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Abrichtung liegenen -

für die

kaiſerlich-königlichen Fuß-Truppen

len.
us der aiſerlich-königlichen Hof und Staatsdruckerei
862
^_^
Abrichtungs-Reglement

für die

kaiſerlich-königlichen Fuß-Truppen.

Wien.
Aus der kaiſerlich-königlichen Hof- und Staatsdruckerei.

1862.

z
ZD„Bayeriſche
Staatsbibliothek
\< München
Seite
Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V

I. Abtheilung.
Ausbildung des Soldaten.
Erſtes Hauptſtück,
Ausbildung des einzelnen Soldaten.
§. 1. Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . e - « - sº s • ſ

§. 2. Stellung und Gelenkübung . . . . . . . . . . . . . . 2


§. 3. Wendung des Kopfes . . . . . . . . . . • • • • • • 12
§. 4. Wendungen des Körpers . . . . . . . . . . . . . . . -

§. 5. Marſch vor- und rückwärts . . . . . . . . . . . . . . 14


§. 6. Uebung im Laufen . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
§. 7. Uebung im Springen und im Ueberſetzen von Hinderniſſen . . . 22
§ 8. Gewehrgriffe: -- * -

I. Griffe mit dem Infanterie-Gewehre . . . . . . . .- 28


II. Griffe mit dem Jäger-Gewehre . . . . . . . . . . 37
III. Griffe mit dem Korps-Gewehre . . . . . . . . . . 47
§. 9. Laden und Feuern:
I. Laden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
II. Feuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
10. Zielen und Treffen . . s e - - - 71
- - - - - - - - - -

11. Uebung im Beurtheilen der Entfernungen . . . . . . . . . 75


12. Gebrauch des Gewehres als Stoßwaffe . . . . . . . . . . 78
13. Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
14. Stellung und Exerciren des Tambours . . . . . . . . . . 90
15. Stellung und Erereiren der Horniſten und des Bandiſten . . . 91
16. Stellung und Exerciren der Zimmerleute und Schanzzeugträger 92

Bweites Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten im Gliede.
§ 17. Vorbereitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
§ 18. Aufſtellung des Gliedes . . . . . . . . . . . . . . . . 95
§ 19. Richtung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
§. 20. Wendungen . . . . . . . . .. • • • • • • • . . . . 98
Seite
21. Marſch vor-, ſeit- und rückwärts . . . . . . . . . . . . 101
22. Schwenkung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
23. Gewehrgriffe . . . . . . . . . « - e - - - - * • • • 109
24. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110
25, Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 113

Prittes Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten im Zuge.
. 26. Vorbereitung . . . . . . . . . . - - - - - - - - - - 115

- Erſter Abſchnitt,
Ausbildung des Zuges in geſchloſſener Ordnung.
27. Aufſtellung des Zuges . . . . . . . . . . . . . . . . 119
28. Aufſtellungs- und Bewegungs-Behelfe . . . . . . . . . . 125
29. Marſch vor-, ſeit- und rückwärts . . . . . . . . . . . . 128
30. Formirung des Zuges in Reihen oder Doppelreihen . . . . . 130
3 . Bewegung des Zuges in Reihen oder Doppelreihen . . . . . 132
32. Veränderungen der Reihen oder Doppelreihen . . . . . . . 135
33. Entwicklung des Zuges aus Reihen oder Doppelreihen . . . . 138
34. Einzelne und reihenweiſe Defilirung . . . . . . . . . . . 144
35. Gewehrgriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
36. Formirung der Gewehr-Pyramiden . . . . . . . . . . . -

37. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148


38. Bajonnet-Angriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
39, Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . . . - - - - - - - 156

Zweiter Abſchnitt.
Ausbildung des Zuges in geöffneter Ordnung.
40. Uebergang aus der geſchloſſenen in die geöffnete Ordnung . . . 160
41. Benützung des Terrains in der geöffneten Ordnung . . . . . 165
42. Gebrauch des Gewehres in der geöffneten Ordnung . . . . . 168
43. Bewegung des Zuges in der geöffneten Ordnung . . . . . . 170
44. Verſtärkung und Ablöſung des Zuges in der geöffneten Ordnung 175
45. Bajonnet-Angriff . . . . . . . • • • • • • • • • • • 176
46. Vertheidigung gegen Reiterei . . . . . . . • • • • • • • 178
47. Uebergang aus der geöffneten in die geſchloſſene Ordnung . . . 179
Dritter Abſchnitt.
Ausbildung des Zuges in der zerſtreuten Fechtart.
. 48. Uebergang aus der geſchloſſenen Ordnung in die zerſtreute Fechtart 180
49. Benützung des Terrains in der zerſtreuten Fechtart . . . . . 183
. 50. Gebrauch der Waffen in der zerſtreuten Fechtart . . . . . . 185
III

Seite
51. Bewegungen des in der zerſtreuten Fechtart verwendeten Zuges. 185
52. Benehmen der Unterſtützung . . . . . . . . . . . . . . 186
53. Bajonnet-Angriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
54. Vertheidigung gegen Reiterei . . . . . . . . . . . . . . 193
55. Uebergang aus der zerſtreuten Fechtart in die geſchloſſene Ordnung –

II. Abtheilung.
Ausbildung der Chargen.
Viertes Hauptſtück.
Stellung und Exerciren der Unteroffiziere.
§ 56. Stellung und Exerciren des Unteroffiziers . . . . . . . . . 194
§. 57. Stellung und Erereiren des Fahnenführers . . . . . . . . 195
§ 58. Stellung und Exerciren des Bataillons- und des Regiments-Tam
bours . . . . . . . . . . . . . 6 " 4 - - - - - - 197
§. 59. Stellung und Exerciren des Bataillons-Horniſten . . . . . . 198

fünftes Hauptſtück.
Vorbereitung der Unteroffiziere zur Führung von Ab
theilungen.
§. 60. Erklärung einiger Linien, Winkel und Flächen . . . . . . . 200
§ 61. Uebung der Chargen im geraden Marſchiren . . . . . . . . 204
§ 62. Uebung der Chargen im Einhalten der Deckung während des
Marſches . . . . . . . . . . G 8 - . . . 205
e e - -

Sechstes Hauptſtück.
Beobachtungen bei der Ausbildung der Mannſchaft.
§ 63. Eintheilung des Unterrichtes . . . . . . . . . . . . . . 207
§. 64. Beobachtungen beim Scheibenſchießen . . . . . . . . . . 211
§ 65. Belehrung über das Einſchießen der Feuergewehre . . . . . . 221

III. Abtheilung.
Stellung und Exerciren der Stabs- und Oberoffiziere,
§ 66. Stellung und Ererciren der Stabs- und Oberoffiziere zu Pferde 223
§. 67. Stellung und Exerciren der Stabs- und Oberoffiziere zu Fuß . 225
Trommelſtreiche . . . . . . . . . . . 229
Hornſignale . . . . . . . . . . . . 241
» E in leitung.

Die Ausbildung des Soldaten iſt die Grundlage der Ver


wendbarkeit eines Kriegsheeres, und folglich die erſte Vorberei
tung zur Ausübung der Kriegskunſt.
Das vorliegende Reglement enthält den Leitfaden, nach
welchem der Soldat unterrichtet werden ſoll, um ſowol als
Theil des Ganzen mitwirken, als auch durch die Gewandtheit im
Gebrauche der Waffen ſeinen Gegner überwältigen, oder ſich
ſelbſt mit Erfolg vertheidigen zu können.
Die pünktliche Befolgung dieſer Vorſchriften wird allen
Vorgeſetzten zur unbedingten Pflicht gemacht. Minder Fähige
werden hierdurch ſchon einen Theil ihrer Berufspflichten
erfüllen, während Fähigere in dieſen Beſtimmungen eine ſichere
Anleitung finden, um ihre Begriffe zu ordnen, zu befeſtigen,
und ſich zu einem größeren Wirkungskreiſe vorzubereiten.
Die erſte Bedingniß zu einer zweckmäßigen und erfolg
reichen Ausbildung des Soldaten beſteht darin, daß man ihm
eine moraliſche Erziehung und den richtigen Begriff von dem
Ehrenſtande beibringe, dem er angehört. Demgemäß muß ihm
ſchon bei der Ablegung des Eides die Wichtigkeit dieſer Hand
VI

lung ſo wie auch der ganze Umfang der dadurch übernommenen


Verbindlichkeiten, deren Befolgung er unwiderruflich bekräftiget
hat, wol begreiflich gemacht werden.
Die verſchiedenen Dienſtes-Verhaltungen, ſo wie die
Kriegsartikel müſſen ihm öfters vorgeleſen und in ſeiner Mut
terſprache erklärt werden. Nebſtbei wird dem jungen Soldaten
ein verläßlicher gedienter Mann zur Aufſicht beigegeben, welcher
ihn mit Wohlwollen und Freundlichkeit in ſeinen Dienſtes,
pflichten unterrichtet, ihm lehrt, wie er ſich, ſeine Montur, Ar
matur und Rüſtungsſtücke zu reinigen und in einem ſtets brauch
baren Stande zu erhalten habe.
Die unabläſſige Sorgfalt jedes Vorgeſetzten muß ferner
dahin gehen, in der Bruſt des jungen Soldaten Liebe zu ſeinem
Monarchen und ſeinem Stande, Anhänglichkeit an ſeine Vor
geſetzten und Gemeingeiſt anzuregen. Er muß ihn mit den
Beſchwerlichkeiten ſeines Standes, der Nothwendigkeit ſeiner
Berufsbildung, dann der Handhabung einer ſtrengen Disciplin
vertraut machen, und ganz beſonders, was letztere betrifft, durch
eigenes Beiſpiel im unbedingten Gehorſame gegen jeden Vor
geſetzten voranleuchten; kurz, er muß es verſtehen, ihm wahren
Soldatengeiſt einzuflößen. Dadurch wird der Soldat auf ſeinen
Beruf ſtolz werden, die Strenge der Disciplin ehren lernen,
ſeinen Stand lieb gewinnen, und denſelben nicht als ein uner
trägliches Joch betrachten.
Jede Mißhandlung, jede Gewaltthätigkeit wird bei dem
Unterrichte auf das Schärfſte unterſagt. Ein rauhes Benehmen
iſt gemeiniglich ein Beweis eigener Unwiſſenheit, und vernichtet
das Ehrgefühl, die Seele des Soldaten. Trägheit, böſer Wille,
Widerſpenſtigkeit verdienen Strafe. – Strafe beſſert, aber Miß
handlung empört. – Menſchenkenntniß, Humanität, Sorgfalt
für das Wohl des Soldaten und gründliche Kenntniß der
WI

eigenen Berufspflichten müſſen daher bei jedem Vorgeſetzten


vorausgeſetzt werden, wenn derſelbe ſeiner Beſtimmung als
Lehrer und Führer des Soldaten in jeder Gelegenheit wahrhaft
entſprechen ſoll; denn nur bei dem Vorhandenſein dieſer Eigen
ſchaften wird es ihm möglich werden, alle Triebfedern rege zu
machen, die nothwendig ſind, um den Geiſt ſeiner Untergebenen
zu beleben, und ſie ohne Zwang den jedesmaligen Umſtänden
gemäß zu lenken.
Außerdem ſind Gleichförmigkeit, Einfachheit und ſtufen
weiſes Fortſchreiten für den Unterricht höchſt nothwendige
Bedingniſſe.
Jede Uebereilung muß ſorgfältig vermieden werden, weil
ſich das Verſäumte ſpäterhin ſchwer oder gar nicht mehr nach
holen läßt. Es darf daher mit dem Unterrichtenur in dem Maße
fortgeſchritten werden, als der Soldat das ihm Gelehrte be
griffen und auszuführen erlernt hat, widrigenfalls ſeine Aus
bildung nie vollſtändig erfolgen kann.
Die zur Ausbildung des Soldaten Berufenen, insbeſon
dere aber die Offiziere, müſſen ſich vor Allem eine genaue und
gründliche Kenntniß der in dieſem Reglement enthaltenen Vor
ſchriften eigen machen, und dieſelben auch richtig anzuwenden
verſtehen. Sie dürfen weder beim Unterrichte noch bei der An
wendung eine Abweichung von den feſtgeſetzten Beſtimmungen
dulden, noch die dem Soldaten in gewiſſen Fällen zugeſtandene
Selbſtſtändigkeit durch willkürliche Anordnungen einſchränken
– und dadurch vielleicht den Zweck in Frage ſtellen, um eine in
der Vorſchrift gar nicht begründete Gleichförmigkeit zu erzielen.
– Sie müſſen ſich bei ihren Belehrungen eines dem Faſſungs
vermögen des Auszubildenden entſprechenden Vortrages be
fleißen, Jeden nach ſeiner Individualität behandeln, den Flei
ßigen und Geſchickten beloben und auszeichnen, den Ungeſchickten
WIII

oder Schwachen mit unerſchöpflicher Geduld heranzubilden


trachten, den Nachläſſigen mit Strenge zur Erfüllung ſeiner
Pflichten verhalten; kurz durch zweckmäßige Behandlung eines
jeden Einzelnen, den Unterricht möglichſt zu fördern bemüht ſein.
Mit Rückſicht auf die eigenthümliche Beſtimmung der
verſchiedenen Truppen-Gattungen ſollen ſie endlich auch zu be
urtheilen wiſſen, welche Verhältniſſe der ihnen anvertraute
Soldat bei ſeiner Verwendung zu gewärtigen hat, und ſonach
den hierauf Bezug nehmenden Unterrichts-Gegenſtänden bei
der Belehrung eine vorzugsweiſe Beachtung widmen.
Bei Befolgung dieſer Grundſätze kann man ſich verſprechen,
daß der angehende Soldat in kurzer Zeit jenen Grad militä
riſcher Ausbildung erlangen werde, welcher deſſen vollſtändige
Brauchbarkeit zur Erfüllung ſeiner ehrenvollen Berufspflichten
verbürgt, und er überdieß auch in ſeinem Benehmen jene Wohl
anſtändigkeit zeigen werde, die gleichweit von der Ungeſchliffen
heit und Rohheit, als von der Ungeſchicklichkeit und Schüchtern
heit entfernt iſt. -
-----eS-3

2 Bayeriſche
Staatsbibliothek
- München ,
–-----

I. Abtheilung.
Ausbildung des Soldaten.

Erſtes Hauptſtück.
Ausbildung des einzelnen Soldaten.
§. 1.
Vorbereitung.
Die Ausbildung des einzelnen Soldaten hat den Zweck, dem- 1.
ſelben die für ſeine Beſtimmung erforderliche Haltung, Be
weglichkeit und Gewandtheit des Körpers beizubringen, ihm
die Handhabung und Benützung der Waffen zu lehren.
Dieſer Unterricht muß immer den Charakter einer per-2.
ſönlichen Belehrung erhalten und daher auch dann der körper
lichen und geiſtigen Befähigung eines jeden einzelnen Soldaten
angepaßt werden, wenn mehrere derſelben gleichzeitig durch
einen Abrichter belehrt werden ſollen.
In dieſem Falle ſind die einem Abrichter zur einzelnen 3.
Ausbildung zugewieſenen Soldaten mit Zwiſchenräumen von
drei Schritten in einer Linie nebeneinander aufzuſtellen und die
nothwendigen Belehrungen, ſowie auch die hieraus folgenden
Anordnungen gemeinſchaftlich zu ertheilen.
Bei der Ausführung hat der Abrichter nicht auf die 4.
erzielte Gleichmäßigkeit, ſondern hauptſächlich darauf zu
ſehen, daß jeder einzelne Soldat die angeordnete Bewegung
vollkommen richtig vollführt, und wenn dieß nicht der Fall
ſein ſollte, ſo iſt jener Soldat, welcher die Ausführung
mangelhaft bewirkte, allein zur Wiederholung zu veranlaſſen.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. f
Beim Beginne des Unterrichtes iſt der Soldat zu
belehren, daß ſowol bei der einzelnen Ausbildung, als auch
bei der hierauf gegründeten Verwendung jede Bewegung
durch einen beſtimmten Ausdruck angeordnet wird, welcher
„Kommando“ heißt und unter allen Verhältniſſen dieſelbe
Bedeutung behält.
Wenn ein Kommando aus mehreren Silben oder Worten
beſteht, iſt die Ausführung auf den zuletzt und betont ausge
ſprochenen Theil desſelben zu bewirken, während die vorher
gehenden, mäßig gedehnt ausgeſprochenen Silben oder Worte
als eine vorbereitende Erinnerung, ein „Aviſo“, zu betrach
ten ſind.
Zwiſchen den gedehnt und betont auszuſprechenden Silben
oder Worten, von welchen die erſteren durch dünne, die letz
teren durch ſtarke Buchſtaben im Reglement bezeichnet ſind,
muß immer eine kleine Pauſe eingehalten werden, welche
aber nicht zu Erläuterungen benützt werden darf.
Um den Soldaten den Beginn einer Ruhepauſe anzu
deuten, wozu ſich die Nothwendigkeit bei der einzelnen Aus
bildung, wie auch bei der Verwendung in Reih' und Glied
zuweilen ergibt, iſt das Aviſo:
„Ruht!“
und zur Beendigung einer ſolchen Ruhepauſe immer das
Kommando:
„Habt–Acht!“
zu ertheilen.
§. 2.
Stellung und Gelenkübung.
Die Stellung des Soldaten muß gerade, natürlich und
ungezwungen ſein, und dem Rekruten zuerſt ohne Gewehr bei
gebracht werden.
1 (). Die Abſätze kommen in gleicher Linie ſo nahe an einan
der, als es der Körperbau des Soldaten erlaubt. Die Fuß
ſpitzen ſind gleichmäßig ſo weit auswärts zu wenden, daß die
Entfernung der einen von der andern das Maß der eigenen
Fußlänge beträgt.
3

Die Knie müſſen, ohne ſie ſteif zu halten, angezogen


werden.
Die Hüften ſollen eine wagrechte Lage haben, und da
durch dem Oberleibe eine gleichmäßige Stütze bieten.
Der Bauch darf weder eingezogen noch vorgeſtreckt ſein,
der Oberleib muß frei aus den Hüften gehoben und ohne
Zwang ein wenig vorgebracht werden.
Die Schultern ſind natürlich zu ſenken und in gleicher
Höhe ſo zurückzuziehen, daß die Bruſt mit Freiheit hervortritt.
Die Hände haben ungezwungen mit den inneren Flächen
ſo an den Schenkeln zu liegen, daß die Daumen die Hoſennaht
berühren.
Der Kopfmußfrei aufwärtsgehalten, das Kinn ohne Steif
heit etwas angezogen und der Blick vorwärts gerichtet werden.
Die Schwere des Körpers hat in dieſer Stellung auf
der Mitte der Fußſohlen zu ruhen.
Die Stellung des Soldaten iſt immer aus einer Entfer 11.

nung von drei bis vier Schritten von unten nach aufwärts zu
beurtheilen; es ſoll ſich hierbei die Mittellinie des Körpers,
von vorne und rückwärts angeſehen, ſenkrecht, von der Seite
aber ein wenig vorgeneigt darſtellen.
Um den Soldaten in dieſe Stellung zu bringen, muß der
ſelbe anfänglich durch das Gefühl auf ſeine Fehler aufmerkſam
gemacht und zur Verbeſſerung derſelben angehalten werden,
wobei jedoch die erforderlichen Hilfen nicht auf ungeſtüme, rohe
Weiſe, ſondern mit Ruhe und Gelaſſenheit anzuwenden ſind.
Da das längere Verweilen in dieſer ungewohnten Stel 13.
lung anfangs ermüdet, ſo muß der Abrichter dem Soldaten
zeitweiſe eine Ruhepauſe gewähren, während deren Dauer
jedoch der linke Abſatz nicht von der Stelle gerückt werden darf.
Nach Ablauf einer ſolchen Ruhepauſe hat der Soldat 14.
auf das Kommando des Abrichters die vorgeſchriebene Stel
lung wieder anzunehmen und unbeweglich ſtehen zu bleiben.
Um die Stellung des Soldaten frei und ungezwungen 15.
zu machen, die richtige Vertheilung und Beherrſchung des
Körpergewichtes zu ſichern, den Gelenken und sºnsin die
4

erforderliche Beweglichkeit zu geben, müſſen mit der Erklärung


und Berichtigung der Stellung einige Gelenkübungen ver
bunden werden.
16. Der Zweck dieſer Gelenkübungen wird aber nur dann
vollkommen zu erreichen ſein, wenn der Abrichter ſeine An
forderungen nach den körperlichen Anlagen eines jeden ein
zelnen Soldaten zu bemeſſen und im gleichen Verhältniſſe mit
der Entwicklung der Kräfte zu ſteigern verſteht.
17. Da die Muskeln und Sehnen durch die Gelenkübungen
in ungewohnter Weiſe angegriffen und in Thätigkeit geſetzt
werden, ſo iſt der diesfällige Unterricht möglichſt zwanglos
vorzunehmen, dem Soldaten hierbei die nothwendige Erholung
und überdieß jede mit dem militäriſchen Anſtande vereinbare
Bequemlichkeit in der Adjuſtirung zu geſtatten.
18. Zur leichteren Verſtändigung kann der Abrichter die
vorzunehmenden Gelenkübungen dem Soldaten auch in der
Mutterſprache bezeichnen, in der Folge aber die Ausführung
der für nothwendig erkannten Uebungen ohne eine beſon
dere Anordnung ſelbſtſtändig bewirken laſſen, was ſich beſon
ders bei älteren Soldaten als zweckmäßig erweiſen wird.
19. Vor dem Beginne der Gelenkübungen ertheilt der
Abrichter das Aviſo:
„Hüften fest!“
worauf der Soldat die Hände flach auf die Hüften legt, und
zwar ſo, daß die Daumen nach rückwärts, die übrigen Finger
geſchloſſen vorwärts gerichtet ſind.
20. Wenn dann bei der Unterbrechung oder Beendigung der
Gelenkübungen das Aviſo:
„Herstellt!“
erfolgt, iſt wieder die Stellung mit natürlich herabhängenden
Armen anzunehmen.
21. Auf das Aviſo:
„Fersen heben – Eins!“
erhebt der Soldat beide Ferſen langſam vom Boden und bringt
dadurch die Schwere des Körpers auf die Zehen. – Auf das
folgende:
„Zwei!“
werden die Abſätze wieder auf den Boden geſenkt.
Auf das Aviſo: 22.
„Knie beugen – Eins!“ Plan II,
werden die Ferſen erhoben, dann die Knie langſam geöffnet und Fig- 1.
ſo weit gebogen, daß die Oberſchenkel mit den Unterſchenkeln
beinahe rechte Winkel bilden. Der Oberleib darf bei dieſer Be
wegung nicht vorgeneigt und ebenſo wenig der Rücken gekrümmt
werden. – Auf das nach einer angemeſſenen Pauſe folgende:
„Zwei!“
werden die Knie wieder angezogen und die Ferſen geſenkt.
Auf das Aviſo: 23.
„Hüpfen – Eins!“
bewirkt der Soldat das Beugen der Knie, auf:
„Zwei!“
ſchnellt er ſich durch einen kräftigen Abſtoß beider Ballen und
gleichzeitige Streckung der Knie- und Fußgelenke mit aufrech
tem Körper einige Zolle gerade über den Boden, hüpft wieder
auf die nämliche Stelle nieder, zieht dann die Knie an und
ſenkt endlich die Ferſen.
Auf das Aviſo: 24.
„Hocken und Füsse öffnen – Eins!“ EP1am I.,
werden die Ferſen gehoben, die Knie geöffnet und langſam Fig. E
ſo ſtark gebogen, bis die Ober- und Unterſchenkel ſich be
rühren; um den Oberkörper dabei in vollkommen aufrechter
Lage zu erhalten, muß das Kreuz eingezogen bleiben, und die
Bruſt durch mäßiges Zurücknehmen der Elbogen gerundet
werden; die Ferſen bleiben geſchloſſen. Der Abrichter läßt
den Soldaten in dieſer hockenden Stellung einige Augenblicke
verweilen und zählt dann:
„Zwei!“
hierauf geben die Ballen, um den Körper empor zu ſchnellen,
einen kräftigen Abſtoß, die gleichzeitig geſtreckten Füße wer
den auf die dreifache Fußlänge von einander entfernt auf
den Boden geſetzt; der Soldat hat hierbei auf die Ballen nie
der zu ſpringen und dann die Ferſen zu ſenken.
25. Bei der Wiederholung dieſer Uebung werden auf:
„Eins!“
nach einem verhältnißmäßig ſtarken Abſtoß der Ballen, die
Ferſen zuſammen geführt, die Knie, wie vorhin, bis in die
hockende Stellung gebogen, auf:
„Zwei!“
wird das Aufhüpfen und Oeffnen der Füße ausgeführt, und
nach genügender Wiederholung auf das Aviſo:
„Halt!“
mit denſelben Hilfen die urſprüngliche Stellung angenommen.
26. Auf das Aviſo:
PIan H., „Knie heben – Eins!“
Fig. 3. wird das linke Knie gerade vorwärts ſo hoch erhoben, daß der
Oberſchenkel eine wagrechte Lage erhält. Der Unterſchenkel be
hält die vertikale Richtung gegen den Boden und die Fuß
ſpitze wird abwärts geſenkt. – Auf das nach einer angemeſ
ſenen Pauſe erfolgende:
„Zwei !“
wird der linke Fuß auf den Boden geſetzt und das rechte
Knie erhoben. Die Fortſetzung der Uebung wird durch ein
taktmäßiges Vorzählen geregelt, die Beendigung durch das
Aviſo:
„Halt!“
veranlaßt, worauf der Soldat nach dem Niederſetzen des eben
erhobenen Fußes ruhig ſtehen bleibt.
27. Sobald der Soldat dieſe Uebung befriedigend darſtellt,
iſt er anzuweiſen, dieſelbe ohne Vorzählen für ſich in einem
lebhaften Tempo, und zwar mittelſt eines ſpringenden
Aufſchnellens der Füße, öfters hintereinander, dann aber
wieder einige Male langſam auszuführen.
28. Auf das Aviſo:
Plan H., „Füsse vorwärts heben – Eins!“
Fig- 4. wird der linke Fuß mit vollkommen geſtreckten Gelenken
langſam gerade vorwärts bis in die wagrechte Lage erhoben,
in derſelben einige Augenblicke erhalten, dann niedergeſetzt
und auf:
„Zwei!“
der rechte Fuß erhoben.
Auf das Aviſo: 29.
„Füsse rückwärts heben – Eins!“ Plan II,
wird der linke Fuß mit angezogenen Gelenken ſo weit, als es ”s- *“
ohne merkliches Vorneigen des Körpers möglich iſt, zurück
geführt, dann langſam wieder an ſeine Stelle gebracht.
Auf:
„Zwei!“
wird der rechte Fuß in gleicher Weiſe zurückgeführt.
Auf das Aviſo: 30.
„Füsse seitwärts heben – Eins!“ Plan II,
wird der geſtreckte linke Fuß ſo weit als möglich in gerader *g* *
Richtung links ſeitwärts erhoben und langſam wieder nieder
geſetzt, dann auf:
„Zwei!“
der rechte Fuß rechts ſeitwärts erhoben. – Der Oberleib
ſoll auch bei dieſer Uebung nur unmerklich aus der ſenk
rechten Stellung weichen und die Bewegung der Füße ganz
ſelbſtſtändig vor ſich gehen.
Auf das Aviſo: 31.
„Arm vorwärts schwingen – Eins!“ PIan H.,
wird der linke Arm mit geſchloſſener Hand gerade vorwärts Fig. 3.
geſtreckt, dann erhoben und raſch und kräftig in einem verti
kalen Kreiſe an der Seite des Körpers unter mäßiger Vor
nahme der entgegengeſetzten Schulter fort geſchwungen, bis
das Aviſo:
„Zwei!“
erfolgt, worauf die linke Hand an die Hüfte gelegt und
der rechte Arm in dieſelbe ſchwingende Bewegung verſetzt
wird.
Nach mehreren Schwingungen wird auf das Aviſo:
„Hüften fest!“
die Hand wieder auf die Hüfte gelegt.
Auf das Aviſo: 32.
„Arm rückwärts schwingen – Eins!“
8

wird der linke Arm zurückgeſtreckt, die Schwingung in entge


gengeſetzter Richtung ausgeführt, auf:
„Zwei!“
dieſelbe Uebung mit dem rechten Arme vorgenommen und wie
beim Vorwärtsſchwingen beendet.
33. Auf das Aviſo:
EPIan H. „Arme vorwärts stossen – Eins!“
*g* *“ werden beide Arme mit geballten Fäuſten gerade vorwärts
geſtoßen, ſo daß letztere in die Höhe der Schultern zu ſtehen
kommen; auf:
„Zwei!“
ſind die Arme, ohne ſie im Elbogengelenke zu biegen, in
gleicher Höhe nach beiden Seiten kräftig auseinander und ſo
weit zurück zu ſchwingen, als es die Schultergelenke erlauben,
dann aber gleich wieder die Hände an die Hüften zu legen.
34. Auf das Aviſo:
PIan II, „Arme seitwärts stossen – Eins!“
*g- 9 werden beide Unterarme nahe am Leibe ſo hoch erhoben, daß
die Daumen der geſchloſſenen Hände die Schultern berühren;
die Elbogen bleiben nahe am Leibe. Auf:
„Zwei !“
ſind beide Arme durch eine kräftige, ſtoßartige Bewegung in
der Höhe und Richtung der Schultern auszuſchnellen, worauf
dann die Hände nach einer kleinen Pauſe wieder an die Hüften
zu legen ſind.
35. Auf das Aviſo:
Plan II, „Arme abwärts stossen – Eins!“
*s- *" werden die geſchloſſenen Hände mit abwärts gerichteten Hand
rücken unter die Achſelhöhlen gebracht und die Handgelenke
gebogen; die Schultern dürfen dabei nicht gehoben und die
Elbogen nicht vorgenommen werden.
Auf das nun folgende:
„Zwei!“
werden die Arme raſch und kräftig, d. i. ſtoßartig gerade
abwärts ausgeſchnellt, worauf die Hände nach einer kleinen
Pauſe wieder leicht an die Hüften zu legen ſind.
Auf das Aviſo: 36.
„Vorwärts beugen – Eins!“ PIan H,

werden zuerſt die Arme erhoben, dann wird der Oberkörper *S ***
bei angezogenen Knien langſam ſo weit vorwärts gebogen, daß
die Fingerſpitzen bei natürlich herabhängenden Armen beinahe
den Boden berühren; auf das folgende:
„Zwei!“
wird der Oberkörper wieder langſam erhoben und die frühere
Stellung angenommen.
Auf das Aviſo: 37.
„Rückwärts beugen – Eins!“ ºan,
iſt der Oberkörper mit erhobenen Armen langſam ſo weit rück- Fig- 12.
wärts zu biegen, als es mit geſtreckten Knien und feſtſtehen
den Ferſen geſchehen kann. Auf:
„Zwei!“
wird der Oberleib wieder gerade geſtellt.
Auf das Aviſo: 38.
„Seitwärts beugen – Eins!“ Plan H.,

wird der linke Arm natürlich herabgelaſſen, der Oberkörper *S***


ohne Verdrehung der Schultern bei feſtſtehenden Füßen ſo
weit als möglich links ſeitwärts geneigt und hierbei der rechte
Arm über den Kopf erhoben, dann langſam wieder in die
gerade Stellung zurückgegangen und auf das folgende:
„Zwei!“
die Beugung rechts und die Herſtellung aus derſelben ausge
führt.
Um nach dieſen Beugungen des Oberkörpers das Ge-39.
wicht wieder in die richtige Vertheilung zu bringen, hat
der Abrichter die Ferſen heben zu laſſen.
Um den Soldaten an die zum Marſchiren erfor-40.
derliche Erhaltung des Gleichgewichtes zu gewöhnen, wird Plan H.
aviſirt: Fig- 14
„Knie heben und strecken!“
Auf das folgende:
„Eins!“
wird das linke Knie erhoben, dann der Unterſchenkel gerade
10

vor- und abwärts kräftig ausgeſchnellt, die Fußſpitze abge


ſtreckt und auswärts gewendet. – Auf:
„Zwei!“
wird der linke Fuß auf die Entfernung eines Schrittes, ſomit
ungefähr auf 2% Schuh vom rechten, gerade vorwärts auf
den Boden geſetzt, die Schwere auf ihn übertragen und gleich
zeitig der rechte Fuß mit mäßig geſtrecktem Knie- und Fuß
gelenke rückwärts über dem Boden gehalten. – Als Fortſetzung
dieſer Uebung wird auf das nun wieder folgende:
„Eins!“
das rechte Knie erhoben, der rechte Unterſchenkel ausgeſchnellt
und auf:
„Zwei!“
mit dem rechten Fuß der Niedertritt, mit dem linken die Vor
bereitung zum Erheben des Knies in der bereits angedeuteten
Weiſe gemacht. – Die Bewegung jedes Fußes hat alſo bei
dieſer Uebung in zwei Theile zu zerfallen, zwiſchen deren Aus
führung die einzuhaltende Pauſe durch das Vorzählen zu
regeln iſt.
41. Zum Einſtellen dieſer Uebung aviſirt der Abrichter nach
der Ausführung des erſten Theiles: -

„Halt!“
worauf der Soldat nach dem Niedertritte des erhobenen
Fußes den rückwärts befindlichen beizieht und ſeine Stellung
berichtiget.
42. Wenn der Soldat durch die Ausführung der angedeu
teten Gelenkübungen eine ungezwungene ſichere Haltung
und auch die ſelbſtſtändige, freie Bewegung der Gliedmaßen
erlangt hat, iſt derſelbe über das Tragen des Gewehres
zu belehren.
43. Der mit dem Infanterie-Gewehre ausgerüſtete
Soldat hat dasſelbe in ſchräger Lage ſo auf der linken Schulter
zu tragen, daß der Lauf nach aufwärts zu ſtehen kommt und der
Griffbügel die Schulter berührt. – Die linke Hand ergreift
den Kolben ſo, daß das erſte Glied des Daumens auf der vor
dern Kolbenſchuhſchraube, der Zeigefinger an der Abrundung
11

des Kolbens liegt, die anderen Finger aber an den Zeigefinger


geſchloſſen und wie dieſer mit den beiden erſten Gliedern an
die innere Fläche des Kolbens gedrückt werden. – Der linke
Vorarm iſt wagrecht zu halten, der Elbogen natürlich an den
Leib zu ſchließen und das Gewehr weder rechts noch links aus
der geraden Richtung zu ſchieben.
Der Jäger trägt das mit der Mündung aufwärts 44.
gerichtete Gewehr an dem Riemen ſo über die rechte Achſel
gehängt, daß der Lauf nach rückwärts zu ſtehen kommt. – Das
Gewehr wird ſeiner eigenen Schwere überlaſſen, der Riemen
mit der rechten Hand zwiſchen dem Daumen und den übrigen
Fingern ſo hoch ergriffen, daß der Vorarm eine wagrechte
Lage erhält.
Der mit dem Korps-Gewehre ausgerüſtete Soldat hat 45.
dasſelbe gleichfalls auf die für den Jäger vorgeſchriebene Art,
mittelſt des Riemens über die rechte Schulter gehängt, zu
tragen.
Die eben erklärte Art des Gewehrtragens wird beim In 46.
fanteriſten, beim Jäger und bei dem mit dem Korps-Gewehre
ausgerüſteten Soldaten die „Stellung mit geſchulter
tem Gewehre“ genannt.
Auf Märſchen und bei längeren Uebungen kann nach 47.
dem Ermeſſen der Kommandanten auch dem Infanteriſten
geſtattet werden, das Gewehr auf die für den Jäger vorge
zeichnete Art mittelſt des Riemens über die rechte Achſel zu
hängen. – Dieſer iſt daher bei jeder Ausrückung, Paraden
ausgenommen, nach Bedarf auf das Aviſo:
„Riemen verlängern!“
auf das äußerſte Ende verlängern zu laſſen.
Wenn das Bajonnet gepflanzt iſt, hat ſowol der Jä 48.
ger, als auch der mit dem Korps-Gewehre ausgerüſtete Soldat
in der Regel die Stellung mit dem geſchulterten Gewehre auf
die für den Infanteriſten vorgezeichnete Weiſe anzunehmen,
weßhalb demſelben auch das Tragen des Gewehres auf der
linken Schulter gezeigt werden muß.
12

§. 3.
Wendung des Kopfes.

49. Die Wendung des Kopfes darf den Soldaten nicht zum
Verdrehen der Schultern veranlaſſen, und daher nur ſo weit
ausgeführt werden, daß das der Wendung entgegengeſetzte
Auge durch dieſe in die Mittellinie des Körpers gelangt.
50. Auf das Kommando:
„Rechts (Links) – schaut!“
wendet der Soldat den Kopf mit der angedeuteten Beobach
tung raſch gegen die genannte Seite.
51. Zur Herſtellung wird:
„Habt – Acht!“
kommandirt, worauf der Soldat den Kopf wieder gerade
wendet, und den Blick vorwärts richtet.
Wenn der Jäger in der Stellung mit geſchultertem
-- Gewehre zur Ausführung der Kopfwendung befehligt wird,
ſo hat er gleichzeitig mit derſelben die rechte Hand an den
Kolbenhals herabzubringen und dieſen, mit dem Daumen vor
wärts, mit den andern Fingern rückwärts, zu umfaſſen. Beim
Herſtellen von der Kopfwendung wird der Riemen mit der
rechten Hand wieder wie früher erfaßt. – Der mit dem
Korps-Gewehre ausgerüſtete Soldat hat in dem erwähnten
Falle die rechte Hand an den Kolben zu bringen.

§. 4.
Wendungen des Körpers.
53. Die Wendung des Körpers iſt entweder eine ganze, eine
halbe oder eine doppelte Wendung, und zwar: eine
ganze Wendung, wenn ſich der Soldat ſo weit rechts oder
links wendet, bis er mit dem Geſichte dahin gerichtet iſt, wo
vor dieſer Bewegung eine ſeiner Schultern war; eine halbe
Wendung, wenn der Soldat nur die Hälfte der eben erklärten
Bewegung vollführt; und endlich eine doppelte Wendung,
wenn der Soldat zwei ganze Wendungen durch eine Bewe
gung ausführt.
13

Alle Wendungen des Körpers auf der Stelle werden 54.


auf dem linken Abſatze, mit geringer Erhebung des linken
Fußballens und des rechten Abſatzes vollführt.
Während der Wendung ruht die Schwere des Körpers
auf dem linken Abſatze, welcher nicht von der Stelle gerückt
werden darf, und es wird zur Erleichterung mit dem Ballen
des rechten Fußes ein dem Maße der Wendung entſprechender
Druck auf den Boden gegeben. Nach vollbrachter Wendung
wird der rechte Fuß neben den linken niedergeſetzt und die
Schwere des Körpers wieder auf beide Füße gleichmäßig vertheilt.
Die ganze Wendung erfolgt auf das Kommando: 55.
„Rechts (Links) – um!“
mit den angegebenen Beobachtungen nach der bezeichneten
Seite.
Auf das Kommando: 56.
„Links (Rechts) – Front!“
iſt gleichfalls eine ganze Wendung auszuführen, und zwar
ohne Rückſicht auf die vor der erſten Wendung innegehabte
Aufſtellung nach der im Kommando bezeichneten Seite.
Die halbe Wendung wird mittelſt des Kommando's: 57.
„Halb – rechts (links)!“
die Herſtellung in das früher innegehabte Verhältniß mittelſt
des Kommando's:
„Front!“
angeordnet und in der bereits angedeuteten Weiſe ausgeführt.
Für die doppelte Wendung erfolgt zuerſt das Aviſo: 58.
„Verkehren (Herstellen)!“
dann das Kommando:
„Rückwärts (Vorwärts) – Front!“
worauf der Soldat zwei ganze Linkswendungen im Zuſam
menhange auszuführen hat.
Wenn die Wendungen in der Stellung mit dem 59.
geſchulterten Gewehre vollführt werden, ſo muß dieſes in der
vorgeſchriebenen Lage verbleiben, und es iſt zu dieſem Zwecke
bei der Tragweiſe der Jäger der Riemen während der Wen
dung ein wenig abwärts zu ziehen.
14

§. 5.

Marſch vor- und rückwärts.

60. Der Marſch nach vorwärts hat den Zweck, in der


kürzeſten Zeit mit der thunlichſten Schonung der Kräfte des
Soldaten möglichſt viel Raum zu gewinnen. Hierzu iſt eine
freie ungezwungene Haltung des Körpers, eine leichte Bewe
gung der Gliedmaßen und eine ſichere Beherrſchung des
Gleichgewichtes unbedingt nothwendig.
61. Die Länge des Schrittes iſt ſo zu bemeſſen, daß im
Durchſchnitte fünf Schritte zwei Wiener Klafter betragen.
62. Die Schnelligkeit oder der Takt des Marſches iſt ſo zu
regeln, daß 105 – 108 Schritte in einer Minute hinterlegt
werden.
63. Der Soldat muß anfänglich immer mittelſt des Vor
zählens im Marſchiren geübt werden. – Der Abrichter ertheilt
beim Beginne der Marſchübung das Aviſo:
„Marschiren!“
welches jedoch nach einer kurzen Unterbrechung der Bewegung
nicht zu wiederholen iſt.
64. Der Antritt der Bewegung erfolgt auf das Kommando:
„Marsch – Eins!“
der Soldat nimmt zu dieſem Zwecke die Schwere des Körpers
auf den rechten Fuß, hebt den linken mit angezogenem Knie
nach vorwärts und ſetzt ihn auf die Entfernung der vorgeſchrie
benen Schrittlänge mit auswärts gewendeter Fußſpitze auf den
Boden. Gleichzeitig hebt er den rechten Fuß, ſo daß das Knie
gebogen wird und die Fußſpitze den Boden nur leicht berührt.
Die Schwere des Körpers muß daher beim Niederſetzen des linken
Fußes auf dieſen übertragen, und jede Schwankung des Ober
leibes oder der Hüften vermieden werden. Nach einer kleinen
Pauſe, welche nach der Geſchicklichkeit des Soldaten in der
Erhaltung des Gleichgewichtes zu bemeſſen iſt, erfolgt das
Kommando:
„Zwei!“
15

worauf der rechte Fuß mit denſelben Beobachtungen auf eine


Schrittlänge vorgeſetzt und der linke rückwärts erhoben
wird.
Die Bewegung wird dann auf das Vorzählen des Abrich
ters fortgeſetzt, und hierbei allmälig der vorgeſchriebene
Marſchtakt angenommen.
Zum Einſtellen des Marſches kommandirt der Abrichter: 65.
„Halt!“
worauf der Soldat den rückwärts befindlichen Fuß auf die
volle Länge des Schrittes vorwärts niederſetzt, den andern
beizieht und ruhig ſtehen bleibt.
Bei zunehmender Geſchicklichkeit muß das Vorzählen 66.
unterbleiben, der Soldat auf das Kommando:
„Marsch!“
austreten und die Schnelligkeit der Bewegung nach ſeiner
eigenen Beurtheilung dem Marſchtakte entſprechend regeln.
Der Abrichter hat hierbei auf eine freie ungezwungene Bewe
gung zu ſehen, und das Einhalten des gleichmäßigen Taktes
nach Bedarf durch das Vorzählen einiger Schritte zu unter
ſtützen, oder zu dieſem Zwecke den Marſch ſchlagen oder blaſen
zu laſſen. Der Soldat iſt bei dieſer Gelegenheit zu belehren,
daß der Anfang des Marſchtaktes immer auf den linken Fuß
zu treffen hat.
Das Antreten und Einſtellen der Bewegung muß beim 67.
Beginne des Unterrichtes im Marſchiren in kurzen Pau
ſen öfters wiederholt und der Soldat dadurch an das raſche
Austreten und augenblickliche Stehenbleiben gewöhnt werden.
Wenn der Soldat auf dieſe Weiſe einige Fertigkeit im 68.
Ausſchreiten erlangt hat, ſtellt ſich der Abrichter auf ungefähr
zwanzig Schritte vor denſelben und läßt ihn auf ſich zumar
ſchiren, um ihn an das Einhalten einer geraden Linie zu ge
wöhnen.
Sobald der Soldat durch fortgeſetzte Uebung an eine 69.
gleichmäßige und ausgiebige Bewegung gewöhnt iſt, kann dem
ſelben geſtattet werden, während des Marſchirens die Arme
natürlich zu bewegen, was jedoch weder in ein übertriebenes
16

Schleudern, noch in eine gezwungene oder durch willkürliche


Beſtimmungen geregelte Schwingung ausarten darf.
70. Erfolgt während des Marſches das Kommando:
„Verkürzt den – Schritt!“
ſo vollführt der Soldat den Schritt zwar im vorgeſchriebenen
Takte, jedoch nur in der halben Länge, und nimmt erſt auf
das Kommando:
„Im vollen – Schritt!“
die ganze Schrittlänge wieder an.
71. Endlich muß dem Soldaten das Schrittwechſeln gelehrt
und ihm erklärt werden, daß dieß die Art ſei, mit einem vor
oder neben ihm marſchirenden Manne gleichen Tritt und
Schritt anzunehmen. Der Abrichter kommandirt anfänglich
hierzu:
„Wechselt – Schritt!“
worauf der Soldat den rückwärts befindlichen Fuß mit
doppelter Geſchwindigkeit bis zum Abſatze des vorwärts
ſtehenden vorzieht, und mit dieſem neuerdings ausſchreitet.
In der Folge iſt das Wechſeln des Schrittes auf eine ein
fache Erinnerung oder beim Beginne des Spieles zu bewirken,
wenn der Soldat wahrnimmt, daß der Anfang des Marſch
taktes nicht in der vorgeſchriebenen Weiſe auf den linken
Fuß trifft.
Wenn der Soldat hinlängliche Fertigkeit im Marſchi
ren erlangt hat, ſo ſind die halben und ganzen Wendun
gen während des Marſches zu üben, und ohne Unterbre
chung der gleichmäßigen Bewegung auf dem Ballen des
vorwärts befindlichen Fußes auszuführen. Der Abrichter
hat hierzu die betonte Silbe des Kommando's in dem Augen
blicke auszuſprechen, in welchem der Soldat einen Fuß
auf den Boden ſetzt, ſo daß alſo der rückwärtige in einer
der Wendung entſprechenden Richtung vorgebracht werden
kann.
73. Die weiteren Uebungen im Marſchiren ſind dann mit
dem Gewehre auszuführen, welches während der Bewegung
in ſeiner Lage erhalten werden muß. Wenn das Gewehr auf
17

der linken Schulter getragen wird, kann der Soldat hierbei


den rechten, wenn es mittelſt des Riemens über die rechte
Schulter gehängt iſt, den linken Arm natürlich bewegen. –
Im letzteren Falle iſt das Gewehr mit dem rechten Elbogen
mäßig gegen den Leib zu drücken.
Der Marſch rücklings findet nur auf kurze Strecken 74.
Anwendung und erfolgt auf das Kommando:
„Rückwärts – Marsch!“
worauf mit dem linken Fuße rückwärts ausgetreten, der
Schritt nur halb ſo groß als vorwärts gemacht und mit
der Spitze des Fußes der Boden leicht geſtreift wird.
Auf das Kommando: 75.
„Halt!“
wird der vorwärts befindliche Fuß, ohne den Schritt zu vollen
den, dem andern beigeſetzt.

§. 6.
Uebung im Laufen.
Die Bewegung nach den im vorhergehenden Paragraphe 76.
feſtgeſetzten Beſtimmungen iſt zwar unter gewöhnlichen Ver
hältniſſen vollkommen ausreichend, es treten aber bei der Ver
wendung des Soldaten nicht ſelten Fälle ein, welche ein
raſcheres Fortſchreiten unbedingt erheiſchen.
Der Soldat muß daher durch umſichtig geleitete Uebungen
an die dieſem Zwecke entſprechende Benützung ſeiner Kräfte
gewöhnt und dadurch zu größeren Leiſtungen befähigt werden,
ohne hierbei einer frühzeitigen Erſchöpfung zu unterliegen.
Nach dem Grade der Geſchwindigkeit des Laufes unter-77.
ſcheidet ſich dieſe Bewegung in den Lauftritt und den
beſchleunigten Lauf.
Die Länge eines Laufſchrittes iſt etwas größer als jene 78.
beim gewöhnlichen Marſche; beim beſchleunigten Laufe beträgt
dieſelbe aber ungefähr drei und einen halben bis vier Schuh.
Die Schnelligkeit der Bewegung iſt im Lauftritte ſo zu 79.
regeln, daß 160 Laufſchritte auf eine Minute entfallen, wäh
rend im beſchleunigten Laufe nach einiger Uebung ungefähr
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 2
18

190–200 Laufſchritte
in einer Minute ausgeführt werden
können. Während dieſer Zeit wird von einem ſchon geübten
Soldaten im Lauftritte eine Strecke von 250, im beſchleu
nigten Laufe dagegen von beiläufig 350 Marſch-Schritten
hinterlegt.
80. Der Platz, auf welchem die Uebung im Laufen vorge
nommen wird, ſoll weder lehmig, noch mit Flugſand bedeckt,
ſondern feſt und eben, die Richtung des Laufes nie gegen den
Wind beſtimmt ſein.
81. Der Bruſt muß während des Laufens eine möglichſt freie
Bewegung geſtattet, der Mund geſchloſſen und der Athem in
längeren Pauſen durch die Naſe eingezogen werden, um die
Erhitzung des Blutes und den ſchnellen Andrang desſelben
gegen die Lunge zu hindern. Kurze Athemzüge, bei welchen
die eingezogene Luft immer gleich wieder herausgeſtoßen wird,
würden die Bewegung der Lunge in gefährlicher Weiſe ſteigern
und beſonders bei einer raſchen Abkühlung leicht eine Entzün
dung herbeiführen. Da die Lunge beim Laufen in größere
Thätigkeit verſetzt und dadurch erhitzt wird, darf nicht ge
ſtattet werden, daß der Soldat durch unvorſichtiges Trinken
oder durch plötzliches Stehenbleiben oder Niederlegen auf die
Erde eine zu raſche Abkühlung und durch dieſe eine nachtheilige
Einwirkung auf die Geſundheit veranlaſſe; demnach hat der
Abrichter den Soldaten nach Beendigung einer Laufübung bis
zur vollkommenen Beruhigung des Blutumlaufes langſam
herumgehen zu laſſen und wenn die Luft kühl iſt, muß der
Mantel über den Kittel oder der Rock angezogen werden.
Jeder nutzloſe Zwang muß von dieſen Uebungen verbannt
und dem Soldaten daher auch erlaubt werden, die Bewegung
ohne weiters zu mäßigen, wenn er ſich ermattet und ſomit zu
einer fortgeſetzten Anſtrengung unfähig fühlt.
82. Beim Beginne der Uebung im Laufen iſt der Soldat
von jeder Belaſtung zu befreien, in der Folge hat er die
Patrontaſche und das Seitengewehr, dann auch das Gewehr
und endlich den gepackten Torniſter, ſowie die vollſtändige
Feldausrüſtung zu tragen.
19

Die Uebung im Laufen hat mit dem Lauftritte und zwar 83.
ebenſo wie das Marſchiren mittelſt des Vorzählens der Schritte
zu beginnen. Der Abrichter läßt zu dieſem Zwecke die Hände
in der bekannten Weiſe auf die Hüften legen und kommandirt:
„Im Lauftritt ! – Marsch – Eins!“
Der Soldat ſpringt hierauf, indem er ſich mit dem rech
ten Ballen vom Boden abſtoßt, mit dem linken Fuße auf eine
Schrittlänge vorwärts. Der Niederſprung muß leicht und auf
den Ballen erfolgen, das linke Knie ſanft gebogen bleiben
und der rechte Fuß mit mäßig geſtrecktem Knie- und Fuß
gelenke rückwärts über dem Boden gehalten werden. Auf:
„Zwei!“
wird der rechte Fuß auf die angedeutete Weiſe vorgeſchnellt
und der linke rückwärts erhoben, dann dieſe Bewegung auf
das weitere Vorzählen des Abrichters fortgeſetzt und auf das
Kommando:
„Halt!“
eingeſtellt.
Die Geſchwindigkeit des Vorzählens iſt in dem Maße, in 84.
welchem die Geſchicklichkeit des Soldaten zunimmt, allmälig
über den Marſchtakt zu ſteigern und hat endlich das für den
Lauftritt angegebene Zeitmaß zu erlangen.
Bei der Ausführung des Lauftrittes wird der Oberleib 85.
nur ſanft vorgeneigt, ruhen die Hände leicht auf den Hüften,
werden die Elbogen zur beſſeren Wölbung der Bruſt etwas
zurückgenommen, und die Füße durch einen leichten, nicht er
müdenden Abſtoß auf den Ballen fortgeſchnellt; die Fuß- und
Kniegelenke werden dabei in regelmäßiger Abwechslung ſanft
gebogen, jedoch nicht ſtraff geſtreckt. – Der Blick iſt hierbei
auf einen möglichſt entfernten Punkt gerade vor ſich zu
richten.
Um den Beginn des Lauftrittes ohne Vorzählen zu ver-86.
anlaſſen, kommandirt der Abrichter:
„Im Lauftritt – Marsch!“
worauf der Soldat dieſe Bewegung von der Stelle anzutreten
oder während des Marſches in dieſelbe überzugehen hat.
2*
20

87. Ebenſo wie die Geſchwindigkeit hat auch die Dauer der
Bewegung im Lauftritte nach und nach zu wachſen; anfäng
lich iſt bei Anwendung der entſprechenden Schnelligkeit, jedoch
ſchon nach zwei Minuten Laufübung, eine angemeſſene Ruhe
pauſe im Schritte zu gewähren. Der Abrichter kommandirt
hierzu während des Laufes:
„Im – Schritt !“
worauf der Soldat aus der hüpfenden Bewegung in die des
Marſches übergeht, die Hände von den Hüften ſinken und
ihrer naturgemäßen Bewegung folgen läßt.
88. Bei zunehmender Uebung im Laufen iſt der Wechſel
der Bewegung mit Rückſicht auf die Kräfte des Soldaten
zu wiederholen, und hierbei die Anwendung des Lauf
trittes allmälig auf 3, 4 und 5 Minuten, mit kräftigen,
gut ausgebildeten Soldaten endlich auch bis auf 8 Minuten
auszudehnen.
89. Um den Soldaten an eine gleichmäßige Bewegung ſo
wol in Bezug auf die Länge der Laufſchritte als auf die
Geſchwindigkeit derſelben zu gewöhnen, iſt auf dem Uebungs
platze die einer Minute entſprechende Strecke von 250 Marſch
Schritten oder 100 Wiener Klaftern, ein- oder mehrere Male
auszuſtecken, und nach dem Ablaufen des erforderlichen Zeit
raumes ein Zeichen zu geben, ſo daß hiernach die eintretenden
Abweichungen von dem Soldaten ſelbſt beurtheilt und berich
tiget werden können.
90. Wenn der Soldat durch fortgeſetzte Uebung ſich an
größere Anſtrengungen gewöhnt hat, kann zum beſchleu
nigten Laufe übergegangen werden, bei welchem die Hände
nicht mehr an die Hüften zu legen ſind, ſondern leicht geſchloſ
ſen und frei an der Seite des Körpers gehalten werden; die
Unterarme, welche ziemlich wagrecht und ohne Zwang nahe am
Leibe dem Triebe der Bewegung folgen ſollen, werden daher
abwechſelnd etwas vor- und zurückgenommen, was aber nicht
in ein ermüdendes Schwenken der Elbogen übergehen darf.
Der Oberleib muß ein wenig ſtärker als beim Lauftritte vor
geneigt werden und dadurch den Füßen, welche ſchwebend
21

über den Boden vorzuſchnellen ſind, das Fortſchreiten erleich


tern. Die Anwendung des beſchleunigten Laufes ſoll auch von
geübten Soldaten nicht länger als fünf Minuten gefordert
werden.
Zum Beginne des beſchleunigten Laufes, welcher ohne 91.
Gewehr zu üben iſt, wird während des Marſches oder während
der Bewegung im Lauftritte:
„Marsch – Marsch!“
kommandirt, und der Uebergang aus dem beſchleunigten Laufe
in die Marſchbewegung oder den Lauftritt in der bekannten
Weiſe veranlaßt.
Wie bereits angedeutet wurde, ſind die Uebungen im 92.
Laufen bei fortſchreitender Gewandtheit auch mit der Rüſtung
und mit dem Gewehre auszuführen, welches auf das Kom
mando:
„Im Lauftritt!“
nach der bei den Gewehrgriffen folgenden Belehrung in die
Balance zu nehmen iſt, damit auf das folgende:
„Marsch!“
der Lauf ungehindert angetreten werden kann.
Bei den Laufübungen mit dem Gewehre iſt dieſes auf 93.
das Kommando:
„Im – Schritt!“ oder: „Halt!“
immer gleichzeitig mit der Veränderung oder Einſtellung der
Bewegung zu ſchultern.
Der Lauftritt muß endlich auf kurze Strecken auch rück- 94.
lings geübt werden. Der Abrichter kommandirt zu dieſem
Zwecke:
„Im Lauftritt rückwärts – Marsch!“
worauf der Soldat die Bewegung mit dem linken Fuße be
ginnt, den Laufſchritt halb ſo groß als vorwärts ausführt,
mit dem Ballen des zurücktretenden Fußes den Boden leicht
ſtreift, zur Vorſicht zeitweiſe auch zurückblickt und erſt nach
und nach die hüpfende Bewegung beſchleunigt.
22

§. 7.

Uebung im Springen und im Ueberſetzen von Hinder


niſſen.

95. Der Soldat kommt bei ſeiner Verwendung ſehr oft an


Gräben, Hecken oder andere Hinderniſſe, welche ſeine Be
wegung nicht aufhalten dürfen, und daher mit Benützung
der erlangten körperlichen Gewandtheit überſetzt werden
müſſen.
96. Zu dieſem Behufe dient zunächſt die Uebung im Sprin
gen, bei welcher ebenſo wie beim Laufen ohne Belaſtung mit
geringen Anforderungen zu beginnen und erſt allmälig zu
größeren Leiſtungen überzugehen iſt.
97. Das Gelingen eines jeden Sprunges hängt hauptſächlich
von der richtigen Bemeſſung des Auf- und Niederſprunges ab;
durch den erſteren wird die aus der Spannung der Muskeln
folgende Schwungkraft auf die Bewegung des Körpers über
tragen, durch den letzteren aber dieſe beendet. – Der Nieder
ſprung muß immer auf die Ballen der geſchloſſenen Füße
erfolgen und die Gewalt des Stoßes hierbei durch das
Nachgeben in den Knien und verhältnißmäßige Vorneigen des
Oberleibes gebrochen werden. – Auch iſt es bei größeren
Sprüngen vortheilhaft, dem Niederſprunge einen kleinen Nach
ſprung folgen zu laſſen und dadurch den Uebergang aus der
heftigen Sprungbewegung zum Zuſtande der Ruhe zu ver
mitteln.
98. Als Vorübung zum Springen läßt der Abrichter die
Hände auf die Hüften legen und aviſirt dann:
„Fersen schnellen – Eins!“
worauf der Soldat die Knie in der bekannten Weiſe, jedoch
nur wenig beugt, dann durch die Schnellkraft der Füße
mit aufrechter Körperhaltung mehrere Zolle gerade in die
Höhe hüpft, gleichzeitig die Ferſen gegen das Geſäß auf
ſchnellt und wieder in die Stellung auf die Ballen nieder
ſpringt.
23

Auf das Aviſo: 99.


„Knie schnellen – Eins!“
werden die Knie in der Stellung mit herabhängenden Armen
und ein wenig rückwärts gehaltenen Händen mäßig gebogen,
dann ſo hoch als möglich gegen die Bruſt hinaufgeriſſen, wo
bei der Rücken zu krümmen iſt, endlich wird in die frühere
Stellung niedergeſprungen.
Beide Vorübungen ſind vor jedem Unterrichte im 100.
Springen öfters zu wiederholen.
Zur Uebung im Hochſpringen iſt ein Sprunggeſtell 101.
zu benützen, und wenn die Uebung im Freien vorgenommen
werden kann, an dem Orte des Niederſprunges eine unge
fähr 8 Zoll hohe Schichte Sand oder weiche trockene Erde
anzuſchütten.
Um von der Stelle vorwärts mit geſchloſſenen Füßen 102.
über dieſe Vorrichtung, welche anfangs auf Kniehöhe IPIan II,

zu ſtellen iſt, zu ſpringen, hat der Soldat auf eine Fig. 1


halbe Schrittlänge vor dieſelbe zu treten, die Hände an
die Hüften zu legen, die Knie ſanft zu beugen, das Ge
wicht des Körpers etwas vorzunehmen und ſich durch einen
kräftigen Abſtoß der Ballen hinüber zu ſchnellen, wobei
die Knie raſch gegen die Bruſt aufzuſchnellen ſind; der
Niederſprung erfolgt unter den bereits angedeuteten Beobach
tungen.
Auf dieſelbe Weiſe hat der Soldat auch rechts und 103.
links ſeitwärts über die kniehohe Schnur zu ſpringen, indem PIan II,

er ſich mit einer Seite an dieſelbe ſtellt und dann den Sprung Fig- E.
ausführt.
Wenn der Soldat einige Gewandtheit in der Benützung 104.
ſeiner Kraft und in der Beherrſchung des Körpergewichtes
erlangt hat, iſt die Schnur allmälig höher zu richten und
die Uebung fortzuſetzen. – Sobald nun das Springen mit
geſchloſſenen Füßen bereits auf Schenkelhöhe und darüber
geübt wird, ſo dürfen die Hände nicht mehr auf die Hüften
gelegt werden, ſondern müſſen aus der Stellung wie zur zwei
ten Vorübung, gleichzeitig mit dem ſtarken Abſtoß der Ballen
24

vorgeſchwungen werden, um dadurch das Fortſchnellen des


Körpers zu befördern. -

105. Um in die Höhe und gleichzeitig auch auf einige Entfer


PIan II,
nung in die Weite zu ſpringen, ſtellt ſich der Soldat auf un
Fig- 3 gefähr zwei Schritte vor das Sprunggeſtell, ſetzt den linken
Fuß auf eine Schrittlänge vor, nimmt die Schwere des
Körpers gleichmäßig auf beide Füße und hält die natürlich
herabhängenden Arme mit geſchloſſenen Händen ein wenig
zurück. Aus dieſer Stellung ſchwingt er unter kräftigem
Abſtoße des linken Ballens den rechten Fuß vor- und auf
wärts, reißt gleichzeitig beide Arme zur Steigerung des
Schwunges vor, vereinigt während dieſes „Freiſprun
ges“ beide im Knie nur mäßig gebogenen Füße über der
Schnur, und ſpringt mit vorgehaltenen Händen auf die
Ballen nieder.
106. Dieſer Sprung wird dann mit vorgeſetztem rechten Fuße
PIan II, und endlich auch ſeitwärts geübt, wozu ſich der Soldat mit den
Fig. 4•
Händen an den Hüften, neben das Sprunggeſtell ſtellt, den
äußern Fuß vorſetzt und ſich hinüberſchwingt. Während des
letzteren Sprunges müſſen die Füße mäßig geſtreckt werden,
um den Niederſprung ſo ziemlich gleichzeitig auf beide
Ballen machen zu können.
107. Zum „Freiſprung mit Anlauf“ ſtellt ſich der Soldat
anfänglich auf 8 – 10, in der Folge auf 12 – 15 Schritte
von dem Sprunggeſtelle auf. – Der Anlauf, welcher die
Schnellkraft der Füße anregen und dem Körper einen ſtärkern
Schwung mittheilen ſoll, muß langſam beginnen, dann aber
mit kürzeren Schritten verſtärkt und ſein Ende am Orte des
Aufſprunges durch den verhältnißmäßig ſtarken Abſtoß des
einen oder andern Fußes bezeichnet werden. – Der Sprung
wird wie der oben beſchriebene „Freiſprung von der Stelle“
ausgeführt, die Füße müſſen daher noch vor der Hälfte des
ſelben geſchloſſen, die Knie ſanft gebogen ſein und die Arme
vorgeriſſen werden. Der Oberleib darf beim Niederſprunge
nicht zurückbleiben, die Knie müſſen gebogen und geöffnet,
die Ferſen geſchloſſen werden.
25

In dem Maße, als dieſer Sprung bereits auf die Höhe 108.
der Hüfte ausgeführt wird, müſſen auch die Knie nach dem
Aufſprunge kräftiger gegen die Bruſt aufgeſchnellt, und dieſer
muß ſo weit von der Vorrichtung genommen werden, als die
Sprunghöhe beträgt.
In der Folge iſt auf eine Entfernung von 2–3 Schuh 109.
vom Sprunggeſtelle ein Stäbchen auf Schenkelhöhe wagrecht
zu halten, über welches der Soldat mittelſt des Freiſprunges
mit Anlauf gleichfalls zu ſetzen hat, und hierdurch denſelben
gleichzeitig in die Weite ausführt.
Nach zunehmender Gewandtheit iſt der „Freiſprung in 110.
die Höhe und Weite“ auch mit dem Gewehre auszuführen,
wobei dasſelbe mit dem gebogenen rechten Arme ſo ziemlich
wagrecht im Gleichgewichte an der Seite gehalten wird.
Beim Ueberſetzen eines Grabens iſt mit dem „Sprunge 111.
mit geſchloſſenen Füßen von der Stelle“ zu beginnen und
hierbei der Schwung des Körpers durch das Vorreißen der
Arme zu befördern. – Dem Abſprunge muß ſtatt des
Strebens in die Höhe, jenes in die Weite mitgetheilt werden,
daher auch das Hinaufziehen der Knie nur im geringen Maße
nothwendig iſt.
Dem Sprunge mit geſchloſſenen Füßen hat jener zu 112.
folgen, bei welchem ein Fuß zum Abſtoße vorgeſetzt wird,
worauf dann der „Freiſprung mit Anlauf“ vorzunehmen iſt;
letzterer hat ſeine größte Weite erreicht, wenn er nahe auf drei
Körperlängen ausgeführt wird. Bei einem großen, flachen Weit
ſprunge, der über dem jenſeitigen Rande des Grabens endigt,
werden beim Niederſprunge zuerſt beide Abſätze den mit Sand
oder weicher Erde bedeckten Boden berühren, worauf nebſt dem
kleinen Nachſprunge auf die Ballen, noch einige kleine Schritte
gemacht werden müſſen, um die Kraft der Sprungbewegung
nicht durch einen einzigen Gegenſtoß zu brechen.
Je kräftiger der Anlauf genommen und je ſtärker und
ſicherer der Abſprung unmittelbar vor dem Rande des Grabens
gemacht wird, deſto heftiger wird der Sprung; nichtsdeſto
weniger ſoll bei deſſen Ausführung ungeſuchte Kraft und
26

Leichtigkeit, aber keine gewaltſame Anſtrengung ſichtbar


werden.
113. In der Folge iſt dieſer Sprung, ſowohl von der Stelle
als mit Anlauf, mit dem Gewehre auszuführen.
114. Beim Sprunge in die Tiefe, welcher auch mit jenem
in die Weite verbunden werden kann, und von der Stelle ſo
wohl mit geſchloſſenen Füßen, als auch aus der Stellung mit
einem zum Abſprung vorgeſetzten Fuße ausgeführt wird,
dürfen die Knie bei der Berührung des Bodens mit den Füßen
nicht zu ſtark nachgeben, weil ſie ſonſt, wenn der Oberleib
vorfallen ſollte, leicht gegen das Kinn ſtoßen könnten. Die
Hände müſſen vorgehalten werden, um den Körper nach
Bedarf zu unterſtützen; der Rücken muß ſanft gekrümmt
werden.
115. Der „Tiefſprung“ darf bei den Uebungen von keiner
größeren Höhe als 5–6 Schuh ausgeführt werden; der Nieder
ſprung erfolgt jederzeit auf beide Ballen, auf Sandboden
oder angeſchüttete weiche Erde.
Der Abrichter hat bei dieſer Uebung Soldaten, welche in
Folge eines ſchwerfälligen Körperbaues weniger gewandt ſind,
mit ganz beſonderer Sorgfalt zu belehren und ſie aufmerkſam
zu machen, daß ein mangelhaft, auf den Ferſen ausgeführter
Sprung in die Tiefe ſehr leicht eine Erſchütterung des Rück
grates verurſachen und daher die ſchädlichſten Folgen haben
kann.
1 16. In der Folge iſt der Sprung in die Tiefe auch mit dem
PIan II, Gewehre auszuführen, welches bei dieſer Gelegenheit mit bei
Fig- 5«.
den Händen wagrecht vor der Bruſt gehalten wird.
117. Um den Soldaten im „Erhalten des Gleichgewichtes“ zu
üben, iſt ein runder Balken ohne eine beſondere Befeſti
Plan II, gung quer über einen Graben zu legen. Der Soldat hat mit
Fig- G ſtark auswärts gewendeten Fußſpitzen anfänglich langſam,
dann ſchneller und endlich auch im Lauftritte über dieſen
Balken zu ſchreiten, wobei er ſich die Erhaltung des Gleich
gewichtes durch das Erheben der Arme erleichtern kann.
In der Folge ſind die Hände auf die Hüften zu legen
27

und es iſt auch das Zurückſchreiten zu üben. Kann der


Balken ſo gelegt werden, daß ſein Schwanken das Ueberſchrei
ten nicht geſtattet, ſo hat der Soldat ſich rittlings auf den
ſelben zu ſetzen, die Hände vor ſich auf den Balken zu ſtützen
und auf dieſe Weiſe ſich fortzubewegen.
Endlich iſt ein ſolcher Balken auch in wagrechter Lage 118.
als Barriere auf beiläufig 3 Schuh Höhe in irgend einer
Weiſe zu befeſtigen und dem Soldaten das „Ueberſchwingen“
derſelben mit Hilfe der Hände beizubringen. Zu dem Ende
legt der Soldat letztere auf die Barriere, beugt ſanft die Knie
und ſchwingt nach einem kräftigen Abſtoße beide Füße geſchloſ
ſen und geſtreckt rechts oder links ſeitwärts hinüber, wobei
die Hände den Oberkörper tragen. Der Soldat ſetzt über eine
ſolche Barriere oder eine hüfthohe Mauer u. dgl. mit dem
Gewehre, indem er letzteres in die linke Hand nimmt, mit der
rechten Hüfte ſich an das Hinderniß ſtellt, die freie rechte Hand
auf dasſelbe legt, den linken Fuß einen Schritt vorſetzt, unter
Abſtoß desſelben zuerſt den rechten Fuß und gleich darauf auch
den linken geſtreckt vor- und aufwärts und ſofort auch den
ganzen Körper unter Mitwirkung der aufſtützenden rechten
Hand über das Hinderniß ſchwingt; das Gewehr wird dabei
ſo hoch gehalten, daß damit der zu überſetzende Gegenſtand PIan II,
nicht berührt wird. Fig- Je

Beim Ueberſetzen einer beiläufig mannshohen Mauer 119.


oder eines ſonſtigen Hinderniſſes wird der Soldat mit den
Händen unter Mitwirkung der anzuſtemmenden Füße ſich
zuerſt etwas emporziehen müſſen, worauf er einen Arm nach
dem andern aufſtemmt, oben in den Sitz übergeht, und aus
demſelben mit Hilfe der abſtoßenden Hände vorwärts nieder
ſpringt.
Erreicht dagegen der zu überſetzende Gegenſtand bereits 120.
eine Höhe von 8 – 10 Fuß, ſo muß ein Mann zur Stütze Plan II,
dienen. Derſelbe hockt ſich nieder oder ſetzt das linke Knie auf *g**
den Boden und legt die Hände an die Mauer oder Planke.
Der aufſteigende Mann tritt hierauf mit dem rechten Fuß zu
erſt auf den rechten Oberſchenkel des Stützmannes, dann mit
28

dem linken Fuß auf die linke, endlich mit dem rechten Fuß auf
die rechte Schulter desſelben und erfaßt, ſobald er durch das
nun erfolgende Aufſtehen des Stützmannes erhoben worden,
oben den Rand, ſtützt ſich mit den Armen auf, läßt ſich auf der
andern Seite in den Hang an einer Hand nieder, und macht
daſelbſt mit aufrechtem Körper den Niederſprung auf die
Ballen. Der zuletzt übrig bleibende Stützmann kann erforder
lichen Falles mit Hilfe einer herabgereichten Hand oder eines
herabgereichten Gewehres nachklettern, wozu er die Füße an
das Hinderniß anſtemmen muß.

§. 8.

Gewehrgriffe.
121. Die Gewehrgriffe ſind in der nachfolgenden Beſchrei
bung in Griffe eingetheilt, welche dem Soldaten beim erſten
Unterrichte vorgezählt werden müſſen.
Das Vorzählen hat langſam zu beginnen und iſt all
mälig zu beſchleunigen, damit die Pauſen bei der Zunahme
der Geſchicklichkeit des Soldaten immer kürzer werden.
122. Sobald der Soldat ſich die Ausführung der Gewehrgriffe
in dieſer Weiſe angeeignet hat, muß das Vorzählen ganz
unterbleiben, und die Ausführung auf das Kommando des
Abrichters ohne Unterbrechung erfolgen.
I. Griffe mit dem Infanterie-Gewehre.
123. Auf das Kommando:
„In – Arm!“
1. Bringt die linke Hand den Kolben an den Schenkel
herab, worauf die rechte den Kolbenhals umfaßt.
2. Wird der linke Vorarm ſo über den rechten gelegt, daß
das erſte Glied des Daumens der linken Hand auf die
innere Naht des Aermels, die andern Finger aber ge
ſchloſſen am rechten Vorarm abwärts zu liegen kommen.
Das Gewehr ruht mittelſt des Hammers auf dem linken
Vorarme, und erhält eine vertikale Richtung.
29

Wenn dem Soldaten bei längerem Verweilen in dieſer 124.


Stellung eine Erholung geſtattet wird, ſo kann derſelbe den
Kolbenhals loslaſſen und den rechten Vorarm an die Seite
bringen, vor der Ausführung eines Gewehrgriffes muß aber
die rechte Hand immer an den Kolbenhals zurückkehren. Die
ſelbe Erleichterung iſt auch zu geſtatten, wenn der Soldat mit
dem Gewehre in Arm zu marſchiren hat, in welchem Falle
ſich daher der rechte Arm naturgemäß bewegen kann.
„Schul – tert!“ 125.
1. Wird das Gewehr mit der rechten Hand in die früher
gehabte ſchräge Lage erhoben und mit der linken Hand
der Kolben umfaßt;
2. die rechte Hand an die Seite gebracht.
Auf das Kommando: 126.
„In die – Balance !“
1. Wird der Kolben mit der linken Hand an den Schenkel ge
bracht und ſo gewendet, daß die Abrundung desſelben
vor die Mitte des linken Schenkels zu ſtehen komme, ſomit
der Lauf rechts ſeitwärts gewendet ſei; zugleich wird das
Gewehr mit der rechten Hand, welche nahe vor dem Leibe
aufwärts fährt, in der Höhe der linken Achſel umfaßt.
2. Läßt die linke Hand den Kolben los und die rechte bringt
das Gewehr, indem es etwas durch die Hand gleiten
gelaſſen wird, bei natürlich geſtrecktem Arme ſo an die
rechte Seite, daß die Kolbenſpitze mit der Rundung des
Abſatzes gleich und die Mündung ungefähr eine Spanne
von der rechten Achſel gehalten werde.
Auf das Kommando: 127.
„Beim – Fuss!“
wird der Kolben mit der rechten Hand etwas vorwärts
gedrückt und das Gewehr ſachte ſo auf den Boden geſtellt,
daß die Spitze des Kolbens in gleicher Höhe mit der Schuh
ſpitze zu ſtehen kommt. Die rechte Hand hält das Gewehr,
welches an die rechte Hüfte gelehnt wird, bei natürlich geſtreck
tem Arme ſo, daß der Daumen den Lauf umfaßt, die anderen
Finger aber vorne am Schafte liegen.
30

Dieſe Stellung, welche, um das Aufſtoßen des Kolbens


zu verhindern, in der Regel aus jener in der Balance anzu
nehmen iſt, hat immer angewendet zu werden, wenn dem
Soldaten eine vollſtändige Erholung gewährt werden ſoll.
128. Um das Gewehr aus der Stellung „beim Fuß“ wieder
in die Balance zu bringen, wird dasſelbe auf das Kommando:
„In die – Balance !“
im Gleichgewichte umfaßt und die Kolbenſpitze in die Richtung
der Abſätze zurückgedrückt.
129. Zur Annahme der „Stellung mit geſchultertem Gewehre“
aus jener in der Balance oder beim Fuß, erfolgt das Kom
mando:
„Schul – tert!“
1. Das Gewehr wird mit der rechten Hand aufwärts ge
ſchupft, unterhalb des untern Laufringes wieder umfaßt,
ſchnell und nahe am Leibe, mit dem Laufe vorwärts ge
wendet, vor den linken Schenkel gebracht und mit der
linken Hand der Kolben ergriffen;
2. welche nun das Gewehr mittelſt Vordrücken und Auf
wärtsſchieben des Kolbens in die vorgeſchriebene Lage
auf die Achſel bringt, während die rechte Hand ſchnell an
die Seite zurückkehrt.
130. Auf das Kommando:
„Wer – deckt!“
1. Wird der erſte Griff von „In die Balance“ ausge
führt.
2. Läßt die linke Hand den Kolben los, ergreift den Kolben
hals und drückt dieſen gegen die rechte Achſelhöhlung,
gleichzeitig läßt die rechte Hand das Gewehr, welches mit
dem Laufe nach abwärts gewendet wird, vorwärts ſinken
und drückt dasſelbe mit dem Oberarm an den Leib, wor
auf die linke Hand an die Seite zurückkehrt. Das Schloß
kommt über die rechte Hüfte zu liegen und die Mündung
wird ſchräge abwärts ſo gehalten, daß ſie ungefähr einen
Schuh, bei gepflanztem Bajonnete die Bajonnetſpitze
ungefähr ſechs Zoll vom Boden, entfernt bleibt.
31

Dieſe Stellung wird bei Regenwetter angewendet, um 131.


das Eindringen der Näſſe in die Mündung und die Laufhöh
lung zu verhindern, und auch das Schloß vor der Feuchtigkeit
zu ſchützen.
Zum Herſtellen wird kommandirt: 132.
„Schul – tert!“
1. Die rechte Hand läßt den Kolben abwärts ſinken, bringt
das Gewehr ſchnell und nahe am Leibe, mit dem Laufe
vorwärts gewendet, in die vertikale Lage vor dem linken
Schenkel, worauf die linke Hand den Kolben ergreift und
2. das Gewehr geſchultert wird.
Auf das Kommando: 133.
„Zur Visitirung des – Gewehrs!“
1. Wird der erſte Griff von „In die Balance“ aus
geführt.
2. Läßt die linke Hand den Kolben los und die rechte Hand
ſenkt das Gewehr, deſſen Lauf nach rechts gewendet iſt,
bei natürlich geſtrecktem Arme vor die Mitte des Leibes,
worauf die linke Hand die Mündung ſammt dem Ladſtock
Ende ſo umfaßt, daß der Zeigefinger mit dem auf ſeinem
erſten Gliede liegenden Daumen über das Ende des Lau
fes hervorragt.
3. Stellen beide Hände das Gewehr, indem ſie es mit dem
Laufe nach vorwärts wenden, zwiſchen den Fußſpitzen
ſachte zu Boden, ſo daß die Kolbenſpitze in die Linie
der Schuhſpitzen zu ſtehen kommt und der Lauf eine ver
tikale Richtung erhält. Die linke Hand bleibt in ihrer
Lage an der Mündung, die rechte hält das Gewehr bei
natürlich geſtrecktem Arme ſo umfaßt, daß der Daumen
rückwärts an den Schaft, die anderen Finger geſchloſſen
vorne über den Lauf zu liegen kommen. -

Wenn das Gewehr dem Soldaten zur Viſitirung abge- 134.


nommen wird, ſo läßt er ſchnell beide Hände los, und bringt ſie
an die Seite; – beim Uebernehmen erfaßt er es mit der rech
ten Hand am untern Laufringe, und bringt ſowohl das Ge
wehr als auch die beiden Hände in die frühere Lage.
32

135. Um ſich zu überzeugen, ob das Gewehr geladen oder


ungeladen, oder der Lauf überhaupt leer iſt, wird kom
mandirt :
„Ladstock in – Lauf!“
1. Wird der Ladſtock mit dem Daumen und dem gekrümm
ten Zeigefinger der rechten Hand unterhalb des Setzers
ergriffen, wozu der Daumen der linken Hand den erforder
lichen Raum zu geben hat, nicht ganz zur Hälfte herausge
zogen, durch einen leichten Druck mit dem linken Daumen
in dieſer Stellung erhalten, und ſodann mit verkehrter
rechter Hand mit aufgeſtemmtem Daumen knapp an der
Mündung neuerdings umfaßt.
. Wird der Ladſtock vollends herausgezogen, durch die Dre
hung der rechten Hand gewendet, mit dem Setzer in die
Mündung gebracht, zwiſchen dem Daumen und Zeigefinger
der linken Hand ſachte in den Lauf hinabgelaſſen, bis
beide Hände ſich berühren, worauf die rechte Hand das
Gewehr wie früher umfaßt, während die zwei Finger
der linken Hand den Ladſtock vollends langſam in den
Lauf gleiten laſſen.
136. „Versorgt den – Ladstock!“
. Wird der Ladſtock mit dem Daumen und Zeigefinger der
rechten Hand ergriffen, bis über die Hälfte aus dem Laufe
gehoben, wobei die zwei Finger der linken Hand die
Reibung des Ladſtockes an der Mündung verhindern
und den gezogenen Ladſtock feſthalten, hierauf wird
derſelbe mit verkehrter rechter Hand und aufgeſtemmtem
Daumen in der Mitte wieder umfaßt, und gänzlich
aus dem Laufe gehoben, ſonach die Hand gewendet, damit
das dünne Ende des Ladſtockes nach abwärts zu liegen
komme.
. Wird der Ladſtock mit einem Blicke auf den Trichter nach
Beſeitigung des Daumens der linken Hand in denſelben
geſteckt, ſo weit hinabgedrückt, bis der kleine Finger die
Mündung berührt und dann unterhalb des Setzers neuer
dings umfaßt.
33

. Wird der Ladſtock vollends verſorgt und das Gewehr mit


beiden Händen wie früher umfaßt.
Auf das Kommando: 137.
„Schul – tert!“
wird das Gewehr mit der rechten Hand aufwärts geſchupft,
nahe am Leibe auf die linke Schulter gebracht, und die Stel
lung mit geſchultertem Gewehre angenommen.
Auf das Kommando: 138.
„Pflanzt das – Bajonmet!“
. Wird das Gewehr wie zum „Viſitiren“ herabgebracht,
mit dem Unterſchiede, daß die linke Hand das Ende des
Schaftes umfaßt.
. Ergreift die rechte Hand das Bajonnet an der Dille,
zieht es aus der Scheide, wendet es mit der Spitze auf
mit der Klinge gerade vorwärts und nähert die Dille der
linken Hand, um mit derſelben den allenfalls verſcho
benen Sperr-Ring bis an den Anſatz rechts drehen zu
können.
. Steckt die rechte Hand das Bajonnet, deſſen ſchmale Schnei
den ſich in der Richtung des Kornes befinden müſſen, auf
den Lauf, läßt die Dille über das Korn gleiten, dreht den
Sperr-Ring durch einen Druck mit dem Daumen ſo weit
gegen die linke Seite, daß die Schraube bis unter den
Bajonnet-Hals gelangt, und umfaßt dann das Gewehr
wieder bei natürlich geſtrecktem Arme.
. Wird das Gewehr geſchultert.
Auf das Kommando: 139.
„Versorgt das – Bajonnet!“
. Wird das Gewehr wie zum Pflanzen des Bajonnetes her
abgebracht.
Die rechte Hand dreht, während die linke den Lauf rechts
wendet, den Sperr-Ring gegen die rechte Seite bis an
den Anſatz, hebt das Bajonnet durch einen Druck gegen
den Hals desſelben vom Laufe, welcher gleichzeitig wieder
vorwärts gewendet wird, verſorgt dasſelbe in die Scheide,
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. Z
34

wobei ein Blick auf dieſelbe zu werfen iſt, und umfaßt


dann bei natürlich geſtrecktem Arme das Gewehr.
3. Wird geſchultert.
140. Während des Marſches wird das Pflanzen und Verſor
gen des Bajonnetes auf ähnliche Weiſe bewirkt, der Kolben aber
nicht auf den Boden geſtellt, ſondern das Gewehr mittelſt
des Riemens an den linken Vorarm gehängt.
141. Der folgende Gewehrgriff iſt bei der Anwendung immer
mit gepflanztem Bajonnete auszuführen, bei der Uebung da
gegen kann derſelbe auch ohne Bajonnet veranlaßt werden.
Der Abrichter ertheilt das Kommando:
„Fällt das – Bajonnet!“
1. Das Gewehr wird in die beim erſten Griffe von „In die
Balance“ erklärte Lage gebracht, und mit der rechten
Hand der Kolbenhals voll umfaßt.
Das Gewehr wird mit der rechten Hand nahe am Leibe an
die rechte Seite geriſſen, von der linken am untern Laufringe
aufgefangen, und mit voller Fauſt kräftig umfaßt. Der
linke Vorarm wird beinahe wagrecht an den Leib geſchloſ
ſen, der rechte Arm ſo weit abwärts und zurückgezogen,
daß der Griffbügel unterhalb des Hüftgelenkes und die
Bajonnetſpitze ſchräge aufwärts zu ſtehen kommt. Der
Lauf iſt rechts ſeitwärts, das Schloß abwärts gewendet.
142. Auf das Kommando:
„Schul – tert!“
wird das Gewehr mit beiden Händen an die linke Seite gebracht
und geſchultert.
143. Wenn das Fällen des Bajonnetes aus der Balance erfol
gen ſoll, ſo ſchupft der Soldat auf das Kommando:
„Fällt das – Bajonnet!“
das Gewehr etwas in die Höhe und bringt dasſelbe dann
mit beiden Händen in die entſprechende Lage.
144. Auf das Kommando:
„Im – Schritt!“ oder: „Halt!“
ſowie auf das Aviſo oder Signal:
35

„Sammeln!“ oder „Vergatterung!“


wird das Gewehr geſchultert.
Auf das Kommando: 145.
„Präsen – tirt!“
. Wird der erſte Griff von „Fällt das Bajonnet!“ ausge
führt.
. Die rechte Hand zieht das Gewehr nahe am Leibe in gerader
Richtung abwärts und wendet dasſelbe gleichzeitig ſo, daß
der Lauf gegen den Leib ſieht und die Spitze des Hammer
ſchweifes die Weiche nächſt dem linken Hüftknochen berührt.
Die linke Hand fährt gleichzeitig vom Kolben ſchnell auf
wärts und ergreift das Gewehr ſo, daß der kleine Finger
das obere Ende der Schloßplatte berührt, die aneinan
der geſchloſſenen Finger ſich mit den Spitzen an den Rand
des Schaftes klammern und der Daumen einwärts am
Schafte ausgeſtreckt iſt. – Die rechte Hand hält den Kolben
hals leicht umfaßt, der Daumen derſelben liegt rückwärts,
die Mitte des Zeigefingers knapp unter dem Griffbügel und
die übrigen Finger ſind leicht an dieſen geſchloſſen. – Beide
Elbogen bleiben natürlich am Leibe das Gewehr ſteht
vertikal, ſein Gewicht ruht in der linken Hand.
„Schul – tert!“ 146.
. Das Gewehr wird mit der linken Hand ſo viel erhoben,
daß die rechte den Kolbenhals umfaſſen kann.
. Wird das Gewehr ſchnell mit beiden Händen ſo gewendet,
daß der Lauf wieder gerade vorwärts ſieht; gleichzeitig
läßt die rechte Hand dasſelbe auf die Achſel ſinken, die
linke ergreift den Kolben, und bringt das Gewehr in die
vorgeſchriebene Lage, während die rechte ſchnell an die
Seite zurückkehrt.
Die beiden folgenden Gewehrgriffe ſammt der Herſtel 147.
lung werden in der „Stellung mit dem Gewehre beim Fuß“
vollführt.
Auf das Kommando: 148.
„Zum – Gebet!“
wird der linke Arm, ohne den Elbogen wegzuſtrecken, unge
3*
36

zwungen gegen den Kopf erhoben, und die linke Hand, mit der
inneren Fläche gegen das Geſicht gewendet, ſeitwärts vom lin
ken Auge ſo gehalten, daß die geſchloſſenen Finger den Son
nenſchirm des Czako’s berühren.
149. „Vom – Gebet!“
Wird die linke Hand raſch wieder an die Seite herabgebracht.
1 0. Zum Niederknien erfolgt das Kommando:
„Kniet nieder zum – Gebet!“
Hierauf werden beide Vorderfüße geradegeſtellt, daß die Ballen
ſich berühren, dann wird der rechte Fuß und mit dieſem der
Oberleib, ohne ſich vorzubeugen, zurückgenommen und das
rechte Knie auf den Boden geſtützt. Der linke Unterſchenkel muß
ſenkrecht gegen den Boden ſtehen, die rechte Fußſpitze gegen
dieſen geſtemmt und die linke Hand flach auf das Knie gelegt
werden, die Fingerſpitzen in gleicher Richtung mit der Run
dung desſelben. Das Gewehr wird mit der rechten Hand voll
ſtändig umfaßt und in der vertikalen Lage erhalten.
„Czak0 – ab!“
Die linke Hand ſtößt das Sturmband mit dem Daumen
vor das Kinn, ergreift hierauf den Czako links ſeitwärts der
Roſe ſo, daß dieſe in die Gabel zwiſchen dem Zeige- und
Mittelfinger zu liegen kommt, zieht denſelben ſchnell ab und
ſetzt ihn mit der Höhlung ſo auf den Oberſchenkel, daß er
ſenkrecht auf demſelben ſteht und der Schirm links ſeitwärts
gerichtet iſt.
Zum Herſtellen erfolgt das Kommando:
„Czako – auf!“
worauf der Czako, ohne den Kopf vorzuneigen, von vorne
nach rückwärts gut aufgeſetzt, das Sturmband unter das
Kinn gezogen und die linke Hand flach auf das Knie gelegt
wird.
„Auf vom – Gebet!“
Wird mit einem Drucke des rechten Fußballens, ohne den
Oberleib vorzuneigen, mit geradem Körper aufgeſtanden, der
rechte Fuß an den linken beigezogen und die vorgeſchriebene
Stellung angenommen.
37

Zum Schwören wird auf das Kommando: 152.


„Zum – Schwören!“
das Gewehr wie beim Pflanzen des Bajonnetes vor der Mitte
des Leibes auf den Boden geſtellt.
„Czako – ab!“
1. Wird der Czako in der bekannten Weiſe, jedoch mit der
rechten Hand abgenommen, mit dem Schirme rechts
ſeitwärts gewendet an den Daumen der linken Hand
geſteckt, durch dieſen an das Gewehr und in entgegen
geſetzter Richtung an den Leib gedrückt.
2. Wird die rechte Hand, mit dem Daumen links, ſeitwärts
bis in die Höhe der Augen erhoben, der Daumen, Zeige
und Mittelfinger werden aufwärts geſtreckt, die anderen
Finger zugemacht.
„Czako – auf!“ 153.
Wird der Czako mit der rechten Hand ergriffen, aufgeſetzt
und dann das Gewehr bei natürlich geſtrecktem Arme umfaßt.
„Schul – tert!“
Wird auf die bekannte Art ausgeführt.

II. Griffe mit dem Jäger-Gewehre.

Auf das Kommando: - 154.


„In die – Balance!“
1. Verläßt die rechte Hand den Riemen, ergreift bei natürlich
geſtrecktem Arme den Kolbenhals ſo, daß der Daumen an
den Griffbügel kommt, die geſchloſſenen Finger aber den
Kolbenhals umfaſſen, welcher hierbei, ohne den Riemen
von der Achſel gleiten zu laſſen, ein wenig gerade vor
wärts geſchoben wird.
2. Wird das Gewehr von der linken Hand beim Abſehen
umfaßt, mit beiden Händen erhoben, damit der Riemen
über den Achſelwulſt herabfalle und dann die rechte
Hand zwiſchen dem Gewehre und dem Leibe an die Seite
zurückgezogen.
38

3. Umfaßt die rechte Hand das Gewehr über der linken und
hält es, nachdem dieſe an die linke Seite zurückgekehrt
iſt, bei natürlich geſtrecktem Arme ſo, daß die Kolben
ſpitze mit der Rundung der Abſätze in gleiche Richtung
gelangt und die Mündung ein wenig vorgeneigt iſt.
155. Um das Gewehr ganz auf den Boden ſtellen zu laſſen,
kommandirt der Abrichter:
„Beim – Fuss!“
worauf der Jäger den Kolben mit der rechten Hand ein wenig
vordrückt und ſachte ſo auf den Boden ſtellt, daß die Kolben
ſpitze in gleiche Höhe mit der Fußſpitze zu ſtehen kommt. Die
rechte Hand hält das Gewehr, welches an die rechte Hüfte
gelehnt wird, bei natürlich geſtrecktem Arme ſo, daß der
Daumen den Lauf umfaßt, die anderen Finger aber vorne am
Schafte liegen.
156. Dieſe Stellung, welche, um das Aufſtoßen des Kolbens
zu verhindern, in der Regel aus jener mit dem Gewehre
in der Balance anzunehmen iſt, hat immer angewendet zu
werden, wenn dem Jäger eine vollſtändige Erholung gewährt
werden ſoll.
157. Um das Gewehr aus der Stellung „beim Fuß“ wieder in
die Balance zu bringen, wird dasſelbe auf das Kommando:
„In die – Balance!“
mittelſt eines Schupfers im Gleichgewichte umfaßt und die
Kolbenſpitze in die Richtung der Abſätze zurückgedrückt.
158. Zur Annahme der „Stellung mit geſchultertem Gewehre“
aus jener in der Balance oder beim Fuß erfolgt das Kom
mando:
„Schul – tert!“
1. Wird das Gewehr vor den rechten Schenkel gehoben und
gewendet, daß der obere Riemenbügel dem Kinne gleich,
und das Schloß vorwärts zu ſtehen kommt, dann um
faßt die linke Hand knapp am obern Riemenbügel den
Riemen mit dem Daumen auf, und den anderen Fingern
unter demſelben.
39

2. Fährt die rechte Hand mit geringer Vornahme der rech


ten Schulter zwiſchen dem Gewehre und dem Riemen
durch, und umfaßt den Kolbenhals, während die linke
das Gewehr über die Schulter hängt, und hierbei den
Riemen auf eine Spanne durch die Finger gleiten läßt.
3. Wird der Riemen mit der rechten Hand auf die bekannte
Art ergriffen, und die linke an die Seite gebracht.
Auf das Kommando: 159.
„Wer – deckt ! “
1. Werden die zwei erſten Griffe von: „In die Balance“
ausgeführt.
2. Umfaßt die rechte Hand den Kolbenhals, und dann wen
den beide Hände das Gewehr mit dem Laufe nach vorwärts.
3. Wird der Kolben mit der rechten Hand gegen die Achſel
höhlung, die Mündung mit der linken Hand abwärts
gedrückt. Die rechte Hand umfaßt das Gewehr vorwärts
der linken, welche ſogleich an die Seite zurückkehrt. Das
Schloß kommt über die Hüfte zu liegen, das Gewehr
wird mit dem rechten Oberarme an den Leib gedrückt,
und mit der Mündung ſchräge abwärts gehalten.
Dieſe Stellung wird bei Regenwetter angewendet, um 160.
das Eindringen der Näſſe in die Mündung und die Laufhöh
lung zu verhindern, und auch das Schloß vor der Feuchtigkeit
zu ſchützen.
Zum Herſtellen wird kommandirt: 161.
„Schul – tert!“
Die rechte Hand läßt den Kolben nach abwärts ſinken,
die linke ergreift den Riemen, das Gewehr wird in die verti
kale Lage vor der Mitte des rechten Schenkels, dann mit bei
den Händen auf die rechte Achſel gebracht.
Auf das Kommando: 162.
„Zur Visitirung des – Gewehrs!“
1. Werden die erſten zwei Griffe von „In die Balance“ aus
geführt, die rechte Hand ruht herabhängend an der
Seite.
40

2. Mit natürlich ausgeſtrecktem Arme ſenkt die linke Hand


das Gewehr, indem ſie ſelbes vor die Mitte des Leibes
bringt, die Lage der linken Hand verbleibt unverändert,
das Schloß iſt nach vorwärts gerichtet; hierauf
3. umfaßt die rechte Hand das Gewehr ober dem Riemen
bügel, und die linke an der Mündung mit voller Fauſt ſo,
daß der Zeigefinger mit dem ihn umklammernden Dau
men über die Mündung hervorragen, und beide Hände
ſtellen das Gewehr, indem ſie es mit dem Laufe nach vor
wärts wenden, zwiſchen den Fußſpitzen ſachte zu Boden,
ſo daß die Kolbenſpitze in die Linie der Schuhſpitzen und
das Rohr vertikal zu ſtehen komme.
163. Wenn das Gewehr dem Jäger zur Viſitirung abge
nommen wird, läßt er ſchnell beide Hände los, und bringt ſie
an die Seite, beim Uebernehmen erfaßt er es mit der rechten
Hand ober dem Riemenbügel, und bringt ſowol das Gewehr,
als auch die beiden Hände in die frühere Lage.
164. Um ſich zu überzeugen, ob das Gewehr geladen oder
ungeladen oder das Rohr überhaupt leer iſt, wird kom
mandirt:

„Ladstock in – Lauf!“
1. Wird der Ladſtock mit der rechten Hand ſammt dem
Ringe des Anhängriemens an der Birne ergriffen, ge
rade in die Höhe gezogen, mit dem linken Elbogen an
den Leib gedrückt, gleichzeitig durch eine raſche Be
wegung mit der rechten Hand, deren Daumen aufzu
ſtemmen iſt, in der Mitte umfaßt, vollends aus der Hülſe
gezogen und rechts ſeitwärts in der Höhe der Augen
gehalten.
2. Wird der Setzer in die Mündung gebracht, der Lad
ſtock zwiſchen dem Daumen und Zeigefinger der linken
Hand ſachte in den Lauf hinabgelaſſen, und mit der
rechten Hand das Gewehr über dem obern Riemenbügel
umfaßt.
41

Auf das Kommando: 165.


„Versorgt den – Ladstock!“
wird der Ladſtock mit der rechten Hand ſammt dem Ringe
des Anhängriemens an der Birne ergriffen, ungefähr bis zur
Hälfte aus dem Laufe gehoben, mit dem Daumen und Zeige
finger der linken Hand feſtgehalten, dann mit der rechten
Hand über der Mündung neuerdings erfaßt, vollends heraus
gezogen, mit dem Setzer in die Hülſe an der Taſche des Ueber
ſchwungriemens gebracht und daſelbſt verſorgt, worauf die
rechte Hand das Gewehr mit natürlich geſtrecktem Arme wie
der umfaßt.
„Schul – tert!“ 166.
Wird das Gewehr mit beiden Händen erhoben und ge
wendet, daß der obere Riemenbügel in die Höhe des Kinns,
der Lauf rechts ſeitwärts zu ſtehen kommt; dann der Riemen
mit der linken Hand ergriffen und das Gewehr geſchultert.
Auf das Kommando: 167.
„Pflanzt das – Bajonnet!“
1. Wird das Gewehr wie zum Viſitiren herabgebracht, je
doch mit der linken Hand am Ende des Schaftes umfaßt.
2. Ergreift die rechte Hand das Bajonnet an der Dille, zieht
es aus der Scheide, wendet es mit der Spitze auf- mit
der Schneide gerade vorwärts, und nähert die Dille
der linken Hand, um mit derſelben den allenfalls ver
ſchobenen Sperr-Ring bis an den Anſatz drehen zu
können.
3. Steckt die rechte Hand das Bajonnet, deſſen Schneide ſich
in der Richtung des Kornes befinden muß, auf den Lauf,
läßt die Dille über das Korn gleiten, dreht den Sperr
Ring ſo weit als möglich gegen die rechte Seite und um
faßt die Dille, worauf der linke Arm, ohne das Gewehr
loszulaſſen, natürlich ausgeſtreckt wird.
4. Die linke Hand erhebt das mit dem Laufe vorwärts
gerichtete Gewehr in vertikaler Lage vor dem linken
Schenkel ſo hoch, daß die rechte bei ausgeſtrecktem Arme
42

den Kolbenhals umfaſſen kann, worauf letztere das


Gewehr hebt, und in ſchräger Lage ſo auf die linke Achſel
ſinken läßt, daß der Griffbügel die Schulter berührt;
gleichzeitig ergreift die linke Hand den Kolben ſo, daß
das erſte Glied des Daumens auf der vordern Kolben
ſchuhſchraube, der Zeigefinger an der Abrundung des
Kolbens liege, die anderen Finger aber an den Zeigefinger
geſchloſſen, und wie dieſer mit den beiden erſten Gliedern
an die innere Fläche des Kolbens gedrückt werden. Der
linke Vorarm wird wagrecht gehalten, der Elbogen
behält ſeine natürliche Lage, das Gewehr darf von vorne
angeſehen, weder rechts noch links von der geraden Rich
tung abweichen, und die rechte Hand kehrt an die Seite
zurück.
168. Auf dieſe Art wird das Gewehr mit dem gepflanzten
Bajonnete getragen, und muß auch bei der Vollführung der
Körperwendungen und beim Marſchiren in dieſer Lage erhal
ten werden.

169. Zum Verſorgen des Bajonnetes wird kommandirt:


„Versorgt das – Bajonnet!“
. Die linke Hand bringt den Kolben an den Schenkel, die
rechte umfaßt den Kolbenhals und zieht das Gewehr ſo
weit der Arm reicht, herab, worauf die linke dasſelbe am
Ende des Schaftes umfaßt und mit Hilfe der rechten
Hand wie beim Pflanzen des Bajonnetes auf den Boden
ſtellt.
. Die rechte Hand dreht, während die linke den Lauf rechts
wendet, den Sperr-Ring gegen die linke Seite bis an
den Anſatz, hebt das Bajonnet durch einen Druck gegen
den Hals desſelben vom Laufe, welcher gleichzeitig wie
der vorwärts gewendet wird, verſorgt dasſelbe in der
Scheide, auf welche hierbei ein Blick zu werfen iſt,
und umfaßt dann bei natürlich geſtrecktem Arme das
Gewehr.
3. Wird geſchultert.
43
Während des Marſches wird das Pflanzen und Ver 170.
ſorgen des Bajonnetes auf ähnliche Weiſe bewirkt, der Kolben
aber nicht auf den Boden geſtellt, ſondern das Gewehr mit
dem Riemen über den linken Vorarm gehängt.
Wenn bei gepflanztem Bajonnete, und daher auf der 171.
linken Schulter getragenem Gewehre kommandirt wird:
„In – Arm!“ -

1. Bringt die linke Hand den Kolben an den Schenkel


herab, worauf die rechte den Kolbenhals umfaßt.
2. Wird der linke Vorarm ſo über den rechten gelegt, daß
das erſte Glied des Daumens der linken Hand auf die
innere Naht des Aermels, die anderen Finger aber
geſchloſſen am rechten Vorarm abwärts zu liegen kommen.
Das Gewehr ruht mittelſt des Hammers auf dem linken
Vorarm und hat eine vertikale Richtung.
Wenn dem Jäger bei längerem Verweilen in dieſer 172.
Stellung einige Erholung geſtattet wird, kann derſelbe den
Kolbenhals loslaſſen, und den rechten Vorarm an die Seite
bringen, vor der Ausführung eines Gewehrgriffes muß aber
die rechte Hand immer an den Kolbenhals zurückkehren.
Dieſelbe Erleichterung iſt auch zu geſtatten, wenn der 173.
Jäger mit dem Gewehre in Arm zu marſchiren hat, in wel
chem Falle ſich daher der rechte Arm naturgemäß bewegen kann.
Auf das Kommando: 174.
„Schul – tert!“
wird das Gewehr mit der rechten Hand in die früher gehabte
ſchräge Lage erhoben, mit der linken Hand der Kolben umfaßt,
und die rechte an die Seite gebracht.
Auf das Kommando: 175.
„In die – Balance!“
1. Wird der Kolben mit der linken Hand an den Schenkel
gebracht und ſo gewendet, daß die Abrundung desſelben
vor die Mitte des linken Schenkels zu ſtehen komme, ſomit
der Lauf rechts ſeitwärts gerichtet ſei; zugleich wird das
44

Gewehr mit der rechten Hand, welche nahe vor dem Leibe
aufwärts fährt, in der Höhe der linken Achſel erfaßt.
2. Die linke Hand verläßt den Kolben und die rechte bringt
das Gewehr in die bekannte Lage an die rechte Seite,
wozu ſie dasſelbe etwas abwärts rutſchen läßt.
1 76. Die Stellung „Beim Fuß“ wird in der bekannten Weiſe
angenommen und „zum Schultern“ erfolgt das Kommando:
„Schul – tert!“
Das Gewehr wird mit der rechten Hand aufwärts
geſchupft, oberhalb des Abſehens wieder umfaßt, ſchnell und
nahe am Leibe – mit dem Laufe vorwärts gewendet – vor
den linken Schenkel gehoben, mit der linken Hand am Kolben
ergriffen, und mittelſt Vordrücken und Aufwärtsſchieben des
ſelben in die vorgeſchriebene Lage auf die linke Achſel ge
bracht, während die rechte Hand ſchnell an die Seite zurück
kehrt.
177. Der folgende Gewehrgriff iſt immer mit „gepflanztem
Bajonnete“ auszuführen. Der Abrichter ertheilt das Kom
mando:
„Fällt das – Bajonnet!“
1. Das Gewehr wird in die beim erſten Griffe von „In
die Balance“ erklärte Lage gebracht und mit der rechten
Hand der Kolbenhals umfaßt.
2. Das Gewehr mit der rechten Hand nahe am Leibe an die
rechte Seite geriſſen, von der linken zwiſchen dem Ab
ſehen und dem obern Riemenbügel aufgefangen und mit
voller Fauſt kräftig umfaßt. Der linke Vorarm wird
beinahe wagrecht an den Leib geſchloſſen, der rechte Arm
ſo weit abwärts und zurückgezogen, daß der Griffbügel
unterhalb des Hüftgelenkes und die Bajonnetſpitze ſchräge
aufwärts zu ſtehen kommt. Der Lauf iſt aufwärts, das
Schloß rechts ſeitwärts gewendet.
178. „Schul – tert!“
Das Gewehr wird mit beiden Händen an die linke Seite
gebracht und geſchultert.
45

Wenn das Fällen des Bajonnetes aus der Balance er-179.


folgen ſoll, ſo ſchupft der Jäger auf das Kommando:
„Fällt das – Bajonmet!“
das Gewehr etwas in die Höhe und bringt dasſelbe dann mit
beiden Händen in die vorgeſchriebene Lage.
Auf das Kommando: 180.
„Im – Schritt!“ oder: „Halt!“
ſowie auf das Aviſo oder Signal: -

„Sammeln!“ oder „Vergatterung“


wird das Gewehr geſchultert.

Die beiden folgenden Gewehrgriffe ſammt der Herſtellung 181.


werden in der Stellung „Beim Fuß“ vollführt.
Auf das Kommando: 182.
„Zum – Gebet!“
wird der linke Arm, ohne den Elbogen wegzuſtrecken, unge
zwungen gegen den Kopf erhoben und die linke Hand, mit der
inneren Fläche gegen das Geſicht gewendet, ſeitwärts vom
linken Auge ſo gehalten, daß die geſchloſſenen Finger die Hut
krämpe berühren.
„Vom – Gebet!“ 183.
wird die linke Hand raſch wieder an die Seite herabgebracht.
Zum Niederknien erfolgt das Kommando: 184.
„Kniet nieder zum – Gebet!“
Hierauf werden beide Vorderfüße geradegeſtellt, daß die
Ballen ſich berühren, dann wird der rechte Fuß und mit
dieſem der Oberleib, ohne ſich vorzubeugen, zurückgenom
men. Und das rechte Knie auf den Boden geſtützt. Der linke
Unterſchenkel muß ſenkrecht gegen den Boden ſtehen, die
rechte Fußſpitze gegen dieſen geſtemmt und die linke Hand
flach auf das Knie gelegt werden, die Fingerſpitzen in gleicher
Richtung mit der Rundung desſelben. Das Gewehr wird
mit der rechten Hand vollſtändig umfaßt und in der vertikalen
Lage erhalten.
„Hut – ab!“
46

Die linke Hand ſtößt das Sturmband mit dem Daumen


vor das Kinn, ergreift dann den Hut an der linken Hutkrämpe
ſo, daß der Daumen auswärts, die anderen Finger einwärts
derſelben liegen, zieht denſelben ſchnell ab, und ſetzt ihn mit
der Höhlung ſo auf den Oberſchenkel, daß er ſenkrecht auf dem
ſelben ſteht und das Huthorn gegen den Leib gerichtet iſt.
185. Zum Herſtellen erfolgt das Kommando:
„Hut – auf!“
worauf der Hut ohne den Kopf vorzuneigen, von vorne
nach rückwärts gut aufgeſetzt, das Sturmband unter das
Kinn gezogen und die linke Hand flach auf das Knie
gelegt wird.
„Auf vom – Gebet!“
Wird mit einem Drucke des rechten Fußballens, ohne
den Oberleib vorzuneigen, mit geradem Körper aufgeſtanden,
der rechte Fuß an den linken beigezogen und die vorgeſchrie
bene Stellung angenommen.
186. Zum Schwören wird auf das Kommando:
„Zum – Schwören!“
das Gewehr wie beim „Pflanzen des Bajonnetes“ vor der
Mitte des Leibes auf den Boden geſtellt.
„Hut – ab!“
1. Wird der Hut nach dem Vorſtoßen des Sturmbandes
mit der rechten Hand an der rechten Hutkrämpe ergriffen,
abgezogen und mit dem Huthorne vorwärts gewendet
auf den Daumen der linken Hand geſteckt, mit dieſem
an das Gewehr und in der entgegengeſetzten Richtung
an den Leib gedrückt.
2. Wird die rechte Hand, mit dem Daumen links, ſeitwärts
bis in die Höhe der Augen erhoben, der Daumen, Zeige
und Mittelfinger werden aufwärts geſtreckt, die anderen
Finger zugemacht.
187. „Hut – auf!“
Wird der Hut mit der rechten Hand ergriffen, aufgeſetzt
und dann das Gewehr bei natürlich geſtrecktem Arme umfaßt.
47

„Schul – tert!“
wird auf die bekannte Art ausgeführt.

III. Griffe mit dem Korps-Gewehre.


Auf das Kommando: 188.
„In die – Balance!“
1. Verläßt die rechte Hand den Riemen, umfaßt bei
natürlich geſtrecktem Arme den Kolben, welcher hierbei,
ohne den Riemen von der Achſel gleiten zu laſſen, ein
wenig gerade vorwärts geſchoben wird.
2. Wird das Gewehr von der linken Hand oberhalb des
Abſehens umfaßt, mit beiden Händen erhoben, damit
der Riemen über den Achſelwulſt herabfalle und dann
die rechte Hand zwiſchen dem Gewehre und dem Leibe an
die Seite zurückgezogen.
3. Umfaßt die rechte Hand das Gewehr über der linken und
hält es, nachdem dieſe an die linke Seite zurückgekehrt
iſt, bei natürlich geſtrecktem Arme ſo, daß die Kolben
ſpitze mit der Rundung der Abſätze in gleiche Richtung
gelangt und die Mündung ein wenig vorgeneigt iſt.
Um das Gewehr ganz auf den Boden ſtellen zu laſſen, 189.
kommandirt der Abrichter:
„Beim – Fuss!“
worauf der Soldat den Kolben mit der rechten Hand vordrückt,
das Gewehr nach Bedarf abwärts gleiten läßt und es ſachte
ſo auf den Boden ſtellt, daß die Kolbenſpitze in gleicher Höhe
mit der Fußſpitze zu ſtehen kommt. Die rechte Hand hält das
Gewehr, welches an die rechte Hüfte gelehnt wird, bei natürlich
geſtrecktem Arme ſo, daß der Daumen den Lauf umfaßt, die
anderen Finger aber vorne am Schafte liegen.
Dieſe Stellung, welche, um das Aufſtoßen des Kolbens 190.
zu verhindern, in der Regel aus jener mit dem Gewehre in
der Balance anzunehmen iſt, hat immer angewendet zu wer
den, wenn dem Soldaten eine vollſtändige Erholung gewährt
werden ſoll.
48

191. Um das Gewehr aus der Stellung „beim Fuß“ wieder


in die Balance zu bringen, wird dasſelbe auf das Kommando:
„In die – Balance!“
mittelſt eines Schupfers im Gleichgewichte umfaßt, und die
Kolbenſpitze in die Richtung der Abſätze zurückgedrückt.
192. Zur Annahme der „Stellung mit geſchultertem Gewehre“
aus jener in der Balance oder beim Fuß erfolgt das Kom
mando:
„Schul – tert!“
1. Wird das Gewehr vor den rechten Schenkel gehoben
und gewendet, daß der obere Riemenbügel dem Kinne
gleich, und das Schloß vorwärts zu ſtehen kommt; dann
umfaßt die linke Hand knapp am obern Riemenbügel
den Riemen mit dem Daumen auf, und den anderen
Fingern unter demſelben.
. Fährt die rechte Hand mit geringer Vornahme der rech
ten Schulter zwiſchen dem Gewehre und dem Riemen
durch, und umfaßt den Kolben, während die linke das
Gewehr über die Schulter hängt und hierbei den Riemen
auf eine Spanne durch die Finger gleiten läßt.
. Wird der Riemen mit der rechten Hand auf die bekannte
Art ergriffen, und die linke an die Seite gebracht.
193. Auf das Kommando:
„Wer – deckt!“
. Werden die zwei erſten Griffe von „In die Balance“
ausgeführt.
. Umfaßt die rechte Hand den Kolbenhals, und dann
wenden beide Hände das Gewehr mit dem Laufe nach
vorwärts.
. Wird der Kolben mit der rechten Hand gegen die Ach
ſelhöhlung, die Mündung mit der linken Hand ab
wärts gedrückt. Die rechte Hand umfaßt das Gewehr
vorwärts der linken, welche ſogleich an die Seite zurück
kehrt. – Das Schloß kommt über die Hüfte zu liegen,
das Gewehr wird mit dem rechten Oberarme an den
49

Leib gedrückt und mit der Mündung ſchräge abwärts


gehalten.
Dieſe Stellung wird bei Regenwetter angewendet, um 194.
das Eindringen der Näſſe in die Mündung und die Laufhöh
lung zu verhindern und auch das Schloß vor der Feuchtigkeit
zu ſchützen. -

Zum Herſtellen wird kommandirt:


„Schul – tert!“
Die rechte Hand läßt den Kolben nach abwärts ſinken,
die linke ergreift den Riemen, das Gewehr wird in die ver
tikale Lage vor der Mitte des rechten Schenkels, dann mit
beiden Händen auf die rechte Achſel gebracht.
Auf das Kommando: 196.
„Zur Visitirung des – Gewehrs!“
1. Werden die erſten zwei Griffe von „In die Balance“
ausgeführt, die rechte Hand ruht herabhängend an der
Seite. -

2. Mit natürlich ausgeſtrecktem Arme ſenkt die linke Hand


das Gewehr, indem ſie ſelbes vor die Mitte des Leibes
bringt, die Lage der linken Hand verbleibt unverändert,
das Schloß iſt nach vorwärts gerichtet; hierauf
3. umfaßt die rechte Hand das Gewehr ober dem Laufringe
und die linke an der Mündung ſammt dem Ladſtock-Ende,
ſo daß der Zeigefinger mit dem auf ſeinem erſten Gliede
liegenden Daumen über das Ende des Laufes hervor
ragt. Beide Hände ſtellen das Gewehr, indem ſie es mit
dem Laufe nach vorwärts wenden, zwiſchen den Fuß
ſpitzen ſachte zu Boden, ſo daß die Kolbenſpitze in die
Linie der Schuhſpitzen und der Lauf vertikal zu ſtehen
komme.

Wenn das Gewehr dem Soldaten zur Viſitirung abge 197.

nommen wird, läßt er ſchnell beide Hände los und bringt ſie
an die Seite, beim Uebernehmen erfaßt er es mit der rechten
Hand ober dem Riemenbügel, und bringt ſowol das Gewehr
als auch die beiden Hände in die frühere Lage.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 4
50

198. Um ſich zu überzeugen, ob das Gewehr geladen oder


ungeladen, oder der Lauf überhaupt leer iſt, wird kommandirt:
„Ladstock in – Lauf!“
1. Wird der Ladſtock mit dem Daumen und dem gekrümm
ten Zeigefinger der rechten Hand unterhalb des Setzers
ergriffen, wozu der Daumen der linken Hand den erfor
derlichen Raum zu geben hat, nicht ganz zur Hälfte
herausgezogen, durch einen leichten Druck mit dem linken
Daumen in dieſer Stellung erhalten, und ſodann mit
verkehrter rechter Hand mit aufgeſtemmtem Daumen
knapp an der Mündung neuerdings umfaßt.
2. Wird der Ladſtock vollends herausgezogen, durch die
Drehung der rechten Hand gewendet, mit dem Setzer in
die Mündung gebracht, zwiſchen dem Daumen und
Zeigefinger der linken Hand ſachte in den Lauf hinabge
laſſen, bis beide Hände ſich berühren, worauf die rechte
Hand das Gewehr wie früher umfaßt, während die zwei
Finger der linken Hand den Ladſtock vollends langſam
in den Lauf gleiten laſſen.
199. „Versorgt den – Ladstock!“
1. Wird der Ladſtock mit dem Daumen und Zeigefinger der
rechten Hand ergriffen, ungefähr zur Hälfte aus dem
Laufe gehoben, wobei die zwei Finger der linken Hand
die Reibung des Ladſtockes an der Mündung verhindern
und den gezogenen Ladſtock feſthalten, hierauf wird der
ſelbe mit verkehrter rechter Hand und aufgeſtemmtem
Daumen in der Mitte wieder umfaßt und gänzlich aus
dem Laufe gehoben, ſonach die Hand gewendet, damit das
dünne Ende des Ladſtockes nach abwärts zu liegen komme.
2. Wird der Ladſtock mit einem Blicke auf den Trichter
nach Beſeitigung des Daumens der linken Hand in den
ſelben geſteckt, ſo weit hinabgedrückt, bis der kleine
Finger die Mündung berührt und dann unterhalb des
Setzers neuerdings umfaßt.
3. Wird der Ladſtock vollends verſorgt und das Gewehr
mit beiden Händen wie früher umfaßt.
51

Auf das Kommando: 200.


„Schul – tert!“
wird das Gewehr mit beiden Händen erhoben und ge
wendet, daß der obere Riemenbügel in die Höhe des Kinnes,
der Lauf rechts ſeitwärts zu ſtehen kommt, dann der
Riemen mit der linken Hand ergriffen, und das Gewehr
geſchultert. W

Auf das Kommando: 201.

„Pflanzt das – Bajomnet!“


. Wird das Gewehr wie zum Viſitiren herabgebracht,
jedoch mit der linken Hand am Ende des Schaftes
umfaßt.
2. Ergreift die rechte Hand das Bajonnet an der Dille,
zieht es aus der Scheide, wendet es mit der Spitze auf-,
mit der Klinge gerade vorwärts, und nähert die Dille .
der linken Hand, um mit derſelben den allenfalls ver
ſchobenen Sperr-Ring bis an den Anſatz rechts drehen
zu können.
. Steckt die rechte Hand das Bajonnet, deſſen ſchmale
Schneiden ſich in der Richtung des Kornes befinden
müſſen, auf den Lauf, läßt die Dille über das Korn
gleiten, dreht den Sperr-Ring durch einen Druck mit
dem Daumen ſo weit gegen die linke Seite, daß die
Schraube bis unter den Bajonnethals gelangt, und
umfaßt die Dille, worauf der linke Arm, ohne das
Gewehr loszulaſſen, natürlich ausgeſtreckt wird.
. Die linke Hand erhebt das mit dem Laufe vorwärts ge
richtete Gewehr in vertikaler Lage vor dem linken
Schenkel ſo hoch, daß die rechte bei ausgeſtrecktem Arme
den Kolbenhals umfaſſen kann, worauf letztere das
Gewehr hebt und in ſchräger Lage ſo auf die linke Achſel
ſinken läßt, daß der Griffbügel die Schultern berührt;
gleichzeitig ergreift die linke Hand den Kolben ſo, daß
das erſte Glied des Daumens auf der vordern Kolben
ſchuhſchraube, der Zeigefinger an der Abrundung des
4 *
Kolbens liege, die anderen Finger aber an den Zeige
finger geſchloſſen, und wie dieſer mit den beiden erſten
Gliedern an die innere Fläche des Kolbens gedrückt
werden. Der linke Vorarm wird wagrecht gehalten, der
Elbogen behält ſeine natürliche Lage, das Gewehr darf,
von vorne angeſehen, weder rechts noch links von der
geraden Richtung abweichen, und die rechte Hand kehrt
an die Seite zurück.
202. Auf dieſe Art wird das Korps-Gewehr mit dem gepflanzten
Bajonnete getragen, und muß auch bei der Vollführung der
Körperwendungen und beim Marſchiren in dieſer Lage
erhalten werden.
203. Zum Verſorgen des Bajonnetes wird kommandirt:
„Versorgt das – Bajonnet!“
. Die linke Hand bringt den Kolben an den Schenkel, die
rechte umfaßt den Kolbenhals und zieht das Gewehr ſo
weit der Arm reicht herab, worauf die linke dasſelbe am
Ende des Schaftes umfaßt und mit Hilfe der rechten
Hand wie beim Pflanzen des Bajonnetes auf den Boden
ſtellt.
. Die rechte Hand dreht, während die linke den Lauf
rechts wendet, den Sperr-Ring gegen die rechte Seite
bis an den Anſatz, hebt das Bajonnet durch einen
Druck gegen den Hals desſelben vom Laufe, welcher
gleichzeitig wieder vorwärts gewendet wird, verſorgt
dasſelbe in der Scheide, auf welche hierbei ein Blick
zu werfen iſt, und umfaßt dann das Gewehr bei
natürlich geſtrecktem Arme.
. Wird geſchultert.
204. Während des Marſches wird das Pflanzen und Ver
ſorgen des Bajonnetes auf ähnliche Weiſe bewirkt, der Kolben
aber nicht auf den Boden geſtellt, ſondern das Gewehr mit
dem Riemen über den linken Vorarm gehängt.
205. Wenn bei gepflanztem Bajonnete und daher auf der
linken Schulter getragenem Gewehre kommandirt wird:
„In – Arm!“
53

1. Bringt die linke Hand den Kolben an den Schenkel


hevab, worauf die rechte den Kolbenhals umfaßt.
2. Wird der linke Vorarm ſo über den rechten gelegt,
daß das erſte Glied des Daumens der linken Hand
auf die innere Naht des Aermels, die anderen Finger
aber geſchloſſen am rechten Vorarm abwärts zu
liegen kommen. Das Gewehr ruht mittelſt des Ham
mers auf dem linken Vorarm und hat eine vertikale
Richtung.
Wenn dem Soldaten bei längerem Verweilen in dieſer 206.
Stellung eine Erholung geſtattet wird, kann derſelbe den
Kolbenhals loslaſſen und den rechten Vorarm an die Seite
bringen, vor der Ausführung eines Gewehrgriffes muß aber
die rechte Hand immer an den Kolbenhals zurückkehren. Die
ſelbe Erleichterung iſt auch zu geſtatten, wenn der Soldat
mit dem Gewehre in Arm zu marſchiren hat, in welchem Falle
ſich daher der rechte Arm naturgemäß bewegen kann.
Auf das Kommando: 207.
„Schul – tert!“ ſº

wird das Gewehr mit der rechten Hand in die früher


gehabte ſchräge Lage erhoben, mit der linken Hand der
Kolben umfaßt und die rechte an die Seite gebracht.
Auf das Kommando: 208.
„In die – Balance!“
1. Wird der Kolben mit der linken Hand an den Schenkel
gebracht und ſo gewendet, daß die Abrundung desſelben
vor die Mitte des linken Schenkels zu ſtehen komme, ſomit
der Lauf rechts ſeitwärts gerichtet ſei; zugleich wird das
Gewehr mit der rechten Hand, welche nahe vor dem
Leibe aufwärts fährt, in der Höhe der linken Achſel
erfaßt.
2. Die linke Hand verläßt den Kolben und die rechte
bringt das Gewehr in die bekannte Lage an die
rechte Seite, wozu ſie dasſelbe etwas abwärts rutſchen
läßt.
54

209. Die Stellung „beim Fuß“ wird in der bekannten Weiſe


angenommen und zum Schultern erfolgt das Kommando:
„Schul – tert!“
Das Gewehr wird mit der rechten Hand aufwärts
geſchupft, oberhalb des Abſehens wieder umfaßt, ſchnell und
nahe am Leibe – mit dem Laufe vorwärts gewendet –
vor den linken Schenkel gehoben, mit der linken Hand am
Kolben ergriffen und mittelſt Vordrücken und Aufwärts
ſchieben desſelben in die vorgeſchriebene Lage auf die linke
Achſel gebracht, während die rechte Hand ſchnell an die Seite
zurückkehrt. -

210. Der folgende Gewehrgriff iſt immer mit gepflanztem


Bajonnete auszuführen. – Der Abrichter ertheilt das Kom
mando:
„Fällt das – Bajonnet!“
1. Das Gewehr wird in die beim erſten Griffe von „In die
Balance“ erklärte Lage gebracht und mit der rechten Hand
der Kolbenhals umfaßt. -

2. Das Gewehr mit der rechten Hand nahe am Leibe an die


rechte Seite geriſſen, von der linken unter dem obern
Riemenbügel aufgefangen und mit voller Fauſt kräftig
umfaßt. Der linke Vorarm wird beinahe wagrecht an
den Leib geſchloſſen, der rechte Arm ſo weit abwärts
und zurückgezogen, daß der Griffbügel unterhalb des
Hüftgelenkes und die Bajonnetſpitze ſchräge aufwärts
zu ſtehen kommt. Der Lauf iſt rechts ſeitwärts, das
Schloß abwärts gewendet.
Auf das Kommando:
21 1. „Schul – tert!“
wird das Gewehr mit beiden Händen an die linke Seite
gebracht und geſchultert.
212. Wenn das Fällen des Bajonnetes aus der Balance
erfolgen ſoll, ſo ſchupft der Soldat auf das Kommando:
„Fällt das – Bajonnet!“
das Gewehr etwas in die Höhe und bringt dasſelbe dann mit
beiden Händen in die vorgeſchriebene Lage.
55

Auf das Kommando: 213.


„Im – Schritt!“ oder: „Halt!“
ſowie auf das Aviſo oder Signal:
„Sammeln!“ oder: „Vergatterung!“
wird das Gewehr geſchultert.
Die beiden folgenden Gewehrgriffe ſammt der Herſtel-214.
lung werden in der Stellung „beim Fuß“ vollführt.
Auf das Kommando: 215.
„Zum – Gebet!“
wird der linke Arm, ohne den Elbogen wegzuſtrecken, unge
zwungen gegen den Kopf erhoben und die linke Hand mit der
innern Fläche gegen das Geſicht gewendet, ſeitwärts vom
linken Auge ſo gehalten, daß die geſchloſſenen Finger den
Sonnenſchirm des Czako's berühren.
„Vom – Gebet!“ 216.
wird die linke Hand raſch wieder an die Seite herab
gebracht.
Zum Niederknien erfolgt das Kommando: 217.
„Kniet nieder zum – Gebet!“
Hierauf werden beide Vorderfüße gerade geſtellt, daß die
Ballen ſich berühren, dann wird der rechte Fuß und mit die
ſem der Oberleib, ohne ſich vorzubeugen, zurückgenommen und
das rechte Knie auf den Boden geſtützt.
Der linke Unterſchenkel muß ſenkrecht gegen den Boden
ſtehen, die rechte Fußſpitze gegen dieſen geſtemmt und die linke
Hand flach auf das Knie gelegt werden, die Fingerſpitzen in
gleicher Richtung mit der Rundung desſelben. – Das Gewehr
wird mit der rechten Hand vollſtändig umfaßt und in der
vertikalen Lage erhalten.
„Czako – ab!“
Die linke Hand ſtößt das Sturmband mit dem Daumen
vor das Kinn, ergreift hierauf den Czako links ſeitwärts der
Roſe ſo, daß dieſe in die Gabel zwiſchen dem Zeige- und
Mittelfinger zu liegen kommt, zieht denſelben ſchnell ab und
ſetzt ihn mit der Höhlung ſo auf den Oberſchenkel, daß er
56

ſenkrecht auf demſelben ſteht und der Schirm links ſeitwärts


gerichtet iſt.
218. Zum Herſtellen erfolgt das Kommando:
„Czako – auf!“
worauf der Czako, ohne den Kopf vorzuneigen, von vorne
nach rückwärts gut aufgeſetzt, das Sturmband unter das Kinn
gezogen und die linke Hand flach auf das Knie gelegt wird.
„Auf vom – Gebet!“
Wird mit einem Drucke des rechten Fußballens, ohne
den Oberleib vorzuneigen, mit geradem Körper aufgeſtanden,
der rechte Fuß an den linken beigezogen und die vorgeſchrie
bene Stellung angenommen.
219. Zum Schwören wird auf das Kommando:
„Zum – Schwören!“
das Gewehr wie zum „Viſitiren“ vor der Mitte des Leibes auf
den Boden geſtellt.
„Czako – ab!“
1. Wird der Czako in der bekannten Weiſe, jedoch mit der
rechten Hand abgenommen, mit dem Schirme rechts ſeit
wärts gewendet an den Daumen der linken Hand geſteckt,
und mit dieſer an den Leib gedrückt.
2. Wird die rechte Hand, mit dem Daumen links, ſeitwärts
bis in die Höhe der Augen erhoben, der Daumen, Zeige
und Mittelfinger werden aufwärts geſtreckt, die anderen
Finger zugemacht.
220. „Czako – auf!“
wird der Czako mit der rechten Hand ergriffen, aufgeſetzt,
dann das Gewehr bei natürlich geſtrecktem Arme umfaßt.
„Schul – tert!“
wird auf die bekannte Art ausgeführt.

§. 9.

Laden und Feuern.

221. Der Soldat iſt nur dann im Stande ſeiner Beſtimmung


zu entſprechen, wenn er ſein Gewehr als Feuerwaffe mit
57

Erfolg zu gebrauchen verſteht. Der Unterricht im Laden und


Feuern iſt daher als der wichtigſte Theil der einzelnen Aus
bildung zu betrachten und mit der äußerſten Sorgfalt zu be
treiben. Der Soldat muß durch fortgeſetzte Uebung eine ſolche
Geſchicklichkeit in der Ausführung der nothwendigen Ver
richtungen erlangen, daß er ſein Gewehr unter allen Umſtänden
und ſelbſt in der Hitze des Gefechtes nicht nur gut, ſondern
auch ohne Uebereilung möglichſt ſchnell zu laden und abzu
feuern vermag.
Um den Soldaten gründlich und mit Erfolg belehren zu 222.
können, iſt ihm zuerſt die Wirkung der Feuerwaffen zu erklä
ren, die Munition zu zeigen, dann das Laden mit ſcharfen
Patronen zuſammenhängend in zwangloſer Weiſe anſchaulich
zu machen, und mit der Erläuterung der hierzu erforderlichen
Verrichtungen zu verbinden. -

Wenn der Soldat auf dieſe Weiſe das zu beobachtende 223.


Verfahren im Zuſammenhange geſehen, den Zweck der einzel
nen Verrichtungen erkannt und die Ausführung derſelben
begriffen hat, ſo iſt er zu belehren, daß das beſchränkte Raum
verhältniß in Reih und Glied eine gewiſſe Regelmäßigkeit der
Bewegungen bedingt, damit nicht ein Mann durch den andern
beirrt werde.

Zu dieſem Zwecke iſt dann das Laden nach den hierzu 224.
erforderlichen Verrichtungen in Tempo abgetheilt und zwar
anfänglich ebenfalls mit ſcharfen Patronen vorzunehmen,
welche zur Schonung des Laufes nicht herauszuziehen, ſon
dern mit Beobachtung der nothwendigen Vorſicht abzu
feuern ſind.
Beim Beginne des Unterrichtes iſt für jedes Tempo das 225.
die folgende Verrichtung bezeichnende Aviſo zu ertheilen und
die Ausführung derſelben auf das Vorzählen beginnen zu
laſſen. – In der Folge hat das Aviſiren der Tempo zu un
terbleiben und die Ladung auf das Vorzählen bewirkt zu wer
den, wobei anfänglich längere, bei zunehmender Geſchicklichkeit
58

des Soldaten aber kürzere Pauſen zwiſchen den Tempo ein


zuhalten ſind.
226. Wenn der Soldat durch dieſen Vorgang ſich alle Beob
achtungen angeeignet hat, iſt auch das Vorzählen zu unter
laſſen, ſomit die ununterbrochene Durchführung der Ladung
zu fordern.
227. Dem Unterrichte im Laden mit ſcharfen Patronen hat
jener in der Anwendung blinder Patronen zu folgen, und
endlich können auch Uebungen ohne Munition vorgenommen
werden, bei welchen jedoch das Spannen des Hammers in
der Regel durch eine entſprechende Bewegung der rechten
Hand anzudeuten iſt.
228. Das Abdrücken des Hammers darf nur dann bewirkt
werden, wenn ein Kapſel auf den Piſton geſteckt oder wenn
dieſer durch einen Piſtonſchutz gegen die Beſchädigung durch
den Schlag des Hammers geſichert iſt.
229. Um die richtige und zweckmäßige Ausführung der zum
Laden und Feuern erforderlichen Verrichtungen zu unter
ſtützen, muß dem Soldaten geſtattet werden, den Bewegungen
der Hände nach Bedarf mit dem Blicke zu folgen und zu dieſem
Behufe den Kopf zu neigen oder zu wenden.
230. Vor dem Beginne des Ladens, ſo wie überhaupt in allen
Fällen, in welchen der Soldat ſein Gewehr als Feuerwaffe
gebrauchen ſoll, muß als Vorbereitung die Patrontaſche
ſo weit als möglich vor die rechte Hüfte geſchoben, dann ebenſo
wie das Kapſeltäſchchen geöffnet, die Munition nach Bedarf
vorgerichtet und bei den Jägern auch der Ladſtock aus der
Hülſe an der Taſche des Ueberſchwungriemens gezogen, ſomit
zum Gebrauche frei gemacht werden.
231. Die Patrontaſche iſt dann in der eben angedeuteten Lage zu
belaſſen, bis eine beſondere Anordnung für das Zurückſchieben
erfolgt, was im Frieden gewöhnlich mit dem Schluſſe der
Uebung oder bei Paraden mit dem Herſtellen nach der letzten
General-Decharge zuſammentreffen, vor dem Feinde dagegen
von den Umſtänden abhängen wird.
59

Bei einer das Feuergefecht unterbrechenden Bewegung 232.


iſt dem Soldaten immer zu geſtatten, die Patrontaſche in
jene Lage zu bringen, in welcher ſie ihn am wenigſten beläſtigt
und dennoch zum raſchen Ergreifen der Patronen zur Hand
bleibt.
Der Jäger hat in einem ſolchen Falle, um nicht durch 233.
den am Anhängeriemen frei herabhängenden Ladſtock in der
Bewegung gehindert zu werden, denſelben über den Hals des
Bajonnetes zu hängen, und wenn dieſes gepflanzt iſt, hin
ter der Bajonnetſcheide unter den Ueberſchwungriemen zu
ſchieben.
Das Verſorgen des Ladſtockes iſt, wenn die Anordnung 234.
dazu erfolgt, mit der rechten Hand zu bewirken, welche den
Ladſtock in der Mitte umfaßt, den Setzer in die Hülſe bringt,
und dann die Birne vollends hinabſchiebt.

I. Laden.

Um den Soldaten zum Laden des Gewehres zu ver 235.


anlaſſen, ertheilt der Abrichter das Kommando:
„La – det!“
worauf das Gewehr wie zum Viſitiren vor der Mitte des
Leibes auf den Boden zu ſtellen, dann raſch die erforderliche
Vorbereitung auszuführen iſt.
Beim Unterrichte wird die Ladung in fünf Tempo, und 236.
zwar:
1. in das Ergreifen und Einführen der Patrone,
2. das Einführen des Ladſtockes,
3. das Anſetzen der Ladung und Verſorgen des Lad
ſtockes,
4. das Aufſetzen des Kapſels,
5. das Schultern oder Fertignehmen des Gewehres
eingetheilt.
327.
Auf das Kommando:
„Patron in Lauf – Eins!“
wird die rechte Hand nahe am Leibe zur Patrontaſche ge
6()

bracht, der Deckel aufgeſtoßen, die Hand mit den Finger


ſpitzen voraus in die Patrontaſche geführt, wo eine Pa
trone, gleichſam herausſchaufelnd zu erfaſſen und ſchnell zur
Mündung zu bringen iſt. Die Patrone muß hierbei ſo in
der Hand liegen, daß das Geſchoß den kleinen Finger
berührt. – Der Umbug der Papierhülſe, welcher mit
dem Daumen aufzuſtoßen, dann mit dieſem und dem
Zeigefinger knapp am Pulver zu halten iſt, wird hierauf
mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand nahe an
der ſteifen Hülſe erfaßt, hervorgezogen, flach geſtreift, und
durch ein raſches Drehen der rechten Hand gegen den Leib
oder nach Umſtänden mit Hilfe der Zähne abgeriſſen; – die
Patrone mit der rechten Hand bei erhobenem Elbogen ſogleich
in den Lauf gebracht, um ſie zu öffnen, zwiſchen dem Daumen
und Zeigefinger etwas gedreht und ſorgfältig ausgebeutelt,
dann das Gewehr mit der linken Hand ein wenig erhoben und
mit einem leichten Stoße wieder auf den Boden geſtellt. – Die
Hülſe wird hierauf mit dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger
der rechten Hand ſogleich wieder aus dem Laufe gehoben,
umgedreht, und mit dem Geſchoſſe bis über die Einfettung in
den Lauf gedrückt, knapp an der Mündung neuerdings erfaßt,
durch eine raſche Bewegung gegen den Leib abgeriſſen, und
weggeworfen. – Der bloßgelegte eiförmige Theil des Ge
ſchoſſes iſt endlich mit dem Daumen der linken Hand vollends
in den Lauf zu drücken und der Ladſtock mit der rechten Hand
zu ergreifen. – Beim Infanterie- und beim Korps-Gewehre
iſt der Ladſtock mit dem Daumen und gekrümmten Zeigefinger
unterhalb des Setzers zu erfaſſen, während der Jäger den
ſelben unter dem Ringe des Anhängeriemens zu er
greifen hat.
238. Um den Soldaten die zum ſchnellen Laden erforderliche
Geſchicklichkeit im Ergreifen der Patronen beizubringen, iſt dieſe
Verrichtung als ſelbſtſtändige Vorübung ausführen zu laſſen.
Zu dieſem Zwecke kann anfänglich eine in Papier gewickelte
Patrone von Holz benützt werden, welche in der Patrontaſche
erfaßt und ſo raſch als möglich in die zum Abreißen des
61

Umbuges vorgeſchriebene Lage vor den Leib gebracht werden


muß.
In der Folge iſt eine angemeſſene Anzahl ſcharfer 239.
Patronen in der Patrontaſche des Soldaten zu verſorgen und
dieſer anzuweiſen, eine Patrone nach der andern zu ergreifen,
um ſie ſo ſchnell als möglich in die vor der Mitte des Leibes
befindliche linke Hand zu legen.
Das Einführen des Ladſtockes erfolgt auf das Kom-240.
mando:
„Ladstock in Lauf – Zwei!“
Beim Infanterie- und beim Korps-Gewehre zieht der 241.
Soldat hierauf den Ladſtock nicht ganz zur Hälfte heraus,
erhält ihn durch einen leichten Druck mit dem Daumen der
linken Hand in dieſer Lage, umfaßt denſelben mit verkehrter
rechter Hand, deren Daumen aufzuſtemmen iſt, knapp an der
Mündung, zieht ihn vollends heraus, und wendet durch die
Drehung der rechten Hand den Setzer abwärts. – Dieſer
wird ſogleich auf das Geſchoß gebracht und mit dem Daumen
und Zeigefinger der linken Hand auf die Spitze desſelben
gerichtet. Der Ladſtock, und mit dieſem das Geſchoß, iſt dann
zwiſchen den Fingern der linken Hand ſo weit in das Rohr zu
ſchieben, daß beide Hände ſich an der Mündung berühren,
hierauf mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand
raſch am obern Ende zu ergreifen und vollends in den Lauf
hinabzudrücken.
Der Jäger ſchupft den Ladſtock gerade in die Höhe, 242.
umfaßt ihn durch eine raſche Bewegung der rechten Hand,
deren Daumen aufzuſtemmen iſt, in der Mitte und bringt
ſogleich den Setzer auf das Geſchoß, wo er mit dem
Daumen und Zeigefinger der linken Hand auf die Spitze
desſelben zu richten iſt. Die rechte Hand ſchiebt nun den Lad
ſtock, und mit dieſem das Geſchoß, zwiſchen den Fingern der
linken Hand ſo weit in das Rohr, daß beide Hände ſich
berühren, umfaßt dann die Birne von oben und drückt den
Ladſtock vollends in das Rohr hinab.
62

243. Zum Anſetzen der Ladung wird kommandirt:


„Setzt an – Drei !“
Der Soldat zieht hierauf den Ladſtock ungefähr einen
Schuh weit aus dem Rohre, ſetzt ihn kurz, aber nicht zu ſtark,
ein oder nach Bedarf mehrere Male auf die Ladung an und
bringt denſelben dann ohne Verzug mit den beim Viſitiren des
Gewehres angegebenen Beobachtungen aus dem Laufe, indem
er ihn beim Infanterie- und beim Korps-Gewehre verſorgt, beim
Jäger-Gewehre dagegen frei herabhängen läßt, oder in der bei
den Vorbereitungen zum Laden angedeuteten Weiſe verwahrt.
244. Die Geſchicklichkeit in der Handhabung des Ladſtockes iſt
dem Soldaten gleichfalls durch entſprechende Vorübungen
beizubringen, bei welchen anfänglich ein hölzerner Ladſtock
benützt werden kann. Bei der Fortſetzung dieſes Unterrichtes
muß aber auch der ſchwerere eiſerne Ladſtock in Gebrauch
genommen werden, es iſt jedoch nicht nothwendig denſelben
bei jeder Wiederholung wirklich in den Lauf zu bringen,
ſondern es wird der beabſichtigte Zweck auch zu erreichen ſein,
wenn der Soldat angewieſen wird, den Ladſtock zur Schonung
der Züge an der Seite des Gewehres zwiſchen den Fingern
der linken Hand hinabzuſchieben.
245. Da es ſich bei den angedeuteten Vorübungen nur darum
handelt, die Geſchicklichkeit der rechten Hand zu ſteigern, ſo iſt
die Handhabung des Ladſtockes auch ohne Gewehr häufig üben
zu laſſen. – Der Soldat hat hierbei die linke Hand vor der
Mitte des Leibes in dieſelbe Lage zu bringen, in welcher ſie ſich
befinden muß, wenn die Ladung des Gewehres wirklich aus
geführt werden ſoll.
246. Das Aufſetzen des Kapſels erfolgt auf das Kommando:
„Kapsel auf – Vier!“
Der Soldat vollführt hierauf eine Halbrechts-Wendung,
ſtellt den rechten Fuß auf die Entfernung einer Schuhlänge
ſeitwärts vom linken, ſchupft gleichzeitig mit beiden Händen
das Gewehr in die Höhe und bringt dasſelbe mit aufwärts
gerichteter Mündung vor der Bruſt in eine ſchräge Lage, ſo
zwar, daß die Abrundung des Kolbens an den rechten Hüft
63

knochen gelangt. – Die am Abſehen befindliche linke Hand,


von welcher der Daumen aufzuſtemmen iſt, während die
anderen Finger vom Laufe zurückgezogen und an den Schaft
gelegt werden müſſen, hat in dieſer Stellung eine Spanne von
der linken Achſel entfernt gehalten, die rechte Hand aber an
das Schloß gebracht zu werden, wo der Daumen auf den
Hammerſchweif und der Zeigefinger auf die vordere Wölbung
des Griffbügels zu legen, mit den drei anderen Fingern aber
der Kolbenhals zu umfaſſen iſt. – Der Hammer wird nun
ſo weit zurückgezogen, bis ſich das Einfallen der Stange in
die Spannraſt hören läßt, dann die rechte Hand, deren Zeige
finger an den Daumen zu ſchließen iſt, raſch an das Kapſel
täſchchen geführt, in demſelben mit den genannten Fingern ein
Kapſel erfaßt, ſogleich zum Schloſſe gebracht, durch eine
drehende Bewegung auf den Piſton geſteckt und mit dem
Daumen an die Schlagfläche gedrückt, während der Zeigefinger
wieder an den Griffbügel zu legen, der Kolbenhals aber von
den übrigen Fingern zu umfaſſen iſt.
Die beim Aufſetzen des Kapſels anzunehmende Stellung 247.
wird auch beim Feuern beibehalten oder angenommen und be
dingt ſomit theilweiſe den Erfolg des Schuſſes. Der Uebergang
in dieſe Stellung, in welcher die Schwere des Körpers voll
kommen gleichmäßig auf beiden Füßen zu ruhen hat, muß daher
gleichfalls zum Gegenſtande wiederholter Vorübungen gemacht
und hierbei mit der Ausführung ohne Gewehr begonnen werden.
Die Fertigkeit im Ergreifen des Kapſels hat der Soldat 248.
ſich auf ähnliche Weiſe wie das Erfaſſen der Patrone anzueig
nen. Zum Behufe der entſprechenden Vorübung iſt eine Anzahl
verknallter Kapſel im Kapſeltäſchchen zu verſorgen, dann eines
nach dem andern zu erfaſſen, in die zum Aufſtecken erforder
liche Lage zu drehen und auf die vor dem Leibe zu haltende
linke Hand zu legen.
Bei dieſer Vorübung iſt immer eine möglichſt raſche 249.

Ausführung zu fordern und nie zu geſtatten, daß ein herab


gefallenes Kapſel während der Uebung aufgehoben und dadurch
eine Verzögerung veranlaßt werde.
64

250. Nach Beendigung der Ladung erfolgt zum Schultern des


Gewehrs das Kommando:
„Hammer in die Ruh – Fünf!“
Der Soldat hat hierauf die Halblinks-Wendung zu voll
führen, den rechten Fuß an den linken anzuſchließen, das Ge
wehr gleichzeitig mit beiden Händen, welche in ihrer Lage
verbleiben, in die vertikale Richtung abzudrücken und, mit
dem Laufe gegen den Leib gewendet, an den linken Vorarm
geſchloſſen ſo hoch zu halten, daß der Daumen der linken
Hand in die Höhe des Kinnes gelangt. Der Hammer iſt dann
mit dem Daumen der rechten Hand ein wenig über die Spann
raſt zurückzuziehen, gleichzeitig das Züngel mit dem Mittel
gliede des Zeigefingers ſo lange zurückzudrücken, bis der vom
Daumen ſachte vorgelaſſene Hammer an das aufgeſteckte Kapſel
gelangt, worauf der Zeigefinger wieder an die Wölbung des
Griffbügels gebracht und der Hammer ſo weit zurückgezogen
werden muß, daß die Stange in die Sicherheitsraſt einfallen
kann. – Das Gewehr iſt dann mit der rechten Hand am
Kolbenhalſe zu umfaſſen und ſogleich zu ſchultern.
251. Die bei der Erklärung der Ladungs-Tempo erwähnten
Vorübungen ſind zur Erhaltung der Gelenkigkeit auch mit
der ſchon ausgebildeten Mannſchaft vorzunehmen, jedoch als
Nebenbeſchäftigung zu betreiben, ohne ſich hierbei an eine
beſtimmte Reihenfolge zu binden oder bei jeder ſich ergebenden
Gelegenheit die Ausführung aller Vorübungen im Zuſam
menhange zu fordern.
252. Wenn der Soldat durch den angedeuteten Vorgang
raſch und ſicher laden gelernt hat, muß derſelbe belehrt
werden, daß er bei ſeiner Verwendung in der Folge ſehr oft
in die Lage kommen kann, das Gewehr im Gehen oder in
irgend einer andern Stellung laden zu müſſen, in
welchem Falle die hierzu erforderlichen Verrichtungen ſo aus
zuführen ſind, wie es die Verhältniſſe eben geſtatten.
253. Um das Gewehr im Gehen zu laden, wird dasſelbe
Än - mittelſt des Riemens über den linken Vorarm gehängt, und
*s“ *“ mit der linken Hand an der Mündung umfaßt. Die rechte Hand
65

bewirkt in der bekannten Weiſe die Ladung, gibt aber nach dem
Ausbeuteln der Patrone einige Streiche auf den Lauf, dann
wird das Geſchoß in den Lauf gedrückt, der Ladſtock ergriffen,
angeſetzt und verſorgt und endlich auch das Kapſel ohne Unter
brechung der Bewegung aufgeſetzt. -

Wenn das Gewehr kniend geladen werden ſoll, ſo hat 254.


der Soldat ſich auf das rechte Knie niederzulaſſen, das Gewehr Plan III,
LFF g• B»
mit der rechten Hand in der Mitte, mit der linken an der
Mündung zu umfaſſen, um das linke Knie herum an die linke
Seite zu bringen, den Kolben auf den Boden zu ſetzen, und
den Lauf an den Oberſchenkel anzulehnen, worauf die weiteren
Verrichtungen wie ſtehend ausgeführt werden.
Statt niederzuknien kann der Soldat ſich auch nie 255.
der hocken und das Gewehr mit Anwendung der bereits
ertheilten Belehrungen laden.
Um das Gewehr ſitzend zu gebrauchen, ſetzt ſich der 256.
Soldat, mit der linken Seite gegen die Schußrichtung gekehrt, Plan III,
Fig- 3B»
nieder, und biegt den linken Fuß ſo, daß der Abſatz gegen
den Boden geſtemmt und das Knie erhoben iſt, während der
rechte Fuß ausgeſtreckt wird. Das Gewehr wird zum Laden
ebenfalls mit beiden Händen um das linke Knie herum an die
linke Seite gebracht, mit der linken Hand an der Mündung
umfaßt, wozu der Kolben hinter dem Leibe zurückgeſchoben
werden muß. – Nun wird die Patrone ergriffen, in den Lauf
gebracht, die Mündung mit der linken Hand ſo hoch als möglich
erhoben, das Pulver ausgebeutelt und die Patrone aus der
Mündung gezogen. Das Gewehr wird hierauf vertikal neben
das linke Knie geſtellt, das Pulver durch einen leichten Stoß
gegen den Boden oder durch einen Schlag gegen den Lauf
in die Kammer gelagert, der Kolben wieder an der linken
Seite zurückgebracht, das Geſchoß eingeführt und die Ladung
beendigt.
Wenn der Soldat veranlaßt iſt, ſich zum Gebrauche des 257.
Gewehres niederzulegen, ſo hat er ſich mit der linken Plan III,
Hüfte und mit dem linken Elbogen auf den Boden zu ſtützen. – Fig. 4.
Zum Laden ſchiebt er das Gewehr, mit dem Kolben voraus,
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 5
66

zwiſchen dem linken Oberarme und dem Leibe durch und ſo


weit zurück, daß er die in der Schußrichtung verbleibende
Mündung mit der linken Hand umfaſſen kann.
Beim Ausbeuteln der Patrone muß die Mündung ſo
viel als möglich erhoben, hierauf das Gewehr mit der rechten
Hand hervorgezogen und zur Lagerung des Pulvers vertikal
aufgeſtellt, dann aber zur Fortſetzung der Ladung wieder in
die frühere Lage gebracht werden. Zum Aufſetzen des Kapſels
wird das Gewehr neuerdings hervorgezogen, von der linken
Hand unter dem Abſehen erfaßt, und die Kolbenſpitze vor dem
Unterleibe auf den Boden geſtützt.
258. Das Laden mit blinden Patronen hat mittelſt der
ſelben Griffe bewirkt zu werden, und es iſt hierbei nach dem
Ausbeuteln des Pulvers der Pfropf ſammt der Hülſe ſtatt des
Geſchoſſes in das Rohr zu ſtecken.

II. feuern.
259. Wenn gefeuert werden ſoll, ſo erfolgt zur Verſtändigung
des Soldaten zuerſt das Aviſo:
„Feuern!“
260. Auf das folgende Kommando:
„Fertig!“
hat der Soldat den Körper und das Gewehr raſch in die beim
Aufſtecken des Kapſels vorgeſchriebene Stellung zu bringen
und den Hammer zu ſpannen. Der Zeigefinger der rechten
Hand hat hierauf an der vordern Wölbung des Griffbügels
zu verbleiben, der Daumen aber mit den drei übrigen Fingern
den Kolbenhals zu umfaſſen. Der rechte Elbogen iſt in der
Richtung der Kolbenſchneide an den Kolben zu legen und der
Blick auf den Zielpunkt zu richten.
261. Um das fertig gehaltene Gewehr in Anſchlag bringen
zu laſſen, kommandirt der Abrichter ein wenig gedehnt:
„An!“
Der linke Vorarm wird hierauf vorwärts geſtreckt und gleich
zeitig der Kolben mit der rechten Hand ſo an die Achſel ge
bracht, daß er das Geſicht berührt. Die linke Hand bleibt mit
67

den Fingern unverändert, die rechte Hand, deren Zeigefinger


an der innern Fläche des Griffbügels herabſtreift, bis das
mittlere Glied das untere Ende des Züngels berührt, behält
den Kolbenhals umfaßt und drückt den Kolben bis zur untern
Kolbenſchuhſchraube feſt an die Achſel, in deren Höhe auch
der Elbogen erhoben werden muß, um dem Kolben eine feſtere
Stütze zu geben. Die Schwere des Körpers muß im Gleich
gewichte auf beiden Füßen ruhen, der Lauf gerade aufwärts
gewendet ſein, der Kopf nach Bedarf vor- und ſeitwärts ge
neigt, das linke Auge geſchloſſen und mit Hilfe des rechten
das Abſehen und Korn mit dem zu treffenden Punkte in eine
Linie gebracht werden.
Da der gute Anſchlag eine weſentliche Bedingung des 262.
erfolgreichen Gebrauches der Feuerwaffe bildet, ſo muß der
ſelbe durch fortgeſetzte Uebung dem Soldaten ſo zur Gewohn
heit gemacht werden, daß er ſich ſelbſt durch die größte Eile
nicht verleiten läßt, das Gewehr früher loszudrücken, als der
Kolben an der Schulter ſeine Stütze gefunden und der Lauf
die entſprechende Lage erlangt hat.
Mit der Uebung des Anſchlages ſind auch die erforder-263.
lichen Belehrungen über das Zielen zu verbinden und mit der
Anwendung in Einklang zu bringen, indem jedesmal ein
Treffpunkt zu beſtimmen und hierbei auch auf die Abwechſelung
mit verſchiedenen Entfernungen Rückſicht zu nehmen iſt.
In dieſer Beziehung muß dem Soldaten erklärt 264.
werden, daß der Treffpunkt nicht immer gleich gefaßt wer
den darf, ſondern daß durch das veränderte Erblicken desſelben
über den Rändern des Grinſels ein anderer Erfolg bedingt
wird. -

Wenn das Gewehr ſo auf den Treffpunkt gerichtet iſt, PIan III,
daß das zielende Auge das Korn in gleicher Höhe mit den Fig. 5, 6, 7.
Rändern des Grinſels erblickt, ſo heißt dieß mit geſtri
chenem Korne zielen. Soll nun die Treffweite vergrößert
werden, ſo muß der Soldat das Korn über die Ränder des
Grinſels hervorragen laſſen, oder er muß das Korn voll
nehmen, während dasſelbe bei kleineren Entfernungen unter
5
68

den Rändern des Grinſels zu bleiben hat, ſomit fein zu


nehmen iſt.
265. Von der richtigen Auffaſſung dieſer Belehrungen hat ſich
der Abrichter zu überzeugen, indem er das Gewehr abwechſelnd
mit geſtrichenem, vollem oder feinem Korne auf ſein Auge
richten läßt, und die wahrgenommenen Fehler ſogleich be
richtigt.
266. Um das Gewehr wieder aus dem Anſchlage bringen zu
laſſen, wird kommandirt:
„Setzt – ab!“
worauf der Kolben mit der rechten Hand, deren Zeigefinger
an den Griffbügel kommt, abgedrückt und die frühere Stellung
wieder angenommen wird.
267. Wenn das im Anſchlage befindliche Gewehr abgefeuert
werden ſoll, kommandirt der Abrichter etwas gedehnt:
„Feuer!“
Der Soldat hat hierauf, ohne die Lage des Gewehres im
Geringſten zu verändern, das Züngel mit dem rechten Zeige
finger, welcher am Griffbügel fortzuſtreifen hat, ruhig zurück
zuziehen, nach dem Abſchlagen des Hammers die Stellung im
Anſchlage noch während einer Pauſe von ungefähr drei Marſch
takten beizubehalten, dann gleichzeitig mit der Halblinks-Wen
dung und dem Anſchließen des rechten Fußes das Gewehr
zum Laden vor der Mitte des Leibes auf den Boden zu ſtellen.
Die rechte Hand hat zu dieſem Zwecke den Kolben abwärts zu
drücken und das Gewehr in der linken mit dem Laufe vor
wärts zu wenden.
268. Wenn der Schuß nicht abgegangen iſt, ſo wird das Ge
wehr nach dem Abdrücken abgeſetzt, der Hammer geſpannt, das
Zündloch nach Bedarf gelüftet, ein neues Kapſel aufgeſetzt
und das Gewehr fertig gehalten.
269. Das ruhige Abdrücken des Züngels kann dem Soldaten
am beſten beigebracht werden, wenn der Abrichter ihn die leere
Hand ausſtrecken, dann mit dem Zeigefinger die zum Abdrücken
erforderliche Bewegung ſo oft wiederholen läßt, bis die Fauſt
hierbei vollkommen ruhig bleibt und an der Bewegung des
69.

Zeigefingers keinen Antheil nimmt. Hierauf lehnt der Ab


richter den eigenen Zeigefinger gegen das Mittelglied jenes des
Soldaten, läßt ihn an ſelbem langſam andrücken und fügt die
Belehrung bei, daß in derſelben Weiſe auch das Züngel beim
Abfeuern zurückzuziehen iſt.
Zum Laden des Gewehres nach erfolgtem Schuſſe hat 270.
der Abrichter die Ladungs-Tempo entweder zu aviſiren und
vorzuzählen, oder nur vorzuzählen, und den Soldaten welcher
nöthigenfalls nach dem Herabbringen des Gewehres die erfor
derliche Vorbereitung ausführen muß, zu erinnern, daß beim
vierten Tempo vor dem Aufſtecken des neuen Kapſels die
Reſte des abgebrannten zu beſeitigen ſind. Nach dem vierten
Tempo hat der Abrichter:
„Fertig!“
zu kommandiren, und der Soldat die entſprechende Stellung
anzunehmen.
Erfolgt nach dem Abfeuern das Aviſo: 271.
„Ladet!“
ſo iſt die Ladung ununterbrochen und möglichſt ſchnell, je
doch ohne Uebereilung auszuführen und nach Beendigung der
ſelben iſt ſchußfertig auf eine weitere Anordnung zu warten.
Um das Feuern einzuſtellen, aviſirt der Abrichter gedehnt: 272.
„Feuer einstellen!“
worauf das Gewehr, wenn es fertig oder im Anſchlage ge
halten wird, zu ſchultern, vorher aber der Hammer in die
Ruheraſt zu ſetzen iſt. Wenn das Gewehr eben abgefeuert
oder die Ladung bereits begonnen iſt, ſo muß dieſe jedenfalls
beendet und das Gewehr ſomit nach dem Einſtellen des Feuerns
geladen erhalten werden.
Wenn der Soldat in der Folge ſelbſtſtändig zum Feuer-273.
gefechte verwendet wird, ſo hat er das Gewehr nicht geſchultert,
ſondern zum raſchen Gebrauche bereit zu tragen. Zu dieſem
Behufe wird dasſelbe mit der rechten Hand am Kolbenhalſe
umfaßt und ſo in den Bug des linken Armes gelegt, daß
die Mündung links ſeit- und aufwärts gerichtet iſt, und die
linke Schaftwand nebſt der linken Seite des Laufes am Ober
70

arme anliegt. Das Gewehr wird hierbei ſo viel einwärts


gewendet, daß das vorwärts befindliche Schloß ſich etwas rechts
neigt und der Hammer den Leib berührt. Die linke Hand hat
über dem Handwurzel-Gelenke der rechten zu liegen.
274. Eine zweite Art, das Gewehr zum ſchnellen Gebrauche
bereit zu tragen, ergibt ſich, indem der Kolbenhals unter die
Achſelhöhlung gebracht und der vordere Theil des Schaftes
auf den rechten Vorarm gelegt wird. Der Kolben iſt hierbei
hinter der Schulter aufwärts, die Mündung vorne abwärts
geneigt und das Schloß rechts ſeitwärts gewendet. Die rechte
Hand umfaßt den Riemen in angemeſſener Entfernung vom
obern Riemenbügel, die linke Hand hängt an der Seite na
türlich herab.
275. Der Soldat muß hierauf auch in den beim Laden
angedeuteten verſchiedenen Stellungen zum Feuern ange
wieſen werden.
276. Um das Gewehr in der knieenden Stellung in An
PIan III, ſchlag zu bringen, wird der linke Elbogen auf das linke Knie
Fig- S.
geſtützt, die rechte Fußſpitze gegen den Boden geſtemmt und
der Oberleib ſo weit zurückgenommen, bis das Geſäß beinahe
den rechten Abſatz berührt.
277. Beim Sitzen dient ebenfalls das linke Knie zur Stütze
Plan III, des linken Elbogens; in der hockenden Stellung dagegen,
Fig- B, 11CDe
ſind zur Befeſtigung und Erleichterung des Anſchlages beide
Elbogen auf die Knie aufzuſtützen.
278. Soll das Gewehr liegend abgefeuert werden, ſo
Plan III, wird der auf den Boden geſtützte linke Elbogen etwas weiter
Fig- 11e
als beim Laden vorgeſetzt, der linke Fuß ein wenig eingezogen,
und das Gewehr in der linken Hand ſo weit vorgeſchoben, bis
deren innere Fläche beinahe den Griffbügel berührt. Zur
größeren Sicherheit des Anſchlages iſt auch der rechte Elbogen
leicht auf den Boden zu ſtützen.
279. Wenn das Gewehr bei feierlichen Gelegenheiten als Ehren
bezeigung abgefeuert werden ſoll, ſo erfolgt zuerſt das Aviſo:
„Zur General-Decharge!“
dann das Kommando:
„Fertig!“
worauf die entſprechende Stellung angenommen wird.
Auf das nach einer mäßigen Pauſe erfolgende Kommando: 280.
„Hoch – an!“
wird das Gewehr ſchräg aufwärts ſo in Anſchlag gebracht,
daß der Soldat ohne Erhebung des Kopfes und ohne Ver
änderung der Stellung des Oberleibes über das Abſehen und
das Korn wegſehen kann.
Auf das kurz und betont auszuſprechende Kommando: 281.
„Feuer!“
wird abgedrückt, dann das Gewehr abgeſetzt und hierbei mit
der rechten Hand am Kolbenhalſe vollſtändig umfaßt.
Auf das Kommando: 282.
„Schul – tert!“ -

wird mit den bekannten Beobachtungen geſchultert.

§. 10.
Zielen und Treffen.
Die Gewandtheit in der Ausführung der zum Laden und 283.
Feuern erforderlichen Verrichtungen iſt zwar eine unerläßliche
Bedingung des richtigen Gebrauches der Feuerwaffe, allein ſie
genügt nicht, wenn der Soldat nicht auch jeden in der Trag
weite ſeines Gewehres befindlichen Gegenſtand mit Sicherheit
zu treffen verſteht, denn nur dieſe Fertigkeit kann ihm
das nöthige Vertrauen zu ſeiner Waffe geben und in jeder
Gefahr ſeinen Muth wie ſeine Entſchloſſenheit aufrecht
erhalten.
Der Soldat muß daher über die auf das Zielen und 284.
Treffen Einfluß nehmenden Verhältniſſe gründlich belehrt und
in der Anwendung dieſer Belehrungen fortwährend geübt
werden.
Die Wirkung der Feuerwaffen beſteht im Allgemeinen 285.
darin, daß mittelſt derſelben feſte Körper von angemeſſener
Größe und Schwere, Geſchoſſe genannt, mit großer Gewalt
aund Geſchwindigkeit auf bedeutende Entfernungen getrieben
72

und die von denſelben erreichten Menſchen oder Pferde


kampfunfähig gemacht werden können. -

286. Die hierzu erforderliche Kraft wird bei den im Gebrauche


ſtehenden Feuergewehren durch das Schießpulver erzeugt,
welches eine nach beſtimmten Verhältniſſen geregelte Mengung
von Salpeter, Schwefel und Kohle iſt, und die Eigenſchaft
hat, ſich bei der Berührung mit einem Feuerfunken nicht nur
ſehr leicht zu entzünden, ſondern auch in größerer Menge faſt
augenblicklich zu verbrennen.
287. Durch die Verbrennung verwandelt ſich das Pulver in
ſehr elaſtiſche Gaſe, welche ſich mit großer Heftigkeit nach allen
Seiten ausdehnen und daher in einem geſchloſſenen Raume
mit der ihrer Maſſe entſprechenden Kraft einen Ausweg ſuchen.
288. In dem geladenen Feuergewehre befindet ſich das Pulver
in dem Pulverſacke, welcher vorne durch das Geſchoß abge
ſchloſſen iſt. Da die Eiſenſtärke des Rohres den durch die Ent
zündung der Ladung entwickelten Gaſen Widerſtand leiſtet,
ſo wirkt die Kraft, mit welcher ſich dieſelben auszudehnen
ſtreben, hauptſächlich auf das Geſchoß.
289. Dieſes wird daher, da es ſeitwärts nicht auszuweichen
vermag, durch den Druck der Pulvergaſe aus dem Rohre ge
trieben und muß hierbei den Zügen folgen, wodurch dasſelbe
eine dem Dralle entſprechende Drehung um ſeine Längenachſe
annimmt und auch nach dem Verlaſſen des Laufes behält.
290. Wenn das Geſchoß nach ſeinem Austritte aus der Mün
dung keiner andern Einwirkung ausgeſetzt wäre und auch
keinen Widerſtand fände, ſo müßte dasſelbe mit der ihm durch -
die Pulverkraft beigebrachten Geſchwindigkeit in der urſprüng
lichen Richtung und ſomit in der Verlängerung der Achſe des
Plan III, Rohres, d. h. in der Achſenlinie fortfliegen, woran es
Fig- 12. aber ſowol durch den Einfluß der Schwerkraft, als auch
durch den Widerſtand der Luft gehindert wird.
291. In Folge dieſer Einwirkung folgt alſo das Geſchoß nach
dem Verlaſſen des Rohres nicht der Achſenlinie, ſondern be
ſchreibt eine von dieſer nach abwärts abweichende krumme
Linie, welche die Flugbahn genannt wird.
73

Um nun von der Feuerwaffe den entſprechenden Gebrauch 292.


machen zu können, muß man es verſtehen, irgend einen Punkt
der Flugbahn auf einen im Raum gewählten Punkt zu über
tragen und dieſen dadurch mit dem Geſchoſſe zu treffen.
Dieß geſchieht durch die Benützung der Viſirlinie, 293.
welche das Abſehen mit dem Korne verbindet und dadurch Plan III,
mit der Achſenlinie einen Winkel, den Viſirwinkel bildet. Fig- 1D.
– Die Viſirlinie wird nämlich in Folge des angedeuteten
Verhältniſſes zur Achſenlinie von der Flugbahn nahe an der
Mündung zum erſten Male und in einer größern Entfernung,
deren Maß ſich nach der Größe des Viſirwinkels richtet, zum
zweiten Male durchſchnitten. – Dieſer zweite Durchſchnitts
punkt, welcher mit dem zu treffenden Gegenſtande zuſammen
fallen muß, heißt der Treffpunkt und ſeine Entfernung von
- der Mündung die Treffweite. -

Durch die Veränderung des Viſirwinkels kann ſomit auch 294.


die Treffweite verſchieden geſtaltet werden, indem durch das
Erhöhen oder Erniedern des Abſehens der zweite Durchſchnitts
punkt der Viſirlinie mit der Flugbahn weiter von der Mündung
entfernt oder näher an dieſe herangezogen wird.
Dieſe Veränderungen des Viſirwinkels werden bei einem 295.
Theile der Infanterie-Gewehre durch die Benützung des Auf
ſatzes, bei den Jäger-Gewehren durch die entſprechende Stel
lung des Abſehens bewirkt.
Die Höhe des Standviſirs entſpricht einer Treffweite von 296.
200 Schritten und für die Benützung des Aufſatzes ſind die
Entfernungen, welche ſich als Folge des veränderten Viſir
winkels ergeben, an den Theilſtrichen bemerkt.
Bei geringen Abweichungen von der angegebenen Treff- 297.
weite iſt die Veränderung des Viſirwinkels durch das höhere
oder tiefere Zielen zu bewirken und zu dieſem Zwecke das Korn
entweder fein oder voll zu nehmen, während bei einer der
Höhe des Abſehens gerade entſprechenden Entfernung des
Treffpunktes mit geſtrichenem Korne gezielt werden muß.
Da die Höhe des Standviſirs, ſo wie die Eintheilung 298.
des Aufſatzes oder des Abſehens nicht für jedes einzelne
74

Gewehr ermittelt werden kann, ſondern auf der Vorausſetzung


einer gleichen Wirkungsfähigkeit beruht, ſo muß jeder Soldat
bemüht ſein, die Eigenthümlichkeit ſeines Gewehres und ſomit
auch die Art, wie er ſeinen Zielpunkt auf verſchiedene Ent
fernungen zu faſſen hat, genau kennen zu lernen.
299. Nebſt der Entfernung des Zielpunktes und der dadurch
bedingten Größe des Viſirwinkels, ſind beim Zielen aber noch
andere Umſtände zu berückſichtigen, welche auf das Treffen
einen nicht unweſentlichen Einfluß ausüben, und dem Soldaten
daher angedeutet werden müſſen.
300. Das Einfallen des Lichtes auf das Korn und das Grin
ſel kann ſehr leicht zu Täuſchungen beim Zielen führen, indem
das vom Sonnenlichte grell beleuchtete Korn ſich dem Auge
größer darſtellt, als bei mangelhafter Beleuchtung und daher
im erſten Falle unwillkürlich zu fein, im letzteren aber zu voll
genommen wird.
301. Wenn eine Seite des Kornes ſtärker beleuchtet iſt, als
die andere, ſo wird es ſchwer das Korn genau in die Mitte
zu nehmen, und durch die Nichtbeachtung dieſes Umſtandes
eine Seitenabweichung herbeigeführt.
302. Ein weiterer Grund, welcher zur Vermeidung von Ab
weichungen beim Zielen berückſichtigt werden muß, liegt in
der Bewegung der Luft, d. h. im Winde. Iſt dieſer der Rich
tung der Flugbahn gerade entgegengeſetzt, ſo findet das Ge
ſchoß einen ſtärkern Widerſtand als bei ruhiger Luft, dasſelbe
wird daher in dieſem Falle nicht aus der Richtung weichen,
aber verhältnißmäßig ſtärker ſinken, und es muß daher höher
gezielt werden. Im Gegentheile trägt der in der Richtung der
Flugbahn ſtreichende Wind zur Geſchwindigkeit des Geſchoſſes
bei, dasſelbe ſinkt daher in derſelben Zeit ebenſo viel, legt
aber eine größere Strecke zurück und es muß daher bei gleicher
Entfernung ein wenig tiefer gezielt werden.
303. Bildet die Richtung des Windes mit jener der Flugbahn
einen Winkel, ſo wird das Geſchoß zu einer Seitenabweichung
veranlaßt, welche am bedeutendſten ſein wird, wenn der er
wähnte Winkel ſich dem rechten nähert, wobei es ſich von
75

ſelbſt verſteht, daß dieſe Seitenabweichung bei größeren Ent


fernungen, zu deren Hinterlegung das Geſchoß mehr Zeit be
nöthigt und daher dem Einfluſſe des Windes auch länger aus
geſetzt iſt, ungleich bedeutender ſein wird, als bei kurzen Stre
cken, wo ſie in Folge der großen Anfangsgeſchwindigkeit,
welche in der erſten Sekunde nahezu 500 Schritte beträgt,
kaum bemerkbar wird.
Da die Flugbahn ihre Geſtalt bei einer bedeutenden 304.
Neigung der Viſirlinie von oder gegen die wagrechte Richtung
weſentlich verändert, ſo muß, um einen auf einer Erhöhung
befindlichen Punkt zu treffen, höher, bei tieferer Lage des Ziel
punktes aber tiefer gezielt werden, als bei gleicher Entfernung
in wagrechter Richtung. Das Maß dieſer Abweichungen läßt
ſich natürlich nicht für alle Fälle beſtimmt angeben, ſondern
muß vom Soldaten nach der ſorgfältigen Beobachtung der
Erfolge beurtheilt werden.

§. 11.

Uebung im Beurtheilen der Entfernungen.

Eine der weſentlichſten Bedingungen des Erfolges 305.


beim Gebrauche des Gewehres als Feuerwaffe iſt die möglichſt
genaue Kenntniß der Entfernung des zu treffenden Gegen
ſtandes. Da dieſe Kenntniß vor dem Feinde gewöhnlich nur
durch die eigene Beurtheilung erlangt werden kann, ſo muß der
Soldat geübt werden, die verſchiedenen Entfernungen inner
halb der Tragweite ſeines Gewehres mit möglichſter Genauig
keit abzuſchätzen.
Zu dieſem Zwecke ſind anfänglich einzelne Männer, 306.
ſpäter aber ganze Abtheilungen auf verſchiedene Diſtanzen von
einander aufzuſtellen, die Entfernungen beurtheilen und dann
abſchreiten zu laſſen. Dieſes Verfahren muß mit denſelben
Entfernungen von verſchiedenen Standpunkten wiederholt und
dadurch der Maßſtab dem Auge des Soldaten eingeprägt
werden.
76

307. Der Soldat muß zu dieſem Zwecke auch angewieſen wer


den, die ihm gegenüber ſtehenden Männer genau zu betrachten
und ſich zu merken, welche Theile des Körpers, der Rüſtung
und Bewaffnung auf den verſchiedenen Standpunkten noch zu
erkennen ſind und wie ſich dieſelben dem Auge darſtellen. Um
ſich ſeiner Aufmerkſamkeit zu verſichern, hat der Abrichter den
Soldaten um ſeine Wahrnehmungen ſo wie auch um die
Gründe zu befragen, welche ihn zur Annahme einer angegebe
nen Entfernung veranlaßt haben.
308. Da ſich jeder Gegenſtand bei einer veränderten Beleuch
tung und Umgebung auch in gleicher Entfernung verſchieden
darſtellt, ſo muß das Beurtheilen der Entfernungen im Son
nenſchein, wie an trüben, neblichten Tagen, in den Morgen
und Abendſtunden abwechſelnd geübt und hierbei auch auf den
Wechſel der Terraingattung Bedacht genommen werden.
309. Die Wahrnehmungen, welche auf verſchiedene Entfer
nungen noch mit Zuverläſſigkeit gemacht werden können, hän
gen zwar hauptſächlich von dem Sehvermögen jedes einzelnen
Soldaten ab, deſſen Auffaſſung ſich aber unter dem Einfluſſe
einer zweckmäßigen Anleitung unzweifelhaft ſehr bedeutend er
weitern läßt.
310. Der Abrichter hat daher dem Soldaten jene Wahrneh
mungen zu bezeichnen, welche im Allgemeinen auf gewiſſe
Entfernungen erkennbar ſind und ihm dadurch einen Maßſtab
zu geben, welcher die Feſtſtellung eines eigenen Urtheiles jeden
falls weſentlich erleichtert.
311. Auf 50 Schritte ſind bei einem einzelnen Soldaten
noch die Geſichtstheile, ſo wie die Farben und Formen der
Kleidungsſtücke, dann am Gewehre die einzelnen Beſtandtheile
zu unterſcheiden.
312. Auf 100 Schritte iſt die Art der Kopfbedeckung und
die Abgrenzung zwiſchen dieſer und dem Geſichte erkennbar.
Die Geſichtszüge ſind nicht mehr, wohl aber die einzelnen
Körpertheile gut ſichtbar.
313. Auf 200 Schritte läßt ſich die Art der Kopfbedeckung
noch beurtheilen, die Abgrenzung vom Geſichte wird aber
77

ſchon unbeſtimmt, der Körper iſt in ſeinen Formen ſichtbar, die


Arme laſſen ſich noch wahrnehmen, auch kann noch das Ge
wehr, wenn es auf der Schulter getragen wird, erkannt werden.
Von einem aufgeſtellten Gliede iſt auf dieſe Entfernung
die Linie der Kopfbedeckungen, die Geſichts-, Schulter- und
Hüftenlinie zu unterſcheiden.
Auf 300 Schritte erſcheint die Kopfbedeckung als ein 314.
ſchwebender dunkler Punkt und das Geſicht als ein kleiner
lichter Fleck. Der Körper iſt nur mehr als Maſſe zu erkennen,
doch können die Farbenunterſchiede der Kleidungsſtücke noch
geſehen werden.
Von einem Gliede ſtellt ſich die Kopflinie als dunkler
Streifen dar, unter welchem noch die Bruſtlinie, die Elbogen
linie und die Fußlinie ſichtbar ſind.
Auf 400 Schritte zeigt ſich die Kopfbedeckung mit 315.
dem Geſichte wie ein dunkler Fleck, der Körper von den
Schultern abwärts läßt die Formen nicht mehr erkennen, die
Bewegungen der Arme bleiben aber noch ſichtbar.
Bei einem Gliede erſcheint die Kopflinie als ein von
hellen Flecken unterbrochener dunkler Streifen, die Schulter
linie iſt noch zu unterſcheiden, die Männer ſcheinen gedrängt
zu ſtehen, können aber gezählt werden.
Auf 500 Schritte ſtellt ſich die Kopflinie eines Glie 31 6.
des nur bei hohen Kopfbedeckungen als ein ſchmaler grauer
Streifen dar, die Abgrenzung der einzelnen Männer ver
ſchwindet, ſo daß dieſe nur mit ſehr ſcharfen Augen nach den
Zwiſchenräumen der Füße gezählt werden können.
Auf 600 Schritte verſchwindet die Geſtalt der einzel 317.
nen Männer eines Gliedes beinahe vollſtändig, der Soldat
kann daher nur unter beſonders günſtigen Umſtänden als ſol
cher erkannt werden, die Zwiſchenräume der Füße ſind noch
ſichtbar, können aber nicht gezählt werden.
Auf 700 Schritte zeigt ſich von einem Gliede 318.
noch die Linie der Oberkörper, dann jene der Füße, und im
Sonnenſcheine macht ſich auch das Blinken der Waffen be
merkbar.
78

319. Auf 800 und 900 Schritte verſchwindet allmälig


die Linie der Füße, ſo daß jene der Oberkörper bei guter
Beleuchtung freiſchwebend erſcheint. Die Bewegungen nach
den verſchiedenen Richtungen können auf dieſe Entfernungen
bei aufmerkſamer Beobachtung noch verfolgt werden.
320. Um dieſe Uebungen im Beurtheilen der Entfernungen
für den Soldaten nutzbringender zu machen, iſt gleichzeitig
auch das Zielen auf die zu beobachtenden Gegenſtände in An
wendung zu bringen und das Auge des Soldaten dadurch an
das Erfaſſen der Treffpunkte über das Abſehen und Korn zu
gewöhnen.

§. 12.

Gebrauch des Gewehres als Stoßwaffe.

321. Der Soldat kommt bei ſeiner Verwendung ſehr oft in die
Lage ſein Gewehr ſowol zum Angriffe als auch zur Vertheidi
gung als Stoßwaffe zu gebrauchen und muß daher in der
Benützung desſelben zu dem erwähnten Zwecke unterrichtet,
oder im Bajonnetfechten geübt werden.
322. Die Anleitung zum geſchickten Gebrauche des Bajonnetes
iſt im Allgemeinen nach den für die anderen Uebungen aufge
ſtellten Grundſätzen zu regeln, muß aber durch die Gewandt
heit in der freien Bewegung der Gliedmaßen, im Laufen und
Springen, vorbereitet werden.
323. Da der Unterricht im Bajonnetfechten nur dann einen
Erfolg haben kann, wenn der Soldat den Zweck der ausge
führten Bewegungen begreift, ſo muß der Abrichter hierzu mit
einer Fechtſtange verſehen werden, um mit derſelben die ent
ſprechenden Gegenbewegungen andeuten zu können, und auf
dieſe Weiſe Urſache und Wirkung anſchaulich zu machen.
324. Die Fechtſtange muß die Länge eines Gewehres mit dem ge
pflanzten Bajonnete wenigſtens um einen Schuh überreichen,
in der obern Hälfte mit einem leichten Ueberzuge, und am
Ende mit einem weichen Stoßballen verſehen ſein.
79

Beim Beginne des Unterrichtes hat der Soldat nur mit 325.
dem Gewehre, in der Folge aber auch mit der Rüſtung und
mit dem Torniſter zur Fechtübung auszurücken.
Nachdem der Abrichter nöthigenfalls das Pflanzen des 326.
Bajonnetes veranlaßt hat, ertheilt er das Kommando:
„Zum Fechten – Stellung!“
worauf der Soldat die Spitze des linken Fußes einwärts Plan IV,
wendet, bis dieſer ſenkrecht auf die Front ſteht, gleichzeitig *g* * * *
unter mäßiger Rechtswendung des Oberkörpers den rechten
Fuß auf anderthalb Schuhlängen gerade zurückſetzt und das
Bajonnet fällt. – Die linke Fußſpitze muß in dieſer Stellung
mit den beiden Abſätzen eine gerade Linie bilden, der rechte
Fuß ſenkrecht auf letztere ſtehen, das linke Knie bis über die
Mitte des Vorfußes, das rechte bis in die Richtung über
der Fußſpitze vorgebogen und die Schwere des Körpers gleich
mäßig auf beide Füße vertheilt werden. – Der Oberleib
behält die gerade und freie Haltung, die rechte Schulter iſt in
Folge der Wendung verſagt, das Geſicht iſt gerade vorwärts
gerichtet, die Hände halten das Gewehr kräftig umfaßt,
und drücken die Bajonnetſpitze zur Deckung der Bruſt etwas
links, damit das rechte Auge auf den Gegner hervorſehen
könne.
Auf das Kommando: - 327.
„Schul – tert!“
wird mit der Halblinks-Wendung das Gewehr geſchultert und
die Stellung mit geſchloſſenen Füßen angenommen.
Um den Soldaten in der Fechtſtellung zum Vorrücken 328.
zu veranlaſſen, kommandirt der Abrichter:
„Vorwärts Marsch – Eins!“
worauf der Soldat den linken Fuß ungefähr um eine Schuh
länge gerade vorſetzt, und auf:
„Zwei!“
den rechten Fuß auf die frühere Entfernung nachrückt. Beide
Füße müſſen hierbei die vorgezeichnete Stellung, die Knie ihre
Biegung behalten und der Oberleib muß im Gleichgewichte
auf den Hüften ruhen.
80

329. Zum Zurückgehen in der Fechtſtellung erfolgt das Kom


mando:
„Rückwärts Marsch – Eins!“
Der Soldat zieht hierauf den linken Fuß bis in die Richtung
des rechten Abſatzes zurück, und gelangt auf:
„Zwei!“
durch das Zurückſetzen des rechten Fußes in die frühere Stellung.
330. In der Folge hat das Vorzählen zu unterbleiben und
der Soldat die Bewegung auf das Kommando:
„Vorwärts (Rückwärts) – Marsch!“
anzutreten, im Marſchtakte fortzuſetzen und auf das Kom
mando:
„Halt!“
welches immer beim Niederſetzen des linken Fußes erfolgen
muß, einzuſtellen. – Der Soldat bringt in dieſem Falle
den rechten Fuß ſogleich vor- oder rückwärts in die Fecht
ſtellung.
331. Um den Soldaten zum beſchleunigten Vorrücken zu ver
anlaſſen, kommandirt der Abrichter:
„Im Lauftritt vorwärts – Marsch!“
Die Bewegung wird hierauf im Lauftritte, der hier mit
dem rechten Fuße beginnt, angetreten und mit mäßiger
Geſchwindigkeit fortgeſetzt.
Auf das Kommando:
„Halt!“
iſt die frühere Stellung anzunehmen.
332. Auf das Kommando:
„Im Lauftritt rückwärts – Marsch!“
hat ſich der Soldat im Lauftritte rückwärts zu bewegen, wozu
mit dem linken Fuße der Anfang gemacht wird. – Auf:
„Halt!“
wird dieſe Bewegung eingeſtellt.
333. Die eben erklärten Bewegungen vor- und rückwärts wer
den angewendet, um ſich einem Gegner zu nähern oder um
einem Angriffe desſelben, in der Erwartung eines günſtigen
Umſtandes, für den Augenblick auszuweichen.
81

Auf das Kommando: 334.


„Zurücktreten – Eins!“
wird das rechte Knie geſtreckt, gleichzeitig der linke Fuß raſch
zurückgezogen und links ſeit- und rückwärts auf eine Schuhlänge
vom rechten Abſatze mit dem Ballen auf den Boden geſetzt.
Die Schwere des Körpers muß mehr auf den rechten Fuß
verlegt, und die gerade Haltung des Oberleibes beibehalten
werden. – Auf:
„Zwei!“
wird der linke Fuß wieder vorgebracht und die frühere Stellung
angenommen.
Dieſes Zurücktreten wird angewendet, um den linken 335.
Fuß aus dem Stoßbereiche zu bringen.
Auf das Kommando: 336.
„Sprung – rückwärts!“
erhebt der Soldat beide Ferſen und ſchnellt ſich mittelſt eines
kräftigen Abſtoßes der Ballen auf einen Schritt rückwärts in
die Fechtſtellung.
Dieſer Sprung wird angewendet, um ſich einem unmit-337.
telbaren Stoße des Gegners durch eine raſche Bewegung zu
entziehen.
Um den Soldaten zu einer kurzen Angriffsbewegung zu 338.
veranlaſſen, kommandirt der Abrichter: Plan IW,
„Gerader Stoss – Eins!“ Fig-3
worauf das rechte Knie angezogen, das linke bis in die verti
kale Richtung über die Fußſpitze vorgebogen, der Oberkörper
ein wenig vorgeneigt, dadurch die Schwere mehr auf den linken
Fuß verlegt, gleichzeitig die rechte Hand bis in die Höhe der
Hüfte, jedoch rückwärts derſelben erhoben und die Spitze des
Bajonnetes gerade auf die Bruſt des Gegners gerichtet wird.
– Auf das raſch folgende:
„Zwei!“
wird das Gewehr mit beiden Händen kräftig ſo weit vor
geſtoßen, daß der linke Arm geſtreckt iſt, dann ſogleich
wieder zurückgezogen und die Fechtſtellung angenommen.
Der rechte Vorarm hat während des Stoßes leicht auf dem
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. . 6
82

Kolben zu liegen und der Oberarm an den Leib geſchloſſen


zu ſein.
339. Auf das Kommando:
„Ausfall – Eins!“
wird die für den geraden Stoß erforderliche Vorbereitung aus
geführt, dann auf:
„Zwei!“ -

der linke Fuß auf die Länge eines halben Schrittes gerade
vorgeſetzt, das Gewehr gleichzeitig mit der rechten Hand kräf
Plan IW,
tig vorgeſtoßen, aber hierbei von der linken Hand nicht feſt
Fig- 4•
gehalten, ſondern nur unterſtützt. – Letztere gleitet zu
dieſem Zwecke während des Stoßes mit den Fingern am
Schafte bis an das Schloß, wobei jedoch der linke Arm
geſtreckt zu ſein hat. Nach der Ausführung des Stoßes
wird der linke Fuß eben ſo wie das Gewehr raſch wieder
zurückgezogen und die Fechtſtellung angenommen.
340. Auf das Kommando:
„Doppelter Ausfall – Eins!“
Plan IW, ſetzt der Soldat den rechten Fuß mit auswärts gewendeter
Fig- 5.« Spitze bis an jene des linken Fußes vor und vollführt die
zum Ausfalle erforderliche Vorbereitung. – Auf:
„Zwei !“
wird dieſer durch das Vorſetzen des linken Fußes und das
kräftige Vorſtoßen des Gewehres ausgeführt, dann ſogleich
wieder die Fechtſtellung angenommen.
341. Um den Soldaten im Abwehren feindlicher Stöße
zu unterrichten, ſtellt ſich der Abrichter in angemeſſener Ent
fernung vor demſelben auf, deutet mit der Fechtſtange einen
Stoß gegen die rechte Seite der Bruſt an und kommandirt
gleichzeitig:
PIan HW, „Rechts parirt – Eins!“
Fig- G worauf der Soldat den linken Arm raſch ausſtreckt, und da
durch das Gewehr vor- und etwas ſeitwärts ſchiebt. Die Spitze
des Bajonnetes muß beiläufig in die Höhe des Kinnes, die
// -

Kolbenſpitze vor die rechte Hüfte gelangen, der rechte Vorarm


83

nahe über dem Kolben liegen, der Oberarm aber leicht an den
Leib geſchloſſen ſein. – Auf:
„Zwei !“
iſt wieder in die Fechtſtellung zurückzukehren.
Der Abrichter deutet nun einen Stoß gegen die linke 342.
Seite des Oberleibes an und kommandirt:
PIan IV,
„Links parirt – Eins!“ -
Fig- Je
worauf der Soldat das Gewehr mit erhobener Bajonnetſpitze
durch das Links-, Seit- und Vorwärtsſtrecken beider Arme
gegen die linke Seite ſchiebt. – Auf:
„Zwei!“
iſt in die Fechtſtellung überzugehen.
Mit der Andeutung eines Stoßes gegen die rechte Seite 343.
des Unterleibeskommandirt der Abrichter:
„Rechts tief parirt – Eins!“
Der Soldat erhebt hierauf mittelſt einer raſchen Bewegung PIan IV,
nach aufwärts die rechte Hand bis in die Höhe der Stirne, von Fig-S
welcher das Handgelenk ungefähr eine Spanne entfernt
bleiben muß, ſtreckt gleichzeitig den linken Arm vor- und
abwärts und ſchiebt dadurch das Gewehr vor- und ein wenig
rechts ſeitwärts; die Bajonnetſpitze wird nach dieſer Bewe
gung gegen den Boden gerichtet ſein. Der Oberleib bleibt
in der geraden Stellung, das Geſicht befindet ſich links vom
Gewehre. – Auf:
„Zwei!“
wird die Fechtſtellung wieder angenommen.
Mit einem Stoße gegen die linke Seite des Unterleibes 344.
wird kommandirt:
„Links tief parirt – Eins!“ PIan IV,
Der Soldat tritt hierauf mit dem linken Fuße zurück, Fig. 9.
erhebt die rechte Hand mit einer raſchen Bewegung bis in die
Höhe der Stirne und hält ſie vor- und ſeitwärts des linken Auges,
wobei die äußere Fläche gegen das Geſicht gewendet, ungefähr
eine Spanne von demſelben entfernt zu bleiben hat. Der linke
Arm wird gleichzeitig ausgeſtreckt und das Gewehr vor- und
links ſeitwärts gedrückt. – Die Bajonnetſpitze iſt gegen
6 z
84

den Boden gerichtet, der Soldat ſieht zwiſchen dem Gewehre


und dem rechten Arme auf den Gegner hervor, bis das Kom
mando:
„Zwei!“
erfolgt, worauf die Fechtſtellung wieder angenommen wird.
345. Der gegliederten Ausführung der Angriffs- und Ver
theidigungs- Bewegungen hat die zuſammenhängende
Darſtellung derſelben zu folgen, und zwar hat der Soldat
auf das Kommando:
„Gerader – Stoss!“ – „Aus – fal1!“ – „Doppelter
Aus – fall !“
den bezeichneten Stoß, auf das Kommando:
„Rechts (Links) – parirt!“ oder: „Rechts (Links)
tief – parirt!“
die genannte Parade auszuführen.
346. Der Abrichter ſtellt ſich zu dieſem Zwecke außerhalb des
unmittelbaren Stoßbereiches dem Soldaten gegenüber auf,
kreuzt die Fechtſtange nach Maßgabe der angeordneten Bewe
gung auf einer oder der andern Seite mit dem Bajonnete und
führt die entſprechende Gegenbewegung gleichfalls nach der
für den Soldaten ertheilten Belehrung aus, und zwar mit der
Beobachtung, daß er zur Schonung des Gewehres immer das
Bajonnet mit ſeiner Fechtſtange zu pariren hat. Der Soldat
hat nach jedem Stoße ſogleich, nach einer Parade aber
immer erſt dann wieder in die Fechtſtellung überzugehen,
wenn der Abrichter die Fechtſtange aus der Angriffsſtellung
zurückgezogen hat.
347. Mit dieſen Uebungen iſt der Unterricht im Bajonnet
fechten bei den Genietruppen und Pionnieren abzuſchlie
ßen, ſomit die weitere Anleitung nur bei der Infanterie
und den Jägern in Anwendung zu bringen.
348. Wenn alſo der Infanteriſt oder Jäger in der zuſammen
hängenden Darſtellung aller einzelnen Angriffs- und Vertheidi
gungs-Bewegungen die erforderliche Gewandtheit erlangt hat,
kann der Abrichter auf die Verbindung mehrerer dieſer Be
wegungen übergehen, ſelbe dem Soldaten in der beabſichtigten
85

Reihenfolge benennen, dann mit der Fechtſtange das Beneh


men des Gegners andeuten. – Der Soldat bringt hierauf
mit beſtändiger Beachtung der vom Abrichter gebotenen Blö
ßen, ausgeführten Paraden oder Gegenſtöße die genannten
Bewegungen im Zuſammenhange möglichſt raſch in Anwen
dung und nimmt dann wieder die Stellung zum Fechten an.
Für die Uebungen dieſer Art können die nachfolgenden 349.
Verbindungen als entſprechende Beiſpiele betrachtet wer
den, und zwar:
1. „Vorwärts Marsch – Ausfall!“
Der Soldat hat hierbei nur einen Schritt vorwärts,
und daher nach dem Vortreten des rechten Fußes ſogleich
den Ausfall zu machen.
„Ausfall – Rückwärts Marsch!“
Wird nach dem Ausfall ein Schritt rückwärts aus
geführt, wozu der Abrichter durch ſein Vorrücken dem
Soldaten die Veranlaſſung zu geben hat.
„Gerader Stoss – Sprung rückwärts – Ausfall!“
„Doppelter Ausfall – Sprung rückwärts – Ausfall!“

„Gerader Stoss – Rechts (Links) parirt!“


. „Rechts (Links) parirt! – Ausfall!“
. „Rechts (Links) parirt! – Doppelter Ausfall!“
. „Vorwärts Marsch –Ausfall – Rechts (Links)parirt!“
„Ausfall–Rückwärts Marsch–Rechts (Links)parirt!“

„Ausfall – Rechts (Links) tief parirt!“


11. „Rechts (Links) tief parirt! – Ausfall!“
12. „Doppelter Ausfall – Rechts (Links) tief parirt!“
13. „Doppelter Ausfall – Sprung rückwärts – Rechts
tief parirt!“
14. „Vorwärts Marsch – Rechts (Links) tief parirt! –
Ausfall – Sprung rückwärts!“
Wenn der Soldat bei einer Verbindung mehrerer 350.
Bewegungen nach einem Ausfalle eine Parade ausführen
ſoll, ſo hat der Abrichter dem Angriffe eine gleichnamige
86

Parade entgegenzuſtellen, wozu er nach Bedarf mit dem


Ende der Fechtſtange das Bajonnet von unten zu umge
hen und dadurch für den eigenen Angriff die andere Seite zu
gewinnen hat. – Um den Soldaten in das dem früheren ent
gegengeſetzte Verhältniß zu bringen, hat der Abrichter die
Anlehnung zu wechſeln.
351. Um den Soldaten zur ſelbſtſtändigen Beurtheilung der
beim Bajonnetfechten vorkommenden Verhältniſſe anzuleiten,
hat der Abrichter denſelben vor oder nach der Ausführung
einer angegebenen Verbindung über den Zuſammenhang der
bezeichneten Bewegungen zu befragen und ihn dadurch zu
gewöhnen, ſich bei jeder Gelegenheit Urſache und Wirkung
klar zu machen.
Der Augenblick für den Beginn der Ausführung iſt dem
Soldaten bei einer Annäherungs- oder Angriffs-Bewegung
durch das Kommando:
„Eins!“
zu bezeichnen.
352. Gegenſeitige Uebungen mit Fechtſtangen werden
endlich dem Soldaten die beſte Gelegenheit bieten, um die auf
dem angedeuteten Wege erlangte Gewandtheit zur vollen Ent
wicklung zu bringen; – ſie dürfen aber nur von der geſchickteren
Mannſchaft unter ſorgfältiger Aufſicht vorgenommen werden,
und ſind ſogleich einzuſtellen, wenn die Betheiligten ſich nicht
mit der nothwendigen Ruhe zu beherrſchen vermögen.
353. Zum Schutze der linken Hand iſt jeder der Fechtenden bei
ſolchen Uebungen mit einem gefütterten Fäuſtlinge zu verſehen.
354. Um das Gewehr gegen einen Reiter mit Erfolg als
Stoßwaffe zu gebrauchen, muß der Soldat immer die linke
Seite desſelben zu gewinnen trachten, um ſich dadurch der
Waffe des Reiters ſo viel als möglich zu entziehen und gleich
zeitig die Abwehr der eigenen Stöße zu erſchweren.
355. Die Stellung zum Fechten gegen einen Reiter iſt der
IPIan W., bereits angegebenen beinahe gleich, die Bajonnetſpitze muß
Fig- 1» jedoch ein wenig höher gerichtet und die Knie dürfen nur leicht
gebogen werden. – Der Abrichter kommandirt:
87

„Gegen Cavallerie zum Fechten – Stellung!“


worauf der Soldat mit den angedeuteten Beobachtungen
Stellung nimmt.
Auf das Kommando: 356.
„Schlag und Sprung rechts – Eins!“
ſchreitet der Soldat mit dem rechten Fuße raſch rechts ſeit- und
vorwärts aus, ſtößt ſich dann mit dem Ballen desſelben vom
Boden ab, zieht den linken Fuß nach, und wendet ſich während
dieſes rechts vor- und ſeitwärts ausgeführten Sprunges mit Plan W.,
dem Körper gegen die Stelle des Aufſprunges. Während des Fig. 2.
Seitentrittes hat der Soldat durch das raſche und kräftige Aus
ſtrecken beider Arme mit dem Gewehre einen Schlag gegen den
Kopf des Pferdes zu führen, nach dem Sprunge aber ſich zum
Ausfalle vorzubereiten.
Auf das raſch folgende:
Plan W.,
„Zwei!“ Fig- 3e
wird gegen den Oberleib des Reiters ein Stoß ausgeführt,
dann die Stellung zum Fechten wieder angenommen.
Der Abrichter hat den Soldaten zu belehren, daß die 357.
angedeuteten Bewegungen gegen einen mit dem Säbel be
waffneten Reiter, welcher gerade an zu reiten verſucht,
anzuwenden ſind, indem das Pferd durch den Schlag ſcheu
gemacht und dann die linke Seite oder der Rücken des Reiters
mit dem Bajonnete erreicht werden kann.
Sucht ſich der Reiter dagegen durch die Bewegung in 358.
kleiner werdenden Kreiſen mit der rechten Seite dem Soldaten
m W,
zu nähern, ſo muß dieſer im Lauftritte ſeit- und rückwärts Fig- 4•
ausweichen, den Angreifer dabei fortwährend im Auge behal
ten, und jeden günſtigen Augenblick zur Ausführung eines
Stoßes benützen. Gegen die Hiebe und Stöße des Reiters hat
er die bereits erlernten Paraden in Anwendung zu bringen oder
ſich der Wirkung derſelben durch einen Sprung zu entziehen.
Die Vertheidigung gegen einen mit der Lanze bewaff 359.

neten Reiter erfordert im Allgemeinen dieſelben Beobachtun


gen; der Soldat muß hierbei der linken Seite des Reiters ſo
nahe als möglich zu bleiben ſuchen, weil dieſer in dem ange
88

Plan W, deuteten Verhältniſſe von ſeiner langen Waffe nicht leicht mit
Fig-5, Vortheil Gebrauch zu machen vermag. – Gelingt es dem
* * * Soldaten, die Lanze bei einer Parade mit dem Gewehre zu
faſſen, ſo iſt dieſelbe mittelſt einer kräftigen Bewegung aus
der Richtung zu ſchleudern und die ſich dadurch ergebende
Blöße ſogleich zum Anſpringen und Stoßen zu benützen.
360. Der Abrichter hat ſich, abwechſelnd mit einem hölzernen
Säbel oder mit der Fechtſtange verſehen, auf einem etwas
erhöhten, von allen Seiten zugänglichen Punkte aufzuſtellen
und die mündlichen Belehrungen durch entſprechende Angriffs
und Vertheidigungsverſuche anſchaulich zu machen. Der Soldat
muß in dieſem Falle ſtatt des Gewehres mit einer Fecht
ſtange verſehen werden, und mit dieſer die Angriffs- und
Vertheidigungs-Bewegungen ausführen.

§. 13.
Ehrenbezeigungen.
361. Wenn der Soldat nicht mit dem Gewehre ausgerüſtet
iſt, ſo hat er, um einen vor ihm ſtehenden Vorgeſetzten zu
begrüßen, die rechte Hand auf ähnliche Weiſe, wie es bei der
Stellung zum Gebete für die linke vorgeſchrieben wurde, an
die Kopfbedeckung zu erheben, in dieſer Stellung ungefähr
während der Dauer von drei Marſchtakten zu verbleiben, und
ſich dann wieder zu herſtellen.
362. Geht ein Vorgeſetzter an dem Soldaten vorüber, ſo
wendet dieſer den Kopf gegen die Seite, von welcher der Höhere
kommt, vollbringt auf drei Schritte Entfernung die angedeutete
Salutirung mit der rechten Hand, begleitet den Vorgeſetzten
durch langſames Wenden des Kopfes mit dem Blicke und
herſtellt ſich, wenn jener ſich auf drei Schritte entfernt hat.
363. Wenn der Soldat ohne Gewehr an einem Vorgeſetzten
oder an einer Schildwache vorüberzugehen hat, vollbringt er
bei der Annäherung auf drei Schritte die Salutirung und
wendet gleichzeitig den Kopf gegen die entſprechende Seite.
Die Herſtellung iſt dann in einer Entfernung von drei
Schritten zu bewirken.
89

Bei der Begegnung der Allerhöchſten Herrſchaft hat der 364.


Soldat auf drei Schritte Entfernung Front zu machen, dann
die Kopfwendung und Salutirung auszuführen und ſich zu her
ſtellen, wenn die Allerhöchſte Herrſchaft auf drei Schritte
entfernt iſt.
Wenn der Soldat in einer Hand etwas zu tragen hat, 365.
ſo ſalutirt er der Allerhöchſten Herrſchaft, einem Vorgeſetzten
oder einer Schildwache im Vorübergehen mit der freien Hand.
Trägt er aber in beiden Händen etwas, ſo iſt die Wendung
des Kopfes als Ehrenbezeigung auszuführen.
Der Infanteriſt hat, wenn er mit dem Gewehre ausgerüſtet 366.
iſt, dasſelbe beim Vorübergehen an einem Vorgeſetzten oder
an einer Schildwache immer auf der linken Achſel zu ſchultern
und dann mittelſt der Wendung des Kopfes zu ſalutiren.
Vor der Allerhöchſten Herrſchaft hat der Infanteriſt mit 367.
dem geſchulterten Gewehre Front zu machen, den Kopf zu
wenden und zu präſentiren, dann zu ſchultern und ſeinen Weg
fortzuſetzen.
Der Jäger, hat bei der Begegnung eines Höheren gleich- 368.
zeitig mit der Wendung des Kopfes mit der rechten Hand den
Kolbenhals, der mit dem Korps-Gewehre ausgerüſtete Soldat
den Kolben zu umfaſſen, und mit der Herſtellung von der
Kopfwendung die rechte Hand wieder an den Riemen zu brin
gen. – Vor der Allerhöchſten Herrſchaft iſt vor der Ausfüh
rung der eben angedeuteten Ehrenbezeigung Front zu machen.
Bei der Begegnung des Hochwürdigen hat der Soldat 369.
mit und ohne Gewehr Front zu machen, dann zum Gebete
niederzuknien. – Trägt er aber etwas in der Hand, ſo hat
er nicht ſtehen zu bleiben, ſondern wie an einem Vorgeſetzten
vorüber zu gehen.
Trägt der Soldat das Gewehr verdeckt, ſo behält er 370.
ſolches bei jeder Gelegenheit in dieſer Lage, nur wenn er für
ſich allein auf der Straße geht, hat er vor dem Hochwürdigen
Front zu machen, und ſich zum Gebet zu ſtellen.
Als Schild wache trägt der Soldat das Gewehr ge-371.
ſchultert, oder auf die im § 9 angedeutete Art zum raſchen
90

Gebrauche bereit. Wenn der Soldat ruhig ſteht, kann er als


Schildwache auch „Beim Fuß“ oder bei naſſer Witterung
„Verdeckt“ nehmen. Der Infanteriſt hat in dieſem Verhältniſſe
bei Tag und Nacht, der Jäger und der mit dem Korps
Gewehre ausgerüſtete Soldat in der Nacht immer, bei Tag
aber nur auf beſondere Anordnung das Bajonnet zu pflanzen,
kann jedoch auch in dieſem Falle mittelſt des Riemens auf der
rechten Achſel ſchultern.
372. In jenen Fällen, in welchen der Infanteriſt als Schild
wache nach den Beſtimmungen des Dienſt-Reglements in Arm
nehmen muß, hat der Jäger mit der Kopfwendung die rechte
Hand an den Kolbenhals zu bringen, in den Fällen dagegen,
wo der Infanteriſt präſentirt, nimmt der Jäger das Gewehr
in eine ſchräge Lage vor dem Leibe. Das Gewehr wird zu
dieſem Zwecke wie bei den erſten zwei Griffen vom „In die
Balance“ von der rechten Schulter genommen, und mit der
rechten Hand bei natürlich geſtrecktem Arme am Kolbenhalſe
umfaßt. Der Hammer hat den Leib in der Nähe der rechten
Hüfte zu berühren, der Riemen vorwärts gewendet zu ſein
und die linke Hand in der Höhe der linken Schulter gehalten
zu werden. Nach der Entfernung des Vorgeſetzten hat der
Jäger ſich wieder zu herſtellen. Dieſelben Ehrenbezeigungen
hat auch der mit dem Korps-Gewehre ausgerüſtete Soldat
als Schildwache zu leiſten.
§. 14.
Stellung und Exerciren des Tambours.
373. Der Tambour hat die Trommel an dem Bandeliere zu
tragen, deſſen Haken in dem Ringe des oberen Trommelreifes
einzuhängen iſt. Der Schlagboden iſt hierbei gegen die rechte
Seite zu neigen und die Schlägel ſind zum Gebrauche bereit
über demſelben zu halten. Ruht die Truppe, ſo kann die
Trommel nach dem Verſorgen der Schlägel vor den Füßen
ſo auf den Boden gelegt werden, daß die Stimmſchraube
aufwärts, der Schlagboden vorwärts gewendet iſt. Auf Mär
ſchen dagegen, ſowie auch in allen anderen Gelegenheiten, in
91

welchen der Tambour während der Bewegung nicht zum


Einſchlagen bereit ſein muß, wird die Trommel mittelſt des
Tragriemens ſo über die linke Schulter geſchwenkt, daß der
Saitenboden auf den Rücken zu liegen kommt.
Wenn die Truppe ſich zum Gebete ſtellt, wird die linke 374.
Hand mit dem Schlägel zur Salutirung erhoben. Beim
Niederknien iſt die Trommel quer über den linken Schenkel zu
legen und mit der linken Hand zu halten, während die rechte
die Kopfbedeckung abzunehmen und an die Seite herabzubrin
gen hat. Die Schlägel müſſen zu dieſem Zwecke vorher ver
ſorgt werden, was auch vor dem Schwören zu geſchehen hat.
In dieſem Falle wird die Trommel mit der linken Hand am
Reife erfaßt und der Schlagboden in der wagrechten Lage
gehalten, damit die Kopfbedeckung nach dem Abnehmen auf
denſelben geſtellt werden kann.

§. 15.
Stellung und Exerciren des Horniſten und des Ban
diſten.

Der Horniſt trägt das Horn mittelſt der Schnur über 375.
die linke Achſel gehängt ſo an der rechten Seite, daß dasſelbe
an dem rechten Schenkel anliegt. Die rechte Hand hat das
Mundſtück bei natürlich geſtrecktem Arme ſo zu halten, daß
der Daumen auf dem obern Buge des dicken Rohres aufliegt,
die übrigen Finger aber die Bögen von außen umfaſſen.
Dieſe müſſen vorwärts, der Becher muß ein wenig abwärts
gerichtet ſein. Auf Märſchen, ſowie auch wenn die Truppe
ruht, kann das Horn unter den linken Arm genommen
werden. Das Mundſtück iſt an das Horn zu binden, bei ſehr
kalter Witterung aber in der Taſche zu verſorgen und nur vor
dem Ertheilen eines Signales aufzuſtecken.
In der Stellung zum Gebete hat der Horniſt mit der 376.
linken Hand zu ſalutiren, beim Niederknien mit dieſer die
Kopfbedeckung abzunehmen. Beim Schwören wird das Horn
mit aufwärts gerichtetem Mundſtücke vor der Mitte des Leibes
92

in der linken Hand gehalten, welche auch die Kopfbedeckung


nach dem Abziehen derſelben zu übernehmen hat.
377. Der Bandiſt trägt ſein Inſtrument in der rechten Hand,
und wenn es lang iſt, an der rechten Seite beim Fuß, ohne es
jedoch auf den Boden zu ſtellen. In Bezug auf die auszufüh
renden Griffe hat er ſich an die bereits feſtgeſetzten Beſtim
mungen zu halten.

§. 16.
Stellung und Exerciren der Zimmerleute und Schanz
zeugträger.
378. Bei der Infanterie und den Jägern hat der Zimmer
mann die Hacke, mittelſt des Riemens über die rechte Schul
ter gehängt, wie das Jäger-Gewehr zu tragen. In der Stellung
zum Gebete wird mit der linken Hand ſalutirt, vor dem
Niederknien die Hacke an der rechten Seite mit aufwärts ge
richtetem Stiele beim Fuß genommen, vor dem Schwören
aber in dieſer Weiſe vor der Mitte des Leibes auf den Boden
geſtellt.
379. Das Schanzzeug der Infanterie und der Jäger, die
tragbare Feldausrüſtung der Genietruppen und der mit Ge
wehren verſehenen Pionniermannſchaft iſt nach den in dieſer
Beziehung feſtgeſetzten Beſtimmungen ſo angebracht, daß für
die Stellung und das Exerciren nur in ſoferne eine beſondere
Erinnerung nothwendig erſcheint, als die Schanzzeugträger
der Infanterie die Gewehre immer am Riemen zu tragen
und in dieſer Stellung als Ehrenbezeigung das Gewehr mit
der rechten Hand bei natürlich geſtrecktem Arme ober dem
Schloſſe zu umfaſſen haben.
380. Der Zimmermann der Pionniere hat ſich gleichfalls nach
den bereits ertheilten Belehrungen zu benehmen und der Säge
träger ſein Werkzeug mittelſt des Riemensſo über die rechte Ach
ſel zu hängen, daß die Handſäge nach auswärts und der obere
Stiel der Zugſäge an die rechte Schulter zu liegen kommt.
Die rechte Hand hat bei natürlich geſtrecktem Arme den Riemen
zu umfaſſen. In der Stellung zum Gebete ſalutirt der Säge
93

träger mit der linken Hand, beim Niederknien bringt er die


Säge mit der rechten Hand in eine wagrechte und beim Auf
ſtehen wieder in die frühere Lage. Zum Schwören wird die
Säge vor der Mitte des Leibes auf den Boden geſtellt, und
an der links gewendeten Handhabe mit der linken Hand ge
halten, welche dann auch den Czako zu übernehmen hat.
Der mit dem doppelten Schanzzeug ausgerüſtete Pion-381.
nier hat die beiden Schaufeln in ſchräger Lage auf der rechten
Schulter zu tragen und die Stiele mit der rechten Hand in
der Höhe der Hüfte zu umfaſſen. In der Stellung beim Fuß
werden die Schaufeln mit Hilfe beider Hände von der Schul
ter genommen und mit dem Rücken vorwärts gewendet mit
den Spitzen vor dem rechten Fuße auf den Boden geſtellt,
dann mit der Hand an den Stielen gehalten.
Das Stellen und Niederknien zum Gebete erfolgt mit 382.
den bekannten Beobachtungen, ebenſo auch das Schwören,
wozu jedoch die Schaufeln vor der Mitte des Leibes auf dem
Boden zu ſtellen, und bei wagrecht gehaltenem Vorarme die
Stiele mit der linken Hand zu umfaſſen ſind, welche dann
auch den Czako zu übernehmen hat.
Die hier erwähnten Griffe haben die Zimmerleute und 383.
Schanzzeugträger mit der übrigen Mannſchaft auszuführen,
beim Vollzuge der andere Griffe betreffenden Anordnungen
haben dieſelben ihre Stellung nicht zu verändern.
94

Zweites Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten im Gliede.

§. 17.
Vorbereitung.
384. Die Ausbildung des Soldaten im Gliede bildet die
Grundlage ſeiner Verwendbarkeit in größeren Abtheilungen;
ſie erfordert daher ein umſichtiges Verfahren, durch welches die
nothwendige Uebereinſtimmung der Bewegungen zur Gewohn
heit gemacht werden muß, ohne die bei der einzelnen Abrich
tung erlangte freie ungezwungene Haltung oder den gewand
ten Gebrauch der Gliedmaßen zu beeinträchtigen.
385. Die Ausführung der vorkommenden Bewegungen und
Griffe iſt im Gliede von jedem einzelnen Manne nach den im
erſten Hauptſtücke feſtgeſetzten Beſtimmungen, von allen Män
nern aber gleichzeitig zu bewirken.
386. Der Kommandant oder Abrichter eines Gliedes hat die
Aufgabe, der ihm zugewieſenen Mannſchaft die verſchiedenen
Bewegungen zu lehren, hierbei die Haltung und das Beneh
men jedes einzelnen Mannes zu überwachen, ſo weit dieß,
ohne den Hauptzweck aus dem Auge zu verlieren, geſchehen
kann, und ſeine Anforderungen auch in Bezug auf die Aus
dauer nach den bereits bekannten Grundſätzen zu regeln, ſomit
jede übermäßige Anſtrengung zu vermeiden.
387. Die Bewegungen ſind im Allgemeinen im vorgeſchriebe
nen Marſchtakte auszuführen, es ſoll jedoch bei jeder Uebung
auch der Lauftritt in angemeſſenen Pauſen angewendet werden.
388. Der Kommandant des Gliedes hat ſich beim Ertheilen der
Kommando immer gegen die Mannſchaft zu wenden und die
d
95

Erhebung der Stimme nach der Anzahl der ihm zugewieſenen


Soldaten zu bemeſſen, welche nie mehr als 12 betragen ſoll.
Wenn es ſich nicht um die Uebung der Griffe, des Ladens 389.
oder Feuerns handelt, kann die Ausbildung im Gliede auch
ohne Gewehre vorgenommen werden.

§. 18.
Aufſtellung des Gliedes.
390.
ZurFormirung eines Gliedes werden die hierzu beſtimm
ten Soldaten, nach ihrer Größe von der rechten gegen die
linke Seite in einer Linie ſo nahe aneinander geſtellt, daß jeder
Einzelne ſich vollkommen frei und ſelbſtſtändig bewegen, ſeine
Arme und Hände, mit dieſen aber das Gewehr gebrauchen
kann, ohne den Nebenmann zu beirren oder ſelbſt von dieſem
beläſtigt zu werden.
Die zwei nebeneinander ſtehenden Männer dürfen daher
nicht bis zur Berührung der Elbogen, ſondern nur ſo weit
anſchließen, daß der bleibende Zwiſchenraum beinahe eine halbe
Handbreite beträgt.
Die Schultern ſo wie die Abſätze aller Männer müſſen 391.
eine gerade Linie bilden, welche Frontlinie genannt wird.
Der Kommandant des Gliedes hat die Stellung jedes 392.
Mannes zu prüfen, und nach Bedarf zu berichtigen, wobei
er beſonders das enge Anſchließen zu verhindern hat, zu wel
chem Anfänger ſich durch den Mangel der nothwendigen
Selbſtſtändigkeit leicht verleiten laſſen.
Wenn die Mannſchaft in der angedeuteten Weiſe geſtellt, 393.
d. h. rangirt iſt, ſo wird an jedem Flügel des Gliedes ein
Unter-Offizier, ein Gefreiter oder Patrullführer oder auch
als Stellvertreter ein ſchon ausgebildeter Soldat eingetheilt,
dann wird die Mitte bezeichnet und hierzu der in der Mitte
oder von derſelben rechtsſtehende Mann beſtimmt, endlich die
Mannſchaft vom rechten gegen den linken Flügel in Paare
abgetheilt, wobei die Chargen nicht einzurechnen ſind.
Der Abrichter benennt hierzu den erſten Mann des rechten 394.
Flügels mit Eins, den folgenden mit Zwei, den nächſten wie
96

der mit Eins und ſo weiter bis an den linken Flügel, wo ſich
auch eine Abtheilung von einem Manne ergeben kann. Um
ſich der Aufmerkſamkeit der Mannſchaft zu verſichern, iſt das
Abtheilen in der Folge durch lautes Selbſtzählen zu veran
laſſen.
§. 19.
Richtung.
395. Um die Mannſchaft des Gliedes im Aufſuchen und Ver
beſſern der Frontlinie zu unterweiſen, läßt der Abrichter als
Vorbereitung auf das Kommando:
„Zur Richtung, Chargen – Marsch!“
die beiden Flügel-Chargen gerade vorrücken, kommandirt beim
Eintreffen derſelben in der beliebig zu wählenden Linie, welche
beim Unterrichte nicht über ſechs Schritte von der früheren
Aufſtellung entfernt ſein ſoll:
„Halt!“
und verfügt ſich dann zur Feſtſtellung der beabſichtigten Front
linie an einen Flügel.
396. Die vorgerufenen Flügel-Chargen vollführen hierauf
ohne Kommando die ganze Wendung gegen die Seite, auf
welcher ſich der Abrichter befindet, berichtigen nur auf deſſen
Weiſung ihre Aufſtellung und herſtellen ſich, ſobald der Ab
richter den Flügel verläßt, ohne eine beſondere Anordnung zu
erwarten, mittelſt einer, der früheren entgegengeſetzten, ganzen
Wendung.
397. Beim erſten Unterrichte wird die Mannſchaft einzeln in die
durch die Flügel-Chargen bezeichnete Frontlinie vorgerufen,
indem ſich der Kommandant vor jenen Mann ſtellt, welcher
zunächſt vorrücken ſoll und denſelben belehrt, daß er auf das
Kommando:
„Rechts (Links) richt – euch!“
gerade vorrücken, den letzten Schritt in drei kleine, ſchnell auf
einander folgende Schritte eintheilen, den Kopf nach der Seite
der Richtung wenden, ſich in der vorgeſchriebenen Weiſe neben
ſeinen Nebenmann ſtellen und ſchnell nach demſelben richten müſſe.
97

Der Kommandant erinnert ſodann den vorgerufenen 398.


Mann, daß er, um gerichtet zu ſein, mit dem auf der Seite
der Richtung befindlichen Auge noch ſeinen zweiten Neben
mann erblicken, ſo wie von der weiteren Front einen Schein ent
decken müſſe und daher in einem entſprechenden Maße vor
oder zurückzutreten habe, wenn er nach dem Einrücken wahr
nimmt, daß er nicht ſo viel oder mehr von der Front zu ſehen
vermag.
Zur Beurtheilung der Richtung ſtellt ſich der Komman-399.
dant des Gliedes einige Schritte ſeitwärts des Flügels auf,
von welchem die Richtung ausgeht und wenn eine Ver
beſſerung nothwendig iſt, begibt er ſich vor den eben vorgeru
fenen Mann, prüft und berichtigt deſſen Stellung, belehrt ihn
über die Art des begangenen Fehlers und läßt ihn nach Um
ſtänden in die frühere Aufſtellung zurückgehen, um das Ein
rücken zu wiederholen.
In dieſer Weiſe iſt ein Mann nach dem andern zum 400.
Vortreten in die bezeichnete Frontlinie zu veranlaſſen und
nach dem Einrücken des letzten hat der Abrichter das Kom
mando:
„Habt – Acht!“
zu ertheilen, worauf die Köpfe gerade zu wenden ſind.
Wenn die Mannſchaft einige Zuverſicht im Erfaſſen der 401.
Frontlinie erlangt hat, ſo iſt das Einrücken in die von den
Flügel-Chargen bezeichnete Richtung nicht mehr einzeln, ſon
dern ſtaffelförmig zu bewir
ken. Der Kommandantſtellt SD-D

ſich hierzu nach dem Vor- -


rücken der Flügel-Chargen Ds.
vor der Mitte des Gliedes
auf und ertheilt das Kom- Ds

mando zum Einrücken in ===-STFT


die neue Frontlinie.
Der am Richtungsflügel befindliche Mann rückt hierauf 402.
in der bekannten Weiſe ſogleich, jeder folgende aber erſt dann
vor, wenn ſein an der Richtungsſeite ſtehender Nebenmann
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. - - -- -

2.Bayeriſe
StäÄiete
li
98

um einen Schritt vorgetreten iſt. Nach dem Einrücken des


ganzen Gliedes verfügt der Kommandant ſich ſeitwärts des
Richtungsflügels, um ſich von der Richtung der Mannſchaft
zu überzeugen und die nothwendigen Verbeſſerungen zu ver
anlaſſen.
403. Um die Richtung des Gliedes ohne Vorrückung der Flügel
Chargen ſomit in der innehabenden Aufſtellung zu verbeſſern,
ertheilt der Abrichter als Vorbereitung das Kommando:
„Zur Richtung, rückwärts – Marsch!“
worauf die Flügel-Chargen zur Bezeichnung der Frontlinie
ſtehen bleiben, die Mannſchaft aber ſo lange zurücktritt, bis
das Kommando:
„Halt!“
erfolgt. Der Kommandant des Gliedes berichtigt ſodann die
Aufſtellung der Flügel-Chargen und veranlaßt die Richtung
der Mannſchaft in der bekannten Weiſe.
§. 20.
Wendungen.
404. Die Wendung des Soldaten iſt auch im Gliede entweder
eine halbe, eine ganze oder eine doppelte, jedoch können in
dieſem Verhältniſſe die ganzen und doppelten Wendungen nicht
nur einzeln, ſondern auch mit Paaren ausgeführt werden.
405. Die halbe Wendung wird mittelſt des Kommando's:
„Halb – rechts! Clinks!)“
angeordnet und von jedem Manne des Gliedes für ſich voll
zogen. Die Herſtellung in das frühere Verhältniß erfolgt auf
das Kommando:
„Front!“
mittelſt einer halben Wendung nach der der erſten entgegenge
ſetzten Seite.
Um die Ausführung einer ganzen Wendung einzeln zu
veranlaſſen, kommandirt der Abrichter:
„Rechts (Links) – um !“
worauf jeder Mann ſich nach der bezeichneten Seite wendet
und dadurch hinter ſeinen Nebenmann zu ſtehen kommt.
99

Zur Herſtellung der Front nach einer ganzen Wendung 407.


kommandirt der Abrichter ohne Rückſicht auf das frühere
Aufſtellungs-Verhältniß:
„Links (Rechts) – Front!“
oder:
„Rechts (Links) – Front!“
und jeder Mann vollführt eine ganze Wendung nach der im
Kommando bezeichneten Seite, wodurch die Front auch dahin
gelangen kann, wo ſich vor der erſten Wendung der Rücken
des Gliedes befunden hat.
Die ganze Wendung mit Paaren erfolgt auf das Kom 408.
mando:

„Mit Zweien rechts (links) – um !“


indem die auf der Seite der Wendung befindlichen Männer
aller Paare nach derſelben ſtehen bleiben, die anderen
aber nach der Wendung auf die derſelben entgegengeſetzte
Seite vor- und ſeitwärts neben ihre Vormänner treten.
Die nach der Wendung vorne befindliche Flügel - Charge
hat. einen Schritt vor

ÄÄ + - - - - - -”
hende dagegen nur um
ÄÄ D
rücken.
Wenn das Glied aus einer ungeraden Anzahl von 409.
Männern beſteht, ſomit bei der Abtheilung in Paare der
Soldat am linken Flügel allein bleibt, ſo hat derſelbe
nach der Wendung rechts
h bleib ch
º Ä # ------ []
Schritt vor- und ſo weit
#Ä # D n F
Charge zu ſtehen kommt.
7 Pk
100

410. Die Herſtellung der Front nach einer ganzen Wendung


mit Paaren wird gleichfalls ohne Rückſicht auf das frühere
Aufſtellungs-Verhältniß durch das Kommando:
„Links (Rechts) – Front!“
oder
„Rechts (Links) – Front!“
veranlaßt. Die an der Seite der Wendung befindlichen Männer
aller Paare vollführen dieſelbe in der bezeichneten Weiſe, die
anderen ſchwenken gleichzeitig in die Front ein, welche nach
dieſer Herſtellung auch dahin gewendet ſein kann, wo vor der
erſten Wendung der Rücken des Gliedes war. Die Männer
eines jeden Rottenpaares bleiben bei einer Herſtellung nach
der dem früheren Verhältniſſe entgegengeſetzten Seite zwar
vereinigt, gelangen aber in eine andere Reihenfolge, weshalb
der Abrichter die Mannſchaft belehren muß, daß ſie ſich durch
die erwähnte Aenderung in keiner Weiſe beirren laſſen darf.
411. Wenn nach der Ausführung einer ganzen Wendung
einzeln oder mit Paaren das Kommando für eine halbe Wen
dung erfolgt, ſo iſt dieſe von jedem Manne des Gliedes für
ſich zu vollziehen und ebenſo auch die Herſtellung in das vor
der halben Wendung innegehabte Verhältniß auf das hierzu
feſtgeſetzte Kommando zu bewirken.
4 12. Zur Ausführung der doppelten Wendung ertheilt der
Abrichter zuerſt das Aviſo:
„Glied verkehren!“
und kommandirt dann, wenn die Ausführung von jedem
Manne für ſich bewirkt werden ſoll:
„Rückwärts – Front!“
wenn ſie mit Paaren zu vollziehen iſt:
„Mit Zweien rückwärts – Front!“
In dieſem Falle verkehrt jedes Paar mit vier kurzen,
raſch auf einander folgenden Schritten um den Drehpunkt der
eigenen Mitte die Front. Der linksſtehende Mann jedes
Paares hat ſich zu dieſem Zwecke links rückwärts, der rechts
ſtehende links vorwärts zu bewegen. Ein am linken Flügel
befindlicher einzelner Mann hat, ebenſo wie jede der beiden
101

Flügel - Chargen, die doppelte Wendung für ſich zu


vollführen.
Zum Herſtellen der Front nach einer doppelten Wendung 413.
wird:

„Glied herstellen!“
aviſirt, dann:
„Vorwärts – Front!“
oder:

„Mit Zweien vorwärts – Front!“


kommandirt und die Ausführung ebenſo wie beim Verkehren
der Front bewirkt.
Wenn die doppelte Wendung nach einer ganzen vollzogen 414.
werden ſoll, ſo hat der Abrichter die Anordnung hierzu gleich
falls in der bereits angegebenen Weiſe zu ertheilen und jeder
Mann oder jedes Paar die Ausführung in dem innehabenden
Verhältniſſe zu bewirken.
Der Abrichter hat ſich beſonders anfänglich nach jeder 415.
Wendung zu überzeugen, ob jeder Mann die Ausführung
vollſtändig bewirkt und das entſprechende Verhältniß erlangt
hat. Bei dieſer Gelegenheit iſt die Mannſchaft zu be
lehren, daß die Wendungen auch in der Folge unter allen
Umſtänden mit den gleichen Beobachtungen vollzogen werden
müſſen.

§. 21.
Marſch vor-, ſeit- und rückwärts.

Wenn das Glied ſo vorrücken ſoll, daß die Frontlinie 416.


mit der Richtung des Marſches einen rechten Winkel bildet,
ſo muß der Kommandant vor dem Antritte der Bewegung
in ſenkrechter Linie auf die Front des Gliedes einen möglichſt
entfernten aber gut wahrnehmbaren Gegenſtand als Direk
tions-Objekt ermitteln. Dieſes Direktions-Objekt iſt der
am rechten Flügel befindlichen Charge zu bezeichnen, welche
den Marſch des Gliedes zu leiten nnd ſich zur genauen Feſt
102

ſtellung der einzuhaltenden Richtung einige Zwiſchenpunkte zu


wählen hat.
417. Um die Mannſchaft über den beabſichtigten Vormarſch
vorläufig zu verſtändigen, hat der Abrichter das Aviſo:
„Marschiren!“
zu ertheilen, dieſes aber beim Wiederantritte der Bewegung
nach einer kurzen Unterbrechung des Marſches nicht mehr zu
wiederholen.
418. Der Beginn des Marſches erfolgt auf das Kom
mando:
„Glied – Marsch!“
auf deſſen erſten Theil die Schwere des Körpers auf den
rechten Fuß übertragen wird, um dann mit dem linken Fuße
im vollen Schritte raſch austreten zu können.
419. Der Marſch muß frei und ungezwungen ausgeführt, die
Richtung durch ein gleichmäßiges Ausſchreiten ohne Aengſt
lichkeit erhalten und hiebei der Blick gerade vorwärts gerichtet
werden. Um ſich von der Einhaltung der Frontlinie zu über
zeugen, kann der Soldat zwar zeitweiſe gegen die führende
Flügel-Charge ſehen, darf aber zu dieſem Zwecke den Kopf
nur nach Bedarf wenden und in keinem Falle die Schultern
aus der geraden Richtung bringen.
420. Wenn ein Soldat bemerkt, daß er über die Frontlinie
hinausgerückt oder hinter derſelben zurückgeblieben iſt, ſo muß
er die Richtung durch das Verkürzen oder Verlängern der
Schritte, ohne Veränderung des Taktes wieder zu gewinnen
ſuchen. Den auf der Seite der Marſch-Direktion befindlichen
Nebenmann darf er nicht verlaſſen, ſondern er ſoll, wenn
der Zwiſchenraum ſich erweitert, das richtige Verhältniß durch
eine vor- und gleichzeitig ein wenig ſeitwärts gerichtete
Bewegung wieder herſtellen. Dem Drucke von dieſer Seite
muß er nachgeben, jenem von der entgegengeſetzten Seite aber
widerſtehen, damit die führende Flügel-Charge nicht aus der
ihr angewieſenen Marſchrichtung gedrängt werde.
421. Der Kommandant hat den Marſch des Gliedes von
vorne oder von einem der beiden Flügel, und zwar am beſten
103

von dem der führenden Charge entgegengeſetzten Flügel zu


überwachen, hierbei aber weniger auf das ängſtliche Einhalten
der ſcharfen Richtung, als auf das entſchloſſene freie Aus
ſchreiten zu ſehen. Den Takt des Marſches hat er durch das
Vorzählen nach Bedarf zu regeln, und ebenſo auch auf die
Beachtung der gewählten Marſchrichtung Einfluß zu nehmen,
wenn ſich die Unſicherheit der führenden Charge durch wieder
holte Trennungen oder Drückungen bemerkbar macht.
Um die Bewegung einzuſtellen, kommandirt der Ab- 422.
richter:
„Glied – Halt!“
worauf die Mannſchaft ſtehen bleibt.
Wenn ſich die Nothwendigkeit ergibt, während des Vor-423.
marſches eine geringe Abweichung von der ſenkrechten Marſch
richtung zu veranlaſſen, ſo erfolgt das Kommando:
„Haltung – rechts (links)!“
worauf die führende Charge, und mit dieſer das ganze Glied,
nach der bezeichneten Seite mäßig ſeitwärts ſchreiten, ohne
zu dieſem Zwecke die Schultern aus der Richtung zu bringen.
Auf das Kommando:
„Grad – aus!“
iſt die ſenkrechte Marſchrichtung wieder anzunehmen, und
hierzu vom Abrichter ein entſprechendes Direktions-Objekt
zu beſtimmen.
Um die Vorrückung des Gliedes gleichmäßig vor- und 424.
ſeitwärts zu veranlaſſen, kommandirt der Abrichter:
„Ziehung! – Halb – rechts (links)!“
worauf jeder Mann die halbe Wendung ausführt und in dem
dadurch erlangten Verhältniſſe auch während der Bewegung
verbleibt, welche entweder fortgeſetzt oder auf das weitere
Kommando:
„Glied – Marsch!“
erſt angetreten wird. Der führenden Charge muß in ſenkrechter
Richtung auf die Linie ihrer Schultern ein Direktions-Objekt
bezeichnet und aufgetragen werden, mit Benützung geeigneter
Zwiſchenpunkte die angegebene Marſchrichtung genau einzu
1 ()4

halten. Bei der Ziehung links hat dieſe Obliegenheit auf die
Charge am linken Flügel überzugehen.

>>>>>>>

425. Um aus der Ziehung ohne Unterbrechung der Bewegung


in die ſenkrechte Marſchrichtung zu gelangen, wird auf das
Kommando:
„Grad – aus!“
während des Marſches die halbe Wendung in die Front aus
geführt. Der Abrichter hat hierbei ſogleich für die Beſtim
mung eines neuen Direktions-Objektes Sorge zu tragen und
dasſelbe der Charge am rechten Flügel zu bezeichnen.
426. Wenn die Bewegung des Gliedes einen gleichmäßigen
Charakter angenommen hat, iſt zuweilen das Verkürzen des
Schrittes und das neuerliche Ausſchreiten im vollen Schritte
zu üben, dann ſind die Kopfwendungen ausführen, die
Gewehre in die Balance nehmen und ſchultern, die Bajon
nete pflanzen und verſorgen, ebenſo aus der Balance die
Bajonnete fällen, dann die Gewehre ſchultern zu laſſen.
Der Marſch darf durch die Ausführung dieſer Gewehrgriffe
die ſichere Haltung nicht verlieren, die Mannſchaft iſt daher
anfänglich durch das Vorzählen der Schritte im Einhalten des
Taktes zu unterſtützen.
427. In der Folge muß auch die Bewegung im Lauftritte
geübt und zum Beginne derſelben das Kommando:
„Im Lauftritt – Marsch!“
ertheilt werden. Die Ausführung iſt mit den für die Ausbildung
des einzelnen Soldaten feſtgeſetzten Beſtimmungen zu bewirken.
1 ()5

Auf das Kommando: 428.


„Im – Schritt!“
werden mit der Annahme des Marſchtrittes, auf das Kommando:
„Glied – Halt!“
mit dem Einſtellen der Bewegung die Gewehre geſchultert.
Wenn die Mannſchaft ſich auch im Lauftritte an eine 429.
gleichmäßige Bewegung gewöhnt hat, iſt dieſelbe anzuweiſen
auf das Kommando:
„Fällt das – Bajonnet!“
die Ausführung dieſes Gewehrgriffes nach der bei der einzel
nen Ausbildung erhaltenen Belehrung während der Bewe
gung im Lauftritte zu bewirken. 1.

Der Abrichter hat die Mannſchaft bei dieſer Gelegenhei


zu erinnern, daß das übereilte Vorbrechen Einzelner, denen
nicht Alle mit gleicher Schnelligkeit zu folgen vermögen, die
Zerſplitterung der Kräfte herbeiführen, ſomit den Bajonnet
angriff des erforderlichen Nachdruckes berauben und daher auch
den Erfolg desſelben gefährden würde.
Da der brave Soldat bei ſeiner Verwendung immer das 430.
Streben haben wird, dem Feinde mit dem Bajonnete an den
Leib zu gehen, ſo muß derſelbe ſchon bei der Ausbildung im
Gliede für die Ausführung des Bajonnetangriffes vorbereitet
und zu dieſem Zwecke bei jeder Uebung im Freien wenigſtens ein
kräftiger Anlauf mit dem gefällten Bajonneteangeordnet werden.
Kann bei dieſer Gelegenheit der Mannſchaft ein Graben,
ein Erdaufwurf, eine niedere Mauer oder ein ähnlicher Gegen
ſtand als Angriffspunkt bezeichnet werden, ſo hat der Abrich
ter dieß nie zu verſäumen, und wenn die Umſtände es erlau
ben, auch die Ueberſetzung oder Erſteigung des Hinderniſſes
zu fordern.
Um das Glied in der Verlängerung der Frontlinie ſeitwärts 431.
zu bewegen, läßt der Abrichter die ganze Wendung mit Paaren
ausführen und dann die Bewegung antreten. Die nach der
Wendung vorne befindliche Flügel-Charge hat in dieſem Falle
den Marſch zu leiten, die herausgetretenen Männer müſſen
auf dieſelbe gedeckt und die einzelnen Paare geſchloſſen bleiben.
06

Wenn das Kommando zur Wendung mit Paaren oder


zur Herſtellung der Front nach einer ſolchen während des
Marſches erfolgt, ſo darf dieſer bei der Ausführung der
Wendung keine Unterbrechung erleiden.
433. Die Ziehung iſt, wenn ſich
die Nothwendigkeit hierzu während
,- des Marſches mit Paaren ergibt,
ºin der bereits angedeuteten Weiſe
V d. anzuordnen. Jeder Mann vollführt
-- »' hierauf in ſeinem Verhältniſſe die
Ä DI erforderliche halbe Wendung und
ſchreitet in der dadurch erlangten
F- DM Richtung gerade fort, wobei die
------- D d Paare fortwährend auf einander
–- DI) gedeckt bleiben müſſen.
S Die Wiederannahme der gera
den Marſchrichtung wird nach den
bekannten Beſtimmungen veranlaßt
und in jedem Paare ausgeführt.
Während der Fortſetzung des Mar
ſches muß dann die vorgeſchriebene
Deckung auf die führende Charge nach Bedarf ſogleich
berichtiget werden. -

435. Wenn das Glied verkehrt iſt, ſind alle Bewegungen mit
denſelben Beobachtungen auszuführen. Die Leitung des Mar
ſches hat jene Charge zu behalten, welche vor dem Verkehren
mit dieſer Obliegenheit beauftragt war, und es hat in dieſer
Hinſicht nur während einer Ziehung oder während der Bewe
gung mit Paaren die bereits angedeutete Aenderung einzutreten.
436. Um das Glied zum Zurücktreten zu veranlaſſen, kom
mandirt der Abrichter:
„Rückwärts – Marsch!“
worauf die entſprechende Bewegung angetreten und auf das
Kommando:
„Glied – Halt!“
eingeſtellt wird.
107

§. 22.
Schwenkung.
Wenn die Front des Gliedes durch das Vornehmen eines 437.
Flügels in der Weiſe verändert wird, daß die Frontlinie mit
der verlaſſenen Aufſtellung einen Winkel bildet, ſo heißt die
zu dieſem Zwecke ausgeführte Bewegung, welche bis zur Er
langung eines rechten Winkels ausgedehnt werden kann,
Schwenkung.
Bei der Ausführung einer Schwenkung mit der Front 438.
des Gliedes iſt der ſchwenkende Flügel, die Mitte und der
Pivotflügel zu unterſcheiden, welche fortwährend in einer
geraden Linie verbleiben und ihre Bewegung dieſem Verhält
niſſe entſprechend regeln müſſen.
Um den Antritt einer Schwenkung von der Stelle anzu-439.
ordnen, ertheilt der Abrichter das Kommando:
„Rechts (Links) schwenken – Marsch!“
worauf die Bewegung vom ganzen Gliede angetreten wird.
Die Charge am 440.
ſchwenkenden Flü- ...--------“

gelbewegt ſich anfäng- ...


lich gerade vorwärts
und geht erſt nach eini
gen Schritten in die
ſchwenkende Bewe
gung über, wobei ſie
den Nebenmann nicht
verlaſſen darf und '" --- -

zeitweiſe einen Blick - -


gegen den Pivot wer- “
fen muß, um die FIFA FÄ
nächſten Männer auf
denſelben gerichtet zu erhalten.
Die Charge am Pivot hat ſich auf einem Kreis-441.
bogen zu bewegen, deſſen Halbmeſſer zwei Schritte beträgt.
Auf dieſem Bogen hat dieſelbe eben ſo viele kleine Schritte
1 08

zu machen, als der ſchwenkende Flügel zur Zurücklegung des


gleichlaufenden weiten Kreiſes volle Schritte benöthigt. Wäh
rend dieſer Bewegung wendet dieſe Charge ſich nur in dem
Maße, in welchem der ſchwenkende Flügel und die Mitte
vorwärts ſchreiten und ſorgt hierbei durch die entſprechende
Führung der Nebenmänner für die Behauptung ihres Platzes,
von dem ſie ſich nicht verdrängen laſſen darf.
442. Jeder Mann des Gliedes muß während der Schwenkung
gegen die Seite des Pivot's anſchließen und zwiſchen dieſem
und dem ſchwenkenden Flügel gerichtet ſein, wozu die Mitte
ungefähr mit der Hälfte der vorgeſchriebenen Schrittlänge
auszutreten und jeder Mann zeitweiſe einen Blick gegen den
ſchwenkenden Flügel zu werfen hat. -

443. Um die Bewegung des Gliedes während der Schwen


kung überwachen und die Beendigung derſelben im richtigen
Augenblicke veranlaſſen zu können, hat der Abrichter ſich ſo
aufzuſtellen, daß er mit dem Pivot gleichſam die Linie be
zeichnet, in welche die Front des Gliedes gelangen ſoll. Wenn
der ſchwenkende Flügel ſich dieſer Linie bis auf einen Schritt
genähert hat, ertheilt er das Kommando:
„Halt!“
worauf die Bewegung eingeſtellt wird. Das eigenmächtige
Nachrücken zur Berichtigung der Frontlinie iſt hierbei nicht
zu dulden, die Mannſchaft aber zu belehren, daß die wahrge
nommenen Fehler ſehr oft noch mit dem letzten Schritte ver
beſſert werden können.
444. Vor der Wiederholung der Schwenkung iſt nach Bedarf
die Frontlinie durch eine Richtung auszugleichen, der Mann
ſchaft die Urſache des entſtandenen Fehlers zu bezeichnen und
das Mittel anzudeuten, durch welches demſelben vorgebeugt
werden kann.
Zur Ausführung einer Schwenkung während des Mar
ſches aviſirt der Abrichter.
„Rechts (Links) schwenken!“
worauf die Charge am Pivot: „Rechts (Links) –
schwenkt!“ kommandirt und das ganze Glied die Schwen
109

kung beginnt. Wenn die Front die beabſichtigt. Richtung bei


nahe erreicht hat, deutet der Abrichter dieß der Charge am
Pivot durch einen Zuruf oder Wink an und dieſe kommandirt
dann: „Grad – aus!“ worauf der Marſch wieder in gera
der Richtung fortgeſetzt und hierbei wie immer die Richtung
gegen die führende Flügel-Charge genommen wird.

§. 23.

Gewehrgriffe.
Die Gewehrgriffe müſſen im Gliede von allen Männern
gleichzeitig, ſchnell und kurz ausgeführt werden, worauf be
ſonders bei jenen zu ſehen iſt, welche als Ehrenbezeigung in
Anwendung zu kommen haben.
Wenn der Abrichter die Uebung der Gewehrgriffe vor 447.
zunehmen beabſichtigt, ſo hat er als Vorbereitung das
Kommando:
„Chargen beim – Fuss!“
zu ertheilen, worauf die Chargen dieſe Stellung annehmen
und während der Uebung der Gewehrgriffe in derſelben ver
bleiben.
Mit dem Infanterie-Gewehre werden die Gewehrgriffe 448.
in folgender Ordnung ausgeführt:
1. „In – Arm!“ – „Schul – tert!“
2. „In die – Balance!“ – „Schul – tert!“
3. „Fällt das – Bajonnet!“ – „Schul – tert!“
4. „Präsen – tirt!“ – „Schul – tert!“
5. „In die – Balance!“ – „Beim – Fuss!“ –
„Zum – Gebet!“ – Vom – Gebet!“ – „Kniet
nieder zum – Gebet!“ – „Czako – ab!“ –
„Czako – auf!“ – „Auf vom – Gebet!“ –
„Schul – tert!“
6. „Zum – Schwören!“ – „Czako – ab!“ –
„Czako – auf!“ – „Schul – tert!“
Mit den Jäger- und Korps-Gewehren haben die Ge 449.
wehrgriffe in nachſtehender Reihenfolge zu erfolgen:
110

1. „In die.– Balance!“ – „Schul – tert!“


2. „Planzt das – Bajonnet!“ – „In – Arm!“ –
„Schul – tert!“ – „In die – Balance!“ –
„Schul – tert!“
3. „Fällt das – Bajonnet!“ – „Schul – tert!“ –
4. „Versorgt das – Bajonnet!“
5. „ln die – Balance!“ – „Beim – Fuss!“ –
Zum – Gebet!“ – Vom – Gebet!“ – „Kniet
nieder zum – Gebet!“ – „Hut (Czako) – ab!“ –
„Hut (Czako) – auf!“ – „Auf vom – Gebet!“
– „Schul – tert!“
6. „Zum – Schwören!“ – „Hut (Czako) – ab!“
– „Hut (Czako) – auf!“ – „Schul – tert!“
450. Nach Beendigung dieſer Uebung kommandirt der Ab
richter:
„Chargen schul – tert!“
worauf dieſe ihre Gewehre ſchultern
451. Wenn die Ausführung eines Gewehrgriffes ohne die
angedeutete Vorbereitung angeordnet wird, ſo iſt dieſelbe auch
von den Flügel-Chargen zu bewirken.

§. 24.

Laden und Feuern.


452. Die Uebung im Laden und Feuern muß als Vorbereitung
für den Gebrauch des Feuergewehres in größeren Abtheilun
gen mit beſonderer Aufmerkſamkeit durchgeführt werden.
453. Da die freie Bewegung der Gliedmaßen eine unerläß
liche Bedingung der entſprechenden Handhabung des Gewehres
bildet, ſo hat der Abrichter ſich vorher zu überzeugen, ob die
Mannſchaft nicht enger als in der bei der Aufſtellung des
Gliedes feſtgeſetzten Weiſe geſchloſſen ſei.
454. Um das Laden der Gewehre zu veranlaſſen, ertheilt der
Abrichter das Kommando:
„La – det!“
11 1

worauf die Gewehre zum Laden herabgebracht, die erforder


lichen Vorbereitungen bewirkt, die Ladungs-Tempo aber beim
Beginne des Gliederunterrichtes erſt auf das Vorzählen der
ſelben ausgeführt werden. – Die Flügel-Chargen behalten
die Gewehre geſchultert.
Zum Feuern muß der Mannſchaft, wenn es die 455.
Umſtände geſtatten, immer ein Zielpunkt bezeichnet werden,
auf welchen die Gewehre im Anſchlage zu richten ſind,
dann ertheilt der Abrichter zum Beginne der Uebung das
Aviſo:
„Feuern!“
worauf die an den Flügeln eingetheilten Chargen vier Schritte
gerade zurück treten.
Hierauf erfolgt das Kommando:
„ Glied!“
worauf die Männer des Gliedes ſich von der Mitte gegen die
beiden Flügel ein wenig öffnen. Die Flügelmänner treten hier
bei auf die von den Chargen verlaſſenen Plätze ſeitwärts
und die folgenden Männer rücken ihnen mittelſt einer kurzen,
wechſelſeitig abzunehmenden Seitenbewegung in dem Maße
nach, daß der durch das Seitwärtstreten beider Flügel
männer gewonnene Raum ſich auf die Mannſchaft des ganzen
Gliedes gleichmäßig vertheilt. – Der Abrichter hat die Mann
ſchaft daher zu belehren, daß jeder der Mitte näher ſtehende
Mann weniger ſeitwärts rücken und ſich überhaupt nur von
dem Gefühle leiten laſſen muß, den zur freien Bewegung un
bedingt erforderlichen Raum zu gewinnen.
Da das Seitwärtstreten eines jeden Flügelmannes nie 457.
mehr als eine Mannsbreite betragen darf, ſo muß das Nach
rücken der folgenden Männer ſtets auch mit Rückſicht auf die
Stärke des ganzen Gliedes bemeſſen und dadurch dem
Uebelſtande vorgebeugt werden, daß die Männer am Flü
gel durch ein zu bedeutendes Oeffnen der Mitte in eine ge
drängtere Stellung gelangen, als ſie vor dem Oeffnen inne
hatten.
112

458. Auf das Kommando:


„Fertig!“
werden die Gewehre fertig genommen, auf:
„An!“
in Anſchlag gebracht, endlich auf das Kommando:
„Feuer!“
abgefeuert, worauf die Ladung, ohne eine weitere Anord
nung abzuwarten, ſogleich begonnen und nach Beendigung
derſelben das Gewehr von jedem Manne fertig genommen
wird.
459. Wenn das Feuern eingeſtellt werden ſoll, ſo ertheilt
der Abrichter entweder während des Ladens oder nach der
Beendigung der Ladung das etwas gedehnt auszuſprechende
Aviſo:
„Feuer einstellen!“
worauf ſich die Mannſchaft nach der bei der einzelnen Aus
bildung erhaltenen Belehrung benimmt.
Auf das dann folgende Kommando:
„Herstellt – euch!“
ſchließen die Männer des Gliedes gegen die Mitte an und die
Flügel-Chargen treten an ihre Plätze vor.
460. Der Kommandant hat ſich während des Feuerns ſeit
und ein wenig vorwärts des rechten Flügels aufzuſtellen und
das Benehmen der Mannſchaft zu überwachen. Zeitweiſe hat
er auch hinter die Front zu gehen und ſich von dort die Ueber
zeugung zu verſchaffen, daß die Gewehre in der dem bezeich
neten Zielpunkte entſprechenden Weiſe in Anſchlag gebracht
werden.
461. Zur Ausführung der General-Decharge ertheilt der Ab
richter das Aviſo:
„Zur General-Decharge!“
dann das Kommando:
„Glied – Fertig!“
Die Flügel-Chargen haben nicht zurückzutreten und in
Folge deſſen hat auch das Oeffnen des Gliedes zu unter
bleiben.
113

„Hoch – an! – Feuer! – Schul – tert!“


endlich:
„Herstellt – euch!“
Die Ausführung wird in der bekannten Weiſe bewirkt.
Nach der General-Decharge iſt als Ehrenbezeigung die 462.
Kopfwendung auszuführen, bei der Infanterie auch zu
präſentiren, gleichzeitig von den Chargen in rechten Arm zu
nehmen, dann die Kopfwendung zu herſtellen, zu ſchultern, und
nach Bedarf der Befehl zum Laden zu ertheilen.

§. 25.

Ehrenbezeigungen.

Wenn ſich ein Vorgeſetzter dem Gliede nähert, ſo hat 463.


der Kommandant ſich mit geſchultertem Gewehre auf 4 Schritte
vor den erſten Mann jenes Flügels zu ſtellen, gegen welchen
der Offizier oder höhere Vorgeſetzte kommt. Bei der Annähe
rung desſelben auf 30 Schritte kommandirt der Abrichter,
nachdem er ſich mittelſt einer ganzen Wendung gegen das
Glied gewendet, und bei der Infanterie auch das Gewehr in
rechten Arm genommen hat:
„Glied rechts (links) – schaut!“
dann bei der Infanterie, wenn der Herankommende ein Stabs
Offizier oder ein noch höherer Vorgeſetzter iſt:
„Präsen – tirt!“
worauf auch die Chargen in rechten Arm nehmen, herſtellt ſich
von der Wendung und meldet, ohne ſeine Aufſtellung zu
verlaſſen, den Stand ſeiner Abtheilung.
Wenn der Vorgeſetzte das Glied beſichtigt, ſo hat die 464.
Mannſchaft ihm durch die Wendung der Köpfe mit den
Blicken zu folgen, und ſich erſt auf das Kommando:
„Habt – Acht!“
zu herſtellen. Bei der Infanterie werden dann auf das Kom
mando:
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 8
114

„Schul – tert!“ -

von der Mannſchaft und den Chargen die Gewehre geſchultert,


was nach der Entfernung des Vorgeſetzten oder mit deſſen Be
willigung auch der Abrichter bewirken kann.
465. Nähert ſich das Hochwürdige, ſo hat der Kommandant
die Gewehre beim Fuß nehmen und niederknien zu laſſen,
dann auch ſelbſt niederzuknien. – Nach der Entfernung des
Hochwürdigen herſtellt ſich der Kommandant, dann hat erſt
das Kommando für die Mannſchaft zu erfolgen.
115

Drittes Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten im Zuge.
§. 26.
Vorbereitung.
Der Zug iſt die der taktiſchen Gliederung der Truppe zu 466.
Grunde liegende Einheit, und die Ausbildung in dieſer klein
ſten Abtheilung muß dem Soldaten daher für jede taktiſche
Verwendung die erforderlichen Behelfe bieten.
Die Leiſtungen, an deren Durchführung ein Zugbethei-467.
ligt werden kann, ſind nicht immer durch gleichartige Verhält
niſſe bedingt und machen ſonach auch verſchiedene Beobach
tungen nothwendig.
Wenn die Umſtände, unter welchen ein Zug zur Ver-468.
wendung gelangt, die geordnete und gleichmäßige Bewe
gung, dann das enge Zuſammenwirken der vorhandenen
ſtreitbaren Mannſchaft erheiſchen, ſo wird dieſe in zwei Glie
dern hintereinander geſtellt, an den Flügeln mit Chargen ein
gefaßt und als eine in ſich abgeſchloſſene Abtheilung behandelt.
Die Grundſätze, nach welchen ein Zug in dieſem Ver-469.
hältniſſe aufzuſtellen, zu bewegen und zu verwenden iſt, müſſen
dem Soldaten durch die Ausbildung in geſchloſſener
Ordnung beigebracht werden. -

Eine Truppe, welche in geſchloſſener Ordnung zum An-470.


griffe mit der blanken Waffe vorrückt, muß ſich in den meiſten
Fällen während der Annäherung an den Feind durch längere
Zeit dem Gewehrfeuer desſelben ausſetzen, ohne dieſes ſelbſt
erwidern zu können. Um nun bei dieſer Gelegenheit auch die
Wirkung der eigenen Feuerwaffen zur Geltung zu bringen,
wird gewöhnlich ein angemeſſener Theil der zum Angriffe
8 55
116

beſtimmten Truppe ausgeſchieden und mit der Unterhaltung


eines lebhaften Feuers beauftragt.
471. Die Aufgabe, welche einem in dieſer Weiſe verwendeten
Zuge zufällt, wird daher nie einen ſelbſtſtändigen Cha
rakter erhalten, ſondern immer mit den Unternehmun
gen einer geſchloſſenen Truppe im Zuſammen
hange ſtehen und dieſelben bei der Ausführung durch den wirk
ſamen Gebrauch der Feuerwaffen gewiſſermaßen ergänzen.
472. Um dieſer Anforderung mit Erfolg entſprechen zu können,
wird die ſtreitbare Mannſchaft des Zuges in ein mehr oder
weniger geöffnetes Glied aufgelöst, welches ſich vor- oder mit
der geſchloſſenen Truppe feuernd fortbewegt und hierbei
gleichfalls durch die vorhandenen Chargen geleitet wird.
473. Die Beſtimmungen, welche in dieſem Verhältniſſe zu
beobachten ſind, werden dem Soldaten durch die Ausbildung
in geöffneter Ordnung gelehrt.
474. Wenn es ſich endlich darum handelt, eine ausgedehnte
Terrainſtrecke mit einer verhältnißmäßig kleinen Abtheilung
zu durchſtreifen, um dadurch die eigene Truppe vor feindlichen
Neckereien zu ſichern, oder ſelbſt ſolche Unternehmungen aus
zuführen; wenn der Marſch einer Truppe der Beobachtung
entzogen, der Angriff derſelben durch die Beſetzung der die
Annäherung deckenden Punkte eingeleitet oder der Rückzug
geſichert werden ſoll, ſo wird die zur Durchführung einer
ſolchen Aufgabe erforderliche Mannſchaft in kleine Gruppen
aufgelöst, welche nur die zum Behufe der wechſelſeitigen
Unterſtützung nothwendige Verbindung einzuhalten, in Bezug
auf den Gebrauch der Waffen und die Erreichung des Zweckes
aber nach eigenem Ermeſſen zu handeln haben.
475. Während alſo nach dem ebenfeſtgeſtellten Grundſatze, eine
in geöffneter Ordnung verwendete Abtheilung nur durch die
Wirkung der Feuerwaffen die geſchloſſene Truppe zu unter
ſtützen und mit dieſer in enger Verbindung zu verbleiben hat,
erhält die Durchführung der zuletzt angedeuteten Leiſtungen
immer einen ſelbſtſtändigen Charakter und die hierzu
in Anſpruch genommene Abtheilung muß nach Maßgabe ihrer
117

Stärke den Erfolg mit ihren eigenen Kräften zu erringen


ſtreben.
Die Grundſätze, welche bei den Unternehmungen dieſer 476.
Art berückſichtigt werden müſſen, ſind dem Soldaten durch die
Ausbildung in der zerſtreuten Fechtart anzudeuten.
Der Unterricht im Zuge zerfällt demnach in drei Abthei-477.
lungen und umfaßt:
1. Die Ausbildung in der geſchloſſenen Ordnung.
2. Die Ausbildung in der geöffneten Ordnung.
3. Die Ausbildung in der zerſtreuten Fechtart.
Der Zugs-Kommandant muß bei der Belehrung der ihm 478.
anvertrauten Abtheilung in den Geiſt dieſer Vorſchriften
eindringen und darf ſich nicht darauf beſchränken, die Mann
ſchaft mit der Beobachtung der verſchiedenen Formen vertraut
zu machen, ſondern er ſoll bemüht ſein, dieſelben bei jeder ſich
darbietenden Gelegenheit zur Erreichung taktiſcher Zwecke
richtig anzuwenden.
Sein Streben muß ferner dahin gerichtet ſein, die Ge- 479.
wandtheit und Ausdauer der einzelnen Soldaten weiter zu
entwickeln, die aus dem geordneten Zuſammenwirken entſprin
gende Kraft zu ſteigern und dadurch jenes Selbſtbewußtſein zu
erwecken, welches auch unter den ſchwierigſten Verhältniſſen
nicht ſelten eine ſichere Bürgſchaft für den Erfolg bietet.
Die zur Leitung und Verwendung eines Zuges erforder-480.
lichen Befehle hat der Zugs-Kommandant mit der Stimme zu
ertheilen und ſich zu dieſem Zwecke immer ſo aufzuſtellen,
daß er ſich nicht nur verſtändlich zu machen, ſondern auch
das Benehmen der Mannſchaft zu überwachen vermag.
Da aber in der geöffneten Ordnung und in der zerſtreuten 481.
Fechtart ein Zug oft eine ſo bedeutende Ausdehnung erhalten
kann, daß es nicht immer möglich iſt, ſich der Stimme mit Erfolg
zum Ertheilen der nothwendigen Anordnungen zu bedienen, ſo
iſt es dem Zugs-Kommandanten geſtattet in einem ſolchen Falle
ſeine Abtheilung nach Bedarf durch Hornſignale zu leiten.
Zu dieſem Zwecke können folgende Hornſignale benützt 482.
werden, und zwar:
118

1. „Vorwärts, Rückwärts, Rechts, Links!“


zur Beſtimmung der Richtung, in welcher eine Bewegung
angetreten oder fortgeſetzt werden ſoll.
. „Schritt, Lauftritt!“
zur Bezeichnung der Schnelligkeit, welche in Anwen
dung zu kommen hat.
. „Halt!“
zum Einſtellen der Bewegung.
. „Oeffnen, Schliessen!“
um das Vergrößern oder Verkleinern der Abſtände zu
veranlaſſen.
. „Klumpen!“
um die Mannſchaft zu verſtändigen, daß ſie ſich gegen
einen Reiterangriff zu ſichern hat.
. „Auflösen!“
um das Auflöſen der Klumpen oder um den Uebergang
aus der geſchloſſenen in die geöffnete Ordnung zu ver
anlaſſen.
. „Sammeln!“
um den Zug zum Uebergange in die geſchloſſene Ord
nung zu befehligen.
. „Fronträumen!“
um die Räumung des vor der Front einer Truppe befind
lichen Terrains anzuordnen.
. „Verstärkung, Ablösung!“
um die Einleitung der entſprechenden Maßregel anzu
deuten.
10. „Feuer, Feuereinstellen!“
um die Anwendung der Feuerwirkung zu regeln.
11. „Sturm!“
um einen Bajonnetangriff anzuordnen.
12. „Beschleunigung!“
um zu einer den örtlichen Verhältniſſen entſprechenden
Beſchleunigung der eben in der Ausführung begriffenen
Bewegung aufzufordern.
119

13. „Vergatterung, Allarm!“


um die ganze Truppe zu ralliren.
14. „Kette, Rechter Flügel, Linker Flügel, Unterstützung!“
um die in dieſem Verhältniſſe befindlichen Abtheilungen
anzurufen.
Um den Klang, die Benennung und Bedeutung dieſer 483.
Hornſignale dem Gedächtniſſe wie auch dem Gehöre gut ein
zuprägen, iſt es ſehr erſprießlich, wenn jeder Unteroffizier und
Kettengliedführer dieſelben ſingen oder pfeifen lernt.

Erſter Abſchnitt.
Ausbildung des Zuges in geſchloſſener Ordnung.

§. 27.
Aufſtellung des Zuges.
Die Aufſtellung des Zuges in geſchloſſener Ordnung 484.
ergibt ſich, indem die mit Gewehren ausgerüſtete Mannſchaft
in zwei hintereinander ſtehenden Gliedern rangirt und an den
Flügeln mit Chargen eingefaßt wird.
Die Entfernung, welche zwiſchen den beiden Gliedern 485.
einzuhalten iſt, heißt Glieder diſtanz, und muß von der
Abſatzlinie des vordern bis zu jener des rückwärtigen Gliedes
die doppelte Mannsbreite oder ungefähr drei Schuh betragen.
Die Männer des erſten Gliedes ſchließen mit der bekann-486.
ten Beobachtung gegen den rechten Flügel an, jene des zwei
ten Gliedes ſtehen ſenkrecht hinter ihren Vormännern des
erſten und nehmen hierbei Rückſicht auf die Einhaltung der
feſtgeſetzten Gliederdiſtanz. -

Zwei in der angedeuteten Weiſe hinter einander ſtehende 487.


Männer werden als eine Rotte, ein ohne Hintermann blei
bender Mann wird als halbe Rotte bezeichnet und in die
Mitte des Zuges eingetheilt. -

Bei der Infanterie und den Jägern entfallen von 488.


den einer Kompagnie zugewieſenen Chargen auf jeden Zug
120

ein Offizier, Feldwebel oder Oberjäger als Zugs-Komman


dant, ferner ein Zugsführer und zwei Korporale oder Unter
jäger.
489. Der Zugs-Kommandant hat ſich in der bereits angedeu
teten Weiſe zu benehmen, und von den drei Chargen hat der
Zugsführer bei einem Zuge mit gerader Nummer an dem
rechten, bei einem ſolchen mit ungerader Nummer an dem
linken Flügel des erſten Gliedes, ein Korporal oder Unter
jäger an dem entgegengeſetzten Flügel dieſes Gliedes, der
dritte Unteroffizier aber hinter dem Zugsführer an das zweite
Glied anzuſchließen.
490. Wenn die genannten Chargen nicht in voller Zahl an
weſend ſind, ſo müſſen dieſelben durch geeignete Stellvertreter
ergänzt werden, damit der Zug unter allen Verhältniſſen mit
den zu ſeiner Führung erforderlichen Chargen verſehen bleibt.
491. Der Tambour oder Horniſt hat ſeine Aufſtellung hinter
der Mitte des Zuges, und zwar drei Schritte vom zweiten
Gliede entfernt zu nehmen. Wenn ein Zimmermann mit dem
Zuge ausrückt, ſo hat derſelbe ſich links an den Spielmann
anzuſchließen.
492. Um die Mannſchaft eines Zuges in die eben beſchriebene
Aufſtellung zu bringen, hat dieſelbe ſich auf das Aviſo:
„Antreten!“
in einem Gliede, nach der Größe vom rechten gegen den linken
Flügel rangirt, aufzuſtellen.
493. Die Chargen ſtellen ſich aneinander geſchloſſen und mit
der Front gegen die Mannſchaft gewendet drei Schritte vor,
der Tambour oder Horniſt und der Zimmermann drei
Schritte hinter dem rechten Flügel auf.
494. Der Zugs-Kommandant, oder in deſſen Vertretung der
Zugsführer, theilt hierauf die Mannſchaft in zwei gleiche,
oder bei ungerader Anzahl um einen Mann verſchiedene
Theile und kommandirt: -

„In zwei Glieder! – Zweites Glied rechts – um!“


worauf die links ſtehende Hälfte der Mannſchaft, als in das
121

zweite Glied gehörig, die angeordnete Wendung vollführt


und auf das folgende:
„Marsch!“
hinter die Männer des erſten Gliedes rückt, wo ſie ſich mit
Beobachtung der Gliederdiſtanz herſtellt. Gleichzeitig haben
die Chargen, ſowie auch der Spiel- und Zimmermann an die
bezeichneten Plätze zu treten, wobei zu bemerken iſt, daß der
hinter den Zugsführer gehörige Unteroffizier vorläufig an das
erſte Glied anzuſchließen hat, wenn erſterer das Abtheilen der
Mannſchaft ſtatt des Zugs-Kommandanten bewirkt.
Der Zugs-Kommandant hat ſich nach dem Herſtellen des 495.
zweiten Gliedes von der Deckung der Rotten zu überzeugen,
hierbei die allenfalls vorhandene halbe Rotte gegen die Mitte
des Zuges zu leiten und die Vertheilung der mit Aufſatz
gewehren oder Dornſtutzen bewaffneten Soldaten ſo zu regeln,
daß dieſelben nicht beiſammen bleiben, ſondern in ihrer Eigen
ſchaft als gute Schützen, möglichſt gleichmäßig im Zuge ver
theilt werden.
Wenn die Aufſtellung des Zuges mit dieſen Beobachtungen 496.
bewirkt iſt, muß die Abtheilung in Paare veranlaßt, in jedem der
ſelben der nach der Ueberzeugung des Zugs-Kommandanten ge
ſchickteſte und gewandteſte Mann zum Kettengliedführer be
ſtimmt und als ſolcher auch der übrigen Mannſchaft des Rotten
paares bezeichnet werden. Die Mannſchaft hat beim Abtheilen in
Rottenpaare in der beim Gliederunterrichte vorgeſchriebenen
Weiſe ſelbſt zu zählen und jeder Mann des zweiten Gliedes hier
bei die Nummer ſeines Vormannes im erſten Gliede zu nehmen.
Der Abtheilung in Rottenpaare hat jene in Schwärme 497.
zu folgen, zu welchem Zwecke vom Zugs-Kommandanten die
Mitte des Zuges ſo Schwarm Schwarm
zu bezeichnen iſt, daß –FTÄTSF F
die bereitsbeſtimmten 2 2 212 1 21 21 2 1
Rottenpaare unge
trennt bleiben. Jede
der beiden Hälften des
Zuges bildet einen Z. S
122

Schwarm und wird einem Unteroffiziere zugewieſen. Dieſer


ſowol, als auch die Mannſchaft iſt hierbei zu belehren, daß
ſie ſich als zuſammengehörig zu betrachten haben.
Schwarm Schwarm
ST T STADT-STAS

[S]- **E-E-ÄH

S Soldat. [F] Tambour oder Horniſt.


DT Unteroffizier. [Z] Zimmermann.

498. Jeder Mann muß in der Aufſtellung des Zuges


ſeine Umgebung kennen und wiſſen, zu welchem Rottenpaare,
dann zu welchem Schwarme er gehört, damit er unter
allen Umſtänden ſeine Eintheilung ſogleich zu finden vermag.
499. Wenn mit einem Zuge der Infanterie die Fahne aus
rückt, ſo hat ſich der Fahnenführer zwei Schritte vor der rechten
Flügelrotte aufzuſtellen, beim Antritte des Marſches aber in
gleicher Entfernung vor die Mitte des Zuges zu verfügen.
500. Bei den Genie-Truppen iſt die Anzahl der Chargen
einer Kompagnie ſo bemeſſen, daß jeder Zug mit einem Offi
zier, einem Feldwebel, zwei Führern und drei Korporalen
betheilt werden kann. Von dieſen Chargen hat der Offizier
als Zugs-Kommandant aufzutreten, der Feldwebel und die
zwei Führer haben die bei der Infanterie für den Zugsführer
und die zwei Korporale angewieſenen Plätze einzunehmen und
die drei Korporale ſind, in ſoferne ſie nicht als Stellvertreter
in Anſpruch genommen werden müſſen, als Flügel-Rotten bei
der Mannſchaft einzutheilen. Die Aufſtellung des Zuges iſt
im Uebrigen bei den Genie-Truppen gleichfalls mit Rückſicht
auf die für die Infanterie und die Jäger vorgeſchriebenen
Beobachtungen zu bewirken.
501. Wenn die Mannſchaft mit der tragbaren Feldausrü
ſtung verſehen iſt, haben die Krampen- und Schaufelträger
123

das erſte Glied zu bilden, die übrigen Werkzeuge ſind im


zweiten Gliede zu vertheilen.
DTETETGTETFTFTETÖTTHIbTTGITATTWITAT&TCIT

DTETTETTITÄTTTTTI:FTETFTETSTÄTATUTÜTZT]
a Krampenträger. g Nägelträger.
b Wurfſchaufelträger. h Verſchiedene Werkzeuge.
c Stichſchaufelträger. i Handſägenträger.
d Bandhackenträger. k Zugſägenträger.
e Waldhackenträger. o Mannſchaft ohne Werkzeug.
f Klammerträger. T Unteroffiziere.
Bei den Pionnieren entfallen von den einer Kom- 502.
pagnie zugewieſenen Chargen auf jeden Zug ein Offizier oder
Feldwebel als Zugs-Kommandant, ferner ein Zugsführer und
drei Korporale, und es bleiben bei dieſer Betheilung der Züge
noch ein Feldwebel und zwei Führer verfügbar. Von dieſen
Chargen ſind zunächſt in jedem Zuge die bei der Infanterie
bezeichneten Plätze zu beſetzen und wenn nach der Beſtimmung
der allenfalls erforderlichen Stellvertreter noch Unteroffiziere
übrig bleiben, ſo ſind dieſelben auf Gliederdiſtanz hinter den
Flügel-Chargen des zweiten Gliedes aufzuſtellen. Die Rangi
rung und Abtheilung der mit Gewehren ausgerüſteten Mann
ſchaft des Zuges iſt auch bei den Pionnieren nach den für die
Infanterie und die Jäger feſtgeſetzten Beſtimmungen zu be
wirken.
Wenn die Mannſchaft der Pionniere mit der tragbaren 503.
Feldausrüſtung verſehen iſt, ſo haben die Krampenträger das
erſte, die Schaufelträger das zweite Glied zu bilden.
DTäEIGEZEFIAEETZETZIZEIZECD

DTZTETZTGATGTGATE TÖTÜTTEIGIÖIGIT

EIELETZTELETFLEIFTELTITI/IfL
a Krampenträger. k Zugſägenträger.
b Wurfſchaufelträger. m Mannſchaft mit 2 Schaufeln.
c Stichſchaufelträger. - n Stemmeiſenträger.
e Waldhackenträger. p Bohrerträger.
i Handſägenträger. T1 Unteroffiziere.
124

Die mit den ſonſtigen Werkzeugen betheilte Mannſchaft,


welche nicht mit Gewehren ausgerüſtet iſt, wird in dieſem Falle
als drittes Glied aufgeſtellt, und durch die nach der Beſetzung des
erſten und zweiten Gliedes noch verfügbaren Chargen eingefaßt.
504. Um die Mannſchaft an das raſche Sammeln in der ge
ſchloſſenen Ordnung zu gewöhnen, hat der Zugs-Kommandant
beim Beginn des Zugsunterrichtes nach der Beſtimmung der
Rottenpaare und der Schwärme das Kommando:
„Auseinander!“
zu ertheilen, worauf die Mannſchaft auseinander geht und ſich
zerſtreut. Auf das dann folgende Aviſo oder Signal:
„Allarin!“
hat der Zug ſich mit der größten Beſchleunigung bei dem Zugs
Kommandanten, welcher ſich mit dem Geſichte gegen die ein
zunehmende Frontlinie gewendet, vier Schritte vor derſelben
aufſtellen muß, in der geſchloſſenen Ordnung zu ſammeln.
Die Unteroffiziere des erſten Gliedes müſſen ihre Plätze zuerſt
zu erreichen und dadurch die Frontlinie zu bezeichnen trachten.
Jeder Mann eilt im Lauftritte an ſeinen Platz, wo er ſich mit
geſchultertem Gewehre aufſtellt. Die Rallirung muß ungeach
tet aller Eile immer mit Ruhe vor ſich gehen, und das
Zuſammenprallen hierbei möglichſt vermieden werden, was
nur durch wiederholte und unerwartete Uebung zu erreichen iſt.
505. Wenn der Zugs-Kommandant den Uebergang aus zwei
Gliedern in eines veranlaſſen will, ſo kommandirt er:
„In ein Glied! – Zweites Glied links – um!“
worauf die Mannſchaft dieſes Gliedes die Wendung vollzieht.
Auf das Kommando:
„Marsch!“
rückt dieſelbe in die Verlängerung des erſten Gliedes und
herſtellt ſich, die Chargen verfügen ſich gleichzeitig in ihre
Aufſtellung vor, der Tambour oder Horniſt und der Zimmer
mann hinter den rechten Flügel.
506. Bei einem mit der tragbaren Feldausrüſtung verſehenen
Zuge der Pionniere iſt ſowol beim Uebergange in ein Glied als bei
der Formirung des Zuges auch das dritte Glied zur Wendung zu
125

befehligen. Die Mannſchaft desſelben hat im erſten Falle an den


linken Flügel neben jene des zweiten Gliedes, im zweiten Falle mit
den bereits angegebenen Beobachtungen hinter dieſes zu rücken.
§. 28.
Aufſtellungs- und Bewegungs-Behelfe.
Bei der Aufſtellung und Bewegung des Zuges in ge 507.
ſchloſſener Ordnung treten zuweilen Umſtände ein, welche die
Anwendung bereits bekannter Beſtimmungen herbeiführen,
ohne eine Veränderung der Form des Zuges zu bedingen oder
mit dem taktiſchen Zwecke im unmittelbaren Zuſammenhange
zu ſtehen. – Die Ergebniſſe ſtellen ſich ſomit als Behelfe
dar und müſſen beim Unterrichte wie auch bei der Anwendung
als ſolche betrachtet werden.
Um die Frontlinie des Zuges auszugleichen, kommandirt 508.

der Zugs-Kommandant: *
„Zur Richtung, Chargen – Marsch!“
worauf die an den Flügeln des erſten Gliedes befindlichen
Chargen gerade vorrücken und auf das Kommando:
„Halt!“
ſtehen bleiben. – Der Zugs-Kommandant überzeugt ſich
zuerſt, ob die Flügel-Chargen ſenkrecht auf die Frontlinie
des Zuges vorgetreten ſind, dann verfügt er ſich an einen
Flügel und beſtimmt die Richtung, in welche er den Zug zu
bringen beabſichtigt. Die Flügel-Chargen vollführen zu dieſem
Zwecke die ganze Wendung gegen die Seite, auf welcher ſich
der Zugs-Kommandant befindet und herſtellen ſich, wenn dieſer
den Flügel verläßt ohne eine weitere Anordnung zu erwarten,
in die frühere Front.
Um das Einrücken des Zuges in die bezeichnete Linie zu 509.
veranlaſſen wird kommandirt:
„Rechts (Links) richt – euch!“
worauf die Rotten ſtaffelförmig in die neue Frontlinie ein
rücken, indem auf das Kommando nur die Rotte am Rich
tungsflügel mit der Charge des zweiten Gliedes, jede folgende
Rotte aber erſt dann austritt, wenn die auf der Seite der
126

Richtung befindliche Nebenrotte um einen Schritt voraus


gelangt iſt. Der Mann des erſten Gliedes jeder Rotte benimmt
ſich nach der beim Gliederunterrichte erhaltenen Belehrung,
die Männer des zweiten Gliedes treten gleichzeitig mit ihren
Vormännern aus, theilen gleich dieſen den letzten Schritt in
drei kleine, ſuchen dadurch Deckung und Gliederdiſtanz, durch
einen Blick gegen die Seite der Richtung aber die Frontlinie
zu gewinnen. Der Zugs-Kommandant überzeugt ſich dann von
der Beobachtung dieſer Grundſätze und kommandirt endlich:
„Habt – Acht!“
worauf das erſte Glied die Köpfe gerade wendet.
510. Wenn der Zug in der innehabenden Aufſtellungslinie
gerichtet werden ſoll, ſo kommandirt der Zugs-Kommandant
als Vorbereitung:
„Zur Richtung, rückwärts – Marsch!“
worauf mit Ausnahme der Flügel-Chargen des erſten Gliedes
der ganze Zug zurücktritt bis das Kommando:
„Halt!“ --

erfolgt. Die Beſtimmung der neuen Frontlinie und das Einrücken


in dieſelbe iſt mit den bekannten Beobachtungen zu bewirken.
51 1. Zum Verkehren oder Herſtellen der Front ertheilt der
Zugs-Kommandant, ohne Rückſicht auf die augenblickliche
Formation, das Aviſo:
„Zug verkehren (herstellen)!“
und läßt dann auf das Kommando:
„Rückwärts (Vorwärts) – Front!“
oder
„Mit Zweien rückwärts (vorwärts) – Front!“
die doppelte Wendung einzeln oder mit Paaren ausführen.
Wenn eine halbe Rotte im Zuge vorhanden iſt, ſo hat der
betreffende Mann des erſten Gliedes nach dem Verkehren der
Front in das zweite Glied vorzutreten, nach dem Herſtellen
aber wieder in ſeine Eintheilung zu rücken. – In derſelben
Weiſe hat ſich auch eine einzelne Flügel-Charge zu benehmen.
512. Um die Front, mit dem erſten Gliede voraus, in eine an
dere Richtung zu verſetzen, wird eine Front veränderung
127

veranlaßt. Im Einklange mit den für die Wendungen feſtge


ſetzten Beſtimmungen iſt unter einer Frontveränderung rechts
oder links die Verſetzung der Front in eine Flanke, unter einer
Frontveränderung halb rechts oder halb links die Annahme
einer zur früheren Aufſtellung ſchrägen Frontlinie zu verſte
hen; die Ausführung aber immer durch die, dieſem Zwecke ent
ſprechende Anwendung der in den nachfolgenden Paragraphen
enthaltenen Belehrungen zu bewirken.
Wenn endlich die Front des Zuges, mit dem erſten 513.
Gliede voraus, dahin verſetzt werden ſoll, wo ſich der Rücken
befindet, ſo kommandirt der Zugs-Kommandant:
„Front und Flügel verändern! Rechts – um!“
worauf mit Ausnahme der am linken Flügel des erſten
Gliedes befindlichen Charge der ganze Zug die Wendung
vollzieht. Auf das folgende Kommando:
Marsch!“

hat der ganze Zug, mit Ausnahme der erwähnten Charge,


die Bewegung anzutreten und das zweite Glied ſogleich an
das erſte anzuſchließen. Die Chargen am rechten Flügel des
erſten Gliedes vollführen zweimal unmittelbar nacheinander
eine ganze Schwenkung links, marſchiren dann an der frühe
ren Frontlinie des erſten Gliedes gerade fort, bis ſie zu der
ſtehen gebliebenen Charge des linken Flügels gelangen, wo ſie
ſich mit einer ganzen Wendung links herſtellen, die Glieder
diſtanz nehmen und ſtehen bleiben.

EF HE HEAÄr-FT-FT-Tº-H.sº

Von der Mannſchaft hat jede Rotte anfänglich im ver


kürzten und erſt nach Maßgabe des entſtehenden Raumes im
vollen Schritte gerade vorzurücken, an derſelben Stelle, wo -
die Flügel-Chargen des rechten Flügels geſchwenkt haben, zu
ſchwenken, dann in der Richtung der früheren Frontlinie zu
128

folgen, ſich mittelſt einer ganzen Wendung links zu herſtellen,


hierbei die Gliederdiſtanz zu nehmen und anzuſchließen. Die
Richtung iſt hierbei durch einen Blick gegen den rechten Flügel
zu ſuchen, und das zweite Glied hat auch für die Deckung
Sorge zu tragen. Wenn die Chargen des rechten Flügels ſich
herſtellt haben, vollführt jene des linken Flügels gleichfalls die
Wendung rechts und verfügt ſich an ihren Platz.
514. Das dritte Glied eines mit der tragbaren Feldausrüſtung
ausrückenden Pionnierzuges hat ſich nicht nur in den bereits
erwähnten Fällen, ſondern auch bei allen anderen Bewegungen
des Zuges nach den für das zweite Glied angegebenen
Beobachtungen zu benehmen.

§. 29.
Marſch vor-, ſeit- und rückwärts.
Wenn der Zug in geſchloſſener Ordnung gerade vor
rücken ſoll, ſo beſtimmt der Zugs-Kommandant das Direk
tions-Objekt und verſtändigt die Charge am rechten Flügel
des erſten Gliedes von der getroffenen Wahl, damit dieſe den
Marſch in entſprechender Weiſe zu leiten vermag.
516. Um das gleichzeitige Ausſchreiten des ganzen Zuges zu er
leichtern, hat der Zugs-Kommandant vor dem erſten Antritte der
Bewegung zur vorläufigen Verſtändigung der Mannſchaft das
Aviſo:
„Marschiren!“
zu ertheilen, dasſelbe aber nach einer kurzen Unterbrechung
des Marſches nicht mehr zu wiederholen.
Der Antritt des Marſches hat auf das Kommando:
„Zug – Marsch!“
nach den beim Giederunterrichte feſtgeſtellten Grundſätzen zu
erfolgen. Die Männer des zweiten Gliedes müſſen während
der Bewegung auf ihre Vormänner gedeckt bleiben, und die
vorgeſchriebene Gliederdiſtanz einhalten.
518. - Wenn ſich während des Marſches die Nothwendigkeit
einer Haltung oder Ziehung ergibt, hat der Zugs-Komman
dant die erforderlichen Anordnungen in der beim Glieder
129

unterrichte angegebenen Weiſe zu erlaſſen. Die Männer einer


Rotte müſſen während der Ziehung mit Rückſicht auf die
Frontlinie des Zuges zwar ſenkrecht hintereinander verbleiben,
erhalten aber in Folge der halben Wendung ein ſtaffel
förmiges Verhältniß, in welchem die Männer des zweiten
Gliedes ſich bezüglich der Marſchrichtung während der
Ziehung ſeit- und rückwärts ihrer Vormänner des erſten
Gliedes befinden.

------------------
& e->>>>>>>>

S>
Die Annahme der ſenkrechten Marſchrichtung wird nach 519.
der Haltung oder Ziehung in der bekannten Weiſe veranlaßt.
Um während des Marſches eine Schwenkung anzuordnen, 520.
ertheilt der Zugs-Kommandant das Aviſo:
„Rechts (Links) schwenken!“
worauf die Charge am Pivot das entſprechende Kommando
zum Beginne der Schwenkung erfolgen läßt und auf den Ruf
oder Wink des Zugs-Kommandanten die Fortſetzung des
Marſches in gerader Richtung bewirkt.
Wenn die Mannſchaft ſich durch wiederholte Uebungen 521.
von angemeſſener Dauer an eine gleichmäßige und ausgiebige
Bewegung gewöhnt hat, muß dieſelbe auch in der Anwendung
des Lauftrittes geübt werden. Dieſe Bewegung iſt auf das
Kommando:
„Im Lauftritt – Marsch!“
in der bekannten Weiſe zu beginnen und ohne Uebereilung in
ruhiger feſter Haltung auszuführen.
Die Verminderung der Bewegung wird mittelſt des 522.
Kommando's:
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 9
130

„Im – Schritt!“
das gänzliche Einſtellen derſelben durch das Kommando:
„Zug – Halt!“
angeordnet.
523, Um den Zug vor dem Antritte des Marſches, ſomit von
der Stelle zum Schwenken zu veranlaſſen, ertheilt der Zugs
Kommandant das Kommando:
„Rechts (Links) schwenken – Marsch!“
worauf das erſte Glied die Schwenkung nach den bekannten
Grundſätzen vollführt. – Die Männer des zweiten Gliedes,
welche gleichzeitig mit jenen des erſten austreten, müſſen
während der Schwenkung gedeckt bleiben und die Glieder
diſtanz behalten, wozu die dem Pivot zunächſt befindlichen
nach Bedarf ein wenig ſeitwärts zu treten haben. Wenn der
ſchwenkende Flügel ſich der beabſichtigten neuen Frontrichtung
bis auf einen Schritt genähert hat, wird vom Zugs-Komman
danten entweder das Kommando zum Einſtellen der Bewegung
oder zur Fortſetzung derſelben in gerader Richtung ertheilt.
524. Der Marſch mit verkehrter Front macht dieſelben Beobach
tungen nothwendig, welche für den Vormarſch im Allgemeinen
feſtgeſetzt wurden. Die Bewegung iſt hierbei von der nämlichen
Charge, oder wenn dieſe nach dem Verkehren der Front im erſten
Gliede verblieben iſt, von der vor ihr befindlichen Charge des
zweiten Gliedes zu leiten und jeder Mann hat daher während
des Marſches auf das zweite Glied gleichfalls gegen die
Seite des rechten Flügels, ſomit links anzuſchließen,
5 25. Das Zurückſchreiten des Zuges erfolgt auf das Kommando:
„Rückwärts – Marsch!“
und wird nur auf kurze Strecken angewendet. Dieſe Bewe
gung wird wie der Vormarſch mittelſt des Kommando's:
„Zug – Halt!“
eingeſtellt.
§. 30.
Formirung des Zuges in Reihen oder Doppelreihen.
5 Da die Beſchaffenheit der vorhandenen Wege nicht
immer den Marſch mit der Front des Zuges geſtattet, ſo folgt
131

hieraus die Nothwendigkeit einer Formation, welche nicht nur


die geordnete Bewegung auf den ſchmalſten Wegen, ſondern
auch die ſchnelle Entwicklung nach allen Seiten erlaubt.
Die Front des Zuges wird zu dieſem Zwecke durch die 527.
ganze Wendung der einzelnen Rotten oder Rottenpaare ge
brochen, wodurch ſich die Formation in Reihen oder Dop
pelreihen ergibt.
Die nach einer ganzen Wendung der einzelnen Rotten 528.
nebeneinander ſtehenden Männer einer Rotte bilden eine Reihe,
die nach der Wendung mit Paaren nebeneinander gelangenden
Männer eines Rottenpaares dagegen werden eine Doppel
reihe genannt.
Wenn der rechte Flügel des Zuges ſich vorne, d. h. an 529.
der Tête befindet, ſo werden die Reihen oder Doppelreihen
als rechtsformirt, im entgegengeſetzten Falle, ſomit wenn
der rechte Flügel nachfolgt oder die Queue bildet, als links
formirt bezeichnet.
Die Formirung der Reihen erfolgt auf der Stelle auf das 530.
Kommando:
„Mit Reihen rechts (links) – um !“
worauf jeder Mann des Zuges die anbefohlene ganze Wen
dung für ſich vollzieht.
Wenn das Kommando zur Formirung der Reihen 531.
während des Marſches erfolgt, ſo ſetzt die Tête die Bewe
gung nach der Wendung im vollen Schritte fort, die übri
gen Reihen verkürzen den Schritt ſo lange, bis ſich durch
das Ausſchreiten der Tête allmälig der erforderliche Raum
zur Bewegung im vollen Schritte ergibt. Die Männer des
zweiten Gliedes ſchließen nach der Wendung ſogleich durch eine
entſprechende Seitenbewegung an jene des erſten Gliedes an.
Auf ähnliche Weiſe hat ſich auch der Tambour oder
Horniſt, dann der Zimmermann zu benehmen, und dadurch
an den in der Front vor ihm befindlichen Mann des zweiten
Gliedes anzuſchließen. -

Zur Formirung der Doppelreihen erfolgt das Kommando: 532.


„Mit Doppelreihen rechts (links) – um !“
9 Ä.
j 32

worauf jedes Glied die Wendung mit Paaren nach der im


Gliederunterrichte erhaltenen Belehrung, ſomit auf der
Stelle und während des Marſches mit den gleichen Beobach
tungen vollführt. Der Tambour oder Horniſt, dann der
Zimmermann haben an die vor ihnen entſtehenden Doppel
reihen anzuſchließen und zu dieſem Zwecke bei der Ausführung
auf der Stelle vor der Wendung nach Bedarf vorzutreten.

PA - A 44 44.
###HMI/II/ITAj/I/IT/IT

533. Wenn die Front des Zuges verkehrt iſt, wird die For
mirung der Reihen oder Doppelreihen gleichfalls mittelſt des
bereits angegebenen Kommando's angeordnet und auch mit
den bekannten Beobachtungen bewirkt. Das Anſchließen der
Männer einer jeden Reihe hat daher auch in dieſem Falle
gegen die Seite des erſten Gliedes zu erfolgen.
Das dritte Glied eines mit der tragbaren Feldaus
rüſtung ausrückenden Pionnierzuges hat ſich ebenſo wie das
zweite zu benehmen, und jede Reihe in dieſem Falle aus drei,
jede Doppelreihe aus ſechs Mann zu beſtehen.
§. 31.
Bewegung des Zuges in Reihen oder Doppelreihen.
535. Wenn der Antritt der Bewegung der Formirung des
Zuges in Reihen oder Doppelreihen nicht unmittelbar folgt,
ſo hat der Zugs-Kommandant zur vorläufigen Verſtändigung
der Mannſchaft gleichfalls das Aviſo:
„Marschiren!“
zu ertheilen. Die an der Tête befindliche Charge des erſten
Gliedes hat den Marſch zu leiten und ſich in der Richtung
gegen das vom Zugs-Kommandanten beſtimmte Direktions
Objekt einige Zwiſchenpunkte zu wählen.
133

Der Marſch wird ſowol beim Beginne als auch bei 536.
der Fortſetzung desſelben nach einer kurzen Unterbrechung auf
das Kommando:
„Zug – Marsch!“
angetreten. Wenn der Zug nach der Formirung in Reihen noch
nicht von der Stelle gerückt iſt, ſo wird die Bewegung nur von
der Tête im vollen Schritte ausgeführt, während in den folgen
den Reihen jeder Mann des geringen Raumes wegen ſeinen Fuß
ſo lange dahin ſetzt, wo ihn ſein Vormann weggehoben hat, bis
ſich durch das Ausſchreiten der Tête der zur Ausführung des
vollen Schrittes erforderliche Raum ergibt, welcher dann als
bleibender Abſtand zwiſchen den Reihen zu erhalten iſt. Die
Männer des zweiten Gliedes müſſen nach dem zweiten
Schritte an jene des erſten geſchloſſen ſein. Nach der Formi
rung in Doppelreihen hat jeder Mann beim Antritte des
Marſches im vollen Schritte auszutreten und die durch die
Wendung mit Paaren entſtandene Diſtanz einzuhalten,
daher die Ausdehnung der Doppelreihen in die Tiefe auch
während des Marſches der Frontlänge des Zuges gleich
bleiben muß.
Wenn der Zugs-Kommandant mittelſt 537.
des Kommando's: S S
„Ziehung! – Halb – rechts SIIId
(links) !“ VIIId
die Ausführung einer Ziehung anordnet, voll
führt jeder Mann die halbe Wendung und SVDV.
ſetzt die Bewegung ohne Unterbrechung fort. SNYSV.
Die auf der Seite der Ziehung befindlichen
Männer aller Reihen oder Doppelreihen müſſen SDISY.
gedeckt bleiben, die übrigen aber das durch die SVIV»
Wendung erlangte Verhältniß beobachten.
Zum Uebergange aus der Ziehung in III d
538.
die gerade Marſchrichtung vollführt auf das NISV.
Kommando: D.
„Grad – aus!“
jeder Mann die erforderliche halbe Wendung, dann
134

wird die Deckung und Richtung der Reihen oder Doppelreihen


gegen die Seite des erſten Gliedes nach Bedarf verbeſſert.
539. Wenn der Zugs-Kommandant die Marſchrichtung des
Zuges mittelſt einer Schwenkung zu verändern beabſichtigt,
ſo ertheilt er das Aviſo:
„Rechts (Links) schwenken!“
worauf die Téte ſogleich ſchwenkt und in der ihr bezeichneten
Richtung gerade fortmarſchirt. Jede der folgenden Reihen
oder Doppelreihen ſchwenkt beim Anlangen an derſelben
Stelle, an welcher die Téte geſchwenkt hat, und folgt dieſer
dann in der neuen Marſchrichtung.

Der den Pivot bildende Mann jeder Reihe oder Doppel


reihe hat ſich auf einen Kreisbogen, deſſen Halbmeſſer einen
halben Schritt beträgt, zu bewegen und die Schritte unge
fähr im vierten Theile der vorgeſchriebenen vollen Länge aus
zuführen.
540. Da die Bewegung in Doppelreihen nicht nur bei den
Märſchen, ſondern auch bei den meiſten taktiſchen Formations
Veränderungen Anwendung findet, ſo muß dieſelbe ſchon bei
der Ausbildung im Zuge zum Gegenſtande fortgeſetzter
Uebung gemacht werden, bei welcher das Ausſchreiten im
vollen Schritte und das Einhalten der vorgeſchriebenen
Diſtanzen mit beſonderer Aufmerkſamkeit zu überwachen iſt.
54 1. Bei den Marſchübungen von längerer Dauer hat der
Zugs-Kommandant der Mannſchaft in Bezug auf das Tragen
der Gewehre jede thunliche Erleichterung zu geſtatten, jedoch
nie eine Abweichung von den vorerwähnten Beſtimmungen zu
dulden, weil auf der genauen Beobachtung derſelben die
Marſchordnung größerer Truppenkörper beruht und jede
135

Nachläſſigkeit in dieſer Beziehung die nachtheiligſten Folgen


haben kann.
Wenn die Bewegung im Schritte durch wiederholte 542.
Uebungen eine ſichere Haltung erlangt hat, muß abwechſelnd
auch der Lauftritt in Anwendung gebracht und hierbei gleich
falls die vorgeſchriebene Ordnung erhalten werden.
Die Bewegung im Lauftritte iſt auf das Kommando: 543.
„Im Lauftritt – Marsch!“
von allen Reihen oder Doppelreihen mit den bekannten Beobach
tungen gleichzeitig anzutreten und ebenſo auf das Kommando:
„Im – Schritt!“
ohne Stockung in fließender Weiſe zum Marſchtritte und
Takte zu mäßigen.
Um den Marſch gänzlich einzuſtellen, wird: 544.
„Zug – Halt!“
kommandirt, worauf der ganze Zug ſtehen bleibt.

- §. 32.
Veränderungen der Reihen oder Doppelreihen.
Wenn der Zugs-Kommandant dem in Reihen oder 545.
Doppelreihen formirten Zuge die der befolgten gerade entge
gengeſetzte Marſchrichtung anzuweiſen beabſichtigt, ſo hat er
das Verkehren des Zuges zu veranlaſſen, zu welchem Zwecke
die doppelte Wendung in Reihen einzeln, in Doppelreihen
dagegen mit Paaren auszuführen iſt. Dieſes Verkehren des
Zuges hat in ſoferne eine Veränderung der Formation zur
Folge, als rechtsformirte Reihen oder Doppelreihen dadurch
in linksformirte und umgekehrt ſolche in rechtsformirte ver
wandelt werden.
Um das Abfallen aus Doppelreihen in Reihen auf der 546.
Stelle zu veranlaſſen, kommandirt der Zugs-Kommandant:
„In Reihen fallt – ab!“
worauf die Männer jener Reihen, welche nach der Formation
des Zuges und der ihnen angewieſenen Rangirung voraus ge
langen müſſen, ſtehen bleiben, die Männer der anderen Reihen
aber mittelſt eines Schrittes rück- und ſeitwärts hinter die
136

DT- T– erſteren treten. Das


ETÄSIT Ts Ts Anſchließen des zwei
Es/Es/ NESE ten Gliedes an das
= =7 ES- erſte hat erſt beim
ETTET T-T- Antritte der Bewe
Es = F gung zu erfolgen.
DEISTEST TsTsTs 2.
547.
SFE
E====
*L- SC-
FTs Ts
Ä Ä
mando zum (UllEN

S=
>– -
FS -
aus Doppelreihen in
R?

= = FS Reihen während des


ETF Ts Marſchesertheilt wird,
D</ D-g/ NLSN- s

-- -- ſo ſetzen die Chargen


ET-ZEIT IT-IT- A

Ds/D- / NENE an der Tête den


E---- TTTT Marſch im vollen
Schritte fort, die erſte Doppelreihe fällt ohne Unterbrechung
der Bewegung ab, jede der folgenden verkürzt den Schritt, fällt
gleichzeitig ab, und ſetzt erſt dann wieder den Marſch im vollen
Schritte fort, wenn ſich der Raum hierzu ergibt. Die Männer
des zweiten Gliedes ſchließen an jene des erſten an.
548. Zum Aufmarſche aus Reihen in Doppelreihen wird
kommandirt:
„In Doppelreihen marschirt – auf!“
549. Bei der Ausführung auf der Stelle treten die Männer
des zweiten Gliedes der vorderen Reihen aller Paare ſo weit
ſeitwärts, daß die Männer des zweiten Gliedes der in den
Paaren nachfolgenden Reihen in die entſtandenen Zwiſchen
räume rücken können. Gleichzeitig treten jene des erſten Glie
des dieſer Reihen auswärts neben ihre Vormänner und die
Chargen an die ihnen zukommenden Plätze.

550. Während des Marſches öffnen ſich, wenn der Raum


hierzu vorhanden iſt, die vorderen Reihen aller Paare auf den
137

erſten Theil des Kommando's, ſo daß die aufmarſchirenden


Reihen auf den betonten Theil gleichzeitig vortreten können.
Die Tête muß hierbei den Schritt verkürzen, bis alle Doppel
reihen die ihnen zukommenden Diſtanzen gewonnen haben,
worauf die Annahme des vollen Schrittes vom Zugs-Kom
mandanten für den ganzen Zug angeordnet wird.
Wenn das Kommando zum Aufmarſche aus Reihen in 551.
Doppelreihen in dem Augenblicke erfolgt, wo die Tête an den
Ausgang eines Engweges gelangt, ſo iſt der Uebergang nicht
vom ganzen Zuge gleichzeitig, ſondern von den einzelnen
Reihen in dem Maße zu bewirken, als dieſelben durch die
Fortſetzung des Marſches den hierzu geeigneten Raum
erreichen.

rr rºt -
" "
EIE
Mº -
EIT
Die Beſchaffenheit des Weges kann zuweilen auch das 552.
Abfallen aus Reihen in Rotten nothwendig machen. Der
-,
Zugs-Kommandant kommandirt in dieſem Falle während des
Marſches:
„In Rotten fallt – ab!“
worauf eine Reihe nach der andern in die Rottenſtellung über
geht, indem die Männer des zweiten Gliedes ſich nach Maß
gabe des entſtehenden Raumes hinter ihre Vormänner des
erſten Gliedes ziehen. Der Tambour oder Horniſt und der
Zimmermann haben ſich hierbei zwiſchen die übrige Mann
ſchaft einzureihen.
Zum Aufmarſche aus Rotten in Reihen erfolgt das 553.
Kommando:

„In Reihen marschirt – auf!“


worauf eine Rotte nach der andern beim Hervorbrechen aus
der beengten Wegſtrecke in die Reihenſtellung übergeht und
die Tête den Schritt verkürzt, bis nach dem Anſchließen der
138

letzten Reihe das Kommando zum Ausſchreiten im vollen


Schritte vom Zugs-Kommandanten ertheilt wird.

§. 33.
Entwicklung des Zuges aus Reihen oder Doppelreihen.
554. Die Entwicklung des Zuges aus Reihen oder Doppel
reihen in die Front kann auf die Téte, d. h. vorwärts,
dann auf jede der beiden Seiten, alſo links oder rechts
ſtattfinden und in jedem dieſer Fälle auf das erſte oder auf
das zweite Glied bewirkt werden.
555. Zum Aufmarſche auf die Téte ertheilt der Zugs-Kom
mandant zuerſt das Aviſo:
„Vorwärts aufmarschiren!“
und deutet dadurch der Mannſchaft die Richtung an, gegen
welche die Front des Zuges nach der Entwicklung gewendet
ſein ſoll. Auf das folgende Kommando: -

„Halb – links (rechts)!“


oder:
„Halb – rechts (links) !“
vollführt der ganze Zug mit Ausnahme des an der Seite
dieſer Wendung befindlichen Unteroffiziers der Tête, welcher
den Stützpunkt der neuen Frontlinie zu bilden hat, die
bezeichnete halbe Wendung. Wenn nur ein Unteroffizier an
der Tête vorhanden iſt, ſo hat derſelbe bei der Wendung
gegen die Seite des zweiten Gliedes nach Bedarf ſeitwärts zu
treten, um in das der Charge dieſes Gliedes zukommende
Verhältniß zu gelangen.
556. Bei der Ausführung auf der Stelle wird der Beginn
des Aufmarſches durch das weitere Kommando:
„Marsch!“
veranlaßt. -

557. Zur Entwicklung der Front aus Reihen ſetzt ſich hierauf
der ganze Zug mit Ausnahme des den Stützpunkt bildenden
Unteroffiziers, welcher ſtehen bleibt, nach der der Wendung
entſprechenden Seite in die Ziehung. Die Männer des an
der gewählten Aufmarſchſeite befindlichen Gliedes bilden
139

während dieſer Bewegung die äußere Wand und jeder derſelben


herſtellt ſich, ſobald er neben ſeinen früheren Vormann gelangt,
r- - - - - - - - - - - - - - - - ---------

mittelſt einer der erſten TS


entgegengeſetzten halben
Wendung in die Front,
ſchließt ſich an den bereits
in derſelben ſtehenden Ne
benmann und ſucht durch
einen Blick die Richtung
zu gewinnen, behält aber
den Kopf und die Schul
tern in der geraden Stel
lung. Die Männer des
andern Gliedes gehen, ſo
bald jene an der Seite des
Aufmarſches ſich als vor
deres Glied herſtellen,
nach Maß des ſich erge
benden Raumes in die
Rottenſtellung über und
berichtigen die Deckung
und Gliederdiſtanz.
Die Ent
wicklung des
Zuges aus
Doppelreihen " ,

in die Front errt. - ***


vorwärts iſt L 2 SY SY.
auf der Stelle F - - - -
nach denſelben TTTF
Beſtimmungen - T.
zu bewirken --+--- -

und hierbei Ä . -

nur noch zu …
beachten, daß “
die zwei neben
1 40

einander ſtehenden Männer jedes Paares vereint in die Front


linie ihres Gliedes rücken müſſen.
559. Wenn die Entwicklung des Zuges aus Reihen oder
Doppelreihen in die Front vorwärts während des Marſches
bewirkt werden ſoll, ſo muß die erforderliche halbe Wendung
ohne Unterbrechung der Bewegung ausgeführt und dieſe von
dem zum Stützpunkte beſtimmten Unteroffiziere im verkürzten
Schritte in gerader Richtung fortgeſetzt werden. Die auf
marſchirenden Reihen oder Doppelreihen rücken nach dem
Kommando zur halben Wendung im vollen Schritte in die
Front ein, wo ſie denſelben gleichfalls verkürzen, bis der
Zugs-Kommandant nach Beendigung des Aufmarſches wieder
das Ausſchreiten im vollen Schritte anordnet. Bei der Ent
wicklung auf das erſte Glied muß hierauf während der Fort
ſetzung des Marſches nach dem bekannten Grundſatze gegen
die rechte, bei der Entwicklung auf das zweite Glied gegen die
linke Seite angeſchloſſen werden, wo ſich der mit der Leitung
des Marſches beauftragte Unteroffizier befindet.
560. Die Entwicklung des Zuges aus Reihen oder Doppel
reihen in die Front vorwärts kann auch unmittelbar nach dem
Hervorbrechen aus einer ſchmalen Wegſtrecke nothwendig
werden. In dieſem Falle hat der Zugs-Kommandant das
Kommando zum Aufmarſche in dem Augenblicke zu ertheilen,
wo die Tête an den Ausgang des Engweges gelangt. Die
Ausführung wird der Weſenheit nach von den einzelnen
Reihen oder Doppelreihen mit den bereits angegebenen
Beobachtungen bewirkt, jedoch nicht vom ganzen Zuge gleich
zeitig, ſondern in dem Maße begonnen, als die der Tête
folgenden Reihen oder Doppelreihen durch die Fortſetzung
des Marſches den zur Entwicklung erforderlichen Raum
gewinnen.
561. Zur Entwicklung des Zuges aus Reihen oder Doppel
reihen mit der Front gegen eine Flanke, alſo gleichlaufend
mit der Marſchrichtung, ertheilt der Zugs-Kommandant das
Kommando:
„Links (Rechts) – Front !“
41

wenn die Herſtellung rechts (links) formirter Reihen oder


Doppelreihen auf das erſte Glied, und:
„Rechts (Links) – Front!“
wenn ſie auf das zweite Glied bewirkt werden ſoll.
Wenn der Zug ſteht und nach der Formirung in Reihen 562.
noch nicht von der Stelle gerückt war, wird auf das
angegebene Kommando die ganze Wendung nach der bezeich
neten Seite ausgeführt und dadurch die Front herſtellt.
Iſt der Zug nach der Formirung in Reihen von der Stelle
gerückt, ſomit das zweite Glied an das erſte angeſchloſſen, ſo
hat der Zugs-Kommandant das angegebene Kommando zur
Entwicklung in eine Flanke während des Marſches zu erthei
len. Die an der Tête befindlichen Chargen bleiben hierauf
ſtehen, vollführen gleichzeitig die ganze Wendung gegen die im
Kommando genannte Seite und nehmen die Rottenſtellung
an. An die Chargen ſchließt ſich mit derſelben Beobachtung
die erſte Reihe, alle übrigen Reihen rücken gerade vor,
und jede derſelben herſtellt ſich auf die nämliche Art, wenn
ſie ihren Vormännern ſo nahe gekommen iſt, daß ſie mit
der Wendung das richtige Verhältniß erlangt und daher zum
Behufe des Anſchließens nicht mehr ſeitwärts zu rücken hat.
Zur Entwicklung des Zuges aus Doppelreihen 563.
*»ma

wird auf das be-T


zeichnete Komman- L: ..
do auf der Stelle
oder während des
Marſches die ent
ſprechende Wen- [ZT

dung mit Paaren


in beiden Gliedern
gleichzeitig ausge- ---
führt und im letz
teren Falle die Be
wegung ohne Un
terbrechung fortge
ſetzt.
142

564. Soll die Frontlinie des Zuges beim Herſtellen der


Front nach einer Seitenbewegung in Doppelreihen mit der
früheren Richtung vollkommen übereinſtimmend bleiben, ſo
hat der Zugs-Kommandant beim Anlangen an dem neuen
Aufſtellungspunkte das Abfallen in Reihen und dann erſt die
Entwicklung anzuordnen.
565. Wenn der Zugs-Kommandant den Zug aus rechtsfor
mirten Reihen oder Doppelreihen in die rechte Flanke auf
das erſte Glied oder aus linksformirten Reihen oder Doppel
reihen mit derſelben Bedingung in die linke Flanke zu
entwickeln beabſichtigt, ſo kommandirt er:
„Rechts (Links) schwenken und aufmarschiren!“
und wenn die Entwicklung unter denſelben Formationsverhält
niſſen auf das zweite Glied erfolgen ſoll:
„Links (Rechts) schwenken und aufmarschiren!“
Die Ausführung hat von der Stelle erſt auf das weitere
Kommando:
„Marsch!“
während der Bewegung aber unmittelbar nach dem Kom
mando zum Aufmarſche zu beginnen und der Zugs-Komman
dant daher bei der Ertheilung desſelben das mit der Ent
wicklung zu erreichende Aufſtellungsverhältniß zu berück
ſichtigen.
566. Zur Entwicklung des Zuges aus Reihen vollführen die
an der Tête befindlichen Chargen eine ganze Schwenkung nach
der im Kommando bezeichneten Seite, gehen nach der Schwen
kung ſogleich in die Rottenſtellung über, rücken bis in die vom
Zugs-Kommandanten gewählte Linie, welche beim Unterrichte
ſechs Schritte vom Schwenkungspunkte entfernt ſein ſoll, gerade
vor und bleiben dann ſtehen. Die erſte Reihe vollführt die
Schwenkung einen Schritt ſpäter als die Chargen, der Mann
des voraus gelangenden Gliedes rückt dann gerade vor und
ſchließt ſich an den Unteroffizier, jener des andern Gliedes
zieht ſich nach der Schwenkung ſogleich in die Rottenſtellung
und gelangt dadurch beim Einrücken in die Frontlinie, eben
falls in ſein Verhältniß. Jede der folgenden Reihen vollführt
143

die Schwenkung auf ähnliche Weiſe um einen Schritt ſpäter


als die vorhergehende und rückt dann wie dieſe in die Front.

– H. H
Die Entwicklung des Zuges aus Doppelreihen iſt mit 567.
denſelben Beobachtungen zu bewirken, jede Doppelreihe
ſchwenkt gegen die Seite des Aufmarſches, dann rücken die
Paare jedes Gliedes geſchloſſen in die Frontlinie ein.

Der Tambour oder Horniſt, dann der Zimmermann 568.


haben bei jeder Entwicklung des Zuges aus Reihen oder
Doppelreihen in der den Umſtänden angemeſſenſten Weiſe die
ihnen zukommende Aufſtellung hinter, oder beim Aufmarſche
auf das zweite Glied vor der Mitte des Zuges zu gewinnen.
Wenn die Mannſchaft bei einem Aufmarſche auf der 569.
Stelle die Frontlinie nicht richtig erfaßt hat, ſo iſt die Aus
gleichung vom Zugs-Kommandanten nach Bedarf mittelſt
einer Richtung nach den Chargen zu bewirken, das willkür
liche Vor- oder Zurücktreten nach dem Einrücken in die
Front aber unter keiner Bedingung zu dulden. Die Herſtel
144

lung der Front nach einem Aufmarſche auf das zweite Glied
muß in der bekannten Weiſe mitteiſt einer doppelten Wendung
bewirkt werden, welche nach der Entwicklung aus Reihen
einzeln, nach jener aus Doppelreihen mit Paaren zu veran
laſſen iſt.
Das dritte Glied eines mit der tragbaren Feldausrüſtung
ausrückenden Zuges der Pionniere hat ſich bei der Entwick
lung aus Reihen oder Doppelreihen nach den für das zweite
Glied feſtgeſetzten Beſtimmungen zu benehmen.

§. 34.
Einzelne und reihenweiſe Defilirung.
57 . Die einzelne und reihenweiſe Defilirung hat den Zweck,
die Mannſchaft an eine freie und ſelbſtſtändige Haltung
während des Marſches zu gewöhnen und ſie in dieſer Bezie
hung prüfend zu beurtheilen.
572. Um die einzelne Defilirung anzuordnen, ertheilt der
Zugs-Kommandant das Kommando:
„Einzeln defiliren! – Rechts (Links) – um!“
Der ganze Zug, mit Ausnahme der Chargen auf dem der
Wendung entſprechenden Flügel, vollführt dieſe Anordnung.
Der am andern Flügel des erſten Gliedes befindliche Unter
offizier ſtellt ſich nach der Wendung neben dem zuerſt ab
rückenden Flügelmann des erſten Gliedes zur Bezeichnung
des Wendungspunktes auf.
573. Der Zugs-Kommandant bezeichnet hierauf der an die
Tête gelangenden Charge ein Direktions-Objekt und gleich
zeitig auch den Punkt, an welchem der Zug wieder zu formiren
iſt, dann ſtellt er ſich in einiger Entfernung von der Front des
Zuges an der Defilirungslinie auf und kommandirt zum An
tritte der Bewegung:
„Marsch!“
worauf der Unteroffizier des erſten Gliedes in gerader Rich
tung vorrückt. Wenn dieſer den linken Fuß zur Vollführung
des fünften Schrittes vorſetzt, tritt der Flügelmann des erſten
Gliedes aus, wendet ſich in die Defilirungslinie und folgt
145

der Charge im Abſtande von vier Schritten. Auf dieſe Weiſe


tritt ein Mann nach dem andern aus, wendet ſich beim An
langen an den zur Bezeichnung des Wendungspunktes aufge
ſtellten Unteroffizier und folgt dem vormarſchirenden Manne
nach. Wenn das ganze erſte Glied abgerückt iſt, ſetzt ſich das
zweite Glied mit denſelben Beobachtungen in Bewegung und
die den Wendungspunkt bezeichnende Charge rückt dem letzten
Manne nach.
Während der Defilirung hat jeder Mann auf den vor 574.
ihm befindlichen gedeckt zu bleiben und den beſtimmten Abſtand
von vier Schritten einzuhalten, bei der Annäherung an den
Zugs-Kommandanten auf drei Schritte den Kopf gegen denſel
ben zu wenden, und ſich, wenn er drei Schritte vorüber gelangt
iſt, wieder zu herſtellen. Gleichzeitig mit der Wendung des
Kopfes hat der Jäger die rechte Hand an den Kolbenhals, der
mit dem Korps-Gewehre ausgerüſtete Soldat an den Kolben
zu bringen und mit der Herſtellung den Riemen wieder zu
erfaſſen.
Wenn ein Tambour oder Horniſt mit dem Zuge ausge 575.
rückt iſt, ſo hat derſelbe vor dem Beginne der Defilirung ſich
ungefähr zehn Schritte gegenüber vom Zugs-Kommandanten
aufzuſtellen und den Marſch zu ſchlagen oder zu blaſen. Der
Zimmermann hat dem zweiten Gliede zu folgen.
Die reihenweiſe Defilirung erfolgt auf das Kommando: 576.
„Mit Reihen (Doppelreihen) defiliren!“
indem auf das weitere Kommando:
„Mit Reihen (Doppelreihen) rechts (links) – um!“
vom ganzen Zuge die entſprechende Wendung ausgeführt und
von der betreffenden Flügel-Charge des erſten Gliedes der
Wendungspunkt bezeichnet, dann auf das Kommando:
„Marsch!“
die Bewegung von den einzelnen Reihen oder Doppelreihen
mit den für die einzelne Defilirung feſtgeſetzten Beobachtun
gen angetreten wird. Die Wendung der Köpfe und die Her
ſtellung von derſelben iſt von den Männern einer jeden Reihe
oder Doppelreihe gleichzeitig auszuführen.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 10
146

577. Bei der einzelnen Defilirung eines in drei Gliedern for


mirten Pionnierzuges hat das dritte Glied nach dem zweiten
abzurücken.
§. 35.
Gewehrgriffe.
578. Die Uebung der Gewehrgriffe iſt im Zuge nach den für
den Unterricht im Gliede feſtgeſetzten Beſtimmungen vorzu
nehmen.
§. 36.
Form irung der Gewehr-Pyramiden.
579. Zur Formirung der Gewehr - Pyramiden müſſen die
Bajonnete gepflanzt und die Gewehre beim Fuß genommen
werden, dann erfolgt das Kommando:
„In Pyramiden setzt – an!“
Der im erſten Gliede links ſtehende Mann eines jeden
Rottenpaares bringt hierauf ſein Gewehr vor die Mitte des
Leibes, umfaßt dasſelbe mit der linken Hand am obern Theile
des Schaftes und ſtellt es ſchräge ſo vor ſich, daß der Kolben
auswärts neben die Spitze des linken Fußes gelangt, der Lauf
vorwärts gewendet und die Mündung gegen die rechte Seite
geneigt iſt. Mit der rechten Hand umfaßt er dann das ihm
vom rechtsſtehenden Nebenmanne dargereichte Gewehr am
obern Theile des Schaftes und ſchnellt dasſelbe ſo vor ſeine
rechte Schulter, daß der Kolben ungefähr auf einen Schritt
vor der Front auf den Boden gelangt. Die Mündung dieſes
Gewehres wird nach rückwärts geneigt und das Bajonnet mit
jenem des eigenen Gewehres ſo zuſammengefügt, daß die
Bajonnethälſe ſich kreuzen.
Der im zweiten Gliede links ſtehende Mann eines jeden
Rottenpaares tritt mit dem linken Fuße bis zum Abſatze des
Vormannes vor, neigt gleichzeitig die Mündung ſeines Ge
wehres vorwärts, umfaßt dasſelbe hierbei mit der linken Hand
am obern Theile des Schaftes und ſteckt das Bajonnet unter
den gekreuzten Bajonnethälſen der Gewehre des Vormannes
durch.
147

Dieſer umfaßt nun das dritte Gewehr mit der rechten


Hand und ſchiebt den Kolben desſelben ſo weit rechts ſeit
wärts, daß er neben der linken Fußſpitze des rechten Neben
mannes auf den Boden kommt.
Das Gewehr des vierten Mannes in jedem Rottenpaare
iſt durch die Vermittlung des Vormannes an die Pyramide
zu lehnen.
Die Chargen und die Männer einer einzelnen Flügel
rotte haben ihre Gewehre an die nächſte Pyramide zu ſetzen.
Zum Ergreifen der Gewehre wird kommandirt: 580.
„Ergreift das – Gewehr!“
Die nur angelehnten Gewehre werden hierauf zunächſt erfaßt
und von den betreffenden Chargen und Männern übernommen.
Der im erſten Gliede links ſtehende Mann eines jeden
Rottenpaares ergreift mit der linken Hand das eigene, mit
der rechten das Gewehr ſeines Nebenmannes am obern Theile
des Schaftes und neigt, ſobald ſein Hintermann das ihm ge
hörende dritte Gewehr mit der rechten Hand erfaßt hat, die
Pyramide, ohne die Gewehre vom Boden zu erheben, ein
wenig gegen die linke Seite.
Der Mann des zweiten Gliedes zieht nun ſein Gewehr
zurück und der im erſten Gliede jedes Rottenpaares rechts
ſtehende Mann übernimmt endlich auch ſein Gewehr.
Wenn der Mannſchaft nach der Formirung der Gewehr 581.
Pyramiden geſtattet wird, auseinander zu gehen, ſo hat die
ſelbe ſich auf das Aviſo oder Signal:
„Vergatterung!“
in der geſchloſſenen Ordnung hinter den Gewehren zu ſam
meln, dieſe aber erſt auf das Kommando des Zugs-Komman
danten zu ergreifen, wird dagegen das Aviſo oder Signal:
„Allarm!“
ertheilt, ſo ſind die Gewehre nach dem Eintreffen in der Ein
theilung ohne Verzug zu ergreifen und nach dem Verſorgen
der Bajonnete ohne Kommando zu ſchultern.
Um die Gewehre hinter der Front anzuſetzen, muß dieſe 582.
vorher verkehrt und die Formirung der Pyramide von dem
10 *
148

im zweiten Gliede links ſtehenden Manne eines jeden Rotten


paares mit den angegebenen Beobachtungen bewirkt werden.
583. Wenn die Rüſtung bei den Pyramiden abzulegen iſt,
hat jeder Mann den Ueberſchwungriemen und die Patrontaſche
an ſein Gewehr zu hängen und die Torniſter eines jeden
Rottenpaares ſind unter der Gewehr-Pyramide desſelben
geordnet niederzulegen.

§. 37.

Laden und Feuern.

584, Um das Laden der Gewehre zu veranlaſſen, ertheilt der


Zugs-Kommandant das Kommando:
„La – det!“ -

worauf die Gewehre zum Laden herabzubringen ſind, die


erforderliche Vorbereitung zu bewirken, dann die Ladung
ohne Verzug zu beginnen und möglichſt raſch durchzuführen
iſt. Nach beendeter Ladung ſind die Gewehre zu ſchultern.
585. Wenn der Zug in geſchloſſener Ordnung feuern ſoll,
erfolgt zur Verſtändigung der Mannſchaft das Signal:
„Feuer!“
oder wenn kein Horniſt anweſend iſt, das Aviſo:
„Feuern!“
worauf die Chargen beider Glieder vier Schritte gerade
zurücktreten.
586. Auf das Kommando:
„Zug!“
hat jeder Mann des zweiten Gliedes ſchnell einen halben
Schritt vor, und ſo viel ſeitwärts zu treten, daß er mit der
Mittellinie ſeines Körpers gerade hinter die rechte Achſel
ſeines Vormannes zu ſtehen kommt. Gleichzeitig haben ſich
auch beide Glieder in der beim Gliederunterrichte angegebenen
Weiſe zu öffnen.
587. Der Zugs-Kommandant kommandirt dann:
„Fertig!“
149

worauf die Mannſchaft beider Glieder die Gewehre fertig


nimmt.
Das Feuer wird dann gliederweiſe abgegeben und der 588.
Zugs - Kommandant ertheilt zu dieſem Zwecke das Kom
mando:
„Zweites Glied – an! – Feuer!“
worauf die Mannſchaft des genannten Gliedes die Gewehre in
Anſchlag bringt, ruhig abdrückt und dann ſogleich die Ladung
beginnt, nach deren Beendigung die Gewehre wieder fertig zu
nehmen ſind.
Wenn das zweite Glied nach dem Anſetzen der Ladung 589.
die Ladſtöcke aus den Läufen gehoben hat, wird das erſte
Glied mittelſt des Kommando's:
„Erstes Glied – an! – Feuer!“
zum Feuern befehligt und in dieſer Abwechslung ſo lange
fortgefahren, als es den Abſichten des Zugs-Kommandanten
entſpricht. Nach dem Abfeuern hat die Mannſchaft beider
Glieder ohne Verzug zu laden, jene des erſten aber die
Gewehre erſt dann zum Aufſetzen der Kapſel zu erheben, wenn
das zweite Glied ſeine Gewehre abgefeuert hat.
Zum Einſtellen des Feuers ertheilt der Zugs-Kommandant 590.
das Aviſo:
„Feuereinstellen!“
oder er läßt, wenn ein Horniſt anweſend iſt, dieſes Signal
blaſen. Die Mannſchaft beider Glieder hat hierauf die gela
denen Gewehre ſogleich, die abgefeuerten aber erſt nach beendeter
Ladung zu ſchultern.
Auf das Kommando:
„Herstellt – euch!“
berichtigt das zweite Glied durch ein entſprechendes Seit- und
Rückwärtstreten die Deckung und Gliederdiſtanz, gleichzeitig
ſchließen beide Glieder gegen die Mitte des Zuges an und die
Chargen treten an ihre Plätze vor.
Wenn der Zug mit verkehrter Front zum Feuern befehligt 591.
wird, ſo hat auf das dießfällige Aviſo der Tambour oder Hor
150

niſt, dann der Zimmermann um den Flügel des Zuges hinter


das erſte Glied zu rücken und bis zum Einſtellen des Feuers
daſelbſt zu verbleiben. Das rückwärts ſtehende erſte Glied,
welches vor dem Fertignehmen der Gewehre vorzutreten hat,
iſt in dieſem Falle zuerſt zum Feuern zu befehligen und das
zweite Glied hat bei der Wiederholung des Feuerns vor dem
Aufſetzen der Kapſel die angedeutete Pauſe einzuhalten.
592. Um die Mannſchaft in jeder Beziehung für die Verwendung
in größeren Abtheilungen vorzubereiten, muß dieſelbe auch über
ihr Benehmen beim Feuergefechte gegen die Kavallerie belehrt
werden. Der Zugs-Kommandant läßt zu dieſem Zwecke die
Bajonnete pflanzen und die Gewehre in Arm nehmen, dann
ertheilt er das Kommando:
„In vier Glieder! – Linker (Rechter) Schwarm
rechts (links) – um! – Marsch!“
worauf der genannte Theil des Zuges die Wendung vollführt,
hinter den andern Schwarm rückt und ſich mit Beobachtung
der Gliederdiſtanz herſtellt. Zur Vervielfältigung der Uebung
iſt der Zug in dieſer Formation auch zum Verkehren zu
befehligen. Die Chargen haben ſich bei dieſer Uebung am
Feuergefechte zu betheiligen und können nach Umſtänden auch
zum Ausfüllen halber Rotten in Anſpruch genommen werden.
593. Wenn der Zug in der angedeuteten Art mit der Tiefe
von vier Gliedern formirt iſt, erfolgt das Aviſo:
„Klumpen!“
oder das entſprechende Signal.
594. Die Mannſchaft aller vier Glieder nimmt hierauf die
Gewehre fertig, jedoch nur jene des zweiten Gliedes legt die
Zeigefinger an die Griffbügel, während jene der übrigen
Glieder die Gewehre am Kolbenhalſe voll umfaßt.
Die Männer des zweiten, dritten und vierten Gliedes,
deren Gliederdiſtanz in der beim Feuern angegebenen Weiſe
vermindert werden muß, treten gleichzeitig nach Bedarf vor
und ſo weit rechts ſeitwärts, daß ſie aufeinander gedeckt mit
ihrer Mittellinie hinter die rechte Achſel des Vormannes im
erſten Gliede zu ſtehen kommen.
151

Jeder Mann des erſten Gliedes läßt ſein Gewehr mit der 595.
Bajonnetſpitze ſo weit herabſinken, daß der Lauf beinahe eine
wagrechte Lage erhält und die Abrundung des Kolbens im
Buge des rechten Armes eine feſte Stütze findet. Das Gewehr
muß mit der linken Hand kräftig umfaßt, der linke Elbogen
feſt an die Seite gedrückt, und die Schwere des Körpers mehr
auf den linken Fuß verlegt werden.
Der Zugs-Kommandant hat die Mannſchaft zu belehren, 596.
daß ſie in dieſer Verfaſſung von der Kavallerie nichts zu
beſorgen hat und durch den geregelten und wirkſamen Gebrauch
ihrer Feuerwaffen jeden Reiter-Angriff ſiegreich zurückzuweiſen
vermag. Die Mannſchaft muß daher erinnert werden, daß ſie
bei der Vertheidigung gegen die Kavallerie jederzeit mit der
geſpannteſten Aufmerkſamkeit auf die Befehle des Komman
danten zu achten habe, und daß jeder Mann, der es wagen
ſollte ſein Gewehr in dieſem Verhältniſſe ohne Kommando
abzufeuern, der ſchärfſten Strafe verfalle.
Die Benennung der Glieder im Kommando zum Feuern 597.
hat ſich bei der Vertheidigung gegen die Kavallerie immer auf
das augenblickliche Aufſtellungs-Verhältniß zu beziehen, und
iſt daher auch in dieſem Sinne aufzufaſſen. Beim Vollzuge
des entſprechenden Befehles, d. i. beim Anſchlagen des
Gewehres, darf nicht auf die Reiter, ſondern es muß immer
auf die Bruſt der Pferde gezielt werden.
Auf das Kommando: 598.
„Zweites Glied – an! – Feuer!“
bringt dieſes die Gewehre mit der angedeuteten Beobachtung
in Anſchlag und verwechſelt dieſelben nach dem Abgeben des
Feuers raſch mit den Gewehren des dritten Gliedes, welches
wieder mit dem vierten Gliede wechſelt, deſſen Mannſchaft die
übernommenen abgefeuerten Gewehre wie früher die eigenen
zu halten hat.
Wenn das zweite Glied wieder ſchußfertig iſt, wird es 599.
neuerdings zum Feuern befehligt, worauf die Gewehre mit
dem dritten Gliede gewechſelt werden, welches nun die über
nommenen Gewehre behält.
Das zweite Glied kann nun zum dritten Male feuern
und bringt dann die Gewehre in die für das erſte Glied vor
geſchriebene Lage, erhebt aber die Bajonnetſpitzen hierbei bis
zur Höhe der Schultern. -

600. Um das erſte Glied zum Feuern zu befehligen, komman


dirt der Zugs-Kommandant:
„Erstes Glied – an! – Feuer!“
worauf dieſes Glied die Gewehre in Anſchlag bringt und
abfeuert, dann ſogleich wieder die frühere Stellung annimmt.
601. Die Ladung der Gewehre iſt durch das Kommando:
„La – det!“
zu veranlaſſen und von allen vier Gliedern mit den bekannten
Beobachtungen zu bewirken, dann ſind die Gewehre wieder
wie früher fertig zu nehmen.
602. Beim Einſtellen des Feuers hat die Mannſchaft auf das
Aviſo oder Signal:
„Feuereinstellen!“
alle Gewehre zu laden und dann in Arm zu nehmen, jedoch
vorher nach Bedarf ſo zurückzuwechſeln, daß jeder Mann
wieder ſeine eigene Feuerwaffe erhält. Auf das dann folgende
Kommando:
„Herstellt – euch!“
hat das zweite, dritte und vierte Glied die Deckung und
Gliederdiſtanz zu berichtigen.
603. Zum Behufe des Wechſelns bringt der Mann des
vordern Gliedes ſein Gewehr in die vertikale Lage, wen
det ſich mit dem Oberleiberechts zurück und überläßt dem Hin
termann das Gewehr, indem er es mit beiden Händen nahe
am Leibe ſo hält, daß die rechte Hand knapp oberhalb des Hüft
knochens zu liegen kommt. Das ihm vorgereichte Gewehr
umfaßt er mit der linken Hand am Abſehen und nimmt es,
indem er ſich mit dem Oberleibe wieder vorwärts wendet,
während des Feuergefechtes fertig, nach dem Einſtellen des
Feuers aber in Arm.
604. Der Mann des hintern Gliedes ſtößt ſein Gewehr zum
Wechſeln mit der rechten Hand vorwärts, umfaßt das Gewehr
153

des Vormannes mit der linken Hand am Abſehen und nach


dem Abgeben des eigenen Gewehres mit der rechten Hand am
Kolbenhalſe.
Wenn die Gewehre nach dem Einſtellen des Feuers 605.
zwiſchen dem zweiten und vierten Gliede verwechſelt werden
müſſen, haben die Männer des dritten Gliedes in ſo ferne mit
zuwirken, als ſie die Gewehre des vierten Gliedes der Mann
ſchaft des zweiten zu übergeben und dafür die vorne über
nommenen Gewehre zurück zu reichen haben.
Um den Zug nach Beendigung dieſer Uebung wieder in 606.
zwei Glieder zu formiren, kommandirt der Zugs-Kommandant:
„In zwei Glieder! – Linker (Rechter) Schwarm
links (rechts) – um! – Marseh !“
worauf der benannte Theil des Zuges die Wendung vollzieht,
in ſein Verhältniß rückt und ſich herſtellt.
Zum Behufe der Uebung des Feuergefechtes gegen die 607.
Kavallerie kann der Zugs-Kommandant, wenn der Zug hin
länglich ſtark iſt, mittelſt des Kommando's:
„Schwärme mit Doppelreihen rechts und links – um!“
die beiden Schwärme zur entſprechenden Wendung nach aus
wärts veranlaſſen. Die Chargen ſchließen ſich in dieſem Falle
neben der vorderſten Doppelreihe ihres Schwarmes auf der
Seite des erſten Gliedes an, und wenn ſich Lücken ergeben
haben, ſo treten die hinter denſelben befindlichen Männer zur
Ausfüllung vor. Die weiteren Anordnungen hat der Zugs
Kommandant in der bekannten Weiſe zu ertheilen und die
Ausführung iſt von der Mannſchaft mit Rückſicht auf das
erlangte Aufſtellungsverhältniß zu bewirken. Nach Beendi
gung der Uebung erfolgt das Kommando:
„Links und rechts – Fromt!“
worauf gleichzeitig mit der Wendung der Schwärme auch die
Chargen an ihre Plätze treten.
Die Ausführung der General-Decharge erfolgt auf das 608.
Aviſo:
„Zur General-Decharge !“
154

und die Kommando:


„Zug! – Fertig! – Hoch – an! – Feuer –
Schul – tert! – Herstellt – euch!“
nach den beim Gliederunterrichte feſtgeſetzten Beſtimmungen.
Beide Glieder nehmen die Gewehre fertig, die Mannſchaft
des zweiten tritt vor- und rechts ſeitwärts und berichtigt beim
Herſtellen die Deckung und Gliederdiſtanz. Die Chargen blei
ben an ihren Plätzen.
609. Der Zugs-Kommandant läßt nach dem Herſtellen auf
das Kommando:
„Zug rechts (links) – schaut!“ -

vom ganzen Zuge die Köpfe wenden und bei der Infanterie
auch präſentiren, wobei die Chargen ihre Gewehre in rechten
Arm nehmen. Die Herſtellung von der Kopfwendung erfolgt
dann auf das Kommando:
„Habt – Acht!“
hierauf wird bei der Infanterie geſchultert, und endlich nach
Bedarf wieder das Laden der Gewehre veranlaßt.
610. Bei einem in drei Gliedern formirten Pionnierzuge
bleibt die Mannſchaft des dritten Gliedes beim Feuern der
zwei erſten Glieder und bei der General-Decharge ruhig
ſtehen, vor der Uebung des Feuergefechtes gegen die Kaval
lerie hat dieſelbe bei Seite zu treten.
§. 38.
Bajonnet-Angriff.
611. Um den Zug zu verſtändigen, daß die Ausführung eines
Bajonnet-Angriffes bevorſteht, ertheilt der Zugs-Komman
dant das Aviſo:
„Sturm!“
oder er läßt das entſprechende Signal vom Horniſten oder
Tambour geben, worauf der ganze Zug raſch die Bajonnete
pflanzt und die Gewehre wieder ſchultert.
612. Die Vorrückung wird mit den bekannten Beobachtungen
ausgeführt und während derſelben ohne Unterbrechung der
Sturmmarſch geſchlagen oder geblaſen. Wenn der Zug ſich
155

dem gewählten Angriffspunkte hinlänglich genähert hat, um


den weitern Anmarſch ohne Erſchöpfung der Kräfte und ohne
Erſchütterung der Ordnung beſchleunigen zu können, kom
mandirt der Zugs-Kommandant:
„Im Lauftritt – Marsch!“
worauf die Gewehre mit dem Uebergange in den Lauftritt in
die Balance zu nehmen ſind. Der Takt des Sturmmarſches iſt
zu beſchleunigen, die Bewegung im Lauftritte aber möglichſt
geſchloſſen und gleichmäßig auszuführen.
In ganz kurzer Entfernung vom Angriffspunkte hat
der Zugs-Kommandant ein kräftiges:
„Hurrah!“
erſchallen zu laſſen. Chargen und Mannſchaft wiederholen
dieſen Ruf, fällen die Bajonnete und ſtürzen ſich, ohne die Ord
nung der Glieder zu brechen, entſchloſſen auf den Feind und
werden hierbei durch das raſch und lebhaft ertönende Signal:
„Sturm!“
angeeifert.
Um den Anlauf zu beenden, kommandirt der Zugs-Kom 61 3.
mandant:
„Im – Schritt!“
oder
„Zug – Halt!“
worauf auch die Gewehre zu ſchultern ſind. Wenn die Mann
ſchaft ſich in Folge des Bajonnet-Angriffes getrennt haben
ſollte, ſo muß ungeſäumt die Rallirung veranlaßt werden.
Der Zugs-Kommandant hat die Mannſchaft dann zu 614.
belehren, daß der Bajonnet-Angriff nicht nur in Anwendung
kommt, um den Feind aus ſeiner Aufſtellung zu verjagen,
ſondern daß dieſe Maßregel auch dem Ehrgefühle einer tapferen
Truppe entſpricht, wenn es ſich darum handelt, einen beſetzten
Punkt gegen den Angriff des Feindes ſiegreich zu behaupten.
Zu dieſem Zwecke ordnet der Zugs-Kommandant als Vor 615.
bereitung das Pflanzen der Bajonnete an, ertheilt dann das
Signal oder Aviſo zum Feuern, läßt während der Annäherung
des Angreifers das Feuer gliederweiſe ſo oft als möglich
156

wiederholen, und wenn der Zeitpunkt für den Kampf mit der
blanken Waffe herankommt, das Signal:
„Sturm!“
blaſen. Auf das dann folgende Kommando:
„Zweites (Erstes) Glied tief – an! – Feuer!“
werden die Gewehre noch einmal im tiefen Anſchlage gegen den
anrückenden Feind abgefeuert, aber nicht mehr geladen, ſon
dern es hat ſich auf das:
„Hurrah!“
des Zugs-Kommandanten der ganze Zug von der Stelle im
Lauftritte mit der blanken Waffe geſchloſſen auf den Angrei
fer zu werfen und hierbei den Ruf des Anführers zu wie
derholen. Gleichzeitig hat der Spielmann das Signal zum
Sturme möglichſt lebhaft ertönen zu laſſen.
Da der Bajonnet-Angriff bei den meiſten taktiſchen Un
ternehmungen die Entſcheidung herbeiführt und der Erfolg
nicht ſelten von der entſchloſſenen, kräftigen, aber auch geord
neten Ausführung dieſer Maßregel abhängt, ſo iſt der Zugs
Kommandant verpflichtet, der entſprechenden Ausbildung
ſeiner Abtheilung in dieſer Beziehung eine beſondere Auf
merkſamkeit zu widmen und die Mannſchaft durch wiederholte
Uebung des Bajonnet-Angriffes mit den angedeuteten Beobach
tungen ſo vertraut zu machen, daß die Berückſichtigung der
ſelbengeſichert
heit im ernſten
wird.Kampfe ſchon durch die Macht der Gewohn
h

617. Das nicht mit Gewehren ausgerüſtete dritte Glied eines


Pionnierzuges hat an der Ausführung oder Uebung des Ba
jonnet-Angriffes nicht Theil zu nehmen.

§. 39.
Ehrenbezeigungen.
618. Der Kommandant eines Zuges ſtellt ſich zum Empfange
eines Höhern vier Schritte vor der erſten Rotte jenes Flügels
auf, gegen welchen der Vorgeſetzte herankommt, macht bei der
Annäherung desſelben auf 30 Schritte eine ganze Wendung
gegen die Front und kommandirt:
157

„Zug rechts (links) – schaut!“


worauf beide Glieder die Köpfe nach der bezeichneten Seite
wenden. Wenn der Herankommende ein Stabsoffizier oder ein
noch höherer Vorgeſetzter iſt, ſo läßt der Zugs-Kommandant
bei der Infanterie auch präſentiren, wobei die eingetheilten
Chargen die Gewehre in rechten Arm nehmen. Nach der Aus
führung der angedeuteten Ehrenbezeigung hat der Zugs-Kom
mandant ſich mittelſt der ganzen Wendung zu herſtellen, dem
Höhern entgegen zu gehen, zu ſalutiren und die Stärke des Zu
ges an Chargen und Mannſchaft zu melden. Wenn die Front be
ſichtigt wird, hat er den Höhern zu begleiten und hierbei ſo
weit ſeit- und rückwärts zu bleiben, daß er jeden Befehl zu verneh
men und die geſtellten Fragen zu beantworten vermag. Nach
der Beſichtigung des erſten Gliedes ſtellt ſich der Zugs-Kom
mandant vor dem zunächſt befindlichen Flügel auf und kom
mandirt: -

„Habt – Acht!“
worauf die Köpfe gerade gewendet werden. Bei der Infanterie
iſt auch ſchultern zu laſſen.
Um das Oeffnen der Glieder zum Behufe der weitern 619.
Beſichtigung anzuordnen, wird, wenn es der Höhere befiehlt,
das Kommando: -

„Glieder öffnen! – Rückwärts – Marsch!“


ertheilt, worauf das zweite Glied vier Schritte gerade zurücktritt,
was gleichzeitig auch der Tambour oder Horniſt und der Zim
mermann zu bewirken hat. Der Zugs-Kommandant kommandirt
dann noch:
„Zweites Glied links (rechts) – schaut!“
begleitet den Höhern bei der Beſichtigung des zweiten Glie
des und erbittet ſich die weiteren Befehle, worauf dann mittelſt
des Kommando's:
„Habt – Acht!“
die Wendung der Köpfe in die gerade Richtung und mittelſt
des Kommando's:
„Glieder schliessen – Marsch!“
das Schließen der Glieder angeordnet wird.
158

Das zweite Glied, und mit dieſem der Tambour oder Horniſt
und der Zimmermann hat hierauf 2 Schritte gerade vorzurücken.
620. Wenn die Mannſchaft ohne Gewehre ausgerückt iſt, die
Unteroffiziere jedoch mit ſolchen verſehen ſind, ſo haben letz
tere beim Empfange eines Höheren auf das Kommando zur
Wendung der Köpfe bei der Infanterie auch die Gewehre in
rechten Arm zu nehmen und beim Herſtellen von der Kopf
wendung wieder zu ſchultern.
621. Wenn der Höhere der Armee-Korps-Kommandant, der
Armee-Kommandant, kommandirende General oder Militär
Gouverneur, der Kriegsminiſter, ein Feldmarſchall oder ein
Mitglied der Allerhöchſten Herrſchaft iſt, hat der Tambour
oder Horniſt nach dem Kommando zur Ehrenbezeigung den
Generalmarſch zu ſchlagen oder zu blaſen, bis der Zugs
Kommandant das Zeichen zum Einſtellen des Spieles ertheilt.
Wird auch das zweite Glied beſichtigt, ſo iſt nach dem Oeffnen
der Glieder der Generalmarſch wieder zu beginnen.
622. Iſt mit einem Infanterie-Zuge die Fahne ausgerückt, ſo
hat der Fahnenführer ſich zwei Schritte vor der Flügelrotte
des Empfangsflügels aufzuſtellen, und wenn es dem Höheren
gebührt, beim Präſentiren die Fahne zu ſenken.
623. Soll der Zug einzeln, mit Reihen oder Doppelreihen
defiliren, ſo ſtellt ſich der Zugs-Kommandant, nachdem er das
Kommando zur erforderlichen Wendung ertheilt hat, ſechs
Schritte vor die Charge an der Téte, ſchreitet gleichzeitig mit
dieſer aus und ſtellt ſich, wenn er drei Schritte an dem
Höhern vorüber gelangt iſt, ſeit- und rückwärts desſelben und
zwar auf der dem Anrücken der Mannſchaft entgegengeſetzten
Seite auf, vollführt hier die gebührende Salutirung und ver
fügt ſich nach beendeter Defilirung, wenn er die weiteren Be
fehle erhalten hat, wieder zu ſeiner Abtheilung.
Wenn der Höhere die Defilirung in geſchloſſener Ord
nung anbefiehlt, ſo ertheilt der Zugs-Kommandant das Aviſo:
„Zur Defilirung!“
kommandirt dann:
„Zug rechts (links) – schaut!“
159

ſtellt ſich ſechs Schritte vor der Mitte des Zuges auf, ordnet
den Antritt der Bewegung an, ſalutirt im Vorbeimarſche und
ſetzt die Bewegung mit ſeiner Abtheilung fort, welche dann
auf das Kommando:
„Habt – Acht!“
die Köpfe wieder gerade zu wenden hat.
Soll der Zug zum Behufe dieſer Defilirung in Reihen 625.
oder Doppelreihen formirt werden, ſo ertheilt der Zugs
Kommandant zuerſt das Kommando zur Wendung, aviſirt
die Defilirung, ordnet die Wendung der Köpfe an und ſtellt
ſich dann ſechs Schritte vor die Téte, um den Antritt der
Bewegung zu veranlaſſen.
Wenn der Zug während des Marſches zufällig einem 626.
Höhern begegnet, ſo hat der Zugs-Kommandant die Wendung
der Köpfe anzuordnen, zu ſalutiren und dann die Herſtellung
zu veranlaſſen.
Ein Unteroffizier benimmt ſich als Zugs-Kommandant 627.
beim Empfange eines Höhern wie es im Gliederunterrichte
für den Kommandanten des Gliedes vorgeſchrieben iſt. Der
Generalmarſch wird in dieſem Falle bei keiner Gelegenheit geſchla
gen oder geblaſen. Bei der einzelnen oder reihenweiſen Defilirung
ſtellt ſich der Unteroffizier als Zugs-Kommandant bei dem Hö
hern auf, bei der Defilirung in geſchloſſener Ordnung oder bei
der zufälligen Begegnung eines Vorgeſetzten verbleibt er vor
ſeiner Abtheilung. Der Unteroffizier der Infanterie hat im
erſten Falle in der Aufſtellung bei dem Vorgeſetzten das Ge
wehr in rechten Arm zu nehmen, im zweiten dagegen in
dieſer Weiſe vorüber zu marſchiren.
Vor einer Schildwache iſt der Zug zur Wendung der 628.
Köpfe zu befehligen und der Zugs-Kommandant hat, wenn er
Offizier iſt, zu ſalutiren, wenn er Unteroffizier iſt, bei der
Infanterie das Gewehr in rechten Arm zu nehmen.
Vor dem Hochwürdigen iſt das Niederknien zu veranlaſſen. 629.
Wenn ein in drei Gliedernformirter Pionnierzug zum Oeff 630.
nen der Glieder befehligt wird, hat das dritte Glied acht Schritte
zurück, dann beim Schließen vier Schritte gerade vorzutreten.
160

Bweiter Abſchnitt.
Ausbildung des Zuges in geöffneter Ordnung.

§. 40.
Uebergang aus der geſchloſſenen in die geöffnete
Ordnung.
/

631. Die geöffnete Ordnung wird nach den bereits ange


deuteten allgemeinen Grundſätzen angewendet, um die Kraft
eines in geſchloſſener Ordnung auszuführendem Bajonnet
Angriffes mit dem Gebrauche der Feuerwaffen zu verbinden,
indem zu dieſem Zwecke ein Theil der zum Kampfe mit der
blanken Waffe beſtimmten Truppe in ein geöffnetes Glied
aufgelöst und in dieſer Form Plänklerkette genannt
wird.
632. Die zu einer Rotte gehörigen Männer befinden ſich in
der Plänklerkette in einer nach den Umſtänden zu bemeſſenden
Entfernung nebeneinander, wobei ſich die zwei Rotten eines
Paares als zuſammengehörig zu betrachten, ſomit ein Ketten
glied zu bilden haben.
633. Die Männer eines Kettengliedes müſſen ſich bei jeder
Gelegenheit wechſelſeitig unterſtützen, einander in jeder Gefahr
beiſtehen und daher ſtets ſo nahe beiſammen bleiben, daß keiner
von ihnen ſich ſelbſt überlaſſen iſt. .

634. In jedem Kettengliede hat der vom Zugs-Kommandanten


beſtimmte Kettengliedführer auf ſeine Kameraden einen
leitenden Einfluß zu nehmen, dieſelben aufzuſtellen und die
Erreichung des beabſichtigten Zweckes durch ſeine Einwirkung
zu unterſtützen.
635. Ebenſo wie die Männer eines Kettengliedes, müſſen
auch alle Kettenglieder der ganzen Plänklerkette fortwäh
rend in dem Verhältniſſe wechſelſeitiger Unterſtützung ver
bleiben, ohne daß aus dieſem Grunde eine beengende Ab
161

gemeſſenheit der Bewegungen, ein durch Kommando ge


regelter Gebrauch der Feuerwaffen oder das Einhalten
gerader Richtungen und beſtimmter Abſtände gefordert wer
den darf.
Der Soldat iſt daher als Plänkler in den bereits ange 636.
deuteten Grenzen mehr ſich ſelbſt überlaſſen und muß jeden
zufälligen Umſtand geſchickt zu benützen, den Feind dadurch in
Nachtheil zu ſetzen trachten, dabei ſtets beſonnen bleiben und
entſchloſſen handeln. Die durch die geſchloſſene Ordnung be
dingte Gebundenheit in der Körperſtellung und in der Gleich
mäßigkeit der Bewegungen iſt in der Plänklerkette abzulegen
und durch ein ungebundenes, dem Gefechts-Verhältniſſe,
wie der eigenen Beurtheilung entſprechendes Benehmen zu
erſetzen.
Die Wahl des Zeitpunktes für den Uebergang in die 637.
geöffnete Ordnung hängt immer von den Umſtänden ab,
jedoch ſoll die Auflöſung nach Thunlichkeit immer außer
dem Bereiche des feindlichen Feuers veranlaßt und dadurch
jeder Uebereilung vorgebeugt werden, welche ſehr leicht zu
Unordnungen führt und ſomit den Erfolg der Unternehmung
gefährdet.
Die Formirung der Plänklerkette kann auf die Mitte, 638.
ſowie auch auf jeden Flügel der hierzu beſtimmten Abthei
lung, auf der Stelle und nach vorwärts ſtattfinden, wie
es die obwaltenden Verhältniſſe und die Rückſicht auf
die Schonung der Mannſchaft eben zweckmäßig erſcheinen
laſſen.
Um die Bildung der Plänklerkette in der Verlänge 639.
rung der innehabenden Aufſtellung auf einen Flügel des
Zuges zu bewirken, ertheilt der Zugs-Kommandant das
Kommando:
„Auf n Schritte in die – Kette!“
worauf die Gewehre in die Balance genommen werden. –
Auf das folgende Kommando:
„Rechts (Links) – um!“
vollführt der ganze Zug mit Ausnahme des betreffenden
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 11
162

Flügel-Rottenpaares, welches den Stützpunkt der Kette bilden


ſoll, die angeordnete Wendung und die Schwarmführer
verfügen ſich hinter die ihnen zugewieſene Mannſchaft, während
der Horniſt ſich in die Nähe des Zugs-Kommandanten begibt.
640. Auf das Kommando:
„Marsch!“ oder: „Im Lauftritt – Marsch!“
wird die Auflöſung angetreten. Der Kettengliedführer des
neben dem ſtehenden Flügel befindlichen Rottenpaares beginnt
mit dem Antritte der Bewegung die Schritte zu zählen und gibt
nach Erreichung des im Kommando bezeichneten Abſtandes
dem Kettengliedführer des nächſten Rottenpaares ein Zeichen,
worauf dieſer den beſtimmten Abſtand abzuſchreiten und ſich
dann auf ähnliche Weiſe zu benehmen hat.
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Verlaſſene Aufſtellung.

m Zugs-Kommandant. En Unteroffizier.
es Kettengliedführer. E Soldat.
* Horniſt.
Jedes Rottenpaar geht, ſobald ſich ein genügender Raum
ergibt, ſo gleich in die Kettengliedſtellung über, indem alle
Männer nach der Weiſung ihres Kettengliedführers in die
Linie des erſten Gliedes treten und die Gewehre zum raſchen
Gebrauche bereit erfaſſen. Nach Erreichung des beſtimmten
Abſtandes nimmt jedes Kettenglied die den örtlichen Verhält
niſſen entſprechende Aufſtellung.
641. Unter der Aufſicht der beiden Schwarmführer löst
ſich die ganze Abtheilung mit den angedeuteten Beobach
163

tungen in die Plänklerkette auf und gewinnt dadurch jene


Ausdehnung, welche dem Zugs-Kommandanten angemeſſen
erſcheint oder durch höhere Anordnungen feſtgeſetzt wurde. Der
dritte Unteroffizier verfügt ſich beim Beginne der Auflöſung
hinter die Mitte des Zuges, wo er für die Erhaltung der
Verbindung zwiſchen den beiden Schwärmen zu ſorgen hat.
Wenn die Formirung der Plänklerkette auf die Mitte 642.
des Zuges erfolgen ſoll, ſo ertheilt der Zugs-Kommandant
das Kommando:
„Auf n Schritte in die – Kette! – Rechts und
links – um!“
„Marsch!“ oder: „Im Lauftritt – Marsch!“

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worauf das mittlere Rottenpaar ſtehen bleibt, der rechte


Schwarm ſich rechts, der linke links ausdehnt, um die Kette
mit den angedeuteten Beobachtungen zu bilden.
Um die Plänklerkette im Vorrücken zu entwickeln, 643.
wird kommandirt:
„Auf n Schritte rechts (links) vorwärts in die –
Kette!“

wenn die Auflöſung von einem Flügel erfolgen ſoll, und:


„Auf n Schritte vorwärts in die – Kette!“
11 *
164

wenn die Ausbreitung von der Mitte gegen beide Seiten zu


bewirken iſt.
Die Gewehre werden hierauf in die Balance genom
men, die Unteroffiziere und der Horniſt verfügen ſich in
das ihnen angewieſene Verhältniß und auf das folgende
Kommando: -

„Marsch!“ oder: „Im Lauftritt – Marsch!“

werden die nothwendigen Abſtände im Vorrücken mittelſt der


Ziehung genommen, indem das betreffende Flügel- oder das
mittlere Kettenglied gerade vorgeht und die übrigen Rotten
paare ſich fächerartig ausbreiten, wozu ſie ſogleich die Ketten
gliedſtellung annehmen.
644. Wenn die Auflöſung des Zuges in eine Flanke der
bisherigen Aufſtellung erfolgen ſoll, ſo iſt zuerſt die erfor
derliche Schwenkung und dann der Uebergang in die geöffnete
Ordnung in entſprechender Weiſe zu veranlaſſen.
645. Der Zugs-Kommandant, welcher zu ſeiner perſönlichen
Bedeckung, dann zur Ueberſendung von Befehlen und Mel
dungen 2 oder 3 verläßliche Soldaten nebſt dem Horniſten bei
1 65

ſich behält, hat nach der Entwicklung der Plänklerkette ſeinen


Standpunkt ſo zu wählen, daß er nach Thunlichkeit die ganze
Abtheilung zu überſehen und durch Vermittlung der Schwarm
und Kettengliedführer zu leiten vermag.
Die zu dieſem Zwecke erforderlichen Anordnungen hat er
den erſteren zuzurufen, welche dann die Obliegenheit haben,
die ihnen zugewieſene Mannſchaft von den erhaltenen
Weiſungen zu verſtändigen. Uebrigens bleibt es dem Zugs
Kommandanten unbenommen, in jenen Fällen, in welchen
eine andere Verſtändigung nicht möglich iſt, die nothwendigen
Befehle mittelſt der Hornſignale zu ertheilen.
Um die Erhaltung des Zuſammenhanges zu erleichtern, 646.
iſt noch vor der Auflöſung ein Rottenpaar als Direktions
Kettenglied zu bezeichnen und die Leitung desſelben von
dem dritten Unteroffiziere des Zuges nach den Andeutungen
des Zugs-Kommandanten zu beſorgen.
Wenn ein Zug mit einer gewiſſen Selbſtſtändigkeit in 647.
geſchloſſener Ordnung zum Angriffe mit dem Bajonnete vor
rücken ſoll, ſo kann der Zugs-Kommandant die durch die
geöffnete Ordnung gebotenen Vortheile in der Art benützen,
daß er einen Schwarm zur Bildung einer Plänklerkette ver
wendet und die Auflöſung desſelben an beiden Flügeln der
in geſchloſſener Ordnung verbleibenden Hälfte veranlaßt.
Das dritte Glied eines Pionnierzuges kann in der 648.
geöffneten Ordnung nicht verwendet werden und iſt daher
vor der Auflöſung in die Kette bei Seite zu ſtellen.

§. 41.
Benützung des Terrains in der geöffneten Ordnung.

Die Benützung des Terrains iſt eine der weſentlichſten 649.

Bedingungen des Erfolges jeder Unternehmung in der geöff


neten Ordnung, bei deren Anwendung es nach den bereits
ertheilten Belehrungen hauptſächlich darauf ankommt, dem
Feinde möglichſt kleine Zielpunkte zu bieten, dem eigenen Feuer
aber den höchſten Grad von Wirkſamkeit zu geben.
1 66

Der Soldat muß daher angewieſen werden, als Plänkler


jede ſich darbietende günſtige Bodenbeſchaffenheit als Deckung
zu benützen, in ganz freien offenen Strecken aber ſich nieder
zulegen, zu ſetzen oder wenigſtens fortwährend in Bewegung
zu bleiben und dadurch die Wirkung des feindlichen Feuers zu
vermindern. -

650. Tiefe Furchen, welche in ſchräger Richtung gegen die


Aufſtellung des Feindes laufen, können ſchon den Vortheil
einer wenigſtens theilweiſe gedeckten Annäherung gewähren.
Bilden dieſelben aber mit der Front des Gegners gleichlau
fende Linien, dann müſſen die Zwiſchenräume mit raſchen
Bewegungen durchſchritten und die vorhandenen jedenfalls
nicht bedeutenden Vertiefungen durch das Niederſetzen, Knien
oder Legen nutzbar gemacht werden.
651. Gräben gewähren ähnliche Vortheile in geſteigertem
Maße. Wenn ihre Tiefe ſo bedeutend iſt, daß der Soldat auf
der Grabenſohle ſtehend, nicht mehr über den obern Rand
zielen kann, ſo muß er ſich an der Böſchung auf der Seite
des Feindes in entſprechender Höhe einen Standpunkt ſuchen,
welcher jedoch nur beim Feuern zu benützen, während des
Ladens aber wieder zu verlaſſen iſt. Bei ſanften Böſchungen
kann der Soldat ſich auf der geneigten Fläche niederſetzen oder
legen und zum Feuern über den obern Rand erheben.
652. Schluchten und Hohlwege ſind ebenſo wie Gräben zu
benützen, erfordern aber eine geſteigerte Aufmerkſamkeit, wenn
ſie die Annäherung des Feindes in irgend einer Weiſe be
günſtigen. -

653. Dämme und Erdaufwürfe jeder Art, niedere Mauern


und ſtarke Planken bieten gleichfalls Deckung gegen das feind
liche Feuer und erleichtern überdieß das Zielen, da das Gewehr
aufgelegt und der Gegner mit größerer Sicherheit auf das
Korn genommen werden kann. – Hügel und ſonſtige Er
höhungen gewähren Schutz, wenn der Soldat nicht bis auf
die Kuppe vorgeht, ſondern ſo weit hinter derſelben ver
bleibt, daß er zu zielen vermag ohne ſelbſt ganz geſehen zu
werden.
1 67

Geſträuche, Hecken oder lebendige Zäune, Garben oder 654.


hohe Frucht ſchützen zwar nicht vor der Wirkung feindlicher
Geſchoſſe, aber ſie entziehen bei kluger Benützung den Soldaten
dem Blicke des Gegners und hindern denſelben ſomit beim
Zielen. – Der Plänkler ſoll daher nach jedem Schuſſe, nach
welchem der Rauch ſeine Aufſtellung bezeichnet, den Platz
verändern oder nach Umſtänden den Feind durch eine andere
Liſt zu täuſchen ſuchen.
Um einen Baum als Deckung zu benützen, muß der Sol 655.
dat ſich knapp ſo hinter den Stamm ſtellen, daß der linke El
bogen an dieſem eine Anlehnung findet. – Beim Feuern wird
dann das Gewehr an der rechten Seite des Stammes in An
ſchlag gebracht, der linke Vorarm als Stütze an den Baum
gedrückt, der Kopf nur zum Zielen nach Bedarf vorgeneigt,
der ganze Körper aber nach Thunlichkeit verſagt.
Soll ein Baum mehreren Plänklern Schutz gewähren, 656.
ſo müſſen ſich dieſelben in der dem vorhandenen Raume ent
ſprechendſten Weiſe hinter den Stamm ſtellen und zum Feuern
einzeln an den Rand vortreten, oder ſie müſſen ſich niederlegen
und die geladenen Gewehre dem hinter dem Stamme ſtehenden
beſten Schützen reichen, welcher dann allein zu feuern hat.
In Auen und Wäldern iſt der Zwiſchenraum von einem 657.
Baume zum andern durch einen Sprung oder bei größerer
Entfernung im raſchen Laufe zu überſchreiten, jede offene
Stelle aber womöglich zu umgehen, um ſich nicht nutzlos als
Zielſcheibe zu bieten.
Die Benützung des Terrains kann dem Soldaten aber 658.
nicht durch die mündliche Belehrung, ſondern nur durch die
Anwendung mit Erfolg beigebracht werden, woraus die Noth
wendigkeit folgt, die Gewandtheit in dieſer Beziehung durch
fortwährende Uebung zu entwickeln.
Der Unterricht in der geöffneten Ordnung darf daher 659.
nicht auf freie, ebene Plätze beſchränkt bleiben, ſondern muß
im Gegentheile vorzugsweiſe im durchſchnittenen Terrain
vorgenommen werden, wozu es jedoch nicht nothwendig iſt,
immer den ganzen Zug aufzulöſen, da die Belehrung viel
168

gründlicher erfolgen kann, wenn nur die Mannſchaft einiger


Kettenglieder veranlaßt wird, die zur Deckung geeigneten Ter
raingegenſtände nach den erhaltenen Andeutungen zu benützen.
660. Da die bezeichneten Terraingegenſtände in der Regel
weder in gleichmäßigen Entfernungen noch in geraden Rich
tungen vertheilt vorgefunden werden, ſo iſt die Benützung der
gebotenen Vortheile nur dann möglich, wenn der Soldat als
Plänkler nicht an die Berückſichtigung beſtimmter Formen ge
bunden iſt. Der Zugs-Kommandant hat daher ſeiner Anleitung
zur Benützung des Terrains die Bemerkung beizufügen, daß die
bei der Formirung der Plänklerkette bezeichnete Entfernung
nicht als eine unveränderliche Beſtimmung zu betrachten iſt,
ſondern nur den Zweck hat, die von der ganzen Abtheilung
zu beſetzende Ausdehnung anzudeuten.
661. Ebenſo wenig als die Plänkler eines Kettengliedes ge
halten ſind, in einem beſtimmten Verhältniſſe neben einander
zu bleiben, darf eine ähnliche Beobachtung von den Ketten
gliedern einer ganzen Kette gefordert werden, und es iſt
daher dem Urtheile der Schwarm- und Kettengliedführer anheim
zu ſtellen, wie ſich die Plänkler innerhalb der bezeichneten
Grenzen zu vertheilen haben, damit ſie die Vortheile des Terrains
ohne Störung des Zuſammenhanges zu benützen vermögen.

§. 42.

Gebrauch des Gewehres in der geöffneten Ordnung.

662. Das Feuer muß in der geöffneten Ordnung ohne beſon


deren Befehl ſogleich begonnen werden, wenn der Feind
in die Schußweite der eigenen Feuerwaffen gelangt und ebenſo
aufhören, wenn die Wahrſcheinlichkeit des Treffens durch
die Entfernung des Gegners aufgehoben wird.
663. Da es ſich aber ergeben kann, daß die von der Plänkler
kette beſetzte Linie mit der Aufſtellung des Feindes nicht gleich
laufend iſt, und ein Theil der Kettenglieder ſich noch außer
halb des wirkſamen Ertrages der Feuerwaffen befinden kann,
während andere Kettenglieder ſich dem Feinde ſchon auf Treff
169

weite genähert haben, ſo iſt es auch nicht nothwendig, daß


das Feuer in der ganzen Kette gleichzeitig eröffnet und ein
geſtellt wird, ſondern die Schwarm- und Kettengliedführer
werden in einem ſolchen Falle jede nutzloſe Munitions-Ver
ſchwendung zu verhüten und die Unterhaltung des Feuers nur
dann zu geſtatten haben, wenn die Entfernung und Aufſtel
lung des Gegners eine Wirkung wahrſcheinlich macht.
Der Grundſatz der wechſelſeitigen Unterſtützung muß wäh 664.
rend des Feuergefechtes mit beſonderer Sorgfalt berückſichtiget
werden und es dürfen daher die Plänkler eines Kettengliedes
ihre Gewehre nie gleichzeitig abfeuern, ſondern es ſoll immer
wenigſtens ein Mann zum Schuſſe in Bereitſchaft ſein.
Jeder Plänkler muß vorzugsweiſe die feindlichen Offi 665.
ziere oder am kühnſten voreilenden Männer, bei ſich bewegenden
Geſchützen die Pferde, bei abgeprotzt ſtehenden aber die Bedie
nungs-Mannſchaft zu treffen ſuchen, in Ermanglung ſolcher
Zielpunkte ſein Feuer aber immer auf geſchloſſene Abtheilun
gen richten, deren Ausdehnung das Treffen erleichtert.
Die Unteroffiziere können in der geöffneten Ordnung 666.
von ihren Feuergewehren zwar auch Gebrauch machen, ſie
ſollen in der Regel aber nur dann feuern, wenn es zu ihrer
perſönlichen Vertheidigung erforderlich iſt, oder wenn ſie Ge
legenheit finden, einen Offizier oder einen höhern Truppen
führer des Feindes auf das Korn zu nehmen.
Die Umſtände können es zuweilen nothwendig machen, 667.
das Feuer der Plänklerkette mit Rückſicht auf eine beabſichtigte
Unternehmung bis zu einem vom Kommandanten gewählten
Zeitpunkte einzuſtellen und dann von der ganzen Plänklerkette
gleichzeitig wieder zu eröffnen.
Die Mannſchaft muß daher ungeachtet der im Gebrauche
des Feuergewehres gewährten Selbſtſtändigkeit gewöhnt wer
den, den hierauf Bezug nehmenden Hornſignalen unbedingt
Folge zu leiſten und ſie iſt daher in jedem einzelnen Falle, in
welchem ſich der Zugs-Kommandant die Regelung des Feuer
gefechtes vorbehalten will, zu erinnern, daß das Feuer erſt auf
das Signal eröffnet werden darf.
170

668. Die richtige Auffaſſung dieſer Belehrungen kann bei den


Uebungen nur dann beurtheilt werden, wenn der Gegner durch
eine andere Abtheilung bezeichnet iſt und der Soldat in dieſem
gegenſeitigen Verhältniſſe den Maßſtab für ſein Benehmen zu
finden vermag. -

§. 43.
Bewegung des Zuges in der geöffneten Ordnung.
669. Da die Verwendung einer Abtheilung in der geöffneten
Ordnung immer mit den Unternehmungen einer geſchloſſenen
Truppe und zwar mit dem Bajonnet-Angriffe derſelben im
Zuſammenhange ſteht, ſo werden die in dieſem Verhältniſſe
vorkommenden Bewegungen in den meiſten Fällen ſehr einfacher
Natur ſein und gewöhnlich nur eine Vorrückung oder eine
Frontveränderung zum Zwecke haben.
670. Die Ausführung muß immer raſch und entſchloſſen bewirkt
werden und die Mannſchaft hat ſich hierbei eines lebhaften
Schrittes oder nach Umſtänden des Lauftrittes zu bedienen.
671. Soll die Plänklerkette ſich in gerader Richtung vorwärts
bewegen, ſo erfolgt das Aviſo oder Signal:
„Vorwärts!“
worauf die Bewegung von allen Kettengliedern angetreten wird.
Das Direktions-Kettenglied wird von der betreffenden
Charge in der vom Zugs-Kommandanten bezeichneten Rich
tung geführt, welche für die übrigen Kettenglieder, beſonders
aber für die Schwarmführer in ſoferne eine Wichtigkeit erhält,
als ſie dafür zu ſorgen haben, daß die Hauptausdehnung der
Kette ſich nicht verändere.
672. Die Benützung des Terrains darf nicht außer Acht gelaſſen
und daher, wie bereits bemerkt wurde, weder eine gleichmäßige
Vertheilung der einzelnen Plänkler und Kettenglieder noch eine
zweckloſe Beachtung der geraden Richtung gefordert werden.
673. Wenn der Zugs-Kommandant eine günſtige Aufſtellung
raſch beſetzen oder eine ganz freie Strecke von nicht zu großer
Ausdehnung ſchnell durchſtreifen laſſen will, kann er die Be
wegung durch das Aviſo:
171

„Lauftritt!“
beſchleunigen, jedoch ſoll auch in dieſer Beziehung ſchon das
Beiſpiel des Direktions-Kettengliedes genügen, und die förm
liche Anordnung in der angedeuteten Weiſe auf jene Fälle
beſchränkt bleiben, in welchen die wechſelſeitige Beobachtung
und ſomit auch die Erhaltung des Zuſammenhanges durch die
Beſchaffenheit des Terrains oder durch Nebel und andere Um
ſtände erſchwert iſt.
Die dauernde Anwendung des Lauftrittes würde nicht 674.
nur die Kräfte der Mannſchaft ſehr bald erſchöpfen, ſondern
auch die Wirkung des Feuergefechtes beeinträchtigen, und es
iſt daher nach Bedarf die Bewegung durch das Aviſo:
„Schritt!“
oder durch die Einwirkung auf das Direktions-Kettenglied zu
mäßigen.
Wenn einzelne Kettenglieder während der Vorrückung 675.
auf Terrainhinderniſſe ſtoßen, welche ſie nicht durch- oder über
ſchreiten können, ſo haben ſie dieſelben zu umgehen und nach
Hinterlegung einer ſolchen Strecke den Zuſammenhang mit
den nächſten Kettengliedern wieder aufzuſuchen.
Um das Feuer während einer Vorrückung zu unterhalten, 676.
hat in jedem Kettengliede der Plänkler, welcher eben ſeinen
Schuß abgeben will, einige Schritte voraus zu eilen, und
dann die Bewegung ladend fortzuſetzen, wenn er mit Ruhe
gezielt und abgefeuert hat.
Das Einſtellen der Bewegung wird mittelſt des Aviſo’s 677.
oder Signales:
„Halt!“
veranlaßt, worauf jedes Kettenglied ſich in der Nähe der
eben erreichten Stelle zu decken ſucht; – auf die Unter
haltung des Feuers hat dieſe Anordnung keinen Einfluß,
vorausgeſetzt, daß nicht das gleichzeitige Eintreten anderer
Verhältniſſe auch in dieſer Beziehung eine Aenderung bedingt.
Das Vorſchieben eines Flügels der Plänklerkette iſt mit-678.
telſt des Aviſo’s oder Signales:
„Rechter (Linker) Flügel – vorwärts!“
172

anzuordnen. Der zum Vorbrechen angewieſene Flügel muß


zu dieſem Zwecke die Bewegung beſchleunigen, gleichzeitig aber
auf ſeine Verbindung Bedacht nehmen, und ſich nach Bedarf
einwärts halten. Sobald die Plänklerkette die einzunehmende
Linie erreicht hat, wird die Bewegung eingeſtellt oder die
gleichmäßige Vorrückung aller Kettenglieder durch das ent
ſprechende Aviſo oder Signal veranlaßt.

SP» W > E

F> < W
s ...
Ä W

Sº D SS

- T– -

--- E -

SF=- > =

679. Wenn es dem Zugs-Kommandanten angemeſſen erſcheint,


die Ausdehnung der Plänklerkette zu verändern, ſo ertheilt er
das Aviſo oder Signal:
„Oeffnen!“
wenn die Abſtände vergrößert, und:
„Schliessen!“
wenn ſie verkleinert werden ſollen. – In beiden Fällen bleibt
das Direktions-Kettenglied in ſeinem Verhältniſſe und die übri
gen Kettenglieder haben ſich auf der Stelle durch eine Seiten
bewegung, während des Vorgehens aber durch die Ziehung bei
173

läufig um die Hälfte des innehabenden Abſtandes zu entfernen


oder zu nähern. Die weitere Veränderung der Abſtände wird
dann durch die Wiederholung des Aviſo’s oder Signales ver
anlaßt.
Um das Oeffnen der Plänklerkette von einem Flügel zu 680.
veranlaſſen, oder die Ausdehnung derſelben in dieſer Weiſe
zu vermindern, iſt im Aviſo oder Signal vorher die Seite zu
bezeichnen, gegen welche die Abſtände verändert werden ſollen.
Die Schwarmführer haben bei dieſen Veränderungen im 681.
wechſelſeitigen Verhältniſſe der Kettenglieder ihre Aufmerk
ſamkeit auf die obwaltenden Umſtände zu richten und dafür zu
ſorgen, daß die Ausführung den Abſichten des Zugs-Komman
danten entſpreche.
Wenn die Plänklerkette eine Bewegung nach rückwärts 682.
ausführen ſoll, ſo iſt dieß nach Bedarf durch das Aviſo:
„Rückwärts!“
anzudeuten, das gleichnamige Hornſignal aber bei Verantwor
tung des Zugs-Kommandanten nur dann anzuwenden, wenn
durch dasſelbe nicht auch eine andere Abtheilung irriger Weiſe
zu einer rückgängigen Bewegung veranlaßt werden kann. Alle
Kettenglieder haben auf dieſes Aviſo den Rückmarſch anzutreten
und hierbei ebenſo wie im Vorrücken die vom Terrain gebotenen
Vortheile zu benützen. – Um das Feuer hierbei zu unter
halten, bleibt von jedem Kettengliede der Plänkler, welcher
eben einen Schuß abzugeben hat, ſtehen, wendet ſich gegen
den Feind, und ſetzt dann die Bewegung ladend fort.
Die Unteroffiziere müſſen während des Rückmarſches 683.
ihre Thätigkeit in der Ueberwachung der ihnen zugewieſenen
Mannſchaft ſteigern, jeder Uebereilung durch entſchloſſenes
Auftreten vorbeugen, jede Unordnung durch die nachdrücklichſte
Einwirkung bekämpfen und ſtets bereit bleiben, dem Rufe zum
erneuerten Vorrücken ungeſäumt Folge zu leiſten. – Die Be
ſchleunigung der Bewegung iſt im Rückmarſche nur in dem
einzigen Falle zu dulden, wenn ſich eine vortheilhafte Auf
ſtellung in der Nähe befindet und durch eine kurze Anſtrengung
erreicht werden kann.
174

684. Der Rückmarſch der Plänklerkette wird entweder durch


das Kommando oder Signal:
1/
Halt!“

eingeſtellt, oder mittelſt des Aviſo’s oder Signales:


„Vorwärts!“
wieder in eine Vorrückung verwandelt. – Das Benehmen
der Mannſchaft in jedem dieſer Fälle erfordert keine beſondere
Erörterung, denn die Grundſätze für die Benützung des
Terrains und den Gebrauch der Waffen bleiben ſich unter allen
Gefechts-Verhältniſſen gleich.
685. Soll nur ein Flügel der Plänklerkette zurückgenommen
werden, ſo geſchieht dieß nach denſelben Grundſätzen wie das
Vorſchieben eines Flügels.
686. Wenn zur Aufnahme einer im Rückmarſche begriffenen
Plänklerkette an einem günſtigen Terrainabſchnitte eine andere
Abtheilung aufgelöst wurde, ſo hat der Zugs-Kommandant bei
der Annäherung auf ungefähr 30 Schritte das Feuer mittelſt
des Hornſignales einſtellen zu laſſen. Die zurückkommende
Plänklerkette eilt hierauf im Lauftritte durch die bereits beſetzte
Linie, welche das Feuer ſogleich übernimmt, und ſammelt ſich
auf das Aviſo oder Signal zum Einſtellen der Bewegung
beim Zugs-Kommandanten in die geſchloſſene Ordnung.
687. Wenn die zurückgeführte Kette in der geöffneten Ordnung
verbleiben und eine neue Aufſtellung einnehmen ſoll, ſo hat
der Zugs-Kommandant die Unteroffiziere ſchon früher von
ſeiner Abſicht zu verſtändigen und ihnen nach dem Durchbre
chen der ſtehenden Kette die Linie zu bezeichnen, in welcher die
Bewegung einzuſtellen und wieder Front gegen den Feind zu
machen iſt. Die Entfernung dieſer neuen Aufſtellung ſoll nie
weniger als 200 Schritte betragen, darf aber auch nicht zu
groß angenommen werden, weil ſonſt die Beſetzung nicht mit
der nothwendigen Ruhe vor ſich gehen könnte.
688. Um die Plänklerkette ſeitwärts zu bewegen, erfolgt das
Aviſo oder Signal:
„Rechts (Links)!“
worauf jedes Kettenglied ſich nach der bezeichneten Seite in
175

Bewegung ſetzt. Wenn die Geſtaltung des Terrains es noth


wendig macht, haben die feuernden Plänkler einige Schritte
gegen die Seite des Feindes zu treten und ſich nach dem
Schuſſe ladend wieder an ihre Kettenglieder anzuſchließen. Der
Zugs-Kommandant hat dem Schwarmführer, deſſen Mannſchaft
ſich während der Seitenbewegung vorne befindet, die einzu
ſchlagende Richtung zu bezeichnen.
Wenn die Bewegung eingeſtellt, oder durch eine entſpre-689.
chende Anordnung in eine andere Richtung geleitet wird, ſo
haben ſich die Kettenglieder unter der Führung der Unter
offiziere nach den bekannten Grundſätzen zu benehmen.
Um den Schwarmführern anzudeuten, daß die Ausführung 690.
eines mittelſt Aviſo oder Signal ertheilten Befehles in dem
Maße beſchleunigt werden ſoll, als die obwaltenden Verhält
niſſe es geſtatten, läßt der Zugs-Kommandant das Signal:
„Beschleunigung!“
blaſen, welches daher nicht als eine unbedingte Weiſung zur
allgemeinen Annahme des Lauftrittes zu betrachten, ſondern
in dem eben angedeuteten Sinne aufzufaſſen iſt.

§. 44.
Verſtärkung und Ablöſung des Zuges in der geöffneten
Ordnung.
Wenn ein Zug die Beſtimmung erhält, eine in geöffneter 691.
Ordnung verwendete Abtheilung zur Erzielung eines wirk
ſameren Feuers zu verſtärken, was in der Regel mittelſt des
Aviſo’s oder Signales:
„Verstärkung!“
dem Zugs-Kommandanten angedeutet wird, ſo läßt dieſer
die Kette nach Maßgabe ſeiner Aufſtellung auf die Mitte oder
auf einen Flügel vorwärts formiren und ertheilt hierbei den
Schwarmführern die Weiſung, ihre Kettenglieder den Umſtän
den entſprechend zwiſchen jene der feuernden Kette zu vertheilen.
Nach dem Eintreffen in der Linie der früheren Plänklerkette
hat ſich die zur Verſtärkung beſtimmte Mannſchaft wie dieſe zu
benehmen und daher das Feuer nach Bedarf ſogleich zu eröffnen.
176

692. Um die Plänklerkette wieder auf ihre urſprüngliche


Stärke zurückzuführen oder um den zur Auflöſung beſtimmten
Zug zu verſtändigen, daß es ſich nicht um die Verſtärkung,
ſondern nur um die Ablöſung der Plänklerkette handelt, wird
das Aviſo oder Signal:
„Ablösung!“
ertheilt, worauf die Mannſchaft der alten Kette ſich bei ihrem
Zugs-Kommandanten in die geſchloſſene Ordnung ſammelt.
Iſt die zur Ablöſung beſtimmte Abtheilung nicht ſchon
in der angedeuteten Weiſe aufgelöst, ſo bewirkt ſie auf dieſes
Aviſo oder Signal den Uebergang in die geöffnete Ordnung,
bricht durch die alte Kette vor und nimmt in einiger Entfer
nung vor derſelben ihre Aufſtellung. Die alte Kette geht erſt
zurück, wenn die Ablöſung ſich in der den Umſtänden ent
ſprechendſten Linie feſtgeſetzt hat.
693. Eine andere Art der Ablöſung ergibt ſich durch die
Anwendung des beim Rückmarſche angedeuteten Verfahrens,
wenn nämlich die zurückkommende Kette nach dem Durchbrechen
geſammelt wird.
§. 45.
Bajonnet-Angriff.
694. Nach den bereits angedeuteten Grundſätzen hat eine in
geöffneter Ordnung verwendete Abtheilung den Bajonnet-An
griff nicht ſelbſtſtändig, ſondern nur in unmittelbarer Verbindung
mit einer in geſchloſſener Ordnung auftretenden Truppe auszufüh
ren und dieſe hierbei durch ein lebhaftes Feuer zu unterſtützen.
695. Wenn der Angriff im Vorrücken erfolgen ſoll, ſo hat
die Plänklerkette während der Bewegung fortwährend zu feuern
und auf das bei der geſchloſſenen Truppe ertheilte Signal:
„Sturm!“
die Bajonnete zu pflanzen, ohne eine Unterbrechung des Feuers
eintreten zu laſſen.
696. Bei der Annäherung auf ungefähr 200 Schritte an den
Angriffspunkt hat die Kette in einer möglichſt gedeckten Stel
lung zu halten, hierbei aber ihr Feuer lebhaft fortzuſetzen,
und, wenn die geſchloſſenen Abtheilungen auf ungefähr 15
177

bis 20 Schritte herangerückt ſind, haben ſich die unmittelbar


vor der Front der Truppe befindlichen Kettenglieder nach den
Weiſungen der Schwarmführer auseinander zu ziehen und der
erſtern Raum zu machen, ſo zwar, daß die Plänklerkette ſich
während der weitern Vorrückung in gleicher Höhe mit den
geſchloſſenen Abtheilungen befindet und die Front derſelben
zu beiden Seiten als geöffnete Feuerlinie verlängert.
Das Feuer der Plänklerkette muß auch während der 697.
weiteren Vorrückung der angreifenden Truppe ſo lange
als möglich unterhalten werden, und wenn dann der Ruf
und das Signal zum Angriffe ertönt, hat jeder Plänkler
ſich mit gefälltem Bajonnete auf den Feind zu ſtürzen. Bei
dieſer Gelegenheit haben die Plänkler eines jeden Ketten
gliedes ſich einander zu nähern und auch die Kettenglieder eines
Schwarmes auf die Vereinigung bei ihrem Schwarmführer
Bedacht zu nehmen, welcher ſeiner Mannſchaft voraus zu
eilen und ihr dadurch die einzuſchlagende Richtung zu be
zeichnen hat.
Wenn es der geſchloſſenen Truppe gelungen iſt, den Feind 698.
zum Weichen zu bringen, hat die Plänklerkette ſich ſogleich
wieder vor den geſchloſſenen Abtheilungen, welche ſich indeſſen
ordnen, auszubreiten, das Feuer zu eröffnen und dem Gegner
dadurch die Beſetzung einer neuen Stellung zu erſchweren.
Nach einem Angriffe, welcher den Widerſtand des 699.
Feindes nicht zu brechen vermochte, fällt der Plänklerkette die
wichtige Aufgabe zu, ſich mit Benützung der vorhandenen
Terrainvortheile möglichſt raſch zu entfalten, und durch ein
wirkſames Feuer das Nachrücken des Feindes wenigſtens ſo
lange zu verhindern, bis die geſchloſſenen Abtheilungen ſich
geordnet und zum Widerſtande vorbereitet haben.
Die Schwarmführer müſſen in einem ſolchen Falle durch 700.
Wort und Beiſpiel auf die ihnen anvertraute Mannſchaft ein
zuwirken verſtehen, dieſe zur muthvollen Ausdauer ermuntern
und jede ſich darbietende Gelegenheit benützen, um dem Gegner
Abbruch zu thun und ihn an der Ausbeutung ſeines augen
blicklichen Erfolges zu verhindern.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 12
178

701. Wenn die Plänklerkette angewieſen iſt, das Anrücken des


Feindes in einer ſchon früher beſetzten Aufſtellung zu erwarten,
zu deren unmittelbarer Vertheidigung eine geſchloſſene Abthei
lung beſtimmt iſt, ſo hat ſie gleichfalls mit dieſer die Bajonnete
zu pflanzen, fortwährend ein lebhaftes Feuer zu unterhalten
und an dem folgenden Bajonnet-Angriffe in der bereits ange
deuteten Weiſe Theil zu nehmen.

§. 46.
Vertheidigung gegen Reiterei.
702. Wenn die Plänklerkette in einem freien Terrain durch
den Angriff einer Reiter-Abtheilung bedroht wird, ſo hat der
Zugs-Kommandant das Aviſo oder Signal:
„Klumpen!“
zu ertheilen. Die Plänkler verſammeln ſich hierauf, in ſoferne
die Zeit ausreicht, im ſchnellſten Laufe beim Zugs-Komman
danten, bilden um denſelben einen kreisförmigen Haufen und
pflanzen die Bajonnete.
703. Der Zugs-Kommandant hat zum Verſammlungspunkte
einen die Annäherung der Kavallerie möglichſt erſchwerenden
Platz zu wählen und die Mannſchaft ſich ohne Gedränge in
mehreren Reihen kreisförmig um ihn zu ſtellen, die Front auf
allen Seiten auswärts zu wenden, in der äußerſten Reihe die
Bajonnete zu fällen, im Innern des Klumpens aber die
Gewehre fertig zu nehmen.
704. Ueber das Benehmen bei der wirklichen Vertheidigung des
Klumpens laſſen ſich keine beſtimmten Vorſchriften aufſtellen,
jedoch muß unter allen Umſtänden mit Strenge darauf ge
halten werden, daß das Feuer nicht übereilt und willkürlich,
ſondern nur nach den Weiſungen des Zugs-Kommandanten
abgegeben wird.
705. Erſcheint die Reiterei ſo unerwartet, daß ſich der ganze
Zug nicht mehr auf demſelben Punkte zu verſammeln vermag,
ſo haben ſich die zu einem Schwarme gehörigen Kettenglieder
bei ihren Unteroffizieren in der angedeuteten Weiſe zu kleinen
Klumpen zu vereinigen, welche dann jede ſich darbietende
179

günſtige Gelegenheit benützen müſſen, um ſich allmälig zu


nähern und endlich zuſammen zu ſtoßen.
Wenn der Führer eines Klumpens dieſen zu einer 706.
Bewegung veranlaſſen will, ſo hat er an der entſprechenden
Seite herauszutreten und die Mannſchaft durch einen die Rich
tung bezeichnenden Zuruf zum Nachfolgen anzuweiſen.
Die Bewegungen eines Klumpens ſind ſchwarmartig und
immer möglichſt raſch auszuführen; – beim Einſtellen der
Bewegung muß ſogleich wieder die Verfaſſung zum Wider
ſtande angenommen werden.
Wenn ein Schwarmführer das Anrücken einer Reiter-707.
Abtheilung wahrnimmt, ſo hat er nicht erſt das Aviſo oder
Signal des Zugs-Kommandanten abzuwarten, ſondern ſelbſt
ſogleich mittelſt des entſprechenden Zurufes ſeinen Schwarm
zu ſammeln und dadurch auch den übrigen Kettengliedern das
Zeichen zur Vertheidigung gegen die Reiterei zu geben.
Befinden ſich einige Kettenglieder in der vortheilhaften 708.
Lage, das Feuer fortſetzen zu können, ohne in ihrer Aufſtellung
durch die feindlichen Reiter gefährdet zu ſein, ſo haben ſie
dieſes Verhältniß nicht aufzugeben, ſondern zu benützen,
um der Vertheidigung der Klumpen durch einen wirkſamen
Gebrauch ihrer Feuerwaffen einen geſteigerten Nachdruck zu
geben.
Um die Kette nach der Entfernung der Reiterei wieder 709.
zu entwickeln, wird das Aviſo oder Signal:
„Auflösen!“
ertheilt, worauf die Kettenglieder ſich in der frühern Aus
dehnung ausbreiten und die Bajonnete verſorgen.

§. 47.
Uebergang aus der geöffneten in die geſchloſſene
Ordnung.
Wenn die Plänklerkette vor einer geſchloſſenen Truppe 710.
entfaltet iſt und die Front derſelben ſchnell frei machen ſoll,
ſo erfolgt das Aviſo oder Signal:
„Fronträumen!“
12
180

Die Plänkler nehmen hierauf die Gewehre in die Balance


und eilen auf dem kürzeſten Wege gegen die beiden Flügel der
rückwärtigen Truppe, hinter welcher ſie ſich beim Zugs-Kom
mandanten in die geſchloſſene Ordnung ſammeln.
711. Um die Plänkler an irgend einem Punkte zur Rallirung
zu veranlaſſen, wird das Aviſo oder Signal:
„Sammeln!“
um die ganze Abtheilung in ihr früheres Verhältniß zu
berufen, das Aviſo oder Signal:
„Vergatterung!“
wenn Eile nothwendig iſt:
„Allarm!“
ertheilt und die Ausführung nach den bekannten Beſtimmun
gen bewirkt.

Dritter Abſchnitt.
Ausbildung des Zuges in der zerſtreuten
Fechtart.
§. 48.
Uebergang aus der geſchloſſenen Ordnung in die
zerſtreute Fechtart.
712. Die Gefechts-Verhältniſſe geſtalten ſich nur in ſeltenen
Fällen ſo günſtig, daß der Kampf durch einen entſcheidenden
Schlag der vorhandenen Streitkräfte eröffnet und bis zur
Erreichung des beabſichtigten Zweckes durchgeführt werden kann.
Dem Vorrücken der mit einer Plänklerkette verbundenen
geſchloſſenen Truppe muß daher gewöhnlich die Erforſchung
der feindlichen Aufſtellung, die Ermittlung eines geeigneten
Angriffspunktes, die Vertreibung einzelner feindlicher Poſten
und noch manche andere Vorbereitung, ſomit eine Reihe
ſelbſtſtändiger Unternehmungen vorausgehen, welche eben ſo
wol den wirkſamen Gebrauch des Feuergewehres als auch den
Kampf mit der blanken Waffe nothwendig machen.
181

Die mit der Durchführung ſolcher Leiſtungen beauf-713.


tragte Abtheilung wird zur Hälfte in eine Kette von kleinen
Patrullen oder Schwärmen aufgelöst, zur Hälfte aber
in geſchloſſener Ordnung als Unterſtützung der erſtern
nachgeführt.
Die in dem angedeuteten Verhältniſſe ausgeführten Un 714.
ternehmungen werden nach den bereits ertheilten Belehrungen
„zerſtreute Fechtart“ genannt und bieten dem einzelnen
Soldaten einen noch größeren Spielraum, um ſeine Kühnheit,
Gewandtheit und Geſchicklichkeit im Gebrauche der Waffen
zur Geltung zu bringen, als die geöffnete Ordnung.
Die einzelnen Schwärme ſtehen alſo in dieſem Verhält 715.
niſſe nicht immer unter der unmittelbaren Einwirkung des
Zugs-Kommandanten, ſondern ſind mehr ſich ſelbſt über
laſſen.
Ohne weitere Weiſungen zu erwarten, muß jeder
Schwarmführer die Geſtaltung des Bodens zur Deckung
ſeiner Mannſchaft benützen, dieſe in freien offenen Strecken
entweder in Bewegung erhalten oder zum Niederhocken ver
anlaſſen und ſtets bereit ſein, die nebenſtehenden Schwärme
zu unterſtützen. V

Die Entfernung eines Schwarmes vom andern iſt nach 716.


der Ausdehnung und Beſchaffenheit des zu durchſtreifenden
Terrains, dann auch nach der Fechtart des Gegners zu be
meſſen und daher ebenſo wenig unveränderlich als der Abſtand
der Kettenglieder in der Plänklerkette, ſie muß wie dieſer bei
jedem Wechſel der Verhältniſſe zu- oder abnehmen und kann
endlich auch zwiſchen den verſchiedenen Schwärmen verſchie
den bemeſſen ſein.
Die Schwärme der ganzen Kette müſſen aber unter allen 717.
Umſtänden in Verbindung bleiben und das zwiſchen ihnen lie
gende Terrain zu beherrſchen im Stande ſein, zu welchem
Zwecke einzelne Kettenglieder in die Zwiſchenräume entſendet
werden können, was beſonders ſehr oft nothwendig iſt, wenn
ſich deckende Gegenſtände vorfinden, welche einen Hinterhalt
begünſtigen.
182

718. Die zu einem Schwarme gehörigen Kettenglieder ſind


nicht zur Einhaltung einer beſtimmten Form verpflichtet, ſon
dern können nach dem Ermeſſen ihres Führers, welcher nur
den einzuſchlagenden Weg und die ſonſtigen Verhältniſſe zu
berückſichtigen hat, entweder eine mehr oder minder gedrängte
Plänklerkette bilden, oder gruppenweiſe vereinigt bleiben.
Der Schwarmführer hat bei allen Gelegenheiten den
Vereinigungspunkt der ihm zugewieſenen Mannſchaft zu
bilden, derſelben vorauszugehen und die nothwendigen Anord
nungen mittelſt eines Zurufes oder Zeichens zu ertheilen,
dabei aber auch auf das Benehmen der übrigen Schwärme
und auf die Befehle des Zugs-Kommandanten Rückſicht zu
nehmen.
719. Die Entfernung, bis auf welche die in Schwärme auf
gelöste Abtheilung ſich von ihrer Unterſtützung trennen kann,
muß jederzeit nach dem beabſichtigten Zwecke, dann nach der
Beſchaffenheit des Terrains bemeſſen werden. Sie ſoll die
hierzu beſtimmte Abtheilung der Wirkung des feindlichen
Feuers möglichſt entziehen, gleichzeitig aber auch die ſchleunige
Hilfeleiſtung an einem beſonders bedrohten Punkte der durch
Schwärme beſetzten Strecke ohne übermäßige Anſtrengung der
Mannſchaft geſtatten. -

720. Wenn ein Zug in der zerſtreuten Fechtart zur Verwen


dung gelangt, ſo kann dieß in der Regel nur geſchehen, indem
er entweder mit ſeiner ganzen Stärke in Schwärme aufgelöst
oder als Unterſtützung verwendet wird.
721. Zur Auflöſung in Schwärme ertheilt der Zugs-Kom
mandant, nachdem er den beiden Schwarmführern die Aus
dehnung der zu beſetzenden Strecke bezeichnet hat, das Kom
mando:
„In Schwärme!“
„Marsch!“ oder: „Im Lauftritt – Marsch!“
worauf jeder Schwarmführer ſich vor die ihm zugewieſene
Abtheilung begibt und dieſelbe in die einzunehmende Aufſtellung
führt. Die Gewehre werden hierbei in der Balance oder wie
beim Plänkeln getragen, die Mannſchaft breitet ſich im
183

Vorgehen nach der Angabe der Schwarmführer aus.


Sind die einzelnen Schwärme in die vom Zugs-Kommandan
ten bezeichnete Aufſtellung gelangt, ſo haben ſie ſich nach
Maßgabe des Terrains auszubreiten und nach Bedarf in Ver
bindung zu ſetzen.
Der Zugs-Kommandant, welcher zu ſeiner perſönlichen 722.
Bedeckung ebenſo wie in der geöffneten Ordnung nebſt dem
Horniſten 2 oder 3 Mann bei ſich zu behalten hat, muß
ſich von der zweckmäßigen Einwirkung der Schwarmführer
überzeugen, die nothwendigen Verbeſſerungen anordnen und
ſein weiteres Benehmen nach den bereits bekannten Grundſätzen
regeln.
§. 49.
Benützung des Terrains in der zerſtreuten Fechtart.
Die geſchickte Benützung aller vorhandenen Terrain-723.
vortheile gewinnt in der zerſtreuten Fechtart womöglich noch
eine größere Bedeutung als in der geöffneten Ordnung, denn,
während die Plänklerkette als geöffnete Feuerlinie in gewiſſer
Beziehung die Ergänzung einer geſchloſſenen Truppe bildet
und mit dieſer in Verbindung bleiben muß, iſt der in Schwär
men aufgelösten Abtheilung nur der beabſichtigte Zweck be
zeichnet, die Wahl der Mittel zur Erreichung desſelben aber
den Schwarmführern und Zugs-Kommandanten überlaſſen.
In der zerſtreuten Fechtart werden daher nicht nur die 724.
für die geöffnete Ordnung ertheilten Belehrungen die ausge
dehnteſte Anwendung finden, ſondern die Mannſchaft wird
auch mit den Beobachtungen beim Angriffe und der Verthei
digung von Oertlichkeiten vertraut gemacht werden müſſen.
Da die in dieſer Beziehung nothwendigen Anleitungen 725.
den Gegenſtand eines eigenen Unterrichtes bilden, ſo wird hier
nur noch die Benützung einiger Vortheile angedeutet, welche
bisher noch keine Erwähnung fanden.
Der Soldat iſt nämlich zu belehren, daß er ſich hinter 726.
einer Schießſcharte, einem zufälligen Einſchnitte, an einem
Fenſter oder einer andern Oeffnung in einem deckenden Gegen
184

ſtande auf ähnliche Weiſe wie bei der Aufſtellung hinter einem
Baume zu benehmen und ſonach die Oeffnung immer rechts
von ſich zu laſſen hat. – Iſt der Feind ſchon ſehr nahe
herangekommen, ſo darf beim Zielen nur die Mündung
des Gewehres aus der Oeffnung hervorragen, damit der
Angreifer dasſelbe nicht zu faſſen und herauszureißen vermag.
727. Beim Eindringen in einen Ort muß die Mannſchaft
eines Schwarmes ſich zu beiden Seiten der Straße den Häu
ſern entlang vorwärts ſchleichen und jeden Vorſprung benützen,
um ſich zum weitern Vordringen zu ſammeln. Die wechſel
ſeitige Unterſtützung darf nie vernachläſſigt werden, ſondern
muß im Gegentheile jeder Unternehmung den erforderlichen
Nachdruck verleihen.
728. Die beſte Vorbereitung für die zerſtreute Fechtart iſt in
der möglichſten Entwicklung der körperlichen Gewandtheit zu
ſuchen, welche nicht nur die Ueberwindung aller vorkommen
den Terrainhinderniſſe erleichtert, ſondern auch das Bewußt
ſein der eigenen Kraft erweckt und ſomit die Entſchloſſenheit
ſowie den Unternehmungsgeiſt ſteigert.
Wenn der Soldat mit dieſen Eigenſchaften noch die voll
endete Geſchicklichkeit in der Handhabung und im Gebrauche
ſeines Gewehres verbindet, dann iſt ihm in der zerſtreuten
Fechtart im reichſten Maße die Gelegenheit gewährt, ſich durch
beſondere Leiſtungen bemerkbar zu machen und ſeinen perſön
lichen Werth zur Geltung zu bringen.
730. Nach dieſen allgemeinen Andeutungen kann die Uebung
der Mannſchaft in der zerſtreuten Fechtart nur dann einen
Zweck haben, wenn ſie auf einem durchſchnittenen, mit Terrain
gegenſtänden der verſchiedenſten Art bedeckten Platze vorge
nommen wird, und ſelbſt bei der umſichtigſten Wahl und der
zweckmäßigſten Benützung wird der Erfolg immer nur unvoll
ſtändig bleiben, wenn bei den geſtellten Aufgaben nicht auch
das muthmaßliche Benehmen des Gegners durch eine andere
Abtheilung angedeutet wird.
731. Liſt, Gewandtheit, Kraft und Ausdauer ſind die Be
dingungen des Erfolges in der Stunde der Gefahr und müſſen
185.

daher auch bei den Uebungen eine gewiſſe Anregung finden


und durch die Klärung des Urtheiles auf die richtige Bahn
geleitet werden.
Im freien, offenen Terrain kann nur der engſte Zuſam 732
menhang den Erfolg ſichern, dasſelbe bleibe daher der Anwen
dung der geſchloſſenen und geöffneten Ordnung überlaſſen,
während in der zerſtreuten Fechtart die Vortheile der Boden
geſtaltung den Mangel an Kraft erſetzen und ſomit ſelbſt eine
ſchwächere Abtheilung befähigen müſſen, den vielleicht ſtärkern
aber weniger gewandten Gegner ſiegreich zu bekämpfen.

§. 50.
Gebrauch der Waffen in der zerſtreuten Fechtart.
Der Gebrauch der Waffen iſt bei der Anwendung der 733.
zerſtreuten Fechtart naturgemäß dem Urtheile der Schwarm
führer und der Mannſchaft anheim zu ſtellen, denn es iſt für
den Erfolg ganz gleichgiltig, ob der Feind durch wohlgezielte
Schüſſe beläſtigt, aufgehalten und zum Weichen gebracht, oder
ob er durch einen raſchen Anfall mit dem Bajonnete geworfen
wird; dagegen bleibt es aber von der höchſten Wichtigkeit, daß
die in ſolcher Weiſe verwendete Abtheilung ihren Zweck mit
zäher Beharrlichkeit verfolgt, und durch Liſt zu erreichen ſucht,
was ſie durch Gewalt nicht zu erlangen vermag.
Die nebeneinander befindlichen Schwärme müſſen ſich 734.
daher, wie bereits erwähnt wurde, bei jeder Gelegenheit durch
die entſprechende Anwendung der Waffen unterſtützen oder zur
Ueberwältigung des Feindes in der geeignetſten Weiſe zuſam
menwirken, ohne erſt Befehle zu erwarten und dadurch den
günſtigſten Zeitpunkt zu verſäumen.
§. 51.
Bewegungen des in der zerſtreuten Fechtart verwen
deten Zuges.
Die Bewegungen einer in Schwärmen aufgelösten Ab 735
theilung müſſen in jedem einzelnen Falle den Gefechts-Ver
hältniſſen angepaßt werden und erhalten eben durch ihre Regel
186

loſigkeit den dieſer Fechtart entſprechenden eigenthümlichen


Charakter. Der Zugs-Kommandant bezeichnet den Schwarm
führern die einzuſchlagende Richtung und geht nach Umſtänden
an dem wichtigſten Punkte ſelbſt voraus, um die Mannſchaft
durch ſein eigenes Beiſpiel zur Nachahmung anzufeuern.
In derſelben Weiſe wirkt auch jeder Schwarmführer auf
die ihm zugewieſene Mannſchaft, die er durch Zuruf und Zei
chen leitet, von ſeinen nächſten Abſichten verſtändigt und zur
Ausführung derſelben ermuntert.
736. Nur in ſeltenen Fällen werden alle Schwärme ſich gleich
mäßig vor-, ſeit- oder rückwärts bewegen, oder wohl gar eine
gerade Richtung einhalten können, ſondern die Bewegung wird
gewöhnlich zwar der vom Zugs-Kommandanten beſtimmten
Richtung folgen, aber von jedem Schwarme in der Weiſe aus
geführt werden, welche den örtlichen Verhältniſſen am beſten
entſpricht.
737. Gelingt es einem einzelnen Schwarme, einen günſtigen
Punkt früher zu erreichen oder länger zu behaupten, als
dieß bei der Einhaltung einer beſtimmten Linie möglich wäre,
ſo darf er ſich von der Benützung eines ſolchen Vortheiles
durch unweſentliche Rückſichten nicht abhalten laſſen, ſondern
er muß denſelben in jeder Beziehung auszubeuten ſuchen.
738. Ein unter beſonders günſtigen Umſtänden vorausgelang
ter Schwarm wird daher dieſes Verhältniß benützen müſſen,
um dem andern Schwarme das Vordringen zu erleichtern,
und ſeine Bewegung zum nächſten Terrainabſchnitt wird
erſt dann fortzuſetzen ſein, wenn auch dieſer der Weiſung des
Zugs-Kommandanten entſprochen hat. – Der Zuſammen
hang darf aber nie verloren werden, und es bleibt in einem
ſolchen Falle die Aufgabe des Schwarmführers und auch des
Zugs-Kommandanten, jede Uebereilung zu verhüten.
§. 52.
Benehmen der Unterſtützung.
739. Die Unterſtützung hat der in Schwärmen aufgelösten
Abtheilung als Rückhalt zu dienen und die Verbin
187

dung derſelben mit den noch folgenden Streitkräften zu ver


mitteln.
Der Aufſtellungspunkt iſt entweder hinter der Mitte der
aufgelösten Abtheilung zu wählen, von wo jedem Theile
gleich ſchnell Hilfe geleiſtet werden kann, oder die Unterſtützung
hat ſich dem am meiſten bedrohten Punkte zu nähern und dieſem
dadurch eine geſteigerte Feſtigkeit zu verſchaffen.
In Bezug auf die Entfernung von den Schwärmen und 740.
auf die Benützung des Terrains zur Deckung der Mannſchaft,
ſind die bereits ertheilten Belehrungen zu berückſichtigen, deren
richtige Anwendung die weſentlichſte Aufgabe des Komman
danten bleibt.
Um die Beweglichkeit der Abtheilung im durchſchnittenen 741.
Terrain zu ſteigern, ſind bei der Unterſtützung, wenn dieſelbe
in Front ſteht, die Rotten zu öffnen, was auf das Kommando:
„Rechts und links – öffnen!“
durch das Seitwärtstreten von der Mitte gegen beide Flügel
zu geſchehen hat. Jede Rotte hat den Abſtand von einem
Schritte von ihrer Nebenrotte zu nehmen und hierbei in der
vorgeſchriebenen Weiſe gedeckt zu bleiben.
Während des Marſches ſind dieſe Abſtände mittelſt der
Haltung zu gewinnen und ohne Aengſtlichkeit gleichmäßig zu
beobachten.
Ebenſo wird auch das Zuſammenſchließen der Rotten auf 742.
der Stelle und während des Marſches mittelſt des Kommando's:
„Links und rechts – schliessen!“
veranlaßt und mittelſt des Seitwärtstretens oder der Haltung
ausgeführt.
Sollte jedoch die Geſtaltung des Terrains die Formirung 743.
der Unterſtützung in Reihen oder Doppelreihen als entſpre
chend erſcheinen laſſen, ſo hat der Kommandant den Uebergang
in dieſe Formation anzuordnen.
Der Kommandant der Unterſtützung hat ſeinen Stand- 744.
punkt ſo zu wählen, daß er die von den Schwärmen beſetzte
Strecke wo möglich in ihrer ganzen Ausdehnung überſehen
und nach der Haltung der erſtern ſeine eigenen Anordnungen
188

zu regeln vermag. Nach Umſtänden hat er für die Erwei


terung des Geſichtskreiſes durch die Aufſtellung von Unter
offizieren oder einzelnen Leuten an geeigneten Punkten zu
ſorgen, und ſeine eigenen Wahrnehmungen durch die auf
dieſem Wege erlangten Meldungen zu ergänzen.
745. Wenn die Schwärme vorrücken, ſo hat die Unterſtützung
ihnen zu folgen und die Bewegung hierbei ſo zu regeln, daß
ſie immer einen angemeſſenen Abſtand behält. Es wird alſo
von den Verhältniſſen abhängen, ob die Vorrückung gleichzeitig
mit der erſten Linie oder ſpäter angetreten und eingeſtellt
werden ſoll.
746. Steht die Unterſtützung in einer gedeckten Aufſtellung
nahe an der Linie der Schwärme, welche eben eine freie Strecke
zu hinterlegen haben, ſo wird es zweckmäßig ſein, die Bewe
gung ſpäter anzutreten und dadurch einen größern Abſtand
zu gewinnen, während beim Uebergange aus einem offenen
in einen mehr bedeckten Terrainabſchnitt das entgegengeſetzte
Verfahren zu beobachten ſein wird. Die Unterſtützung wird
daher ihre Entfernung von den Schwärmen durch ein raſches
Nachrücken vermindern müſſen. -

747. Wenn die erſte Linie einen Flügel vorſchiebt, ſo muß


der Kommandant der Unterſtützung ſeine Aufmerkſamkeit vor
zugsweiſe dieſer Seite zuwenden und die Bewegung nach Be
darf durch ſeine Annäherung begünſtigen.
748. Hat die in Schwärme aufgelöste Abtheilung ein Defilé
zu hinterlegen, ſo bleibt die Unterſtützung vor dem Eingange
in einer zur Aufnahme der erſtern geeigneten Aufſtellung und
rückt nach, wenn dieſe ſich wieder ausgebreitet haben. Der
Kommandant der Unterſtützung muß den Zeitpunkt zur Hin
terlegung des Defilé's nach der Beurtheilung der Gefechts
Verhältniſſe wählen und darf auch beim weitern Vorrücken
den Ausgang ſo lange nicht unbeobachtet laſſen, bis eine an
dere Truppe ſich derſelben genähert hat.
749. Wenn die Schwärme ſich zurückziehen, gewinnt die Wirk
ſamkeit der Unterſtützung eine erhöhte Bedeutung und der
Kommandant muß daher die Abſichten des Feindes durch die
189

aufmerkſame Beobachtung jeder ſeiner Bewegungen zu erken


nen und ihre Ausführung durch entſprechende Gegenmaßregeln
zu verhindern ſuchen.
Die Unterſtützung kann daher den Rückmarſch zwar 750.
gleichzeitig mit den aufgelösten Abtheilungen beginnen, muß
aber, ſobald ſie einen Vorſprung gewonnen oder eine vor
theilhafte Aufſtellung erreicht hat, ſtehen bleiben und das Her
annahen der erſteren erwarten, welche dadurch zu einer ent
ſchloſſenen Haltung und ſomit auch zu einem wirkſamen
Gebrauche ihrer Feuerwaffen ermuntert werden.
Wenn die Unterſtützung einen beſonders günſtigen Ter 751.
rainabſchnitt früher beſetzen und dann die Fortſetzung des
Gefechtes in der erſten Linie übernehmen ſoll, ſo veranlaßt
der Kommandant nach dem Anlangen an dem gewählten
Punkte die Auflöſung in Schwärme, nachdem er den Unter
offizieren über ihr Benehmen die erforderlichen Belehrungen
ertheilt hat. Die Mannſchaft wird daher nach dem Durch
brechen der vordern Linie das Feuer ſogleich eröffnen müſſen,
um dem Nachdrängen des Feindes Einhalt zu thun und der
zurückweichenden Abtheilung die zum Sammeln oder zur
Beſetzung einer neuen Stellung nothwendige Zeit zu ver
ſchaffen.
Aus den bisherigen Andeutungen folgt, daß der Kom
mandant der Unterſtützung, in ſoferne er nicht durch höhere
Weiſungen an ein beſtimmtes Benehmen gebunden iſt, ganz
nach ſeinen eigenen Eingebungen ſelbſtſtändig zu handeln
und immer nur den Zweck im Auge zu behalten hat, ohne ſich
durch die Rückſicht auf ein bleibendes Aufſtellungs-Verhältniß
beirren zu laſſen.
Soll die Unterſtützung die bereits aufgelöste Abthei 753.
lung verſtärken, ſo hat er gleichfalls den Unteroffizieren zu
erſt die nothwendigen Weiſungen über die einzuſchlagende
Richtung zu ertheilen und dann die Auflöſung in Schwärme
anzuordnen, welche mit Benützung der vorhandenen Terrain
vortheile in die Zwiſchenräume der erſten Linie einzurücken
haben.
190

754. Die Einberufung der früher aufgelösten Abtheilung


wird, wenn die Verſtärkung nur als Vorbereitung der Ab
löſung veranlaßt worden war, in der bei der geöffneten Ord
nung feſtgeſetzten Weiſe bewirkt.
755. Die Unterſtützung kann übrigens auch angewieſen wer
den, zum Behufe der Ablöſung, in Schwärmen über die Auf
ſtellung der erſten Linie vorzudringen und ſomit deren
Rolle zu übernehmen, während dieſe in einem ſolchen Falle
den Erfolg der Unternehmung in ihrer Aufſtellung abzu
warten und ſich dann als Unterſtützung zu ſammeln hat.
756. Die Vorrückung muß in einem ſolchen Falle raſch und
entſchloſſen, aber ohne jede Uebereilung bewirkt werden, die
einzelnen Schwärme haben mehr vereinigt zu bleiben, und die
den Umſtänden angemeſſene Ausbreitung erſt nach dem Ein
treffen in der vom Zugs-Kommandanten gewählten Auf
ſtellung nach und nach anzunehmen. Die Schwarmführer
müſſen die ganze Linie im Auge behalten und ſtets bereit
ſein, das Gelingen der Unternehmung durch die rechtzeitige
Unterſtützung ihrer Kameraden zu ſichern.
§. 53.
Bajonnet-Angriff. -

757. Wenn feindliche Plänkler ſich in einer vortheilhaften


Stellung, in einem Graben, an einem Waldrande, hinter
einer Hecke oder einem andern deckenden Terraingegenſtande
der Wirkung des Feuers entziehen, ſo müſſen dieſelben durch
einen raſchen Angriff mit dem Bajonnete zum Verlaſſen ihrer
Aufſtellung gezwungen werden.
758. Der Kommandant des in Schwärmen aufgelösten Zuges
hat zu dieſem Zwecke jene Punkte der feindlichen Aufſtellung
auszumitteln, deren Beſitz den Werth derſelben hauptſächlich
bedingt, ſonach aber die Schwarmführer durch einige Worte
von ſeinen Abſichten zu verſtändigen.
759. Da die Unternehmung nur dann mit voller Sicherheit
gelingen kann, wenn der Feind an dem Punkte des Angrif
fes mit Ueberlegenheit gefaßt wird, ſo iſt immer auf das Zu
191

ſammenwirken mehrerer Schwärme nach Thunlichkeit Bedacht


zu nehmen. Die Ausführung wird auf das Signal:
„Sturm!“
begonnen, worauf die Mannſchaft die Bajonnete pflanzt und
ſich den Schwarmführern nähert, um dann auf das gleich fol
gende Signal oder Aviſo:
„Vorwärts!“
die Bewegung anzutreten. Da die in Schwärmen aufgelöste
Abtheilung den Bajonnet-Angriff ſelbſt auszuführen, und
nicht, wie es der Plänklerkette obliegt, eine andere Truppe
hierbei zu unterſtützen hat, ſo iſt das Feuer im Vorrücken
zum Angriffe einzuſtellen und überhaupt jede Verzögerung
zu vermeiden, welche den Vortheil der Ueberraſchung des
Gegners beeinträchtigen könnte.
Die Schwarmführer und der Zugs-Kommandant bilden 760.
die Vereinigungspunkte der Mannſchaft, welche dieſen Füh
rern zu folgen hat, ohne ſich dabei in eine beſtimmte Form zu
zwängen, und ſich dadurch der freien Beweglichkeit und des
kräftigen Gebrauches der Waffen zu berauben. Der Horniſt
hat während der Vorrückung den Sturmmarſch zu blaſen, und
der Zugs-Kommandant bei der Annäherung auf 20 – 30
Schritte den Ruf:
„Hurrah!“ --

erſchallen zu laſſen, welcher von den Unteroffizieren wie auch von


der Mannſchaft wiederholt und vom Horniſten durch das Signal:
„Sturm!“
/
erwiedert wird. – Die vorrückenden Schwärme ſtürzen ſich
hierauf mit gefälltem Bajonnete auf die feindlichen Abtheilungen.
Gelingt es, den Feind durch dieſen Anfall zu werfen, 761.
und ſich in den Beſitz ſeiner verlaſſenen Aufſtellung zu ſetzen,
ſo haben die Unteroffiziere mit aller Strenge darüber zu wa
chen, daß der errungene Vortheil nicht durch eine planloſe
und übereilte Verfolgung auf das Spiel geſetzt, ſondern dem
Verluſte desſelben durch eine raſche Beſetzung vorgebeugt werde.
Die Unterſtützung hat gleichzeitig mit den aufgelösten 762.
Abtheilungen die Bajonnete zu pflanzen und nach Maßgabe
192

des zu erwartenden Widerſtandes im Sinne der dem Kom


mandanten zukommenden Weiſungen entweder den Erfolg des
Angriffes in einer Aufnahmsſtellung abzuwarten oder ſich an
der Unternehmung der Schwärme zu betheiligen.
- 763. Die Wahl eines geeigneten Punktes, von welchem die
Angreifenden ohne Zeitverluſt unterſtützt und die allenfalls
vorbrechenden Abtheilungen des Feindes durch einen überra
ſchenden Flanken-Angriff zurückgeworfen werden können, bleibt
dem Kommandanten der Unterſtützung anheimgeſtellt, welcher
hierbei nach ſeiner Ueberzeugung ſelbſtſtändig zu handeln hat.
764. Soll die Unterſtützung beim Angriffe unmittelbar mit
wirken, ſo hat ſie gewiſſermaßen den Kern der Unternehmung
zu bilden und die zu beiden Seiten ſich anſchließenden
Schwärme mit fortzureißen. Iſt der zunächſt beabſichtigte
Zweck erreicht, ſo hat die Unterſtützung ſich ſogleich wieder
ihrer Beſtimmung gemäß zu ſammeln und aufzuſtellen, die
Fortſetzung des Feuergefechtes aber der aufgelösten Abthei
lung zu überlaſſen.
765. Wenn der Angriff vom Feinde zurückgewieſen wird, ſo
haben ſich die weichenden Schwärme bei der Unterſtützung, und
wenn dieſe an der Unternehmung Antheil genommen hat,
ſammt ihr weiter rückwärts zu ſammeln.
766. Rückt der Feind zum Angriffe der von den eigenen
Schwärmen beſetzten Aufſtellung vor, ſo müſſen dieſe ſich
gegen den bedrohten Punkt zuſammenziehen, ihr Feuer ſo
lange als möglich unterhalten und endlich dem Angreifer mit
gefälltem Bajonnete entgegen gehen. -

Die Unterſtützung hat ſich dem muthmaßlichen Angriffs


punkte ſchon früher zu nähern und dann beim Zurückweiſen
des Feindes mitzuwirken.
767. Eine beſtimmte Vorſchrift kann weder für den Angriff
noch für die Vertheidigung feſtgeſetzt werden, die Zugs
Kommandanten und Schwarmführer müſſen ſich daher bei
jeder Unternehmung dieſer Art auf ihr eigenes Urtheil verlaſſen
und ihre Handlungsweiſe den Anforderungen des Augenblickes
anzupaſſen verſtehen.
193

§. 54.
Vertheidigung gegen Reiterei.
Zur Sicherung gegen den Angriff feindlicher Reiter- 768.
Abtheilungen ſind auch bei der zerſtreuten Fechtart die für die
geöffnete Ordnung angedeuteten Vorkehrungen in Anwendung
zu bringen.
Die Unterſtützung muß auf das entſprechende Signal 769.
gleichfalls ſchnell in einen kreisförmigen Haufen zuſammen
ſchließen, nach allen Seiten Front machen und die Bajonnete
pflanzen. Die Männer der Flügelrotten werden hierbei an
den äußern Umfang gelangen, jene der mittleren Rotten mit
den Unteroffizieren den innern Kreis bilden, in deſſen Mitte
ſich der Zugs-Kömmandant mit dem Horniſten zu begeben hat.
Die Männer des äußern Kreiſes fällen die Bajonnete, jene
innerhalb desſelben nehmen die Gewehre fertig, feuern aber
beim Anreiten der Kavallerie erſt dann, wenn ſie vom Zugs
Kommandanten die Weiſung hierzu erhalten.
Die Auflöſung des Klumpens erfolgt auf das Kommando:
„In zwei Glieder!“
indem die Bajonnete verſorgt, die Gewehre geſchultert und
die Glieder wie früher formirt werden.
Wenn bei einem als Unterſtützung verwendeten Pion- 770.
nierzuge auch die nicht mit Gewehren ausgerüſtete Mannſchaft
anweſend iſt, ſo hat dieſe bei der Formirung eines Klumpens
ſich in den inneren Raum desſelben zu verfügen.
§. 55.
Uebergang aus der zerſtreuten Fechtart in die
geſchloſſene Ordnung.
Die Einberufung der in der zerſtreuten Fechtart verwen-771.
deten Abtheilungen wird nach den für die geöffnete Ordnung
aufgeſtellten Grundſätzen bewirkt, und erfordert daher keine
beſondere Erörterung.
Die Unterſtützung hat dieſem Rufe gleichfalls zu folgen, 772.
und in das ihr zukommende Verhältniß zu rücken.

Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 13


194

II. Abtheilung.
Ausbildung der Chargen.

Viertes Hauptſtück.
Stellung und Er er ciren der Unter
offiziere.
§. 56.
Stellung und Exerciren des Unteroffiziers.
773. Die Stellung des Unteroffiziers iſt jener des Soldaten
vollkommen gleich und ebenſo müſſen auch die Gewehrgriffe,
mit Ausnahme des Präſentirens, in Reih' und Glied, nach den
bekannten Beſtimmungen gleichzeitig mit der Mannſchaft aus
geführt werden, wobei nur zu bemerken bleibt, daß der Unter
offizier beim Schwören nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung
den Handſchuh der rechten Hand auszuziehen hat.
774. Bei der Infanterie hat der Unteroffizier in der Ein
theilung auf das Kommando zum Präſentiren das Gewehr
in rechten Arm zu nehmen. Die linke Hand bringt zu die
ſem Zwecke den Kolben gegen den Schenkel herab und wen
det gleichzeitig den Lauf gegen die rechte Seite. Die rechte
Hand umfaßt nun den Kolbenhals, zieht das Gewehr gegen
die rechte Seite und wendet es mit dem Riemen vorwärts,
während die linke dasſelbe über dem Abſehen ergreift. Die
rechte Hand nimmt den Kolbenhals in die Gabel zwiſchen
dem Zeige- und Mittelfinger, bringt das Gewehr vollends an
die rechte Seite in die ſenkrechte Lage und hält es bei natür
lich geſtrecktem Arme, worauf die linke Hand an die Seite
zurückkehrt. Der Zeigefinger der rechten Hand muß knapp
195

unter dem Griffbügel, der Daumen über dieſen zu liegen


kommen, während die drei anderen Finger geſchloſſen hinter
dem Hammer ruhen. Der Ballen der Hand hat das Schloß
zu bedecken, der Lauf an der Achſel eine Anlehnung zu finden.
Aus dieſer Stellung iſt das Gewehr auf das Kommando zum
Schultern wieder in die frühere Lage auf die linke Achſel zu
bringen, indem die rechte Hand dasſelbe ein wenig hebt, mit
dem Riemen links wendet, und vor die Mitte des Leibes
ſchiebt, wo die linke Hand den Schaft in der Höhe des
Abſehens umfaßt und dann das Gewehr mit Hilfe der rechten
Hand in der bekannten Weiſe ſchultert.“
Der eben erklärte Gewehrgriff iſt in den bereits ange- 775.
deuteten Fällen von dem Unteroffizier in der Eintheilung und
auch als ſelbſtſtändiger Kommandant auszuführen, dann als
Ehrenbezeigung in jenen Gelegenheiten anzuwenden, in
welchen der einzelne Soldat zu präſentiren hat.
Der Unteroffizier der Jäger, der Genie-Truppen und 776.
Pionniere trägt das Gewehr als Kommandant auch mit ge
pflanztem Bajonnete am Riemen geſchultert und bringt als
Ehrenbezeigung die rechte Hand an den Kolbenhals, bezie
hungsweiſe an den Kolben.
Zum Feuern machen ſich die Unteroffiziere nur bei der 777.
Vertheidigung gegen Reiterei gleichzeitig mit der Mannſchaft
fertig.

§. 57. -

Stellung und Exerciren des Fahnenführers.


Der Fahnenführer trägt die Fahne in ſchräger Lage auf 778.
der linken Schulter, indem er die Stange mit der linken Hand
unterhalb der letzten Nägel und zugleich auch den Fahnen
Taffet erfaßt. Der linke Vorarm ſoll hierbei eine wagrechte
"Lage erhalten und der Elbogen natürlich an den Leib ge
ſchloſſen ſein. -

Wenn das Kommando zur Richtung, zum Frontmarſche, 779.


zum Bajonnet-Angriff, zum Feuern, zur Rallirung, oder
zum Wenden der Köpfe beim Empfange eines Höhern oder
13*
196

vor der Deſilirung erfolgt, iſt die Fahne immer hoch zU


nehmen. -

Der Fahnenführer bringt hierzu die Fahne vor der lin


ken Hüfte in die vertikale Lage und erhebt ſie mit der linken
Hand ſo weit, daß das untere Ende der Stange in die Höhe
der Bauchhöhle gelangt, an welche dasſelbe zu ſtemmen iſt. –
Die rechte Hand umfaßt die Stange auf einen Schuh vom
untern Ende und die linke Hand gleitet ſo weit herab, daß
ſie in die Höhe der Augen gelangt. – Die Spitze der Fahne
wird hierbei ein wenig vorgeneigt.
Bei der Rallirung hat der Fahnenführer die Spitze der
Fahne gegen die rechte Seite zu neigen und dadurch die
Aufſtellung des rechten Flügels, ſomit auch die Frontrich
tung zu bezeichnen.
Um die Fahne aus den angedeuteten Stellungen auf die
linke Schulter zu bringen, läßt der Fahnenführer die Stange
durch beide Hände abwärts gleiten und auf die linke Achſel
ſinken, worauf die rechte Hand an die Seite zurückkehrt.
780. Wenn die Truppe beim Empfange der Allerhöchſten
Herrſchaft zum Präſentiren befehligt wird, ſo hat der Fahnen
führer die Fahne zur Salutirung zu ſenken. – Die Fahne
wird hierzu mit der linken Hand in die vertikale Lage vor die
Mitte des Leibes gebracht, mit der rechten Hand oberhalb der
letzten Nägel, und zwar ſammt dem Taffet, umfaßt, mit dem
untern Ende unter die rechte Achſel gebracht und mit der
Spitze bis auf eine Spanne vom Boden geſenkt. – Die linke
Hand verläßt die Fahne und wird an die Seite gebracht.
Auf das Kommando zum Schultern wird die Fahne mit
der linken Hand wieder erfaßt und mit beiden Händen hoch
genommen.
781. Beim Empfange des Armee- und Armee-Korps-Kom
mandanten, ſo wie des Landes-General-Kommandanten oder
Militär-Gouverneurs im Bereiche der unterſtehenden Truppen,
und wenn kein Höherer anweſend iſt, dann beim Empfange
des Kriegsminiſters oder eines Feldmarſchalls im Bereiche der
ganzen Armee, wird die Fahne in gleicher Weiſe geſenkt,
197

Auf das Kommando: 782.


„Beim – Fuss!“
wird die Fahne mit der linken Hand vor der Mitte des Leibes
in die vertikale Lage gebracht, mit der rechten ein wenig un
ter der linken Hand ergriffen und neben der rechten Schuh
ſpitze auf den Boden geſtellt.
Auf das Kommando: 783.
„Schul – tert!“
wird die Fahne mit der rechten Hand ein wenig erhoben, vor
die Mitte des Leibes gebracht, dann von der linken Hand
ergriffen und geſchultert.
Bei der Stellung zum Gebete und beim Niederknien 784.
benimmt ſich der Fahnenführer nach der für den Soldaten
feſtgeſetzten Beſtimmung und beim Schwören hat er die Fahne
vor der Mitte des Leibes auf den Boden zu ſtellen und nach
dem Abnehmen der Kopfbedeckung, welche mit dem linken
Daumen zu erfaſſen iſt, den Handſchuh der rechten Hand
auszuziehen.
Auf Märſchen und bei den Uebungen kann die Fahne mit 785.
dem Futteral überzogen werden, bei Paraden muß ſie aber
ohne Rückſicht auf das Wetter fliegend getragen werden, jedoch
iſt dem Fahnenführer geſtattet, bei ſtarkem Winde das untere
Ende des Taffets zu erfaſſen oder denſelben zur Hälfte um die
Stange zu wickeln.

§. 58.

Stellung und Exerciren des Bataillons- und des Regi


ments-Tambours.

Der Bataillons-Tambour erſcheint bei jeder Ausrückung 786.


mit ſeinem Stocke. Seine Stellung iſt im Allgemeinen jener
des Soldaten gleich, jedoch hat er den rechten Fuß ſo vor den
linken zu ſetzen, daß der Abſatz des erſtern an den Ballen
des letztern zu ſtehen kommt. Der rechte Arm wird vor- und
rechts ſeitwärts geſtreckt, und der Stock mit der rechten Hand
unter dem Knopfe umfaßt und ſo gehalten, daß das untere
198

Ende neben die rechte Fußſpitze gelangt. Die linke Hand wird
in die Seite geſtemmt, wobei der Daumen rückwärts, der Zeige
finger mit den übrigen Fingern vorne am Leibe anliegt.
Die religiöſen Tempo werden mit den bekannten Beob
achtungen ausgeführt, und beim Schwören der Stock vor die
Mitte des Leibes geſtellt, mit der linken Hand in der Höhe der
Hüfte ergriffen, dann wird die Kopfbedeckung nach den bekann
ten Beſtimmungen abgezogen.
787. Während des Marſches hält der Bataillons-Tambour
den Stock unter der Mitte umfaßt mit der rechten Hand
ſchräge vor dem Leibe. Die Fauſt ſoll ſich hierbei in der Höhe
der Magengrube befinden, der Knopf des Stockes gegen die
rechte Seite geneigt ſein. Das Zeichen zum Beginnen oder
Einſtellen des Spieles wird durch das Seitwärtsſtrecken des
rechten Armes ertheilt.
788. Der Regiments-Tambour hat ſich in jeder Beziehung
nach den für den Bataillons-Tambour feſtgeſetzten Beſtim
mungen zu benehmen.

§. 59.

Stellung und Exerciren des Bataillons-Horniſten.


789. Der Bataillons-Horniſt der Infanterie-, der Genie
Truppen und Pionniere hat ſich in jeder Beziehung nach
den für den Horniſten feſtgeſetzten Beſtimmungen zu be
nehmen.
790. Der Bataillons-Horniſt der Jäger iſt bezüglich ſeines
Benehmens zu Fuß gleichfalls an die bekannten Vorſchriften
gebunden, zu Pferde hat er das Horn mit der Schnur über
die linke Schulter gehängt an der rechten Seite zu tragen. Die
rechte Hand umfaßt das Hauptſtück des mit den Bögen rechts
gewendeten Hornes ſo, daß der Daumen längs des an das
Mundſtück ſtoßenden Rohres in der Vertiefung beider Röhren
liegt, die anderen Finger aber geſchloſſen auf dem dickern Rohre
ruhen. Der Becher wird auf dem rechten Oberſchenkel aufgeſetzt
und das Horn etwas vor- und rechts ſeitwärts geneigt.
199

In dieſer Stellung bleibt er bei allen Gelegenheiten,


in welchen das Horn ergriffen iſt, nur beim Schwören läßt
er dasſelbe an der Schnur herabhängen, um die Kopfbedeckung
abzunehmen und in die linke Hand zu geben, die rechte Hand
aber nach dem Ausziehen des Handſchuhes zu erheben.
Auf Märſchen und in allen Gelegenheiten, in welchen 791.
die Ertheilung von Signalen nicht augenblicklich erfolgen
muß, kann das Horn über den Rücken geſchwenkt und durch
eine Schlinge in der Schnur feſtgehalten werden.
200

Fünftes Hauptſtück.
Vorbereitung der Unteroffiziere zur
Führung von Abtheilungen.
§. 60.
Erklärung einiger Linien, Winkel und Flächen.
792. Eine Linie, welche von einem Orte zu einem andern,
ohne irgend eine Abweichung nach ſeitwärts, auf- oder
abwärts läuft, heißt eine gerade Linie. Der Anfang und
das Ende einer Linie werden die Endpunkte derſelben genannt.
A. B

Die gerade Linie A B bildet die kürzeſte Verbindung


ihrer Endpunkte.
Die Front einer in geſchloſſener Ordnung aufgeſtellten
Abtheilung ſoll immer eine gerade Linie ſein.
793. Eine gerade Linie, deren Endpunkte AB in irgend einer
Weiſe bezeichnet ſind, kann verlängert werden, wenn man
in einer geeigneten Entfernung von einem Endpunkte dieſer
Linie, ein drittes Merkzeichen C aufſtellt und ſo lange rechts
oder links rückt, bis es die beiden Endpunkte der zu verlän
gernden Linie genau deckt.

Dieſes Verfahren wird bei der Richtung zur Bezeichnung


der Frontlinie angewendet.
794. Ein Kreis iſt eine in ſich ſelbſt zurückkehrende krumme
Linie, welche die Eigenſchaft hat, daß alle Punkte derſelben
201

von einem in der Mitte befindlichen Punkte (C) gleich weit


entfernt ſind. Jedes Stück der Kreislinie A D nennt man
einen Kreisbogen. Der in der Mitte befindliche Punkt C
heißt der Mittelpunkt. Jede gerade Linie A B, welche durch
den Mittelpunkt geht
und zu beiden Seiten am .D

Umkreiſe endet, wird ein


Durchmeſſer, jede
gerade Linie CD oder
A C, welche von dem
Mittelpunkte zu einem
Punkte des Umkreiſes
gezogen iſt, ein Halb
meſſer genannt.
Jeder Kreis, er mag klein oder groß ſein, wird in 795.
360 Theile getheilt, welche Grade heißen. Ein halber
Umkreis hat demnach 180 und ein Viertel 90 Grade, ein
Achtel 45 Grade.
Einen Winkel nennt man die Neigung zweier geraden 796.
Linien AC und BC, welche in einem Punkte C zuſammentreffen.

Die beiden geraden Linien, welche den Winkel einſchließen, .


heißen die Schenkel und ihr Durchſchnittspunkt C wird der
Scheitel des Winkels genannt. Das Maß des Winkels iſt
die Anzahl Grade, welche der Bogen ab mißt, welcher mit
einem beliebigen Halbmeſſer a C aus dem Scheitel C zwiſchen
den Schenkeln des Winkels beſchrieben wird. Wenn das Maß
202

eines Winkels AC B 90 Grade oder einen Viertel-Kreisbogen


beträgt, ſo nennt man denſelben einen rechten Winkel,
beträgt das Maß eines Winkels ACD weniger als 90 Grade,
ſo heißt er ein ſpitziger, beträgt es mehr als 90 Grade, wie
es bei dem Winkel A CE der Fall iſt, ſo heißt er ein
ſtumpfer Winkel.
797. Eine Senkrechte iſt diejenige Gerade CD, welche auf
einer andern A B ſo ſteht, daß ſie ſich weder rechts noch links
neigt, ſondern mit ihr zu beiden Seiten rechte Winkel bildet.

A 7 i B

798. Jene Linie, welche mit der Richtung übereintrifft, in


welcher jeder Körper aus einer Höhe frei gegen die Erde fällt,
nennt man eine vertikale Linie, welche durch den Faden
eines frei hängenden Senkels anſchaulich gemacht werden kann.
799. Eine wagrechte (horizontale) Linie heißt jene
Linie, welche auf einer Vertikalen ſenkrecht ſteht.
800. Gleichlaufende (Parallele) Linien A B und C D
ſind jene, welche überall gleich weit von einander abſtehen.
Es müſſen daher alle Senkrechten, welche man von beliebigen

B __ «. A

D C

Punkten der einen Linie auf die andere zieht, gleich lang
ſein. Gleichlaufende Linien können ſich daher in ihrer Ver
längerung niemals durchſchneiden.
203

Schräge Linien ſind jene, welche von ihrem Anfange


bis zum Ende ungleich voneinander abſtehen, wie AB und CD.

In ihrer Verlängerung müſſen ſich zwei ſchräge Linien auf der


einen Seite von einander entfernen auf der andern Seite aber
näher kommen und ſich endlich durchſchneiden, ſomit einen
Winkel bilden.
Die ebene Fläche, welche von einer Kreislinie einge- 802.
ſchloſſen iſt, heißt Kreisfläche.
Jede ebene Fläche, welche durch gerade Linien begrenzt 803.
iſt, nennt man überhaupt ein Vieleck, und die geraden,
welche dasſelbe einſchließen, Seiten des Vieleckes. Die Vielecke
werden nach der Anzahl ihrer Seiten und Ecken, Dreiecke,
Vierecke u. ſ. w. benannt.

Ein Dreieck heißt gleichſeitig (A), wenn alle drei 804.


Seiten desſelben gleich lang ſind, gleichſchenklig (B),
wenn nur zwei Seiten gleich ſind und ungleich ſeitig (C),

wenn alle drei Seiten von verſchiedener Länge ſind. Ein


Dreieck wird überdieß rechtwinklig (D) genannt, wenn
zwei ſeiner Seiten unter einem rechten, ſtumpfwinklig (C),
204

wenn ſie unter einem ſtumpfen Winkel zuſammentreffen,


und ſpitzwinklig AB, wenn alle drei Seiten ſich in ſpitzen
Winkeln ſchneiden.
805. Ein Viereck, deſſen Seiten gleich lang ſind und ſenkrecht
auf einander ſtehen, wird ein Quadrat genannt ABCD. –

I) C d (..

A B (l, b

Sind in einem Vierecke je zwei gegenüberliegende Seiten


gleich und ſtehen alle Seiten ſenkrecht auf einander, ſo
heißt es ein Rechteck abcd. Die Linie, welche von einer
Ecke des Viereckes zu einer andern gezogen wird, heißt
Diagonale und ſcheidet ein Quadrat oder ein Rechteck in
zwei gleiche Theile.

§. 61.
Uebung der Chargen im geraden Marſchiren.
806. Da die Leitung des Marſches immer den eingetheilten
Chargen obliegt, ſo müſſen dieſelben in vollkommen gerader
Richtung zu marſchiren verſtehen und zu dieſem Zwecke in der
Einhaltung einer beſtimmten Linie geübt werden.
807. Den einen Endpunkt dieſer geraden Linie bildet die
Aufſtellung der Charge, der andere Endpunkt iſt das Direk
tions-Objekt und die zwiſchen beiden liegende Linie heißt
die Marſchdirektions-Linie.
808. Um dieſe näher zu beſtimmen und das Einhalten derſel
ben während des Marſches zu erleichtern, ſind einige Zwiſchen
punkte zu wählen, welche fortwährend auf das Direktions
« .
Objekt gedeckt bleiben müſſen. Dieſes ſoll immer ein möglichſt
entfernter, gut wahrnehmbarer Gegenſtand, z. B. ein Kirch
205

thurm, ein Baum, eine Bergſpitze u. dgl. ſein, während


jeder noch ſo unbedeutende Terraingegenſtand, wie eine
Erdſcholle, ein Strauch u. dgl. als Zwiſchenpunkt benützt
werden kann.
Zur Uebung im geraden Marſchiren iſt der Charge ein 809.
Direktions-Objekt zu bezeichnen, und dieſelbe dann zur Aus
wahl und Angabe einiger Zwiſchenpunkte anzuweiſen, welche
ungefähr 30 bis 40 Schritte von einander entfernt ſein
ſollen. Die Charge hat dann in der auf dieſe Weiſe be
ſtimmten Marſchdirektions-Linie vorzurücken und ſich hierbei
nach Bedarf während der Bewegung weitere Zwiſchenpunkte
zu wählen.
Um die Wahl der Zwiſchenpunkte zu prüfen und ſich von 810.
der Beobachtung der geraden Linie zu überzeugen, iſt eine
Aufſtellung hinter der Charge zu nehmen und über dieſe gegen
das Direktions-Objekt zu ſehen, wodurch die geringſte Abwei
chung ſehr leicht wahrgenommen werden kann.

§. 62.

Uebung der Chargen im Einhalten der Deckung


während des Marſches.

Wenn die einzelnen Chargen durch wiederholte Uebungen 81 1.


im Einhalten der geraden Linie einige Sicherheit erlangt haben,
ſind mehrere derſelben mit Abſtänden von ungefähr 10 Schritten
hintereinander aufzuſtellen und anzuweiſen, ſich mit Rück
ſicht auf ein beſtimmtes Marſchdirektions-Objekt aufeinander
zu decken.
Die von den Chargen gewählte Aufſtellung iſt dann zu 812.
prüfen und nach Bedarf zu berichtigen, hierauf der gleichzei
tige Antritt der Bewegung zu veranlaſſen. Die vorderſte Charge
hat hierbei in gerader Richtung gegen das Direktions-Objekt
zu marſchiren, die übrigen müſſen fortwährend gedeckt bleiben
und zu dieſem Zwecke über ihre Vormänner auf den bezeich
neten Endpunkt ſehen.
206

81 3. Nach einigen Uebungen iſt der führenden Charge wäh


rend der Bewegung ein neues Direktions-Objekt zu bezeichnen
und die folgenden Chargen haben dann die Deckung ſogleich
in entſprechender Weiſe aufzuſuchen. Durch Ziehungen, dann
durch Wendungen, welche von jeder Charge an demſelben Punkte
auszuführen ſind, wo ſich die erſte gewendet hat, können dieſe
Uebungen vervielfältigt und die Chargen an die genaue Beob
achtung des ihnen angewieſenen Verhältniſſes gewöhnt werden.
207

Sechstes Hauptſtück. -

Beobachtungen bei der Ausbildung der


Mannſchaft,
§. 63.
Eintheilung des Unterrichtes.
Die Ausbildung des Soldaten iſt als die Grundlage der 814.
taktiſchen Verwendbarkeit der Truppe zu betrachten und muß
daher gediegen, aber auch mit Vermeidung jedes unbegründe
ten Zeitverluſtes durchgeführt werden.
Der Erfolg des Unterrichtes hängt hauptſächlich von dem 815.
Eifer und der Befähigung der zur Ertheilung desſelben beru
fenen Chargen ab, welche ſich vorher jedenfalls die genaue
Kenntniß der in dieſem Reglement enthaltenen Vorſchriften
ſelbſt aneignen und auch mit der richtigen Anwendung ver
traut machen müſſen. -

Die Belehrung muß dann der geiſtigen Entwicklung des 816.


angehenden Soldaten angepaßt und durch die damit in Ver
bindung gebrachte Ausführung ergänzt werden, wobei die
Anforderungen wieder mit Rückſicht auf die Entwicklung der
körperlichen Kräfte zu regeln ſind. Das Ehrgefühl des Sol
daten muß hierbei als ſicherſte Triebfeder betrachtet und durch
lobende Anerkennung jedes, auch des geringſten Erfolges an
geregt, dadurch ein Wetteifer hervorgerufen und das Streben
nach größerer Gewandtheit ermuntert werden.
So weit der gute Wille und der Eifer des Soldaten 817.
reicht, muß ſich auch die Geduld des Abrichters ausdehnen, der
dann weit namhaftere Fortſchritte erzielen wird, wenn er der
beſchränkten Auffaſſungsgabe durch eine ruhige Aufklärung zu
Hilfe kommt, als wenn er die aus Mißverſtändniß und Unge
ſchicklichkeit begangenen Fehler durch geſteigerte Anforderun
gen zu bekämpfen ſucht.
208

818. Trägheit oder Nachläſſigkeit, ſowie auch jedes Zeichen


üblen Willens iſt jederzeit gleich beim erſten Auftreten mit
rückſichtsloſer Strenge zu ahnden, jede Gewaltthätigkeit oder
Mißhandlung muß, als die Würde des Soldaten verletzend,
mit der größten Sorgfalt vermieden werden.
819. Das Streben, den Unterricht gründlich zu betreiben, darf
weder zur Einförmigkeit noch zur Einſeitigkeit verleiten, bei
welcher die allgemeine Verwendbarkeit der vollſtändigen Ent
wicklung in einzelnen Zweigen der Ausbildung untergeordnet
wird.
820. Der Rekrut kann in Folge ſeiner frühern Lebensweiſe
und Beſchäftigung ein vortrefflicher Schütze ſein, Gewandt
heit im Laufen und Springen beſitzen, ſomit die Elemente
eines guten Soldaten in ſich vereinigen und bei einem unrich
tigen Vorgange der mit der Ausbildung desſelben beauftragten
Charge dennoch ungeſchickt erſcheinen, weil er den in Bezug
auf die Haltung des Körpers oder die Ausführung einzelner
Bewegungen und Griffe an ihn geſtellten Anforderungen
nicht ſogleich zu entſprechen vermag und vielleicht ſogar ver
hindert wird, ſeine Geſchicklichkeit zur Geltung zu bringen.
821. Um ſolche Mißgriffe thunlichſt zu verhindern und dem
Unterrichte eine Geiſt und Körper erfriſchende Abwechslung zu
geben, iſt der Vorgang ſo zu regeln, daß nicht erſt nach gänz
licher Erſchöpfung eines Lehrgegenſtandes zum andern über
gegangen, ſondern die Verwendbarkeit des Soldaten nach allen
Richtungen gleichmäßig gefördert werde.
822. Nach den in Bezug auf die Ausbildung des Soldaten
feſtgeſtellten Erfahrungen reicht ein Zeitraum von acht Wochen
vollkommen aus, um den Rekruten mit der Handhabung und
dem Gebrauche des Gewehres bekannt zu machen, die Ent
wicklung ſeiner körperlichen Gewandtheit anzubahnen und ihm
auch ſeine Obliegenheiten in jeder Verwendung des Zuges
kennen zu lernen.
823. Die Dauer der Uebungen hat in der bezeichneten Abrich
tungs-Periode täglich vier Stunden zu betragen, in welche
jedoch die Zeit des Aus- und Einrückens nicht einzurechnen iſt. -
209

Sonn- und Feiertage ſind nur theilweiſe und zwar höchſtens


während zwei Stunden des Morgens zum Unterrichte zu
benützen, wobei aber jede Anſtrengung zu vermeiden und da
her hauptſächlich auf die mündliche Belehrung Bedacht zu
nehmen iſt.
Da die Verhältniſſe nicht immer die Benützung eines ſo 824.
langen Zeitraumes zur Abrichtung der Rekruten geſtatten, ſo
muß darauf Bedacht genommen werden, die Verwendbarkeit
des Zuwachſes nach Bedarf auch in kürzerer Zeit zu erzielen,
in welchem Falle die Handhabung der Waffen und die Ent
wicklung der körperlichen Gewandtheit vorzugsweiſe im Auge
zu behalten iſt, weil das in dieſer Beziehung Verſäumte ſich
in der Folge nur ſchwer nachholen läßt.
In Uebereinſtimmung mit den Grenzen des erſten Un 825.
terrichtes ſind die Rekruten in Abtheilungen von der Stärke
von Zügen einzutheilen, von welchen jeder einem Offizier zu
gewieſen und mit ſo vielen Abrichtern verſehen wird, daß
nicht mehr als ſechs Mann auf einen derſelben entfallen.
Bei einem nach den angedeuteten Grundſätzen geregelten 826.
Vorgange, welcher einer Abrichtungs-Periode von acht Wochen
angepaßt iſt, werden die Rekruten am Ende der erſten
Woche die Stellung, die Gelenkübungen, die Wendungen,
das Marſchiren und Laufen, einige Gewehrgriffe und die
Vorübungen zum Laden zwar nicht vollſtändig erlernt, aber
doch bereits der Weſenheit nach aufgefaßt haben. Sie ſollen
ferner in der geſchloſſenen Ordnung ſich zu ralliren wiſſen,
dann auch über die Formirung, Bewegung und Entwicklung
der Reihen und Doppelreihen die erſte Belehrung erhalten
haben und zur Ausführung eines Bajonnet-Angriffes angelei
tet ſein.
Der theoretiſche Unterricht muß mit den Uebungen im 827.
gleichen Maße fortſchreiten, und gleich beim Beginne auch die
Ehrenbezeigungen erörtern, welche der Soldat ſeinem Vorgeſetz
ten zu leiſten hat. Er wird ſich ferner auf die Erklärung des
Eides und der Kriegsartikel erſtrecken, die Obliegenheiten des
Soldaten im Allgemeinen, dann die Kaſernordnung umfaſſen.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 14
210

Er darf nicht ſchulmäßig vorgenommen werden und die Auf


faſſung, ſowie das Gedächtniß des befangenen Rekruten er
drücken, ſondern dieſer iſt durch Fragen zum Nachdenken an
zuregen und auf dieſe Weiſe nur durch die Berichtigung ſeines
eigenen Urtheiles zu den beabſichtigten Schlußfolgerungen zu
führen.
828. Das Ergebniß der zweiten Woche wird die geſteigerte
Gewandtheit des Rekruten im Marſchiren, Laufen und Sprin
gen als Folge der fortgeſetzten Gelenkübungen, die Geſchick
lichkeit im Laden und Anſchlagen des Gewehres und in der
Ausführung der meiſten Gewehrgriffe in ſich ſchließen. Der
Rekrut wird den Unterricht im Gliede bereits aufgefaßt, den
Unterſchied zwiſchen der geſchloſſenen und geöffneten Ordnung
begriffen und über die Benützung des Terrains einige Beleh
rungen erhalten haben. Im Zuge wird das Aufſuchen der
Eintheilung und Richtung, die Formirung, Bewegung und
Entwicklung der Reihen und Doppelreihen, der Vor-, Seiten
und Rückmarſch, dann die Ausführung des Bajonnet-Angriffes
ſchon den Charakter der Sicherheit zu erlangen beginnen, der
Uebergang in die geöffnete Ordnung aber angebahnt ſein.
Der theoretiſche Unterricht wird gleichfalls fortgeſchritten ſein
und den Wachdienſt berührt haben.
829. In der dritten Woche muß der Rekrut zunächſt in den
bereits erlernten Gegenſtänden durch entſprechende Wieder
holungen befeſtigt, und zum Beginne des Bajonnetfechtens
angeleitet werden. Die Unterweiſung in den Wachverhaltungen
wird fortzuſetzen und durch die praktiſche Anwendung zu unter
ſtützen ſein.
830. Nach Ablauf dieſer Woche wird der Rekrut daher ſchon
eine merkbare Sicherheit in der Beherrſchung des Körperge
wichtes und der Gliedmaßen, im Laufen und Springen er
langt haben, er wird ſein Gewehr zu laden und abzufeuern,
hierbei einen Zielpunkt richtig zu erfaſſen verſtehen und auch
alle Gewehrgriffe richtig ausführen.
831. Der Unterricht im Zuge wird die Ausbildung in der
geſchloſſenen Ordnung zu Ende, jene in der geöffneten Ord
211

nung weiter fortgeführt haben. Der Rekrut wird ſich ſeiner


Fortſchritte in jeder Beziehung bewußt ſein und in allen ſeinen
Bewegungen eine gewiſſe Sicherheit beurkunden.
Nach dem angedeuteten Maßſtabe ſind die Anforderungen 832.
auch in den folgenden Wochen zu ſteigern, und dem Rekruten
allmälig die Grundſätze für die zerſtreute Fechtart, ſowie die
Belehrungen über den Sicherheitsdienſt beizubringen, ſo daß
nach Ablauf der ganzen Abrichtungs-Periode nichts unberührt
geblieben iſt, was zur Verwendbarkeit des Soldaten noth
wendig erſcheint.
Ein ähnlicher Vorgang wird ſich auch als zweckmäßig 833.
erweiſen, wenn es ſich darum handelt abgerichtete Soldaten,
welche in Folge längerer Beurlaubung aus der Uebung ge
kommen ſind, mit den Grundſätzen des Abrichtungs-Reglements
wieder vertraut zu machen. Die Anforderungen werden in
dieſem Falle höher zu ſpannen und die einzelnen Unterrichts
gegenſtände mehr zuſammenzudrängen ſein, damit der beab
ſichtigte Erfolg in möglichſt kurzer Zeit erreicht und die Ver
wendbarkeit des Soldaten wieder geſichert werde.
§. 64.
Beobachtungen beim Scheibenſchießen.
Das Schießen nach der Scheibe hat den Zweck, den Sol- 834.
daten in der Anwendung der im §. 10 aufgeſtellten Grund
ſätze zu üben, und ihn dadurch mit dem Gebrauche und der
Wirkung ſeines Feuergewehres vollkommen vertraut zu machen.
Wenn die Uebung im Scheibenſchießen den nothwendi-835.
gen Erfolg haben ſoll, ſo muß ſie mit der größten Umſicht und
Sorgfalt geleitet werden, wozu vor Allem erforderlich iſt, daß
hierbei wie bei jedem andern Unterrichte mit kleinen Anfor
derungen begonnen, und erſt nach Erlangung eines hinläng
lichen Grades von Geſchicklichkeit zu den ſchwierigeren Lei
ſtungen vorgeſchritten werde.
Die Schießübungen ſind daher, nach einigen Probeſchüſ-836.
ſen auf eine ganz kurze Entfernung auf jene von 150 Schritten
zu beginnen, dann iſt auf die Entfernung von 200, von
14 *
212

dieſer auf 300 Schritte u. ſ. w. überzugehen, wobei jedoch


als Grundſatz feſtgehalten werden muß, daß der Uebergang
auf eine größere Entfernung unter keiner Bedingung früher
ſtattfinden darf, als bis der Soldat auf dem zuletzt inne
gehabten Standpunkte hinlängliche Beweiſe von ſeiner Ge
ſchicklichkeit im richtigen Zielen gegeben hat.
837. Bei der dießfälligen Beurtheilung iſt als Maßſtab anzu
nehmen, daß der Soldat nur dann die erforderliche Gewandt
heit im Zielen und Abdrücken beſitzt, wenn er mit ziemli
cher Sicherheit anzugeben verſteht, wohin ſein Schuß
getroffen hat.
838. Da bei den Entfernungen von 150, 200 und 300
Schritten das Korn abwechſelnd fein, geſtrichen und voll ge
nommen werden muß, ſo bildet das Schießen auf dieſe
Diſtanzen die Grundlage des ganzen Unterrichtes, denn es
kann mit Zuverſicht angenommen werden, daß der Schütze,
welcher das Korn auf die erwähnten drei Arten mit Sicherheit
zu faſſen gelernt hat, die erlangte Geſchicklichkeit auf jede
weitere Entfernung gleichfalls mit Erfolg anzuwenden im
Stande ſein wird.
839. Die Verwendung der zum Scheibenſchießen beſtimmten
Munition iſt daher im Allgemeinen ſo zu regeln, daß bei
der Infanterie von den zwei Drittheilen der Mannſchaft,
welche mit den nur mit Standviſiren verſehenen Gewehren
ausgerüſtet ſind, der ganze Vorrath auf die Entfernungen
von 150 – 300 Schritten verfeuert werde. Von den
Unteroffizieren und dem letzten Drittheil der Mannſchaft,
d. h. alſo mit den mit Aufſätzen verſehenen Gewehren, iſt
ungefähr die Hälfte der angewieſenen Munition zur Uebung
mit Benützung des Standviſirs, ein Viertheil auf die Ent
fernung von 400 und 500 Schritten, der Reſt nach Maß
gabe der örtlichen Verhältniſſe auf eine der größeren Entfer
nungen zu verwenden. Bei den Jägern dagegen iſt die Ver
wendung der Munition ſo zu regeln, daß ungefähr die Hälfte
derſelben auf die Entfernung von 150 – 300 Schritten,
alſo mit Benützung des Standviſirs, ein Viertheil auf die
213

Entfernungen von 400 – 600 Schritten, und der Reſt nach


Maßgabe der örtlichen Verhältniſſe auf eine oder zwei der
größeren Diſtanzen verfeuert werde. Bei den Genie-Truppen
und den Pionnieren endlich iſt das für die Infanterie-Gewehre
ohne Aufſatz angegebene Verhältniß zu berückſichtigen.
In dieſer Eintheilung können zwar nach Maßgabe der 840.
verſchiedenartigen Fortſchritte entſprechende Veränderungen
vorgenommen werden, jedoch ſollen dieſelben nie eine Ver
mehrung der für die großen Entfernungen beſtimmten Muni
tion zum Zwecke haben, da der Soldat nur beim Schießen auf
die kleineren Entfernungen zum ſicheren Schützen ausgebildet
werden kann, während die Schießübungen auf größere Diſtanzen
ihm nur den richtigen Begriff, ſowie die Ueberzeugung von
der Leiſtungsfähigkeit ſeiner Feuerwaffe beibringen ſollen.
Für jede einzelne Uebung iſt der Soldat mit ungefähr acht 841.
bis zehn Patronen zu verſehen, und damit dieſe ohne Uebereilung
unter ſorgfältiger Anleitung verfeuert werden können, die Mann
ſchaft in Abtheilungen von entſprechender Stärke einzutheilen.
Die Zuſammenſetzung dieſer Abtheilungen hat immer 842.
mit Rückſicht auf den Grad der bereits erlangten Geſchicklichkeit
zu erfolgen, damit die guten Schützen durch die minderen Fort
ſchritte der Uebrigen in der Fortſetzung ihrer Ausbildung nicht
gehemmt werden. Das Vorrücken in eine aus beſſeren Schützen
beſtehende Abtheilung ſoll von der Mannſchaft als eine Aus
zeichnung erſtrebt, und daher mit allen zu Gebote ſtehenden
Mitteln dahin gewirkt werden, Luſt und Liebe zu dieſen
Uebungen zu erwecken und den Wetteifer im Erreichen höherer
Leiſtungen anzuregen.
Der Schießplatz, deſſen paſſende Herrichtung zu den weſent-843.
lichen Anregungsmitteln gehört, ſoll eben und in der Gegend
des Zieles womöglich durch eine ſteile Anhöhe begrenzt ſein,
um die hoch über das Ziel fliegenden Geſchoſſe aufzufangen.
Am Ziele wird ein Kugelfang von ungefähr 69 Länge,
12“ Höhe und 4 oberer Breite aus Erde errichtet, und bei
läufig 15 Schritte ſeitwärts desſelben eine Schutzwehre für
den Zieler angebracht.
214

844. Die Scheibe muß aus einer rechtwinkeligen, weiß ange


ſtrichenen Holztafel oder einer mit Leinwand oder altem Kittel
zwilch und darüber geklebtem Papier überzogenen Rahme von
Eiſen oder Holz beſtehen, und bei einer Grundlinie von 6
eine Höhe von 9“ haben. In der Mittellinie, welche durch
einen ſchwarzen Strich bezeichnet werden muß, ſind die Bruſt
und der Kopf des Gegners durch zwei ſchwarze kreisförmige
Zielpunkte, von denen jeder 6“ im Durchmeſſer hat, anzu
deuten. Der Mittelpunkt des einen dieſer Zielpunkte hat 5'3“,
jener des andern 4 vom untern Rande der Scheibe entfernt
zu ſein, und aus dem letzteren ſind überdieß fünf, einen
Zoll von einander abſtehende Kreiſe zu beſchreiben, welche von
Außen nach Innen numerirt werden. Zur beſſeren Verſinn
lichung des Zieles iſt die Figur eines Mannes nach dem Haupt
umriſſe auf die Scheibe zu zeichnen und mit einem grauen Far
bentone auszufüllen. Das obere Schwarzeſtellt hierbei den Kopf,
das untere die Bruſt dar. Dieſe Scheibe iſt bei den Schießübun
genauf die Entfernungen von 150 – 300 Schritten zu benützen.
845. Für die Schießübungen auf die Entfernungen von 400 –
600 Schritten iſt auf einer Scheibe von derſelben Größe der
die Bruſt bezeichnende Zielpunkt bis zum Durchmeſſer von 12“
zu vergrößern, und in der Höhe von 8“ vom untern Rande
der Scheibe ein dritter Zielpunkt anzubringen, welcher einen
Durchmeſſer von 12“ zu erhalten hat. Für die weiteren
Uebungen bis auf die Entfernungen von 800 Schritten ſind
ſodann 3, für die Jäger auf 900, 1000, 1100 und 1200
Schritte aber 5 ſolche Scheiben nebeneinander aufzuſtellen,
wobei bemerkt wird, daß der die Umfaſſung der Figur bezeich
nende Strich, um gut geſehen zu werden, 1 / Zoll ſtark ge
macht werden muß. -

846. Die Schußrichtung wird mittelſt einer tracirten Linie


und von 50 zu 50 Schritten mit Diſtanzpflöcken bezeichnet.
Sie muß von der Mittellinie der Scheibe ausgehen, welche
vollkommen vertikal aufzuſtellen iſt.
Ungefähr in der halben Entfernung zwiſchen dem
Stande und der Scheibe ſind ſeitwärts von der Schußrichtung
215

Fähnchen aufzuſtellen, an deren Bewegung der Schütze die


Stärke und Richtung des Windes beurtheilen kann, um beim
Zielen nach den extheilten Belehrungen darauf Rückſicht zu
nehmen.
Um die Schüſſe zu bezeichnen, erhält der Zieler nach der 847.
Beſchaffenheit der Scheibe entweder eine angemeſſene Menge
an eine Schnur gereihter Pflöckchen oder runder Zettel von
farbigem Papiere, welche mit der fortlaufenden Nummer be
zeichnet ſind. Nach jedem Schuſſe begibt er ſich an die Scheibe,
zeigt den Schuß im Weißen mit der ſchwarzen, den im Schwar
zen mit der weißen Seite ſeines Zeigers an, und ſchlägt ein
Pflöckchen ein, oder überklebt den Schuß mit einem Zettel;
endlich hat er durch ein Zeichen anzudeuten, ob die Figur oder
ein Kreis, und in dieſem Falle, welcher getroffen wurde.
Jeder Schuß muß in der Schußtabelle eingetragen wer-848.
den, und dort die mit dem Pflöckchen oder dem Zettel des
Zielers gleichlautende Nummer erhalten, damit die Schüſſe
eines jeden einzelnen Mannes kontrolirt werden können. Jeden
fünften Schuß hat der Zieler mit einem Pfiffe anzudeuten,
und bei nicht allzuweiten Diſtanzen auch die Nummer des
Schuſſes laut auszurufen.
Um die Fortſchritte jedes einzelnen Mannes fortwährend 849.
überſehen und beurtheilen zu können, iſt bei jeder Kompagnie
ein Schießbuch im Quartformate anzulegen. Für jede Schieß
übung iſt auf der rechten Blattſeite die Schußtabelle, auf der
linken aber die Scheibe im verjüngten Maßſtabe anzubringen,
und jeder Schuß in der Tabelle einzutragen, jeder Treffer
aber mit ſeiner Nummer auf der gezeichneten Scheibe zu
bemerken. Jede Schußtabelle, für deren Richtigkeit der Feld
webel oder Oberjäger zu haften hat, iſt ſammt der dazu
gehörigen Scheibe nach der fortlaufenden Zahl der vorge
nommenen Uebungen mit einer Nummer zu bezeichnen, und
am Ende des Schießbuches das Namensverzeichniß anzubrin
gen, in welchem bei jedem Manne die Nummern jener Schuß
tabellen einzutragen ſind, welche die Schießübungen des
ſelben betreffen.
216

.23

.7.

. 18

- 33

. 25
.2b
217

Rechte Blattseite des Schiessbuches.

Schuss-Tabelle,

- Die Scheibe getroffen


Q
> QQ QL

N L # : ausserhalb der
Z -Z Z|" der Figur
# F # | Namen Ä| Figur # | Anmerkung
RS |S -- rechts links =
## # F T – - #
=# t- ######### zÄ
< Z = = = = = = = = = ÄÄ
19 1
7
150 3

TT3TTTTTT25T -

200
20 8 2 26
150
32 TTTTTTT
200
921 3 15
150
- TT33TTT27IT
200
10 | 416 -

150 22

T34TT28TTTTTT
200
11 FTFTF
150
-- T29TTTT35T
200
12 18 TF
150 24
- 36 | 30TITTTT
200
218

Die Durchſicht dieſes Schießbuches ſetzt den Vorgeſetzten


in den Stand, ſich jederzeit leicht die Ueberzeugung zu ver
ſchaffen, auf welche Diſtanzen und mit welchem Erfolge jeder
einzelne Soldat im Verlaufe der ganzen Uebungszeit geſchoſ
ſen hat, und ob der Fürgang nach den in der Rubrik: „An
merkung“ beigeſetzten Anordnungen des Regiments-, Batail
lons- und Kompagnie-Kommandanten richtig war.
851. Die zum Scheibenſchießen beſtimmte Abtheilung wird
nach der Ankunft auf der Schießſtätte in drei Theile abge
theilt, von welchen einer nach vorgenommener Viſitirung der
Gewehre ſeitwärts des Schießſtandes aufgeſtellt und zum
Laden befehligt wird, wobei jedoch die Kapſel nicht aufzu
ſtecken ſind. Dieſe Mannſchaft hat während der Dauer der
Uebung zur Vermeidung jedes Unfalles und jeder Störung des
Unterrichtes in der beſtimmten Ordnung ſeit- und rückwärts
des Schießſtandes ſtehen zu bleiben, und ſich vollkommen ruhig
zu verhalten. Die übrige Mannſchaft hat die Gewehre an den
hierzu vorgerichteten Schranken zu ſetzen, und iſt dann in der
Nähe des Schießplatzes im Beurtheilen der Entfernungen zu
üben, wobei aber die Erhitzung derſelben durch unnöthiges
Herumlaufen vermieden werden muß.
852. Vor dem Beginne des Feuerns wird von einem ſeitwärts
des Schießſtandes aufzuſtellenden Horniſten oder Tambour ein
einfacher Stoß geblaſen oder Ruf geſchlagen, worauf der Zie
ler und der bei ihm befindliche Spielmann ſich hinter die Schutz
wehre zu begeben haben, der letztere hat ſodann zum Zeichen,
daß dieß geſchehen iſt, gleichfalls einen einfachen Stoß zu bla
ſen oder Ruf zu ſchlagen, welches Verfahren während der gan
zen Dauer der Uebung nach jedem Schuſſe beobachtet werden
muß, wenn der Zieler wieder in die Deckung zurückgekehrt iſt.
853. Wenn der beim Zieler befindliche Spielmann das Zeichen
gegeben hat, tritt der zum Schuſſe kommende Schütze an den
Stand, ſetzt ein Kapſel auf, bringt ſein Gewehr mit Beobach
tung aller hierauf Bezug nehmenden Belehrungen in Anſchlag
und drückt, wenn er die Richtung gefunden hat, ruhig ab.
Fühlt der Soldat, während er ſich im Anſchlage befindet, daß
219

das Gewehr nicht ruhig in der Hand liegt oder glaubt er das
Korn noch nicht richtig erfaßt zu haben, ſo ſoll er nicht los
drücken, ſondern gelaſſen abſetzen, ausruhen, und wieder an
ſchlagen. Schlägt der Hammer ab, ohne daß ſich die Ladung
entzündet, ſo ſoll der Mann nicht gleich abſetzen, ſondern noch
eine Weile im Anſchlage bleiben, dann aber das Gewehr in
der Richtung der Scheibe unter die Bruſt herabziehen, und ein
neues Kapſel aufſetzen, nachdem er nöthigenfalls das Zündloch
gelüftet hat. Verſagt das Gewehr nochmals, ſo tritt der Mann
ab, und verfügt ſich zu einem eigens hierzu ſeitwärts aufgeſtell
ten Unteroffizier, unter deſſen Aufſicht das Nöthige veran
laßt oder der Schuß ausgezogen wird.
Nach dem Abgehen des Schuſſes hat der Soldat das
Gewehr in die Balance zu nehmen, dann anzugeben, wo nach
ſeiner Meinung das Geſchoß ſtecken müſſe, und noch ſo lange
ſtehen zu bleiben, bis der Zieler den Schuß gezeigt hat.
Auf dieſe Art wird ein Mann nach dem andern vorge-854
nommen und gründlich belehrt, wobei auch zu bemerken iſt,
daß die abgeknallten Kapſel beim Scheibenſchießen aufbewahrt
werden müſſen.
Den guten Schützen iſt in der Stellung, Haltung des Ge-8öö.
wehres, der Hände u. ſ.w. beim Scheibenſchießen völlige Freiheit
zu geſtatten, minder gute oder ſchlechte Schützen müſſen dagegen
verhalten werden, ſich ſtrenge nach der Vorſchrift zu benehmen.
Bei den Uebungen auf kleinere Diſtanzen iſt das Auf-856.
legen der Gewehre ſo viel als möglich zu beſchränken, wogegen
auf größere Entfernungen, und zwar von 600 Schritten ange
fangen, vorzugsweiſe mit aufgelegtem Gewehre zu feuern iſt,
ohne jedoch den Mann hierzu zu zwingen, wenn er ſein Ziel
mit frei gehaltenem Gewehre leichter erfaſſen zu können glaubt.
Ferner iſt auch das Schießen liegend, kniend, ſitzend und 857.
hockend auf dem Schießſtande mit der ganzen Mannſchaft vor
zunehmen.
Bei den Jägern ſind die guten Schützen, um ſie an ein 858.
feineres Zielen zu gewöhnen, zeitweiſe im Schießen auf kleine
runde Scheiben oder einzelne Figuren zu üben, was jedoch nur
220

auf die Diſtanzen von 150 und 200 Schritten vorzunehmen iſt.
Im erſten Falle iſt ein Abbruch von der üblichen Pulveraus
maß nöthig, und es ſind beim Jägerſtutzen 30 – 35 Gran,
beim Dornſtutzen aber 35 – 40 Gran Pulver zu verwenden.
859. Bewegliche Scheiben gewähren den großen Vortheil, daß
der Schütze das Ziel ſchnell zu faſſen lernt, was insbeſondere
vor dem Feinde wichtig iſt, wo es ſich oft darum handelt, ein
zelne Reiter, wie z. B. Truppen-Kommandanten auf das Korn
zu nehmen, und vor der Front niederzuſchießen. Wo es die
Umſtände geſtatten, können ſolche Scheiben auf die bei Civil
Schießſtätten übliche Art eingerichtet werden.
860. Um dem Soldaten für gute Schüſſe eine Auszeichnung
zu gewähren, iſt bei den Uebungen auf die Entfernungen von
150–300 Schritten bei jedem Treffer in das Schwarze der erſte
Theil des Generalmarſches, bei jedem Treffer in die zunächſt
am Schwarzen befindlichen zwei Kreiſe aber der erſte Theil
des Marſches zu blaſen oder zu ſchlagen. Bei den Entfernun
gen von 400–600 Schritten ſind dieſelben Signale bei jedem
Treffer in die Kreiſe und in die Figur, auf 700 und 800 Schritte
bei jedem Treffer in die Figur und in die mittlere Scheibe,
auf alle größeren Entfernungen aber ſchon bei jedem Treffer in
die Mittelſcheibe und in die Scheibe überhaupt zu ertheilen.
861. In Uebereinſtimmung mit dieſen Signalen ſind die
Schützen auch durch kleine Maſchen oder Kokarden von ver
ſchiedenen Farben auszuzeichnen, und nach Beendigung des
Scheibenſchießens die vorzüglichſten Schützen mit Geldprämien
aus den hierzu beſtimmten Beträgen zu betheilen. Von dem zu
dieſem Zwecke jeder Kompagnie jährlich bewilligten Geldbe
trage, iſt nach Abſchlag der für Anſchaffung von Bändern oder
Kokarden gemachten Auslagen, in der Regel ein Drittheil für
die erſte, ein Drittheil für die zweite und dritte Prämie zu
beſtimmen, das letzte Drittheil aber unter die übrigen Prämien
im abnehmenden Verhältniſſe ſo zu vertheilen, daß die letzte
Prämie wenigſtens noch zwölf Kreuzer betrage, und daß
nach dem Stande der ausgerückten Schützen, auf zehn Mann
eine Prämie entfalle.
221

In Bezug auf die Vertheilung der Prämien wird feſt 862.


geſetzt, daß die größere Anzahl Treffer nach der bei den Aus
zeichnungen angegebenen Reihenfolge den Anſpruch zu be
gründen, und daß nur bei gleicher Anzahl der Treffer die vor
züglicheren Schüſſe in den Kreiſen, dann in der Figur zu be
rückſichtigen ſind. -

§. 65.
Belehrung über das Einſchießen der Feuergewehre.
Es wird vorausgeſetzt, daß das Innere des Rohres, mit 863.
Ausnahme des kleinen Falles gegen den Pulverſack zu, bei
dem Ausziehen der Züge und Felder, dann durch das Schmer
geln eine vollkommen cylindriſche Geſtalt erhalten habe, was
unbedingt nöthig iſt, um ein Gewehr ſo einſchießen zu können,
daß bei Beobachtung eines richtigen Zielens ſtets ein Gerade
ſchuß, und bei gleicher Menge des Pulvers und gleichmäßigem
Anſetzen, dann gleicher Höhe des Kornes, die Geſchoſſe, wenn
ſelbe regelmäßig geformt und nicht hohl ſind, ſtets auf einem
und demſelben Punkte zuſammenfallen.
Zu dem Einſchießen wird ein halber Bogen weißes Pa 864.
pier, worauf ein 6 Linien breiter ſchwarzer Streif der Länge
nach gezogen iſt, auf eine Scheibe, ungefähr 1–2 Schuh von
dem Boden ſo befeſtigt, daß der ſchwarze Streifen genau ver
tikal ſtehe. Gegenüber dieſer Scheibe wird in der Entfernung
von 15–30 Schritten ein Tiſch, und auf dieſem ein Torni
ſter, ein Kotzen oder ein mit Sand gefüllter Sack zu dem Auf
legen des Gewehres vorgerichtet.
Das Gewehr wird nun geladen, worauf ſich der Ein 865.
ſchießende an den Tiſch ſetzt, beide Elbogen aufſtützt, das Ge
wehr auflegt, zwar in beliebiger Höhe aber ſcharf in der Mitte
des ſchwarzen Streifens über das Standviſir eingeht und nach
und nachlosdrückt. Um das Verdrehen des Rohres bei dem Zielen
zu vermeiden, iſt es gut, wenn den Einſchießenden, im Falle
er dießthäte, ein anderer hinter ihm ſtehender Mann vor dem
Abdrücken hierauf aufmerkſam macht.
Stecken nach mehreren Schüſſen die Geſchoſſe ſeitwärts, 866.
z. B. etwas rechts von dem ſenkrechten Striche, ſo wird das
222

Standviſir gegen den Schuß, ſomit in dem hier angenomme


nen Falle, daß das Gewehr rechts ſchießt, links gerückt, und
dieſes Verfahren ſo lange fortgeſetzt, bis alle Geſchoſſe mit
ihrer Mitte ſtets den ſchwarzen Streif in deſſen Breite treffen,
d. h. bis das Gewehr Strich hält; worauf das Standviſir
mit einem Ritze bezeichnet, die alte Marke aber, zur Vermei
dung jeder Irrung, mit einem Querritze erkennbar gemacht wird.
867. Ueberzeugt man ſich nach mehreren Schüſſen, daß die Ge
ſchoſſe ſtets links von dem Striche fallen, d. h. daß das Gewehr
links ſchießt, ſo iſt dasſelbe Verfahren, jedoch das Rücken des
Standviſirs auf die entgegengeſetzte Seite vorzunehmen.
868. Schlagen die Schüſſe auch bei dem ſorgfältigſten Zielen
und Abdrücken bald rechts, bald links von dem ſchwarzen
Streifen ein, und hat auch ein anderer geübter Einſchießer
dieſelbe Erfahrung gemacht, nämlich, daß das Gewehr
verwirft, ſo muß das Innere des Laufes, wo ohne Zweifel
der Fehler liegt, unterſucht werden, welches unter der Aufſicht
des Waffen-Offiziers durch den Büchſenmacher zu geſchehen hat.
869. Zum Einſchießen auf den Geradſchuß über den beweg
lichen Aufſatz muß dieſer erſt unterſucht werden, ob er ſich
nicht etwa rechts oder links ſeitwärts bewegt, weil, wenn dieß
auch nur im geringſten Maße der Fall iſt, eine Sicherheit des
Geradſchuſſes nicht erwartet werden kann.
870. Das Einſchießen des Gewehres gehört zu den wichtigſten
Verrichtungen, wobei ſtets mit der größten Genauigkeit vor
gegangen werden muß, weil ſonſt die Hauptbeſtimmung des
Soldaten, ſein Gewehr als Feuerwaffe zu gebrauchen, gar
nicht, oder nur unvollkommen erreicht werden könnte.
871. Es wird daher den Regiments- und Bataillons-Kom
mandanten zur beſonderen Pflicht gemacht, jährlich mehrmals
einige Soldaten von jeder Kompagnie zu wählen, und durch
dieſe in ihrer Gegenwart die Probe des Einſchießens auf die
vorbeſchriebene Art ablegen zu laſſen, um ſich zu überzeugen,
ob die Gewehre den Geradſchuß halten.
223

III. Abtheilung.
Stellung und Exerciren der Stabs- und Ober
offiziere.
§. 66.
Stellung und Exerciren der Stabs- und Oberoffiziere
zu Pferde.
Der Stabsoffizier zieht zum Kommandiren jederzeit 872.
den Säbel. Der Griff des Säbels wird mit dem Daumen,
Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand in der Mitte umfaßt,
während die anderen zwei Finger rückwärts an dem Griffe
ruhen. Der Säbelknopf ruht auf dem rechten Schenkel ſo,
daß die Klinge gerade aufwärts laufe und eine Spanne von
der rechten Schulter abſtehe.
Die Salutirung vor der Allerhöchſten Herr-873.
ſchaft wird, ſowol auf der Stelle, als während des Marſches
in der Entfernung von 15 Schritten angefangen, und durch
dreimaliges Erheben und Senken des Säbels, wobei von
einem Tempo zu dem andern ungefähr zwei Marſchtakte aus
zuhalten iſt, auf nachſtehende Art vollbracht:
1. Der Säbel wird mit der rechten Hand erhoben und ge
wendet, daß der Griff vor die linke Bruſt komme,
die Klinge gerade aufwärts und der Griffbügel links
ſeitwärts ſtehe. Der Daumen liegt auf der innern Seite
des Griffes aufwärts geſtemmt und der Elbogen bleibt
am Leibe geſchloſſen.
2. Der Säbel wird mit natürlich geſtrecktem Arme an die
rechte Seite herabgebracht, daß der Griffbügel gegen
224

den Schenkel gewendet, eine Handbreit von derſelben


abſtehe, und die Spitze vollkommen geſenkt ſei.
3. Der Säbel wird wie beim erſten Tempo wieder vor die
linke Bruſt erhoben;
4. wie beim zweiten Tempo geſenkt;
5. wie beim erſten Tempo erhoben;
6. wie beim zweiten Tempo geſenkt.
In dieſer tief geſenkten Lage hält der Stabsoffizier den
Säbel ſo lange, bis die Allerhöchſte Herrſchaft vor ihm vorüber
iſt, oder bis er dieſelbe längs der Front begleitet, und ihre
Befehle empfangen hat.
874. Zur Herſtellung wird:
1. Der Säbel wie beim erſten Tempo der Salutirung vor
die linke Bruſt erhoben, und
2. wieder in die vorgeſchriebene Lage an die rechte Seite
gebracht.
875. Vor dem Hochwürdigen wird die Stellung zum
Gebet angenommen, nämlich das erſte und zweite Tempo der
Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft vollführt.
876. Die Salutirung vor jedem andern Vorgeſetzten, wird
ſowol auf der Stelle, als während des Marſches, in der
Entfernung von ſechs Schritten angefangen, und in zwei
Tempo auf dieſelbe Art, wie das erſte und zweite Tempo der
Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft, ausgeführt, jedoch
die Säbelſpitze nur ſo tief geſenkt, daß ſelbe eine Hand breit über
die rechte Fußſpitze erhoben bleibe. – Das Begleiten längs der
Front geſchieht bei allen Generalen mit geſenkter Säbelſpitze,
und erſt nach empfangenem Befehle erfolgt die Herſtellung.
877. Vor einem Stabsoffizier höheren Ranges erfolgt die
Herſtellung unmittelbar nach der Meldung und zum Empfange
der Befehle wird neuerlich ſalutirt.
878. Zum Schwören verſorgt der Stabsoffizier den Säbel,
zieht den Handſchuh der rechten Hand aus, nimmt die Kopf
bedeckung ab, legt ſie in die linke Hand, welche dieſelbe mit
dem Zeigefinger und Daumen erfaßt und erhebt hierauf die
rechte nach der bekannten Vorſchrift.
225

Nach dem Schwören wird die Kopfbedeckung aufgeſetzt,


der Handſchuh angezogen und der Säbel ergriffen.
Der Regiments- und Bataillons-Adjutant ziehen – außer 879.
vor dem Feinde zu ihrer perſönlichen Vertheidigung – nie
mals den Säbel. Die rechte Hand, die Finger geſchloſſen,
wird an dem obern Theile des rechten Schenkels dergeſtalt
ſchräg-aufwärts aufgeſetzt, daß der Daumen oberhalb an dem
Knöchel des Zeigefingers und der kleine Finger an die Hoſen
naht zu liegen kommen; wobei der rechte Elbogen etwas zurück
genommen wird.
Bei jeder Ausrückung mit der Truppe wird als Salu-880.
tirung, ohne Unterſchied des Ranges des Höhern, nur die vor
geſchriebene Stellung angenommen; ſonſt aber hierzu die rechte
Hand nach der für den Soldaten beſtehenden Vorſchrift zur
Salutirung an die Kopfbedeckung erhoben.
Zum Gebete wird die rechte Hand wie bei der Salu
tirung an die Kopfbedeckung erhoben.

§. 67.
Stellung und Exerciren der Stabs- und Oberoffiziere
zu Fuß.

Sie Stellung des Offiziers iſt dieſelbe wie jene des Solda-881.
ten ohne Gewehr, desgleichen die Salutirung, welche er bei
verſorgtem Säbel ſtets mit der rechten Hand zu leiſten hat.
Der Stabs- oder Oberoffizier hält den gezogenen Säbel 882.
bei etwas gebogenem Handgelenke, mit dem Daumen und
Zeigefinger der rechten Hand umfaßt an der rechten Seite,
daß ſich die Spitzen dieſer zwei Finger berühren, die anderen
aber geſchloſſen am Griffe ruhen. Der innere Rand des Stich
blattes berührt den Schenkel. Der Griff iſt ſo weit zurückgezo
gen, daß die Klinge gerade aufwärts ſtehe, und der Rücken an
der Achſel ruhe. Die linke Hand hat bei natürlich geſtrecktem
Arme an der Seite herabzuhängen und die Säbelſcheide ohne
Zwang ſo zu halten, das ſie in der Bewegung nicht hin
derlich wird.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 15
226

883. Während des Exercirens iſt demſelben jedoch zur Erleich


terung auch geſtattet, den Säbel auf folgende Art zu halten:
Der Daumen und Zeigefinger umklammern das obere Ende
des Griffbügels, der Säbelknopf ruht in der hohlen Hand, der
Rücken der Klinge an der Achſel. Der rechte Arm iſt hierbei
natürlich geſtreckt, der Elbogen an den Leib geſchloſſen, der innere
Rand der Parirſtange berührt den Schenkel.
884. Der Oberoffizier ſalutirt nur dann, wenn er als Komman
dant einer ausgerückten Truppe vor derſelben ſteht oder mar
ſchirt.
885. Die Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft
wird ſowol auf der Stelle, als während des Marſches, in der
Entfernung von 15 Schritten angefangen.
Im Marſche hat das erſte Tempo immer in dem Augen
blicke vollführt zu werden, wo der linke Fuß vorſchreitet, und
es folgen dann die übrigen Tempo bei dem jedesmaligen Vor
ſchreiten dieſes Fußes, wornach zwiſchen jedes Tempo wie zu
Pferde zwei Marſchtakte fallen. -

Die Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft


auf der Stelle erfolgt auf folgende Art:
1. Wie im erſten Tempo der Salutirung des Stabsoffiziers
zu Pferde vor der Allerhöchſten Herrſchaft.
2. Wird der Säbel mit natürlich geſtrecktem Arme an der
rechten Seite ſo weit herabgeſenkt, daß der Griffbügel an
den rechten Oberſchenkel komme und die Spitze der Klinge
eine Spanne vom Boden abſtehe.
3. Der Säbel wird wie beim erſten Tempo vor die linke
Bruſt erhoben,
4. wie beim zweiten Tempo geſenkt,
5- wie beim erſten Tempo erhoben,
6. wie beim zweiten Tempo geſenkt.
In dieſer Stellung bleibt der Stabs- oder Oberoffizier
ſo lange, bis die Allerhöchſte Herrſchaft auf 9 Schritte vor
über iſt.
886. Zur Herſtellung wird:
1. der Säbel vor die linke Bruſt erhoben, und
- 227

2. wieder in die urſprüngliche Lage an die rechte Seite 887.


gebracht.
Vor dem Hochwürdigen wird die Stellung zum
Gebete genommen.
Die Salutirung vor jedem andern Vorgeſetzten, wird 888.
ſowol während des Marſches, als von der Stelle, in der Ent
fernung von 6 Schritten begonnen und in zwei Tempo auf
dieſelbe Art, wie das erſte und zweite Tempo der Salutirung
vor der Allerhöchſten Herrſchaft, vollführt, die Spitze der Klinge
aber nur auf eine Spanne von der wagrechten Lage abwärts
geſenkt.
Die Herſtellung, wie oben nach der Salutirung vor
der Allerhöchſten Herrſchaft erklärt, erfolgt auf die Entfernung
von 6 Schritten.
Im Uebrigen iſt bei Begleitung der Allerhöchſten Herr-889.
ſchaft längs der Front, und beim Empfange der Befehle,
ſowie auch bei Begleitung der Generalität und anderer Vor
geſetzten, die für den Stabsoffizier zu Pferd gegebene Vor
ſchrift auch zu Fuß zu beobachten.
Zum Gebet, wird der Säbel an der rechten Seite mit 890.
links-einwärts gewendeter Schneide ſo geſenkt, daß die Spitze
eine Spanne von der Erde abſtehe, und gleichzeitig die linke
Hand an die Kopfbedeckung erhoben.
Zur Herſtellung wird der Säbel ſowol, als die linke
Hand in die vorgeſchriebene Stellung zurückgebracht.
Das Niederknien zum Gebet und Abnehmen der Kopf- 891.
bedeckung, wird vom Offiziere auf gleiche Weiſe vollführt,
wie es für den Soldaten vorgeſchrieben worden, nur daß er
hierbei den Säbel ſo ſenkt, daß die Schneide links-einwärts
gewendet und die Spitze eine Spanne über den Boden
erhoben ſei. Desgleichen erfolgt das Aufſtehen auf die
für den Soldaten vorgeſchriebene Weiſe; wobei der Säbel
wieder an die rechte Seite erhoben wird.
Zum Schwören wird der Säbel an die linke Seite 892.
gebracht und dort von der linken Hand übernommen, daß der
Daumen und Zeigefinger das obere Ende des Griffbügels um
15 *
228 -,

klammern, den Säbelknopf zwiſchen Zeige- und Mittelfinger,


der Rücken der Klinge aber an der linken Achſel ruhe.
Die Kopfbedeckung wird nach Vorſchrift abgezogen, vor
den linken Schenkel gebracht und dort an der innern Höhlung
mit dem Zeigefinger und Daumen der linken Hand ſo gehalten,
daß beim Czako der Schirm gegen die rechte Seite, beim
Jägerhute aber die rechte Krämpe gegen den Leib gewendet
ſei. Hierauf wird der Handſchuh der rechten Hand abgezogen
und dieſe zum Schwure erhoben.
Nach dem Aufſetzen der Kopfbedeckung wird der Hand
ſchuh angezogen, der Säbel von der rechten Hand über
- nommen und wieder an die rechte Seite gebracht.
893. Die Tempo zum Gebete ſtellen, Niederknien und
Schwören vollführt der Offizier in Reih' und Glied auf das
Kommando gleichzeitig mit der Truppe; als Kommandant
aber erſt, nachdem ſie von der Mannſchaft vollzogen worden
ſind. Bei der Herſtellung dagegen vollzieht er dieſe zuerſt und
kommandirt dann die Truppe hierzu.
229

Trommel ſtreiche.
Einfacher Streich.

Der einfache Streich wird immer nur mit Einem Schlägel,


ſowol mit dem linken als rechten geſchlagen, z. B.
- rechter Schlägel, linker Schlägel.

Doppelter Streich.

Der doppelte Streich beſteht aus zwei getrennten, jedoch ziemlich


ſchnell nach einander folgenden einfachen Streichen.
linker Schlägel, rechter Schlägel.

Ausführung

Doppelſchlag

Der Doppelſchlag iſt derjenige Streich, wo beide Schlägel zugleich


kräftig auf das Fell auffallen.
Schleppſtreich.

Bei dem Schleppſtreiche gibt ein Schlägel einen kurzen ſchwächeren


Anſchlag, welchem der zweite Schlägel mit voller Kraft ſo ſchnell nach
230

folgt, daß man die Trennung kaum bemerken kann. Der Schleppſtreich
muß ſowol mit der linken als rechten Hand angefangen und ausgeführt
werden können.
links rechts rechts links

Ausführung

Halber Ruf.

Bei dem halben Ruf gibt ein Schlägel einen einfachen Streich, dann
gibt der zweite Schlägel zwei Schläge ſchnell nacheinander, worauf der
Schlägel, der begonnen hat, noch einen einfachen Streich gibt.
links rechts links rechts links rechts

Ausführung

Er muß ſo eingeübt werden, daß ſowol die linke als rechte Hand
den Ruf beginnen kann.
Ganzer Ruf.

Der ganze Ruf iſt von dem halben nur dadurch unterſchieden, daß
er einen einfachen Streich mehr hat. Er muß ebenfalls ſo geübt werden,
daß ſowol die linke als rechte Hand denſelben beginnen kann.
rechts links rechts links links rechts links rechts

Ausführung

Rucker.
oder

Der Rucker beſteht aus einem Schlepp- und zwei einfachen Strei
ehen, welche ſehr ſchnell nach einander folgen. -

links rechts links rechts rechts links rechts links

Ausführung
231

Wirbel.

a
Wirbel durch einen Halber Takt. Viertel Takt. Achtel Takt.
ganzen Takt.

Die Ausführung beſteht darin, daß jeder Schlägel zweimal auf


das Fell auffällt, z. B. -

rechts links rechts links rechts links rechts links

Tagwache.
Tempo, 90–95. Schritte in einer Minute.

Auf Wachen einmal durchzuſchlagen.


Wenn die Tagwache von mehreren Tambouren geſchlagen wird, ſo
wird ſie durch 8 Takte von allen Tambouren gleich – dann abwechſelnd
durch 8 Takte mit Wirbel geſchlagen. Die Tamboure, die den Wirbel
ſchlagen, nehmen zum Schluſſe ihres Wirbels, ſtatt des Ruckers, mit dem
die Tagwache anfängt, einen einfachen Streich, welchem die vier
Schleppſtreiche folgen, und ſofort bei allen Wiederholungen. Z. B.
232

ff Mit
l "2
Wirbel

Als AviſoO für die Tamboure ſchlägt ein Tambour die erſten zwei Takte

allein, worauf ſämmtliche Tamboure einfallen. Die Tagwache beſteht


aus Rucker, Schleppſtreiche und Wirbel.

Vergatterung.
Alle Tamboure Einer Alle

Auf das Aviſo des Regiments- (Bataillons-) Tambours geben alle


Tamboure einen Doppelſchlag, dann gibt der Vorſchläger einen Rucker,
worauf von allen Tambouren die Streiche der Vergatterung 16mal durch
geſchlagen werden, welche mit einem Rucker endiget.
Iſt die Muſik zugegen, ſo führt ſelbe eine zu den Trommelſtreichen
der Vergatterung paſſende Muſik aus. Die Streiche der Vergatterung
beſtehen aus Doppelſchlag, Rucker, Schlepp- und einfachen Streichen
und ganzen Ruf.
Allarmſtreich.
90. 95.
>--><

1 2 1 2 2

Der Allarmſtreich beſteht aus viermal Vergatterung und einem


Rucker, worauf ein Schritt in der Stille ausfällt, dann ſechsmal Be
ſchleunigung, welcher jedoch im Tempo der Vergatterung zu ſchlagen iſt.
Wird er von mehreren Tambouren geſchlagen, ſo ſchlägt der Vorſchläger
einmal Vergatterung – einen Takt – allein, dann fallen alle
Tamboure ein. Er wird entweder mit dem Rucker im fünften Takt a
oder am Ende der Beſchleunigung mit einem Doppelſchlage geendiget.
Raſt.
(Ein Tambour. Alle.

Wird viermal repetirt und endigt mit dem Schleppſtreiche bei a,


Die Raſt beſteht aus Rucker, Doppelſchlägen und einfachen Streichen.
Iſt die Muſik zugegen, ſo führt ſelbe nach zweimaligem Durchſchlagen der
Raſt eine angemeſſene Muſik hierzu aus.
Betſtunde. d

–– – A M
TzT fk z=======
#FFE ===========
eV --- F- F- ===T E =
-

M X. X A

--D-T- D E=L E-5- L -LT


TT -- = F- mm --- immel

Wird von dem Repetitionszeichen an dreimal repetirt.


Dann folgen drei einfache Streiche und Abſchlagen.
234

Nach einem Vorſtreiche mit einem ganzen Rufe und einem einfachen
Streiche folgt die Betſtunde, welche aus Doppelſchlägen, einfachen
Streichen und Rucker beſteht. Nach Beendigung derſelben wird abge
ſchlagen.
Generalmarſch.
Wirbel 90 bis 95 Schritte in der Minute.
"wa/a/a/a/a/a/a/a/a/Q/a
„"."A/h. >- -/W./W.

-
1“2 3–4 Schritte 1 1 2

>- -a-v.-va -> „^.^.^a

ff 2 1 2 ff 2

Die zwei Takte, oder vier Schritte Wirbel, die den Eingang bilden,
werden nur das erſte Mal geſchlagen, bei allen folgenden Wiederholungen
wird immer von dem Repetitionszeichen an mit dem Doppelſchlage an
gefangen. Der Doppelſchlag und die vier einfachen Streiche, welche jeder
zeit nach dem Wirbel folgen, müſſen immer ſehr ſtark hervorgehoben
werden, ſowie auch auf die beiden Rucker, die mit ff bezeichnet ſind, ein
beſonderer Accent zu legen iſt. Außer dieſen Streichen erhält der General
marſch noch Schleppſtreiche, die Muſik ſpielt dazu die Volkshymne.

Marſch.
105–108.
235

Als Aviſo ſchlägt anfangs ein Tambour allein die erſten


zwei Takte, oder 4 Schritte, dann treten alle Tamboure ein. Der
Niederſtreich des Taktes gehört ſtets auf den linken Fuß. Der Marſch
beſteht aus Rucker, kurzem Wirbel, Schlepp- und einfachen Streichen.
Bei Leichenbegängniſſen wird der Marſch mit verſchränkter
Trommel und in einem langſameren Tempo geſchlagen.

Defilirſtreich.
1 05–108.
ºr d
s“ •

Anmerkung. Die kleinen Noten über dem Linienſyſteme bedeuten, daß ſelbe auf
dem Schlägel gegeben werden. -
236

Der Defilirſtreich beſteht aus Rucker und Streichen auf dem


Schlägel, und wird bei dem Defiliren zur Muſik geſchlagen.
Wenn bei größeren Defilirungen, wo oft nur eine einzige Muſik
zugegen iſt, den Tambouren befohlen wird, zeitweiſe den Defilirſtreich
allein, ohne Muſik zu ſchlagen, ſo haben nach Verhältniß der Anzahl
der Tamboure, ein oder zwei Tamboure, den Marſch dazu zu ſchlagen.
Sturmſtreich.

Der Sturmſtreich wird dreimal durchgeſchlagen. Sind mehrere


Tamboure zugegen, ſo wird er das erſte Mal von einem Tambour
allein, dann von allen Tambouren noch zweimal geſchlagen. Er beſteht
aus Doppelſchlägen und Ruckern.
Stfirmmarſch.
Im Marſchtempo.

links rechts l. r. l. r. l.

Beſteht aus vier Doppelſchlägen und vier Ruckern.


Auf das Kommando zur Annahme des Lauftrittes ergreift der
Tambour mit der linken Hand die Trommel, bringt dieſe mehr vor die
Bruſt, damit er in der Bewegung nicht gehindert iſt, und mit dem
Schlägel der rechten Hand gibt er einfache Schläge, welche den Takt
markiren.

links rechts l. r. l. r l. r l. r.l. r. l. r. l. r.

Beſchleunigung.
Etwas ſchneller als das Marſchtempo. - «
Giner Alle
*N *N
237

Als Aviſo ſchlägt ein Tambour den erſten Takt oder zweimal
Beſchleunigung allein, dann fallen ſämmtliche Tamboure ein. Die Be
ſchleunigung beſteht aus Doppelſchlägen und einfachen Streichen.
Abſchlagen.
Einer Alle

Beſteht in vier einfachen Streichen und zwei Ruckern. Sind mehrere


Tamboure zugegen, ſo werden die vier einfachen Streiche nur von dem
Vorſchläger, die zwei Rucker aber von allen Tambouren geſchlagen.

Ruf- und Feuerſtreich,


beſtehen aus dem ganzen Rufe, mehrmals wiederholt.

Bei dem Feuerſtreiche ſchlägt der Tambour abwechſelnd zweimal


ſtark und zweimal ſchwach. Wird der Rufſtreich von mehreren Tambouren
geſchlagen, ſo gibt der Vorſchläger die erſten zwei ganzen Rufe allein,
dann treten ſämmtliche Tamboure ein.

Kirchenſtreich.
(Einer - - - - Alle
3 3 3 3

1 2 1 2 1 2
Wird von dem Repetitionszeichen an ſo oft als nothwendig wiederholt.
Der Vorſchläger gibt einen Rucker und die darauffolgenden einfachen
Streiche, dann fallen alle Tamboure ein. Die Pauſen bedeuten, daß
der Tambour, wenn er dabei marſchirt, zwei Schritte inzwiſchen, ohne
zu ſchlagen, zu machen hat. Der Kirchenſtreich beſteht aus Rucker,
Schlepp- und einfachen Streichen. Wenn der Kirchenſtreich das dritte
Mal geſchlagen iſt, wird abgeſchlagen.
238

Während der Meſſe werden für die Theile derſelben nachfolgende


Streiche gegeben, als:
Anfang, drei halbe Rufe;
Evangelium, drei halbe Rufe;
Sanktus, drei halbe Rufe; Vorzeichen zur Wandlung, drei
halbe Rufe;
Wandlung, drei halbe Rufe, drei einfache Streiche und ein hal
ber Ruf; -

Kommunion, einen halben Ruf, drei einfache Streiche, ein hal


ber Ruf;
Ende der Meſſe, drei halbe Rufe;
Segen, wie bei der Wandlung;
Ende der heiligen Handlung, Abſchlagen.

Schanzſtreich.
Alle (Einer Alle

Auf das Kommando: Habt Acht! geben alle Tamboure den er


ſten Doppelſchlag zuſammen, den darauffolgenden Rucker gibt nur einer,
worauf alle zuſammen den Schanzſtreich anfangen. Wird nach Ermeſſen
von der Repetition an wiederholt, und endet mit einem Doppelſchlage.

Publikation.
Ein Tambour allein. Alle Tamboure.

Wird dreimal repetirt und beſteht aus Ruf, Doppelſchlägen, einfa


chen Streichen und Rucker, und wird bei dem Doppelſchlage a geendigt.
239

Retraite.
105–108.
Alle Einer Alle Tamboure.

Sind mehrere Tamboure zugegen, ſo geben alle auf das Kommando


„Habt – Acht!“ den Doppelſchlag, dann gibt ein Tambour die drei ein
fachen Streiche, worauf von ſämmtlichen Tambouren die Retraite, welche
aus Doppelſchlägen und einfachen Streichen beſteht, geſchlagen wird.
Außerdem werden noch folgende Avertiſſements-Streiche geſchlagen:
Bei der Ankunft Weiner Majeſtät des Kaiſers:
Drei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft der kaiſerlich-königlichen Hoheiten:
Zwei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Feldmarſchalls im Bereiche des
ganzen Heeres, bei der eines Armee-Kommandanten im Hereiche der ihm unter
ſtehenden Armee, dann bei jener eines kommandirenden Generals, eines Armee
Korps-Kommandanten oder Militär-Gouverneurs im Bereiche der unterſtehenden
Truppen, und zwar nur, wo der Armee-Kommandant ſich nicht in demſelben
Orte befindet:
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeiſters oder Generals der Kavallerie:
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldmarſchall-Lieutenants:
Drei halbe Rufe und drei doppelte Streiche.
Bei der Ankunft eines Generalmajors:
Zwei halbe Rufe und zwei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Wachen:
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Streich.
240

Zu dem Herausrufen der Feldwebel:


Ein halber Ruf und drei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Korporale vom Tage:
Ein halber Ruf und zwei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Gefreiten vom Tage:
Ein halber Ruf und ein doppelter Streich.
Zu dem Herausrufen der Tamboure und Horniſten:
Ein halber Ruf und drei einfache Streiche.

Generalmarſch der Grenadiere


für jene Truppen, welche dieſen Streich in Folge beſonderer Anordnun
gen anzuwenden haben.
Tempo 90 bis 95 Schritte in der Minute.
Wirbel

- -
1 2 3 4 Schritte

Der Generalmarſch der Grenadiere beſteht aus Wirbel, Rucker, ein


fachen Streichen und Doppelſchlägen. Bei allen nachfolgenden Wieder
holungen bleiben die 2 Takte oder 4 Schritte Wirbel im Eingange weg,
und der Marſch beginnt dann immer von dem Repetitionszeichen an,
wozu von der Muſik die Volkshymne geſpielt wird.
24

Hornſignale.
Vorwärts.
>- >- >- >

Schritte *) links rechts l. U. l. U.

Rückwärts.

Lebhaft.

Schritt.
Im Marſchtempo.
>

l. Y. l. W.

*) Anmerkung. Der Schritt wird bei dem Unterrichte der Signale deshalb benützt,
um den angehenden Horniſten einen deutlichen Begriff ber Takt
eintheilung der Signale beizubringen. Derſelbe iſt jedoch veränder
lich und richtet ſich immer nach dem Tempo des Signals.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 16
242

Lauftritt.
160 Laufſchritte in einer Minute.

l. r. l. r. l. r. l. r.

Auf jede Achtelnote ein Schritt.


Halt.
Langſam.

Z
l. r. l.'r.

Oeffnen.

Auflöſen.
Mäßig geſchwind.

Lebhaft.
243

Fronträumen.
Wird das Signal „Sammeln“ dreimal unmittelbar nach einan
der geblaſen.
Verſtärkung.
Langſam. >
2> >-

. 3 • r. 3 • . 3 • V.

Ablöſung.
Im Marſchtempo. >- 2- >- >
>-

Feuer.
Mäßig geſchwind.
> > > > >- ->

0 Tr e e i e

U. l. T.

Feuereinſtellen.
Schnell.

r T.

Sturm.
Heftig. >- –>- >
>- 2- >-

l. r. " l. l. “. l. V.

Als „Sturmmarſch“ wird dieſes Signal etwas mäßiger, jedoch


im lebhaften Marſchtempo geblaſen.
Beſchleunigung.
Im ſchnellen Tempo.
> >
Vergatterung.
äßige Tempo.
Im mäßigen yº > >

- l. r. l. r. F> FS l. r.

Dreimal zu repetiren.
Lebhaft. Dreimal zu blaſen. Allarm.
2- > > >

l. Y. l r Y.

Kette.
Lebhaft.

- - ; - 4 d

l. r l. r.

Rechter Flügel.
Im mäßigen Tempo. >

l. W'. l T.

Linker Flügel.
Im mäßigen Tempo.
>
2 >

3 3
Y- R

Unterſtützung.
Lebhaft.
/N /N
245

Garniſons- und feldſtöße.


Einfacher Stoß. Doppelter Stoß.

--
z -

Tagwache.

* -
l U. l T.

Wird auf Wachen vier mal wiederholt.


Vergatterung
wie bei den Signalen.
Allarm
wie bei den Signalen.
Raſt.
Mäßig geſchwind.
>

e - - - - -

l. U. l. r. l. W. l. r. l. U. l. r.

Mehrmal zu wiederholen.
Gebet.
Langſam, feierlich.

2 3 4 1 23 4 1 2 3 4
U. l. T. l. r.l. r. l. r. l.

2 3 4 1 2 3 4 123 4
r - l. r l. T. l.r.l. r.
246

-62
- - >- S- >

1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
l. r l. W. l. r.l. r. l.r. l. r l.r. l. r. l. r.l. r

Hierauf folgt das Abblaſen.


Ganzer Ruf
- - –-"T-m-“TT - -
Halber Ruf
-T>–
>- >-
-T-< 2»

Bei Publikationen wird der ganze Ruf dreimal geblaſen.

Generalmarſch.
Im etwas langſameren als dem gewöhnlichen Marſchtempo.
>- >- >- >
247

Marſch.
105–108 Schritte in einer Minute.
>- >- 2>- >- • • ->- 2- >

e e e

Bei Leichen begängniſſen wird der Marſch mit der Sourdine


und in einem langſameren Tempo geblaſen.

Beſchleunigung
wie bei den Signalen.

Abblaſen.
ses. ->- >

Feuerlärm.

l r G l. T.

Mehrmal zu wiederholen.
248

Kirchenruf.
Langſam, feierlich.
?

1 2 3 4 –T –T –T 12 3 1 23
l. r.l. r. l r. l r. l. r. l. r. l. r. l. W. l.r. l.

Zweimal zu blaſen.
Anmerkung. Die über dem Notenſyſtem bezeichneten Komma deuten an, wo
Athem zu nehmen iſt.

Wenn der Kirchenruf zum Erſten male zweimal durchgeblaſen iſt,


ſo wird ein einfacher Stoß, bei dem Zweitenmale ein doppelter Stoß
angehängt, und nach dem Drittenmale abgeblaſen.
Während der Meſſe werden für die Theile derſelben nachfolgende
Zeichen gegeben, als:
Anfang der Meſſe; – Evangelium; – Sanktus; –
Vorzeichen zur Wandlung; bei jedem drei halbe Rufe.
Wandlung, drei halbe Rufe, drei einfache Stöße und Ein hal
ber Ruf.
Kommunion, Ein halber Ruf, drei einfache Stöße, Ein hal
ber Ruf.
Ende der Meſſe, drei halbe Rufe.
Segen, wie bei der Wandlung.
Ende der heiligen Handlung, das Abblaſen.

Retraite.
Im Marſchtempo, ſo daß auf jede Viertelnote ein Schritt fällt.

1 2 3 4 2 3 12 4 34 1 2 3 4
l. r.l. r l. r.l. r l.r. l T. l.r l. r l.r. l. r.
249

l.r. l. r. l. l

l. r.l. r.

Zum Schluſſe wird abgeblaſen.


Habt Acht!

Ausführung.
5> >- >

Außerdem werden noch folgende Avertiſſementsſtöße geblaſen:


Bei der Ankunft Weiner Klajeſtät des Kaiſers:
Drei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Abricht. Regl. f. d. k. k. Fußtruppen. 17
250

Bei der Ankunft der kaiſerlich-königlichen Hoheiten:


Zwei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Feldmarſchalls im Bereiche des
ganzen Heeres, bei der eines Armee-Kommandanten im Bereiche der ihm unter
ſtehenden Armee, dann bei jener eines kommandirenden Generals, eines Armee
Korps-Kommandanten oder Militär-Gouverneurs im Bereiche der ihm unterſte
henden Truppen, und zwar nur wo der Armee-Kommandant ſich nicht in dem
ſelben Orte befindet:
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeiſters oder Generals der Kavallerie:
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Hei der Ankunft eines Feldmarſchall-Lieutenants:
Drei halbe Rufe und drei doppelte Stöße.
Hei der Ankunft eines Generalmajors:
Zwei halbe Rufe und zwei doppelte Stöße.
- Zum Herausrufen der Wachen:
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Stoß.
Zum Herausrufen der Feldwebel oder Oberjäger:
Ein halber Ruf und drei doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Korporale oder Unterjäger vom Tage:
Ein halber Ruf und zwei doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Gefreiten oder Patrullführer vom Tage:
Ein halber Ruf und ein doppelter Stoß.
Zum Herausrufen der Horniſten und Tamboure:
Ein halber Ruf und drei einfache Stöße.

Volkshymne.

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251

Die Volkshymne wird ſo oft als nöthig repetirt, ohne Trio.

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