſicht auf die Ei
genthümlichkeit ſeiner Rammerbüchſe — wirkſam anzubringen . ,
Bei fein genommenem Korne, darf die.Spiße618.
PlanVI.
der Müce nicht bis an die Kinder des Einſanittes im Ab- Fico
- ſehen hinaufreichen ; wird mit geſtridene in korne ges Fig. 2 .
zielt, ſo iſt die Müde in gleicher Höhe mit den Rändern
des Einſchnittes ; bei vollem korne ſteht die Müđe über Fig. 8 .
die Ränder, je nach Bedarf mehr oder weniger heraus. ?
Beim Zielen üher die Aufſaßblätter muß, – um über 619.
Blatt und Müde viſiren zu können , — der Kopf verhalt
nißmäßig erhoben werden .
VI. Don dem Scheibenſchießen.
Beim Schießen auf die Entfernung bis 250 Schritte 620.
kann ſich der gewöhnlichen Scheibe bedient werden ; auf
300 und 400 Schritte Schußdiſtanz aber muß die Scheibe
8 ' hoch , 6 ' breit ſein , und 3 Zielpur kte haben . Der obere
wird an dem äußerſten Rande angebracht , und hat hier , Plan VI.
ſo wie der untere, Einen Schuh im Durchmeſſer , wäh. Fig . 4 .
rend der mittlere den Durchmeſſer von 6 " behält.
Bewegliche Scheiben gewähren den großen Vortheil, daß 621.
der Schüße lernt, das Ziel ſdnell und entſprechend zu faſſen ,
und den Schuß wirkſam abzufeuern ; was vor dem Feinde
oft von erheblichem Nußen ſein kann , um einzelne Reiter,
beſonders die Kommandanten vor der Front niederzuſchießen . .
Wo es die Umſtände geſtatten , können ſolche Scheis622. -
ben , und zwar auf die bei Civil- Schießſtätten bekannte Art
eingerichtet werden .
Die jährliche Übung im Scheibenſchießen hat, wenn 623.
es die Umſtände geſtatten, in der Regel von ſämmtlichen
Schüßen jedes Bataillons, unter Leitung des hierzu eigens
158
ernannten Schüßenoffizieres beim Bataillonsſtabe; fonft
aber nach der den jeweiligen Verhältniſſen entſprechender.Anord
nung des Bataillonskommandanten vorgeno:nmen zu werden .
624. Deßgleichen wird es die Sache des Bataillonstommandans
ten ſein , den in Nr.203 und 205 audgeſprochenen Grundfäßen
gemäß, die Anzahlder für den Stand derSchüben jährlich ents
fallenden Prämien zu beſtimmen, und den auf die Schüßen für
Prämien entfallenden Geldbetrag verhältnißmäßig einzutheilen .
. VII. Belehrung über das Einſchießen der Kammerbädſen .
625. Es wird vorausgefeßt, daß das Innere eines Rammers
büchſenrohres – mit Ausnahme des nöthigen fleinen Falles
gegen die Kammer zu — beim Ausziehen der Züge und
Felder, dann durch das Schmergeln , eine vollfomien cylins
driſche Geſtalt erhalten habe ; was unbedingt nöthig iſt, um
cine Rammerbüchſe ſo einſchließen zu können , daß bei Beobs
achtung eines richtigen Zieless ſtets ein Geradſchuß ,
und bei gleicher Menge des Pulvers und gleichmäßigem
Anſeben , dann gleicher Höhe der Müde, die Kugeln , wenn
ſelbe regelmäßig geformt und nicht bobl ſind , ſtets auf
einem und dem ſelben Punkte zuſammenfallen .
626. Zum Einſdießen wird ein halber Bogen weiges Pas
pier , worauf ein ſechs Linien breiter ſchwarzer Streif der
Länge nach gezogen iſt , auf eine Scheibe, ungefähr 1 - 2
Schuh von dem Boden , ſo befeſtigt, daß der ſchwarze Streif
genau ſenkrecht ſtehe. Gegenüber dieſer Scheibe wird in der
Entfernung son 12 — 15 Særitten ein Tiſch , und auf dies
ſem ein Torniſter, ein Roßen oder ein mit Sand gefüllter
Sad zum Auflegen der Rammerbüchſe sorgerichtet.
627. Die Rammerbüchſe wird nun , da es ſich vorerſt um
Ermittlung des Geradſchuſſes handelt, mit der gewöhnlichen
Menge Pulver geladen ; worauf ſich der Eirichießende an
den Tiſch reßt , beide Glenbogen aufſtüßt, das Gewehr
159
auflegt, zwar in beliebiger Höhe, aber ſcharf in der Mitte
des fowarzen Streifens über das Stödel eingeht, und nach
und nach losdrüdt. Um das Verdrehen des Rohreß beim
Zielen zu vermeiden , iſt es gut, wenn den Einſchießenden ,
im Falle er dieß thate , ein anderer hinter ihm ſlebender
Mann vor dem Abdrüden darauf aufmerkſam wiacht.
Steden nach mehreren Schüffen die Kugeln , z. B . et: 628
was redte von den fenfrechten Stride, ſo wird die
Müde auch recht 8, wäre die Entfernung aber bedeutend,
ſo wird das Viſirftodel linte gerüdt. Dieſes Verfahren
iſt ſo lange fortzuſeßen , bis alle Kugeln init ihrer Mitte
ftets den ſchwarzen Streif in deffen Breite treffen ; worauf
Korn und Bifirſtöđel mit Rißen bezeichnet, die alten Mars
ken aber zur Vermeidung jeder Jrrung , mit Querrifen
erkennbar gemacht werden .
überzeugt man ſich nad mehreren Schüſſen , daß die 639.
Kugeln ſtets lint8 von dem Striche fallen ; ſo iſt das
ſelbe Verfah:en , jedoch das Rüden der Müde und des
Stödels entgegengefeßt, vorzunehmen .
Zum Einſchießen der Auffaßblätter müſſen ſolche vors 630 .
erſt aufgeſtellt und unterſucht werden , ob ſie ſich nicht etwa
rechts oder links Feitwärts bewegen ; well, wenn dieß auch
nur in dem geringiten Maße der Fall iſt, eine Sicherheit
des Geradſchuſſes nicht erwartet werden kann.
Die Kammerbüchſe bat nebſt dem sier Linien , ſechs Punkte 631.
hoben Standviſire für den Kernſchuß, noch zwei Auſjåße,
von denen der eine ſieben Linien , vier Punkte, der andere eiff
Linien , vier Punkte hod, iſt. Die Aufſäße erhalten in der Ges
wehrfabrik nur einen ganz feinen Einſchnitt, auch werden ſie
etwas höher, als es die Normalhõbe auf 300 und 400 Schritte
erfordert, an die Truppen abgegeben , daher die Grinſeln
beim Einſchießen für den Geradſchuß nur vorläufig zu mars
firen ſind; wobei es ſich von ſelbſt verſteht, daß jeßt weder
160
das Stõdel noch die Müde ſeitwärts gerūdt, ſondern fich
mit kleinen Einſchnittex ſo lange geholfen werden muß,
bis der wahre Punkt für den Geratſąuß gefunden iſt.
632. .. Nun wird zur Beſtimmung der Höhe der Aufſaßblåts
ter, die Kammerbüchſe mit genauer. Bemeſſung von 55
Gran gut, getrocneten Pulver geladen , auf 300 und 400
Schritte auf die Scheibe geſchoſſen , und dabei -nöthigen
falls die obere Fläche der Auffagblätter horizontal um ſo
viel abgefeilt, als es zur Normalhöhe derſelben auf die
entſprechende Diſtanz nöthig wird .. Es. verſteht ſich wohl,
daß vor dem Abſeilen eines Blattes,, die für den Gerad
ſchuß gemachte Marke ſo viel, tiefer eingeichnitten werden
müſſe, um ſtets ſichtbar zu bleiben. Iſt die Normalhöhe bes
ftimit, ſo wird das Grinſel im Verhältniß der Sehkraft
des Schüßen mehr oder weniger tief und breit eingefeilt. ..
633. - Die Aufſaßblätter, ſo wie der ſie vereinigende Stift,
müſſen ſodann gehärtet werden , indem die Einſchnitte ſonſt
ihre Glätte verlieren , der Roſt ſie bald rauh machen , und
dem Schüßen fein reines Abkommen im Zielen mehr erlaus
ben würde. Aus die Charniere weßen ſich bei weichem Eiſen
ſehr bald aus und laſſen dann ein Rechts- oder Linksſchwan
ken der Aufſafblätter zu ; wodurch der Schuß aufgroße Diſtanz,
fürwelche ſie dienen ſollen, höchſt unſicher werden muß.
634 . Um zu unterſuchen , ob das gezogene Rohr nebſt dem
. Geradſchuſſe auch ſtets die gleiche Höhe halte, flebtman auf
den -ſchwarzen Streif ein drei Linien breites Stüdchen weißes
Papier, oder macht aufeiner weißen Scheiße einen kleinen
ſchwarzen Fleck , auf den man dann mehrere Schüſſe, jedoch
mit ſorgfältiger, ſtets gleicher Ladung, gleichmäßigem Anſeßen
und gleichem Erfaſſen der Müde macht. Zur größeren Sicher:
heit im gleichen Erfaſſen der Müde, kann auch ein pro
viſoriſches ſogenanntes Guderl von . Rartenpapier , in
welches man mit einer Stednabel ein Loch macht,mit Wachs
101

an den Schaft angeklebt werden . Bei dieſem Verfahren wird


ein fehlerfreies, durchaus kugelgleiches Rohr in der Hand
eines geübten Eiüſchießers nicht ſeltev drei oder mehr Ku
geln ſo in einen Flec zuſammentragen , daß es kaum zu
unterſcheideu ſein wird, ob Eine oder mehrere Kugeln durch
dasſelbe loch paſfirt find.
Schlagen die Kugeln beim Einſchießen über das Stödel635 .
auf den Geradſchuß , auch bei dem ſorgfältigſten Abgeben
des Schuſſes , bald rechts bald links von dem ſchwarzen
Streifen ein, und hat auch ein anderer geübter Einſchießer
dieſelbe Erfahrung gemacht ; ſo muß das Innere des Lau
fes, wo unfehlbar der Fehler liegt, unterſucht werden .
Das Einſchießen der Rammerbüchſen gehört zu den 636 .
wichtigſten Verrichtungen , wobei ſtets mit der größten Ges
nauigkeit vorgegangen werden muß ; weil ſonſt die Haupt
beſiimmung der Schüßen , ſich durch fichere Schüſſe auszuzeichs
nen, gar nicht, oder nur unvollkommen erreichtwerden könnte.
. Es wird daher dem Bataillons-Kommandanten zur be- 637 .
ſonderen Pflicht gemacht, alljährlich mehrmals einige Schüßen
von jeder Kompagnie fürzuwählen , die in ſeiner Gegens
wart die Probe des Einſchießens auf die vorbeſchriebene
Art abzulegen haben ; um ſich zu überzeugen , ob die Kams
merbüchſen den Geradſchuß, die Auffaßblätter auf die grö
Beren Diſtanzen aber die gehörige Höhe des Schuſſes , eins
zuhalten vorgerichtet ſeien .

VIII. Ehrenbezeigangen.
Wenn der Schüße allein auf der Straße geht , trägt638 .
er die Kammerbüchſe mit verſorgtem Bajonete — in der Re
gel auf der rechten Achſel hängend - geſchultert.
Begegnet er einem Vorgeſeßten oder geht ein ſolcher 639,
an ihm vorüber, ſo hat er auf 3 Schritte Entfernung mit
der bezüglichen Kopfwendung zugleich die in Nr. 565 erklärte
Aþrichtungs-Regl. f. d. Inft. 11
162
Gewehrhaltung anzunehmen. Dasſelbe thut er , wenn er
an einer Schildwache vorübergeht. Iſt er auf 3 Schritte
an dem Vorgerekten oder dem Aufſtellungspunkte der Schild
wache vorüber, ſo ergreift er wieder mit der rechten Şand
den Riemen .
640. Auf gleiche Weiſe benimint er ſich vor der Alle rs
höchften Herrſchaft, nachdem er vorher auf 3 Schritte
Front gemacht hat.
641. Wird das Hochwürdige vorübergetragen , ſo benimmt
er ſich nach Nr. 209.
642. In den ſeltenen Fällen , wo der Schüße, für fich
allein gehend, das Bajonet auf die Kammerbüchſe gepflanzt
hat, kann er dieſe entweder auf der linken Achſel Igeſchul
tert, oder auf ber rechten Achſel am Riemen hängend
ſo tragen , wie es bei dem Schultern der Kammerbüchſe
ohne darauf gepflanztem Bajonete vorgeſchrieben iſt. Bei
Leiſtung der Ehrenbezeigung vor jedem Höhern , der Aller
höchſten Herrſchaft und dem Hochwürdigen benimmt er fich
dann im erſteren Falle nach $. 13 ; im lekteren aber nach
Nr. 639 bis 641.
643. Auf der Wache hat der Schüße das Bajonet ſtets ges
pflanzt, trägt auf der Schildwache wie auch im Gliede des
Wachpoſtens die Kammerbüchſe auf der linken Achſel ges
fchultert , und leiſtet alle Ehrenbezeigungen gleich der übri
gen Mannſchaft.
S. 5 % .
Stellung , Ererziren und Marfdiren des
Lambours mit der Trommel.
I. Stellung .
644. Dhne Trommel iſt die Stellung des Lambours gleich
jener des Soldaten ohne Gewehr.
645. Wenn es nicht ausdrücklich anders befohlen wird,
163
haben die Lambours bei jeder Ausrüdung der Truppe mit
oder ohne Gewehr, ſtets mit der Trommel zu erſcheinen .
Die Trommel wird mittelft des zwiſchen der erſten und 646 .
zweiten Schränkung an dem oberen Trommelreife befeſtiga
ten Ninges dergeſtalt in den Haken des Trommelbandeliers
eingehängt, daß ſie ſchief, rämlich gegen die rechte Seite
geneigt, zu ſtehen komme.
Die Schlägel werden in der Stellung zum Schlagen, 647.
über den Schlagboden gehalten .
: Wenn : » Ruht!« aviſirt wird , können die Trommeln 648.
vom Trommelhaken abgenommen , und auf den Boden der
geſtalt vor die Füße gelegt werden , daß der Schlagboden
vorwärts , der Saitenboden rückwärts und die Stimmſchraube
aufwärts liege. Zugleich werden die Trommelſchlägel in
den am Trommelbandelier angebrachten Schleifen verſorgt.
Auf das Aviſo : » Habt Acht!s werden die Trommeln 649.
wieder eingehängt, und die vorgeſchriebene Stellung anges
nommen .
Auf Märſchen , ſo wie in jeder Gelegenheit , wo der650.
Tambour während des Gehens nicht augenblidlich zum
Schlagen bereit zu ſein braucht, werden die Schlägel vers
ſorgt, die Trommel aus dem Haken gehängt, mit dem linken
Arme durch den Trommelriemen geſchlüpft , und die Trom
mel dergeftalt auf die linke Schulter geſchwungen , daß der
Saitenboden auf dem linken Schulterblatte zu liegen komine.
Alle Griffe und Bewegungen hat jeder einzelne Tambour651.
für fich ſelbſt , ohne Kommando , auszuführen . Beim Unters
richte erfolgen ſie jedoch auf die nachfolgenden Kommando :
164

kommando
Worte. Belehrung.
» Tremmel an
652. Haken ! Der Tambour läßt die Irommel von
der Schulter herab, hängt ſie an den Haken ,
» Nieder ergreift die Schlägel, und nimmt Stellung .
653. legt !« Wird die Trommel ausgehängt , und
auf sie bei „Ru 5 t« erklärte Weiſe nie
» Trommel an dergelegt.
654 . Haken ! Wird die Trommel eingehängt, die
Schlägel werden ergriffen , und der Tams
» Über bour nimmt Stellung.
655, schwenkt!« . Auf die für das Tragen der Trommel
aufMärſchen in Nr. 650 beſchriebene Art.
656 . Auch kann ſogleich nach Niederlegt «
zum Überſchwenken , und vom » Überſchwenkte
zum Niederlegen kommandirt werden .
II. Handgriffe.
Folgende Handgriffe hat der Tambour,
zugleich mit der Truppe, nach dem Koms
» Stellt euch mando zu vollführen .
zum - Ge
657. bet !« Der Trommelſchlägel wird aus der
rechten Hand zu dem andern in die linke
gelegt , und hierauf die rechte Hand nach
Vorſchrift an den Sonnenſchirm gebracht.
Jener Tambour, welcher die Betſtunde
dlägt, behält die Schlägel in beiden Häns
den , und bringt die linke Hand ſammt
»Herstellt dem Schlägel an den Sonnenſchirm .
euch vom -
658 . Gebet !“ Die rechte Hand verläßt den Sonnens
Iſchirm und ergreift den Schlägel.
165

Kommando Belehrung.
Worte.

Jener Tambour, welcher die Betſtunde 659.


| fchlägt, herſtellt ſich nach vollführtem dritten
t nie. Streiche, um ſogleich abſchlagen zu können .
der zum
Gebet !« l Die Schlägel werden in die Schleifel 660.
verſorgt, und der Tambour kniet nach Nr.
91 nieder. Die Trommel ruht quer aufdem
linken Schenkel, und wird mit der linken
» Czako oder Hand an den Schränkleinen gehalten .
Grenadier
mütze -
Jab ! “ . Der Czako oder die Grenadiermäßewird ) 661.
Der ezard Duet vi Uruuvusi
mit der rechten Hand abgenommen , und
längs dem rechten Schenkel , bei natürlich
Czako oder geftredtem Arme, abwärts gehalten .
Grenadier
mütze —
auf !« Der Czako oder die Grenadiermüße wird 662.
wieder aufgefeßt, und die rechte Hand an
vom - den Trommelreif des Schlagbodeno gelegt.
Gebet !« l Wird aufgeſtanden , die Schlägel wers
den ergriffen und der Tambour nimmt die
vorgeſchriebene Stellung.
» Zum - .
Schwö
ren !“ Die Schlägel werden in die Schleifen 663.
verſorgt ; die linke Hand kömmt an den Reif
des Schlagbodens , die rechte aber an die
» Czako oder rechte Seite.
Grenadier
mütze -
ab !« Der Ozako oder die Grenadiermüße wird 664.
Imit der rechten Hand abgenommen , und!
166

Kommando Belehr un g .
Worte.

dergeſtalt auf den Schlagsoden gelegt, daß


der innere Theil gegen den Leib , und der
Schirm rechts ſeitwärts gekehrt ſei. Die linke
Band hält in dieſer lage den oberen Rand
der Kopfbedecnng mit Daumen , Zeige- und
Mittelfinger, und die rechtewird nach Nr. 96
» Czako oder erhoben .
Grenadier
mütze —
665 . auf !« Der Ezako oder die Grenadiermüßewird
wieder aufgeſept , und die rechte Hand an
Schul — den Trommelreif des Schlagbodens gelegt.
666 . tert !« Die Schlägel werden wieder ergriffen ,
und der Lambour nimmt die vorgeſchriebene
Stellung .

III. Dom Marſdiren.


667. Jeder Tambour muß ſich einen feſten , gleichförmigen
Schritt eigen machen ; indem dieß ein weſentliches Erfors
derniß zur Erzielung eines taktfeſten Spieles ift. Hierüber, und
wie das Einſdlagen zu erfolgen hat, um mit der Truppe ſtets
in gleichem Schritte und Takte zu verbleiben , erhält jeder
Tambour durch den Bataillons- und Regiments - Tambour
die nöthige Belehrung.
668. Dem Tambour muß wohl eingeprägt werden , daß er
ſeine Aufmerkſamkeit ununterbrochen auf den Säbelwink oder
Befehl des Kommandanten richten müſſe ; damit er dieſem
zu Folge zeitgemäß einſchlage, oder das Spiel einſtelle. Der
Anfang des Marſches (ohne Vorſchlag) muß immer auf den
linken Fuß fallen . Ferner muß er die Bedeutung aller beim
167
Plänkeln vorkommenden Kremmelſtreiche genau tennen , and
ſolche gehörig zu ſchlagen verſchen. .

-
S. 53.
08 .
Stellung und Ererjir enl.

I. Stellung mit dem Horne.


Ohne Horn iſt die Stellung des Hornliten gleich jener 669.
bes Soldaten ohne Gewehr.
Wenn es nicht ausdrüdlid anders befohlen wird , ha-670.
ben die Horniſten nur dann mit dem Horne zu erſcheinen
wenn die Truppe mit dem Gewehre ausrüdt.
Der Horniſt tragi das Horn, ſowohl auf der Stelle, 671.
als während des Marſchirens, ſo mit der Schnur über die
linke Schulter gehängt, daß dieſes Inſtrument an der rech
ten Seite am Schenkel liege. Hierbei wird das Horn mit
natürlich geſtrecktem rechten Arme dergeſtalt gehalten , daß,
- während die Bögen nach vorwärts ſtehen und der Becher
abwärts und etwas nach rückwärts gerichtet iſt, – dasMund
ſtüd in die Gabel zwiſchen dem Daumen und Zeigefinger der
rechten Band zu liegen komme, dort feitgehalten , werde,
der Daumen auf dem oberen Buge des diceren Rohres ruhe,
und die anderen vier Finger, geſchloſſen , von aus- nach
einwärts die Bögen umfaſſen . Die Sdnur muß für die vor
beſchriebene Haltung mit geſtredtem Arme die hinreichende
Långe haben , und verhältnißmäßig nach der Größe des Hors
niften gerichtet ſein .
Bei der Ausrückung eines einzelnen Zuges oder einer Halb - 672 .
Kompagnie ſteht der Horniſt am Rangirungsflügel des zweiten
Gliedes , hinter der im erſten Gliede eingetheilten Charge.
Auf das Aviſo : » Ruht!« , dann auf Mårſden , wenn 673 ,
abgeſchlagen worden , wird das Horn ro unter den Tinfen
168
Arin genommen, daß dasſelbe mit nad rüdwärts ſtehendem
Becher im Buge des linken Armes liege, indeß die rechte Hand
nad Widführ gehalten werden kann. Auf das Aviſo : » Habt
Acht!“ wird das Horn mit der rechten Hand ergriffen , und
nahe am Leibe, in die vorgeſchriebene Lage neben den rechten
Schenkel gebracht.
674. Um das Verlieren des Mundſtüdes zu vermeiden , iſt
es zweckmäßig , dasſelbe mit einem Schnürchen an das Horn
zu befeſtigen . Im Winter aber darf ſolches nicht ſtattfinden ;
weil, um das Gefrieren der im Innern befindlichen Feuchtig
feit zu verhindern , das Mundſtück zeitweiſe abgenommen ,
in der Hoſentaſche verſorgt, und zum Gebrauche wieder
aufgeſteckt werden muß. Wenn das Mundſtück nicht anges
bunden iſt, muß dieſes beim Tragen des Hornes unter dem
linken Arme, um dem Verlieren desſelben vorzubeugen , jeder
zeit abgenommen werden .
676. Beim Paſſiren oder bei Begegnung eines Höheren ,
der Allerhöchſten Herrſchaft oder des Hochwürdigen , benimmt
ſich der Horniſt, ſowohl obue als mit dem umgehängten
Horne, im Allgemeinen ſo , wie es für den Soldaten
ohne Gewehr vorgeſchrieben iſt; hat jedoch im le $ teren
Falle das Horn in die vorgeſchriebene Lage an die rechte
Seite, die linke Hand aber nicht an die Kopfbedeckung zu
bringen .
II. Griffe mit dem Horne.
Kommando Belehr un g .
Worte .

Stellt euch
zum - Ge
bet ! “ etc .
»Kniet nie
der zum —
676 . Gebet ! « So wie die übrige Mannſchaft, wobei
I etc. die Haltung des Horned unverändert bleibt.
169

Kommando
Worte . Belehrung.
Zum -
Schwö
ren ! Wird das Horn vor die Mitte des Let- 677.
bes gebracht , mit der linken Hand knapp
unter der rechten ergriffen , und dergeſtalt
gehalten , daß der an dem diden Rohre eins
wärts , längs der dem Leibe zugewendeten
Seite, aufgeſtemmte Daumen in der Höhe
» Czako - der Magengrube zu ſtehen komme.
ab ! « Der Oſako wirb auf die bekannte Art 678.
abgenommen , zwiſchen Leib und dem Horne
auf den linken Daumen geſteckt, dann die
» Czako - rechte Hand erhoben .
auf! Wird der Oſako aufgeſeßt, das Horn 679,
Schul mit der rechten Hand ergriffen , und auf:
tert ! * die vorgeſchriebene Stellung wieder ange- 680 ,
nommen .

III. Kenntniß der Signale, der Feld- und Garniſous-Stöße.


Die weſentlichſte Beſtimmung des Horniſten iſt, beim 681.
Plånkeln die vorgeſchriebenen Signale zu geben ; baber er
alle dieſe Hornſignale nach deren eigenthümlichen Benennung
und Bedeutung genau kennen , und ſolche , ſo wie auch die
Felds und Garniſonsſtöße, gehörig zu blaſen verſtehen muß.
Den Unterricht hierin erhält er von dem Bataillons - Hors
niſten.
Beim Plänkeln befindet ſich der Horniſt jederzeit in der 688.
Nähe des Kommandanten , hat auf deſſen Befehle aufmerks
ſam zu ſein , und dieſen zu Folge das betreffende Signal
augenblidlich zu blaſen .
120

S. 64.
Stellung und Ererziren des Zimmermanu es
mit der Hade.
683. Die Stellung des Zimmermannes iſt dieſelbe wie jene
des Soldaten ohne Gewehr.
684. Die in einem ledernen Futterale verſorgte Hade trägt
derſelbe dergeſtalt auf der linken Schulter , daß die Schneide
rüdwärts , und die untere Ede derſelben an dem Schulters
blatte anliege. Den Stiel hält er mit der linken Hand in
gleider Richtung mit der Hüfte , und eine Handbreite von
derſelben entfernt.
685. Zum Gebete ſtellt , und vom Gebete herſtellt
fich der Zimmermann wie der Soldat ; nur daß er die Salus
tirung, ſtatt mit der linken , mit der rechten Hand vollführt .
686. Das Niederknieen zum Gebet und auf vom
Gebet, vollbringt er gleichfalls wie der Soldat, bezüglich
des Abnehmens'oder Aufſeßens des Szakos ober der Grena
diermüße aber wie der Lambour.
687. Zum Schwören wird die Gade bergeſtalt , von der
Schulter heraḥ, vor die linke Fußſpiße geſtellt , daß die
Schneide vorwärts komme, und der Stiel mit der linten
Band an dem dünneren Ende gehalten werde.
688. Auf das: » Czako oder Grenadiermütze - ab !« wird
der Ozako oder die Grenadiermüße abgenommen , und aufden
Hacenſtiel geregt; hierauf die rechte Hand nach Nr. 96 er :
hoben . Auf das Kommando : » Czako oder Grenadiermütze
- auf ! « wird der Czato oder die Grenadiermüße init der
rechten Band aufgefe$ t; die rechte Hand kehrt an die Seite
zurüd , und auf das Schul — tert !« kommt die Bade
wieder in die vorgeſchriebene Lage auf die linke Schulter.
Zweiter Abſchnitt.
Ausbildung der Stabs -Chargea.
S . 55.
Stellung und Ererziren 008 Regimentos
Lambours. .
Der Regiments . Tambour erſcheint bei jeder Ausrüdung 689.
mit der Truppe mit dem über die rechte Schulter , ſchräge
gegen die linke Seite, hängenden Bandelier, und dem großen
mit einem Knopfe verſehenen Stode.
Die Körperſtellung desſelben iſt jener des Soldaten 690.
gleich ; mit dem Bemerken jedoch, daß der rechte Fuß derges
ftalt vor den linken geſtellt wird , daß deſſen Abſaß an den
Ballen des linken Fußes zu ſtehen komme. Der rechte Arm
wird vor- und rechts-ſeitwärts geſtredt, und der Stod unter
dem Anopfe mit der rechten Hand dergeſtalt gehalten , daß
deſſen unteres Ende an der rechten Fußſpiße ſtehe. Die linke
Hand wird in die linke Seite geſtemmt, ſo , daß der Daumen
rückwärts, die Finger vorwärts und am Leibe geſchloſſen
ſeien .
Die religiöſen Tempo vollbringt der Regiments -691.
Tambour auf gleiche Weiſe wie der Soldat; mit dem Bewers
fen , daß beim Niederknieen zum Gebete der Stod aus
ſeiner ſchrägen Stellung in eine ſenkrechte Lage gebrachtwird.
Zum Schwören wird der Stock in ſenkrechterLage vor 692 .
die linke Fußſpiße geſtellt, mit der linken Hand in gleicher
Höhe mit der Hüfte ergriffen , der Ozako nach der Vorſchrift
für den Soldaten abgenommen , und zwiſchen Körper und
Stod mit der linken Hand auf gleiche Wolfe gehalten, wie
dieß von dem Soldaten zwiſchen Körper und Gewehr ges
ſchieht. Hierauf wird der Handſchuh der rechten Hand aus
gezogen und dieſe zum Schmure erhoben .
172

698. Auf das Kommando : » Czako – auf !« wird der


Czako nach Vorſchrift aufgefeft; auf das » Schul — tert !«
der Stod wieder vor die rechte Schuhſpiße gebracht, und der
Handſchuh angezogenW .
694. Beim Marſeiren hält der Regiments - Tambour den
Stoc mit der rechten Hand , unter der Mitte des Rebres,
dergeſtalt ſchräge vor dem Leibe , daß die Fauſt in die Höhe
der Magengrube komme, und der Knopf des Stodes fich auf
die rechte Scite neige. Aus dieſer Stellung gibt er mittelſt
Seitwärtsſtreden des rechten Armes bas Zeichen zum Eins
ſchlagen oder Einſtellen des Spieles ; wobei das Einſchlagen
felbſt dergeſtalt ſtatt zu finden þat , daß der Anfang des
Marſches in dem Augenblicke erfolge, wenn die Truppe den
linken Fuß auf den Boden ſeßt.

S . 56.
Stellung und Ererziren des Bataillons
Lambours.
695. Bei jeder Ausrückung mit der Truppe erſcheint der
Bataillons-Tambour mit dem vorgeſdhriebenen Stođe.
696 . In Betreff der Körperſtellung, des Tragens des Stoces,
ſowohl auf der Stelle als während des Marſdes, ſo wie
in Betreff ſeines Benehmens bei Vollführung der religiöſer
Tempo und bei dem Zeichengeben zum Einſchlagen oder
Ginſtellen des Spieles, gelten für den Bataillons-Tambour
die im vorigen S . für den Regiments- Lambour gegebenen
Vorſchriften .
S . 57.
Stellung und Ererziren des Bataillons
Horniſten.
697. Alle für den Horniſten gegebenen Vorſchriften in Bes
treff der Stellung, des Tragens des Hornes, der Ehrenbes
173
zeigungen und der Griffe mit dem Horne, gelten auch für den
Bataillons -Horniſten ; mit dem Bemerken, daß er bei dem
Lempo zum Schwören, ſo wie jeder Unteroffizier den
Handſchuh von der rechten Hand abzuziehen habe.
Der Bataillons- Horniſt hat ſeine volle Aufmerkſamkeit698.
auf den Bataillons- Rommandanten zu richten, und die ans
geordneten Signale ſogleich zu blaſen .
Eine vorzügliche Obliegenheit desſelben iſt der Unter- 699.
richt der Kompagnie- Horniſten und einer angemeſſenen An
zahl Reſerve- Horniſten , in dem Blaſen der Signale , Felds
und Garniſonsſtöße; wobei er darauf zu ſehen hat, daß dieſe
yollkommen genau und gleichmäßig geblaſen werden .

S . 68 .

Stellung , Ehrenbezeigungen und Ererziren


008 Führers mit der Fahne.
Die Stellung des Führers iſt diefelbe wie jene des Sol- 700 .
daten . Die Fahne trägt derſelbe, mit der Spiße ſchräge auf
wärts gerichtet,auf der linken Achſel, indem er den Vorarm
wagrecht, den Ellenbogen natürlich geſchloſſen und die Fahs
nenſtange mit der linken Hand ſo weit unterhalb der leßten
Nägel hält, als nöthig iſt, um die Fahne bequem auf der
Achiel tragen zu können . Hierbei wird zugleich der Fahnens
taffet mit der Hand erfaßt und an die Stange gedrüdt.
Auf Märſchen oder beim Exerziren fann das Futteral 701.
von Wachsleinwand über die Fahne gezogen ; in Parade
muß ſolche jedoch ſtets , ohne Hüdficht auf das Wetter, offen
gelaſſen werden .
Wird die Truppe zum Präſentireir befehligt, ſo hat 702.
der Führer, - außer es wäre nach Nr. 707 die Salutis
rung zu vollführen , — auf das Kommando : Präsen -
tirt!« ;vor dem Defiliren aufdas Aviſo : »Zur Defilirung!« ;
174
ferner zu allen Richtungen , zum Frontmarſche, zur Rallirung,
ſo wie in den übrigen im Ererzir - Reglement bezeichneten
Fällen , die Fahne auf folgende Art body zu nehmen :
703. Die linke Hand hebt die Fahnemit der Spiße ſenkrecht
aufwärts vor die linke Hüfte, ſo, daß das untere Ende der
Stange in gleiche Höhe mit der Bauchhöhle komme, und fich
an dieſe anſtemme. Die rechte Hand umfaßt die Fahnens
ſtange eine Handbreit ober dem unteren Ende ;, worauf die
linke Hand ſchuell an der Stange abwärts gleitet, und dieſe
ſo umfaßt, daß der Daumen , aufgeſtemmt, ſich in gleicher
Höhemit dem linken Auge befinde. In dieſer Lage hat die
Fabue etwas wenige3 vorgeneigt zu ſein .
704 . Bei ſchönem , ſtillem Wetter wird die Fahne fliegend ges
laſſen ; bei ſtarkem Winde aber wird entweder das untere
Ende des Laffets mit der linken Hand erfaßt, oder die Fahne
zur Hälfte um die Stange gewickelt.
705. Der Führer nimmt nach beendeter Richtung auf das
Kommando: »Habt — Acht!« ; nach eingeſtelltem Front
marſche, ſobald er in die Fronte zurüdgekehrt iſt; endlid
nach dem Präſentiren der Truppe, auf das nachfolgende
Kommando : » Schul - tert !« die Fahne wieder in die
vorgeſchriebene Lage auf die linke Achſel,wie folgt:
706. Die Fahne wird durch beide Hände abwärts gleiten ges
laſſen , mit der linken Hand wie bei der Stellung bezeichnet
umfaßt, and in die vorgeſchriebene lage auf die Achſel ges
· bracht, während die rechte Hand an die Seite zurückkehrt.
707. Aufder Stelle hat der Führer vor der Allerhöchs
ften Herrschaft, den Feldmarſchällen und dem
Kriegsminiſter jederzeit, - vor dem Armee-Rom
mandanten im Bereiche der ihm unterſtehenden Armee, —
und vor dem ArmeesKorp 8 -Kommandanten nur
im Bereiche feines Korps, und wenn er ſich mit dem Armees
Kommandanten nicht in demſelben Orte befindet, — - nachs
175
ftehende Salutirung, und zwar auf das für die Truppe er
gehende Kommando : » Präsen — tirt !« zu vollführen .
Während des Marſd es wird jedoch Niemanden eine
Ehrenbezeigung geleiſtet.
I.

Salatirang vor der Allerhöchften Herrſchaft.


Die Fahre wird mit der linken Hand in die ſenk- 708.
rechte Richtung und vor die Mitte des Leibes gebracht.
Die rechte Hand erfaßt Stange und Taffet etwas ober
halb der leßten Nägel, und ſenkt die Fahne, indem fie die
Stange unter die rechte Achſel bringt, dergeſtalt , daß die
Spiße auf eine Spánne vom Boden entfernt rei ; während
die linke Hand nach der Belehrung zur Salutirung an
den Sonnenſchirm der Kopfbedeđung erhoben wird .

perftellung.
Auf das für die Truppe ergehende Kommando: » Schul- 709.
- tert !« wird die Fahne mit der rechten Hand wieder in
die ſenkrechte lage erhoben, und zugleich vor die linke Seite
gebracht; daſelbſt von der linken Hand, welche den Sonnens
ſchirm verläßt , wie bekannt ergriffen , und auf die Schulter
gelegt,während die rechte Hand an die Seite zurückehrt.

II.
Salutirang vor dem Kriegsminiſter , den Feldmar
l'chällen , dem Armee- und Korps- Kommandanten .

Die Salutirung erfolgt auf dieſelbe Art, wie vor der 710 .
Allerhöchſten Herrſchaft ; nur mit dem Unterſchiede, daß die
linke Hand nicht an den Sonnenſchirm erhoben , ſondern an
die Seite herabgebracht wird.
176
711. Sollte beider Berüdſichtigung durch einen Höheren , wel
chem die vorgeſchriebene Salutirung gebührt, das Präſenti
ren auf beſonderen Befehl unterbleiben ; ſo hat der Führer
auf das Kommando zur Ropfwendung jedenfalls die Fahne
»hoch « zu nehmen, und erſt auf das nach bewirkter Beſich
tigung erfolgende Kommando: » Habt - Acht!« wieder in
die vorgeſchriebene Stellung auf die Achſel zu bringen .

III.

Griffe, welche der Führer auf das Kommando gleidhzeitig


mit der Truppe vollfährt.

kommando
Worte. Belehru n g.
>> Beim
718. Fuss !“ Die Fahne wird mit der linken Hand
in die ſenkrechte Lage und vor dieMitte des
Leibes gebracht, von der rechten Hand etwas
unterhalb der linken ergriffen , und neben
der rechten Fußſpiße auf den Boden geſtellt ;
worauf die linke Hand an die Seite zurüds
» Schul - lehrt.
713 . tert !« Die Fahne wird mit der rechten Hand
etwas erhoben und vor die Mitte des Leis
bes gebracht, von der linken auf die bekannte
Prt ergriffen , und auf die Schulter gelegt,
während die rechte Hand an die Seite zu:
rückkehrt.
Stellung zum
Gebet und
Niederknien
714 . zum Gebet Aus der Stellung beim Fuß, wie für
den Soldaten vorgeſchrieben .
177

kommando
Worte Belehru n g.
» Zum
Schwörn ! " Die Fahnewird mit der linken Hand, 715.
welche ihre Stelle nicht verläßt, in die ſent
rechte lage gebracht, neben der linken Schuh
ſpiße auf den Boden geſtellt , und ſodann
der Daumen der linken Hand aufwärts ges
ſtredt.
» Czako -
ab !«
„ Czako –
auf !« Wie für den Unteroffizier vorgeſchries 716.
ben ,wobei die Fahne dieſelbeLage bekommt,
welche für das Gewehr feſtgefeßt wurde.
„ Schul
tert ! Die Fahne wird mit der linken Hand 717.
etwas erhoben , und wieder auf die Achſel
gelegt.

Auf Märſchen wird die Fahne nach Willkür getragen . 718 .


Findet die Kallirung in der Frontſtellung ſtatt, ſo hat
der Führeë die Fahne auf dem zur Sammlung der Truppe
auserſehenen ,Plaße dergeſtalt hoch zu tragen , daß die Spiße
gegen die rechte Seite geneigt ſei; um dadurch ſchon in der
Ferne anzubeuten , wohin ſich die Mannſchaft eines jeden
Flügels des Bataillons hinzubegeben habe.

S. 59.
Stellung und Ererziren des Hautboiſten.
Die Stellung des Hautboiſten iſt dieſelbe, wie jene719.
des Soldaten ohne Gewehr.
Das Inſtrument trägt er in der rechten Hand. Die Fas 720.
gotiſten oder jene , welche mit derlei langen Inſtrumenten
Abrichtunge - Kegl. f. 6. Inft. 12
178
verſehen ſind,tragen ſolcheauf der rechten Seite beim Fuß,
und zwar auf der rechten Fußſpiße.
721. Die religiöſen Lempo vollführt der Hauthoiſt auf
gleiche Weiſe , wie der Soldat.
722. Zum Schwören werden die kurzen Inſtrumente unter
den linken Arm gegeben , die langen auf die linke Fußſpiße
geſtellt und mit der linken Hand gehalten ; worauf die Tempo
auf die für den Soldaten vorgeſchriebene Art vollführt
werden .
II. Abtheilung.
Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in der
geöffneten Schlachtordnung.
Erftes Hauptftüdk.
Ausbildung des Soldaten zum Plänkeln .
Plänkeln oder Tirailliren heißt, eine oder mehs 723.
rere Abtheilungen aus der geſchloſſenen Ordnung auflöſen ,
und zerſtreut gegen einzelne feindliche Plänkler , oder , wenn
es der Terrain oder andere Umſtände erlauben , auch gegen
geſchloſſene feindliche Truppen in das Gefecht bringen ; — ſei
es nun , um den eigenen Angriff zu erleichtern , oder jenen
des Feindes zu erſchweren .
Jede in dieſer Abſicht aufgelöſte und in ein weit ges 724 .
öffnetes Glied formirte Abtheilung nennt man eine » I å n t
lerkette, und in dieſer bilden je drei, zu einer und ders
felben Rotte gehörige Männer ein Rettenglied.
Die in der erſten Abtheilung dieſes Abrichtungs-Regle- 725.
ments enthaltenen Vorſchriften haben die Ausbildungdes Sols
daten für ſeine Verwendung in Reih und Glied zum
Zwede. Iſt der Unterricht hierin vollendet, ſo bedarf es
nur der Aufmerkſamkeit des Mannes,und ſeines Gehorſames
in Befolgung deſſen , was angeordnet wird , um ihn bei den
Bewegungen in geſchloſſener Ordnung der jedesmaligen Ab
ſicht gemäß zu leiten . Als Plånfler dagegen ſteht der Sol
dat nicht immer unter der unmittelbaren Leitung ſeiner Vor
gefeßten . Er iſt ſich oft ſelbſt überlaſſen , muß daher für dieſe
Gefechtsart, nebſt perſönlicher Tapferkeit , die man ohnehin
bei jedem Soldaten vorausſeft , eine beſondere Geſchidlich
keit im Gebrauche ſeiner Waffe, körperliche Gewandtheit,
12 *
180
Rühnheit , Ausdauer und Selbſtvertrauen beſißen . Er muß
jede günſtige Bodenbeſchaffenheit zu ſeiner Dedung zu bes
nüßen verſtehen ; ſeinem Gegner jeden Vortheil fchlau ab
zugewinnen und denſelben in Nachtheil zu leben wiſſen ; ſtets
beſonnen bleiben ; ſein Feuer wirkſam anzubringen trachs
ten , d. 5 . nur dann ſchießen , wenn er auf Wahrſcheins
lichkeit des Treffens zählen kann : kurz, es wird hierbei die
Denk- und Beurtheilungskraft jedes einzelnen Soldaten in
Anſpruch genommen .
726 . Die Ausbildung des Soldaten zum Plänkler fordert
demnach eine ganz beſondere Sorgfalt , und muß um ro
gründlicher und eifriger betrieben werden , als bei der immer
zunehmenden Kultur des Bodens und der daraus entſtehenden
Durchſchnittenheit desſelben , dieſe Fechtart bei jeder Gats
tung Infanterie immer häufiger in Anwendung
kommt.
727. Da eine zweckmäßige Abwechslung in den verſchiedenen
Zweigen des Unterrichtes , wie rohon in der Einleitung er
wähnt , zur Ausbildung und baldigen Brauchbarkeit des
Soldaten ungemein beiträgt, ſo iſt gleich bei der einzelnen
Unterweiſung dasjenige, was die körperliche Gewandtheit bes
fördert, ſtets nach jenen Übungen vorzunehmen , die ihm
für die Verwendung in geſchloſſener Ordnung zu wiſſen nós
thig ſind; weil durch dieſen Wechſel von abgemeſſenen Bes
wegungen und freier Thätigkeit , ſeine Kräfte nie durch
Einerlei erſchöpft, im Gegentheile der Körper und der
Geiſt in Anregung und zur Entwidelung gebrachtwerden .
728. Der Unterricht hat ſtufenweiſe in nachfolgender Orda
nung ſtattzufinden :
1. Die einzelne Ausbildung des Soldaten für
ſeine Verwendung als Plänkler ;
2 . Die Ausbildung einzelner -Rettenglies
der , endlich
3 . Die Belehrung zur Auflöſung geſchloſs
181
fenerAbtheilungen in eine Plänklerkette, und der von
derſelben auszuführenden Bewegungen .
Bevor man zu der einzelnen Ausbildung des Soldaten 729.
ſchreitet, muß derſelbe belehrt werden , daß er beim Plän
keln allen in Reih' und Glied vorgeſchriebenen Zwang rüd- .
ſichtlich ſeiner Körperſtellung , der Gleichheit in den Gewehr
griffen u . dgl. ablegen , und ſich ungebunden auf eine dem
jeweiligen Gefechtsverhältniſſe entſprechende Weiſe benehmen
müſſe; worüber in den nachfolgenden ss. die nöthige An
leitung vorfömmt.
Erſter Abſchnitt.
Einzelne Ausbildung zum Plänkeln .
S. 60 .
3 wed mäßige Leib esübung.
Die demi Soldaten nöthigen Leibesübungen beſtehen im 730.
Schwimmen , Springen , Laufen , Bajonetfechten , Überſtei
gen von Heden , Mauern , Schluchten , Gräben , in Über
gången von Bächen auf ſchmalen Stegen , geſchicktem Ans
ſchleichen an dedende Gegenſtände und ſolche , von wo aus
er ſichere Schüſſe anzubringen vermag, im Erſteigen ſehr ſteis
ler Höhen , Felſen u .ſ. w .; mit einem Worte, ihm darf kei
nerlei Terrain , wo nur immer Menſchen fortzukommen vers
mögen , eine Grenze ſeiner Verwendbarkeit entgegenſeßen .
Zu den Übungen im Springen , Laufen u . dgl. , rüdt 731.
der Soldat in möglichſt bequemer Kleidung , anfänglich jes
denfalls ohne Gewehr und Rüſtung , ai 3. '
Das Springen wird abgetheilt : 732.

1. In das Hoch- und Weitſpringen ohne Anlauf.


2 . In dasſelbe mit Anlauf.
3 . In den Tiefenſprung.
4 . In den Rücwärtsſprung beim Bajonetfechten.
Jeder Sprung hat einen Aufſprung als Anfang,und 733.
182
einen Niederſprung als Ende, welche beide immer nur
auf den Zehen oder den Ballen und mit gebogenen Knieen ,
ſo wie mit gekrümmtem Rüdgrate , nie aber mit dem plats
ten Fuße und ſteifen Knieen , oder gar auf dem Abſaße aus
geführt werden dürfen .
734 . Auf dem zur Übung im Springen gewählten Plaße
werden zum Hochſpringen zwei Stöđe mit mehreren
Haken oder Einſchnitten ,drei Schritte von einander, ſenkrecht
in die Erde geſteckt, ſodann ein dünnes Stödchen dergeſtalt
quer über die Haken oder in die Einſchnitte gelegt, daß
dasſelbe bei der leichteſten Berührung herabfalle. Anfangs
wird dieſes Stöckchen nur einige Zoll hoch von der Erde ,
mit zunehmender Fertigkeit des Schülers aber immer aufhöc
here Hafen gelegt.
735 . Die Belehrung zum Hochſpringen von der
Stelle , wozu der Mann nahe an die Sprungſtöcke treten
muß , wird auf nachfolgende Weiſe ertheilt:
Die Füße und Kniee werden dicht an einander geſchloſs
ſen , die Kniee und der Oberleib vorwärts gebogen , ſo daß
Sie Abfäße erhoben ſind und das Gleichgewicht des Körpers
auf den Ballen ruhe.
736. Durch dieſe Lage des Körpers kömmt die Spannkraft
mehrerer Muskeln einen Augenblick außer Thätigkeit, das
gegen aberwerden andere in Stand geſeßt,dem Körper bei dem
gleich darauf erfolgenden Aufſchwunge zum Sprungemit ges
ſteigerter Schnellkraft fortzuhelfen . Die Hände ruhen anfangs
flach an den Hüften , wobei der Daumen nach rückwärts
kommt, die vier Finger aber vorwärts an den Leib geſchloſs
ſen werden . Dadurch behält der Mann den Körper mehr in
ſeiner Gewalt, und kann durch das Heraufreißen,der Hände
nicht zu unregelmäßigen Bewegungen verleitet werden . Nun
wird der Körper , ohne in der obbeſchriebenen Stellung lange
zu verweilen , mit gegen die Bruſt angezogenen Knieen und
nach abwärts gerichteten Zehen über den Stod geſchnellt.
183
Der Niederſprung muß mit geſchloſfenen Füßen 737.
auf die Ballen , nie aber auf die Ferſen geſchehen , weil der
Körper dadurch zu ſtark erſchüttert, und der Mann in Gefahr
kommen würde , Sæhaben zu erleiden . Der Leib darf hiers
bei keine ſenkrechte Richtung haben , ſondern die Gewalt ſeis
nes Gewichtes muß durch das Biegen der Füße , Knice ,
Hüftgelenkeund des Rüdgrates , ſo wie mittelſteinem Verhälts
nißmäßigen Vorneigen des Oberleibes , gebrochen werden .
Für den Weitenſprung von der Stelle gelten 738 .
dieſelben Regeln wie beim Hochſpringen ; nur daß hier der
Aufſchwung , ſtatt der Tendenz in die Höhe , jene in die
Weite hat. Zu dieſer Übung wählt man entweder in der
Nähe befindliche Gräben , oder läßt auf dem Übungsplaße ,
wo es geſchehen darf, einen ſolchen ausheben . Je höher
oder je weiter der Mann von der Stelle ſpringen ſoll , deſto
mehr muß er den Körper und die Kniee beim Aufſprunge
biegen . Nothwendige Vorübungen hierzu ſind : das Schwins
gen bis zur Berührung der Ferſen mit dem Gefäße, bann.
der ſchwebende Zehengang mit gebogenen Knieen .
Bei dem Sprunge mit Anlaufſtellt man ſich auf 739.
12 bis 15 Schritte von dem zu überſpringenden Gegenſtande.
Der Anlauf muß anfänglich langſam , im Verfolge jedoch
mit kürzeren Schritten , immer mehr verſtärkt, aber nie übers
eilt werden , und auf den Fußſpißen geſchehen . Er ſoll blos
die Schnellkraft der Füße rege machen , und dem Körper einen
ſtärkeren Sdewung geben . Das Ende des Anlaufes wird durch
das augenblidliche ſtärkere Aufſeßen des einen Fußes an dem
Ort des Aufſprunges bezeichnet, der andere Fuß aber in
dem Augenblice ſchnell vorwärts geworfen , in welchem der
erſtere vom Boden abſtößt; worauf dieſer ſich dergeſtalt an den
Vorgeſchnellten anſchließt, daß beibe Füße noch vor der Hälfte
des Sprunges aneinander geſchloſſen ſeien . Beim Nieders
ſprunge darf der Oberleib nicht zurückfallen , Kniee und
184
Rüden müſſen gehörig gebogen werden , wie dieß beim
Hochſpringen bereits erklärt worden.
740. Der Tiefenſprung , nämlich von einer Höhe her
ab, geſchieht ſtets von der Stelle. Ein richtiger Niederſprung
iſt dabei die Hauptſache. Ermuß ganz auf die Ballen und
mit nachgebenden Knieen geſchehen ; jedoch dürfen dieſe bei
Berührung der Erde nicht zu raſch nachgeben , weil ſie ſonſt,
wenn der Oberleib vorfällt , wohl gar gegen das Kinn ſtoßen
könnten . Die Hände müſſen inmer vorwärts gehalten wer
den , um im Nothfalle den Körper unterſtüßen ju können .
Der Liefenſprung muß auf weichem Boden , am
beſten in einem Sandgaufen , aufgelockerter Erde oder Moos
geübt werden .
741. Der Nü &wärtsſprung kann nur von der Stelle
aus geſchehen , und dient dazu , um im Einzelngefechte dem
Stoße des Gegners ſchnell auszuweichen . Der Aufſprung,
die Bewegung der Kniee u . ſ. w . bleiben hierbei dieſelben ,wie
beim Weitſprunge; nur wird der Oberleib nicht ſo weit vors
gebeugt.
742. Hat der Soldat das Springen gut erlernt, ſo erfolgt
der Unterricht im Laufen .
743. Das ļaufen , mit Vorſicht bewirkt, iſt eine ſtärkende
Übung für Bruſt und Lunge. Es zerfällt :
1 . In das Geſchwindlaufen ,
2 . in das Langlaufen , und
3. in das Rücklingslaufen , welch ' lekteres beim Bas
jouetfechten vorkommt.
1744. Der Plaß , auf welchein der Unterricht im Laufen ges
geben wird , follweder lehmig noch mit Flugſand bedeckt,
ſondern feſt und eben ſein . Der Stand und das Ziel müſ
ſen durch ſeſte, ſichtbare Gegenſtände bezeichnetwerden .
Die Übung im laufen erfordert folgende Beobachs
tungen :
745. 1. Die Bruſt muß heraus, der Oberleih vorgebracht
185
werden , und zwar beim Schnellaufen mehr als beim lang
famen Laufen . Je mehr der Oberleib ' fidi vorneigt, deſto
mebr werden die Füße vorwärts eilen ,um dem Vorgewichte
des Körpers zur Stüße zu dienen . Die Schultern und Ellen
bogen werden zurückgenommen , die Oberarme bleiben ohne
Zwang nahe am Leibe, und bilden mit den gebogenen
Vorarmen einen etwas ſpißigen Winkel ; die Arme bewegen
fich in dieſer gebogenen Haltung naturgemäß, um das Gleich
gewicht des Körpers zu erhalten . Die Kniee werden abwech
felnd gebogen und geſtreckt, damit die Muskeln nicht ermű
den . Die Füße müſſen , ohne mit ihnen hinaufzuſchlagen
oder die Kniee in die Höhe zu ziehen , vorwärts geſchnellt,
dann aber leicht auf den Ballen , und nicht auf den platten
Fuß, niedergeſeßt werden .
2. Der Mund bleibt geſchloſſen , die Athemzüge müſſen 746.
mehr durch die Naſe als durch den Mund geſchehen . Die
Luft muß einige Sekunden in der Bruſt erhalten werden ,
um die Erhitung des Blutes und den zu ſchnellen Andrang
desſelben gegen die Lunge zu hindern . Kurze Athemzüge
würden die Bewegung der Lunge vermehren , und die Ent
gündung derſelben , beſonders bei gleich erfolgter Abkühlung,
herbeiführen .
3. Die Ausdauer im Laufen iſt nur nach und nach zu 747.
erlangen . Man laſſe das Laufen oft auf kurze Strecen , aber
nie gegen den Wind üben . Das Langloufen , d . i. der
langdauernde Lauf, wobei es ich nicht wie beim vollen
Laufe um das ſchnelle Erreichen eines Zieles handelt, gleicht
mehr einer trabenden Bewegung; wobei der Leib etwas zu
rüdgelegt wird , und die laſt desſelben ſtets auf jenem Fuße
ruht , welcher auf der Erde iſt, während der vorſchreitende,
etwas geſtreckt, den Boden nach Möglichkeit nur mit der Spiße
und Vorderſohle berührt.
Um dem Soldaten ſowohl die Stellung des Körpers ,748.
der Hände und Füße, als auch das beim Laufen nöthige
186
Gleichgewicht beizubringen , läßt man ihn , ohne von
der Stelle zu rüđen , den linken Fuß mit ſo gebogenem
Aniee erheben , daß die Fußſpiße eine Spanne über dem
Punkte, wo früher der Abſaß geſtanden , erhoben ſei, und
dann auf die vorige Stelle wieder niederſtellen ; worauf dass
ſelbe mit dem rechten Fuße ausgeführt wird. So wie der
Mann ſeinen Körper nach und nach im Gleichgewichte zu er
halten erlernt, muß er dieß auf das Vorzählen Eins! Zwei !
in immer ſchnellerem Tempo ausführen , welches bis in das
für den Langlauf anwendbare Zeitmaß geſteigert werden kann .
749. Dieſe Art des langlaufens, der lauftritt, findet,wie
bereits bei der Belehrung über den Angriff mit dem Bajonete
geſagt wurde, ſowohl dabei, wie cuc in mehreren anderen
Fäilen Anwendung, in denen es ſich um eine beſchleunigtere
Bewegung ħandelt, und die ſpäter beim Plänkeln und im
Ererzir: Reglement vorkommen . Der Lauftritt erfolgt bei ges
(chloſſenen Abtheilungen auf ļas Kommando: »Marsch —
Marsch !“ , bei aufgelöſten auf die für die beſonderen Fälle
beſtimmten Horn -Signale, bezüglich Trommelzeichen .
750 . 4 . Beim Rüdlingslaufen , welches vorzüglich in
einem kleinen Kreiſe zu üben iſt, und mehr einem ſchnellen
Trippeln gleichfömmt, wirft der Soldat zur Vorſicht zuweilen
einen Blid rückwärts und ſtreift den Boden mit deur Ballen
des zurücktretenden Fußes , nie aber mit dem Abſaße.
751. 5 . Man gebe nicht zu , daß der Soldat nach dem Laufen
trinke, oder ſich durch Stileſtehen , Niederlegen auf die Erde
u . dgl. abkühle. Er ſoll nach dem Laufen herumgehen , und,
wenn die Witterung fühl iſt,und er den Roc abgelegt hatte,
dieſen ſogleich wieder anziehen.
752. Nachdem der Soldat im Springen und laufen , ohne
Laſt, gut geübt iſt, läßt man ihn ſolches auch mit umgehänga
ter Patrontaſche und dem Torniſter auf dem Rücken verſuchen .
Erſt wenn er, ſo belaſtet, ſpringen und laufen kann,wird die
Übung mit dem Gewehre vorgenommen , wobei er dieſes in
187
der Balance hält, der Schüße aber ſolches auch am Rie
men auf der Achſel hängend tragen kann .
Jit die körperliche Gewandtheit des Soldaten durch die 753.
vorſtehenden Übungen entwidelt und gefördert worden , ſo
wird er das Überſeßen von Heden , Mauern u . dgl. , ſo wie
das Gehen auf vom Boden erhabenen ſchmalen Balfen ,
mit Leichtigkeit volbringer!, weil er ſeinen Körper im Gleich
gewichte zu erhalten und von hochliegenden Gegenſtänden ,
ohne Beſorgniß ſich zu beſchädigen , herab zu ſpringen ers
lernt, ſomit Vertrauen auf ſeine Geſchidlichkeit und Rörs
perkraft erlangt haben wird.
Alle dieſe Übungen dürfen übrigens nur im gehörigen 754.
Maße, unter-ſteder Aufſicht und mit Rüdſicht auf die Scho .
nung der Mannſchaft ſtattfinden , es darf hierbei nichts
übertrieben werden . Beſondere müſſen jederzeit die indi:
viduellen natürlichen Anlagen , ſo wie die körperliche Eignung
des Einzelnen für das Mehr oder weniger dieſer Übungen ,
gehörig in Anſchlag gebracht werden .
S. 61.
Entſprechender Gebrauch des Feuergewch res.
Es wird vorausgeſept, daß ſich der Soldat die Vor- 755.
ſchriften bezüglich der Beſchaffenheit und Behandlung des
Feuergewehres , ſo wie die in der erſten Abtheilung dieſes Abs
richtungs-Reglements enthaltenen Belebrungen über das Zie
len und Treffen wohl eigen gemacht habe, und ſich die ges
naue Befolgung derſelben beim Plänkeln um ſo mehr werde
angelegen ſein laſſen , als er ſich hierbei ſelbſt überlaſſen iſt,
und ſein Gewehr , ohne ſpecieller Aufricht, nach eigener Bes
urtheilung gebrauchen muß.
Demnach wird man ſich hier blos darauf beſchränken , 756.
anzugeben , wie der Soldat ſein Gewehr beim Plänkeln am
entſprechendſten zu tragen habe, um jederzeit ſchußfertig
zu bleiben ; dann wie er ſolches in den verſchiedenen , durch
188
die Benüßung des Terrains zur eigenen Dedung bedingten
Kör:erlagen am ſchnellſten und angemeſſenſten laden , und
zum Schuſſe fertig bringen könne.
757. Jm Momente der Auflöſung einer Abtheilung zu in
Plän keln , nimmt der Soldat das Gewehr in die Balance,
und rådt ſo in die Plänklerlinie vor. Dort angelangt, hat er
ſolches, um ſtets ſchußfertig zu ſein , auf folgende Art zu tragen :
Die rechte Hand hebt das Gewehr oder die Kammers
büchſe vor die Mitte des Leibes , die linke ergreift es in
der Höhe der Magengrube unter der rechten ; worauf dieſe
den Kolbenhals ſo umfaßt, daß die Mündung links ſeits und
aufwärts ſtehe,und die linkeSchaftwand nebſt der linken Seite
des Laufes am Oberarme anliege , wobei der Lauf ſo viel
einwärts gewendet ſein muß, daß das vorwärts befindliche
Schloß ſich etwas rechts neige, und der Hammer den Leib be
rühre. Die linke Hand wird über das Handwurzelgelenk der
rechten gelegt.
758. Es verſteht ſich übrigens von ſelbſt, daß in Fällen, wo
der Plänkler ſich hinter irgend einem Terraingegenſtande
gedeckt Heranſchleichen , ſpringen , Anhöhen erklimmen oder
berabſteigen , durch Büſche dringen , Zäure und Mauern übers
Teßen will , er ſein Gewehr auf eine dieſer Abſicht entſpres
chende Weiſe tragen müſſe.
759. Das Laden des Gewehres im Stehen lehren die SS. 9 und
51. Da jedoch der Pläufler, bei Benüßung von Terra ingegen
ſtänden zu ſeiner Dedung, ſich auf den Boden legen , nieder
knieen , ſeßen u . dgl. muß ; ſo ergibt ſich die Nothwendigkeit,
ihn auch in jeder dieſer verſchiedenen Körperlagen ſein Ges
wehr laden uns mit demſelben ſchießen zu lehren .
Der Soldat vollzieht die Ladung des Gewehres, bei forts
geſeßter Bewegung, auf die bekannte Art , bleibt jedoch zum
Einführen des Zünders , und beim Einbringen der Patrone
in den Lauf, einen Augenblick ſtehen.
761. Der S üße benimmt ſich auf ähnliche Weiſe, wens
189
det jedoch nach dem Einführen des Zünders den Kolben
gegen den linken Schenkel , während die linke Hand
unter dem Riemen durchſchlüpft , das Gewehr an dem
Vorarme hängen läßt, und die Mündung auf die in
Nr. 591 erklärte Art ergreift. Nach dem Ausbeuteln
der Patrone werden mit der rechten Hand einige Streiche
auf den Lauf gegeben , um das an den Wänden hän
gende Pulver in der Kammer zu ſammeln , und ſodann
die Ladung wie bekannt vollzogen.
Um beim Schuſſe in aufrechter Stellung der Kam -1962.
merbüchſe eine feſte Stüße zu geben , leichter zielen und ru
higer abdrüden zu können, ergreift der Schüße die Bajonets
ſcheide am unteren Ende, ſtemmt die Bajonethülſe an
den Schenkel oder an die Hüfte, und legt die Kammerbüchſe
in die , ſowohl die Bajonetſcheide als das Gewehr umfaf
rende linke Hand.
Der Soldat umfaßt das Gewehr mit der rechten Hand 763.
am Kolbenhalje, mit der linken am unteren Laufringe, Kniend.
läßt ſich auf das rechte Knie nieder, legt den linken Vorarm
auf den Schenkel, und bringt das Gewehr derart in einewag
rechte lage , daß die Mündung links ſeit- und vorwärts
ſtehe. Nach dem Ergreifen der Patrone, Einführen des Zün
ders und Schließen des Deckels wird der Kolbenbals mit
den lebten zwei Fingern der rechten Hand umfaßt, und das
Gewehr mit Hilfe der linken Hand um das Knie herum ſo
an die linke Seite gebracht und mit dem Kolben auf den
Boden geſtellt , daß das Schloß auf-, der kauf vorwärts,
die Mündung vor die Mitte des Leibes , und der Ladſtock ge
gen denſelben gefehrt ſei. Nun wird die Patrone in den Lauf
geſtedt, der Rolben ſanft auf den Boden geſtoßen , um das
Pulver gehörig in die Kammer zu lagern , hierauf der Ladſtod
ergriffen , und die Ladung vollendet.
Der Schüße benimmt ſich auf ähnliche Weiſe, hält jes 1764 .
doch während dem Einführen des Zünders die Kammerbüchſe
190
mit der linken Hand am Abſehen umfaßt; und muß hierauf,
um ſolche auf die linke Seite zu bringen , vorerſt die linke
Hand bis an den unteren Laufring vorſchieben . Nach dem
Einbringen der Patrone in den Lauf, ſtellt er die Kammer
Füchſe, in ſoweit es ohne Anſtrengung des rechten Armes
geſchehen kann , möglichſt ſenkrecht neben den linken Kniee
cuf, beutelt die Patrone vollends aus, hebt ſie aus der Mün
dung heraus, und gibt einige mäßigeSchläge auf den Lauf,
oder ſtößt bei trodenem und feſtem Boden den Kolben ſanft
auf die Erde, bringt ſodann die Kammerbüchſe wieder in die
frühere ſchräge Lage, gibt die Kugel in den Lauf, ergreift
den Ladſtock und vollendet die Ladung.
765. Beim Zielen wird der Ellenbogen , zur Erlangung eines
ruhigen Anſchlages, auf das linke Knie geſtüßt, oder das Ges
wehr, ſo wie auch die Kammerbüchſe,aufeinen vorhandenen Ges
genſtand gelegt; der Leib aberaufden rechten Fuß zurückgeſenkt.
766. Um das Gewehr im Siken zu laden , reßt ſich der Sols
Im Sißen. dat, mit der linken Seite gegen den Feind gekehrt, nieder,
biegt den linken Fuß ſo , daß der Abſaß gegen den Leib ges
ſtemmt und das Knie erhoben ſei , während der rechte Fuß
ausgeſtredt wird . Der linke Vorarm liegt auf dem Schenkel,
die linke Hand innerhalb des linken Kniees , der Kolben auf
dem rechten Schenkel. Nach dem Einführen des Zünderswird
tas Gewehr analog nach Nr. 763, um das linke Knie herum ,
auf Sie linke Seite gebracht , und die Ladung vollendet.
767. Der Schüß e benimmt ſich auf gleiche Weiſe, nurwird
hierbei, zum Einbringen der Patrone in den Lauf, die
Rammerbüchſe von den lebten zwei Fingern und dem Ballen
der rechten Hand bei der Mündung umfaßt, während die
linke bis unter den oberen Riemenbügel hinaufgleitet, und
den Lauf ſo viel erhebt, daß die Mündung mit dem Munde
gleich komme. Nun wird die Patrone in den lauf geſteckt,
die Mündung ſo hoch gehoben , als es der rechte Arm ohne
Anſtrengung. zuläßt, das Pulver ausgebeutelt , die Pa
191
trone aus der Mündung gehoben , die Rammerbüchſe
ſenkrecht neben das linke Knie geſtellt , einige mäßige
Schläge mit der flachen Sand auf den Lauf gegeben oder
der Kolben einige Male leicht auf den Boden geſtoßen , die
Kammerbüchſe wieder in die frühere Richtung gebracht, die
Kugel in den Lauf gegeben , und ſodann die Ladung vollendet.
Wo der Terrain gar keine Dedung bietet , liegt der 768.
Plånkler beim Laden und Feuern aufder linken Hüfte auf Im Liegen .
dem Boden . Zum Laden hålt er das Gewehr, oder die Ram
merbüchſe, mit derMündung gegen den Feind gekehrt ſo, daß
der Lauf aufwärts gewendet ſei , und der Kolben bis unier
die rechte Achſelhöhlung reiche. Die linke Hand hält hierbei
das Gewehr am unteren Laufringe , die Kammerbüchſe am
Abſehen ; der linke Ellenbogen ſammt Vorarm wird auf den
Boden geſtüßt, die Patrontaſche mit der rechten Hand auf
den Bauch vorgeſchoben , eine Patrone ergriffen , der Zünder
eingeführt, der Deckel geſchloſſen ,und ſich dann auf den Rüden
gewendet. Während der Wendung verläßt die rechte Hand
den Kolbenhals , die linke dreht und ſchiebt das Gewehr,
oder die Kammerbüchre , dergeſtalt links feitwärts , daß dieſe
an der Kolbenabrundung aufliegen und die Mündung ober dem
Munde ſtehe; hicrauf umfaßt die linke Hand mit Hilfe der
rechten die Mündung, die Patronewird abgeriſſen , das Pul
ver in den lauf gebeutelt, und hierzu die Mündung ſo viel
wie möglich erhoben . Sodann wird das Gewehr, oder die
Kammerbüchſe, an der linken Achſelhöhlung ſenkrecht auf den
Boden geſtellt, das Pulver, durch einige Schläge mit der rechs
ten Hand an den lauf, gelagert, das Gewehr in die vorige
ſchräge Lage zurüdgebracht, und die Ladung vollendet; wozu
derSchüße vorerſt noch die Kugel in den Lauf zu ſtecken hat.
Zum Anſchlagen und Zielen wendet fich der Plänkler 769.
auf den Bauch , ſtemmt ſich auf beide Ellenbogen , hebt den
Kopf in die Höhe, und zieht das rechte Knie etwas vor, ſo
182
daß die Schwere des Körpers größtentheils auf dem linken
Ellenbogen und der linken Hüfte ruhe. Hat der Plänkler
keinen Gegenſtand vor ſich , auf den er das Gewehr oder die
Kammerbüchſe auflegen kann , ſo benüßt er hierzu ſeinen
Cfako .
770 . Wenn der Plänkler auf einem nafſen Boden oder in
end. einem kothigen Graben laden ſoll, ſo geſchieht es in hockens
der Stellung , auf nachfolgende Weiſe :
Der Plänkler dudt fich ſo , daß der linke Vorarm auf den
linken , der rechte auf den rechten Schenkel , die linke Hand
vor das linke, die rechte vor das rechte Knie zu liegen kom
men . Zum Öffnen des Dedels und Einführen des Zünders:
wird bei dem Infanterie- Gewehre die innere Fläche des Rols
bens , bei der Kammerbüchſe der Baden -Ausſchnitt, auf das
rechte Knie gelegt; worauf das Laden des Gewehres nach
Nr. 763 und 764 ſtattfindet.
771. Die hođende Stellung kann auch während des Gehens,
zum Zielen und Treffen in jedein Lerrain , wo keine Dedung8s
gegenſtände vorhanden ſind, und beſonders dann mit Vortheil
angewendet werden , wenn der Plänkler durch ſchnelle Bewe
gung die Fähigkeit , ruhig zu zielen verloren hat, weil es
- durch das Stüßen beider Ellenbogen auf die Kniee — doch
noch möglich wird , das Gewehrwährend dieſer kurzen Zeit
ruhig im Anſchlage zu erhalten .
772. Um aber in dieſer hodenden Stellung recht bequem
und ruhig anſchlagen und zielen zu können , muß der linke
Fuß die Richtung nach dem Gegenſtande des Zieles erhalten ,
und der rechte, beiläufig unter einem rechten Winkel, in fols
cher Entfernung von dem linken auf den Boden gefeßtwerden ,
Daß beide Füße mit der ganzen Fußſohle auf dem Boden
ſtehen . Die Schwere des Körpers hat auf beiden Abfäßen zu
ruhen , und das Gefäß ſo tief geſenkt zu werden , daß die
Schenkel und Waden ſich berühren . Die Abfäße dürfen
193
durchaus nidht erhoben ſein ; weil die ruhige Haltung beeins
trächtigt wird, wenn die Schwere des Körpers fich auf den
Ballen ſchwebend befindet.
Schließlich wird hier noch bemerkt, daß die Ausführung 773.
der obbeſchriebenen Ladungstempo von dem Soldaten nicht
etw a mit der in Reih und Glied verlangten
Präziſion gefordert werden darf; indem es fich
lediglich darum handelt , ihn zu lehren , wie er die Ladung,
ohne Veränderung ſeiner durch den Terrain bedingten Körs
perlage , am entſprechendſten volbringen könne, ſomit dem
Übelſtande borgebeugt werde , ſich zum Laden jedesmal auf
richten , und dem Feuer des Feindes bloßitellen zu müſſen .

S. 62.
Ben üßung verſchiedener Terraingegenſtände
zur Dedung gegen das Feuer des Feindes.
Der Unterricht , wie der Soldat beim Plänkeln die 774.
verſchiedenen Terraingegenſtände zu ſeiner Dedung benüßen
fon , erfolgt am entſprechendſten , wenn man ihn zu derlei
Gegenſtänden hinführt , und ihm zeigt, welche Körperlage
er annehmen müſſe , um ſich vor dein Feuer des Feindes
möglichſt zu ſchüßen .
Beim Vorrüden auf ebenem , ganz offenen B 0- 775 .
den iſt dic Stellung des Plänklers willführlich ; doch muß
er ſich während des Ladens fiets vor- und ſeitwärts bewegen ,
um ſeinem Gegner keinen ruhigen Zielpunkt abzugeben .
Wird auf der Stelle gefeuert, ſo deckt ſich der Soldat, 776.
bei gänzlichem Mangel ſchüßender Gegenſtände , am beſten
dadurch, daß er ſich auf den Boden legt, und je näher am
Feinde er dieſes thut, deſto mehr Wahrſcheinlichkeit hat er,
nicht getroffen zu werden ; da ihn ſein Gegner in dieſem
Falle beinahe immer überſchießen wird. 3ft er durch
einen Fluß, einen Teich , einen Sumpf u . dgl. vom Feinde
Abrichtungs- Riegl. f. d . Inft. 13
194
getrennt, ſo ftellt er ſeinen Torniſter vor fich auf, der einer
ſeits ihn ziemlich beden wird , andererſeits aber auch zum
Auflegen des Gewehres beim Schießen benüßt werden kann.
777. Auf A edern lehre man ihn , einzelne Bäume, Säu
len, Düngerhaufen , Erhöhungen oder tiefe Furchen zu ſeiner
Dedung benüben . Laufen Lettere ſchräge gegen den Feind,
ſo gewähren ſte den Vortheil, daß man ſich in ihnen eini
germaßen gedeckt dein Gegner nähern kann ; laufen ſie aber
parallel mit der Stellung des Feindes, ſo muß der Plänkler
ſchnell von einer zur anderen eilen , um ſich nicht zu lange
dem Feuer des Gegners bloßzuſtellen . Beim Feuern auf der
Stelle wird er ſich aber , je nachdem die Furchen mehr oder
weniger tief ſind, in dieſelben niederknieen , ſeben oder leger .
778. Gräben werden auf die nämliche Art zur Dedung bes
nüßt wie tiefe Erdfurchen . Sie ſind gleichfals nur dann vors
theilhaft, wenn ſie ſchräge gegen den Feind, noch beſſer aber
parallel mit deſſen Aufſtellung laufen . Sind ſie mehr als
4 %, Fuß, alſo ſo tief, daß der Soldat nichtmehr ſtehend aus
ſelben feuern kann, ſo muß er trachten , in die Böſchung des
Grabens, und zwar auf jener Seite, von welcher der Feind
kommt, in angemeſſener Höhe Löcher anzubringen , in welche
er ſeine Füße ſtellt, und wodurch es ihm möglich wird , aus
dieſem erhöhten Standpunkte über den Rand des Grabens
wegzufeuern . Zum Laden tritt er jedoch immer wieder in die
Liefe berab , während ein anderer Plänkler ſeine Stelle
einnimmt. : :
779. Sind die Böſchungen ſehr ſanft , ſo bedarf es wohl
nicht des Aushöhlens folder Fußſteden , ſondern der Plänkler
legt oder ſeßt fich dergeſtalt auf die Böſchung , daß er nur
mit dem Kopfe über den oberen Rand hervorrage, ſomit
ungehindert darüber wegfeuern könne. Zum laden gleitet er
jedoch ſtets wieder in die Liefe herab, um vollſtändig gedeckt zu
fein. Da nieinals die ganze Plänklerkelte aufeinmal feuert,
195
ſondern die Leute fich wechſelſeitig im Feuer ablöſer und
unterſtüßen ; ſo wird auch immer ein Theil der Mannſchaft
am oberen Kande des Grabens in ſchußfertiger Bereits
ſchaft ſein ,während der andere mit der Ladung beſchäftigt iſt.
Gruben , Schluchten , Hohlwege u . dgl., wenn 780 .
Testere parallel mit der Stellung des Gegners laufen , bes
nüßt der Plänkler zu ſeiner Dedung auf ähnliche Weiſe, wie
Gräben . Durchſchneiden dieſe die Plänklerfeite in rent:
rechter oder ſchiefer Richtung, ſo bieten fie dem Feinde
ein geeignetes Mittel , um fidh verdedt zu nähern . In fols
chen Fällen müſſen fich die dem Hohlwege oder der Schlucht
zunächſt ſtehenden Plänkler knapp an deſſen oberen Rand und
möglichſt gedeckt aufſtellen , und von Sort aus, mittelſt ihres
in die Liefe der Schlucht oder des Hohlweges angebrachten
Feuers , den Feind ain Dordringen in denſelben mög
lichſt hindern. Deßgleichen darf ſich der Plänkler bei Vertheis
digung enger Thäler nicht in die Ticfe ſtellen , ſondern er ſoll
nach Thunlichkeit immer einen höheren Standpunkt als fein
Gegner wählen ; weil er von oben herab weiter und mit
mehr Sicherheit, als ģinauf, ſchießen , und überdieß einen
beſſeren Überblic des vorliegenden Terrains, ſo wie der Bes
wegung des Feindes erlangen wird.
Auf Hügeln oder ſonſtigen Erhöhungen barf er 781.
nierals bis auf die oberſte Kuppe vortreten ; ſondern nur
To weit vorgeben , als es nöthig iſt , um ſeinen Gegner
auf's Korn zu faſſen , ohne von ihm gånzlich geſehen zu
werden .
• Einzelne Bäume bieten , je nachdem ihr Stamnt 782.
einen größeren oder minderen Umfang hat, ein mehr oder
weniger vorzügliches Dedungsmittel. Der Plånkler ſtellt
fich dergeſtalt knapp hinter den Stamin des Baumes , wel
chen er zu feiner Dedung benüßen will , daß ſein linker
Ellenbogen an den Baum komme. Zum Feuern wird das
13 *
196
Gewehr auf die rechte Seite des Stammes in Anſchlag
gebracht, hierbei der linke Vorarm zur beſſeren Stüße an den
Baum gedrückt, der Kopf nur ſo weit vorgebracht , als es
zum Zielen nothwendig iſt, und der Leib nach Thunlichkeit
verſagt. Zum Laden nimmt der Mann wieder die zu ſeiner
vollſtändigen Deckung nöthige Körperſtellung an.
783. Iſt der Baumſtamm ſo did , daß mehrere Plänkler hins
ter demſelben Deckung finden , ſo nehmen ſolche, zum Feuern ,
abwechſelnd die vorbeſchriebene Stellung , welche ſie jedoci
gleid nach angebrachtem Schufle , zur Ladung ihres Ge
wehres , dem nächſt Schußfertigen zum Vortreten räumen..
784. . In Wäldern muß der Plänfler, beim Vorrücken oder
Zurücgehen , ſchnell von einem Baume zu dem anderen laufen ,
um fortwährend möglichſt gedecktzu bleiben . Iſt der unmittel
bar vor ihm fehende Gegner hinter einem Baume gut ges
deckt , ſo hat er einen anderen ſeitwärts ſtehenden , minder
gut gedeckten zum Ziele zu wählen . Kommt er während des
Streifens im Walde auf fleine offene Pläße, ſo muß er ſols
chen auszuweichen trachten , und ſich , längs dem Rande ders
ſelben , um dieſelben herum ziehen .
785 . Geſträude, Heden oder lebendige Zäune,
Garben , hohe Frucht u . dgl. decken zrar nicht vor feints
lichen Kugeln ; fie bieten aber das Mittel, fich dem Auge,
ſomit auch dem Zielen des Gegners zu entziehen . Bei Bes
nüßung von derlei Gegerſtänden zur Dedung icird es gut
ſein , wenn der Plånkler nach angebrachtem Schuſſe ſeinen
Plaß verläßt, und dieLadung auf einem anderen Punkte voll
bringt; da Fein Gegner , der ihn nicht fehen kann , den bei
der Entladung des Gewehres aufſteigenden Rauch zum Ziel:
punkte wählen dürfte.
786. Dämme und Erdaufwürfe, welche parallel mit der
Stellung des Gegners laufen , find ein vorzügliches Dedu.tgs - .
mittel. Der Plänkler legt, feßt oder kniet ſich auf die dem
197
Feinde entgegengeſepte Böſchung, ſo daß er über die Krone
oder den oberen Rand wegfeuern könne; begibt ſich jedoch
zur Ladung wieder ſo weit herab, als es nothwendig iſt, um
vollſtändig gededt zu ſein .
Mauern , ſtarke Planken u . dgl. bieten gleichfalls 787.
eine gute Dedung. Sind ſie nicht höher als 4 ), Fuß, ſo
kann der Mann ſtehend über dieſelben wegfeuern ; fiud fie
jedoch höher, ſo müſſen entweder erhöhte Auftritte oder Löcher
(Soubidarten ) in dieſelben angebrachtwerden . In less
terem Falle ſtellen ſich zwei oder drei Pläntler linksſeits
wärts einer ſolden Schußſcharte und bringen abwechſelnd ihr
Gewehr in die Scharte zum Feuern . Iſt der Gegner ſchon
ganz nahe an die Mauer berangerückt und find die Schuß
ſcharten , auswärts der Mauer nur ſo hoch über dem Boden ,
daß der Feind die Gewehre von Außen erfaſſen könnte ; ſo
dürfen dieſe nur ſo weit in die Scharten geſtedt werden ,
daß die Mündung nicht über dieſelben hinausreiche.
In Häuſern ſtellen ſich die zur Vertheidigung derſel-788.
ben beſtimmten Männer paarweiſe oder zu Dreien hinter die
linken Pfeiler der Fenſter auf, und benehmen ſich beim
Feuern auf ähnliche Weiſe , wie dieß für die Aufſtellung
hinter cinem dicen Baumſtamme erflirt worden .
Beim Eindringen in Ortſchaften, welche voin 789.
Feinde befeßt ſind, dürfen die Blänkler nichtmitten auf der
Straße vorgehen , ſondern ſie müſſen ſich längs der beiden
Häuſerreihen vorſchleiden , und hinter den vorſpringenden
Eden , Thorpfeilern u . dgl. zu deđen ſuchen . Schießt der
Feind aus den Fenſtern herab, ſo richten die länge den Häu
ſerreihen vorgehenden Plänfler ihr Feuer auf die jenſeits
quer über der Straße befindlichen , vom Feinde beſepten
Fenſter. Rommen ſie in Folge der Porrüdung an eineQuer
ſtraße , lo fammeln ſie ſich.hinter den beiden Straßen -Eden , .
198
und feuern , gededt, von dort auf den Feind, bis ſie zur ers.
neuerten Vorrüdung beordert werden.
790: Das tier Geſagte genügt, um die Aufmerkſamkeit des
Unterrichtenden auf diejenigen Lerraingegenſtände zu lenken,
welche der Plånkler zur Dedung gegen das feindliche Feuer
· benüßen ſoll. Der Unterricht mit der Mannſchaft muß jes
doch praktiſch auf dem Terrain ſtattfinden , wo ſich allent
halben Gelegenheit barbietet ; und es iſt hierbei beſonders
darauf zu ſehen , daß der Plänkler ſich nicht nur während des
Schießens, ſondern vorzüglich während des Ladens ſorgs
fältig vor dem feindlichen Feuer dede.
791. Ilm dem Soldaten die begreiflich und ihn gewandt zu
machen , jeden deckenden Gegenſtand zu ſeinein Vortheile
zu benüßen , iſt es ſehr zwedmäßig , wenu er dazu verhalten
wird , aus ſeinem Verſtede auf den Unterrichtenden zu zies
len und ſich gleichzeitig gegen ihn zu decken ; wobei dieſer
ſeinen Standpunkt ſtets verändern und dadurch den Mann
zurAnnahmeeiner neuen , dedenden Stellung veranlaſſen muß.
. S. 63.
Hornſignale und reſpektive Trommelzeichen ,
welche bei der Planklerkette , deren Unterſtü
fungs's und Reſerve -Abtheilungen die Stelle
der Rommando vertreten .
792. Bei der großen Ausdehnung, welche die Plänklerketten
in den meiſten Fällen haben , erſcheint – beſonders bei
windiger Witterung , in einem buſdigen , waldigen uber uns
ebenen Terrain , ſo wie , wenn die Kette im Feuern begriffen
iſt, - die Stimme des Kommandanten zur Anordnung der
Bewegungen unzulänglich ; weßhalb hierzu folgende Horn
ſignale; für jene Infanterietruppen aber, die keine
Horniſten im Stande führen , nachſtehende Trommelze is
chen beſtimut werden .
199
Wo die Stimme des Kommandanten ausreicht, iſt793.
es nicht unbedingt nothwendig , die Fornfignale , bezüglich
Trommelzeichen , in Anwendung zu bringen ; auch wird
manchmal in Ermangelung eines Horniſten , bezüglich
Lambours , ſogar die Nothwendigkeit eintreten , oder es wers
den die Umſtände als zweckmäßig erſcheinen laſſen , vie beabs
fichtigten Bewegungen mittelſt der Stimmeanzuordnen . Bei
Friedensübungen jedoch , wo es fich zugleich darum handelt,
den Soldaten mit der Bedeutung der Signale recht vertraut
zu machen , iſt ſich beim Plånkeln , wo es nur immer ſein
kann , der Hornſignale, bezüglich Trommelzeichen , ſtatt des
Rommando zu bedienen .
Die Signale theilen ſich in Aviſo -Signale oder 794.
Rufe, welche, allein geblaſen oder getrommelt, einen Theil
der Truppe blos anrufen und zum Antworten veranlaſſen ,
oder , mit angehängtem Rommandoſignale , einen beliebigen
Theil der Truppe aviſiren , und als denjenigen bezeichnen ,
deur die Befolgung des beigefügten Kommando - Signales
zutonımt; dann in Kommando- Signale, welche die
Ausführung irgend einer Handlung oder Bewegung ans
ordnen.
Die Aviſo -Signale oder Rufe ſind folgende: 795 .
» Kette «
» Unterſtüßung*
zur Benennung der betreffenden
» Reſerve
Theile.
»Rechter Flügel«
» Einker Flügel
Durch das Anhängen des Signals : » Rechter Flügel“ 796 ..
ober » Linker Flügel« an eines der erſten drei Signale
ergibt ſich die Benennung einzelner Theile der Rette, der Uns
terſtüßungen und Reſerven .
AIS Kommando -Signale, über deren Anwens 1797.
bung , ſo wie über die Ausführung der durch ſolche angeord
200
neten Bewegungen , die nähere Belehrung in den ſpätes
ren SS . vorkommt, werden die folgenden feſtgeſeßt :
» Porwärts « (der Generalmarſd der Grenas
diere) das Zeichen zum Vorrücken und zu jeder Beres
gung vorwärts .
Halt« (der K a ſt) das Signal zum Einſtellen jeder
Bewegung. .
Barück « (die Retraite) zum Rückzuge , und zu jes
der rüdgängigen Bewegung.
» Rechts« (die Tagwache) zum Seitenmarſche rechts,
und zu jeder Bewegung dahin .
» Links“ (der Schanzſtreich) zum Seltenmarſche
links , und zu jeder Bewegung in dieſer Richtung.
fener« (Ein doppelter Streich) zum Beginnen
des Feuerns.
» Feuereinſtelle: « ( Z w ei Ruder), deſſen Bedeutung
vergibt ſich von ſelbſt.
Auflöſen « (Ein Ruđer und vier einfache
Streiche) bedeutet im Allgemeinen » Auflöſen in die Kette,«
- ſei es aus einem geſchloſſenen Zuge , Klumpen , oder
aus unregelmäßigen Haufen nach einem ſtattgehabten Sturme.
» Sammelu « zum Ralliren der Plänklerkette in den
Zug , auch zu der Vereinigung mehrerer kleineren Klum
pen in einen größeren . Wird dieſes Signal dreimal uns
mittelbar nach einander geblaſen , ſo bedeutet es front
räumen « .
Bei den bloß mit Tambours verſehenen Truppen wird
zum Kalliren der aus den Unterſtüßungs - Abtheilungen
formirten Kette der Raſt-, zum Fronträumen der
Allarmſtreich geſchlagen .
» Öffnen « zum Erweitern der Intervalle der Kettens
glieder.
201
> Schließen « zum Berengern der Intervalle der Kettens
glieder.
Sturr « (der Sturmſtreich) das Signal zum An
griffe mit dem Bajonete.
» Klumpen « (der Ruf) zum " Formiren der Klumpen .
» Ablöſung“ zur' Ablöſung der Plänklerkette.
>>Verſtärkung« (Ein halber Ruf und drei dop
pelte Streiche, oder der Feldwebelſtreich zur
Verſtärkung der Plånklerkette. Wird dem Hornſignale: »Per
ftärkung« jenes : » Zurõda angehängt, oder derKorporal
ftreich (Ein halber Ruf und zwei doppelte
Streiche) geſchlagen , ſo bedeutet dieß die Einziehung der
Verſtärkung.
„ Pergatterung“ (Vergatterung) das Signal zur
Kalirung der ganzen Truppe.
» Beſtyleunigung“ (Eilſtre i ch ). Wird dieſes Sigs
nal an was immer für ein anderes , welches eine Bewegung
andeutet , angehängt , oder während einer Bewegung ge
blaſen , bezüglich getrommelt, ſo muß dieſe im Lauftritte
ausgeführt werden . Wird aber dieſes Hornſignal dreimal,
ohre Pauſen wiederholt - geblaſen , oder der Eilſtreich etwas
andauernder geſchlagen , ſo muß die Bewegung im vollen
Laufe erfolgen .
Die Signale: » Feuer « und » Feuereinſtelleu « werden 798 .
auf den Ererzirpläßen angewendet , um die Momente zu
bezeichnen , wenn die Plänkler ihr Feuer beginnen oder eins
ſtellen ſollen . Vor dem Feinde oder bei Feldübungen aber
werden ſich dieſe Momente in der Regel aus der jeweiligen
Aufſtellung des Feindes ergeben , indem jeder Plänkler nur
dann , und nur ſo lange feuert , als er ſeinen Gegner
mit Wahrſcheinlichkeit zu treffen verinag. Dem Zugs-Kom
mandanten wird zur Pflicht gemacht, ſogleich das Feuer ein
202
ſtellen zu laſſen , wenn ſich der Feind in ſolcher Entfernung
befindet, oder ſo gedeckt ſteht , daß keine Wahrſcheinlichkeit
ihn zu treffen vorhanden iſt. Dasſelbe hat in ähnlichen Fäl
len auch jeder Unteroffizier bei den in ſeinem Bereiche befinds
lichen Kettengliedern anzuordnen .
799. Es verſtehtſich, daß der Plänkler, — wenn nicht allers
falls im voraus ſchon der ausdrückliche Befehl gegeben wurde,
das Feuer erſt auf das erfalgende Signal : » Fener« (Ein
doppelter Streich) oder den Zuruf: »Feuer !« zu
beginnen , - in einem buſchigen , waldigen und unebenen
Lerrain , bei nebliger Witterung, und überhaupt da , wo die
Ausſicht gehemmt iſt, in der Regel, ſo wie er den Feind auf
Schußdiſtanz anſichtig wird , ſogleich zu feuern hat, auch
wenn das Signal noch nicht gegeben worden wäre.
800. Die den vorſtehend feſtgeſeßten Hornſignalen als gl.ich
bedeutend beigefügten Trommelzeichen haben , wie bereits er
klärt , nur bei jenen Truppen in Anwendung zu kommen ,
welche keine Horniſten in ihrem Stande haben ; und es wird
hier nur noch erwähnt, daß in allen jenen Fällent, für
welche dem Hornſignale kein Trommelzeichen beigefügt iſt,
dieAnordnung der entſprechenden Bewegung jederzeit mittelft
der Stimme zu bewirken ſei.
801. Den Klang jedes der vorgeſchriebenen Hornſignale, bes ,
züglich Trommelzeichen , ſo wie deren Benennung und Bes
deutung , muß jeder Soldat genau kennen , und da ſie die
Stelle der Kommando vertreten , ſo iſt ihm wohl einzupras
gen , daß er ihren ſchnellen und pünktlichen Gehorſam ſchuls
dig ſei. Damit die Signale dein Gehöre und Gedächtniſſe
fich gut einprägen , iſt es ſehr erſprießlich , wenn jeder Sols
dat ſolche pfeifen cder ſingen kann.
203

Zweiter Abſchnitt.
Ausbildung einzelner Kettenglieder.
. S. 64 .
Allgemeine Beftimmungen für die Stellung
der Rettenglieder.
Daß je drei zu einer und derſelben Rotte gehörige Mäns 808.
ner beim Plänkeln die Benennung Settenglied erhal
ten , iſt bereits in Eingange dieſes Hauptſtüdes geſagt
worden .
In jedem Kettergliede ſteht derMann des erſten Olie- 803.
des links , jener des zweiten ſechs Schritte rechts , der
Mann des dritten Sliedes in der Mitte.
Die Entfernung von einem Rettengliede zum anderen 804.
hat unter gewöhnlichen Verhältniſſen 12 Schritte zu bes
tragen ; daher fich der Mann des erſten Gliedes des einen
Kettengliedes von jenem des zunächſtſtehenden in einer Ents
fernung von 18 Schritten befinden wird .
Die hier eventuell feſtgeſepten Abſtände der 805,
einzelnen Männer eines jeden Kettengliedes, ſo wie jene der
Kettenglieder ſelbſt, ſind jedoch keineswegs als unabänder
lich 3!1 betrachten ; ſie bleiben vielmehr durch die jeweilige
Beſchaffenheit des Terrains, welchen Sie Pläntler zu ihrer
Dedung benüben müſſen , mannigfaltigen Modifikationen
unterworfen .
Finden z. B . die drei Männer eines Kettengliedes Ge- 806.
legenheit, ſich in gedrängter Stellung hinter irgend einem
Terraingegenſtande zu decken , ſo dürfen ſie dieß ja nicht
etwa aus dem Grunde verabſäumen , weil ſie in der Regel
auf drei Schritte Entfernung von einander ſtehen ſollen .
204

Eben ſo wenig ſind ganze Kettenglieder, wenn ſie auf einige


Schritte vors , feit- oder rückwärts Gelegenheit zur Decung
finden , an das genaue Einhalten der Diſtanz vun dem
nebenſtehenden Kettengliede gebunden ; ſondern ſie können
nach Umſtänden davon abweichen .
807. · Es erſcheinen deinnach die für die Plänkler und Kets
tenglieder vorgeſchriebenen Abſtände nur in ſo ferne bindend,
als ohne derlei Feſtſeßungen die Plänklerkette jedes
Zuſammenhanges ermangeln würde, ſomit nicht
geordnet nach einer beſtimmten Direktion geleitet werden
könnte.
808. In manchen Fällen , z. B . wenn es ſich um das Durch
ſtreifen ausgedehnter Terrainſtreden handelt , läßt man die
Plänkler und Rettenglieder gleich bei ihrer Auflöſung versLa

hältnißmäßig größere Abſtände nehmen , und es können


hierbei die Männer des erſten Gliedes , — wenn es nöthig
iſt , — bis auf 36 Schritte von einander geſtellt rerden ;
während die Männer jedes Kettengliedes unter ſich die Abs
ſtände ebenfalls vergrößern , jedod; in keinem Falle weiter
als 5 bis 6 Schritte von einander ſtehen dürfen .
809. In anderen Gelegenheiten kann aber auch eine gedräng
tere Aufſtellung der Pläntler , . B . bei Beſeßung einer
Mauer, Hecke u. dgl. nothwendig erſcheinen , wo dann die
Kettenglieder geringere Entfernungen erhalten , und in Fäl
Ien wo es ſich um hartnädige Vertheidigung von Örtlichkeis
ten , wie z. B . der vorſpringenden Spiße eines Waldes ,
eines Hohlweges u . ſ. w . handelt, ſelbſt ſo enge geſtellt
werden können , daß die Männer des erſten Gliedes blos
fünf oder gar nur drei Schritte von einander entfernt find ;
wobei dann die Diſtanzen zwiſchen den Kettengliedern ganz
aufhören und die Plänkler, Mann an Mann faſt geſchloſſen ,
ſtehen werden .
205
So oft man daher die Kette mit größeren oder gerin- 810.
geren , als den für gewöhnliche Verhältniſſe feſtgeſeßten Abs
ſtänden bilden will, iſt die Schrittzahl, aufwelche die Män
ner des erſten Gliedes von einander zu ſtehen kommen rols .
Ien , im Avertiſſement zur Formirung der Kette, und zwar
vor dem Kommando : »Marsch !« auszuſprechen .
S . 65.
Gegenſeitige Unterſtüßung der Plänkler, ing
beſondere der zu einem Kettengliede gehöris
gen Männer.
Die Plänkler überhaupt, insbeſondere aber die zu einem 811.
und demſelben Kettengliede gehörigen Männer, müſſen ſich in
jeder Gelegenheit wechſelſcitig unterſtüßen , d. h . ſie benüßen
die vorhandenen Terraingegenſtände gemeinſchaftlich zu ihrer
Dedung, ſtehen einander in jeder Gefahr mit Entſchloſſen
heit bei , und dürfen ſich nie ſo weit von einander entfer
nen , daß einer oder der andere ſich ſelbſt überlaſſen bleibe , .
ſomit außer dem Bereiche der wirkſamen Unterſtüßung ſeiner
Kameraden fäme.
Wird ein Mann des Rettengliedes kampfunfähig , ſo 812.
unterſtüßen ſich die beiden Übriggebliebenen auf ähnliche
Weiſe wie früher zu dreien ; ſind zwei Männer außer Ges
fecht geſeßt, ſo ſchließt ſich der Übriggebliebene an das nächſte
Rettenglied.
Beim Feuern iſt es Grundſat, daß die drei zu einem 813.
Kettengliede gehörigen Männer ihre Gewehre nie auf einmal
asfeuern , ſondern immer wenigſtens ein Mann mit dem
ſchußfertigen Gewehre in Bereitſchaft bleibe , um ſeine im
laden begriffenen Kameraden zu ſchüßen . Daß der Plänkler,
insbeſondere aber der Sdjüße nur dann ſchießen ſoll, wenn
er ſeinen Schuß wirkſam anzubringen vermag, iſt bereits
geſagt worden .
206
814. Übrigens fol der Pläntler ſein Feuer vorzugsweiſe auf ..
die feindlichen Offiziere, die am fühnſten voreilenden
Plänkler , und die etwa im Schußbereiche 'ſtehenden ge
foloſſenen Abtheilungen richten . Hat er ſid; feindlichen
Gef dyüßen genähert, ſo wird er , je nachdem ſolche in der
Bewegung begriffen find, oder ſtille ſtehen , im erſteren Falle
die Pferde, im lekteren aber die bedienenden Artilleriſten zum
Zielpunkte wählen .
815 . Beim Feuern auf der Stelle beginnt in der
Regel der Mann des erſten Gliedes , und ladet gleich nady
angebrachtem Schuſſe ; ſo wie er den ladſtod zieht , feuert
jener des zweiten , und unter denſelben Beobachtungen
hierauf jener des Dritten Gliedes . Auf dieſe Art wechſeln .
ſie dann im Feuern ab .
816. Son von der Stelle aus ſogleich das Feuern im
Avanciren begonnen , oder während des Vorrüdens in das
Feuern übergegangen werden ; ſo eilt der Mann des erſten
Gliedes auf 10 bis 12 Schritte vor , ſucht ſich hinter einem
Terraingegenſtande zu beden , und ſeinen Schußmit möglichs
fter Wirkſamkeit anzubringen . Seine beiden Kameraden rüden
langſam nach , und wenn ſie in gleiche Höhe mit dem vor
geeilten Manne gelangt ſind, geht zuerſt jener des zweiten ,
dann der des dritten Gliedes , raſcher aufweitere 10 bis 12
Schritte vor. Dieſes Verfahren wird während der ganzen
Dauer der Vorrüdung befolgt.
817. Soll während des Feuerns auf der Stelle zum
Feuern im Avanciren übergega: gen werden , ſo eilt jener
Mann vor, an welchem die Reihe zum Feuern ſteht.
818. Iſtwährend des Feuerns im Avanciren die Vorrüs
dung eingeſtellt worden , ſo ſuchen ſich die Männer jedes Rets
tengliedes in der Regel auf jener Liniemöglichſt gebedt auf
zuſtellen , auf welcher ſich der dem Feinde zunächſt ſtehende
Mann befindet. Vortheilhaftere Dedungsgegenſtände auf
207
einer anderen , etwas vor- oder rüdwirts liegenden Linie,
bebingen jedoch Abweichungen von dieſer Kegel.
• Wird während des Vorrüdens das Feuer eingeſtellt, ſo 819.
rüden die Mänrer jedes Rettengliedes in Ein Glied vor,
und der Marſch wird ununterbrochen fortgeſeßt. Sollen das
Feuer , und der Marſch vorwärts eingeſtelltwerden , ſo for
mirt fich die Kette auf der die meiſte Dedung bietenden
Linie.
Beim Feuern im Retiriren eilt der Mann des 820 .
dritten Gliedes, nachdem er ſein Gewehr auf einen der am
fühnſten vordringenden Feindeabgefeuert hat, auf ungefähr40
Schritte hinter die Kette zuräd , ſucht irgend einen Terrains
gegenſtand zu ſeiner Dedung, ladet ſein Gewehr, und bleibt
dort zur Aufnahme ſeiner noch vorwärts befindlichen Kames
radea ſtehen . Hat jener Mann ſeinen Aufſtellungspunkt er
reicht, ſo feuert derMann des erſten Gliedes , und verfügt
fich hierauf ſogleich zu dem zuerſt zurüdgegangenen ; hat
endlich auch dieſer den rúdkwärtigen Auftellungspunkt erreicht,
ſo feuert der Mann des zweiten Gliedes und eilt dann
gleichfalls zu den beiden anderen zurüd ; wodurch ſich die drei
zu einem Rettengliede gehörigen Männer wieder vereint bes
finden .
Dieſes ſucceſſive Feuern , Zurüdgehen und neuerliche 821.
Sammeln der Männer jedes Kettengliedes, wird im Vers
folge des Rückzuges immer wiederholt, und die Männer des
erſten und zweiten Gliedes haben hierbei den des dritten Glies
des als denjenigen zu betrachten , an welchen ſie ſich anzuſólies
ßen , und, durch ihn geleitet, in Verbindung mit den neben
ſtehenden Rettengliedern zu bleiben haben . Iſt die Kette
ſchon im Feuern auf der Stelle begriffen , und es
wird der Rüdzug angeordnet ; ſo hat jener Mann , an wels
dem die Reihe zum Feuern ſteht, ſeinen Sdnß anzubrins
gen , und den Rüdzug nach Nr. 820 zu beginnen .
208
822. Wird der Küc :ug eingeſtellt , ſo verbleibt von jedem
Rettengliede der dem Feinde zunächſt ſtehende Mann unver
tüdt auf ſeinem Aufſtellungspunkte , während die rückwärts
befindlichen Männer bis auf gleiche Höhe mit ihm vorrücken .
823. Findet während des Rüdzuges das Einſtellen des
Feuers ſtatt , ſo vereinigen ſich die Männer jedes Ketten
gliedes , im Zurüdgehen , in eine Linie.
824. Beim Seitenmarſche wird das Feuer in jedem
Kettengliede auf ähnliche Weiſe unterhalten , wie es beim
Feuern auf der Stelle vorgeſchrieben wurde. Zum Feuern
tritt immer jener Mann , an welchem die Reihe zum Schie
ben ſteht, Einen Schritt aus der Linie der Kette auf jene
Seite hinaus, wo ſich der Feind befindet, - bringt ſeinea
Schuß an , und ſucht dann wieder ſeine Eintheilung zu
gewinnen .
I 825. Das Feuern während der Zieņung vorwärts
unterſcheidet ſich von dem im Asanciren nur dadurdy,
daß der zum Schuſſe voreilende Mann , ſtatt gerade vorzu
gehen , ſich rechts oder links ſeitwärts zieht, wohin ihm auch
die zurückgebliebenen zwei Kameraden langſam nachfolgen .
826 . Beim Feuern während der Ziehung in Res
tiriren gilt in Bezug auf den Anfang und auf die Abs
nahme des Feuers dieſelbe Vorſöhrift wie bei dem ſenkrech
ten Rüdmarſche ; jedoch hat der nach dem Schuſſe zu
rüdeiſende Mann , - da er mit verkehrter Front marſchirt —
fich bei der Ziehung rechts, - links , bei der Ziehung
links aber rechts zu ziegen .
827. Die Ausbildung der Rettenglieder bezüglich ihres Bee
nehmens in jeder Terrain -Gattung, dann der Wechſelunters
ſtüßung während des Feuers , muß möglichſt gründlich , das
her einzeln oder zu zwei , höchſtens drei Rettengliedern ſtatts
finden , weil man ſich in der Folge bei Auflöſung größerer
209
Abtheilungen in eine Pläxklerkette nicht mehr mit dem Des
tailunterrichte befaſſen kann.
Schließlich wird hier noch erwähnt, daß das Benehmen 828 .
der Plänkler zur Vertheidigung gegen einzelne feindliche
Heiter im nachfolgenden Hauptſtüce, nämlich bei der Lehre
des Bajonetfechtens vorkommt.

Dritter Abſchnitt.
Auflöſung geſchloſſener Abtheilungen in eine Plänklerkette
und Bewegangen derſelben .
Erſt wenn Sie einzelne Ausbildung des Soldaten für 829.
feine Verwendung als Plänkler, ſo wie jene der einzelnen
Kettenglieder hinreichend vorgeſchritten iſt, wird zu der Auflö
ſung ganzer Abtheilungen in eine Plänklerkette geſchritten .
Dieſe kann entweder von der Stelle aus, oder 830.
vor w ärts geſchehen ; je nachdem die aufzulöſende Abtheis
lung ſich ſchon auf der Linie befindet, aufwelcher die Plänks
lerkette forunirt werden , oder aus einer rüdwärtigen Aufſtel
Tung erſt dahin rüden ſoll. In beiden Fällen kann die Auf
löſung rechts, links, oder von einer beliebigen mitts
Teren Rotte aus ſtattfinden.
Die Wahl des Zeitpunktes zur Formirung 831.
der Kette hängt von Umſtänden ab. In der Regel hat ſolche
außer dem Bereiche des feindlichen Feuers zu geſchehen . Ein
zu frühes Auflöſen der Truppe in Plänkler, naments
lich in einer offenen Gegend , und bevor man noch die Auf
ſtellung des Gegners kennt, iſt zwedlos und oft zeitraubend.
Unter ſolden Umſtänden rückt die eventuell zum Plånkeln
beſtimmte Abtheilung in geſchloſſener Ordnung vor , und es
werden blos einzelne Leute auf 100 bis 150 Schritte vors
und ſeitwärts entſendet, um den Feind aufzuſuchen , oder
deffen Stellung zu erſpähen . Stoßeri dieſe auf den Feind,
Abrichtungs-Regl. f. d. Inft. 14
210
To erſtatten ſie hiervon die Meldung, worauf der Abtheilungos
Kommandant die Formirung der Plänklerkette auf eine dem
Terrain und der Stellung des Gegners entſprechende Weiſe
anordnet. In durchſchnittenem Boden , in Waldungen , hoger
Frucht u .dgl. kann die Auflöſung in Plänkler wohl auch ſchon
vor Ausmittlung der Stellung des Feindes geſchehen. In
ſolchen Fällen erſcheint dieſe jedoch nicht unbedingt als eine
Gefechtsformation , ſondern als Mittel, den feine freie
Ausſicht geſtattenden Terrain zu durchſuchen .
833. Ein zu ſpätes Auflöſen der geſchloſſenen Truppe in
Plänkler hat den Nachtheil, daß die Auflöſung unter dem
Feuer des Gegners , alſo wahrſcheinlich mit größerem Ver
lufte ſtattfinden , und überdieß , zur möglichſt ſchnellen Bil
dung der Kette, übereilt werden muß ; wodurch die Ordnung
gefährdet, die Mannſchaft erhißt, ſomit zum ruhigen und
richtigen Zielen und Treffen minder geeignet wird.
833. Es bleibt demnach die Sorge des Kommandanten der
zum Plänkeln beſtimmten Abtheilung , die Auflöſung ſtets
zur rechten Zeit , d. h . mit Rüdſicht auf den Zweck
und die jeweiligen Verhältniſſe anzuordnen .

$ . 66 .

Formirung der Rette von der Stelle aus. -


Feuern derſelbeit.

834. Die Formirung der Rette von der Stelle aus erfolgt,
- wie bereits geſagt, - in jenen Fällen , wo fich der zur
Auflöſung beſtimmte Zug bereits auf der linie befindet , auf
welcher die Plänkler aufgeſtelltwerden ſollen , wie z. B . an
einem Graben , an einer Hede, einem Waldrande u . 1. w .,
oder wenn es fich darum handelt , eine vordere , im Rüd
zuge befindliche Kette aufzunehmen und abzulöſen .
211
Zur Formirung der Kette von der Stelle aus rechts 835.
Plan
avertirt der Kommandant: VII.
» In die Kette - rechts !“
Auf dieſes Avertiſſement, und zwar auf das betont aus
zuſprechende leßte Wort, nimmt die Mannſchaft — ſowohl
hier , als in der Folge bei jeder Auflöſung in die Rette
– die Gewehre ſogleich in die Balance. Sodann wird
kommandirt :
» Rechts — um l« »Marsch !« ; worauf mit Aus- 836 .
nahme der linken Flügelrotte und des an derſelben angeſchloſ
ſenen Unteroffiziers des erſten Gliedes , Alles rechtsam macht,
austritt , und ſich auf nachſtehende Art in die Rette auflöſt :
Der Mann des erſten Gliedes der zweiten Rotte vont
linken Flügel macht 18 Schritte , die er gleich beim ers
ften Austritte zu zählen anfängt, klopft nach hinterlegtem
achtzehnten Schritte dem vor ihm marſchirenden Manne des
erſten Gliedes , zum Zeichen , daß er ſeine erforderliche Dis
ſtanz abgeſchritten habe , mit der linken Hand auf die Pa
trontaſohe, oder den Lorniſter , und herſtellt fich gleichzeitig
mittelſt der Linksum -Wendung in die urſprüngliche Front.
Sobald der Mann der dritten Rotte den Sólag auf die
Patrontaſche oder den Torniſter fühlt , zählt er ebenfalls
18 Schritte, nach deren Hinterlegung er ſeinem Vormanne
das nämliche Zeichen gibt , und fich links herſtellt. Dasſelbe
befolgen ſucceſſive alle andern Männer des erſten Sliedes ,
wodurc ſie ſämmtlich auf 18 Schritte Abſtand von einander
zu ſtehen kommen . Die Männer des zweiten und brits
ten Gliedes bleiben während der Seitenbewegung gegen den
Mann des erſten Sliedes hin geſchloſſen . Sobald fich der
ſelbe herſtellt , thun ſie ein Gleiches , und gehen hierauf uns
mittelbar aus der Rottenſtellung in jene des Rettengliedes
über; nämlich derMann des zweiten Gliedes ſtellt fich auf
fechs Schritte rechts von jenem des erſten Gliedes , der
14 *
212
Mann des dritten Gliedes aber zwiſchen dieſe beiden in die
Mitte , und alle drei nehmen ihre Gewehre ſogleich in die
für die Plänkler vorgeſchriebene Lage. Bei der linken Flüs
geirotte , welche nicht von der Stelle rüdt, erfolgt der
Übergang in die KettengliedsStellung , ſobald fich
durch den Seitenmarſch der nebenſtehenden Rotten der hier:
zu nöthige Kaum ergibt.
837. Der am rechten Flügel des Zuges im erſten Gliede
eingetheilte Unteroffizier leitet die hinter ihm marſchirende,
in der Auflöſung begriffene Reihenfolonne, und zwar ents
weder in der Verlängerung der vorigen Frontlinie, oder längs
eines etwa zur Aufſtellung der Kette gewählten Terrain
gegenſtandes , als : eines Kavins, Grabens, Waldrandes
u. f. w .
838 . Die im dritten Sliede eingetheilten Unteroffiziere
ziehen ſich gleich beim Antritte des Reihenmarſches rechts
ſeitwärts aus ihrer Eintheilung heraus, und überwachen die
ſucceſſive erfolgende Aufſtellung der Kettenglieder, ſo wie
das Einhalten der vorgeſchriebenen Abſtände.
839. Iſt die Kette formirt , ſo ſtellen ſich dic Unteroffiziere
des erſten Gliedes auf einige Schritte hinter die betreffenden
Flügel-Kettenglieder ; jene des dritten Gliedes aber nehmen
ihre Aufſtellung auf 10 - 12 Schritte hinter der Rette der
geſtalt, daß fie ſolche gut überſehen , ſomit die einzelnen
Kettenglieder gehörig beaufſichtigen können , und ſorgen das
für, daß jeder Mann die ihm zunächſt liegenden Terrain
gegenſtände zu ſeiner Deckung benüße. Der Zugs -Komman-.
dant nimmt ſeinen Standpunkt nach eigenem Ermeſſen
dort, wo er die Bewegungen der Rette am beſten zu überſes -
hen und zu leiten vermag .
840. Bei Formirung der Rette links wird auf das Kom
Plan inando :
VI .
In die Kette - links ! “ „ Links - um !* .
213

»Marsch !« Alles auf die entgegengeſepte Seite volls


führt.
Die Formirung der Rette auf einemittlere Rotte des 841.
Zuges , nämlich rechts und links , findet ſtatt , wenn
man die Kette nach beiden Seiten des Aufſtellungspunktes
des Zuges ausbreiten will. Son dieſes Ausbreiten nach beiden
Seiten gleichmäßig ſtattfinden , ſo iſt bei ungerader Rot
tenzahl die mittlere, bei gerader Kottenzahl nach Belies
ben eine der beiden mittleren Rotten zum Ausgangspunkte
der Auflöſang zu beſtimmen . Will man dagegen der Rette
auf einer Seite eine größere Ausdehnung als auf der andern
geben ; ſo iſt eine – der betreffenden Seite , wo die gerins
gere Ausdehnung der Kette beabſichtigt wird , — näherliegende
Rotte als Ausgangspunkt der Auflöſung zu wählen , und ſo
wie überhaupt in jedem Falle, vorBeginn der Auflöſung vom
Zugs - Kommandanten eigens zu bezeichnen . Sit dieſes ges
ſchehen , ſo erfolgt das Kommando :
» In die Kette rechts und - links!« » Rechts und Plan
links - um !« Hierauf bleibt die vom Zugs - Rommanc VIII .
danten bezeichnete Rotte unverrückt ſtehen , die von ihr !
rechtsſtehenden Rotten machen rechtsum , die linksſtehenden
linksum , und löſen ſich auf das unmittelbar nachfolgende:
»Marsch !« ſofort in die Kette auf.
Die Aufſtellungspunkte für die Unteroffiziere ſind dieſel- 842,
ben , wie bei Formirung der Rette rechts oder links .
Sobald die Entwidlung der Plänklerkette, — dieſelbe 843.
mag rechts, links, auf einemittlere oder jede andere
Rotte ſtattgefunden haben , - vollſtändig erfolgt iſt, muß
ein mittleres Kettenglied als Direktionsskets
tenglied beſtimmt werden , gegen welches alle anderen, bei
ſenkrecht auf die Frontlinie ſtattfindenden , oder nur wenig
davon abweichenden Bewegungen , ihre Richtung zu nehs
men haben.
214
844. Zur Überwachung und entſprechenden Führung dies
res Direktions-Kettengliedes hat jederzeit einer der Unteroffis
ziere des dritten Sliedes beſtimmt zu werden , welcher ſich
auf einige Schritte hinter demſelben aufſtellt, und von dort
aus deſſen Bewegungen leitet ; während die anderen Unter
offiziere ſich mit unermüdeter Thätigkeit ſtets dahin begeben ,
wo ihre Gegenwart nothwendig iſt. Sie müſſen , wie ſchon
erwähnt, jedem einzeluen Manne die vortheilhafteſten Stand
punkte angeben ; darauſ ſehen , daß die Plänkler ihre Ges
wehre mit Ruhe in Anſchlag bringen , ohne übereilung und
nicht auf zu entfernte Gegenſtände ſchießen ; fortwährend auf
die Bewegungen und Abſichten des Feindes aufmerkſam
fein , die nöthigen Gegenanſtalten ſchnell zu treffen verſtes
hen u. . w . Auf die Hornſignale , mittelſt welchen der
Kommandant ſeine Befehle ertheilt , müſſen ſie unausges
reßt Acht haben , und auf deren augenblidliche Vollzie-.
Hung ſehen ; deßgleichen mit unnachſichtlicher Strenge ges
gen diejenigen verfahren , welche ſich etwa aus der Rette ents
fernen wollten .
846 . Soll in der Kette gefeuert werden , ſo benehmen ſich
die drei Männer eines jeden Kettengliedes , ohne Rückſicht
auf die der nebenſtehenden , nach der dießfalls im $. 65
enthaltenen Belehrung.
846 . Die Unteroffiziere , deren Aufmerkſamkeit ſo vielſeitig
in Anſpruch genommen iſt, feuern in der Regel nicht, außer
wenn ſie als gute Schüßen Gelegenheit finden , einen
Feindlichen Offizier niederzuſchießen , oder wenn es ihre pers
ſönliche Veitheidigung erfordert.
- 847. In jenen Fällen , wo die Kettenglieder bei der Auflös
ſung in die Kette größere oder Heinere Abſtände, als die für
gewöhnliche Verhältniſſe feſtgeſeßten nehmen ſollen , muß
diefes auch immer nach Nr. 810 im Kommando hierzu ans
216
gedeutet werden ; z. B . » In die Kette --- rechts ! (links,
rechts und links!)« » Rechts (Links, Rechts und links)
- um !« »Auf 36 (27 , 9 , 5 u . ſ. w .) Schritte —
Marsch !*
Die Entfernungen der Männer des zweiten und dritten 848.
Sliedes von dem erſten ſind für dieſe Fälle gleichfalls in
Nr. 808 und 809 angegeben . .
S . 67.
Formirung der Rette vorwärts. — Feuern
derſelben .
Die Forinirung der Kette vorwärt8 fömmt am häu- 849.
figſten in Anwendung , weil die zur Auflöſung beſtimm
ten Abtheilungen , ſich nur ſelten bereits auf der Linie beſin
den , wo die Kette formirt werden ſoll; ſondern gewöhnlich
erſt aus einer rückwärtigen Stellung bahin beſtimmt werden
müſſen .
: Der zur Auflöſung beſtimmte Zug marſchirt geſchloſſen 850.
bis auf ungefähr 80 Schritte von der Linie , welche von
der Plänklerkette bereßt werden ſoll, vor; worauf die Auflös
ſung nach Umſtänden rechts , links , oder rechts und
links, nämlich auf eine der mittleren oder der inneren Rots
ten ſtattfindet.
Zur Formirung der Kette rechts vorwärts wird koms 851.
Plan
mandirt :
» In die Kette vorwärts - rechts !« »Marsch ! «
Hierauf rücken die linke Flügelrotteund der an dieſelbe
angeſchloſſeneUnteroffizier des erſten Gliedes in geraderRich
tung vor. Alle andern Rotten ziehen ſich während des Mars
fiches dergeſtalt rechts , daß die Männer des erſten Sliedes,
auf 18 Schritte Entfernung von einander zu ſtehen kommen ,
welche Diſtanz hier nicht , wie bei der Formirung von der
Stelle aus , abgeſchritten werden kann , ſondern von den
216
Männern des erſten Sliedes nach dem Augenmaße zu beurs
theilen kommt.
852. Sobald die Rotten vollſtändig entfaltet ſind, und
die für ihre Aufſtellung gewähite , allenfalls durch Terrain
gegenſtände markirte linie erreicht haben , wird das Horn
ſignal » Halt« geblaſen , »Raft « geſchlagen , oder : »Halt !«
zugerufen ; worauf die linke Flügelrotte ſogleich , die ans
dern aber nach Maß , als ſie mit derſelben in eine gleiche
Linie kommen , oder die zu ihrer Dedung günſtigen Terrain
gegenſtände erreicht haben , ſtehen bleiben , und die Männer
jeder Rotte unverweilt in die Rettenglieder- Stellung,
übergeben .
853. Zur Formirung der Rette links vorwärts wird koms.
mandirt :
Plan » In die Kette vorwärts – links !« »Marsch 1 « ;
worauf alles auf die entgegengeſeßte Seite erfolgt.
854. Soll endlich die Kette auf eine mittlere, oder übers
haupt auf eine der inneren Rotten des Zuges formirt wers
den , ſo muß die betreffende Rotte vorerſt vom Zugs-Koms
mandanten bezeichnet werden ; wonach auf das darauf fola
gende Kommando :
Plan » In die Kette vorwärts , rechts und – links!«
V »Marsch !" die bezeichneteNotte in gerader Richtung vors
rüdt, während die von ihr rechts ſtehenden Rotten ſich auf
die bekannte Art rechts , die linksſtehenden aber links int
die Rette auflöſen.
855. Zur Erleichterung der Auflöſung wird es gut ſein ,
wenn der Zugs -Kommandant den an den Flügeln einges
theilten Unteroffizieren die Punkte angibt, wohin die Flügel
der Kette kommen ſollen , damit ſie ſich gleich in jener Dis
rektion hinziehen .
856. Rüdfichtlich der Aufſtellung der Unteroffiziere und ihrer
Obliegenheiten , dann der Beſtimmung eines Direktionss
217
Kettengliedes , nach erfolgter Entwidlung der Rette , ende
lich des Benehmens beim Feuern , gelten die bei Formi
rung der Rette von der Stelle aus dießfalls feſtgeſepten
Regeln .
Die Auflöſung hat in der Regel im Marſchtakte, jedoch 857.
ftets mit Lebhaftigkeit zu geſchehen . Dieſe Gangart wird in
allen Fällen genügen , wo die Formirung der Kette rechts
zeitig angeordnet worden iſt, und bietet den Vortheil,
daß der Mann nicht zu ſehr ermüdet oder erhigt wird , fos
mit für ſeine Verwendung als Plänkler fräftig bleibt, und
die zum richtigen Zielen nöthige Ruhe bewahrt. Sollten es
aber die Umſtände erfordern , die Auflöſung im Lauftritte zu
vollziehen , ſo wird : »Marsch — Marsch !« kommandirt.
In Fällen , wo die Kette mit größeren oder kleineren , 858 .
als den für gewöhnliche Verhältniſſe vorgeſchriebenen Abſtän
den der Kettenglieder gebildet werden ſoll , iſt im Kommando
dazu , analog nach Nr. 746 , vor dem : »Marsch !« die
Anzahl der Schritte auszuſprechen .

S. 68 .

Marſch der Rette vor-, rüds und ſeitwärts. -


Feuern derſelben.
Beim Marſche einer Plänklerkette in gerader Rich- 859.
tung Vor - oder rüc w årts, wird die Direktion ſtets von
Dem mittleren, nämlich dem Direktion 8 - Retten
gliede abgenommen .
DieMitte der Rette, alſo auch das Direktions - Ret: 860.
tenglied, muß etwas vorgeſchoben , die Flügel aber müſſen
verſagt werden , damit leßtere als die ſchwächſten Punkte
nicht ſo leicht vom Feinde bedroht werden können .
Als Zeichen zum Antritte des Marſches vorwärts 861.
wird das Hornſignal: Vorwärts « geblaſen , der Generals
marfa gefslagen , sbersota Zugs-Rommandanten : »Vor
wartet* gugerufen .
80 % , Glerauf rudt die ganze dette gleichzeitig vor , jedes
Rettenglied nimmt ſeine Richtung vom Direktions - Retten:
Ollobe, sono fudit ſeine Diſtanz gegen jene Seitemöglichſt zu
erhalten .
MOA. 2011 mart , baß die Pläntlerleite einen vor der Front
llegenbent, guir Dedung günſtigen , vom Feinde noch nicht
befestent P'erraingegenſtand möglichſt ſchnell erreiche , ſo wers
ben bas Direction 8 - Kettenglied und die demſelben
800 &connebenben Kettenglieder angewieſen , im Lauftritte ober
im wollen Paufe gegen jenen deđenden Terraingegenſtand
worxuriliefert; worauf alle andern Kettenglieder , welche ſtets
Im gleicher Nichtung mit dem Direktions-Rettengliede bleiben
miffent, ein cioco zu thun haben . Hierzu wird in einem
Mamomittenten und buidigen Terrain oder ki mbijem
Meffer, wenn im Fauftritte vorgerudt rais I did
Hadi Mwislesnigung * (Gilitreid ) get ser com
MINH: Marsch - Marsch ! Sand ;
** * Blog ** relleu Sanje ako ne iviaz con
** * * * * ander siden , sc . Laut

Sit at Ini L i . mis see


athindi lama , San I .SE
Si eniten bat

dimt ar amount .
219
oder links zu umgeben trachten , damit fie fich dein Feuer
des Gegners nicht ohne Noth blosſtellen .
Befindet ſich die Kette im Feuer, ſu iſt das Bes 866.
nehmen im Weſentlichen dasſelbe, jedoch haben die Männer .
eines jeden Rettengliedes auch noch die in Nr. 816 bis 819
enthaltenen Vorſchriften , bezüglich ihrer wechſelſeitigen Unter
ſtüßung, zu beobachten.
Soll die Vorrückung eingeſtellt werden , ſo wird das 866 .
Hornſtgnal: » Halt« geblaſen , » Raſt« geſchlagen , oder vom
Zugs-Rommandanten : »Halt !« zugerufen ; woraufdieRette
ſtehen bleibt , und die Männer jedes Gliedes ſich möglichſt
gut zu beden trachten.
Als Zeichen zum Rüdzuge dient das Hornſignal: 867.
» Burück « (der Retraite ſtreich ) , oder es wird : „ Zu
rück !« zugerufen.
Iſt die Rette nicht im Feuer , oder iſt das Feuer 868.
mittelſt des hierzu beſtimmten Hornſignales oder Trommelzeis
dhens eben eingeſtellt worden , ſo macht auf das Signal:
» Burück « , bie ganze Kette zugleid kehrt auch , und bes
nimmt ſich während des Rückmarſches, rücſichtlich der gegen
das Direktions-Kettenglied einzuhaltenden Richtung u . F. w .,
auf ähnliche Weiſe , wie beim Marſche vorwärts. Demnach
wird es auch in Fällen , wo die zurüdmarſchirende Kette
3 . B . einen rüdwärtigen , zur Dedung günſtigen Terrains
gegenſtand ſchnell erreichen ſoll, in einem offenen Terrain ge
nügen ,das Direktions-Kettenglied unddie demſelben
zunächſtſtehenden Kettenglieder anzuweiſen , ſich im .
Lauftritte dahin zu begeben ; weil alle anderen Kettens
glieder hierauf zur Erhaltung der beiläufigen Richtung ein
Gleiches fhun müſſen .
.. Sin ſolches ſchnelles, gleichzeitiges Zurüdeilen der gan- 869.
zen Kette kann vorkommen , wenn dieſe, während des Rüd
zuges in einem durchſchnittenen Terrain , plößlich auf ganz
220
offene, keine Dedung gewährende Stellen kömmt. In einem
ſolchen Falle wird nach Thunlichkeit das Feuer ganz einges
ſtellt , und getrachtet, mit der ganzen Kette ſo ſchnell als
möglich eine rückwärtige, Schuß bietende Aufſtellung zu ges
winnen ; weil es unangemeſſen wäre, in einem offenen Terrain
ohne Noth lange zu verweilen und mit dem gedeckt. ſtehena
den Gegner ein Feuergefecht zu unterhalten .
870. Geſchieht der Rückzug im Feuer, ſo macht auf das
Signal : » Burück « nicht mehr die ganze Kette Kehrt
euch ; ſondern die Männer jedes Rettengliedes gehen nach
Nr. 820 bis 823 ſucceſſive zurück, ſammeln ſich auf ungefähr
40 Schritte rückwärts wieder in Kettenglieder, und treten dann
neuerlich den Rüdzug an .
871. Zur Markirung der Linie , in welcher ſich die Kettens
glieder ſammelit , nämlich wieder aufſtellen ſollen , haben
jederzeit die Unteroffiziere , 'und zwar der des Direktions
Rettengliedes zuerſt , und dann jene, welche hinter den Flüs
geln ſtehen , zurüdzueilen , und einen zur Aufſtellung geeig
neten , ungefähr 40 Schritte von der Kette entfernten Punkt
fürzuwählen .
872. Bildet die Rette einen Kreisbogen , ſo darf der Rüds
zug nicht konzentriſch ſtattfinden , ſondern die Plänkler haben
in gerader , d. h . gegen die Sehne des Bogens ſenkrechter
Richtung zurückzugehen .
873. Erfolgt während des Rückzuges das Signal : » Halt« ,
ſo formirt ſich die Rette auf der vorderſten , nämlich dem
Feinde zunächſtſtehenden Plänklerlinie , und jeder Mann
ſucht fich möglichſt gut zu decken .
874. Die hier beſchriebene Art des Rüdzuges hat übrigens
nur in ſoldhen Fällen in Anwendung zu kommen , wo man
vont Feinde nicht ſtart gedrängt wird ; wogegen bei einem
ungeſtümen Vorrüden des Gegners der Rückzug mit einer
doppelten Kette, - worüber im S . 75 bas Nähere vors
221
fömmt, - angemeſſener erſcheint, mithin auch vorzugsweiſe
empfohlen wird.
· Zum Seitenmarſche rechtswird das Signal:875.
» Hedyts « , (die Tag w a che), zum Seitenmaride
links das Signal: » finks* , (der S d ang ſtreich )
gegeben , oder im erſteren Falle : „ Marsch rechts !“ , in
Teşteren : »Marsch links !« zugerufen . Hierauf vollführt
jeder Mann der Plänklerkette die Wendung nach der bezeich
neten Seite, tritt den Marſch in der dadurch erlangten Rich
tung an , und ſucht den Abſtand von dem vor ihm marſchiren
den Manne oder Kettengliede unausgeſeßt zu erhalten .
Die Direktion des Seitenmarſches , ſo wie die mehr 876 .
oder weniger zu beſchleunigende Gangart , wird von dem an
der Tête marſchirenden Rettengliede abgenommen , welches
der dort befindliche Unteroffizier dem Terrain und den Um
ſtänden gemäß zu führen hat.
Soll während der Seitenbewegung gefeuert werden , 877.
To benehmen ſich die Männer jedes Kettengliedes nach der
in Nr. 824 gegebenen Weiſung.
Wird das Signal: » Halt« gegeben , oder : » Halt !“ zu - 878 .
gerufen , ſo bleibt die Kette ſtehen , und jeder Mann nimmt
ſeine urſprüngliche Front wieder an .
Zu der Zieh ung vorwärts wird dem Signale: 879.
» Borwärts« jenes » Redts« oder » Links“ angehängt, oder
vom Zugs - Kommandanten : »Ziehung rechts! (links!) «
zugerufen .
Zur Ziehung rü dwärts wird das Signal: » Hechts « 880.
oder „ Links « mit angehängtem Signale : » Zurück « geges
ben , oder vom Zuge -Ronmandanten : »Ziehung rechts
(links) rückwärts!« zugerufen .
Die Signale : „ Rechts “ oder „ links behalten hierbei 881.
dieſelbe Bedeutung wie bei der Ziehung vorwärts; da
222
ber alle Männer der Kette die Wendung nach der bezeichneten
Richtung vollführen , und ſogleich die Ziehung antreten .
88%. Dem Unteroffiziere an dem ziehenden Flügel iſt
ein der beabſichtigten ſchrägen Marſchrichtung entſprechender
Gegenſtand als Direktionsobjekt zu beſtimmen , gegen
welches er das Flügel- Rettenglied leitet ; nach welch' legtes
rem ſich alle übrigen Kettenglieder während der Ziehung zu
richten , und ihre Abftände einzuhalten haben .
883. Die hinter der Kette eingetheilten Unteroffiziere, befons
ders die des nachziehenden Flügels , ſeben darauf, daß die
Ziehung ſtets parallel mit der verlaſſenen Frontlinie geſchehe,
der nachziehende Flügel fich nicht vorſchwenke , und daß die
Diſtanzen zwiſchen den Rettengliedern eingehalten werden .
Dieſe Beobachtung wird dann um ſo nothwendiger, wenn die
Ziehung im Feuer ausgeführt wird, oder die Flügel der Kette
zurückgebogen ſind; daher der Kommandant, beſonders ist
einem buſchigen Terrain, wenn es nöthig iſt, » Halt blaſen ,
oder » R a ſt« .ſchlagen , die Ordnung der Kettenglieder wies
der herſtellen , und dann die Ziehung neuerdings beginnen
zu laſſen hat.
884. Wenn die Ziehung in einem , von der ſenkrechten Direks
tion nur wenig abweichenden Winkel vor fichgehen ſoll, ſo iſt
hierzu kein Signal blaſen , bezüglich trommeln zu laſſen ;
fondern der bei dem Direktion 8 -Kettengliede bes
findliche Unteroffizier anzuweiſen , dieſes Rettenglied auf das
neu gegebene Direktionsobjekt zu leiten .
885. Soll die Kette aus der Ziehung wieder in die ſenkrechte
Marſchrichtung übergehen, ſo wird hierzu bei der Ziehung
vorwärts dasSignal: » Vorwärts “, bei jener nach r üd
wärts das Signal: » Burück « gegeben , oder vom Zugss
Kommandanten in beiden Fällen : »Grad - aus!“ zugerufen ;
worauf die Leitung des Vor- oder Rüdmarſches wieder vom
Direktions-Kettengliede ausgeht.
223

Geſchieht die Ziehung im Feuer , ſo benefmen fich 886.


die Männer jedes Rettengliedes nach Nr. 825 und 826 .
Wird während der Ziehung das Signal: » Halt« gege- 887.
ben , oder : » Halt“ zugerufen, ſo bleibt die Kette ſtehen ; fand
jedoch die Ziehung nach rückwärts ſtatt , ſo wird bei dem
Halten ſogleich wieder Front gegen den Feind gemacht.
Als Hegel für den Übergang aus einer Marſchrich- 888.
tung der Rette in eine andere wird feſtgeſeßt , daß ein ſols
cher Übergang während der Bewegung und ohne voraus.
gegangenem » Halt« , nur aus dem geraden Vorrüden oder
Rückzuge in die Ziehung , und umgekehrt aus der Ziehung
in die geradeMarſchdirektion ſtattfinden dürfe. In allen an
deren Fällen aber , wo aus dem Vorrüden in eine Seiten
bewegung oder in den Rüđzug, aus einer Seitenbewegung
in den Marſch vorwärts oder zurück, endlich aus dem Rüd
zuge in eine Seitenbewegung oder in das Vorrücken übers
gegangen werden ſoll — gleichviel ob im Feuern oder ohne
ſolches, - muß ſtets vorher die Bewegung durch das Signal:
» Halt« oder den Zuruf: »Halt!* eingeſtellt, und dann erſt
die beabſichtigte veränderte Marſchrichtung mittelft des bes :
züglichen Signales oder Zurufes angeordnet werden .
Übrigens wird bemerkt , daß weder das Einſtellen oder 889.
Beginnen des Feuers einen Einfluß auf die Fortſeßung einer
bereits angetretenen Bewegung ausübt, nod umgekehrt die
Anordnung einer Bewegung das Beginnen des Feuers , oder
das Einſtellen des allenfalls ſehon begonnenen mit ſich führt;
ſondern hierdurch lediglich das Benehmen der Männer in
jedem Rettengliede fich åndert.
S . 69.
Erweitern und Vereu gern der Intervalle
zwiſchen den Kettengliedern. •
Die Kette ftößtwährend ihrer Bewegungen häufig auf890.
Hinderniſſe, welche in ſo ausgedehnter Formation nicht übers
224
ſchritten werden können . In ſolchen Fällen wird daher die
ganze Kette, oder jener Theil derſelben , dem die Hinderniſſe
im Wege ſtehen, die bisherigen Intervalle zwiſchen den Rets
tengliedern verengern müſſen . Das Nämlichemuß auch dann
geſchehen , wenn ein Angriff auf einen , von feindlichen
Plänklern befesten Punkt, von welchem man ſie ſchnell vers
treiben will, beabſichtigt, oder eine hartnäckige Lokalvertheis
digung ohne Beiziehung der Unterſtüßungen , durch die Um
ſtände nothwendig wird.
891. Dagegen wird ein Erweitern der Intervalle eintreten
müſſen , wenn die Kette im Vorrücken an Gebüſche, Wälder,
hohes Getreide u. f. w . gelangt, wo eine Durchſuchung in
weiterer Ausdehnung nothwendig wird.
892 . Dieſes Erweitern oder Verengern der Intervalle kann
von der Mitte aus rechts und links , bezüglich von beiden
Flügeln gegen die Mitte , oder aber bloß nach einer Seite
hin ausgeführt werden , und geſchieht auf ähnliche Art wie
die Formirungen der Kette von der Stelle aus und sor
wärts .
893. In einer ſtehenden Rette haben ſich die Kettenglieder,
mittelft der Wendung rechts- oder linksum , durch den Sei
tenmarſch bis auf die nach dem Augenmaße zu beurtheilende
entſprechende Diſtanz zu öffnen oder zu ſchließen ; in einer
vorrückenden , oder im Rüdzuge begriffenen Kette aber ſich ſo
lange rechts oder links zit ziehen , bis ſie die größeren oder
kleineren Abſtände erreicht haben .
894. Die Anordnung zum Erweitern oder Verengern der In
tervalle erfolgt entweder mündlich mittelft des Zurufes :
» Rechts und links öffnen !« » Links und rechts schliessen !“ ,
oder mittelft der Hornſignale: » Öffnen « oder : » Schließen « ,
die , wenn eines derſelben allein geblaſen wird , andeuten ,
daß das Erweitern oder Verengern auf die Mitte zu ge
ſchehen habe.
225
Um aber das Erweitern oder Verengern bloß gegen eine 893.
Seite hin , nämlich rechts oder links anzubefehlen , ruft
der Kommandant entweder zu : » Rechts (links) öffnen !«
oder : » Rechts (links) schliessen !“, oder er läßt dem Sigs
nale : » öffnen « oder jenem : » Sdließen « eines derSignale :
» Rechts « oder : » Links “ anhängen , wodurch angedeutet wird, .
nach welcher Seite hin das Öffnen oder Schließen erfol
gen ſoll.
In der Regel hat, ſowohl auf die Hornſignale als auf896 .
den ergangenen Zuruf, das Erweitern der Intervalle auf das
Doppelte, das Verengern auf die Hälfte ihrer bisherigen
Schrittlänge zu geſchehen . Machen aber die Umſtände eine
Abweichung hiervon nothwendig , ſo müſſen die hinter der
Kette befindlichen Chargen davon verſtändigt werden , welche
dann der Kette durch Zurufen die nöthige Weiſung zu geben
haben ; oder es kann auch , wenn das zuerſt angeordnete Ers
weitern oder Verengern ſchon im Zuge iſt , das bezügliche
Signal wiederholt werden , was dann bedeutet , daß das
Erweitern oder Verengern in hölerem Grade ſtattfinden ſoll.
In den meiſten Fällen werden die Chargen ſchon aus 897.
der Veranlaſſung zum Erweitern oder Verengern der Ins
tervalle entnehmen können , welcher Grad des Erweiterns
oder Verengerns nothwendig eintreten müſſe , um hiernach
die Kettenglieder anzuweiſen ; wie z. B . wenn ein An
griff mit dem Bajonete bevorſteht , oder wenn die Terrainges
ſtaltung ein Ausdehnen oder Zuſammenziehen der Kette noth
wendig macht u . f. w .
überhaupt haben die Unteroffiziere hierbei ihre Auf- 898.
merkſamkeit auf die obwaltenden Verhältniſſe zu richten , mit
einer gewiſſen Selbſtſtändigkeit einzuwirken , und beſonders
während des Erweiterns und Verengerns der Intervalle int
Marſche, darauf zu ſehen , daß die parallele Vorrüfung
mit der verlaſſenen Frontlinie ununterbrochen erhalten
Abrichtungs -Regl. f. 8 . Iuft. 15
826
werde, und daß nicht ein oder der andere Flügel vors
prelle.

. S . 70.
Vor- oder Zurücnahmeder Flügel der Rette.
899 . In Fällen wo man die ganze Kette, oder einen Theil
derſelben , eine ſchräge Linie annehmen laſſen will, wie z. B .
um einen in ſolcher Richtung vor oder hinter der Front lies
genden günſtigen Terraingegenſtand zu gewinnen , des Fein
des Flanke zu bedrohen, oder beſſen Stellung zu überflügeln
u . dgl., ordnet der Kommandant die Vor- oder Zurüdnahme
des betreffenden Flügels mittelſt der entſprechenden Horns
fignale oder durch das Zurufen an ; worauf entweder yon
der ganzen Kette, oder von dem bezeichneten Theile derſelben ,
die erforderliche Direktionsveränderung mittelft der Schwen
fung vor- oder rückwärts ausgeführt wird.
900. Während der Bewegung müffen die Plänkler ſucceſſive
die ſchräge Stellung annehmen , und die Rettenglieder ihre
Diſtanzen gegen den Pivot hin , die beiläufige Richtung abet
gegen den ſchwenkenden Flügel fortwährend erhalten ; wors
auf die hinter der Kette eingetheilten Chargen unausgefeßt
zu ſehen haben . Überhaupt hängt die richtige Ausführung
dieſer Bewegung hauptſächlich von der geſchickten Führung
dieſer Chargen ab ; daher ſie hierbei ihre volle Thätigkeit
aufbieten müſſen , um die Kettenglieder der jeweiligen Abs
ficht gemäß entſprechend zu leiten .
901. Soll die ganzeKette eine Direktionsveränderung rechts.
vorwärts vollführen , nämlich der linke Flügel vorgeſcho
ben werden , ſo wird das Aviſo - Signal : » Linker Flügel« ,
und gleich darauf das Signal : » Dorwärts “ geblaſen , oder
die Benennung der Horn -Signale zugerufen . Hierauf ſchwenkt
die ganze Kette , während das qußerſte Kettenglied des rech
ten Flügels den Pivot bildet, ſo lange rechts , bis die bes
227
abſichtigte ſchrägeAufſtellungslinie erreicht iſt, worauf,wenn
dieſc linie nicht ſchon durch einen Terraingegenſtand bezeichs
net ift , das Signal: » Balt« geblaſen , » Raſt« geſchlagen
oder : » Halt!« zugerufen wird.
Beabſichtigt man die ganze Kette eine Direktionsverän- 90 % .
derung links vorwärts ausführen zu laſſen , ſowerden die
Signale: » Hedter Flügel« und : » Vorwärts « geblaſen , oder
die Benennung der betreffenden Hornſtgnale zugerufen ; wors
auf die Linksſchwenkung mit den analogen Beobachtungen
ftattfindet.
Will man eine Direktionsveränderung der ganzen Kette 903.
rechts (links) rüdwårts durd) Verſagen des rechten (lins
ken ) Flügels vornehmen, ſo wird ſolches mittelſt der Signale :
» Redter (linker) Flügel« und : » Burück « , oder durch das
Zurufen der Benennung der betreffenden Hornſignale angeords
net ; wornach die rüdgängige Bewegung analog der für jene
vorwärts gegebenen Regeln , bis zum erfolgenden : » Halt«
ausgefährt wird.
Deßgleichen kann auch die Drehung der ganzen Rette 904.
aufdem Direktions- oder einem andern mittleren Kettengliede
ſtattfinden ; in welchem Falle ein Theil der Rette vors , der
andere aber zurüdgeht, und hierzu durch die bezüglichen Sigs
nale oder Zurufe angewieſen wird.
Soll endlich nur ein Theil der Kette vorgeſchoben oder 905 .
Berſagt, ſomit eine Hakenſtellung argenommen werden , ſo
muß vorerſt dasjenige Kettenglied , welches den Pivot der
Schwenkung bilden ſoll , bezeichnet werden ; worauf der bes
treffende Theil der Kette die Bewegung auf ähnliche Weiſe
vodführt , wie es bei der Direktionsveränderung mit der gans
zen Rette erklärt worden . Durch die entſprechenden Horns
ſignale kann ferner auch ein beliebiger Flügel zum Halten , der
andere zur Vor- oder Zurüđnahme angewieſen werden .
Geſchieht das Vor- oder Zurüdnehmen eines Flügels
15 *
228
während die Kette im Feuern begriffen iſt, ſo kommt zu
bemerken , taß die betreffenden Männer des vor- oder zus
růdzunehmenden Flügels , zum Feuern oder nach abgeges
benem Schuſſe, verhältnißnäßig weiter vor-, oder zurüdges
; hen müſſen , ais die dem Pivot näher befindlichen .
- $. 71.
Angriff mit dem Bajonete.
906. Sollen feindliche Plänkler aus irgend einer vortheils
haften äufſtellung , z. B . aus einem Graben , von einem
Waldrande , einer Hecke u. dgl. vertrieben werden , ſo kann
dieß in der Regel nicht blos durch ein Feuergefedyt er
zielt werden ; weil der durch Terraingegenſtände geſchüßte
Gegner durch das Feuer nur wenig oder gar keinen Scha
den erleidet. In ſolchen Fällen wird demnach zum Angriffe
mit dem Bajonete geſchritten .
907. Hierzu müſſen vor Allem diejenigen Punkte der Aufſtellung
Plan
• des Gegners ausgemittelt und bezeichnet werden , welche einen
Angriff begünſtigen. Gegen jeden dieſer Punktewird einegewiſſe
Anzahl Kettenglieder dirigirt, welche ſich, ſobald das Signal :
» Starm « zum erſtenmal geblaſen , oder der Sturmſtreich
geſchlagen wird, in einen unregelmäßigen Haufen zuſammen
ziehen und zugleich ohne Verzug das Bajonet pflanzen, falls
dieß nicht ſchon auf ein mündliches Aviſo geſchehen wäre. Ob
nur auf einen , oder auf in ehrere Punkte der feindlichen
Aufſtellung der Angriff , ſomit die Vereinigung der Ketten
glieder geſchehen ſoll, hängt von Umſtänden ab; jedenfalls
muß aber getrachtet werden , daß die Plänkler dort , wo ſie
eindringen ſollen , den feindlichen an Zahl überlegen ſeien ,
daher die Plänkler eines Zuges , wenn er nicht ſehr ſtark iſt,
nur in ſeltenen Fällen zu theilen ſein werden .
908. Die Vorrüdung geſchieht auf das Signal : » Dor
wärts,“ bezüglich den Generalmarſch , im lebhaften Marſcha,
tempo , mit dem Gewehre in der Balance , ohne zu
229
feuern ; wobei , uin die Angreifenden zu dem bevorſtehens
ben entſcheidenden Kampfe anzufeuern , während des Vors
rüđens das Starmſignal in etwas mäßigerem , doch lebhafs
ten Marſchtempo als Starmmarſch zu blaſen , bezüglich zu
ſchlagen iſt.
Die Unteroffiziere , oder wenn die ganze Kette gegen 909.
einen Punkt ſtürmen ſoll , der Zugs-Kommandant, bilden
die Vereinigungspunkte für die Rettenglieder , und führen
dieſe gegen die zum Angriffe auserſehenen Punkte.
Auf 50 bis 60 Schritte von der feindlichen Stellung 910.
angelangt, wird das Signal: » Sturm « in möglich it heftigem
Lempo zum zweiten Male geblaſen , bezüglich geſchlas
gen : oder : » Fällt das - Bajonet! « kommandirt ; wors
auf das Bajonet gefällt, und mit Ungeſtüm und Entſchloſſens
heit auf den Feind eingedrungen wird .
Aus dem Geſagten geht hervor, daß jedem Bajonets 911 ,
Angriffe eine entſprechende Dispoſition vorangehen
müſſe, und daher ein bloßes Darauflosgehen und Blaſen oder
Schlagen des Sturmſignales keineswegs hinreicht. Übrigens
hat jede zum Angriffe vorrüdende Plänklerkette , durch das
Nachrüden geſchloſſener Abtheilungen unterſtüßt zu werden ;
worüber iin Ererzir -Reglement das Nähere vorkommt.
Haben ſich die Plänkler in Befiß des vom Feinde ver- 91% .
laſſenen Terraingegenſtandes gefeßt, und ſollen ſich dieſel
ben dort neuerlich in eine Kette auflöſen ; ſo wird das Sig
nal: » Auflöſen « geblaſen , Naft geſchlagen , oder die Auflös
fung mündlich angeordnet. Iſt der Angriff mißlungen , ſo
müſſen ſich die Plänkler ſo weit zurückziehen , bis ſie außer
dem Ertrage des feindlichen Gewehrfeuers gelangt ſind, wors
auf ſte ſich erſt den Umſtänden gemäß neuerlich ordnen .
Wird dagegen ein , von einer Plänklerkette beſefter 913 .
Graben oder ſonſtiger Terraingegenſtand vom Feinde anges
griffen ; ſo ſammeln ſich die Kettenglieder in gedrängter Stel
230

lung auf jenen Punkten , gegen welche der Feind vorrüdt,


damit ſie ihm dort um ſo kräftiger Widerſtand zu leiſten
vermögen.
S. 72.
Formirung der R lumpen zur Vertheidigung
gegen Kavallerie.
914 . Zur Vertheidigung gegen Ravallerie formiren ſich die
Plan IX
• Plånkler , wenn ſte nicht ſchon durch einen Graben , eine
Hecke u . dgl. vor dem Angriffe geſchüßt ſind, in Slumpen ,
. h . fte ſammeln fich in unregelmäßige, kreisförmige Haus
fen . Auf das Hornſignal : » Klampen « , den Trommel
ſtreich : »Ruf«, oder den Zuruf: » Klumpen ! « pflanzen ſos
gleich alle Plänkler das Bajonet und vereinigen ſich im vollen
Laufe in Klumpen . Iſt die feindliche Kavallerie nod ſo weit
entfernt, daß hinlängliche Zeit vorhanden iſt , die Plänkler
in einen Klumpen zu ſammeln , ſo geſchieht dieß in der
Regel dort , wo das Direktions - Kettenglied ſich befindet,
oder in deſſen Nähe. Hierzu find vorzüglich ſolche Punkte zu
wählen , wo ein Baum , eine Grube, ein Graben , ein Erd
Haufen , ein Zaun u. ſ. w . wenigſtens von einer Seite Des
dung gewährt. Der Zugs-Kommandant, an welchen ſich der
vorhandene Horniſt oder Tambour anſchließt , bezeichnet
durch Erhebung des Säbels , oder wenn er ein Unteroffis
zier iſt durch jene des Gewehres , feinen Standpunkt, und
fonach den Ort , wo der Klumpen zu formiren iſt. Um ihn
reihen ſich die Schüßen , und um dieſe ringsumher die übrige .
Mannſchaft – ohne Gedränge -- dergeſtalt, daß ihre Front
einen Kreis nach auswärts bildet. Das Gewehr hält jeder
Mann nach der beim Bajonetfechten zur Vertheidigung ges
ger den mit dem Säbel bewaffneten Reiter
enthaltenen Weiſung.
915 . Was das Benehmer bei der wirklichen Vertheidigung
des Klumpens betrifft , ſo laſſen ſich hierüber keine bindenden
231
Vorſchriften geben ; ba dieſes von Umſtänden abhängt, mits
hin dem Urtheile des betreffenden Kommandanten überlaſſen
bleiben muß. Grundſaß bleibt es jedoch , daß die Manns
ſchaft nur auf Befehl des Kommandanten ſchießen dürfe, und
daß das Feuer bis auf den legten Auger blick , wo die feinds
Lichen Reiter nur mehr 40 bis 50 Schritte entfernt find,
aufgeſpart werden müſſe ; weil dieß das geeignetſte Mittel
ift, um dem Gegner zu imponiren , und falls er wirklich
eindringen wollte , ihm cinen empfindlichen Verluſt beis
zubringen .
Nahen fich dem Klumpen nur einzelne Reiter in 916 .
der Abſicht das Feuer abzuloden , ſo läßt der Kommandant
einige gute Schüßen auf 10 bis 12 Schritte aus dem Klums
pen vortreten und auf dieſe Feuern , wobei jedod) vorzugsweiſe
die Pferde zum Zielpunkte gewähltwerden müſſen .
Soll ſich der Klumpen vor-, ſeits oder rücwärts bewe- 917 ,
gen ', um einen zur Vertheidigung günſtigen Aufſtellungs
punkt zu erreichen , ſo geſchieht dieß auf Anordnung des Koms
mandanten . Hierzu tritt derſelbe aus dem Klumpen her
aus auf jene Seite , wohin er zu marſcireu beabſichtigt , ,'
und kommandirt : » Klumpen ! - Marsch !« , »Klumpen
rechts (links) -- Marsch !“ oder : » Klumpen zurück ! -
Marsch !« ; worauf die Mannſchaft ſchultert, die zu der
Ausführung der anbefohlenen Bewegung erforderliche Wen
dungmacht, ſofort austritt, und dem vorausgehenden Kom
mandanten folgt. Dieſer dirigirt nun den Marſch des llums
pens, und die Mannſchaft muß bemüht ſein , demſelben in
möglichſt geſchloſſener Ordnung auf dem Fuße zu folgen .
Hierbei darf jedoch durchaus fein gedrängtes , den 918 .
Marſd nur erſchwerendes Beiſammenbleiben der Leute gefors
dert werden , indem die Bewegungen des Klumpens doch
uur bei einiger Entfernung der feindlichen Reiterei ausges
führt werden können ; ſomit immer hinlängliche Zeit erübrigt,
232
um auf das Kommando : » Halt! Front!« die zur Vers
theidigung erforderliche geſchloſſene Stellung anzunehmen .
Ein zaghaftes Schleichen während der Bewegung würde nur
den Marſo verzögern , und überdieß den Muih des Gegners
ſteigern .
919. Erſcheint die feindliche Reiterei ſo plößlich , daß die
Zeit nicht hinreichen dürfte , um die ganze Kette in Einen
Klumpen zu verſammeln , ſo vereinigen ſich je zwei , drei
oder vier Kettenglieder ; wozu die Unteroffiziere die Vereini
gungspunkte martiren , und ſich in der Mitte der Klumpen
aufſtellen.
980. Das Benehmen bei der Vertheidigung und Bewegung
dieſer kleinen Klumpen iſt dasſelbe , wie bei der Formis
rung eines einzigen , aus dem Zuge gebildeten Klumpens
erklärt worden . Es wird hier nur noch erinnert , daß ſolche
kleine Klumpen jede Gelegenheit , ſich mit einem anderen
in der Nähe befindlichen Kelumpen zu vereinigen , oder ſich
hinter irgend einem dedenden Terraingegenſtand zu ſchüs
Ben , ſogleich benüßen müſſen .
931. Soll nach erfolgter Entfernung der feindlichen Ravallerie
die Kette wieder formirt werden , ſo läßt der Sommandant das
Signal: » Auflöſen « blaſen , Einen Rucker und 4 eins
fache Streiche ſchlagen , oder aviſirt: » In die Kette!* ;
worauf die Plänkler die früher innegehabte Aufſtellung ein
nehmen , und wenn nichts anderes befohlen wird, das Bajos
net verſorgen.
922. Wird ein in geſchloſſener Ordnung aufgeſtellter Zug von
feindlicher Kavallerie angegriffen , ſo formirt derſelbe gleich
- falls einen Klumpen . Der Zugs -Kommandant aviſtrt, nachs
dein das Bajonet gepflanzt, und die Notten , falls ſie geöffnet
wären , geſchloſſen worden : » In den Klumpen !« ; woraufdie
Männer des dritten Gliedes kehrt euch machen , und ſo
dann die in der Mitte des erſten und dritten Sliedes ſtehens
233
den etwas weniges vor-, die Flügelrotten aber gegen die
Mitte des Zuges etwas zurüdtreten ; dergeſtalt , daß die
Männer des erſten und dritten Sliedes einen zuſammenhän
genden Kreis bilden . Die Männer des zweiten Gliedes fors
miren nebſt den Unteroffizieren einen zweiten , inneren Kreis,
in deſſen Mitte ſich der Zugs - Kommandant mit dem
Horniſten ,bezüglich Lambour,aufſtellt. Die geſammteMann
fühaft nimmt ohne Kommando die Gewehre auf die in
Nr. 914 erwähnte Ant.
Zur Wiederformirung des Zuges erfolgt das Aviſo : 923.
» In den Zug !« ; worauf jederMann ſogleich ſchultert, wieder
die für geſchloſſene Ordnung ihm zukommende Aufſtellung
annimmt, und das Kommando zum Verſorgen des Bajo
netes abwartet.

S. 73.
Rallirung oder Verſammlung der Plånkler
in die geſchloſſene Ordnung.
• Eine der nothwendigſten Eigenſchaften jeder zur Ver- 924.
wendung für das Gefecht in zerſtreuter Ordnung beſtimmten
Truppe beſteht darin , daß diefelbe im Stande ſei, fich aus
der aufgelöſten Ordnung ſchnell wieder in die geſchloſſene
zu formiren.
Die Rallirung der Kette in den Zug geſchieht auf 925 .
das Hornſignal: » Sammeln « ( das Trommelzeichen Vers
gatterung), oder auf den Zuruf des Zugs -Komman
danten : » Sammeln !« ; worauf jeder Plänkler das Ges
wehr in die Balance nimmt, und dorthin läuft, wo der
Hornift bläſt, oder wo der Zuruf erfolgt iſt. Die Formis
rung in den Zug geſchieht nach der im S. 41 gegebenen
Anleitung.
234

S . 74.
: : Räumung der Front.

926. Befindet ſich die Plänklerkette vor einer in geſchloſſes


ner Ordnung aufgeſtellten Truppe, und ſoll die Front dieſer
Truppe möglichſt ſchnell geräumt werden , damit folche un
gehindert auf den anrückenden Feind Feuern oder denſelben
mit dem Bajonete angreifex törne , ſo wird das Signal :
» Sammeln « dreimal ſchnell nacheinander geblaſen ,
(der Allarmſtreich geſchlagen ) , auf welches Zeichen die
Plänkler ſogleich das Gewehr in die Balancé nehmen , und
ſchräge gegen die beiden Flügel der rückwärts aufgeſtellten
Truppe laufen ; ſo zwar, daß ſich alle von dem Direktions
Kettengliede links ſtehenden Plänkler um den linken Flügel,
die anderen , nebſt dem Direktions- Kettengliede , um den
rechten Flügel herumziehen .
927. Beim Anlangen hinter den Flügeln der geſchloſſener
Abtheilung werden die Plänkler geſammelt, geordnet , und
ſofort den Umſtänden gemäß verwendet.

S . 75 .
Ablöſung der Kette.
928 . Bei anhaltendem Plänklerfeuer muß die Rette öfter abs
gelöſt werden , damit ſich die Mannſchaft erholen und die
Gewehre reinigen fönne, ſo wie auch die verſchoſſene Mus
nition erſeßt werde.
WVE .

929. Zur Übung der Ablöſung, ſo wie der in den zwei


nachfolgenden SS. enthaltenen Vorſchriften für die Verſtärs
kung der Kette , dann die Paſſirung eines Defilées , müſſen
ſtets zwei Züge verwendet werden , von welchen abwechſelnd
der eine in eine Plänklerkette aufgelöft , der andere aber auf
835

ungefähr 150 bis 200 Schritte hinter der Mitte der Rette
als Unterſtüßung aufgeſtellt wird. Bei den Friedensübungen
kann dieſe Entfernung nach Umſtänden etwas vermindert
werden , jedoch nicht zu ſehr, weil ſich ſonſt die Truppe an
bieſe fehlerhaften Diſtanzen gewöhnt.
Bei dem als Unterſtüßung aufgeſtellten Zuge müſſen 980 .
jederzeit die Rotten geöffnet , d. h . eine Rotte von der ans
beren auf Einen Schritt Abſtand geſtellt werden ; weil
hierdurch die Beweglichkeit des Zuges in jeder Richtung , ſo
wie in jeder Terraingattung, namentlich in Waldungen , im
Geſtrüppe, bei Paſſirung von Gräben und Beden , beim
Erſteigen ſteiler Ravins u . dgl. , ungemein gefördert wird ;
überdieß auch die Auflöſung in die Kette fchneller und mit
mehr Leichtigkeit als aus der geſchloſſenen Ordnung bewirkt
werden kann .
Dieſes Öffnen findet ſtets auf einemittlere Rotte ſtatt. 931.
Auf das Rommando : »Rechts und links öffnet - euch !«
bleiben die Männer der hierzu beſtimmten mittleren Rotte
ſtehen , während die der rechts von ihnen ſtehenden Rots
ten , ohne eineKörperwendung zu vollführen , ſo lange rechts ,
jene der links von ihnen ſtehenden Rotten aber ſo lange
links ſeitwärts treten , bis erſtere auf einen Schritt Diſtanz
von ihrem linken , lektere von ihrem rechten Nebenmanne
gelangen ; wobei jedoch die Unteroffiziere auf den Flügeln
an ihre Nebenmänner angeſchloſſen bleiben .
Zum Schließen vollführen auf das Kommando : » Links 932.
und rechts schliesst euch !« die Unteroffiziere und die
Männer der betreffenden Rotten die Wendung rechts - oder
linksum , treten ſogleich aus, und ſchließen ſich wieder Ellens
bogen an Ellenbogen gegen jene mittlere Rotte , auf welche
das Öffnen bewerkſtelligt wurde.
Iſt die Aufſtellung des einen Zuges in die Rette, des 933.
anderen aber als Unterſtüßung erfolgt, ſo wird auf das Horn - ,
236
Signal : » Ablöſung“, oder das Aviſo : » Ablösen « auf nachs
folgende Weiſe zur Übung der Ablöſung geſchritten :
934, Der Rommandant des Unterſtüßungszuges weiſet die
mittlere Notte dieſes Zuges an , auf das darauf folgende Koms
mando : » Zur Ablösung ! « » In die Kette vorwärts , rechts
und – links! - Marsch !« in gerader Richtung gegen
das Direktions-Rettenglied der vorwärts ſtehenden Kette vors
zurüden , und ſich daſelbſt derart aufzuſtellen , daß jeder
Mann des neuen Kettengliedes neben den Mann des alten
zu ſtehen komme; während alle anderen Rotten ſich auf die
bekannte Art fächerartig ausbreiten , zu den ihrer Stel
lung entſprechenden Rettengliedern begeben , und ſich dort,
wie für das Direktions - Rettenglied angeordnet , aufs
ſtellen .
935. Der das Direktions - Kettenglied leitende Unteroffizier
· hat fich , wenn die Ausſicht durch Umſtände erſchwert iſt,
vor die Kette zu begeben ; dagegen jener der alten Kette Ers
ſterem anzuzeigen , wohin er das Direktionskettenglied im
Vormarſche zu dirigiren habe.
936 . So wie ein ablöſendes Kettenglied bei dem alten eins
trifft, ſtellt leßteres das Feuer ein , jeder Mann macht fehrt,
eilt auf den nämlichen Plaß zurück, wo der Unterſtüßungszug
geſtanden war , und formirt fich dort in geſchloſſener Ords
nung; wobei ſich die Rotten gleichfalls auf einen Schritt
Abſtand von einander aufſtellen . Wo die freie Ausſicht ges
hemmt iſt , wird dort, wo ſich der abgelöſte Zug ſammeln
ſoll, das Signal : » Sammeln « geblaſen.
937. Sind die Züge ſehr ſtark , ſo kann die Ablöſung auch
theilweiſe , nämlich zuerſt von der einen , dann von der
anderen Hälfte erfolgen ; wodurch beſonders in foupirtem Ters
rain die Aufſicht erleichtert wird, ſomit auch die Ordnung
- beſſer gehandhabt werden kann.
938. Soll eine während des Feuerns im Rüdzuge begriffene
237
Rette abgelöſt werden , ſo formirt auf das Aviſo - Signal:
- Unterfäßang“ mit angehängtem Signal: » Auflöſen,«
(das Trommelzeichen »Ein Kuder und 4 einfache
Streiche) “, der Unterſtüßungszug die Kette von der
Stelle aus rechts und links hinter möglichſt decken
den Terraingegenſtänden ; in deren Ermanglung ſich die Plänks
Jer niederlegen , knieen, oder reßen . Sobald ſich die retirirende
Kette der zur Aufnahme und Ablöſung bereit ſtehenden
aufungefähr 40 Schritte nähert, läßt der Kommandant der
erſteren das Signal: » Feuer einftellen « blaſen (Einen
Ruder ſchlagen ) ; worauf die Plänkler der alten Kette ſo
gleich kehrt machen , und im Lauftritte durchbrechen .
Sobald ſie durchgebrochen ſind, erfolgt das Signal: 939.
* Halt« (»Raſta ), auf welches ſie ſich rückwärts in anges
meſſener Eutfernung bei dem Zugs -Kommandanten ſammeln,
und als Unterſtüßung der neuen Kette im Zuge aufſtellen .
Die neue Rette beginnt das Feuer , ſobald die vor ihr ges
ſtandene ihre Aufſtellungslinie durchſchritten hat.
Wollte man aber , wenn der Féind raſch und mit über - 940.
legenen Kräften vorrüdt, beim Rüdzuge in durchſchnittenter
Gegend nahe hinter einander mit der Front parallel laus
fende, günſtige Terraingegenſtände , Ž. B . Gräben , Baum
reihen , Kavins u. dgl. zu wiederholten Ablöſungen benüßen ,
um dem Feinde immer wieder eine ſchon geordnete neue Kette
entgegenzuſtellen , und auf dieſe Weiſe den Rüdzug mit einer
doppelten Kette fortſeben ; ſo wird , nachdem die retirirende
Kette die zu ihrer Aufnahme bereit ſtehende durchbrochen
hat, das Signal : » Halt« (Raſt) nicht gegeben .
In dieſem Falle haben die Plänkler der alten Kette, mit 941.
Einhaltung der Kettenlinie und ihrer Intervalle, aufungefähr Plan
100 Schritte zurüdzugehen , und ſich ſodann in der ihnen von
dem Zugs -Rommandanten angedeuteten Linie zur Aufnahme
der nunmehr vorwärtigen Rette zu herſtellen . Dieſe bleibt
238
nach übernommenem Feuer womöglich noch ſo lange ſtehen ,
bis die zurüdgegangene Kette den rüdwärtigen Aufſtels
lungspunkt erreicht hat, und tritt dann auf das Sornſigs
nal : » Burüc « (den Retraite ftreich) gleichfalls der
Rückzug an.
942. Auf dieſe Art wird der Rüdzug mit der doppelter
Kette abwechſelnd ſo lange fortgeſeßt, als es die Umſtände
fordern , und es wird hier nur noch erinnert, daß die zurüds
gehende Kette vor Allem trachten müffe, fic hinter deckenden
Terraingegenſtänden aufzuſtellen , daher fte keineswegs ar
das Einhalten der oben eventuell angegebenen Diſtanz vort
100 Schritten gebunden iſt.
943. Soll der Rückzug mit der doppelten Rette eingeſtellt
werden , ſo wird das Signal: » Halt“ geblaſen , (der Rafts
ftreich geſchlagen ); woranf die in dieſem Augenblide
vorne befindliche Kette ſtehen bleibt , die rådwärtige aber
bei dem Direktions-Kettengliede fich als Unterſtüßung in den
Zug formirt.
944. Wird demnach das Signal: » Halt« (R a ft ſtreich )
in dem Augenblicke gegeben , als die urſprünglich vorne ges
ſtandene Kette eben die rückwärtige, aus dem Unterſtüßungss
zuge formirte Plänflerlinie durchbricht, ſo iſt hiermit zugleich
die Ablöſung jener Kette bewirkt worden .

S. 76.
Verſtärkung der Kette.
945. Die Nothwendigkeit der Verſtärkung einer Plänklerkette
· kann eintreten, wenn man den Feind durch die Entwidlung.
eines überlegenen Feuers zum Weichen bringen, oder denſelben
in ſeinem Vorrüden aufhalten will.
946. In einem ſolchen Falle läßt man die Kette, wenn ſie
in einer Bewegung begriffen wäre, vorerſt halten , dann das
239
Hornſignal: » Verſtärkung “ blaſen , bezüglich den Felds
webelftreich (Ein halber Ruf und drei doppelte Streiche)
ſchlagen .
Die mittlere Rotte wird belehrt , in gerader Richtung 947.
gegen die rechts vom Direktions - Rettengliede der vorwärts Plan de
ſtehenden Kette befindliche Intervalle vorzurücken , und fich
daſelbſt aufzuſtellen ; während alle andern Rotten ſich auf
die bekannte Art fächerartig ausbreiten und gleichfalls die
Intervalle ausfüllen , welche ſich rechts von dem ihrer Stel
lung entſprechenden Kettengliede befinden. Hierauf erfolgt
das Kommando : »Zur Verstärkung !« » In die Kette vor
wärts , rechts und – links !“ „Marsch ! « ; worauf
der Zug in die Plänklerkette vorrüdt, und wenn die alte
Kette im Feuern begriffen iſt, vereint mit ſelber das Feuer
ſogleich beginnt.
Iſt die Nothwendigkeit der Verſtärkung der Rette nicht 948 .
mehr vorhanden , ſo läßt der Kommandant die Signale :
> Verſtärkung« und » Burődk « blaſen , bezüglich den Rors
poralſtreich (Ein halber Ruf und 2 doppelte Streiche) ſchla
gen ; worauf die Mannſchaftder früheren — nämlich foon
länger im Feuer geſtandenen Rette fehrt macht,
zurüdeilt, fich auf dem bezeichnet werdenden Plaße bei ihrem
Zugs- Rommandanten ſammelt , und den Zug formirt.

$. 77.
Paſſirung eines Defilées im Vor- oder Rücks
maridhe.
Soll die Plänklerkette ein vor der Front liegendes , 949.
vom Feinde nicht mehr beſeptes Defilée , als : eine Brüde,
einen ſchmalen Damm u . dgl. paſſiren , und fich jenſeits
desſelben gleich wieder ausbreiten ; ſowird das Direktions
Kettenglied in der Richtung jenes Defilées geleitet. Dort
240
angelangt, pafſirt ſolches das Defilée zuerſt, und rüdt dann
in geroder Richtung langſam vor. Nach dem Direktionss
Kettengliede paſſiren die demſelben rechts und links nächſt
ftehenden , und ſo ſucceſſivealle folgenden Kettenglieder das
Defilée, breiten ſich jenſeits desſelben ſogleich wieder facher
artig rechts und links, aus, und nehmen ſofort ihre Richtung
und Diſtanz von dem Direktions- Rettengliede ab.
950. Stößt eine Plänklerkette während des Rückzuges auf
Plan IX ,
" ein Defilée , z. B . eine Brüde, ſo múffen bei Annäherung
an dasſelbe die beiden Flügel der Kette dergeſtalt verſagt
werden , daß ſie ſich an das rúd wärtige , nicht zu übers
dreitende Hinderniß ftüßen , ſomit die ganze Kette vor
der Brüde einen Halbkreis bilde. Aus dieſer halbkreisförmis
gen Stellung wird , nachdem von der die Brüde bereits
paffirten geſchloſſenen Unterſtüßungsabtheilung das jenſeitige
Ufer zu beiden Seiten der Brüde mit einer Plänklerkette
zur Aufnahme der Vorwärtigen befeßt wurde, der Rüdzug
auf die bekannte Art fortgefeßt. Nach Maß als hierdurch
der Halbkreis fich verkleinert, brechen von beiden Seiten die
Flügel-Kettenglieder ab , eilen über die Brüde zurück , und
formiren ſich rückwärts in geſchloſſeneOrdnung . Dieſes ſucs
ceſſive Abbrechen und Zurückeilen der Flügel - Rettenglieder
wird durch die auf den Flügeln eingetheilten Unteroffiziere
überwacht und ſo lange fortgeſeßt, bis die ganze Rette das
Defilée paffirt hat. Es unterſcheidet ſich demnach die Art
ein Defilée im Vorrücken zu paſſiren , von jener im Rüds
zuge, dadurch , daß im erſteren Falle die Mitte vorausgeht,
im lekteren aber die Flügel ten Anfang machen und die
Mitte ſchließt.
Menn jedoch die Örtlichkeit hinter dem Defilée es nicht
Plan X .
Fig . 1 : erlaubt, daß die dahin zurüdgegangene geſchloſſene Unterſtü
bungs - Abtheilung ſich in eine Plänklerkette , zur Aufnahme
der im Rückzuge begriffenen ausbreite, im Gegentheile ſo bes
241
fchaffen iſt, daß ſie nur das Aufſtellen einer Abtheilung in ges
fohloſſener Front, vielleicht mit Poſtirung einiger Schüßen
rechts oder links , geſtattet, und nur in dieſer Formation dem
Andringen des Feindes Widerſtand geleiſtet werden kann,
fo hat die Unterſtüßung, hinter welcher die Kette fich fams
melt , einen zu längerer Vertheidigung geeigneten Punkt 311
beſeßen , und dieMänner des dritten Oliebes , vorzugsweiſe
die Schüßen , auf einer Seite allein , oder auf beiden Seiten
getheilt, hinter deckende Gegenſtände aufzuſtellen , um das
Feuer aus der Front zu unterſtüßen .
1 Nach gänzlich erfolgtem Küđzuge der Kette iſt bei 952.
Annäherung des Feindes auf die wirkſame Schußweite nach " .
S. 39 das Gliederfeuer , und gleich darauf der übers
gang ins Einzelnfeuer , oder nach Umſtänden auch ohne dem
Erſteren gleich das Leßtere zu kommandiren , und ſo lange
damit fortzufahren , als es die Gefechtsverhältniſſe zulaffen ,
ohre durch zu langes Verweilen Gefahr zu laufen , bei dem
beabſichtigten weiteren Rüdzuge in den Flanken angegriffen
zu werden .
Wenn ſodann dem Andrange des Feindes kein weiterer 953.
Widerſtand mehr geleiſtet werden kann , oder der Rücks . . .
zug beſchleunigt fortgefegt werden ſoll; fo läßt derKommans
dant das Feuer einſtellen , und führt ben Zug , nach der
im S . 39., III. gegebenen Vorſchrift, hinter die bereits
füdwärts aufgeſtellte , aus den geſammelten Plänklern for
mirte Abtheilung zurück , wählt ſich abermals einen zu län
gerer Vertheidigung und zur Aufnahme des vorſtehenden
Suges günſtigen Punkt, befekt dieſen , und benimmtſich wie
früher angegeben . :
Sobald der vorher in der Rette geftandene Zug fich 954.
Plan X .
auf eine angeineſſene Entfernung hinter dem früheren Unters fic.
ſtüßungszuge geſammelt hat, nimmt er ſeine Aufſtellungmit
Beobachtung desſelben Verfahrens , welches für die Unters
Abrichtung8-Regl. f. d. Inft. 16
242
ſtüßungs -Abtheilung vorgeſchrieben wurde , beginnt, — To
wie der vordere Zug im Rüdzuge an ihm vorüber ift -
Plan X . das Feuer, und tritt ſodann den Nüdzug auf gleiche
Fig . 3 , 4•Weiſe an .
955 . Auf dieſe Art wird der Rückzug abwechſelnd mit dem
Bemerken fortgeſeßt, daß dort, wo für die Männer des brits
Plan X . ten Gliedes neben der in der Front aufgeſtellten Abtheilung
Fig . 6 .
keine günſtige Aufſtellung vorhanden wäre, ſie in ihrer Eins
theilung bleiben , oder zur Befeßung weiter rüdwärts liegen
der Terrain -Abſchnitte , wie z. B . des Ausganges des Defis
lées , zurüdgeſendet, oder auch , zur Deckung des eigenen
Plan X . Rückzuges , am halben Wege bis zur nächſten Stellung der
Fig . 5 .
rückwärtigen Abtheilung verwendet werden können .
956. Sobald aber während des Rückzuges die Beſchaffenheit
Plan
Fig. 9 .X . des bisher beengten Terrains wechſelt, und das Ausbreiten
einer Plänklerkette wieder geſtattet , hat der zurückgehende
Zug dieſen Vortheil zu benüßen , ſich in eine Plånklerkette
aufzulöſen , und in dieſer Stellung den folgenden , ſich nun
zur Unterſtüßung auſſtellenden Zug während des Rüdzuges
aufzunehmen.
· 957. Die Übung ſolcher Defiléepaſſirungen , bei welchen man
nach Maßgabe der Terrainbeſchaffenheit aus der geöffneten
in die geſchloſſene Gefechtsordnung , mit beſchränkter Ans
wendung von Plänklern aus dem dritten Gliebe , und aus
dieſer lekteren Formation wieder in die geöffnete Ordnung
übergeht, wird beſonders bezüglich des Überſchreitens des
Defilées mit der Plänklerkette nachdrüdlichſt anempfohlen ,
weil ſolche Fälle häufig vorkommen , und bei Unfenntniß des
hierbei zu beobachtenden Verfahrens leichtUnordnungen ents
ſtehen .
243

Sluß- Bemerkung.

Das in dieſem Abſchnitte über die Art der Formirung 958.


einer Plänklerkette und deren Bewegung Geſagte genügt
vollkommen , um den Zug , als die kleinſte Unterabtheis
lung einer Kompagnie , für ſeine Verwendung in der ge
öffneten Schlachtordnung vorzubilden. Die eigentliche
Lehre dieſer Fechtart kann jedoch erſt ſpäter in dem Ererzirs
Reglement erſchöpfend vorkommen , weil eine Pläntler
kette niemals allein , ſondern immer in Verbindung mit
anderen geſchloſſenen Unterſtüßungs - und Reſerveabtheis
lungen agirt, deren Obliegenheiten in jenem Reglement ents
halten ſind.
Bereits in der Einleitung wurde erwähnt, daß während:969.
der Ausbildung des Soldaten für das Gefecht in geſchloſſes
ner Ordnung , auch ſchon das Plånkeln und Bajonetfechten
zur Beſchleunigung des Unterrichtes und zur zweckmäßigen
Abwechslung bei demſelben vorgenommen werden müſſe.
Hier wird dießfalls wiederholt die Erinnerung gemacht, und
das genaue Einhalten dieſer Vorſchrift anbefohlen , indem
die durch den zweckmäßigen Unterricht im Plänkeln und
Bajonetfechten ganz beſonders geſteigerte Intelligenz und
erhöhte Urtheilskraft des Soldaten , ihm gewiß die Aufs
faſſung des weiteren Unterrichtes für das Gefecht in ges
ſchlofſener Ordnung erleichtern , dadurch ſeine Ausbildung
für beide Gefechtsarten beſchleunigen , und ihn in der kurz
möglichſten Zeit zum Dienſtgebrauche vollkommen tauglich
machen werden .
Anfänglich , und in ſo lange der Soldat in der einzels 960.
nen Ausbildung für die geſchloſſene Ordnung nicht ſo weit
vorgeſchritten iſt , daß er laden und Feuern kann , dürfen . .
aud nur jene Vorübungen zum Planteln vorgenommen wers
Miren pers

16 *
244
den , die beim Beginne ohne Gewehr , ſodann mit dem
Gewehre, jedoch nod ohne zu feuern , geſchehen kön
nen . Hierher gehören : Springen , Laufen ; dann mit je drei,
höchſtens vier Rotten : Formirung der Kette von der Stelle
aus und vorwärts , Marſch der Rette Bors, ſeits und
rüdwärts, Erweitern und Berengern der Intervalle zwiſchen
den Rettengliedern , endlich Vor - und Zurücnahme der
Flügel der Kette. An jedem Flügel der drei oder vier Rotten ,
bezüglich Rettenglieder, iſt eine Charge oder ein geſchidter,
älterer Mann einzutheilen . Ferner wird es die Ausbils
dung des Soldaten ſehr fördern , wenn in das dritte Glied
ältere , im Plänkeln ſchon unterrichtete Männer eingetheilt,
die Auszubildenden dagegen in das erſte und zweite Glied
geſtellt werden .
961. In der Folge, und wenn der Soldat nach den SS. 9 und
11 das Laden , Schießen und richtige Zielen ſtehend erlernt
haben wird, iſt auch beim Unterrichte im Plänteln zu jenen
Übungen zu ſchreiten , bei welchen das Feuern in Anwens
dung kommt, nämlids : Laden und Schießen während des
Gehens , knieend , fißend u . f. w . ; dann Feuern der Rette
auf der Stelle und während der verſchiedenen , fchon früher
erlernten Bewegungen ; wobei noch immer nur je drei bis vier
Kettenglieder vereint zu unterrichten ſind.
962. Iſt hierauf eine hinreichende Anzahl Kettenglieder uns
terrichtet , ſo wird ein Zug formirt , und derſelbe Unterricht
wiederholt. Die Bewegungen werden nun durch Hornſignale,
bezüglich Trommelzeichen , angedeutet, und nurwo es nöthig
ift, mittelſt Zurufen nachgeholfen .
963. Bei der Ausführung der Bewegungen muß ſtrenge darauf
geſehen werden , daß die im Detail ertheilten Belehrungen
· son den Männern genau befolgt werden .
964. Sowohl die anfängliche Belehrung der Rettenglieder, als
der erſte Unterrichtder Zügeim Plänkeln hat aufeinem ebenen
245
und offenen Boden ſtattzufinden . Erſt wenn die Mannſchaft ?
alle Bewegungen der Kette, ſowohl ohne Feuern als audy.
während desſelben , gehörig ausführt, wird zu ihrer Verwens
dung im durchſchnittenen Lerrain geſchritten ; wozu die gründa
liche Unterweiſung der Plånkler in Benübung der verſchiedenen
Dedungsgegenſtände vorauszugehen hat. Hierbei muß das.
Augenmert des Unterrichtenden hauptſächlich auf die entſpres
chende Benübung des Terrains gerichtet ſein , daher jedes.
ångſtliche Suchen der Diſtanzen , der Richtung u . ſ. w . zu
permeiden , und nur auf den Zuſammenhang des Ganzen zu
ſeben tommt.
Die Kette wird ſich in ſolchen Fällen ſo weit ausdeh- 965 .
nen müſſen , als es z. B . die Länge des zu beſeßenden Gra
bens, Waldrandes u . dgl. fordert ; die Plänkler und die Kets
tenglieder werden ſich bald mehr, balb weniger dicht an
einander ſtellen , je nachdem die zur Deckung vorhandenen
Terraingegenſtände die eine oder die andere Aufſtellungsweiſe
bedingen , oder aber gewiſſe Punkte dem feindlichen Angriffe
mehr ausgeſeßt ſind als andere; beim Retiriren werden dies
jenigen Kettenglieder , welche beſonders vortheilhaft poſtirt
find , ihren Punkt ſo lange vertheidigen , als ſie nicht beſors
gen müſſen , von den nächſten , bereits zurüdgegangenen Rets
tengliedern abgeſchnitten zu werden , ſodann aber zurüdeilen
und ihre Verbindung herſtellen ; dagegen werden beim Vors
rücken jene Rettenglieder, vor deren Front, auf mäßige Ents
fernung, ſich decende Gegenſtände befinden , ſchon in Voraus
dahin eiles , und dort die nachfolgenden Kettenglieder ers
warten ; kurz, ſowohl die vom Anfange zu nehmende Aufſtel..
lung der Kette , und jene der Kettenglieder und einzelnen
Plänkler, als auch das Benehmen derſelben im Verfolge der
Bewegungen , wird ſtets mit Rüdſicht auf die jeweilige Bes
ſchaffenheit des Bode: s und auf das waltende Gefechtsvers.
hältniß ſtattfinden müſſen .
246
966 . Hierfür laſſen ſich keine beſtimmten Vorſchriften geben .
Praktiſche Übung in jederlei Terrain – unter
thätiger , einſichtsvoller Leitung — wird zur Förderung des
Unterrichtes das Meiſte beitragen ; daher Erſteres empfohlen ,
Leßteres aber von dem Eifer und der Geſchidlichkeit der zur
Ertheilung des Unterrichtes Berufenen erwartet wird .
247

Bweites Hauptſtück .
Ausbildung des Soldaten im Gebrauche des Gewehres
als Stoßwaffe.
(Bajonets Fech tlehre. )

Die Ausbildung des Soldaten in dem entſprechenden 967.


Gebrauche des Bajonetes gehört nebſt dem Unterrichte im
Schießen zu den wichtigſten , und muß um ſo mehr mit
Sorgfalt betrieben werden , als die Anwendung desſelben
nicht nur beim Lirailliren , z. B . zur Vertheidigung gegen
cinzelne feindliche Infanteriſten oder Reiter , ſondern auch
in geſchloſſener Ordnung beim Angriffe Feinblicher Stellun
gen , Verſchanzungen , u . dgl. vorkommt.
Derlei Bajonetgefechte ſind immer entſcheidend , und 968 .
fichern Demjenigen den Sieg , der ſie mit mehr Entſchlor
fenheit durchzuführen verſteht. Die Entſchloſſenheit grün
det fich aber hauptſächlich auf das Vertrauen , welches der
Soldat in ſeine Waffe fept, und dieſes kann nur dadurch
erzielt werden , daß man ihm die zur Führung derſelben ers
forderliche Geſchidlichkeit , und mit dieſer die Überzeugung
beibringt, daß er im Bajonetkampfe ſeinem Gegner übers
legen ſei.
Aus dem Geſagten geht die ganze Wichtigkeit der Auss 969.
bildung des Soldaten für dieſe Gefechtsart hervor; denn fle
248
bezwedt nicht allein deſſen Ausbildung im Gebrauche feiner
Waffe , ſondern bietet ein geeignetes Mittel, um ihn für die
entſcheibendſten Gefechts - Momente mit höherem Muthe zu
beſeelen .
970. Da im Kriege überhaupt nur das Einfache eine nüßs
licheAnwendung findet , während eines Feldzuges nur wenig
Zeit zur Ausbildung der Rekruten erübrigt, ſo muß der
Unterricht im Bajonetfechten auf das Einfachſte, unbedingt
Nothwendige beſchränkt, und jede Kúnítelei: verbannt wer
den . Es darf daher darchaus nicht in der Abſicht liegen , die
lente zu Fechtmeiſtern heranzubilden , ſondern der Zwed
muß lediglich dahin gehen , ſie die zum Angriffe und zur
Vertheidigung nöthigen einfachen Stöße und Paraden – wie
fie ſelbſt der ſchwer bepacte, von Marſche ermüdete Ins
fanteriſt auszuführen vermag , — zu lehren .
971. Der erſte Unterricht erfolgt ohne Gewehr, einzeln
oder zu Zweien und Dreien. DieMannſchaft erſcheint hiera
bei in möglichſt bequemer Kleidung , ohne Rüſtung , und es
wird jederzeit ein Mann von dem anderen auf einen Schritt
Abſtand geſtellt. Wenn der Unterricht ohne Gewehr genüs
gend fortgeſchritten iſt , ſo wird ſolcher mit dem Gewehre,
– und zwar ſtets mit gepflanztem Bajonete, - in der Folge
mu aber in vollſtändiger Rüſtung vorgenommen.
972. Das Verfahren beim Unterrichte iſt im Weſentlichen
dasſelbe, wie bei Übung der Gewehrgriffe u .dgl. Jede Bes
wegung oder Stellung muß dem Soldaten anfangs zergliedert
vorgezeigt , und von dieſem langſam nachgeahmt werden,
Erſt bei zunehmender Fertigkeit ſind die Griffe und Bewes
gungen raſch und zuſammenhängend zu vollführen . Eben
ſo muß , gleich beim erſten Unterrichte mit dem Gewehre,
dem Soldaten die Anwendung jeder Bewegung deutlich erklärt
und anſchaulich gemacht werden ; wozu ſich der Unterrich
tende bei Übung der Paraden , einer Fechtſtange zu bez
: 249
dienen hat, mit welcher er, unter Beobachtung dernöthigen
Vorſicht, anfangs langſam , in der Folge aber mit mehr
Schnelligkeit, den Ausfall gegen den zu Unterrichtenden
markirt, und dieſen anweiſt , den Stoß auf die ihm ges
lehrte Weiſe raſch und kräftig zu pariren . Dadurch wird der
Soldat einen richtigen Begriff von der Anwendung des ihm
Gelehrten erlangen , ſomit den Nußen dieſer Übung erkennen .
Die Fechtſtange hat die Länge eines Gewehres 973.
mit gepflanztem Bajonete , und iſt am oberen Ende mit
einem elaſtiſchen Knopfe verſehen .
Da Schnelligkeit und Präziſion eine Hauptbedingniß 974 .
des Bajonetfechtens-ſind, ſo müffen von der bereits vollkom
men ausgebildeten Mannſchaft alle Tempo raſch ausgeführt,
und, som Fechtlehrer die Sommando ſcharf betont ausgeſpro
chen werden ,
· Grundſats bleibt es auch hier , den Soldaten nicht zu 975 .
lange in den ihm beſchwerlich fallenden Stellungen verweilen
zu laſſen ; widrigenfalls er zu ſehr erſchöpft , und alle Luſt
für den Unterricht verlieren würde. Der Fechtlehrer muß ihn
daher öfter ruhen laſſen , überdieß während der Erklärung
der Griffe ; oder wenn er ſich beim Unterrichte mehrerer
Soldaten zur Verbeſſerung der Stellung zu einem Einzelnen
begibt, den Andern mittelſt des Zurufs : » Ruht !« eine
bequemere Stellung anzunehmen geſtatten , aus der ſie auf
bas Aviſo : » Habt Acht !« ſogleich wieder in die früher
innegehabte übergehen. -
: - Sol aus einer für das Bajonetfechten vorgeſchriebenen 976 .
Stellung unmittelbar in die für gewöhnlich feſtgeſepte, über
gegangen werden , ſo wird beim Unterrichte ohne Gewehr :
»Richt euch !« aviſirt , bei jerrem mit dem Gewehre aber :
Schultert!* kommandirt.
250

Erſter Abſchnitt.
Unterricht ohne Gewehr.
$. 78.
Einzelner Unterricht ohne Gewehr.

Sommando
Worte . Beleb r un g.

I. Gegen Jufanterie.
920 Eswird vorausgefeßt, daß der Sols
dat die im $ . 60 angegebenen Leibes
übungen erlernt , ſomit die zum Bas
jonetfechten nöthige Gelenkigkeit erlangt
habe.
978 . » Antreten !" Auf dieſes Avertiſſement:
nimmt der Soldat die für gewöhnlich
vorgeſchriebene Stellung .
979. Werden Mehrere zuſammen unters
richtet, ſo ſtellen ſie ſich , wie bereits
im Eingange geſagt, auf einen Schritt
Abſtand von einander.
980 . » Gegen In Das Avertiſſement: »Gegen In
fanterie ! fanterie !“ wird blos das erſte Mal
Stellnng ! «
dem Kommando vorgefeßt, im Ver
folge der Übung aber , blos : » Stel
lung !« kommandirt ; worauf dienachs
beſchriebene tiefe Stellung genoms
men wird :
981 . Der Soldat vollführt eine halbe
Plan XI.
Fig . 1 . Wendung rechts , und feßt ſodann,
251

Kommando
Worte . Belehrung.

ohne den Körper aus ſeiner ſchrägen


Lage zu bringen , den linken Fuß mits
telſt eines träftigen , kurzen , hörbas
ren Iritteß auf 12 – 14 Zolle gerade
vor fich hin auf den Boden . Die bei
den Knice werden dergeſtalt gebogen ,
daß das rechte ſenkrecht über die Fußs
ſpiße , bas linke aber ſenkrecht auf
die Mitte des Vorfußes zu ſtehen
komme.
Der Oberleib bleibt , mit verſag- 982.
ter rechten Schulter , ſenkrecht auf den
Hüften ; der Kopfaufrecht,mit dem Blide
nach vorwärts gerichtet; der rechte Arm
hängt ungezwungen am Leibe herab;
die linke Hand kommt ober dem Kniee
auf den linken Schenkel, mit aufwärts
gewendeter , halb geöffneter Fauſt zu
liegen . Die Schwere des Körpers ruht
aufdem redyten Fuße und in dem
Beden der rechten Hüfte. Um den
Soldaten zu gewöhnen , die Schwere
des Körpers auf dem rechten Fuße rus
hen zu laſſen , iſt öfters : » Erhebt den
linken Fuss !« zu ' aviſtren ; wors
auf der linke Fuß ungefähr zwei Zolle
über dem Boden erhoben , und ſo lange
in dieſer lage gehalten wird , bis das
Kommando: » Stellung !« erfolgt.
262

Aommando
Worte

983, Dieß ift . die ſogenannte tiefe


Stellung , in welcher der Soldat
gegen feindliche Infanteriſten am beſten
gebedt und geſichert ſteht.
984. Apell! Der linke Fuß wird ungefähr einen
Zoll hoch erhoben und zweimal ſchnell
hinter einander mittelſt eines kräftigen ,
kurzen , hörbaren Trittes , mit Ballen
und Ferſe zugleich, auf den Boden ges
reßt. Der Apell dient hauptſächlich
dazu , um ſich zu überzeugen , daß der
Soldat die Schwere des Körpers wirts
lich auf dem rechten Fuße ruhen laſſe,
und kommt in dieſer Abſicht häufig
anzuwenden . .
985. Ayan - Mit Beibehalt der tiefen Stellung
cirt!«
wird der linke Fuß einen Schuh weit
gerade vorgefeft, und der rechte in die
vorgeſchriebene Entfernung nachgezogen .
Hierbei dürfen die Füße nicht aus ihrer
urſprünglichen Richtung kommen , die
Fußſpißen nicht in die Höhe gehoben ,
noch mit den Abſäßen in den Boden
gehackt, der Abſtand von 12 – 14 Zollen
von einem Fuße zum andern aber muß
fortwährend beibehalten werden . Beim
erſten Unterrichte erfolgt das Vorſeßen der
Füßeauf den Zuruf: » Eins! Zwei!«
ganz langſam , dann aber immer ſchnel
253

Lommando
Worte. Belohr un g . .

ler , bis ſich die Bewegung beider Füße


beinahe in ein Tempo verſdymilzt. Nach
hinlánglich erlangter Fertigteit werden
auf den Zuruf: » Ein 8 !« beide Füße
ſchnell nacheinander bewegt; endlich hört
das Vorzählen ganz auf, und es iſt
blos darauf zu ſehen , daß nach jedem
Vorrücken eine kleine Pauſe eintrete,
damit die Bewegungen einander gleichs
ſam rudweiſe folgen .
Auf dieſe Art nähertman ſich dem 986 .
Gegner bis auf den Stoßbereich in ſtets
kampffertiger Bereitſchaft.
| » Haltl« Iſt in dem Augenblice zu koms 987.
mandiren , wann der linke Fuß auf den
Boden geſeßt wird ; worauf der rechte
in die gehörige Entfernung beigezogen ,
und mit dem linken , ein einfacher, hörs
barer Tritt auf den Boden gegeben
wird, welchen man den halben Apell
nennt. Dieſer kommt im Verfolge des
Unterrichtes noch bei mehreren Bewes
gungen vor , und dient, um ſich zu ver
fichern , daß der Soldat bei jedesmaliger
Annahme der Stellung die Schwere
des Körpers auf dem rechten Fuße
ruhen laſſe.
Reti od Der rechte Fuß ſchreitet ungefähr 988.
rirt ! « :
einen Schuh weit zurück, und der linke
364

kommando
Worte. : Boleh ra.ng. .

folgt in der vorgeſchriebenen Entfernung


nach. Im Übrigen gelten die nämlichen
Beobachtungen wie beim Avanciren ,
und es iſt auch hier darauf zu ſehen ,
daß das Zurüdſeßen der Füße in gehös
rigem Maße geſchehe, damit die Abfäße
immer auf dem vorgeſchriebenen Abſtande
von einander bleiben .
989. Haltl« Jſt in dem Augenblicke zu komman
diren , wann der rechte Fuß auf den
Boden geſeßt wird ; worauf der linke
auf die vorgeſchriebene Entfernung bei
zuziehen , und der halbe Apelt zu ges
ben kommt, wie dieß bei dem Halt !
während des Avancirens, erklärtworden .
990. „ Im Schnell Das Avanciren im Schnellſchritte
schritt! - iſt ein mäßiges laufen vorwärts , und
Ayan —
cirt ! « muß, nach den im $. 60 gegebenen
Regeln , mit etwas gebogenen Knieen
und auf den Ballen der Füße ausges
führt werden . Hierzu wird der rechte
Fuß bis in gleiche Höhe mit der lins
ten Fußſpiße vergebracht, ſodann der
linke in angemeſſener Entfernung vor
gefeßt, und auf dieſe Weiſe ſo lange
vorgerüdt, bis das Kommando :
991. Halt ! « erfolgt; worauf ſogleich wieder die tiefe
Stellung genommen und der halbe
Apell gegeben wird. '
265

Kommando
Worte. Belehr un g .

Im Sehnell
schritt! -
Reti —
rirt! « Das Retiriren im Schnellſchritte 992,
iſt ein mäßiges Laufen nach rüdwärts ,
eigentlich růdling8, und muß gleich
falls mit gebogenen Knieen und auf den
Ballen der Füße ſtattfinden . Hierzu
wird der linke Fuß bis in gleiche Höhe
mit dem Abſaße des rechten gebracht,
und ſodann der rechte auf die gehörige
Entfernung zurüdgefeßt. Auf dieſeWeiſe
wird das Rüdwärtslaufen fortgeſeßt, bis
das Kommando :
» Haltl« erfolgt; worauf ſogleich ſtehen geblies 993.
ben, die tiefe Stellung genommen , und
der halbe Apell gegeben wird.
Anfänglich können die Tempo zum
Vor- oder Zurüdſeßen der Füße mits
telft des Zurufes: » Ein 8 !« » Zwei!“ ,
und zwar mit immer zunehmender Ges
ſchwindigkeit vorgezählt werden , in der
Folge hat dieß aber ohne irgend einen
Zuruf zu geſchehen. :
Die Volten dienen dazu , um 994.
fich ſchnell gegen einen ſeitwärts oder
von rüdmärts kommenden Gegner zu
wenden , ohne hierbei den Körper aus
der fampffertigen Stellung zu bringen .
Hierzu wird kommandirt :
256

Kommando
Worte. . : Belehrung. .. .

995 . | » Rechts ! - Auf: »Rechts !« wird die rechte


Volt ! «
Fußſpiße erhoben , auf » Volt !« die
Rechtsumwendungmit Beibehalt der ties
fen Stellung auf dem rechten Abfaße
vollführt. Der linke Fuß, welcher hiers
bei mittelſt eines Drudes des Bals
lens gegen den Boden die Wendung
befördert, wird in die gehörige Entfer
nung vor den rechten gefeßt, und der
halbe Apell gegeben .
996 . » Links ! - . . . Auf gleiche Weiſe wie die Volte
| Volt ! «
rechts , nur daß die Wendung links ers
folgt.
997. „ Rechts Iſt eine doppelte volte rechts ;
umkehrt wobei der Ballen des linken Fußes einen
Volt ! «
verhältnißmäßig ſtärkeren Drud gegen
den Boden gibt. Das Erheben der rechs
ten Fußípiße erfolgt auf das Aviſo :
Rechts umkehrt!"
998. » Links : Wird die doppelte volte links
umkehrt –
Volt! « vollführt.
999. Gerader . Auf das Avertiſſement: »Gerader
Plan XI. Stoss !
Fig . 2 . Eins !* Stoss!“ wird, das rechte Knie ſtraff
angezogen , zugleich das linke derges
ſtalt gebogen , daß es ſenkrecht über die
linke Fußſpiße ſtehe. Beide Hände wer
den mit halbgeöffneter Fauſt bis in
gleiche Höre mit der Hüften erhoben ;
wobei die rechte Hand etwas rückwärts
357

Sommando
Worte. Belehr u n g . ;

der redten Hüfte , die linke vor die


Mitte des Leibes zu ſtehen kommt. Auf
das unmittelbar darauf folgende som
mando : » Eins !“ wird der rechte Arm ,
mit geballter Fauſt, in wagrechter Lage,
kräftig vorgeſtoßen , der Oberleib etwas
nach vorwärts gewendet , und hierdurch
die rechteSchulter vorgeſchnellt. Die linke
Hand verläßt ihre Lage vor der Mitte
des Leibes, und wird, geöffnet, etwas
nach rückwärts geſtredt. Beim erſten
Unterrichyte verbleibt der Soldat ſo,
bis das Kommando : » Stellung !«
erfolgt; worauf wieder die frühere tiefe
Stellung genommen , und der halbe
Apell gegeben wird . In der Folge ges
ſchieht dieß jedod unmittelbar nach volls
führtem Stoße, ohne hierzu ein Koms
mando abzuwarten .
» Aus Xuf: »Aus« werden Kaiee und 1080.
fall ! «
Hände in dieſelbe Lage gebrad)t, wie
beim geraden Stoße erklärt worden .
Auf: vfalll« wird der linke Fuß einen
Schuh weit in gerader Linie vorges
feßt , während der rechte unbeweglich
mit der ganzen Fußſohle flach auf dem
Boden verbleibt. Gleichzeitig vollführt
der rechte Arm den geraden Stoß
nach Nr. 999 , und die linke Hand

Abridtungs- Regl. f. 8. Inft. · 17


258

Sommando
Wørte, · Beleb r a n g.

nimmt gleichfalls die dort erklärte Lage.


Der Oberleib ruht beinahe ſenkrecht
auf den Hüften , und die laft des
Rörpers gleichmäßig auf beiden Fü
Ben . Das Auge bleibt auf den Gegner
gerichtet.
1001 . Hierbei muß darauf geſehen wers
den , daß der Mann in gerader Richtung
und nicht zu weit ausfalle , die Schwere
des Körpers auf beiden Füßen ruhen
laſſe , den rechten nicht von der Stelle
rüde, den rechten Arm gut ausſtrecke,
und den Körper gehörig im Gleichges
wichte erhalte. Beim erſten Unterrichte
verbleibt der Soldat in der hier erklärs
ten Körperſtellung ſo lange,bis das Roms
mando : » Stellung !« erfolgt; worauf
er den linken Fußwieder zurüdzieht, den
halben Apell gibt und die vorgeſchrie
bene tiefe Stellung nimmt. In der
Folge hat jedoch nach vollführtem Aus
falle, ohne ein weiteres Kommando ab
zuwarten , ſogleich wieder die tiefe Stel
lung genommen und der halbe Apel
gegeben zu werden . Desgleichen wird
das Kommando zum Ausfalle nur ans
fänglich abtheilig , bei erlangter Fertig
keit aber raſch , in Einem , ausgeſpro
chen ; worauf der Ausfall auch möglichſt
269 :

Kommando
Worte. Belehru n g.
ſchnell, gleichfam in einem Tems
Po, zu vollführen kommt.
» Doppelter Der doppelte Ausfall iſt im We- 100% .
Ausfall ! -
Ausfall !* ſentlichen dem einfachen gleich , nur daß
er in Verbindung mit einem Schnell
ſchritte erfolgt. Der rechte Fuß wird
nämlich auf das Kommando: »Aus
fall !« bis an die Fußſpiße des linken
vorgebracht ; worauf erſt, mittelft Vor
ſeßen des linken Fußes, der Ausfall auf
die bekannte Art ſtattfindet.
» Sprung : Aufdas Avertiſſementzum Sprunge 1003.
rückwärts !
- Eins !« rüdwärts werden mittelft Senkung des
Leibes beide Kniee ſtark gebogen und die
Abfäße etwas erhoben . Auf: „ Eins!«
wird mit Schnelltraft , wenigſtens zwei
Fuß weit , zurüdgeſprungen , ohne den
Körper vorzuneigen; oder übechaupt aus
der vorſchriftsmäßigen tiefen Stellung
zu kommen . Der Niederſprung muß auf
den Ballen geſchehen , leicht und kaum
hörbar ſein . Nach genommener Stels
lung wird mit dem linken Fuße der
halbe Apell gegeben . Das Auge bleibt
auf den Gegner gerichtet.
Dieſer Sprung wird auch häufig 1004 .
unmittelbar nach dem Ausfalle anges
wendet, um aus dem nahen Stoßbereiche
des Gegners zu kommen . Hierzu wird :

17
260

Kommando
Worte. Belehrung.

» Ausfall und Sprung rückwärts !«


avertirt , dann aber : » Ausfall ! «
kommandirt ;woraufnach Vorſchrift auss
gefallen , und der Sprung rüdwärts volls
führt wird .
1005. » Richt euch !« Wird die für gewöhnlich vorgeſchries
bene Stellung genommen .

II. Gegen Kavallerie.


1006 . » Gegen Ka- i Aus der gewöhnlichen Stellung des
vallerie ! -
Stellung ! Antretens wird der rechte Fuß , ohne
ſolchen zu wenden , auf '/, Schuh weit
rechts-, ſeit- und rückwärts gefeßt, und
die rechte Schulter etwas verſagt. Die
Schwere des Körpers hat auf dem lin
ken Fuße zu ruhen. Die Kniee bleiben
in ihrer natürlichen Lage angezogen , und
die Arme am Leibe herabhängend.
1007. ! AufdasAvertiſſement zum Sprunge
werden zur Erleichterung des Aufſpruns
ges die Kniee etwas gebogen und die
Abfäße erhoben .
1008 . » Sprung Auf: » Eins!« wird mit dem rech
rechts ! - ten Fuße raſch zweiSchuhe weit rechts -,
Eing ! «
vor- und ſeitwärts geſchritten , wobei
die Schwere des Körpers von dem linken
auf den rechten Fuß übergeht, und, ins
dem man mit lebterem Fuße vom Boden
261

Kommando
Worte. . Belehra ng.

abftößt und den linken beizieht, ſchnell


vors und rechts ſeitwärts geſprungen .
Während des Sprunges kommt der Körs

1
per links rüdwärts , nämlich gegen die
Stelle des Aufſprunges, zu wenden , und
nach erfolgtem Niederſprunge ſogleich
wieder die tiefe. Stellung zu nehmen ,
wobei die linke Fußſpiße ihre Richtung
gegen die Stelle des Aufſprunges zu
erhalten hat. Dieſer Sprung iſt dems
nach nichts anderes , als ein mit Behen
digkeit vollführter doppelter Seitenſchritt
nach Art des Schrittwechſelns , und
dient dazu , um einem in gerader Rich
tung anreitenden Gegner auszuweichen ,
und deſſen linke Seite, auf welcher
er von dem Säbel nur einen beſchränts
ten Gebrauch machen kann , abzugewins
nen . Die mit dem Sprunge verbundene
Körperwendung links rüdwärts iſtnoth
wendig , um dem ſchnell vorbeireiten
den Kavalletiſten noch einen Bajonets
ſtoß beibringen zu können . Der Sprung
muß raſch , mit Schnellkraft , auf den
Ballen der Füße, und gleichſam in einem
Tempo ausgeführt , und der Oberleib
hierbei gehörig im Gleichgewichte erhal.
ten werden. Überdieß kann derſelbe nach
Umſtänden auch aus einer gebüdten
268

Lommando
Worte. Belehr un g .

(hodenden ) Stellung ſtattfinden , in


dem man fich plößlich aufrichtet, und
dadurch das Pferd des Gegners ſcheu
macht.
1009. » Caracollirt! Da ein gewandter Reiter den in
kampffertiger Bereitſchaft flehenden In
fanteriſten nicht in gerader Richtung an
greifen , ſondern , denſelben rechts laj
ſend, mittelſt immer kleiner werdenden
Louren umkreiſen wird ; ſo hat der auf
dieſe Weiſe Angegriffene belehrt zu wer
den , daß er in dieſem Falle trachten müffe,
ſich der Pferdekrupe möglichſt zu nås
hern , weil er von dort aus jede Blöße
des Reiters um ſo leichter benüßen
kann .
1010 . Hierzu dient das Caracolliren
oder kreisförmige Rüdwärtslaufen .
Zur Übung des Caracollirens läßt
man den Soldaten im Kreiſe links
1011.
rüdwårts laufen . .
Die Belehrung zum Rüdwärtslaus
fen iſt in Nr. 750 enthalten . Die Bewes
gung beginntmit dem rechten Fuße, wels
cher einen Viertel - Kreis rüdwärts bes
ſchreibt, während der auf der inneren
Seite befindliche linke durch kürzere
Schritte nachfolgt ; wodurch der Kreis
immer kleiner wird , und der Caracollis
Kommando Belehrung. '
Worte.

rende fich der Pferdetrupe immer mehr


nähert.
Bei dem Rüdwärtslaufen muß die 1012 .
linke Schulter etwas verſagt werden , um
bei günſtiger Gelegenheit um fo. leichter
einen Stoß anbringen zu können . Der
Blid bleibt auf den im Mittelpunkte des
Kreiſes gedachten Gegner gerichtet.
» Halt ! Auf das kommando : » Halt! « | 1013.
wird ſtehen geblieben und die tiefe Stel
tung genommen.
1 » Richt euch !« Wie Nr. 1005 . 1014 .

Zweiter Abſchnitt.
Mnterricht mit dem Gewehre.
S. 79.
Einzelner Unterrichtmit dem Gewehre.
Kommando
Wørte . B + 1 + b ( a n g.

I. Gegen Jufanterie.
| » Antreten !« Auf dieſes Avertiſſement nimmt 1016 .
der Soldat die für gewöhnlich mit dem
Gewehre vorgeſchriebene Stellung. Sind
mehrere zum Unterrichte vereint, ſo ftel
264

Kommando Beléb r u n g.
Worte .

len ſte fich auf einen Schritt Abſtand


von einander.
1016 , »Gegen In 1 Die Stellung des Körpers ift aus
fanterie ! - der Beſchreibung in Nr. 981 und 983
Stellang !*
bekannt. Gleichzeitig mitder Halbrechtss
Wendung wird das Gewehr in die beim
erften Griffe von » in die Balance« ers
klärte Lage gebracht , mit der rechten
Hand am Kolbenhalſe voll umfaßt, mit
der linken am unteren Laufringe er
griffen , und hierauf bergeſtalt ſchräge
herabgeriffen , daß das Gelenke der lins
ken Hand oberhalb des linken Kniees ;
und der Daumen der rechten Fauft an
dem rechten Oberſchenkel zu ruhen komme.
Das Schloß des Gewehres iſt nach abs
wärts gewendet , und die Bajonetſpiße
ungefähr eine Spanne hoch über den
Boden erhoben .
1017 . Ayan - Erfolgtnach der in Nr.985 bis 989
cirt !«
Halt !* enthaltenen Belehrung. Das Gewehr
» Reti - bleibt hierbei in der für die Stellung
rirtis vorgeſchriebenen Lage.
Halt !“

1018 . >>Im Schnell


schritt ! - Nach der in Nr. 990 bis 993 , er :
Avan ~ theilten Belehrung; mit dem Bemerken ,
cirt !« daß die Bajonetſpiße etwas erhoben und
> Halt !«
» Im Schnell nach vorwärts gerichtet wird , um das
schritt Laufen zu erleichtern , und zu verhüs
Reti -
ten , daß die Bajonetſpiße den Boden
» Halti berühre.
. 365
Kommando
Worte Belehrung.
Auf das Halt wird das Gewehr 1019.
ſogleich wieder in die bei der Stellung
vorgeſchriebene lage gebracht.
» Rechts ! - Nach der in Nr. 995 bis 998 , 1020.
Volt!
» Links ! - dann in Nr. 1003 ertheilten Belebs
Volt !“ rung ; wobei das Gewehr in der für
u . f. w . die Stellang vorgeſchriebenen Lage vers
Sprung
rückwärts ! bleibt.
- Eins !«

» Gerader Die Bewegung des Rörpers ift 1021.


Stoss ! -
Eins ! * in Nr. 999 erklärt worden . Das Ges
pehr wird auf das Avertiſſement zum
Stoße, mittelſt Erhebung der rechten | Plan :
XIII.
Fauſt bis rückwärts der Hüfte und Fig . I
Wendung der Bajonetſpiße in gerader
Richtung vorwärts , in eine wagrechte
Lage gebracht , aus welcher es auf das
Kommando : » Eins !* durch Vorſtres Fig . 8 .
den , des rechten Armes kräftig gegen
die Bruſt des Gegners geſchwungen
wird.
Hierbei'iſt darauf zu ſehen , daß 1028 .
der rechte Arm bei der Führung des
Stoßes gut ausgeſtreckt werde. Das
Schloß bleibt nach abwärts gewendet.
- 6 In dem Augenblice des Stoßes ver
läßt die linke Hand ihre Stelle am
unteren Laufringe , und der rechte
266

Kommando
Worte . Belehrun g.

Vorarm dient der Kolben flåde


als Stüße. Unmittelbar nach voll
führtem Stoße wird das Gewehr mit
der rechten Hand zurücgeriſſen , mit
der linken aber wieder an dem untes
ren Laufringe erfaßt , und in die bei
der Stellung vorgeſchriebene Lage ges
bracht.

1023 . | » Aus – Der Ausfall erfolgt nach der in


falll «
Nr. 1000 ertheilten Belehrung, in Vers
bindung mit einem nach obiger Erklä
rung vollführtem Stoße. In ſo lange
das Kommando abtheilig ausgeſpro
chen wird , hat auf: »Aug« das Ges
wehr in die für den Stoß erklärte wag
Plan rechte Lage gebracht,auf: » fall !« aber,
XIII.
Fig . 3 . im Vereine mit dem Vorſeßen des lin
ken Fußes , kräftig vorgeſchwungen zu
werden . Hierbei muß gleichfalls auf
gehöriges S !reden des rechten Armes
und des rechten Senices , ſo wie auch
darauf geſehen werden , daß das Ges
wehr vor dem Ausfalle nicht mehr als
nöthig zurüdgezogen werde; weil hier
durch der Stoß verzögert würde. Des
gleichen iſt darauf zu achten , daß die
Bajonetſpiße gegen die Bruft des Sega
ners und nichthöher geſchwungen werde,
267

Kommando
Worte. Belehrung.

wie dieß anfänglich häufig der Fall


ſein wird.
Nach vollführtem Ausfalle wird 1024.
ſogleich wieder die vorſchriftsmäßige
Stellung genommen .
Bei erlangter Fertigkeit im Aus- | 1025 .
falle wird das Kommando hierzu nicht
mehr abtheilig , ſondern , wie bereits
geſagt, zuſammenhängend ausgeſpro
chen ; daher auch das Verſeßen des Ges
wehres in die magrechte Lage und der
Stoß möglichſt in einem Tempo zu
erfolgen haben .
Der Soldat muß ferner geübt 1086.
werden , unmittelbar nach dem Aus
falle den Sprung rüdwärts zu
machen ; weil dieß das geeignetſte Mits
tel iſt, ſich dem Rückſtoße des Gegners
zu entziehen , falls derſelbe nämlich den
gegen ihn geführten Stoß parirt hätte,
und ſelbſt einen Ausfall machen ſollte.
· Hierzu wird, wie bereits bekannt, vors
erſt aviſirt : : » Ausfall und Sprung
rückwärts !« , ſodann aber: »Aus
fall !« kommandirt.
» Doppelter Rüdrichtlich der Bewegung derFüße | 1027.
Ausfall !
Ausfall !« und des Körpers gelten die in Nr. 100%
gegebenen Regeln , und es wird hier nur
noch bemerkt, daß in dem Augenblice,
268

Kommando
Worte. Belehrung.

wann der rechte Fuß neben dem linken


auf den Boden geſeßt wird , das Ges
wehr auch ſchon in die für den Stoß
vorgeſchriebene wagrechte Lage kommt,
beim Vorſeßen des linken Fußes aber
der Ausfall fogleich ſtattzufinden habe.
1028 . Der doppelte Ausfall ift bas geeig
neteſte Mittel, um einen ſchnell zurüds
weichenden Gegner zu erreichen.
1029. » Einfache Ohne die Stellung des Körpers zu
Plan Parade ! - verändern , wird das Gewehr mit der
Eing ! «
Fig . 1 . linken Hand erhoben , und mittelft
Strecken des linken Armes, ein kräftiger
Schlag vor - und rechts ſeitwärts geges
ben ; wodurch das Bajonet in die Höhe
des Auges , die Kolbenſpiße vor die
rechte Hüfte zu ſtehen , und der rechte
Vorarın auf den Kolben zu liegen koms
men wird.
1030 , Mittelſt dieſer Parade wird jeder
Bajonetſt o ß abgewehrt, und das
Gewehr des Gegners gleichſam ſtreifend
auf die Seite geſchleudert. Haupterfors
derniß bleibt es aber , dem Soldaten
die Anwendung der Parade praktiſch zu
lehren . Hierzu ſtellt man fich, mit einer
Fechtſtange verſehen , gegenüber des
ſelben , und markirt einen Stoß oder
Ausfall , während der Soldat dieſen
Sommando
Worte . Belehru n gi

auf die vorſtehend beſchriebene Weiſe


abwehrt.
Unmittelbar nach der Parade folgt 1031.
in der Regel ein Stoß oder Ausfall.
Soll jedoch – wie dieß beim erſten Unters
richte der Fall iſt, — wieder in die Stel
lung übergegangen werden , ſo geſchieht
bieß auf das Kommando: » Stellung !«
» Doppelte Die doppelte Parade kommt in 1032.
Parade ! - Anwendung , wenn der Gegner den
Zwei ! « Stoß blog markirt,nämlich eine Finte
macht, in dem Augenblide aber, wo er
den ihm Gegenüberſtehenden dadurch
zur Parade verleitet , ſogleich einen
zweiten , auf der inneren Seite an
bringt.
Auf: » Eins!“ wird die einfache 1033.
Þarade ausgeführt , auf: »Zwei !“
aber, zur Abwehr des auf der inneren
Seite erfolgenden Stoßes , ein einfa
cher Schlag mit dem Gewehre links ſeits | Plan
XIV .
und abwärts vollführt ; wobei das Ges | Fig . 8 .
wehr möglichſt dergeftalt zu drehen
kommt, daß der Schlag mit dem Laufe
erfolge. Gleichzeitig mit der Parade
» Z w ei« hat der Mann jederzeit einen
Sprung rüdwärts zu vollführen , um
fidh dem etwa tief gegen den Fuß gerichs
teten Stoße des Gegners , welcher ſehr
270

kommando Beleb r u g.

SA
Worte.

ſchwierig zu pariren iſt , um ſo ſicherer


zu entziehen . Nach dem Sprunge rüdis
wärts wird wieder die tiefe Stellung an
genommen ; und findet der Soldat hiers
auf Gelegenheit, ſelbſt einen Stoß an
zubringen , ſo kann er dieß am füglich
ften mittelſt des doppelten Aus
falles bewirken .
1034. . Um dem Soldaten die Anwendung
der doppelten Parade zu zeigen,
hat der Fechtlehrer mit der Fechtſtange
einen unvollkommenen Stoß gegen den
ſelben zu führen , und wenn er ihn das

L
durch zur Parade » Eins« perleitet hat,
ARA
ſchnell einen zweiten auf der inneren
Seite anzubringen, welchen der Soldat
durch die Parade » Z w ei« und den
darauffolgenden Sprung rüdwärts ab
YAVUZ

wehrt.
1035, » Schul Auf dieſes Kommando wird das
tert !
Gewehr auf die linke Schulter gebracht,
und die für gewöhnlich vorgeſchriebene
Stellung genommen .
Kommando
Worte. Belehrung.
II. Gegen Kavallerie.
1. Gegen den mit dem Såbel
bewaffneten Reiter.
» Gegen den Die Stellung iſt aus Nr. 1006 be
Säbel! - Plan
Stellung !« kannt, und es wird hier wiederholt er XIV .
innert, daß die Schwere des Körpers | Fig . 3 .
auf dem linken Fuße ruhen müſſe,
um dem anreitenden Ravalleriſten leichter
und ſchneller rechts ſeitwärts ausweis
chen zu können .
Das Gewehrwird in die ſenkrechte 1037.
Lage gebracht, mit der rechten Hand am
Kolbenhalſe , mit der linken aber am
unteren Laufringe erfaßt, und dergeſtalt
vor dem Leibe gehalten , daß die Bajos
netſpiße aufwärts , der Lauf vorwärts ,
- bei der Rammerbüchſe das Schloß
vorwärts und der Lauf rechts ſeit
wärts – ſebe, die linke Hand eine
Spanne weit vor der linken Schulter,
und die rechte Hand.knapp vor der recha
ten Hüfte zu ſtehen komme.
In dieſer Stellung erwartet der 1038.
Soldat den auf ihn anreitenden Gegs
ner. Jedenfalls hat er die Bajonetſpiße
nicht gegen die Bruft des im Laufe bes
griffenen Pferdes zu richten ; weil er das
durch zwar das Pferd perwunden oder
Sommando Beleht u ng.
Worte.

tödten , von dem Gewichte desſelben


aber beim Sturze zu Boden geworfen ,
ſomit kampfunfähig werden könnte.
Sein Streben muß vielmehr dahin ge
hen , dem Pferde auszuweichen , die
linke Seite des Reiters , auf welcher
dieſer von dem Säbel nur einen bes
ſchränkten Gebrauch maden kann , zu
gewinnen , und ſein Bajonet gegen den
Reiter zu richten . Dieß wird auf nach:
ſtehende Weiſe bewirkt :
1039 . » Schlag und Der Sprung rechts erfolgt auf die
Plan Sprung in Nr. 1007 und 1008 erklärte Weiſe.
rechts ! -
Eins ! Gleichzeitig mit dem Seitenſprunge,und
zwar in dein Augenblice,wann der Mann
mit dem rechten Fuße ſeitwärts tritt,wird
durch raſches Vorſtrecken des linken Armes
mit dem Gewehre ein Schlag gegen den :
Pferdefopf geführt , der , - wenn er
auch nicht treffen ſollte , - jedenfalls
dazu dienen wird, das Pferd ſcheu , und
von der geraden Linie rechts - ſeitwärts
abſpringen zu machen .
· 1040. » Ausfall !« Unmittelbar nach dem Seitenſpruns
Plan ge vollführt der Soldat den Ausfall auf
XVI.
die bekannte Art , jedoch mit auſwärts
gegen die Lenden des vorbeireitenden
Gegners gerichteter Bajonetſpiße , was
man den hohen Ausfall nennt. Hiers.
zu muß das Gewehr im Momente des
273
kommando
Worte. . Belehrun g .

Sprunges in eine dem hohen Ausfalle


entſprechende Lage gebracht, nämlich ſo
gehalten werden , daß der linke Vorarm
über die Magengrube zu liegen , die
rechte Fauft aber rüd- und abwärts der
Hüfte zu ſtehen komme.
Nach dem Ausfalle wird wieder 1041.
die tiefe Steilung genommen , und das
Gewehr ſo gehalten wie unmittelbar vor
demſelben .
Das Kommando zum Ausfalle 1042.
erfolgt übrigens nur beim Unterrichte.
In der Folge ſind auf das Kommando :
» Schlag und Sprung rechts ! -
Eins ! Sprung , Schlag und Aus
fall gleichſam in einem Tempo auszus
führen .
1 Caracollirt !“ Der Zwed des Caracolirens iſt 1043.
bereits in Nr. 1009 angegeben worden . Plan
XV I .
Das Gewehr behålt hierbei dieſelbe Lage,
wie unmittelbar vor dem hohen Aus
falle , und es werden zeitweiſe Stöße
gegen den Reiter markirt , um denſels
ben zu falſchen Paraden , ſomit zum
Geben einer Blöße zu verleiten , die
man dann mittelft Anbringung eines
kräftigen Ausfalls ſogleich benüßt. Dies
fer Moment wird beim Unterrichte durch
das Kommando : ' Plan
„ Haltl« bezeichnet. XVII.
Abrichtungs-Regl.f.8. Jujt. 18 i
274

Kommando
Worte . Belehrung.

1044. Der Soldat kommt ferner zu bes


lehren , daß er trachten müſſe , immer
außerhalb dem Bereiche des Säbels zu
verbleiben ; weil er bei dem Umſtande,
daß ſeine Waffe viel länger als die des
Gegners iſt, dieſen immer noch mit der
Bajonetſpißewird erreichen können , ohne
Gefahr zu laufen , von ihm mit dem
kürzeren Säbel getroffen zu werden .
Daher ſoll er auch nach angebrachtem
Stoße zeitweiſe den Sprung rückwärts
Schul – machen .
1045 . tert! « Siehe Nr. 1035.

2 . Gegen den mit der lanze


»Gegen die bewaffneten Reiter.
Lanze ! -
1046. Stellung !« Die Körperſtellung iſt diefelbe wie
Plan jene gegen den mit dem Såbel bewaff
Fig . 1 , 2
neten Reiter , nur daß die rechte Schuls
ter etwas mehr verſagt wird , und die
Schwere des Körpers auf dem rechten
Fuße ruht; weil es ſich hier nicht wie
gegen den mit dem Säbel Bewaffneten
darum handelt , die linke Seite desſels
ben zu gewinnen , vietmehr geſtrebt wers
den muß, an deſſen rechte Seite zu ges
langen , überdieß die von der Rechten
zur Linten erfolgende Parade der Lanze
275

Kommando
Worte. Belehru'ng.

nur dann mit dem Nöthigen Nachdruce


geſchehen kann , wenn der Körper auf
dem rechten Fuße ruht.
Das Gewehrwird auf eine von der 1047.
Stellung gegen den Säbel gänzlich vers
ſchiedene Art , nämlich mit der Bajos
netſpiße abwärts gewendet, fo gehal.
ten , daß die am Kolbenhalſe befindliche
rechte Hand eine Spanne weit rechts
ſeitwärts des rechten Auges , die linke
aber, welche das Gewehr zwiſchen dem
unteren und mittleren Laufringe hält,
ungefähr zwei Spannen weit vorwärts
der rechten Hüfte zu ſtehen komme. Von
vorne angeſehen , zeigt ſich der Lauf
etwas einwärts, nåmlich gegen die linte
Seite hin gewendet , um die in jener
Richtung erfolgende Parade der Lanze
mit dem Laufe bewirken zu können .
Das Geſicht bleibt ganz frei , und
der'Blid unausgefeßt auf die Spiße der
Lanze gerichtet.
Aus dieſer Stellung wird jeder 1048.
Lanzenſtid durch eine geringe Wendung
des Oberleibes links , und das gleich
zeitige Linksſeitwärtsſchieben des Ges
wehres auf nachſtehende Weiſe parirt :
Die Lanze
parirt ! -
Eins la Das Gewehr wird in der innehas 1049.

· 18 *
276

Kommando
Worte.
Belehrung.
benden Lage, bei ſchneller Wendung des
Oberleibes links , mit beiden Händen
raſch links-ſeitwärts bewegt, und hierbei
der linke Arm dergeſtalt links vor- und
ſeitwärts geftredt, daß die Bajonetſpiße
ungefähr zwei Fuß über den Boden zu
ſtehen komme. Das Gewicht des Rörs
pers geht in dieſem Augenblice auf den
linken Fuß über , während der Abſats
des rechten , zum Ausſchreiten bereit, ers
hoben wird.
» Erhebt die
Lanze ! -
1050. Zwei! « Die auf ſolche Weiſe parirte Lanze
Plan wird nun mit dem Gewehre ſchnell bis
über die eigene Kopfhöhe gehoben ,wozu
Fig . 1 .
der linke Arm vollkommen , der rechte
aber mäßig aufwärts geſtreckt wird, das
mit das Gewehr ſchräge , nämlich mit
etwas erhobener Bajonetſpiße zu liegen :
komme. Gleichzeitig mit dem Erheben
der lanze muß der Soldat ſich dem
Reiter ſchnell nähern , und zwar wo
möglich po , daß er auf deſſen rechte
Seite komme, zu welchem Ende er mit
bem rechten Fuße ausſchreitet, einige -
beim Unterrichte vier kleine Schritte
vollführt, und ſodann auf das Roms
» Voltirt ! - mando :
PlanXX . Drei ! mittelſt eines mit dem Gewehre
Fig . 2 .
Kommando
Worte Belehrung.

von der Linken zur Rechten erfolgenden


Schlages und der gleichzeitigen Wens
dung (Volt) des Körpers gegen den
Reiter, die Lanze mit Schwungkraft auf
die Seite ſchleudert; hierauf dieſelbe
Stellung wie vor dem hohen Ausfalle
nimmt, und aus dieſer auf das Koms
mando :
Ausfall! - den Ausfall mit möglichſter Schnel Plan
vier ! XX .
ligkeit vollführt. Fig . 3 .
Ob ſich der Solbat während des
Vorwärtsſchreitens rechts oder links
feitwärts bewegen ſoll, hängt von Ums
ſtånden , nämlich von der Art des An
reitens des Gegners ab. Jedenfalls muß
er aber trachten , deſſen rechte Seite
zu gewinnen ; weil derſelbe dort von
ſeiner langen Waffe nur einen beſchränks
ten Gebrauch machen kann.
Für den Ausnahmsfall endlich , wo 1051.
die Parade» Ein 8 * unvollkommen oder
nicht zeitgemäß ausgeführtworden wäre,
und der Gegner die gegebene Blöße
durch das Anbringen eines Lanzenfti.
ches auf der inneren (rechten ) Seite
benüßen ſollte, genügt es zur Abwehr.
desſelben , mit dem Gewehre und Körs
per ſchnell in die Urſtellung zurückzu
kehren . Der geſchicte Fechter fann ſo
278

Kommando
Worte Belehra ng.

dann mittelſt augenblidlichem Erheber


der linken Hand die Lanze mit dem
Gewehrlaufe auf der inneren Seite faſ
ſen , ſolche mit Schwungtraft von der
Rechten zur Linken feitwärts ſchleus
dern , und ſodann den Ausfall anbrins
gen . Der minder Geſchidte hat ſich jes
doch mit der vollbrachten Parade zu bes
gnügen .

52. Die hier zur Vertheidigung gegen die Lanze angegebes


nen vier Tempo werden nur beim erſten Unterrichte dbtheilig
auf das Kommando, ſpåterhin , nach vorangegangenem
Aviſo zur Parade, auf das bloße Vorzählen , endlich bei
vollkommen erlangter Fertigkeit , ohne alles Vorzählen auf
das Kommando: »Die Lanze - parirt ! « zuſammens
· hängend , ſchnell nacheinander , vollführt.
1053. Um dem Soldaten die zur Vertheidigung gegen die Lanze
nöthige Geſchidlichkeit praktiſch beizubringen, muß, — falls
man nichtGelegenheit hat, die übung gegen wirkliche Reiter
vorzunehmen , — der Fechtlehrer ſich mit einer langenähnlichen
Stange verſehen , auf eine Bank oder einen ſonſtigen erhöhs
ten Gegenſtand ſtellen , und von dort aus gegen den in
angemeſſener Entfernung von ihm , und zwar abwechſelnd
etwas rechts oder links ſeitwärts ſtehenden Soldaten einen
Stoß führen , welchen dieſer auf die ihm gelehrte Art pas
rirt , die Lanze - bei gleichzeitig raſchem Annähern links
oder rechts erhebt, ſeitwärts ſchleudert , und den Auss
fall markirt.
279
: : Nähere Beſtimmungen , wie z. B . über die beim Erhe- 1034. -
ben der Lanze zu vollführende Schrittzahl, dann ob hiers
bei rechts oder links ſeitwärts geſchritten werden ſoll, laſſen
fich nicht geben ; weil dieß beim wirklichen Kampfe , von
der ſo mannigfaltigen , im Vorhinein nicht abzuſehenden Art
des Anreitens und der Bewegung des Gegners abhängt, ſos
mit jederzeit dem eigenen Urtheile überlaſſen bleiben muß.
Daher erſcheinen auch die hier gegebenen Regeln nur als eine
allgemeine, die Geſchicklichkeit des Soldaten zum Kampfe
gegen die Lanze fördernde Anleitung , als eine für alle denk
baren Gefechtsmomente berechnete , feſtſtehende Vorſchrift.
Jedenfalls muß aber dem Soldaten wohl eingeprägt werden ,
daß er vor Allem trachten ſoll, dem Pferde des auf ihn anreis
tenden Gegners ſchnell auszuweichen , und zwar wo möglich
ſo, daß er auf die rechte Seite desſelben komme. Ferner muß
er ſeinen Blid unausgeſeßt auf die Spiße der Lanze richten,
und ſuchen , dieſe mit dem Gewehre zu pariren , nach volls
führter Parade zu erheben , ſodann ſich dem Gegner, zumal
der Pferdekrupe, möglichſt ſchnell nähern ; endlich aber die
lanze kräftig auf die Seite ſchleudern , und unmittelbar hier:
auf den Stoß anbringen . Nach dem Stoße wird bei dem
Kampfe gegen die Lanze in der Regel kein Sprung rückwärts
vollführt; weil, je näher man ſich dem Reiter befindet, man
deſto weniger von deſſen langer Waffe zu beſorgen hat.
Schließlich wird noch erinnert , daß der Soldat die 1055.
Stellung gegen die Lanze immer erſt im leßten Augenblice,
nämlich wenn der Reiter fich ihm ſchon bis auf den Stoßs
bereich genähert hat, zu nehmen habe ; weil ein langes Vers
wellen in derſelben zu ſehr ermüdet.
Bei Befolgung dieſer allgemeinen Regeln , wird ein 1056.
gewandter , mit ſeiner Waffe vertrauter , entſchloſſener. In
fanterift jeden Kampf gegen den mit der Lanze bewaffneten
280
Flegreich beſtehen , wofür die Erfahrungen der Kriege hin
längliche Belege liefern .
S . 80 .
Anleitung zur Vertheidigung gegen mehrere
Kavalleriften.
1057. Iſt der Soldat in der Vertheidigung gegen einzelne
Reiter gehörig ausgebildet , ſo muß ihm auch die Art der
Vertheidigung gegen den gleichzeitigen Angriff mehrerer
feindlichen Reiter gelehrt werden .
1058. Rommen zwei Reiter gegen ihn angeſprengt, ſo muß
er — vorausgefeßt, daß ihn keine Lerraingegenſtände ſchüßen ,
- dem Einen entgegeneilen , weil ein unerſchredenes drei
ftes Entgegentreten in ſolchen Fällen immer von dortheilhafs
ter Wirkung ift. Sobald er ſich dieſem hinlänglich genähert
hat, wird er trachten , deſſen linke Seite zu gewinnen , falls
nämlich ſein Gegner mit dem Såbel bewaffnet iſt , und von
dort aus jede Gelegenheit zum Anbringen des Stoßes ſchnell
benüßen , welchen er vorzugsweife gegen die Lenden , Bruſt
oder den Unterleib , bei einem Süraſſiere aber gegen die
·Weichen oder die Armhöhle führen wird . Hat er den einen
Reiter kampfunfähig gemacht, ſo wird es ihm nicht ſchwer
fallen , auch mit dem zweiten fertig zu werden . .
1059. Hauptregel bleibt es hierbei jedoch, den Schuß ſo lange
alsmöglich im Laufe zu ſparen , und nur dann zu ſchießen ,
wenn die größtmöglichſte Wahrſcheinlichkeit des Treffens vors
handen iſt.
1060. Will der Infanteriſt einen Reiter herbeiloden , dem es
am Muthe fehlt, fich ihm zu nähern , ſo macht erMiene, als
ob er ſein Gewehr erſt laden wollte, und wenn dieſer da
durch irre geführt, auf ihn losreitet , ſo bringt er ſeinen
Schuß im nahen Bereiche mit Sicherheit an .
' 281
Eine ſchnelle Beendigung des Rampfes muß das Haupt- 1061.
fächlichſte Beftreben des Jägers ſein , da Ermüdung bei ihm
weit leichter eintreten und gefährlicher werden kann , als bei
dem Gegner.
übrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß der Soldat jebe 1062.
günſtige Bodenbeſchaffenheit zu ſeiner Dedung benüben müfle,
und er wird, unter dem Schuße nur einigermaßen deđender '
Lerraingegenftande, ſelbſtmehreren Kavalleriſten hartnädigen
Widerſtand zu Telften vermogen , vorausgeſeßt, daß er die
nöthige Geiſtesgegenwart, Entſchloſſenheit und Gewandtheit
befißt.

S . 81.
Das Schwingen und Ballſtoßen.
Das Schwingen und Ballſtoßen dient dazu , um den 1063.
Fåger kraftvoll und geſchidt ſtoßen oder ausfallen zu lehren .
Bierzu wird ein Ball von ungefähr 4 - 6 Zolle im Durch
meſſer an eine Schnur dergeſtalt frei ſchwebend aufgehängt,
daß ſolcher nach Willkühr in der gewöhnlichen Höhe einer
Mannsbruſt, oder in jener der Bruſt eines Reiters feſtge
ſtellt werden könne. Der Ball iſt mit Leder , Zwilch oder
Leinwand überzogen , mit Kühhaaren oder Werg ausgefüllt,
und kann zur beſſeren Dauerhaftigkeit mit Eiſendraht ums
flochten werden . Im Inneren wird ein Bleigewicht anges
bracht , um dem Balle mehr Schwere zu geben , ſomit zu
verhindern , daß er zu ſehr ſchwanke. Am oberen Theile wird
ein Ring von Eiſendraht befeſtigt , mittelft deſſen der Ball
in einen an der Schnur anzubringenden Háken eingehängt
wird . Die Art, die Schnur entſprechend zu befeſtigen , hångt
von Lokalverhältniſſen ab, und bedarf'wohl keiner beſonderen
Belehrung oder Vorſchrift.
282
1064. Auf 9 Fuß von dieſem Balle wird auf dem Boden eine
Linie markirt. Dieſe Linie bezeichnet die Stelle, wo der Jäger
fich beim erſten Unterrichte im Badftoßen mit dem rechten
Fuße aufſtellen , und die vorgeſchriebene Stellung, mit der
Front gegen den Ball, nehmen müſſe. Bevor er den Aus
fall bcllführt , hat er das Gewehr einigemal mit beiden
Hånden dergeſtalt nach vor- und růdwärts zu ſchwingen ,
daß die Bajonetſpiße in die Richtung des Balles komme.
Glaubt er dieß erzielt zu haben , ſo vollführt er den Ausfall
auf die bekannte Art , und ſucht mit der Bajonetſpiße die
Mitte des Balles zu treffen . Weicht der Ball nach erhaltenem
Stoße in gerader Richtung zurüd , ſo iſt dieß ein Beweis ,
daß er gut getroffen worden iſt; während, wenn er ſchief abs
ſpringt, der Treffpunkt ſeitwärts gelegen ſein wird . Haupts
regel bleibt es, daß der Soldat nach bewirktem Ausfalle, ſo
gleich wieder die vorgeſchriebene Stellung nehme, und den
Sprung rüdwärts vollführe.
1065. Da es ſich bei einiger Ungeſchidlichkeit des Mannes leicht
ergeben kann , daß derſelbe nach dem Ausfalle die Bajonet
ſpiße gegen den Boden fallen läßt , wodurch das Gewehr
Schaden leiden könnte ; ſo wird es gut ſein , wenn man ans
fänglich zwiſchen dem Balle und der auf dem Boden markirs
ten Linie eine mit Stroh umwundene, 2 %, Schuh hohe
Barriere anbringt, oder auch einen Strid wagrecht ſpannt,
auf welchem das Gewehr im erwähnten Falle einen Stüße
· punkt findet , ſomit verhindert wird , gånzlich gegen den
Boden zu fallen .
1066. Hat der Soldat hinreichende Fertigkeit im Ballſtoßen aus
der feſten Stellung, und zwar ſowohl in der gewöhnlichen
Höhe einer Mannsbruft , als in jener des Reiters erlangt,
ſo muß er dasſelbe ohne vorangehendes Schwingen des Ges
wehres , und in der Folge aud während des Anrüdens im
283
Schnellſchritte , auszuführen lernen ; wobei nach dem Aus
falle gleichfalls ſtets der Sprung růdwårt8 ſtattzufinden
hat, außer wenn der Ausfall gegen einen mit der Lanze bes
waffneten Reiter gedacht wird.
Dieſe Übung geſchieht Mann für Mann , ohne Rom - 1067.
mando, pach eigener Beurtheilung des Jägers. I

$. 82.
Übungen mit der bereits unterrichteten
Mannſchaft.
Hat der Jäger die einze!nen Bewegungen und Griffe 1068.
des Bajonetfechtens erlernt, ſo muß er geübt werden , mehs
rere derſelben im Zuſammenhange , wie ſte beim wirklichen
Kampfe vorkommen , auszuführen , nämlich unmittelbar nach
dem Ausfalle einen Sprung rückwärts machen , nach der ein
fachen Parade einen Stoß anbringen u . dgl.
Hierzu werden diejenigen Griffe , welche im Zuſam - 1069.
menhange vollführt werden ſollen , vorerſt aviſirt, und dann
derjenige, mit welchem der Anfang gemacht werden ſoll,
nach Vorſchrift kommandirt, oder nochmals ohne Betonung
wiederholt , und zum Beginn der Ausführung das Wort :
„ Eins ! « ſcharf ausgeſprochen .
Rüdfichtlich der entſprechenden Zuſammenſeßung der 1070.
verſchiebenen Bewegungen und Griffe des Bajonetfechtens
dienen folgende Rommando als Beiſpiel :

Gegen Infanteriften .
1. »Gegen Infanterie ! — Stellung !«
1 2. » Ausfall und Sprung rückwärts ! – Ausfall.l*
3. »Doppelter Ausfall und Sprung rückwärts ! –
Doppelter Ausfall! – Eins le
284
• 4. „ Einfache Parade und gerader Stoss ! - Ein
fache Parade ! — Eins !«
5. » Doppelte Parade , doppelter Ausfall und Sprung
rückwärts ! — Doppelte Parade! — Eins ! Zweils
6 . „ Einfache Parade , Volt rechts und Ausfall! –
Einfache Parade! — Eins !“
7 . » Einfache Parade , Volt rechts , im Schnellschritt
ayancirt , Ausfall und Sprung rückwärts ! – Einfache
Parade ! – Eins !«
8 . » Einfache Parade, Sprung rückwärts, im Schnell
schritt retirirt, Halt und doppelter Ausfall ! – Einfache
Parade ! — Eins ! « ,

Gegen den mit dem Sábel bewaffneten Reiter.


1071. 1. „Gegen den Säbel ! – Stellung !«
2. » Schlag und Sprung rechts , Ausfall und Sprung
rückwärts ! - Schlag und Sprung rechts ! — Eins !«
3. » Schlag und Sprung rechts , im Schnellschritt
avancirt, doppelter Ausfall und Sprung rückwärts ! -
Schlag und Sprung rechts ! - Eins!
4. »Caracollirt, Halt, Ausfall und Sprung rück
wärts ! - Caracollirt! – Eins !«

Gegen den mit der Lanze bewaffneten Reiter .


1072. 1 . Gegen die Lanze ! — Stellung !“
2 . » Die Lanze – parirt!« (Alle vier Tempo.)
3. »Die Lanze parirt, in die Stellung, die Lanze links
schleudern und Ausfall ! – Die Lanze parirt 1 Eins !*
1073. Hier iſtdie Mannſchaft zu belehren, daß ſie jedesmal nach
Vollendung einerzuſammengefeßten Bewegung in die tiefeStel
lung zu übergehen und den halbeu Apell zu geben habe.
286
Ift die einzelne Ausbildung der Mannſchaft genügend 1074 .
vorgeſchritten, ſo können die Übungen im Gliede, wobei ein
Mann von dem anderen , wie bekannt, auf einen Schritt
Abftand zu ſtellen kömmt, vorgenommen werden. In dieſem
Falle haben jedoch die Volten , dann das Caracolli.
ren und alle Übungen gegen Reiterei zu unters
bleiben ; da erſtere wegen des geringen Raumes , welcher
die Leute trennt, nicht ausführbar ſind , leştere aber ihrer
Weſenheit nach , ſtets nur einzeln ſtattfinden können . Soll
die Mannſchaft eines Gliedes Übungen , in welchen Volten
vorkommen , dann jene gegen Reiterei vornehmen , ſo läßt
man dasſelbe links um machen , und hieraufMann für
Mann den Schlag und Sprung rechts , bas Caracolliren ,
die Paraden gegen die Lanze , die Volten , oder was immer
für zuſammengeſepte Bewegungen vclführen . “
In Fällen , wo ein höherer Vorgeſepter fich ſchnell von 1075.
dein Fortgange des Bajonet - Fechtunterrichtes überzeugen
will, kann auch eine in drei Glieder rangirte Abtheilung
hierzu beordert werden . Zu dieſem Ende vollführt auf das
Kommando: Glieder auf doppelte Distanz vorwärts öff
nen ! — Marsch !“ das erſte Glied acht, das zweite vier
Schritte gerade vor. Sodann erfolgt nach Nr. 931 das
Kommando : » Rechts und links öffnet — euch !« , und
es wird , wenn die Leute ihre Diſtanz gewonnen haben , die
Übung auf die hier oben für ein einzelnes Glied angegebene
Weiſe mit allen drei Gliedern zugleich vorgenommen . Nach
beendigtem Bajonetfechten wird kommandirt: »Links und
rechts schliesst - ench !«, und dann : "Glieder schlies
sen ! – Marsch !« ; worauf das zweite Glied 4 , dag
dritte aber 8 Schritte vollführt.
Schließlich wird noch erinnert , daß man die Übung im 1076. .
Bajonetfechten nicht gleidy den Gewehrgriffen blos mechaniſch
286
betreiben , ebenſo wenig lediglich als einen Produktions
gegenſtand behandeln dürfe ; ſondern daß jedem Manne der
Zwed und die Anwendung der verſchiedenen Bewegungen bes
greiflich gemacht und praktiſch gezeigt werden müſſe , wis
drigenfalls der Unterricht ohne allen Erfolg bliebe.
III. Abtheilung.
Stellung und Brerziren der Stabss und Oberoffiziere
mit dem Säbel.

S. 83 .
Stellung und Ererziren der Stabs offiziere
zu Pferde mit dem Sabel.

Tempo.

| Zum Kommandiren zieht der Stabsoffizier, 1077.


- die Truppe mag mit oder ohne Gewehr aus
gerůdt ſein – jederzeit den Säbel. .
Der Griff des Sabels wird mit dem Dau - 1078.
men , Zeiges und Mittelfinger der rechten Hand !
in der Mitte umfaßt, während die andern zwei
Finger rüdwärts an dem Griffe ruhen .
Der Säbelknopf ruht auf dem rechten Schens 1079.
kel ſo, daß die Klinge gerade aufwärts laufe und
eine Spanne von der rechten Sdulter abſtehe.
Salutirungen.
Da fich die Stabsoffiziere beim Empfange 1080.
eines Höheren ſtets vor der Front befinden , ſo
haben fie vor jedem Vorgefeßten zu falutiren.
288

Tempo .

1081. Die Salutirung vor der Allerhöchs


liten Herrſdaft wird, ſowohl auf der Stelle,
als während des Marches , in der Entfernung
von 15 Schritten angefangen , und durch dreimas
liges Erheben und Senken des Säbels , wobei
von einem Tempo zu dem andern ſo lange auszus
halten ift, als man langſam : eins, zwei , zähs
len kann, auf nachſtehende Art vollbracht : '
1082. 1 | Der Säbel wird mit der rechten Hand derges
Iftalt erhoben und gewendet , daß der Griff vor die
linke Bruſt komme, die Klinge gerade aufwärts
und der Griffbügel links ſeitwärts ſtehe. Der Daus!
men liegt auf der inneren Seite des Griffes aufs
wärts geſtemmt und der Ellenbogen bleibt am
leibe geſchloſſen .
1083. Der Säbel wird mit natürlich geſtredtem
Arme dergeftalt an die rechte Seite herabgebracht,
daß der Griffbügel, gegen den Schenkel gewendet,
eine Handbreit von derſelben abſtebe, und die
Spiße 6,01lkommen geſenkt ſei.
1084 . | Der Säbel wird wie bei dem erſten Tempo
wieder vor die linke Bruſt erhoben ;
: wie beim zweiten Tempo geſenkt;
wie beim erſten Tempo erhoben ;
wie beim zweiten Tempo geſenkt.
In dieſer tief gefenften lage hält der Stabd.
offizier den Säbel ſo lange, bis die Allerhöchfte
Herrſchaft vor ihm vorüber iſt, oder bis er dies
ſelbe längs der Front begleitet , und ihre Befehle
empfangen hat.
- 289

Tempo.

Zur Herſtellung wird : 1086 .


der Säbel , wie beim erſten Tempo der Sas
lutirung vor die linke Bruſt erhoben , und
wieder in die vorgeſchriebene lage an die
rechte Seite gebracht.
Auf dieſe Weiſe geſchieht die Herſtellung nach 1087.
ieder Salutirung. Vor dem Hodyw ü r
digen wird die Stellung zum Gebete angenoin
men ; nämlich das erſte und zweite Tempo der
Salutirung vor der allerhöchſten Herrſchaft voll
führt , wozu die Truppe, falls ſie im Marſch bes
griffen wäre , zum Frontmachen und zum Stellen
oder Sonicen zum Gebete zu beordern kommt.
Die Salutirung vor dem Sriegsminiſter | 1088.
und den Feldmarſchållen, ſo wie vor den Ar
mee- und Korps-Kommandanteit , wird ſo
wohlaufder Stelle,alswährenddes Marſches, in der
Entfernung von ſechs Schritten angefangen , und er:
folgt in zwei Tempo auf dieſelbe Art, wie das erſte
und zweite Tempo der Salutirung vor der allerhöch
ſten Herrſchaft ; nur daß die Säbelſpiße nicht po
tief geſenkt wird , nämlich eine Bandbreitüber
Idie rechte Fußſpiße erhoben bleibt. Das Begleiten
längs der Front geſchiehtmit geſenkter Säbelſpiße,
und erſt nad empfangenem Befehle erfolgt dieHera
ſtellung.
: Die gewöhnliche Salutirung , näm - 1089.
- lich vor jedem anderen Generalen , findet von :
der Stelle ſowohl, als während des Marſches, auf

Ubridtungs-Regl. f. 8. Inft. 19
290

Tempo.

gleiche Weiſe und auf dieſelbe Entfernung ſtatt,


wie jene vor dem Kriegsminiſter ; nur mit dem Be
merken , daß die Säbelklinge beim zweiten Tempo
wagrecht gehalten wird.
1090 . In dieſer Lage hält der Stabsoffizier den

ONLARIN
Säbel ſo lange , bis der General an ihm vorüber
iſt , oder er denſelben längs der Front begleitet,
und ſeine Befehle empfangen hat.
1091 . Vor einem Stabsoffizier höheren Nan
ges erfolgt die Salutirung auf gleiche Weiſe,mit
dem Bemerken , daß die Herſtellung unmittelbar
hierauf ſtattfindet , und in dieſer Stellung auch
die Begleitung erfolgt. Zum Empfange der Bes
fehle wird aber neuerlich falutirt, und hierauf der
Säbel wieder in die vorgeſchriebene Lage an die
rechte Seite gebracht.

Stellung zum Gebet.


1092. 11 Wie das erſte und zweite Tempo zur Salus
tirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft, ebenſo auch
die Herſtellung.

Stellung zum Swören.


1093 . Nachdem der Stabsoffizier die Truppe zum
Schwören befehliget hat, berſorgt er den Säbel,
zieht den Handſchub der rechten Hand aus,nimmt die
Kopfbedeđung ab, legt ſie in die linkeHand,welche
dieſelbe mit dem Zeigefinger und Daumen umfaßt,
291

Tempo.

und erhebt hierauf die rechte nach der bekannten


Vorſchrift.
Nach dem Sdwören wird die Kopfbedeckung 1094.
aufgeſeßt, der Handſchuh angezogen , der Säbel
ergriffen , und die Truppe zum Aufſeßen des Czato
oder der Grenadiermüße u . i. w . kommandirt.
Stellung und Ererziren des Regis
ments: und Bataillon 3-Adjutanten zu
Pferde.
Der Regiments - und Bataillons - Adjutant 1095,
lziehen – außer vor dem Feinde zu ihrer perſönli
chen Vertheidigung - niemals den Säbel. Diel
rechte Hand – die Finger geſchloſſen — wird an
dem oberen Theile des rechten Schenfels dergeſtalt
ſchräg aufwärts aufgeſeßt, daß der Daumen ober:
halb an dem Knöchel des Zeigefingers ,und der kleine
Finger an dieHoſennahtzu liegen kommen ; wobei
der rechte Ellenbogen etwas zurüdgenommen wird.
Salutirung.
Bei jeder Ausrüdung mit der Truppe wird / 1096 .
als Salutirung, ohne Unterſchied des Ranges
des Höheren , nur die vorgeſchriebene Stellung
angenommen ; ſonſt aber hierzu die rechte Hand
nach Vorſchrift an den Sonnenſchirm der Kopf:
bededung erhoben .
Stellung zum Gebet.
Wird die rechte Hand an den Sonnenſchirm 1097,
Ider Siopfbedeckung erhoben .
19 *
292

Tempo.

Stellung zum Schwören.


1098 . Wie bei dem Stabsoffiziere vorgeſchrieben iſt.

S. 84.
Stellung und Ererziren der Obers
offiziere mit dem Säbel.
1099. Die Stellung des Offizieres iſt dieſelbe, wie
jene des Soldaten ohne Gewehr, desgleichen die
Salutirung , wenn er dieſe in einem dienſtlichen
Verhältniſſe,mit verſorgtem Säbel, auf der Stelle
zu leiſten hat. Außer Dienſt benimmt er ſich nach
der dießfalls beſtehenden Vorſchrift des Dienſt
reglements .
1100. Der Offizier hält den Säbel, bei etwas ge
bogenem Handgelenke , mit dem Daumen und
Zeigefinger dergeſtalt umfaßt an der rechten Seite,
daß ſich die Spißen dieſer zwei Finger berühren ,
die anderen aber geſchloſſen am Griffe ruhen .
Der innere Nand des Stichblattes berührt den
Sdyenkel. Der Griff iſt ſo weit zurückgezogen ,
daß die Klinge gerade aufwärts ſtehe, und der
Kücken an der Adſel ruhe.
1101. In dieſer Lage trägt der Offizier den Säs |
bel , die Truppe mag mit oder ohne Gewehr aus
gerückt ſein , und zwar ſowohl als Kommandant,
wie auch in Reih ' und Glied , beim Empfange
eines Höheren , während der Beſichtigung der
293
етро,

Truppe und während des Defilirens , ferner vor


Ausführung von Griffen mit dem Säbel.
Während des Ererzirens, und in den anderen 1102.
nicht beſonders erwähnten Gelegenheiten , iſt dem
felben jedoch zur Erleichterung geſtattet, den Säbel
auf folgende Art zu halten : Der Daumen und
Zeigefinger umklammern das obere Ende des
Griffbügels , der Säbelknopf ruht in der hoblen
Hand, der Rüden der Klinge an der Achſel. Der
rechte Arm iſt hierbei natürlich geſtreckt, der Ellen
bogen zum Leibe geſchloſſen , der innere Rand der
Parir-Stange berührt in der Stellung den Schen
tel. Während des Marſches darf mit dem Arme
nicht geſchleudert werden.

Salutirungen.

Der Offizier ſalutirt nur dann , wenn er als 1103.


Kommandant einer ausgerüdten Truppe vor ders
Tſelben ſteht oder marſchirt.
Die Salutirung vor der Allerhöchſten 1104 .
Herrſchaft, wird ſowohlaufder Stelle,als wäh
rend des Marſches , in der Entfernung von 15 Schrits
ten angefangen . Bei der Salutirung aufder Stel
le wird von einem Tempo zu dem andern ſo lange
ausgehalten , als man langſam : Eins, Zwei, zäh
len kann. Im Marſche aber ḥat das erſte Tempo
immer in dem Augenblicke vollführt zu werden ,
wo der linke Fuß vorſchreitet, und es folgen dann
294

Tempo.

die übrigen Lempo bei dem jedesmaligen Vorſchreis


ten dieſes Fußes ; wornach zwiſchen jedes Tempo
zwei Marſchtakte fallen .
1105 . Die Salutirung vor der Allerhöchſten
Herrſchaft auf der Stelle erfolgtauf folgende Art :
Wie im crſten Tempo der Salutirung des
Stabsoffizieres vor der Allerhöchſten Herrſchaft.
Wird der Säbel mit natürlich geſtredtem
Armean der rechten Seite ſo weit herabgeſenkt,daß
der Griffbügel an den rechten Oberſchenkel komme,
und die Spiße der Klinge eine Spanne vom Bo
den abſtehe.
Der Säbel wird wie beim erſten Tempo vor
die linke Bruſt erhoben ,
wie beim zweiten Tempo geſenkt,
whohen
wie beim erſten Tempo erhoben ,
wie beim zireiten Tempo geſenkt , und
die linke Hand , nach der für den Soldaten
fbei der Salutirung ohne Gewehr beſtehenden Vors
ſchrift, an den Sonnenſchirm der Kopfbedeđung.
erhoben.
1106 . 1 In dieſer Stellung bleibt der Offizier ſo lans
ge, bis die Allerhöchſte Herrſchaft auf 9 Schritte
vorüber iſt.
1107. Zur Herſtellung wird :
die linke Hand an die Seite herabgebracht ,
der Säbel vor die linke Bruſt erhoben , und
wieder in die urſprüngliche Lage an die rechte
Seite gebracht.
. : 395
Cempo .

Vor den Hochwürdigen wird die Stel- 1108 .


lung zum Gebete genommen ; wozu die Truppe,
falls ſie im Marſche begriffen wäre, zum Frontmas
chen , ſodann zum Stellen oder Knieen zum Gebete
zu beordern kommt.
Die Salutirung vor dem Kriegsminiſter, 1109.
den Feldmarſchållen , dem Armees und
Korps - Kommandanten , wird ſowohl wäh
rend des Marſches, als von der Stelle, in der Ents
fernung von 6 Schritten begonnen , und erfolgt
wie vor der Allerhöchſten Herrſchaft, jedoch nur
mit einmaliger Senkung des Säbels und ohne
die linke Hand an der Sonnenſchirm zu ers
heben .
Die Herſtellung, wie oben nach der Sas 1110.
lutirung vor der Allerhöchſten Herrſdaft im zweis
ten und dritten Lempo erklärt , erfolgt auf die
Entfernung von ſechs Schritter .
Die gewöhnliche Salutirung vor iedem 1111.
Vorgefesten erfolgt auf gleiche Weiſe, und auf
|dieſelbe Entfernung wie vor dem Kriegsminiſter ;
wobei jedoch die Säbelſpiße nur ſo viel geſenkt
wird , daß die Klinge in eine wagrechte lage
tomme.

Die Herſtellung wie nach der Saluti- 1112.


rung vor dem Kriegsminiſter.
Im übrigen hat ſich der Offizier, bei Bes 1113.
gleitung der Allerhöchſten Herrſchaft långs der .
296

Tempo .

|Front, wo es ihm als Kommandant der ausge


rückten Truppe zuſteht , und beim Empfangel
ihrer Befehle, ſo wie auch bei Begleitung der
Generalität und anderer Vorgeſetten , nach der
für den Stabsoffizier gegebenen Vorſchrift zu be
nehmen .

Stellung zum Gebet.

1114. 1 Der Säbel wird an der rechten Seite mit


links einwärts gewendeter Schneide dergeſtalt ges
ſenkt, daß die Spiße eine Spanne von der Erde
abſtehe, und gleichzeitig die linke Hand an den
Sonnenſchirm erhoben .
1115. .1 ✓ Zur Herſtellung wird der Säbel ſowohl,
als die linke Hand in die vorgeſchriebene Stellung
zurückgebracht.

Niederknieen zum Gebet.


1116 . Das Niederknieen zum Gebete und Abnehmen
der Kopfbedeckung wird von dem Offiziere auf
gleiche Weiſe vollführt , wie es für den Sols
daten vorgeſchrieben worden , nur daß er bei
dem erſten Tempo den Säbel dergeſtalt ſenkt,
daß die Schneide links einwärts gewendet und die
Spiße eine Spanne über den Boden erhoben fei.
Desgleichen erfolgt das »Auf vom Gebet,«
auf die für den Soldaten vorgeſchriebene Weiſe,
: 297
Tempo.

wobei der Säbel bei dem leßten Tempo wieder an


die rechte Seite erhoben wird .

Stellung zum Schwören .

Der Säbel wird an die linke Seite gebracht, 1117.


und dort von der linken Hand dergeſtalt übernom
men , daß der Daumen und Zeigefinger das obere
Ende des Griffbügels umklammern , der Säbel
knopf zwiſchen Zeiges und Mittelfinger , der Nüs
den der Klinge aber an der linken Achſel ruhe.
Auf das Kommando zum Abnehmen der 1118.
Kopfbedeckung wird die Kopfbedeckung nach Vors
ſchrift abgezogen , vor den linken Schenkel ges
bracht , und dort an der inneren Höhlung mit
dem Zeigefinger und Daumen der linken Hand
ſo gehalten , daß der Schirm gegen die rechte
Seite ſteht. Hierauf wird der Handſchuh der
rechten Hand abgezogen , und dieſe zum Schwure
erhoben .
Auf das Kommando zum Aufſeßen der Kopf- 1119.
bededung wird dieſe aufgeſeßt, der Handſchuh
wieder angezogen , auf das Schultert der Sä
bel von der rechten Hand übernommen und wieder
an die rechte Seite gebracht.
Die Tempo zum Gebete ſtellen , Nieders | 1120.
knieen und Schwören vollführt der Offizier
in Reih' und Glied auf das Kommando gleichzeitig
298

Tempo

mit der Truppe , als Kommandant aber erſt ,


nachdem ſie von der Mannſchaft vollzogen wor
den ſind. Bei der Herſtellung dagegen vollzieht
er dieſe zuerſt , und kommandirt dann die Truppe
hierzu.
Horn -Signale
u no

Trommelftreich e.
Horn -Signale
zur Anwendung in der geöffneten Shlachtordnung.
A . Aviſo - Signale oder Rufe.
Ret te.

. Unter ft i $ u ng.

Refer v e.

Rechter Flügel.

linter Flügel.
302
B . Commando - Signale.
V o 1 w å rts.
NI

☆ alt.

Iliitto!
3 u r å d.
IH

Red t .
WIN

l i n t s.
I

Feuef.

Feuereinſtellen .

A u f I ó ſe n .

Sa m me I n.
303
o ffn e n .
Sehr langſam .

Schließe n.
Schnell.

S til r m .
Heftig.

Als »Sturmmarſd « wird dieſes Signal etwas mäßiger , jedoch


in lebhaftem Marſch - Tempo geblaſen.
Schnell. IIu in p e u.
HII

A b I o I u 1 g.
Ifitta

Verſt å r k uit g .
7 :3

V e r g ntte r uit g.
C

Viermal zu repetiren.
Bei ch I e un i § 11 11 g.
.
304
Garniſons- und Feldſtöße.
Einfacher Stoß. Doppelter Stof.

I a gw a dh e.

Wird auf Wachen viermal wiederholt.


er ga t t e r un g .

In der Regel viermal zu wiederholen .


Die Vergatterung mit unmittelbar angehängtem Zeichen der Bes
ſchleunigung, und dieſe zweiverbundenen Signale dreimalwiederholt, be
deutet : »Allarm « , um im Lager und in Quartieren die Truppen ſchleus
. nigft zu verſammeln.
k a ft.
Ziemlich ſchnell.

Mehrmal zu wiederholen .
Gebet.
IL
Aito!

DI

Hierauf folgt das Abblaſen.


Ganzer Ruf.
Halver Ruf.

Bei þublikationen wird der ganze Ruf dreimal geblaſen.


305
General María.
In etwas langſamerem als dem gewöhnlichen MarſchsTempo.

TIP
I have 1
. . 3 .

TITTT
Tin
TM

MOM ,

11

Ma r ch .
105 — 108 Schritte in einer Minute.
TITT
1

Bei Leichenbegångniſſen wird der Marſch mit der Sours


dine und in einem langſameren Tempo geblaſen.
Beſchleun i g un g.
Schneller als das gewöhnliche Marſch-Tempo.

Abblaſen.

Feu et l å tm .
ULU

01

Mehrmal zu wiederholen .
Abrichtungs-Regl.f.d.Juft. 20
3061

illiritit
Langſam .
K irdh e n ruf.

Hi
Kiitnto
- -

Hitito
Tito
LE

o
H
. I
).. l
Til
F

3 .3 7 .
Zweimal zu blaſen.
Wenn der Kirchenruf zum Erſtenmale, zweimal durchgeblaſen
iſt, ſo wird ein einfacherStoß ; bei dem Zweitenmale ein doppelter Stoß
angehängt, und nach dem Drittenmale wird abgeblaſen.
Während der Meſſe werder, für die Theile derſelben nachfolgende
Zeichen gegeben , als :
Anfang der Meſſe; - Evangelium ; - Sanctus; – Vors
zeichen zur Wandlung; bei jedem drei balbe Nufe.
Wandlung, drei halbe Rufe, drei einfache Stößeund Ein halber Kuf.
Communion , Ein halber Ruf, drei einfache Stöße, Ein halber Ruf.
Ende der Meſſe, drei halbe Kufe.
Segen , wie bei der Wandlung.
Ende der heiligen Handlung, das Abblaſen.
Retraite.
Im Marſch - Tempo.
ID

* *
7 3 3
Hi

II
Tiflitto

TITTI
!

III LI
7.
Hititto
WHITO

PUN
###
10
- 4

Zum Schluſſe folgt das Abblajen .


Habt A dt!

to
A u sführung $ je i dy e n.

Außerdem werden noch folgende Avertiſſementsſtöße geblajen :


Bei der Ankunft Seiner Majeſtät des Kaiſers:
Drei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft der kaiſerlich königlichen Hobeiten :
Zwei ganze Kufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Felds
o mom den Armeen isannnur
PArmeekommanvanten Bereich dereder
ur iimm Bereiche s, bet
marfdalls im Bereiche des ganzen Heeres, bei der eines
ihm unters
ftehenden Armee, dann bei jener eines Armeetorp $
tommandanten nur im Bereiche des ihm unterſtebena
den Armeetorps , wo der Armeefommandant fidh nicht in
demſelben Orte befindet :
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeiſters oder Generals
der Kavallerie :
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldmarſchall - lieutenants:
Drei halbe Kufe und drei doppelte Stöße.
Bei der Ankunft eines Generalmajors :
Zwei halbe Kufe und zwei doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Wachen :
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Stoß.
308
Zum Herausrufen der Feldwebel : ,
Ein halber Ruf und drei doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Korporale vom Lage:
Ein halber Ruf und zwei Doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Gefreiten vom Tage:
Ein halber Ruf und ein doppelter Stoß.
Zum Herausrufen der Horniſten :
Ein halber Ruf und drei einfache Stöße.
Zu dem Herau $ rufen der Lambours :
Ein halber Ruf und zwei einfache Stöße.
Trommelſtreiche.
Einfacher Streich.

Der einfache Streich wird immer nurmit einem Schlägel, ſowohl


mit dem linken als rechten geſchlagen ,
linker Schlägel.

rechter Schlägel ,
Doppelter Streich .

• Der doppelte Streich beſteht aus zwei getrennten , jedoch ziemlich


ſchnell nach einander folgenden einfachen Streichen .
rechter Schlägel.
Ausführung
linker Schlägel ,
Do p p elſ a la g .

Der Doppelſchlag iſt derjenige Streich, wo beide Schlägel zugleich


träftig auf das Fell auffallen .
Schlep p it r e i ch .

Bei dem Schleppſtreiche gibt ein Schlägel einen kurzen ſchwächeren


Anſchlag , welchem der zweite Schlägelmit voller Kraft ſo ſchnell nach.
310
folgt, daß man die Trennung kaum bemerfen kann. Der Schleppſtreich
muß ſowohl mit der linken als rechten Hand angefangen und ausgeführt
werden können .
links
Ausführung
rechts
Halber. N uf.

Bei dem halben Nuf gibt ein Schlägel einen einfachen Streich , dann
gibt der zweite Schlägel zwei Schläge ſchnell nacheinander, worauf der
Schlägel, der begonnen hat, noch einen einfachen Streich gibt.
Ausführung
Ausführung
]]

Er muß ſo cingeübt werden , daß ſowohl die linke als rechte Hand
den Ruf beginnen kann .
Ganzer R uf.
TIT

Der ganze Kuf iſt von dem halben nur dadurch unterſchieben , daß
er einen einfachen Streich mehr hat. Er muß ebenfalls ſo geübt werden ,
daß' ſowohl die linke als rechte Hand denſelben beginnen kann .
r. f. I.
UUTI

Ausführung EP03HD _

1. I.
Kude r.
oder

Der Kucker beſteht aus einem Schlepps und zwei einfachen Streis
chen , welche ſehr ſchnell nach einander folgen .
I. r. I. r.
THIF

Ausführung
DR

I. I
Wirb e'l. mumm
TIL

Wirbel durch einen Halber Taft. Viertel Taft. Achtel Lakt.


ganzen Lakt.
Die Ausführung beſteht darin , daß jeder Schlägel zweimal auf
das Fell auffält,
rechts 6. r. I. . I.

La g w a dy e.
Tempo, 90 - 95 Sdíritte in einer Minute.

AufWachen einmal durchzuſchlagen.


Wenn die Tagwache von mehreren Tambours geſchlagen wird, ſo
wird ſie durd) 8 Takte von allen Tambourn gleich – dann abwechſelnd
durch 8 Takte mit Wirbel geſchlagen . Die Tambsurs die den Wirbel
ſchlagen, nehmen zum Schluſſe ihres Wirbels, ſtatt dem Ruder mit dem
die Lagwache anfängt, einen einfachen Streidy, welchem die vier
Schleppſtreiche folgen, und ſofort bei allen Wiederholungen . 3. B .
.

11
i
*

A
9
1 T

Mit mmmm mmm mmmmmmmmmmm


AH

Wirbel
o\ll
Noll

LAR
mmmmmmmmmm
312
- - -

Mw w

As Aviſo für die Tambours ſchlägt ein Tambour die erſten zwei Takte
wors
Leh altein,wors
auf ſämmtliche Tambours einfallen. Die Tagwache beſteht aus Ruder,
Sdleppſtreiche und Wirbel.
Vergatperun g.
Alle Tambours Einer Alle
.

Auf das Aviſo des Regiments- (Bataillons-) Tambours geben alle


Lambonrs einen Doppelſchlag, dann gibt der Vorſchläger einen Ruder,
worauf von allen Tambours die Streiche der Vergatterung 16mal durch
geſchlagen werden , welchemit einein Rufer endiget.
Iſt die Muſik zugegen, ſo führt felbe eine zu den Trommelſtreichen
der Vergatterung paſſende Muſik aus. Die Streiche der Vergatterung
beftehen aus Doppelſchlag, Kucer, Schlepp- und einfachen Streichen
und ganzen Ruf.
Allarm - Streich .
90. 95.
R
_ O

1 2 1 2 1 2
Der Allarm -Streich beſtehtaus vierin al Vergatterung und einem
Kuder, worauf ein Scritt in der Stille ausfällt, dann ſechsmal Eils
ſtreich , welcher jedoch im Tempo der Vergatterung zu ſchlagen iſt. Wird
er von mehreren Tambours geſchlagen , ſo fdlägt der Vorſchläger ein
mal Vergatterung — einen Takt – allein , dann fallen alle Tams
bours ein. Er mird entweder mit dem Nucer im fünften Takt a , oder
am Ende des Eilſtreiches mit einem Doppelſchlage geendiget.
313
Ein Tambour Alle | R a f.
TT

Wird viermal repetirt und endiget mit dem Schleppſtreid;e bei a.


Der Raſt beſteht aus Ruder, Doppelſchlägen und einfachen Streichen .
Iſt dieMuſik zugegen , ſo führt ſelbenach zweimaligem Durchichlagen des
Kaſtes , eine angemeſſene Mnſik hierzu aus.
Be t ſt u nde.
-
29
. .

Wird von dem Repetitionszeichen an dreimal repetirt.


Dann folgen drei einfache Streiche und Abſchlageit.

Nach, einem
Streiche folgt dieVorſtreiche mit einem
Betſtunde, welche ganzen Kufeund einem, einfachen
aus Doppelſchlägen einfachen
Streichen
ſchlagen .
und Ruđer beſteht. Nach Beendigung derſelben wird abges
General-Marſch der Grenadiere.
Tempo 90 bis 95 Schritte in der Minute.
Wirbel
CEIT

1 2 3 4 Sd
PR
314
Der General-Marſch der Grenadiere beſteht aus Wirbel, Ruder,
einfachen Streichen und Doppelſchlägen . Bei allen nachfolgenden Wies
derholungen bleiben die 2 Lafte oder 4 Schritte Wirbel im Eingange
weg , und der Marſch beginnt dann immer von dem Repetitionszeichen
an , wozu von der Muſik die Volkshymne geſpielt wird .
General-Marſch der Fuſiliere.
Wirbel 90 bis 95 Schritte in der Minute.
C
- O 14 - D2-417
- - - - -
2 3- 4 Schritte 1
步开 1 A A A A
EEEEE

12%

dem Wirberelidlag ungszeichen in en folgend


Die zwei Takte, oder vier Schritte Wirbel, die den Eingang bilden ,
werden nur das erſte Mal geſchlagen, bei allen folgenden Wiederholungen ,
wird immer von dein Repetitionszeichen an mit dem Doppelſchlage an
gefangen . Der Doppelſchlag und die vier einfachen Streiche, welche jeder
zeit nach dem Wirbel folgen , müſſen immer ſehr ſtark bervorgehoben wer:
den , ſo wie auch auf die beiden Kuder, die mit ff bezeichnet ſind, ein
beſonderer Accent zu legen iſt. Außer dieſen Streichen erhält der General
Marſch der Fuſiliere noch Schleppſtreiche, die Muſik ſpielt dazu die
Volkshymne.
M a r ſ ch .
105 — 108.
_02 R
APART
It
316
A18 Aviſo ſchlägt anjangs ein Tambour allein die erſtent
#wei Lakte , oder 4 Schritte , dann treten alle Tambours ein . Der
Niederſtreich des Taftes gehört ſtets auf den linken Fuß. Der Marſch
beſteht aus Rucker , kurzen Wirbel , Schlepp- und einfachen Streichen .
Bei leichenbegångnifier wird der Marſch mit verſchränkter
Trommel und in einem langſameren Tempo geſchlagen .
Defilir -Streich .
105 — 108 .

LUL
.
Anmerkung. Die kleinen Noten über dem Linienſyſteme bedeuten, daß ſelbe auf
dem Schlägel gegeben werden .
Der Defilir - Streich beſteht aus Kuder und Streichen auf dem
Schlägel, und wird bei dem Defiliren zurMuſik geſchlagen.
Wenn bei größeren Defilirungen , wo oft nur eine einzige Muſik
zugegen iſt , den Tambours befohlen wird , zeitweiſe den Defilir -Streich
allein , ohne Muſik zu ſchlagen ; ſo fönnen nach Verhältniß der Ans
zahl der Tambours, ein oder zwei Tambours, den Marſch dazu ſchlagen.
Sturm -Streid .

Der Sturm -Streich wird drei mal durdgeſchlagen. Sindmehrere


Lambours zugegen , ſo wird er das erſte Mal von einem Tambour
allein, dann von aller Tambours nody zweimal geſchlagen . Er beſteht
aus Doppelſchlägen und Rudern .
316

SturmsMarſch.
Im Marſchtempo.

7
2
- -DI
links rechts 1. r. 1.
Beſteht aus vier Doppelſdhlägen und vier Rudern.
Auf das Kommando zum Fällen des Bajonets, ergreift der
Tambour mit der linken Hand die Trommel , bringt dieſe mehr vor die
Bruſt, damit er im Laufer nicht gehindert iſt, und mit dem Schlägel der
rechten Hand, gibe er einfache Schläge, welche die Lauf-Sạritte marfiren .

links rechts 1. I. 1. I. I. r. . r. 1. . 1. r. I. f.

E i I ſt r e i dh .
Etwas joueller als das Marſchtempo.
Einer Alle
vaca - de - t - ete
s4 = = = SIIS
As Aviſo ſchlägt ein Tambour den erſten Taft oder zwei Mal
Eilſtreich allein , dann fallen ſämmtliche Tambours ein . Der Eilſtreich
beſteht aus Doppelſchlägen und einfachen Streichen .
A b ſchlage n.
Einer Alle

Beſteht in vier einfachen Streichen und zwei Rudern . Sind mehrere


Tambours zugegell , ſo werden die vier einfachen Streiche nur von dem
Vorſchläger, die zwei Rucker aber von allen Tambours geſchlagen .
Ruf und Feuerſtreich ,
beſtehen aus dem ganzen Rufe , mehrmals wiederholt.

-- -
Bei dem Feuer-Streiche ſchlägt der Tambour abwechſečnd zweimal
ftark und zweimal ſchwach . Wird der Ruf-Streich von mehreren Tams
bours geſchlagen, ſo gibt der Vorſchläger die erſten 2 ganzen Rufe allein ,
dann treten ſämmtliche Tambours ein .
317

i rdh e n lt r e ich .
Einer Alle

Wird von dem Repetitionszeichen ſo 1 - 2


oft als nothwendig wiederholt.
Der Vorſchläger gibt einen Nucker und die darauffolgenden einfaden
Streiche, dann fallen alle Tambours ein . Die Pauſen bedeuten , daß
der Tambour, wenn er dabei marſchirt, zwei Schritte inzwiſchen ohne
zu ſchlagen zu machen hat. Der Kirchen - Streich beſteht aus Kucker,
Schlepp- und einfachen Streichen . Wenn der Kirchenſtreich das dritte Mal
geſchlagen iſt , wird abgeſchlagen .
Während der Meſſe werden für die Theile derſelben nachfolgende
Streide gegeben , als :
Anfang drei halbe Rufe;
Evangelium drei halbe Rufe ;
Sanctus drei halbe Rufe ; Vorzeichen zur Wandlung
drei halbe Kufe;*
Wandlung drei halbe Rufe, drei einfache Streiche, und ein hals
ber Ruf;
Communion einen baiben Ruf, drei einfache Streiche, ein hal
ber Kuf;
Ende der Meſſe drei halbe Rufe ;
Segen wie bei der Wandlung ;
Ende der heiligen Handlung, Abſchlagen.
Scanz- Streich.
Alle Einer Alle
ISL

of Most! Sender Ruder inde nach


Auf das Rommando : Habt Acht! geben alle Lambours den ers
Pen Doppelſdlag zuſammen , den darauffolgenden Ruder gibt nur einer,
worauf alle zuſammen den Scanzſtreich anfangen . Wird nada Ermeſſen
son der Hepetition an wiederholt , und endet mit einem Doppelídlage.
313
Publikation.
Ein Tambour allein . . Alle Lambours
Esiet

Wird 3mal repetirt , und beſteht aus Kuf, Doppelſchlägen , einjas


chen Streichen und Ruder, und wird bei dem Doppelſchlage a geendiget.
Retra i te.
105 — 108 .
Allie Siner Alle Tambours .
-
Ar
LI

FE -
Sind mehrere Tambours zugegen , ſo geben alle auf das Kommando
» Babt — Acht« den Doppelſchlag, dann gibt ein Lambour die drei eins
fachen Streiche, worauf von ſämmtlichen Tambours die Retraite, welche
aus Doppelſchlägen und einfachen Streichen beſteht, geſchlagen wird.
Die Bedeutung der Trommelzeichen bei dem Plänkeln iſt im S. 63
angeführt.
Außerdem werden noch folgende Avertiſſementsſtreiche geſchlagen :
Bei der Ankunft Seiner Majeſtät des Kaiſers :
Drei ganze Nufe und der Generalmarſch .
Bei der Ankunft der kaiſerlich königlichen Hoheiten :
Zwei ganze Rufe und der Generalmarſch .
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Felda
marſchalls im Bereiche des ganzen Heeres , bei der eines
Armeekommandanten nur im Bereiche der ihm unters
ſtehenden Armee, dann bei jener eines Armeekorps
kommandanten nur im Bereiche des ibin unterſteben :
den Armeeforps, wo der Armeetommandant ſich nicht in
demſelben Orte befindet:
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeifters oder Generals
der Ravallerie:
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches .
319
Bei der Ankunft eines Feldmarſchall - lieutenants :
Drei halbe Rufe und drei doppelte Streiche.
Bei der Ankunft eines Generalmajors:
Zwei halbe Rufe und zwei Doppelte Streiche.
Zu dem Hera u s rufen der Wachen :
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Streich .
Zu dem Hera u srufen der Feldwebel:
Ein halber Ruf und drei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Rorporale vom Tage:
Ein halber Ruf und zwei doppelte Streiche.
Zu den Herausrufen der Gefreiten vom Tage:
Ein halber Ruf und ein doppelter Streich .
Zu dem Heraus rufen der forniſten :
Ein halber Ruf und drei einfache Streiche.
zu dem Herausrufen der Tambours:
Ein halber Ruf und zwei eirifache Streiche.
OLLI
Volksh y m n e.
oth

22
UM

- E - FI

Die Volkshymne wird ſo oft als nöthig repetirt, ohne Trio .


Verbeſſerungen:
Seite 54 Nr. 189 , Zeile 7 von oben ſtatt : nfeuerna lies : » feuer «
» 119 481 » 7 von unten oberen unteren
Plan I.
Fig . 1 .
c Achsenlinie
m
Flughahn der Kugel

100 | 150 200 1250 p ! 300 Schritte

Fig . 2 . Achsenlinie
1h Visirlinie
Visir Schuss

150 Schritte

lingeltung
Fug. 3 .
150 100
Scheibe
950 Schritte 200 : .' Distanz 1. Distanz

Zielergrube

- Hölzerne Vorrichtung zum Unterrichte über olas Zielen :


ab, Unterlage
c, senkreciit gebohrtrs Loch , zur Befestiging auf
( d ) den Standpfloch ,
f . unbewegliche Säule mit einer Gabel ,
4 . Höhlung, durch welche
(h ) der Richtkeil verschiebbar ist,
e, bewegliche Säule mit (rahel , welche in der Höhlung (a ) durch
das Vor- oder Zurückschieben des Richtkeiles ( h ) nach Bedurf
gehoben oder gesenkt wirid .

Abrichtune ::Pesim f 1 Infant


Formular des Schiessbuches
Plan I.
Linku Leluti fuidu . Kustán Llablfuifn .
Schuſs - Tabelle

kuponom
Juwanfuns
own in libing . m 15. Mini 1850.

fufififin
unftanf
my
?

Biriya
l ' in Difmibn inhwffun

"
y
in vau vriendoufuth vun figuu

wiltnie
Sigur nechts links

111#

miten
lino

Hias
ting
format

tief
S inan

2018

100

100

60

100
17

100

50

100

Abrichings-Fifdufani
Plan II.
Fig . 4 . Rottenweise Hichtung rechts .
Zeichen Erklärung .
Unterofficier
Soldat des 1., 00
0
. . 2. Gliedes

het Unterofficier , in der verlasse =


1. Soldat J nen Aufstellung

Fig. 1. - --
Richtwig rechts vorwärts

10 Schritto

10Schritte
C

šesecoscoocoon
Fig. 5 .
Ziehung im Frontmarsch

Fig. 2.
Schwenkung
rechts
Fig . 3. â

ale rechts

Markirung des Anfangs und


* Endpunktas der Schwenkung .

u , Sdwenkunyspunkt,b , Punkt , auf welchem die Schwenkung vollendet wt.


ae , bc, Halbniesser von 2 Schritten . ab, Schwenkungsbogen von 3 Schritten
Liinge, welchen die Pivot Charye durchschreitet. D , ursprüngliche Frontli' -
mir des Gliedes. E , Frontlinie des filiciles nach der Schwenkung.- F . Richtungs
linie desGliedes, bei jedem Schritt , den der schwenkende Flügel voll =
führt .
Abrichtungs-Regim .f.d.Infot
Plan II.
Formirung der Doppelreihen - Colonne rechts.
bei unyeruder hottenzahl, bei gerader Rottenzahl.

Fig . 1. 0 0 0 0

Fig . 3 . Fig. 4 .
Aufmarsch einer rechts formirten Rechtsschuwenken und
Reihen -Colonne auf die Tete . aufmarschiren .
1 . . . .. . .

2 . Glied .


Fig. 5 .
Aufmarsch aus einer reduts formir .
ten Reihen - Colonne nach Passi - exe
rung eines Defülées . 1800

0000

Fig. 6.
Ő

Front und Flügel


Ó Ö

verändern .
OM

7 :7). 000000
0> 0 D 0 0 0 0 0 0 0 0
Co бусах хххххххо,

Abrichfungs-Regim .f.d.Infrt.
Plan 7

Fiq. .

Fig.3 . Fig . 4 .

Fig.6 .

Fig . 4. Fig. 8 .

Fig. I. Fig. 10 . e Fig. II. Fig.

al

Fig. 13 . ÓC

Abrichtungs-Regim fid infini.


Plan VT.

Fig. I Fig. I Fig . HL.

Fig. IV.

Abrichfuge-Regim .f.d .Injnt


Plan VL.

Stellung zweier. Rettenglieder .


3 Shr: 3. Scr: 18 Schritte 3 Schr: 3 Schr :

Formirung der lette von der Stelle uus – rechts


Directions hettenglied .

- Jinks
Directions hettenglied .

- rechts und links


Directions Hettenglied
. ES

0 : 1
- rechts
wobei die Tirailleurs die vorhandenen Terraingegenstände zu ihrer
Deckung benützenF
.
y
Directionshettenglied
hi
A TTI
mm

– rechts und links,


wobei die Tirailleurs die vorhandenen Terraingegenstände zu ihrer
Deckung benützen .
U
TO SaWloAnT WA

TUTTO
TURUT m m
3 .. ZUrections hettenglied
UCUN

DAI ikim
W

Abrichtunészpiegim .f.d.Infine
Plan VII.
Formirung der hette rechts vorwärts ,wenn keine Terraingegenstände
zur Deckung vorhanden sind .

Formirung der hette rechts vorwärts , mit Benützung von Terrainge -

WIRDIES
genständen zur Deckung .
Wh !

WW
/ m
Formirung der Kette rechts und links vorwärts auf ebenen Terrain .

Formirung der Kette rechts und links vorwärts ,mit Benützung des Terrains.

Tunu hao

Abrichinês -Resimal
Plan X .

Passirung eines Defilés


im Vormarsche , im Rückmarsche .
O
OO 99
O 9
-- - - OO
- - -NDA ---
- -- M- wYI
---
www .
M
111) I

---
oo--

-
soo - ' oO OOO OOO - -
0
O 00
OO - - - 0 - 0 0

Angriff mit dem Bajonett . Formirung von Klumpen .


OOO OOO 0 090 090
OOO

r
iet
ttet
11
hurt

WITH
Ba b er
gu
es
P em .. 200-2° 0
nyilm kwa

Verstärkung der Tiruilleurkette . Rückzug mit einer doppelten Ti -


railleurkette .
000 000 000 000
OO O

1111111 Home
Il
I .
00000 boog
0000 000
@ oooooooo

OOOOOOO
BOOOOOOOO
Primul

IN Want statin

Alrichfumés-Regim .f.a infni.


Plan X .

Fig. 1 .

FUREPRIRE
Tom

HU
LID
Fig . 2 .
SI

Fig. 3.

Ww
UMNS

.
Fig.4 .

Fig. 6.
Fig . 6 .

Www

WWW
NO
without Fig. 7.
TUL
mm
TIKmI ..

0 25 50 75 100 200 Schritte .

Abrichtungs-Regira.f.d.Infint.
Plan XI.

Earls
Fig.2.
Fig. 3 .

HA
MI
TO L
D

N
ws
S
S

Al

WA

AU
TO

INC

777
Stellung gegen Infanterie .
Gerader Stofs . Ausfall.
Plan XII.

Fig .1.

Vi
o

C ny
os

Simon

Vordere Ansicht
Seiten -Ansicht
der Stellung gegen Infanterie .
Plan M .

Fig 1 .
Fig . 2 Fig 3 .

PA
IN
20

-
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WAFU
VA
un

wyn ‫کت‬
‫رها‬hy

Gerader Stoſs . Ausfall


Plan XIV .

Fig . 3 .
Fig. 1 . Fig . 2 .

E
L
A

PA

:
l
Al
BW3I3
Se

ng mga

www

VA
Stellung gegen den mit dem Säbel bewaffneten Reiter.
Doppelte Parade .
Einfache Parade.
Plan XY.

m TELE
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0

7
22

NS

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DJ wa

Sisionscooter
IUDDB
WAN

antha
Stellung unmittelbar vor dem Schlag und Sprung rechts .
Plan XVI.

FE
MASOKAN
ST
22
MWA
I

WISAS
JY
Ausfall nach dem Schlag und Sprung rechts .
Plan XVII .

LAM

SU
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ID E
14 1
0

WA
WWW

use
WWW
WWW

Wak

WIND
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Das Caracolliren .
Plan XTM

HUND

BLONI
ROM

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OLICO
olunu
SW071
AN

ZZE
‫رہ‬
‫م‬
‫ع‬

ho

Ausfall nach dem Caracolliren .


Plan XIX .

Fig 1. Fig. 2. Fig . 3.

sas
12

Suun

Vili

R
WILS
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sil9! 18

WUM
E
. .S

ily
WWW
RIS
DOW
OR N

2014PR11

Pirit

B92
-
Zavarres

Vordere Ansicht . Seiten -Ansicht I.Pariren der Lanze .


der Stellung gegen die Lanze . vordere Ansicht:
Plan XX.

Fig.1 . Fig.2 . Fig . 3 .

OTT
DOZ
PILS

yen
VO mum
1 IMM
Categuntas merum
st
ra
no

II .Erheben der Lanze und schnelle III.Wegschleudern der Lanze Stellung unmittelbar
Annäherung an den Reiter . und Voltiren . vor dem Ausfall.
Plan XXI.

il

We
25
22

Ne2 s
MERENDO

1
WALA
SAS

2
DODAT

N
VureI
L
Att

som

INY
(TAMINE
191

Gedr. der J Rasul in Wien


Lith . 7. F. Hollar ,