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| KAISKÖNHOFERTA BIBLIOTHEK

70.517 -A
ÖsterreichischeNationalbibliothek

+Z225026308
Mórichtungs- Reglement

für die

kaiſerlich -königlichen Fuß- Truppen .


ticales

70517 - 4
Wien .
Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei.
1867.
Dieſes Reglement iſt für das Hinterladgewehr, mit tiefer
geſepten Riemenbügeln beredinet.
Ulm jedoch auch mit den jeßigen Vorderladgewehren die
neuen Gewehr-Lade- und Feuergriffe üben zu können , dienen fol
gende Anhaltspunkte :
Gewehrgriffe; – durch das Tieferhängen des Geweh .
res werden , beſonders fleine Leute, bei einzelnen Griffen die
Hände und das Gewehr nicht gleich in die vorgeſchriebene Lage
bringen können ,ſondern dieſe erſtmittelſt eines Hilfsgriffes erhal
ten, z . B . wird beim Präſentiren die linke Hand das Gewehr
nicht beim Abſehen erfaſſen können,wohlaber,wenn das Gewehr
an die linke Seite gebracht und von der rechten Hand nach Vor
ſchrift erfaßt iſt, die linke zum Abſehen herab gebracht werden
können , welche unbedeutenden Abweichungen jedoch nicht zu
beachten ſind.
Lade- und Feuergriffe ;
116 werden Patron - und Kapſeltaſche geöffnet.
117 „Fertig “ ! wird das Gewehr wie bei „ Pflanzt das
Bajonnet“ vor fich geſtellt, mit dem Laufe nach auswärts gewen
det, die Ladung nach jebiger Art vollzogen , zumn Aufſeßen des
Kapſels die Wendung wie bisher gemacht, das Gewehr jedoch
nicht in eine ſchräge, ſondern in die wagrechte Lage gebracht
und ſodann geſchultert.
Die Nr. 125, 126 , 298 —- 300 kommen mit dem bisherigen
Gewehr nid)t in Anwendung.
Alle hier nicht genannten Nummern ſind, wo nöthig , mit
Bezug auf 116 und 117, geändert in Anwendung zu bringen.

Die beigefügten Zeichnungen ſind als proviſoriſch der Kritik


nicht zu unterziehen. Wo ſelbe gänzlich fehlen , ſind die ent
ſprechenden aus dein jeßigen Abridstungs-Neglement zu ent'
nehmen.
III

I n h a 1 t.
Seite
Einleitung . . . IX

I. Hauptſtück .
Ausbildung des Soldaten .
1. Abſchnitt.
Ausbildung des einzelnen Soldaten .
1. Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . .
ဗကံ
ဗမာ
ဧတံ
ဧကံဗအကံကတံတံ

§ . 2 . Gelenkübungen . . . . . . . . . . . . . .
3. Uebungen im Laufen . . . . . . . .. 11
4 . Uebungen im Springen . . . . . . .. 12
18
5. Uebungen an einer Barrière . . . . .
6. Ueberſeßen höherer Gegenſtände . . . . .
7.8. Gebrauch des Gewehres als Stoßwaffe . .
Stellung . . . . . . . . . .. . . . .
22

9. Wendungen des Kopfes . . . . . . . 43


10. Wendungen des Körpers . . . . . .. 44
11. Marſch vor- und rückwärts . . . . 46
§. 12. Gewehrgriffe . . . . . . . .
g. 13. Lade- und Feuergriffe . . . . . . . . . . . .
§. 14 . Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . .
15. Stellung und Exerciren des Tambours i .
$. 16. Stellung und Exerciren des Horniſten und des
Bandiſten . . . . . . . . . . . . . . . .
$. 17. Stellung und Exerciren der Schanzzeugträger und
Zimmerleute der Pionniere . . . . . . . . . . 3
2. Abſchnitt.
Ausbildung des Soldaten im Gliede.
Seite
§. 18 . Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . 74
mg ves oneses . . . . . . . . . . 75
$. 20. Richtung . . . . . . . .
§. 21. Wendungen . . . . . . . .
§. 22. Marſch vor- und rückwärts .
§. 23. Schwenkung . . . . . .
§. 24. Einzelne Defilirung . . . .
$. 25. Sewehrgriffe . . . . . . . . . . . . . . . 89
S. 26 . Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . . 90
§. 27. Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . . .
3. Abſchnitt.
Ausbildung des Soldaten im Zuge.
§. 28 . Vorbereitung . i . . . . . . . . . . . . . 95
$.
I. Ausbildung des Soldaten in geſchloſſener Ordnung:
29. Aufſtellung des Zuges . . . . . . . . . . . . 96
$. 30. Aufſtellungs- und Bewegungsbehelfe . . . . . . 102
§. 31. Marſch vor-, ſeit- und rückwärts . . . . . . . . 105
§. 32. Formirung aus Reihen oder Doppelreihen . . . . 107
$. 33. Bewegung der Reihen oder Doppelreihen . . . . 109
§. 34. Veränderungen der Reihen oder Doppelreihen . . . 111
35. Entwicklung aus Reihen oder Doppelreihen . . . 115
§. 36 . Gewehrgriffe . . . . . . . . . . . . . 119
ကံ

§. 37. Formirung der Gewehrpyramiden . . . . . . . 120


38. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . . 122
ကံ

S. 39. Bajonnet-Angriff . . . . . . . . . . . . . . 127


40. Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . . . . 131
II. Ausbildung des Zuges in der zerſtreuten Fechtart :
§. 41. llebergang aus der geſchloſſenen Ordnung in die zer.
ſtreute Fechtart . . . . . . . . . . . . . . 134
42. Benüßung des Terrains . . . . . . . . . . . 139
§. 43. Gebrauch der Waffen in der zerſtreuten Fechtart . .
ကံ

§. 44. Bewegung in der zerſtreuten Fechtart . . . . . .


$. 45. Benehmen der IInterſtüßung . . . . . . . . . .
g. 46. Verſtärkung und Ablöſung des Zuges . . . . . . 148
Seite
$. 47. Bajonnet-Angriff . . . . . . . . . . . . . . 151
$. 48. Vertheidigung gegen Reiterei . . . . . . . . . 155
§. 49. Ulebergang aus der zerſtreuten in die geſchloſſene
Ordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
$. 50. lleberſicht der zu benüßenden Hornfignale . . . . 160
4. Abſchnitt.
Allgemeine Beſtimmungen für die Ausbildung und
Führung einer Kompagnie.
§. 51. Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . 162
§. 52. Aufſtellung einer Kompagnie in geſchloſſener Ordnung 164
$. 53. Aufſtellungs- und Bewegungs-Behelfe . . . . . 168
§. 54. Frontal-Bewegungen . . . 171
§. 55 . Formirung, Bewegung und Entwicklung der Kolonne 174
1. Formirung der Kolonne . . . . . . . . . . ., 175
II. Bewegung der Kolonne . . . . . . . . . . . . 180
III. Entwicklung der Kolonne . . . . . . . . . . . 189
§. 56. Feuergefecht in geſchloſſener Ordnung . . . . . . 192
$. 57 . Bajonnet-Angriff . . . . . . . . . . . 194
S . 58. Vertheidigung einer Kompagnie gegen Reiter-Angriffe 200
. 59. Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . . 205
9. 60. Grundjäße für die Anwendung der zerſtreuten
Fechtart . . 208

II. Hauptſtück .
Ausbildung der Chargen .
§. 61. Stellung und Exerciren des linteroffizier8 . . . . 212
$ . 62. Stellung und Ererciren des Fahnenführers . . . . . 212
§. 63. Stellung und Exerciren des Bataillons, und Regi.
ments- Tambours . . . . . . . . . . . . . . 215
$. 64. Stellung und Exerciren des Bataillons-Horniſten . . 216
S . 65 . Erklärung einiger Linien , Winkel und Flächen . . 217
$. 66. llebung der Chargen im geraden Marſchiren . . . . 220
S . 67. llebung der Chargen im Einhalten der Deckung . . 221
§. 68. Vorgang bei der Abrichtung . . . . . . . . . . 221
VI

III. Hauptſtück .
Stellung und Ererziren
bon
der Stabg. und
Oberoffiziere.
Seite
$. 69. Stellung und Ererciren der Stabs- und Oberoffiziere
zu Pferde . . . . . . . . . . . . . . . . 228
$. 70. Stellung und Exercilen der Stabs. und Oberoffiziere
zu Fuß . . . . . . . . . . . . . . . . . 231

IV . Hauptſtück .
Schieß . Inſtruction .
$. 71. Einleitung : . . . . . . . . . . . . . . . 235
1. Abſchnitt.
Beſchreibung der k. F. Armee-Gewehre und der
zugehörigen Munition .
§. 72. Beſchreibung des Gewehres . . . . . . . . . . 236
$ . 73. Beſchreibung der Munition . . . . . . . . . . 241
2. Abſchnitt.
Beſchreibung der Scheibe und Herrichtung des
. Schießſtandes.
$. 74 . Scheiben . . . . . . . . . . 242

§. 75. Schießſtätte und deren Einrichtung . . . . . . . 243


3 . Abſchnitt.
Vorbereitung zum Scheibenſchießen .
$ . 76 . Zielen und Treffen . . . . .. . . . . . . . . 244
§. 77. Treffwahrſcheinlichkeit und Einwirkung auf die Rich.
tigkeit des Schießens . . . . . . . . . . . . 248
§. 78. llebung im Anſchlag . . . . . . . . . . . 250
VII
4. Abſchuitt.
Scheibenſchießen. Seite
$. 79. Arten der Schießübungen . . . . . . . 253
§. 80 . Verwendung der Scheiben-Munition . . . . . . 254
$. 81. Uebung im Beurtheilen der Entfernungen . . . . 254
§. 82. Einſchießen der Gewehre . . . . . . . . . . . 257
$. 83. Behandlung der Waffen . . . . . . . . . . . 258
§. 84. Viſitirung des Gewehres . . . . . . . . . . . 260
5 . Abſchnitt.
Anwendung der Feuerwaffe im Ernſtegebrauch.
$ . 85 . Einleitung . . . . . . . . 262
f. 86 . Feuer aus geſchloſſenen Abtheilungen . . . . . . 263
$ . 87. Anwendung der Feuerwaffe vom einzelnen Schüßen . 263
Schema I . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
Schema II . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
Trommelſtreiche . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
Qornſignale . . . . . . . . . . . . . . . . 286
Plan I und II.
jono
burd)

) Uau
91139

ihre
IX :

Einleitung

Die Ausbildung des Soldaten iſt die Grundlage


der Verwendbarkeit eines Kriegsheeres, und folglich
die erſte Vorbereitung zur Ausübung der Kriegskunſt.
Das vorliegende Neglemententhältden Leitfadeni,
nad,welchem der Soldat unterrichtetwerden ſoll, uin
ſowohl als Theil des Ganzen mitwirken , als aud)
durch die Gewandtheit im Gebrauche der Waffen ſei.
nen Gegner überwältigen , oder ſich ſelbſt mit Erfolg
vertheidigen zu können .
Die pünktliche Befolgung dieſer Vorſchriften wird
allen Vorgeſekten zur unbedingten Pflicht gemacht.
Minder Fähige werden hierdurch ſchon einen Theil
ihrer Berufspflichten erfüllen , während Fähigere in
dieſen Beſtimmungen eine ſichere Anleitung finden , um
ihre Begriffe zu ordnen , zu befeſtigen , und ſich zu einem
X
größeren Wirkungskreiſe vorzubereiten ; auch kannman
fich verſprechen, daß der angehende Soldat in kurzer
Zeit jenen Grad militäriſcher Ausbildung erlangen
werde, welcher deſſen vollſtändige Brauchbarkeit zur
Erfüllung ſeiner ehrenvollen Verufspflichten verbürgt,
und überdieß ſeinem Benehmen jener Anſtand auf
geprägt werde, der gleichweit von Ungeſchliffenheit
und Nohheit,wievon Ungeſchidlichkeitund Schüchtern.
heit entfernt iſt.

derl
I. Hauptſtück .
Ausbildung des Soldaten .

. 1. Abſchnitt.
Ausbildung des einzelnen Soldaten .
1 . §. 1.
i Vorbereitung.
Die Ausbildung des einzelnen Soldaten hat 1 .
den Zweck, demſelben die für ſeine Beſtimmung erfor
Derliche Haltung, Beweglichkeit und Gewandtheit des
Körpers beizubringen , ihm die Handhabung und Be
nüßung der Waffen zu lehren .
Die einem Abrichter zur einzelnen Yusbildung 2 .
zugewieſenen Soldaten ſind mit Zwiſchenräumen von
1 Schritt in einer Linie nebeneinander aufzuſtellen
und die nothwendigen Belehrungen , ſowie auch die
hieraus folgenden Anordnungen anfänglich einzeln zu
ertheilen .
Bei der Ausführung hat der Abrichter nicht auf 3.
die erzielte Gleichmäßigkeit, ſondern hauptſächlich dar
auf zu ſehen , daß jeder einzelne Soldat die angeord :
nete Bewegung vollkommen richtig vollführt, und wenn
dieß nicht der Fall ſein ſollte, ſo ift jener Soldat, wel.
cher die Ausführung mangelhaft bewirkte, allein zur
Wiederholung zu veranlaſſen .
1. Jauptftäck. – 1. Abſchnitt.
4. Jede Bewegungwird mittelſt eines Kommando's
angeordnet.
Wenn ein Kommando aus mehreren Silben
oder Worten beſteht, ſo erfolgt die Ausführung auf die
lepte Silbe oder auf das leßte Wort.
Handelt es ſich um die raſche oder gleichzei.
tige Ausführung einer Bewegung, ſo iſt die leßte Silbe
oderdas legte Wortkurz undmit Nachdruck auszuſprechen .
Zwiſchen den gedehnt und kurz auszuſprechen .
den Silben oder Worten , von welchen die erſteren
durch dünne, die leßteren durch ſtarke Buchſtaben im
Neglement bezeichnet ſind, muß immer eine kleine Pauſe
eingehalten werden , welche aber nicht zu Erläuterungen
benüßt werden darf.
$ . 2.
Gelenkübungen .
5. Vor Beginn der Gelenkübungen hat der Soldat
auf das Aviſo :
„Þüften feſt!"
eine aufrechte Stellung mit geſchloffenen Ferſen anzu
nehmen und die Hände, mit den Daumen nach rück .
wärts, flach auf die Hüften zu legen. Die Elbogen ſind
dabeimäßig zurückzunehmen . Um eine begonnene Bee
wegung einzuſtellen, wird aviſirt :
„ Herstellt !"
worauf die früher innegehabte Stellung wieder ange.
nommen wird, was hier ein . für allemal geſagt iſt.
Zur Uebung:
6. Ferſen heben !“
erhebt der Soldat beide Ferſen langſam vom Boden .
und bringt dadurch die Schwere des Körpers auf die
Ballen, worauf erſtere wieder langſam geſenkt werden .
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 3
„Kniee beugen !"
werden die Ferſen erhoben , dann
die Kniee langſam geöffnet und ſo
weit gebogen, daß die Oberſchenkel
mit den Unterſchenkeln beinaherechte
Winkel bilden . Der Oberleib darf
bei dieſer Bewegung nicht vorge.
neigt, und eben ſo wenig der Mücken
gekrümmtwerden . Hierauf werden
die Kniee wieder geſtreckt und die
Ferſen geſenkt.
Hüpfen !"
hebt der Soldat die Ferſen, beugt
die Kniee,wie in Nr. 7 erklärt wurde, ſchnellt ſich durch
einen kräftigen Abſtoß beider Ballen und durch die
gleichzeitige Streckung der Knie- und Fußgelenke mit
aufrechtem Körper einige Zoll gerade über den Boden ,
hüpft wieder auf die nämliche Stelle nieder, ſtreckt dann
die Riniee und ſenkt die Ferſen .
Hocken und Füße 9.
öffnen !"
werden die Ferſen gehoben ,
die Kniee geöffnet und langſam
ſo ſtark gebogen , bis die Ober
und Unterſchenkel fich berüh.
ren ; um den Oberleib dabei
in vollkommen aufrechter Lage
zu erhalten, muß das Kreuz
eingezogen werden , und die
Elbogen ſind mäßig zurückzu :
nehmen ; die Ferſen bleiben ge:
ſchloſſen . Hierauf geben die
Ballen einen kräftigen Abſtoß.
1. Hauptſtück. – 1. Abſchnitt.

die gleichzeitig zu ſtreckenden Beine werden auf die


dreifache Fußlänge von einander entfernt auf den
Boden geſtellt; der Soldat ſpringt hiebei auf die
Ballen nieder und ſenkt dann die Ferſen .
Nun werden aus der Stellung mit geöffneten Füßen
rach einem verhältniſmäßig ſtarken Abſtoße der Ballen
die Ferſen geſchloſſen , und die Kniee wie vorhin bis in
die hockende Stellung gebogen ; nach genügender Wie.
derholung dieſer Uebung wird wieder die frühere Stela
lung angenommen ..
10 . „ Iniee heben !“
wird das linke Knie in der Richtung
des Fußes langſam ſo hoch erhoben ,
daß der Oberſchenkel eine wagrechte
Lage erhält. Der Unterſchenkel behält
die vertikale Richtung, und die Fuß
ſpiße wird abwärts geſenkt; dann wird
der linke Fuß auf den Boden geſegt,
das rechteKnie erhoben und die Uebung
mehrere Male mit mäßiger Geſchwin
digkeit wiederholt.
Hierauf läßt der Abrichter die.
ſelbe in einem lebhafteren Tempo, und
zwar mittelſt eines ſpringenden
Aufſchnellens der Füße, öfter hinter
einander, dann aber wieder einige Male langſam aus
führen .
„ Durch biegen !"
wird daslinke Knie wie vorhin erhoben , und die Fußſpige
mit den Fingern der linken Hand erfaßt, wobei der Arm
an die innere Seite des Kniees zu liegen kommt; hierauf
wird das Knie geſtreckt, endlich der Fuß , ohne ihn los
zu laſſen , bei gebogenem Knie nach rückwärts geführt,
Soldaten
Ausbildung des einzelnen Solda ten .. 5
der Körper in
dieſer Stellung
einige Augen
blicke ruhig er
halten , dann
das Durchbie.
gen mit dem
rechten Fuße
ausgeführt.
„Sniee 12
ſchnellen ! "
werden die
Kniee beiherab.
- hängenden und
· ein wenig rück.
wärts gehalte.
nen Armen mäßig gebogen ; dann ſchnellt ſie der Sol.
dat ſo hoch als möglich gegen die Bruſt, wobei der
Rücken zu krümmen iſt,
und ſpringt in die frü
here Stellung nieder .
„ Füße vor. 13
wärts heben !“
wird der linke Fuß
vollkommen geſtreckt,
langſam gerade vor.
wärts beinahe bis in
die wagrechte Lage er
hoben , in dieſer einige
Augenblicke erhalten ,
dann niedergeſeßt;
hierauf erfolgt das.
ſelbe mit dem rechten
Fuße.
1. Hauptſtück. – 1. Abſchnitt.

„ Füße rück w ärts


heben !"
wird der geſtreckte linke Fuß
ſo weit, als es ohne merk.
liches Vorneigen des Körpers
möglich iſt, zurückgeführt,
dann langſam wieder an
ſeine Stelle gebracht; hierauf
wird dasſelbe mit dem rech .
ten Fuße wiederholt.
„ Füße ſeitwärts
heben !“
wird der geſtreckte linke Fuß
in gerader Richtung links
ſeitwärts , wo möglich bis
. in die wagrechte Lage
erhoben, dann lang.
ſam wieder nieder
geſeßt, und hierauf
dasſelbe mit dem rech .
ten Fuße rechts voll.
führt. Der Oberleib
for auch bei dieſer
Uebung ziemlich ver
tikal bleiben , und die
Bewegung der Füße
ſelbſtſtändig geſchehen .
„ Füße vor:
wärts [ chwin.
" gen !"
wird der linke Fuß
langſam vorwärts erhoben , durch eine kreisförmige
Bewegung links ſeitwärts, dann zurück und endlich
Ausbildung des einzelnen Soldaten .

wieder vorwärts geführt, von wo die Bewegung zu


wiederholen iſt. Nach einigen Wiederholungen wird
dieſelbe Uebung mit dem rechten Fuße vorgenommen .
„ Füße rückwärts ſchwingen !" 17.
wird die Schwingung in entgegengeſeßter Richtung aus.
geführt, nämlich zuerſt der geſtreckte linke Fuß rückwärts
erhoben , dann ſeit- und vorwärts geführt, und aus der
lekteren wagrechten Lage die Schwingung wieder nach
rückwärts begonnen , worauf der rechte Fuß in Bewe.
gung geſegtwird .
„Arm vorwärts ſchwingen !" 18 .
wird der linke Arm
mit geſchloſſener
Hand gerade vor
wärts geſtreckt, er.
hoben , der Ballen
der Hand auswärts
gewendet, und dieſe
hierauf anfänglich
langſam , dann aber
raſch und kräftig
mehrere Male in
einem vertikalen
Kreiſe an der Seite
des Körpers unter
mäßiger Vornahme
der rechten Schulter
geſchwungen , hier.
auf die linke Hand
auf die Hüfte gelegt und der rechte Arm in derſelben
Weiſe geſchwungen.
„Arm rückwärts ſchwingen !“
wird der linke Arm zurückgeftreckt , die Schwingung in
1. Hauptftäck. – 1. Abſchnitt. .
entgegengeſekter Richtung ausgeführt, dann dieſelbe
Uebung mit dem rechten Arme vorgenommen .
20 . „Ärme por
wärts ſtoßen !"
werden beide Arme
mit geballten Fäuſten
gerade vorwärts ge
ſtoßen , ſo daß legtere
in die Höhe der Schul
tern zu ſtehen kom
men , dann ſind die
Arme, ohne ſie im El.
bogengelenke zu bie
gen , in gleicher Höhe
nach beiden Seiten
raſch und kräftig aus.'
einander und ſo weit
zurück zu führen , als
es die Schulter
gelenke erlauben ;
endlich werden
die Hände wie.
der langſam an
die Hüften gelegt.
21. . . . .. , „ Arme
ſeitwärts
ſtoßen !"
werden beideUn.
terarme nahe am
Leibe ſo hoch er.
hoben , daß die
Daumen der ge.
ſchloſſenen Hände
Ausbildung des einzelnen Soldaten .

die Bruſt nahe bei den


Schultern berühren ; die
Elbogen bleiben nahe am
Leibe. Nach dieſer Vorberei.
tung ſind beide Arme durch
eine kräftige ſtoßartige Be.
wegung in der Höhe und
Richtung der Schultern aus.
zuſchnellen , woraufdann die
Hände wieder langſam an
die Hüften zu legen ſind.
„ Arme abwärts ſto : 22.
ßen !“ werden die geſchloſ
ſenen Hände mit abwärts
gerichteten Handrücken unter
die Achſelhöhlen gebracht
und die Handgelenke
gebogen ; die Schultern
dürfen dabei nicht geho .
ben und die Elbogen
nicht vorgenommenwer.
den ; dann werden die
Arme raſch und kräftig ,
b. i. ſtoßartig gerade
abwärts ausgeſchnellt,
worauf die Hände wie.
der langſam an die Hüf.
ten zu legen ſind.
„ Vorwärts 23.
beugen !"
wird der Oberleib bei
angezogenen Knieen
10 1. Haupt . – 1 . Abſchn .
fück itt
langſam ſo weit als -
möglich vorwärts gebo.
gen , dann wieder lange
ſam in die frühere Stel.
lung erhoben .
,,Nückwärts beu.
gen !"
iſt der Oberleib langſam
ſo weit rückwärts zu beu .
gen , als es mit geſtrecka
ten Knieen und feſtſtehen.
den Ferſen geſchehen kann ;
das Kinn darf dabei nicht
- zu ſtark erhoben werden .
Hierauf wird der Obere
leib wieder gerade ge
ſtelt.
„ Seitwärts beu:
gen !"
wird der Oberleib ohne
Verdrehung der Schultern ,
bei feſtſtehenden Füßen , ſo
'weit als möglich links
ſeitwärts geneigt, dann
langſam wieder in die
gerade Stellung erho.
ben ; hierauf die Beugung
rechts und die Herſtellung
aus derſelben ausgeführt.
; Der Ropf folgt der Be.
wegung des Oberleibes ,
ohne dabei gewendet zu
werden .
Ausbildung des einzelnen Soldaten. 11
„links (Rechts) drehen !“ 26 .
wird der aufrechte Oberleib um
ſeine Achſe, bei feſtſtehenden Füßen ,
langſam ſo weit links ( rechts) ge
dreht, daß die Schultern beinahe
ſenkrecht auf ihre frühere Richtung
zu ſtehen kommen ; dann wird wie.
der die frühere Stellung ange.
nommen .

§. 3.
Uebungen im Laufen .
Das Laufen macht behende,
kräftigt Lunge und Füße.
Die Länge des Laufſchrittes 27 .
iſt größer als die des gewöhnlichen
Marſchſchrittes ; mit 150 bis 160
Laufſchritten muß im gewöhnlichen Lauftritt eine Strecke
von 250 Marſchſchritten in einer Minute hinterlegt
· werden .
Im beſchleunigten Laufe hat der geübte Soldat
in einer Minute eine Strecke von beiläufig 350 Schritten
zu hinterlegen .
Die Uebung im Laufen ſoll auf einem ebenen,
trockenen , nicht mit Flugſand bedeckten Boden und nie
gegen den Wind vorgenommen werden.
Während des Laufens iſt der Mund leicht zu ſchlie
ßen, und der Athem in längeren Pauſen durch die Naſe
einzuziehen.
Nach der Laufübung ſoll der Soldat etwas
herumgehen , bis die Lunge fich vollkommen beru
higt hat.
12 1. Hauptfück . – I. Abſchnitt.

28 . Der Abrichter läßt den Soldaten die Hände auf


die Hüften legen und weiſt ihn an, ſich mit dem Ballen
eines Fußes vom Boden abzuſtoßen und mit dem andern
Fuße auf eine Lauf-Schrittlänge vorwärts zu ſpringen ;
der Niederſprung muß leicht und auf den Ballen erfol.
gen , das vordere Sinie ein wenig gebogen , und der
rückwärtige Fuß mit mäßig geſtrecktem Knie- und Fuß
gelenke rückwärts über dem Boden gehalten werden ;
dieſe Bewegung wird anfangs mit mäßiger Geſchwin
digkeit fortgeſeßt, und auf kurzer Strecke öfter wiederholt.
Der Oberleib wird dabei etwas vorgeneigt, die
Hände ruhen auf den Hüften , die Elbogen werden zur
beſſern Wölbung der Bruſt etwas zurück genommen ,
die Füße durch einen leichten Abſtoß der Ballen fort
· geſchnellt, und die Fuß- und Kniegelenke in regelmäßiger
Abwechslung mäßig gebogen und geſtreckt.
29. In der erſten Zeit iſt nur ungefähr eine Minute
lang zu laufen , bei zunehmender Fertigkeit kann dies
auf die Dauer von zwei bis drei, endlich bis auf
acht Minuten erfolgen. Man ſoll auch einige Soldaten
auf ein beiläufig 80 bis 100 Schritt entferntes Ziel
um die Wette laufen laſſen ; bei dieſem Schnelllaufe
werden die Arme frei und naturgemäß bewegt. .
30. Beim Beginne der Uebung im Laufen iſt der
Soldat von jeder Belaſtung zu befreien, in der Folge
hat er die Patrontaſche und das Seitengewehr, dann
auch das Gewehr und endlich den gepackten Torniſter,
ſowie die vollſtändige Feldausrüſtung zu tragen .
$. 4 .
Uebungen im Springen .
31. Die Uebungen im Springen entwickeln beſonders
die Schnellkraft der Füße.
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 13
Springen über die Schnur.
Zur Uebung im Hochſpringen können zwei 32.
4. Schuh hohe Stäbe in die Erde eingeſteckt und mit
einigen Nägeln verſehen werden , aufwelche eine Schnur
ſo gelegt wird, daß ſie bei dem geringſten Anſtoß herab
fällt. An den Enden der Schnur ſind zur Spannung
derſelben 2 Sandjäckchen zu befeſtigen ; auf ihre
Mitte iſt zur deutlicheren Wahrnehmung der gegebenen
Sprunghöhe ein Tuchlappen zu legen .
Der Plaß zum Niederſprunge muß weich ſein. 33.
Um mit geſchloſſenen Füßen von der
Stelle vorwärts über die Schnur, welche anfangs
auf Kniehöhe
zu richten iſt, zu
ſpringen , hat der
Soldat auf eine
halbe Schritt
länge vor die
ſelbe zu treten ,
die Hände an die
Hüften zu legen,
die Kniee etwas
zu beugen, das
Gewicht des Kör
pers etwas vor:
zunehmen , und
fich durch einen
kräftigen Abſtoß
der Ballen hin .
über zu ſchnellen .
wobei die Kniee gegen die Bruft aufzuſchnellen ſind;
der Niederſprung geſchieht auf die Ballen mit geſchloſ
14 I. Hauptſtück . – 1. Abſchnitt.

ſenen Füßen , die Kniee geben etwas nach, der Dberleib


wird ein wenig vorgeneigt.

Nach einiger Uebung iſt die Schnur auf Schenkel


höhe zu richten ; die geſchloſſenen Händewerden bei der
Aufſtellung vor der Schnur zurückgenommen , dann
gleichzeitig mit dem Abftoß der Ballen vorgeſchwungen ,
um hiedurch das Fortſchnellen des Körpers zu befördern .
Die Kniee find möglichſt hoch hinauf zu ziehen .
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 15
Hierauf ſtellt ſich der Soldat auf 2 Schritt vor 34.
die kniehohe Schnur , ſeßt den linken Fuß auf eine
Schrittlänge vor, hält die Hände nach rückwärts , und
beugt mäßig das vordere Knie. ·Aus dieſer Stellung
ſchwingt er unter kräftigem Abſtoße des linken Ballens
den rechten Fuß vor- und aufwärts , ſchwingt gleich .
zeitig beide Arme vor, pereinigt während dieſes Frei.
ſprungen von der Stelle beide im Knie nur mäßig
gebogenen Füße oberhalb der Schnur, und ſpringt mit
vorgehaltenen Händen auf die Ballen nieder. Dieſer
Sprung wird dann mit vorgeſeptem rechten Fuße aus.
geführt, damit der Soldat mit jedem Fuße abſtoßen
lerne.
Hierauf wird die Schnur auf Schenkelhöhe ge.
richtet. '
Der Soldat ſtellt ſich auf 6 Schritt vor der
Schnur auf, geht raſch gegen ſelbe an ; und ſtößt fich
mit Vollendung des fünften Schrittes zum Sprunge ab,
Der Abftoß iſt abwechſelnd mit dem linken und rechten
Fuße zu nehmen . Nach einigen Wiederholungen erfolgt
dieſer Sprung mit Anlauf auf 8 – 10 Schritte ; der
Anlauf muß langſam beginnen , dann je nach der
Größe des Sprunges beſchleunigt und mit nicht zu lan.
gen Schritten gemachtwerden.
Der Abſtoß iſt in dem Verhältniſſe weiter vor der
Schnur zu nehmen, als ſie höher gerichtet ift.
Beim Niederſprunge darf der Oberleib nicht zurück.
bleiben , die Siniee müſſen gebogen und geöffnet, die
Ferſen geſchloſſen werden .
. In der Folge iſt der Freiſprung auch in die Höhe 35.
und Weite, endlich mit dem Gewehre auszuführen , wo.
bei dasſelbe mit gebogenem rechten Arm ſo ziemlich
wagrecht an der Seite gehalten wird .
1. Hauptſtück. - I. Abſchnitt.

. Springen über den Graben. .


36 . , Zur Uebung im Weitſpringen dient ein 3
Schuh tiefer Graben , der auf einem Ende beiläufig
3 Schuh, auf dem andern 12 Schuh breit iſt.
Der Plaß zum Niederſprunge muß weich ſein .
Anfangs wird mit geſchloſſenen Füßen von
der Stelle über die geringſte Grabenbreite geſprun.
gen ; die Kniee werden nur mäßig gebogen , und die
Arme vorgeſchwungen .
Dem Sprunge mit geſchloffenen Füßen , welcher
allmälig auf die Weite von 6 - 8 Schuh auszuführen
atefolgt
Dauf
iſt, selben bvon
movie der Freiſprung onsder Stelle, welcher
9 - 10 Schuh geübtwerden ſoll.
. Hierauf geſchiehtder Freiſprung anfangs einige
Male mit Angehen auf 5 oder 7 , und endlich mit
vollem Anlaufe auf 10 - 12 Schritte. Der An.
lauf roli mit nicht zu langen Schritten erfolgen ; der
Niederſprung geſchieht auf beide Ballen bei geſchloſſenen
Füßen und geöffneten Knieen.
Bei einem ſehr weiten Sprunge werden beim Nie
derſprunge zuerſt beide Abfäße den Boden berühren ,
worauf nebſt einem kleinen Nachſprunge auf die Ballen
noch einige kleine Schritte gemacht werden müſſen , um
die Kraft der Sprungbewegung nicht durch einen ein .
zigen Gegenſtoß zu brechen .
Von den geübteren Soldaten ſoll der Freiſprung
mit Anlauf gleichzeitig auch in die Höhe, endlich auch
mit dem Gewehre ausgeführt werden .
. Tiefſpringen.
37. An dem breiteren Ende des Grabens iſt zum Tief.
ſpringen ein 3 Schuh hoher Erdaufwurf anzubringen .
Ausbildung des einzelnen Soldaten .
17
Die Sohle des Grabens muß weich ſein .
Zuerſt wird der Tiefſprung mit geſchloſſe.
nen Füßen , dann mit einem vorgeſeßten Fuße
von der Stelle gemacht.

Bei jedem Tiefſprunge dürfen die geöffneten Kniee


beim Niederſprung nicht zu ſtark nachgeben. Die Hände
werden vorgehalten , um den Körper nach Bedarf zu
unterſtüßen oder das Gewehr zu halten ; der Rücken
ift etwas zu krümmen .
18 1. Hauptfäck .-- . Abfdnitt.
on $. 5.
. . . Uebungen an einer Barrière. ,
38 . Gleichzeitig mit dem Unterrichte im Springen
können Uebungen an einer Barrière vorgenommen werden .
Der Soldatmacht zuerſt das Ueberſchwingen
mit beiden Händen , indem er legtere auf die Bar
rière legt, mäßig die Kniee beugt und nach einem ver
hältniſmäßig ſtarken Abſtoß beide Füße geſchloſſen und
geſtreckt rechts oder links ſeitwärts hinüberſchwingt,wo.
bei die Hände den Oberleib tragen .
Nach einigen Wiederholungen iſt dieſe Uebung
mit Wendung des Körpers nach jener Seite,gegen
welchedas Aufſchwingen der Füßeſtattfindet,auszuführen .
Der Soldat ſeßt über eine nicht zu hohe Barrière
auch mittelſt des Ueberſchwingens mit einer

. .
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 19
Hand, indem er ſich z. B . mit der rechten Hüfte
an die Barrière ſtellt , die rechte Hand auf dieſelbe
legt, den linken Fuß einen Schritt vorſeft, unter Ab
ſtoß desſelben zuerſt den rechten Fuß und gleich dar
auf auch den linken geſtreckt vor- und aufwärts und
ſofort auch den ganzen Körper unter Mitwirkung der
aufſtüßenden rechten Hand hinüber ſchwingt. Beim
Niederſpringen greift die linke Hand auf die Bar.
rière auf. . :
Endlich iſt dieſe Uebung mit hochgehaltenem Ge
wehre, und auch auf die linke Hand vorzunehmen .
Umden Soldaten im , Erhalten des Gleichge. 41.
wichteg“ zu üben , iſt ein runder Balken ohne eine be
ſondere Befeſtigung quer über einen Graben zu legen .
Der Soldat hat
mit ſtark aus.
wärts gewen .
Deten Fußſpißen
anfänglich
langſam , bann
ſchneller und
endlich im Lauf
tritte über die
ſen Balken zu
ſchreiten , wobei
er ſich die Er.
haltung des
Gleichgewich .
tes durch das
Erheben der
Arme erleichtern kann. In der Folge ſind die Hände
auf die Hüften zu legen , und es iſt auch das Zurück.
ſchreiten zu üben . Rann der Balken ſo gelegt werden ,
2*
13 nove
20 Aid DIO

daß ſein Schwanken das Ueberſchreiten nicht geſtattet


ſo hat der Soldat fich rittlings auf denſelben zu ſeßen,
die Hände vor ſich auf den Balken zu ſtüßen, und auf
dieſe Weiſe fich fortzubewegen .
42. Um ſich im Stüß auf den Händen reitend
fortzubewegen , greift eine Hand über die andere weg ;
der Dberleib wird bei etwas gekrümmtem Rücken in der
Schwebe auf den Armen getragen , die Füße hängen
dabei an beiden Seiten der Barrière frei herab.
$. 6 .
Ueberſegen höherer Gegenſtände.
Beim ng
Ueberſeßen einer beiläufig mannshohen
aos demas comportu desning
Mauer oder eines ſonſtigen Hinderniſſeswird der Soldat
mit den Händen unter Mitwirkung der anzuſtemmenden
Füße ſich zuerſt etwas emporziehen müſſen , worauf er
einen Arm nach dem andern aufſtemmt, oben in den
Siß übergeht, und aus demſelben mit Hilfe der ab.
ftoßenden Hände vorwärts niederſpringt.
Erreicht dagegen der zu überſeßende Gegenſtand
bereits eine Höhe von 8 - 10 Fuß , ſo muß ein Mann
zur Stüße dienen . Derſelbe hockt ſich nieder oder feßt
das linke Knie auf den Boden und legt die Hände an
die Mauer, oder Planke. Der aufſteigende Mann tritt
hierauf mit dem rechten Fuß zuerſt auf den rechten Ober
ſchenkel des Stüßmannes, dann mit dem linken Fuß auf
die linke, endlich mit dem rechten Fuß auf die rechte
Schulter desſelben und erfaßt, ſobald er durch das nun
erfolgende Aufſtehen des Stüßmannes erhoben worden
oben den hand, ſtüßt ſich mit den Armen auf, läßt fich
auf der andern Seite in den Hang an einer Hand nieder,
und macht daſelbſt mit aufrechtem Körper den Nieder.
Ausbildung des einzelnen Soldaten .

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ſprung auf die Ballen . Der zuleßt übrigbleibendeStüß.


mann kann erforderlichen Falles mit Hilfe einer herah
22 1. Hauptftück . Lá' . Abſdjuitt :"
gereichten Hand oder eines herabgereichten Gewehres
nachklettern , wozu er die Füße an das Hinderniß an
ſtemmen muß.
Andeutungen für den Abrichter.
45. Die gymnaſtiſchen Uebungen ſollen den Soldaten nicht nur
körperlich ausbilden , ſondern dem Lernenden auch eine
Unterhaltung bieten . Bei Erreichung des erſten Zweckes die.
nen ſie auch dazu, um leichte Körperdefecte oder üble Gewohn
heiten ſchnell zu beheben, ſo würden z. B . bei kniemeichen Leuten
alle Kniebewegungen , bei in eine Seite ſinkenden oder den Kopf
ſchief haltenden Leuten die Beugungen in die entgegengeſepte
Seite u. ſ. w . anfänglich ganz allein zu üben ſein,und erſt wenn
die entſprechenden Muskeln ſo weit thätig geworden ſind, daß ſich
das Fehlerhafte zu beheben beginnt, werden durch Vornahme
der anderen liebungen alle Muskeln gleichmäßig ausgebildet.
Die geeigneten Mittel biezu find : Mögliche Beſeitigung
jeden Zwanges, eine bequeme Adjuſtirung, ſo weit fie der militä
riſche Anſtand geſtattet, das Hervorrufen eines Wetteifers unter
den Lernenden , Belobung der Geſchicteren , Zufriedenheit mit
den geringeren Leiſtungen des Schwächeren , überhaupt das Er
halten einer heiteren Laune. Der Abrichter muß daber ſeine An
forderungen nach den körperlichen Anlagen jedes Einzelnen be
meſſen , deſſen Kräfte durch allmälig ſtärkere Leiſtungen ſteigern,
während der llebung aber auch der Mannſchaft die nöthige Er:
holung gönnen , und das lange Stehen in einer Stellung als
ermüdend berineiden .
Das Laufen und Springen iſt in zweckmäßiger Abwechs
lung mit den übrigen Gelenkübungen zu verbinden , die anſtren
genderen llebungen ſind in einem geeigneten Maße vorzuneh
men , und es iſt ſtets mit den weniger erſchöpfenden zu ſchließen .
" Jeder llebung überhaupt hat eine kurze Erklärung voranzu .
geben , und deren Ausführung hat der Abrichter zuerſt ſtets prak-,
tiſch zu zeigen .
Wenn mehrere Soldaten einem Abrichter zugewieſen ſind,
ſo werden ſie bei Gelenkübungen in ein Glied auf die Entfernung
von 3 Schritten nebeneinander aufgeſtellt, die Belehrung kann
ihnen gleichzeitig oder nach Erforderniß jedem einzeln gegeben
werden, doch iſt bei der Ausführung einer Bewegung von meh.
reren, durchaus keine zwedloſe Gleichmäßigkeit zu verlangen..
Ausbildung des einzelnen Soldaten . " 23
Die Benennungen der gymnaſtiſchen Uebungen braucht fich
nur der Abrichter, und zwar bloß in der Mutterſprache der abzu .
ichtenden Soldaten anzueignen .
§. 7. .
Gebrauch des Gewehres als Stoßwaffe. *)
Nachdem der Abrichter nöthigenfalls das Pflanzen 46 .
des Bajonnetes veranlaßt hat, ertheilt er das Rom .
mando :
Zum Fechten – Stellung !"

worauf der Soldat die Spiße des linken Fußes einwärts


wendet, bis dieſer ſenkrecht auf die Front fteht, gleich .
zeitig unter mäßiger Rechtswendung des Oberkörpers
den rechten Fuß auf anderthalb Schuhlängen gerade
zurückſeßt und das Bajonnet fält. -- Die linke Fuß
ſpiße muß in dieſer Stellung mit den beiden Abfäßen
*) Das Bajonnetfechten iſt erſt dann vorzunehnten , wenn der Soldat
überhaupt ſchon einige körperliche Gewandtheit erlangt hat. In
24 # L. Hauptft ). A !
üdiriai bfhnitt
eine gerade Linie bilden , der rechte Fuß ſenkrecht auf
Leßtece ftehen , das linke Senie bis über die Mitte des
Vorfußes , daš rechte bis in die Nichtung über der Fuß+
ſpiße vorgebogen und die Schwere -Des Körpers gleich
mäßig auf beið e Füße bertheilt werden . Der Ober
Leib behält die gerade und freie Haltung, die rechte
Schulter ift in Folge der Wendung verſagt, das Geſicht
iſt gerade vorwärts gerichtet, die Händer halten das
Gewehr kräftig umfaßt und drücken die Bajonnetſpiße
zur Deckung der Bruſt etwas links, damit das rechte
Auge auf den Gegner hervorſehen könne. rin sinton
" 11 Schultert ! st ics
wird mit der Halblinks-Wendung wieder die ſpäter er
klärteStellung mit geſchultertem Gewehre angenommen.
Zum Vorrücken in der Fechtſtellung kommandirt
der Abrichter : ts
Vorwär – Marsch !" . In otsid
worauf der Soldat den linken Fuß ungefähr um eine
Schuhlänge gerade vorſeßt und den rechten Fuß auf die
frühere Entfernung nachrückt. Beide Füße müſſen hier
bet die vorgezeichnete Stellung, die'Kniee ihre Biegung
behalten und der Dberleib muß im Gleichgewichte auf
den Hüften ruhen . " LO iloi d e
Zumdo Zurückgehen
48. Komman ! !
in der Fechtſtellung erfolgt das
i „ Rückwärts -- Marsch ! "
Der Soldat zieht hierauf den linken Fuß bis in die
Michtung des rechten Abfaßes zurück und gelangt durch
das Zurückſeßen des rechten Fußes in die frühere
Stellung. mascotas en toebehoren ?
sha ,Halt !44901c sting 9113 114 kg )?
welches immer beim Niederſekere der linken Fußes er:
folgen muß, iſt die Bewegung einzuſtellen . - Der Sol
Ausbildung des einzelnen Soldaten. 25

dat bringt in dieſem Falle den rechten Fuß ſogleich vor:


oder rückwärts in die Fechtſtellung. Dieſe Bewegungen
ſino ruckweiſe, anfänglich in längeren Bauſen , in der
Folge in Kürzeren fortzuſeßen .', as :::. .
104 Lauftritt vorwärts (rückwärts ) Marsch !" 49.
Die Bewegung wird hierauf im Lauftritte, der vormärts
mit dem rechten, rückwärts mit dem linken Fuße beginnt,
angetreten und mit mäßiger Geſchwindigkeit fortgeſeßt.
das Gewehr verbleibt in ſeiner Lage. ! ; }
1.11 Halt! " 0 1 . ; " ?,
iſt die frühere Stellung anzunehmen : 0 , ,
Die eben erklärten Bewegungen vor-und rückwärts werden
angewendet, um fich einem Gegner zu nähern oder um einem An.
griffe, desſelben , in der Erwartung eines günſtigen Umſtandes,für
den Augenblick auszuweichen, . .
Zurücktreten !" 50.
hierauf wird das rechte Knie geſtreckt, gleichzeitig der
linke Fuß raſch zurückgezogen und links ſeit: und rück.
wärts auf eine Schuhlänge vom rechten Abſaßemit dem
Ballen auf den Boden geſeßt. Die Schwere des Kör:
pers muß mehr auf den rechten Fuß verlegt und die ges
rade Saltung des Oberleibes, beibehalten werden .
Sodann wird der linke Fuß wieder vorgebracht und die
frühere Stellung angenommen . super ships
Dieſes Zurüdtreten wird angewendet, um den linken Fuß TI

aus dem Stoßbereiche zu bringen . l. 51.


Sprung – rückwärts ! .
der Soldat erhebt beide Ferſen und ſchnelle fich mittelft
eines kräftigen Abſtoßes der Ballen auf einen Schritt
rückwärts in die FechtſtellungW. i rkt
Dieſer Sprung wird angewendet, um ſich einem unmittelba
ren Stoße des Gegners durch eine raſche Bewegung zu entziehen .
Gerader - Stoss !" og for stitite - 52.
worauf das rechte Knie angezogen das linke Knie bis
in die vertikale Richtung über die Fußſpiße vorgebogen ,
1. Hauptftück. 1. Abſchnitt.

der Oberkörper ein wenig vorgeneigt, dadurch die


Schwere mehr auf den linken Fuß verlegt. Gleichzeitig
wird die rechte Hand bis in die Höhe der Hüfte, jedoch
rückwärts derſelben erhoben und die Spiße des Bajon
netes gerade auf die Bruſt des Gegners gerichtet, und
das Gewehr mit beiden Händen kräftig ſo weit vorgefto
ßen , daß der linkeArm geſtreckt iſt; dann ſogleich wieder
zurückgezogen und die Fechtſtellung angenommen. Der
rechte Vorarm hatwährend des Stoßes leicht auf dem
Kolben zu liegen und der Oberarm an den Leib ge
ſchloſſen zu ſein .
53. Ausfall !"
wird die für den geraden Stoß erforderliche Vorbereitung -
ausgeführt, und der linke Fuß auf die Länge eines hal
ben Schrittes gerade vorgefeßt, das Gewehr gleichzeitig
mit der rechten Hand kräftig vorgeſtoßen , aber hierbei
von der linken Hand: nicht feſtgehalten; ſondern inur
Ausbildung des einzelnen Soldaten .

unterſtüßt. — Leştere gleitet zu dieſem Zwecke während


des Stoßes mit den Fingern am Schafte bis an das
Schloß , wobei jedoch der Linke Arm geſtreckt zu fein
hat. Nach der Ausführung des Stoßes wird der linke
Fuß ebenſo wie das Gewehrıraſch wieder zurückgezogen
und die Fechtſtellung angenommen 13 :42
28 1. HamptAid , la Abfahnitt.
54. Doppelter Ausfall !"
ſeßt der Soldat den rechten Fuß mit auswärts gewen.
deter Spiße bis an jene des linken Fußes vor, vollführt
die erforderliche Vorbereitung und bewirkt durch das

1 :

Vorſeßen des linken Fußes und das kräftige Vorſtoßen


des Gewehres den Ausfall, worauf ſogleich wieder die
Fechtſtellung angenommen wird .
Dieſes find die Angriffsbewegungen des Soldaten .
55 . Rechts parirt !"
woraufder Soldat den linken Arm raſch ausſtreckt, und
dadurch das Gewehr vor: und etwas ſeitwärts ſchiebt.
Die Spiße des Bajonnetes.muß beiläufig in die Höhe
des Kinnes , die Kolbenſpiße vor die rechte Hüfte
gelangen, der rechte Vorarm nahe über dem Kolben
liegen, der Oberarm aber leichtan den Leib geſchloſſen
Ausbildung des einjäter Soldater . 29
person that she isnot

ſein ;hierauf iſtwieder in die Fechtſtellungzurückzukehren .


„ Links parirt!" er
worauf der Soldat das Gewehrmit erhoben Bajon . 56.

Ci t eure

ties atvlool. Go
01. Isto tamil mud ino 03 190 11200
B u t notis dui J03 ) 200 da
• viu Dis i nihisonajo 300
Coinches 315 700 gramadlog giá touhy
BIKE 1 Tutkudos finale gi(hu) 390 nprogo
Chan 100ming yido maja 120
30 11. Hauptfück : 1. Abfdäitt.

netſpiße durch das Links-, Seit. und Vorwärtsſtrecken


beider Arme gegen die linke Seite ſchiebt, und wieder
in die Fechtſtellung übergeht.
Der Abrichter markirt hierbei den Stoß gegen die rechte oder
linke Seite der Bruſt.
57. Rechts tief parirt !“
Der Soldat erhebt hierauf mittelſt einer raſchen
Bewegung nach aufwärts die rechte Hand bis in die
Höhe der Stirne, von welcher das Handgelenk unge.
fähr eine Spanne entfernt bleiben muß , ſtreckt gleich .
zeitig den linken Arm vor- und abwärts, und ſchiebt

dadurch das Gewehr vork und ein wenig rechts feito


wärts ; die Bajonnetſpiße wird nach dieſer Bewegung
gegen den Boden gerichtet ſein . Der Oberleib bleibt in
der geraden Stellung, das Geſicht befindet ſich links
vom Gewehre, worauf die Fechtſtellung wieder ange
nommen wird.
Ausbildung des einzelnen Soldaten. 31
,,Links tief parirt !" 58 .
Der Soldat tritt hierauf mit dem linken Fuße zu:
rück, erhebt die rechte Hand mit einer raſchen Bewe
gung bis in die Höhe der Stirne und hält ſie vor- und
ſeitwärts des linken Auges, wobei die äußere Fläche
gegen das Geſicht gewendet, ungefähr eine Spanne
von demſelben entfernt zu bleiben hat. Der linke Arm
wird gleichzeitig ausgeſtreckt und das Gewehr vor- und

links ſeitwärts gedrückt. – Die Bajonnetſpiße iſt gegen


den Boden gerichtet, der Soldat ſieht zwiſchen dem
Gewehre und dem rechten Arme auf den Gegner her:
vor, worauf die Fechtſtellung wieder angenommen
wird .
* Bei den tiefen Paraden wird der Stoß rechts oder links
gegen den Unterleib markirt; das Pariren überhaupt dient zum
Abwehren feindlicher Stöße.
32 1. Hanpifück . - 1. Abſchnitt .
59. Mit dieſen Uebungen iſt der Unterricht im Bajon .
netfechten bei den Genietruppen und Pionnieren
abzuſchließen, ſomit die weitere Anleitung nur bei der
Infanterie und den fågern in Anwendung zu
bringen .
Wenn alſo ' der Infanteriſt oder Jäger in der
Darſtellung aller einzelnen Angriffs. und Vertheidi.
gungs-Bewegungen die erforderliche Gewandtheit er
langt hat, kann der Abrichter auf die Verbindung
mehrerer dieſer Bewegungen übergehen , ſelbe dem Sol.
daten in der beabſichtigten Reihenfolge benennen , dann
mit der Fechtſtange das Benehmen des Gegners an
deuten . — Der Soldat bringt hieraufmit beſtändiger
Beachtung der vom Abrichter gebotenen Blößen , aus.
geführten Paraden oder Gegenſtöße die genannten
Bewegungen im Zuſammenhange möglichſt raſch in
Anwendung und nimmtdann wieder die Stellung zum
Fechten an .
60 . Für die Uebungen dieſer Art können die nachfol.
genden Verbindungen als entſprechende Beiſpiele
betrachtet werden , und zwar:
1. „ Vorwärts Marsch - Ausfall !"
Der Sokat hat hierbei nur einen Schritt vor.
wärts , und daher nach dem Vortreten des rechten
Fußes ſogleich den Ausfall zu machen .
2. Ausfall — Rückwärts Marsch !"
Wird nach dem Ausfall ein Schritt rückwärts
ausgeführt, wozu der Abrichter durch ſein Vor
rücken dem Soldaten die Veranlaſſung zu geben
hat.
3. „Gerader Stoss - Sprung rückwärts – Aus
fall !"
Ausbildung des einzelnen Soldaten.
4. „ Doppelter Ausfall — Sprung rückwärts – ,
Ausfall ! "
5. „Gerader Stoss ! - Rechts (Links) parirt!“
6. Rechts (Links) parirt — Ausfall !"
7 . „Rechts Links) parirt ! — Doppelter Ausfall!"
8. Vorwärts Marsch --- Ausfall — Rechts (Links)
parirt !"
9. Ausfall - Rückwärts Marsch - Rechts (Links)
parirt !" :
10. ,,Ausfall – Rechts (Links) tief parirt !"
11. „ Rechts (Links ) tief parirt ! – Ausfall !"
12. „Doppelter Ausfall - Rechts (Links ) tief parirt !“
13. „ Doppelter Ausfall - Sprung rückwärts —
Rechts tief parirt !"
14. „ Vorwärts Marsch - Rechts (Links) tief pa
rirt! — Ausfall – Sprung rückwärts !"
Der Abrichter hat dem Angriffe eine gleichnamige Barade
entgegenzuſtellen , wozu er nach Bedarf mit dem Ende der Fecht.
ſtange das Bajonnet von unten zu umgehen und dadurch für den
eigenen Angriff die andere Seite zu gewinnen hat. — Um den
Soldaten in das dem früheren entgegengeſepte Verhältniß zu
bringen , hat der Abrichter die Anlehnung zu wechſelni
Gegenſeitige Uebungen mit Fechtſtangen 61.
werden endlich dem Soldaten die beſte Gelegenheit
bieten , um die auf dem angedeuteten Wege erlangte
Gewandtheit zur vollen Entwicklung zu bringen ; -
fie dürfen aber nur von der geſchickteren Mannſchaft
unter ſorgfältiger Aufſicht vorgenommen "werden , und
ſind ſogleich einzuſtellen, wenn die Betheiligten ſich nicht
mit der nothwendigen Ruhe zu beherrſchen vermögen .
Zum Schuße der linken Hand iſt jeder der Fech .
tenden bei ſolchen Uebungen mit einemgefütterten
Fäuſtlinge zu verſehen.
34 1. Hauptftück, 1. Abſchnitt. '
Um das Gewehr gegen
einen Neiter mit Erfolg als
Stoßwaffe zu gebrauchen , muß
der Soldat immer die linke
Seite desſelben zu gewinnen
trachten , um ſich dadurch der
Waffe des Reiters ſo viel als
möglich zu entziehen und gleich .
zeitig die Abwehr der eigenen
Stöße zu erſchweren . ,
Die Stellung zum Fechten
gegen einen Neiter iſt der bereits
angegebenen beinahe gleich , die
Bajonnetſpißemuß jedoch einwenig
höher gerichtet und die Knie dürfen
nur leicht gebogen werden . -
Der Abrichter kommandirt :
„ Gegen Kavallerie zum Fechten — Stellung !
worauf der Soldat mit den angedeuteten Beobachtun
gen Stellung nimmt.
Aufdas Kommando :
63. „Schlag und Sprung rechts !"
ſchreitet der Soldat mit dem rechten Fuße raſch rechts
ſeit. und vorwärts aus, ſtößt ſich dann mit dem Ballen
desſelben vom Boden ab , zieht den linken Fuß nach ,
und wendet ſich während dieſes rechts vor- und ſeit
wärts ausgeführten Sprunges mit dem Körper gegen
die Stelle des Aufſprunges. Während des Seitenrittes
hat der Soldat durch das raſche und kräftige Aus
ſtrecken beider Arme mit dem Gewehre einen Schlag
gegen den Kopf des Pferdes zu führen , nach dem
Sprunge aber ſich zum Ausfalle vorzubereiten .
Ausbildnng des einzelneu Soldaten . 35

Auf das raſch folgende:


„ Ausfall !"
wird gegen den Oberleib des Reiters ein Stoß ausge.
führt, dann die Stellung zum Fechten wieder ange .
nommen .
- Der Abrichter hat den Soldaten zu belehren , daß die an.
gedeuteten Bewegungen gegen einien mit dem Säbel bewaffneten
Reiter, welcher gerade a nzureiten verſucht, anzuwenden
ſind, indem das Pferd durch den Schlag ſcheu gemacht und dann
die linke Seite oder der Rücken des Reiters mit dem Bajonnete
erreichtwerden kann .
: :: Sucht ſich ein Reiter durch die Bewegung in 64.
kleiner werdenden Kreiſen mit der rechten Seite dem
Soldaten zu nähern , ſo muß dieſer im Lauftritte ſeit.
. 1. Hauptfück. – 1. Abſchnitt.

und rückwärts ausweichen , den Angreifer dabei fort.


während im Auge behalten , und ohne fich zu ſehr zu
nahen jeden günſtigen Augenblick zur Ausführung eines
Stoßes benügen . Gegen die Hiebe und Stöße des
Reiters hat er die bereits erlernten Paraden in An
wendung zu bringen oder fich der Wirkung derſelben
. durch einen Sprung zu entziehen .
Ausbildung des einzelnen Soldaten.

Die Vertheidigung gegen einen mit der Lanze 65.


bewaffneten Reiter erfordert im Allgemeinen dieſelben
Beobachtungen ; der Soldat muß hierbei der linken
Seite des Reiters ſo nahe als möglich zu bleiben
ſuchen , weil dieſer in dem angedeuteten Verhältniſſe
von ſeiner langen Waffe nicht leicht mit Vortheil Ge.
brauch zu machen vermag. - Gelingt es dem Sol.
daten , die Lanze bei einer Parade mit dem Gewehre
fück nitt
38 1. Haupt ? - t. Abſdy . *

zu faffen , ſo iſt dieſelbe mittelft einer kräftigen Bewe


gung aus der Richtung zu ſchleudern und die fich
dadurch ergebende Bröße ſogleich zum Anſpringen und
Stoßen zu benüßen . ..... . ini ,
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 39

Andeutungen für den Abrichter.


Der Mann ſoll das gepflanzte Bajonnet gebrauchen , um 66 .
damit einen in den Bereich desſelben kommenden Gegner zu über.
winden .
Dieſen Zwed mußder Abrichter vor Augen haben, wenn er
den Unterricht mit Nußen ertheilen will. Die Belehrung wird .
jedem Manne einzeln ertheilt, ihm zugleich der Zwed der Bea
gegung erklärt und verſinnlicht, derſelbe durch öfteres Befragen
waran gewöhnt, fich bei jeder Gelegenheit Urſache und Wirkung
klar zu machen . Só z. B .wird der Ábrichter den Lernenden zum
* I. Hauptftück . ) :Abſchnitt.
Ausbildung des einzelneu Soldaten .
Vorgehen und Zurüdweichen durch ein entſprechendes Annähern
oder Entfernen veranlaſſen ; er wird ihm die Nothwendigkeit und
den Zweck der Parade durch einen gegen ihn führenden Stoß mit
einer Stange veranſchaulichen , er wird ihm den richtigen und
kräftigen Stoß durch Uebung auf einen frei hängenden Stoß
baden beibringen .
Bei der Verbindung mehrerer Bewegungen iſt darauf zu
ſehen , daß der Soldat die ihm gebotenen Blößen auch richtig zu
benüßen verſtehe, daher bei der Wahl dieſer Verbindungen auf
das Verſtändniß und die erlangte Ausbildung jedes Eingelnen
Rüdficht genommen werden muß.
Die Vertheidigung gegen den Reiter ſucht der Abrichter
dem Soldaten durch die Anwendung eines Stockes (als Säbel)
oder der Fechtſtange'(als Lanze) anſchaulich zu machen , indem er
ihn nach Art eines mit dem Säbel oder mit der Lanze bewaffneten
Reiters angreift, und ihm den Vortheil zeigt,wie die ſchwacheSeite
des Reiters vom Fußſoldaten möglichſt ſchnell gewonnen wird.
HäufigesHandhaben des Gewehres, daß es ſo zu ſagen durch
die Gewohnheit ein Spielzeug in der Hand des Mannes wird,
trägt hauptſächlich zum gewandten Bajonnetfechten bei.
Um jedoch sen Lauf des Gewehres durch den bei jeder Pa
rade vorkommenden Schlag nicht zu beſchädigen , iſt der Mann
zum Bajonnetfechten mit einem unbrauchbaren Gewehre, in deſſen
Ermanglung mit einer Fechtſtange zu betheilen , welcher fidh auch
der Abrichter zu bedienen hat.
Die Fechtſtange hat die Länge des Gewehres mit dem
gepflanzten Bajonnete, und iſt am oberen Ende mit einem Knopfe
von Werg mit Leinwand überzogen verſehen ,welcher beiläufig 3"
im Durchmeſſer hat. Auch iſt in die Stange etwas Blei einzulaſ.
ſen , um den Mann an das Gewicht zu gewöhnen .
Der Stoßballen zur Erlernung eines richtigen kräftigen
Stoßes iſt eine aus Stroh gewundene, mit Spagat geſchnürte
Kugel von 9 - 12 Zoll im Durchmeſſer, die an einer Schnur in
der beiläufigen Höhe von 4 Schuh frei hängt.
§. 8.
Stellung.
Die Stellung des Soldaten muß gerade, natür- 67.
lich und ungezwungen ſein , und dem Nekruten zuerſt
ohne Gewehr beigebracht werden.
42 1. Hauptftück . + 1. Abſchnitt

Die Abfäße kommen in gleicher Linie ſo nahe


aneinander , als es der Körperbau des Soldaten er
laubt. Die Fußſpißen find gleichmäßig ſo weit auß
wärts zu wenden , daß die Entfernung der einen von
der andern das Maß der eigenen Fußlänge beträgt.
Die Knie müſſen , ohne ſie ſteif zu halten, angezogen
werden . Die Hüften ſollen einewagrechte Lage haben ,
und dadurch dem Oberleibe eine gleichmäßige Stüße
bieten . Der Bauch darf weder eingezogen noch vor
geſtreckt ſein , der Oberleib muß frei aus den Hüften
gehoben und ohne Zwang ein wenig vorgebracht
werden . Die Schultern ſind natürlich zu ſenken und in
gleicher Höhe ſo zurückzuziehen , daß die Bruft mit
Freiheit hervortritt. Die Hände haben ungezwungen
mit den inneren Flächen ſo an den Schenkeln zu liegen ,
daß die Daumen die Hoſennaht berühren . Der Kopf
muß frei aufwärts gehalten , das Kinn ohne Steifheit
etwag angezogen und der Blick vorwärts gerichtetwerden ."
Die Sch were des Körpers hat in dieſer
Stellung auf der Mitte der Fußſohlen zu ruhen .
Die Stellung des Soldaten iſt immer aus einer
Entfernung von 3 — 4 Schritten von unten nach auf.
wärts zu beurtheilen ; es ſoll ſich hierbei die Mittel
linie des Körpers , von vorne und rückwärts anges
ſehen, ſenkrecht, von der Seite aber ein wenig vor:
geneigt darſtellen. ; !
Auf das Rommando : .
„ Ruht! " : osti :
darf der Soldat ruhen und ſich bewegen , ohne jedoch
den linken Abſaß von der Stelle zu rücken ; auf das
Kommando : ; 1 . .
Habt Acht !" : " 31154 1 ' , :
hat er wieder die vorgeſchriebene Stellung einzunehmen .
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 43

į . D r . ! . . Wenn der Soldat 70.


- eineungezwungeneſichere
Haltung und auch die
ſelbſtſtändige, freie Be
wegung der Gliedmaßen
erlangt hat, iſt derſelbe
über das Tragen des
Gewehres zu belehren .
Dasſelbe wird mit
der Mündung aufwärts
gerichtet an dem Niemen
ſo über die rechte Achſel
gehängt, daß der Lauf
nach rückwärts zu ſtehen
kommt. — Eswird ſeiner
eigenen Schweré über
laſſen , der Riemen mit der rechten Hand zwiſchen dem
dem Daumen und den übrigen Fingern ſo hoch ergriffen ;
daß der Vorarm eine wagrechte Lage erhält.
Die eben erklärte Art des Gewehrtragens wird
die „ Stellung mit geſchultertem Gewehre“
genannt.
S. 9.
- ! !! Wendungen des Qopfes. Iti s
Auf das Kommando : ita 7
„ Rechts (Links) — schaut!" "Ptak
wendet der Soldat den Kopf raſch gegen die genannte
Seite. ; ; ; ? , * - * iti sati
Die Wendung des Kopfes darf den Soldaten
nicht zum Verdrehen der Schultern beranlaſſen , und
daher nur ſo weit ausgeführt werden , daß bei der
1. Hauptflück." 1.Abſd nitt.
Ropfwendung rechts “ das linke,
bei links " das rechte Auge in die
Mittellinie des Körpers gelangt.
Bei geſchultertem Gewehre wird
mit der Kopfwendung gleichzeitig die
rechte Hand an den Kolbenhals (Kol
ben ) herabgebracht und dieſer mit dem
Daumen vorwärts mit den andern
Fingern rückwärts umfaßt. . ijs!
Zur Herſtellung wird :
Habt – Acht! “
kommandirt,woraufderSoldatden Kopf
wieder gerade wendet, und den Blick
vorwärts richtet. Beim Herſtellen von
der Kopfwendung wird der Riemen mit
der rechten Hand wieder wie früher erfaßt.
$. 10.
Wendungen rt , s .
deso Körpers.
13 . links endin oppe entme
Die Wendung des Körpers iſt entweder eine
ganze, eine halbe oder eine doppelte Wendung,
und zwar : eine ganze Wendung, wenn fich der Soldat
ſo weit rechts oder links wendet, bis er mit dem Ge
fichte dahin gerichtet iſt, wo vor dieſer Bewegung eine
ſeiner Schultern war; eine halbe Wendung, wenn der
Soldat nur die Hälfte der eben erklärten Bewegung
vollführt; und endlich eine doppelte Wendung, wenn
der Soldat 2 ganze Wendungen durch eine Bewe.
gung ausführt.
74 . . Ale Wendungen des Körpers auf der Stelle wer
den auf dem linken Abſaße,mit geringer Erhebung des
linken Fußballens und des rechten Abſaßes vollführt.
Während der Wendung, ruht die Schwere des
Körpers auf dem linken Abfaße, welcher nicht von der
Ausbildung des einzelnen Soldaten.
Stelle gerücktwerden darf, und es wird zur Erleichte.
rung mit dem Ballen des rechten Fußes ein dem Maße
der Wendung entſprechender Druck auf den Boden ge.
geben . Nach vollbrachter Wendung wird der rechte
Fuß neben den linken niedergeſegt und die Schwere
des Körpers wieder auf beide Füße gleichmäßig ver.
theilt . .
Die ganze Wendung erfolyt auf das Kom - 75 .
mando : in
„Rechts (Links) — um !“
nach der bezeichneten Seite.
:: ; . Zur Ausführung einer halben Wendung wird 76 .
kommandirt :
„ Halb – rechts (links) !"
Der Uebergang in die frühere Stellung nach
vollführter ganzer oder halber Wendung wird auf das
Kommando :
„ Links (Rechts) Front!"
mittelſt einer ganzen oder halben Wendung bewirkt.
Die doppelte Wendung erfolgt ſtets auf der 77.
Stelle auf das Aviſo :
, , Verkehren (Herstellen) !" .
dann das Kommando:
: ! ! Rückwärts (Vorwärts ) -- Eront !" ; "
worauf der Soldat 2 ganze Linkswendungen im Zu
fammenhange auszuführen hat. ,
Wenn die Wendungen in der Stellung mit dem 78 .
geſchulterten Gewehre vollführt werden, ſo muß dieſes
in der vorgeſchriebenen Lage verbleiben , und es iſt zu ,
dieſem Zwecke der Riemen während der Wendung ein
wenig abwärts zu ziehen
1. Hauptſtück -- 1. Abſchnitt.

$. 10. .. ...
Marſch vor : und rückwärts.
79. Beim Marſch iſt eine freie ungezwungene Haltung
des Körpers nothwendig.
80 . Die Länge des Schrittes iſt ſo zu bemeſſen ,
daß im Durchſchnitte 5 Schritte 2 Wiener Klafter
betragen .
81. Die Schnelligkeit oder der Takt des Mar
ich es iſt ſo zu regeln , daß 108 - 110 Schritte in einer
Minute hinterlegt werden .
Der Soldat muß anfänglich immer mittelſt des
Vorzählens im Marſchiren geübt werden . - Der Ab
richter ertheilt beim Beginne der Marſchübung das Aviſo:
„ Marschiren !"
welches jedoch nach einer kurzen Unterbrechung der
Bewegung nicht zu wiederholen iſt.
83. Der Antritt der Bewegung erfolgt auf das Rom .
mando :
Marsch – Eins! “ .
der Soldat nimmt zu dieſem Zwecke die Schwere des
Körpers auf den rechten Fuß, hebt den linken nach vor
wärts und ſeßt ihn mit angezogenem Anie auf die
Entfernung der vorgeſchriebenen Schrittlänge mit aus.
wärts gewendeter Fußſpiße auf den Boden . Gleichzeitig
hebt er den rechten Fuß, ſo daß das Kinie gebogen wird
und die Fußſpiße den Boden nur leicht berührt. Die
Schwere des Körpers muß daher beim Niederſeßen des
linken Fußes auf dieſen übertragen , und jede Schwan .
kung des Oberleibes oder der Hüften vermieden werden .
Nach einer kleinen Pauſe , welche nach der Geſchicklich
keit des Soldaten in der Erhaltung des Gleichgewichte
zu bemeſſen iſt, erfolgt das Kommando:
Ausbildung des einzetiren Soldaten . 47

Zwei !“ SOL
worauf der rechte Fuß mit denſelben Beobachtungen
auf eine Schrittlänge vorgeſegt und der linke rückwärts
erhoben wird , daß die Spiße den Boden leichtberührt.
Die Bewegung wird dann auf das Vorzählen des
Abrichters fortgefeßt, und hierbei allmälig der vorge.
chriebene Marſchtakt angenommen .
Zum Einſtellen des Marſches kommandirt der 84.
Abrichter : 1
- 11
Halt ! "
worauf der Soldat den rückwärts befindlichen Fuß auf
die volle Länge des Schrittes vorwärts niederſeßt, den
andern beizieht und ruhig ſtehen bleibt.
. Bei zunehmender Geſchicklichkeit muß das Vor- 85 .
zählen unterbleiben, der Soldat auf das Kommando :
Marsch !"
austreten und die Schnelligkeit der Bewegung nach
ſeiner eigenen Beurtheilung dem Marſchtakte entſprechend
regeln . Der Abrichter hat hierbei auf eine freie unge
zwungene Bewegung zu ſehen , und das Einhalten des
gleichmäßigen Taktes nach Bedarf durch das Vorzählen
einiger Schritte zu unterſtüßen , oder zu dieſem Zwecke
den Marſch ſchlagen oder blaſen zu laſſen. Der Sol
dat iſt bei dieſer Gelegenheit zu belehren ,daß der Anfang
des Marſchtaktes immer aufden linken Fuß zu treffen hat.
Das Antreten und Einſtellen der Bewegung muß 86 .
beim Beginne des Unterrichtes im Marſchiren in kurzen
Pauſen öfters wiederholt und der Soldat dadurch an
· das raſche Austreten und augenblickliche Stehenbleiben
gewöhnt werden .
.: Wenn der Soldat auf dieſe Weiſe einige Fertig. 87.
keit im Ausſchreiten erlangt hat, ſtellt ſich der Abrichter
auf ungefähr 20 Schritte vor denſelben und läßt
48 1. Hauptfuck . ---,1. Aufhnitt .

ihn - auf ſich zumarſchiren , um ihn an das Einhalten


einer geraden Linie zu gewöhnen .
88. Sobald der Soldat durch fortgeſepte Uebung an
eine gleichmäßige und ausgiebige Bewegung gewöhnt
iſt, hat derſelbe während des Marſchirens die Arme
natürlich zu bewegen , was jedoch weder in ein über
triebenes noch eingelerntes Schleudern ausarten darf.
8 ,9 Erfolgt während des Marſches das Kommando :
„ Verkürzt den – Schritt !"
ſo vollführt der Soldat den Schritt zwar im vorge
ſchriebenen Takte, jedoch nur in der halben Länge, und
nimmt erſt auf das Kommando :
Vollen – Schritt !“
die ganze Schrittlängewieder an.
90. Endlich muß dem Soldaten das Schrittwech
feln gelehrt und ihm erklärt werden , daß dieß die Art
ſei, mit einem vor oder neben ihm marſchirenden Manne
gleichen Tritt und Schritt anzunehmen . Der Abrichter
kommandirt anfänglich hierzu :
„ Wechselt — Schritt !" " Jo se po3*
worauf der Soldat den rückwärts befindlichen Fuß mit
doppelter Geſchwindigkeit bis zum Abſaße des vorwärts
ſtehenden vorzieht, und mit dieſem neuerdings aus.
ſchreitet. In der Folge iſt das Wechſeln des Schrittes
auf eine einfache Erinnerung oder beim Beginne des
Spieles zu bewirken , wenn der Soldat wahrnimmt,
daß der Anfang des Marſchtaktes nicht in der vorge
ſchriebenen Weiſe auf den linken Fuß trifft. į
1. Wenn der Soldat hinlängliche Fertigkeit im Mar
ſchiren erlangt hat, ſo ſind die halben und ganzen
Wendungen während des Marſches zu üben, und ohne
Unterbrechung der gleichmäßigen Bewegung auf dem
Ballen des vorwärts befindlichen Fußes auszuführen .
Ausbildung des einzelnen Soldaten. 49

Der Abrichter hat hierzu die betonte Silbe des Rom .


mando's in dem Augenblicke auszuſprechen , in welchem
der Soldat einen Fliß auf den Boden ſept, ſo daß alſo
der rückwärtige in einer der Wendung entſprechenden
Richtung vorgebracht werden kann.
Die weiteren Uebungen im Marſchiren ſind 92.
dann mit dem Gewehre auszuführen , welches wäh
rend der Bewegung in ſeiner Lage erhalten wer
den muß. Der Soldat hat hierbei den linken Arm
natürlich zu bewegen.
Um dem Soldaten zu lehren , die nachfolgenden 93.
Bewegungen auch im ſchnelleren Tempo auszuführen ,
wird kommandirt:
,,Beschleunigung ! "
worauf eine ſchnellere Bewegung, bis zu 125 Schritte
in der Minute, angenommen wird -- oder :
. „ Lauftritt !"
worauf - nach der bei den Gewehrgriffen folgenden
Belehrung – in die Balance zu nehmen , und auf das :
„Marsch !"
der Laufungehindert anzutreten iſt (29).
Bei den Laufübungen mit dem Gewehre iſt dieſes
auf das Kommando :
, Schritt !“ oder „ Halt ! "
mit der Veränderung oder Einſtellung der Bewegung
gleichzeitig zu ſchultern .
Der Marſch rücklings findet nur auf kurze Strecken 94.
Anwendung und erfolgt auf das Kommando :
fien FFuße
it der nette demball linken
mworaufmit
„ Rückwärts - Marsch !" hede ausgetreten , der
ußescrückwärts
Schritt nur halb ſo groß als vorwärts gemacht und
mit der Spiße des Fußes der Boden leicht geſtreift
wird.
1.Hauptfächsinca dinurdu mit:
Auf das Kommando : da to nie . 1-
- Halt!" " ..!! .. 63107 , 113* , . !! . .. .
wird der vorwärts befindliche Fuß, ohne den Schritt zu
vollenden , dem andern beigeſeßt.
r i si ,, ,!. . . §. 12. 5
:, Gewehrgriffe.
Die in der nachfolgenden Belehrung einklamirten
Worte betreffen nur die mit dem Korps-Gewehre aus.
gerüſteten techniſchen Truppen .' ';
* : Auf das Kommando : " . .
olla. In die – Balance ! "
verläßt die rechte Hand den Riemen, ergreift bei natür
lich geſtrecktem Arme den Kolbenhals (Kolben ) ſo , daß
der Daumen an den Griffbügel kommt, die geſchloſſe
nen Finger aber den Kolbenhals umfaſſen , welcher
hierbei, ohne den Riemen von der Achſel gleiten zu
laſſen , ein wenig gerade vorwärts geſchoben wird.
!! !. ' , . , Die linke Hand umfaßt das
. . . . , Gewehr beim Abſehn (oberhalb
.: des Abſehno), während die rechte
zwiſchen dem Gewehre und Leibe
an die Seite zurückgezogen wird,
und das Gewehr über der linken
Bipod Lilio Hand, erfaßt,zurückkehrt
linte Seite welche nun
. auf die
Die rechte Hand hält das.
Gewehr bei natürlich geſtrecktem
Arm ſo daß die Kolbenſpiße mit
0; " . . in 1 1 : der Rundung des Abſaßes gleich,
** ?" ; ,? * *? ! und die Mündung ungefähr eine
min ';, 'n Spannevon der rechten Achſel ent.
"i n bull Fernt iſt (ein wenig vorgeneigt iſt).
Ausbildungdes einzelnen Soldaten..
einzelnen Soldaten
Das Tragen des Gewehres „ In die Balance " dient, um die
Bewegung zu erleichtern , wird daher während jeder Beſchleuni.
gung der Bewegungi bei Ueberſeßen von Þinderniſſen , beim Ba.
jonnet-Angriff und in der zerſtreuten Fechtart angewendet.
Um das Gewehr ganz auf 97.
den Boden ſtellen zu laſſen , kom .
mandirt der Abrichter:
15' + CL.19 mln . Beim - Fuss !"
, . ? Worauf der Soldat den Kolben
mit der rechten Hand vordrückt,
dasGewehrnach Bedarfabwärts
gleiten läßt und es fachte ſo auf
For pa je ved , den Boden ſtellt, daß die Kolben
ti iſpiße in gleicherHöhemit der Fuß
MOS? ! si fpiße zu ſtehen kommt. Die rechte
10: 13 Hand hält das Gewehr, welches
13 il can die rechte Hüfte gelehnt wird,
jms bei natürlich geſtrecktem Arme ſp ,
ŽILC daß der Daumen den Laufumfaßt,
ir roj . ' " die anderen Finger aber vorneam
en is Schafte liegen .
Dieſe Stellung, welche, um das Aufſtoßen des Kolbens zu
verhindern , in der Regel aus jener mit dem Gewehre in der
Balance anzunehmen iſt, hat impier angewendet zu werden , wenn
dem Soldaten eine vollſtändige Erholung gewährt werden ſoll.
s . Um das Gewehr aus der Stellung „ beim Fuß“ 98.
wieder in die Balance zu bringen , wird dasſelbe auf
das Kommando :
In die = Balance !"
mittelſt eines Schupfers im Gleichgewichte umfaßt und
die Kolbenſpiße in die Richtung der Abfäße zurückgedrückt.
Zur Annahme der , Stellung mit geſchultertem 99.
Gewehre" aus jener in der Balance oder beim Fuß
erfolgt das Kommando :
4 *
52 . 1.Hanptſtück. – 1. Abſchnitt .
„ Schul – tert!"
hieraufwird dasGewehr vor den rechten Schenkel geho
ben und gewendet, daß der obere Niemenbügel dem Ninne
gleich , und das Schloß vorwärts zu ſtehen kommt,
dann umfaßt die linke Hand knapp am obern Riemen
Hügel den Riemen mit dem Daumen auf, und den an
deren Fingern unter demſelben . Die rechte Hand fährt
mit geringer Vornahme der rechten Schulter zwiſchen
dem Gewehre und dem Niemen durch, umfaßt den
Kolbenhals (Kolben ) und hängt das Gewehr mit Hilfe
der linken Hand, welche den Niemen auf eine Spanne
durch die Finger gleiten läßt, über die Schulter ; nun
wird der Niemen mit der rechten Hand auf die bekannte
Art ergriffen und die linke an die Seite gebracht.
100 . Auf das Rommando :
,, Visitirung des – Gewehrs ! "
vollführt derSoldat die Halbrechts-Wendung, ſtellt den
rechten Fuß auf
die Entfernung
einer Schuh
länge ſeitwärts
vom linken ,
gleichzeitig
nimmt er das
Gewehr in der
bekannten
Weiſe von der
rechten Schul
ter herab und
bringt es mit
der linken Hand
in die waga
it ' , . po'stlobo . r echte Lage ang
Ausbildung des einzelnen Soldaten. 53
die Bruſt. Die rechte Hand wird an das Schloß
gebracht, wo der Daumen auf den Hainmerſchweif und
der Zeigefinger auf die vordere Wölbung des Griffbügels
zu legen kommt, mit den 3 andern Fingern aber der
Kolbenhals zu umfaſſen iſt. Der Hammer wird nun ſo
weit zurückgezogen , bis ſich das Einfallen der Stange
in die Spanncaſt hören läßt. Hierauf wird der Hebel
des Verſchluſſes mit dem Mittelglied des Zeigefingers
erfaßt und raſch nach aufwärts geſchnellt.
Die rechte Hand hat ſodann mit voller Fauſt den
Kolbenhals zu umfaſſen , wonach, die Finger auf der
Magengrube, der Elbogen entlang der äußern Kolben
fläche liegen . befin
dlich alinke h ux
ieber lo–entvonel
ftes Hand
Die am Abſehen befindliche
welcher der Daumen längs des Schaftes aufzuſtemmen ,
die anderen Finger vom Laufe zurückzuziehen ſind, -
ftüßt ſich zuin beſſern Halt des Gewehres mit dem El
bogen in die linke Seite. Die Schwere des Körpers
muß
sup imWirdGleichgewichte auf beiden Füßen ruhen .
mingectomehn..
das Gewehr zur Viſitirung abgenommen ,
ſo läßt der Soldat dasſelbe mit beiden Händen los und
bringt dieſe an die Seite, beim Uebernehmen faſt er es
mit der rechten Hand am Einſdynitt des Kolbens und
bringt ſowohl das Gewehr, als auch beide Händ in die
frühere Lage.
Dieſer Griff dient, um ſich zu überzeugen , ob das Gewehr
geladen oder entladen , ſo wie ob der Verſchluß in voller Ord.
nung iſt.
Auf das Kommando : 101.
i Hammer in die – Ruh !"
bringt der Soldat die geſchloſſenen Finger der rechten
Hand hinter den Verſchlußtheil , ſchließt denſelben mit
telſt eines raſchen Druckes und ergreift wieder den Kol.
benhals. Hierauf hat er die Halblinks-Wendung zu voll
54 1. Hauptfäck , Tel, Abfahnitt..
's - Old Diebs führen, den rechten
Cors o , il buio 9n Fuß an den linken
1 . Xi n $11 ; anzuſchließen , das
ini , LT ) 2 . Gewehr gleichzeitig
I mit beiden Händen,
ho welche in ihrer Lage,verbleiben , in
- die vertikale Nichtung abzudrücken
und, mit dem Laufe gegen den
Leib gewendet, an den linken Vor
** * ! ' ; . . . arm geſchloſſen ſo hod) zu halten ,
daß der Daumen der linken Hand
in die Höhe des Auges gelangt.
Der Daumen der rechten Dand
wird an den Hammerſchweif, der
Zeigefinger an das Züngel gelegt,
die andern 3 Finger umfaſſen den
Kolbenhals, dann iſt der Ham
Ĉinis.. . mer ein wenig über die Spannraſt
is , zurückzuziehen ,' gleichzeitig das
very in Züngel mit dem Mittelgliede des
2011B js Zeigefingers 10 lange zurückzu
ili faks drücken , bis der vom Daumen
se na FL e fachte pergelaſjene Hammer an
dost otsis 19 den Stift gelangt, worauf der
BALIW Que tal Zeigefinger wieder an die Wöl.
7307138 ) sul bung des Griffbügels gebradit
ALL ( 1999 ) mai und der Hammer ſoweit zurückge.
nadmoru . S SNL zogen werden muß , daß die
ti Tun cow Stange in die Sicherheitsraſt ein
3:0 g smisfallen kann. Die rechte Hand um
T h11 THO ) anfaßt hierauf mieder den Kolben
G .BE Dia m tbishals wendetdas Gewehr mit dein
Schloiſe nach porwärts, bringtes
Adsbildung des eingelada Soldaten. 55
gegen den rechten Schenkel herab, daß der obere Nie.
menbügel dem Rinne gleich zu ſtehen kommt, während
die linke Hand iden Riemen knapp am Bügel ergreift
und beide Hände das Gewehr auf die bekannte Art auf
die redite Schulter bringen .
B . , Pflanzt das Bajonnet! " 102.
shitiste ? ; !.! *** Das Servehr wird wie beim erſten
1111 ) }}!! Griff . 1. In die Balance“ von der
ri: 1 Adyfel gebracht , die rechte Hand
1. b op Wie derfaßt das Gewehr beim obern Lauf.
2 .1,064 159',: ! ' ring! (bei der Mündung ) und ſtellt
; ! ' ls 7 )b91] es zwiſchen die Fußſpißen ſachte am
luto 1:43! 31 : Boden. Das Rohr ſteht vertikal und
13 :31' :' Fieht gegen den Leib, die Rolbenabrun.
buls isponsori dung in der Linie der Schuhſpißen ,
Is é iban pa ng Yu, die linke Hand gleitet am Gewehre
110 1 11 1, aufwärts und erfaßt es knapp unter
Cilin d er rechten (am obern Laufring ). Die
301 Staris rechte Hand ergreift nun , indem ſie
3 , í 1,111 am Reibe an die Seite fährt, das
I 115 pt Bajonnet an der Dille, zieht es aus
DINE ? : der Scheide und ſteckt es ſo auf den
ID 353101.5 KL ! Lauf, daß die Rlinge gegen den Leib
fteht, läßt die Dille über das Korn gleiten , dreht
den Sperring ganz bis an den Anſaß, und umfaßt
dann mit natürlich geſtrecktem Arme das Gewehr
unter dem Niemenbügel (unter der linken ). Hierauf
wenden beide Hände, ohne ihre Lage zu verändern,
das Gewehr ſo, daß das Schloß nach vorwärts ſteht,
die linke Hand erfaßt iden Riemen beim Niemen .
Hüget,9 beide Handel bringen das Gewehr knapp am
Leibe an die rechte Seite vor den rechten Schenkel und
fchultern es auf die bekannte Weiſe.
56 1. Hauptſtück . -- 1. Alldhnitt,
103. „Versorgt das – Bajonnet!"
Das Gewehr wird
wie beim Pflanzen “
vor ſich auf den Bo
den geſtellt, die rechte
Handdreht den Sperr
ring ſo weit es geht
auf, hebt das Bajon
niet durch einen Druck
gegen deſſen Hals voni
Laufe, umfaßtmityol
ler Fauſt die Dille,
und verſorgt dasſelbe
in die Scheide, wobei
der Soldat einen Blick
dahin richten kann .
Beide Hände erfaſſen
nun das Gewehr auf
die bei „ Pflanzt das
Bajonnet“ beſchriebene Weiſe, heben und ſchultern das.
ſelbe auf die bekannte Urt.
Während des Marſches wird das Pflanzen und
Verſorgen des Bajonnets auf ähnliche Weiſe bewirkt,
der Kolben aber nicht auf den Boden geſtellt, ſondern
das Gewehr an der linken Seite gehalten .
104. Fällt das – Bajonnet !"
Das Gewehrwird ,wie bei , In die Balance “ , von
der Achſel herabgenommen , der Kolbenhals mit der
rechten Hand erneuert umfaßt, das Gewehr mit dem
Laufe nach auswärts gewendet und gleichzeitig in die
ſchräge Lage an die rechte Seite geriſſen . Der linke
Vorarm wird beinahe magrecht an den Leib ge
ſchloſſen , der rechte Arm ſo weit abwärts und zu
!!sbildung des einzelsten Soldater . 57
rück gezogen,
daß der Griff
bügel unter:
halb des Hüft
gelenkes und
die Bajonnet
ſpitze ſdräg aufwärts zu
ſtehen kommnt. Der Lauf iſt
rechts auswärts, das Schloji
abwärts gewendet.
Dieſer Griff wird beim
Angriff mit dem Bajonnete ange:
wendet, und das Gewehr iſt aud)
während der Bewegung in der:
ſelben Lage beizubehalten .
Auf das Kommando : 105 .
,,Schul — tert!“
wird das Gewehr mit dem Rolben vor den rechten Schen .
fel gebracht,mit der linken Hand der Riemen am obern Ric
menbügel ergriffen, und auf die bekannte Art geſchultert.
Wenn das Fällen des Bajonnetes aus der Balance 106 .
crfolgen ſoll, ſo ſchupft der Soldat aufdas Kommando :
Fällt das — Bajonnet ! "
Das Gewehr etwas in die Höhe und bringt dasſelbe
dann mit beiden Händen in die vorgeſchriebene Lage.
Auf das Kommando : " 107.
„ Schritt ! “ oder : „ Halt !" .
ſo wie auf das Aviſo oder Signal :
„ Sammeln !“ oder „ Vergatterung"
wird das Gewehr geſchultert. -
Auf das Kommando :.- ' 108 .
' Präsentirt. " si i
wird das Gewehr, wie beim erſten Griffe , In die
58 * Hauptfäcksu Abfajnitt.

biti še s Balance Wonder Áchſel herab.


Bina Fial, gebracht, idie rechte Hand ergreift
: ;?} % tot den Kolbenhals, und beide Hände
bringen das Gewehr vor die linke
Bruſt, der Lauf iſt gegen den
Basis Leib gewendet, die Spiße des Ham
merſchweif8berührt die Weichenächſt
i t . X dem linken Hüftfnochen.' Die linke
* ** Hand hält das Geweht umfaßt, die
st . isli sits, Spißen der beiden mittlern Finger
2013 Lissuti berühren das Abſehen ; der Daumen
SE ! ! ift am Schafte" aufgeſtemmt. Die
3 " .. . rechte Hand hält den Kolbenhals
E lsani leicht umfaßt, der Daumen derſelben
Praise him liegt rückwärts, die Mitte des Zeige.
set it , ' fingers knapp unter dem Griffbügel
hitt 1993 . Ei und die übrigen Finger find leicht
an dieſen geſchloſſen . Beide Elbogen bleiben natürlich
am Leibe, das Gewehr ſteht vertikal, Tein Gewicht ruht
in beiden Händen . "! . . ullision
1133 Schul ' tert! 37, 228047 11 21
BeideHändewenden das Gewehrmit dem Schloſſe
nach auswärts, bringen es in dieſer Lage vor den rech :
ten Schenkel herab, die linke Hand ergreift nach der
bekannten Art den Miemen am Bügel und beide Hände
ET

bringen das Gewehr auf die rechte Schulter. it


Die beiden , folgenden Gewehrgriffe,nebſt der Her
ſtellung werden,in der Stellung „ Beim Fuß." opuführt,
110 . i111, Xuf das kommando:suading od 199300 ini?
110.
en „ Zumous iGebet:
Gebets* 19ploji
10 mihin we.gzMuſen
trecken ,;
hoger wegzuſtrecken
wird der linke Arm , bhnesden Glbogen
ingezwungen gegen den stopf erhoben und die linke
iná 1111110 Due elithini hon 91100 manat 1! 71393
Ausbildung des einzdnen Soldaten . 59
Sand, mit der inneren Fläche gegen das Geſicht ge.
wendet, ſeitwärts yom linken Auge ſo gehalten , daß
die geſchloſſenen Finger den Sonnenſchirm des Czako's
oder die Hutkrämpe berrühren. . '
tua iwVom Gebet!" ,
wird die linke band raſch wieder an die Seite herab.
gebracht, , , ,
Zum Niederknieen erfolgt das Kommando : 111.
in Kniet nieder zum - Gebet !"
Hierauf werden beide Vorderfüße gerade geſtellt, daß
die Ballen ſich berühren , dann wird der rechte Fuß und
mit dieſem der Dberleib, ohne ſich vorzubeugen , zurück
genommen und das rechte Knie auf den Boden geſtüßt.
Der linke Unterſchenkel muß ſenkrecht gegen den Boden
ſtehen , die rechte Fußſpiße gegen dieſen geſtemmt und
die linke Hand flach auf das Knie gelegt werden , die
Fingerſpißen in gleicher Richtung mit der Rundung
desſelben. Das Gewehr wird mit der rechten Hand
pollſtändig umfaßt und in der vertikalen Lage erhalten .
„ Czako oder Hut - ab ! “ 16
Dię linke Hand ſtößt das Sturmband mit dem
Daumen vor das Kinn , ergreift hierauf den Czało
links ſeitwärts der Roſe To, daß dieſe in die Gabel
zwiſchen dem Zeige- und Mittelfinger, zu liegen kommt,
bei dem Jäger aber den Hüt an der linken þutkrämpe,
daß der Daumen auswärts, die anderen Finger einwärts
derſelben liegen, zieht denſelben ſchnell ab, und legt ihn
mit der Höhlung fo auf den Oberſchenker, daß er ſent. "
recht auf demſelben ſteht und der Schirin links feitwärts
bei dem Jäger das Huthorn gegeniiden Beib gerichtet iſt. I
Zum Herſtellen erfolgt das Rohmandoo J . 112.
flstui Czako oder Hot caufli 91011291 ) milu :
worauf, die. Stopfbedeckung , ohneorden Kopf.cvorzu
neigen, von vorne nach rückwärts gut aufgefeßt, das
60 1. Hauptftück . - 1. Auſchnitt.
Sturmband unter das Kinn gezogen und die linke
Hand flach auf das Knie gelegt wird .
,,Auf vom --- Gebet! "
Wird mit einem Drucke des rechten Fußballens,
ohne den Oberleib vorzuneigen , mit geradem Körper
aufgeſtanden, der rechte Fuß an den linken beigezogen
und die vorgeſchriebene Stellung angenommen .
113. Auf das fominando :
,,Zum - Schwören ! "
wird das Gewehr wie beim Pflanzen des Bajonnets “
vor der Mitte des Leibes auf den Boden geſtellt, der
Daumen der linken Hand, nachdem ſie durch das Auf
wärtsgleiten an die rechte angeſchloſſen wurde, längs
des Pubſtockes aufgeſtemint.
,,Czako oder Hut – ab ! "
Der zako wird in der bekannten
Weiſe , jedoch mit der rechten Hand,
abgenommen , mit dem Schirm rechts
ſeitwärts – der Jägerhut an der Hut
krämpe ergriffen, abgezogen und mit
dem Huthorne vorwärts – gewendet,
auf den Daumen der linken Hand ge
ſteckt, mit dieſem an das Gewehr und
in der entgegengeſepten Richtung an
den Leib gedrückt. Die rechte Hand
wird nun mit dem Daumen links ſeit
wärts bis in die Höhe der Augen
erhoben , Der Daumen , Zeige- und
Mittelfinger werden aufwärts geſtreckt,
die andern Finger zugemacht... .
114 . „ Czako oder Hut – auf!“
wird der Hut oder Czako mit der rechten Hand ergrif
fen, aufgeſeßt, und dann das Gewehr bei natürlich
geſtreckter Arme umfaßt.
Ausbildung des einzelnen Soldaten.
„ Schul — tert!"
wird auf die bekannte Art ausgeführt.
Jeder Gewehrgriff iſt ſchon beim erſten Unterrichte durch 115 .
den Abrichter zu erklären und gleichzeitig langſam auszuführen ,
jo daß der Soldat das zu Erlernende zugleich hört und ſieht, ſo .
dann iſt derſelbe vollführen zu laſſen . Iſt dem Soldaten der
Zweck und Zuſammenhang eines Griffes bekannt, ſo wird die
nöthige Genauigkeit und Schnelligkeit in der Ausführung nur
mehr Sache einer kurzen llebung ſein .

$. 13 .
Lade- und Feuergriffe.
. ." Als Vorbereitung zum Feuern muß die an der 116 .
rechten Bauchſeite liegende Patrontaſche geöffnet und
der Deckel hinter den Leibgurt zurückgeſchlagen werden ;
nach vollendeter Ladung oder dem Einſtellen des Feuers
iſt der Deckel wieder herabzuziehen und zu ſchließen .
Iſt beim Feuergefecht die eine Patrontaſche ihrer Muni
tion entleert, ſo wird dieſelbe geſchloſſen, ſo weit als
möglich nach links, und die zweite vorgeſchoben , der
Deckel derſelben geöffnet und zurückgeſchlagen .
Zum Laden
erfolgtdas Aviſo :
: „ Laden !“ 117.
worauf die Pa.
" trontaſche geöff
net und der Deckel
: , . zurückgeſchlagen
wird .
Auf das folgende kommando :.
„ Fertig !"
wird der Griff „ Viſitirung des Gewehrs “ ausgeführt,
nach dem Deffnen des Verſchluſſes ergreift die rechte
62 1 Hauptfück 13 . Auſdjutit.
. .!!! Hand mit dem Daumen , Zeige
si !!! ! it ;'und Mittelfinger eine Patrone,
ta " zieht ſelbe aus der Hülfe der Pa
; : N ! .. trontaſche und ſchiebt ſie mit
i fyn . L ei d er fugel por.'
n . ; ;;* * 1.1; aus in das Na
E ' tronenlager, ſo weit ſie ſich vor.
ſchieben läßt. Der Verſchlußtheil
wird hierauf aufdie bekannte Art
geſchloſſen , ebenſo der Hammer in
die Ruhe geſeßt, das Gewehr
geſchultert und die Patrontaſche
wieder geſchloſſen .
118 . ! !, ! ', ! ! Sol mit dem Laden das
Feuern verbunden werden , ſo
wird avifirt: -?
„ Feuern !"
worauf die Vorbereitungen nach Nr. 116 durchgeführt
werden , dann erfolgt das Kommando :
t',5 , Fertig !" on to
Das Laden erfolgt wie oben ; nachdem der Ver
ſchlußtheil geſchloſſen wurde, umfaßt die rechte Hand
den Kolbenhals während der Zeigefinger derſelben an
die vordere Wölbung des Griffbügels zu ſtehen kommt."
119. Iſt das Gewehr bereits geladen und és foli ge. .
feuertwerden, ſo erfolgt dieß ebenfalls auf das Kom :
1 : mando : 1 start m the o st
*** ,Feuern - Fertig !" " : :
Das Gewehr wird auf die bekannte Art in die
wagrechte Lage gebracht und der Hammer geſpannt.
120. Um nadh , Fertiga das Gewehr in Anſchlag zu
bringen , wird Tommanditt!- II 1917
An !" , diplo ; ecu 1151 In B
Ausbildung des einzelner Soldater . 63
Beide Armeheben,das Gewehr in ſeiner wagrech .
ten Lage, ohne den Kopf porzuneigen , in die durch das
Auge und den Zielpunkt theilweiſe bezeichnete Viſirlinie,
der Kolben wird an die rechte Backe gelehnt, gleichzeitig
die Spiße desſelben nach Bedarf mehr oder weniger an
dierechte Achſel gedrückt, zur Erhaltung der richtigen Lage
-7, bet vis 1, des Gewehres der
rechte Elbogen et
was gehoben , und
der Zeigefinger
mitdem Mittelglie:
we were de auf den unterſten Endpunkt des
Züngels gebracht;die linke Hand fährt
bis an den Griffbügel zurück, umfaßt
den Schaft, ohne den Lauf zu berüh
ren, und der linke Oberarm lehnt ſich
zur feſtern Stüße des Gewehres an
! items , die Bruſt. Die Schwere des Körpers
muß im Gleichgewichte auf beiden voll
aufgeſtellten Füßen ruhen , der Lauf
darf weder rechts noch links gewendet
ſein , das linke Auge wird geſchloſſen und mit dem rech. í
ten Auge über das Grinſel des Piſirs, die Schneide des
Kornes, nach dem zu treffenden Punkt geſehen , das heißt: -
dieſe vier Punkte in eine Linie gebracht und darin bis 1
nach erfolgtem Abdruck erhalten. i , flís !
Es wird oft nothwendig , das in Anſchlag gebrachte 121.
Gewehr aus demſelben wieder abzuſeßen ; hiezu wird
kommandirt ; i n 1
Setzt Formab !". . joonis ades
Auf das gedehnt ausgeſprochene , Sept“ iſt der
.
1
rechte Zeigefinger vom Züngel ab wieder auf der Bür
gel zu legen, und auf das folgende „ A6 “ das Gewehr
64 1. Hauptſück . – 1. Abſdyniti.

und die Hände in die Lage von „ Fertig “ herabzu


bringen .
122. Nach bewirktem Anſchlage erfolgt das Kommando:
,,Feuer ! “
Ohne das Gewehr oder den Körper aus ſeiner
Lage zu bringen , Drückt das Mittelglied des Zeigefin
gers immer mehr und mehr nach dem Züngel, bis dieſes
die Stange aus der Naſt hebt und das Abſchlagen des
Hammers erfolgt, wobei die Viſirlinie fortwährend im
Auge zu behalten iſt. Das Spielen des Fingers am
Züngel darf nicht geduldet werden . Nun hat der Sol.
dat das Gewehr von der Backe ab wieder in die Lage
von „ Fertig " zu bringen , den Hammer zu ſpannen , den
Verſchlußtheil durch eine raſche Bewegung nach auf:
wärts zu öffnen, und hiebei zur Beſeitigung der Veeren
Hülſe das Gewehr mit etwas gehobener Mündung
durch die zum Abſehen zurückgebrachte linke Hand
raſch gegen den Leib zu wenden , und ſogleich wieder in
die frühere Lage zu bringen, eine Patrone zu erfaſſen
und neuerdings zu laden , und das weitere Kommando
zu erwarten.
123. Endlich iſt der Soldat zu belehren, daß er auf
das Kommando : „ Feuert !“ .
ohne ein weiteres Kommando abzuwarten, die Lade- und
Feuergriffe für ſich auszuführen hat.
124 . Erfolgt das Kommando: , Feuereinstellen !"
ſo wird das Gewehr, wenn es noch nicht geladen wäre,
geladen, dann in die Stellung von „ Hammer in die
Nuh " gebracht, der Hammer in die Nuh geſeßt, geſchul.
tert und die Patrontaſche geſchloſſen .
125 . Soll nach dem Feuern das Gewehr entladen ge.
ſchultert werden , ſo erfolgt das Kommando :
Ausbildung des einzelnen Soldaten. 65
„ Feuereinstellen ! -- Patrone versorgen !"
worauf das Gewehr in die Lage von „ Viſitirung des
Gewehrs “ gebracht, nach dem Deffnen des Verſchluſſes
die Patrone mit dem Daumen und Zeigefinger beim
Anſaße erfaßt, aus dem Patronenlager gezogen und
mit Zuhilfenahme des Mittelfingers in die Patronen
taſche verſorgt wird ; hierauf iſt der Verſchluß wieder zu
ſchließen , der Hammer in die Nuhe zu ſehen, das Gewehr
zu ſchultern und die Patrontaſche zil ſchließen .
Das Entladeii de's Gewehres ohne vor- 126 .
ausgegangenes Feuern erfolgt auf das Kommando :
,,Patrone versorgen !
worauf die zur „ Viſitirung des Gewehrá “ vorgeſchrie
bene Stellung angenommen, die Patrone auf die be
kannte Art verſorgt und wieder geſchultert wird.
Das Laden oder Fertigmachen des Gewehres aus 127.
der Stellung beim Fuß“ oder „ in der Balance“ ge
ſchieht, indem der Soldat auf das obige Kommando
gleichzeitig mit der Wendung das Gewehr vor die
Mitte des Körpers gerade in die Höhe hebt, daß die
rechte Hand mit den Schultern gleich ſteht, während
Die linke es am Abſehen erfaßt, und beide es dann in
die wagrechte Lage bringen , worauf ſich wie oben be
nommen wird.
Wenn der Soldat raſch und ſicher laden und 128.
Feuern gelernt hat, ſo wird ihm dasſelbe auch in ver
ſchiedenen anderen Stellungen gelehrt.
Das Laden im Gehen erfolgt wie auf der 129 .
Stelle. Zum Feuern muß ſtehen geblieben werden,
um richtig zielen und ſeinen Schuß ſicher anbringen zu
können .
- Die Stellungen zum Laden und Feuern ſind aus
den folgenden Figuren zii entirehmen .
5
1. Hauptfäck. . Abfdnitt. :

130. Knieend. Zum laden wird das Gewehr mit


der linken Hand auf dem linken Knie in der wagrechten
Lage erhalten.

131. Sißend. Das laden erfolgtwie oben .


Ausbildung des einzelnen Soldaten . 67
Hockend. 132.
Zum Laden ruht
das Gewehr auf
beiden Knieen.
liegend. 133 .
Der Soldat

trachtet einen höheren Gegenſtand zum


Auflegen des Gewehres vor fich zu
bekommen , die linke Hand hält das
Gewehr an der Rolbenſpiße und drückt
es gegen die rechte Achſel, die rechte
ladet das Gewehr, ohne es aus der
Linie des Anſchlages zu bringen . Die
vordere Patrontaſche iſt rückwärts
zu ſchieben , und ſollte länger in dieſer
Stellung verblieben werden , ſo iſt dem
Soldaten zu geſtatten , einige Patronen
vor ſich .zu legen, um möglichſt gedeckt
ruhig zielen und feuern zu können .

af o r gat bergunge n
Soll das Gewehr bei feierlichen
Gelegenheiten als Ehrenbezeigung ab
134 .
gefeuert werden , ſo erfolgt das Aviſo :
General Decharge !
Hierauf wird die Vorbereitung Wuy

bewirkt.
„ Fertig !"
Wird nach Vorſchrift „ Fertig “
genommen ,nach Bedarf früher geladen .
5 #
k
68 I. Hanpiſtüc . -- !. Abſchnitt .

„ Hoch - - an !"
Wird das Gewehr ſchräg aufwärts ſo in Anſchlag
gebracht, daß der Soldat ohne Erhebung des Kopfes
und ohne Veränderung der Stellung des Oberleibes über
das Abſehen und das Forn wegſehen kann . Auf das
folgende kurz auszuſprechende Kommando :
. , Feuer !"
wird abgedrückt und das Gewehr im Anſchlage er
halten, bis auf das nachfolgende Kommando :
„ Schul — tert !“
das Gewehr in die Lage von ,,Hammer in die Ruh “
zu bringen, der Hammer in die Ruheraſt aufzuziehen,
und nach Vorſchrift zu ſchultern iſt.
S. 14.
Ehrenbezeigungen .
135 . Wenn der Soldat nicht mit dem Gewehre ausge
rüſtet iſt, ſo hat er um einen vor ihm ſtehenden Vor
geſeßten zu begrüßen , die vorgeſchriebene Stellung an
zunehmen und die rechte Hand auf ähnliche Weiſe, wie
es bei der Stellung zum Gebete für die linke vorge
ſchrieben wurde, an die Kopfbedeckung zu erheben , in
dieſer Stellung ungefähr während der Dauer von
3 Marſchtakten zu verblieben, und ſich dann wieder
zu herſtellen .
Hat der Soldat eine Meldung erſtattet und wird
vom Vorgeſezten abgefertigt, ſo muß er erneuertſalutiren .
136 . Geht ein Vorgeſefter an dem Soldaten vorüber ,
ſo wendet dieſer den Kopf gegen die Seite, von welcher
der Höhere kommt, vollbringt auf 3 Schritte Ent
fernung die angedeutete Salutirung mit der rechten
Hand , begleitet den Vorgeſepten durch Wenden des
Kopfes mit dem Blicke und herſtellt ſich, wenn jener
ſich auf 3 Schritte entfernt hat.
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 69
Wenn der Soldat ohne Gewehr an einem Vor: 137.
geſepten oder an einer Schildwache vorüberzugehen hat,
volbringt er bei der Annäherung auf 3 Schritte die
Salutirung und wendet gleichzeitig den Kopf gegen die
entſprechende Seite. Die Herſtellung iſt dann in einer
Entfernung von 3 Schritten zu bewirken .
Bei der Begegnung der Allerhöchſten Herrſchaft 138.
hat der Soldat auf 3 Schritte Entfernung Front zu
machen , dann die Kopfwendung und Salutirung aus.
zuführen und ſich zu herſtellen , wenn die Allerhöclyſte
Herrſchaft auf 3 Schritte entfernt iſt.
Wenn der Soldat in einer Hand etwas tragt, 139.
ſo falutirt er der Allerhöchſten Herrſchaft , einem
Vorgeſepten oder einer Schildwache im Vorübergehen
mit der freien Hand. Tragt er aber in beiden Händen
etwas, ſo iſt die Wendung des Ropfes als Ehrenbezei
gung auszuführen .
Befindet ſich der Soldat auf einen Wagen , ſo
hat er ſißen zu bleiben , und dabei ohne Gewehr zu
ſalutiren, mit demſelben aber nur die Kopfwendung
zu vollführen.
Iſt der Soldat ohne Kopfbedeckung, ſo benimmt
er ſich auf die anbefohlene Weiſe, nur ſalutirt er nicht
mit der Hand.
Der Soldat hat, wenn er mit dem Gewehre aus. 140.
gerüſtet iſt, bei Begegnung eines Höhern gleichzeitig
mit der Wendung des Kopfes mit der rechten Hand
den Rolbenhals (den Kolben ) zu umfaſſen , und mit der
Herſtellung von der Kopfwendung die rechte Hand
wieder an den Riemen zu bringen. Vor der Aller
höchſten Herrſchaft hat er vorerſt Front zu machen , den
Kopf zu wenden und zu präſentiren , dann zu ſchultern
und ſeinen Weg fortzuſeßen .
70 1. Hanptfück . . Abſchnitt .
141. Bei der Begegnung des Hochwürdigen hat der
Soldat mit und ohne Gewehr Front zu machen , dann
zum Gebete niederzuknieen . — Tragt er aber etwas in
der Hand, ſo hat er nicht ſtehen zu bleiben , ſondern
wie an einem Vorgeſepten vorüber zu gehen .
142. Als Schildwache tragt der Soldat das Ge
wehr mit gepflanztem Bajonnete geſchultert, oder er
kann, wenn er ruhig ſteht, „ Beim Fuß“ nehmen ; auch
iſt es demſelben geſtattet, das Gewehr derart an der
linken Seite zu tragen , daß dasſelbe ſenkrecht ſteht, und
mit dem Hammer auf dem wagrecht gehaltenen linken
Vorderarme ruht.
143. Andeutungen für den Abrich ter.
Die einem Abrichter zur Abrichtung übergebenen Leute ſind
inein Glied mit dem Abſtande von 1 Schritten neben einander
aufzuſtellen . Die Erklärung iſt jedem Manne einzeln zu geben ,
und der Betreffende hiezu einige Schritte vorzurufen , damit die
Anderen das Erklärte hören und die Ausführung ſehen .
Um die Aufmerkſamkeit zu ſteigern , und den Mann an das
Denken zu gewöhnen, iſt öfter durch den Vorgerufenen oder einen
anderen Mann ein Theil des Erklärten zu wiederholen , und die
erfolgte Ausführung gegenſeitig beurtheilen und berichtigen zu
laſſen . Die Kommando müſſen von jedem öfters wiederholt und
nach und nach erlernt werden .
Es wird hier nochmals erinnert, daß der Abrichter bei jeder
Erklärung ſeineWorte mit der Ausführungbegleiten muß. Der Ler
nendewird begreifen,wenn er vielleicht auch die Worte nichtverſteht.
Das anhaltende Ueben ein und desſelben Gegenſtandes
ermüdet Geiſt und Körper, daher ein zweckmäßiger Wedſel der:
ſelben nothwendig iſt, auch ſind die Ruhepauſen zu kurzen Beleh
rungen zu benüßen.
Die Stellung, Wendungen und der Marſch find anfänglich
ohne Gewehr vorzunehmen , und erſt wenn der Soldat hinreichende
Feſtigkeit in denſelben erlangt hat, iſt ihm das Gewehr zu geben .
* Der Soldat entſpricht nur dann ſeiner Beſtimmung wenn
er ſein Gewehr als Feuerwaffe mit Erfolg anzuwenden verſteht,
der Unterricht in Feuern iſt daher der wichtigſte Theil der ein
zelnen Abrichtung; durch fortgeſepte llebung im Anſchlag, Zieļen
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 71
und dem Abdruce muß die hierin nöthige Sicherheit erreicht !
werden. Um den Soldaten gründlich undmit Erfolg belehren zu
können , iſt ihm zuerſt die Wirkung der Feuerwaffe zu erklären
und ſodann mit blinden Patronen das Laden und Abfeuern des
Gewehres zu zeigen. Hierbei wird es um ſo nöthiger ſein , auch
jeden Griff mit der nöthigen Erklärung des Zweđes zu begleiten,
und fich durch wiederholtes Befragen zu überzeugen, ob der Sol
dat das zu Uebende auch richtig verſtanden hat. Genauigkeit und
Raſchheit in Ausführung der Griffe, vor allem ein richtiger An
fchlag und das augenblicliche Einſtellen des Feuers auch ſchon
beim erſten Unterrichte, find die weſentlichſten Punkte, welche der
Abrichter ſtets im Auge zu behalten hat.
$. 15 .
Stellung und Ererciren des Tambours . .
Der Tambour hat die Trommel an dem Bande. 144.
liere zu tragen , deſſen Haken in dem Ringe des oberen
Trommelreifes einzuhängen iſt. Der Schlagboden iſt
hierbei gegen die rechte Seite zu neigen und die Schlägel
ſind zum Gebrauche bereit über demſelben zu halten.
Ruht die Truppe, ſo kann die Trommel nach dem Ver
ſorgen der Schlägel vor den Füßen ſo auf den Boden
gelegt werden, daß die Stimmſchraube aufwärts, der
Schlagboden vorwärts gewendet iſt. Auf Märſchen
dagegen , ſowie auch in allen anderen Gelegenheiten ,
in welchen der Tambour während der Bewegung nicht
zum Einſchlagen bereit ſeinmuß,wird die Trommel mittelft
des Tragriemens ſo über die linke Schulter geſchwenkt,
daß der Saitenboden auf den Rücken zu liegen kommt.
Wenn die Truppe fich zum Gebete ſtelt, wird die 145 .
linke Hand mit dem Schlägel zur Salutirung erhoben.
Beim Niederknieen iſt Trommelnkquer
ledieKmit
erabzuund
u dieſem eizute hlegen
en über
opfbederdedilinken
den inken
en llinken
zSchenkel Hand zu halten ,
Hand
während die rechte die Kopfbedeckung abzunehmen und
an die Seite herabzubringen hat. Die Schlägel müſſen
zu dieſem Zwecke vorher verſorgt werden , was auch
vor dem Schwören zu geſchehen hat. In dieſem Falle
72 1. Hauptfück . – 1. 2bfchnitt.

wird die Trommelmit der linken Hand am Reife erfaßt


und der Schlagboden in der wagrechten Lage gehalten ,
damit die Kopfbedeckung nach dem Abnehmen auf den
ſelben geſtellt werden kann .
S. 16 .
Stellung und Ererciren des Horniſten und des
Bandiften .
146. Der Horniſt trägt das Horn mittelſt der Schnur
über die linke Achſel gehängt ſo an der rechten Seite,
daß dasſelbe an dem rechten Schenkel anliegt. Die
rechte Hand hat das Mundſtück bei na
türlich geſtrecktem Arme ſo zu halten ,
daß der Daumen auf dem obern Buge
des Dicken Rohres aufliegt, die übrigen
Finger aber die Bögen von außen um
faſſen . Dieſe müſſen vorwärts, der
Becher muß ein wenig abwärts gerichtet
ſein . Auf Märſchen , ſo wie auch wenn
die Truppe ruht, kann das Horn unter
den linken Arm genommen werden . Das
Mundſtück iſt an das Horn zu binden ,
bei ſehr kalter Witterung aber in der
Taſche zu verſorgeil und nur vor dem
Ertheilen eines Signales aufzuſtecken.
147. In der Stellung zum Gebete hat der vorniſt mit.
der linken Hand zu ſalutiren , beim Niederknieen mit dies
ſer die Kopfbedeckung abzunehmen . Beim Schwören
wird das Horn mit aufwärts gerichtetem Mundſtücke
vor der Mitte des Leibes in der linken Hand geñalten ,
welche auch die Kopfbedeckung nach dem Abziehen der
ſelben zu übernehmen hat.
Ausbildung des einzelnen Soldaten . 73
Der mit dem Gewehre 148.
ausgerüſteteHorniſt trägt die.
ſes wie der Soldat, und das
Horn am Torniſter durch die
Schnur feſtgehalten , indem
dieſe mittelſt eines leicht zu lö
ſenden Knotens vorne an der
Bruſt feſtgemacht wird . Zum
Signalgeben nimmt er das
Gewehr am Niemen auf die
linke Achſel , löſt mit der rech
ten Hand den Knoten und er
faßtdas Horn ; in dieſer Stel
lung vollführt er keine Ges
wehrgriffe. Zum Herſtellen
läßt er das Horn ſinken , bin
det mit beiden Händen den
Knoten der Schnur, wodurd)
jenes wieder in ſeine frühere
Lage kommt.
Iſt der Horniſt hinter dem zweiten Gliede einge
theilt, ſo hat er die gleichen Griffe mit den Chargen zu
vollführen , iſt er in Neih und Glied eingetheilt, ſo
benimmt er ſich wie der Soldat überhaupt.
Der Bandiſt tragt ſein Inſtrument in der rechten 149 .
Hand , und wenn es lang iſt, an der rechten Seite in
entſprechender Weiſe . In Bezug auf die auszuführenden
Griffe hat er ſich an die bereits feſtgeſepten Beſtim
mungen zu halten .
§. 17.
Stellung und Ererciren der Schanzzeugträger
und Zimmerleute der Pionniere.
Das Schanzzeug der Infanterie und der Jäger, 150.
die tragbare Feldausrüſtung der Genietruppen und der
74 : 1. Hauptſtück . *** 2 . Abſchnitt.

| mit Gewehren verſehenen Pionniermannſchaft, iſt nach


den in dieſer Beziehung feſtgeſepten Beſtimmungen ſo
angebracht, daß für die Stellung und das Ererciren
keine Aenderung nothwendig erſcheint.
151. Der Zimmermann der Pionniere hat die Hacke,
mittelſt des Niemens über die rechte Schulter gehängt,
. . wie das Gewehr zu tragen . In der Stellung zum
Gebete wird mit der linken Hand falutirt, vor dem
Niederknieen dieHade an der rechten Seitemit aufwärts
gerichtetem Stiele beim Fuß genommen, vor dem Schwö
ren aber in dieſer Weiſe vor der Mitte des Leibes auf
den Boden geſtellt.
Die hier erwähnten Griffe haben die Zimmerleute
mit der übrigen Mannſchaft auszuführen , beim Voll.
zuge der anderen Griffe haben dieſelben ihre Stellung
nicht zu verändern .

2. Abſchnitt.
Ausbildung des Soldaten im Gliede. -
: $. 18 .
Vorbereitung.
153. Die Ausbildung des Soldaten im Gliede bildet
il die Grundlage ſeiner Verwendbarkeit in größeren Ab
theilungen
ul..
154. Die Ausführung der vorkommenden Bewegun
! !! ! gen und Griffe iſt im Gliede von jedem einzelnen
Mannenach den im erſten Hauptſtücke feſtgeſekten Beſtim
mungen, von allen Männern aber gleichzeitig zu bewirken .
155. 15. Die Bewegungen ſind im Allgemeinen im vorge.
ſchriebenen Marſchtakte auszuführen , es foll jedoch bei
14 . jeder llebung auch die Beſchleunigung und der Lauftritt
in angemeſſenen Pauſen angewendet werden . - 4.
Ausbildung des Soldaten im Gliede. 75
. Der Kommandant des Gliedes hat ſich beim Er- 156 .
theilen der Kommando immer gegen die Mannſchaft zu
wenden , in einer Entfernung aufzuſtellen, von welcher
er das ganze Glied überſieht, und die Erhebung der
Stimmenach der Anzahl der ihm zugewieſenen Solda: .
ten zu bemeſſen , welche nie mehr als 12 betragen ſoll.
: . Wenn es ſich nicht um die Uebung der Griffe, des 157 .
Ladens oder Feuerns handelt, kann die Ausbildung im
Gliede auch ohne Gewehre vorgenommen werden.
$. 19 .
Aufſtellung des Gliedes.
: Zur Formirung eines Gliedes werden die 158.
hierzu beſtimmten Soldaten - nach ihrer Größe von der
rechten gegen die linke Seite — in einer Linie ſo nahe an
einander geſtellt, daß jeder Einzelne ſich vollkommen frei
und ſelbſtſtändig bewegen , ſeine Arme und Hände, mit
dieſen aber das Gewehr gebrauchen kann , ohne den
Nebenmann zu beirren oder ſelbſt von dieſem beläſtigt
zu werden .
Die 2 nebeneinander ſtehenden Männer dürfen
daher nicht bis zur Berührung der Elbogen , ſondern
nur ſo weit anſchließen,daß der bleibende Zwiſchenraum
beinahe eine halbe Handbreite beträgt. . .
Die Schultern, ſo wie die Abſäge aller Männer, 159.
müſſen eine gerade Linie bilden , welche Frontlinie
genannt wird . :
's Der Kommandant des Gliedes hat die Stellung 160 .
jedes Mannes zu prüfen , und nach Bedarf zu berid ).
tigen , wobei er beſonders das enge Anſchließen zu ver
hindern hat, zu welchem Anfänger ſich durch den Mangels,
der nothwendigen Selbſtſtändigkeit leichtverleiten laſſen .
* +/1 Wenn die Mannſchaft in der angedeuteten Weiſe 161.
geſtellt, d. h. rangitt iſt, ſo wird au jedem Flügel des
76 1. Hauptfück. – 2. Abſchnitt.

Gliedes ein Unteroffizier, ein Gefreiter oder Patrull


führer oder auch als Stellvertreter ein ſchon ausgebilde
ter Soldat eingetheilt.
$. 20.
Nichtung.
162 . Um die Mannſchaft des Gliedes im Aufſuchen und
Verbeſſern der Frontlinie zu unterweiſen , läßt der Ab
richter als Vorbereitung auf das Kommando :
„Richtung rechts (links), Chargen — Marsch !“
die beiden Flügel-Chargen gerade vorrücken , komman
dirt beim Eintreffen derſelben in der beliebig zu wäh .
lenden Linie , welche beim Unterrichte nicht über 6
Schritte von der früheren Aufſtellung entfernt ſein ſoll :
Halt ! "
und verfügt ſich dann zur Feſtſtellung der beabſichtigten
Frontlinie an einen Flügel.
Die Flügel-Chargen bleiben auf das „ Halt !"
ſtehen, vollführen ohne Kommando die ganze Wendung
gegen die benannte Seite , und berichtigen nur auf
die Weiſung des Abrichters ihre Aufſtellung.
163 . Beim erſten Unterrichte wird die Mannſchaft ein
zeln in die durch die Flügel-Chargen bezeichnete Front
linie vorgerufen , indem ſich der Kommandant vor jeneni
Mann ſtellt,welcherzunächſt vorrücken ſoll und denſelben
belehrt, daß er auf das Roommando :
„ Rechts (Links) richt – euch !"
gerade vorrücken , den legten Schritt in 3 kleine, ſchnell
auf einander folgendeSchritte eintheilen, den Kopf nach
der Seite der Richtung wenden , ſich in der vorgeſchrie
benen Weiſe neben ſeinen Nebenmann ſtellen und ſchnell
nach demſelben richten müſſe. Auf dieſes Rommando
herſtellen ſich die vorgetretenen Chargen mittelft der
ganzen Wendung.
Ausbildung des Soldaten in Gliede. 77
In der genauen Richtung wird der Soldat dann 164.
ſtehen , wenn er mit dem auf der Seite der Rich
tung befindlichen Auge nur ſeinen Nebenmann ſieht und
mit dem andern von der weitern Front einen Schein
hat. Er tritt entſprechend vor, wenn er nicht ſo viel,
oder zurück, wenn er mehr von der Front ſieht. Durch)
bloßes Vor- und Zurückneigen des Körpers darf kein
Soldat ſeine Stellung zu verbeſſern ſuchen .
Zur Beurtheilung der Richtung ſtellt ſich der Rom - 165 .
mandant des Gliedes einige Schritte ſeitwärts des
Flügels auf, von welchem die Richtung ausgeht und
wenn eine Verbeſſerung nothwendig iſt, begibt er ſich
vor den eben vorgerufenen Mann , prüft und berichtigt
deſſen Stellung, belehrt ihn über die Art des began :
genen Fehlers und läßt ihn dieſe nach eigenem Er
meſſen berichtigen und nach Umſtänden in die frühere
Aufſtellung zurückgehen , um das Einrücken zu wieder
holen .
Nach dem Einrücken des lezten Mannes hat der 166 .
Abrichter das Kommando :
„ Habt – Acht!“
zu ertheilen , worauf die Köpfe gerade zu wenden ſind.
Wenn die Mannſchaft einige Zuverſicht im Er- 167 .
faſſen der Frontlinie erlangt hat, ſo iſt das Einrücken
in die von den Flügel-Chargen bezeichnete Richtung
nichtmehr einzeln , ſondern gleichzeitig zu bewirken .
DerKommandant ſtellt ſich hierzu nach dem Vorrücken der
Flügel-Chargen vor der Mitte des Gliedes aufund ertheilt
das Kommando zum Einrücken in die neue Frontlinie .
Jeder Mann rückt hierauf ſogleich vor, theilt den
Legten Schritt in 3 kleine ein , nimmt Fühlung und
Richtung nach der benannten Seite. Nach dem Ein
rücken des Gliedes verfügt der Kommandant ſich ſeit
wärts des Nichtungsflügels , um ſich von der Richtung
78 1. Hauptftück . 2. Abfdjuitt. 11

der Mannſchaft zu überzeugen und die nothwendigen


Verbeſſerungen zu veranlaffen . bim ? "
168. Um die Richtung des Gliedes, ohne Vorrückung
der berkommaſomit in rder
pitelFlügel-Chargen, ückwinnehabenden F Aufa
lung zuzu verbeſſern ,ndertheilt ärts – balser Vor:
o ;c), der Abrichter ront
ſtellung
„Richtung rechts (links),rückwärts — Marsch !“
worauf die Flügel-Chargen zur Bezeichnung der Front
linie ſtehen bleiben , die Mannſchaft aber ſo lange zurück
tritt, bis das Kommando :
„ Halt!"
erfolgt,woraufdie Flügel-Chargen die ganze Wendung
gegen die benannte Seite vollführen . Der Komman
dant des Gliedes berichtigt ſodann die Aufſtellung der
Flügel-Chargen und veranlaßt die Richtung der Mann
fchaft in der bekannten Weiſe.
$. 21.
Wendungen .
169. Die Kopf- und Körper-Wendungen werden
nach den $ $. 9 und 10 im Gliede von jedem Manne
einzeln nach den in dieſen Paragraphen enthaltenen
Belehrungen und auf dasſelbe Kommando, jedoch von
allen gleichzeitig ausgeführt. Die Flügel-Chargen be
nehmen ſich wie der einzelne Mann .
Um die Aufmerkſamkeit der Mannſchaft zu erhöhen ,
erläßt der Abrichter vor dem Kommando nach Bedarf
das Aviſo :
„ Glied !"
170. Der Abrichter hat nach einer Körper-Wendung die
richtige Ausführung von einem Flügel zu beurtheilen
da je nach der Wendung, wenn ſie gleichmäßig vollführt
wurde, die Leute auch gedeckt oder gerichtet ſein müſſen .
Ausbildung des Soldaten im Gliede. 79

. . § . 22. :
Marſch vor-, ſeit- und rückwärts .
Wenn das Glied gerade vorrücken ſoll , ſo muß der 171.
Kommandant vor dem Antritte der Bewegung einen
möglichſt entfernten aber gut wahrnehmbaren Gegen
ſtand in ſenkrechter Linie auf die Front des Gliedes als
Direktions-Objeft ermitteln . Dieſes Direktions.
nauen FestitMaries desbefindlich zu leiten und
fung einige welche
Objekt iſt der am rechten Flügel befindlichen Charge zu
bezeichnen , den Marſch des Gliedes
fich zur genauen Feſtſtellung der einzuhaltenden Nich .
tung einige Zwiſchenpunkte zu wählen hat.
Der Beginn des Marſches erfolgt auf das Rom . 172.
mando e e t„Marschiren
ie abertures !a!“"re a(82).
mando :
n l -rebuMarsch
Glied lso in the
auf das „ Glied“ wird die Schwere des Körpers auf
den rechten Fuß übertragen , um dann mit dem linken
Fuße im vollen Schritte raſch austreten zu können .
Der Marſch muß frei und ungezwungen ausge.
führt, die Richtung durch ein gleichmäßiges Ausſchrei.
pre sent the home be
ten ohne Aengſtlichkeit erhalten uns hierbei der Blick
gerade vorwärts gerichtet werden . Um ſich von der
Einhaltung der Frontlinie zu überzeugen , darf der
Soldat zwar zeitweiſe gegen die führende Flügel.
Charge ſehen, in keinem Falle aber hierbei die Schultern
aus der geraden Richtung bringen .
Wenn ein Soldat bemerkt, daß er über die Front
linie hinausgerückt oder hinter derſelben zurückgeblieben
iſt, ſo muß er die Richtung durch das Verkürzen oder
Verlängern der Schritte, ohne Veränderung des Taktes
nach und nach wieder zu gewinnen ſuchen . Den auf der
Seite derMarſch -Direktion befindlichen Nebenmann dar.
er nicht verlaſſen , ſondern er foll, wenn der Zwiſchen
raum erweitert, das richtige Verhältniß durch eine
80 1.Hauptküche a le gusguisto z
vor und gleichzeitig ein wenig ſeitwärts gerichtete Be
wegung wieder herſtellen , Dem Drucke von der Seite
der Marſch -Direktion muß er nachgeben , jenem von der
entgegengeſeßten Seite aber widerſtehen , damit die füh
rende Flügel - Charge nicht aus der ihr angewieſenen
Marſáijrichtung gedrängt werde. .
173. Der Kommandant hat den Marſch des Gliedes
von vorne oder von einem der beiden Flüget, und
zwar am beſten von dem der führenden Charge' entge
gengeſepten Flügel, zu überwachen , hierbei aber weni-.
ger auf das ängſtliche Einhalten der ſcharfen Richtung,
als auf das entſchloſſene freie Ausſchreiten zu ſehen .
Den Takt des Marſches hat er durch das Vorzählen
: nach Bedarf zu regeln , und ebenſo auch die fehlerhafte
Marſchrichtung,weicheſich durch wiederholte Trennungen
oder Drückungen bemerfbar macht, zu verbeſſern .
174. Um die Bewegung einzuſtellen , kommandirt der
Abrichter :
„ Glied - Halt ! ' . ,' ;'
I worauf die Mannſchaft ſtehen bleibt. . in
175 . - Üm währ end des Vormarſc hes eine geringe Ab
weichung von der ſenkrechten Marſchrichtung zu veran
laſjen , erfolgt das Kommande : : The
... „ Haltung – rechts, (links)!“ . .. .
worauf die führende Charge, und mit dieſer das ganze
Olied, nach der bezeichneten Seite mäßig ſeitwärts
ſchreiten , ohne zu dieſem Zwecke die Schultern aus der ,
Nichtung zu bringen. Auf das Kommando : 1143bogen
Grad - aus !"
* * * iſt die ſenkrechte Marſchrichtung, wiedec anzunehmen, -
und hierzu vom Abrichter ein entſprechendes Direktions ?
Objekt zu beſtimmen . ianus i 1 d .
176 . Um die Vorrückung des,Gliedes gleichmäßig vor
und ſeitwärts zu veranlaſſen , kommandirt der Abrichter :
Ausbildung des Soldaten im Gliede.

„ Ziehung rechts (links),Halb - rechts (links) !"


worauf jeder Mann die halbe Wendung ausführt und
in dem dadurch erlangten Verhältniſſe auch während
der Bewegung verbleibt. Von der Stelle erfolgt noch
das Kommando :
„Glied — Marsch !
Der führenden Charge muß in ſenkrechter Nich .
tung auf die Linie ihrer Schultern ein Direktions-Objekt
bezeichnet und
aufgetragen wer
den , mit Be
nüßung geeigne.
ter Zwiſchen .
punkte die ange.
gebene Marſch .
richtung
genau
einzuhalten . Bei der Ziehung links hat dieſe Obliegen .
heit auf die Charge am linken Flügel überzugehen .
Um aus der Ziehung ſowohl von der Stelle 177.
als während des Marſches in die ſenkrechte Marſch .
richtung zu gelangen , wird auf das Kommando :
Links (Rechts ) – Front!“
die halbe Wendung in die Front ausgeführt. Der
Abrichter hat hierbei fogleich für die Beſtimmung
eines neuen Direktions · Objektes Sorge zu tragen
und dasſelbe der Charge am rechten Flügel zu
bezeichnen .
Wenn die Bewegung des Gliedes einen gleich. 178.
mäßigen Charakter angenommen hat, iſt zuweilen das
Vertürzen des Schrittes und das neuerliche Ausſchreiten
im vollen Schritte zu üben , dann find die Kopfwen
dungen ausführen , die Gewehre in die Balance neh.
82 · I. Hauptſtück . - 2. Abſcuitt.
men und ſchultern , die Bajonnete pflanzen und verſor:
gen, ebenſo aus der Balance die Bajonnete fällen ,
dann die Gewehre ſchultern zu laſſen . Der Marſch
darf durch die Ausführung dieſer Gewehrgriffe die
fichere Haltung nicht verlieren , die Mannſchaft iſt
daher anfänglich durch das Vorzählen der Schritte im
Einhalten des Taktes zu unterſtüßen . . . is
179. In der Folge muß auch die Bewegung im be
ſchleunigten Schritte und Lauftritte geübt
werden , und iſt mit den für die Ausbildung des einzelnen
Soldaten feſtgeſeßten Beſtimmungen zu bewirken (93).
Die Schnelligkeit und Gleichmäßigkeit des Taltes
hat der Abrichter durch den Zuruf oder den Tambour
zu regeln . Auf das Kommando :
„ Schritt !“
werden mit der Annahme des Marſchtrittes , auf das
Rommando :
„ Glied – Halt!“
mit dem Einſtellen der Bewegung die Gewehre ge
ſchultert.
Wenn die Mannſchaft fich auch im Lauftritte an
eine gleichmäßige Bewegung gewöhnt hat, iſt dieſelbe
anzuweiſen auf das Kommando:
Fällt das — Bajonnet!"
die Ausführung dieſes Gewehrgriffes nach der bei der
einzelnen Ausbildung erhaltenen Belehrung während
Der Bewegung im Lauftritte zu bewirken.
Der Abrichter hat die Mannſchaft bei dieſer Ge
legenheit zu erinnern , daß das übereilte Vorbrechen
Einzelner, denen nicht Alle mit gleicher Schnelligkeit zu
folgen vermögen die Zerſplitterung der Kräfte herbei
Ausbildung des Soldaten im Gliede. 83

führen , ſomit den Bajonnetangriff des erforderlichen


Nachdruckes bérauben und daher auch den Erfolg des.
ſelben gefährden würde.
to Soll das Glied in der Verlängerung der Front- 181.
linie ſeitwärts marſchiren , kommandirt der Abrichter :
Rechts (Links) - um !"
worauf jeder Mann die angeordneteWendung vollführt.
Auf das darauf folgende:
Glied – Marsch ! “
tritt nur die Flügel-Charge im vollen Schritte aus,
die andern Männer verkürzen wegen Mangel an Raum
ſo lange ihre Schritte , bis ſich der nöthige Raum zum
vollen Ausſchreiten ergibt, welcher dann als bleibender
Abſtand zu erhalten iſt.
Die nach der Wendung voran befindliche Flügel
Charge hat den Marſch zu leiten und die hinter ihr
inarſchirenden Männer des ganzen Gliedes müſſen auf
dieſelbe gedeckt bleiben.
Während des Marſches beginnt der Seitenmarſch
auf das Kommando zur Wendung unter denſelben
Beobachtungen .
Zur Herſtellung des Gliedes wird kommandirt: 182.
„ Links (Rechts - Front!"
Die Tête-Charge bleibt ſtehen und vollführt die
angeordnete Wendung , an die Charge ſchließt ſich mit
derſelben Beobachtung der erſte Mann , alle übrigen
Männer rücken gerade vor und herſtellen ſich auf die
nämliche Art , wenn ſie ihren Vormännern ſo nahe ge
kommen ſind , daß ſie mit der Wendung das richtige
Verhältniß erlangt und zum Anſchließen nicht mehr ſeit
wärts zu rücken haben . .
Die Ziehung iſt, wenn ſich die Nothwendigkeit 183.
hierzu während des Seitenmarſches ergibt, in der
84 1.Hauptfäck. – 2. Abſchnitt.
bereits angedeuteten Weiſe anzubrdnen. Jeder Mann
vollführt hierauf in ſeinem Verhältniſſe die erforder
liche halbe Wendung und ſchreitet in der dadurch
erlangten Nichtung geradë fort, wobei die Män
per fortwährend auf einander gedeckt bleiben
müflen . Er e is n 2015 TON
118844.. , Die Wiederannahme der geraden Marſch
richtung wird nach den bekannten Beſtimmungen
veranlaßt und von jedem Manne ausgeführt.
Während der Fortſeßung des Marſches muß.
dann die vorgeſchriebene Deckung auf die füh
stori rende
me rden .Charge nach Bedarf ſogleich, berichtiget.
is trouble Din cui
ibt. welcheWenn
185 felbe das
MarſGlied bathtungeiſt,n ſind
ches verkehrt auszuballe Bewegun
ilen Beweguni
gen mit denſelben Beobachtungen auszuführen . Die
Leitung des Marſches hat jene Charge zu behalten .
welche ſelbe vor dem Verkehren hatte, nur während der
Ztehung hat die bereits angedeutete Aenderung einzu .
treten . so,
. ' A8 Vorbereitung für das Gretciren ' in größeren
Körpern kann jedoch die Direktion auch auf den linken
Flügel übertragen werden und geſchieht auf das Aviſo :
Direktion links (rechts ) !" ;
worauf Fühlung und Richtung nach der aviſirten Seite
geſucht werden . 120. 00.10 ?
187. 1 Um das Glied zum Zurücktreten zu veranlaſſen ,
kommandirt der Abrichter: -
10:03 Glied rückwärts" Marsch ! "
worauf die entſprechende Bewegung angetreten und auf
das Rommando
„Glied - Halik ' Niki

eingeſtellt wird .
Itachios - Arq

w Ausbildung des Soldaten im Glieden wot 34 ,85

sto mi se Schwenkung, it's 1:


11 . Wenn die Front des Gliedes durch das Vor: 188 .
nehmen eines Flügels in der Weiſe verändert wird , daß
die Frontlinie 'init der verlaſſenen Aufſtellung einen
Winkel bildet, fo heißt die zu dieſem Zwecke ausgeführte
Bewegung , welche bis zur Erlangung eines rechten
Winkels ausgedehnt werden kann, Schwenkung. .
I Bei der Ausführung einer Schwenkung mit der 189.
Front des Gliedes iſt der ſchwenkende Flügel, die Mitte
und der Pivotflügel zu unterſcheiden , welche fort
während in einer geraden Linie verbleiben und ihre
Bewegung dieſem Verhältniſſe entſprechend regeln
müſſen.
1970 Um den Antritt einer Schwenkung von der Stelle 19
anzuordnen , ertheilt der Abrichter das Kommando :
Rechts (Links) schwenken - Marsch !" !
worauf die Bewegung vom ganzen Gliede angetreten
wird , e r du 190919.5 Bunun
Die Charge am ſchwenkenden Flügel be. 191.
en 'nspajoš ! [x.wegt ſich anfänglich gerade
vorwärts und 1 geht erft
Jure pig 's Snach einigen Schritten in de
die ſchwenkende Bewegung
über, wobei ſie den Neben
manu nicht verlaſſen darf
und zeitweiſe einen Blick
gegen den Pivot werfen
2

muß,um die nächſten Män.


ner auf denſelben gerichtet
zu erhalten .
86 1. Hauptſtück . – 2. Abſchnitt. !
192. Die Charge am Bivot hat ſich auf einem Kreis
bogen zu bewegen , deſſen Halbmeſſer. 2 Schritte
beträgt. Auf dieſem Bogen hat dieſelbe eben ſo viele
kleine Schritte zu machen , ais der ſchwenkende Flügel
zur Zurücklegung des gleichlaufenden weiten Kreiſes
volle Schritte benöthigt. Während dieſer Bewegung
wendet dieſe Charge jich nur in dem Maße, in welchem
der ſchwenkende Flügel und die Mitte vorwärts ſchreiten,
.und ſorgt hierbei durch die entſprechende Führung der
Nebenmänner für die Behauptung ihres Plages , von
dem ſie ſich nicht verdrängen laſſen darf. .
193. Jeder Mann des Gliedes muß während der -
Schwenkung gegen die Seite des Pivot's anſchließen
und zwiſchen dieſem und dem ſchwenkenden Flügel ge
richtet ſein , wozu die Mitte ungefähr mit der Hälfte
der vorgeſchriebenen Schrittlänge auszutreten und jeder
Mann zeitweiſe einen Blick gegen den ſchwenkenden
Flügel zu werfen hat.
4. Um die Bewegung des Gliedes während der
Schwenkung überwachen und die Beendigung derſelben
im richtigen Augenblicke veranlaſſen zu können , hat der
Abrichter ſich ſo aufzuſtellen , daß er mit dem Pivot
gleichſam die Linie bezeichnet, in welche die Front des
Gliedės gelangen ſoll. Wenn der ſchwenkende Flügel
ſich dieſer Linie bis auf einen Schritt genähert hat, er-.
theilt er das Kommando : si ji ' '
Halt ! " ,"
worauf die Bewegung eingeſtellt wird. Das eigen
mächtige Nachrücken zur Berichtigung der Frontlinie
iſt hierbei nicht zu dulden , die Mannſchaft aber
zu belehren , daß die wahrgenommenen Fehler ſehr
oft noch mit dem leßten Schritte verbeſſert werden
können .
Ausbildung des Soldaten im Gliede. 87
Vor der Wiederholung der Schwenkung iſt nach 195.
Bedarf die Frontlinie durch eine Richtung auszugleichen ,
der Mannſchaft die Urſache des entſtandenen Fehlers
zu bezeichnen und das Mittel anzubeuten , durch welches
demſelben vorgebeugt werden kann.
3 . Zur Ausführung einer Schwenkung während des 196 .
Marſches Kommandirt der Abrichter :
, , , Rechts (Links ) - schwenkt!"
oder ertheilt das. Aviſo :
și „ Rechts (Links) schwenken !" .
worauf die Charge am Pivot : „Rechts (Links) . -
schwenkt! kommandirt, und das ganze Glied die
Schwenkung beginnt. Wenn die Front die beabſichtigte
Richtung beinahe erreicht hat, kommandirt der Abrich .
· ter : „Grad — aus ! " oder deutet dieſes der Charge
am Pivot durch einen Zuruf oder Wink an , worauf
dieſe 'es kommandirt , den Marſch wieder in gerader
Richtung fortſeßt, wobeiwie immer die Richtung gegen :
die führende Flügel-Charge genommen wird. .
' ' ! . , S . 24 , . ..
Jona " . ' Cinzelne Defilirung
he Defilirung :. ' is; .

1 . Die einzelne Defilirung hat den Zweck, die 197.


Mannſchaft an eine freie : und ſelbſtſtändige Haltung ,
während des Marſches zu gewöhnen und ſie in dieſer
Beziehung prüfend zu beurtheilen .
.! ! Um die einzelne Defilirung anzuordnen , ertheilt 198.
der Zugs-Kommandant das Kommando : *
. „ Einzeln rechts (links): defiliren ! : - Rechts
(Links) - um !“ Í
Dr . Das ganze Glied , mit Ausnahme der Charge auf
dem der Wendung entſprechenden Flügel, volführt
88 11. Hauptfickt . Avranitt.

los diéfe Anordnung. Der am andern Flügel des Gliedes


befindliche Unteroffizier ſtellt ſich nach der Wendung
neben dem zuerſt abrückenden Flügelmann, mit der
Front gegen denſelben , zur Bezeichnung des Wende
punktes auf.
199. Der Kommandant bezeichnet hierauf der an.Die
Tête gelangenden Charge ein Direktions. Objekt und
gleichzeitig auch den Punkt, an welchem das Glied
wieder zu förmiren iſt, dann ſtellt er ſich in einiger
Entfernung von der Front des Gliedes an der Defili:
rungslinie auf und kommandirt izum Antritte rider
Bewegung : ? ! ! ! radu do
C M11 Marsch ! : : : : SPORT
worauf der Unteroffizier in gerader Nichtung dvorțückt.
Wenn dieſer den linken Fuß zur Vollführung des fünf.
ten Schrittes vorſeßt, tritt der Flügelmann aus, wen
det ſich in die Defilirungslinie und folgt der Charge
im Abſtande von 4 Schritten . Auf dieſe Weiſe vitritt
ein Mann nach dem andern aus, wendet fich beim
Anlangen an den zur Bezeichnung des Wendungspunk
tes aufgeſtellten Unteroffizier und folgt dem vormar
ſchirenden Manne nach: Dieitden Wendungspunkt
Bezeichnende Charge'rückt Shein"legten Manne nach.
200. " Während der Defiliring hat jeder Mann auf den
por thin befindlichen gedeitt zu bleiben und den beſtimm .
ten ' Abſtand : bbm 4 Schritten einzuhalten , bei der An
näherung an den Zugs-Kommandantensauf 3 Schritte
den Kopf gegen denſelben zu wenden , und fich , wenn
er 3 Schritte vorüber gelangt iſt, wieder zu herſtellen.
Gleichzeitig mit der Wendung des Kopfes hat der
" Soldat die rechte Hand can ben Kolbenhals (Kolben )
zu bringen und mit der Herſtellung den - Niemen wieder
zu erfaſſen .
Ausbildung des Soldaten im Bliede. . 89

Wenn ein Tamboiir oder Horniſt mit dem Zuge 201.


ausgerückt iſt,rtfo : hafiderſelbe vor dem Beyinne der
Defilirung fich ungefähr 10 Schritte gegenüber vom
Zug& Kommandanten aufzuſtellen und den Marſch zu
ſchlagen oder zu blaſen .
: . 130 13035 til 25 KOHT : 201
c ) ¿La mbi negerittee : " . .
?! ! ! * Die Gewehrgriffe müſſen im Gliede von allen 202.
Mäfinern gleichzeitig , ſchnell und kurz ausgeführt wer
oden,worauf beſonders bei jenen zu ſehen iſt, welche als
Ehrenbezeigung in Anwendung zu kommen haben .
* Wenn der Abrichter die Uebung der Gewehrgriffe 203 .
vorzunehmen: beabſichtigt, ſo hat er als Vorbereitung
das Kommando : ., ., ., ,
i „ Chargen beim - Fuss !" : D !!! to post
zurertheilen , worauf die Chargen dieſe Stellung anneh
men und während der Uebung der Gewehrgriffe, in
derſelben verbleiben . 1174011537 n '
9.2 . Die Gewehrgriffe werden in folgender Ordnung 204
ausgeführt: 11 OL: SALAT
* far !Cilt In die Balance ! ", -- Schultert! "
12. Fällt das Bajonnet!", Schul - tert!“
16 11.3. „ Präsen - tirt!“ . Schultert!" 002
" 134. In die Balance !" , Beim -ct
1981:6 Fuss!“ , 577 Zum Gebet! Vom
Gebet!". Kniet nieder zumit
mui 1 Gebet!* o Czako oder Hut - ab !" -
Czako oder Hut ut auf! Auf vom -
" ☺ tin Gebet!“ Schultert!" O
its : 5 . „ Zum Schwören ? " et „ Czako oder
O * Hut - ab !". tar,Czako, oder Hut Tauf!"
- Schul - tert !“
90 1. Hauptftück. 2 . Abſchnitt. -

205. Nach Beendigung dieſer Uebung kommandirt der


Abrichter : ; i
Chargen schul - tert !" , " ."
worauf dieſe ihre Gewehre ſchultern . . .
206. Wenn die Ausführung eines Gewehrgriffes ohne
die angedeutete Vorbereitung angeordnet wird, ſo iſt
dieſelbe auch von den Flügel-Chargen zu bewirken .
§. 26 . . .
s
Reasonund . .. 24
Laden Feuern .
207
7. Das Feuern mit einer Abtheilung, unterſcheidet
ſich in Salven - und Einzeln feuer. . .
: Das Salvenfeuer wird von geſchloſſenen Ab
theilungen gleichzeitig und auf Kommando abgegeben.1:
1 . Beim Einzelnfeuer feuert jeder Mann für ſich
auf das ihm bezeichnete Ziel.
208. Vor jedem Ausrücken und nach dem Einrücken
hat ſich der Abrichter zu überzeugen , ob die Gewehre in
Ordnung und entladen ſind, hierzu erfolgt das Kom .
mando :
Visitirung des Gewehrs !" - Hammer
in die – Ruh !"
und wird nad , der im Unterricht der einzelnen Aurich .
tung ertheilten Belehrung ausgeführt (100). . . ***
Die Chargen vollführen den Griff mit der Mann ,
ſchaft.
209. Jm Gliedemuß die Uebung im Laden und Feuern
als Vorbereitung für den Gebrauch des Feuergewehres
in größeren Abtheilungen mit beſonderer Aufmerkſam
keit durchgeführt werden .
210. Da die freie Bewegung der Gliedmaßen eine un
erläßliche Bedingung der entſprechenden Handhabung
Ausbildung des Soldaten im Gliede. 91

des Gewehres bildet, fo hat der Abrichter fich vorher


zu überzeugen , ob die Mannſchaft nicht enger als in
der bei der Aufſtellung des Gliedes feſtgeſepten Weiſe
geſchloſſen ſei ( 158)... Biglie
Um das Laden der Gewehre zu veranlaſſen , 211. .
ertheilt der Abrichter das Aviſo :
Laden ! " i indisp o .
worauf die erforderliche Vorbereitung bewirkt wird ,
dann erfolgt das Kommando :
„ Fertig ! "
woraufdie Gewehre zum Laden herabgebracht,und die
Ladungs- Tempo', ausgeführt werden. Die Flügel.
Chargen behalten die Gewehre geſchultert. . . . si
Zum Feuern muß der Mannſchaft, wenn es die 212.
Umſtände geſtatten, immer ein Zielpunkt bezeichnet
werden , auf welchen die Gewehre im Anſchlage zu :
richten ſind.
13 + Zur Uebung im Šalvenfeuer ertheilt der Ab. 213. "
richter, ob die Gewehre geladen find oder nicht, das :
,Feuern !"
worauf die Vorbereitung zu bewirken iſt.( gs
Auf das Kommando :
Por Fertig !“ , ,5 1 TL Host ( ! In !!
werden die Gewehre fertig genommen , wäre nicht gedi:
laden, die Ladung bewirkt, auf: piatt !1'35m ) , I
„ N . N . Schritte – An ! "
in Anſchlag gebracht, endlich auf das Kommando : Testing
Feuer !“,, 1t11:40aná nit D i : :
abgefeuert , geladen und das weitere Kommando: erri
wartet.
Das Einzeln feuer serfolgt auf das Aviſo : 214.
„Einzelnfeuer14.042011 21 : 7
29923 : !1111110 alg a an
92 1. Hauptftück. – 2. Abrduitt.

worauf nach Bedarf die Vorbereitung


bulu
erfolgt, ſodann :
Fertig !" sari nan
die Gewehre werden fertig genommen : : tim
" N . N . Schritte“ = „ Feuert !" Tentoper llig
worauf jeder Mann für ſich ohne Kommando auf das
e o bezeichnete Ziel zu feuern hat. e INC
Der Abrichter, ſo wie die eingetheilten Chargen,
.

haben den richtigen Anſchlag zu überwachen und darauf


zu ſehen , daß das Feuer ein wohlgenährtes, aber kein
übereiltes ift.
215. Soll aus dem Salpenfeuer in das Einzeln
feuer übergegangen werden, ſo erfolgt dieß auf das
Rommando:
DiscoFeuert!"
Feuert !" ,
**" nach den oben erwähnten Grundſägen . utali sono
216 . Wenn das Feuern eingeſtellt werden ſoll , ſo er:
theilt der Abrichter entweder während des Ladens oder
nach der Beendigung der Ladung das Aviſo :1
Feuereinstellen ! " -- (Patrone versors
gen !)
worauf ſich die Mannſchaft nach der bei der einzelnen
Ausbildung erhaltenen Belehrung benimmt (124).
Je größer die Abtheilung iſt, deſto entſchiedener haben
der Kommandant und die Chargen auf das aliſogleiche
Einſtellen des Feuers zu wirken. Der unbedingte Ger
horſam ijt eben ſowohl durch eindringliche Belehrung,
IS

217
als die rückſichtsloſeſte Strenge zu erzielen.
Der Kommandant hat ſich während des Feuerns
ſeit und ein wenig vorwärts des rechten Flügels aufzu
3

ftellen und das Benehmen der Mannſchaft, zu über


wachen ."Zeitweiſe hat er auch hinter die Front zu gehen
und ſich von dort die Ueberzeugung zu verſchaffen, daß
die Gewehre in der dem bezeichneten Zielpunkte ent
Ausbildung es Soldaten im Gliede.
jubice - A ure !
93
prechenden Weiſe in Anſchlag gebracht werden , zu
welchem Zwecke er in Ermangelung anderer geeigneter
Punkte die Flügel-Chargen verwenden kann. Höchitwich
tig iſt es, der Mannſchaft vor dem Anſchlag die Diſtanz
zu bezeichnen , welche' fich während des Feuerns oft.
mals ändern kann . : ?
Zur Ausführung der General- Decharge ertheilt 218 .
der Abrichter das Aviſo : ."
TO" General Deeharge !" . "
dann das Rommando . ' " .. . is
„ Fertig !"
12 4: Hoch 2 an ! - Feuer ! - Schul - tert!“.
4,00 Die Ausführung wird in der bekannten Weiſe
bewirkt. (134)
Nach der General-Decharge iſt als Ehrenbezeigung 219.
die Kopfwendung auszuführen , zu präſentiren , dann "
die Ropfwendung zu herſtellen und zu fchultern . Das

1
Schließen der Patronentaſchen erfolgt nach dem Präſen:
tiren der leßten General-Decharge auf das Aviſo des
Stommandanten . * " ) . - tas ir j * ?***** ** *
po s , jis . 27.. .. !! !" , IN: 'ST
! ! Ehrenbezeigungen . 7 11 9 19
1 Wenn ſich ein Vorgeſeptér dem Gliede nähert, ſo 220.
hat der Kommandant ſich auf 4 Schritte vor den erſten
Mann jenes Flügels zu ſtellen , gegen welchen derſelbe
kommt. Bei der Annäherung desſelben auf 30 Schritte.
kommandirtder Abrichter, nachdem er ſich mittelſt einer
ganzen Wendung gegen das Glied gewendet hat.
* Glied rechts (links) — schaut!
wenn der Herankommende ein Stabsoffizier oder ein .
.
noch höherer Vorgejekter ijti, proteger bits
* Präsen – tirtist í almeno
94 1. Hauptſt. - 2 . Avſda. -+ Ausbildung der Soldaten in Gliede. -

herſtellt ſich von der Wendung, leiſtet für ſeine Perſon


die Ehrenbezeigung , geht dem Höheren entgegen , und.
meldet ihm die Stärke des ausgerückten Gliedes nach
der Zahl der Leute, ſich ſelbſt und die Chargen
mit eingerechnet.
221. Wenn der Vorgeſefte das Glied beſichtigt, ſo hat
der Kommandant den Höheren " zu begleiten , und hier :
bei ſo weit ſeit- und rückwärts zu bleiben , daß er jeden
Befehl zu vernehmen und die geſtellten Fragen zu be
antworten vermag. Die Mannſchaft hat dem Höheren
durch die Wendung der Köpfe mit den Blicken zu fol
gen , und ſich erſt auf das Kommando:
Habt – Acht!"
zu herſtellen , dann werden nach der Entfernung des
Vorgeſeßten , oder mit deſſen Bewilligung auf das
Kommando :
Schu] - tert!"
von der Mannſchaft die Gewehre geſchultert. Der
Abrichter und die Chargen benehmen ſich , wie es bei
den Kopfwendungen vorgeſchrieben wurde (71). : ;
- 222. Wenn die Mannſchaft ohne Gewehre ausgerückt
iſt , die Unteroffiziere jedoch mit ſolchen verſehen ſind, ſo
haben ſich lektere beim Empfange eines Höheren auf
das Kommando zur Wendung der Köpfe und beim
Herſtellen von der Kopfwendung nach Vorſchrift zu
: benehmen (71472) . ;
223. Nähert ſich das Hochwürdige , ſo hat der Kom
mandant die Gewehre beim Fuß nehmen und nieder
knieen zu laſſen , dann auch ſelbſt niederzuknieen . - Nach
der Entfernung des Hochwürdigen herſtellt ſich der
Kommandant, dann hat erſt das Kommando' für die
Mannſchaft zu erfolgen .": ! 1911 , if . :
1. Hauptft. - . Abſon . + Ausbildung des Soldaten im Zuge. 95
17

3. Abſchnitt.
Ausbildung des Soldaten im Zuge.
L iis S. 28.
, , " 13" } Vorbereitung.
Die Ausbildung im Zuge bietet die erforderlichen 224.
Behelfe für jede taktiſche Verwendung des Soldaten .
Der Unterricht im Zuge zerfädt in zwei Abthei- 225.
lungen und umfaßt;
1. Die Ausbildung in der geſchloſſenen Dro :
nung .
2. Die Ausbildung in der ze r ſt r e uten
Fechtart.
Wenn die Ilmſtände die geordnete und gleichmäßige Bewe
gung, dann das enge Zuſammenwirken des Zuges erheiſchen ,
fo wird derſelbe geſchloſſen verwendet; die betreffenden Grund
fäße werden dem Soldaten durd die Ausbildung in ge
ſchloiſener Ordnung beigebracht werden .
: Die Grundjäße zur Durchführung ſolcherUnternehmungen ,
beiwelcher die Mannſchaft in kleinen Gruppen aufgelöſt iſt, und
nur die zurwechſelſeitigen linterſtüßung nothwendige Verbindung
einzuhalten hat, werden dem Soldaten durch die Ausbildung
in der zerſtreuten Fechtart angedeutet.
::. Die zur Leitung und Verwendung eines Zuges . 226 .
erforderlichen Befehle hat der Zugs-Kommandantmit
der Stimme zu ertheilen und ſich zu dieſem Zwecke
*. immer ſo aufzuſtellen , daß er ſich nicht nur verſtändlich
zu machen , ſondern auch das Benehmen der Mann
ſchaft zu : überwachen vermag. Zum leichteren Ver
ſtändniß des Soldaten iſt es ihm geſtattet, gleich
zeitig mit dem Kommando die Richtung einer Bewe
gung mit der Hand oder dem Säbel anzudeuten .
96 ' 1. Hauptdück . – 3. Abſchnitt .

227. Da aber in der zerſtreuten Fechtart ein Zug oft


eine ſo bedeutende Ausdehnung erhalten kann , daß es
nicht immer möglich iſt, die Stimme zu hören, ſo iſt es
dem Zugs-Kommandanten geſtattet, in einem ſolchen
Falle ſeine Abtheilung durch Hornſignale zu leiten .
I. Ausbildung des Zuges in geſchloſſener
Ordnung.
$. 29.
Aufſtellung des Zuges .
228. Die Aufſtellung des Zuges in geſchloſſener
Ordnung ergibt ſich , indem die Mannſchaft in zwei
hinter einander ſtehenden Gliedern rangirt und an den
Flügeln init Chargen eingefaßtwird .
229. Die Entfernung, welche zwiſchen den beiden Glie
dern einzuhalten iſt, heißt Gliederdiftanz, und muß
von der Abſaglinie des vorderen bis zu jener des rück.
wärtigen Gliedes die doppelte Mannsbreite oder unge
fähr 3 Schuh betragen .
230. Die Männer des erſten Gliedes ſchließen mit
der bekannten Beobachtung gegen den rechten Flügel
an , jene des zweiten Gliedes ſtehen ſenkrecht hinter
ihren Vormännern des erſten , und nehmen hierbei Rück
• ficht auf die Einhaltung der Feſtgeſeßten Slieberdiftanz.
In der Breite einer Front rechnet man 4 Mann
auf 3 Schritte.
231. Zwei in der angedeuteten Weiſe hintereinander
ſtehende Männerliwerden als eine Hotte,
bender Mann
Hintermann bleibender titte dewird ger haeinrNotte.
s zuenalsgäbalbe
ohne
bezeichnet und in die Mitte des Zuges eingetheilt.
232 . Bei der Infanterie und den Jägern entfallen
von den einer Kompagnie zugewieſenen Chargen auf
Ausbildungdes Soldaten im Buge.
jeden Zug 1 Offizier Feldwebel oder Oberjäger als
Zug&-Kommandant, ferner 1 Zugsführer und bei der
Infanterie 3 Rorporale, bei den Jägern 4 Unterjäger.
- Der Zugsführer ſteht bei ſeinem Zug immer am 233.
rechten Flügel im erſten Gliede , die andern Chargen
werden vom Zugs-Kommandanten an die Flügel des
Zuges in beide Glieder ſo vertheilt, daß der Kom
mandant des rechten Schwarmes am rechten Flü
gel, jener des mittleren und linken am linken zu ſtehen
komme. Die etwa erübrigten Chargen werden als
Einfaſſung-Notten am rechten Flügel verwendet.
Tischmarm Schwaim Schwarm Schwarm Schwarm Schwarın

Infanterie Jäger: Bug


Führer Soldat
Korporal (lInterjäger) 0 Spielmann
Wenn die genannten Chargen nicht in boller
Zaht anweſend ſind, ſo 'müſſen dieſelben durch geeignete
Stellvertreter ergänzt werden , damit der Zug unter
allen Verhältniſſen mit den zu ſeiner Führung erfor
derlichen Chargen verſehen bleibt.
- 11 Der Bambour oder Horniſt hat ſeine Aufſtellung
hinterlder Mitte des Zuges, und zwar 3 Schritte
vom zweiten Gliede entfernt zu nehmen . 4 7. 90 Din
51: Wenn“mit einem Zuge der Infanterie die Fahne
austückt; ſo hat fich der Fahnenführer neben der rechten
Mügelcharge aufzuſteñen, und auch während der Be-->
wegung in dieſem Berhältniß zu verbleiben!" diye
1 Bei den Genie - Gruppen lift die Anzahl der 234.
Chargen einer Kompagnie oſo beineffen , daß jeder Zug
98 1. Hauptftück. 3. Abſdjwitt. ,

mit 1 Offizier, 1 Feldwebelj: 2 Führern und 3 Ror


poralen betheilt werden kann. Von dieſen Chargen
hat der Offizier als Zugs-Kommandant aufzutreten ,
der Feldwebel die 2 Führer und 1 Korporal haben
die bei der Infanterie für den Zugsführer und die
11511153 Korporale ange
i bir k wieſenen Pläße einzu .
SD BE nehmen und : 2 Kor
porale find , in ſo .
ferne ' ſie nicht , als
Stellvertreter in Anſpruch genommen werden müſſen ,
als Flügel-Notten am rechten Flügel einzutheilen . Die
Aufſtellung des Zuges iſt im Uebrigen bei den Genie
gruppen gleichfalls mit Rückſicht auf die für die Infan.
terie und die Jäger vorgeſchriebenen Beobachtungen zu
bewirken .
235. Bei den Pionnieren entfallen von den einer
Kompagnie zugewieſenen Chargen auf jeden Zug
1 Offizier, oder Feldwebel als Zugs-Kommandant,
ferner 1 Zugsführer und 3 Korporale, und es bleiben
bei dieſer Betheilung der Züge noch 1 Feldwebel und
2 Führer verfügbar , welche beim Zugsunterrichte nach
: ** !! ! ! Ermeſſen des Rom
: . ." opti i mandanten einzuthei
len ſind. Derallenfalls
!! ! übrig bleibende Unter
. . . 'l iti offizier erhält ſeine
Eintheilung am rechten Flügel des erſten Gliedes.
Die Aufſtellung des Zuges iſt im Uebrigen bei den
Pionnieren gleichfalls mit Mückſicht auf die für die
Infanterie und die Fäger vorgeſchriebenen Beobach .
tungen zu bewirken .
Ausbildung des Soldaten im Buge. 99

Um die Mannſchaft eines Zuges in die eben 236 .


beſchriebene Aufſtellung zu bringen , hat dieſelbe ſich
auf das Aviſo :
, , Antreten !" .
in einem Gliede, nach der Größe vom rechten gegen
den linken Flügel rangirt, aufzuſtellen .
.,« Die Chargen ſtellen ſich aneinander geſchloſſen
und mit der Front gegen die Mannſchaft gewendet
3 Schritte vor, der Tambour oder Horniſt 3 Schritte
hinter dem rechten Flügel auf.
. Der Zugs-Kommandant, oder in deſſen Vertretung
der Zugsführer, theilt hierauf die Mannſchaft vom
rechten gegen den linken Flügel mit „ Eins und Zwei !“
ab ; - die mit „ Eins“ bezeichneten Leute bilden das
erſte, die mit „ Zwei“ das zweite Glied – und kom
mandirt :
„ In den — Zug !"
worauf die mit „ Zwei“ bezeichneten Leute hinter ihren
rechten Nebenmänner treten , beide Glieder gegen den
rechten Flügelmann ſchließen , und das zweite Glied die
Gliederdiſtanz und genaue Deckung annimmt. Das
Anſchließen erfolgt mittelſt der ganzen Wendung.
Gleichzeitig haben die Chargen , ſo wie auch der
Spielmann , an die bezeichneten Pläße zu treten , wobei
bemerkt wird , daß für den Augenblick leere Pläße des
erſten Gliedes durch das Vortreten der im zweiten
Gliede Stehenden auszufüllen ſind.
Der Zugs-Kommandant hat ſich nach dem For. 237.
miren des zweiten Gliedes von der Deckung der Rotten
zu überzeugen , hierbei die allenfalls vorhandene halbe
Motte gegen die Mitte des Zuges zu leiten und die
Gefreiten und Patrulführer möglichſt gleichmäßig im
Zuge zu vertheilen.
100 1. Hauptftück . 3. Abfdhnitt.

238. Wenn die Aufſtellung des Zuges mit dieſen Beob


achtungen bewirkt iſt, wird die Abtheilung in Rotten
paare vom rechten gegen den linken Flügel veranlaßt,
ſo, daß die erſten 2 Rotten das erſte; die zweiten
2 Rotten das zweite Nottenpaar u. f. w . bilden . In
jedem derſelben iſt ein , nach der Ueberzeugung des
Zug8-Kommandanten geſchichter und gewandter Mann
zum Schwarmgliedführer zu beſtimmen und als
ſolcher auch der übrigen Mannſchaft des Nottenpaares
zu bezeichnen .
Der Abtheilung in Nottenpaare hat jene in
Schwärme zu folgen, zu welchein Zwecke der Zug in
3 annähernd gleiche Theile zu theilen iſt, ſo daß die
bereits beſtimmten Rottenpaare ungetrennt bleiben ;
wäre der Zug jedoch unter 12 Rotten , ſo iſt derſelbe in
2 Schwärme zu theilen , bei 6 Notten unterbleibt die
Cheilung.
239... : Jeder Schwarm wird einem Unteroffizier zuge.
wieſen. Dieſer ſowohl, als auch die Mannſchaft, iſt
hierbei zu belehren , daß ſie ſich als zuſammengehörig zu
betrachten haben .
240. 5 " geber Mann muß in der Aufſtellung des Zuges
ſeine Umgebung kennen und wiſſen , zu welchem Rotten
paare, dann zu welchem Schwarm er gehört, damit er
unter allen Umſtänden ſeine Cintheilung ſogleich zu
finden vermag. it come
241. :! Mach beendeter Abtheilung hat der Zugs-Rom .
• mandant das Kommandos no se ll. 937 :19 ) juille
„ Auseinander !"
zu ertheilen, worauf die Mátmſhaft auseinander geht
Fund fich zerſtreut. Auf das dann folgende Aviſo oder
I Signal: Sunil giudmisen DA 190 filium bif
Ausbildung des Soldaten im Buge. 101
„ Allarm 14 . 15
hat der Zug ſich mit der größten Beſchleunigung bei.
dem Zugs-Kommandanten , welcher ſich mit dem Ge.
fichte gegen die einzunehmende Frontlinie gewendet,
4 Schritte vor derſelben aufſtellen muß, in der geſchlof.
fenen Ordnung zu ſammeln . Die Unteroffiziere des erſten
Gliedes müſſen ihre Pläße zuerſt zu erreichen und da
durch die Frontlinie zu bezeichnen trachten . Jeder Mann
eilt im Lauftritte an ſeinen Plaß,wo er ſich mit geſchul
tertem Gewehre aufſtellt. Die Mallirung muß unge
achtet aller Eile immer mit Nuhe vor fich gehen,
und das Zuſammenprallen hierbei möglichſt vermieden
werden.
. Um die Mannſchaft an das raſche Sammeln in der gé .
ſchloſſenen Ordnung zu gewöhnen , iſt dieſe Uebung wiederholt
und unerwartet borzunehmen .
Auf das Kommando : . . . . 1 .. 243 .
„Nieder !"
hat ſich der ganze Zug, ſogleich niederzulegen , jedoch
nicht der Bequemlichkeit zu überlaſſen , ſondern bereit zu
fein , um auf das Kommando :
„ Auf! "
Pogleich aufſpringen zu können ; die Chargen haben die 90
aliſogleiche Herſtellung der Ordnung auf das Strengſte
zu überwachen .
r . Der Zwed deß zugleichen Niederlegens iſt , um eine
ſtehende Truppe ſchnell dem feindlichen Auge, oder der Feuer
wirkung zu entziehen – wird daher oft Anwendung finden . :
ili. 7 . Wenn der Zugs- stommandant den Webergang aus 244.
ziei Gliedern in eines beranlaſſen will , fo : komman .
dirt er :
lii : In ein Glied 142 18 Li di' ***
die rechte Flügelrotte bleibt ftehen , die andern öffnen
ſich mittelft der ganzen Wendung links, und die Männer
102 1. Hauptfic . – 3 . Abfdnitt.

des zweiten Gliedes treten nach Maßgabe des Raumes


links vor- und ſeitwärts neben ihre Vormänner. Die
Chargen verfügen fich gleichzeitig in ihre Aufſtellung
vor, der Tambour oder Horniſt hinter den rechten
Flügel.
§. 30.
Aufſtellungs- und Bewegungs- Behelfe.
245. Um die Frontlinie des Zuges auszugleichen , kom
mandirt der Zugs-Kommandant: ' '
„Richtung rechts (links), Chargen — Marsch !"
worauf die an den Flügeln des erſten Gliedes befind.
lichen Chargen gerade vorrücken , auf das Kommando :
Halt ! "
ſtehen bleiben und die ganze Wendung nach der im
Kommando bezeichneten Seite machen . — Der Zugs.
Kommandant überzeugt ſich zuerſt, ob die Flügel-Char
gen ſenkrecht auf die Frontlinie des Zuges vorgetreten
ſind, dann verfügt er ſich an den Flügel und beſtimmt
die Richtung , in welche er den Zug zu bringen beab
ſichtigt. Ha i mirisi , 473
6 . " Um das Einrückenr des Zuges in die bezeichnete
eints (Linkwird
Linie zuzu bveranlaſſen,
Linie ment Charg:en1. 1. " : " 1
s) ichkommandirt
11873 ,Rechts (Links) richt — euch !" : " 11119
worauf ſich die vorgetretenen Chargen mittelft der
ganzen Wendung herſtellen , und der Zug ſogleich in
die neue Frontlinie einrückt.** ! "
Box Der Mann des erſten Gliedes jeder Notte benimmt
ſich nach der beim Gliederunterrichte erhaltenen Beleh
rung (167), die Männer des zweiten Gliedeg treten
gleichzeitig mit ihren Vormännern aus jis theilen
gleich dieſen den legten Schritt in drei kleine, ſuchen da.
Durch Deckung und Gliederdiſtanz) durch einen Blick
Ausbildung des Soldaten im Zuge. 103
gegen die Seite der Richtung aber die Frontlinie
zu gewinnen . Der Zugs-Kommandant überzeugt fich
dann von der Beobachtung dieſer Grundfäße, und kom
mandirt endlich :
Habt – Acht ! "
worauf das erſte Glied die Köpfe gerade wendet.
Wenn der Zug in der innehabenden Aufſtellungs. 247.
linie gerichtet werden foll, ſo fommandirt der Zug8 .
Kommandant: ..
„ Richtung rechts (links),rückwärts - Marsch !" .
worauf mit Ausnahme der Flügel- Chargen deß erſten
Gliedes der ganze Zug zurücktritt, bis das Kommando:
: Halt ! “
erfolgt. Die Beſtimmung der neuen Frontlinie und das
Einrücken in dieſelbe iſt mit den bekannten Beobachtun
gen zu bewirken (246).
Zum Verkehren oder Herſtellen der 248.
Front ertheilt der Zugs-Kommandant, ohne Müdſicht
auf die augenblickliche Formation, das Kommando:
Zug verkehren (herstellen )!“
„ Rückwärts (Vorwärts) – Front! " listy
1 . Wenn eine halbe Motte im Zuge vorhanden iſt,
ſo hat der betreffendeMann deß erſten Glieder nach dem
Verkehren der Front in das zweite Glied porzutreten ,
nach dem Herſtellen aber wieder in ſeine Eintheilung
zu rücken .':- Eine einzelne Flügel-Charge benimmt ſich
wie der Mann des erſten Gliedes. , y con lavie
17+ Nach dem Verkehren der Front behalten die Flü .
gel mit Mückſicht auf die Herſtellung, ihre frühere
Benennung. Me t 760BS month IT
29. Wenn endlich die Front des Zuges, mit dem erſten 249.
Gliede voraus, dahin perlebt werden ſoll , wo ſich der
Mücten befindet ſo kommandirt der Zugs-Kommandantá
104 1. Hauptſtück. – 3. Abſchnitt.
- Front und Flügel verändern ! Rechts — um !"
worauf mit Ausnahme der am linken Flügel des erſten
Gliedes befindlichen Charge der ganze Zug die Wen
.. dung vollzieht. Auf das folgende Kommando :. |
Marsch ! "
hat der ganze Zug , mit Ausnahme der erwähnten
Charge, die Bewegung anzutreten und das zweite Glied
ſogleich an das erſte anzuſchließen . Die Chargen am
rechten Flügel des
erſten Gliedes voll:
führen zweimal un
mittelbar nach ein
. . ander eine ganze
Schwenkung links,
marſchiren dann an der frühern Frontlinie des erſten
Gliedes gerade vor, bis ſie zu der ſtehen gebliebenen
Charge des linken Flügels gelangen , wo ſie ſich mit
einer ganzen Wendung links herſtellen , die Gliederdiſtanz
nehmen und ſtehen bleiben . . .. . .. .
Von der Mannſchaft hat jede Motte anfänglich im
verkürzten, und erſt nach Maßgabe des entſtehenden
Maumes. im pollen Schritt gerade vorzurücken , an der
ſelben Stelle, wo die Flügel-Chargen des rechten Flügels
geſchwenkt haben , zu ſchwenken , dann in der Nichtung
der frühern Frontlinie zu folgen , ſich mittelſteiner ganzen
Wendung links zu herſtellen , hierbei die Gliederdiſtanz
zu nehmen und anzuſchließen . Die Michtung iſt hierbei
durch einen Blick gegen den rechten Flügel zu ſuchen ;
und das zweite Glied hat auch für die Decking Sorge
zu tragen. Wenn die Charger des rechten Flügels ſich
herſtellt gaben , pollführtriene,des linken Flügelo gleich .
falls die Wendung; rechts, und verfügt ſich an d ihren
Plaß .
Ausbildung des Soldaten im Buge. 105

. . .. $. 31.
Marſch vor:, ſeit- und rückwärts.
Um gerade vorzurücken , beſtimmtder Zugs -Kom - 250.
mandant das Direktions- Dbjekt und verſtändigt
die Charge am rechten Flügel des erſten Oliedes von
der getroffenen Wahl, damit dieſe den Marſch in ent
ſprechender Weiſe zu leiten vermag.
Der Antritt des Marſches hat auf das Rom : 251.
mando :
„Marschiren !Zug – Marsch !"
nach den beim Gliederunterrichte feſtgeſtellten Grund.
fäßen (172) zu erfolgen . Die Männer des zweiten
Gliedes inüſſen während der Bewegung auf ihre Vor
männer gedeckt bleiben , und die vorgeſchriebene Glieder:
diſtanz einhalten . . .
.: Zur Haltung oder Ziehung hat der Zugs. 252.
Kommandant die erforderlichen Anordnungen in der beim
Gliederunterrichte ( 176 ) angegebenen Weiſe zu erlaſſen .
DieMänner einer
" : , " '. . Rotte ' müſſen
. ' während der Zie ='
iii. 1 10 12 . hung' mit Rück
. . . ! Ticht auf die
1 .. . frontlinie des
Zuges zwar ſenkrecht hinter einander verbleiben , erhal
ten aber in Folge der halben Wendung ein itaffel.
förmiges Verhältniß , welches die Männer des zweiten
Gliedes auch während des Marſches erhalten müffen .
Die Annahme der ſenkrechten Marſchrichtungwird
nach der Haltung oder Ziehung in der bekannten Weiſe
veranlaßt (177).
106 I. Hauptfückl. 3. Abſchnitt..,
253. Um den Zug von der Stelle zum Schwenken zu .
veranlaſſen , ertheilt der Zugs-Kommandant das Rom - .
mando :
„Rechts (Links) schwenken — Marsch ! " *
worauf das erſte Glied die Schwenkung nach den be
kannten Grundfäßen vollführt (193). : - Die Männer
des zweiten Gliedes, welche gleichzeitig mit jenen des
erſten austreten , müſſen während der Schwenkung ge.
deckt bleiben und die Gliederdiſtanz behalten , wozu die
dem Pivot zunächſt befindlichen nach Bedarf ein wenig
ſeitwärts zu treten haben . Wenn der ſchwenkende Flügel
fich der beabſichtigten neuen Frontrichtung bis auf einen
Schritt genähert hat, wird vom Zugs-Kommandanten
entweder das Kommando zum Einſtellen der Bewegung
oder zur Fortſeßungderſelben in gerader Richtung ertheilt.
254. Zur Schwenkung während des Marſches fom
mandirt der Zugs-Kommandant: fr . so i
Rechts (Links) — schwenkt ! "
oder ertheilt das Aviſo : rots
Rechts (Links) schwenken !" . i , **
worauf die Charge am Pivot das entſprechende Kom .
mando zum Beginne der Schwenkung erfolgen läßt
und auf den Ruf oder Wink des Zugs-Kommandanten
die Fortfeßung des Marſches in gerader .Richtung be
wirkt ( 196 ). " . .I didn yapa
255 . Der Marſch mit verkehrter Front macht
2 diefelben Beobachtungen nothwendig,welche für den Vor
marſch im Allgemeinen feſtgeſeßtwurden . DieBewegung
iſt hierbei von der nämlichen Charge, oder wenn dieſe
nach dem Verkehren der Fruntim erſten Gliede verblieben
iſt , von der vor iht befindlichen Charge des zweiten
On Sliedes zu leiten und jeder Mannthat daher während
des Marſches, aufo das 113weite Glied gleichfalls!
Ausbildung des Soldaten im Buge. 107
gegen die Seite des rechten Flügels, ſomit links anzu.
ſchließen . . ' i' ji
Das Zurückſchreiten des Zuges erfolgt auf 256.
das Kommando : 1
Rückwärts – Marsch !"
wird nur auf kurze Strecken angewendet, und mittelſt
des Kommando's :
. ,,Zug - Halt !" " .
eingeſtellt .
is Wenn dieMannſchaft ſich durch wiederholte Uebun. 257.
gen von angemeſſener Dauer an eine gleichmäßige und
ausgiebige Bewegung gewöhnt hat, muß dieſelbe auch
in der Anwendung der Beſchleunigung und des Lauf
trittes geübtwerden (179).
$ . 32.
Formirung der Reihen oder Doppelreihen .
Die Front des Zuges wird durch die ganze Wen - 258.'
dung der einzelnen Notten oder Rottenpaare gebrochen ,
wodurch ſich die Formation in Reihen oder Doppel:
reihen ergibt. . . us
Da die Beſchaffenheit der vorhandenen Wege, nicht immer,
den Marſch mit der Front des Zuges geſtattet, ſo folgt hieraus
die Nothwendigkeit einer Formation , welche nicht nur die geord.
nete Bewegung auf den ſchmalſten Wegen , ſondern auch die
ſchnelle Entroidlung nach allen Seiten erlaubt. 131
701 Die nach einer ganzen Wendung der einzelnen 259.
Notten neben einander ſtehenden Männer i einer Notte
bilden eine Reihe, die nach der Wendung mit Paaren :
neben einander gelangenden Männer eines Mottenpaares
dagegen werden eine Doppetreihe genannt. 11
19 Wenn der rechte Flügel, des Zuges ) fich vorne, 260.
d . h . an der Tête befindet, foëwerden die Reihen oder
108 | Hauptflück . > 3. Abfchuit ..
Doppelreihen als rechtsformirt, im entgegengeſek .
ten Falle, ſomitwenn der rechte Flügel nachfolgt oder
die Queue bildet, als linksformirt bezeichnet. .
261. Die Formirung der Reihen erfolgt aufder Stelle
auf das Kommando :
„ Reihen rechts
Wenjeder
worauf h(links), rechts (links) — um !"
ieht.Zuges
folgt ecdes
n erMann nbe
Das ddieie aanbefohlene ganze
Wendung für ſich vollzieht. Das Anſchließen des zwei
ten Gliedes erfolgt erſt beim Antritt des Marſches.
262. Wenn das Kommando zur Formirung der Reihen
während des Marſches erfolgt, ſo wird ſich nach
Nr. 181 benommen . Die Männer des zweiten Gliedes
ſchließen nad der Wendung ſogleich durch eine ent
ſprechende Seitenbewegung an jene des erſten Sliedes an .
Der Tambour oder Horniſt ſchließt bei Beginn
des Seitenmarſches an den in der Front vor ihm be
findlichen Mann des zweiten Gliedes.
263 Zur Formirung der Doppelreihen von der
Stelle und während des Marſches erfolgt das Rom .
mando :
„ Doppelreihen rechts (links), rechts (links)
- um !"
rts)"nGlieder
enwäbeiden
WDie eben oftdes res Hovollziehen
enpaaZuges rauf die die endui
die WWendung
nach der anbefohlenen Seite , worauf die rückwärtigen
Männer jedes Rottenpagres links vorwärts (rechts
vorwärts)“ neben ihre Vormånner treten . Die nach der
Wendung vorne befindlichen Chargen treten gleich den
růdwärtigen Männern der Mottenpaare einen Schritt
vor: und feitwärts ; die hinten ſtehenden dagegen nur
um eine Mannsbreite , links (rechts) “ ſeitwärts . 1
: : Wenn der Zug aus einer ungeraden Zahl don
Motten beſteht, fomit bei der Wendung eine Notte
am linken Flügel allein bleibt, ſo hat diefelbe nach der
Ausbildung des Soldaten im Buge. 109
Wendung , rechts “ ſtehen zu bleiben, nach jener „ links“
einen Schritt vor- und rechts feitwärts zu treten , daß
fie hinter die Chargen zu ſtehen kommt.
Während des Mar
ſches bleibt jede Meihe
an den äußern Mann
des erſten Gliedes ge.
ſchloſſen .
: Der Tambour oder
bijusi i in Horniſt haben an die
vor ihnen entſtehenden Doppelreihen nach Nr. 262
anzuſchließen .
Wenn die Front des Zuges verkehrt iſt, wird die 264..
Formirung der Neihen oder Doppelreihen gleichfalls
mittelft des bereits angegebenen Kommando's angeorð.
net und auch mit den bekannten Beobachtungen bewirkt.
Das Anfchließen der Männer einer jeden Reihe hat
daher auch in dieſem Falle gegen die Seite des erſten .
Gliedes zu erfolgen. "
§. 33.
* Bewegung der Neiben oder Doppelreihen . : )
Der Marſch wird auf das Kommando : *
su nhi Zugt Marsch !“sa :10 speed UUPER
angetreten. Wenn der Zug nach der Formirung in
Meihen noch nicht von der Stelle gerückt iſt, ſo wird
die Bewegung von beiden (Gliedern nach . 181 der
Gliederabrichtung ausgeführt. Die Männer des zweiten
Oliedes müſſen nach den zweiten Schritte an jene des
Jerſten geſchloffen feino1 ,1disid nullo dilte nisini) in
110 1. Hauptftück. 3. Abſchnitt.
. Nach der Formirung in Doppelreihen hat jeder
Mann beim Antritte des Marſches im vollen Schritte
auszutreten und die durch die Wendung mit Paaren
entſtandene Diſtanz einzuhalten , daher die Ausdehnung
der Doppelreihen in die Tiefe auch während des Marſches
der Frontlänge des Zuges gleich bleiben muß.
Die an der Tête befindliche Charge des erſten
Gliedes hat den Marſch zu leiten und ſich in der
Richtung gegen das vom Zugs-Kommandanten be.
ſtimmte Direktions. Objekt einige Zwiſchenpunkte zu
wählen .
266. Wenn der Zugs-Kommandant mittelſt des Kom .
mando's :
„Ziehung rechts (links), Halb – rechts !
(links) !"
die Ausführung einer Ziehung anordnet,
vollführt jeder Mann die halbe Wendung
und ſeßt die Bewegung ohne Unterbre.
chung fort. Die auf der Seite der Zie.
hung befindlichen Männer aller Neihen
oder Doppelreihen müſſen gedeckt bleiben ,
die übrigen aber das durch die Wendung
erlangte Verhältniß beobachten .
Der Uebergang in die frühere
.. Marſchrichtungwird auf das Kommando :
Links (rechts) - Front!“ só;
durch die erforderliche halbe Wendung
vollführt, dann die Deckung und Nich .
tung gegen die Seite des erſten Glieder nach Bedarf
verbeſſert.
Bei der Ziehung mit Doppelreihen kann mit
der Wendung auch die Herſtellung der Front bewirkt
werden, wenn dieſelbe gegen die Seite der Ziehung
erfolgt.
Ausbildung des Soldaten im Buge. 111
Wenn der Zugs-Kommandant die Marſchrichtung 267.
des Zuges , mittelſt einer Schwenkung zu verändern
beabſichtigt, ſo ertheilt er das Aviſo:
Rechts (Links) schwenken !“
worauf die Tête ſogleich ſchwenkt und in der ihr bezeich
Prefis , neten Richtung gerade fort
; . o' ilo marſchirt. Jede der folgen .
i ! , !" ; " I den Reihen oder Doppel,
rigo 1,0 reihen ſchwenkt beim Anlan
.. 12 "" , it'sw rogen an derſelben Stelle, an
welcher die Tête geſchwenkt
hat, und folgt dieſer dann in
der neuen Marſchrichtung...
Der den Pivot bildende Mann jeder Reihe oder
Doppelreihe hat ſich auf einen Kreisbogen , deſſen Halb
meſſer einen halben Schritt beträgt, zu bewegen und
die Schritte ungefähr im vierten Theile der vorge.
ſchriebenen vollen Länge auszuführen.
Bei den Marſchübungen ſelbſt von längerer Dauer 268.
hat der Zugs-Kommandant nie eine Abweichung von
den vorerwähnten Beſtimmungen zu dulden .
Da die Bewegung in Doppelreihen nicht nur bei den
meiſten taktiſchen Formations- Veränderungen , ſondern auch bei
Märſchen Anwendung findet, ſo muß dieſelbe ſchon bei der Aus.
bildung im Zuge zum Gegenſtande fortgeſeßter Uebung gemacht
werden, bei welcher das Ausſchreiten im vollen Schritte und das
Einhalten der vorgeſchriebenen Diſtanzen mit beſonderer Auf.
merkſamkeit zu überwachen iſt, weil in der genauen Beob.
achtung derſelben die Marſchordnung größerer Truppenkörper
beruht.
: 834 ? ??

- Veränderung der Reihen oder Doppelreihen.


2

* Wenn der Zugs-Kommandantdem in Reiben oder 269.


Doppelreihen formirten Zuge die ber befolgten gerade
w
112 I. Hauptftück . - 3. Abſchnitt . -

entgegengeſeßte Marſchrichtung anzuweiſen beabſichtigt,


ſo hat er das Verkehren des Zuges zu veranlaſſen , zu
welchem Zwecke die doppelte Wendung in Reihen
und Doppelreihen auszuführen iſt. Dieſes Verkehren
des Zuges hat in ſoferne eine Veränderung der For
mation zur Folge, als rechts formirte Reihen oder
Doppelreihen dadurch in linksformirte und umge
kehrt ſolche in rechtsformirte verwandelt werden.
270. Um das Abfallen aus Doppelreihen in Reihen
auf der Stelle zu veranlaſſen , kominandirt der Zugs
Kommandant:
„Reihen fallt – ab !"
worauf die Männer
jener Reihen , welche
nach der Formation
des Zuges und der
ihnen angewieſenen
Rangirung voraus ge.
langen müſſen , ſtehen
bleiben , die Männer
der anderen Meihen
aber mittelſt eines
Schrittes rück- und
ſeitwärts hinter die
erſteren treten . Das
Anſchließen des zweia
len Gliedes an das
erfte hat erſt beim Antritte der Bewegung zu er
folgen .
Wenn das Kommando zum Abfallen aus Dop.
pelreihen in Reihen während des Marſchen ertheiltwird ,
To feßen die Chargen an der Sète den Marſch im vollen
Ausbildungdes Soldaten im Buge. 113
Schritte fort, die erſte Doppelreihe fågt ohne Unter.
brechung der Bewegung ab, jede der folgenden verkürzt
den Schritt, fällt gleichzeitig ab , und ſeßt erſt dann
wieder den Marſch im vollen Schritte fort , wenn fich
der Raum hierzu ergibt. Die Männer des zweiten
Glieder ſchließen an jene des erſten an.
Zum Aufmarſche aus Reihen in Doppelreihen 271.
wird kommandirt :
Doppelreihen marschirt -- auf !"
Bei der Ausführung auf der Stelle treten die
Männer des zweiten Gliedes der vorderen Reihen aller
Paare ſo weit ſeitwärts , daß die Männer des zweiten
Glieder der in den Paaren nachfolgenden Reihen in die
entſtandenen Zwiſchenräume rücken können. Gleichzeitig
treten jene des erſten Gliedes dieſer Reihen auswärts
neben ihre Vormänner und die Chargen an die ihnen
zukommenden Pläße.

Während des Marſches öffnen fich , wenn der


Kaum hierzu vorhanden iſt, die vorderen Neihen aller
Paare auf den erſten Theil der Kommando's, ſo daß
die aufmarſchirenden Reihen auf den betonten Theil
gleichzeitig vortreten können . Die Têtemuß hierbei den
Schritt verkürzen , bis alle Doppelreihen die ihnen zu .
kommenden Diſtanzen gewonnen haben , worauf die
Annahme des vollen Schrittes vom Zugs- ſtomman
danten für den ganzen Zug angeordnet wird.
Wenn das Kommando zum Aufmarſche aus Steihen 272.
in Doppelreihen in dem Augenblicke erfolgt, wo die
Sète an den Ausgang eines Engweges gelangt, ſo iſt
114 . 1. Hauptflück.*_ 3. Abſchnitt.
Der Uebergang
.. . i folet 1,!!! nicht vom gan .
zen Zuge gleich
zeitig , ſondern
von den einzel.
nen Reihen in
dem Maße zu
bewirken , als
: dieſelben durch
die Fortfeßung des Marſches den hierzu geeigneten
Maum erreichen .
273. Zum Abfallen aus Reihen in Rotten komman .
dirt der Zugs-Rommandant, und zwar während des
Marſches :
,Rotten fallt – ab !"
worauf eine Reihe nach der andern in die Nottenſtellung
übergeht, indem die Männer des zweiten Gliedes fich
nach Maßgabe des entſtehenden Raumes hinter ihre
Vormänner des erſten Gliedes ziehen. Der Tambour
oder Horniſt haben ſich hierbei zwiſchen die übrige
Mannſchaft einzureihen.
Die Beſchaffenheit des Weges , das Paſſiren des Steges ,
kann dieſe Bewegung erfordern .
274. Zum Aufmarſche aus Rotten in Neihen erfolgt
das Kommando :
„ Reiben marschirt — auf !"
worauf eine Rotte nach der andern beim Hervorbrechen
aus der beengten Wegſtrecke in die Neihenſtellung über
geht und die Tête den Schritt' verkürzt, bis nach dem
Anſchließen der legten Reihe das Kommando zum Aus .
ſchreiten im vollen Schritte vom Zugs-Kommandanten
ertheiltwird.
Ausbildung des Soldaten im Buge. 115
$. 35.
Entwicklung aus Neihen oder Doppelreihen .
Die Entwicklung des Zuges aus Reihen oder 275 .
Doppelreihen in die Front kann auf die Tête , d. h .
vorwärts , dann auf jede der beiden Seiten , alſo
links oder rechts ſtattfinden und in jedem dieſer Fälle
auf das erſte oder auf das zweite Glied bewirkt werden .
i Zum Aufmarſch auf die Tête auf der Stelle 276 .
ertheilt der Zugs-Komandant zuerſt das Aviſo :
„ Links (rechts) vorwärts aufmarschiren !"
und deutet dadurch der Mannſchaft die Richtung an ,
gegen welche die Front des Zuges nach der Entwicklung
gewendet ſein ſoll. Auf das folgende Kommando :
„ Halb — links (rechts) !“
pollführt der ganze Zug mit Ausnahme des an der
Seite dieſer Wendung befindlichen Unteroffiziers der
Sête, welcher den Stüßpunkt der neuen Frontlinie zu
bilden hat, die bezeichnetehalbe Wendung. Wenn nur ein
Unteroffizier an der Tête vorhanden iſt, ſo hat derſelbe
bei der Wendung gegen die Seite des zweiten Gliedes
nach Bedarf ſeitwärts zu treten , um in das der Charge
dieſes Gliedes zukommende Verhältniß zu gelangen.
„Marsch !"
· Zur Entwicklung der Front aus Neihen ſeßt fich 277.
hierauf der ganze Zug, mit Ausnahme des den Stüß
punkt bildenden Unteroffiziers , welcher ſtehen bleibt,
nach der der Wendung entſprechenden Seite in die
Ziehung. Die Männer des an der gewählten Auf
marſchſeite befindlichen Gliedes bilden während dieſer
Bewegung die äußere Wand und jeder derſelben her
ſtellt fich : fobald er neben ſeinen früheren Vormann
gelangt, mittelft einer der erſten entgegengeſepten hal
ben Wendung in die Front, ſchließt ſich an den bereits
116 1. Hauptftück. – 3. Abſdınitt.

in derſelben ſtehenden Ne
benmann und ſucht durch
einen Blick die Richtung zu
gewinnen , behält aber den
ſtopf und die Schultern in
der geraden Stellung. Die
Männer des andern Slie
des gehen, ſobald jene an
der Seite des Aufmarſches
ſich als vorderes Glied
herſtellen , nach Maß des
ſich ergebenden Raumes
in die Rottenſtellung über
und berichtigen die Deckung
und Gliederdiſtanz. .
Die Entwicklung des
278 . Zuges,aug DOP
pelreihen in die
Front vorwärts,
iſt auf der Stelle
nach denſelben
Beſtimmungen
zu bewirken und
hierbei nur noch
zu beachten, daß
die zwei neben
einander ſtehen
den Männer jedes
Paares vereint in
die Frontlinie ihres Gliedes rücken müſſen . "
279. Zum Aufmarſch auf die Tête während des
Marſch es muß die erforderliche halbe Wendung ohne
Unterbrechung der Bewegung ausgeführt und dieſe von
Ausbildung des Soldaten im Buge. 117
dem zum Stüßpunkte beſtimmten Unteroffiziere im ver
kürzten Schritte in gerader Richtung fortgeſeßtwerden.
Die aufmarſchirenden Reihen oder Doppelreihen rücken
nach dem Kommando zur halben Wendung im vollen
Schritte in die Front ein , wo ſie denſelben gleichfalls
verkürzen , bis der Zugs-Kommandant nach Beendi.
gung des Aufmarſches wieder das Ausſchreiten im
„ vollem Schritt“ anordnet. Bei der Entwicklung auf
daß erſte Glied muß hierauf während der Fortſeßung
des Marſches nach dem bekannten Grundfaße gegen die
rechte, bei der Entwicklung auf das zweite Glied gegen
die linke Seite angeſchloſſen werden , wo ſich der mit der
Leitung des Marſches beauftragte Unterofficier befindet.
... · Der Aufmarſch auf die Tête kann auch unmittel. 280 .
bar nach dem Hervorbrechen aus einer ſchmalen Wega
ſtrecke nothwendig werden . In dieſem Falle hat der
Zugs- ſtommandant das Kommando zum Aufmarſche in
dem Augenblicke zu ertheilen , wo die Tête an den Aus
gang des Engweges gelangt. Die Ausführung wird
der Weſenheit nach von den einzelnen Reihen oder
Doppelreihen mit den bereits angegebenen Beobachtun
gen bewirkt, jedoch nicht vom ganzen Zuge gleichzeitig ,
ſondern in dem Maße begonnen , als die der Tête fol.
genden Reihen oder Doppelreihen durch die Fortſeßung
des Marſches den zur Entwicklung erforderlichen Raum
gewinnen .
· Zur Entwicklung des Zuges aus Reihen oder 281.
Doppelreihen mit der Front gegen eine Flanke, alſo
gleichlaufend mit der Marfchrichtung, ertheilt der
Zugs-Kommandant das Kommando :
11. „Links (Rechts) Front !" In
wenn die Herſtellung rechts (links ) formirter Reihen ' .
oder Doppelreihen auf das erſte Glied, und :
118 1. Hauptſtück . – 3. Abſchnitt .
„ Rechts (Links) -- Front!"
wenn ſie auf das zweite Glied bewirkt werden ſoll.
Wenn der Zug ſteht und nach der Formirung in
Neihen noch nicht von der Stelle gerückt war, wird
auf das angegebene Kommando die ganze Wendung nach
der bezeichneten Seite ausgeführt und dadurch die
Front herſtellt. Iſt der Zug nach der Formirung in
Reihen von der Stelle gerückt, ſomit das zweite Glied
an das erſte angeſchloſſen , ſo hat der Zugs-Komman
dant das angegebene Kommando zur Entwicklung in
eine Flanke während des Marſches zu ertheilen, wor.
auf ſich beide Glieder nach Nr. 182 Der Glieder
abrichtung benehmen , und das zweite Glied Diſtanz
und Deckung, der Spielmann ſeine vorgeſchriebene
Aufſtellung nimmt.
282. Stelle Bei Doppelreihen vollführen ſowohl von der
als während des Marſches auf das „Links
Front" die linksſtehenden Männer aller Nottenpaare
die ganze Wendung
links , die andern
ſchwenken gleichzeitig
in die Front ein ; bei
„ Rechts - Front“
vollführen die rechts
ſtehenden Männeraller
Rottenpaare die ganze
Wendung rechts, während die links ſtehenden in die
Front ſchwenken. Wird nach der Wendung mit Doppel
reihen Rechts“ – die Front „rechts“ oder nach
der Wendung „ Links“ dieſelbe „ links“ herſtellt,
ſo bleiben die Männer 'eines Nottenpaares zwar ver
einigt , gelangen aber in eine andere Reihenfolge,
.

weßhalb der Abrichter die Mannſchaft belehren muß,


Ausbildung des Soldaten im Buge. 119
daß fie ſich durch die
erwähnte Anordnung
in keiner Weiſe beirren
laſſen darf.
Soll dié Front. 283.
linie des Zuges beim
Herſtellen der Front
nach einer Seiten .
bewegung in Doppelreihen mit der früheren Richtung
vollkommen übereinſtimmend bleiben , ſo hat der Zugs.
Kommandant beim Anlangen an dem neuen Aufſtel.
lungspunkte zu halten , das Abfallen in Reihen und
dann erſt die Entwicklung anzuordnen .
Der Tambour oder Horniſt haben bei jeder Ent. 284.
wicklung des
wicklung mitänZuges
den ahiaus
nter Reihen s e s d u marfche ainuf
zugDoppelreihen
oder deoder
derden Umſtänden angemeſſenſten Weiſe die ihnen zukom .
mende Aufſtellung hinter , oder beim Aufmarſche auf
das zweite Glied vor der Mitte des Zuges zu gewinnen ,
Wenn die Mannſchaft bei einem Aufmarſche auf 285 .
der Stelle die Frontlinie nicht richtig erfaßt hat, ſo ift
die Ausgleichung vom Zugs-Kommandanten mittelft
einer Richtung nach den Chargen zu bewirken , oder die
ſtörende Stellung Einzelner durch Zurufen ſelbſt zu
verbeſſern , das widkürliche Vor- und Zurücktreten nach
dem Einrücken in die Front aber unter keiner Bedingung
zu dulden.
Die Herſtellung der Front nach einem Aufmarſche
auf das zweite Glied wird in der bekannten Weiſe mit.
telft einer doppelten Wendung bewirkt.
to. .. mit
in pw 'dritit $ . 36 . Het
Gewehrgriffe.
Die Uebung der Gewehrgriffe iſt im Zuge nach 286 .
den für den Unterricht im Gliede feſtgeſeßten Beſtim .
mungen vorzunehmen . (S. 25.)
120 1. Hauptſtück . – 3. Abſdinitt .

§. 37.
Formirung der Gewehr-Pyramiden.
287. Zur Formirung der Gewehr-Pyramiden müſſen
die Bajonnete gepflanzt und die Gewehre beim Fuß
genommen werden , dann erfolgt das Kommando :
„ Pyramiden setzt – an !"
Der im erſten Gliede links ſtehende Mann eines
jeden Rottenpaares bringt hierauf ſein Gewehr vor die
Mitte des Leibes, umfaßt dasſelbemit der linken Hand
am obern Theile des Schaftes und ſtellt es ſchräge ſo
vor fich , daß der Rolben auswärts neben die Spige des
linken Fußes gelangt, der Lauf vorwärts gewendet und
die Mündung gegen die rechte Seite geneigt iſt. Mit
der rechten Hand umfaßt er dann das ihm vom rechts .
ſtehenden Nebenmanne dargereichte Gewehr am obern
Theile des Schaftes und ſchnellt dasſelbe ſo vor ſeine
rechte Schulter, daß der Kolben ungefähr auf einen
Schritt vor der Front auf den Boden gelangt. Die
Mündung dieſes Gewehres wird nach rückwärts geneigt
und das Bajonnet mit jenem des eigenen Gewehres ſo
zuſammen gefügt, daß die Bajonnethälſe fich freuzen.
Der im zweiten Gliede links ſtehende Mann eines
jeden Nottenpaares tritt mit dem linken Fuße bis zum
Abſaße des Vormannes vor, neigt gleichzeitig die
Mündung ſeines Gewehres vorwärts, umfaßt dasſelbe
hierbei mit der linken Hand am obern Theile des
Schaftes, und ſteckt das Bajonnet unter den gefreuzten
Bajonnethälſen der Gewehre des Vormannes durch .
Dieſer umfaßt nun das dritte Gewehr mit der
rechten Hand und ſchiebt den Kolben desſelben ſo weit
rechts ſeitwärts, daß er neben der linken Fußſpiße des
rechten Nebenmannes auf den Boden kommt. '
Ausbildung des Soldaten in Buge. 121
Das Gewehr des vierten Mannes in jedem
Nottenpaare iſt durch die Vermittlung des Vormannes
an die Pyramide zu lehnen .
Die Chargen und die Männer einer einzelnen
Flügelrotte haben ihre Gewehre an die nächſte
Pyramide zu ſeßen.
Zum Grgreifen der Gewehre wird kommandirt: 288 .
Ergreift das — Gewehr !“
Die nur angelehnten Gewehre werden hierauf zunächſt
erfaßt und von den betreffenden Chargen und Männern
übernommen .
: : Der im erſten Gliede links ſtehende Mann eines
jeden Rottenpaares ergreift mit der linken Hand das
eigene, mit der rechten das Gewehr ſeines Nebenmannes
am obern Theile des Schaftes und neigt, ſobald ſein
Hintermann das im gehörende dritte Gewehr mit der
rechten Hand erfaßt hat, die Pyramide, ohne die
Gewehre vom Boden zu erheben , ein wenig gegen die
linke Seite.
Der Mann dès zweiten Gliedes zieht nun ſein
Gewehr zurück und der im erſten Gliede jeden Rotten .
paares rechts ſtehende Mann übernimmt endlich auch
fein Gewehr; alles nimmt beim Fuß“.
Wenn der Mannſchaft nach der Formirung der 289.
Gewehr-Pyramiden geſtattet wird, auseinander zu
gehen , ſo hat dieſelbe ſich auf das Aviſo oder Signal:
Vergatterung !"
in der geſchloſſenen Ordnung hinter den Gewehren zu
ſammeln, dieſe aber erſt auf das Kommando des Zugs.
Kommandanten zu ergreifen ; wird dagegen das Aviſo
oder Signal : si , 151.! cts svi
„ Allarm !" ; ; ' it ,o sim ! ! . sem nii
122 1. Hauptfück. – 3. Abſchnitt.

ertheilt, ſo ſind die Gewehre nach dem Eintreffen in


der Eintheilung ohne Verzug zu ergreifen und mit ge
pflanztem Bajonnete zu ſchultern . ' '
290 . Um die Gewehre hinter der Front anzuſeßen , muß
dieſe vorher verkehrt und die Formirung der Pyramide
von dem im zweiten Gliede links ſtehenden Manne
eines jeden Rottenpaares mit den angegebenen
Beobachtungen bewirkt werden . " '
91. . Wenn die Rüſtung bei den Pyramiden abzulegen
iſt, hat jeder Mann den Leibriemen mit den Pa.
trontaſche an ſein Gewehr . zu · hängen und die
Torniſter eines jeden Nottenpaares find unter der
Gewehr-Pyramide desſelben geordnet niederzulegen .
§. 38 . . .
Laden und Feuern .
292. Um im Zuge die Gewehre zu viſitiren (208)
wird kommandirt :
„ Visitirung des Gewehrs !" .
Das erſte Glied benimmtſich wie im Gliede, die Män.
ner des zweiten ſeßen gleichzeitig mit der Halbrechtswen .
dung den rechten Fuß auf einen Schritt vor, den
linken auf eine Schuhlänge in die vorgeſchriebene Lage,
dieChargen vollführen den Griffmit derMannſchaft( 100 ).
„ Hammer in die — Ruh !"
dann ::. * ' - it! ,, , i
Herstellt – Euch !"
berichtigen das zweite Glied und die Chargen durch
ein entſprechendes Seit- und Rückwärtstreten die
Deckung und Gliederdiſtanze,it '
293. Um das Laden der Gewehre zu veranlaſſen ,
èrtheilt der Zugs-Kommandant das Aviſo :
„ Laden !“
Ausbildung desSoldaten im Zuge. 123
worauf die Vorbereitung erfolgt; auf das Kommando :
- „ Fertig !" : "
vollführt das erſte Glied fogleich die Ladung,während
das zweite gleichzeitig mit der Halbrechtswendung
den rechten Fuß auf einen Schritt vor, den linken
auf eine Schuhlänge in die vorgeſchriebene Lage ſept;
das Gewehr in die wagrechte Lage bringt und die
Ladung bewirkt. Die Chargen des zweiten Gliedes
treten auf Gliederdiſtanz zurück. Nach bewirkter 10
Ladung wird geſchultert, und die Patrontaſche ge
Tchloffen ; auf das folgende Kommando :
in Herstellt — Euch !“
berichtigt das zweite Glied durch ein entſprechendes
Seit- und Rückwärtstreten die Deckung und Glieder
diſtanz, gleichzeitig treten die Chargen des zweiten
Gliedes an ihre Pläße vor.
Zum Salvenfeuer' erfolgt das Signal oder 294.
Aviſo : Feuern " inice

worauf die Vorbereitung zu bewirken iſt, auf dag:


„ Fertig !" .
worauf die Mannſchaft beider Glieder wie beim Laden
die Gewehre fertig nimmt und nach Bedarf ladet,
die Chargen des zweiten Gliedes auf Gliederdiſtanz
zurück treten.
N . N . Schritte - An ! – „ Feuer ! ! !,
worauf die Mannſchaftdie Gewehre in Anſchlag bringt,
ruhig abdrückt, ſogleich die Ladung beginnt, und das
Rommando zur Fortſegung des Feuerns erwartet, in
welchem ſo lange fortgefahren wird , als es den Ab.
fichten des Rommandanten entſpricht. Der Uebergang
in dasa Einzelnfeuer
inzerniforor orientat plund
erfolgt auf.'. e B AY
„ Feuert !"
124 1. Hauptftück . - 3. Abſdinitt.

nach den beim Unterricht im Gliede ertheilten Be.


lehrungen (213).
295 . Zum Einzelnfeuer erfolgt das Signal oder Aviſo :
„ Feuern !“ — „Einzelnfeuer !“
„ Fertig !" — N . N . Schritte - Feuert !"
nach den bekannten Grundſäßen, nur haben im Zuge die
Männer Einer Notte nicht gleichzeitig zu feuern (214 ).
296 . Zum Einſtellen des Feuers ertheilt der Zugs.
Kommandant das Aviſo :
„ Feuereinstellen !“ – „ (Patrone versor
gen ) ?"
oder er läßt, wenn ein Horniſt anweſend iſt, das
Signal blaſen . Die Mannſchaft hat hierauf Sie ge
ladenen Gewehre ſogleich, die abgefeuerten aber erſt
nach beendeter Ladung oder Entladung zu ſchultern und
die Patrontaſche zu ſchließen .
Auf das Kommando : .
„ Herstellt — euch !" .
wird ſich nach (293) benommen .
297. Wenn der Zug mit verkehrter Front zum Feuern
befehligt wird, ſo hat auf das dießfällige Aviſo der
Tambour oder Horniſt, um den Flügel des Zuges
hinter das erſte Glied zu rücken und bis zum Ginſtellen
des Feuers daſelbſt zu verbleiben. Das rückwärts
ſtehende erſte Glied tritt nun mit ſeinen Chargen in das
Verhältniß des früheren zweiten Gliedes . . . . .
298 . Das Salvenfeuer kann auch während einer
Vorrückung oder eines Nückzuges angewendet
werden .". In beiden Fällen iſt die größte Ruhe, Kalt
blütigkeit und Disciplin erforderlich .
299. Beim Vorrücken wird aviſit:
„Feuern !"
und gleich hierauf kommandirt:
Ausbildung des Soldaten im Buge. 125
„ Halt ! – Fertig ! - N . N . Schritte -- an !
- Feuer ! — Hammer in die Ruh ! - - Marsch !
(Lauftritt-Marsch !) " .
Während des Nückzuges : 300.
Feuern ! Vorwärts – Front!"
worauf der Zug die Front herſtellt und ſtehen bleibt:
Fertig ! N . N . Schritte - an ! - Feuer !
-- Rückwärts – Front !, - Marsch (Lauftritt
Marseh !) "
Bei beiden Bewegungen muß derKommandant trachten
zum Feuern in eine möglichſt gedeckte Aufſtellung zu
gelangen .
Als Vorübung in größern Körpern bei der 301:
Vertheidigung, gegen die Kavallerie hat der Zugs
Kommandant durch die nöthigen Flügelrotten ein drittes
Glied bilden und die Bajonneten pflanzen zu laſſen ;
bei dieſer Uebung feuern die Chargen mit.
Hierauf aviſirt der Zugs-Kommandant:
Erstes Glied niederknieen !“
worauf dasſelbe die Halbrechtswendung macht, auf die
bekannte Art niederkniet (130) und das Gewehr in
die Lage' von fertig bringt. Auf das folgende Signal
oder Aviſo :
Klumpen !"
tritt das dritte Glied auf einen halben Schritt vor und
rechts ſeitwärts, alle drei Glieder nehmen fertig und
laden nach Bedarf.
. N . N . Schritte an ! - „ Feuer !" .
worauf alle drei Glieder ihre Gewehre in Anſchlag
bringen, feuern , ſogleich wieder laden , und das weitere
Rommando erwarten . vodimos!!
Der Zugs-Kommandant hat die Mannſchaft zu 302.
belehren , daß ſie in dieſer Verfaſſung von der Ravallerie
126 I. Hauptfäck. 3. Abſchnitt.

nichts zu beſorgen hat und durch den geregelten und


wirkſamen Gebrauch ihrer Feuerwaffen jeden Reiter
Angriff fiegreich zurückzuweiſen vermag. Die Mann.
ſchaft muß daher erinnert werden, daß ſie bei der Ver.
theidigung gegen die Kavallerie jederzeit mit der ge.
ſpannteſten Aufmerkſamkeit auf die Befehle des Rom .
mandanten zu achten habe, und daß jeder Mann, der
es wagen ſollte, ſein Gewehr in dieſem Verhältniſſe ohne
Kommando abzufeuern , der ſchärfſten Strafe verfalle.
303. Beim Einſtellen des Feuers hat die Mannſchaft
auf das Aviſo oder Signal: . : ... 0
„ Feuereinstellen !“
alle Gewehre zu laden, das zweite und dritte Glied die
Gewehre zu ſchultern . Auf das dann folgende
Rommando :
„Herstellt – euch !"
hat das erſte Glied aufzuſtehen , zu ſchultern , dieſes
und das dritte ſeine Gliederdiſtanz zu berichtigen .
304. Nach Beendigung dieſer Uebung veranlaßt der
Zugs- ſtommandant das Vortreten der Flügelrotten
und formirt ſeinen Zug.
305. Zu dieſer Uebung kann der Zugs- ſtommandant
den Zug auch mittelſt des Rommando's :
„Doppelreihen rechts und links, rechts und
links - - um !"
zur entſprechenden Wendung nach auswärts ver.
anlaſſen. Die Chargen ſchließen ſich in dieſem Falle
neben der vorderſten Doppelreihe ihres Schwarmes
auf der Seite des erſten Gliedes an, und wenn ſich
Lücken ergeben haben , ſo treten die hinter denſelben
befindlichen Männer zur Ausfüllung vor. Die weiteren
Anordnungen hat der Zugs-Kommandant in der be
kannten Weiſe zu ertheilen und die Ausführung iſt von
Ansbildung des Soldaten im Buge . 127

der Mannſchaft mit Mückſicht auf das erlangte Auf.


ftellungsverhältniß zu bewirken . Nach Beendigung der
Uebung erfolgt das Kommando:
Links und rechts -- Front !"
worauf gleichzeitig mit der Wendung der Schwärme
auch die Chargen an ihre Pläße treten .
Die Ausführung der General-Decharge erfolgt 306 .
auf das Aviſo :
General Decharge !"
und die Kommando :
Fertig ! — Hoch - an ! -- Feuer ! - Schul
- tert ! - Herstellt - euch ! " .
nach den beim Gliederunterrichte feſtgeſeßten Beſtim .
mungen. Beide Glieder nehmen die Gewehre fertig,
die Mannſchaft des zweiten tritt vor- und rechts ſeit
wärts und berichtigt beim Herſtellen die Deckung und
Gliederdiſtanz. Die Chargen bleiben an ihren Pläßen .
Der Zugs-Kommandant läßt nach dem Herſtellen
auf das Kommando:
„ Zug rechts (links) – schaut!"
vom ganzen Zuge die Köpfe wenden und präſentiren
Die Herſtellung von der Kopfwendung erfolgt dann
auf das Kommando :
Habt - Acht!“
hieraufwird geſchultert, und endlich das Schließen der
Patrontaſche veranlaßt (219).
§. 39.
Bajonnet-Angriff.
Um den Zug zu verſtändigen, daß die Ausführung 307.
eines Bajonnet-Angriffes bevorſteht, ertheilt der Zugs.
Kommandant das Aviſo :
128 I. Hauptfick . – 3. Abſchnitt .

„ Sturm !"
worauf der ganze Zug raſch die Bajonnete pflanzt und
die Gewehre in die Balance nimmt.
308. Während der Vorrückung gegen den gewählten
Angriffspunkt ſind alle Terrain -Vortheile zur Deckung
zu benüßen ; bewegt ſich der Zug im feindlichen Feuer,
ſo haben die Bewegungen im beſchleunigten Marſch .
tempo ausgeführt zu werden ; bei großen Strecken iſt
der Mannſchaft hinter einer Deckung eine kurze Ruhe.
pauſe zu gönnen ,während derſelben kann ſich auch die
Gelegenheit ergeben , gegen einen ungedeckt ſtehenden
Gegner von der Feuerwaffe Gebrauch zu machen
(294), ſodann die Vorrückung wieder raſch fortzuſeßen .
309. Hat ſich der Zug dem gewählten Angriffspunkte
ſo viel genähert, um den weitern Anmarſch ohne Er
ſchöpfung der Kräfte und ohne Erſchütterung der Dro .
nung noch beſchleunigen zu können, ſo kommandirt der
Zugs-Kommandant:
Lauftritt - Marsch !"
worauf die Bewegung im Lauftritte, aber möglichſt
geſchloſſen und gleichmäßig auszuführen iſt.
In ganz kurzer Entfernung vom Angriffspunkte
hat der Zugs- ſtommandant ein Eräftiges :
„Hurrah !"
erſchallen zu laſſen . Chargen und Mannſchaft wieder.
holen dieſen Nuf, fällen die Bajonnete und ſtürzen fich ,
von ihrem Kommandanten geführt, ohne die Drdnung
der Glieder zu brechen , entſchloſſen auf den Feind, und
werden hierbei durch das raſch und lebhaft ertönende
Signal:
Sturm !"
angeeifert.
310 . Um den Anlauf zu beenden ,kommandizt der Zugs
Rommandant:
Ausbildung des Soldaten im Buge. 129

,,Schritt ! "
oder
Zug - Halt !"
worauf auch die Gewehre zu ſchultern ſind. Wenn die
Mannſchaft fich in Folge des Bajonnet-Angriffes getrennt
haben ſollte, ſo muß ungeſäumt die Rallirung veranlaßt
werden .
Zum Empfang eines feindlichen Bajonnet-An - 311.
griffes ordnet der Zugs-Kommandant als Vorbereitung
das Pflanzen der Bajonnete an, ertheilt dann das
Aviſo oder Signal zum Feuern , läßt während der An.
näherung des Angreifers das Feuer ſo oft als möglich
wiederholen , und wenn im leßten Augenblicke der Zeit
punkt für den Kampf mit der blanken Waffe heran . uh,"
kommt, das Signal:
... Sturm !"
blaſen . Auf das gleichzeitige Kommando :
Hurrah ! "
des Zugs-Kommandanten hat ſich der ganze Zug von
der Stelle im Lauftritte mit der blanken Waffe geſchloſ:
ſen auf den Angreifer zu werfen und hierbei den Ruf
des Anführers zu wiederholen .
Steht der Zug : hinter einem deckenden oder
ſchüßenden Gegenſtand, ſo wird der Gegner während
der Ueberwindung des Hinderniſſes ſtehenden Fußes,
bekämpft; ſein Rückzug aber - ohne die Stellung
zu verlaſſen – durch ein heftiges Feuer erſchüttert. .
Mißlingt der Angriff, ſo eilt der Zug in der, 312.
ihm ſchon im Voraus bezeichneten Richtung auf den
Sammelplaß . Die Hauptſache bleibt das ſchnelle
Sammeln , daher der hierzu gewählte Punkt eine
Deckung gewähren muß ; iſt dieß nicht möglich , ſo
erfolgt die Nallirung außerhalb derwirkſamſten Sduß.
130 1. Hauptfäck . – 3. Abſchnitt.

diſtanz, jedoch niemals zu weit, weil die Auflöſung


des Zuges die unvermeidliche Folge ſein würde.
Iſt die Abtheilung geſammelt, ſo werden eine
oder mehrere Dechargen den nachdrängenden Gegner
zum Salten veranlaſſen und die nöthige Zeit ver
ſchaffen nach Umſtänden den Rückzug geſchloſſen und
in feſter Ordnung fortſeßen zu können , wobei ſich
wieder die Gelegenheit ergeben kann , vom Salven
feuer einen wirkſamen Gebrauch zu machen (300 ).
313. Der Bajonnet-Angriff iſt das entſcheidendſte
aber auch gewagteſte Mittel zur Erreichung ſeines por
habenden Zweckes .
Reicht die Feuerwirkung nicht aus, oder bedingt der vor
habende Zweck eine ſchnellere Befißnahme der feindlichen Pofi
tion ſo wird zur blanken Waffe gegriffen ; wenn der Angreifer
pon vollem Vertrauen in fich und ſeine Waffe beſeelt iſt, wider
ſteht kein Gegner einem geſchloſſenen, mit Kraft und Muth aus
geführtem Angriffe. Gewagt iſt dieſes Unternehmen , weil es im
Falle des Mißlingens mit großen Opfern verbunden iſt, und das
Selbſtgefühl der Truppe erſchüttert.
314 . Das richtige Erſpähen des Augenblickes, wann
dieſes leßte und wirkſamſte Mittel anzuwenden iſt, zeigt
den geſchickten Führer ; hier iſt das Verſäumniß ebenſo
ſtrafbar, als das Unternehmen eines Angriffes, wenn
er nicht durch die Umſtände gerechtfertigt iſt.
Der verſäumte günſtige Augenblick kehrt ſelten wieder, es
wird derſelbe Zweck nur mit größeren Opfern, oft gar nicht
mehr zu erreichen ſein – der Führer ladet eine ſchwere Ver
antwortung auf fich . Ebenſo groß wird aber die Verantwortung
durch einen unzweckmäßig unternommenen Angriff, der ſeine
Abſicht doch nicht erreichen wird, ſondern nur herbe Verluſte und
Entmuthigung in ſeinem Gefolge hat.
315 . Jedem , unter was immer für Verhältniſſen unter
nommenen Bajonnet- Angriffe, hat die wohl überlegte
Vorbereitung und Einleitung vorauszugehen .
Ausbildung des Soldaten im Buge. 131
Solche Vorbereitungen find : Die Ausmittlung jenes
Punktes der feindlichen Stellung, deren Befiß den Erfolg des
Angriffes fichert ; die Beſchäftigung des Gegners, um ihn über
den wahren Angriffspunkt zu täuſchen , endlich die Entſendung
einzelner Schüßen , ſelbſt ganzer Schwärme gegen des Feindes
Flanken oder Rüden. Die Einleitung betrifft : Die Maßregeln, um
den Angreifer ſo nabe als möglich gedegt an die feindliche Auf
ſtellung zu bringen ; die Dispoſition zum Angriffe ſelbſt, welde
die Chargen genau wiffen müfſen, endlich das Verhalten im Falle
des Gelingens oder Mißlingens .
Nur wenn Vorbereitung und Einleitung zwedmäßig durch
geführt find, läßt ſich der ſichere Erfolg des Angriffes erwarten
--- das unvorbereitete ndarauf losgehen " ſchadet mehr, als
es nüßt.
§. 40 .
Ehrenbezeigungen .
Der Kommandant eines Zuges ſtellt ſich zum 316 .
Empfange eines Höheren 4 Schritte vor der
erſten Notte jenes Flügels auf, gegen welchen der Vor
geſeßte herankommt, macht bei der Annäherung des
ſelben auf 30 Schritte eine ganze Wendung gegen die
Front und kommandirt :
„Zug rechts (links ) – schaut!"
worauf beide Glieder die Röpfe nach der bezeichneten
Seite wenden . Im Uebrigen benimmt ſich der Zugs
Kommandant nach Nr. 220 des Glieder-Unterrichtes.
Nach der Beſichtigung des erſten Gliedes ſtellt
ſich der Zugs-Kommandant vor dem zunächft befind
lichen Flügel auf und kommandirt :
Habt – Acht !"
worauf die Köpfe gerade gewendetwerden, und läßt,
wenn nöthig, ſchultern .
Um das Deffnen der Glieder zum Behufe der 317.
weitern Beſichtigung anzuordnen , wird, wenn es der
Höhere befiehlt, das Kommando :
9 *
132 1. Hauptſtück . – 3. Abſdhnitt.
Glieder öffnen ! - Rückwärts – Marsch !"
ertheilt, worauf das zweite Glied 4 Schritte gerade
zurücktritt, was gleichzeitig auch der Tambour oder
Horniſt zu bewirken hat. Der Zugs-Kommandant kom
mandirt dann noch :
„ Zweites Glied links (rechts) – schaut !"
begleitet den Höheren bei der Beſichtigung des zweiten
Gliedes und erbittet ſich die weiteren Befehle, worauf
dann mittelſt des Kommando's :
Habt – Acht!“
die Wendung der Köpfe in die gerade Richtung und
mittelſt des Kommando's: .
„Glieder schliessen ! – Marsch !“
das Schließen der Glieder angeordnet wird .
Das zweite Glied , und mit dieſem der Tambour
oder Horniſt, hat hierauf 2 Schritte gerade vorzu
rücken .
318. Wenn die Mannſchaft ohne, die Unteroffiziere
jedoch mit Gewehren ausgerückt find, wird ſich nach
Nr. 222 benommen .
319. Wenn der Höhere der Armee-Korps-Kommandant,
der Armee-Kommandant, kommandirende General oder
Militär-Gouverneur, der Kriegsminiſter , ein Feldmar- .
ſchall oder ein Mitglied der Alerhöchſten Herrſchaft iſt,
hat der Tambour oder Horniſt nach dem Kommando
zur Ehrenbezeigung den Senecalmarſch zu ſchlagen oder
zu blaſen, bis der Zugs-Kommandant das Zeichen zum
Einſtellen des Spieles ertheilt. Wird auch das zweite
Glied beſichtigt, ſo iſt nach dem Deffnen der Glieder
der Generalmarſch wieder zu beginnen .
320. Fſt mit einem Infanterie-Zuge die Fahne ausge.
rückt, ſo hat der Fahnenführer fich neben der Flü
Ausbildung des Soldaten im Buge. 133
gelcharge des Empfangsflügels aufzuſtellen , und
wenn es dem Höheren gebührt , beim Präſentiren die
Fahne zu ſenken .
Wenn der Höhere die Defilirung anbefiehlt, 321.
ſo ertheilt der Zugs-Kommandant das Aviſo :
„Defilirung !“
kommandirt dann :
„ Zug rechts (links) – schaut!“
ſtellt ſich 6 Schritte vor der Mitte des Zuges auf,
ordnet den Antritt der Bewegung an, ſalutirt im Vor:
beimarſche und ſeßt die Bewegung mit ſeiner Abtheilung
fort, welche dann auf das Kommando :
Habt – Acht!“
die Köpfe wieder gerade zu wenden hat.
Soll der Zug zum Behufe der Defilirung in
Neihen oder Doppelreihen formirt werden , ſo ertheilt
der Zugs-Kommandant zuerſt das Kommando zur
Wendung, aviſirt die Defilirung, ordnet die Wendung
der Röpfe an und ſtellt ſich dann 6 Schritte vor
die Tête, kommandirt den Antritt der Bewegung und
ſegt legtere mit der Truppe fort.
Wenn der Zug während des Marſches zufällig 322.
einem Höheren begegnet, fo hat der Zugs-Kom
mandant die Wendung der Köpfe anzuordnen , zu ſalu
tiren und dann die Herſtellung zu veranlaſſen .
Ein Unteroffizier benimmt ſich als Zugs-Rom . 323 .
mandant beim Empfange eines Höhern wie es im
Gliederunterrichte für den Rommandanten des Gliedes
vorgeſchrieben iſt. Der Generalmarſch wird in dieſem
Falle bei keiner Gelegenheit geſchlagen oder geblaſen .
Bei der Defilirung oder bei der zufälligen Begeg.
nung eines Vorgeſepten verbleibt er vor ſeiner Ab
134 1. Hauptfick. – 3. Abſanitt.
theilung, kommandirt die Ropfwendung und ergreift
nach Vorſchrift den Kolbenhals (Kolben ); wäre der
Kommandant ohne Gewehr ſo hat er mit der rech
ten Hand zu ſalutiren (137).
324. Vor einer Schildwache iſt der Zug zur Wendung
der Köpfe zu befehligen und der Zugs-Kommandant
hat, wenn er Offizier iſt, zu ſalutiren , wenn er Unter
offizier iſt, ſich auf die oben beſchriebene Weiſe zu
benehmen .
325 . Vor dem Hochwürdigen iſt das Niederknieen zu.
veranlaſſen .

II. Ausbildung des Zuges in der zerſtreuten


Fechtart.
§. 41.
Uebergang aus der geſchloſſenen Ordnung in die
zerſtreute Fechtart.
326 . Die Gefechts-Verhältniſſe geſtalten ſich nur in ſel
tenen Fällen derart, daß der Kampf durch geſchloſſene
Abtheilungen eröffnet und bis zur Erreichung des beab.
ſichtigten Zweckes durdigeführt werden kann ; es wird
daher die zur Durchführung ſolcher Unternehmungen
erforderliche Mannſchaft theils geſchloſſen , theils in
größeren oder kleineren Gruppen verwendet.
Soll eine ausgedehnte Terrainſtređe mit einer verhältniß
mäßig kleinen Abtheilung durchſtreift werden , um die eigene
Truppe vor feindlichen Nedereien zu ſchüßen oder ſelbſt folde
Unternehmungen auszuführen , der Marſch einer Truppe der
Beobachtung entzogen werden , ſind zur Vorbereitung des An
Ausbildung des Soldaten im Buge. 135
griffes einzelne feindliche Poſten aufzuheben , die die Annäherung
dedenden Punkte zu beſeßen, oder der Angriff einer geſchloſſenen
Abtheilung durch ein wirkſames Feuer zu unterſtüßen , ſo ergibt
fidh eine Reihe ſelbftſtändiger Unternehmungen,welche eben ſowohl
den wirkſamſten Gebrauch des Feuergewehres, als auch den Kampf
mit der blanken Waffe nothwendig machen .
Die mit der Durchführung ſolcher Leiſtungen be- 327 .
auftragte Abtheilung wird zum Theil in eine Kette von
kleinen Patrullen oder Schwärmen aufgelöst, zum
Theil aber in geſchloſſener Ordnung als Unter
ſtüßung der erſtern nachgeführt.
In dem angedeuteten Verhältniſſe ausgeführte 328.
Unternehmungen werden nach den bereits ertheilten
Belehrungen „perftreute Fechtart“ genannt und
bieten dem einzelnen Soldaten einen großen Spielraum ,
um ſeine Kühnheit, Gewandtheit und Geſchicklichkeit im
Gebrauche der Waffen zur Geltung zu bringen .
Der Soldat iſt daher mehrſich ſelbftüberlaſſen 329.
und muß jeden zufälligen Umſtand geſchickt benüßen ,
den Feind dadurch in Nachtheil ſeben , dabei ſtets beſon
nen bleiben und entſchloſſen handeln .
Die durch die geſchloſſene Ordnung bedingte Ge
bundenheit in der Gleichmäßigkeit der Bewegungen iſt
abzulegen und durch ein ungebundenes , dem Gefechts
verhältniſſe wie der eigenen Beurtheilung entſprechen
des Benehmen zu erſeßen .
Die 2 Rotten eines Paares haben fich als zu : 330.
ſammengehörig zu betrachten, und ein Schwarmglied
zu bilden.
Die Männer eines Schwarmgliedes müſſen
fich bei jeder Gelegenheit wechſelſeitig unterſtüßen , ein.
ander in jeder Gefahr beiſtehen und daher ſtets ſo nahe
136 1. Hauptfäck . – 3. Abſchnitt.

beiſammen bleiben, daß keiner von ihnen ſich ſelbſt


überlaſſen iſt.
In jedem Schwarmgliede hat der vom Zug8
Kommandanten beſtimmte Schwarmgliedführer
auf ſeine Kameraden einen leitenden Einfluß zu nehmen ,
dieſelben aufzuſtellen und die Erreichung des beabſich .
tigten Zweckes durch ſeine Einwirkung zu unterſtüßen .
331. Die zu einem Schwarme gehörigen Schwarm
glieder ſind nicht zur Einhaltung einer beſtimmten
Form verpflichtet , müſſen fich jedoch immer wechſelſeitig
unterſtüßen.
Sie können nach dem Ermeſſen ihres Führers , welcher
den einzuſchlagenden Weg und die ſonſtigen Verhältniſſe zu be
rückfichtigen hat, entweder einemehr oderminder gedrängteKette
bilden , oder gruppenweiſe vereinigt bleiben.
Die einzelnen Schwärme ſtehen in dieſem Ver
hältniſſe nicht immer unter der unmittelbaren Einwir
kung des Zugs-Kommandanten , ſondern ſind mehr der
Leitung ihres Schwarmführers überlaſſen .
Jeder Schwarmführer muß die Geſtaltung
des Bodens zur Deckung ſeiner Mannſchaft benüßen ,
ohne ſich ängſtlich an eine Form zu binden , dabei
aber ſeinen Schwarm in der Hand behalten und ſtets
bereit ſein , die nebenſtehenden Schwärme zu unter
ſtüßen .
Der Schwarmführer hat bei allen Gelegen
heiten den Vereinigungspunkt der ihm zugewieſenen
Mannſchaft zu bilden , derſelben vorauszugehen und die
nothwendigen Anordnungen mittelft eines Zurufes
oder Zeichens zu ertheilen . Auch auf das Benehmen
der übrigen Schwärme und auf die Befehle des Zugs.
Kommandanten hat er Rückſicht zu nehmen .
Ausbildung des Soldaten im Buge. 137

Die Entfernung eines Schwarmes vom andern 332.


iſt nach der Ausdehnung und Beſchaffenheit des zu
durchftreifenden Terrains, dann auch nach der Fechtart
des Gegners zu bemeſſen und durch den Zugs- stom
mandanten zu regeln , daher ebenſo wenig unver
änderlich als der Abſtand der Schwarmglieder unter
fich ; ſie muß, wie dieſer, beijedem Wechſel der Verhält
niſſe zu: oder abnehmen und kann endlich auch
zwiſchen den verſchiedenen Schwärmen verſchieden
bemeſſen ſein .
Die Schwärme der ganzen Rette müſſen aber
unter allen Umſtänden in Verbindung bleiben und das
zwiſchen ihnen liegende Terrain zu beherrſchen im
Stande ſein , zu welchem Zwecke einzelne Schwarm
glieder in die Zwiſchenräume entſendet werden können .
Dieß wird oft nothwendig ſein , wenn fich deckende
Gegenſtände vorfinden , welche einen feindlichen ģinterhalt
begünſtigen .
Die Entfernung, bis aufwelche die in Sch w ärme 333.
aufgelöſte Abtheilung ſich von ihrer Unterſtüßung tren
nen kann , muß jederzeit nach dem beabſichtigten Zwecke,
dann nach der Beſchaffenheit des Terrains bemeſſen
werden .
Sie ſoll die hierzu beſtimmte Abtheilung der Wirkung des
feindlichen Feuers möglichſt entziehen , gleichzeitig aber auch die
ſchleunige Hilfeleiſtung an einem beſonders bedrohten Punkte der
durch Schwärme beſeßten Strecke ohne übermäßige Anſtrengung
der Mannſchaft geſtatten.
Die Wahl des Zeitpunktes für den Uebergang in 334.
die zerſtreute Fechtart hängt immer von den Umſtänden
ab , jedoch ſoll die Auflöſung nach Thunlichkeit immer
außer dem Bereiche des feindlichen Feuers veranlaßt
werden .
138 1. Hauptfuck . - 3 . Abſchnitt .

Dadurch wird jeder Uebereilung vorgebeugt, welche ſehr


leicht zu Unordnungen führt, und ſomit den Erfolg der Unter
nehmung gefährdet.
335 . Wenn ein Zug in der zerſtreuten Fechtart zur
Verwendung gelangt, ſo kann er entweder mit ſeiner
ganzen Stärke oder nur theilweiſe in Schwärme auf,
gelöſt , und ganz oder mit den nicht aufgelöſten
Schwärmen als Unterſtüßung verwendet werden.
336 . Zur Auflöſung in Schwärme ertheilt der Zugs.
Kommandant das Kommando:
„ Schwärme!“ oder: „Rechter (linker ,mittlerer)
Schwarm !"
worauf jeder Schwarmführer fich vor die ihm zuge
wieſene Abtheilung begibt.
Der Zugs-Kommandant verſtändigt dieſe nun
vom Zwecke der Unternehmung ; bezeichnet ihnen die
Ausdehnung der einzunehmenden Strecke, die Richtung,
in welcher ſich bei unerwarteten Ereigniſſen Alles zu
ſammeln hat, und was er ſonſt noch anzuordnen für
nothwendig findet; hierauf kommandirt er:
Marsch !“ .
oder :
Lauftritt – Marsch !"
Die Gewehre werden in die Balance genommen , und
die Mannſchaft durch die Schwarmführer in die als
Schwarm oder Unterſtügung einzunehmende Stellung
vor- oder ſeitwärts geführt.
Sind die einzelnen Schwärme in die vom Zugs.
Kommandanten bezeichnete Aufſtellung gelangt, ſo
haben ſie ſich nach Maßgabe des Terrains auszubreiten
und nach Bedarf in Verbindung zu ſeßen .
Ausbildung des Soldaten im Buge. 139
Der Zugs-Kommandant, welcher zu ſeiner per- 337.
ſönlichen Bedeckung, dann zur Ueberſendung von Be.
fehlen und Meldungen 2 oder 3 verläßliche Soldaten
Hornilshibei
nebſt dem Horniſten märmſiche lebehält, e gannach
feit dihat ze wader uno
rm .Ent
wicklung der Schwärme ſeinen Standpunkt fo zu
wählen , daß er nach Thunlichkeit die ganze Abtheilung
zu überſehen und durch Vermittlung der Schwarm - und
Schwarmgliedführer zu leiten vermag, hiebei jedoch
auch den Gegner und das vorliegende Terrain im Auge
behält.
Die zu dieſem Zwede erforderlichen Anordnungen hat der
Zugs-Kommandant den erſteren zuzurufen , welche dann die
Obliegenheit haben , die ihnen zugewieſene Mannſchaft von den
erhaltenen Weiſungen zu verſtändigen . Klar und bündig ertheilte
Aviſo’8 werden die ſchnelle und fichere Leitung der Schwärme
weſentlich erleichtern .
$. 49.
Benüßung des Terrains.
Die Benübung des Terrains iſt eine der weſent. 338.
lichſten Bedingungen des Erfolges jeder Unternehmung
in der zerſtreuten Fechtart. Der Soldat muß daher an
gewieſen werden , jede ſich darbietende günſtige Boden .
beſchaffenheit als Deckung zu benüßen , in ganz freien
offenen Strecken aber fich niederzulegen , zu ſeben oder
wenigſtens fortwährend in Bewegung zu bleiben , und
dadurch die Wirkung des feindlichen Feuers zu ver.
mindern .
Tiefe. Furchen , welche in ſchräger Richtung 339.
gegen die Aufſtellung des Feindes laufen , gewähren
einewenigſtens theilweiſe gedeckte Annäherung.
Bilden dieſelben aber mit der Front des Gegners
gleichlaufende Linien , dann müſſen die Zwiſchenräume
mit raſchen Bewegungen durchſchritten und die vorhan.
140 1. Hauptflück. – 3. Abſchnitt.
denen Vertiefungen zu dem Niederſeßen , Knieen oder
Legen benüßt werden .
340. Jn Gräben deren Tiefe ſo bedeutend iſt, daß der
Soldat, auf der Grabenſohle ſtehend , nicht mehr über
den obern Rand zielen kann, muß er ſich an derBöſchung
auf der Seite des Feindes in entſprechender Höhe einen
Standpunkt ſuchen . Bei ſanften Böſchungen kann der
Soldat fich auf der geneigten Fläche niederſeßen oder
legen und zum Feuern über den obern Nand erheben .
341. Schluchten und Hohlwege find ebenſo wie
Gräben zu benüßen, erfordern aber eine geſteigerte Auf
merkſamkeit , wenn ſie die Annäherung des Feindes in
irgend einer Weiſe begünſtigen .
342 . Dämme und Erd aufwürfe, niedere
Mauern und ſtarke Planken bieten gleichfalls
Deckung gegen das feindliche Feuer und erleichtern
überdieß das Zielen , da das Gewehr aufgelegtwerden
kann .
343. Hügel und ſonſtige Erhöhungen gewähren Schuß,
wenn der Soldat nicht bis auf die Kuppe vorgeht,
ſondern ſoweit hinter derſelben verbleibt, daß er zu
zielen vermag, ohne ſelbſt ganz geſehen zu werden .
344. Geſträuche, Hecken oder lebendige Zäune,
Garben oder hohe Frucht, ſchüßen zwar nicht vor
der Wirkung feindlicher Geſchoffe, aber ſie entziehen bei
kluger Benüßung den Soldaten dem Blicke des Gegners ,
und hindern denſelben ſomit beim Zielen .
Der Plänkler ſol daher nach jedem Schuſſe, nach
welchem der Rauch ſeine Aufſtellung bezeichnet, den
Plaß verändern oder nach Umſtänden den Feind durch
eine andere Liſt zu täuſchen ſuchen.
345. Um einen Baum als Deckung zu benüßen , muß
der Soldat' fich knapp ſo hinter den Stamm ſtellen ,
Ausbildung des Soldaten im Buge. 141

daß der linke Elbogen an dieſem eine Anlehnung


findet.
Beim Feuern wird dann das Gewehr an der
rechten Seite des Stammes in Anſchlag gebracht, der
linke Vorarm als Stüße an den Baum gedrückt, der
Kopf nur zum Zielen vorgeneigt, der ganze Körper aber
nach Thunlichkeit verſagt.
Sol ein Baum mehrere Soldaten ſchüßen , ſo
müſſen ſich dieſelben in der entſprechendſten Weiſe hinter
iden Stamm ſtellen und zum Feuern einzeln an den Rand
vortreten , oder ſiemüſſen ſich niederlegen ,den etwa nöthi.
gen Erſaß an Patronen dem hinter dem Stammeſtehenden
beſten Schüßen reichen, welcher dann allein zu feuern hat.
In Auen und Wäldern iſt der Zwiſchenraum von 346.
einem Baume zum andern durch einen Sprung, oder
bei größerer Entfernung im raſchen Laufe zu über:
ſchreiten , jede offene Stelle aber wo möglich zu umgehen ,
um ſich nicht nußlos als Zielſcheibe zu bieten .
Hinter einer Schießſcharte, einem zufälligen 347.
Einſchnitte, an einem Fenſter oder einer andern
Deffnung in einem deckenden Gegenſtande,
hat ſich der Soldat auf ähnliche Weiſe wie bei der Auf
ſtellung hinter einem Baume zu benehmen , und ſonach
die Deffnung immer rechts von ſich zu laſſen .
Iſt der Feind ſchon ſehr nahe herangekommen , ſo
darf beim Zielen nur die Mündung des Gewehres aus
der Deffnung hervorragen , damit der Angreifer dasſelbe
nicht zu faſſen und herauszureißen vermag.
Beim Eindringen in einen Ort muß die Mann . 348 .
ſchaft eines Schwarmes fich zu beiden Seiten der
Straße den Häuſern entlang vorwärts ſchleichen und
jeden Vorſprung benüßen , um ſich zum weitern Vor
dringen zu ſammeln.
142 1.Hauptftück . – 3. Abſchni.t.
Die wechſelſeitige Unterſtüßung muß jeder Unter.
nehmung den erforderlichen Nachdruck verleihen.
§. 43.
Gebrauch der Waffen in der zerſtreuten Fechtart.
349. Der Gebrauch der Waffen iſt bei der Anwendung
der zerſtreuten Fechtart dem Urtheile der Schwarm
und Schwarmgliedführer anheim zu ſtellen.
Es iſt für den Erfolg ganz gleich giltig , ob der Feind durch
wohlgezielte Schüſſe beläſtigt, aufgehalten und zum Weichen ge
bracht, oder ob er durch einen raſchen Anfall mit dem Bajonnete
geworfen wird ; dagegen bleibt es aber von der höchſten Wich .
tigkeit, daß die in joldher Weiſe verwendete Abtheilung ihren
Zweck mit zäher Beharrlichkeit verfolgt und durch Liſt zu errei.
chen ſucht, was ſie durch Gewalt nicht zu erlangen vermag.
350. Die Schwarm - und Schwarmgliedführer haben
ſtets das Feuergefecht zu leiten , um jede unnüße Mu
nitions-Verſchwendung zu verhüten.
Dieſe Führer beſtimmen die beſten Schüßen , bezeichnen
ihnen das Objekt und die Entfernung, laſſen die weniger guten
Schüßen erft auf kurze Diſtanzen feuern ; fie lenken das Feuer
vorzüglich auf die feindlichen Offiziere oder ain fühnſten bor.
eilende Männer – laßen bei ſich bewegenden Geſchüßen auf
die Pferde, bei abgeprokt ſtehenden auf die Bedienungs -Mann
ſchaft ſchießen ; auf geſchloſſene Abtheilungen können ſelbſt min .
der gute Schüßen zum Feuern auf größere Entfernung befehligt
werden .
351. Die Umſtände können es zuweilen nothwendig
machen , das Feuer der Schwärme mit Rückficht auf
eine beabſichtigte Unternehmung bis zu einem vom
Kommandanten gewählten Zeitpunkte einzuſtellen und
dann gleichzeitig wieder zu eröffnen.
Die Mannſchaft muß dahermit aller Strenge ver
halten und gewöhnt werden , dem Aviſo oder Horn
ſignale : „ Feuereinſtellen“ unbedingt Folge zu
Ausbildung des Soldaten im Bage. 143
leiſten . Sie iſt in jedem einzelnen Falle, in welchem ſich
der Zuga-Rommandant die Regelung des Feuergefechtes
vorbehalten will , zu erinnern , daß das Feuer erſt auf
das Aviſooder Signal: „ Feuern " eröffnetwerden darf.
Den Schwarm - und Schwarmgliedführern obliegt die
genaueſte Ueberwachung ihrer Mannſchaft.
Die Unteroffiziere können von ihren Feuerge. 352.
wehren auch Gebrauch machen .
Sie ſollen in der Regel aber nur dann feuern , wenn es zu
ihrer perſönlichen Vertheidigung erforderlich iſt , oder wenn ſie
Gelegenheit finden, einen Offizier oder einen höheren Truppen
führer des Feindes auf das Korn zu nehmen , ſonſt wird es von
größerem Nußen ſein , wenn dieſelben , den Erfolg des Feuers
beobachtend , die Schüßen über Entfernung und Ziel in Renntniß
erhalten , und der Regelung des Feuergefechtes ihre vollſte Auf
merkſamkeit widmen .
S. 44 .
Bewegung in der zerſtreuten Fechtart.
Die Bewegungen einer in Schwärmen aufge- 353.
löften Abtheilung müſſen in jedem einzelnen Falle den
Gefechts - Verhältniſſen angepaßt werden und erhalten
eben durch ihre Regelloſigkeit den dieſer Fechtart ent
ſprechenden eigenthümlichen Charakter.
Um die Leitung mehrerer Schwärme, beſonders 354 .
bei Verwendung größerer Abtheilungen, zu erleichtern ,
dienen Aviſo's, die auch durch Hornſignale erſebtwer
den können .
Iſt die Ausdehnung zu groß, der Terrain durchſchnitten
und bedeckt, die Truppe im Gefechte verwickelt, kurz Umſtände
vorhanden , welche den Gebrauch der Stimme und Zeichen
zweifelhaft
bed
oder unmöglich machen , ſo ift fich der Hornfignale zu
ienen.
Die entſprechenden Aviſo's find : 355 .
1. „ Vorwärts, Rückwärts, rechts , links !"
worauf die Bewegung von allen Schwärmen in der
144 1. Hauptftück . – 3. Abſchnitt.

bezeichneten Richtung im lebhaften Schritte begonnen


wird, wobei die möglichſte Deckung und gegenſeitige
Unterſtüßung ſtets im Auge zu behalten ſind.
Wird während der Bewegung gefeuert, ſo hat
der Soldat ſeinen Schuß aus einer gedeckten Stelle
mit Ruhe, auch mit Auflegen des Gewehres anzubrin
gen , zu laden und ſich ſchnell mit ſeinem Schwarm .
glied wieder zu vereinen .
356 . . Nur in ſeltenen Fällen werden alle Schwärme
fich gleichmäßig vor-, ſeit- oder rückwärts bewegen
oder wohl gar eine gerade Richtung einhalten können ,
ſondern die Bewegung wird gewöhnlich zwar der vom
Zugs-Kommandanten beſtimmten Richtung folgen , aber
von jedem Schwarme in der Weiſe ausgeführt wer
den , welche den örtlichen Verhältniſſen am beſten
entſpricht. .
357. . Wenn einzelne Schwarmglieder während der
Bewegung auf Terrain -Hinderniſſe ſtoßen , welche fie
nicht durch- oder überſchreiten können , ſo haben ſie die
ſelben zu umgehen und nach Hinterlegung einer ſolchen
Strecke das frühere Verhältniß wieder aufzuſuchen .
358. Gelingt es einen einzelnen Schwarme, einen gün
ſtigen Punkt früher zu erreichen oder länger zu behaup.
ten , als dieß bei der Einhaltung einer beſtimmten
Linie möglich wäre, ſo darf er ſich von der Benüßung
eines ſolchen Vortheiles durch unweſentliche Rückſichten
nicht abhalten laſſen , ſondern er muß denſelben in
jeder Beziehung auszubeuten ſuchen.
ceEin
langtunter
e Schbeſonders der SchaUmſtänden
w se angünſtigen m ung zu nvor.
n dieſes Verhältniß
a m wird daher
ausgelangterr Schwarm ag
benüßen müſſen , um dem andern Schwarme das Vor
bringen zu erleichtern , und ſeine Bewegung zum näch .
ſten Terrain -Abſchnitt wird erſt dann fortzuſeßen ſein,
Ausbildang des Soldateu im Zuge. 145
wenn auch dieſer der Weiſung des Zugs-Kommandanten
entſprochen hat. Der Zuſammenhang darf aber nie
verloren werden , und es bleibt in einem ſolchen Falle
die Aufgabe des Schwarmführers und auch es Zugá:
Kommandanten , jede Uebereilung zu verhüten .
2. „ Beschleunigung, Lauftritt, Schritt, Halt !“ 3359.
wird nach den bekannten Beſtimmungen ausgeführt.
Wil derKommandant eine günſtige Stellung raſch bejeßen ,
cine nicht zu große Strecke ſchnell durchſtreifen laſſen , ſich raſd
dem feindlichen Feuer entziehen , jo bieten ihm die Beſchleunigung
und der Lauftritt die Mittel hiezu . Die Beſchleunigung erfordert
eine ſchnellere Bewegung und kann lange andauern , während
der Lauftritt in Folge der eintretenden Erſchöpfung ſeine beſtinim
ten Grenzen hat. Der Kommandant wird daber wohl zu über
legen haben , welches Bejchleunigungsmittel und bis zu welchem
Grade jelbes anzuwenden iſt. Wichtig iſt es , den Soldaten in
jeder Gefechtslage an den anbefohlenen Lauftritt zu gewöhnen ,
damit er im entſcheidenden Momente in deſſen Anwendung nichts
als eine ihm angewöhnte taktiſche Anordnung erblicke .
Das Einſtellen der Bewegung wird mittelſt des
Aviſo's oder Signales :
„Halt !“
veranlaßt, worauf jedes Schwarmglied ſich in der Nähe
der eben erreichten Stelle zu decken ſucht; — auf die Un
terhaltung des Feuers hat dieſe Anordnung keinen Einfluß.
3. „ Schwarm , Unterstützung, rechter (linker) 360 .
Flügel! — (Vorwärts u. ſ. w .)"
dienen zum Anrufen des bezeichneten Theiles. Soll eine
Bewegung nur von einem Theile der verwendeten
Truppe ausgeführt werden, ſo wird der Bewegung das
Aviſo, von wem ſie auszuführen iſt, voran geſeßt.
Bei drei Schwärmen eines Zuges hat der angerufene Flü
gelſchwarm die Bewegung ſogleich zu beginnen , der mittlere
Schwarm aber nur nach Maßgabe der nöthigen Verbindung dem .
ſelben zu folgen .
10
146 1. Hauptftück . – 3 . Abſcuitt.

S. 45.
Benehmen der Unterſtüßung.
361. Die Unterſtüßung hat der in den Schwärmen
aufgelöſten Abtheilung als Kückhalt zu dienen und die
Verbindung derſelben mit den noch folgenden Streit
kräften zu vermitteln .
Der Aufſtellungspunkt iſt entweder hinter der
Mitte der aufgelöſten Abtheilung zu wählen , von wo
jedem Theile gleich ſchnell Hilfe geleiſtetwerden kann,
oder die Unterſtüßung hat ſich dem am meiſten be
drohten Punkte zu nähern und dieſem dadurch eine
geſteigerte Feſtigkeit zu verſchaffen . : )
362.
men und
In Bezug
aufdiedieauf
In auf Benübung ts ATerrains
Beidiedie bEntfernung
ereides nwenvont denzur Schwär.
Deckung
der Mannſchaft, ſind die bereits ertheilten Belehrungen
zu berückſichtigen , deren richtige Anwendung die weſent
lichſte Aufgabe des Kommandanten bleibt.
363. Die Formation der Unterſtüßung richtet ſich
nach der Terrain -Geſtaltung, und der Kommandant
hat ſtets die ihm als entſprechend erſcheinende anzu
nehmen.
364. Der Kommandant Der Unterſtübung hat ſeinen
Standpunkt ſo zu wählen , daß er die von den Schwär
men beſepte Strecke wo möglich in ihrer ganzen Aus
dehnung überſehen , und nach der Haltung der erſtern
ſeine eigenen Anordnungen zu regeln vermag. Nach
Umſtänden hat er für die Erweiterung des Geſichts .
kreiſes durch die Aufſtellung von Unteroffizieren oder
einzelnen Leuten an geeigneten Punkten, beſonders in
den Flanken zu ſorgen , und ſeine eigenen Wahrneh
mungen durch die auf dieſem Wege erlangten Meldun
gen zu ergänzen .
Ausbildung des Soldaten im Zuge. 147

Wenn die Schwärme vorrücken , ſo hat die Un: 365.


terſtübung ihnen zu folgen und die Bewegung hierbei
ſo zu regeln , daß ſie immer einen angemeſſenen A6.
ſtand behält. Es wird alſo von den Verhältniſſen ab
hängen , ob die Vorrückung gleichzeitig mit der erſten
Linie oder ſpäter angetreten und eingeſtellt werden ſoll.
Steht die Unterſtüßung in einer gedeckten Aufſtel. 366 .
lung nahe an der Linie der Schwärme, welche eben eine
freie Strecke zu hinterlegen haben, ſo wird es zweckmäßig
ſein , die Bewegung ſpäter anzutreten und dadurch einen
größern Abſtand zu gewinnen , während beim Ueber
gange aus einem offenen in einen mehrbedeckten Terrain .
Abſchnitt die Unterſtüßung trachten wird ihre Entfer
nung von den Schwärmen durch ein raſches Nachrücken
zu vermindern.
Wenn die erſte Linie einen Flügel vorſchiebt, ſo muß 367.
der Kommandant der Unterſtüßung ſeine Aufmerkſam .
keit vorzugsweiſe dieſer Seite zuwenden , und die Bewe.
gung nach Bedarf durch ſeine Annäherung begünſtigen .
Hat die in Schwärme aufgelöſte Abtheilung ein 368.
Defilé zu hinterlegen , ſo bleibt die Unterſtüßung vor
dem Eingange in einer zur Aufnahme der erſtern
geeigneten Aufſtellung und rückt nach, wenn dieſe ſich
wieder ausgebreitet haben. Der Kommandant der
Unterſtüßung muß den Zeitpunkt zur Hinterlegung des
Defilé's nach der Beurtheilung der Gefechtsverhältniſſe
wählen und muß auch beim weitern Vorrücken den
Ausgang ſo lange beobachten laſſen , bis eine andere
Truppe fich demſelben genähert hat.
Wenn die Schwärme fich zurückziehen , gewinnt 369.
die Wirkſamkeit der Interſtügung eine erhöhte Bedeu:
tung und der Komma:dant muß daher die Abſichten
des Feindes durch die aufmerkſame Beobachtung jeder
10
148 1, Hauptftück. – 3. Abſdnitt.
ſeiner Bewegungen zu erkennen und ihre Ausführung
durch entſprechende Gegenmaßregeln zu verhindern ſuchen .
370 . Die Unterſtüßung kann daher den Rückmarſch
zwar gleichzeitig mit den aufgelöſten Abtheilungen be.
ginnen, muß aber, ſobald ſie einen Vorſprung gewon
nen oder eine vortheilhafte Aufſtellung erreicht hat,
ſtehen bleiben und das Herannahen der erſteren erwar
ten, welche dadurch zu einer entſchloſſenen Haltung und
ſomit auch zu einem wirkſamen Gebrauche ihrer Feuer
waffen ermuntert werden.
371. Wenn auch die Durchführung einer jeden Unter
nehmung der einheitlichen Leitung bedarf, ſo wird der
Kommandant der Unterſtüßung, wie es aus den vor
herigen Andeutungen folgt, doch innerhalb gewiſſer
Grenzen ſelbſtſtändig zu handeln haben.
$. 46.
Verſtärkung, Ablöſung des Zuges .
372. Auf das Aviſo oder Signal :
„ Verstärkung !"
ordnet der Kommandant des Unterſtügungs - Zuges
den Uebergang in Schwärme an , und es rücken
die zur Verſtärkung beſtimmten Abtheilungen unter
Führung ihrer Kommandanten in der anbefohlenen Nich .
tung im beſchleunigten Schritte in die Gefechtslinie vor.
Der Zugs-Kommandant hat den Schwarmführern
genau die einzunehmende Aufſtellung zu bezeichnen .
Sol die Gefechtslinie nicht erweitert werden , ſo
erfolgt die Verſtärkung entweder durch das Zuſammen .
ziehen der bereits aufgelöſten Schwärme gegen einen
Flügel und die Befeßung des verlaſſenen Plaßes durch
die Verſtärkung, oder die aufgelöſten Schwärme ſchließen
- fich in fich und die Schwärmeder Verſtärkung rücken in
Ausbildung des Soldaten im Bage. 149
die leeren Zwiſchenräume. Das Vermengen der Mann.
ſchaft verſchiedener Schwärme iſt jedoch möglichſt zu
vermeiden , weil die Leitung und Ueberwachung er:
ichwert wird .
Die Verſtärkungwird angewendet, um den Wirkungsfreis
einer Ilnternehmung zu erweitern , ein wirkſameres Feuergefecht
zu erzielen , oder einem Bajonnet- AngriffemehrNachdruck zu geben .
Entfält die Nothwendigkeit einer verſtärkten 373.
Schwarmlinie, ſo ordnet der Kommandant an, welcher
Schwarm oder Zug fich zu ſammeln hat, und beſtimmt
deſſen ferneres Verhalten . Die Schwarmführer ziehen
ihre Mannſchaft aus der Gefechtslinie, ſammeln und
ordnen ſie, und vereinigen ſich bei ihrem Zugs-Komman:
danten oder auf dem ihnen angewieſenen Punkte.
Auf das Aviſo oder Signal : 374.
„ Ablösung !"
hat der Kommandant der Unterſtüßung den Schwarm
oder die Schwärme zu beſtimmen , welche vorzurücken
haben ; er bezeichnet jedem Schwarmführer genau,
welchen Schwarm er abzulöſen hat; dieſe hinwider
bezeichnen während der Vorrückung jeden ihrer Schwarm
glieder das von ihnen abzulöſende; die Schwarmglied:
führer beſorgen die Aufſtellung an Ort und Stelle.
Sobald Lepteres geſchehen iſt, ſammeln ſich die
abgelöſten Schwärme bei ihren Führern und werden
durch ſelbe auf den ihnen vom Zugs-Kommandanten
angewieſenen Plaß geführt.
Der Zug8-Kommandant hat der oftmaligen und 375 .
zeitgerechten Ablöſung ſeine volle Aufmerkſamkeit zu ſchen
ken , und es obliegt ihm die ſtrengeUeberwachung derſel:
ben , damit nicht Abtheilungen unabgelöſt bleiben, keine
vor bewirkter Ablöſung ihren Plaß verlaſſe,oder trop der.
ſelben ſich nicht aus dem Gefechte zurückziehen wollte;
150 1. Hauptftück. - 3. Abfumitt.
überhaupt, daß bei dieſer Bewegung Ordnung und
Nuhe herrſche.
Sowohl die linterhaltung eines lebhaften Feuers, als die
Erhaltung der Kraft des Mannes erfordern die häufige Ablöſung.
Sie muß in allen Gefechts-Verhältniſſen durchgeführt werden
und der Soldat es verſtehen , dieſe oft ſchwierige Bewegung auch
376 in kritiſchen Momenten mit Sicherheit und Ordnung auszuführen .
. Die Unterſtüßung kann übrigens auch angewieſen
werden , zum Behufe der Ablöſung in Schwärmen über
die Aufſtellung der erſten Linie vorzubringen und ſomit
deren Rolle zu übernehmen , während dieſe in einem
ſolchen Falle den Erfolg der Unternehmung in ihrer
Aufſtellung abzuwarten , und ſich dann alsUnterſtüßung
zu ſammeln hat.
Die Vorrückung muß in einem ſolchen Falle raſch
und entſchloſſen , aber ohne jede Uebereilung bewirkt
werden , die einzelnen Schwärmehaben mehr vereinigt
zu bleiben , und die den Umſtänden angemeſſene Aus
breitung erſt nach dem Eintreffen in der vom Zugs:
Kommandanten gewählten Aufſtellung nach und nach
anzunehmen . Die Schwarmführer müſſen die ganze
Linie im Auge behalten und ſtets bereit ſein , das Ge.
lingen der Unternehmung durch die rechtzeitige Unter
377. ſtüßung ihrer Kameraden zu ſichern.
Eine andere Art der Ablöſung ergibt ſich beim
Rückmarſch , wenn die Unterſtüßung in einem rück
wärts der Schwarmlinie gelegenen günſtigen Terrain .
Abſchnitt in Schwärme aufgelöſt wird .
Bei dieſer Art von Rückzügen werden die
Schwarmführer Bedacht nehmen , die Uebernahme des
Feuers durch die zweite Linie nicht zu hindern , daher,
ſobald ſie ſich der Aufſtellung nähern , das Feuer ein
ſtellen und ihre Abtheilungen auf der kürzeſten Linie
durch die Zwiſchenräume eilen laſſen. Bietet das Ter:
Ansbildung des Soldaten im Buge. 151
rain zwiſchen den befekten Abſchnitten keine Decking,
ſo iſt der Rückzug gegen die Flügel der rückwärtigen
Aufſtellung zu leiten .
Es wird ſich hier auch während des Rückzuges oft die Ge
legenheit ergeben , durch eine richtig gewählte Aufſtellung in
der Flanke dem nachdrängenden Gegner empfindlichen Schaden
beizufügen .
Der Kommandant der Unterſtüßung belehrt nach
dem Anlangen an dem bezeichneten Abſchnitte dieUnter
offiziere über ihr Verhalten , und ordnet die Auflöſung
an. Die Mannſchaft wird, ſobald die Front frei iſt,
das Feuer eröffnen , um dem Nachdrängen des
Gegners Einhalt zu thun und der zurückweichenden
Abtheilung die zum Sammeln oder zur Beſeßung einer
neuen Stellung nothwendige Zeit zu verſchaffen .
Dieſer abjdnittweiſe Rückzug wird angewendet, um eine
zähe Vertheidigung mit möglichſter Ausnüßung des Feuergefech
tes auch im Rückzuge zu erzielen . Gleichlaufende Höhen , Dämme,
Gräben , Waldblößen oder Durchhaue u . ſ. w . , welche auf
200 ---800 Schritte von einander entfernt ſind, bieten die ſchönſte
Gelegenheit für dieſe Gefechtsweiſe.
Auf das Aviſo oder Signal : 378 .
,,Fronträumen !"
werfen ſich die zurückgehenden Schwärme im vollem
Laufe gegen die nächſten Flügel der rückwärtigen Auf
ſtellung, um ſich dort je nach Anordnung in den Flankeri
aufzuſtellen und am Gefechte Tiyeil zu nehmen , oder ſich
hinter den Flügeln zu ſammeln und dann zu vereinigen .
: : . 47 :17,7 Pour
, Bajonnet- Angriff. "
.ft: Der Angriff mit der blanken Waffe wird auch in 379.
der zerſtreuten Fechtart entſcheidend und oft unerwartet
zur Anwendung kommen .
152 1. Haupttück . - 3. Abędnitt.

Wenn feindliche Plänkler fidh in einer vortheilhaften Stel


lung, in einem Graben , an einem Waldrande, hinter einer Hecke
oder einem andern deckenden Terrain-Gegenſtande derWirkung des
Feuers entziehen , oder man ſtößt unvermuthet auf den Gegner
und will ihm nicht die Zeit laſſen , ſich in einer uns nachtheiligen
Stellung feſtzuſeßen , jo müſſen dieſelben durch einen raſchen
Angriff mit dem Bajonnete zum Verlaſſen ihrer Aufſtellung
gezwungen werden .
Der Zugs-Kommandant hat die nöthigeEinleitung
zu treffen und ſelbe dann raſch durchzuführen.
Die raſche Durchführung hat in der ohne Zögerung zu
beginnenden , möglichſt gedeckt eingeleiteten Vorwärtsbewegung
ihren Ausdruck zu finden , nicht aber in einem unvorbereiteten
Vorſtürmen .
380 . Da die Unternehmung nur dann mit voller Sicher:
heit gelingen kann ,wenn der Feind an dem Punkte des
Angriffes mit Ueberlegenheit gefaßtwird, ſo iſt immer
auf das Zuſammenwirken mehrerer Sdywärme Be.
Dacht zu nehmen .
Während des Zuſammenziehens der Sdwärme,
ſei es auf der Stelle oder im Vorrücken , muß der Geg .
nermöglichſt beſchäftigt werden ; unter dem Schube
eines Schwarmes ziehen ſich die andern zuſammen und
nähern ſich dem bezeichneten Punkte. .
Der Schwarmführer und der Zugs-Kommandant
bilden hierbei die Vereinigungspunkte der Mannſchaft,
ſie folgt dieſen Führern ,ohne ſich dabei in eine beſtimmte
Form zu zwängen , und ſich dadurch der freien Beweg
lichkeit und des kräftigen Gebraudes der Waffen zu
berauben. , . . ;
Auf den Nuf:
„ Hurrah ! "
welcher von den Unteroffizieren wie auch von der
Mannſchaft wiederholt und vom Horniſten durch das
Signal :
Ausbildung des Soldaten im Buge. . 153

„ Sturm !"
erwiedert wird , ſtürzen ſich die vorrückenden Schwärme
mit gefältem Bajonnete auf die feindlichen Abthei.
lungen .
Bei Angriffen , welche den Charakter von Ueber: 381.
fällen haben , darf während der Vorrückung nicht ge
feuert werden . Bei Unternehmungen dieſer Art iſt die
Annäherung nicht nurmöglichſt gedeckt, ſondern aud)
in größter Stille durchzuführen .
Gelingt es, den Feind durch dieſen Anfall zu wer. 382.
fen , und ſich in den Beſiß ſeiner verlaſſenen Aufſtellung
zu ſeßen, ſo haben die Unteroffiziere mit aller Strenge
darüber zu wachen , daß der errungene Vortheil nicht
durch eine planloſe und übereilte Verfolgung auf das
Spiel geſeßt, ſondern dem Verluſte desſelben durch eine
raſche Beſeßung vorgebeugt werde.
Die Unterſtüßung hat gleichzeitig mit den aufge: 383.
löften Abtheilungen die Bajonnete zu pflanzen und nad)
Maßgabe des zu erwartenden Widerſtandes im Sinne
der dem Kommandanten zukommenden Weiſungen ent:
weder den Erfolg des Angriffes in einer Aufnahmsſtel
lung abzuwarten , oder ſich an der Unternehmung der
Schwärme zu betheiligen.
Während die Angreifenden trachten werden, gegen
des Feindes Flanke und Rücken zu wirken , hat die Unter:
ſtüßung die Deckung der eigenen Flanke zu übernehmen.
Einige Schwarmglieder, oft nur eines,werden hierzu ge
nügen ,wenn ſie zweckmäßig verwendet ſind. : )
Soll die Unterſtüßung beim Angriffe unmittelbar 384 .
mitwirken , ſo hat ſie gewiſſermaßen den Kern der
Unternehmung zu bilden und die zu beiden Seiten
fich anſchließenden Schwärme mit fortzureißen . Iſt
der zunächſt beabſichtigte Zweck erreicht, ſo hat die
154 1. Hauptflück . — 3. Abſdjnitt.

Unterſtüßung ſich ſogleich wieder ihrer Beſtimmung


gemäß zu ſammeln und aufzuſtellen , die Fortfeßung
des Feuergefechtes aber der aufgelöſten Abtheilung zu
überlaſſen .
385 . Wenn der Angriff vom Feinde zurückgewieſen .
wird , ſo haben ſich die weichenden Schwärme bei der
Unterſtüßung, und wenn dieſe an der Unternehmung
Antheil genommen hat, ſammt ihr weiter rückwärts zu
ſammeln . Hier iſt der Moment, wo der Zugs- und
Schwarmführer ihren Werth erproben ; Kaltblütigkeit
und Beſonnenheit ſind die ſicherſten Mittel, auch in die
ſem kritiſchen Momente ſeine Abtheilungen in der Hand
zu behalten . Das ſchnelle Sammeln iſt die erſte und
wichtigſte Aufgabe; der Punkt hiezu iſt bereits bekannt
gegeben , dorthin eilt daher Alles , um ſich augenblicklich
wieder bei ſeinen Führern zu ſammeln .
386. Rückt der Feind zum Angriffe der von den eigenen
Schwärmen beſepten Aufſtellung vor, ſo werden dieſe
ſich gegen den bedrohten Punkt zuſammenziehen, das
wirkſamſte Feuer ſo lange als möglich unterhalten
und endlich dem Angreifer mit der blanken Waffe
entgegen treten . Das wirkſamſte Feuer beſteht nicht
in Viel-, ſondern im Richtigſchießen ; die Führer wer
den daher durch ihren perſönlichen Einfluß zur Errei
chung dieſer Abſicht beitragen und mit aller Energie
die unnüze Munitions-Verſchwendung hintanzuhalten
haben .
• Die Unterſtüßung hat ſich dem muthmaßlichen
Angriffspunkte ſchon früher zu nähern und dann beim
Zurückweiſen des Feindes mitzuwirken . ,
387. Um den Angriff einer geſchloſſenen Truppe durch
ein wirkſames Feuer zu unterſtüßen, wird die hierzu
beſtimmte Abtheilung in eine dichte Schwarmtette vor
Ausbildung des Soldaten im Buge. 155

jelber aufgelöſt. Der Kommandant derſelben empfängt


die beſtimmten Weiſungen über ſein Verhalten durch
den Truppen -Kommandanten und leitet dann ſeine
Schwärme im Sinne derſelben .
Die Aufgabe dieſer Sdhwärme wird es nun ſein , durd)
ein wohlgenährtes und ſicheres Feuer dem Gegner möglichſt
Schaden zuzufügen , und dadurch ſeine Sicherheit zu erſchüttern ;
auch vor der Angriffs-Nolonne eine Art Schleier zu bilden , um
die eigene Vorrückung dem Auge des Gegners zu entziehen und
deſſen Aufmerkjamkeit auf ſich abzulenken , endlid , während des
Sturmes gegen die feindlichen Flanken zu wirken , und im Falle
des Gelingens dem Gegner ſogleich zu folgen , während die
Haupttruppe ſich fammelt und die weiters nöthigen Vorkehrun
gen trifft.
Eine beſtimmte Vorſchrift kann weder für den An- 388 .
griff noch für die Vertheidigung feſtgeſeßt werden, die
Zugs-Kommandanten und Schwarmführer müſſen ſich
daher bei jeder Unternehmung dieſer Art aufihr eigenes
Urtheil verlaſſen und ihre Handlungsweiſe den Anfor
derungen des Augenblickes anzupaſſen verſtehen .
S. 48.
Vertheidigung gegen Reiterei.
Droht der Angriff einer Reiter-Abtheilung, ſo hat 389 .
der Zugs-Kommandant das Aviſo oder Signal:
Klumpen !"
zu ertheilen . Die Schwärme verſammeln ſich hierauf,
in ſoferne die Zeit ausreicht, im ſchnellſten Laufe beim
Zugs-Kommandanten , bilden um denſelben einen kreis .
förmigen Haufen und pflanzen die Bajonnete.
Der Zugs-Kommandant hat zum Verſammlungs- 390 .
punkte einen die Annäherung der Kavallerie möglichſt
erſchwerenden Plaß zu wählen und die Mannſchaft ſich
156 1. Hauptftäck. – 3. Abſchnitt.

ohne Gedränge in mehreren Reihen kreisförmig um ihn


zu ſtellen , die Front auf allen Seiten auswärts zu
wenden und die Gewehre fertig zu nehmen .
391. Ueber das Benehmen bei der wirklichen Ver:
theidigung des Klumpens laſſen ſich keine beſtimmten
Vorſchriften aufſtellen , jedoch muß unter allen Um .
ſtänden mit Strenge darauf gehalten werden , daß das
Feuer nicht übereilt und willkürlid ), ſondern nur
nach den Weiſungen des Zugs-Kommandanten abge
geben wird .
392. Erſcheint die Reiterei ſo unerwartet , daß ſich der
ganze Zug nicht mehr auf demſelben Punkte zu ver
ſammeln vermag, ſo haben ſid, die zu einem Schwarme
gehörigen Schwarmglieder bei ihren Unteroffizieren in
Der angedeuteten Weiſe zu kleinen Klumpen zu vereinigen ,
welche dann jede ſich darbietende günſtige Gelegenheit
benüßen müſſen , um ſich allmälig zu nähern und end.
lich zuſammen zu ſtoßen.
393. Wenn der Führer eines Klumpens dieſen zu einer
Bewegung veranlaſſen will, ſo hat er an der ent
ſprechenden Seite herauszutreten und die Mannſchaft
durch einen die Richtung bezeichnenden Zuruf zum Nach
folgen anzuweiſen .
Die Bewegungen eines Klumpens ſind ſchwarm .
artig und immer möglichſt raſch auszuführen ; – beim
Einſtellen der Bewegung muß ſogleich wieder die Ver
faſſung zum Widerſtande angenommen werden.
394 . Wenn ein Schwarmführer das Anrücken einer
Reiter-Abtheilung wahrnimmt, ſo hat er nicht erſt das
Aviſo oder Signal des Zugs-Kommandanten abzuwar
ten, ſondern ſelbſt ſogleich mittelſt des entſprechenden
Zurufer ſeinen Schwarm zu ſammeln und dadurch, auch
Ausbildung des Soldaten im Buge. 157
den übrigen Schwaringliedern das Zeichen zur Ver
theidigung gegen die Neiterei zu geben .
Befinden ſich einige Schwarmglieder in der vor- 395.
theilhaften Lage, das Feuer fortſeßen zu können , ohne
in ihrer Aufſtellung durch die feindlichen Reiter ge
fährdet zu ſein , ſo haben ſie dieſes Verhältniß nicht
aufzugeben , ſondern zu benügen , um der Vertheidi.
gung der Klumpen durch einen wirkſamen Gebrauch
ihrer Feuerwaffen einen geſteigerten Nachdruck zu
geben .
Um die Schwärme nach der Entfernung der 396 .
Keiterei wieder zu entwickeln , wird das Aviſo oder
Signal :
„Auflösen !"
ertheilt , worauf die Schwärme ſich in der frühe
ren Ausdehnung ausbreiten und die Bajonnete ver.
ſorgen .
Die Unterſtüßung muß auf das entſprechende Sig. 397.
nal gleichfalls ſchnell in einen kreisförmigen Haufen
zuſammenſchließen, nach allen Seiten Front machen und
die Bajonnete pflanzen . Der Zugs-Kommandant mit
den Unteroffizieren und dem Horniſten begeben ſich in
deſſen Mitte. Ale nehmen die Gewehre fertig , feuern
aber beim Anreiten der Ravallerie erſt dann , wenn
fie vom Zugs-Kommandanten die Weiſung hierzu er.
halten .
Die Auflöſung des Klumpens erfolgt auf das 398.
Kommando :
; : , In den — Zug !"
indem die Bajonnete verſorgt, die Gewehre geſchultert
und die Glieder wie früher formirt werden.
158 1. Hauptốtück – 3.Abſchnitt.
S . 49. is

Uebergang aus der zerſtreuten Fechtart in die


geſchloſſene Ordnung. . . . ,

Sammeln , Vergatterung, Allarm ! " ?


399. Das Aviſo „ Sammeln “, vom Schwarmführer.
gegeben , gilt nur für ſeinen Schwarm , vom Zugs:
Kommandanten aber für alle Schwärme ſeines Zuges ;
die Schwarmglieder ziehen ſich ſogleich zuſammen
und ſammeln ſich im beſchleunigten Schritte bei ihreit
Schwarmführern, und dieſe bei ihren Zugs-Komman
danten .
400 . Um die ganze Abtheilung in ihr früheres Verhält
niß zu berufen , alſo zur Haupttruppe einzurücken ,
wird das Signal: „Vergatterung“ und bei Eile :
„ Allarm “ gegeben . Alles ſammelt ſich ſchleunigft beim
Zugs-Kommandanten, welcher den Zug geſchloſſen zu .
rückführt.
Wird kein beſonderer Ort zur Sammlung bezeich ..
net, ſo iſt die Perſon des Kommandanten der Sammel.
punkt.
401. Die Unterſtüßung hat dieſem Rufe gleichfalls zu
folgen, und in das ihr zukommende Verhältniß zu .
rücken.
402. ; Schnelligkeit, Ordnung und Ruhe beim Sammeln
find die Kennzeichen einer gut geſchulten Truppe.
403. Andeutungen für den Abrichter.
Eine beſondere Umſicht und Thätigkeit der Abrichter erfor.
dert die Ausbildung der Mannſchaft in der zerſtreuten Fechtart,
Es werden 2 Soldaten ſich gegenüber geſtellt und ihnen gezeigt
Ausbildung des Soldaten im Zuge. 159
wie ſie ſich ganz ungezwungen nach Beſchaffenheit des Bodens,
und nach der Stellung des Gegners auf der Stelle und im Ge
hen zu benehmen ; wie ſie ſich gegen das feindliche Feuer mög .
lichſt zu decken , dabei aber von ihrer Schußwaffe den ausgiebig.
ſten Gebrauch zu machen haben .
Es iſt hierbei nicht genug dem Manne zu ſagen , welchen
Blaß und in welcher Körperlage er ihn einnehmen ſoll, es muß
ihm die Urſache erklärt und des Soldaten Anſicht darüber ver.
langt werden ; dann iſt es ihnen zu überlaſſen einen andern Plaß
zu wählen , jedod haben ſie wieder den Grund , ivarum ſie dieſen
Plaß gewählt, anzugeben .
Die Stellung dieſer Männer ſowie die Wahl des Plages,
iſt nun auch von anderen Leuten beurtheilen zu laſſen , und end
lich nöthigenfalls vom Abrichter zu berichtigen . In gleicher
Weiſe iſt mit ihnen das Vor- oder Zurückgehen nach einem ande:
ren Plaße vorzunehmen
Dieſer Ilnterricht kann , richtig geleitet, überall mit Vortheil
ertheilt werden – jelbſt in einem Zimmer wird ſich Gelegenheit
finden, einen oder den anderen Fall zu erläutern, nur hüte fich
der Abrichter, der Einbildungskraft des Mannes zu viel zuzul
muthen .
Hat der Mann nun gelernt ſich frei, ungezwungen und nach
eigener Anſchauung den Verhältniſſen angemeſſen zu benehmen ,
ſo wird zur Ausbildung der Schwarmglieder geſchritten :
Es werden 2 Schwarmglieder ſich gegenüber geſtellt und
jedem eine beſtimmte Aufgabe gegeben. Dieſe muß anfänglich
ganz einfach ſein , ã. . der eine Theil trachtet möglichſt gedeckt
einen zwiſchen beiden gelegenen Graben zu erreichen, der zweite
benüßt ſtehenden Fußes jede gegebene Blöße, un einen Schuß
anzubringen u. ſ. w . Haben beide Theile ihre Aufgabe in allen
Einzelnheiten vollkommen gut gelöſt, ſo werden die Rollen
gewechſelt. In dieſer Art wird endlich zu ſchwierigeren Aufgaben
geſchritten , wobei der Abrichter aber ſtets den doppelten Zweck
zu verfolgen hat : Anleitung der Schwarmführer und Ausbildung
des Mannes.
Sind die Schwarmglieder gründlich durchgebildet, ſo wird
zum Ilnterricht mit Schwärmen geſchritten . Der Unterricht hat
analog dem früheren durchgeführt zu werden . Das Hauptaugen :
mert des Abrichters'wird nun auf das Benehmen der Schwarm .
führer und der Schwarmglieder unter fich gerichtet ſein .
160 1. Hauptſtück. – 3. Abſchnitt.
Dieſem wichtigen Abſchnitte in der Ausbildung der Truppe
muß die größte Sorgfalt zugewendet werden . Von einem
Schwarı -Kommandanten muß ſchon zweckmäßige Vertheilung ſei.
nes Schwarmes nach Zahl und Raum , ſowie richtige Benüßung
der Zeit gefordert werden . Entjprechend gewählte Aufgaben ,
dazu eine den Geiſt anregende Belehrung ſidern den Erfolg des
Unterrichtes. Eine ſelbſt minder gut gelöſte Aufgabe verdient,
wenn ihrer Durchführung ein Gedanke zu Grunde liegt, wohl
Belehrung aber keinen Tadel, welcher wiederholt angewendet
nur das Selbſtvertrauen vernichtet.
Der Unterricht im Zuge beginnt mit der Verwendung meh.
rerer aufgelöſter Schwärme , dann mit der Verwendung eines
oder zweier Schwärmeaufgelöſt, und zweier oder eines Schwar.
mes als llnterſtüßung. Im Zuge werden alle Fälle und daher
ſchon größere Aufgaben durchgeführt werden können – das Be.
nehmen der Schwarmführer bei der Leitung ihrer Schwärme und
der Unterſtüßung in den verſchiedenen Gefechts- Verhältniſſen find
von dem Abrichter ſtrenge in Auge zu behalten . Eine kurze aber
klare Belehrung, verbunden mit der Ausführung im verſchieden
artigen Terrain , anregende Aufgaben, wie ſelbe im Ernſtefall
vorkommen, werden in Charge und Mannſchaft Luft und Liebe
für dieſe Gefechtsweiſe erwecken .
Bei dem kleinen Friedensſtand iſt es bei dieſem Unterrichte
angezeigt, die Züge dem Kriegsſtande annähernd zuſammen zu
ſtellen und nöthigenfalls den Gegner nur durch einen Schwarm
markiren zu laſſen , um Zugs -Kommandanten und Chargen an die
richtigen Verhältniſſe zu gewöhnen.

$. 50 .
Ueberſicht der zu benüşenden Hornïgnale .
404. 1. „ Vorwärts , Rückwärts, Rechts , Links !“
zur Beſtimmung der Richtung, in welcher eine Bewegung
angetreten oder fortgeſeßtwerden ſoll.
2. ,,Schritt,Beschleunigung, Lauftritt, Halt !“
zur BezeichnungderSchnelligkeit, welche in Anwendung zu
kommen hat, und zur Einſtellung der Bewegung.
Ausbildung des Soldaten im Buge. 161
3 . „ Schwarm , Unterstützung , Rechter Flügel,
Linker Flügel!"
um die in dieſem Verhältniſſe befindlichen Abtheilungen an .
zurufen .
4 . „ Verstärkung , Ablösung, Fronträumen !"
um die Einleitung der entſprechenden Maßregel anzu .
deuten .
5 . „Feuern , Feuereinstellen !"
um die Anwendung der Feuerwirkung zu regeln .
6 . ,,Sturm !"
um einen Bajonnet-Angriff auszuführen .
7 . „ Klumpen — Auflösen !“
um die Mannſchaft zu verſtändigen , daß fie fich gegen
einen Reiter-Angriff zu fichern und fich wieder aufzu .
löſen hat.
8. „ Sammeln , Vergatterung, Allarm !"
um den Zug zum Nebergange in die geſchloffene Ordnung
zu befehligen , und die ganze Truppe zu ralliren .
Um den Klang , die Benennung und Bedeutung 405.
dieſer Hornſignale dem Gedächtniſſe wie auch dem Ge.
höre gut einzuprägen , iſt es ſehr erſprießlich , wenn jeder
Unteroffizier und Rettengliedführer dieſelben ſingen oder
pfeifen lernt.

4 . Abſchnitt.
Allgemeine Beſtimmungen für die Ausbil.
dung und Führung einer Rompagnie.
§. 51.
Vorbereitung.
Die kleinſte ſelbſtſtändig organiſirte Abtheilung der 406 .
Fuß- Truppen heißt:Kompagnie,und iſt in vier Züge
eingetheilt,deren zwei eine Halb -Sompagnie bilden .
162 I. Hauptfückt 4. Abfanitt.

407. Der Unterricht in der Kompagnie zerfällt in :


1. Die Ausbildung in geſchloſſener Dro .
nung.
2. Die Ausbildung in der zerſtreuten Fech t
art.
Derſelbe iſt bei jeder Truppengattung ſeiner eigen
thümlichen Beſtimmung anzupaſſen .
408. Die Jnfanterie iſt vorzugsweiſe dazu beſtimmt,
in großen Maſſen aufzutreten . Sie muß.daher die vor
kommenden Bewegungen und Formations-Aenderungen
unter allen Verhältniſſen leicht und ſicher auszuführen
verſtehen , ohne ſich in ihrer geordneten Haltung er
ſchüttern zu laſſen , daher dieſer Truppe die ſichere An
wendung der geſchloſſenen Ordnung zur Gewohnheit
werden ſoll. Da aber die Infanterie oft zu Unterneh .
mungen in kleineren Abtheilungen verwendet werden
muß, ſo iſt der Ausbildung im Schießen und in der zer.
ſtreuten Fechtart ebenfalls die volle Aufmerkſamkeit zu
widmen .
409. Bei den Jägern muß die Geſchicklichkeit im
Schießen und die möglichſt vollkommene Ausbildung
in der zerſtreuten Fechtart als wichtigſte Eigenſchaft
angeſtrebt werden , ohne die geſchloſſene Ordnung zu
vernachläſſigen .
410. . . Die Genie Truppen haben zur fortifikatori.
ſchen und techniſchen Vorbereitung und Verſtärkung des
Kriegsſchauplaßes, ſowie der Schlachtfelder verwendet
zu werden ; ſie haben auf Märſchen , in Ruheſtellungen
und im Gefechte, dann die bei der Vertheidigung feſter
Pläße vorkommenden techniſchen Arbeiten zu verrichten .
411. ... Die Pionniere haben die Herſtellung von
Kriegsbrücken, von halbpermanenten und Nothbrücken,
die Zerſtörung und Wiederherſtellung von permanenten
Ausbildung änd fährung einer Aompagnie. 163
Brücken, ſowie den Bau der hiermit im Zuſammenhange
ſtehenden Kommunikationen auszuführen .
Die geſchloſſene Ordnung wird daher nur in dem 412.
Maße zu üben ſein , als ſie zur geordneten Leitung noth :
wendig iſt. Die techniſchen Ausführungen können aber
mit kleinen taktiſchen Unternehmungen verbunden ſein ;
eine Genie- oder Pionnier-Rompagnie muß daher mit
ihren techniſchen Leiſtungen auch die zerſtreute Fechtart
zu verbinden wiſſen .
Iſt die Rompagnie ſelbſtſtändig , ſo iſt der Kom : 413.
pagnie-Kommandant an keinen beſtimmten Plaß gebun.
den , ſondern hat ſich bei jeder Gelegenheit dorthin zu
begeben , wo er am ficherſten auf ſeine Truppe einzu .
wirken vermag.
Als Theil eines größeren Körpers leitet der Rom . 414 .
pagnie Kommandant ſeine Kompagnie aus der ihm vor.
gezeichneten Aufſtellung, ohne an dieſelbe gebunden
zu ſein .
Die Zugs-Kommandanten haben ihre Züge im
Sinne der erfolgenden Anordnungen zu leiten ,zu führen
und in ſtrengſter Ordnung zu erhalten ; ſie bleiben unter
allen Verhältniſſen für ihre Züge verantwortlich ; es
ift ihnen daher auch geſtattet, ihre Aufſtellung zu ver
laſſen und fich dorthin zu begeben, wo es die Leitung
ihrer Abtheilung erfordert.
Bei der Theilung der Kompagnie bleibt der Rom : 415.
pagnie . Kommandant, wenn es nicht anders befohlen
würde, bei dem ſtärkeren Theile ; wird aber eine halbe
Rompagnie detachirt, ſo richtet es ſich nach der Wich.
tigkeit ihrer Beſtimmung, ob der Kompagnie-Komman
dant die detachirte oder die zurückgebliebene halbe
Kompagnie befehligt.
11 *
1 164 Di I. Hauptfück . * 4 . Abrahnitt.
* PRAETEREAPOSTE L ECOMUNICARATTE ? Thenie SARSTANDARDS ALBANIA ALGERIA A
416. In der geſchloſſenen Ordnung ſind die Komman.
do's mit der Stimme zu ertheilen (226 ), die Aus.
nahmen werden beſonders bezeichnet. In der zerſtreuten
Fechtart wird ſich nach Nr. 227 und 354 benommen.
417 In der geſchloſſenen Ordnung ſinddie Bewegungen
in der Regel im Marſchtakte auszuführen ; um an
eine gleichmäßige Bewegung im beſchleunigten und Lauf
tritte zu gewöhnen , ſo iſt Derſelbe bei den taktiſchen
Uebungen unter verſchiedenen Verhältniſſen in Anwen.
dung zu bringen , hierbei aber ſtets die nöthige Schonung
der Mannſchaft im Auge zu behalten . In der zerſtreuten
Fechtart iſt ſich nach Nr. 359 zu benehmen .
Eine ſelbſtſtändige Halb - Kompagnie wird nach
den Grundſäßen einer Kompagnie geführt. SK

419. ' . Die Gewehre ſind geſchultert zu tragen , und die


Bajonnete nur als Vorbereitung zum Angriffe, oder
zur Vertheidigung gegen Reiterei, dann in jenen Fällen
zu pflanzen , in welchen der Rompagnie-Kommandant
dieſe Maßregel aus beſonderen Gründen für nothwen
dig erachteter. PARTEDet
$. 52. - nn -
Aufſtellung einer Kompagnie in geſchloſſener
Ordnung.
420 .
e InFinKompagnie
bzuandeiner geentwic mm Aulinie
threr kelter fſtellZüge
Nugehörenden geinebnen ficheinandie'
unbefinde bo 4.
neben einander.
bei der erſten (Normal) Aufſtellung ſtehen ſie in der
Reihenfolge ihrer Nummern , welche ſie im Dienſtver .
bande Führen, vom rechten gegen den linken Flügel.
W ym Verlauf der Bewegungen werden die Züge
ohne Mückſicht,aufihre Nummern nach jener Reihenfolgens
welche ſie jeweilig einnehmen , benannt oder angerufen ,
Zu Seite 165 .
. infiniterie kompugnir 14 Scho

PF
MWM

16 Schr:

11 mii Jäger liompagnir


Jager tompagnie

Do
BB:
5 .. . bienie Kompagnie

11:5 . Pionnier Kompagnie

Hauptmann : Führer
Oberlieutenant Korporalo.Unterprüger
1 Lieutenant Hornist mit Gewehr
O Fellipebel oder Oberjäger [ ] Tambour u . Hornist
whone ftewehr u .Spriedoute
Die hon : Corumdtn : und Spielleute stehen ivir :
bei einer Infantt : Kompagnie .
: , f insi Der erſte
am rechten

Haut
Ober
Lieu
feld

ſtehen
Züge
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 165
Der erſte Zug iſt daher ſtets jener, welcher fich
am rechten Flügel der Kompagnie befindet.
Infanterie-Rompagnie.

Säger-Kompagnie.

Genie-Kompagnie.

Pionnier-Kompagnie .

Hauptmann . Führer .
Oberlieutenant. Korporal oder Unterjäger .
Lieutenant. Horniſt mit Gewehr.
Feldwebel oder Oberjäger. Tambour und Horniſt ohne
Gewehr (Spielleute).
Die Kompagnie -Kommandanten und Spielleute
· ſtehen wie bei einer Infanterie-Rompagnie.
Bei der Infanterie und den Jägern werden 3 421.
Züge von Offizieren, 1 Zug wird von einem Feldwebel
166 1. Hauptfück .24. Abſchaitr. 137
oder Oberjäger, bei den Genie- Truppen und Pionnieren
hingegen alle 4 Züge von Offizieren kommandirt.i ! !
In der Halb -Rompagnie übernimmt der im Range
höhere Zugs-Kommandant das Kommando. ' ; 7
Der zweite Feldwebel oder Oberjäger erhält ſeine
Eintheilung durch den Kompagnie-Kommandanten auf
Gliederdiſtanz hinter dem Flügel eines Zuges.
22. Die Eintheilung der Chargen iſt aus der Zeichnung
zu erſehen. Bei jenem Zuge, an welchem die Fahne
angeſchloſſen iſt, wechſelt der Zugs-Kommandant ſeine
Aufſtellung mit der Flügelcharge.
423. Die fehlenden Offiziere oder Chargen müſſen durch
geeignete Stellvertreter erſeßt werden und zwar : die
Zugs-Kommandanten beſtimmt der Kompagnie- ſtom
mandant, die anderen Stellvertreter werden durch die
Zugs-Kommandanten aus ihren Zügen gewählt ( 233).
424 . Bei der Infanterie hat ein mit dem Gewehre
ausgerüſteter Horniſt ſeine Aufſtellung in der Mitte
der Kompagnie, auf Gliederdiſtanz hinter der linken
Flügelrotte des zweiten Zuges, der zweite, ſo wie jene
der Jäger ſind in den Zügen angemeſſen zu vertheilen .
425 . Um eine Kompagnie zu formiren , werden die Züge
für ſich rangirt und abgetheilt,wonach fie neben einan
der zu ſchließen haben .
426 . Die Zugs- stommandanten melden dem Kompag.
nie-Kommandanten die Stärke ihrer Abtheilungen nach
der ausgerückten Kopfzahl und verfügen fich an ihre
Pläße, welches Teſtere auch die Spielleute zu beob.
Tchten haben . - ...11. 1.2 1 . m . ; iis :
427 . - Der Kompagnie -Kommandant überzeugt fich zu
nächſt von der Nichtigkeit der erhaltenen Meldungen ,
und;'wenn die Stärke der Züge ſo verſchieden iſt, daß
eine Ausgleichung unbedingt nothwendig erſcheint, fo
Ausbildung und Führung einer Hompagnie. 167

veranlaßt er dieſelbe unmittelbar zwiſchen den betreffen


den Zügen, damit das gewohnte Aufſtellungs-Verhält.
niß ſo wenig als möglich verändert werde.
Die von der Ausgleichung berührten Züge müſſen
dann durch ihren Kommandanten erneuert in Rotten .
paare und Schwärme abgetheilt werden .
Sollte der Stand einer Kompagnie im Kriege un : 428.
ter die Stärke von 6 Rotten für den Zug herabſinken ,
ſo iſt die Rompagnie in 2 Züge abzutheilen und die
Chargen durch den Kompagnie-Kommandanten entſpre.
chend zu vertheilen .
. Auch wird es bei Uebungen im Frieden zweck :
mäßig ſein , um die Kommandanten ſowohl als die
Chargen an die richtigen Raum - und Zeitverhältniſſe
zu gewöhnen , zur Erzielung breiterer Fronten die Mann.
ſchaft zeitweiſe in den Zügen in Einem Gliedezu formiren .
1. Es werden auch nur jene Bewegungen vorzuneha
men ſein , bei welchen es auf die genaue Beurtheilung
der Diſtanz und Zeit zur Entwicklung ankömmt. ,
Zur Uebung im Nalliren ertheilt der Rompagnie 429.
Kommandant das Kommando :
: - Auseinander !“:
worauf die Truppe fich auflöſt. . .
Der Kompagnie-Kommandant bezeichnet hierauf
den Zugs-Rommandanten die neue Aufſtellung und
Richtung der Front, dann läßt er das Signal :..... .
s's Allarm ! " . . . poste
blaſen . Die Zugs-Kominandanten verfügen ſich ſogleich 430.
in das ihnen angegebene Verhältniß und ſtellen ſich
vor der einzunehmenden Frontlinie auf. Die Chargen
und die Mannſchaft jedes Zuges fammeln ſich vor dem
Zugs-Kommandanten , wobei erſtere ihre Pläße früher
zu gewinnen trachten müſſen,u tojSobald die Kompag.
168 I. Hauptflück. - 4. Abſchnitt.);
nie fich auf dieſe Weiſe wieder in der geſchloſſenen
Ordnung geſammelt hat, treten die Zugs-Romman
danten, unter deren unmittelbarer Aufſicht die Kalli.
rung bewirkt wird, auf die ihnen zukommenden Pläße.
Die Züge haben bei der Rallirung einer Kompagnie
immer gegen die rechte Seite anzuſchließen . :
431. Die Kompagnie rallirt ſich unter allen Verhält
niſſen in der Normalſtellung in Linie; und um die Mann
ſchaft an das ſchnelle Auffinden ihrer Eintheilung zu
gewöhnen , muß dieſelbe bei jeder fich darbietenden
Gelegenheit in der Nallirung geübt werden .

$. 53.
Aufſtellungs- und Bewegungs-Behelfe.
432 Auf das Rommando des Rompagnie-Komman
danten :
„ Richtung rechts (links) Chargen - Marsch !"
haben die an den Flügeln der Halb-Kompagnien ſtehen
den Chargen gerade vorzurücken, bis das Kommando :
„Halt !" .
erfolgt.(245) Der Kompagnie-Kommandantüberzeugt ſich
von der ſenkrechten Vorrückung der Chargen , und ſtellt
die neue Frontlinie feſt. Die erforderlichen Verbeſſerun.
gen ſind durch Winke mit dem Säbel zu veranlaſſen ;
der Wink mit dem wagrecht gehaltenen Säbel betrifft
die Mitte der Kompagnie, und mit dem erhobenen den
entgegengeſeßten Flügel. 1. 11 . . is
Auf das Kommando :
; ,, Rechts (links) richt euch !" .
rücken die beiden Halb -Rompagnien mit den im Zugs.
unterrichte angegebenen Beobachtungen in die neue Front
linie ein (246). Gleichzeitig haben auch die hinter der
Aasbildung und Führungeiner Kompagnie. 169
Front eingetheilten Individuen in ihrem Verhältniſſe
ſo weit vorzurücken , daß ſie den vorgeſchriebenen Ab.
ſtand vom zweiten Gliede erhalten . Der Rompagnie
Kommandant überzeugt ſich ſodann , ohne auf das
ſcharfe Ausgleichen der einzelnen Rotten Zeit undMühe
zwecklos zu verſchwenden, von der richtigen Auffaſſung
der bezeichneten Linie und kommandirt:
Habt – Acht!“
worauf die Köpfe gerade gewendet werden .
Zur Nichtung in der innehabenden Aufſtellungs. 433.
linie kommandirt der Kompagnie Kommandant:
,,Richtung rechts (links), rückwärts — Marsch !"
worauf, mit Ausnahme der an den Flügeln der beiden
Halb -kompagnien befindlichen Chargen , die ganze Rom .
pagnie zurücktritt, bis das Kommando :
Halt !"
erfolgt. Die Bezeichnung der Frontlinie wird dann in
der bekannten Weiſe geregelt (247), hierauf mittelft des
Kommando 's :
Rechts (links) richt - euch ! "
das Einrücken der Kompagnie,und durch dasKommando:
: „Habt - Acht !“
die Wendung der Köpfe in die gerade Richtung veranlaßt.
Woo Zum Verkehren der Front ertheilt der Kompagnie. 434.
Kommandant, ohne Nückſicht auf die augenblickliche
Formation der Rompagnie, das Kommando :
: : „ Kompagnie verkehren !"
„ Rückwärts - Front!"
worauf die doppelte Wendung ausgeführt wird .
Die Herſtellung der Front wird durch das Aviſo : 435,
Kompagnie herstellen !" ! ? ;
vorbereitet und durch das Kommando : i
Vorwärts -- Front!" : 1 , 2
170 . 1. Hauptflück .. - 14 . Abſchnitt. !$ {}

angeordnet. Die Ausführung wird mittelft der doppela


ten Wendung in der beim Verkehren der Front ange.
deuteten Weiſe bewirkt."; 36 4 luni
436. Die hinter der Front eingetheilten Individuen
haben beim Verkehren und beim Herſtellen der Front
die doppelte Wendung immer einzeln in ihrem Aufſtel
lungs-Verhältniſſe zu vollziehen .
437, Das Rückwärtsſchreiten erfolgt auf das Kom
mando :
,,Rückwärts – Marsch !" per
und zum Einſtellen dieſer Bewegung:
„ Kompagnie – Halt !“
. . : Die Ausführungwird inder bekannten Weiſe bewirkt.
438. , ' Wenn die Front der in Linie entwickelten Kom
pagnie, mit dem erſten Gliede voraus, dahin verſekt
werden ſoll, wo ſich der Rücken befindet, ſo komman
dirt der Kompagnie Kommandant: . . .
Front und Flügelverändern ! - Rechts - um !“
worauf mit Ausnahme der am linken Flügel befind
lichen Charge die ganze Kompagnie die Wendung
vollzieht und auf das folgende Kommando : hips
Marsch !" ...
die angeordnete Veränderung in der Aufſtellung mit
itusfühtrt (S249pie).lleutenränneSE,r
den für einen einzelnen Zug feſtgefepten Beobachtungen
causführ
*** Die Spielleute haben an die in der Front vor
ihnen befindlichen Männer des zweiten Zuges anzu
ſchließen und zu dieſem Zwecke vor der Wendung nach
Bedarf vorzutrefen, beim Herſtellen aber wieder das
ihnen angewiefene Verhältniß anzunehmen. Der
Unter Spielleute ſind ein für alle Mal die Samboure
der Infanterie und die ohne Gewehr ausgerüfteten Hor
- - niften der Jäger und techniſchen Truppen zu verſtehen .
Ausbildung und Führung tiger Kompagnie. 171

. . . § . 54. .
FrontalsBewegungen .
Zur Ausführung des Frontmarſches ertheilt der 439.
Kompagnie Kommandant das Aviſo :
„Marschiren !" . .
worauf die am rechten Flügel befindliche Charge fich
ein Direktions-Objekt zu wählen hat.
Auf das Kommando :
„Kompagnie – Marsch !"
ſeßt ſich ſodann die ganze Kompagnie gleichzeitig in
Bewegung.
Der Marſch wird nach den bekannten Grundfäßen 440 .
durchgeführt (251), die Zugs - Kommandanten und
Chargen ſorgen für die Erhaltung des gleichmäßigen
Daktes, trachten jeder Drückung oder Trennung ſogleich
abzuhelfen und überwachen die Deckung und Einhaltung
der Gliederdiſtanz. . . . . .
Die Spielleute rücken der Rompagnie in ihrem 441.
Aufſtellungs-Verhältniffe nach . Bei der Jnfanterie
haben die Tamboure mit Zwiſchenpauſen von ungefähr
20 Marſchtakten den Marſch einmal durchzuſchlagen,
bei den übrigen Truppen-Gattungen die Korniſten mit
denſelben Beobachtungen zu blaſen und dadurch das Ein:
halten des vorgeſchriebenen Marſchtaktes zu erleichtern .
ZurHaltung während des Frontmarſches komman: 442.
dirt der Kompagnie-Rommandant: ? . . . ?
Haltung – rechts ( links!) I ndien
und die ganze Rompagnie nimmt ſogleich die ents
ſprechende Marfchrichtung an ; auf das Kommando: 2
Grad 1 aus ! " :D : D hili ; il
wird derMarſchwieder in fenkrechter Richtung fortgeſeßt.
;*.. Die Ziehung wird durch das Kommando : 101 443.
172 1. Hauptftück. – 4. Abſajnitt. :
: Ziehung ! rechts (links) , _ Halb - rechts
(links !) "
veranlaßt und durch das Kommando :
Links (rechts ) --- Front! "
wieder eingeſtellt. Die Ausführung iſt von der ganzen
Kompagnie nach den für einen einzelnen Zug feſtge
Teßten BeſtimmungenKommhzueibewirken
wäeinhr(e252).
DenntdiederRompagnie
144 . '. Wenn lunauf
g thwarm (Hinderniß
einzelnes Zug). ?*
ſtößt, ſo hat der Kommandant des im Marſche behin.
derten Zuges ſeine Abtheilung während der Berpegung
mittelft des Kommando's : „ N . Schwarm (Zug) -
Doppelreihen rechts (links), rechts links - um !“
zur Wendung zu befehligen , und dann hinter dem Flü .
gel des nebenſtehenden Schwarms (Zuges ) anſchließen
zu laſſen , zu welchem Zwecke die Tête der in Doppel.
reihen formirten Abtheilung nach der Wendung ſogleich
zu ſchwenken hat.
Dieſes Kommando hat nöthigenfalls auch durch
die dem Hinderniſſe nächſte Charge des erſten Gliedes
zu erfolgen.

Die Seite, gegen welche das Abfallen ſtattfinden


foll, hat der Zug8-Kommandant nach eigenem Ermeſſen
zu beſtimmen . Nach Hinterlegung des Hemmniſſes wird
Ausbildung und Führung einer kompagnie. 173
der Aufmarſch des Zuges durch das Rommando : „ Vor
wärts aufmarschiren ! – Halb – links (rechts !) "
angeordnet und im Lauftritte ausgeführt, ohne jedoch
hierbei die Gewehre in die Balance zu nehmen .
Zur Schwenkung von der Stelle kommandirt der 445 .
Rompagnie-Kommandant:
Rechts (Links) schwenken - Marsch ! "
und wenn der ſchwenkende Flügel fich der beabſichtigten
neuen Frontrichtung bis auf einen Schritt genähert hat,
„ Halt !“
oder um ſogleich eine Vorrückung in dieſer Direktion
anzuordnen :
i „Grad - aus !"
worauf der Vollzug nach den bekannten Grundſäßen
zu erfolgen hat (253).
Zur Schwenkung während des Marſches kom - 446.
mandirt der Kompagnie-Kommandant: „ Rechts (links)
- Schwenkt!" ,Grad - aus! “ oder aviſirt:
Rechts (links) - - schwenken !"
worauf die Charge am Pivot die Schwenkung kom .
mandirt und ſogleich beginnt, dann auf ihr Kommando :
Grad — aus !"
die Bewegung in gerader Nichtung fortſeft (254).
Die Ausführung der Schwenkung wird von der
ganzen Kompagnie mit dem im Zugsunterrichte ange.
deuteten Beobachtungen (253), jedoch von der Pivot.
Charge auf einem Bogen bewirkt,welcher dem Halbmeſſer
von ungefähr 4 Schritten entſpricht. Die im erſten Gliede
befindlichen Chargen müſſen hierbei hauptſächlich für das
richtige Benehmen ihrer Abtheilungen Sorge tragen .
Der Frontmarſch mit verkehrter Front wird 447.
mit denſelben Beobachtungen ausgeführt. - Dieſelbe
Flügel-Charge des erſten Zuges hat auch in dieſem
Falle das Direktions-Objekt zu wählen, dasſelbe der
174 : 1. Hauptflück . - 4. Abfdjritt. ;
vor ihr befindlichen Charge zu bezeichnen und dieſe bei
der Leitung des Marſches zu überwachen . Alle hinter
dem zweiten Gliede eingetheilten Individuen marſchiren
in dem für ihre Aufſtellung bemeſſenen Abftande vor
der Front. Die Berichtigung der Frontlinie iſt ebenſo
wie das Anſchließen bei einer fich ergebenden Trennung
gegen die linke Seite, ſomit gegen den rechten Flügel
der Rompagnie zu bewirken .
448. Wenn die Fahne mit der Kompagnie ausgerückt
ift, ſo hat der Fahnenführer an die links von ihm
ſtehende Charge angeſchloſſen zu verbleiben .
449. Die Beſchleunigung der Bewegung wird nach
den bekannten Grundſägen durchgeführt (179.)
S. 55.
. Formirung, Bewegung und Entwidlung der
Kolonne.
450. Die durch die Brechung der Front entftehende
Formation heißt: Rolonne, und wird mit Reihen,
Doppelreihen oder Abtheilungen gebildet.
1. Formirung der Kolonne.
451. Die Formirung in Reihen erfolgt auf das
Kommando :
.. Reihen rechts ( links), rechts (links) — um !"
wie bei einem einzelnen Zuge (S. 32). Die hinter dem
zweiten Gliede ſtehenden Individuen haben ſich an die
vor ihnen befindliche Reihe anzuſchließen .
Die Spielleute haben an die in der Front vor
ihnen ſtehenden Reihen des zweiten Zuges zu ſchließen
und zu dieſem Zwecke vor der Wendung anzurücken .
452 . Zur Formirung in Doppelreihen wird
kommandirt :
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 175
-„ Doppelreihen rechts (links), rechts (links) um !"
ig
Die Ausführung erfolgt in der bekannten Weiſe. Die
ՉBen " su bibԵՏhn ։
zwiſchen den Zügen befindlichen Chargen haben eigene
Doppelreihen zu bilden . .
Wenn die Front verkehrt iſt, wird die Formirung 453.
der Reihen und Doppelreihen mit denſelben Beob .
achtungen bewirkt.
Der Fahnenführer hat ſich nach der Formirung der 454 .
Kompagnie in Reihen oder Doppelreihen zwei Schritte
vor die an der Tête befindliche Charge aufzuſtellen .
Die Reihen werden bei einer Kompagnie nur zum Marſche auf
ſchmalen Wegen , die Doppelreihen auch bei der Ausführung
taktiſcher Bewegungen in Anwendung gebracht.
Unter*- Kompagnie-Kolonne wird ein für 455.
alle Mal eine in Züge gebrochene und auf 6 Schritte
Diſtanz, vom erſten Gliede der vordern bis zuin erſten
Glieder der nächſtfolgenden Abtheilung, geſchloſſene
Kompagnie verſtanden .
. .. Im Verlaufe der Bewegungen werden die Züge 456.
nach ihrer jeweiligen Reihenfolge benannt oder ange.
rufen , daher der erſte Zug ſtets jener iſt,welcher ſich an
der Tête der Kolonne befindet.
Zur Formirung der Kompagnie. tolonne 457.
in der Frontlinie erfolgt das Kommando :
Kompagnie -Kolonne !“
s***: „ Doppelreihen rechts (links),rechts (links) um !“
176 1. Hauptflück . – 4. Abſchnitt .
Der erſte oder vierte Zug, welcher die Tête der
Kolonne zu bilden hat, bleibt ſtehen und die am rechten
Flügel derſelben eingetheilte Charge wählt fich in
ſenkrechter Nichtung auf die Front ein Direktions-Objekt ,
die anderen 3 Züge vollziehen die Wendungmit Dop.
pelreihen, aufdas folgende Kommando :
Marsch !"
bleibt der die Tête der Kompagnie -Rolonne bildende
Flügelzug ſtehen , die 3 anderen Züge treten die
Seitenbewegung in Doppelreihen an und brechen zu
dieſem Zwecke nach rückwärts aus der Front, um durch
eine entſprechende Marſchrichtung ihrer Têten mit dem
Eintreffen hinter dem ſtehenden Flügelzuge 6 Schritte
Diſtanz, vom erſten Gliede der vorderen Abtheilung
bis zum erſten Gliede der nachfolgenden , zu erreichen .
Jeder dieſer Züge wird nach Erreichung des ihm nach
der Reihenfolge der Aufſtellung zukommenden Verhält .
niſſes von ſeinem Kommandanten zum Einſtellen der
Bewegung und zur Herſtellung der Front befehligt.
Die hinter dem zweiten Gliede eingetheilten Spiel
leute verbleiben in ihrem Verhältniſſe.
458. Wenn mit der Formirung der Rolonne eine Vor.
rückung verbunden werden ſoll, ſo wird kommandirt:
Kompagnie - Kolonne – rechts (links) vor
wärts !"
„ Doppelreihen rechts (links), rechts (links) –
um !"
worauf die Wendung nach Nr. 457 vollzogen wird.
Auf das folgende kommando :
„Marsch !"
rückt der Flügelzug , welcher die Tête zu bilden hat,
gerade vor, bis der Rompagnie -Kommandant mittelſt
des Kommandos :
„ Erste Abtheilung – Halt !“
Ausbildung und Führnig einer Kompagnie. 177
ſeine Bewegung einſtellt. Die übrigen Züge
treten aus, marſchiren in der Richtung der
früheren Frontlinie fort und, ſobald eine jede
Abtheilung hinter die Tête gerückt iſt, wird
fie von ihrem Kommandanten zur Herſtel
lung der Front ind, wenn die erſte Abthei
lung ihre Bewegung eingeſtellt hat, nach
Erreichung der Diſtanz von 6 Schritten
gleichfalls zum
Halten befeh
ligt. Die hinter
dem zweiten Gliede eingetheilten Individuen verbleiben
in ihrem Verhältniſſe. Die Spielleute,welche in die
Mitte der Kolonne gelangen müſſen, haben mit der
Wendung hinter die Mitte der betreffenden Abtheilung
und mit dieſer dann in die Kolonne zu rücken und ihr
Aufſtellungsverhältniß zu berichtigen
Zur Formirung der Kompagnie -Kolonne zum 459,
Abrücken in der Verlängerung der Front kommandirt
der Kompagnie-Kommandant:
Kompagnie -Kolonne rechts (links), Halb
(rechts! (links !) "
die auf der Seite der Wendung im erſten Gliede befind
liche Flügelcharge jedes Zuges vollführt hierauf die
ganze, ihre Abtheilung aber die halbe Wendung nach
der bezeichneten Seite

Auf das folgende Kommando :


„Marsch !
Tilst - 12
178 1. Hauptſtück . – 4. Abſchnitt .

bleiben die genannten Flügelchargen ſtehen und bilden


die Stüßpunkte ihrer Abtheilungen, welche mit den für
die Entwicklung aus Reihen nach vorwärts angegebenen
Beobachtungen in Züge aufmarſchiren (276 ).
Während des Aufmarſches wird aviſit:
„ (Schliessen !)"
und ſobald die leßten Reihen denſelben bewirkt haben ,
erfolgt das Kommando:
„Marsch !"
Der an der Tête befindliche Zug bleibthiebei ſtehen ,
die 3 anderen Züge rücken ſo lange gerade vor, bis
jeder derſelben nach Erreichung der Diſtanz von 6
Schritten durch ſeinen Kommandanten zum Halten befeh .
ligt wird .
Die Spielleute rücken mit der halben Wendung
hinter die Abtheilung , welcher fie in der Rolonne zu
folgen haben , und marſchiren dann gleichzeitig mit der
Truppe in ihr Verhältniß auf.
460. Der Uebergang aus Reihen oder Doppelreihen
in die Krompagnie -Kolonne nach vorwärts wird in der
Regel nur von der Stelle ausgeführt. Der Rompagnie.
Kommandant kommandirt:
„Kompagnie -Kolonne rechts (links) – vor
wärts !"
dann mit Nückſicht, ob der Aufmarſch auf das erſte oder
zweite Glied bewirkt werden ſoll:
„ Halb – links (rechts !) “
oder
„ Halb – rechts ! (links !)"
worauf die ganze Kompagnie , mit Ausnahme jener
Chargen , welche ihren Abtheilungen als Stüßpunkte zu
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 179
dienen haben , dieſe Wendung vollführt. Auf das
weitere Kommando :
n .. ,Marsch !"
wird in Züge aufmarſchirt und nach Nr. 459 auf das
Kommando :
Schliessen – Marsch !"
die Diſtanz berichtigt.
. * Wenn der Uebergang aus Reihen oder Doppel. 461.
reihen in die Rolonne beim Hervorbrechen der Tête
aus einem Engwege bewirktwerden ſoll, ſo iſt die Aus
führung nicht von allen Abtheilungen gleichzeitig ,
ſondern von jeder derſelben erſt in dem Augenblicke zu
beginnen , in welchen ſie durch die Fortſegung des
Marſches den zu ihrer Entwicklung erforderlichen Raum
gewinnt. Der Kompagnie-Kommandant hat in einem
ſolchen Falle das Kommando nur für die Tête zu er
theilen und, uin den Ausgang des Engweges ſobald
als möglich frei zu machen , die erſte Abtheilung im
vollen Schritte fortmarſchiren und erſt in einer mit
Rückſicht auf die örtlichen Verhältniſſe zu bemeſſenden
Entfernung zur Berichtigung der Diſtanzen halten
zu laſſen .
Endlich kann die in Keihen oder Doppelreihen 462.
formirte Kompagnie auch gegen eine Flanke in die
Kompagnie-Kolonne übergehen .
Der Kompagnie-Kommandant ertheilt zu dieſem
Zwecke das Kommando :
Kompagnie -Kolonne links (rechts !) "
von der Stelle folgt noch :
Marsch !"
Bei Reihen wird die an der Tête befindliche Ab
theilung von ihrem Rommandanten ſogleich zur Her
ſtellung der Front, dann zum Vorrücken befehligt. Die
12 *
180 1. Hauptſtück . – 4. Abſchnitt.

Bewegung dieſer Abtheilung wird mit der bekannten


Nückſicht vom Kompagnie-Kommandanten eingeſtellt.
Die übrigen Züge rücken in Reihen an den von der
Tête verlaſſenen Plaß , herſtellen ſich und rücken auf
Anordnung, der Abtheilungs - Kommandanten in ihr
Verhältniß nach .
Bei Doppelreihen herſtellt der Kommandant der
Tête-Abtheilung die Front und marſchirt fort, bis der
Kompagnie-Kommandant die Bewegung nach eigenem
Ermeſſen einſtellt, die übrigen Züge rücken mit Anwen
dung der bekannten Beſtimmungen in die Kompagnie
Kolonne (458).
Die Spielleute haben ſich beim Uebergange aus
Neihen oder Doppelreihen in die Kolonne in das ihnen
angewieſene Verhältniß zu begeben .
463. . Wenn die Front verkehrt iſt, wird die Formirung
Der Kompagnie-Kolonne in derſelben Weiſe angeordnet
und mit den gleichen Beobachtungen auf das zweite
Glied bewirkt. Die hinter dem zweiten Gliede einge
theilten Individuen haben in ihrem Verhältniſſe, alſo
vor der Front zu verbleiben .
Die Spielleute haben bei der Brechung der Front
vor die Mitte jener Abtheilung zu rücken , welche ihnen
in der Kompagnie-Kolonne zu folgen hat, und
marſchiren dann gleichzeitig mit derſelben in das ihnen
angewieſene Verhältniſ .
464. Die Fahne hat in der Kompagnie- Kolonne immer
an die von ihr links ſtehende Charge geſchloſſen zu
bleiben ; bei Neihen oder Doppelreihen kommt der
Fahnenführer zwiſchen die 2 Flügelchargen zu ſtehen .
465 . Die Mannſchaft iſt auch zu üben , alle Forma:
tionen mit Beſchleunigung oder im Lauftritt auszu.
führen ( 179).
Ausbildung und Führung einer Kompagnie.

II. Bewegung der Kolonne.


Der Marſch in der Rolonne erfordert eine fort- 466 .
währende , zweckmäßig geleitete Uebung, damit die
Truppe fich an die Einhaltung einer gleichmäßigen und
ausgiebigen Bewegung gewöhnt.
Lange Märſche, welche abwechſelnd auf einem ebenen und
freien , wie auch auf einem unebenen , von Hinderniſſen durch
ſchnittenen Boden auszuführen ſind, werden dem Kompagnie
Kommandanten hierzu die Gelegenheit bieten ; er darf jedoch bei
ſolchen llebungen in Bezug auf die Haltung der Mannſchaft,
Richtung der Abtheilungen u. dgl. nicht mehr verlangen , als er
bei der Verwendung in ernſten Gelegenheiten von ſeiner Truppe
fordern kann und muß .
Bei der Rolonne hat die an der Tète oder am 467.
rechten Flügel der Tête - Abtheilung befindliche
Charge den Marſch der ganzen Kompagnie zu leiten
und in gerader Linie auf das ſelbſt gewählte oder vom
Kompagnie-Kommandanten beſtimmte Direktions-Objekt
zu marſchiren . Die übrigen an der äußern Reihe des
erſten Gliedes oder an der rechten Seite der Abthei
lungs-Kolonne befindlichen Chargen müſſen fortwährend
auf einander gedeckt bleiben und vorzugsweiſe für die
Beobachtung der vorgeſchriebenen Diſtanzen ſorgen,
ohne ſich dadurch zu einer ſchwankenden , unſicheren
Bewegung verleiten zu laſſen .
Für die richtige Führung der einzelnen Abtheilun - 468.
gen bleiben die Kommandanten derſelben verantwort
lich, welche daher unter Mitwirkung der eingetheilten
Chargen ihre Züge geordnet und geſchloſſen zu erhal
ten, jeden Fehler nach Thunlichkeit vorzubeugen oder
doch wenigſtens ſogleich abzuhelfen , jedenfalls aber
ſeine Fortpflanzung zu verhindern haben . 469.
Die Kommando für den Antritt und das
Einſtellen , die Beſchleunigung oder Mäßigung des
182 1. Hauptſtück. – 4. Abfdhnitt.
Marſches und für die Ziehung der Kolonne
find in der für die Frontal-Bewegungen angegebenen
Weiſe zu ertheilen . ( . 54.)
470. Um die Richtung des Marſches mittelſt einer
Schwenkung zu verändern , erfolgtbei jeder Kolonne,
welche nicht auf die Entwicklungs-Diſtanz geöffnet iſt,
durch den Kompagnie-Kommandanten das Kommando :
„ Rechts (links) — schwenkt!“
worauf die Tête-Abtheilung die Schwenkung ſogleich
beginnt. Jede der nachfolgenden Abtheilungen mar
ſchirt im vollen Schritte fort, bis ihr Pivot ſich dem
Schwenkungspunkte hinlänglich genähert hat, und voll.
führt die Schwenkung ohne weiteres Kommando mit
den bekannten Beobachtungen für ſich. Die Abtheilun
gen rücken ohne Rückſicht auf die Diſtanz aneinander,
wodurch ſie mit ihren Pivots auf dem Schwenkungs.
punkte zuſammentreffen müſſen , während die ſchwen
kenden Flügel ſich auf ihrem Bogen im vollen Schritte
fortzubewegen und nach Thunlichkeit ihre Diſtanz zu
beobachten haben .
Bei Reihen , Doppelreihen oder auf Entwick.
lungs- Diſtanz geöffneter Kolonne aviſirt der Rom
pagnie-Kommandant:
: „Rechts (links) schwenken !"
worauf die Reihen und Doppelreihen ſich auf die
bekannte Art benehmen (267) ; bei der Abtheilungs
Kolonne kommandiren die Chargen am Pivot die
Schwenkung, ſobald ſie am Schwenkungspunkte'anger
langt ſind.
471. Nach demſelben Grundſake kommandirt der Kom
pagnie-Kommandant für die Tête-Abtheilung : .
„ Grad - aus!"
worauf der Marſch in der erlangten Richtung fortge
ſeßt wird , und die führende Charge fich ſogleich ein
Ausbildung und Führung einer Aoinpagnie. 183

Direktions-Objekt zu wählen hat. Oder der Kompagnie.


Kommandant aviſirt:
Grad aus !"
worauf auf das: „Grad — aus !" der Pivot-Charge
der erſten Abtheilung dasſelbe erfolgt.
Nach dem Eintreffen in der neuen Marſchrichtung
hat jede Abtheilung den Marſch in gerader Richtung
fortzuſeßen , wozu ſie bei geöffneter Abtheilungs
Kolonne durch ihre Pivot-Charge befehligt wird, dann
iſt nach Bedarf die Deckung und Diſtanz zu
berichtigen.
Sol die Kompagnie - Kolonne in die entgegen. 472 .
geſeßte Richtung marſchiren , ſo läßt der Rompagnie
Verkehrterbeabſichtigt,
Rommandant,
nzuach nehmen Fwenn
rog beerrkehauf agnie mmittelſt
ren dieWäpHerſtellung
die .Kompagnie ittRückſicht
elit oderch
doppelten Wendung verkehren . Während des Marſches
mit verkehrter Front ſind die einzelnen Abtheilungen
nach den bekannten Beſtimmungen von den Chargen
des zweiten Gliedes zu führen welche hierbei von den
hinter ihnen befindlichen Chargen des erſten Gliedes,
ſomit von jenem , welche im Vormarſche die Bewegung
gu leiten haben , überwacht werden müſſen .
Die Herſtellung der Kompagnie-Kolonne auf das 473.
erfte Glied wird wieder durch die doppelte Wendung
bewirkt.
Wenn die Kompagnie-Kolonne mit dem erſten 474.
Gliede voraus in die entgegengeſepte Marſchrichtung
überzugehen hat, kommandirt der Kompagnie-Kom
mandant :
„ Front und Flügel verändern!" '
„ Rechts -- um ! — Marsch ! “
Die Ausführung iſt in jeder Abtheilung mit den
bekannten Beobachtungen zu bewirken (249). Die Spiel.
184 1. Hauptftück . -- 1. Abidnitt.

leute haben auf der Stelle die doppelte Wendung zu


machen .
475 . Um die Rompagnie-Rolonne ſeitwärts zu bewe
gen, kommandirt der Kompagnie-Kommandant :
Doppelreihen rechts (links), rechts (links )
- - um ! “
worauf jede Abtheilung ſich in ihrem Verhältniſſe mit.
telft der angeordneten Wendung in Doppelreihen for,
mirt. Die führende Charge der Tête-Abtheilung wählt
fich in der Verlängerung der verlaſſenen Frontlinie ein
Direktions-Objekt und marſcirt dann gerade auf das
ſelbe zu , während die führenden Chargen der übrigen
Abtheilungen für die Erhaltung der Richtung und der
Diſtanzen zu ſorgen haben .
476 . Zur Schwenkung während einer ſolchen Seiten
bewegung kommandirt der Kompagnie-Rommandant:
„Rechts (links) — schwenkt!“
oder von der Stelle :
„ Rechts (links) schwenken ! – Marsch !"

worauf die Teten aller Züge die Schwenkung gleich .


zeitig beginnen und in Bezug auf die Ausführung
derſelben die für die Schwenkung einer geſchloſſenen
Abtheilung feſtgeſekten Beſtimmungen berückſichtigen ,
überdieß aber auch die ihnen zukommenden Diſtanzen
einzuhalten ſuchen . Die Charge am Pivot hat ſich hier:
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 185
bei auf einem Kreisbogen zu bewegen , welcher dem
Halbmeſſer von 4 Schritten entſpricht, ſomit jenem bei
der Schwenkung mit der Front einer Kompagnie gleich
kommt. Wenn die Têten die beabſichtigte Marſchrichtung
erreicht haben, ſeßen dieſelben auf das Kommando:
Grad — aus ! "
den Marſch in gerader Richtung fort und mäßigen hier.
bei in einer der Abtheilungsbreite entſprechenden
Strecke den Schritt, ohne denſelben jedoch bis auf die
halbe Länge zu verkürzen.
Von den hinter den Têten folgenden Doppel
reihen hat bei der Abtheilung am Pivot jede bis an
den Schwenkungspunkt im vollen Schritte gerade fort
zu marſchiren und die Schwenkung in Uebereinſtimmung
mit den betreffenden Doppelreihen der übrigen Züge,
welche ihren Chargen nachrücken müſſen , in derſelben
Weiſe auszuführen , wie ſie von den vorausmarſchiren .
den Chargen vollzogen wurde. Die Bewegung der
Têten muß nach der Schwenkung unter allen Verhält:
niſſen wenigſtens noch ſo lange fortgeſeßt werden , bis
auch die leßten Doppelreihen in die neue Marſchrich
tung gelangt ſind.
Die Ziehung wird während des Seitenmarſches 477.
der Kompagnie-Rolonne nach den bekannten Beſtim
mungen angeordnet und ausgeführt (252).
Die Herſtellung der Kompagnie -Rolonne zum 478 .
Marſche vor- oder rückwärts erfolgtaufdas Kommando :
Links (Rechts) – Front !"
mittelſt der entſprechenden Wendung.
Das Deffnen oder Vergrößern der Di. 479.
ſtanzen erfolgt auf das Kommando :
„ Oeffnen !"
wenn die der Breite der Abtheilungen entſprechende
186 I. Hauptfäck , - 4 . Abſchnitt,

Diſtanz, oder :
Auf N . Schritte öffnen !"
wenn eine andere beliebig bemeſſene Diſtanz angenommen
werden ſoll. Die Ausführung beginnt von der Stelle
auf das Kommando :
„Erste Abtheilung — Marsch !"
worauf die an der Tête befindliche Abtheilung austritt,
jede der folgenden aber nach Erlangung der anzu
nehmenden Diſtanzvon ihrem Kommandanten zum Nach .
rücken befehligt wird .
Währenddes Marſchesverkürzen aufdas, Deffnen “
alle Abtheilungen mit Ausnahme der erſten , den Schritt,
bis ſie nach erreichter Diſtanz von ihrem Kommandanten
zum Austritt im vollen Schritt befehligt werden .
480. Das Schließen zur Verminderung der
Diſtanzen erfolgt auf das Kommando :
„ Schliessen !"
wenn auf die Normal- Diſtanzen von 6 Schritten, oder
„ Auf N . Schritte schliessen !"
wenn auf eine beliebige Diſtanz geſchloſſen werden ſoll.
Wenn die Ausführung mit dem Einſtellen des
Marſches bewirkt werden ſoll , ſo hat auf das folgende
Rommando :
„Erste Abtheilung – Halt !"
die Tête-Abtheilung ſogleich , jede der folgenden Abthei
lungen aber erſt auf die Anordnung ihres Romman
danten ſtehen zu bleiben ; iſt die bezeichnete Veränderung
der Diſtanzen aber auf der Stelle zu bewirken , ſo
bleibt auf das Kommando:
Marsch !"
die Tête - Abtheilung ſtehen , und die übrigen Abthei
lungen rücken mit den bekannten Beobachtungen gegen
dieſelbe an . . his siste
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 187
Soll die Bewegung fortgeſeßtwerden , ſo verkürzt
die erſte Abtheilung den Schritt auf das „ Schließen “
ſogleich , jede folgende aber erſt nach erreichter Diſtanz
auf das Kommando des Abtheilungs-Kommandanten .
Das Ausſchreiten im vollen Schritt wird vom Kompagnie.
Kommandanten kommandirt.
Um die Breite der Kolonne zu ver: 481.
größern wird bei Reihen kommandirt :
„ Doppelreihen marschirt – auf!"
die Ausführungerfolgt wie bei einem einzelnen Zug. (271)
Bei Keihen und Doppelreihen :
„ Züge (Halb -Kompagnie ) rechts (links) vor
wärts aufmarschiren .“
Halb rechts (links) „Marsch !"
je nach der beabſichtigten Richtung und dem Gliede,
welches voraus ſein ſoll, wird die anbefohlene Wendung
vollzogen und der Aufmarſch durch die Ziehung bewirkt.
Aus der Kompagnie-Kolonne nach Einſtellung der 482.
Bewegung .
„ Halb -Kompagnie rechts (links) vorwärts auf
marschiren !"
„Doppelreihen rechts (links), rechts (links)
- um ! Marsch !
der erſte und dritte Zug bleiben ſtehen , der zweite und
vierte vollführen die anbefohlene Wendung, rücken um
ihre Breite ſeitwärts und werden von ihren Komman .
danten zum Herſtellen der Front, und nach dem Ein
treffen neben dem ſtehenden Zug zum Halten befehligt.
Bei einer auf Abtheilungs · Breite geöffneten Kos
lonne erfolgt der Aufmarſch analog , jedoch mittelſt der
nzuneDer
aZiehung.
gnie.R ome 3Zweck
taktiſche mon der Bewegung wird den
Kompagnie-Rommandanten beſtimmen , welche Diſtanz
anzunehmen iſt.
188 1. Hauptſtück . – 4. Abſchnitt.

483. Um die Breite der Rolonne zu ver.


ringern, wird bei Halb-Kompagnien kommandirt:
„ Züge rechts (links) abfallen !“
,,Doppelreihen rechts (links), rechts (links) -
um ! Marsch ! “
Bei der Wendung rechts , bleiben die rechtsſtehenden ,
bei jener links die linksſtehenden Züge jeder Şalb
Rompagnie ſtehen, die andern vollführen die Wendung
und die Formation der Kolonne auf die bekannte Art
(457). Wird keine Diſtanz bezeichnet, ſo rückt der zweite
Zug in die Mitte des leeren Raumes , der vierte auf die
ſelbe Entfernung hinter dem dritten ..
Der Rompagnie - Kommandant hat die Regelung
der Diſtanzen durch das „ Schließen “ ſogleich , durch
das „ Deffnen “ bei Beginn der nächſten Bewegung zu
bewirken , nur ausnahmsweiſe kann lepteres auch durch
den Rückwärts- Tritt durchgeführt werden .
484. Der Uebergang in Doppelreihen oder Neihen aus
Halb - Kompagnien oder Zügen erfolgt auf das Kom
mando :
,,Doppelreihen (Reihen )rechts (links)abfallen !"
„Rechts (links) – um !"
Der Kompagnie-Kommandant bezeichnet der Ab
theilung , welche die Tête zu bilden hat, die Marſch).
richtung, und kommandirt von der Stelle noch :
„Erste (letzte) Abtheilung – Marsch ! "
worauf das Abrücken von der Tête oder Queue beginnt.
Das Anſchließen der übrigen Abtheilungen erfolgt nach
Maßgabe des vorhandenen Naumes entweder gleich
im vollen Schritte, oder derſelbe wird bis zuin Anlan
gen der Queue der vormarſchirenden Abtheilung verkürzt.
485. Das Abfallen aus Doppelreihen in Reihen erfolgt
wie bei einem einzelnen Zug. (270.)
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 189
Wenn die Rompagnie-Kolonne verkehrt iſt, werden 486 .
die angedeuteten Veränderungen in den Diſtanzen und
in der Breite der Abtheilungen durch dieſelben Rom .
mando veranlaßt und auf das zweite Glied in Vollzug
geſept.
Die Spielleute haben bei den Bewegungen der 487 .
Kolonne immer in dem ihnen angewieſenen Verhältniſſe
zu verbleiben oder dasſelbe entſprechend zu berichtigen.
Während eines Marſches von längerer Dauer iſt mit
angemeſſenen Zwiſchenpauſen das Spiel zu ſchlagen
oder zu blaſen und der Truppe dadurch das Einhalten
eines gleichmäßigen Taktes zu erleichtern .
III. Entwicklung der Kolonne.
Die Entwicklung kann nach vorwärts oder in 488.
eine der beiden Flanken erfolgen ( 276 ), und iſt in
der Regel von der Stelle auszuführen .
Zum Aufmarſch vorwärts aus Reihen, 489 .
Doppelreihen oder auf Abteilungs-Diſtanz geöffneten
Kolonnen aviſirt der Kompagnie-Kommandant:
„Rechts (links) Vorwärts aufmarschiren !“
dann nach der Nichtung, in welcher ſich die Kolonne
entwickeln ſoll:
„ Halb – rechts (links) !“ „Marsch !“
und wird nach den für einen Zug feſtgeſeßten Beſtim
mungen ausgeführt.
Zur Entwicklung der Kompagnie-fo: 490,
lonnenach rechts (links), vorwärts erfolgt das
Kommando :
„ Vorwärts aufmarschiren !"
„ Doppelreihen rechts (links), rechts (links)
- um ! “ „Marsch !"
190 . 1.Hauptfäck - 4. Abſchnitt.

Die Ausführung wird bewirkt, indem mit Ausnahmeder


Tête die aufmarſchirenden Abtheilungen die Wendung
vollziehen , mit Rückſicht auf ihr Aufſtellungs-Verhält.
niß die erforderliche Strecke ſeitwärts rücken , auf das
Kommando ihrer Kommandanten die Front herſtellen
und in der Linie der ſtehengebliebenen Tête-Abtheilung
halten . Zum Einführen in eine neue Aufſtellung iſt die
Abtheilung ſo zu leiten , daß ſie vor dem Eintreffen an
dem ihr zukommenden Punkte, noch einige Schritte
in ſenkrechter Nichtung zurücklegt; um das Aufſuchen
der neuen Frontlinie zu erleichtern , hat der Komman .
dant vor dem Anlangen ſeiner Abtheilung vorzueilen
und ſich ſo aufzuſtellen , daß die Truppe zwiſchen ihm
und dem Richtungspunkte einrücken muß.
491. Um den Aufmarſch aus Reihen oder Doppelreihen
gegen eine Flanke zu bewirken , kommandirt der
Kompagnie-Kommandant:
Links (rechts) - Front!"
zur Herſtellung auf das zweite Glied aber:
Rechts (links) – Front !“
Die Chargen vollführen beim Herſtellen der Front aus
Doppelreihen die Wendung immer ſo, daß ſie bei ihren
Zügen verbleiben .
492. Bei der Abtheilungs-Kolonne iſt die Entwicklung
in eine Flanke entweder durch eine Schwenkung
oder das Deffnen vorzubereiten .
Ausbildung und Führung einer Kompaguie . 191

Im erſten Falle gelangt die Front durch den Auf:


marſch auf die Tête in die beabſichtigte Linie. Im zwei.
ten Falle wird nach erfolgtem Deffnen , je nachdem die
Kolonne in die linke oder rechte Flanke entwickelt wer :
den ſoll, kommandirt :
„ Links (Rechts) aufmarschiren !“
Halb – links (rechts) ! – Marsch !"

Die an der Seite des Aufmarſches im erſten Gliede


befindlichen Flügel-Chargen aller Abtheilungen vollfüh.
ren hierauf die ganze, die Abtheilungen ſelbſt aber die
angeordnete halbe Wendung und dann die Entwicklung
mit Anwendung der bekannten Grundſäße (276). Wenn
die Chargen , welche den Abtheilungen als Stüßpunkte zu
dienen haben , nach der Wendung wahrnehmen , daß in
Bezug auf die Richtung oder die Diſtanzen eine Ver.
beſſerung ihrer Aufſtellung nothwendig iſt, ſo haben ſie
dieſelbe ſogleich auszuführen und dadurch einernachträg.
lichen Aenderung vorzubeugen .
Wenn die Kolonne verkehrt iſt, ſo kann die Ent: 493.
wicklung nach dem Ermeſſen des Rompagnie-Komman
danten mit den angedeuteten Beobachtungen auch auf
das zweite Glied bewirkt und die Herſtellung der Front
nach Beendigung des Aufmarſches veranlaßt werden .
Die Spielleute haben bei jeder Entwicklung in das 494 .
ihnen 9 angewieſene Aufſtellungs-Verhältniß zu rücken .
Auf das ſcharfe Ausgleichen der Front nach einem 495 .
Aufmarſche iſt keine Zeit zu verſchwenden , dagegen aber
die richtige Auffaſſung der Hauptpunkte, ſowie die genaue
Beurtheilung des erforderlichen Raumes von den Ab :
theilungs-Kommandanten mit aller Strenge zu fordern ,
· 192 1. Hauptſtück . – 4. Abſchnitt .
496 . Alle Entwicklungen ſind auch mit Beſchleunigung
oder im Lauftritt zu üben .
S. 56 .
Feuergefecht in geſchloſſener Ordnung.
497. In der Kompagnie werden ſowohl Salven als
Einzelnfeuernach den Grundſäßen des Zugs-Unterrichtes
kommandirt und ausgeführt. Nur beim Feuern mit ver
kehrter Fronthaben aufdas Signal oder Aviſo „ Feuer “
Die nach dem Verkehren ſich vor der Front befindlichen
Individuen auf dem kürzeſten Wege durch die Front zu
brechen , ſich rückwärts analog aufzuſtellen ; hiezu geben
ihnen 2 Rotten durch das Vor- und Seitwärtstreten
nach rechts und links den nöthigen Raum .
498. Zum Beginnen des Salvenfeuers erfolgt das
Signal (Aviſo ):
,, Feuern !“
,,Fertig ! – N . N . Schritte! an ! Feuer !“
oder zum Einzelnfeuer das Signal (Aviſo ):
,,Feuern !" - (,,Einzelnfeuer !“ )
„ Fertig ! — N . N . Schritte - Feuert !“
hierauf erfolgt das Vortreten des zweiten Gliedes ,
Zurücktreten der Chargen , das Fertignehmen und
nach Bedarf Laden des Gewehres und endlich das
Feuern (294).
499. Zum Einſtellen des Feuers erfolgt das Signal:
„ Feuereinstellen !"
woraufdas FeuerunterMitwirkung aller Chargen ſogleich
eingeſtellt wird und die Patrontaſchen zu ſchließen ſind.
Herstellt — Euch ! "
Das zweite Glied und die Chargen berichtigen ihre
Diſtunz.
Ausbildung und Führung einer Hompagnie. 193
Die Wahl der Art des Feuers, ſowie der Zeitpunkt zum
Beginne desſelben ſind bei einer Kompagnie von großer Wichtig
keit. Eine Kompagnie kann dem Gegner in Einer Minute
bei 2000 Kugeln entgegenſchleudern, in ſechs Minuten aber
auch ohne Munition ſein. Die Fälle, wo eine ganze Kompagnie
ſich zum Salven - oder Einzelnfeuer in Linie entwickelt, werden
jelten eintreten, oft wird der Kommandant nur ſeine beſten
Schüßen allein auf die ihnen bezeichneten Ziele feuern laſſen ,meiſtens
aber dichte Schwärme, ſelbſt ganze Abtheilungen leicht geöffnet
hierzu verwenden. Maßgebend wird ſein : ob das Gefecht ein hin
haltendes oder raſch durchzuführendes , ob der Erſaß derMunition
geſichert iſt. – Grundſag bleibt die nöthige Dekonomie mit den
Patronen , um im entſcheidenden Momentemit dieſen nicht kargen
zu müſſen .
Das Feuer während der Vorrückung oder des 500 .
Nückzuges mit der in Linie entwickelten Rompagnie
erfordert des thatkräftigſten Zuſammenwirkens aller
Chargen, da die Stimmedes Kommandanten ſelten aus
reichen wird, und die Leitung eine ſchwierigereiſt,auch ge
eignete Deckungen für eine ſo lange Linie nicht immer zu
zu finden ſind. Geſtatten aber die Verhältniſſe dieſe An
wendung des Feuers, und wird dieſes mit Ruhe und
Sicherheit angebracht, ſo iſtdie Unternehmung auch von
entſcheidendem Erfolge begleitet.
Die Durchführung iſt dieſelbe, wie ſie im Zugs
unterrichte angegeben wurde. (298)
Um die Entwicklung bei einer Kompagnie durch 501.
das Feuer zu unterſtüßen , hat der Kommandant des ſich
an der Tête befindlichen Zuges auf das Signal oder
Aviſo : Feuern “ dasſelbe ſogleich mit einem Salven
Feuer zu beginnen, und dann in das Einzelnfeuer über
zugehen . In gleicher Weiſe benimmt ſich jeder Zugs
Kommandant nach bewirktem Aufmarſche ſeiner Ab
theilung.
Zum Beginne des Feuers erfolgt das Signal oder
Aviſo: ,Feuern“ während der Entwicklung, und wird
13
194 1. Hauptflück. - 4. Abſdnitt.
ſowie das Einſtellen desſelben durch den Kompagnie
Kommandanten angeordnet.
Das Feuer wird in der bekannten Weiſe geregelt
und mittelft des Signales oder Aviſo's :
„ Feuereinstellen !“
eingeſtellt. — Auf das Kommando :
Herstellt — Euch !“
rücken mit der Berichtigung der Gliederdiſtanz die Char
gen in ihre frühere Aufſtellung.
502. Die Zugs-Kommandanten haben bei jedem Feuer
die ſtrengſte Ordnung in ihrem Zuge aufrecht zu erhal
ten , ihm durch Zurufen den Zielpunkt zu bezeichnen , durch
zeitgerechtes Angeben der Diſtanzen auch während des
Feuerns die möglichſte Treffſicherheit zu erzielen , und
daher dieſen Anforderungen entſprechend, auch ihre Auf
ſtellung zu nehmen .

§. 57.
Bajonnet - Angriff.
503. Der Bajonnet-Angriff einer Kompagnie erhält
durch die zur Ausführung desſelben verwendeten Streit
kräfte eine größere Bedeutung, und muß ſich daher
unter allen Umſtänden auf eine ſorgfältige Erwägung
der Verhältniſſe gründen .
504. Der Kampf mit der blanken Waffe bietet näm
lich einer entſchloſſenen Truppe zwar immer die beſte
Gelegenheit, ihren Werth geltend zu machen, aber
dieſer legte entſcheidende Schritt darf nicht über
eilt, ſondern nur dann ausgeführt werden , wenn der
Erfolg wenigſtens einigermaßen geſichert erſcheint.
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 195
· Ein feſter Wille und ein beſtimmter Entſchluß ſoli 505.
hierbei den Kompagnie-Kommandanten leiten und der
Truppe jene Zuverſicht einflößen , welche nicht nur zur :
muthvollen Ausdauer, ſondern auch zur begeiſterten
Hingebung entflammt.
Um fid , den günſtigen Erfolg eines Bajonnet: 506 .
Angriffes zu ſichern , hat der Kommandant einer Kom
pagnie, welche nicht ſchon in der Aufſtellung anderer
Streitkräfte einen geſicherten Mückhalt beſißt, vor der
Ausführung eines Angriffes in der Regel einen Zug
auszuſcheiden , welcher den übrigen Abtheilungen in
einiger Entfernung als Unterſtüßung zu folgen , die
ſelben gegen die Beynruhigung der Flanken und des
Mückens zu ſichern , dann aber zur Behauptung der er
langten Vortheile fich nach Bedarf am Kampfe zu be
theiligen , ſomit keineswegs unthätig zu blei
ben hat.
Wenn der Kompagnie-Kommandant fich zum An- 507.
griffe entſchloſſen , die Ausſcheidung der Unterſtüßung
veranlaßt und dem Kommandanten derſelben für ſein
Verhalten die erforderlichen Weiſungen ertheilt hat,muß
derſelbe in der für zweckmäßig erkannten Form und
Nichtung ohne Zögerung vorbereitet und einge
leitet werden .
Zur Vorbereitung des Angriffes oder 508.
zur Unterſtüßung desſelben durch ein wirkſames
Feuer, wird der Kompagnie - Kommandant nach ſeinem
Ermeſſen einzelne Schwärme oder auch einen Zug ver
wenden können .
Db dieſe Abtheilung beim Sturme mitzuwirken ,
oder denſelben durch ihr wirkſames Feuer bis zum legten
Momente zu unterſtüßen hat, iſtSache der Dispoſition.
Bei Durchführung der erhaltenen Weiſungen wird ſich
13 *
196 I. Hauptſtück . – 4. Abſchnitt.

dem Rommandanten dieſer Abtheilung die Gelegenheit


bieten , durch geſchickte Benübung von Terrain -Vortheilen
und richtige Anwendung der Feuerwaffe den Angriff
weſentlich zu unterſtüßen .
509. Um die Truppe von ſeiner Abſicht zu verſtändigen,
aviſirt der Kompagnie-Kommandant:
„ Sturm !"
worauf alle Abtheilungen der Kompagnie die Bajonnete
pflanzen und in die Balance nehmen.
510 . Die Vorrückung der zum Angriffe in der geſchloſ
ſenen Ordnung beſtimmten Abtheilungen wird mit den
bekannten Beobachtungen ausgeführt (308). Alle einge
theilten Chargen haben auf den ihnen angewieſenen
Pläßen zu verbleiben, die ſtrengſte Ordnung zu erhalten,
und Niemanden das Verlaſſen ſeiner Eintheilung zu
geſtatten . Nur die Zugs- ſtommandanten der vorder
ſten Abtheilungen begeben ſich an einen Flügel ihrer
Züge. Die Spielleute verbleiben beim Marſche in
der entwickelten Linie hinter der Mitte der Kompagnie,
bei der Kolonne haben dieſelben nach dem Aviſo zum
Sturme aus ihrem gewöhnlichen Aufſtellungs- Verhält
niſſe hinter die Truppe zu rücken, und derſelben während
des Vormarſches in dieſem Verhältniſſe zu folgen .
Wenn die geſchloſſenen Abtheilungen ſich dem An
griffspunkte hinlänglich genähert haben , ordnet der
Rompagnie-Stommandantden Uebergang in den Lauftritt
an, und fordert dann im geeigneten Augenblicke mittelſt
des Nufes :
Hurrah ! "
die Truppe auf, dem Beiſpiele ihres Führers zu folgen
und ſich mit gefältem Bajonnete aufden Feind zu ſtürzen .
Die Spielleute laſſen hieraufdas Signal:
„ Sturm !"
in raſcher Wiederholung lebhaft ertönen .
Ausbildung und führung einer Kompagnie. 197

Sämmtliche Chargen , ſowie auch die Mannſchaft,


erwiedern den Nuf ihres Kommandanten und dringen
gleich dieſem mit der blanken Waffe , wie es einer
tapferen
möglichſtTruppe
geſchin geziemt,
Anladenumit unerſchütterlichem
brebueinng.das com Muthe
möglichſt ben auf
geſchloſſen fzu Feind
Umſodann den Anlaufzu beenden , ertheilt der Rom - 512.
pagnie - Kommandant bei der Uebung das Kommando :
,,Schritt ! “ oder : „ Kompagnie - Halt! “
vor dem Feinde dagegen , wenn die Abtheilungen fich
im Handgemenge getrennt oder gelockert haben ſollten ,
läßt er das Signal:
„ Allarm !"
ertheilen , worauf die Truppe ſich mit den bekannten
Beobachtungen möglichſt ſchnell zu ralliren hat.
Um den errungenen Erfolg durch ein planloſes 513.
Nachſtürmen in ungeordneten Haufen nicht wieder auf
das Spiel zu ſeßen muß daher die Truppe vor dem
Beginne einer weitern Unternehmung jedenfalls geſam
melt, und die Verfolgung der aufgelöften oder als
Unterſtüßung verwendeten Abtheilungüberlaſſen werden .
Wenn ein Zug als Unterſtüßung ausgeſchieden 514 .
wurde, ſo hat derſelbe noch während des Kampfes mit
der blanken Waffe herbeizueilen und den Zeitpunkt der
Rallirung zu benüßen , um die legten Widerſtandsver
ſuche des Gegners durch einen entſchloſſenen Angriff zu
brechen , oder den Rückmarſch der eigenen Truppe zu
decken , im Falle dieſe den beabſichtigten Erfolg nicht zu
erringen im Stande war.
Mit beſonderer Sorgfalt hat der Kompagnie-Kom - 515 .
mandant unter allen Umſtänden die Wechſelwirkung der
geſchloſſenen Abtheilungen mit den aufgelöften Schwär
men zu überwachen .
Die gleiche Aufmerkſamkeit iſt auch dem Bench
198 1. Hauptſtück . — 4 . Abſcuitt.
men des zur Unterſtüßung beſtimmten Zuges zuzu
wenden , und von dieſem bei jedem Bajonnet-Angriffe ,
die rechtzeitige Mitwirkung zu fordern , um auf dieſe
Weiſe die Zugs -Kommandanten zur richtigen Beurthei.
lung und Benübung der Verhältniſſe anzuleiten .
516 . Soll der Angriff des Gegners in einer inne
habenden Aufſtellung zurückgewieſen werden , ſo
iſt hierzu vorerſt die möglichſt wirkſame Feuerwirkung
einzuleiten.
Terrain - und Gefechts -Verhältniſſe werden beſtim
men, ob dieſe Abſicht durch Verwendung geſchloſſener
Abtheilungen , dichter Schwärme, oder beider vereint
erzielt wird . Je zäher'und nachhaltiger die Vertheidi.
gung werden ſoll, deſto mehr muß Truppe und Muni.
tion geſchont, und auf oftmalige Ablöſung Bedacht
genommen werden .
Auch hier wird die gedeckte Aufſtellung einzelner ,
oft halber Schwärme in den Flanken des vorrückenden
Gegners von weſentlichem Erfolge ſein .
Der Kampf mit der blanken Waffe , das Eingrei
fen der Unterſtüßung u . ſ. w ., wird auf die bekannte
Art durchgeführt (311, 386 ).
517. Das Verhalten des Rompagnie-Kommandanten
nach einem zur Vertheidigung ausgeführten Bajonnet
Angriffe muß den weiteren Abſichten angepaßt werden ,
und hängt zunächſt wohl von dem Umſtande ab, ob die
Kompagnie auf die Behauptung ihrer Aufſtellung an
gewieſen oder ermächtigt iſt, die erkämpften Vortheile
weiter zu verfolgen .
518. Die ſchnelle Rallirung der zum Angriffe
verwendeten Abtheilungen bleibt jedoch unter allen
Umſtänden die erſte und wichtigſte Obliegenheit des
Kompagnie- Stommandanten , welcher auch bei dieſer
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 199
Gelegenheit nicht verſäumen darf, die Unterſtüßung
rechtzeitig in Thätigkeit zu ſeßen .
Die Form , in welcher die Truppe zum Angriffe geführtwird, 519.
ſoll immer mit Rückſicht aufdie obwaltenden Verhältniſſe gewählt
werden und nicht nurdie freie Bewegung nach allen Richtungen ,
ſondern auch den wirkſamen Gebrauch der Waffen geſtatten . Der
Scharfblic des Führers hat ſich alſo bei der Wahl der Mittel
durch die richtige Beurtheilung des Terrains und der Gefechts
lage, ſowie auch durch das ſchnelle Erkennen und Benüßen des
günſtigen Zeitpunktes zu bewähren . Die entwickelte Linie bietet
beim Kampfe mit der blanken Waffe den Vortheil, daß in derſel
ben die größtmögliche Anzahl von Streitern gleichzeitig an den
Feind gelangt und ihn aus ſeiner Aufſtellung zu verdrängen ſucht.
Die Anwendung dieſer Form bedingt aber für das Vorrücken zum
Angriffe einen freien, möglichſt gleichmäßigen Boden ; wie er ſich
bei den gegenwärtigen Kulturs-Verhältniſſen ſelbſt für eine
Truppe von der Stärke und Ausdehnung einer Kompagnie nur
ſelten vorfindet.
Die Formirung der Truppe in der Kolonne geſtattet zwar
nicht das gleichzeitige Eingreifen der ganzen verfügbaren Mann
ſchaft, aber ſie begünſtigt die Bewegung auf jedem Terrain,
erleichtert die Benüßung aller vorhandenen Deckungsmittel und
die Führung gegen den gewählten Angriffspunkt, ſowie auch jede
zu dieſem Zwecke erforderliche Veränderung der Marſchrichtung.
Die Sorge, daß die Truppe nicht durch ein übereiltes Vor
rücken ermattet, oder in ihrer Ordnung gelockert auf dem Rampf
plaße eintreffe, bildet gleichfalls eine weſentliche Bedingung des
Erfolges und es muß daher die Entfernung, in welcher die Vor
bereitung zum entſcheidenden Rampfe mit der blanken Waffe ein
geleitet wird , in jedem einzelnen Falle nach der Geſtaltung des
Bodens , dann nach dem Leiſtungsvermögen und der moraliſchen
Haltung der verfügbaren Streitkräfte bemeſſen werden .
Um das Bild des Bajonnet-Angriffes der Truppe mög
lichſt vollſtändig anſchaulich zu machen , hat der Kompagnie
Kommandant , ſo oft es die Verhältniſſe erlauben , die ange
nommene Aufſtellung des Feindes durch eine kleine Abthei
lung, für welche wenige Rotten genügen , beſeßen und durch
dieſe die der beabſichtigten Uebung entſprechende Gegenunter
nehmung andeuten zu laſſen. Iſt dieß nicht möglich , ſo muß
der Truppe wenigſtens bei jeder Uebung der gewählte Angriff$ .
punkt beſtimmt bezeichnet und die Ausführung mit Rückſicht
auf dieſe Grundlage geregelt werden .
200 1. Hauptſtück . – 4. Abſdinitt.
Der Kompagnie -Kommandant bat ſonach der Ausbilduna
ſeiner Truppe für den Bajonnet-Angriff eine unermüdliche
Sorgfalt zuzuwenden und jede Gelegenheit zu benüßen , um
den ſeiner Führung anvertrauten Abtheilungen die Ueberzeu
gung beizubringen, daß ihrem Andrange nichts zu widerſtehen
vermag , wenn ſie in der gewohnten Weiſe dem Feinde mit
der blanken Waffe an den Leib rücken .
Eine Genie - oder Pionnier- Kompagnie swird den
Bajonnet-Angriff in der Regel nur zum Schuße ihrer Arbeiten
oder ihres Materials auszuführen , und daher auch unter dieſer
Vorausſeßung zu üben haben .

$. 58 .
Vertheidigung einer Kompagnie gegen Reiter :
Angriffe.
520. Gegen die Angriffe der Reiterei ſchüßt eine For
mation, welche gegen alle Seiten den Gebrauch der
Feuerwaffen geſtattet , und „ Carré“ genanntwird.
521. Die Benübung des Terrains iſt auch hier für die
Fuß-Truppen von entſchiedener Wichtigkeit, denn die
ſelben können durch die Aufſtellung hinter einer die Be
wegung der Reiterei hemmenden Wegſtrecke jeden An
griff dieſer leßtern vereiteln oder doch erſchweren , den
eigenen Feuerwaffen aber die volle Wirkung ſichern .
Es genügt daher nicht nur, in eine gedrängte Aufſtel
lung überzugehen , ſondern es iſt eine weſentliche Pflicht
des Kommandanten , je nach Zuläſſigkeit der Zeit vor
oder nach der Formations-Aenderung die vorhandenen
Terrain -Vortheile auszunüßen. Die Ueberlegenheit der
Feuerwaffe geſtattet ſelbſt, bei voller Sicherung ſeiner
Flanken , die Reiterei in der Linien -Stellung zu be
kämpfen.
522. Das Rompagnie- Sarré wird immer aus der Rom
pagnie-Rolonne gebildet ; es iſt daher aus jeder anderen
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 201 :

Formation früher in dieſe , und zwar auf 4 Schritte


Diſtanz, vom erſten Gliede der vordern Abtheilung
überzugehen und während der Bewegung die Annahme
der Carré-Stellung anzuordnen.
Auf das Kommando : 523 .
Kompagnie Carré !"
werden die Bajonnete gepflanzt und wieder geſchultert ,
was ein für allemal geſagt iſt.
„ Schliessen — Marsch ! "
Der erſte Zug bleibt ſtehen und bildet die vordere
Seite, die Chargen des zweiten Gliedes treten ſeit- und
rückwärts ihres Nebenmannes und machen mit ſelben
die ganze Wendung nach auswärts . Die anderen Züge
ſchließen ſich auf 4 Schritte Diſtanz, vom erſten Gliede
der vorderen Abtheilung und der vierte Zug verkehrt hier
auf die Front. Nach erreichter Diſtanz kommandiren die
Zugs-Kommandanten des zweiten und dritten Zuges :
„ Flügelschwärme! Doppelreihen rechts und
links, rechts und links — um !“
wodurch fich die rechte und linke Seite ergibt. Die
Flügel-Chargen dieſer Züge treten nach vollzogener
Wendung feit - und rückwärts in die ihnen nächſte
Deffnung, der mittlere Schwarm des zweiten Zuges
ſchließt auf Gliederdiftanz hinter die vordere, jener des
dritten Zuges, nachdem er die Front verkehrt hat,
hinter die hintere Seite. Die legten Doppelreihen jedes ,
die Seiten bildenden Schwarmes ,werden zur Ausfüllung
der leeren Pläße im zweiten Gliede verwendet. Der
vierte Zug bildet die rückwärtige Seite , die Chargen
des erſten Gliedes treten ſeit- und rückwärts ihres Neben
mannes und machen mit ſelben die ganze Wendung nach
auswärts . Alles ſchließt gegen die vordere Seite. Die
Eden des Carré’s bleiben mit Chargen beſeßt,welche die
Stellung der Flanken nach Bedarf zu berichtigen haben .
202 1. Hauptflück. – 4 . Abſchnitt.
Die Zugs-Kommandanten des erſten und vierten
Zuges ſtehen hinter der vorderen und hinteren Seite,
jener des zweiten Zu
ges hinter der rechten ,
jener des Dritten Zu
ges hinter der linken
Seite und erhalten
die ſtrengſte Ordnung.
Sobald die Nich
tung des feindlichen
Angriffes erkannt iſt,
werden die mittleren Schwärme zur Verſtärkung der
bedrohten Seite durch den Kompagnie-Kommandanten
angewieſen, und bilden daſelbſt ein drittes Glied.
524. Während des Marſches erfolgt das Rommando
zur Formation des Carré's und dann : .
„ Erste Abtheilung - Halt !"
worauf dieſe ſtehen bleibt, die übrigen Abtheilungen ſich

525 .
auf bWird einer bTruppe
isbieb eine licher Rwährend
eife des Marſches unvor
auf die bekannte Weiſe benehmen .

bereitet von feindlicher Reiterei überfallen , ſo haben die


formisna,cdieh Bunächſt
Züge ſogleich für ſich Klumpenn zuzu formiren il
liegende Deckung zu benüßen , und dann nach Zuläſſig
keit der Verhältniſſe ſich zu vereinigen .
526 . Der Uebergang in das Carré muß raſch vor ſich
gehen und der beabſichtigte Zweck, nämlich die Ab
ſchließung nach allen Seiten zunächſt angeſtrebt, dann
im Innern des Carré’s die nothwendige Ordnung
ohne Künſtelei von den Chargen hergeſtellt werden .
Bei einer einzelnen Kompagnie wird dasſelbe nicht
immer eine regelmäßige Geſtalt, ſondern ſehr oft nur
den Charakter eines Klumpens annehmen , es muß aber
ſtets ohne Uebereilung, in feſter , ruhiger Haltung
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 203
und unter dem Schuße einer ſtehenden , ſchußbereiten
Abtheilung formirt werden .
Wenn ein oder zwei Züge in der geöffneten Ord. 527.
nung verwendet ſind, ſo haben dieſelben beim Anrücken
der Reiterei Klumpen zu bilden , während die 3 oder
2 übrigen Züge den Uebergang in das Carré be
wirken , welches in dieſem Falle wegen der geringen
Entwicklung der Flanken mehr einem Klumpen gleichen
und an ſeinem Umfange abzurunden ſein wird .
Um das Carré auf kurze Strecken , ohne Aende: 528 .
rung der Formation zu bewegen , kommandirt derKom
pagnie-Rommandant:
Carré vorwärts (rückwärts, rechts, links) —
marschiren ! “
worauf die Seiten durch die dort eingetheilten Zugs
Kommandanten zur Wendung gegen die anbefohlene
Marſchrichtung kommandirt werden .
Marsch ! — Halt ! — Carré !“
Die Bewegung erfolgt mit Einhaltung der For
mation , der Uebergang in das Carré durch die Her
ſtellung in die früher innegehabte Front auf das obige
Kommando des Krompagnie-Rommandanten .
Dieſe Bewegung dient, um einen in der Nähe gelegenen
günſtigen Terrain-Abſchnitt ſelbſt Angeſichts der Ravallerie zu
erreichen , oder fich der Wirkung des Artillerie-Feuers ſchnell
zu entziehen .
Um das Carré für das Feuergefecht vorzube. 529.
reiten , wird das Signal, oder in Ermanglung eines
Horniſten , das Aviſo :
„ Klumpen !"
ertheilt. Die Mannſchaft aller 4 Seiten des Carré's
hat ſich hierauf nach den beim Zugsunterrichte erhal
tenen Belehrungen zu benehmen ( 301 — 305 ). Soll mit
3 Gliedern gefeuertwerden, ſo hat der Kompagnie-Rom
mandant das 1. Glied zum Niederknieen zu befehligen .
204 1. Hauptſtück. – 4. Abſchnitt.
Nahen ſich einzelne feindliche Reiter, um der
Truppe ihr Feuer zu entlocken, ſo beſtimmen die Zugs.
Rommandanten einzelne Schüßen aus den vordern
Gliedern zum Feuern auf ſelbe.
530. Da die Ravallerie nicht von allen Seiten gleich .
zeitig gegen das Carré heranſtürmen wird , ſo find
vor dem Beginne des Feuers die Reſerve-Schwärme
gegen die bedrohten Seiten zu beordern , das erſte Glied
niederknieen zu laſſen und dann mittelſt des Aviſo's :
„ Vordere (Rechte, Linke, Hintere) Seite !"
oder
„ Vordere (Hintere) und Rechte (Linke) Seite !"
die Seite zu bezeichnen, welche zunächſt feuern ſoll.
Der Rompagnie - Kommandant kommandirt dann zu
dieſem Zwecke :
„ N . N . Schritte — an ! - Feuer !"
Dieſe Anordnungen für das Feuergefecht hat der
Kompagnie-ſoommandant immer mit der größten Ruhe
undBeſonnenheit zu ertheilen , hierbei aber auch von der
Truppe: die pünktliche Ausführung mit rückſichtsloſer
Strenge zu fordern .
531. Das Einſtellen des Feuers wird mittelſt des Sig .
nales oder Aviſo's :
„ Feuereinstellen !"
veranlaßt. – Auf das Kommando :
„Herstellt - euch !"
wird die Aufſtellung in der vor dem Beginne des Feuer
gefechtes beſtimmten Weiſe berichtigt (303).
532. Um die Brechung des Carrés anzuordnen , er
theiltder Kompagnie-Stommandant zuerſt das Aviſo:
„Kompagnie herstellen !“
worauf die eingetretenen Chargen fich zu ihren Abthei
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 205

lungen verfügen und jene Leute, welche zur Ausfüllung


vorhandener Lücken verwendetwaren, zurücktreten .
Wenn die Abtheilungen ſich in der angedeuteten 533.
Weiſe formirt haben , was mit Nuhe und Schnelligkeit,
jedoch ohne Uebereilung, bewirkt werden muß , ertheilt
der Rompagnie-Kommandant das Kommando :
„Rückwärts (Vorwärts) – Front !“
worauf die zum Uebergange in das bezeichnete Aufſtel
lungs- Verhältniß erforderlichen Wendungen bei allen
Abtheilungen gleichzeitig auszuführen ſind.
Das Verſorgen der Bajonnete hat der Kompagnie- 534 .
Kommandant zu veranlaſſen ,wenn es ihm zweckmäßig
erſcheint.
Die Vergrößerung der Diſtanzen iſt entweder beim 535.
Antritte der Bewegung in der bekannten Weiſe , oder
wenn es dem Kompagnie-Kommandanten angemeſſen
erſcheint, auf der Stelle zu veranlaſſen . In dieſem leß
teren Falle haben auf das Kommando :
Rückwärts – Marsch !"
die drei hinter der Tête befindlichen Züge ihre Diſtanzen
mittelſt des Zurückſchreitens zu berichtigen , und dieſe
Bewegung auf die Anordnung ihres Zugs-Romman
danten rechtzeitig einzuſtellen .

§. 59.
Ehrenbezeigungen .
Zum Empfange eines Höhern in der entwickelten 536.
Linie hat der Kompagnie-Rommandant fich 4 Schritte
vor der erſten Rotte jenes Flügels aufzuſtellen , gegen
welchen der Vorgeſeßte herankommt.
Wenn die Fahne mit der Rompagnie ausgerückt 537.
ift, ſo hat der Fahnenführer bei dieſer Gelegenheit ſeine
206 1.Hauptfück . – 4. Abſchuitt.
: Aufſtellung neben der Flügelcharge des Empfangs
flügels zu nehmen .
538. Bei der Annäherung des Höhern auf 30 Schritte
vollführt der Kompagnie-Stommandant eine ganze Wen
dung gegen die Front und kommandirt:
Kompagnie rechts (links) — schaut !"
wenn der Herankommende ein Stabsoffizier oder ein
noch höherer Vorgeſepter iſt:
,,Präsen — tirt !"
herſtellt ſich hierauf mittelſt einer ganzen Wendung,
geht dem Höhern entgegen, ſalutirt und meldet die
Stärke ſeiner Kompagnie nach der Kopfzahl.
Wenn der Vorgeſeßte die Truppe beſichtigt, hat
der Rompagnie-Kommandant den Höhern zu begleiten
und nach der Beſichtigung des erſten Gliedes :
Habt – Acht! “
„ Schul – tert !“
zu kommandiren .
539. Das Deffnen und Schließen der Glieder erfolgt
auf die bekannte Weiſe (317).
540. Wenn die Kompagnie in der Kolonne formirt iſt,
hat der Rompagnie-Kommandant ſich vor dem entſpre .
chenden Flügel der Tête-Abtheilung aufzuſtellen , und
im Uebrigen beim Empfange eines Höhern die bereits
angedeuteten Beſtimmungen zu beobachten .
541. In Bezug auf die Ehrenbezeigung mittelft des
Spieles bleibt die in Nr. 319 feſtgeſeßte Vorſchrift
maßgebend, und nach den dort angegebenen Beſtim
mungen hat ſich auch der Fahnenführer zu benehmen .
542. Wenn der Höhere die Defilirung der Kompagnie
anordnet, ſo hat der Kompagnie-Kommandant nach
Maßgabe der erhaltenen Weiſungen die Formirung in
Ausbildung und Führung einer Kompagnie. 207
Reihen , Doppelreihen oder in der Rompagnie-Rolonne
zu veranlaſſen , dann das Aviſo :
„Defilirung !"
und das Kommando :
„Kompagnie rechts (links) – schaut!"
zu ertheilen . Gleichzeitig mit der Wendung der Köpfe,
welche von den die Abtheilungen führenden Chargen
nicht zu vollziehen iſt, muß bei dieſer Gelegenheit auf
der Seite der Defilirung nach Bedarf die Deckung der
Abtheilungen berichtigtwerden .
Der Rompagnie-Kommandant ſtellt ſich hierauf 543.
6 Schritte vor der Mitte der Tête auf, ordnet den
Antritt der Bewegung an , ſalutirt im Vorbeimarſche
und ſeßt die Bewegung mit der Truppe fort, welche
nach der Defilirung auf das Kommando :
Habt – Acht! “
die Köpfe wieder gerade zu wenden hat.
Bei der Infanterie haben die Tamboure während 544.
der Defilirung den Marſch zu ſchlagen , bei den übrigen
Truppen die Horniſten denſelben zu blaſen .
Die führenden Chargen haben ihre ganze Auf- 545 .
merkſamkeit der Erhaltung der Deckung und der Diſtan
zen zuzuwenden , und den Höheren im Augenblicke des
Vorübermarſches mit militäriſchem Anſtande anzuſehen,
ohne zu dieſem Zwecke eine förmliche Kopfwendung
auszuführen .
Wenn die Kompagnie während des Marſches zu : 546.
fällig einem Höheren begegnet, ſo hat der Kompagnie
Kommandant die Wendung der Röpfe zu veranlaſſen ,
zu ſalutiren und dann die Herſtellung anzuordnen .
Dieſelbe Ehrenbezeigung iſt auch einer Schild. 547.
wache zu leiſten.
208 I. Hauptſtück. – 4. Abſchnitt.

548. Vor dem Hochwürdigen hat der Kompagnie.


Kommandant die Truppe in der innehabenden For
mation niederknieen zu laſſen .
549. Die Ausführung der General-Decharge erfolgt
auf das Aviſo :
„General- Decharge !"
und die Kommando :
„ Fertig ! – Hoch – an ! – Feuer !" -
,,Schul – tert ! – Herstellt – euch !"
in der bekannten Weiſe. Nach derſelben wird mittelft
der Wendung der Köpfe und des Präſentirens die
Ehrenbezeigung geleiſtet und hierbei der General
marſch geſchlagen oder geblaſen. Nach der lekten
Decharge hat der Kompagnie-Kommandant fich , im
Falle ein Höherer anweſend iſt, von dieſem dieweiteres
Befehle zu erbitten und hierzu das Benehmen den
Fahnenführers und der Spielleute mit Rückficht auf
die dem Höheren gebührende Ehrenbezeigung zu regeln .
550 . Wenn eine Muſikbande mit der Rompagnie aus-
gerückt ift, ſo hat dieſelbe beim Empfange eines
Höheren ihre Aufſtellung ſechs Schritte von der Truppe
entfernt an jenem Flügel zu nehmen , vor welchem fich
der Kommandant befindet, und in jenen Fällen , in
welchen der Generalmarſch geſchlagen oder geblaſen
wird, die Volkshymne anzuſtimmen . Bei der Defilirung
hat die Muſibkande ſo weit vor dem Kompagnie-Kom
mandanten zu marſchiren, daß zwiſchen dieſem und dem
leßten Gliede ein Raum von zwölf Schritten frei bleibt.
$. 6 ).
Grundfäße für die Anwendung der zerſtreuten
Fechtart.
Wenn eine Kompagnie mit der Einleitung eines
551. Gefechtes , mit der Deckung eines Rückzuges oder mit
Ausbildung und Führung einer Kompagnje . 209
einer anderen ſelbſtändigen Aufgabe betrautiſt,ſo
wird dieſelbe in den meiſten Fällen die zerſtreute Fecht.
art anwenden , um auf dieſe Weiſe alle Vortheile des
Terrains benüben und die fehlende Stärke durch die
Gewandtheit der einzelnen Theile erſeßen zu können .
Die Auflöſung in Schwärme wird in dieſem Ver. 552.
hältniſſe auf einen Zug beſchränkt, ein zweiter Zug zur
Unterſtüßung beſtimmt, der Reſt aber als Haupttruppe
verfügbar erhalten werden müſſen .
Beſondere Umſtände können allerdings eine ver.
änderte Eintheilung rechtfertigen , bei einem ſelbſtändi.
gen Unternehmen muß aber wenigſtens ein Zug als Ne
ſerve ausgeſchieden werden.
In Bezug auf die Leitung des Gefechtes hat ſich 553.
der Kompagnie-Kommandant nach den für die zer
ſtreute Fechtart bisher aufgeſtellten Grundſäßen zu be
nehmen , beſonders aber die Verbindung und Wechſel
wirkung zwiſchen den Schwärmen und der Unterſtüßung
zu überwachen , ohne deren Kommandanten in ihrer
Selbſtändigkeit zu beeinträchtigen .
Die vom Kompagnie-Kommandanten erlaſſenen 554.
Anordnungen ſollen ſtets nach den perſönlichen Eigen :
ſchaften des betreffenden Zugs-Kommandanten be
meſſen werden und demſelben jene Anhaltspunkte ge
währen , welche er unbedingt kennen und beachten muß,
wenn der Zuſammenhang des Ganzen erhalten und
die eingeleitete Unternehmung den gewünſchten Erfolg
finden ſoll. Es genügt alſo nicht die Form allein anzu
geben , auch die Abſicht, die damit erreicht werden ſoll,ift
klar und beſtimmt zu bezeichnen , die Ausführung dann
aber den Abtheilungs-Kommandanten anheimzuſtellen .
Im weiteren Verlaufe können mittelſt mündlicher 555.
Aviſo oder durch Hornſignale, ſo wie auch durch die
210 1. Hauptſtück. – 4. Abſchnitt.
Vermittlung von Ordonnanzen in Bezug auf den An
tritt oder die Richtung einer Bewegung allgemeine An
deutungen, keineswegs aber für jeden möglichen
Zwiſchenfall beſtimmte Befehle gegeben werden.
556. Um jedem Zweifel über den Urſprung eines
ſignaliſirten Befehles vorzubeugen , ſind die Horn
ſignale des Rompagnie -Kommandanten bei den
Schwärmen oder bei der Unterſtüßung nicht zu wieder
holen , ſondern die in dieſer Weiſe ertheilten Anord
nungen ohne Verzug zu befolgen . Die in der vorderſten
Linie vorhandenen Horniſten haben daher in der Regel
nur das Anrücken feindlicher Reiterei zu ſignaliſiren .
557. Der Kompagnie - Rommandant hat bei dieſen
Uebungen immer das Benehmen des Gegners durch
eine kleine Abtheilung darſtellen zu laſſen und dadurch
ſowohlden Zugs-Kommandanten als auch den Schwarm .
führern die Veranlaſſung zu geben , ihre eigene Hand
lungsweiſe beſtimmten Verhältniſſen anzupaſſen .
558 . Der Kommandant einer als Gegner verwendeten
Abtheilung muß aber über den zu beobachtenden Vor
gang möglichſt genaue Weiſungen erhalten nnd durch
das ihm vorgezeichnete Benehmen der gegenüberſtehen.
den Truppe die erforderlichen Anhaltspunkte zur Aus.
führung jener Uebungen bieten , welche der Kompagnie.
Kommandant für zweckmäßig erachtet.
Um die Ausbildung der Truppe in der zerſtreuten Fecht.
559.• art weiter zu entwickeln , hat der Kompagnie-Kommandant bei
den Uebungen die allenfalls vorkommenden Fehler und Mißgriffe
den Zugs-Kommandanten mit Bezeichnung der Gründe und
Folgen bemerkbar zu machen , und dieſelbe Uebung ſo lange wie
derholen zu laſſen , biß fie richtig aufgefaßt und gelöſt wurde.
Nur wenn dieſer Grundſaß bei jeder Gelegenheit berückſichtigt
und dem Abtheilungs-Kommandanten eine ſelbſtſtändige, auf die
eigene Ueberzeugung gegründete Handlungsweiſe zur Pflicht ge.
machtwird, iſt der Zweck der Uebung mitSicherheit zu erreichen .
Ausbildnng und fährung einer Kompagnie. 211

Für die Infanterie und die Jäger iſt für die An. 560.
wendung der zerſtreuten Fechtartmöglichſtviel Abwechs.
lung anzuftreben, während bei den Genie Truppen und
Pionnieren dieſe Uebung auf einem für die techniſchen
Leiftungen geeigneten Terrain und mit dieſen in Ver
bindung vorzunehmen iſt.
In der zerſtreuten Fechtartwird die richtige Beur. 561.
theilung von Raum und Zeit von erhöhter Wichtigkeit,
um daher die Zugs- Rommandanten und Chargen an
dieſelben zu gewöhnen , ſo ſind bei ſchwachem Stande
zu dieſem Unterrichte die Züge zuſammen zu ſeßen , und
je nach dem zu Uebenden die Reſerve, Unterſtüßung oder
auch die Schwärme rur zu markiren .

14 *
212 1. Hauptſtück .

II. Hauptſtück .
Ausbildung der Chargen .

$. 61.
Stellung und Ererciren des Unteroffiziers .
562. Die Stellung des Unteroffiziers iſt jener des Sol
daten volkommen gleich und ebenſo müſſen auch die
Gewehrgriffe, mit Ausnahme des Präſentirens, in "Reih
und Glied , nach den bekannten Beſtimmungen gleich :
zeitig mit der Mannſchaft ausgeführtwerden , wobei nur
zu bemerken bleibt, daß der Unteroffizier beim Schwören
nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung den Handſchuh
der rechten Hand auszuziehen hat.
563. Der Unteroffizier trägt das Gewehr als Komman .
dant am Niemen geſchultert und bringt als Ehrenbezei
gung die rechte Hand an den Kolbenhals (Kolben).
564. Zum Feuern machen ſich die Unteroffiziere nur bei
der Vertheidigung gegen Reiterei gleichzeitig mit der
Mannſchaft fertig.
§. 62.
Stellung und Exerciren des Fahnenführers.
565. Der Fahnenführer trägt die Fahne in ſchräger
Lage auf der linken Schulter , indem er die Stange mit
der linken Hand unterhalb der leßten Nägel und zu .
Ausbilduug der Chargen . 213

gleich auch den Fahnen-Taffet erfaßt. Der linke Vorarm


ſoll hierbei eine wagrechte Lage erhalten und der Elbo.
gen natürlich an den Leib geſchloſſen ſein .
Wenn das Kommando zur Richtung , zum Ba. 566 .
jonnet-Angriff, zum Feuern , zur Rallirung, oder zum
Wenden der Röpfe beim Empfange eines Höhern oder
vor der Defilirung erfolgt, iſt die Fahne immer hoch
zu nehmen .
Der Fahnenführer bringi hierzu die Fahne vor
der linken Hüfte in die vertikale Lage und erhebt ſie mit
der linken Hand ſo weit , daß das untere Ende der
Stange in die Höhe der Bauchhöhle gelangt, an welche
dasſelbe zu ſtemmen iſt. - Die rechte Hand umfaßt
die Stange auf einen Schuh vom untern Ende und die
linke Hand gleitet ſo weit herab , daß ſie in die Höhe
der Augen gelangt. – Die Spiße der Fahne wird hier:
bei ein wenig vorgeneigt.
Bei der Rallirung hatder Fahnenführer die Spiße
der Fahne gegen die rechte Seite zu neigen und dadurch
die Aufſtellung des rechten Flügels , ſomit auch die
Frontrichtung zu bezeichnen .
Um die Fahne aus den angedeuteten Stellungen
auf die linke Schulter zu bringen, läßt der Fahnenführer
die Stange durch beide Hände abwärts gleiten und auf
die linke Achſel ſinken , worauf die rechte Hand an die
Seite zurückkehrt.
Wenn die Truppe beim Empfange der Allerhöch . 567.
ſten Herrſchaft zum Präſentiren befehligt wird, ſo hat
der Fahnenführer die Fahne zur Salutirung zu ſenken .
- Die Fahne wird hierzu mit der linken Hand in die
vertikale Lage vor die Mitte des Leibes gebracht, mit
der rechten Hand oberhalb der leßten Nägel, und zwar
ſammt dem Taffet, umfaßt mit dem untern Ende
214 II. Hauptflück .

unter die rechte Achſel gebracht und mit der Spiße bis
auf eine Spanne vom Boden geſenkt. – Die linke Hand
verläßt die Fahne und wird an die Seite gebracht.
Auf das Kommando zum Schultern wird die
Fahne mit der linken Handwieder erfaßt und mit beiden
Händen hoch genommen .
568 . Beim Empfange des Armee- und Armee-Korps .
Rommandanten , ſo wie des Landes-General-Komman .
danten oder Militär- Gouverneurs im Bereiche der unter
ſtehenden Truppen , und wenn kein Höherer anweſend
iſt, dann beim Empfange des Kriegsminiſters oder eines
Feldmarſchals im Bereiche der ganzen Armee, wird die
Fahne in gleicher Weiſe geſenkt.
569. Auf das Rommando :
Beim – Fuss !"
wird die Fahne mit der linken Hand vor der Mitte des
Leibes in die vertikale Lage gebracht, mit der rechten
ein wenig unter der linken Hand ergriffen und neben
der rechten Schuhſpiße auf den Boden geſtellt.
570. DAufescdas emit der te :gebrack
hul Rommando
„ Schul – tert !
wird die Fahnemit der rechten Hand ein wenig erhoben ,
vor die Mitte des Leibes gebracht, dann von der linken
Sand ergriffen und geſchultert.
571. Bei der Stellung zum Gebete und beim Nieder.
Enien benimmt ſich der Fahnenführer nach der für den
Soldaten feſtgeſepten Beſtimmung und beim Schwören
hat er die Fahne vor die Mitte des Leibes auf den
Boden zu ſtellen und nach dem Abnehmen der Kopf
bedeckung, welche mit dem linken Daumen zu erfaſſen
iſt, den Handſchuh der rechten Hand auszuziehen.
Auf Märſchen und bei den Uebungen fann die
Fahnemit dem Futteral überzogen werden , bei Paraden
Ausbildung der Chargen . 215
und in der Schlacht muß fie aber ohne Rückſicht auf 572.
das Wetter fliegend getragen werden, jedoch iſt dem
Fahnenführer geſtattet, bei ſtarkem Winde das untere
Ende des Taffets zu erfaſſen oder denſelben zur Hälfte
um die Stange zu wickeln .
§. 63 .
Stellung und Exerciren des Bataillons - und des
Regiments - Tambours.
Der Bataillons-Tambour erſcheint bei jeder Aug. 573.
rückung mit ſeinem Stocke. Seine Stellung iſt im Au
gemeinen jener des Soldaten gleich, jedoch hat er den
rechten Fuß ſo vor den linken zu ſeßen , daß der Abſaß
des erſtern an den Ballen des legtern zu ſtehen kommt.
Der rechte Arm wird vor- und rechts ſeitwärts geſtreckt,
und der Stock mit der rechten Hand unter dem Knopfe
umfaßt und ſo gehalten , daß das untere Ende neben
die rechte Fußſpiße gelangt. Die linke Hand wird in die
Seite geſtemmt, wobei der Daumen rückwärts, der Zeige.
finger mit den übrigen Fingern vorne am Leibe anliegt.
Die religiöſen Tempu werden mit den bekannten
Beobachtungen ausgeführt,und beim Schwören der Stock
vor die Mitte des Leibes geſtellt, mit der linken Hand
in der Höhe der Hüfte ergriffen , dann wird die Ropf
bedeckung nach den bekannten Beſtimmungen abgezogen.
Während des Marſches hält der Bataillons-Tam - 574.
bour den Stock unter der Mitte umfaßt mit der rechten
Þand ſchräge vor dem Leibe. Die Fauſt fol ſich hierbei
in der Höhe der Magengrube befinden , der Sinopf des
Stockes gegen die rechte Seite geneigt ſein. Das Zeichen
zum Beginnen oder Einſtellen des Spieles wird durch
das Seitwärtsſtrecken des rechten Armes ertheilt.
216 II. Hauptſück .

575. Der Regiments-Tambour hat ſich in jeder Bezie.


hung nach den für den Bataillons- Tambour feſtgeſepten
Beſtimmungen zu benehmen .
$. 64 .
Stellung und Exerciren des Bataillons-Horniſten .
576 . Der Bataillons-Horniſt der Infanterie-, der Genie .
Truppen und Pionniere hat ſich in jeder Beziehung
nach den für den ohne Gewehr ausgerüſteten Horniſten
feſtgeſepten Beſtimmungen zu benehmen.
577. Der Bataillons -Horniſt der Jäger iſt bezüglich)
ſeines Benehmens zu Fuß gleichfalls an die bekannten
Vorſchriften gebunden , zu Pferde hat er das Horn mit
der Schnur über die linke Schulter gehängt an der
rechten Seite zu tragen . Die rechte Hand umfaßt das
Hauptſtück des mit den Bögen rechts gewendeten
Hornes ſo , daß der Daumen längs des an das Mund
ſtück ſtoßenden Rohres in der Vertiefung beider Röhren
liegt, die anderen Finger aber geſchloſſen auf dem dickern
· Nohre ruhen . Der Becher wird auf dem rechten Dber
ſchenkel aufgeſegt und das Horn etwas vor- und rechts
ſeitwärts geneigt.
In dieſer Stellung bleibt er bei allen Gelegen
heiten , in welchen das Horn ergriffen iſt, nur beim
Schwören läßt er dasſelbe an der Schnur herabhän :
gen, um die Kopfbedeckung abzunehmen und in die
linke Hand zu geben , die rechte Hand aber nach dem
Ausziehen des Handſchuhes zu erheben.
578 . Auf Märſchen und in allen Gelegenheiten, in wel
chen die Ertheilung von Signalen nicht augenblicklich
erfolgen muß, kann das Horn über den Rücken geſchwenkt
und durch eineSchlingein der Schnur feſtgehaltenwerden .
Ausbildung der Chargen . 217
§. 65.
Erklärung einiger Linien, Winkel und Flächen.
Eine Linie,welche von einem Orte zu einem andern, ohne 579.
irgend eine Abweichung nach ſeitwärts , auf- oder abwärts läuft,
heißt eine gerade Linie. Der Anfang und das Ende einer
Linie werden die Endpunkte derſelben genannt.
Die gerade Linie A B
bildet die kürzeſte Verbin
dung ihrer Endpunkte.
Die Front einer in geſchloſſener Ordnung aufgeſtellten
Abtheilung ſoll immer eine gerade Linie ſein .
Eine gerade Linie, deren Endpunkte A B in irgend einer 580 ,
Weiſe bezeichnet ſind , kann verlängert werden , wenn man in
einer geeigneten Entfernung von einem Endpunkte dieſer Linie,
ein drittes Merkzeichen C aufſtellt und ſo lange rechts oder links
rückt, bis es die bei
den Endpunkte der zi1
verlängernden Linie
genau deckt.
Dieſes Verfahren wird bei der Richtung zur Bezeichnung
der Frontlinie angewendet.
Ein Freis iſt eine in fich ſelbſt zurückkehrende krumme 581.
Linie , welche die Eigenſchaft hat, daß alle Punkte derſelben von
einem in der Mitte befindlichen Punkte (C ) gleich weit entfernt
ſind. Iedes Stück der Kreislinie A D nennt man einen Kreis :
bogen . Der in der Mitte befindliche
Punkt C heißt der Mittelpunkt.
Iede gerade Linie A B , welche durch
den Mittelpunkt geht und zu beiden
Seiten am Umkreiſe endet, wird ein
Durchmeſſer, jede gerade Linie
CD oder A C , welche von dem
Mittelpunkte zu einem Punkte des
Ilmkreiſes gezogen iſt , ein Halb .
meſſer genannt.
Ieder Kreis, er mag klein oder groß ſein , wird in 360
Theile getheilt, welche Grade heißen . Ein halber llifreis hat
demnach 180 und ein Viertel 90 Grade, ein Achtel 45 Grade.
Einen Winkel nennt man die Neigung zweier geraden
Linien A C und B C , welche in einem Punkte C zuſammentreffen .
218 II. Hauptflück .

Die beiden geraden Linien,welche den Winkel einſchließen , heißen


die Schenkel und ihr Durchſchnittspunkt C wird der Scheitel
des Winkels genannt. Das Maß des Winkels iſt die Anzahl
Grade, welche der Bogen a b mißt,welcher mit einem beliebigen
Halbmeſſer a C aus dem Scheitel C zwiſchen den Schenkeln des
Winkels beſchrieben wird. Wenn das Maß eines Winkels A CB
90 Grade oder einen Viertel-Kreisbogen beträgt, jo nennt man
denſelben einen rechten Winkel, beträgt das Maß eines
Winkels A CD weniger als 90 Grade, ſo heißt er ein ſpißiger,
beträgt es mehr als 90 Grade, wie es bei dem Winkel A ČE der
Fall iſt, ſo heißt er ein ſtumpfer Winkel.
582. einer andern
Eine Senkrechte iſt diejenige Gerade CD , welche auf
A B ſo ſteht, daß fie fich weder rechts noch links
neigt, ſondern mit ihr zu beiden Seiten rechte Winkel bildet.
583. JeneLinie, wel.
che mit der Rich.
tung übereintrifft,
in welcher jeder
Körper aus einer
Höhefreigegen die
Erde fällt, nennt
man eine verti.
tale Linie, welche durch den Faden eines frei hängenden
Sentels anſchaulich gemacht werden kann .
584 . Eine w agrechte (horizontale) Linie heißt jene Linie,
welche auf einer Vertikalen ſenkrecht ſteht.
585. find jene,
Gleich Iaufende (Parallele) Linien A B und CD
welche überall gleich weit von einander abſtehen. Es
müſſen daher alle Senkrechten, welche man von beliebigen Punkten
Ausbildung der Chargeu. 219
der einen Linie auf die andere zieht, gleich lang ſein . Gleichlau.
fende Linien können ſich daher in ihrer Verlängerung niemals
durchſchneiden .
Schräge Linien find jene, welche von ihrem Anfange
bis zum Ende ungleich von einander abſtehen , wie A B und CD.
In ihrer Verlänge.
rung müſſen ſich zwei
ſchräge Linien aufder
einen Seite von ein
ander entfernen auf
der andern Seite aber näher kommen und ſich endlich durch. .
ſchneiden , ſomit einen Winkel bilden .
Die ebene Fläche, welche von einer Kreislinie eingeſchloſ: 586 .
fen iſt, heißt Areisfläche.
Sede ebene Fläche, welche durch gerade Linien begrenzt 587 .
iſt, nenntman überhaupt ein Vieled, und die geraden , welche
dasſelbe einſchließen , Seiten des Vieledes. Die Vielede werden
nach der Anzahl ihrer Seiten und Eden , Dreiede, Vierede
u . ſ. w . benannt.

Ein Dreieck heißtgleich ſeitig (A ), wenn alle drei Sei: 588 .


ten desſelben gleich lang find , gleich ſchenklig (B), wenn
nur zwei Seiten gleich ſind und ungleichſeitig (C ), wenn
alle drei Seiten von verſchiedener Länge find. Ein Dreieď wird
überdieß rechtwinklig (D ) genannt, wenn zwei ſeiner Seiten
unter einem rechten , ſtumpfwinklig (C), wenn ſie unter

einem ſtumpfen Winkel zuſammentreffen , und ſpißwintlig


AB, wenn alle drei Seiten ſich in ſpißen Winkeln ſchneiden .
Ein Viereď , deſſen Seiten gleich lang ſind und ſenkrecht 589.
auf einander ſtehen , wird ein Quadrat genannt ABCD. —
Sind in einem Vieređe je zwe gegenüberliegende Seiten gleich
und ſtehen alle Seiten ſenkrecht auf einander, ſo heißt es ein
220 II. Hauptſtück .

Redited abcd. Die Linie, welche von einer Ecke des Viereckes
zu einer andern gezogen wird, heißt Diagonale und ſcheidet
ein Quadrat oder ein Rechteck in zwei gleiche Theile.
S. 66 .
Uebung der Chargen im geraden Marſchiren .
590. Da die Leitung des Marſches immer den eingetheilten
Chargen obliegt, ſo müſſen dieſelben in vollkommen gerader
Richtung zu marſchiren verſtehen und zu dieſem Zwecke in der
Einhaltung einer beſtimmten Linie geübt werden .
Den einen Endpunkt dieſer geraden Linie bildet die Auf
ſtellung der Charge, der andere Endpunkt iſt das Directions
Objekt und die zwiſchen beiden liegende Linie heißt die
Marſch direktions- Linie.
Um dieſe näher zu beſtimmen und das Einhalten derſelben
während des Marſches zu erleichtern, ſind einige Zwiſchenpunkte
zu wählen , welde fortwährend auf das Direktions-Objekt gedeckt
bleiben müſſen . Dieſes ſoll immer ein möglichſt entfernter, gut
wahrnehmbarer Gegenſtand, z. B . ein Kirchthurm , ein Baum ,
eine Bergſpiße u . dgl. ſein , während jeder noch ſo unbedeutende
Terraingegenſtand, wie eine Erdicholle, eiti Strauch ii. dgl. als
Zwiſchenpunkt benübt werden kann .
591. Sur llebung im geraden Marſchiren iſt der Charge ein
Direktions-Objekt zu bezeichnen , und dieſelbe dann zur Auswahl
und Angabe einiger Zwiſchenpunkte anzuweiſen , welche ungefähr
30 bis 40 Schritte von einander entfernt ſein ſollen . Die Charge
hat dann in der auf dieſe Weiſe beſtimmten Marſchdirektions
Linie vorzurücken und ſich hierbei nad Bedarf während der
Bewegung weitere Zwiſchenpunkte zu wählen .
Ilm die Wahl der Zwiſchenpunkte zu prüfen und ſich von
der Beobachtung der geraden Linie zu überzeugen, iſt eine Auf
ſtellung hinter der Charge zu nehmen und über dieſe gegen das
Direktions-Objekt zu ſehen , wodurch die geringſte Abweichung
ſehr leicht wahrgenommen werden kann .
Ausbildung der Charger . 221
S. 67.
Hebung der Chargen im Einhalten der Deckung.
Wenn die einzelnen Chargen durch wiederholte llebungen 592.
im Einhalten der geraden Linie einige Sicherheit erlangt haben ,
ſind mehrere derſelben mit Abſtänden von ungefähr 10 Schritten
hintereinander aufzuſtellen und anzuweiſen , ſich mit Rückſicht auf
ein beſtimmtes Marſchdirektions-Objekt aufeinander zu decken .
Die von den Chargen gewählte Aufſtellung iſt dann zu
prüfen und nach Bedarf zu berichtigen , hierauf der gleichzeitige
Antritt der Bewegung zu veranlaſſen . Die vorderſte Charge hat
hierbei in gerader Richtung gegen das Direktions-Objekt zu
marſdiren , die übrigen müſjen fortwährend gedeikt bleiben und
311 diejem Zwecke über ihre Vormänner auf den bezeichneten
Endpunkt ſehen .
Nach einigen Uebungen iſt der führenden Charge während 593 .
der Bewegung ein neues Direktions-Objekt zu bezeichnen und die
folgenden Chargen haben dann die Deckung ſogleich in entſpre
chender Weiſe aufzuſuchen . Durch Ziehungen , dann durch Wen
Dungen , welche von jeder Charge an demſelben Punkte auszu
führen ſind , wo ſich die erſte gewendet hat, können dieſe
liebungen vervielfältigt und die Chargen an die genaue Beob .
achtung des ihnen angewieſenen Verhältniſſes gewöhnt werden .
$. 68.
Vorgang bei der Abrichtung.
Die erſte Bedingniß zu einer zweckmäßigen und 594,
erfolgreichen Ausbildung des Soldaten beſteht darin ,
Daßman ihm einemoraliſche Erziehung und den richtigen
Begriff von dem Ehrenſtande beibringe,dem er angehört.
Die unabläſſige Sorgfalt jedes Vorgeſeßten muß
ferner dahin gehen, in der Bruſt des jungen Soldaten
Liebe zu ſeinem Monarchen und ſeinem Stande, Anhäng.
lichkeit an ſeine Vorgeſepten und Gemeingeiſt anzuregen .
Er muß ihn mit den Beſchwerlichkeiten ſeines Standes ,
der Nothwendigkeit ſeiner Berufsbildung, dann der
Handhabung einer ſtrengen Disciplin vertraut machen
222 11. Hauptſtück .

und ganz beſonders , was leßtere betrifft, durch eigenes


Beiſpiel im unbedingten Gehorſame gegen jeden Vorge.
feßten voranleuchten . Kurz er muß es verſtehen , ihm
wahren Soldatengeift einzuflößen . Dadurch wird der
Soldat auf ſeinen Beruf ſtolz werden , die Strenge der
Disciplin ehren lernen , ſeinen Stand lieb gewinnen
und denſelben nicht als ein unerträgliches Joch betrachten.
Die verſchiedenen Dienſtes- Verhaltungen , ſowie
die Kriegsartikel müſſen ihm öfters vorgeleſen und in
ſeiner Mutterſprache erklärt werden . Nebſtbei wird dem
jungen Soldaten ein verläßlicher gedienter Mann zur
Aufſicht beigegeben, welcher ihn mit Wohlwollen und
Freundlichkeit in ſeinen Dienſtespflichten unterrichtet,
ihn lehret wie er fich , ſeine Montur, Armatur und
Nüftungsſtücke zu reinigen und in einem ſtets brauch .
baren Stande zu erhalten habe.
595 . Jede Mißhandlung , jede Gewaltthätigkeit wird
bei dem Unterrichte auf das Schärfſte unterſagt. Ein
rauhes Benehmen iſt gemeiniglich ein Beweis eigener
Unwiſſenheit, und vernichtet das Ehrgefühl, die Seele
des Soldaten . Trägheit, böſer Wille, Widerſpenſtigkeit
verdienen Strafe. – Strafe beſſert, aber Mißhandlung
empört. — Menſchenkenntniß , Humanität, Sorgfalt für
das Wohl des Soldaten und gründliche Kenntniß der
eigenen Berufspflichten müſſen daher bei jedem Vor
geſeßten vorausgeſeßt werden, wenn derſelbe ſeiner Be.
ſtimmung als Lehrer und Führer des Soldaten in jeder
Gelegenheit wahrhaft entſprechen foli; denn nur bei
dem Vorhandenſein dieſer Eigenſchaften wird es ihm
möglich werden, alle Triebfedern rege zu machen , die
nothwendig ſind, um den Geiſt ſeiner Untergebenen zu
beleben , und ſie ohne Zwang den jedesmaligen Umſtän.
den gemäß zu lenken .
Ausbildung der Chargen . 223
Außerdem ſind Gleichförmigkeit, Einfachheit und 596 .
ſtufenweiſes Fortſchreiten für den Unterricht höchſt noth .
wendige Bedingniſſe, demſelben iſt eine Geiſt und
Körper erfriſchende Abwechslung zu geben, und der
Vorgang ſo zu regeln, daß nicht erſt nach gänzlicher
Erſchöpfung eines Lehrgegenſtandes zum andern
übergegangen, ſondern die Verwendbarkeit des Sol.
daten nach allen Richtungen gleichmäßig gefördert
werde.
Jede Uebereilung muß ſorgfältig vermieden werden , 597 .
weil ſich das Verſäumte ſpäterhin ſchwer oder gar nicht
mehr nachholen läßt. Es darf dahermit dem Unterrichte
nur in dem Maße fortgeſchritten werden, als der Soldat
das ihm Gelehrte begriffen und auszuführen erlernt
hat, widrigenfals ſeine Ausbildung nie vollſtändig
erfolgen kann.
Die zur Ausbildung des Soldaten Berufenen , 598 .
insbeſondere aber die Offiziere , müſſen ſich vor Allem
eine genaue und gründliche Renntniß der in dieſem
Reglement enthaltenen Vorſchriften eigen machen , und
dieſelben auch richtig anzuwenden verſtehen . Sie dürfen
weder beim Unterrichte noch bei der Anwendung eine
Abweichung von den feſtgelegten Beſtimmungen dulden ,
noch die dem Soldaten in gewiſſen Fällen zugeſtandene
Selbſtſtändigkeit durch willkürliche Anordnungen ein .
ſchränken – und dadurch vielleicht den Zweck in Frage
ſtellen , um eine in der Vorſchrift gar nicht begründete
Gleichförmigkeit zu erzielen . – Sie müſſen ſich bei
ihren Belehrungen eines dem Faſſungsvermögen des
Auszubildenden entſprechenden Vortrages befleißen ,
Jeden nach ſeiner Individualität behandeln , den Fleißi.
gen und Geſchickten beloben und auszeichnen, den Un.
geſchickten oder Schwachen mit unerſchöpflicher Geduld
224 11. Hauptſtück .

heranzubilden trachten , den Nachläſſigen mit Strenge


zur Erfüllung ſeiner Pflichten verhalten ; kurz durch
ziveckmäßige Behandlung eines jeden Einzelnen , den
Unterricht möglichſt zu fördern bemüht ſein .
Mit Rückſicht auf die eigenthümliche Beſtimmung
der verſchiedenen Truppen -Gattungen ſollen ſie endlich
auch zu beurtheilen wiſſen , welche Verhältniſſe der
ihnen anvertraute Soldat bei ſeiner Verwendung zu
gewärtigen hat, und ſonach den hierauf Bezug nehmen .
den Unterrichtsgegenſtänden bei der Belehrung eine
vorzugsweiſe Beachtung widmen .
599. Nach den feſtgeſtellten Erfahrungen reicht ein
Zeitraum von acht Wochen vollkommen aus, um den
Nekruten mit dem Gebrauche des Gewehres bekannt
zu machen , die Entwicklung ſeiner förperlichen Gewandt
heit anzubahnen und ihm auch ſeine Obliegenheiten in
jeder Verwendung des Zuges kennen zu lernen.
600. Die Dauer der Uebungen hat täglich vier Stunden
zu betragen , in welche jedoch die Zeit des Aus- und
Einrückens nicht einzurechnen iſt. Sonn - und Feiertage
ſind nur theilweiſe und zwar höchſtens während zwei
Stunden zur mündlichen Belehrung zu benüßen .
601. Da die Verhältniſſe nicht immer die Benüßung
eines ſo langen Zeitraumes zur Abrichtung geſtatten , ſo
muß die Verwendbarkeit auch in kürzerer Zeit erzielt
werden, in dieſem Falle iſt daher die Handhabung der
Waffen und die Entwicklung der körperlichen Gewandt
heit vorzugsweiſe im Auge zu behalten .
602. Die Rekruten ſind in Züge abzutheilen , und ein
jeder derſelben einem Offiziere zu übergeben , die Abrich .
ter find ſo zu bemeſſen , daß für die einzelne Abrichtung
4 - 6 Mann, im Gliede 8 — 12 Mann auf einen Ab.
richter entfallen .
Ausbildung der Chargen . 225
Bei einem geregelten Vorgange werden die Nekru- 603 .
ten am Ende der erſten Woche die Stellung, die Gas
Lenkübungen, die Wendungen , das Marſchiren und
Laufen , einige Gewehrgriffe und die Vorübungen zum
Schießen zwar nicht vollſtändig erlernt, aber doch bereits
der Weſenheit nach) aufgefaßt haben . Sie ſollen ferner
in der geſchloſſenen Ordnung ſich zu ralliren wiſſen , dann
auch über die Formirung, Bewegung und Entwicklung
der Reihen und Doppelreihen die erſte Belehrung erhals
ten haben,wozu das Aus- und Einrücken zu benüßen iſt.
Der theoretiſche Unterricht muß mit den Uebungen 604 .
im gleichen Maße fortſchreiten , und gleich beim Beginne
auch die Ehrenbezeigungen erörtern , welche der Soldat
ſeinem Vorgeſeßten zu leiſten hat. Er wird ſich fer
ner auf die Erklärung des Eides und der Kriegsartikel
erſtrecken , die Obliegenheiten des Soldaten im Alge
meinen , dann die Kaſernordnung umfaſſen . Er darf nicht
ſchulmäßig vorgenommen werden und die Auffaſſung,
ſowie das Gedächtniß des befangenen Nekruten crdrücken ,
ſondern dieſer iſt durch Fragen zum Nachdenken anzuregen
und auf dieſe Weiſe nur durch die Berichtigung ſeines eige
nen Urtheiles zu den beabſichtigten Schlußfolgerungen
zu führen .
Das Ergebniß der zweiten Woche wird die geſtei- 605 .
gerte Gewandtheit des Rekruten im Marſchiren , Laufen
und Springen , die Geſchicklichkeit im Laden und An .
ſchlagen des Gewehres und in der Ausführung der mei.
ſten Gewehrgriffe in ſich ſchließen . Der Rekrut wird den
Unterricht im Gliede bereits aufgefaßt, und über die
Benübung des Terrains einige Belehrungen erhalten
haben . Im Zuge wird das Aufſuchen der Eintheilung
und Richtung, die Formirung, Bewegung und Ent:
wicklung der Reihen und Doppelreihen , der Vor
15
226 11.Hanpftück.
Seiten- und Rückmarſch , dann die Ausführung des
Bajonnet-Angriffes ſchon den Charakter der Sicherheit
zu erlangen beginnen, der Uebergang in die zerſtreute
Fechtart aber angebahnt ſein . Der theoretiſche Unterricht
wird gleichfalls fortgeſchritten ſein und den Wachdienſt
berührt haben .
606 . Jn der dritten Woche muß der Rekrut zunächſt in
den bereits erlernten Gegenſtänden durch entſprechende
Wiederholungen befeſtigt, und zum Beginne des Bajon
net- Fechtens angeleitet werden . Die Unterweiſung in den
Wachverhaltungen wird fortzuſeßen und durch die prak
tiſche Anwendung zu unterſtüßen ſein .
Nach Ablauf dieſer Woche wird der Nekrut daher
ſchon eine merkbare Sicherheit in der Beherrſchung des
Körpergewichtes und der Gliedmaßen , im Laufen und
Springen erlangt haben , er wird ſein Gewehr zu laden
und abzufeuern , hierbei einen Zielpunkt richtig zu erfaſſen
verſtehen und auch alle Gewehrgriffe richtig ausführen .
Der Rekrut wird ſich ſeiner Fortſchritte in jeder
Beziehung bewußt ſein und in allen ſeinen Bewegungen
eine gewiſſe Sicherheit beurkunden .
608. Nach dem angedeuteten Maßſtabe ſind die Anfor
derungen auch in den folgenden Wochen zu ſteigern ,
und dem Rekruten allmälig die Belehrungen über den
Sicherheitsdienſt beizubringen , ſo daß nach Ablauf der
ganzen Abrichtungs -Periode nichts unberührt geblieben
iſt, was zur Verwendbarkeit des Soldaten in der Kom
pagnie nothwendig erſcheint.
609. Ein ähnlicher Vorgang iſt auch zweckmäßig , wenn
es fich darum handelt, abgerichtete Soldaten , welche in
Folge längerer Beurlaubung aus der Uebung gekom
men ſind, mit den Grundfäßen des Abrichtungs-Negle
ments wieder vertraut zu machen . Die Anforderungen
Ausbildung der Chargen . 227
werden in dieſem Falle höher zu ſpannen und die ein
zelnen Unterrichtsgegenſtände mehr zuſammenzudrängen
ſein , damit der beabſichtigte Erfolg in möglichſt kurzer
Zeit erreicht und die Verwendbarkeit des Soldaten
wieder geſichertwerde.
Das über die Leitung des Unterrichtes Geſagte 610.
hat auch für den Kompagnie-Kommandanten volle Gil.
tigkeit. Er muß jedoch vorzüglich auf die gründliche
Ausbildung ſeiner Chargen ſehen , durch entſprechende
theoretiſche Belehrung und richtig gewählte praktiſche
Aufgaben den Kreis ihres Wiſſens ſtets erweitern und
dadurch auf die Ausbildung eines ſelbſtſtändigen
Urtheiles hinwirken .
Die gründliche Ausbildung der Kompagnie bildet 611.
auch die Grundlage für das richtige Ererciren und Ma
növriren in größeren Körpern,wo der Rompagnie-stom
mandant ſeine Aufmerkſamkeit nicht mehr dem Detail
zuwenden kann, ſondern dasſelbe ſeinen hiefür ver
antwortlichen Zugs-Kommandanten überlaſſend, ſich nur
mit der richtigen und entſprechenden Führung ſeiner
Kompagnie befaſſen wird. Je tüchtiger die Zugs- Rom .
mandanten und deren Stellvertreter geſchult ſind, eine
deſto ficherere Stüße wird der Kommandant bei der Lei
tung ſeiner Kompagnie in ihnen finden .

15 *
228 III. Hauptſtücke

III. Hauptſtück .
Stellung und Ererciren der Stabs- und Ober
offiziere.
S. 69.
Stellung und Ererciren der Stabs- und Oberoffiziere
zu Pferde.
612. Der Stabsoffizier zieht zum Kommandiren jeder
zeit den Säbel. Der Griff des Säbels wird mit dem
Daumen , Zeige und Mittelfinger der rechten Hand in
der Mitte umfaßt, während die anderen zwei Finger
rückwärts an dem Griffe ruhen . Der Säbelknopf ruht
auf dem rechten Schenkel ſo, daß die Klinge gerade
aufwärts laufe und eine Spanne von der echten Schul
ter abſtehe.
613. Die Salutirung vor der Allerhöchſten
Herrſchaft wird, ſowohl auf der Stelle, als während
des Marſches, in der Entfernung von 15 Schritten an .
gefangen , und durch dreimaliges Erheben und Senken
des Säbels, wobei von einem Tempo zu dem andern
ungefähr 2 Marſchtakte auszuhalten iſt, auf nach
ſtehende Art vollbracht:
1. Der Säbel wird mit der rechten Hand erhoben
und gewendet, daß der Griff vor die linke Bruſt
komme, die Klinge gerade aufwärts und der
Griffbügel links ſeitwärts ſtehe. Der Daumen
Stellung und Ererriren der Stabs- und OberoffiziereEl.. 229

liegt auf der innern Seite des Griffes aufwärts


geſtemmt und der Elbogen bleibt am Leibe ge
ſchloſſen .
2 . Der Säbel wird mit natürlich geſtrecktem Arme
an die rechte Seite herabgebracht, daß der Griff
bügel gegen den Schenkel gewendet, eine Hand
breit von derſelben abſtehe, und die Spiße voll.
kommen geſenkt ſei.
3 . Der Säbel wird wie beim erſten Tempo wieder
vor die linke Bruſt erhoben ,
4. wie beim zweiten Tempo geſenkt,
5 . wie beim erſten Tempo erhoben ,
6 .wie beim zweiten Tempo geſenkt.
In dieſer tief geſenkten Lage hält der Stabsoffizier
den Säbel ſo lange, bis die Allerhöchſte Herrſchaft vor
ihm vorüber iſt , oder bis er dieſelbe längs der Front
begleitet, und ihre Befehle empfangen hat.
Zur Herſtellung wird : 614.
1. Der Säbel wie beim erſten Tempo der Salutirung
por die linke Bruſt erhoben, und
2. wieder in die vorgeſchriebene Lage an die rechte
Seite gebracht.
Vor dem Hochwürdigen wird die Stellung 615 .
zum Gebet angenommen , nämlich das erſte und zweite
Tempo der Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft
vollführt.
Die Salutirung vor jedem andern Vorgeſepten, 616.
wird ſowohl auf der Stelle, als während des Marſches ,
in der Entfernung von 6 Schritten angefangen , und
in zwei Tempo aufdieſelbe Art, wie das erſte und zweite
Tempo der Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft
ausgeführt, jedoch die Säbelſpiße nur ſo tief geſenkt,
daß ſelbe eine Hand breit über die rechte Fußſpiße erho
230 III. Hauptſtück .

bleon Ben–eraDas
Ben bleibe.
ben Befehle errlängs
ler Begleiten or der Front geſchieht
bei allen Generalen mit geſenkter Säbelſpiße , und erſt
nach empfangenem Befehle erfolgt die Herſtellung.
617. . Vor einem Stabs offizier erfolgt die Herſtel
lung unmittelbar nach der Meldung und zum Empfange
der Befehle wird neuerlich ſalutirt.
618. Zum Schwören verſorgt der Stabsoffizier den
Säbel, zieht den Handſchuh der rechten Hand aus, nimmt
die Kopfbedeckung ab, legt ſie in die linke Hand, welche
dieſelbe mit dem Zeigefinger und Daumen erfaßt und
erhebt hierauf die rechte nach der bekannten Vorſchrift,
" ! Nach dem Schwören wird die Kopfbedeckung,
aufgeſeßt , der Handſchuh angezogen und der Säbel
ergriffen .
619. , Der Regiments - und Bataillons-Adjutant ziehen
+ außer vor dem Feinde zu ihrer perſönlichen Ver.
hone birer personesensu
theidigung - niemals den Säbel. Die rechte Hand,
die Finger geſchloſſen , wird an dem obern Theile des
rechten Schenkels dergeſtalt ſchräg aufwärts aufgeſebt,
su daß der Daumen oberhalb an dem Knöchel des Zeige.
fingers und der kleine Finger an die Hoſennaht zu liegen .
kommen ; wobei der rechte Elbogen etwas zurückgenom
men wird.
620. Bei jeder Ausrückung mit der Truppe wird als
Salutirung, ohne Unterſchied des Ranges des Höheren ,
nur die vorgeſchriebene Stellung angenommen ; ſonſt
aber hierzu die rechte Hand nach der für den Soldaten
i beſtehenden Vorſchrift zur Salutirung an die Kopf
bedeckung erhoben .
Zum Gebete wird die rechte Hand wie bei der
t, i Salutirung an die Kopfbedeckung erhoben .
Stellung und Erereiren der Stabs - und Oberoffiziere . 231

§. 70.
Stellungund Ererciren der Stabs - undOberoffiziere
zu Fuß .
Die Stellung des Offiziers ' iſt dieſelbe wie jene 621.
Des Soldaten ohne Gewehr, desgleichen dieSalutirung,
welche er bei verſorgtem Säbel ſtets mit der rechten
Hand zu leiſten hat.
Der Stabs - oder Oberoffizier hält den gezogenen 622.
Säbel bei etwas gebogenem Handgelenke, mit dem
Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, umfaßt an
der rechten Seite, daß ſich die Spißen dieſer zwei Fin
ger berühren , die anderen aber geſchloſſen am Griffe
ruhen . Der innere Rand des Stichblattes berührt den
Schenkel. Der Griff iſt ſo weit zurückgezogen , daß die
Klinge gerade aufwärts ſtehe, und der Rücken an der
Achſel ruhe. Die linke Hand hat bei natürlich geſtreck
tem Arme an der Seite herabzuhängen und die Säbel.
fcheide ohne Zwang ſo zu halten , daß fie in der Be
wegung nicht hinderlich wird .
Während des Grercirens iſt demſelben jedoch zur 623 .
Erleichterung auch geſtattet , den Säbel auf folgende
Art zu halten : Der Daumen und Zeigefinger umklam
mern das obere Ende des Griffbügels, der Säbelknopf
ruht in der hohlen Hand, der Nücken der Klinge an
der Achſel. Der rechte Arm iſt hierbei natürlich ge
ſtreckt, der Elbogen an den Leib geſchloſſen , der innere
Rand der Parirſtange berührt den Schenkel.
Der Oberoffizier ſalutirt nur dann , wenn er als 624 .
Kommandant einer ausgerückten Truppe vor derſelben
ſteht oder marſchirt .
Die Salutirung vor der Allerhöchſten Herr: 625 .
ſchaft wird ſowohl auf der Stelle, als während des
232 III. Hauptfäck .

Marſches, in der Entfernung von 15 Schritten an


gefangen .
Im Marſche hat das erſte Tempo immer in dem
Augenblicke vodführt zu werden, wo der linke Fuß vor
ſchreitet, und es folgen dann die übrigen Tempo bei
dem jedesmaligen Vorſchreiten dieſes Fußes , wornach
zwiſchen jedes Tempo, wie zu Pferde, 2 Marſchtakte
fallen .
Die Salutirung vor der Allerhöchſten Herr
ſchaft auf der Stelle erfolgt auf folgende Art :
1. Wie im erſten Tempo der Salutirung des Stabs
offiziers zu Pferde vor der Allerhöchſten Herr
ſchaft.
2. Wird der Säbel mit natürch geſtrecktem Arme an
der rechten Seite ſo weit herabgeſenkt, daß der
Griffbügel an den rechten Oberſchenkel komme
und die Spiße der Klinge eine Spanne vom
Boden abſtehe.
3 . Der Säbel wird wie beim erſten Tempo vor die
linke Bruſt erhoben ,
4 .wie beim zweiten Tempo geſenkt,
5 . wie beim erſten Tempo erhoben,
6 .wie beim zweiten Tempo geſenkt.
In dieſer Stellung bleibt der Stabs- oder Ober
offizier ſo lange, bis die Allerhöchſte Herrſchaft auf
9 Schritte vorüber iſt.
626 . Zur Herſtellung wird :
1. der Säbel vor die linke Bruſt erhoben , und
627. 2. wieder in die urſprüngliche Lage an die rechte
Seite gebracht.
Vor dem vo chwürdigen wird die Stellung zum
Gebete angenommen .
Stellangund Erersiren der Stabs- und Oberoffiziere. 233

: Die Salutirung vor jedem andern Vorgeſegten , 628 .


wird ſowohlwährend des Marſches , als von der Stelle
in der Entfernung von 6 Schritten begonnen und in
2 Tempo auf dieſelbe Art , wie das erſte und zweite
Tempo der Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft,
vollführt, die Spiße der Klinge aber nur auf eine
Spanne von der wagrechten Lage abwärts geſenkt.
Die Herſtellung, wie oben nach derSalutirung
vor der Allerhöchſten Herrſchaft erklärt, erfolgt auf die
Entfernung von 6 Schritten.
Jin Uebrigen iſt bei Begleitung der Allerhöchſten 629.
Herrſchaft längs der Front, und beim Empfange der
Befehle, švie auch bei Begleitung der Generalität und
anderer Vorgeſepten , die für den Stabsoffizier zu Pferd
gegebene Vorſchrift auch zu Fuß zu beobachten .
Zum Gebetwird der Säbel an der rechten Seite 630.
mit links-einwärts gewendeter Schneide ſo geſenkt, daß
die Spiße eine Spanne von der Erde abſtehe, und gleich
zeitig die linke Hand an die Kopfbedeckung erhoben .
Zur Herſtellung wird der Säbel ſowohl, als die
linkeHand in die vorgeſchriebene Stellungzurückgebracht.
Das Niederknieen zum Gebet und Abnehmen der 631.
Kopfbedeckung wird vom Dffizier auf gleiche Weiſe voll.
führt, wie es für den Soldaten vorgeſchrieben worden ,
nur daß er hierbei den Säbel ſo ſenkt, daß die Schneide
links- einwärts gewendet und die Spiße eine Spanne
über den Boden erhoben ſei. Desgleichen erfolgt das .
Aufſtehen auf die für den Soldaten vorgeſchriebene
Weiſe ; wobei der Säbel wieder an die rechte Seite
erhoben wird.
Zum Schwören wird der Säbel an die linke Seite 632.
gebracht und dort von der linken Hand übernommen ,
daß der Daumen und Zeigefinger das obere Ende des
234 III. Hauptftück .

Griffbügels umklammern , den Säbelknopf zwiſchen


Zeige- und Mittelfinger, der Rücken der Klinge aber an
der linken Achſel ruhe.
Die Kopfbedeckung wird nach Vorſchrift abgezo
gen, vor den linken Schenkel gebracht und dort an der
innern Höhlung mit dem Zeigefinger und Daumen der
linken Hand ſo gehalten , daß
endbeim
et Szako rder Schirmhte
gew Jägerhute
gegen die rechte Seite, beim ec
abe ddieie rrechte
ſei. 5 aber
Krämpe
hmuracgegen
h r den htLeib
en gewendet ſei. Hierauf wird der
. Sc
Handſchuh dder rec Hand abgezogen und dieſe zum
e rechten
Schwure erhoben.
Nach dem Auffeßen der Kopfbedeckung wird der
Handſchuh angezogen, der Säbel von der rechten Hand
übernommen und wieder an die rechte Seite gebracht.
633. Die Tempo zum Gebeteſtellen , Nieder
knieen und Schwören vollführt der Offizier in Neih '
und Glied auf das Kommando gleichzeitig mit der
Truppe; als Kommandant aber erſt, nachdem ſie von
der Mannſchaft vollzogen worden ſind. Bei der Her
ſtellung dagegen volzieht er dieſe zuerſt und komman
dirt dann die Truppe hierzu .
235

IV . Hauptſtück.
Schieß -Inſtruction.
$. 71.
Ginleitung.
Der Schießunterricht hat den Zivec , dem Soldaten nebſt 634 .
der Kenntniß ſeiner Waffe und Munition , die richtige Anwen
dung derſelben kennen zu lernen und ihm zum möglichſt guten
Schüßen heranzubilden .
Die gründliche Belehrung dieſes Gegenſtandes iſt von
größter Wichtigkeit, da man die Schußwaffe als einen weſent
lichen Faktor der heutigen Kriegführung betrachten muß.
Es genügt nicht, dem Gegner auf Gut-Glück mit Projektilen 635 .
zu überſchütten , ohne ihm hiebei bedeutend zu ſchaden - dies
würde nicht zur gewünſchten Erſchütterung desſelben beitragen,
wohl aber eine Munitionsverſchwendung herbeiführen, welche
von den traurigſten Folgen begleitet ſein kann .
Der Soldat muß daher die gründliche Kenntniß in der Be
handlung und Anwendung des Gewehres beſigen, und dieſe ihm
durch ſeine Lehrer, die Offiziere und Unteroffiziere beigebracht
werden .
Ein rationeller theoretiſcher Unterricht, ein richtiges Ver
ſtändniß der Handhabung und Wirkung der Feuerwaffe , bevor
der Soldat zum Schießen zugelaſſen wird, ſind die Grundbedin
gungen zur Erzielung guter praktiſcher Reſultate.
Bei dem gegenwärtig eingeführten vinterladungsgewehre, 636
welches den Anforderungen des guten und ſchnellen Schießens
vollkommen entſpricht, iſt der richtige Anſchlag einer der weſent. '
lichſten Bedingungen . Dieſer iſt daher häufig aus allen Stel.
lungen, auf Commando und ohne demſelben zu üben.
Das Schießen mit den Chargen iſt bis auf die weiteſten 637.
Diſtanzen auszudehnen , um denſelben die Gelegenheit zu ver
ſchaffen, die Leiſtungsfähigkeit ihrer Waffe genau kennen zu
lernen . Zu dieſer Uebung ſind auch die beſten Schüßen der Com .
pagnie beizuziehen .
236 IV . Hauptſtück . – 1. Abſdritt.

1. Abſchnitt.
Beſchreibung der k. k. Armee - Gewehre und
der zugehörigen Munition.
S. 72.
Beſchreibung des Gewehres .
638. Für die Fußtruppen der k. k.Armee beſtehen Infanterie
Gewehre , Jägerſtu gen und Ertra -Corp $ - Gewehre,
welche jo eingeriditet ſind, daß ſie von rückwärts geladen werden
können und daher auch Hinterladungs-Gewehre heißen .
639. Jedes diejer Gewehre hat folgende Beſtandteile :
1 . Den Cauf,
2 . den Veridliiß ,
3 . den llurinn,
4 . das Colos,
5 . den daft,
6 . die Garnitur und das Kleinzeug,
7. den Wubſtock, 11.0
8 . Tas Bajoninet.
640. Der Lauf iſt entweder aus Schmiedeijen oder aus Guß:
ſtahl erzeugtumd cylindriſch ausgebohrt; am rückwärtigen Ende
dieſer Bohrung befindet ſich die Sd;w anzichraube, welche
zur Verbindung des Lanfes mit dem Schajte dient. Vor der
Schuan dhraube iſt der Lauf zur Aufnahme des Verſdlusſtückes
entſprechend ausgeſchnitten .
In der Rohrung, deren Mittellinie Laufare heißt, unter
ſcheidet man den Laderaum und den gezogenen Theil.
Regterer iſt mit vier idraubenartig gewundenen Furchen ver
ſehen , welde Zige heißen . Die zwiſchen den Zügen vorſtehen
den Theile der Bohrung heißen Felder. Die Windung der
Züge heißt Droll.
Wird durd, die gezogene Bohrung ein Bleigeſchoß getrie
ben , welches ſich in die Züge einſchneidet, ſo erhält es eine dre
hende Bewegung um ſeine Längenare. Wenn das Geſchoß den
Berd reibung der Gewehre. 237
Laufverläßt, jo behält es dieſe drehende Bewegung bei,wodurch
eine unregelmäßige Ablenkung der Geſchoſſe verhindert und ſo
mit die Treffſicherheit erhöht wird. An jedem Laufe iſt nahe am
vorderen Ende ein sjaft angebracht. Es iſt dieſer mit einer
ſcharfkantigen Erhöhung verſehen , welche das korn heißt und
zum Zielen dient. Beim Infanterie-Gewehre und Ertra-Corps
Gewehre dient dieſer Haft überdieß zur Befeſtigung des Ba
jonnets.
Beim Jägerſtuben iſt jedoch für dieſen legteren Zweck vorn 641.
und ſeitwärts am Laufe ein eigener Saft angebracht. Beim
Jägerſtuben befinden ſich ferner noch an der unteren Oberfläche
des Laufes drei Hafte zur Verbindung desſelben mit dem Schafte
und zur Befeſtigung des oberen Riemenbügels.
Der Verſchluß beſteht aus einen Verſchlußſtücke, 642
welches um ein an dem Laufe befeſtigtes Scharnier drehbar iſt.
Zum Auf- und Zumadien dient eine rechts ſeitwärts befindliche
Handhabe .
Wenn das Verſchlußſtück in den Lauf herabgelaſſen wird ,
ſo bildet die vordere Flädie desſelben den Boden des Laufes,
während die rückwärtige, ſtufenförinige Fläche ſich an die hintere
Wand des Laufausſchnittes ſtüßt. Das linke Scharnierband des
Verſchlußſtückes iſt herzförmig geſtaltet und ſtüßt ſich gegen eine
an der linken Laufſeite angeſchraubte Verſchlußſtückfeder zu
dem Zwecke, damit das aufgeklappte Verſchlußſtück nicht von
ſelbſt zurückjalle.
Durch das Verſchlußſtück geht in ſchräger Richtung der 643 .
Zündſtift und wird in demſelben durch die hohle Zündſtift.
fchraube feſtgehalten . Er dient zur Entzündung der Patrone,
ſobald beim Abfeuern der Hammer auf denſelben ſchlägt. Eine
Spiralfeder, welche um den Zündſtift gewunden iſt , hat die
Beſtimmung die Spige desſelben innerhalb des Verſchlußſtückes
ziehen , wenn der Hammer auf den Zündſtift nicht mehr
zuaufruht.
Im Verſchlußſtücke befindetſich ferner rückwärts eine zilin . 644.
driſche Höhlung, in welche ein Sperrſtift eindringt,
ſobald der Verſchluß geſchloſſen iſt, und der Hammer auf den
Zündſtift niedergelaſſen wird.
Beim Spannen des Hammers wird der Sperr ſtift aus
dem Verſchlußſtücke herausgezogen und dieſe Bewegung durch
einen Schlepper vermittelt, welcher an der Nuß des Schloſſes
fich befindet.
238 IV. Hauptſtück . - 1. Abſchnitt.
645. An der linken Seite des Laderaumes iſt ein Patronen
zieher eingeſchoben , um die Patrone beim Deffnen des Ver
ſchluſſes aus dem Laderaume zu ziehen .
646 . Ein Patronenzieherſtift,welcher im linken Scharnier
bande des Verſchlußſtückes eingeſdraubt iſt, bewirkt das Vor
und Zurückſchieben des Patronenziehers.
647. Der Aufſaß des Infanterie- Gewehres beſteht
aus einem Auffaßfuße, welcher im Laufe eingelaſſen iſt und
aus einem Rahmen , welcher ſich um ein Scharnier am
Aufſakfuße aufſtellen und niederlegen läßt. An der gegen den
Schüßen gerichteten Seite des Rahmens iſt eine Feder mit
2 Schrauben befeſtigt, aufwelcher Theilſtriche eingerißt ſind ; die
unterhalb derſelben eingeſchlagenen Ziffern bedeuten die Anzahl
der Hunderte von Schritten .
648 . Zwiſchen dem Rahmen läßt ſich ein Viſirſch uber mit
einem Viſir - Einſchnitt (Grinſel) auf und abſchieben und
innerhalb des Rahmens auf jede beliebige Stelle ſtellen . Wird
der Rahmen nach vorwärts umgelegt, jo dient das umgebogene
Ende der Feder, welches ebenfalls mit einem Grinſel verſehen
iſt und Standvijir genannt wird, zum Zielen auf nahe
Diſtanzen .
649. Der Aufſaß des Jäger -Stußens beſteht aus einem
in den Lauf eingeſchobenen Aufſaffuße,welcher aus 2 Backen
gebildet wird.
Der rechte bewegliche Backen kann durch Drehung einer
Stellſchraube an den linken Backen gepreßt, oder von dem .
ſelben entfernt werden . Zwiſchen den Backen bewegt ſich in
Falzen ein bogenförmiger Schlitten , welcher durch das An.
ziehen der Stellſchraube feſtgeſtellt werden kann, wenn derſelbe
auf einen der Theilſtriche geſchoben iſt, die am Laufe eingerißt
find. Die vor den Strichen eingeſchlagenen Ziffern bezeichnen
die Zahl der Hunderte von Schritten. Än der oberen Kante des
Schlittens und am linken Backen des Aufſakiußes find Grinſel
eingeſchnitten , wovon das Lebtere als Standviſir dient.
650. Der A ufiaß des Extra- Corps-Gewehres beſteht
aus einem Aufſabfuße und einer mit einem Grinſel ver.
ſehenen Klappe,welche ſich um ein Scharnier drehen läßt.
Auf den ſchiefen Flächen des Aufſaßfußes läßt ſich ein
S duber vor und zurückſchieben , wodurch die Klappe gehoben
oder geſenkt, und das Grinſel auch verſchieden hoch geſtellt
Beſchreibuug der Bewehre. 239
werden kann. Auf der linken Seite ſind Theilſtriche eingerigt und
mit Ziffern bezeichnet, welche Hinderte von Sdritten bedeniten .
Das Schlo ß beſteht aus der S dlo ßplatte, den 651
inneren Theilen oder dem Geſperre und aus den
å ußeren Theilen.
Die Schloßplatte dient zur Befeſtigung der übrigen 652
Schloßbeſtandtheile an dieſelbe, und zur Verbindung des Schloſſes
mit dem Schafte .
Das Geſperre wird von der Schlagfeder, der Nuß, 653
der Studel, der Stange und der Stangenfeder nebſt
den nothwendigen Schrauben gebildet.
Die S dlagfeder iſt die bewegende Kraft im Schloſje had
und drückt mit dem Ende ihres beweglichen Armes auf die
Krappe der Nuß .
Die Nuß bewegt ſich zwiſchen der Schloßplatte und der 655
Studel um eine Achſe, welche einerſeits durch den Nußſtift,
andererſeits durch den Nußwellbaum gebildetwird. An dem
Umfange der Scheibe befißt die Nuß zwei Einſchnitte, wovon der
näher der Schlagfeder gelegene die Sicherheitsraſt, ser
zweite die Spann raſt heißt.
Die Studel bildet das Lager für die Nuß und für die 656 .
Stange und iſt durch 3 Schrauben an die Schloßplatte be.
feftigt .Die Stange bewegt ſich um die Stangenjchraube. 657 .
Mit ihrem kürzeren Arme, dem Vorder arme, greift ſie in die
Raſten der Nuß.
Der längere Theil der Stange heißt Hinterarm und
ſein rechtwinkelig abgebogenes Ende Stangenzapfen .
Die Stangenfeder iſt mit einer Schraube und einem
Stiften an die Schloßplatte befeſtigt und drückt den Vorderarm
der Stange in die Raſten der Nuß .
Die äußeren Theile der Nuß ſind der Hammer mit 658
der Hammerſchraube. Er ſteckt auf der viereckigen Verlän .
gerung des Nußwellbaumes. Der Cheil des Hammers,welcher
aufden Zündſtift ſchlägt, heißt Kopf, jener,welcher als Handhabe
beim Spannen dient, wird Hammerſch w eif genannt.
Wenn man den Hammer durch einen Druck auf den 659.
Hammerſchweif zurückdreht, ſo wird die Schlagfeder zuſammen .
gedrückt, der Vorderarm der Stange fällt in die Raſten der Nuß
ein, und hält den Hammer in dieſer Lage ſo lange, bis die
Stange durch einen Druck des Süngels auf den Stangenzapfen
240 IV. Hauptſiück . - I. Abſchnitt.
aus den Raſten gehoben wird. Sobald dieß geſchieht, drückt die
Sdilagjeder die muß nach abwärts und der Hammer übt einen
kräftigen Schlag aufden Zündſtift aus.
660 . Der S daft dient zur Lagerung des Laufes und zur
bequemen handhabung des Gewehres.
Der Theil, in welchem der Lauf liegt, heißt Vorder
idajt, jener an welchem das Schloß befeſtigt iſt, Mittelſchaft
und der rückivärtige TheilKolben .
661. Die Garnitur und das Kleinzeug ſind zur größern
Feſtigkeit des Schaftes und zur Verbindung der Gewehrbeſtand
theile beſtimmt. Es gehören zur Garnitur des Infanterie
(Gewehres :
Der vbere Laufring mit einer trichterförmigen Hülſe
für den Butto cf ;
Der mittlere Laufring;
der obere Riemenbügel;
der untere Laufring.
662. . Die Laufringe werden durch die in den Schaft einge
laſſenen Ringfedern feſtgehalten .
Das Seitenblech an der linken Seite des Mittelſchaftes
dient als llnterlage für die Schloßſchraube. Der Griffbügel
an der untern Fläche des Mittelſchaftes.
663. eingelaſſen
Das Zün gel iſt unter dem Griffbügel in den Schaft
des geſpannten Hammers.
und dient zum Abziehen
Drückt man nämlich auf das Züngel, ſo wird die Stange des
Schloſſes aus den Raſten der Nuß gehoben und die Schlagfeder
ichnellt den Hammer gegen den Zündſtift.
664. Der Kolbenſchuh an der rückwärtigen Fläche des
Kolbens.
Zum Kleinzeug rechnet man :
665. Schwanzichraube
Die Kreuzſchraube, welche
geht;
durch den Schweif der
die Schloßich r aubeni ;
die Griffbügelſchrauben ;
die Kolbenſch uhích rauben, und
die Stifte zur Befeſtigung der Ringfedern und
Riemenbügel.
666. wie Die Garnitur und das Kleinzeug des Jäger-Stukens find
beim Infanterie-Gewehre, jedoch ſind ſtatt der Laufringe
Schuber angebracht, welche durd, die Hafte des Laufes gehen .
Der obere Riemenbügel iſt mittelſt einer Schraube, welche durch
Beſchreibnng des Schieffandes. 241
den Schaft und ein Dehr am Laufe geht, am Vorderſchaft
befeſtigt.
Das obere Ende des Schaftes iſt durch das Naſenbein 667.
vor Beſchädigung geſchüßt.
Die Garnitur und das Kleinzeug des Extra- Corps-Gewehre$ 668 .
find wie beim Infanterie-Gewehre, nur fehlt der untere Laufring
und der untere Riemenbügel iſt mittelſt einer Schraube am
Kolben befeſtigt.
Der Puß ſtock dient zur Reinigung des Laufes. 669.
Die Gewinde an dem einen Ende dienen zum Einſchrauben
des Þußſtodes in eine Schraubenmutter, welche im Mittelſchafte
angebracht iſt, und zum Anſchrauben des Wiſchers.
Am andern Ende hat der Fußſtoc eine Verſtärkung mit
einem Loche, um durch dasſelbe den Zugſtift ſtecken zu können ,
der dann als Handhabe beim Reinigen des Rohres gebrauchtwird.
Das Bajonnet wird an dem oberen Laufende befeſtigt, 670,
wenn das Gewehr als Hieb- oder Stichwaffe gebrauchtwerden ſoll .
Für das Infanterie- und Ertra-Corps-Gewehr iſt ein 671.
Stich bajonnet eingeführt.
Es beſteht aus einer vierſchneidigen Klinge aus dem
Halfe und der jülſe ( Dille).
Legtere iſt mit einem Einſchnitte verſehen und befißt
zwiſchen zwei ringförmigen Anſäßen einen Sperr-Ring, durch
defſen Drehung das Bajonnet am Laufe befeſtigtwird.
Für den Jäger-Stußen beſteht ein Haubajonnet.
Man unterſcheidet an demſelben die gerade jäbelartige
Klinge, den Hals und die Hülfe mit dem Einſchnitte und
dem am untern Ende angebrachten Sperr - Ring.
S. 73.
Beſchr eibung der Munition .
Die ſcharfen Patronen beſtehen bei allen drei Gewehr. 672.
gattungen aus der metallenen Hülſe, dem Zündfaße, der
Pulverladung und dem Geſchoiſe.
Die Hülſe enthält den Zündſaß in dem am Boden befind. 673.
lichen hohlen Wulfte.
Die Ladung beträgt 60 Gran Gewehrpulver. 674 .
· Das Geſchoß hat ein Gewicht von 410 Gran und beſteht 675 .
aus einem zilindriſchen Theile und einer länglich runden , abgeplat
teten Spiße. Es iſt in die Hülſe ſo feſt eingeſeßt, daß das Pulver
und der Zündſaß vor Näſſe geſchüßt find.
16
242 IV. Hauptſtück . – 2. Abſchnitt.
676 . Wenn die Patrone geladen wird, ſo lehnt ſich die vordere
Fläche des Wulſtes an die entſprechende Wand des Laderaumes.
677. Beim Abfeuern ſchlägt der Zündſtift auf den Boden der
Patrone und preßt dadurch den Zündſaß, was deſſen Exploſion
und die Entzündung des Pulvers zur Folge hat.
Sobald das Pulver , welches ein Gemenge von Salpeter ,
Schwefel und Rohle iſt, entzündet wird, entwickeln ſich aus
demſelben Luftarten , die ſich nach allen Seiten auszudehnen
ſtreben , und auf die fie umgebenden Gegenſtände ſehr kräftige
Drücke ausüben . In Folge dieſer Drücke wird das Geſchoß durch
den Lauf getrieben und erhält eine ſo große Kraft, daß es auf
große Entfernungen zu fliegen vermag und die in der Flug.
678. richtungDabefindlichen Gegenſtände zu beſchädigen im Stande iſt.
die aus dem Pulver entwickelten Luftarten nach allen
Seiten wirken, ſo wird das Gewehr gegen die Schulter des
Schüßen geſtoßen , was man den Rückſtoß nennt.
679 Das Geſchoß iſt im Durchmeſſer etwas größer als die
Bohrung, beim Schuſſe ſchneiden ſich die Felder in das weiche
Blei ein , die Züge werden vollkommen ausgefüllt und ertheilen
dem Geſchoſſe die Umdrehung um ſeine Längenare.
680. Die blin'den patronen enthalten 40 Gran Gewehr.
pulver. Statt des Geſchoſſes befindet ſich auf dem Pulver eine
Pappendedelſcheibe, welche durch die umgebogene Hülſe in ihrer
Lage feſtgehalten wird.

2. Abſchnitt.
Beſchreibung der Scheiben und Herrichtung
des Schießſtandes.
§. 74.
Scheiben .
681. Für den practiſchen Schießunterricht find drei verſchiedene
Scheiben erforderlich, und zwar die
682. Scheibe Nr. 1, Fig. 1, 2. Dieſe wird aus einer mit
PI. I. Leinwand oder endeloſem Papier überzogenen Holzrahmen
hergeſtellt.
683. Scheibe Nr. 2. Dieſe beſteht aus einem colorirten
Pl. I. Soldatenbilde N . II in natürlicher Größe , welches aus
Beſchreibung des Sciektandes. 243
geſchnitten auf Papp- Papier aufgeklebt und auf eine Bolzlatte
aufgenagelt wird. Beim Gebrauche werden mehrere Jolche
Scheiben neben einander mit ihren untern zugeſpißten Enden in
die Erde geſteckt.
Scheibe Nr. 3 . Um Schüßen zu gewöhnen ,auch auf niedere 684.
Objecte zu ſchießen, wird blos der Obertheil der Scheibe Nr. 2 PL. I.
benüßt. N . III.
Scheibe Nr. 4. Zum Salven , Carréefeuer und größeren 685 .
ſcharfen Tirailleur-Uebungen von Schwärmen werden Colonnen PL I.
ſcheiben N. IV aufgeſtellt, d. h. es werden auf die Diſtanzen
von 400 – 600 Schritten 3 ; auf größere Diſtanzen 5 Scheiben
bon jenen mit Nr. 1 bezeichneten neben einander aufgeſtellt und
dienen dann die darauf bereits bezeichneten 3 Breiten als neben
einander ſtehende Männer.
Scheibe Nr. 5. Bewegliche Scheibe. N . V. Es iſt vom 686 .
weſentlichen Vortheile, den geübteren Schüßen nach beweglichen I
Objecten ſchießen zu laſſen , was insbeſondere vor dem Feinde
wichtig iſt, wo es ſich oft darum handelt, einzelne Reiter wie
7. B . Truppencommandanten auf das Korn zu nehmen. Hiezu
find die Scheibenvorrichtungen entſprechend einzurichten . Erfor.
derlich iſi hiezu ein einfacher,Rollwagen an welchen eine beliebige
Scheibe zu befeſtigen kömmt; dieſe wird durch angebrachte Leinen
aus der Zielorhütte in Bewegung geſeßt. Ebenſo ſind ent:
ſprechende Vorrichtungen für verſchwindende Scheiben berzuſtellen ,
um z. B . hinter Schießſcharten und Bruſtwehren ſtehende Gegner
vorzuſtellen .
§. 75.
Schießſtätte und deren Einrichtung.
Der Schießplaß, deſſen paſſende Herrichtuug zum weſent- 687.
lichen Anregungsmittel gehört, ſoll womöglich in der nächſten
Nähe der Garniſon fich befinden. Dort wo es die Verhältniſſe
erfordern, können die einzelnen Schußlinien auch in das Terrain
eingeſchnitten werden und müſſen in dieſem Falle eine Breite von
15 Schritten erhalten .
Für die Sicherheit des Zielers und der Bevölkerung iſt
die nöthige Sorge zu tragen , daher die Umgebung des Zieles 13 )
durch einenatürliche oder künſtlich aufgebaute Höhe (einen į " I
wenigſtens 16 Fuß hohen Kugelfang) begrenzt ſein muß. ,
I56 Nachdem die Anlage für Schußlinien auf lange Diſtanzen . nl
nicht überall möglich iſt, ſo genügt in der Regel die Entfernung !!!
16 #
244 IV . Hauptfäck . – 2. Abſchnitt.
biß auf 400 Schritte, da wo auch dieſe nicht zu erreichen
wäre, iſt ſich auch mit kürzeren Entfernungen , 8. h. biß auf
300 Schritte zu begnügen .
688. Erlauben es die Verhältniſſe, ſo find mehrere Schußlinien
zur gleichzeitigen Benüßung neben einander anzulegen. Dieſelben
müſſen jedoch ſodann ercentriſch oder wenigſtens 20 Schritte von
einander angelegt, und mit Zwiſchentraverſen verſehen , oder im
Terrain eingeſchnitten ſein .
Die Zielerhütte oder der Zielertravers fol wenigſtens
5. Schritte vor- und ſeitwärts der aufzuſtellenden Scheiben
erbaut und mit Blenden verſehen werden .
690.mehrereZurSchußlinien
Vermeidung von Unglücksfällen darf dort , wo
angebracht ſind, beim Schießen auf ver .
ſchiedene Diſtanzen die Scheibe vom Kugelfänger nicht ent
fernt und gegen den Schießſtand vorgerückt werden .
691. gleichzeitigen
Auf Schießſtätten , wo mehr als zwei Schußlinien zum
Gebrauche gebaut werden , find entſprechende An.
ſtalten zum Vorrufen des Zielers zu treffen , z. B . Glođenzüge;
wo dieſe Einrichtung ſich nicht befindet, müſſen die Zieler durch
verſchiedene Hornſtgnale entweder einzeln oder aber auch alle
zugleich vorgerufen werden.

3. Abſchnitt.
Vorbereitung zum Scheibenſchießen.
. $. 76.
| Zielen und Treffen . : : :
u . Unter dem Zielen verſtehtman den Vorgang , das Gewehr
beim Schießen in eine ſolcheLage gegen das Ziel zu bringen , daß
dieſes von dem Geſchoſſe getroffen wird. Beim Bielen bat man
den Bielpunkt und die beiden Viſirpunkte zu berückſich
tigen . Unter dem Zielpunkte verſteht man denjenigen Punkt,
c! welcher getroffen werden foll: Die Vifirpunkte find der höchſte
* Theil des Pornes und das Grinjel im Auffaße. Die Verbindung
aller drei Punkte durch eine gerade Linie heißtman die Bifir
Tinie. ". 1744 9 ang
693. 533 Wenn mart;z. B . auf das Schwarze einer Scheibe zielt; fo
PI. II. bezeichnet a b c Fig . 1 die Bifirlinier und dem ? Hugeride
Vorbereitung zumn Sdjeibenſchießen . 245
Schüßensmuß fich nebenſtehendes Bild dar
ſtellen. a b c d iſt die rückwärtige Fläche
des Aufſabes, der Einſchnitt in derſelben
iſt das Grinſel. Die graue Fläche inner
halb des Grinſels iſt der obere Theil des
Korns, und esmuß die Spiße desſelben in
einer geraden Linie mit a b ſein und ober
halb der Spiße des Grinſeleinſchnittesſtehen. DasSchwarzemuß
mit dem tiefſten Punkte auf der Spiße des Kornes auffißen. Man
nennt dieſe Zielweiſe: Sielen mit geſtriechen em :Korne
und es iſt dieſelbe unter allen Verhältniſſen anzu
wenden , weil ſie am leichteſten und ſich erſten aus zu
führen iſt.
Wenn die beiden Viſirpunkte a und b Fig . 1 bei einem auf 694 .
die Scheibe gerichteten Gewehrlaufe gleich hoch über der Lauf- Pl. II .
are fich befinden, ſo wird die Scheibe weder im Zielpunkte e noch
in der Verlängerung der Laufare de getroffen , ſondern das Ge.
ſchoß, welches ſich in der krummen Linie d f - Flugbahn ge.
nannt - bewegt, wird in die Scheibe im Punkte f eindringen .
Um aber die Scheibe im Zielpunkte c zu treffen , müßte man um
das Maß c f Fig . 1 gleich og Fig. 2 höher richten , d . h . die
Viſirlinie müßte die Scheibe im Punkte g Fig. 2 durchſchneiden ,
und das Geſchoß würde dann dieſelbe im Zielpunkte c Fig. 1
und 2 treffen .
Nachdem aber das Maß e f Fig. 1, um welches die Augel
unter die Laufare finkt, auf jeder Diſtanz verſchieden iſt und ein
şöherrichten bei größeren Schußweiten nicht leicht ausführbar
ift, ſo erhöht man das Orinſel des Auffages und richtet das Ge.
wehr ſo wie in Fig. 3 a b c iſt die Viſirlinie d e die Laufage
und dfc die Flugbahn des Geſchoſſes, welche die Piſirlinie ein
mal nabe vor dem Laufe und das zweitemal im Zielpunkte o
durdoneidet.
Weil das Maß g a für jede Diſtanz verſchieden iſt, ſo muß
auch das Grinſel je nach der Schußweite verſchoben werden. '
Beim Infanterie-Gewehre und Jäger-Stufen iſt das Grinſel 695.
im Auße des Úüffabés - Standbifir - fo hoch über der Lauf.
aše, daß das Geſchoß den Zielpunct auf 300 Schritt Entfer.
nung trifft. Für größerė Söhüßweiten muß beim Infanterie.
Gewehr die stappe aufgeftellt und der Schuber mitder oberenea
Rante auf den betreffenden Theilſtrich geſchoben werden .
246 IV. Hauptfäck, - 2, Abſchuitt.
696 . Beim Jägerftußen wird mit der rechten Hand die Stell.
ſchraube gelüftet, der Schlitten mit der unteren Sante auf den
Diſtanzſtrich geſtellt, derſelbe mit dem Daumen der linken Qand
in dieſer Stedung feſtgehalten und die Stellſchraube wieder an .
gezogen .
697. Beim Ertra- Corps-Gewehr ifl das Standvifir für 200
Schritt Diſtanz eingerichtet, für größere Entfernungen muß der
Viſirſchuber auf den entſprechenden Theilſtrich geſchoben werden .
698.: Wenn man beim Infanterie-Gewehr und Jäger-Stußen
über das Grinſel im Aufſaßfuße aufdie Mitte eines 300 Schritt
( 0 entfernten feindlichen Infanteriſten ſchießt, ſo wird das Geſchoß
PI. I den Gegner im Zielpunkte C Fig. 4 treffen. Marſchirt aber der
Feind dem Schüßen entgegen und ſchießtman auf denſelben mit
der eben erwähnten Zielweiſe, ſo wird das Geſchoß vermöge der
gekrümmten Flugbahn den Gegner je nach Maß des Vorrüdens
mehr oder weniger hoch über dem Zielpunkte treffen. Die
Zahlen neben den ſenkrechten Linien beziehen ſich auf die Flug.
bahn des Infanterie-Gewehres und zeigen an, wie hoch der Feind
über der Viſirlinie auf den Diſtanzen von 50 zu 50 Schritt ge.
troffen wird . Wenn der Feind aber von 300 Schritt Entfernung
* zurüdweicht, ſo wird .derſelbe von dem Geſchoſſe unter dem
Bielpunkte und auf 370 Schritt Diſtanz noch in die Füße ge.
troffen . Die Flugbahn des Extra-Corps-Gewehres iſt aus Fig. 5
zu erſehen .
699. . Wenn daher beim Sielen über das Standvifit auf die Mitte
eines aufrechtſtehenden Gegners das Gewehr beim Abfeuern
JT 19 nicht verriffen wird , ſo kann aus dem Infanterie-Gewehre oder
Jäger.Stußen ein Infanteriſt innerhalb 370 Schritt , mit dem
Extracorps-Gewehrinnerhalb 290 Schrittnichtüberſchoffen werden.
700. Da auf den Diſtanzen bis 370 reſp. 290 Schritt manch.
mal ein lebhaftes und zugleich ficher treffendes Feuer unterhal.
ten werden muß, dies aber nur bei Anwendung einer einfachen ,
GO Teichten Sielweiſe, wie es das Zielen über das Standvifir iſt, er.
reichbar wird und da es ferner gleich giltig iſt, an welchem Kör.
pertheile der Gegner getroffen wird, ſo ergibt ſich aus dem Ge.
Fjagten die Regel: daß beim Spießen auf einen aufrecht
IT 9 iſtehenden Gegner von der Bewehrmündung an bis
auf 370, beim Infanterie. Gewebre ,und Jäger.
u Ben , Lowie 290, S dritt, beim Ertra . Gewehr,
liftiets über das:Standoiſir und zwar auf die Mitte
des Feindes zu zielen iſt.
Vorbereitung zum Scheibenſchießen . 247
Dem ungeübten Schüßen muß der erſt? Unterricht im 701.
Schießen auf die Diſtanz von 370 reſp. 290 Schritt nach der
eben erwähnten Regel gegeben werden , weil ſie am einfachſten
iſt, die Ausbildung des Rekruten für die im Felde am häufigſten
vorkommenden Fälle in der kürzeſten Zeit erlaubt und gegen den
freiſtehenden Gegner die größte Treffſicherheit gewährt.
Gleichzeitig muß auch dem Soldaten durch häufiges Diſtanz
beurtheilen die Gelegenheit geboten werden, die Diſtanzen von
300 und 370 Schritt dem Gedächtniffe gut einprägen zu können ,
damit dieſelben ſtets verläßlich abgeſchäßt werden.
Dem bereits geübteren Schüßen muß weiterhin gelehrt 702.
werden , einzelne ſichtbare Körpertheile des Gegners bei der Rich
tung über das Standvifir innerhalb 300 Schritt zu treffen , da
- derlei Fälle beim Terailliren gegen einen theilweiſe gedeckt ſtehen .
den Feind häufig vorkommen werden .
Als Vorbereitung hiezu dient das Schießen auf die Scheibe 703.
Nr. 2 mit veränderlichem Zielpunkte.
Aus der Betrachtung der Flugbabn Fig. 4. geht hervor, daß 704.
der Treffpunkt des Geſchoſſes, auf den Schußweiten bis 300
Schritt höher als der Zielpunkt c liegt. Auf 150 Schritt ſchlägt Pl. II.
die Augel beim Infanterie-Gewehr in der Höhe der Schulter
ein , will man aber in den Zielpunkt c treffen, ſo muß das Stück
ac unter c gezieltwerden .
thi Soll z . B . der über eine Mauer hervorragende Ropf Fig . 6 , '
eines Feindes B auf 150 Schritt von dem Schüßen A getroffen
werden, fo würde beim Zielen auf die Mitte des Kopfes a die PI. IL
Kugel über denſelben hinwegfliegen und man müßte daher, um
den Feind zu treffen , um das Stück ac, Fig. 4, unter die Mitte
des Kopfes a , Fig. 6 , nach e zielen ,
Das Maß, um welches unter den Treffpunkt zu zielen iſt, PL IL
ändert ſich wie aus der Fig. 5 erſichtlich iſt, mit der Diſtanz.
Die nachfolgende Tabelle enthält für Entfernungen von 50 705 .
zu 50 Schritt dieſes Maß in Zollen ausgedrüdt. 11
* Wenn das Ziel, wie in Fig. 7, ein Tieferrichten nicht geftät.
fet, ſo muß vor dasſelbe gezieltwerden . Sollte z. B . der Gegner
BF welcher nur mit dem Ropfe über den Boden ſichtbar iſt, auf Pl. II.
-5200 Schritt Entfernung getroffen werden , ſo ift nach der Flug
baln" Fig. 4 und dem früher Gefagten um 22 Zoll unter die
Mitte a des Kopfes nach oljü zielen, damit das Geſchoß den
Gegner nicht verfehlt.
248 IV. Hauptſtück . – 2. Abſcuitt.
Da aber der Punkt c nicht geſehen werden kann , ſo muß
man nach b in den Boden zielen . Das Maß, um welches vor den
Pl. II. Geaner zu richten iſt, beträgt für den ſpeciellen Fall in Fig. 7
45 Schritte und iſt von der Entfernung des Ziels und der An .
ſchlaghöhe, d. i. der Höhe des Gewehrs über den Boden , ab
Hänaia : daher auch nur die Uebung im Schießen und eine genaue
Beurtheilung der Diſtanzen die nöthigen Anhaltspunkte für das
Treffen ſolcher Ziele gibt.
Erhöhung der Flugbahn in Zolen über
die Viſirlinie beim Zielen über das
| Standviſir auf den Diſtanzen von
Gattung des Gewehres
50 100 150 200 250 300
Schritte
Infanterie-Gewehr . . | 12 | 21 24 22 | 14
Jäger-Stußen . . . . 15 25 29 26 17
Extra-Korps-Gewehr . . 1 8 11 9 . 1
706 . Beim Schießen auf größere Diſtanzen wird ,wie bereits er
wähnt, der Viſirſchuber oder Schlitten auf die betreffenden
Diſtanzſtriche geſchoben und ſehr genau mit geſtrichenem Korne
auf die Mitte des Gegners gezielt.
Wenn auf eine Diſtanz geſchoſſen werden ſoll, welche nicht
auf Hunderte von Schritten abgerundet iſt, ſo muß der Bifir
(duber oder Schlitten des Aufſabes entſprechend der Schußweite
zwiſchen 2 Diſtanzſtriche geſtelltwerden .'
** . 77.
GÅ Treffwahrſcheinlichkeit und Einwirkungen auf die
Nichtigkeit des Schießens. .. y 1999,
707 . y . Wenn mehrere Schüffe gegen eine Scheibe abgegeben wer.
den , ſo treffen nicht alle Geſchoffe ein und dieſelbe Stelle des
Biels, ſondern die Treffpunkte liegen zerſtreut ringdum den Ziel.
Punkt. Die Urſachen dieſer Streuung ſind die kleinen Verſchie
denheiten in der Beſchaffenheit der Patronen , der ſtärkere oder
lighwächere Wind während des Fluges der Geſchoffe ic., borzugs.
weiſe aber der Schüße, weil nicht bei jedem Sduſſe politommen
gleichgezielt und das Gewehr beim Abfeuern mehr oder weniger
berriffen wird.
Vorbereitaug zum Sdjeibeuſchießen . 249
Die Streuung, welche aus allen dieſen Urſachen entſteht, 708.
wächſt mit der Diſtanz, woraus ſich die Folgerung ergibt, daß
zur Vermeidung eines übereilten , ungenauen Zielens auf Entfer.
nungen von 400 Schritt aufwärts nur langſam geſchoſſen wer.
den ſoll.
Die drehende Bewegung, welche das Geſchoß während des 709
Fluges hat, bewirkt, daß dasſelbe nach rechts von der Viſirlinie
deſto mehr abweicht, je größer die Diſtanz iſt. Bei Schußweiten
bis 400 Schritt iſt die Abweichung - Derivation genannt --
gering, bei größeren Entfernungen iſt dieſelbe ohne Nachtheil,
weil nur auf größere Ziele geſchoſſen werden ſoll.
Die Abweichung der Geſchoſſe wird weſentlich durch den
Wind vermehrt oder vermindert, je nachdem derſelbe von links
oder rechts der Schußlinie kommt. Man corrigirt dieſe Abwei.
chung, welche bei ſtarkem Winde ſelbſt anf mittlere Diſtanzen
einflußreich ſein kann dadurch, daß man nach jener Seite ovm
Zielpunkte ſeitwärts richtet, von welcher der Wind weht. Wie
weit abgerichtetwerden ſoll, hängt von der Stärke des Windes
ab und kann nur nach den erhaltenen Reſultaten verbeſſert wer.
den . Die verſchiedene Beſchaffenheit der Luft, ſo wie die nicht
immer gleiche Stärke des Pulvers bat ferner auf die Flugbahn z i
des Geldoffes eine ſolche Einwirkung, daß die Diſtanzſtriche an
den Aufſäßen nicht immer genau mit der Schußweite überein
ſtimmen , ſondern die Kugel an manchen Tagen tiefer oder höher
das Ziel treffen .
* Im erſteren Falle iſt der Aufſaß zu niedrig, im zweiten zu
hoch und muß dadurch corrigirt werden , daß man den Bifir:
chuber oder den Schlitten höher oder tiefer ſtellt. Die Anhalts.
punkte für die Correctur bietet die genaue Beobachtung der
erſten Schüſſe.
Bei ſolchen Diftanzen , wo ſich das Grinfet nidt höher oder 710 .
tiefer ftellen läßt, muß entſprechend abgerichtet werden. der. Be. 711.
- Áuf die Richtigkeit des Schießens iſt ferner die Art
leuchtung des Kornes und des Grinſels von Einfluß, daher ein
geübter Schübe darauf Rüdficht nehmen muß. - SPRI &
Bei trübem Wetter ſieht man das Rorn nicht deutlich im
Grinſel, läßt es gewöhnlich über das leptere berborragen und
fgießt demnach zu hoch . o brim
* Ift das Horn von der Sonne beleuchtet, ſo erſcheint es
größer , man läßt es nicht genügend das Grinjel ausfüllen und
ſchießt dem zu Folge tiefer. ( 3500 301
250 IV. Hanptfäck . - 2. Abſchnitt.
Wenn eine Seite des Rornes beleuchtet wird , ſo erſcheint
es ſtärker und man ſchießt gewöhnlich nach der beleuch
teten Seite.
Das Schwärzen des Kornes mit Pulverrückſtand erlaubt in
den beiden Fällen ein genaueres Zielen .
713. Steht das Korn nicht in der Mitte des Grinſels, jo ſchießt
man nach jener Seite, nach welcher das Korn im Grinſel fich
befindet.
Die obere Kante des Auffages muß genau wagrecht ſein ,
denn verdreht man das Gewehr nach einer Seite, ſo ſchießt man
tiefer und nach jener Seite, nach welcher das Gewehr gedreht
worden iſt.
714. AufſaßAusunddieſendasAndeu tungen geht hervor, wie wichtig es iſt, den
Korn vor jeder Beſchädigung ſorgfältig zu be
wahren .
$.* 78.
Uebung im Anſchlag.
715 . Die Stellung und Haltung des ganzen Körpers muß bei
allen Arten des Anſchlages eine feſte, aber auch durchaus freie
und ungezwungene ſein . Jede unnatürliche Körperverdrehung,
ſo wie jeder übermäßige Kraftaufwand ſtören die ruhige Lage des
Gewehres oder rauben dem Auge die nöthige Klarheit. Der Sol.
dat muß mit Rückſicht auf die verſchiedenen Gefechtsverhältniſſe
geübt werden , ſeinen Schuß ſtehend , knieend, fißend, hođend und
liegend mit und ohne Unlegen des Gewehres mit Sicherheit ab .
geben zu können .
. . Der Anſchlag aus freier Hand.
716 . Der Soldatmuß dahin gebrachtwerden , daß er gleichzeitig
mit dem Anſchlage auch die Vifirlinie erfaſſen lernt, ein Suchen
derſelben durch Verrücken des Körpers, Drehen des Gewehres
oder Bewegen des Kopfes iſt unſtatthaft. Um aus freier Hand
anzuſchlagen, ſtellt ſich der Soldat mit geſchultertem Gewehre
auf dem Stand der Scheibe gegenüber, vollführt,ſodann die
Halbrechtswendung und bringt das Gewehr in die bereits be.
E tannte Lage von „ Fertig." se
ar Nachdem der Übrichter den Soldaten noch auf die Sielweiſe
und Diſtanz aufmerkſam gemacht hat,, bringt diefer das Beroehr
rin Unſchlag,wie es bei den Feuergriffen (Nr. 120 ) bereits erklärt
wurde. * Ein guter Schüßemuß.den Treffer ſeines Schufſeß an
Vorbereitungzum Scheibenſchießen . 251
zugeben verſtehen, dieſes iſt nurmöglich ,wenn er die Bedingun.
gen des richtigen Anſchlages und Abdrücken8 erfült, und beim
Ābgehen des Schuſſes die Richtung der Viſirlinie im Auge be.
hält. Das Angeben des Treffpunktes iſt daher ſtets bon einem
jeden Schüßen zu fordern . Es iſt ferner nicht gut, daß der Sol.
dat zu lange im Anſchlage liegen bleibt, da er ermüdet und un
möglich mit Sicherheit ſeinen Schuß abgeben kann , derſelbe ift
daher zu belehren , daß er, im Falle er nicht ruhig abdrücken
tann,
anſeßt.
fein Gewehr ruhig abſeßt, ausathmet und neuerdings
Nach abgegebenem Schuſſe iſt noch einige Momente ruhig in
Anſchlag liegen zu bleiben , und ſodann in die „ Balance" oder
wenn in der Folgemehrere
nehmen .
Schüfſe abzugeben find, „ Fertig “ zu
.
Anſchlag mit Auflegen .
Um dem Soldaten beim erſten Unterrichte eine Erleichterung 717.
im ruhigen Anſchlage zu gewähren , anderſeits dem Abrichter
mehr Möglichkeit zu bieten, denſelben beſſer beurtheilen und be.
lehren zu können, iſt mit aufgelegtem Geivehre zu ſchießen .
Hiezu wird ein 6 Schuh hoher, gegen 2 zou dider
Standpflock verwendet , welcher ohne aller Vorrichtung am
Schießſtand in die Erde zu ſtecken kommt. Wenn der Soldat das
Gewehr in Unſchlag bringt, ſo umfaßt die linke Hand den Pflod ,
in der Höhe, entſprechend der Viſirlinie ; der weggebogene Dau .
men dient zum Auflegen und Halten des Gewehres . Unter keinen
Umſtänden darf fich der Schüße mit ſeinem Gewichte gegen den
Þflod lehnen , oder den Oberkörper vorbeugen , ſondern iſt dieſer
einfach nur als geringe Stüße für die linke Hand zu benüßen .
Ein Anlehnen oder Vorbeugen des Körpers bringt einen andern
Anſchlag mit ſich und würde daher den beabſichtigten Zwed , für
das freihändige Schießen vorzubereiten - berfehlen . Beim Åb
dfeuern darf die linke Hand den Pflock nicht ſogleich berlaſſen,
ſondern einige Momente ruhig liegen bleiben. Eg varat it
3:3 * Anſchlag in verſchiedenen lagen . VE

Um das Gewehr beim „Snien", in Anſchlag zu bringen , 718 .


spollführt der Soldat vorerſt eine galbrechtswendung und bringt
dadurch die Schultern in die Sdublinie, ftüßt hierauf den linten
Ellbogen auf das Anie, während die rechte Hand das Gewehr
gegen die rechte Adfel drüdt und dadurch sin der Wifirlinie er
252 IV. Hauptſtück . - 2. Abſchnitt .
hält. Der Oberleib wird ſoweit zurückgenommen , bis das Gefäß
719. beinaheBeimden „rechten Abſatz berührt .
Sißen und Hocken " iſt ebenfalls die linke Seite
gegen den Gegner zu wenden ; auch hiebei dient das linke Knie
zur Stüße des linken Elbogens.
720. Findet ſich beim „ Liegen" gar keine Auflage für das Ge
wehr, ſo dient der linke Elbogen zur Stüße, in welchem Falle
das Gewehr auch entſprechend zu halten iſt.
Anſchlag aufbewegliches Ziel.
721. Auf Objecte,welche ſich bewegen , ſei es nun ſeitwärts oder
auf- und abwärts, gibt immer die linke Hand dem Gewehre die
entſprechende Richtung, indem ſie dem Gegenſtande nachfährt.
Der Oberkörper kommthiebei nicht übermäßig zu verdrehen , da
ſonſt leicht ein Verlieren des Gleichgewichtes eintreten könnte.
Der Soldat kommt zu belehren , daß auf Gegenſtände,
welche ſich in einer größeren Entfernung bewegen , vorzuhalten
kommt. Dieſes Vorhalten nimmt an Mannsbreiten zu, je größer
die Entfernung und je größer die Geſchwindigkeit iſt, mit welcher
fich der Gegenſtand bewegt. So wird z. B . auf einen Cavalleri.
ſten , welcher auf 150 Schritte im Galopp vorbeiſprengt, eine
Mannsbreite , auf 200 Schritte 112 Mannsbreite vor das
Pferd gezielt werden müſſen, um dasſelbe in die Mitte zu treffen .
Die beweglichen Scheiben ſollen ſich daher auch immer in einem
Tempo bewegen , welches annäherungsweiſe der raſchen Be.
wegung eines Reiters gleichkömmt.
722. Die nöthige Fertigkeit, Sicherheit und Feſtigkeit im rich.
tigen Schießen iſt nur durch die fleißige Uebung im Anſchlage
und ruhigem Abdrucke zu erzielen. Allerdings iſt das gute Scie.
Ben und richtige ſchnelle Auffaſſen der hiebei obwaltenden theore.
tiſchen Regeln mehr oder weniger individuelle Anlage, welche
beim Unterrichte wohl zu becüdfichtigen iſt. Allein mit Fleiß ,
mit unermüdlicher Seduld kann ſelbſt aus denjenigen Soldaten ,
welchen alle dieſe natürlichen Anlagen fehlen, ein ziemlich güter
Schüße herangebildet werden . Dem ausgebildeten guten Sdüßen
find jene Freiheiten zu geſtatten , welche mit der Sicherheit im
R u llgemeinen uudmit den militäriſchen Borſchriften verträglich ſind.
Scheibenſchießen . " 253

4. Abſchnitt.
. Scheibenſchießen.
§. 79.
Arten der Schießübungen .
Das Scheibenſchießen hat den Zweck, den Soldaten für 723.
alle Fälle des Feuergefechtes vorzubereiten . Es kann nur mit
Tenen vorgenommen werden , welche im Vorgehenden beſonders
im richtigen und raſchen Anſchlag, dem Zielen und dem Abdrude
abgerichtet ſind.
Wo e$ die Munitionsausmaß , wie z . B . bei den Fägern 724.
erlaubt, iſt das Scheibenſchießen nach Schema I zu betreiben und
die Reſultate des Schießens nach Schema II zuſammenzuſtellen .
Dasſelbe zerfält in :
1. Uebungsſchießen
2. Bedingungsſchießen ,
@ 3. Größere liebungen ,
4. Prüfungsſchießen.
Das Uebungsſchießen dientum den Soldaten die Sreff 725 .
Fähigkeit ſeines Gewehres kennen zu lernen, ſowie dem Abrichter
die Gelegenheit zu bieten , erſteren in der richtigen Ausführung
des Gelernten zu beobachten .
43 Dieſe Uebung iſt in ganz bequemer Adjuſtirung vorzu.
nehmen .
Das Bedingungsſchießen ſteigert die Forderungen an 726 .
den Soldaten immer mehr und mehr, und bringt denſelben theila
weiſe in alle Fälle des Einzelgefechtes. Die im SchemaI.angedeu.
teten Bedingungen muß der Soldat unbedingt erfüllen , wenn er
zur nächſten Uebung zugelaſſen werden ſoll. , 11 :31
* Der Soldat erſcheint hierbeimit Torniſter und beiden Ba
trontaſchen . " *** siste ma
16,583 Hat der Soldat die Bedingungen einer Claffe erfüllt, ſo 727.
übergeht derſelbe zu den Bedingungsſchießen der nächſten Claffe.
Nachdem in jeder Compagnie Soldaten vorkommen werden ,
welche troß allem Fleiße nicht zu Schüßen heranzubilden ſind,
denen alſo factiſch die Fähigkeit fich zum Schüßen zu bilden
254 IV . Hauptftäck . – 4. Abſchnitt.
mangelt, ſo iſt mit ſelben das Scheibenſchießen nur in fo weit
vorzunehmen, als deren Abrichtung für den Maffengebrauch
erfordert, die übrige ſcharfe Munition jedoch zur Fortbildung
der beſſeren Schüßen zu verwenden.
728. Die größeren Uebungen dienen dazu dem Soldaten die
Möglichkeit zu zeigen , ſelbſt auf größere Entfernungen mit der
Feuerwaffe erfolgreich wirken zu können , ſo wie demſelben die
gemeinſchaftliche Feuerwirkung u . 3 . in Salven und Carréfeuer
anſchaulich zu machen .
Dieſe Uebungen ſind in voller Feldausrüſtung porzu.
nehmen .
729. Das Prüfungsſchießen endlich bietet jedem Vorgeſekten
die Gelegenheit, die Abrichtung der Truppe im Gebrauch der Feuer.
waffe beurtheilen zu können . Erlauben es die Lokalverhältniffe ,
ſo iſt ein kleiner Gefechtsmoment darzuſtellen. Nach dem Ergebniß,
8. i. den Treffreſultaten , kann die Ausbildung der Truppe in
dieſem wichtigſten Dienſtzweige beurtheilt werden .
§. 80 .
Verwendung der Scheibenmunition ?
730. Bei der Infanterie iſt die Verwendung der bis nun bewil.
ligten Munitions-Ausmaß ſo zu regeln , daß 1 Sechſtel zum
Uebungsſchießen , 4 Sechſtel für das Bedingungsſchießen und
1 Sechſtel zum Salven - und Carréfeuer verwendet werde. .
731. Bei den Jägern iſt 1 Sechſtel zum Uebungsſchießen, 3 Sech .
ſtel zum Bedingungsſchießen , 1 Sechſtel zu den größeren Uebun.
gen und 1 Sechſtel zum Prüfungsſchießen zu verwenden , welches
Leştere der Bataillons- Commandant mit jeder einzelnen Com .
pagnie borzunehmen hat.
732. nehmenDas, wenn
Prüfungsſchießen der Infanterie iſt nur dann vorzu .
Munition vorhanden oder hiezu ausnahmsweiſe
Munition angewieſen wird.
§. 81.
Uebung im Beurtheilen der Entfernungen.
733 . . Eine der weſentlichſten Bedingungen des Erfolges beim
Gebrauche des Gewehres als Feuerwaffe iſt die möglichſt genaue
Kenntniß der Entfernung des zu treffenden Gegenſtandes . Da
dieſe Kenntniß vor dem Feinde gewöhnlich nur durch die eigene
Scheibenſchießen . . 255
Beurtheilung erlangt werden kann , ſo muß der Soldat geübt
werden , die verſchiedenen Entfernungen innerhalb der Tragweite
ſeines Gewehres mit möglichſter Genauigkeit abzuſchäßen .
Zu dieſem Zwecke find anfänglich einzelne Männer, ſpäter 734.
aber ganze Abtheilungen auf verſchiedene Diſtanzen von einander
aufzuſtellen , die Entfernungen beurtheilen und dann abſchreiten
zu laſſen. Dieſes Verfahren muß mit denſelben Entfernungen
von verſchiedenen Standpunkten wiederholt und dadurch der
Maßſtab dem Auge des Soldaten eingeprägtwerden .
Der Soldat muß zu dieſem Zwecke auch angewieſen werden , 735 .
die ihm gegenüber ſtehenden Männer genau zu betrachten und
fich zu merken , welche Theile des Körpers , der Rüſtung und Be.
waffnung auf den verſchiedenen Standpunkten noch zu erkennen
Find und wie ſich dieſelben dem Auge darſtellen . Um fich ſeiner
Aufmertſamkeit zu verſichern, hat der Abrichter den Soldaten um
ſeine Wahrnehmungen ſo wie auch um die Gründe zu befragen ,
welche ihn zur Annahme einer angegebenen Entfernung veran .
laßt haben .
Da ſich jeder Gegenſtand bei einer veränderten Beleuchtung 736 .
und Umgebung auch in gleicher Entfernung verſchieden darſtellt,
ſo muß das Beurtheilen der Entfernungen in Sonnenſchein , wie
an trüben , neblichten Tagen, in den Morgen - und Abendſtunden
abwechſelnd geübt und hierbei auch auf den Wechſel der Terrain .
gattung Bedacht genommen werden.
Die Wahrnehmungen ,welche auf verſchiedene Entfernungen 737 .
doch mit Zuverläſſigkeit gemacht werden können, hängen zwar
hauptſächlich von dem Sehvermögen jedes einzelnen Soldaten ab,
deſſen Auffaſſung fich aber unter dem Einfluſſe einer zweckmäßigen
Anleitung unzweifelhaft ſehr bedeutend erweitern läßt.
Der Abrichter hat daher dem Soldaten jene Wahrnehmung 738 .
gen zu bezeichnen, welche im Allgemeinen auf gewiſſe Entfernun .
gen erkennbar ſind und ihm dadurch einen Maßſtab zu geben ,
welcher die Feſtſtellung eines eigenen Urtheiles jedenfalls weſent.
lidh erleichtert.
Auf 50 Schritte find bei einem einzelnen Soldaten noch 739.
die Gerichtstheile, ſo wie die Farben und Formen der Kleidungs.
ftücke, dann am Gewehre die einzelnen Beſtandtheile zu unter.
ſcheiden.
Auf 100 Schritte iſt die Art der Kopfbedeckung und die 740.
Abgrenzung zwiſchen dieſer und dem Geſichte erkennbar. Die
256 IV. Hauptſtück . – 4. Abſchuitt . .
Gefichtszüge find nicht mehr, wohl aber die einzelnen Körper
theile gut ſichtbar.
741. Auf 200 Schritte läßt fich die Art der Kopfbedeckung
noch beurtheilen, die Abgrenzung vom Geſichte wird aber ſchon
unbeſtimmt, der Körper iſt in ſeinen Formen ſichtbar, die Ärme
laffen ſich noch wahrnehmen , auch kann noch das Tragen des
Gewehrs erkanntwerden .
Von einem aufgeſtellten Gliede iſt auf dieſe Entfernung
die Linie der Kopfbedeckungen , die Geſichts . . Schulter - und
Hüftenlinie zu unterſcheiden .
Auf 300 Schritte erſcheint die Kopfbedeckung als ein
ſchwebender dunkler Punkt und das Geſicht als ein kleiner
lichter Fleck. Der Körper iſt nur mehr als Maffe zu erkennen ,
doch können die Farbenunterſchiede der Kleidungsſtücke noch
geſehen werden .
von einem Gliede ſtellt ſich die Kopflinie als dunkler
Streifen dar, unter welchem noch die Bruſtlinie, die Elbogen .
linie und die Fußlinie fichtbar ſind.
Auf 400 Schritte zeigt ſich die Kopfbedeckung mit dem
Gefichte wie ein dunkler Fleck , der Körper von den Schultern
abwärts läßt die Formen nicht mehr erkennen , die Bewegun .
gen der Arme bleiben aber noch ſichtbar.
Bei einem Gliede erſcheint die Kopflinie als ein von
bellen Fleđen unterbrochener dunkler Streifen , die Schulter .
linie iſt noch zu unterſcheiden , die Männer ſcheinen gedrängt
zu ſtehen , können aber gezählt werden .
Auf 500 Schritte ſtellt ſich die Kopflinie eines Gliedes
nur bei hohen Kopfbedeckungen als ein ſchmaler grauer Streifen
dar , die Abgrenzung der einzelnen Männer verſchwindet , ſo
daß dieſe nur mit ſehr ſcharfen Augen nach den Zwiſchenräu .
men der Füße gezählt werden können .
745 . Auf 600 und mehr Schritte verſchwindet die Geſtalt
der einzelnen Männer eines Gliedes beinahe vollſtändig , der
Soldat kann dahrr nur unter beſonders günſtigen Umſtänden
als ſolcher erkannt werden. Die Zwiſchenräume der Füße find
noch fichtbar, können aber nicht gezählt werden .
üm dieſe Uebungen im Beurtheilen der Entfernungen für
den Soldaten nußbringender zu machen , iſt gleichzeitig auch
das Zielen auf die zu beobachtenden Gegenſtände in Anwen
dung zu bringen und das Auge des Soldaten dadurch an das
. Erfaffen der Treffpunkte über das Abſehen undKorn zu gewöhnen .
S djeibenſchießen . 257
§. 82.
Belehrung über das Einſchießen der Feuergewehre.
Es wird vorausgeſeßt, daß das Innere des Rohres, bei 747.
dem Ausziehen der Züge und Felder, dann durch das Schmergeln
eine richtige Geſtalt erhalten habe, was unbedingt nöthig iſt, um
ein Gewehr ſo einſchießen zu können, daß bei Beobachtung eines
richtigen Zielens ſtets ein Geradeſchuß, und bei gleicher Höhe des
Kornes, die Geſchoſſe, wenn ſelbe regelmäßig geformt und nicht
hohl ſind, ſtets auf einem und demſelben Punkte zuſammen
fallen .
Zu dem Einſchießen wird ein halber Bogen weißes Papier , 748 .
worauf ein 6 Linien breiter ſchwarzer Streif der Länge nach ge
zogen iſt, auf eine Scheibe, ungefähr 1 — 2 Schuh von dem Boden
jo befeſtigt, daß der ſchwarze Streif genau vertikal ſteht. Gegen
über dieſer Scheibe wird in der Entfernung von 15 — 30 Schrit
ten ein Tiſch , und auf dieſem ein Torniſter , ein Roßen oder ein
mit Sand gefüllter Sack zu dem Auflegen des Gewehres vorge
richtet.
Das Gewehr wird nun geladen , worauf ſich der Einſchie: 749
Bende an den Tiſch ſekt, beide Elbogen aufſtüßt, das Gewehr auf
legt, zwar in beliebiger Höhe, aber ſcharf in der Mitte des
ſchwarzen Streifens über das Standviſir eingeht, und nach und
nach losdrückt. Um das Verdrehen des Rohres bei dem Zielen zu
vermeiden , iſt es gut, wenn den Einſchießenden, im Falle er dieß
thäte, ein anderer hinter ihm ſtehender Mann vor dem Abdrücken
hierauf aufmerkſam macht.
Stecken nach inehreren Schüfſen die Geſchoſſe ſeitwärts, z. B . 750.
etwas rechts von dem ſenkrechtem Striche, ſo wird das Stand
viſir gegen den Schuß, ſomit in dem hier angenommenen Falle,
daß das Gewehr rechts ſchießt, links gerückt, und dieſes Verfah
ren ſo lange fortgeſebt, bis alle Geſchoſſe mit ihrer Mitte ſtets den
idwarzen Streif in deſſen Breite treffen, d. h. bis das Gewehr
Strich hält; worauf das Standviſir mit einem Riße bezeichnet,
die alte Marke aber, zur Vermeidung jeder Irrung, mit einem
Querriße erkennbar gemacht wird.
lieberzeugt man ſich nach mehreren Schüſſen , daß die Ge- 751.
ichoffe ſtets links von dem Striche fallen , d. h. daß das Gewehr
links ſchießt, ſo iſt dasſelbe Verfahren , jedoch das Rücken des
Standvifirs auf die entgegengeſepte Seite vorzunehmen .
17
258 IV. Hauptflück . - 4 . Anfchuitt.
752. Schlagen die Schüſſe auch bei dem ſorgfältigſten Zielen und
Abdrücken bald rechts, bald links von dem ſchwarzen Streifen ein ,
und hat auch ein anderer geübter Einſchießer dieſelbe Erfahrung
gemacht, nämlich, daß das Gewehr verwirft, ſo muß das
Innere des Laufes, wo ohne Zweifel der Fehler liegt, unterſucht
werden , welches unter der Aufſicht des Waffenoffiziers durch
den Büchſenmacher zu geſchehen hat.
753. Znm Einſchießen auf den Geradſchuß über den beweglichen
Aufſaß muß dieſer erſt unterſucht werden , ob er ſich nicht etwa
rechts oder links ſeitwärts bewegt, weil, wenn dieß auch nur im
geringſten Maße der Fall iſt, eine Sicherheit des Geradſchuſſes
nicht erwartet werden kann .
754. Das Einſchießen des Gewehres gehört zu den wichtigſten
Verrichtungen , wobei ſtets mit der größten Genauigkeit vorgegan
gen werden muß, weil ſonſt die Hauptbeſtimmung des Soldaten ,
ſein Gewehr als Feuerwaffe zu gebrauchen , gar nicht , oder nur
unvollkommen erreicht werden könnte.
§. 83.
Behandlung der Waffen .
755 . Das Gewehr iſt vollkommen roſtfrei zu erhalten , die hierzu
nöthige Reinigung zerfällt in :
a ) Reinigung vor und nach jedem Gebrauch .
b ) Wenn aus demſelben gefeuert wurde.
c) Wenn das Gewehr anhaltendem Regen ausgeſet war
756. a) Vor und nach jedem Gebrauch wird das Gewehr mit einem
trockenen Leinenlappen ab- und ausgewiſcht, und nach dem Ge.
brauche mit einem Fettlappen von außen und innen eingefettet.
Zum Auswiſchen wickelt der Soldat den Leinen - oder Fett.
lappen ſo um den Wiſcher, daß derſelbe beim Hineinbringen in
das Innere des Rohres feſt geht, und beim Auf- und Abziehen
757. ſowie Das
beim Drehen nach rechts ſich nid)t ablöjen kann .
Schloß und Verſchlußſtück, ſowie alle Eiſentheile ſind
möglichſt rein und immer roſtfrei zu erhalten und durch das jedes.
malige Einfetten durch den Lappen mit einer Fettſchichte zu über
ziehen , welche dieſelbe vor dem Einfluſſe der äußeren Luft zu
ſchüben hat.
758. b ) Wenn aus dem Gewehr gefeuert wurde, muß das Rohr
und Verſchlußſtück vom Pulverſchmuße befreit werden .
Sdcibenſdzießen . , . 259
Hiezu wird die Rohrmündung mit einem Leinenlappen
feſt verſtopft, beim Verſchlußende vorſichtig Waſſer in den
Lauf geſchüttet, ohne daß dasſelbe überlaufen und zwiſchen
Schaft und Lauf eindringen kann . Das Waſſer wird einige
Zeit im Rohre gelaſſen , damit der Pulverſchmuß ſich aufwei
chen könne, dann der Lappen aus der Mündung gezogen , das
Waſſer ablaufen gelaſſen , und das Innere mit einem nafſen
Lappen ausgewiſcht, bis dieſer rein herauskömmt. Nun wird
mit einem trockenen Lappen das Innere ausgetrocknet, mit den
fetten Flanelllappen eingefettet , ſodann die äußere Pußung
und Einfettung vorgenommen .
c) Wenn das Gewehr einem heftigen Regen ausgeſeßtwar, 759.
und es wäre zu beſorgen , daß Waſſer zwiſchen Schaft und
Lauf eingedrungen iſt , ſo muß dasſelbe zum Reinigen zerlegt
werden .
Hierzu wird nach dem Herabnehmen der Laufringe ( Iäger
ſtupen , Deffnen der Schuber und Aufſchrauben der oberen
Riemenbügelſchraube) die Kreuzſchraube herausgenommen , der
Hammer geſpannt und der Lauf mit Vorſicht aus dem Schafte
genommen , wozu die rechte Hand das Gewehr mit dem Rohre
nach abwärts hält, mit der Kolbenabrundung leicht gegen einen
Gegenſtand klopft und das Rohr in die untergehaltene linke
Hand fallen läßt.
Der Schaft wird mit einem Lappen abgetrocknet, die Lauf- 760 .
höhlung mit Unſchlitt ſtark eingefettet, und wenn der Lauf gerei
nigt und eingefettet iſt, ſogleich das Gewehr wieder zuſammen
geſept, um ein mögliches Werfen und Verbiegen des Schaftes
beim Trocknen zu verhüten , weßhalb leßteres nie bei Ofen- oder
Sonnenwärme geſchehen darf.
· Das Schloß herabzunehmen iſt hierbeinicht nothwendig.
Das Herabnehmen und Zerlegen des Schloſſes wird zeit- 761.
weilig erforderlich , um z. B . bei ſchlechtem oder raubem Gange
die Ilrſade zu erforſchen oder um eine Reinigung desſelben zu
bewerkſtelligen . Es gedjiebt immer durch den Zugsführer oder
Schwarm -Kommandanten, welcher , nach vollzogener Reinigung
der Beſtandtheile durch den Mann, dasſelbe wieder zuſammenzu
feßen hat.
Zum Zerlegen wird der Hammer geſpannt, die Schlagfeder 762.
geklemmt und nach dem Ablaſſen des Hammers von der Schloß.
platte entfernt; dann wird die Stangen-Federſchraube mit der
17 *
260 IV. Hauptſtück . – 4. Abſchnitt.
Stangenfeder, hierauf die Stangenſchraube mit der Stange her
abgenommen .
Dieß genügt zur inneren Reinigung des Schloſſes vollkom
men, ein weiteres Zerlegen findet nur bei Reparaturen durch den
Büchſenmacher ſtatt.
763. Das Zuſammenſeßen des Schloffes wird in umgekehrter
Ordnung bewirkt u. 3.: Stange mit der Stangenſchraube, Stan
genfeder, mit der Stangenfederſchraube, leptere wird zuerſt mit
einigen Gewinden angeſchraubt, ſodann der Federſtift in ſeine
Lage gedrückt und die Schraube voll angezogen ; nun kommt bei
abgelaſſenem Hammer die geklemmte Schlagfeder in ihre Lage an
die Schloßplatte, durch das Spannen des Hammers , wird der
Klemmer von der Feder herabgleiten .
764. Durch den Zugsführer kommen nun jene Beſtandtheile des
Schloſſes , wo ſich die Eiſentheile reiben , einzuölen, u. 7. wo die
Schlagfeder an der Nußkrappe aufruht, der Stangenſchnabel auf
den Raſten reibt, die Stangenfeder auf der Stange ruht, endlich
das Nußſtiftlager unter dem Schlepper.
Iſt dieß geſchehen , ſo wird das Sdloß einigemale über.
ſpannt und herabgelaſſen , ſodann das auf der Oberfläche
liegende Del weggewiſcht und das Schloß wieder an das Gewehr
geſchraubt, wobei auf die Stellung des Hammers und die Lage
des Sperrſtiftes Rückſicht zu nehmen iſt.
765 . Das Herabnehmen des Kolbenſchuhes oder Griffbügels fin .
det im Bedarfsfalle nur durch den Büchſenmacher ſtatt.
766 . Der Schaft iſt ſtets rein und ſtaubfrei zu erhalten ; um ihm
ſeine Glätte und reine Farbe zu erhalten , iſt er zeitweiſe mit Del
zu befeuchten , dieſes feſt einzureiben und dann mit dem trockenen
Leinenlappen ſtark abzureiben .
Alle übrigen Gewehrbeſtandtheile, ſo wie das Kleinzeug
find rein und roſtfrei zu erhalten .
S. 84.
Viſitirang des Gewehres .
767. Dieſe erfolgt :
1. Durch den Soldaten .
2. Durch den Unteroffizier.
3. Durch den Offizier und Kompagnie-Kommandanten .
4. Durch den Waffenoffizier unter Beiziehung des Büchſen .
machers.
· Sd eibenſdzießen . 261
1) DerSoldatviſitirt ſein Gewehr, ſo oft er e$ in Gebrauch 768.
nimmt:
a ) Ob das Abſehen nichtverrückt,das Rorn nichtbeſchädigt iſt.
b ) Ob derSchloßgang in Ordnung und der Züngelſpielraum
vorhanden iſt.
c) Ob das Verſchlußſtück unverſehrt iſt und gut ſchließt, ſowie
ob der Sperrſtift gut eingreift.
d) Ob das Gewehr am Schafte, Laufe und den übrigen Be.
ſtandtheilen keine Beſchädigung habe.
Jedes wie immer geartete Gebrechen hat der Soldat fo.
gleich anzuzeigen .
2) Der Unteroffizier hat nebſt obigem den Zuſtand des 769.
Laufes im Inueren zu unterſuchen , welches am leichteſten mit dem
Wiſchſtock , oder bei geöffnetem Verſchlußſtück durch einen Blick
in die Mündung bewirft wird ; dann ſich von der Beweglichkeit
des Patronenziehers und Schlagſtiftens zu überzeugen und da ,
wo er nicht ſogleich abhelfen kann, die Anzeige zu erſtatten , da.
mit die nöthigeHilfe durch den Büchſenmacher bewerkſtelligtwerde.
Ein Hauptaugenmerk hat der llnteroffizier auf den richtigen 770 .
Gang des Schloſſes zu richten , da von der ungehinderten Bewe.
gung des Hammers das richtigeLosſchlagen der Patrone abhängt,
daher jede Reibung im Innern des Geſperres beſeitigt werden
müßte.
Der Unteroffizier hat nicht zu geſtatten , daß vorzunehmende 771.
Reparaturen wo anders als beim Bataillons- Büchſenmacher vor
genommen werden .
3) Durch den Offizier und endlich Kompagnie -Kom . 772.
mandanten , welcher für die Konſervation der Gewehre verant
wortlich iſt, geſchieht die Viſitirung derſelben , beſonders nach an
haltendem Gebrauche, wenigſtens wöchentlich einmal, weil alle
Gebrechen und Konſervationsmängel dadurch bei Zeiten entdeckt
werden und einem Ilmſichgreifen dadurch vorgebeugt wird.
4 ) Der Waffenofficier iſt mit der lleberwachung der 773.
Waffen ſeines Truppenförpers betrautund hat dieſelben zweimal
des Jahres mit Zuzichung des Büchſenmachers gründlich zu
unterſuchen .
Die äußere Vifitirung des Gewehres iſt auf die bereits 774.
bekannte Art vorzunehmen und darauf zu ſehen, ob alle Beſtand.
theile feſt fißen und keine Klaffungen zwiſchen Holz und Eiſen
vorkommen , nämlich die Einſchifftungen ordnungsmäßig erhal.
ten ſind.
262 IV . Hauptftück . -- 5. Ab[dnitt .
775 . Dem richtigen Gange des Schloſſes, ſowie der richtigen
Stellung des Hammers auf den Schlagſtiften , und dem feſten und
geficherten Sange des Verſchluſſes, iſt ein beſonderes Augen
merk zuzuwenden . Bei der Unterſuchung des Laufes im Inneren
iſt der Kaliberzylinder, welcher zu den Geräthſchaften des Büch
ſenmachers gehört, anzuwenden .
776. Nebſt den Gewehren hat der Waffenoffizier auch das Ba .
jonnet mit deſſen Pflanzung und die Handwaffen zu 'viſitiren ,
ſich überhaupt vom Vorhandenſein und dem Zuſtande aller zur
Bewaffnung der Truppe erforderlichen Gegenſtände die Weber
zeugung zu verſchaffen .
777. Die ſchadhaft befundenen Gewehre ſind dem Büchſenmacher
zur Herſtellung zuzuweiſen , die durch Gebrechen unbrauchbaren
dem Kommandanten namhaft zu machen , damit deren Erjaß ein
geleitet werde.
778. Konſervationsgebrechen , welche bei einer oder der anderen
Abtheilung auffalleud zum Vorſchein kommen , ſind zur höheren
Anzeige zu bringen .

5 . Abſchnitt.
Anwendung der Feuerwaffe im Ernſte
gebrauche.
§. 85 .
Einleitung.
779. trauenDiedes richtige Anwendung der Feuerwaffe ſtärkt das Ver.
Soldaten und iſt das Hauptbedingniß zum Gelingen
des Feuerkampfes, während die Erfolgloſigkeit des Schießens
auf große Entfernungen dem Soldaten das Vertrauen auf die
Wirkung ſeiuer Waffe ſelbſt auf nahe Diſtanzen raubt.
780. Die Schnelligkeit zu laden und zu ſchießen, gibt einem
geſchickten Führer, der dieſelbe richtig anzuwenden weiß, ein gewal.
tiges Mittel zur Erreichung ſeines Zweckes in die Hand, birgt
aber auch die Gefahr des ſchnellen und vorzeitigen Sichverſchie.
Bens,weßhalb unbedingter Gehorſam erforderlich , und nur nach
Weiſung der Führer die Feuerwaffe zu gebrauchen iſt.
Anwendung der Feuxwaffe. 263
§. 86.
Feuer aus geſchloſſenen Abtheilungen .
Salvenfeuer ſind unter jeder Bedingung nur auf jene 781.
Entfernungen anzuwenden , wo der oft unvermeidliche Fehler im
Schäßen derſelben weniger gefährlich iſt , daher nie über
400 Schritte. Je näher der Feind heranrückt, deſto raſcher find
die Salven nach einander abzugeben , dabei die Diſtanz zuzu
rufen und der Zielpunkt immer auf die Mitte des Mannes oder
Pferdes zu nehmen .
Einzelnfeuer. Der Zweck dieſes Feuers iſt, den Gegner 782 .
ununterbrochen mit Projektilen zu überſchütten , doch auch hier
liegt die Wirkung nicht im Viel. fondern Richtigſchie.
ßen . Dasſelbe wird bei längerem Verweilen in einer Poſition,
überhaupt bei Vertheidigungs-Gefechten angewendet.
Der Zweck der Unternehmung und die Rückſicht auf den Er- 783.
ſaß der Munition, werden einen weſentlichen Einfluß auf den
Beginn und die Dauer des Einzelnfeuer haben müſſen.
$. 87.
Anwendung der Feuerwaffe von einzelnen Schüßen .
Auch dem einzelnen Schüßen ſind das Ziel und die Entfer: 784.
nung desſelben durch ſeinen Führer bekannt zu geben , und er hat
fich nach den folgenden Andeutungen zu benehmen :
Auf Köpfe gedeckt ſtehender feindlicher Soldaten iſt nicht 785 .
über 200 Schritte zu ſchießen .
Auf halbgedeckte feindliche Soldaten bis 300 Schritte . 786 .
Aufungedeoft Stehende ſoll jeder Schuß bis 200 Schritte 787.
ein Treffer ſein, und von beſſeren Sdüßen noch bis 400 Schritte
mit Erfolg geſchoſſen werden ,
Auf einzelne Reiter wird bis 400 Sdritte, beſonders 788.
nach der Breitſeite des Pferdes, auf berittene Offiziere durch ein
zelne geübte Schüßen ſelbſt auf 600 Schritte zu ſchießen ſein .
Äuf feindlide Abtheilungen in der Breite eines Zu : 789.
ges und von geringer Tiefe kann von 500 Schritt, bei größerer
Tiefe z. B . einer Rompagnie -Kolonne, von 600 Schritt an ge.
ſchoſſen werden ; auf größere Stolonnen können geübte Schü.
Ben ſelbſt auf 800 Schritte noch mit Erfolg feuern .
264 IV. Hauptfäck . – 5. Abſchnitt.
790. Gegen Artillerie gilt als Grundſaß : daß, wenn dieſelbe
in Bewegung,auf die Pferde, wenn dieſelbe abgepropt hat, auf
die Bedienungsmannſchaft geſchoſſen wird ; die Momente des Auf
und Abprokens ſind die günſtigſten zum Feuern.
Auf 6 — 800 Schritte kann das Feuer noch immer ſehrwirk
jam ſein und von einzelnen guten Schüßen ſelbſt auf Entfernun .
gen bis zu 1200 Schritten mit einigen Erfolg geſchoſſen werden .
Die Rommandanten haben jedoch darüber z11 wachen , daß hier
aus kein unnüßes Geplänkel entſtehe und das Feuer allſogleich
abgebrochen werde, wenn es keinen Erfolg hat.
265
Schena I.
Jäger.
III. Clasſe.
Nr. Schritte Anſchlag Scheiben -Nr. Schüſſe darunter Treffer
100
Uebungsſchießen .
aufgelegt

පෑපාපැ
150
CON

200
Bedingungsſchießen .
HAorwo
cooo

freihändig
පෑපිලං•ලං
150 5 Figurbreiten
200 aufgelegt 5 Figurtreffer
300 5 Figurbreiten
150 liegend II 5 4 Treffer
200 kniend II 5
300 liegend II 5 5
10 400 aufgelegt I 5 S3 Figurbreiten ,
12 Scheiben

150 III 3 Treffer


Größere Uebung.
ราurityu'

12 600 – 800 aufgelegt 3, 1


ආස

13 200
14 300 freihändig 3, I
I.
3 Saldenfeuer
3
200
15 300 i î Carréfeuer
Prüfung$ [ chießen.
Nach Anordnung des Prüfenden, und zwar z. B .:
a) Ueberzeugung über die Treffficherheit im Tirailleurfeuer auf
verſchiedene Diſtanzen ;
b ) über das Reſultat von Treffern beim Schnellfeuer, und zwar:
1. Einzelnfeuer, 2. Salvenfeuer, 3. EinzelfeuermehrererSchüßen .
Nach Zuläſſigkeit des Schießplaßes und der Dertlichkeit iſt es
angezeigt, einen kleinen Gefechtsmomentdarzuſtellen.
. Unter Figurbreiten wird die leere Fläche des mittleren Feldes
der Scheibe Nr. 1 verſtanden .
. Scheibentreffer ſind die Treffer in den äußeren Feldern der
Scheibe Nr. 1.
266
II. Claſſe
Nr. Schritte Anſchlag Scheiben.Nr. Schüſſe
gepflanztem Treffer
Bajonnet
Uebungsſchießen .
150 \freihändig I

er
200 I
300 ŅI
Bedingungsſchießen.
200 liegend II ( nach ) 5 laden u .feuern , 4 Fig .
150 aufgelegt III{ einan - \ 5 3
300 II der 5m 3 m
is ſ bewegliche 13 Figurbreiten,
100 freihändig
og 3ScheibeNr.I ) 12 Scheibentreffer,
400 S3 Figurbreiten ,
8 aufgelegt 1 12 Scheiben,
$3 Figurbreiten ,
9 300 freihändig I 5 12 Scheiben,
200 ſliegendo. III 3 Treffer.
| knieend )
Größere Uebung.
11 800 - 1000 aufgelegt 5, I 10
12 300 freihändig 3,5 I 2 Salvenfeuer,
11 400 3 Einzelnfeuer.

Prüfungsidhießen .
Nach höherer Anordnung.
Die bewegliche Scheibe hat ſich immer in der Geſchwindigkeit
des Marſchtaktes zu bewegen.
267
. ' I. Claire
Nr. Schritte Anſchlag Scheiben -Nr. Schüſſe Treffer
-Uebungsſchießen.
NA

300 freihändig I 6
2 400 I 9

1
Bedingungsſchießen.
laCOer

230 knieend II 5 -
150 freihändig bewegliche II 5

# #
200 I 5
inerhinter
(Jeauf Schuß-) u
200
(charte 5

3
s

( ſtehenden )
7. 150 verſchwindende III 5
‫܂‬
aco

(Von 400 ) beim Tirailliren u . / 10 1 6 Figurbreiten ,


bis 100% beliebigen Anſchlag> 4 Scheiben .
· Größere Uebung.
9 600 beliebiger Anſchlag 3, I 5
10 · 1200 m 5, I 10
Prüfungsſchießen.
Nach Weiſung des Prüfenden .
Bei Nr. 7 der I. Claſſe iſt die verſchwindende Scheibe nur jo
lange fichtbar zu laſſen, als 12 Marſchtakte gezählt werden können .
Es gilt als Fehler, wenn der Schüße in dieſer gegebenen Zeit nicht
zum Schuſſe gekommen iſt.
Da, wo die größeren Uebuugen nicht auf ſo weite Diſtanzen
erreicht werden können , iſt das Schießen auf die weiteſt zu erreichende
Diſtanz vorzunehmen, ſonſt dieſe Munition nach Ermeſſen des Rom
mandanten zu verſchießen , auch kann in ausnahmsweiſen Fällen die
für die größeren Uebungen bemeſſene Munition zur Fortbildung im
Bedingungsſchießen benüßt werden , um nach und nach einen größeren
Theil der Mannſchaft, insbeſondere die Chargen in die I. Claſſe zu
bringen .
Für die Infanterie und mit dem Korpsgewehre bewaffnete
Truppen haben die Truppen-Kommandanten im Sinne dieſes Schema
nach dem jeweilig bewilligten Munitionsausmaße die Eintheilung
zu treffen .
desI)N.(I
Schema
Dberlieutenant
Schüßen
Name
Gewehr
Nr..
Bezeichnung
Dis der
Uebung
Schüſſe Anzahl
DatNr
um. ftaBezeichnung
derder
nsMakular;
des
Seite
und
Makular)
Name(
oderim*
Anmerkung
Schife
100ClIF,t.751|'2/I
Uebung
Pag
1867
150 F,7+T
200 ti
ti0,F
150 |F,+7.
200 |F,+ erfüllt.
Bedingung
200 F, erfüllt.
Bedingung
300 rir,T,+F
300 ,F.+t erfüllt.
Bedingung
150 F, Bedingung
erfült.
10 I
12%.
18 19. 600 ririto,ti.7,t
19 200 SchTr24727352.B,
Mann
unter
36 602472,
I 27
2420,
derzw:„F“,.u+
links
Figurtreffer
Scheibe
Figurbreite
Schüſſe
erfolgt
Anmerkung. für
Bezeichnung
Die
Mittelcheibe
Gollſchuß
UebungenScheibe
Figurbreite rechte
bei,:0-L7.
gilt
als
al®
Fehler
großen
die
Formulare
Hauptſchießbuch
Makulareſowohl
Dieſes
kommen
vierten
das
gilt
wie füriimn:
der
Bezeichnung
Schießenden
Uebung
Rubrit
ſtatt
Reihenfolgederanzwin,.u
einzutragen
Namen
der
die
ſelbe
wie
dieſem
alphabet
wannaft
Charger
und
ore
wirdrere,
vann
ute
fuerjt
bouw
Puupute jino
jarepen.
DITEN
ZugeJuzu
einem
betheilen
Blatte mittle
.
Ueberſicht
siompagnie eine
FortgangUmiſtzui,m
Schießen
über
den
jeder
bei
haben
268 eineMannſchaft
vorzumerken
Konſignation
klaſſenweiſe i.n ſelben die
Bedingungen
nächſtfolgende Klaſſe
So
oft
ſichi.-n Mann
Schießklaſſen
Kompagnie
drei
der
Eintheilung
übertragen
Hiedurch
ergibt
die löſchen
erfüllt
ſelber
einer
und
aus
die
einjuiſterzui,n
269

Trommelſtreiche.
Einfacher Streich .

Der einfache Streich wird immer nur mit einem


Schlägel , ſowol mit dem linken als rechten geſchlagen , z. B .
rechter Schlägel, linter Schlägel.

Doppelter Streich.

Der doppelte Streich beſteht aus zwei getrennten ,


jedoch ziemlich ſchnell nach einander folgenden einfachen
Streichen .
linker Schlägel, rechter Schlägel.
Ausführung

Doppelſchlag .

Der Doppelſchlag iſt derjenige Streich,wo beide Sdlägel


zugleich kräftig auf das Fell auffallen .
270 Trommelftteide: 3
Schleppſtreich .

Bei dem Schleppſtreiche gibt ein Schlägel einen kurzen


ſchwächeren Anſchlag, welchem der zweite Schlägel mit voller
Kraft ſo ſchnell nachfolgt, daß man die Trennung kaum
bemerken kann . Der Schleppſtreich muß ſowolmit der linken
als rechten Hand angefangen und ausgeführt werden können .
links rechts rechte links

Ausführung
Ausführung
B B
Halber Ruf.

Bei dem halben Ruf gibt ein Schlägel einen einfachen


Streich , dann gibt der zweite Schlägel zwei Schläge ſchnell
nacheinander,worauf der Schlägel, der begonnen hat, noch
einen einfachen Streich gibt.
links rechts links rechts lints rechts

Ausführung
Er muß ſo eingeübt werden , daß ſowol die linke als
rechte Hand den Ruf beginnen kann.
Gauzer Ruf.
Trommelftreidhe. 271
Der ganze Ruf iſt von dem halben nur dadurch unter:
ſchieden, daß er einen einfachen Streich mehr hat. Er muß
ebenfalls ſo geübt werden, daß ſowol die linke als rechte
Hand denſelben beginnen kann.
recht8 links rechts links links rechts links rechts
Ausführung
Ruder.
oder

I
Der Rucker beſteht aus einem Schlepp. und zwei ein .
fachen Streichen, welche ſehr ſchnell nach einander folgen.
links rechts links rechts rechts links rechts links
Ausführung
Wirbel.

17
Wirbel durch einen Halber Takt. Viertel Talt. :. Achtel Taft.
ganzen Takt.
Die Ausführung beſteht darin, daß jeder Schlägel zwei
mal auf das Fell auffällt, z. B .

rechts linke rechte links rechts links recht8 links


272 Trommelkreidhje.
Tagwache.
Tempo, 90 - 95 Schritte in einer Minute.
2 +

SS
CAL

Auf Wachen einmal durchzuſchlagen. - -


Wenn die Tagwache von mehreren Tambouren ge.
ſdılagen wird , ſo wird ſie durch 8 Takte von allen Tam
bouren gleich — dann abwechſelnd durch 8 Takte mit Wir
bel geſchlagen . Die Tamboure, die den Wirbel ſchlagen ,
nehmen zum Schluſſe ihres Wirbels, ſtatt des Ruckers, mit
dem die Tagwache anfängt, einen einfachen Streich ,wel.
chem die vier Schleppſtreiche folgen , und ſofort bei allen
Wiederholungen. 3. B .
Trommelftreiche. 273
2

ff Mit Wirbel
IllOTS

* * *
the

mono

Als Aviſo für die Tamboure ſchlägt ein Tambour die erſten

zwei Takte allein , worauf ſämintliche Tambou re einfallen


Die Tagwache beſteht aus Rucker, Schleppſtreiche und Wirbel
Vergatterung.
Alle Tamboure Einer XU .

18
274 Trommelfreidhe.
hisismo
Uuf das Aviſo des Regiments -(Bataillons.)Tambours
geben alle Tamboure einen Doppelſchlag, dann gibt der Vor.
føläger einen Ruđer, worauf von allen Tambouren 'die
Streiche der Vergatterung 16mal durchgefölagen werden,
weldemit einem Ruder endiget. 1 . 0
Iſt die Muſik zugegen, ſo führt felbe eine zu den Trom .
melſtreichen der Vergatterung paſſende Mufit aus. Die
Streiche der Vergatterung beſtehen aus Doppelfchlag.Ruder i
Shlepp. und einfachen Streichen und ganzen Ruf.
cui ' , Alarmſtreich. lugares
. . 90 - 95 to be is 35 :51.'
T h 11119 119dbotnis ON !

1 2

DITORE
a se 2
Der Alarmſtreich beſteht aus viermal Bergatterung
und einem Nuđer,worauf ein Schritt in der Stille ausfällt,
dann ſechsmal Bejgleunigung, welcher jedoch im Tempo
der Bergatterung fu fchlagen iſt: Wird er von megreren
Tambouren geſchlagen , To Tchlägt der Vorſchläger einmal
Vergatterung – einen Takt ** * allein, dann fallen alle
SS

Tamboure ein ." Erwird entweder mit dem Nuner im fünf5

ten Tatta, oder am Ende der Bejbleunigung mit einem


Doppelſchlage geendiget. .. Sensgeld opdo drin soddishmish Origi091998
*
h : 11 reiche
:13.
Trommelf 275
& tuadmo? (-&stalliotol)-811 &sd atid &nd tus
- T0X190 idip mod golobluda mis StuadMasllo 1905
Ein Tambourmo NIVA sroAdleton 13hun fanis igaldus

or 996 This adist itdütof stapapug


1 6 11e
En 19 :shte 5 :15 .

Wird viermal repetirt und endigt mit dem Schlepp


ſtreiche bei a. Die Raſt beſteht aus Ruđer, Doppelſchlägen
und einfachen Streichen. Ift die Muſik zugegen , ſo führt
ſelbe-nach zweimaligem Durchſchlagen der Saft eine ange:
meſſene Mufit hierzu aus.
Betftunde.
NIIN

M
HALL

porWird von dem Repetitionszeichen an dreimal repetirt.


1 Dann folgen drei einfache Streiche und Abſchlagensdes
um 3 i thadaichiedi PSIKOIMUSI lo & 31 ITNO
LICININIAI

011
ganzen Rufestore
* Nach einem Vorſtreiche mit einem 199119 und
einem einfachen Streiche folgt die Betſtunde , welche aus
ALT

Doppelfchlägen , einfachen Streichen und Nuder beſteht. Nach


Beendigung derſelben wird abgeſchlagen.***
18 *
276 Trommelftreiche.
Generalmarſch. ..
Wirbel. 90 bis 95 Schritte in der Minute .

all
UN
1 - 2 3 - 4 Schritte 1

Ht
+ -+

Die zwei Takte, oder vier Schritte Wirbel , die den


Eingang bilden, werden nur das erſte Mal geſchlagen , bei
" allen folgenden Wiederholungen wird immer von dem Mite.
petitionszeichen an mit dem Doppelſchlage angefangen . Der
Doppelſchlag und die vier einfachen Streiche,welche jederzeit
nach dem Wirbel folgen , müſſen immer ſehr ſtark hervorge.
hoben werden, ſowie auch auf die beiden Rucker, die mit ff
S

bezeichnet ſind, ein beſonderer Accent zu legen iſt. Außer


dieſen Streichen erhält der Generalmarſch noch Schlepp.
| ſtreichen die Muſik ſpielt dazu die Volkshymne,

108
100 - 110.
1 0. , , 3 : 13 ,

G -8 Re,
.sparsTrommeltreide.
1941 277

hor
7

MA

Als Aviſo ſchlägt anfangs ein Tambour allein die


erſten zwei Takte, oder 4 Schritte, dann treten alle Tam .
boure ein. Der Niederſtreich des Taktes gehört ſtets auf den
linken Fuß. Der Marſch beſteht aus Nuđer, kurzem Wir
bel, Schlepp. und einfachen Streichen. D
278 Trommelfreiches
Bei Leichenbegångaiſſen, wird der Marſch mit
verſchränkter Trommel und in einem fangſameren Tempo
geſchlagen .
ii . Defilirftreich.
AT 9:
: . . 108 - 110 . 19 E 1130 79TI.

no u a7 $ 135 Stradhto 2 991dan Anis

али тараф

Anmerkung. Die kleinen Noten über dem Linienſyſtemebedeuten


bust ssi daß ſelbe auf dem Schlägel gegeben werden .
Trommelfreidze. 279
iDer Deflitſtreich befteht aus Ruđer und Streichen auf
udem Schlägel, und wird bei dem Defiliren zur Muſik ge.
ſchlagen .
Wenn bei größeren Defilirungen , wo oft nur eine
einzige Muſik zugegen " iſt, den Tambouren befohlen wird ,
zeitweiſe den Defilirſtreich allein , ohne Mufit zu ſchlagen ,
fo haben nach Verhältniß der Anzahl der Tamboure, ein
oder zwei Tamboure, den Marſch dazu zu ſchlagen.s
Sturmftreich. *
MS
*

van Der Sturmſtreich wird dreimal durchgeſchlagen .


Sind mehrere Tamboure zugegen , ſo wird er das erſte Mal
von einem Tambour allein , dann von allen Sam .
bouren noch zweimal geſchlagen . "Er beſteht aus Doppel
ſchlägen und Kucern .
Sturmmarſch .
Im Marſchtempo .

linke rechts 1 r

p189šnoded srupt.
e 17trimited Tid o
petotre lmai
ager a912nd
Beſteht aus vier Doppelſchlägen und vier Rudern.
1913
280 Trommelfreidje.
Auf das Kommando zut Unnahme des Lauftritte 8
ergreift der Tambour mit der linken Hand die Trommel,
bringt dieſe mehr vor die Bruſt, damit er in der Bewegung
nicht gehindert iſt, und gibt mit dem Schlägel, der rechten
Hand einfache Schläge, welche den Takt marfiren . ?

links rechts 1. r. 1. r. 1. t. 1. r. 1. c.

1. . 1. r.

Beſchleunigung
tomonesti 120 125 .
Einer

Als Aviſo ſchlägt ein Tambour den erſten Takt oder


zweimal Beſchleunigung allein , dann fallen ſämmtliche Tam .
boure ein . Die Beſchleunigung beſteht aus Doppelſchlägen
und einfachen Streichen .
Str . Abſchlagen . . . . . . .
018 , singolch einer de ,318tintiir an l , trichos

$190ist Beſteht in vier einfachen Streichen und zwei Rudern.


Sind mehrere Tamboure zugegen, ſo werden die bier ein
fachen Streiche nur von dem Vorſchläger, die zwei Ruder
aber von allen Tambouren geſchlagen. ;
Trommelfreidhe. 281
. .. ' , Rufe und Feuerſtreich ,
asrbeſtehen aus dem ganzen Rufe,mehrmals wiederholt.

Bei dem Feuerſtreiche ſchlägt der Tambour abwechſelnd


zweimal ſtarkund zweimal ſchwach . Wird der Rufſtreich von
mehreren Tambouren geſchlagen , ſo gibt der Vorſchläger die
erſten zwei ganzen Rufe allein , dann treten ſämmtliche Tam
boure ein .
Airchenſtreich.
Einer I m ade
OIL

2 1 2

712 1
191.. Wird von dem Repetitionszeichen an ſo oft als nothwendig wiederholt.
Der Vorſchläger gibt einen Ruđer und die darauf.
folgenden einfachen Streiche, dann fallen alle Tamboure ein .
Die Baufen bedeuten , daß der Tambour, wenn er dabei
marſchirt, zwei Schritte inzwiſchen , ohne zu ſchlagen , zu
machen hat. Der Kirchenſtreich beſteht aus Ruđer, Schlepp.
und einfachen Streichen . Wenn der Kirchenſtreich das dritte
Mal geſchlagen iſt, wird abgeſchlagen . "
1,5 Während der Meſſe werden für die Cheile derſelben
nachfolgende Streiche gegeben, als : , ,
* Anfang, drei halbe Rufe;; .
Evangelium , drei halbe Rufe ; n a
282 Trømmterifreidje .
11791..Sanktus, drei, halbe Nufe; Vorzeichen zur
Wandlung, drei halbe Mufe ;
Wandlung, drei halbe Rufe, drei einfache Streiche,
ein halber Ruf;
Rommunion , einen; halben Ruf, drei einfache
Streiche, ein halber Ruf; in
Ende der Meſſe, drei halbe Mufe ;
Segen , wie bei der Wandlung ;
Ende der heiligen Handlung, Abſchlagen.
Schanzſtreich.
Alle Einer Alle
N
.

Auf das Kommando: Habt Acht! geben alle Cant


boure den erſten Doppelſchlag zuſammen , den darauffolgen .
den Ruđer gibt nur einer, worauf alle zuſammen den
Schanzſtreich anfangen . Wird nach Ermeſſen von der Re.
petition an wiederholt, und endet mit einem Doppelſchlage.
: ) in Publikation.
Ein Tambour attein , ova Ade Tamboure
DDLINDI

O
Trommelfreiche 283
i Wird dreimal repetirt und beſteht aus Muf. Doppel.
ſchlägen , einfachen Streichen und Kuđer, und wird bei dem
Doppelſchlage a geendigt. ; ,
* Log In Metraite. . . ..
108 – 110.
alte einer
Alle Iner

andeTamboure
boure

PRI
Sind mehrere Tamboure zugegen , ſo geben alle auf
das Kommando , Habt — Acht!" den Doppelſchlag , dann
gibt ein Tambour die drei einfachen Streiche, worauf von
ſämmtlichen Tambouren die Retraite, welche aus Doppel.
fchlagen und einfachen Streichen beſteht, geſchlagen wird.
i Außerdem werden noch folgenden Avertiſſements .
Streiche geſchlagen :
Bei der Ankunft Seiner Mujeftät des Kaiſers :
Drei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft der kaiſerlich-königlichen Hoheiten:
- Zwei ganze Rufe und der Generalmarſch .1 r á
Bei der Ankunft des Kriegsminifters oder eines Feldmarſchalts
im Bereiche des ganzen Heeres, bei der eines Armee-dommar
danten im Bereiche der ihm unterſtehenden Armee, dann bei
jener eines kommandirenden Generals, eines Armee- Korps
Kommandanten oder Militär - Gouverneurs im Bereiche der
unterſtehenden Eruppens * *
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
284 Trommelfreiches
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeifters oder Generals der
Kavallerie:
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldmarſchall- Lieutenants :
: : Orei halbe Rufe und drei doppelte Streiche.
Beider Ankunft eines Generalmajors :
Zwei halbe Rufe und zwei doppelte Streiche.
" ; Bu dem Herausrufen der Wachen :
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Streich. -
Bu dem Herausrufen der Feldwebel :
Ein halber Ruf und drei doppelte Streiche.
Bu dem Herausrufen der Korporale vom Tage:
Ein halber Ruf und zwei doppelte Streiche.
Bu dem Herausrufen der Befreiten vom Tage : :
Ein halber Ruf und ein doppelter Streich.
Bu dem Herausrufen der Tamboure und Ho rniften :
Ein halber Ruf und drei einfache Streiche.

Generalmarſch der Grenadiere


für jene Truppen ,welche dieſen Streich in Folge beſonderer
Anordnungen anzuwenden haben .
Tempo 90 bis 95 Schritte in der Minute. '
Wirbel

1 2 3 4 Schritte
Trommelfreide. 285

i
E
IN

Der Generalmarſch der Grenadiere beſteht aus Wirbel,


Ruder, einfachen Streichen und Doppelſchlägen . Bei allen
nachfolgenden Wiederholungen bleiben die 2 Takte oder
9: 4 Schritte. Wirbel im Eingange wege und der Marſch be
ginnt dann immer von dem Repetitionszeichen an,wozu. pon
der Muſik die Volkshymne geſpielt wird.

*
286 odnogmoet

WS

Hornſignale. ,
Vorwärts

Schritte lints rechts

Rüdmärts

tuto I. r. 1. r.
Rechts.
MSN

ha 1. r.
305 ?
*) Anmerkung. Der Schritt wird bei dem Unterrichte der Sig
nale deshalb benäßt, um den angehenden
Horniſten einen deutlichen Begriff der Takts
eintheilung der Signale beizubringen. Der
A felbe iſt jedoch veränderlich und richtet ſich
immer nach Beth Temps des Signals.
Hornfignale . 287
Lints .
Lebhaft.
MITT

Schritt ,o

Beſchleunigung.
Im ſchnellen Lempo. ***

t. .. 1.

. ; Lauftritt.
160 Laufſchritte in einer Minute.

* . *. I.
Auf jede Achtelnote ein Schritt.
96209pma 5130 mm galt.dl.dagd slon
32,244 . Nicht zu geſchwind. nama Tesbiana
288 Hornſignale.
Schwarm .
Lebhaft.

ITTON
II.
1. r.

gebhaft.
IInterſtüßung .
ITTO
2

ht

r. 1. r. , 1. r.
Hechter Flügel.
Jm mäßigen Tempo.

Linker Flügel.
mäßigen Tempo.

Verſtärkung.
ΛΙΜΝΗ

Uitto

DDD
IT:
Hornſignale. 289
Ablöſung.
Im Marſchtempo.

I. r.
T

1. r.
. Fronträumen.
Wird das Signal „Sammeln “ dreimal unmittel
bar nach einander geblaſen.
Feuer.
Mäßig geſchwindo
IS

Schnel .
Feuereinſtellen.
fitoi

Hipo
1

Stum
Heftig
LIU
11

1. r. r. 1. r.
19
Hornſignale.

Lebhaft .
Klumpen .

Auflöſen.
Mäßig geſchwind. WATO.
IYI

1. r.

lebhaft.
Sammeln .

Vergatterung.
Im mäßigen Tempo,

1. r. 1. r.
Dreimal zu repetiren.
Alarm .
lebhaft. Dreimal zu blaſen .

7 . 77 .
1. r, 1. r. 1. r. 1. r.
Hornfignale. 291

GNS

1. ' r. ' I. r. 1. . I. r.

Garniſons- und Feldſtöke.


Einfacher Stoß. Doppelter Stoß.

Tagwache.

Wird auf Wachen viermalwiederholt.

Vergatterung
wie bei den Signalen .
Ullarm
wie bei den Signalen .

Mäßig geſchwind. Raft.

.
Mehrmal zu wiederholen .
Hornſignals.
Gebet.

16
langſam , feierlich.

16
123 4 1 2 3
I. r . . r.l. r. 1. r. I. r.

12 3 4 1 2
1. t. 1. t. 1. r.

12 3 4 123
1. r. l. r. 1. r. l.

3 123 12 3 4
1. r. l. r. I.r.l. t. 1. r. 1. r.
Hierauf folgt das Abblaſen.
Ganzer Kuf.
Halber Ruf
LV

Bei Publikationen wird der ganze Rufdreimal geblaſen .


Horuſignale. 293
Generalmarſch.
In etwas langſamerem ali dem gewihnlichen Marſchtempo.

.
UPS
1 2 34
1
.

34 1 2
1. r. 1. r . 1. r . 1. r.

1.
1 2 3 4
1. r. I. r. l. r. I. r.
TIL

IT
12

1 2 34 2 3 4
Toms

1. r . r. I. r.
MIHIV

1. r .
Y

3 4
1. r. (. t. I. r.
Marſch.
108 - 110 Schritte in einer Minute.
Alihoomia
Hornſignale.

MH
Ito. AUTTI

ŠT.
I. r.
asi

I
asi

All:
III-

Bei Leichenbegängniſſen wird der Marſch mit


der Sourdine und in einem langſameren Tempo geblaſen .
Beſchleunigung
wie bei den Signalen .
Lebhaft.
Abblaſeli. .
IN
T
Hornſignale. 295
Feuerlärm .

VI
2

Mehrmal zu wiederholen.
Airchenruf.
UNIA:1
Langſam, feierlich.
1905

titta.
ftp:

IP'"
12 34 1 2 3 1 2 3 1 2 3
1. r . 1. r . 1. r. I. r. I. r. l.

1 2 3 1 2 3
r. 1. r. I. r. 1.
3weimal zu blaſen.
Anmerkung. Die über dem Notenſyſtem bezeichneten Romma
deuten an , wo Athem zu nehmen ift.

Wenn der Kirchenruf zum Erſten male zweimal


durchgeblaſen iſt, ſo wird ein einfacherStoß, bei dem 3w ei.
tenmale ein doppelter Stoß angehängt, und nach dem
Drittenmale abgeblaſen .
Während der Meſſe werden für die Theile derſelben
nachfolgende Zeichen gegeben, als :
. 296 Hornſignale .
Anfang derMeſſe; - Evangelium ; — Sank.
tus; – Vorzeichen zur Wandlung; bei jedem drei
halbe Rufe.
Wandlung, drei halbe Rufe, drei einfache Stöße
und Ein halber Ruf.
Roin munion, Ein halber Ruf, drei einfache Stöße,
Ein halber Ruf
Ende der Meſſe, drei halbe Rufe.
Segen , wie bei der Wandlung.
Ende der heiligen Handlung, das Abblaſen ,
Retraite.
Im Marſchtempo, ſo daß auf jede Viertelnote ein Schritt fält.

123 1 23 4 1 2 3
1. r.I. r. 1. r . l. r . I. r. 1.

11

1234 1 2 3 123 4
1. r. I. r. 1. r. I. I. r. I. r.

12 34 1234 12 34 1 2 3 4
3

1. r. I. r. I. r. I. r. I. r. I. r. I. r. I. r.
Hornfigrale. 297

Trei

12 3 4 3 4 12 3 4
1. r. I. r. 1. r . 1. r. I. r .
IT.

12 3 4 12 3 4 12 3 4 12
I. r. I. r. 1. r. 1. t. 1. r. I. r. 1. r.

b +
1 2 3 4 12 34 2 3 4 1 2 34
I. r. I. r. I. r. I. r. 1. r. l. r. 1. r. I. r.

Zum Schluſſe wird abgeblaſen.


20
298 Hornſignale.
Habt Xdt!

Lebhaft. -
Ausführung

Außerdem werden nod) folgende Avertiſſementsſtöße


geblaſen :
Bei der Ankunft Seiner Majeſtät des Kaiſers :
Drei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft der kaiſerlich-königlichen Hoheiten :
Zwei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Feldmar
dalls im Bereiche des ganzen Heeres, bei der eines Armee
Kommandanten im Bereiche der ihm unterftehenden Armee,
dann bei jener eines kommandirenden Generals, eines Armee
Korps-Kommandanten oder Militär-Gouverneurs im Bereiche
der ihm unterſtehenden Truppen .
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches .
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeiſters oder Generals der
Kavallerie:
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldmarſchall-Lieutenants:
Drei halbe Rufe und drei doppelte Stöße.
Hornſignale. 299
Bei der Ankunft eines Generalmajors :
Zwei halbe Rufe und zwei doppelte Stöße.
Bum Herausrufen der Wachen :
. Ein ganzer Ruf und ein einfacher Stoß.
Bum Herausrufen der Feldwebel oder Oberjäger :
Ein halber Rufund drei doppelte Stöße.
Bum Herausrufen der Korporale oder Unterjäger vom Tage:
Ein halber Ruf und zweidoppelte Stöße.
Bum Herausrufen der Gefreiten oder Patrullführer vom Tage :
Ein halber Ruf und ein doppelter Stoß .
Bum Herausrufen der Horniſten und Tamboure :
Ein halber Ruf und drei einfache Stöße.

Volkshymne.

话 话语
毒 Horuſignale.

七十一
HH

Die Volkshymnewird ſo oft als nöthig repetirt, ohne


Srio .
120 101
.

.. Amma
bis 1200 Schr:
600
300 "