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AISKON.HOKA BIBLIOTHEK

46.376 -B
Nen .
sa : 69. D. 49.
Österreichische Nationalbibliothek

+ Z225130100
第一

90376 - B.
Abrichtungs -Reglement

für die

I. k. Linien - und Grenz- Infanterie.

* 1851.

Wien, 1854.
Beilag von Leopold Sommer,
Stadt, Dorotheergaffe, Nr. 1108.
Berrudt bei & opo:d Commer.
Armee -Befehl.

Ich habe befunden eine Reviſion ſämmtlicher Vor


ſchriften für die taktiſche Ausbildung Meines Heeres
anzuordnen und dabei die Vereinfachung aller Grund
formen und thunlichfte Uebereinſtimmung derſelben bei
den verſchiedenen Waffengattungen als Regel beſtimmt.
Die auf dieſe Grundlage ausgearbeiteten Regle
ments zerfallen bei allen Truppengattungen nach ihren
Eigenthümlichkeiten in das Abrichtungs- und Ererzir
Reglement, und jenes für die Bewegungen mit größe
ren Körpern. Sie haben ſämmtlich nach ihrer ſucceſſiven
Veröffentlichung zur unabweichlichen Richtſchnur ſowohl
für die Ausbildung als die Anwendung zu dienen , und
es if Mein ernſter Wille, daß fich Niemand eine will
kürliche Abweichung von denſelben geſtatte.

Franz Joſeph.
V o r wort.

Die Ausbildung des Soldaten iſt der erſte Grund


zur möglichften Brauchbarkeit eines Kriegsheeres,
folglich die erſte Vorbereitung zur Ausübung der
Kriegskunft.
Gegenwärtige Vorſchrift enthält den Leitfaden ,
nach welchem der Soldat in dem Gebrauche ſeiner
Waffen unterrichtet werden ſoll ; um ſowohlals Theil
des Ganzen zweđmäßig mitzuwirken , als auch fick
felbft zu vertheidigen und ſeinen Gegner zu überwäl
tigen .
Einheit des Ganzen iſt ihr Zweck.
Die pünktliche, buchftäbliche Befolgung dieſer
Vorſchriften wird, um dieſe ſo nöthige Einheit zu er
zielen , allen Vorgeſeßten zur unbedingten Pflicht ge
macht. Minder Fähige werden hierdurch ſchon einen
Theil ihrer Berufspflichten erfüllen, während Fähigere
in jenen Vorſchriften eine ſichere Anleitung finden ,
VI

um ihre Begriffe zu ordnen ,zu befeſtigen, und ſich zu


einem größeren Wirkungsfreiſe vorzubereiten .

Die erſte Bedingniß zu einer zweckmäßigen und


erfolgreichen Ausbildung des Soldaten beſteht darin ,
daß man ihm eine entſprechende moraliſche Erziehung
und einen wahren Begriff von dem Ehrenftande bei
bringe, dem er angehört. Demgemäß müſſen ihm
ſchon bei Ablegung des Eides die Wichtigkeit dieſer
Handlung, ſo wie der ganze Umfang der Verbindlichkeiten ,
die er hierdurch eingegangen iſt und deren Befolgung
er unwiederruflich befräftiget hat, wohl begreiflich ge
macht werden . Die verſchiedenen Dienſtes- Verhaltun
gen , ſo wie die Kriegs -Artikel, müſſen ihm öfter in
ſeiner Mutterſprache vorgeleſen und erflärt werden .
Nebſtbei wird dem jungen Soldaten ein verläßlicher
gedienter Mann zur Aufſicht beigegeben , welcher ihn
mit Wohlwollen und Freundlichkeit in ſeinen Dienſtes
pflichten unterrichtet, ihm lehrt,wie er ſich , dann ſeine
Montur und Rüſtungsſtücke zu reinigen, ſein Gewehr zu
pußen und dieſes immer im brauchbarſten Stande zu
erhalten habe, u. dgl.
Die unabläffige Sorgfalt jedes Vorgeſepten muß
Ferner dahin gehen , in der Bruſt des jungen Soldaten
Liebe zu ſeinem Monarchen und ſeinem Stande, An
hänglichkeit an ſeine Vorgeſekten , und Gemeingeiſt
VII

anzuregen . Ermuß ihn mit den Beſchwerlichkeiten ſeines


Standes , der Nothwendigkeit ſeiner Berufsbildung ,
dann der Handhabung einer ſtrengen Disziplin ver
trautmachen , und ganz beſonders, was lektere betrifft,
durch eigenes Beiſpiel im unbedingten Gehorſame ge
gen jeden Vorgeſepten voranleuchten ; kurz , er muß es
verſtehen , ihm wahren Soldatengeift einzuflößen . Das
durch wird der Soldat auf ſeinen Beruf ſtolz werden ,
die Strenge der Disziplin ehren lernen , ſeinen Stand
lieb gewinnen , und denſelben nicht als ein unerträg
liches Joch betrachten .

* Jede Mißhandlung, jede Gewaltthätigkeit wird


bei dem Unterrichte auf das Schärfſte unterſagt. Ein
rauhes Benehmen iſt gemeiniglich ein Beweis eigener
Unwiſſenheit, und vernichtet das Ehrgefühl,die Seele
des Soldaten . Trägheit, böſer Wille, Widerſpenſtigkeit
verdienen Strafe; Strafe beſſert, aber Mißhandlung
empört. Menſchenkenntniß , Humanität, Sorgfalt für
das Wohl des Soldaten , und gründliche Kenntniß der
eigenen Berufspflichten müſſen daher bei jedem Vor
geſepten vorausgeſetzt werden , wenn derſelbe ſeiner Be

ſtimmung als Lehrer und Führer des Soldaten in je


der Gelegenheit wahrhaſt entſprechen ſoll; denn nur bei
dem Vorhandenſein dieſer Eigenſchaften wird es ihm
möglich werden , alle Triebfedern rege zu machen , die
VIII

nothwendig ſind, um den Seift ſeiner Untergebenen zu


beleben , und ſieohne Zwang den jedesmaligen Umſtån
den gemäß zu lenken .
. Außerdem ſind: Gleichförmigkeit, Verſtändlichkeit,
Einfachheit, und ftufenweiſes Fortſchreiten vom Leichs
teren zum Schwereren , für den Unterricht höchft noth
wendige Bedingniffe ; worüber in der nachfolgenden
Einleitung das Nähere vorkommen wird.
Bei Befolgung dieſer Grundfäße kann man fich
verſprechen , daß der Soldat recht bald die zur Füh
rung ſeiner Waffe nöthige Geſchicklichkeit erlangen ,
überdieß auch in ſeinem Benehmen jene Wohlanſtån=
digkeit zeigen werde, die gleich weit von der Ungeſchlif
fenheit und Rohheit, als von der Ungeſchidlichkeit und
Schüchternheit entfernt iſt.

SSC
Einleitung.

Der Soldat der Linien -Infanterie iſt zunächſt beſtimmt,


den Feind in geſchloſſener Ordnung und in größeren Maj
ſen zu bekämpfen ; demungeachtet muß derſelbe aber auch
die Fähigkeit beſigen , ſeinem Gegner im Einzelngefecte,
nämlich in geöffneter Ordnung , mit Vortheil entgegen - ,
zutreten , weil er durch Terrain - und andere Verhältniſſe
Häufig an dieſe Fechtart gewieſen wird. Demnach zerfällt
auch deſſen Ausbildung in zwei weſentlich von einander
verſchiedene Theile , nämlich : -
1. In jene für ſeine Verwendung in Reih' und
Glied (geſchloſſene Ordnung).
2 . In die für ſeine Verwendung als Plánkler
1. (geöffnete Ordnung).
Da es die vorzüglichſte Beſtimmung der Linien - In
fanterie bleibt, in geſchloſſener Ordnung zu wirken , ſo
muß zwar mit der Ausbildung des Soldaten für dieſe
Gefechtsart der Anfang gemacht, nebſtbei müſſen aber
ſchon das Plänkeln , Bajonetfechten und überhaupt alle die
Gewandtheit des Körpers fördernden Unterrichts - Gegen
ſtände vorgenommen werden ; weil durch eine zweckmäßige .
Abwechslung in denſelben nicht nur die Ausbildung des
Refruten beſchleuniget, ſondern auch vermieden wird,
daß derſelbe durch beſtändige Wiederholung des nämlichen
Gegenſtandes gelangweilt und ermüdet werde.
Die zur Ausbildung des Soldaten Berufenen , ins
beſondere aber die Offiziere , müſſen ſich vor Allem eine
genaue uud gründliche Kenntniß der in dieſem Reglement
enthaltenen Vorſchriften eigen machen ; denn nur der ſelbſt
unterrichtet iſt, kann Andere belehren . Sie müſſen ſich
hierbei eines dem Faſſungsvermögen des Auszubildenden
entſprechenden Vortrages befleißen , Jeden nach ſeiner In
dividualität behandeln , den Fleißigen und Geſchickten be
loben und auszeichnen , den Ungeſchickten oder Schwachen
mit unerſchöpflicher Geduld heranzubilden trachten , den
Nachläſſigen mit Strenge zur Erfüllung ſeiner Pflichten
verhalten ; kurz, durch zweckmäßige Behandlung eines jeden
Einzelnen , den Unterricht möglichſt zu fördern bemüht ſein .
Jede übereilung beim Unterrichte muß ſorgfältig
vermieden werden ; weil ſich das Verabſäumte ſpäterhin
ſchwer oder gar nichtmehr nachholen läßt. Es darf daher
mit dem Unterrichte nur in dem Maße fortgeſchritten
werden , als der Soldat das ihm Gelehrte begriffen und
auszuführen erlernt hat; widrigenfalls ſeine Ausbildung
nie vollſtändig erfolgen kann.
Bei der Ausbildung des Soldaten für ſeine Ver
-wendung in geſchloſſener Schlachtordnung, muß
man denſelben anfänglich nicht zu lange in der ihm unges
wohnten Stellung verweilen , ſondern ihn öfter und ans
haltend ruhen laſſen ; widrigenfalls er zu ſehr erſchöpft
werden , und mit der eintretenden Abſpannung der Kräfte
alle Luſtfürden Unterrichtverlieren könnte. Durch diefortges
fegte Übung wird er nach und nach die zur Führung ſeiner
Waffe nöthige Geſchicklichkeit und Gelenkigkeit erlangen,
X1

ſich gewöhnen , ohne übermäßige Anſtrengung andauernd


unterm Gewehr zu ſtehen , und überhaupt die mit ſeinem
Stande verbundenen Beſchwerlichkeiten mit Leichtigkeit
und frohem Muthe ertragen lernen .
Bei deſſen Ausbildung zum Plänkeln muß wie:
der ein ganz verſchiedenes , eigenthümliches Verfahren
beobachtet werden . Hat man von ihm in Reih ' und
Glied eine feſte Haltung, Gleichförmigkeit in Ausführung
der Gewehrgriffe u . dgl. gefordert ; ſo kommt beim
Unterrichte im Plänkeln hauptſächlich dahin zu wirken,
daß er ſich jedes Zwanges in der Stellung, jeder Abges
meſſenheit in den Gewehrgriffen enthalte , ſein Augen
merk vorzüglich auf die Benügung des Terrains zur
eigenen Deckung und zum Nachtheile des Gegners richte,
ſeine Waffe ſelbſtſtändig , nach eigener Beurtheilung ent
ſprechend gebrauche; kurz , ſich auf eine dem jeweiligen
Gefechtsverhältniſſe angemeſſene Weiſe benehme. Dieſes
ſeßt aber bei dem Soldaten das Vorhandenſein eines ges
wiſſen Grades von Intelligenz und eigener Urtheilskraft
voraus ; daher der Unterrichtende vor Allem bemüht ſein
muß , dieſe bei der Mannſchaft zu wecken und rege zu
machen , wozu , nebſt einem gründlichen Unterrichte, praf
tiſche, auf dem Terrain erläuterte Beiſpiele , das geeigs
netſte Mittel bieten. – Da ſich nicht für alle beim
Plänkeln vorkommenden Fälle beſtimmte Regeln geben
laſſen ; ſo werden die Offiziere bei Übung dieſer Fechtart
hinlänglich Gelegenheit finden , ihre Einſicht und Ge
ſchicklichkeit geltend zu machen , und ſolche durch entſpres
chende Belehrung auf die ihnen zur Ausbildung anvers
traute Truppe, zu übertragen .
XII

Wird die Ausbildung der Mannſchaft nach den bier


aufgeſtellten allgemeinen Grundſäßen , unter der Leitung
von unterrichteten und von echt militäriſchem Geiſte bes
ſeelten Offizieren betrieben ; ſo wird ſie raſch und mit
Erfolg fortſchreiten , und der Soldat in kurzer Zeit jenen
Grad militäriſcher Ausbildung erlangen , welcher deſſen
vollſtändige Brauchbarkeit zur Erfüllung ſeiner ehrenvol
len Berufspflichten , in jeder Gelegenheit verbürgt.
I n h al t.
I. Abtheilung.
Seite
Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in
geſchloſſener Schlachtordnung. . . . 1
Erſtes Hauptſtüd .. . .
Ausbildung des einzelnen Soldaten . . . -
Erſter Abſchnitt .
Unterricht ohne Gewehr . . . . . .
. 1. Die Stellung . . . . . . . . . . . . .
S. 2. Wendungen des Kopfes . . . . . . . . . . 4
S .' 3. Wendungen des Körpers . . . . . . . . . . -
S. 4 . Vom Marſchiren . . . . . . . . . . . . 5
Der Marſch vorwärts und rückwärts . . . . .
S. 5. Die Ziehung oder der Marſch in einer ſchrägen Direktion ' 8
S. 6 . Ehrenbezeigung . . . . . . . . . . . . . 9
Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre . . . . .
S. 7.'Stellung mit dem Gewehre . . . . . . . . .
S. 8. Gewehrgriffe . . . . . . . . . . . . 12
S. 9. Unterricht im Laden und Feuern . . . .
S . 10 . General-Decharge . . . . . . . . . . . . 38
$. 11. Vom Zielen und Treffen . . . . . . . . . .
S. 12. Belehrung über das Scheibenſchießen . . . . . .
S . 13. Ehrenbezeigungen mit dem Gewehre . . . . . .
Zweites Hauptſtüd .
Ausbildung des Soldaten im Gliede . . . 59
$. 14 . Stellung . . . . . . . . . . . . . . .
S. 15 . Ropf- und Körperwendungen . . . . . . . .
S . 16 . Richtung . . . . . . . . . . . .
· · · · · ·

S. 17. Frontmarſch vor- und rückwärts . .


. . . . .

S. 18 . Ziehung im Frontmarſche , i . . .
$. 19. Schwenkung . . . . . . . . .
S. 20 . Gewehrgriffe , , . . . . . . . . . . . . 73
$. 21. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . . 74
$. 22. General- Decharge . . . . . . ' . . . . . . 76
XIV
Drittes Hauptſtück . Seite
Ausbildung des Soldaten im Zuge . i .
S. 23. Stellung des Zuges . . . . . . . . . . . . 78
S. 24. Öffnen und Schließen der Glieder . . . . . . . 80
S. 25. Ropf- und Körperwendungen . . . . . . . . . . 81
S. 26 . Richtung . . . . . . . . . . . .
S . 27. Frontmarſch vor und rückwärts . . .. . . 85
S. 28 . Ziehung im Frontmarſche . . . . . . . . . 87
S. 29. Schwenkung , . . . . . . . . . . . . . . -
S . 30 . Formirung der Reihenfolonne und Bewegungen derſelben
S. 31. Formirung der Doppelreihen-Rolonne und Bewegungen
derſelben . .. . . . . . . . . . . . . . 91
S . 32. Abfallen aus Doppelreihen in Reihen u . ſ. w . . . . 93 '
S. 33 . Aufmarſch aus Reihen in Doppelreihen . . . .
S . 34. Aufmarſch aus der Reihenfolonne in die Front . . . 95
S. 35. Aufmarſch aus der Doppelreihenkolonne in die Front . 101
S . 36 . Frontveränderung mittelſt Reihen und Doppelreihen : 102
S . 37. Einzelne und reihenweiſe Defilirung . . . . . . 103
S. 38. Gewehrgriffe . . . . . . . . . . . . . . .. 106
S. 39. Laden und Feuern . . . . . . . . . . . .
S. 40 . Angriff mit dem Bajonete . . . . . . . . . 117
S. 41. Rallirung . . . . . . . . . . . . . . . 118
S. 42. Belehrung zur Formirung der Gewehr-Pyramiden . . 119
S. 43. General-Decharge . . . . . . . . . . . . . 121
Viertes Hauptſtück.
Ausbildung der Chargen vom Feldwebel abwärts : 123
Erſter Abſchnitt.
Ausbildung der Rompagnie -Chargen . . .
S. 44. Benennung und Erklärung einiger Linien . . . . . 124
S. 45. Unterricht im geraden Marſchiren . . . . . . . 129
S. 46. Vorübung zu der Chargen - Richtung . . . . . . 130
S. 47. Vorübung zum Marſche im Alignement . . . . . 132
S. 48. Vorübung zur Ziehung im Front- und Kolonnenmarſche 133
S. 49. Vóm Rommandiren . . . . . . . . . . . 134
S. 50. Stellung und Ererziren der Unteroffizieremit dem Gewehr. :
Ehrenbezeigungen. . . . . . . . . . . . . 136
S. 51. Stellung und Grerziren der Schüßen mit der Rammer:
büchſe. - Ehrenbezeigungen . . . . . . . . . 139
S . 52. Stellung, Ererziren und Marſchiren des Tambours mit
der Trommel . . . . . . . . . . . . . . 162
S. 53. Stellung und Ererziren des Horniſten : . . . . . 167
$. 54. Stellung und Ererziren des Zimmermannes mit der Hace 170
XV
Zweiter Abſchnitt. Seite
· Ausbildung der Stabo-Chargen . . i . 171
S . 55. Stellung und Grerziren des Regiments - Tambours . . -
S . 56 . Stellung und Grerziren des Bataillong- Tambours . . 172
S. 57. Stellung und Grerziren des Bataillons -Horniſten ei
S. 58. Stellung, Ehrenbezeigungen und Grerziren des Führers . .
mit der Fahne . . . . . . . . . . . . . 173
I. Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft . . . 175
Herſtellung . . . . . . . . . . . . . .
II. Salutirung vor dem Kriegsminiſter , den Feldmar
ſchällen , dem Armee- und Korpo-Rommandanten . •
III. Griffe , welche der Führer auf das Kommando
gleichzeitig mit der Truppe vollführt . . . 176
S. 59. Stellung und Ererziren des Hautboiſten . . . . . 177
II. Abtheilung.
Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in
der geöffneten Schlachtordnung . . 179
Erſtes Hauptſtück.
Ausbildung des Soldaten zum Plänkeln . . . -
Erſter Abſchnitt.
Einzelne Ausbildung zum Plänkeln . . . 181
S. 60. Zweckmäßige Leibesübung . . . . . . . . . i
S. 61. Entſprechender Gebrauch des Feuergewehres . . . 187
S. 62. Benügung verſchiedener Terraingegenſtände zur Dedung
gegen das Feuer des Feindes . . . . . . . . . 193
S. 63. Hornſtgnale , und reſpektive Trommelzeichen , welche bei
der Plänklerkette, deren Unterſtüßungs- und Reſerve
Abtheilungen die Stelle der Kommando vertreten . 198
. Zweiter Abſchnitt.
Ausbildung einzelner Kettenglieder . . . 203
S. 64. Allgemeine Beſtimmung für die Stellung der Retten
glieder . . . . . . . . . . . . . . . . -
S . 65. Gegenſeitige Unterſtüßung der Plänkler , insbeſondere
der zu einem Rettengliede gehörigen Männer . . . 205
. i Dritter Abſchnitt.
Auflöſung geſchloffener Abtheilungen in eine Plänklerkette und
Bewegung derſelben . . . . . . 209
S. 66 . Formirung der Rette von der Stelle aus. — Feuern
derſelber. . . . . . . . . . . 210
S. 67. Formirung der Rette vorwärts. — Feuern derſelben · 215
S. 68. Marſch der Rette vor-, rück - und ſeitwärts. -
Feuern derſelben . . . . . . . . . . . . 217
XVI
Seite
S. 69. Erweitern und Berengern der Intervalle zwiſchen den
Rettengliedern . . . . 223
S . 70, Vor- und Zurüdnahme der Flügel der Rette . . . 226
$. 71. Angriff mit dem Bajonete . . . . . . . . . 228
S. 72. Formirung der Klumpen zur Vertheidigung gegen Ra
. vallerie . . . . . . . . . . . . . . . 230
S. 73. Rallirung oder Verſammlung der Plänkler in die ge
chloſſene Ordnung · · · · · · · · · · · · 235
S. 74. Räumung der Front . . . . . . . . . . . 234
S. 75. Ablöſung der Kette . . . . . . . . . . . . -
S . 76 . Verſtärkung der Rette . . . . . . . . . . . .
$. 77. Paſſirung eines Defilées im Vor- und Rüdmarſche . .
Schlußbemerkung . . . . . . . . . . . . . 243.
Zweites Hauptſtüd .
Ausbildung des Soldaten im Gebrauche des Gewehres
als Stoßwaffe . . . . . . . . . 247
Erſter Übſchnitt.
Unterricht ohne Gewehr . . . . . . 250
S. 78. Ausbildung des einzelnen Soldaten ohne Gewehr . . -
Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre . . . . 263
$. 79. Ginzelner Unterricht mit dem Gewehre . . . . .
S . 80. Anleitung zur Vertheidigung gegen mehrere Ravalleriſten 280
S . 81. Das Sdwingen und Ballſtoßen . . . . . . . . 281
S . 82. Übungen mit der bereits unterrichteten Mannſchaft . 283.
IIJ. Abtheilung.
Stellung und Ererziren der Stabs- und Ober-Offiziere
mit dem Säbel . . . . . . . 287
S. 83. Stellung und Ererziren der Stabsoffiziere zu Pferde mit
dem Säbel . . . . . . . . . . . . . . -
S. 84. Stellung und Grerziren derStabsoffiziere mit dem Säbel 292
Horn - Signale und Trommelſtreiche
zur Anwendung in der geöffneten Schlachtordnung 301
A . Aviſo -Signale oder Rufe . . . . . . . . . . . -
B . Kommando-Signale . . . . . . . . . . . . . 302
Garniſons- und Feldftöße . . . . . . . . . . . . 304
Trommelſtreiche . . . . . . . . . . . . . . . . 309
Volkø -Hymne . . . . . . . . . . . . . . . . 319
I. Abtheilung.
Ausbildung des Soldaten für ſeine. Verwendung in
geſchloſſener Schlachtordnung.

Erftes Hauptft i ck. :


Ausbildung des einzelnen Soldaten.
Erſter Abſchnitt.
Unterricht ohne Gewehr.
Bei jeder Ausrüdung hat der Soldat nach der jewei- 1 .
ligen Anordnung des Truppen - Kommandanten , jedoch ſtets
vorſchriftsmäßig und reinlich gekleidet zu ſein .
· Der erſte Unterricht geſchieht womöglich einzeln . 2.
Erfordern es die Umſtände, daß mehrere Soldaten zuſammen
unterrichtet werden , ſo ſind ſte ſtets auf die Entfernung eines
Schrittes von einander zu ſtellen .
s. 1.
Die Ste llung.
Eine gute Stellung iſt die Grundlage zu den Wen - 3 .
dungen , Richtungen und zum Marſche. Sie muß gerade, na
türlich und ungezwungen ſein .
Die Abfäße kommen in gleicher Linie , und ſo nahe 4.
an einander, als es der Körperbau des Mannes erlaubt.
Die Fußſpißen find gleichmäßig ſo viel auswärts gewendet,
daß die Entfernung der einen von der andern das Maß der
eigenen Fußlänge beträgt. Die Kniee werden angezogen ,
ohne ſte jedoch ſteif zu halten ; die Hüften ſtehen wagrecht,
Abrichtungs-Regl. f. d. Inft.
und der Oberleib ruht gleichmäßig auf denſelben ; der Bauch
iſtweder eingezogen , noch vorgeſtredt ; die Bruſt und der Ober
leib aber werden aus den Hüften gehoben , und ohne Zwang
etwas vorgebracht, die Schultern natürlich geſenkt und in
gleicher Höhe dergeſtalt zurückgezogen , daß die Bruſt mit
Freiheit hervortritt. Die Hände liegen ungezwungen , näm
lich weder geſpreizt, noch an den Schenkeln angeflammert,
mit der innern Fläche an denſelben , wobei der Daumen
auf der Hoſennaht zu liegen hat. Der Kopf wird gerade
und frei aufwärts gehalten , das Rinn ohne Steifheit etwas
angezogen , und der Blic vorwärts gerichtet. Die Schwere
des Körpers ruht gleichmäßig quf der Mitte der Fußſohlen .
5. Der Soldat muß anfänglich verhalten werden , in der
vorgeſchriebenen Stellung die Abfäße langſam zu erheben und
wieder langſam zu ſenken , damit er lerne, mehr auf den Bal
len der Füße zu ſtehen , und ſich entwöhne, das Gewicht des
Körpers nach rückwärts auf den Abfäßen ruhen zu laſſen ; was
überhaupt, beſonders aber im Marſchiren ſehr hinderlich iſt.
6. Die Stellung muß ſtets aus einer Entfernung von drei
bis vier Schritten , und zwar immer von unten aufwärts
beurtheilt werden , und ſoll ſich von vorne und rückwärts an
geſehen , nach der Mittellinie des Körpers genau ſenkrecht,
dagegen von der Seite angeſehen etwas vorgeneigt darftellen .
Um den Mann in die wahre Stellung zu bringen , wirkt ans
fänglich die Belehrung faſt gar nicht , das Beiſpiel nur we
nig ; der Soldatmuß mechaniſch in ſeine Stellung hineinges
bogen , d. 5. durch das Gefühl auf ſeine Fehler aufmerkſam
- gemacht , und zur Verbeſſerung derſelben angehalten wer
den ; wobei jedoch ein - für allemalerinnert wird , daß die biers
zu erforderlichen Hilfen nicht auf eine ungeſtüme, rohe Weiſe,
ſondern mit Ruhe und Gelaffenheit anzuwenden ſind.
17 .,' : Da das längere Verweilen in der vorgeſchriebenen
Stellung anfangs ermüdet, ſo muß zeitweiſe : » Ruht !« avifirt
werden ; worauf es dem Soldaten erlaubt iſt, ſich zu bewe
gen , 'ohne jedoch den linken Abſaß von der Stelle zu rücken .
Soll wieder in die vorgeſchriebene Stellung überge- 8 .
gangen werden, ſo wird : » Habt Acht!« aviſirt; worauf der ,'
Soldat die gehörige Stellung annimmt, und ſo lange unbe.
weglich in derſelben verbleibt, bis ein anderes Kommando
erfolgt.
. Das Aviſo : » Habt Acht!« dient außer dem vorer- 9 .
wähnten Falle auch im Allgemeinen dazu , die Aufmerkſam
feit des Soldaten vor Anordnung einer Bewegung oder eines
Griffes zu ſteigern , und kann daher in dieſer Abſicht, nad
Ermeſſen des Kommandanten , jedem andern Aviſo oder
Rominando vorgefeßt werden. .
Hat der Rekrut die Stellung durch längere Zeit 10 .
beizubehalten erlernt, ſo ſind ihm der Begriff, die Unterſchei- -
dung und Betonung des Kommando im Allgemeinen zu erklä
ren ; worauf zum Unterrichte in den Wendungen des Kopfes.
geſchritten wird.
S. 2. ,
Wendungen des Kopfes.
Auf das Kommando: »Rechts (links) - sehaut!« 11.
wendet der Soldat ohne die Schultern zu verdrehen , den Kopf
raſch nach der anbefohlenen Seite , jedoch nur ſo viel, daß
beim Wenden des Kopfes rechts das linte , und bei je
nem links das rechte Auge in der Mittellinie des Körpers
zu ſtehen kommt.
I .
Zur Herſtellung wird : »Habt – Acht !« komman- 12.
dirt;'worauf der Soldatden Kopfwieder raſch in dievorgeſchrie- is
bene Stellung gerade wendet, und den Blick vorwärts richtet.
! Der Kopf darf nie mehr als hier vorgeſchrieben ge- 18 .
wendet werden ; indem durch ein ſtärkeres Verdrehen desſels
ben die Schultern aus ihrer Lage fommen , was beſonders
bei der Richtung ſehr nachtheilig ift.
S. 3.
Wendungen des Körper 8.
14. Die Wendung des Körpers ift entweder eine ganze,
eine halbe oder eine doppelte Wendung, und zwar
eine ganze Wendung : wenn ſich der Mann ſo weit rechts
oder links wendet, bis er mit dem Geſichte dahin gerichtet iſt,
wo vor dieſer Bewegung eine ſeiner Schultern war; eine .
halbe,Wendung: wenn der Mann nur die Hälfte von der
eben erklärten Bewegung (unter einem Winkel von 45 Grab )
vollführt ; eine doppelte Wendung: wenn der Mann
zwei ganze Wendungen durch Eine Bewegung vollführt,
fonach mit dem Geſichte dahin gerichtet iſt, wo in der ur
ſprünglichen Stellung fein Rücken war.
15 . Alle Wendungen des Körpers auf der Stelle werden
ftets auf dem linken Abſaße, mit geringer Erhebung des
Tinken Fußballens und des rechten Abſaßes vollführt.
16 . Während der Wendung ruht die Schwere des Körpers
auf dem linken Abſaße, welcher nicht von der Stelle ges
rückt werden darf , und es wird zur Erleichterung mit dem
Ballen des rechten Fußes ein dem Maße der jeweiligen Wen
dung entſprechender Druck auf den Boden gegeben , und dies
ſer in ſo lange fortgeſett, bis ungefähr die Hälfte der Wens
dung vollführt iſt: Nach vollbrachter Wendung wird der rechte
Fuß in die vorgeſchriebene lage neben dem linken niederges
reßt, und die Schwere des Körpers ruht wieder auf beiden
Füßen .
17. DieganzeWendung erfolgtaufdas Kommando : » Rechts
(links) — um !« nach der bezeichneten Seite.
18 . Zur Ausführung der halben Wendung wird : » Halb
- rechts ! (links !)« fommandirt.
19. Der Übergang in die früher innegehabte Aufftels
lung, nach vollführter ganzer oder halber Wendung , findet
auf das Kommando : » Front!« gleichfalls mittelft Auß
führung einer ganzen oder halben Wendung nach der ents
ſprechenden Seite ſtatt.
Die doppelte Wendung erfolgt auf das Kommando: 20 .
»Kehrt - euch !«
Aufdas: » Kehrt! « bringt der Soldatdie rechte Hand 21.
raſch und nahe am Leibe nad rückwärts , ergreift den Pa
trontaſchendeckel am unteren Rande in der Mitte dergeſtalt,
daß der Daumen an der inneren Fläche desſelben , die übri
gen Finger aber geſchloſſen auswärts zu liegen kommen ; zu
gleich wird die Patrontaſche abwärts gezogen , und an das
Rüdgrat gedrückt , wobei der rechte Ellenbogen nicht vom
Leibe abſtehen darf. Auf das nachfolgende : »Euch !«.wird
jederzeit eine doppelte links um - Wendung in einem Lems
po vollzogen , nach deren Vollendung die rechte Hand, die Pas
trontaſche verlaſſend , wieder die vorgeſchriebene lage Ha
ben muß.
Damit der Soldat lerne, ſeinen Körper bei Voll- 22.
führung derWendungen im Gleichgewichte zu erhalten , müſſen
dieſe anfänglich langſam , und erſt bei zunehmender Fertig
keit raſch vollführt werden .
Nach jeder Wendung iſt darauf zu ſehen , ob ſolche 23.
gänzlich vollzogen worden , und der linke Abſaß nicht von
der Stelle gewichen ſei; ferner kommt auch die Stellung des
Soldaten zu prüfen , und nöthigenfalls zu berichtigen .

S. 4 .

· Vom Marſo iren.


Der Marſd vorwärts und rückwärts. .
Die Abſicht beimn Marſchiren iſt, in der fürzeſten Zeit, 24.
jedoch mit thunlichſter Schonung der Kräfte des Soldaten ,
möglichſt viel Terrain zu gewinnen ; da der Marſch nur dann
feine Vodkommenheit erhält , wenn dieſer Zweck erreicht wird.
Ein Haupterforderniß hierzu iſt eine freie , völlig ungezwuna
gene Haltung des Körpers , wie ſie bei der Stellung vorge
fchrieben worden .
25. Die Länge des Schrittes iſt dergeſtalt zu bemeſſen , daß im
Durchſchnitte fünf Schritte zwei Wiener Klafter betragen .
26 . Die Schnelligkeit oder der Takt des Marſches iſt derart
feſtgeſeßt, daß 105 bis 108 Schritte in einer Minute hin
terlegt werden .
27 . Auf das Aviſo : » Mit der Front marschiren !“ wird die
Schwere des Körpers auf den rechten Fuß übertragen , da der
Marich immer mit dem linken Fuße angetre
ten werden muß. Auf das unmittelbar darauf folgende
Kommando: » Marsch - Eins !« hebt der Soldat den lin
ken Fuß mit angezogenem Rniee, und ſeßt ihn ſoweitvor, daß
er beim Niederſeßen desſelben die vorgeſchriebene Schritt:
länge erreicht habe. Gleichzeitig hebt er den rechten Fuß
dergeſtalt, daß das Knie gebogen ſei, und die Fußipiße den
Boden nur leicht berühre. Hierbei iſt ganz vorzüglich dahin
zu wirken , daß der Soldat den linken Fuß gleichmäßig , und
ohne denſelben zurückzuziehen , ſo auf den Boden feße , daß
hierdurch kein Schwanken des Oberkörpers , und beſonders
der Hüften entſtehe. Nach einer Pauſe , welche nach der Ge
ſchidlichkeit des Soldaten zu bemeſſen iſt, ſich aber im höchſten
Falle -- um die Erhaltung des Gleichgewichts nicht zu
ſchwierig zu machen – nicht über ein paar Sekunden zu er
ſtrecken hat, wird : »Zwei!«, kommandirt; wonach auf
obige Art der rechte Fuß vorgeſeßt und der linke erhoben , und
dieß ſofort abwechſelnd auf: » Eins! Zwei !« ſtattzufin
den hat. Nach und nach, und bei zunehmender Geſchidlichkeit
des Soldaten , werden die Pauſen des Zählens verkürzt,
endlich in den vorgeſchriebenen Marſchtakt übergegangen .
Dieſe Übung hat in den erſten Wochen häufig wiederholt,
namentlich auch bei ſchon ausgebildeten und nur aus der 28.
Übung gekommenen Soldaten zeitweiſe erneuert zu werden .
Zum Einſtellen des Marſches wird : » Halt!« komman- 29.
dirt, worauf der Soldat den rüdwärts befindlichen Fuß auf die
volle Länge des Schrittes vorwärts niederſeßt, den andern in
die vorgeſchriebene Stellung beizieht, und ruhig ſtehen bleibt.
Der Übergang vom Marſche zum Halt, und zum Wie- 30.
deraustritte auf das Kommando : »Marsch !« muß fleißig
geübt werden , damit der Soldat ſich gewöhne, augenblidlich
ſtehen zu bleiben , und eben ſo raſch auszutreten ; wobei be
ſonders darauf zu ſehen iſt, daß auf das : » Halt!« der
Oberleib nicht zurückgenommen werde.
Şat der Soldat einige Fertigkeit im Marſchiren erlangt, 31.
ſo ſtellt man ſich aufungefähr zwanzig Schritte vor denſelben ,
und läßt ihn auf ſich zu gehen , damit er lerne, in vollkom
men gerader Richtung zu marſchiren . Bei bereits erlangterE
binlänglicher Fertigkeit im Marſchiren endlid), muß der Sol
dat an das Einhalten des vorgeſchriebenen , gleichmäßigen
Taftes gewohnt werden .“
Dieß wird ihm durch den Marſd nach dem Trommel- 32 .
ſchlage, oder wo ſolches nicht thunlich iſt, durch das unter
Beobachtung des gehörigen Zeitmaßes erfolgende Zurufen :
» Eins -- Zwei! Eins — Zwei! « u . ſ. w . gelehrt.
Erfolgtwährend des Marſches das Kommando: » Ver - 33.
kürzt den – Schritt!« ſo pollführt der Soldat - mit
Beibehalt des Taktes — den Schritt nur in ſeiner halbeu
Länge , und nimmt erſt auf das nachfolgende Kommando :
» Im vollen – Schritt !« die vorgeſchriebene Schrittlänge
wieder an.
Damit der Soldat , wenn er den Schritt verloren hat, 34.
ihn ſogleich wieder zu gewinnen wiſſe , wird feſtgeſeßt, daß
der Schritt ftets ſo abgenommen werden müſſe , daß beim
Anfange des durch den Tambour bezeichneten Marſches je
derzeit der linke Fuß auf den Boden geſeßt werde.
35. Zu der mithin nach Umſtänden nöthig werdenden Ab
nahme des gleichen Trittes dient dem Soldaten das Schritt
wechſeln ; wobei er den rückwärts befindlichen Fuß mit dop
pelter Schnelligkeit bis zu dem Abſaße des vorwärts ſtehenden
vorzieht, und ſodann mit dieſem neuerlich ausſchreitet.
36 . Dieſes Schrittwechſeln iſt anfänglich aufdas Kommando :
Wechselt — Schritt!« dann aber auch ohne Romman
do , blos auf ein einfaches Aviſo zu üben .
37. Der Marſch rückwärts (eigentlich rücklings ) findet
nur auf kurze Strecken ſtatt , und erfolgt auf das Rom
mando : » Rückwärts — Marsch !« ; wobei gleichfalls mit
dem linken Fuße, jedoch rückwärts , ausgetreten , der Schritt
nur halb ſo groß als vorwärts gemacht und mit der Spiße
des zurückſchreitenden Fußes der Boden leicht geſtreift wird .
38 . Auf das: » Halt !« wird der zum Rückwärtsſchreiten
aufgehobene, vorwärts befindliche Fuß, ohne den Schritt zu
vollenden , dem andern beigeſeßt.
39. Hat der Rekrut endlich hinlängliche Fertigkeit in Voll
führung der Wendungen und im Marſdiren erlangt, ſo
find die ganzen Wendungen rechts - um und links -um
auch während des Marſches zu üben , und ohne Unter
brechung des Marſches, jedoch ſtets auf dem Ballen des vor
wärts befindlichen Fußes auszuführen ; daher das : » um !«
in dem Augenblicke zu kommandiren iſt , wo der Soldat
den einen oder den anderen Fuß niederſeßt. .
S. 5 .
Die Ziehung oder der Marſch in einer ſchrägen
Direktion .
40. Die Ziehung findet ſtets unter einem Winkel von
45 Graden ſtatt , und kann ſowohl von der Stelle, wie auch
während des Marſches angetreten werden .
Zur Ziehung von der Stelle wird aviſirt : » Ziehung 41.
rechts ! (links !)« und ſodann kommandirt : „ Halb –
rechts ! (links!) «; worauf der Soldat die halbe Wen
dung nach der anbefohlenen Seite vollführt, die Schwere
des Körpers auf den rechten Fuß überträgt, und auf das
nachfolgende: »Marsch !« die Bewegung in der durch die
Körperwendung erlangten neuen Direktion nach der im vors
hergehenden S. gegebenen Regel antritt.
Die Ziehung während des Marſches erfolgt nach vorauss 42.
gegangenem Aviſo : » Ziehung rechts! (links!)« aufdas Rom
mando : » Halb – rechts ! ( links!) « ; worauf der Sol
dat die halbe Wendung nach der bezeichneten Seite voll
führt, und in der dadurch erlangten neuen Direktion unauf
gehalten fortmarſchirt.
Erfolgtwährend der Ziehung das Kommando : » Halt!«; 43,
ſo bleibt der Soldatunbeweglich ſtehen , und erwartet das Rom
mando : »Marsch !« zur Fortſeßung , oder das Komman
do : » Front!« zum Einſtellen der Ziehung.
Das Einſtellen der Ziehung während des Marſches fin - 44 .
det auf das Rommando : »Grad -- aus! “ ſtatt, worauf
der Soldat die entſprechende halbe Körperwendung in die frü
her innegehabte Lage vollführt, und ſeinen Marſch unaufge
halten in gerader Richtung fortſeft.
In Betreff des Rommandirens beim Antritte und beim 45 .
Einſtellen der Ziehung während des Marſches iſt ſich analog
nach Nr. 39 zu benehmen . ' .
S. 6 .
Ehrenbezeigungen.
Befindet ſich der Soldat ohne Gewehr und außer Reih ' 46.
und Glied , ſo hat er — wie immer adjuſtirt — die jedem
Höheren ſchuldige Ehrenbezeigung ſtets auf dieſelbe Art zu
leiſten .
10
47. Um einen vor ihm ſtehenden Vorgefeßten zu falutiren ,
erhebt der Soldat, ohne den Kopf zu ſenken oder hinauf zu
ſchnellen , den linken Arm ungezwungen und ohne Wegſtreden
des Ellenbogens, hält die Hand , mit der innern Fläche
gegen das Geſicht gewendet , dergeſtalt ſeitwärts vom linken
Auge, daß die geſchloſſenen Fingerſpißen den Sonnenſchirm
der Kopfbededung, bei der Lagermüße aber den unteren Rand
derſelben berühren , und verbleibt in dieſer Stellung ſo lange
man ungefähr im Marſchtakte: Eins ! Zwei! Drei ! zählen
kann ; worauf er ſich herſtellt , nämlich die linke Hand raſch
wieder an die Seite herabbringt.
48. Geht ein Vorgeſeßter an dem Soldaten vorüber, ſo wens
det lepterer den Kopf gegen jene Seite, von welcher der Hö
here kommt, vollbringt auf drei Schritte Entfernung die vor
geſchriebene Salutirung , und begleitet ihn durch langſames
Wenden des Kopfes — ohne dabei die Schultern zu vera
rücken - während des Vorübergehens bis auf die Entfers
nung von drei Schritten ; worauf er ſich wieder heritellt. .
49. Beim Vorübergehen an einem Vorgeſeßten oder an
einer Schildwache wendet der Soldat bei Annäherung auf
drei Schritte gegen dieſelben den Kopf, volbringt die Salu
tirung , und herſtellt ſich wieder , wenn er drei Schritte über
dieſelben hinausgelangt iſt.
50. Iſt der Vorgeſeßte ſelbſt im Gehen begriffen , ſo erfolgtdie
Salutirung auf diefelbe Weiſe während des Vorübergehens.
51. Bei Begegnung der Allerhöchſten Herrſchaft und des
Hochwürdigen macht der Soldat jedoch jederzeit vorher auf
drei Schritte Entfernung Front gegen dieſelben , wendet den
Kopf dahin , und vollbringt dann im erſteren Falle die vor
geſchriebene Salutirung , im leßteren Falle aber kniet er
hierauf nad Nr. 91 - 94 zum Gebete nieder , wobei er die
rechte Hand am Schenkel berabläßt.
52. Trägt der Soldat jedoch etwas in einer Hand, ſo macht
11
er niemals Front, und knieet auch bei Begegnung des Hochs
würdigen nicht zum Gebete nieder ; ſondern ſalutirt im Vors
übergehen nach Nr. 49, jedoch ſtets mit der freien Hand.
Trågt der Soldat in beiden Händen etwas , ſo hat er 53.
den Vorgeſeßten im Vorübergehen blos mit militäriſchem
Anſtande anzuſehen .
Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre.
Sobald der Soldat in der Stellung, in den Wendungen 54.
und im Marſchiren hinlängliche Fertigkeit erreicht hat, wird
zuin Unterrichte mit dem Gewehre geſchritten .
S. 7.
Stellung mit dem Gewehre.
Wenn der Soldat ausrüdt, trägt er ſtets das Gewehr 55 .
- chne darauf gepflanztem Bajonete — in ſchräger lage
auf der linken Schulter , den Kolben mit der linken Hand
umfaßt, auf nachſtehende Weiſe :
Von der linken Hand liegt das erſte Glied des Daumens 56 .
auf der Kolbenblattſchraube , der Zeigefinger folgt der Ab
rundung des Rolbens , und die anderen Finger - an den
Zeigefinger geſchloſſen – find gleich dieſem mit den beiden
erſten Gliedern an die innere Fläche des Rolbens gedrückt.
Der linte Ellenbogen behält die natürliche Lage, der Vorarm
iſt beiläufig wagerecht, der Umbug der Dedelfeder in gleicher
Höhe mit dem Schlüſſelbeine. Das Gewehr liegt möglichſt
im Gleichgewichte auf der Schulter , und darf — von vorne
angeſehen – weder rechts nod links von der geraden Richa
tung abweichen .
Dieſe Art das Gewehr zu tragen heißt die Stellung ,
mit geſchultertem Gewelre.
- Bei Ausführung der Körperwendungen und beim Mar- 57.
12
ſchiren muß das Gewehr ftets in der vorgeſchriebenen Lage
erhalten werden .
68. Während des Marſches iſt es dem Soldaten in allen
Gelegenheiten geſtattet, den rechten Arm naturgemäß zu be
wegen ; was jedoch keineswegs in ein übermäßiges Schleudern,
noch weniger in eine gezwungene, nach beſtimmten Vorſchriften
bemeſſene Bewegung ausarten darf.
59. Wird : » Ruht!« aviſirt , ſo benimmt ſich der Soldat
nac Nr. 7. Auf das Aviſo : » Habt Acht!“ hat er wieder die
vorgeſchriebene Körperſtellung zu nehmen , und das Gewehr
auf dieſelbe Art zu tragen , wie vor dem : »Ruht !« . .
S. 8 .

Gewehrgriffe.
60. Jeder Gewehrgriff beſteht aus einem oder aus mehres
ren Tempo , von denen jedes auf ein beſonderes Kommando
ausgeführtwird .
61. Zur beſſeren Erläuterung ſind die einzelnen Griffe , auss
denen jedes Tempo beſteht, in der nachfolgenden Beſchreibung
mit Nummern bezeichnet, und müſſen bein erſten Unter
richtedem Soldaten in dieſer Reihenfolgeerklärt und vorgezeigt,
bann von demſelben auf das Vorzählen ausgeführt wer
den . Dieſes Vorzählen hat anfänglich langſam , dann im
mer ſchneller ſtattzufinden , bis jedes Tempo gleichſam in
einem Griffe ausgeführt wird ; worauf das Vorzählen ganz
aufhört, und die Ausführung eines jeden Tempo ſtets un
mittelbar auf das Kommando erfolgt. Das Ginüben der
Gewehrgriffe mit Vorzählen darf jedoch nur bei der Ausbil
dung des einzelnen Mannes , von jener im Gliede angefans
gen aber in keiner größeren Abtheilung , ſtattfinden .
62. Die Gewehrgriffe müſſen ſtets ſchnell und kurz, nahe
am Leibe, und ohne die vorgeſchriebene gute Haltung des
Körpers zu verlieren , ausgeführt werden . Nach jedem Tempo
13
muß der Mann vollkommen ruhig ſtehen , und es müſſen
dann die Fehler ſorgfältig abgeſtellt werden .
Iſt ein einzelner Griff oder ein Tempo fehlerhaft auss
geführt worden, ſo iſt : »Herstellt!« zu aviſiren ; worauf der
Soldat wieder die früher innegehabte Stellung nimmt.
Kommando
Worte. Belehrung.

I. In Arm und Schultern .


» In - 1 . Die linke Hand bringt den Kolben 63.
Arm !« an den Schenkel herab , die rechte erfaßt deri
Rolbenhals. 2. Die linke Hand verläßt den
Kolben , der linke Vorarm wird über den
rechten gelegt. Von der linken Hand liegen
das erſte Glied des Daumens auf der innern
Naht des Ärmels , die vier andern Finger,
geſchloſſen , abwärts am rechten Vorarme,
und das Gewehr ruht mittelſt des Hammers
auf dein linken Vorarme.
> Schul — L 1. Die rechte Hand läßt das Gewehr |64.
tert!« auf die Achſel finken , die linke ergreift den
Rolben , und 2 . bringt das Gewehr in die
vorgeſchriebene Lage, während die rechte
ſchnell an die Seite zurückkehrt.
In jenen Fällen , wo dein Manne, bei 65 .
längeren Verweilen in der Stellung mit
dem Gewehre in Arm , einige Erholung |
; , gelin
geſtattet wird, kann derſelbe die rechte Hand
vom Rolbengalſe weg, und den Arm bequem
: : an die rechte Seite bringen . Vor Ausführung
eines Gewehrgriffes hat jedoch die rechte
Hand wieder den Rolbenhals zu erfaſſen.
Kommando: Belehrung.
Worte.

66 . | Iſt mit dem Gewehre in Arm die


doppelte Wendung zu vollziehen , ſo ergreift
die rechte Hand nach Nr. 21 die Patrontaſche,
und wird nach vollführter Wendung wieder
in ihre frühere Lage gebracht.

II. In die Balance, beim Fuß und Schultern .


67. » In die - l. 1 . Die linke Hand bringt den Kolben
Balance !“ an den Schenkel berab , und wendet das
Gewehr gleichzeitig ſo , daß die Abrundung
des Kolbens vor die Mitte des linken Schens
fels zu ſtehen fomme, und der Lauf rechts
ſeitwärts gerichtet ſei. 2. Der rechte Arm
wird nahe vor dem Leibe aufwärts gebracht;
die rechte Hand umfaßt das Gewehr in glei
cher Höhe mit der linken Achſel , und bringt
ſolches, während die linkean die Seite zurück
kehit, den Laufnoch rückwärts wendend, bei
natürlich gebogenem Arme ſchnell an die rechte
Seite berab , läßt es durch die Hand gleiten ,
umfaßt es ober dem unteren Laufringe im
Gleichgewichte , und drückt gleichzeitig die
Mündung ungefähr auf eine Spanne vor
die rechte Achſel.
Mit dem Gewehre in der Balance wer:
den nur die halben und ganzen Körperwen
dungen sollführt.
: . Beim Fuß wird das Gewehr nur von
J» in der Balance« genommen.
Kommando :
Worte. Belehrung. .

„ Beim – Die rechte Hand drückt den Kolben etwas 68.


Fuss ! « vorwärts, und ſtellt das Gewehr fachte derges
ſtalt auf den Boden , daß die Spiße des
Kolbens in gleicher Höhe mit der Fußſpiße
|fich befindet , und der Lauf an der Achſel
anliege. Die rechte Hand hält das Gewehr
mit natürlich gebogenem Arme ſo umfaßt,
daß der Daumen rückwärts am Laufe , die
andern Finger am Schafte liegen .
| Das Gewehrwird jederzeit beim Fuß) 69.
genommen , wenn man dem Soldaten , bei
längerem Verweilen auf der Stelle, eine
vollſtändige Erholung gönnen will.
| Um das Gewehr von beim Fuß , in
die Balance zu nehmen ,wirdaufdas Roms
mondo : » In die — Balance !« das Ges
wehr wieder im Gleichgewichte voll umfaßt,
und dieMündung auf ungefähr eine Spanne
vor die Achſel gedrückt.
» Schul — 1. Das Gewehr wird mit der rechten 70.
tert !« Hand aufwärts geſchnellt ( geſchupft), unter
(von » in die
|Balance « und | halb Des untern Laufringes
9010 des taufringes wieder umfaßt,
»beim Fuß« ) ſchnell und nahe am Leibe -- mit dem Laufe
vorwärts gewendet – vor den linken Schenkel
gebracht , und mit der linken Hand der Rols
ben ergriffen , 2. welche nun das Gewehr,
mitteffi Vordrücken und Aufwärtsſchieben des
Kolbens, in die vorgeſchriebene Lage auf die
Achſel bringt , während die rechte Hand
ſchnell an die Seite zurückehrt.
16

Kommando: Belehrung.
Worte.

III. Verdeckttragen des Bewehres und


Schultern .
' 71. » Ver 1. Gewehr und Hände werden in die
deckt !« bei dem erſten Griffevon » InArm « erklärte
Lage gebracht. 3. Die rechte Hand läßt
das Gewehr vorwärts finken , die linke
fängt es ſchnell am untern Laufringe, und
umfaßt es mit voller Fauſt , 3 . drückt es
dann mit der Mündung abwärts und mit
dem Rolbenbalſe unter die Achſel , während
die rechte ſchnell an die Seite zurückkehrt.
DieMündung ſteht ungefähr auf einen Fuß,
bei gepflanztem Bajonet die Bajonetſpiße auf
ungefähr 6 Zolle, vom Boden ab. Das Schloß
liegt hinter dem Elenbogen , und das Ge
wehr wird mit dem linken Oberarme an
den Leib gedrüdt.
72 . »Schul – 1 1 . Dię linke Hand erhebt das Gewehr
tert !« in die ſenkrechte Lage, die rechte erfaßt den
Kolbenhals ; 2. worauf das Gewehr auf die
bei: Schultert von : In Arm erklärte
Weiſe in die vorgeſchriebene lage auf die
Schulter gebrachtwird .

IV. Þiftirang des Gewehres und Schultern .


73. \» Zur Visiti- . 1. Wie der erſte Griff von : In Arm .
rung des — 12. Die rechte Hand zieht das Sewehr, ſo weit
Gewehrs!< li
der Arm reicht, herab , zugleich erfaßt die
Kommando: Belehrung.
Worte.

linke folches ober dem unteren Laufringe;


3 . bringtes — beigleichzeitigem Wenden des
Felben mit dem kabftode gegen den leib –
vollends an die linke Seite herab , und ſtellt
es fachte auf den Boden , während die rechte
Hand ſchnell das Rohr bei der Mündung er:
greift. Die Kolbenfläde liegt am linken Vors
fuße an , die Abrundung des Kolbens iſt in
gleicher Höhe mit der Fußſpiße, und der
mittlere Laufring befindet fich in der Mittel
linie des Körpers .
Der linke Arm iſt natürlich gebogen ,
die Hand hält das Gewehr leichtumfaßt, und
drüdt es mäßig an den Leib. Von der rech
ten Hand iſt der Daumen rechts neben dem
Ladſtode längs des Laufes aufwärts geſtredt,
die Spiße in gleicher Höhe mitder Mündung.
Kleinere Leute müſſen den Kolben ro
weit ſeitwärts ſchieben , bis die Mündung
in gleiche Richtung mit dem Kinne kommt.
» Ladstock im 1. Der Ladſtock wird mit dem Daumen 74
- Lauf ! «
und gekrümmten Zeigefinger unterhalb des
Anſaßes ergriffen und ſo weit aus der Nuth
gezogen, bis der Arm geſtredt iſt ; 2 . wor
auf die Hand ſchnell am Ladſtode herab
gleitet , denſelben mit voller Fauft knapp
oberhalb der Mündung umfaßt , vollends
herauszieht und ſo weit in den Lauf bringt,
bis der kleine Finger" die Mündung berührt.
3 . Nun wird der ladſtod durch die leicht ges !
Abrichtung8 - Regl. f. d. Inf.
Kommando : Belehrung.
Worte.

öffnete Fauſt langſam in das Rohr gleiten ges


laſſen , und hierauf die Mündung analog !
nach Nr. 73 umfaßt.
1 Der Viſitirende fieht nun nach, ob die
Gewehre nach Vorſchrift ungeladen , oder in
Folge früheren Befehls bereits geladen ſind.
75 . » Versorgt 1. Der Ladſtock wird mit Daumen und
den - Lad - Reisefirger erariffen . Sei
stock ! « Zeigefinger ergriffen , feiner ganzen Länge
nach aus dem Laufe geſchnellt, mit geſtreck
tem Arme und voller Hand etwas unter ſei
ner Mitte erfaßt , und ein Blick auf den
Trichter gerichtet; 2 . der Ladſtock in den
ſelben geſteckt und in die Nuth hinabgedrückt,
bis der kleine Finger die Mündung berührt.
3. Hieraufwird der Ladſtock mit geſtredtem
Armeneuerdings erfaßt, ſo weit in die Nuth
gebracht , bis die Hand an die Mündung
kömmt, dann vollende verſorgt, und die Mün
dung auf die bekannte Art umfaßt.
26 . Wird dem Soldaten das Gewehr zur
äußeren Viſitirung abgenommen , ſo läßt
er es ſchnell mit beiden Händen los und
bringt dieſe an die Seite. Wird es ihm nach
der Viſitirung wieder zurückgegeben , ſo er
faßt er ſolches mit der linken Hand oberhalb
des unteren Laufringes , und bringt ſchnell
das Gewehr und die Hände in die frühere Lage.
myny » Schul 1 1. Das Gewehr wird mit der linken
tert ! «
Hand -- ſolches gleichzeitig mit dem Laufe
nach vorwärts wendend — in die ſenkrechte
Kommando
Worte. Belehrung.
Lage ſo hoch erhoben ,daß die rechte, beigeſtredis
tem Arine, den Kolbenhals umfaſſen könne,
2 .worauf dieſe das Gewehr ſo viel alsnöthig
hebtund aufdieAchſel ſinken läßt,dielinkeaber
gleichzeitig den Kolben ergreift, und das Ges
wehr in die vorgeſchriebene Lagebringt, wih
rend die rechte ſchnell an die Seite zurückehrt.
Die Viſitirung des Gewehres findet in 78.
der Regel vor jeder Ausrückung und nach :
jedem Einrücken ſtatt.
| Beim Ausrücken zum gewöhnlichen 79.
Ererciren nimmt der Soldat nach erfolgter
Viſitirung des Gewebres , auf den Zuruf des
Rommandanten : » Pfropf in Lauf!« den
Erercirpfropf aus der Patrontaſche, und ſteckt
lihn in den Lauf, worauf dann : „ Schul –
tert!« kommandirt wird .
Beim Einrücken wird die Mannſchaft,| 80.
unmittelbar nach erfolgter Viſitirung , und
nach Umſtänden veranlaßter Entladung der
Gewehre , zum Abtreten beordert ; worauf|
Ider Soldat ſogleich den Hainmer auf den
Zahn herabzulaſſen, und dann erſt abzutres
ten hat.
Wird jedoch nur vom gewöhnlichen 81.
Ererciren eingerückt, ſo kann nach Umſtänden
die Viſitirung des Gewehres unterbleiben , und
|es hat der Soldat nach erfolgtem Abtreten
den Exercirpfropf aus dem Laufe zu bringen ,
- undwieder in der Patrontaſche zu verwahren .
2 *
Rommando
Worte. Belehrung.

V . pflanzen und Verſorgen des Bajonetes.


· »Pflanzt das 1. Das Gewehr wird in dieſelbe lagel
- Bajo gebracht, wie zur Viſitirung des Ge
net ! «
webres. 2. Das Gewehr wird in den
Bug des rechten Armes fallen gelaſſen ;
die rechte Hand ergreift die Bajonetdülle,
wobei das Gewehrmäßig an den Leib gedrüdt
wird ; 3 . zieht das Bajonet aus derScheide,
und wendet es mit der Spiße aufwärts,wäh
rend die linke das Gewehr wieder ergreift,
und in die frühere lage bringt; worauf 4. die
rechte Hand das Bajonet dergeſtalt auf den
Lauf ſtedt, daß der höchſte Theil des Bajonet
wulftes gerade über dem Anfaße und der
Bajonetfeder ſtehe, dann die Dülle ſo lange
abwärts drůdt, bis die Bajonetfeder ein
ſchnappt. 5 . Das Gewehr wird ohne Kom
mando , wie nach der Viſitirung des
Gewehrs geſchultert.
83. » Versorgt 1 . Das Gewehr wird in dieſelóe lage
das — Ba
jonet!"
gebracht wie zum Pflanzen . 2 . Die rechte
Hand drückt mit dem Mittel- und Zeige
finger die Bajonetfeder einwärts, gibt mit
dem Daumen den nöthigen Gegendruck, und
hebt das Bajonet vom Laufe. 3 . Das Ges
webr wird in den Bug des rechten Armes
fallen gelaſſen , die Bajonettaſche mit der
|linken Hand hervorgezogen , und das Bajos
Kommando : Belehrung.
Worte.

net in die Scheide verſorgt. 4 . Das Ge


wehr und die Hände kommen in die im er
ſten Griffe bezeichnete Lage ; worauf 5 . wie
nach dem Pflanzen ohneKommando geſchul
tert wird .
Das Pflanzen und Verſorgen des Ba- 84.
jonetes während des Marſches erfolgt auf
ähnliche Weiſe, nur wird hierzu das Gewehr
erwas über den Boden erhoben getragen , und
der Kolben ein wenig nach rückwärts gedrückt.

VI. Fällen des Bajonetes und Schultern.


Bei dem Unterrichte iſt es nicht nöthig ,
hierzu jedesmaldas Bajonetpflanzen zu laſſen . ,
» Fällt das - 1. Das Gewehr wird in die beim ers 85.
liten Griffe von »in die Balance « erklärte
Lage gebracht und mit der rechten Hand
der Kolbenhals voll umfaßt. 2 . Die rechte
Hand zeißt das Gewehr nahe am Leibe an
die rechte Seite ; die linke fängt dasſel
be am unteren Laufringe, und umfaßt es
kräftig mit voller Fauſt. Der linke Vorarm
liegt beinahe wagrecht am Leibe geſchloſſen ;
der rechte Arm wird ſo weit abwärts und
zurückgezogen , daß der Mittelſchaft nebſt
dem Griffbügel unterhalb des 'Hüftgelenkes
zu liegen kommt; wodurch die Bajonetſpiße
ſchräge aufwärts gerichtet ſein wird. Der
lauf iſt rechts ſeitwärts , das Schloß ab
wärts gewendet.
22

Kommando:
Worte. Belehrung.
86 . » Schul – 1 . Das Gewehr wird mit beiden Hän
tert ! «
den – gleichzeitig den Lauf nach vorne
wendend – in die ſenkrechte Lage vor den
linken Schenkel erhoben ; 2. worauf es die
rechte Hand auf die Ach fel finten läßt, die
linke aber gleichzeitig den Kolben ergreift,
und das Gewehr in die vorgeſchriebene las
ge bringt , während die rechte ſchnell an die
Seite zurüdfehrt.
Während des Marſches erfolgt das Fäl
len des Bajonetes ſtets aus der Balance ;
wozu der Soldat auf das betreffende Rom
mando das Gewehr - den Lauf gleichzei
tig rechts wendend - ſchnell etwas in die
Höhe fanellt, mit der linken Hand am
unteren Laufringe, mit der rechten am Rols
benhalſe voll umfaßt, und in die vorges
ſchriebene Lage bringt; auf das : „ Halt! «
oder den während des Marſches erfolgenden
Zuruf: » Allarm !« aber augenblidlich
ſtehen bleibt, und ohne ein weiteres Kom
mando abzuwarten , ſchultert.

VII. präſentiren und Schultern .


88. Präsen - 1 1. Wie der erſte Griff von »Jällt
tirt !«
|das Bajonet!“ Das Gewehr wird in die
beim erſten Griffe von in die » Balance « ers
klärte Lage gebracht , und mit der rechten
Hand der Kolbenhals umfaßt. Dieſer Griff
iſt ſcharf marfirt auszuführen ; worauf 2 .
23

Kommando : Belehrung.
Worte.

die rechte Hand das Gewehr nahe am


Leibe in gerader Richtung abwärts zieht,
und zugleich dergeſtalt , daß der Gewehrs
riemen vorwärts ſieht , und die Spiße des
Hammerſchweifes die Weiche nächſt dem
linken Hüftknochen berührt. Die linke Hand
gleitet in demſelben Augenblide vom Kols
ben ſchnell aufwärts , und ergreift das Ge
wehr ſo, daß der kleine Finger den Umbug
der Deckelfeder berührt, die an einander ges
ſchloſſenen Finger fich mit den Spißen an
den Rand des Schaftes anklammern , und
der Daumen , einwärts am Schafte,aufwärts
geſtreckt iſt. Die rechte Hand hält in der
Lage, in welche ſie nach der Wendung des
Gewehres gelangt, den Kolbenhals leicht
umfaßt; der Daumen liegt rüdwärts , die
Mitte des Zeigefingers knapp unter dem
Griffbügel, und die übrigen Finger find
leicht an dieſen geſchloſſen . Beide Eden
bogen bleiben natürlich am Leibe. Das Ges
wehr ſteht vollkommen ſenfrecht,die Schwere
desſelben ruht in der linken Hand.
» Schul 1. Das Gewehr wird mit der linken 89.
tert ! «
Hand erhoben , bis die rechte den Kolben
hals voll umfaſſen kann ; 2. ſchnell mit
beiden Händen ſo gewendet, daß der Lauf
gerade vorwärts fieft; gleichzeitig läßt die
rechte Hand es auf die Achſel ſinken , die
linke ergreift den Kolben , und bringt das
Kommando: Belehrung.
Worte.

Gewehr in die vorgeſchriebene Lage, wäh


rend die rechte ſchnell an die Seite zurück
kehrt.
VIII. Stellen zum Gebete und Herſtellen.
Dieſer und der folgende Griff werden
aus der Stellung mit dem Gewehre „beim
Fuß« vollführt.
» Stellt euch ! Die linke Hand wird zur Salutirung )
zum – Ge lichnell erhoben .
bet ! «
90 . »Herstellt . Die linke Hand wird raſch wieder an
euch vom — die Seite herab gebracht.
Gebet !
IX . Wiederknieen zum Gebete und auf vom
Cebete.
91. »Knietnieder 1. Beide Vorfüßewerden ſchnell fo zu
zum -- Ge ſammengebracht, daß die Ballen ſich berüh
bet ! «
ren ; 2 . hierauf der rechte Fuß , und mit
dieſem der Oberleib — ohne ſich vorzubeu
gen – ſo weit zurückgenommen , und ſich
auf das rechte Knie niedergelaſſen , daß der
linke Unterſchenkel renkrecht gegen den Bo
den ſteht. Die rechte Fußſpiße wird gegen
den Boden geſtemmt. Das Gewehr bleibt
in ſeiner ſenkrechten Lage, und wird mit der
rechten Hand voll umfaßt. Die linke Hand
wird flach auf das Knie gelegt, die Finger
ſpißen in gleicher Höhe mit demſelben .
92 . » Czako oder 1. Die linke Hand ſtößt das Sturm
Grenadier
mütze - band mit dem Daumen vor das Kinn , und
ab !« ergreift hierauf den Czako links ſeitwärts berli
Stommando:
Worte. Belehrung.

Roſe fu , daß dieſe in die Gabel zwiſchen


Zeig - und Mittelfinger zu ftehen kömmt;
2 . der Czako wird ſchnell abgezogen ,und mit
der Höhlung ſo auf das Knie geſeßt, daß
er ſenkrecht aufdem Oberſchenkel ſtehe,und der
Schirm links ſeitwärts gerichtet iſt. DieGrena
|diermäße wird mit dem Daumen, Zeig- und
Mittelfinger an der Egaliſtrung erfaßt, und
auf gleiche Weiſe wie der Czako auf das
Knie gebracht.
» Czako oder 1. Der Czakowird — ohneden Kopfvor-| 93.
Grenadier
mütze - zuneigen - von vornenach rückwärts gutauf
auf !« gefeßt, das Sturmband unter das Kinn ge
zogen , und die linke Hand wieder flach
auf das Knie gelegt.
» Auf vom - 1. Wird mit einem Drucke des rechten 94 .
Gebet !
Fußballens — ohne den Oberleih vorzunei
gen – mit geradem Körper aufgeſtanden ,
der rechte Fuß an den linken gezogen , und
die vorgeſchriebene Stellung wieder anges
nommen .

X . Bum Schwören und Herftellung.


„Zum - 1. Wie das Tempo zur » Viſitirung 95.
Schwö .
ren !« des Gewehres. 2 . Die linke Hand
gleitet ſchnell am Gewehre aufwärts und
umfaßt ſoldies am mittleren Laufringe, wo
bei der Dauinen längs der Ladſtodnuth auf
wärts geſtredt wird .
26
Kommando: Belehrung.
Worte.

96 . » Czako oder 1. Die Kopfbedeđung wird auf die bes


Grenadier fannte Weiſe
mütze -
— jedoch auf der entgegen
ab ! « geſeßten Seite und mit der rechten Hand
|abgenommen , das Gewehr mit der linken
Þand , ohne Verrüdung des Kolbens , auf
den für die Rundung der Kopfbedeckung
erforderlichen Raum vom Leibe entfernt, die
Ropfbedeckung an den linken Daumen ges
ftedt, und durch dieſen an den Schaft und
in entgegengeſeßter Richtung an den Leib
gedrückt. Der Sonnenſchirm ſteht rechts ſeit
wärts. 2. Die rechte Hand wird rechts ſeit:
wärts mit dem Daumen bis in gleiche Höhe
mit dem Auge erhoben , der Daumen, Zeis
ges und Mittelfinger werden aufwärts ges
firedt, die ardern Finger aber geſchloſſen .
97. 1 » Czako oder 1. Die Kopfbededung wird auf die bes
Grenadier
mütze -
kannte Art ergriffen und aufgefeßt; das Ges
auf ! « wehr mit der linken Hand wieder an den
Leib gedrückt und mit der rechten an der
Mündung erfaßt ; worauf 2 . die linke Hand
ſolches bei natürlich gebogenem Arme wieder
oberhalb des unteren Laufringes ergreift.
98. » Schul – Wie Nr. 77 beim Gewehrgriffe »fur
tert !
|Viſitirung des Gewehrs.«
27 :
S. 9.
Unterricht im kaden und Feuern .
Der Unterricht im Laden und Feuern muß mit der 99.
äußerſten Sorgfalt betrieben werden , tamit der Soldat
lerne, ſein Gewehr als Feuerwaffe entſprechend zu gebrau .
chen , und ſolches ſelbſt in der Hiße des Gefechtes gehörig
und ohne übereilung zu 'laden und abzufeuern ; was ihm
das nöthige Vertrauen zu ſeiner Waffe geben , und in jeder
GefahrMuth und Entſchloſſenheit in ihm aufrechterhalten wird .
Bei dem erſten Unterrichte ſind die Ladungstempo gleich : 100 .
fals mit zergliederten Griffen aufs Vorzählen , dann nach
vorausgegangenem Aviſo der Tempo , dieſe aufs Zählen
von Eins — Sechs , und endlich ohne Aviſo blos aufs Zäha
len zu üben . Hierbei wird anfangs langſam , dann aber
immer ſchneller gezählt , bis der Soldat die Fertigkeit er:
langt , die Lempo nach einander ſchnell, jedoch genau und
ohne Übereilung auszuführen ; worauf das Zählen ganz auf
hört, und nach vorausgegangenem Aviſo : »Ladet!* die Aus
führung der Ladungstempo ununterbrochen ſtattzufinden hat.
Der erſte Unterricht im Laden iſt mit hölzernen — 101.
nach Art der wirklichen – mit Papierhülſen und Zünder
berſehenen Patronen zu ertheilen .
Hat der Soldat bereits hinlängliche Fertigkeit erlangt, 102,
ſo iſt mit blinden , endlich mit ſcharfen Patronen zu laden
und zu feuern .
Kommando.
Worte . Belehrung.

I. Laden des Gewehrs.


» La - det!« 1. Der Soldatvollführt die Halbrechts- 103.
wendung und ſtellt gleichzeitig den rechten
Fuß , ohne ihn zu verdrehen , ungefähr
auf die eigene Schuhlänge gerade zurück.
Kommando:
Worte. Belehrung.
2 . Das Gewehr wird in die beim erſten Griffe
von » In die Balance« erklärte Lage ges
bracht , und mit der rechten Hand der Kols
benhals umfaßt. 3. Die rechte Hand zieht
den Kolben nahe am Leibe gegen die rechte
Hüfte, die linke erfaßt das Gewehr ſchnell
am unteren Laufringe ; der linke Elen
bogen bleibt an den Leib geſchloſſen . Das
Seitenblech liegt an der Magengrube , die
linke Hand iſt in gleicher Höhe mit der Ach
ſel,und das Gewehr in ſeinerſdrägen Lage
gerade vorwärts gerichtet. Der Daumen der
linken Hand liegt ſammt dem Ballen längs
des Schaftes , die übrigen Finger – an eins
ander geſchloſſen — umklammern den Schaft,
ohne den Lauf zu berühren . Die rechte Hand
bat den Kolbenhals umfaßt, der Eſenbogen
bleibt in ſeiner natürlichen Lage. 4 . Die
rechte Hand wird vorwärts an das Schloß
gebracht , der Daumen gegen den Hammer
kopf gedrückt, das Mittelglied des gekrümm
ten Zeigefingers unter den Hebelsarm gelegt ;
ſodann 5 , mit einem raſchen Druckeaufwärts
der Deckel geöffnet. Nach bewirktem Öffnen
des Dedels bleibtder Daumen an dem Ham
mertopfe , die übrigen Finger in ihrer ge
krümmten Lage ſeitwärts desſelben .
104. » Ergreift die . 1 . Die rechte Hand wird nahe am
e — Leibe zurüdgezogen , der Patrontaſchendedel
Eins !«
mit verkehrter 'Hand geöffnet; in dem Kaſten |
Kommando: Belehrung. :
Worte.

eine Patrone mit voller Hand ergriffen , ges


gen die Pfanne gebracht, und daſelbſt, –
wenn dieß nicht ſchon der Fall iſt, — ſahnelll|
derart in der Hand gerichtet, daß die Kugel
an den kleinen Finger anſtehe, und das obere
Ende der Pulverladung - der Umbug der
Papierhülſe aufwärts befindlich — zwiſchen
Daumen und Zeigefinger gehalten werde.
2. Der Umbug der Papierhülſe wirdmit dem
Daumen aufgeſtoßen und mit Hilfe des Zeiges
fingers vollends umgebogen , ſodann
der Zündermit dem Daumen und Zeigefinger
an ſeinem rückwärtigen Ende ergriffen , wäh:
rend dię Patrone in der hohlen Hand bleibt.
1. Zünder in 1 1. Der Zünder wird - - bei etwas gegen | 105 .
die Pfanne! den Leib gewendetem Gewehre — nach ſeiner
- Zwei!«
ganzen Länge in Kern und Pfanne eingeführt,
(wird gedehnt.)
der Zünderdrath mit dem Daumen knapp an
der Pfanne herabgebogen und an dieſe feſts
gedrüdt; die Finger werden geöffnet und
mit dem Mittelgliede des gekrümmten Zeis
gefingers der Drath der freiſchwebenden Pa
trone unter die Pfanne gedrückt. 2. Der
Dauinen wird auf den Hebelsarm gebracht,
der Deckelmit einem kräftigen Drucke geſchloſs
ſen , und ſodann mit dem Daumen von außen
gegen den Lauf gedrückt ; die Patrone aber
mit Daumen und Zeigefinger knapp ober dem
Pulver erfaßt, feſt zugehalten , und — mit:
telſt eines raſchen Zuges nach rüdwärts —
Kommando :
Worte. Belehrung.
von dem Zünder getrennt. Das Gewehr wird
fonad wieder gerade gewendet. 3. Hierauf
kömmt die rechte Hand an den Kolbenhals ;
die Patronewird mit dem Daumen , Zeiges
und Mittelfinger - gut geſchloſſen - auf
wärts gehalten , und während die leßten zwei
Finger den Kolbenhals umklammern , ruht
der Ballen der Hand auf demſelben .
106 . » Schwenkt 1 1. Die rechte Hand drüdt den Kolben
zur Ladung
- Drei ! «
- ſo weit der Arm reicht -- 'abwärts gegen
den linken Schenkel, und wendet gleichzeitig
das Gewehr in der linken Hand ſo, daß der
lauf vorwärts , der Riemen gegen den
Leib zu ſtehen komme, wobei das Gewehr
durch die leicht geöffnete linke Hand gleitet,
und mit dieſer oberhalb des unteren Lauf
ringes umfaßt wird. 2 . Das Gewehr wird
mit der linken Hand auf die nämliche Art
ſachte auf den Boden geſtellt, und in dieſelbe
lage gebracht, wie bei der » Viſitirung des
Gewehres« , während die rechte das Rohr
an der Mündung mit den leßten zwei Fin
gern leicht umfaßt. Hierauf gleitet die linke
Hand idnell am Gewehre aufwärts , und
ergreift es knapp unterhalb des oberen Lauf
ringes zwiſchen dem Ballen des Daumens
und den lekten drei Fingern ſo, daß der
Daumen und Zeigefinger vorwärts des lau
fes zu ſtehen kommen . Der linke Ellenbogen
|bleibt am Leibe geſchloſſen . 3 . Die Patrone
Kommando: Belehrung.
Worte.

wird nun gegen die linke ŝand gebracht,


mit dieſer der Umbug der Papierhülſe zwi
ichen dem Daumen und dem zweiten Gliede
des Zeigefingers knapp am Pulver erfaßt;
und die Hülſe, durch ein raſches Drehen der
rechten Hand von außen gegen den leib, ab
geriſſen . Nach dem Abreißen wird das Ges
wehr mit der linken Hand , - ohne deren
|Lage zu verändern , - voll umfaßt, mit der
rechten aber die Patrone, damit kein Pulver
verſtreut werde, zwiſchen Daumen und Zeis
geſinger gut zuſammengedrückt , und rechts
ſeitwärts des Laufes in gleicher Höhe mit
der Mündung gehalten ; wobei die mittleren
Glieder der Finger den Lauf leicht berühren .
Sollte wegen Steifheit der Finger der
linken Hand,wie z. B . bei ſtarker Kälte u . f. w .,
das Abreißen der Patroneauf die vorbeſchries
bene Art nicht leicht ausführbar ſein , ſo iſt
| es dem Manne geſtattet, den Umbug der Pas
|pierhülſe zwiſchen den Zähnen knapp am
Pulver zu erfaſſen , und die Hülſe, durch ein
raſches Abwärtsdrehen der rechten Hand -
von der rechten gegen die linke Seite, – ab
zureißen .
» Patrone in Der rechte Ellenbogen wird erhoben , 107.
Lauf -
Vier ! “ und damit kein Pulver verſchüttet werde,
(wird gedehnt.) die Patrone — zuſammengedrüđt — in den
Lauf gebracht, zwiſchen Daumen und Zeige
finger, um ihr die Rundung zu geben , etwas
fommando :
Worte. Belehrung.

gedreht, ſorgfältig ausgebeutelt ; das Ses


wehr mit der linken Hand etwas erhoben und
mit einem leichten Stoße wieder zu Boden
gefeßt; hierauf die Kugel mit dem Zeigefins
ger in den lauf hinabgedrückt, und dann der
Ladſtock auf die bekannte Art ergriffen .
108. » Ladstock in 1 . Der Ladſtock wird -- wie bei der
Lauf Viſitirung des Gewehrs Nr. 174 erklärt —
Fünf ! «
aus der Nuth gezogen und in den Lauf ges
bracht , dann die Patrone ſo lange hinab
gedrückt, bis der kleine Finger die Mündung
berührt; worauf 2 . die rechte Hand, bei ges
ſtredtem Arme, das obere Ende des Lad
ſtodes wieder ergreift, und die Patrone mit
voller Gewalt in die Pulverkammer hinab
ſtößt.
109. | »Setzt an und 1. Der Ladſtock wird ungefähr eine
versorgt, den Spanne erhoben und kräftig auf die Patrone
Ladstock ! -
Sechs !« geſtoßen , wobei man die Finger ſchnell log- |
läßt; dann 2 .nach der bekannten Art verſorgt,
worauf die linke Hand ſchnell am Gewehre ab
wärts gleitet, und dieſes bei natürlich ges
ſtredtem Armewieder umfaßt.
110 . | Um die Gleichheit der Schüſſe zu beför:
dern , muß die Kugel ſtets gehörig auf die
Pulverladung gedrückt, und gleichmäßig an
gefeßt werden , was der Soldat dapurd ers
kennt, wenn der Ladſtod jedesmal auf gleiche |
Länge aus der Mündung Hervorſteht.
Kommando:
Worte. Belehrung.

» Schul Der Soldat herſtellt ſich durch die Halb - 111.


tert !« -|linkswendung , mit gleichzeitigem Anziehen
des rechten Fußes, in die Front, und bringt
das Gewehr, wie auf dieſes Rommando nach
der Viſitirung des Gewehres, aufdie Schulter.

II. Feuern .
»Habt Acht !« Dient als Avertiſſement zur Verſtändi- 112.
Feuern !«
gung des Soldaten .
|» Fertig !* 1. Körper und Gewehr kommen in dies | 113.
felbe Lage, wie auf die erſten drei Griffe
von » ladet; « worauf 2 . der Hammer ge
ſpannt , und der Blid auf den fürgewählten
|Zielpunkt gerichtet wird.
Zum Spannen des Hawmers wird der|114.
Daumen der rechten Hand auf den Hammer
ſoweif gebracht, und der Zeigefinger außers
balb der vorderen Wölbung des Griffbügels
ganz ausgeſtreckt , während die drei andern
Finger knapp hinter demn Griffbügel liegen
und den Kolbenhals dort möglichſt umfaſſen .
Der Haumer wird langſam zurück gezogen ,
bis man das Eingreifen des Stangels in
die Hinterraft hört; hierauf der Kolbenhals
umfaßt, wobei der Zeigefinger auswärts
|des Griffbügels ausgeftredt bleibt.
:.,,..Um den Soldaten zu lehren , wie er 113
. den Hammer aus der Spannung wieder in
. . die Ruberaſt zu bringen hat, wird aviſirt:
El Hammer in die Ruhe !* .
Abrichtungs- Regl, f. $. Iuft.
Kommando:
Worte.
Belehrung.

1. Der Solbat bringt die Finger der


rechten Hand in die zum Spannen des Ham
mers vorgeſchriebene Lage , zieht den Hams
mer – noch über die Hinterraſt hinaus –
zurück , legt aber gleichzeitig das Mittelglied
des Zeigefingers an das Züngel , und drüdt
dieſes mit angemeſſener Kraft ſo lange zurüd,
bis der Hammer - von dem Daumen nur
allmälig vorgelaſſen - langſam an den
Zahn gelangt; worauf der Zeigefinger wies
der an die Wölbung des Griffbügels zurüd
fehrt , der Hammer neuerlich ſo weit zurücks
gezogen wird , bis man das Eingreifen des
Stangels in die Ruheraſt hört, und ſodann
die rechte Hand den Kolbenhals umfaßt.
Zur mehreren Sicherheit kann der Soldat
während dieſes Griffes auf das Schloß hers
abblicken . 2 . Hierauf herſtellt ſich derſelbe
Trogleich mittelſt der Halblinkowendung in
die Front , zieht den rechten Fuß an den
linken , und bringt das Gewehr auf ähnliche
Art in die vorgeſchriebene Lage auf die linke
Schulter , wie auf Schultert« nach
»Fällt das Bajonet.« Nun wird neuers
lich » Fertig « kommandirt , und der Un
terricht fortgeſeßt.
116 . An !« Der linke Arm wird vorwärts geſtrect,
(wird
de im in Berhält
der Fol gleichzeitig erhebt die rechte Hand den Kol

niß zur Abthei- ben an die Adſel , wodurch die innere Kol
lung gedehnt
ausgeſprochen.) benfläche an den Baden , und das Gewehr
in eine wagrechte lage kommt. Die linte
Kommando.
Worte . Belehrung.

Hand, welche unverändert am unteren Lauf


ringe verblieben iſt , unterſtüßt das Gewehr,
zu welchem Ende der Ellenbogen etwas nach
einwärts gedrüdt wird . Die rechte Hand
hält den Kolbenhals gut umfaßt und drückt
die Kolbenſpiße bis zur Kolbenblattſchraube
feſt an die Adſel , während der Zeigefinger
innerhalb des Griffbügels mit dem Mittel
gliede leicht an das untere Ende des Zün
geld gebracht wird. Der Lauf muß voltom
inen gerade aufwärts gerichtet, nämlich wes
der rechts noch links gewendet ſein , ſo zwar,
daß das Korn ſenkrecht und das Abſehen wag
recht ſtehe. Die Schwere des Körpers rugt
gleichmäßig auf beiden Füßen .
Nun wird der Kopf vors und rechts 117
ſeitwärts geneigt, das linke Auge geſchloſ
ren , und init dem rechten durch den Eins
ſchnitt des Abſehens und die Mitte des Kors
nes auf den dem Soldaten vorher bezeich
neten Punkt gezielt. Der Kopf darf hier:
bei jedoch nur ſo viel geneigt werden ,
daß die Naſe nicht an das Gewehr
komme , widrigenfalls dieſe beim Abfeuern
durch den Rüdſtoß beſchädigt werden
könnte.
Soll der im Anſchlage befindliche Sol- 118.
dat das Gewehr wieder in die Lage von
» Fertig« bringen , ſo wird : »Setzt — ab !«
kommandirt. Dieſes Kommando iſt über
3 *
36

Kommando:
Worte. Belehrung. I
haupt ein gutes Mittel, um Aufmerkſamkeit
und pünktliche Folgeleiſtung zu bewirken.
Nachdem der Soldat hieraufwieder zum
Anſchlagen beordert worden , erfolgt das
Rommando:
119. »Feuer la Ohne das Gewehr aus feiner Lage zu
bringen , drüđt der Soldat---die möglichſte
Ruhe beobachtend - das Züngel mit an
gemeſſener Kraft rückwärts , bleibt nach er
folgtem Abdrüden - ſo lange man unges
|fähr : Eins, zwei, drei zählt — im An
ichlage; bringt hierauf das Gewehr ſchnell
in die Lage von » Fertig « , zieht den Ham
mer in die Ruheraſt zurück , öffnet den Des
del, und richtet ſeinen Blick auf die Pfanne,|
um fich zu überzeugen , ob der Schuß abges
gangen ſei; was er datan erkennt, wenn
aus der Rernhöhlung Rauch entweicht. Nun
wird der entladenie Zünder aus der Pfanne
gezogen , oder wenn er ſich auf dieſe Art
• nicht beſeitigen ließe, hierzu das Schloß ab
wärts gewendet und mit dem Ballen der
frechten Hand ein Schlag auf das Seitenblech
: fangebracht. Adenfalls zurückbleibende Zün
: ! . . derſplitter werden mit der Raumnadel ents
fernt. Nach Beſeitigung des erplodirten Zün:
ders , verbleibt die rechte Hand in der nach
dem Öffnen des Pfannendedels vorgeſchrie
benen lage, und der Soldat erwartet die
weitere Anordnung zum Laden .
120 . Sit der Schuß nicht abggeangen , rol
37

Kommando:
Worte. Belehrung.

wird der Zünder, — er mag explodirt haben


oder nicht, — beſeitigt , und durch einen Re
ſervezünder erfeßt. Hat jedoch der Zünder
erplodirt, ohne den Schuß zu hebert, ſo muß
nach der Wechslung des Zünders jederzeit
zur Ladung geſchwenkt, und die Patrone
mit dem Labſtode nochmals angeſeßt werden .
Wenn nach längerem Feuern die Pfanne 131.
ſehr beſchmußt iſt, ſo werden die Bađen
derſelben , fammt dem ſichtbaren Theile des
Rorns , mit dem Daumen der rechten Hand,
welcher hierzu im Munde befeuchtet werden
kann , abgewiſcht.
- Werden nach dem Feuern die Ladungs - 183.
tempo mit Aviſiren und Zählen , oder mit
zählen allein geübt, ſo iſt nach beendeter las
1
dung nicht: » Schultert, ſondern : »Fers
tig“ zu kommandiren ; worauf der Soldat
das Gewehrauf nachſtehendeArt: » Fertige
nimmt:
Die linke Hand bringt das Gewehr ges 123 .
gen die rechte Seite , wobei ſie es etwas in
die Höhe ſchnellt (ſchupft), am untern Lauf
ringe erfaßt, und gleichzeitig ſo wendet, daß
das Schloßblech gegen den Leib gekehrt ſei,
während die rechte Hand — mit zum Ham
merſpannen bereit gehaltenen Fingern - es
am Schloffe erfaßt ; worauf der Soldat das
Gewehr und die linke Hand in die für
»Fertig« vorgeſchriebene Lage bringt, und/
den Hammer ſpannt.
38

Kommando:
Worte. Belehrung.
124 . Ergeht nach dem Abfeuern der Zuruf:
» Ladet!« , ſo hat der Soldat die Ladungs
tempo — ohne ein weiteres Aviſiren oder
Vorzählen derſelben abzuwarten - ununter
brochen , möglichſt ſchnell, jedoch genau und
ohne Übereilung -- auszuführen , nach dem
Verſorgen des Ladſtocks ſogleich auf die
vorgeſchriebene Art » Fertig« zu nehmen ;
dann aber mit Fertig gehaltenem Gewehre
ftets ſo lange ſtehen zu bleiben , bis das
Kommando : » An !“ erfolgt.
125 . Soll das Feuern eingeſtellt werden ,
ſo wird : » Halt !“ (gedehnt auszuſprechen )
zugerufen . Auf dieſen Zuruf hat ſich der
Soldat folgendermaßen zu benehmen :
1. Iſt er im Anſchlage, ſo bringt er das
Gewehr in die Lage von » Fertig , feßt
den Hammer in die Ruheraft, und ſchultert.
2 . Steht er mit fertigem Gewehre, 1o
feßt er gleichfalls den Hammer in die Ruhes
raft, und ſchultert.
3. Iſt er im Laden begriffen , ſo
ſchultert er nach deſſen Vollendung.
1 4 . Hat er eben abgefeuert , ro ladet
er ſchnell und ſchultert hierauf; daher nach
eingeſtelltem Feuer das Gewehr ſtets gela
den ſein muß.
S . 10 .
Generals Decharge.
196 . Die General - Decharge iſt entweder ein
Freudenfeuer, oder eine Ehrenbezeigung bei
39

Kommando:
Worte. Belehrung.
feierlichen Gelegenheiten ; daher die betref=
fenden Griffe ſtets raſch und mit Präciſion
ausgeführt werden müſſen .
» Habt Acht!« Erfolgt nach Nr. 151. 127 .
» Zur Gene
ral - De
charge !*
» Fertig !
» Hoch an !« Das Gewehr wird dergeſtalt ſchräge 138.
ſprochen .) ser aufwärts in Anſchlag gebracht , daß der
Soldat -- ohne den Kopf zu erheben oder
die Stellung des Oberleibes zu verrüden .
noch über das Abſehen und Korn wegſehen
fann ; worauf erſt das Mittelglied des Zeiges
fingers an das Zingel zu bringen iſt.
» Feuer !« Der Soldat zieht raſch an dem Züngel, 129.
bringt nach erfolgtem Abfeuern das Gewehr
ſchnell in die Lage von » Fertig ,« und um
faßt mit der rechten Hand den Kolbenhals .
Schul - Erfolgt die Herſtellung in die Front| 130.
tert ! « und das Schultern des Gewehres auf die
bekannte Art.
Nach der General- Decharge wird jeder- 131.
zeit präſentirt. Erfolgt hierauf neuerlich
das Kommando zum Laden , ſo hat der Soldat
nach dem Herabbringen des Gewehres den
Hammer in die Ruheraſt zurüđzuziehen ,
und nach erfolgtem Deffnen der Pfanne
den erplodirten Zünder zu beſeitigen. I

Wenn nicht im Feuer erertirt wird , ſo hat bei der 132.


Uebung der Lad - und Feuergriffe , mit Ausnahme der
40
General - Decharge, das Aufziehen und Abdrücken des Ham
mers ganz zu unterbleiben , und nur bei der Ausbildung
der Rekruten anfänglich in ſo lange ftattzufinden , als zur
Ginübung unumgänglich nöthig iſt.
133. Die in dieſem Abſ &nitte feſtgeſeßte Reihenfolge iſt bei
der Ausbildung des Soldaten unter den gewöhnlichen Ver
hältniſſen unbedingt genau einzuhalten ; ſollten jedoch beſon
dere Umſtände eintreten , welche eine Abweichung davou räth
lich , oder gar nothwendig machen , ſo bleibt die Anordnung
der dem jeweiligen Zwecke entſprechenden Modifikationen ,
dem Ermeſſen der Truppen - Kommandanten anheiingeſtellt.
S . 11.
Vom Zielen und Treffen .
134 . Der Soldatmuß ſeiner Beſtimmung gemäß im eigentlichen
Mgemeine
Bemerkungen. Sinne des Worts ſchießen , d. 5 . den in der Entfernung
der Rernſchußweite über das Abſehen und das Kort aufs
Ziel gefaßten Feind mit Sicherheit, entferntere Gegens
ſtände aber noch mit ziemlichem Erfolge treffen lernen .
135 . Hierzu iſt es erforderlich, daßman dem Soldaten, nach
Maß ſeiner Verſtandeskräfte, vorerſt flare und richtige Bes
griffe von der Wirkung des Pulvers, von der Bahn der ab
geſchoſſenen Kugel , von der Richtungslinie des Anſchlages
und den Schußweiten beibringe.
136 . Die Unteroffiziere , ganz vorzüglich aber die Offiziere,
welch ' leşteren die Belehrung der Chargen obliegt , müſſen
daher eine genaue Kenntniß von Allem befißen , was ſich auf
die Einrichtung , den Gebrauch und die Wirkung des Feuer
gewehres bezieht.
137. Jedermann weiß, daß irgend eine Rraft nothwendig iſt,
Kraft des
Pulvers. um einen Körper in Bewegung zu ſeßen . Für die Feuerwaffen
beſteht die Kraft in dem Schießpulver (einer ſorgfältigen
Miſchung von Salpeter ,' Schwefel und Kohle) , welches die
Eigenſchaft beſikt, daß es durch den kleinſten Feuerfunken ,
felbſt in einer großen Menge , faſt augenblidlich zuſammens
brennt, und wenn die Entzündung im Freien ſtattfindet ,
in dampfförmiger Geſtalt verflüchtiget. Geſchieht jedoch dieſe
Entzündung innerhalb eines nach allen Seiten geſchloſſenen
Ranmes , fo ſucht das entzündete Pulver vermöge ſeiner Elas
ſtizität, ſich nach allen Seiten gleichmäßig auszudehnen , und
wird den einſchließenden Körper ſtets an ſeiner ſchwächſten ,
nämlich an der den geringſten Widerſtand leiſtenden Stelle
ſprengen oder durchbrechen .
Bei dem geladenen Feuergewehre befindet ſich das Puls 138.
ver an dem unteren Ende des Laufes , nämlich in der Rammer,
und wird von dieſer und der auf dem Pulver gelagerten Ku
gel eingeſchloſſen .Erfolgtdie Entzündung des Pulvers, ſo wird,
nach obiger Theorie, deffen Kraft hauptſächlich auf die Stelle
des geringſten Widerſtandes, hier alſo auf die Kugel wirken ,
und dieſe mit großer Schnelligkeit aus dem Laufe treiben .
Jeder durch eine Kraft fortgetriebene Körper bewegt 139.
we Anfängliche
fich nothwendigerweiſe in der Richtung, welche er durch jene niditu
Kraft erhält. Da nun die Rugel im Rohre, in der Richtung Kugel.
des Laufes getrieben wird, ſo muß fie auch außerhalb des
felben dieſer urſprünglichen Richtung ſo lange folgen , bis
fie durch eine andere Kraft in dieſer Bewegung aufgehalten , . .
oder von derſelben abgelenkt wird. . .
Denkt man ſich durch die Mitte des Laufes, vom Pulvers Achſe
140. des
Facke bis zur Mündung eine gerade Linie a b , ſo heißtman Robred.
dieſe die Adfe des Robres , und ihre Verlängerung, Achſenlinie.
Hofer
b , c, C, c, die Achſenlinie. Die abgeſchloſſene Kugel Fig. 1 .
wird fich alſo im Laufe, nach der Richtung der Achſe, außer
halb desſelben nach jener der Adſenlinie bewegen . Demunadh
kann man ſagen :
Die anfängliche Bewegung der Kugel ge;
foieht in der Richtung der Achſenlinie..
• Denkt man ſich einen wagrechten Boden x y, 4'/, Fuß 141.
über demſelben -- d . i. in der gewöhnlichen Anſchlaghöhe Bewegung der
Rundezu holae
einer Mannes mittlerer Größe, - die Achſe eines Feiterges derErfahrung.
42

wehres wagrecht, wie a b, und daherdieAchſenlinie b, c, c, c,


gleichlaufend mit dem Boden xy; ſtellt man ferner von 50
zu 50 Schritten auf den mit D , E , F 16. bezeichneten
Punkten , mit Papier überzogene Rahmen als Scheiben auf;
bemerkt auf dieſen die gleich hohen Punkte c , nämlich wo
die Achſenlinie dieſe Scheiben durchſchneidet, und feuert dann
das Gewehr ab ; ſo trifft die abgeſchoſſene Kugel die Schei
ben auf folgendeWeiſe :
Nach den erſten 50 Schritten ſtedt die Kugel nur wenig
unterhalb der Achſenlinie ſo , daß man annehmen kann, fie
habe ſich bis dorthin ganz in der anfänglichen Richtung bewegt;
nach 100 Schritten ſteckt dieſelbe ſchon tiefer u. .. ., bis fie
endlich nach 300 Schritten ganz auf den Boden fällt. Ver
bindetman nun die Punkte k , l,m , n , o und p , - wo die ab
geſchoſſene Kugel die aufgeſtellten Scheiben getroffen hat, -
ſo zeigt die ſo erhaltene Linie die Flugbahn der Kugel
oder die S dublinie an,welche wie aus der Zeichnung zu
erfehen – eine krumme Linie iſt, die nur eine kurze Strecke der
Richtung der Achſenlinie folgt, dann aber fortwährend ſich
unterhalb derſelben ſenkt, biß fie endlich den Boden erreicht.
142. Die Urſache dieſer allmäligen Senkung der Kugel liegt
Urſache der
den in" ihrer
almaligen y eigenen
" " Schwere,
www vermöge welcher fie, wie jeder
Sentung der anderenicht unterſtüßte Körper,während ihrer Bewegung durch
Kugel.
die Luft, fich nach abwärts ſenken , oder fallen muß. Außer
dem feßt auch noch die Luft der Bewegung der Kugel eini
gen Widerſtand entgegen , und vermindert deren Geſchwin
digkeit in dem Maße , als die Kugel ſich von der Mündung
entfernt.
143. Die Flugbahn der Kugel (Kugelbahn ) iſt daher eine
eigenthümliche, unter der Achſenlinie liegende krumme Linie ,
welche durch die drei Kräfte : 1 . Triebkraft des Bulvers,
2. Widerſtand der Luft und 3 . die eigeneS were der Rus
Sin ' s gel bedingt wird; ſo zwar , daß die erſte dieſer Kräfte die
Kugel in der Richtung der Achſenlinie vorwärts treibt, die
43

zweite die Bewegung derſelben in dieſer Richtung allmålig


verzögert , die dritte endlich die Kugel von dieſer Richtung
allmälig ablenkt und nach abwärts zieht.
Erhebt man das Rohr über die wagrechte Lage , oder 144.
ſenkt man es unter dieſelbe , ſo wird, die Kugelbahn , obwohl bei
fie im erſten Falle ſtärker , im lekteren ſchwächer gekrümmtoder
Achſengeſenkter
linie.
iſt, den wie früher wagrecht angenomm enen Boden im er
ſten Falle – jedoch nur bis zu einer Erhebung des Roh
res von 45 Graden - ſpäter , alſo an einem entfernteren
Punkte, im leßteren aber früher , nämlich an einem näher
liegenden Punkte erreichen .
Man erreicht daber mit erhöhtem Robre, 145.
und zwar bis zu einem Winkel von 45 Graden ,
eine größere,mit geſenktem Rohre eine kleinere
S dußweite, als beiwag redter lage desſelben .
Um das Gewehr entſprechend auf den zu treffenden 146.
mie bereita heim Roses Viſirlinie und
Gegenſtand zu richten , ſieht man , wie bereits beim Laden
und Feuern erklärt worden , über die an beiden Endpunk- Pian I .
ten des laufes angebrachten Erhöhungen ; von welchen die ***
rüdwärtige d das Abſehen, die vordere e das Korn , und
die von dem Auge des Schüßen , durch den Einſchnitt des
Abſehens und die Mitte des Kornes , nach dem zu tref- .
fenden Gegenſtande gedachte Linie KL die Viſirlinie ge
nannt wird .
Da der Einſchnitt des Abſehens, wegen der größe- 147.
ren Dicke des Laufes am unteren Ende, um vier Linien höher
über der Adſenlinie ſteht, als die Mitte des Rorns ; lo
ergibt fich hieraus , daß die Viſirlinie und die Adſenlinie
mit einander nicht parallel laufen , ſondern ſich etwa neun
Schuh vor der Mündung durchſchneiden , und dort einen
ſpißen Winkel dgf bilden , welchen man den Kernwinkel
nennt, von deſſen Scheitel g angefangen , fich die Achſen
linie immer mehr über die Viſirlinie erhebt.
44
148.
Viſtrlinie und
Vergleicht man ferner die Lage der Kugelbahn mit
Rugelbahn." der Viſirlinie , ſo zeigt ſich , daß die erſtere anfänglich - -
gleich der Achſenlinie - die Viſirlinie vor der Mündung
in dem Punkte g durchſchneidet, von hier aus eine Zeit
Tang über die Viſirlinie erhoben bleibt, fich dann allmälig
ſenkt , die Viſirlinie zum zweitenmal in einem Punkte h
durchſchneidet, und von dort aus fortwährend unterhalb
derſelben bleibt.
· 149. Stellt man auf die Punkte M , N , O, P Scheiben
Jan . auf, oder benkt man ſich auf jenen Punkten einzelne Sol
Fig . 2 .
daten aufgeſtellt , und viftrt immer auf einen gleichhoch
über den Boden erhabenen Punkt, z. B . immer auf die
Bruſt des Mannes , oder das in gleicher Höhe angebrachte
Schwarze der Scheibe ; ſo wird man in Mund 0 dort
treffen , wohin man gezielt hat,während man zwiſchen M und
.. : 0 , . B . in N höher, jenſeits 0 , 3. B . in P , tiefer trifft.
150. Der Punkt h , wo die Kugelbahn die Viftrlinie zum
zweitenmale durchſchneidet, heißt der Vifir- oder Kernſchuß ;
weil man dorthin trifft, wohin man gezielt hat, nämlich
der Treffpunkt daſelbſt mit dein Zielpunkte zuſammenfällt.
151. Wird demnach auf verſchiedene Entfernungen ein gleich
Beſtändiger
veränder: hoher Zielpunkt angenommen , ſo wird man auf Viſirſchußs
licher Ziels meita base esan
punft. weite den Gegenſtand dort treffen , wohin man gezielt,
dießſeits derſelben aber – außer ganz nahe vor der Mün
si bung - höher , jenſeits dagegen tiefer treffen , als man
gezielt hat. Wil man daher auf verſchiedene Entfernungen
der Gegenſtand immer auf den nämlichen Punkt treffen ,
d . h. den Treffpunkt unverändert beibehalten , ſo muß
dießſeits der Viſirſchußweite verhältnißmäßig tiefer, jenſeits
berſelben aber höher gezielt werden , als man treffen will ;
was ſich aus der Fig . 2 recht gut erſehen läßt, wenn
man nämlich die dort gezeichnete Rugelbahn mit der Wi
ſirlinie vergleicht.
45

Diefer unveränderliche Treffpunkt iſt für den Solda- 152.


ten die Bruſt des Gegners , da ſie die größte Fläche
bietet, und der hier getroffene Gegner am ficherſten kampfs
unfähig wird .
Bei dem Infanterie-Gewehre iſt die Viſir- 153.
foußweite, — nämlich der Punkt h , - 150 S dritte Suste
" über das
von der Mündung entfernt; woraus fich für das Zielen der
Feuergewehr
Infans
und Treffen folgende Regeln ergeben : terie.
Um die Bruft des Gegner zu treffen , zielt man : 154 .
auf 100 S dritte auf den Unterleib ; auf 150 bis 200
Schritte auf die Bruſt ; auf 250 Schritte auf den
Kopf; auf 300 Schritte auf den höchſten Theil der
Kopfbedeckung.
Auf leßtere Diſtanzen kann ſich der Mann übrigens 156 .
dadurch helfen , daß er beim Zielen das Rorn voll nimmt,
nämlich das ganze Rorn über den Einſchnitt des Abfes
þens hervorſehen läßt ; wodurch die Schußlinie verbälmiß
mäßig gehoben wird.
Obwohl die Kugel hinlängliche Triebkraft hat , um 156 .
bei gehörig erhöhter Lage des laufes , ſelbſt in einer Ent:
fernung von 800 Schritten und darüber , den Gegner zu
treffen und wirkſam zu beſchädigen , fo nimmt man doch
die Schußweite gegen Infanteriſten , und wo es fich um
gezielte Schüſſe handelt , höchſtens auf 300 Schritte an,.
weil bei größerem Abſtande der Zielpunkt über der Kopfs
bedeđung des Gegners , alſo außerhalb des zu treffenden
Gegenſtandes , gewählt werden müßte, welches ſchwierig zu
bewirken wäre. Reiter können jedoch von guten Schüßen
auch in größerer Entfernung beſchoſſen werden , da ſie hö
her über dem Boden ſtehen , und überdieß ihre Pferde grös
Bere- Flächen bieten ,alſo auch leichter getroffenwerden können .
Außer dieſen Hauptregeln für das Zielen und Treffen , 157.
kömmtnoch Folgendes für beſondere Fälle zu berückſichtigen :
1. Wenn man aufwärts, nämlich auf hochſtehende
Gegenſtände ſchießt , muß man verhältnißmäßig höher ,
a b w arts aber tiefer zielen , als bei gleicher Entfernung des
zu treffenden Gegenſtandes auf wagrechtem Boden ; weil
im erſteren Falle die Schwerkraft der Kugel mehr, im leßte
ren weniger hemmend auf deren Bewegung einwirkt.
2 . Beim Schießen über ausgedehnte Waſſerflächent
muß man in der Regel etwas höher zielen , als über den
ebenen Boden , weil man auf dem gleichförmigen Waſſer
ſpiegel, wegen Mangel an Zwiſchenpunkten , die Diſtanzen
meiſtens zu kurz ſchäßt.
3. Zieltman auf in der Bewegung begriffene
Gegenſtände, ſo muß man , im Verhältniß der Schnel
ligkeit ihrer Bewegung , etwas vorhalten und abdrüden.
Entfernt ſich ein Gegenſtand, ſo muß etwas höher, n äs
hert ſich derſelbe , - Yo muß etwas tiefer gezielt werden.
4 . Beibeftigem , von der Seite einfallendem
Winde muß man in der Richtung , von welcher der Wind
kommt, etwas von dem eigentlichen Zielpunkte abweichen , weil
die Kugel durch deſſen Einwirkung feitwärts getrieben wird.
168. Um wie viel in den obigen Fällen beim Zielen auf
verſchiedene Diſtanzen höher oder niederer angeſchlagen
werden müffe , läßt ſich mit beſtimmter Genauigkeit um ſo
weniger angeben , als die , wenn auch geringen Abwei
chungen in der Konſtruktion des Gewehres , die ſtärkere
oder ſchwächere Beſchaffenheit des Pulvers , ein feuchter
oder windiger Lag u . f. w . eine entſchiedene Einwirkung
auf den Trieb des Pulvers und den Flug der Kugel
haben . Der Soldat muß daber bemüht ſein , die Eigenſchaf
ten ſeines Gewehres durch praktiſche Verſuche jeder Art kents
nen zu lernen , und dabei die erwähnten Fälle beim Laden
und Zielen ganz beſonders berückſichtigen .
159. Da es den Schüßen die meiſten Schwierigkeiten verur:
47
facht, auf die im S. 11 angegebene Weiſe zu zielen , und ins:
beſondere den Schuß abzudrücken , ohne die genaue Befols
gung jener Regeln jedoch ein ſicheres Schießen nicht erlangt
wird ; ſo iſt hierin eine ununterbrochene Übung erforderlich .
Hierzu ſtellt man ſich vor den Soldaten , und läßt ihn, das
rechte Auge als Zielpunkt bezeichnend , über Abſehen und
Korn auf dasſelbe zielen . Sind Korn und Abſehen , ſo wie
das Auge des Zielenden , in gerader Linie auf das Auge des
Prüfenden gerichtet ; ſo iſt dieß der Beweis , daß der Sol.
dat gut zu zielen verſteht. Hierauf läßt man ihn aus dieſer
Stellung das Gewehr abdrücken , um ſich zu überzeugen , ob
er dabei ruhig im Anſchlage geblieben ſei. Dieſe Übung kann
auch auf — in den Zimmern oder den Gängen angebrachte
Zielpunkte — ſtattfinden .
Bei der Übung im Zielen iſt zugleich auf einen zwedmå- 160.
Bigen Anſchlag zu ſehen , welcher darin beſteht, daß der Körper
im Gleichgewichte zwiſchen beiden Füßen ruhe, der linke
Oberarm mehr an den Leib geſchloſſen als vorgeſtredt, der
rechte aber , um dem Kolben eine feſtere Stüße zu geben ,
erhoben werde. Der Ropf iſt beim Zielen nur mäßig vors
und rechts ſeitwärts geneigt, der Baden wird nur leicht
an den Kolben , dagegen dieſer um ſo feſter an die Schul
ter gelegt; weil dann der Rüdſtoß nicht ſo empfindlich -
iſt. Während des Zielens muß getrachtet werden , daß das
Korn ſtets in der Mitte des am Abſehen befindlichen Eins
ſchnittes erhalten werde.
Bei Anfängern kann man ſich zur Übung im Zielen einer 161,
im Plan I Fig . 5 dargeſtellten , leicht anzufertigenden höl Fig . 5 .
zernen Vorrichtung bedienen , welche man entweder auf einen
Tiſch, oder mittelft der darin befindlichen Öffnung auf einen ,
am oberen Lheile mit einem Zapfen verſehenen Standpflock
ſtellt , ſodann ein Gewehr darauf legt, und dieſes in die
Richtungslinie bringt. Nun läßt man den Soldaten das
48
Gewehr mittelſi Vor- und Zurüddrüden des Relles auf den
Zielpunkt richten, und überzeugt fich hierauf von deffen rich
tigem Erfaſſen .
162. Der Schüße muß nicht allein geübt ſein , den Anſchlag
ſtets genau auszuführen , ſondern durch tägliche Übung, es
dahin bringen , ſolchen ſchnell annehmen zu können ; was
durch öfter nach einander erfolgendes Anſchlagen, 3 ies
len und Abfeßen zu erreichen iſt.
163. Das ruhige Abdrücken des Züngels kann dem Solba
ten am beſten dadurch beigebracht werden , wenn man ihn
die leere Band ausſtrecken , dann die Bewegung ſo mit dem
Zeigefinger – als ob er das Züngel wirklich abzudrüden
hätte – machen , und dieß ſo lange wiederholen läßt,
bis man bemerkt, daß die Fauſt dabei ganz ruhig bleibt ,
und an der Bewegung des Zeigefingers keinen Antheil
nimmt. Nun lehnt man ſeinen eigenen Zeigefinger gegen
das Mittelglied jenes des Soldaten , läßt ihn an ſelben
langſam andrücken , und belehrt ihn , daß er auf gleiche
Weiſe trachten müſſe , mit dem Drucke gegen das Züngel
den Schuß abgehen zu machen .
164. Die vorſtehende Abhandlung über das Zielen und
Treffen genügt, um die Chargen mit der Theorie des Schies
Bens und den Urſachen der verſchiedenartigen Wirkung der abs
geſchoſſenen Kugel bekannt zu machen . Es wird zur Ers
leichterung und Förderung des Unterrichtes gut ſein , wenn
man die Fig . 2 an der langen Wand eines Ganges oder des
Kafernhofes möglichſt groß zeichnen läßt, weil mit Hilfe
dieſer Zeichnung die Schußregeln um ſo leichter praktiſch ers
läutert und verſinnlicht werden können . is
165. Bei dem Soldaten , deſſen geiſtige Ausbildung im Al
Belehrung für
en gemeinen nicht von der Art iſt , daß er die Theorie über das
Zielen und Treffen in ihrer ganzen Ausdehnung auffaſſen
kann , und bei dem es ſich übrigens mehr um die Kenntniß
49

der Wirkung ſeiner Waffe , als um jene der Urfaden


dieſer Wirkung handelt, tann der Unterricht im Allgemeis
nen auf die obigen Schußregeln beſchränkt werden .
Da die Wahl des Zielpunktes von der Entfernung des 166.
jänat
zu beſchießenden Gegenſtandes abhängt, und darnach
darnach bemer
bemer- Schäßung
Son der

ſen werden muß , ſo iſt es für den Soldaten von Wichtig


keit, daß er die Diſtanzen bis auf wenigſtens 300 Schritte
möglichſt genau abſchäßen lerne ; was nur durch Übung er
zielt werden kann.
Hierzu ſtellt man einzelne Männer , anfänglich auf 50, 167.
dann auf 100 , 150 Schritte u. f. w . auf, und läßt Andere
dieſe Diſtanzen beurtheilen und ſodann abſchreiten , damit
fich ein Jeder von der Richtigkeit oder Unrichtigkeit ſeiner
Schäßung überzeuge. Hat der Soldat die Entfernung von
50 Schritten richtig zu beurtheilen erlernt, ſo muß ihm ges
fagt werden , daß er bei Schäßung größerer Diſtanzen dieſe
Strece gleichſam als Maßſtab gebrauchen , nämlich ſolche
in Gedanken gegen den betreffenden Punkt überſchlagen ,
und auf dieſe Art ermitteln ſoll, wie oſt dieſe 50 Schritte
in der ganzen Strecke enthalten ſein können ; nur muß
er aufmerkſam gemacht werden , daß fich die zweiten 50
Schritte, der größeren Entfernung wegen , dem Auge etwas
kürzer zeigen als die erſten , u . f. w .
überdieß muß dem Manne geſagt werden , daß er ſich 168.
jedesmal merken ſolle, welche Theile des Körpers , der Rü
ftung oder Armatur ſeines Gegners er auf die verſchiedes
nen Entfernungen fehe, und wie er ſie ſebe; damit er
ſpäterhin aus der Anſchauung der Segenſtände ihre Ent
fernung beurtheilen lerne. - '
Beſtimmtere Regeln laſſen ſich für das richtige Abſchä- 169.
Ben der Diſtanzen nicht geben . Die Übung muß hier das
Meiſte thun, aufwelche daher hingewieſen und ſolche beſonders
den Offizieren und Unteroffizieren empfohlen wird, damit fte
Abrichtungs - Kegl. f. 8. Inf.
50
im Stande find, ihrer Mannſchaft die jedesmalige Entfer- :
nung des zu beſchießenden Gegenſtandes , welcher — wenn
eß 3 . B . eine Batterie , eine Maffe oder eine Kavalleries
Abtheilung betrifft, - auch auf 500 -- 600 Schritte ents
fernt ſein kann , mit Beſtimmtheit und aller Genauigkeit
anzugeben .
. $ . 12 .
Belehrung über das Scheibenſchießen.
170. Um die Mannſchaft mit dem Gebrauche und der Wir :
kung ihrer Gewehre vertraut zu machen , dienen die alljährs
lich vorzunehmenden Schießübungen nach der Scheibe. '
171. Der Schießplaß ſolleben , und in der Gegend des Zieles.
Der Schieß
plaß. womöglich durch eine ſteile Anhöhe begrenzt fein ; um die
hoch über das Ziel geſchoſſenen Kugeln aufzufangen.
172. Die Schußrichtung wird mittelft einer tracirten Linie,
Figml.
. 3 . und von 50 zu 50 Schritten mit Diſtanzpfloden markirt.
173. Am Ziele wird ein Kugelfang von ungefähr 6 Klafs.
ter Länge, 12 Fuß Höhe, und 4 Fuß oberer Breite , aus:
Erde errichtet.
· 174. Etwa 30 Schritte ſeitwärts dieſes Kugelfanges wird
eine Schußwehre für den Zieler angebracht.
175 . Die Scheibe muß aus einer rechtwinkligen , weiß an
Die Scheibe.. ..geſtrichenen Holztafel, oder einem mit Leinwand oder als
Plan I .
Fig . 4 . tem Kittelzwilch uud darübergeklebtem Papier überzogenen
Eiſen - oder Holzrahmen , von wenigſtens 4 Schuh Grund
linie und 6 Schub Höhe beſtehen. In der Mittellinie wer -.
den , um Kopf und Bruſt des Gegners vorzuſtellen , zwei
ſchwarze kreisförmige Zielpunkte bezeichnet , deren jeder
6 Zoll im Durchmeſſer hat, und wovon die Mitte des erſte
ren 4 Schuh , jene des zweiten aber 5 Schuh 3 Zoll vom
unterem Rande der Scheibe abſteht. Aus dem Mittelpunkte
des unteren Schwarzen werden 5 , einen Zoll von einander
51
abſteheude Kreiſe gezogen und von Außen nach Innen
numerirt.
Zur beſſeren Verfinnlichung des Zieles wird auf die 176.
Scheibe die Figur eines Mannes nach dem Hauptumriffe
gezeichnet ; ſo , daß das obere Schwarze den Kopf, das uns .
tere die Bruſt darſtellt.
• Die Scheibe muß in ihrer Mitte genau in der Schuß. 177.
linie und ſenkrecht auf dieſe eingeſtellt werden .
Am Schießſtande wird ein ſtarker Pfahl in die Erde 178 .
gegraben , oder ſonſt befeſtiget , welcher von 2 . zu 2 June
Zoll pflod .
mit Löchern für einen hölzernen Bolzen zu verſehen kommt,
auf welchen das Gewehr aufgelegt werden kann. Auf dem
Bolzen wird eine weiche Unterlage angebracht, damit das
Gewehr beim Schuſſe nicht prelle. Dieſer Pfahl heißt der
Standpflod .
• Um die Schüſſe zu bezeichnen , erhält der Zieler, je 179.
nach Beſchaffenheit der Scheibe, eine verhältnißmäßigeMenge Der Sie
entweder an eine Schnur gereihter Pflödchen , oder runder
Zettel von farbigem Papiere , welche mit der fortlaufenden
Nummer bezeichnet ſind. Nach jedem Schuſſe begibt er ſich
an die Scheibe, zeigt den Schuß im Weißen mit der ſchwarzen ,
den im Schwarzen mit der weißen Seite ſeines Zeigers an ,
und ſchlägt ein Pflödchen ein , oder überklebt den Schuß mit
einem Zettel ; überdieß hat er durch ein Zeichen anzudeuten ,
ob die Figur oder auch ein Kreis und welcher getroffen
wurde.
Jeder Schuß muß in der Schußtabelle genau einges 180.
tragen werden , und erhält dort die mit dem Pflödchen oder
Zettel des Zielers gleichlautende Nummer , damit man die
Schüſſe eines jeden Mannes kontrolliren könne. Für die
Richtigkeit der Schußtabelle haftet der Feldwebel. Um den
Zieler zu kontrolliren , hat derſelbe nach jedem zehnten
Schuſſe dem eintragenden Feldwebel die Nummer laut zu :
prxien , site ben fats mit der im Stiškuot einges
tagena ibentirtimme un
181. Die Übung in Steibenitiegen ist in der Regel nur
mit Abtheilungen bis zur Stärke sen 20 Rann vorzu
némen , tró be Sellat mu jete berieben bét tens mit
retu Erki Barrenen in berteile ; ani dicit in eba im
Berlanje des Jahres io longe festzuiabren , bis zuleßt die
ganze Runniteit die sorgeibriebene Anzabt son Patronen
cerinat bat, wobei bes gesannete Blei bergetali ju pets
senter it, bas sen ben idritten Stişen jeder wenige
tens 30 Stine im Jabre maót.
182 . Zur Futung ticier Avrheiluxgen ine , – un bei der
úkung niet enige alten zu werden , – jene beure, velde
als bejeze Scúzen bekannt ſind , und eben je and jene,
welde auf die nahe Dijanz allein zu jeuern baten , poteft
quáuibeiben .
183. Dim die Fenſdritte jedes einzelnen Nernes im Schies
sem feriribrend genau tontrelliren ju fönnen , bat jede
Pla II . Rempagnie ein Stiegbus im Cuanfermare nad Plan II.
anzulegen . Bei jeder Ausrüdung zum Sbiegen femmi auf
tie rechte Blanteite die Stustabelle , auf die entſprechende
linte Seite aber werden im berjúngren Aasiabe die Scheibe
jammt der figur berzeidnet , und aui jelber alle gemadten
Trefa nebit Beilegung des betreffenden Numere angemerkt.
Jede einzelne Stustabelle und Steibe ii nad der fortlaus
jenden Zabl der ſtattfindenden Übungen numerirt. Am Ende
des Sciesbudes beindet ſich das Ramenregiiter , in wels
hem bei jedem Manne die Nummern derjenigen Sduſtabels
len , – in welchen er eingetragen iit, - beigejeßt werden .
184. Hierdurch wird der Vorgeſeste in den Stand gefeßt,
Fide jederzeit augenblidlich die Überzeugung zu verſchaffen ,
auf welde Diſtanzen und mit weldem Erfolge jeder eins
zeine Mann im Verlaufe der ganzen Übungszeit gefeuert
53
hat, fo wie auch aus den in der Rubrik »Anmerkunga beigeſeks
ten Anordnungen der Bataillons- und Kompagnie - Komman
danten zu beurtheilen , ob'der Fürgang ein richtiger war.
Die zuerſt zum Schießen beorderte Unter - Abtheilung 185 .
wird ſeitwärts des Schießſtandes aufgeſtellt, und, wenn die
Gewehre viſitirt und anſtandfos befunden wurden , zum
Laden beordert.
Rekruten , und im Schießen noch ungeübte Leute , läßt 186 .
man unter Aufſicht einer Charge - einzeln laden , und
hierbei über das Einführen des Zünders , Abreißen der
Papierhülſe, Ausbeuteln der Patrone, und Anſeßen der
Kugel praktiſch belehren .
Hierauf läßt man einen Mann nach dem andern an 187.
die ſeitwärts des Schießſtandes anzubringende , in Nr. 161
erwähnte Vorrichtung treten , ein zu dieſem Zwecke auf
derſelben liegendes Reſerve- Gewehr, nach der jeweiligen Ents
fernung , auf den betreffenden Punkt der Scheibe richten ,
und erſt, nachdem man fich die Überzeugung verſchafft hat,
daß die Belehrung über das Zielen von ihm richtig erfaßt
wurde , an den Standpflock treten , und ſeinen Schuß auf
dieſelbe Art anbringen . . )
Hiermit iſt der Anfang auf 50 Schritte zu machen ; fos 188 .
dann wird auf die Diſtanz von 100. Schritten dieſe Übung
fortgeſeßt, und der allenpudſige Reſt der Patronen ſonach auf
150 Schritte verfeuert. Es darf jedoch in keinem Falle frű
her aufeineweitere Diſtanz zurückgegangen werden , bis der Sols
dat von der früher innegehabten dreiS üffe nach ein
ander in die Scheibe gebracht hat. Geübtere Sdüfen
läßt man auf die Diſtanz von 100 Schritten anfangen , und
unter derſelben Beobachtung erſt auf 150 Schritte zurüdgehen .
Ganz ausgebildete Sdüfen beginnen gleich auf
die Diſtanz von 150 Schritten , und können , wenn ſie unter
drei Schüſſen jederzeit wenigſtens zwei in die Scheibe
54

treffent, auch auf die weiteren Diſtanzen von 200 und 250
Schritten zurückgeführt werden .
189. Nach vollendeter Ladung wird ein Mann nach dem an
deren in den Schießſtand gerufen , von einem ſeitwärts auf
zuſtellenden Tambour oder Horniſten - - als Zeichen , daß
der Zieler unter teinerlei Vorwand aus ſeiner Dedung treten
dürfe, — der Ruf geſchlagen oder das Signal: » Fevern «
geblaſen , und hierauf der betreffende Mann unter folgender
Belehrung zum Schießen nach der Scheibe angewieſen :
1. Das Gewehr mit ruhiger Hand und ohne Übereis
lung anzuſchlagen , den Kolben gut an die Soulter zu drü
den , den laufweder auf die eine noch auf die andere Seite
zu verdrehen .
2 . Mit dem Auge nicht zu blinzeln , ſondern feſten
Blickes den Einſchnitt des Abſehens, die Mitte des Kornes
und den Zielpunkt in eine Linie zu bringen .
3 . Zum Abfeuern des Gewehres , ohne zu wanken
oder irgend eine Bewegung zu machen, den Zeigefinger lang
ſam vom Griffbügel ab, mit dem Mittelgliede an das un
tere Ende des Züngels zu bringen , und dieſes — während
der Athem eingehalten wird – durch einen nach und nach
verſtärkten Drud abzudrücken , während die übrigen Finger
in ihrer Lage am Kolbenbalſe verbleiben , und ja nicht
der Bewegung des Zeigefingers folgen dürfen ; widrigenfalls
das Gewehr aus ſeiner Lage verrückt würde.
... 4 . Fühlt der Mann , während er ſich im Anſchlage
befindet , daß das Gewehr nicht ruhig in der Hand liegt,
oder glaubt er das Abſehen und Rorn noch nidit in die wahre
Richtung gebracht zu haben , ſo ſoll er nicht losdrücken ; ſon
dern gelaffert abfeßen , ausruhen , und wieder anſchlagen .
. 5 . Brennt der Zünder ab, ohne daß fich die Ladung
entzündet, ſo ſoll der Mann nicht gleich abſeßen , ſondern
noch eine Weile im Anſchlage bleiben ; dann aber das Gewehr
85
in der Richtung der Scheibe unter die Bruſt herabziehen , die
Pfanne nöthigenfalls mit dem Raumer reinigen , einen friſchen
Zünder einführen , und die Rugel mit dem Labſtode noch eins
mal anſeßen. Explodirt der Zünder abermals allein , ſo tritt
der Mann ab , und verfügt fich ſeitwärts zu einem eigens
hierzu aufgeſtellten Unteroffiziere , unter deſſen Aufſicht das
Nöthige veranlaßt , oder der Schuß ausgezogen wird.
6 . Nach erfolgtem Abfeuern ſoll der Mann mit geſchuls
tertem Gewehre noch ſo lange ſtehen bleiben , bis ihm der
Zieler ſeinen Schuß auf der Scheibe gezeigt hat. Ein geübter
Schüße roll übrigens wiſſen , wo die Kugel ſtedt, bevor ihm
dieſes durch den Zieler gezeigt wird , da er die Richtung, welche
das Gewehr im Augenblide des Losdrüdens hatte, fennen muß.
Es iſt nicht unbedingt nöthig , das linke Auge beim 190.
Zielen zu ſchließen. Leute , die dieß nicht können , find, wie
alle Anderen auf die bekannte Weiſe im Zielen zu üben ; da
die Erfahrung lehrt , daß manche gute Schüßen dieſe Art zu
zielen , der mit geſchloſſenem Auge vorziehen .
Auf dieſe Weiſe wird Mann für Mann vorgenommen 191.
und gründlich belehrt. .
Eine gewiſſe Anzahl Schüſſe müſſen mit gepflanztem 192.
Bajonete gemachtwerden , damit es dem Soldaten nicht ſchwer
werde, auch auf dieſe Weiſe ficher zu treffen .
Ferner kann auch das Schießen liegend, knieend, fißend, 193.
hodend 20. auf dem gewöhnlichen Schießſtande mit fämmts
licher Mannſchaft eingeübt werden.
Guten Schüßen iſt in der Stellung , Haltung des Ge- 194.
wehres , der Hände u . f. w . völlige Freiheit zu geſtatten ; .
minder gute, oder ſchlechte Schüßen müſſen verhalten werden ,
fic ſtrenge nach der Vorſchrift zu benehmen .
Wenn die ganze Unter - Abtheilung durchgefeuert hat, 195.
werden die Gewehre viſitirt, und entweder neuerlid; geladen , v
oder eine andere Ábtheilung vorgerufen .
56
196 . In der Nähe des Schießſtandes follen Ruhe und Ordnung
herrſchen , uin den Unterricht nicht zu ſtören , und Unfällen
vorzubeugen ; weshalb fich auch die Mannſchaft ſtets ſeits
und rúdwärts des Schießſtandes aufzuſtellen hat.
197. Sóließlich wird den Offizieren , insbeſondere aber den -
Kompagnies Rommandanten empfohlen , auf die Ausbildung
der Mannſchaft im Schießen mit allem Fleiße und beſondes
rer Sorgfalt zu wirken ; da dieſer Gegenſtand zu den wichs
tigſten des praktiſchen Unterrichtes gehört, und die Brauchbars
keit der Infanterie größtentheils von der geſchidten und wirk
ſamen Anwendung des Feuergewehres abhängt.
198. - Da ein theoretiſcher Unterricht nur dann von Erfolg bes
gleitet wird , wenn ihn gleichzeitig die praktiſche Erfahrung
. . . unterſtüßt; ſo iſt es erforderlich, daß die Offiziere nicht allein
die Theorie des Schießens in ihrem ganzen Umfange tennen
und genau zu ertheilen verſtehen , ſondern daß ſte auch ſelbſt
gute Schüßen ſind , um durch ihr Beiſpiel auf die Nacheife
rung des Soldaten einwirken zu können .
199. Die Bataillons-Kommandanten , denen insbeſondere die
Ausbildung der Offiziere obliegt , haben ſolche daher einiges
mal im Jahre zu verſammeln , und nach der Scheibe ſchießen
zu laſſen ; wozu ein Theil des erſparten Pulvers und des
geſammelten Bleies zu verwenden iſt.
200 . überhaupt muß vorzüglich dahin geſtrebt werden , bet
der Mannſchaft Luft für dieſe Übungen , ſo wie eine Art
Wetteifer anzuregen ; weil dieß das geeignetſte Mittel ift,
* . um ein günſtiges Reſultat herbeizuführen .
201. Um den Soldaten für gute Schüſſe auszuzeichnen , ift
feſtzuſeßen , daß für jeden Treffer in der Figurder Generals
marſch der Füfiliere, für jeden Kreisſchuß aber jener
der Grenadiere geſchlagen werde.
302. . Ferner ſind kleine Maſchen oder Kofarden von Bändern
verſchiedener Farben anfertigen zu laſſen , und die Mannſchaft
damit, je nachdein die Figur oder ein Kreis, und welcher Kreis
getroffen wurde, - während der Übung zu betheilen . .
Endlich werden jährlich nach beendetem Scheibenſchießen 203 .
Prämien vertheilt, deren Anzahl derart zu bemeffen fömmt,
daß nach dem Stande der Mannſchaft, welche dieſer Übung
beigewohnt hat , auf zehn Mann Eine entfale.
Die mit ſolchen Prämien betheilte Mannſchaft iſt ſodann 204 .
bei der nächſten Muſterung dem Brigadier vorzuſtellen ; über
dieß ſind die vorzüglichen Schüßen bei der Vertheilung der
Kammerbüchſen zu berückſichtigen , wenn ſie anders durch
ihre ſonſtigen Eigenſchaften hierzu entſprechen . :
Von dem zu dieſem Zwecke jeder Kompagnie jährlich be- 205.
willigten Geldbetrage iſt , nach Abſchlag der für Anſchaffung
von Bändern oder Rokarden gemachten Auslagen , in der
Regel ein Drittheil für die erſte, ein Drittheil fürdie zweite
und dritte Prämie zu beſtimmen ; das legte Drittheil aber
unter die übrigen Prämien im abnehmenden Verhältniſſe fo
zu vertheilen , daß die leßte Prämie wenigſtens noch eine
doppelte Löhnung des Soldaten betrage. .
Den Anſpruch auf die erſte, und ſofert aufdie folgenden 206 .
Prämien gibt unbedingt die größere Anzahl der Treffer in
der Scheibe , und nur bei gleicher Anzahl derſelben entſchei
det die Zahl der vorzüglicheren Schüſſe ; wobei vorerſt die in
den Kreifen , und dann jene in der Figur zu berückſichtigen ſind.
- $. 13. ; ;
Ehrenbezeigungen mit dem Gewehre.
Wenn der Soldat allein auf der Straße geht, trägt er das 207.
Gewehr in der Regel aufder Schulter. Begegnet er einem Vorges
fekten, fo geht er mit militäriſchem Anſtande an ihm vorüber,
und wendet auf drei Schritte Entfernung den Kopfnach jener
Seite, aufwelcher fich der Vorgefeßte befindet. Dasſelbe thuter,
wenn er vor einer Schildwache vorüber geht. Iſt er auf drei .
Schritte an dem Vorgeſeßten, oder dem Aufſtellungspunkte der
Schildwache vorüber, ſo wendet er den Kopf wieder gerade.
I 68
208. Bor der Allerhöchſten Herrſchaft macht er in
der Entfernung von drei Schritten Front, präſentirt
und folgt derſelben mit der Wendung des Kopfes . Iſt die
Allerhöchfte Herrſchaft drei Schritte an ihm vorüber , ſo fouls
tert er und feßt ſeinen Weg fort.
209. Wird das ņoch würdige vorübergetragen , ſo macht
er auf ähnliche Weiſe wie vor der Allerhöchſten Herrſchaft
Front, nimmt aber hierauf das Gewehr beim Fuß und
kniet zum Gebete nieder.
210. Auf W a dy und Poften trägt der Soldat das Gewehr
nach Bequemlichkeit geſchultert oder in Arm . Bei Annäherung
eines Unteroffiziers oder Prima - Planiſten begibt er ſich auf
den Plaß , auf welchem er aufgeführt worden , nimmt auf
drei Schritte Entfernung das Gewehr, wenn er es geſchultert
trägt, » In Arm “, und begleitet den vorübergehenden Vorge
reßten mit der Kopfwendung. Iſt dieſer drei Schritte an ihm
vorüber, ſo bewegt er ſich wieder nach Widfür.
311. Bei Annäherung eines Ober- oder Stabs -Offiziers, eines
Generals, der Allerhöchſten Herrſchaft oder des Hochwürdigen
begibt er ſich mit geſchultertem Gewehre aufden Plaß, aufwels
chen er aufgeführtworden ,wendet, ſobald ſich der Höhere auf
drei Schritte genähert hat, den Kopf nach jener Seite, prä
ſentirt, und begleitet den Höheren mit der Kopfwendung.
Iſt derſelbe drei Schritte an ihm vorüber, ſo wendet er den
Kopf gradaus , foultert, und bewegt ſich nach Willkür.
212. Trägt der Soldat das Gewehr verdedt, po behält er
ſolches in jeder Gelegenheit in dieſer Lage ; nur wenn er für
fich allein auf der Straße geht , hat er vor dem Hochwürdis
gen Front zu machen , und ſich nach Vorſchrift zum Ges
bete zu ſtellen , mit dem Bemerken jedoch , daß hier ſtatt der
linken , die rechte Hand zum Sonnenſchirme erhoben wird .
213 . Die weiteren Belehrungen über das Verhalten des Soldas
ten auf Wach' und Poſten ſind im Dienſtreglement enthalten .
Bweites. Hauptfüdk.
Ausbildung des Soldaten im Gliede.
- 3ft die Ausbildung des einzelnen Soldaten mit genü: 314 .
gendem Erfolge bewirkt, ſo ſtellt man mehrere , mit Rüdſicht
auf ihre Fähigkeiten ſechs bis zehn , zum weiteren Unters
richte in ein Glied.
Die Ausführung aller Bewegungen und Gewehrgriffe215.
hatim Gliede auf das betreffende Kommando von allen Män
nerv gleichzeitig , vorſchriftsmäßig, ſchnell und kurz zu erfol.
gen , nach Vollendung derſelben aber muß vollkommene Uns
beweglichkeit und Ruhe herrſchen .
$. 14 .
Stellung.
Bei der Aufſtellung eines Gliedes zum Unterrichte , rich: 216.
tet ſich die Rangirung der Männer nach jener der Kompagnie,
zu welder ſie gehören .
An jedem Flügel des Gliedes wird ein Unteroffizier,217.
oder ein im Ererziren gewandter Soldat als Stellvertreter,
aufgeſtellt.
Zur guten Stellung eines ganzen Gliedes iſt nebſt der 218 .
genauen Beachtung der für den einzelnen Soldaten insbes
60
ſondere gegebenen Vorſchriften noch erforderlich , daß —
mit oder ohne Gewehr — jeder ſeinen Nebenmann an dem
Ellenbogen leicht fühle, ohne ihn zu drücken oder ſich auf
denſelben zu lehnen , und daß Abfäße und Schultern
aller einzelnen Männer in einer und derſelben geraden Linie
ſich befinden , welche man die Front: oder Nichtungs
linie des Gliedes nennt.
219. Bei dem jedesmaligen Antreten des Gliedes wird in der
Regel die Fühlung gegen den rechtsſtehenden Nebenmann ge
nommen . Das Erfaſſen der Frontlinie wird ſowohl durch die
Fühlung, als, bei gerade gewendetem Kopfe, durch einen Blick
gegen den Richtungspunkt bewirkt. Es muß hierbei vorzügs
lich darauf geſehen werden , daß ſich der Soldat an eine leichte
Fühlung mit natürlich an den Leib geſchloſſenen Ellenbogen
gewöhne, indem das Zuſammenpreſſen nicht nur überhaupt
unbequem , ſondern überdieß bei Ausführung der Gewehr
griffe , ganz beſonders aber beim Feuern ſehr hinderlich iſt.'
220 . Der Kommandant prüft und berichtigt die Stellung
jedes Einzelnen ; wobei jeder Mann demſelben beim Vors
übergehen mit dem Kopfe zu folgen , und dieſen ſo lange
dahin gewendet zu behalten hat, bis : » Habt — Acht!«
fommandirt wird. Hierbei muß die Mannſchaft unbeweglich
ſtehen bleiben , ihre ganze Aufmerkſamkeit auf den Romman :
danten richten , und überhaupt vollkommene Stille und Ruhe
beobachten .
821. Rückſichtlich des der Mannſchaft zeitweiſe zu geſtattens
den Ruhens gelten die in Nr. 7 gegebenen Vorſdriften.
S . 15 .
Ropf- und Körperwendungen.
222 . Die Kopf- und Körperwendungen erfolgen im Gliede
von allen Männern gleichzeitig , auf die bei der Ausbildung
des einzelnen Soldaten erklärte Weiſe und auf dasſelbe Rom
61

mando ; audy treten nach Vollführung derſelben für den


Kommandanten die daſelbſt angegebenen Beobachtungen ein .
Bei Ausführung der Doppelten Körperwendung wird jes 883.
doch dem Kommando noch das Avertiſſement: „ Die Front -
verkehren !“ und im Falle die Front verkehrt worden . .
wäre und wieder in die urſprüngliche Richtung hergeſtellt
werden ſoll : » Die Front herstellen !« , vorgeſeßt.
$. 16 .
Ridh tung.
Zur guten Richtung eines Gliedes gehört , daß fich alle 884.
Männer in der vorgeſchriebenen Stellung, dann mit den Abs
fäßen und Schultern in jener geraden Linie befinden , wels
che die beiden Endpunkte oder Flügel des Gliedes ver
bindet .
Um den Soldaten das genaue Erfaſſen der Fronts oder 286.
Richtungslinie zu lehren , wird : » Rechts (links) richt
euch !« kommandirt;worauf die Mannſchaft den Kopf nach
der anbefohlenen Seite wendet und ſich richtet. Nun muß
jedem einzelnen Soldaten praktiſch beigebracht werden , daß
er , um ſeine Richtung vollkommen zu bewirken , z. B . bei
rechts gewendetem Kopfe init dem rechten Auge blos
einen Nebenmann erbligen , mit dem linten hingegen ,
von ſeinem zweiten rechtsſtehenden Nebenmanne und von der
weiteren Frontlinie nur einen Schein entdecken dürfe , bei
mäßigem Vorbiegen des Körpers aber die Front überſebe.
Für die Richtung links gilt das Entgegengeſeßte.
Gewöhnlich verfehlt der Soldat die Richtung dadurch, 288.
daß er bei jener rechts die linke, bei jener links die rechte
Fußipife mehr auswärts gewendet , oder die Abfäße nicht
gleichgeſtellt hat; wodurch die der Richtungsſeite entgegens
gefekte Hüfte und Schulter berſagt, und es ſowohl ihm ſelbſt,
wie auch den nachfolgenden Männern , unmöglich wird ,
die Richtungslinie gehörig zu erfaſſen . Dieſer Feh ler , ſo wie
auch das Vorhängen des Kopfes beim Erfaſſen der Richs
tungslinie, haben zur Folge, daß von dem Manne an , wo
derſelbe entſtand, alle folgenden hinter der wahren Rich .
tungslinie zurüdbleiben ; ſo wie im Gegentheile , wenn ein
Mann den Kopf, oder bei der Richtung rechts die rechte,
bei jener links die linke Fußfpiße zu viel auswärts
gewendet , ſomit die entgegengeſeßte Schulter vorgeſchoben
hat, ſowohl er ſelbſt, wie auch alle nachfolgenden Männer
über die Richtungslinie vorprellen .
227. ; Zur Beurtheilung der Richtung ſtellt ſich der Komman
dant ſtets einige Schritte ſeitwärts des Flügels auf, von
welchem die Richtung ausgeht.
228. Iſt das Glied nicht gehörig gerichtet, ſo ſind die Fehler
nicht durch Vor- oder Zurüdrufen der betreffenden Leute zu
& verbeſſern , ſondern der Kommandant hat ſich zu demjenigen
Manne zu verfügen , welcher zu der falſchen Richtung Anlaß
gegeben hat,und deſſen Stellung zu prüfen und zu berichtigen ;
weld Legteres jedoch nichtmittelſtAntaſten des Körpers, ſon
dern dadurch zu geſchehen hat, daß der Mann angewieſen wird,
auf ſeine Füße zu ſehen, ſolche gehörig zu ſtellen , und dann
ſeine gute Richtung nach eigener Beurt heilung zu ſuchen .
229 . Sollte jedoch keiner der oberwähnten Fehler der mans
gelhaften Richtung zum Grunde liegen , ſo iſt das unrichtige
Augenmaß desjenigen Mannes , bei welchem die fehlerhafte
Richtung ihren Anfang genommen hat, durch wiederholte
Belehrung zu berichtigen .
230. Bei zunehmender Fertigkeit muß jedoch die Mannſchaft
gewöhnt werden , ihre Richtung auf das Vors oder Zurück
winken des ſeitwärts des Richtungspunkteß aufgeſtellten
Kommandanten zu verbeſſern . Der mittelſt des Winkens zum
Vor - oder Zurücktreten angewieſene Mann , darf ſeine feh
lerhafte Richtung nicht durch das Vor- oder Zurüdbiegen des
63

Körpers verbeffern , ſondern muß durch Vor- oder Zurüdtres


' ten ſeine Richtung zu gewinnen ſuchen .
Iſt das Glied gehörig gerichtet , ſo wird : »Habt — 236.
Acht! “ kommandirt.
. Damit der Soldat die nöthige Fertigkeit erlange , eine 232.
beſtimmte Frontlinie möglichſt ſchnell und genau zu erfaſſen,
ſo wie auch eine fehlerhafte Richtung ſchnell zu berichtigen ,
läßt man jene Flügelcharge des Gliedes , von welcher die
Richtung ausgehen ſoll, die eine oder die andere Schulter,
mittelſt einer geringen Wendung des Körpers etwas vors
nehmen , und weiſet die Mannſchaft an , auf das nachfols
gende Kommando : » Rechts (links) richt - euch !«
,den Kopf nach der bezeichneten Seite zu wenden , ſchnell in
die neue Richtungslinie einzutreten , und dieſe genau zu ges
winnen ; hierbei aber vorzüglich das Vorprellen über dieſelbe
zu vermeiden.
Sol endlich die Mannſchaft des Gliedes in eine wenige 233.
Schritte vorwärts gelegene Linie verſeßt, und dort neuerlich
eingerichtet werden , ſo wird die fürgewählte neue Richtungss
linie jederzeit vorher markirt, worauf dann erſt ein Mann
nach dem anderen in die neue Richtungslinie abrüdt. Je nach .
dem dieſes Abrüden vom rechten oder linken Flügel beginnt,
wird dieſe Bewegung eineRichtung rechts oder links genannt.
Zur Übung dieſer Richtung im Gliede rüden auf das 234 .
Kommando : » Chargen und rechter (linker) ' Flügelmaạn !
aquFig . 1.
- Mursch !« die an den Flügeln eingetheilten Unteroffiziere
und der benannte Flügelmann ſechs Schritte gerade vor,
bleiben ohne Kommando ſtehen und wenden hierauf den Kopf
rechts (links ).
• Der Unteroffizier an jenem Flügel , von welchem die
Richtung ausgehen ſoll, bildet den Stütpunkt der neuen
Aufſtellungslinie , und dient zugleich für die Mannſchaft als
Richtungspunkt, gegen welchen ſie Fühlungund Richtung
64

zu nehmen hat; während jener am entgegengeſepten Flügel


als Richtungsobjekt dient.
336 . Hat der Kommandant die Überzeugung gewonnen , daß
die Chargen gerade vorgetreten ſind, und die allenfallfige
Abweichung berichtigt; ſo verfügt er ſich auf einige Schritte
feitwärts des Stüßpunktes, und richtet die beiden Unteroffiziere
und den vorgetretenen Flügelmann genau aufeinander.
837. Beim erſten Unterrichte wird hierauf vorerſt jeder Mann
einzeln in die neue Richtungslinie vorgerufen , um deſſen Richa
tung gehörig prüfen , und nöthigenfalls berichtigen zu fönnen.
838. Hierzu ſtellt ſich der Kommandant gerade vor denjenigen
Mann , welcher zuerſt abzurücken hat , und belehrt ihn , daß
er auf das Kommando : » Rechts (links) richt - euch !«
austreten , gerade vorgehen , den leßten Schritt in drei kleine,
ſchnell auf einander folgende Schritte abtheilen , hier:
bei den Kopf nach der bezeichneten Richtungsſeite wenden ,
ſeinen bereits in der neuen Richtungslinie befindlichen Nes
benmann mit dem Ellenbogen leicht fühlen , und fich ſchnell
nach demſelben richten müſſe. "
239. Hat der Mann die Richtung gut erfaßt , ſo laffe mar
ihn etwas weniges hinter die Richtungslinie zurück , oder aus
derſelben vortreten , um ihn zu überzeugen , daß er z. B . bei
der Richtung rechts , im erſteren Falle mit dem linken Auge den
Schein der Front verloren habe, im lekteren dieſelbe über:
rehen könne ; daber bei weiterem Zurüdgeben oder Vorrücken
endlich mit beiden Augen die Frontlinie von rückwärts oder
von vorne ganz überſehen werde. Şierauf laſſe man ihn die
wahre Richtungslinie neuerdings ſelbſt ſuchen .
240. Auf gleiche Art wird nun jeder Mann einzeln vorgerus
fen , und, wenn alle Männer des Gliedes in der neuen Nichs'
tungslinie fid; befinden : » Habt - Acht!“ kommanbirt ;
auf welches Kommando die Köpfe nach Nr. 12 gerade zu
wenden ſind.
65

þat die Mannſchaft einen richtigen Blic und eine ge- 341.
wiffe Zuverſicht im Erfaſſen der Richtung erlangt, ſo erfolgt
nad vorausgegangenem Markiren der neuen Richtungslinie,
die Richtung auf das Kommando: » Rechts (links) richt ,
euch !“ vom ganzen Gliede; wobei nicht mehr einzeln ,
Mann für Mann , ſondern ſtaffelförmig in die neue Front,
linie abgerückt wird. Es tritt nämlich der dem Richtungs
flügel zunächſtſtehende Mann unmittelbar aufdas Kommando,
jeder andere aber dann aus, wenn ſein dem Richtungsflügel
zunächſtſtehender - Nebenmann um einen Schritt vorges
treten iſt; im übrigen aber hat jeder Mann ſich auf die
bei dem einzelnen Vorrücken erklärte Art zu benehmen , und
die Richtung ſchnell zu ſuchen .
Zum Kommandiren dieſer Richtung wird ſich der Kom - 343.
mandant in ſolcher Entfernung vor die Mitte der neuen
Frontlinie ſtellen , daß er das ganze Glied während der ſtaf
felförmigen Vorrückung gut überſehen könne. Hierbei hat er
fein Augenmerk hauptſächlich darauf zu richten , daß jeder
Mann gerade vermarſchire, nicht über die Richtungslinie
vorprelle, die Füße richtig ſtelle, den Kopf nicht zu viel wende,
die Ellenbogen an den leib ſchließe, die vorgeſchriebene
Stellung und leichte Fühlung beibehalte und nach dem leßten
kleinen Schritte genau in der neuen Richtungslinie fich befinde.
Nach dem erfolgten Einrüden in die neue Frontlinie 243.
überzeugt ſich der Kommandant, ob die Richtung genau
nach dem aufgeſtellten Richtungsobjekte erfolgt ſei, benimmt
ſich hierbei überhaupt, ſo wie beim Abſtellen der etwa vor
handenen Mängel, nach Nr. 227 bis 230, und kommandirt
ſodanu : - »Habt - acht!
• $. 17. .
Frontmarſch vor- und rüdwärts,
Wenn ein Glied aus ſeiner Aufftellung dergeſtalt vors 244.
rüdt, daß deſſen Front- oder Richtungslinie während des
Abrichtungs-Regl. f. d. Inf.
66
Marſches fortwährend mit der verlaſſenen Stellung paral.
lel bleibt , ſo nennt man dieſe Bewegung einen Front
marſch is
245. Beim Frontmarſche wird die Marſedirektion , - je
nachdem das Glied zu einer von der Mitte des Bataillouis,
nämlich der Fahne, rechts- oder linksſtehenden Kompagnie
gehört , - von dem auf dem linken oder rechten Flügel
eingetheilten Unteroffiziere geleitet. : i
246. Dieſer Unteroffizier hat ſich einen in ſenkrechter Linie
auf die Front des Gliedes befindlichen Gegenſtand als
Direktionsobjekt , und die nöthigen Zwiſchenpunkte zu wäh
len , um unaufgehalten gerade marſchiren zu können ; wo
bei er überdieß ſtets den gleichen Takt einhalten , und
die Schritte in der gleichen und vorgeſchriebenen Länge volls
führen inuß. .
247. Fühlung und Richtung werden während des Frontmar
Fiches immer gegen die Marſchdirektionsſeite genommen .
248. Zur Ausführung des Frontmarſches wird aviſirt : „ Mit
der Front marschiren !« und nachdem die Wahl des Di
rektionsobjektes und der Zwiſchenpunkte geprüft wurde, kom .
mandirt: »Glied ! - Marsch ! « ; wobei auf: »Glied !«
jeder Mann die Schwere des Körpers auf den rechten Fuß
zu übertragen hat, um auf das : „ Warsch !« ſogleich
ſchnell und im vollen Schritte austreten zu können .
249. Der Marſch muß frei und ungezwungen fein , und.
der Oberleib mit dem vorſchreitenden Fuße gut vorgebracht
werden .
250. Die Richtung darf nidyt ängſtlich geſucht , ſondern
muß vorzüglich durch die leichte Fühlung gegen die Marſch
direktionsſeite , ſo wie durch das Einhalten eines gleichen
Schrittes und Trittes erzielt werden ; wobei zur Verges
wiſſerung derſelben zeitweiſe ein Blid gegen die Marſch
direktionsſeite genügt.
67
Bemerkt ein Mann , daß er über die Richtungslinie 251.
hinausgerückt, oder hinter derſelben zurüdgeblieben ſei, ſo
inuß er dieſe durch verkürzte oder verlängerte Schritte, ohne
jedoch dabei aus dem Tatte zu kommen , wieder zu ge
trinuen ſuchen .
- Seinen Nebenmann gegen die Marſchdirektionsſeite 252.
yin muß er ſtets init dem Ellenbogen leicht fühlen , dens
ſelben niemals verlaſſen , und wenn er von ihm getrennt
wurde, fich durch eine mehr vors als ſeitwärts gerichtete
Bewegung, wieder an ihn zuſchließen ſuchen . Dem Drude
von dieſer Seite in uß er nachgeben , dein von
der entgegengeſepten hingegen widerſtehen , da
init der führende Unteroffizier nicht aus der ſenkrechten Marſch .
direktion gedrängt werde.
• Entſtehen während des Marſches Trennungen oder 253,
Drüfungen , die fid von Mann zu Mann fortpflanzen
und imnier wieder erneuern , ſo iſt die Marſchdirektion nicht
ſenkrecht auf die urſprüngliche Frontlinie genommen worden .
In dieſem Falle läßt man das Glied halten , berichtigt die
Maríddirektion , und weiſet die Mannſchaft an , auf das
tradhfolgende kommando : Glied ! - Marsch !« nach
und nach wieder die verlorene Fühlung und Richtung zu
gewinnen .
Um das Glied während des Marſded in gleichem Tafte 254.
zu ergalten , iſt demſelben zeitweiſe : Eins! Zwei! Eins !
Zw ei ! . f. w . nach dem Marſchtempo zuzurufen .
- Verliert der Mann den Schritt, ſo hat er, um ihn wie-255.
der zu gewinnen, nach Nr. 34 auf das Eiuſdlagen des Mar
sches durch den Tambour achtſam zu ſein ; in Ermanglung
eines Tambours aber ſich ſtets nach dem Sdritte des bem
Richtungspunkte zunächſtſtehenden Nebenmannes zu richten.
Zu der Beurtheilung des Frontmarſches begibt fich der 256.
Ronınıandant abwechſelnd bald vor die Mitte , bald auf den
68 :

Richtungsflügel. Aus erfterer Aufſtellung wird er die Rörs


perhaltung und den geraden Marſch jedes einzelnen Mannes ,
aus legterem Standpunkte aber die Richtung des Gliedes
und die Lage der Gewehre prüfen . :
257. Die Kommando zum Verfürzen des Schrittes und zum
Wiederaustreten im vollen Schritte, ſind die in Nr. 33 vors
geſchriebenen ; dem Kommando : »Mursch !« , ſo wie jes
nem : » Halt !« wird jederzeit das Aviſo : »Glied !« vors ,
gefeßt.
868. Während des Frontmarſches ſind zeitweiſe auch die
Kopfwendungen ; jedoch immer nur auf kurze Stres
den , ferner das Tragen des Gewehres in der Balance,
dann das Pflanzen , Fällen und Verſorgen des Bajonetes zu
üben ; wobei darauf zu ſehen kommt, daß die Mannſchaft
auch bei gewendetem Kopfe geradeaus marſchire, ohne ſich
zu drängen , bei Ausführung der Gewehrgriffe aber der
Marſch nicht ins Stoden gerathe.
269. " Der Frontmarſch rückwärts , ohne die Front zu vertehs
ren , erfolgt auf das Kommando : » Glied ! Rückwärts —
Marsch !« nach Nr. 37 , wobei - da er immer nur
auf ganz kurze Strecken vollführt wird , die Fühlung
nicht gegen die Mitte des Bataillons zu nehmen iſt.
260. . Soll jedoch auf weitere Entfernung zurüdmarſchirt
werden , ſo iſt das Glied vorerſt nach Nr. 223 zum Verkehren
der Front, dann zum Frontmarſche, und nach Hinterlegung
des beabſichtigten Kaumes wieder zum Herſtellen der
Front zu beordern ; wobei während des Rücmarſches ders
ſelbe Unteroffizier die Marſchdirektion zu leiten hat, welchem
dieſes beim Vormarſche zukommt.
$ . 18 .
Ziehung im Frontmaríde.
Die Ziehung dient dazu , um das Glied in einer mit 261.
ſeiner Aufſtellung parallelen Front vor- und zugleich ſeits
wärts zu bewegen . Die Marſchdirektion iſt demnach nicht
wie beim Frontmaride ſenfrecht auf die Grundlinie, fon
dern bildet mit der Verlängerung derſelben einen Winkel
von 45 Graden .
Die Ziehung, ſo wie das Einſtellen derſelben , erfolgen 263.
ſowohl von der Stelle , wie während des Marſches auf die
ſelben Kommando und auf dieſelbe im S. 5 vorgeſchriebene .
Weiſe.
Der an dem ziehenden Flügel befindliche Unteroffizier 263.
hat fich unmittelbar auf das Aviſo , unter dem Winkel von
45 Graden ein entſprechendes Direktionsobjekt, und die 'no
thigen Zwiſchenpunkte zu wählen .
Jeder Mann muß die halbe Wendung gehörig voll- 264 .
führen , während der Ziehung ſeinen Körper in der durch
die erfolgte Wendung entſtandenen Lage zu ſeinem auf der
Seite des Ziehungsflügels befindlichen Nebenmanne erhal
ten ; darf ſich mithin nicht wie beim Frontmarſche Ellen
bogen an Edenbogen an dieſen ſchließen , ſondern muß viel
mehr trachten , immer auf den durch die Rörperwendung ers
folgten Abſtand von ihm , nämlich Schulter hinter
Schulter, zu verbleiben , wobei er niemals den Nacen fei
nes zweiten Nebenmannes erbliden wird .
Wird die Ziehung eingeſtellt , ſo nimmt jeder Mann 265.
nadh erfolgter Körperwendung die Fühlung , Ellenbogen an
Ellenbogen , wieder an, und es werden , wenn das Einſtellen
während des Marſdes erfolgt , Fühlung und Richtung wie::
der gegen die Marſchdirektionsſeite genommen .
70

266. Mehr ſeitwärts , nämlich innerhalb des Winkels von


45 Graden liegende Punkte können nicht mehr mittelſt der
Ziehung erreicht werden ; wogegen man auf Punkte , die
nach vorwärts von dieſem Winkel abweichen , dadurch ge
langt , daß man die Ziehung ſo lange fortſeßt, bis der
ziehende Flügel in die ſenkrechte Richtung des zu erreichen
den Punktes kommt, worauf: »Grad – aus !“ komman
dirt , und in gerader Richtung auf ſelben hinmarſchirt wird.
. $. 19.
Sowen tungo
267. Die Schwenkung iſt die – in geſchloſſener Ordnung
bewirfte - Verſeßung der Front, unter jedem beliebigen
Winkel , bis in eine ihrer Flanken .
268. Wird ſie bis zum rechten Winkel vollführt, ſo heißt ſie
eine ganze Schwenkung , während jede andere eine uns
vollendete Schwenkung (Direktionsverände
rung) genannt wird. Im Kommando werden beide kurzweg
mit S dywenkung bezeichnet.
269. Die Schwenkung kann ſowohl von der Stelle aus, wie
auch während des Marſches ſtattfinden , und erfolgt jeder
geit mit beweglichem Pivot.
870. . In jeder ſchwenkenden Front unterſcheidet man : 1. den
ſo wenkenden Flügel, 2 . die Mitte und 3 . den
Pivotflügel.
271. Die Richtung wird während der Schwenkung ſtets
durch die leichte Fühlung gegen den Pivots, und durch
, einen Blid gegen den ſchwenkenden Flügel, ſo wie
auch dadurch erhalten , daß , während der ſchwenkende Flü :
gel im vollen Schritte ausſchreitet , die Mitte die Schritte
nur halb ſo groß , und die von ihr gegen den Pivotflügel
befindlichen Männer dieſe noch kleiner zu machen haben .
Der Unteroffizier am Pivotflügel, furzweg die Pivot: 27% .
Charge genannt, bewegt ſich ſtets auf einein
Kreisbogen , deffen Halbmeſſer zwei Schritte beträgt.
und theilt folchen in ſo viele kleine Schritte ein , als der
ſchwenkende Flügel' zur Beendigung der Schwenkung volle
Schritte benöthigt. Während dieſer Bewegung wendet ſich die
Pivot-Charge nur nach Maß, als der ſchwenkende Flügel und
die Mitte vorwärts ſchreiten , und ſorgt hierbei dafür, daß
die ihr zunächſtſtehenden zwei oder drei Mann mit ihren
Schultern immer auf den dwenkenden Flügel gerichtet ſeien ,
und dem allenfalls von dort kommenden Drucewiderſtehen ;
weil ſie ſonſt von ihrem Kreisbogen gedrängtwürde.
Der Unteroffizier am ſchwenkenden Flügel marſchirt bei 273.
dem Antritte der Schwenkung geradaus , und geht erſt, -
nach Maß als das Glied aus mehr oder weniger Männern
beſteht , - nach einigen Schritten in die ſchwenkende Bewes
gung über ; wobei er ſeinen Nebenmann immer leicht fühlen ,
den Blick aber fortwährend gegen die Pivot - Charge wen
den , und darauf ſehen muß , daß die ihm zunächſtſtehenden
zwei, drei Mann ununterbrochen auf dieſe gerichtet bleiben .
Sowohl der Antritt, wie auch das Einſtellen der Schwen - 274 .
kung , werden von der Stelle aus durch den Kommandanten ,
während des Marſches dagegen durch die betreffende Flügel
charge des Gliedes angeordnet.
Zur Schwenkung von der Stelle aviſirt der Komman- 276 .
bant: » Rechts (links) schwenken !« ; worauf die Schwere Fig . % .
des Körpers auf den rechten Fuß übertragen , auf das
nachfolgende Kommando : »Marsch !« die Schwenkung
nach der vorſtehenden Belehrung angetreten , und ſo lange ,
fortgefeßt wird , bis das Kommando : » Halt !“ erfolgt,
welches der Kommandant in dem Augenblicke auszuſprechen
hat, wenn das Glied noch einen Schritt von der beab
fichtigten neuen Frontlinie entfernt iſt.
376 . Soll während des Marſches geſchwenkt werden , ſo
kommandirt die betreffende Flügelcharge des Gliedes , nach
dem ſte vorher durch den Kommandanten hierzu aviſirt wors
den , und auf dem betreffenden S diwenkung8
punkte ,angelangt ift : » Rechts (links) -
schwenkt!« ; aufwelches Kommando die Schwenkung ſo:
gleich angetreten wird .
377. Zum Einſtellen der Schwenkung wird — nad vor:
ausgegangenem Aviſo : »Geradaus!« des Kommandanten -
das Glied durch die Pivot - Charge mittelft des Rommando :
» Gerad — aus !" zur Fortſeßung des Marſches in gerader
Direktion beordert ; worauf ſogleich Alles wieder im vollen
Schritte austritt, und Fühlung und Richtung gegen die
Marſchdirektionsſeite nimmt.
278. Die Schwenkungen während des Mariches müſſen im
mer genau auf dem beſtimmten Punkte begonnen werden , das
her die betreffende Pivot- Chargedas: »Rechts « oder: »Links
ſchon angemeſſen vorher , das : „ schwenkt!« aber im Au
genblice des Anlangens an dem Schwenkungspunkte auszu :
ſprechen hat. Eben fo iſt auch beim Einſtellen der Schwen
· kung das : »Gerad " ſchon drei Schritte früher zu avifiren ,
das: » aus !« aber in demſelben Augenblicke auszuſprechen ,
wo der lebte Schritt zur Beendigung der beabſichtigten
Schwenkung ausgeführt wird.
379. Um die richtige Bewegung der Pivot-Charge während der
WoSchwenkung, ſo wie auch das entſprechende Kommandiren
Fig . 3 .
beim Antritte und beim Einſtellen der Schwenkung zu über:
wachen , find beim erſten Unterrichte, der Anfangs- und
Endpunkt des Viertelkreis - Bogens, auf welchem die Bes
wegung der Pivot-Charge ſtattzufinden hat , durch Aufſtellung
von zwei Mann zu markiren .
73

$ . 20 .
Gewehrgriffe.
Wie bereits in Nr. 815 erwähnt, ſind im Gliede die 280.
Gewehrgriffe ſtets von allen Männern gleichzeitig ſchnell und
kurz auszuführen , und es hat nach Vollführung derſelben
die größte Ruhe und Stille zu herrſchen . Es wird demnach
hier nur noch beigefügt, daß dieß ganz beſonders bei jenen
Gewehrgriffen ſtattzufinden habe , welche, wie das Präſen
tiren , Stellen zum Gebet, die General-Decharge u . f. w ., als
Ehrenbezeigungen dienen oder fonſt nur bei feierlichen Gele
genheiten ausgeführt werden.
Zur Übung der Gewehrgriffe ſtellt ſich der Kommandant 281,
in angemeſſener Entfernung vor die Mitte des Gliedes , und
avifirt : > Die Gewehrgriffe exer — ciren !«
Auf dieſes Aviſo nehmen die an den Flügeln des Glie - 282.
des eingetheilten Unteroffiziere » beim Fuß,« und bleiben ir:
dieſer Stellung, bis nach beendeter übung das Kommando :
» Chargen ! Schul - tert!« erfolgt.
Die Gewehrgriffe werden von der Mannſchaft in nach -283.
ſtehender Reihenfolge ausgeführt :
1. In Arm , Schultert.
2 . In die Balance, Schultert.
3 . Fällt das Bajonet, Schultert.
4 . Präſentirt, Schultert.
6 . In die Balance, beim Fuß.
6 . Stellen zum Gebete und Herſtellen .
7 . Niederknieen zum Gebete und aufvon Gebete. '
8. Zum Schwören und Herſtellen .
Während der Ausführung der Gewehrgriffe hat ſich der 284.
Kommandant zeitweiſe aufden einen oder andern Flügel zu
begeben , um von dort aus die Richtung des Gliebes und
die Lage der Gewehre beurtheilen zu können .
: 74
285 . Nach jedem Tempo , beſonders aber nach jenen , in
welchen der Soldat in der Regel beſichtigt wird, muß der
Kominandant auf die vollkommene Gleichheit ſehen , jeden
Fehler mit aller Sorgfalt abſtellen , undwo das bloße Anrufen
des Fehlenden nidt genügt, ſich hierzu an Ort und Stelle
begeben ,
$ . 21.
laden und Feuern.
286. Im Gliede werden die Ladungstempo nur nach dem
Kommando : Habt Acht ! .Glied ! La – det!« , noch auf
das Vorzählen von Eins bis Sechs, bei dem Laden unmit
telbar-nach dein Kommando: » Feuer !« aber jederzeit, ohne
den Zuruf : » Ladet!« abzuwarten , ununterbrochen nach
Nr. 124 ausgeführt.
287. Bei dieſem Unterrichte im Gliede iſt vorzüglich darauf
zu ſehen , daß die Männer nicht gedrängt ſtehen , um in der
freien Bewegung beim Laden , und namentlich beim Feuern ,
nicht gehindert zu ſein.
288. Wo es die Örtlichkeit geſtattet, oder wenn ſich in an
gemeſſener Entfernung gegenüber des Gliedes eine Truppe
aufgeſtellt befindet, muß der Mannſchaft beim Feuern —
mit Rüdſicht auf die Entfernung des zu beſchießenden Ges
genſtandes – ein Zielpunkt angegeben werden . Wo dieß
nicht thunlich iſt, muß die Mannſchaft verhalten werden , die
Gewehre wagrecht, und überdieß ſenkrecht auf die Frontlinie
des Gliedes, in Anſchlag zu bringen .
Kommando:
Worte. Belehrung.

» HabtAcht!«
»Glied ! La
det !« Wie bei der Belehrung für den einzel- 289.
„ Eins !
Zwei!« etc. nen Soldaten .
> Herstellt - Jeder Mann berichtigt Fühlung und 290.
Euch ! «
Stellung.
»Feuern ! « Wie bei der Belehrung für den einzel - 291.
nen Mann .
»Glied !« . 1 Auf das Aviſo : »Glied !« treten die
an den Flügeln eingetheilten Unteroffiziere
fünf Schritte gerade zurüc .
» Fertig !« Wie bei der Belehrung für den ein - 292.
» An !« zelnen Mann. Nach erfolgter Beſeitigung
» Feuer ! «
des erplodirten Zünders wird ſogleich die
Ladung begonnen , ununterbrochen fortges
ſeßt, und nach Beendigung derſelben das
Gewehr fertig genommen .,
» Halt !« Wird ſich nach Nr. 125 benommen . 293.
Die zurücgetretenen Unteroffiziere treten an
|die Flügel des Gliedes vor. Der Rominans
dant hat das : „Halt !« abwechſelnd, ſowohl
während des Ladens , als wenn das Glied
fertig ſteht, zuzurufen , um die Überzeugung
zu erlangen , daß ſich die Mannſchaft hierbei
nach Nr. 125 benehme.
» Herstellt - Stellung, Fühlung und Richtung wer : 294.
Euch !« den berichtigt.
76

$. 22.
General- Decharge.
395. Die General - Decharge wird im Gliede auf dieſelben
Roinmando, und ganz nach der bei der Ausbildung des ein
zelnen Mannes gegebenen Belehrung ausgeführt.
396. Dem Rominando: » Ladet !« und : » Fertig !«wird jeder
zeit das Avifo : »Glied !« vorgeſekt; nach dem Kommando :
» Schultert!« aber : » Herstellt - Euch !« komman
dirt, worauf jeder Mann Stellung, Fühlung und Richtung
zu berichtigen hat.
Drittes Hauptflick.
A 'usbildung des Soldaten im Zuge.
Sobald der Soldat durch den Unterricht im Gliede die 297 .
zu feiner Verwendung in ganzen Abtheilungen nothwendige
Vorbildung erlangt hat, wird zur Formirung des Zuges ge
ſchritten , und mit dieſem nicht allein das bereits Erlernte,
mit Rüdſicht auf die für den Zuſammenhang des ganzen
Truppentörpers erforderlichen Beobachtungen , wiederholt;
ſondern es werden auch jene Bewegungen gelehrt, welche
ein Zug bei dem Ererziten in der Kompagnie oder in größe:
ren Abtheilungen auszuführen beſtimmt iſt.
Der Bauptmann überträgt jedem ſeiner Offiziere, dann 298 .
dem Feldwebel, und in Abweſenheitdes Eineri oder Anderen ,
dem geſchickteſten Unteroffiziere einen Zug zum Unterrichte.
Der Kompagnie - Kommandant hat mit aller Sorgfalt dars
über zu wachen , daß jeder Zugs-Rommandant in den Geiſt
der beſtehenden Vorſchrift gehörig eindringe, den Unterricht
genau nach derſelben , ohne ſich jedoch ängſtlich init unwe
fentlichen Formen zu beſchäftigen , gründlich ertheile , wie
auch überhaupt mit allem Eifer fich angelegen fein laſſe, die
ihm anvertraute Abtheilung auf jenen Grad der Ausbildung
zu bringen , welcher in allen Gelegenheiten die volle Brauch :
barkeit des Soldaten verbürgt.'
78

299. Dieß wird um ſo inehr nothwendig ſein , als ohne


vorausgegangene gründliche Ausbildung der Züge kein ent
ſprechendes Reſultat bei dem Grerziren in der Kompagnie
u . ſ. w . erlangt werden kann .
$ . 23.
Stellung des Zuges.
300 . Jede zum Zugsunterrichte ausrüdende Abtheilung wird
ſtets ſo aufgeſtellt, und mit denſelben IInteroffizieren verſehen ,
wie es ihre Eintheilung als Zug in der Kompagnie mit
ſich bringt; mit dem Bemerken , daß die hinter die Front
gehörigen Unteroffiziere in das dritte Glied einzutreten
: : yaben. Abgängige Chargen werden durch Stellvertreter er
ſeßt. Befindet ſid , ein Tambour bei dem Zuge, ſo ſtellt ſich
derſelbe hinter der Mitte, drei Scritte vom dritten Gliede
entfernt, auf.
301. Die Entfernung der Glieder beträgt - - von der Abſaßs
linie des einen bis zu jener des anderen Gliedes - die dop
pelte Mannsbreite (ungefähr drei Schuh).
302. Jeder Soldat unuß die vorgeſchriebene Stellung haben ;
die Männer des erſten Gliedes nehinen die Fühlung gegen
den rechten Flügel, und erfaſſen die Frontlinie ; jene des
zweiten und dritten Gliedes ſtehen – ohne Rückſicht
auf die Fühlung – auf dem vorgeſchriebenen Abſtande, fenk:
recht hinter ihren Vormännern , ſo daß ſie auf dieſe ges '
deckt ſind.
303. Die Richtung der Glieder darf nicht ängſtlich geſucht.
werden , ſondern muß ſich bei dem erſten Gliede durch die
leichte Fühlung gegen den rechtsſtehenden Nebenmann, und
durch einen ſchnellen Blic dahin ; bei dem zweiten und
dritten aber , nebſt der ſo nöthigen parallelen Lage der.
rückwärtigen Glieder, durch das Einhalten der Gliederdiftanz
jedes einzelnen Mannes von ſelbſt ergeben .
79
Drei auf oberwähnte Art hintereinander ſtehende Män: 304 .
ner nenntman eine Rotte; fehlt hiervon ein Mann im zwei
ten Gliebe, ſo wird ſie eine ḥ albblinde, und, wenn nebit
dieſern auch noch jener des dritten Sliedes fehlt , eine :
blinde Rotte genannt.
Der auf vorſtehende Weiſe geſtellte Zug wird nun in 303 .
gerade und ungerade Notten , ſowohl vom rechten ge
gen den linken , wie auch voin linken gegen den rechten
Flügel abgetheilt; wobei der Zugs - Rommandant immer von
den Flügelrotten , als der erſten ungeraden auszugehen , und
am Schluſſe des Abtheilens beizufügen hat: » Zum Ab
marſche red t8! (links),« je nachdem er das Abthei
len bei der rechten oder linken Flügelrotte begonnen hat.
Jede Rotte muß ſich wohl merken , von welchem Flügel 306.
ſie eine gerade oder ungerade bildet, und roll ferner wiſſen ,
die wie vielſte ſte vom rechten oder linken Flügel ift; ſo wie
jeder Soldat ſeinen Nebena , Vors und Hintermann genau
zu kennen hat. . .
: Son ein Zug, . B . auf der Wache u . f. w ., in Ein 307.
Glied , formirt werden , ſo geſchieht dieß auf das Rom
inando: » In ein Glied ! Zweites und drittes Glied ! links
(rechts) – um ! Marseh !« ; woraufdaszweite und dritte
Glied , wenn ſie auf die erforderliche Entfernung gelangt
ſind, fich herſtellen und dann in die Frontlinie des erſten
Gliedes einrichten .
Um aus einem Gliede den Zug zu formiren , wird nach 308.
vorausgegangenem Abtheilen des Gliedes kommanbirt : » In
den Zug! Zweites und drittes Glied ! rechts (links) — . '
um ! Marsch !“ ; worauf ſich dieMänner des zweiten und
dritten Sliedes ſeitwärts ziehen , und ſofort auf die vor
geſchriebene Gliederdiftanz, ſenkrecht hinter ihren betreffenden
Vormännern des erſten Gliedes berſtellen .
$. 24.
Öffnen und Schließen der Glieder.
309. Das Öffnen der Glieder dient zur Viſitirung oder nå:
beren Beſichtigung eines bereits formirten Zuges , dann zur
Übung der Gewehrgriffe.
310 . Hierzu wird kommandirt : » Glieder öffnen ! — Rück
wärts – Marsch ! «
Auf dieſes Kommando tritt das zweite Glied vier,
das dritte acht Schritte gerade zurüd , wobei jeder Mann
fortwährend auf ſeinen Vormann gedeckt zu bleiben hat.
311. Schreitet der Zugs -Kommandant nach erfolgtem Öffnen
der Glieder zur Beſichtigung des Zuges, — wobei er die
Stellung und das Gewehrtragen jedes einzelnen Mannes zu
prüfen hat, – ſo kommandirt er, je nachdem die Beſichtigung
vom rechten oder linken Flügel begonnen wird : » Rechts
(links) richt- euch !« ; aufwelches Kommando die Manns
ſchaft aller drei Glieder den Kopf nach der bezeichneten Seite
wendet , und ſich ſchnell richtet; die Männer des betreffenden
Gliedes aber dem Kommandanten beim Vorübergehen mit dem
Kopfe langfam folgen , und dieſen dann ſo lange dahin ges
wendet behalten , bis nach beendeter Beſichtigung das Rom
mando : „ Habt — Acht!« erfolgt.
312. Vor Beſichtigung eines jeden einzelnen Sliedes durch
einen Höheren , hat der Kommandant, wenn dieß nicht ſchon
der Fall ſein ſollte , die Köpfe nach jener Seite wenden zu
laſſen , von welcher er kommt.
313. Zum Schließen der Glieder wird kommandirt: »Glie
der schliessen ! - Marseh !« ; worauf das zweite Glied
zwei, das dritte Glieb vier Schritte vorwärts macht , und
jeder Mann ſogleich ſeine Deckung und Gliederdiſtanz bes!
richtigt.
81

$. 85.
Ropfs und körperwendungen .
Die Kopfwendungen werden im Zuge auf die im 314.
$. 9 vorgeſchriebenen Kommando und auf dieſelbe Weiſe,
jedoch nur von den Männern des erſten Sliedes vollzogen ;
während jene des zweiten und dritten Gliedes den Kopf uns
verrüđt auf ihre Vormänner gerichtet behalten .
Sollen aber , wie z. B . bei der Beſichtigung der Truppe818 .
durch einen Höheren oder beim Defiliren geſchloſſener Abs
theilungen , alle drei Glieder die Kopfwendung vollführen ; ſo
muß dem betreffenden Kommando zur Kopfwendung jederzeit
bas Aviſo : » Zug ! « vorgeſeßt, und ſobald der die Truppe
beſichtigende Höhere vorüber , oder die defilirende Abtheilung
an dieſem vorbeimarſcirt ift: „Habt--- Acht !“ kommans
dirt werden .
Die Körperwendungen erfolgen im Zuge von jedem 316.
Manne auf die in $. 3 vorgeſchriebene Art. Nach vollführ,
ter Wendung rechts - oder linksum , nennt man die nebens
einander ſtehenden drei Männer jener Rotte eine Reihe.
Zur Vollführung der ganzen Wendung wird avertirt : 317.
» In Reihen - rechts ! (links!) «, und dann erft tommans
dirt: » Rechts (links) - Em !«
Die Herſtellung in die urſprüngliche Front erfolgt auf318.
das Kommando: »Front!
Zum Verkehren der Front und zum Herſtellen derſels 319.
ben in die urſprüngliche Midtung dienen die in Nr. 223 vors
geſchriebenen Kommando. Nach dem Verkehren der Front
treten für dieMänner des Dritten , nunmehrigen y orderent
Gliedes die für das erſte Glied vorgeſchriebenen Beobachs
tungen ein . Befindet ſich bei dem Zuge eine blinde Rotte,
ſo tritt nach vollbrachter Wendung der betreffende Mann des
erften Gliedes in das dritte, nunmehrige vordere Glied.
Abrichtunge-Regl fa d. Juft.
S. 26 .
Richtung.
330. Die Richtung erfolgt im Zuge auf das Kommando :
Rechts (links) richt -- euch !« von dem erſten Gliede
nach der in Nr. 225 enthaltenen Vorſchrift. Die Männer
des zweiten und dritten Gliedes behalten den Kopf ge
rabaus gewendet , und berichtigen blos ihre vollkommene
Deckung und Gliederdiſtanz; daher ſie , ſo oft ihre Vor
2

mönner zum Verbeſſern der Richtung vor- oder zurüctreten,


ein Gleiches thun müſſen .
381. Iſt das erſte Glied gut gerichtet, ſowerden es das zweite
und dritte auch ſein ; iſt das erſte Glied aber nicht gerichtet,
To tönnen und follen es das zweite und dritte auch nicht ſein
weil es pie erſte Obliegenheit der Männer Der rüdwärtigen
9

Glieder bleibt, Vormann und Sliederdiſtanz genau zu halten .


33% . . Soll der Zug in eine wenige Schritte vorwärts gele:
27

gene Linie eingerichtet werden , ſo rüden ; zur Richtung


rechts, auf das Kommando: » Zur Richtung rechts ! Flü
gelchargen ! – Marsch !“ sie an den beiden Flügeln
des erſten Gliedes eingetheilten Unteroffiziere ſechs Schritte
gerade vor, bleiben ohne Kommando ſtehen , und wenden
hierauf den Kopf rechts. Gleichzeitig tritt der am rechten Flügel
.: Des dritten Sliedes befindliche Unteroffizier aufungefähr ſechs
Schritte rechts ſeitwärts , in die linie der Unteroffiziere des
Ć erſten Sliedes vor. .
323 . Dieſer Unteroffizier und der rechtsſtehende des erſten
Oliedes , bilden für die Mannſchaft die Richtung8
punkte, der linksſtehende aber das Richtungsobjekt
Der neuen Frontlinie, und es werden ſonach dieſe drei Punkte
genau auf einander gerichtet.
384. Iſt dieß erfolgt, ſo läßt der Zugs -Kommandant ans
fänglich eine Notte nach der anderen auf das Kommando :
>Rechts richt - - euch !“ wie dieß bei dem Gliederun
terrichte Mann für Mann ſtattgefunden ---- in die neue Rich
tungslinię portreten . Der Mann des erſten Gliedes jeder
Rotte benimmt ſich nach der in Nr. 238 gegebenen Weiſung,
wobei der zunächſt am Richtungsflügel befindliche zu beleh
ren iſt, daß er beim Einrücken ſeine Richtung nicht blos
nach den Schultern des neben ihm ſtehenden Unteroffizieres
des erſten Gliedes ſuchen dürfe, ſondern ſich nach dieſem und
dem rechts ſeitwärts aufgeſtellten Unteroffiziere richten müſſe ;
ſomit leßterem mit dem rechten Auge nicht ſehen ſolle.
Die Männer des zweiten und dritten Gliedes jeder 325 .
Rotte treten gleichzeitig mit ihren Vormännern aus , theis
len gleich dieſen den lebten Schritt in drei kleine, und ſus
dhen dadurch ihre vollkommene Deckung und Gliederdiſtanz
zu erlangen .
Iſt dieß mit genügendem Erfolge einigemal geübt wor- 336 .
den , ſo läßt der Zugs - Kommandant, nach vorausgegan - Plan101.
Fig . 4 .
gener Aufſtellung der Unteroffiziere , die Richtung nichtmehr
Rotte für Rotte , ſondern mittelſt des ſucceſfiven Abrüdens
der Rotten ausführen ; wozu auf das Kommando : » Rechts
richt - euch !* die dem Richtungsflügel zunächſtſtehende
Rotte ſogleich austritt, die Männer des erſten Sliedes deri
übrigen Rotten aber erſt dann nachfolgen , wenn ihr dem
Richtungsflügel zunächſt befindlicher Nebenmann um einen
Schritt vor iſt. Die Männer des zweiten und dritten Olie
des jeder Rotte treten möglichſt gleichzeitig mit ihren Vor
männern des erſten Gliedes aus.
Der Zugs - Kommandant hat darauf zu ſehen , daß die 327.
Rotten gerade vorgehen , die Männer des erſten Gliedes nach
dem leßten verkürzten Schritte Fühlung haben , und gerichtet,
jene des zweiten und dritten Gliedes aber gedeckt ſeien ; in
dem ein durch Vernachläſſigung deſſen entſtehender Fehler fich
allen folgenden Kotten mittheilen , und die Richtung dadurch
verzögert, oder garmißrathen würde.
898. Sind alle Rotten eingerüdt, po begibt fich der Rom
manbant ſeitwärts des als Richtungspunkt aufgeſtellten Uns
teroffizieres , des dritten Gliedes und überzeugt fich , ob die
Frontlinie fich genau zwiſchen den markirenden Unteroffizies
ren befinde, prüft die Gliederdiſtanz der rüdwärtigen Glieder,
und Berichtigt folche , wenn es nothwendig wäre, indem er
fich zu derjenigen Rotte begibt, wo ein Fehler abzuſtellen iſt.
399. Nach beendeter Richtung wird : » Habt - Acht!«
tommandirt.
330. Die Richtung linte erfolgt mit denſelben Beobachs
tungen nach der entgegengeſekten Seite.
331. Iſt die Linie , in welche der Zug eingeführt werden
foll, mehr als reche Schritte von der Front entfernt, ſo muß
derſelbe durch den Frontmarſch ungefähr bis auf ſechs Schritte
zu jener Linie herangezogen werden ; worauf erſt das Vor:
treten der Unteroffiziere u . f. w . erfolgt.
339. Soll der Zug in eine rückwärts gelegene linie verſekt
werden , ſo wird derſelbe durch das Verkehren der Front und
den darauf folgenden Frontmarſch ſo weit zurüdgeführt , bis
das erſte Glied auf einige Schritte über die Richtungslinie
hinausgerüdt iſt; worauf die Front hergeſtellt und die Rich
tung in die nunmehr vorwärts liegende linie, auf die bes
tannte Art vollzogen wird.
333. Handelt es fich jedoch nur darum , den Zug in eine
wenige Schritte rückwärts gelegene Linie zu verſeken , ſo wird
derfelbe durch den Rüdwårfsmarſch bis in dieſe gebracht, und
dann mittelft des Rommando : »Rechts (links) richt -
ouch !« eingerichtet.
; $. 37.
Frontmarſch vors und rüdwärts .
Der Frontmarſch wird nach den beim Gliederunter- 334.
richte feſtgeſtellten Grundfäßen und auf dasſelbe Rommando
ausgeführt , nur daß dem Kommando : »Marsch !“ ſtatt :
» Glied !« das Aviſo : »Zug !« vorzuſeßen kommt.
Für das erſte Glied gelten die daſelbſt erklärten Bes 385.
obachtungen ; die Männer des zweiten und dritten Slies
des hingegen haben fortwährend auf ihre Vormänner ges
deckt zu bleiben , und die vorgeſchriebene Sliederdiſtanz ges
nau beizubehalten ; worauf mit beſonderer Strenge zu ſes
ben iſt.
Kommt der Zug während des Frontmarſches an eine 336.
Stelle", welche er mit ſeiner ganzen Breite nicht paſſiren
kann , ſo kommandirt der in dem erſten Gliede eingetheilte
Unteroffizier des betreffenden in ſeinem Marſche gehinder
ten Flügels : » Drei ( vier ) Rotten ! Verkürzt den -
Schritt !“ , und wenn das dritte Glied des mittlerweile im
vollen Schritte fortmarſchirenden Zuges über die abgebroches
nen Rotten hinausgerückt iſt , und das Abbrechen som redha
ten Flügel ſtattfände: » Halb --- links !“ ; dann , wenn er
mittelſt dieſes Seitenmarſches , im vollen Schritte , in das
Alignement der erſten nicht abgebrochenen Rotte des Zuges
gelangt: »Grad - aus !“
In dieſem Verhältniffe, auf Gliederdiftanz an das dritte 387.
Glied des Zuges geſchloſſen , verbleibt der Unteroffizier mit
den abgebrochenen Rotten ſo lange, bis der Terrain wies ,
der den Marſch des Zuges in ſeiner vollen Breite geſtattet;
worauf er: » llalb -- rechts !“ und wenn er den Raum
zum geraden Einrüden in die Front gewonnen hat: »Grad -
aus! « fommandirt , und ſofort in beſchleunigtem Schritte
in die Frontlinie des Zuges vorrüdt, woſelbſt die abgebros
SA

chenen Rotten , Fühlung und Calt von der übrigen Mann


rosaft, dann aber , wenn das Abbrechen von der Marſchbis
rektionsſeite ſtattgefunden hätte, die Fühlung wieder gegen
dieſe Seite zu nehmen haben .
338. Das Abbrechen vom linken Flügel findet unter den
: analogen Beobachtungen nach der entgegengeſeßten Seite ſtatt.
339. Dieſe Art des Abbrechensmuß öfter, bald vom rechten ,
bald vom linken Flügel geübtwerden .
340. Hat der Zug während des Frontmarſches einen Graben
zu paſſiren , oder einen ſteilen Ravin zu erſteigen , fo fom
mandirt der Zugs - Kommandant einige Schritte früher :
» In die -- Balancel« und läßt ſucceffive ein Glied nach
dem andern das Hinderniß überſchreiten ; worauf der Zug
ſich auf ungefähr ſechs Schritte jenſeits des Hinderniſſes wie
der mit geſchultertem Gewehre formirt, und dann ſeinen
Marſch fortſeßt.
341. Hierbei iſt darauf zu ſehen , daß die Gewehre in der
Balance nahe am Leibe und nicht vorhängend getragen wer
den ; widrigenfalls die Mannſchaft der rüdwärtigen Glieder
ihre Vormänner beſchädigen könnte.
348. Der Frontmarſch rückwärts — ſowohl der mittelft des
Rüdwärtsſchreitens, wie auch jener nach vorangegangenem
Verkehren der Front, erfolgt auf die in Nr. 259 und 260
erklärte Weiſe und auf dasſelbe Kommando.
343. Bei dem Frontmarſche mittelft des Rückwärtsidhreitens
hat die Mannſchaft des zweiten und dritten Gliedes fortwäh
rend auf ihre Vormänner gedeckt zu bleiben .
344 . Bei dem Frontmarſchemit verkehrter Front gelten für das
dritte, nunmehrigevordere Glied , die bei dem Frontmarſde
vorwärts für das erſte Glied vorgeſchriebenen Regeln ; ſo wie
fich die nunmehr rückwärtigen Glieder nach den für dieſe Olie
der überhaupt aufgeſtellten Grundfäßen zu benehmen haben .
$. 28.
Zießung im Frontmaridhe.
Die Ziehung ſowohlvon der Stelle, als während des 345.
Marſches , erfolgt nach den in $. 18 aufgeſtellten Grund
fäßen und auf dieſelben Kommando.
Die Mannſchaft aller drei Glieder vollführt
1 aufTout
das 346 .
betreffende Kommando die halbe Wendung, und15 jeder Mann Plan
. .
Tie III .
Fig . 5 .
bleibt während der Ziehung fortwährend in dem durd,
13

die Körperwendung ſich ergebenden Abſtande und Verhalt


** * W OS
niſſe von ſeinem Neben- und Vormanne, ſo daß ſich dieMän
ner des zweiten und dritten Gliedes, nicht wie beim Front
marſche ſenkrecht hinter ihren Vormännern , ſondern ſtaffel
förmig , ſeit- und růdwärts verfelben , befinden ; damit auf
das Kommando zum Einſtellen der Zie bung, die ſenkrechte
Deckung der Männer jeder Rotte , und die Gliederbiſtanz
ſogleich vorhanden ſeien .
Die Ziehung hat in der Regel nur auf kurze Štreden 347.
in Anwendung zu kommen , indem man entferntere Punkte
Dit will 19 . cm ) si 90
auf andere Weiſe mit mehr Leichtigkeit zu erreichen vermag.
S. 29.

Schwenkung.
Die Schwenkung wird im Zuge auf basfelbeKominan: 348.
do, und was die Bewegung des erſten Gliedes betrifft, nach
denſelben Grundfäßen und auf diefelbe Art vollführt, wie
in S. 19 des Gliederunterrichtes vorgeſchrieben worden . Die
Männer des zweiten und dritten Gliedes müſſen während
by 0721
der Schwenkung unausgefeßt auf ihre Vormănner gebedt
bleiben und die vorgeſchriebene Gliederbiſtanz beibehalten :
.wozu von Seite der dem Pivot-Flügel zunächſtſtehenden ein
der Schritte und gleibzeitiges Seitwärts
1

treten genügen .
$. 30.
Formirung der Reihenfolonne und Be'w eg uns
gen derſelben .
Wird der Zug mittelft des Kommando : » In Reihen –

- -
849.

-
rechts ! (links !)« » Rechts (links) - uml« in Reihen

--
gebrochen , ſo nennt man ihn eine Reihenfolonne, und
zwar eine rechts oder links formirte , je nachdem die Wens
bung rechtsum oder linksum ftattfand.
350. Die vorderſte Reihe Heißt die Tête – die leßte aber
die Queue der Kolonne.
361. Die Formirung der Reihenfolonne fann ſowohl auf der
Stelle , wie auch während des Marſches ſtattfinden .
35 % . Soll eine Reihenkolonne marſchiren , ſo wird koms
mandirt: » Zug ! - Marsch !" . Auf das Aviſo : » Zug !«
hat jeder Mann die Schwere des Körpers auf den rechten
Fuß zu übertragen , auf das nachfolgende: »Marsch !« die
ganze Reihenkolonne zugleich auszutreten .
353. Der an der Tête der Kolonne befindliche Unteroffizier
des erſten Gliebes leitet die Marſchdirektion ; wozu er fich
ein Direktionsobjekt und einige Zwiſchenpunkte wählt, auf
die er in gerader Richtung hinmarſcirt.
354 . Alle Männer des erſten Gliedes bleiben fortwährend
auf dieſen Unteroffizier , Schulter auf Schulter, gededt, ſo
Daß keiner den Nađen ſeines zweiten Vormanne8 ſteht. Dieſe
Dedung der Männer des erſten Gliedes nenntman das Kos
lonnen -Alignement.
355. Die Männer des zweiten und dritten Sliedes halten ſich
dergeſtalt ſeitwärts , daß nach dem zweiten Schritte das
zweite Glied an das erſte, und das dritte an das zweite,
Ellenbogen an Ellenbogen geſchloſſen rei ; worauf fte barn
fortwährend die Fühlung gegen das erſte Glied , nämlich ges
gen die Alignementsſeite nehmen .
89 ,

Die Tête der Kolonne tritt auf das »Marſo « ſo- 356.
gleid im vollen Schritte aus. Bei den folgenden Reihen kann
dieſes jedoch wegen des geringen Raumes, welcher ſte trennt,.
nicht gleich geſchehen ; daher jeder Mann anfänglich ſeis
nen Fuß'da bin ſext, wo ibu ſein Vormann wegs
gehoben hat, und ſo fortmarſchirt , bis fich , durch das
ungehinderte Ausſchreiten der Téte , nach und noch für jede
Heihe der nöthige Raum zur Vofführung des vollen Schrits
tes ergibt. Dieſer Abſtand eines Schrittes von einer Reihe
zu der anderen muß dann während des Marſches ſorgfältig ers
halten werden ; widrigenfalls , bei fich ergebenden größeren
Abſtänden , die Kolonne zu ſehr verlängert, ſomit auch der
Aufmarſch in die Front zu ſehr verzögert würde.
Soll die Reiheniolonne ihre Marſch direktion ändern , 367.
ſo aviſirt der Zugs-Kommandant die Tête zum Rechts- oder
linksſchwenken , und ſobald die beabſichtigte neue Direktion
erlangt iſt, wieder zur- Fortſeßung des geraden Marſches.
Die Schwenkung wird auf das Aviſo von der Tête 358.
ſogleich, und ſofort ſucceſſive von jeder anderen Reihe auf
derſelben Stelle , mit beweglichem Pivot vollzogen ;
wobei, — die Schwenkung mag rechts oder links ſtattfins
den , – die Fühlung immer gegen das erſte Glied,
welches das Kolonnen- Alignement bildet, beizubehalten iſt.
Der den beweglichen Pivot jeder Reihe bildende Mann hat
fich auf einem Kreisbogen , deſſen Halbmeffer einen halben
Schritt beträgt, zu bewegen , und hierbei die Schritte in
dem vierten Theile der vorgeſchriebenen Länge zu volls
führen.
Dem Rommando : » Maltl« zum Einſtellen des Rei: 359.
henmarſches wird das Aviſo : » Zug !« vorgefeßt.
Soll die Reihenkolonne eine Ziehung vollbringen , ſo 360.
wird kommandirt : »Ziehung rechts (links) !« » Halb -
rochts ! (links !)« , welchem – wenn die Kolonne
90

nicht im Marſde begriffen wäre, — noch das Kommando :


» Zug ! - Marsch !« beizufügen kömmt.
361. Die Ziehung wird von allenMännern gleichzeitig ans
getreten , und nach $. 27 vollführt. Die Männer desjeni.
gen Gliedes , welches ſich auf der Seite befindet, wohin
die Ziehung vorgenommen wird, müſſen fortwährend die
äußere Wand bilden , d. h . aufeinander gedeckt bleiben .
Die Männer jeder Reihe müſſen den durch die Körperwen
dung entſtandenen Zwiſchenraum von einander unausgefeßt
beibehalten ; mit dem Bemerken jedoch , daß , wenn die Reis
henkolonne noch nicht von der Stelie gerüdt wäre , ſie ſich
gleichzeitig bis auf das Ziehungsverhältniß aneinander , and
zwar gegen diejenige Seite zu ſchließen habert , wohin die
Ziehung ſtattfindet.
362. Zum Einſtellen der Ziehung wird : „Zug! Halt !
» Front !“ – zum Übergange in den geraden Marſch :
» Grad - aus !“ kommandirt ; worauf im leşteren Falle,
nach erfolgter Körperwendung, das Kolonnen -Alignement jes
derzeit wieder auf das erſte Glied übergeht.
363. Soll eine im Marſche begriffene Reihenkolonne dieſen
in der entgegengeſeßten Richtung, nämlich gegen die Quene
antreten , ſo wird vorerſt : »Zug ! - Halt !« und hier:
auf: „ Die Kolonne verkehren !« — » Kehrt! -- euch !«
tommandirt. Dadurch wird die Rolonne, wenn fie eine
rechtsformirte war – eine linksformirte.
364. Die Reihenkolonne dient außer als Vorbereitungsmittel
zu Frontveränderungen von der Stelle , noch zur Bewegung
der Truppe auf ſchmalen Kommunikationen , ſo wie audy, unter
gewöhnlichen Verhältniſſen , für kleine Abtheilungen zum
Marſche von einem Orte zum anderen .
$. 31. ,
Formirung der DoppelreihensRolonne und
Bewegungen derſelben .
Die Formirung der Doppelreihen - Rulonne fann ſos 365.
wohl auf der Stelle , wie auch während des Marſches, ſtatt
finden . Zur Formirung der Doppelreihen - Kolonne auf der
Stelle rechts, kommandirt der Zugskommandant: » In Doppel
reihen – rechts ! « » Rechts -- um !«
* Nach erfolgter Wendung treten die Männer der geraden 366 .
mi Plan IV .
Rotten ſogleich dergeſtalt links vorwärts neben ihre Vors
männer der ungeraden Rotten ein , daß die Intervallen aus
gefüllt werden .
Die Männer des erſten Gliedes der geraden Rotten 367.
bilden die äußere Wand der Doppelreihen - Rolonne, und in
dieſer je feche nebeneinander ſtehende Männer eine Dops
pelreihe.
Die an der Tête der Kolonne befindlichen Unteroffiziere 368 .
treten nach volbrachter Wendung einen Schritt links ſeit- und Fig . 8.
vorwärts. Die an der Queue befindlichen bleiben bei gerader
Rottenzahl des Zuges ſtehen ; beſtünde jedoch der Zug aus
einer ungeraden Rottenzahl, ſo treten ſie nach der Wendung
eine Mannsbreite links ſeitwärts, um den zum
Ausſchreiten im vollen Schritte erforderlichen Raum zu erhalten .
Bei Formirung der Doppelreihen - Rolonne links, fin- 369.
det alles auf ähnliche Weiſe , jedoch auf die entgegengeſekte
Seite ſtatt.
Soll eine Doppelreihen -Kolonne marſchiren , jó hatauf 370.
$ as Aviſo : » Zug !« jeder Mann die Schweré des Körpers
auf den rechten Fuß zu übertragen , auf das nachfolgende:
»Marsch !« aber ſogleich im vollen Schritte aus
zutreten ; worauf beſonders ſtrenge geſehen werden muß. Der
an der Tête befindliche Unteroffizier des erſten Sliedes leitet
die Marfddirektion. Die Männer des erſten Gliedes der
geraden Rotten , welche die äußere Wand , ſomit das
Kolonnen - Alignement bilden , bleiben während des
Marſches hintereinander und auf den vormarſchirenden Un
teroffizier ſo gededt, daß keiner den Raden ſeines zweiten
Vormannes ſieht, und inüſſen die zwiſchen ihnen und der
vormarſchirenden Doppelreihe befindliche Gliederdiſtang forts
während genau einhalten . Die übrigen Männer jeder Dop
pelreihe nehinen die Fühlung ſtets gegen die äußere Wand,
371. Die Doppelreihen -Kolonne vollführt die Schwenkungen
gleichfalls ſucceſſive, Doppelreihe für Doppelreihe, nadh Nr. 357
und 358 ; nur hat der Halbmeſſer des Kreisbogens, auf wels
dem der Pivot ſich bewegt, einen Schritt zu betragen .
372. Die Ziehung erfolgt auf dieſelbe Weiſe und auf dasſelbe
Roumando wie bei der Reihenkolonne, und die daſelbſt
für die Reihen gegebenen Vorſchriften gelten hier für die Dop
pelreihen .
373. Soll eine im Mariche vegriffene Doppelreihen -Rolonne,
- ſie ſei rechts - oder linksformirt, - - dieſen in der Richtung
gegen die Queue antreten , ſo geſchieht dieß , nachdem fte
früher zum Halten beordert wurde, auf das Aviſo : » Die
Kolonne verkehren !« »Zu Zweien ! - - Kehrt euch ! « ;
worauf die zwei nebeneinander ſtehenden Männer des gleichs
namigen Gliebes jeder Doppelreihe, mit Beibehalt der Fühs
, lung , auf dem Drehpunkte ihrer Mitte die Front verkehren,
indem ſich der links ſtehende links rückwärts , der rechts
ſtehende links vorwärts bewegt.
374 . Befindet ſich an der Queue der Rolonne eine einfas
che , nur aus drei Männern beſtehende Reihe, ſo macht
jeder für ſich kehrt, und tritt dann einen Schritt feitwärts
gegen die Seite des neuen colonnen -Alignements. Auf ähns
liche Weiſe benehmen ſich die nach der Wendung an der nun
mehrigen Tête befindlichen Unteroffiziere,
93
Durd das Verkehren der Doppelreihen - Rolonne wirb 875 .
dieſe , wenn ſie eine rechtsformirte war, eine lintøformirte.
· Die Formirung der Doppelreiben - Rolonne während 376.
des Marſdes erfolgt auf das für jene von der Stelle sors
geſchriebene Kommando. Die Männer der ungeraden
Rotten vollziehen die anbefohlene Wendung während des
Marſches , jene der geraden dagegen ſchwenken in das bei
der Formirung dieſer Kolonne auf der Stelle erklärte Vers
hältniß neben jene der ungeraden ; worauf der Mario
unaufgehalten in der durch die Körperwendung erlangten
Direktion fortgeſett, und ſich hierbei nad Nr. 370 benoms
men wird.
Die Doppelreihen - Rolonne hat im Vergleiche mit der 377.
Reihenkolonne den Vortheil, daß alle Doppelreihen ſogleich
den nöthigen Raum zum Ausſchreiten im vollen Schritte has
ben , die Rolonne fich ſomit während des Marſhes nicht vers
längert ; daher auch die Front augenblidlich herſtellt werden
tann.

S. 32.
Abfallen aus Doppelreihen in Reihen u . ſ. w .
Soll eine Doppelreiben s Kolonne während des Mars 378.
riches in Reihen abfallen , ſo wird tommandirt: » In Reihen !«
„ Fallt - abl« Die Männer der ungeraden Rotten
marſciren unaufgehalten fort, jene der geraden verkürzen
den Schritt , und ziehen fich hinter ihre Nebenmänner ; zus
gleich ſchließt fich das zweite und dritte Glied gegen das erſte,
und die Unteroffiziere verfügen ſich auf die ihnen in der Reis
henkolonne zukommenden Pläße.
Geſchieht das Abfallen auf der Stelle , ſo treten auf 379.
das Sommando : » In Reihen !« »Fallt - ab !« die Mäns
ner der geraden Rotten mittelſt eines Schrittes rüd- und
ſeitwärts. hinter ihre Nebenmänner. Das zweite und dritte
· Glied ſchließt fich jedoch erſt dann gegen das erſte, wenn die
Reifenkolonne zum Marſche beordert wird.
389. Iſt ein Defilé , z. B . ein Steg u. dgl., ſo ſchmal, daß
es auch mit der Reihenkolonne nicht pafſirtwerden kann, ſo geht
auf das Aviſo : » Rottenweise abfallen !« - »Marsch !“
Reihe für Reihe in die Rottenſtellung über. Nämlich der
Mann des erſten Gliedes der erſten Reihe marſchirt zuerſt
vor , ihm folgt jener des zweiten , dieſem jener des drits
ten Gliedes ; hierauf kommt der Mann des erſten Gliedes
der zweiten Reihe u . f. w .
381. Zum Aufmarſche wird auf das Kommando : » In Reihen
aufmarschiren !« - »Marsch !« rottenweiſe wieder in die
Reihenſtellung übergegangen. Hierzu perkürzt die Tête den
Goritt ſo lange, þis alle Reihen ihre gehörige Diſtanz wię
der erreicht haben ; worauf: » Im vollen - Schritt !“ kom
mandirt wird.
382. Anf dem Ererzirplaße iſt zur beſſeren Verſinnlichung für
die Mannſchaft das Defilé durch die Unteroffiziere des dritten
Sliedes markiren zu laſſen .

$. 33.
Aufmario a us Reihen in Doppelreihen.
383. Soll eine im Marſohę begriffene Reihenkolonne in Dop:
pelreihen aufmarſdiren, ſowird avifirt: » In Doppelreihen !“ ;
worauf die Männer des zweiten und dritten Gliedes der un
geraden Rotten fic aufMannsbreite ſeitwärts von ihren
Nebenmännern des erſten , bezüglich zweiten Gliedes ziehen .
Auf das gleich darauf folgende Kommando: »Marschirt -
auf!« begeben fich die Männer des zweiten und dritten
Gliedes der geraden Rotten in die durch das Seitwärts
treten ihrer bisherigen Vormänner der ungeraden Rotten
entſtandenen Lüden , jene des erſten Gliedes aber auswärts
neben ihre Vormänner , und die Unteroffiziere verfügen fich
95
auf die ihnen zukommenden Pläße. Die Tête, und ſucceſſive
die folgenden Doppelreihen , müſſen den Schritt ſo lange ver
türzen , bis alle auf die vorgeſchriebene Diſtanz gelangt find ;
worauf
ivo der Zugs-Kommandant: „ Im vollen - Schritt !“
kommandirt.
Der Aufmarſch aufder Stelle, und bevor noch das zweite 384.
und britte Glied an das erſte geſchloſſen iſt, erfolgt auf das
Rommando : » In Doppelreihen !« »Marschirt - auf !«
nach Nr. 366 .
S . 84 .

Aufmarſch aus der Reibenkolonne in die


Front.
Der Aufmarſch eines Zuges aus der Reihentolonne in 386.
die Front, kann in vier verſchiedenen Direktionen erfolgen, ,
nämlich :" '
1. Mit der Front gegen die Seite des Kolonnens
Alignements .
" 2 . Auf die Lète der Rolonne, mit der Front gegen
die Marſchdirektion .
3. Auf die Tête der Kolonne , mit der Front gegen
die Queue.
4. Mit der Front auf die entgegengefeßte Seite des
Rolonnen -Alignements.
Jeder dieſer Aufmarſche fann ſowohl von der Stelle, 386.
als auch während des Marſches der Reihenkolonne ſtattfinden .
Bei der nachfolgenden Erklärung der Ausführung wird 387.
als Beiſpiel durchgehends eine rechtsformirte Reihenfolonne
angenommen ; woraus ſich der Aufmarſch einer linksformirten
vhne weitere Erklärung entnehmen läßt.
Bertellung der Front, oder Aufwarſch auf die Seite des
Kolonnen - Alignements.
388 . Die Herſtellung der Front erfolgt bei einer nad ihrer
Formirung noch nicht von der Stelle gerüdten Reihenfolonne
auf das Rommando : » Front!« , indem jeder Mann die
kintsumwendung vollführt.
889. Iſt jedoch die Kolonne im Marſche begriffen , oder, obs
gleich dermalen auf der Stelle , nach ihrer Formirung ſchon
in Bewegung geſeßt geweſen ; ſo bleiben auf das Aviſo :
» Links die Front herstellen !“ , welchem im leßteren Falle
noch »Marsch !“ beizuſeßen kommt, die beiden an der
Tête marſchirenden Unteroffiziere ſtehen und machen gleichs
zeitig mit der erſten Reihe linksum . Der Mann des erſten
Gliedes wendet den Kopf rechts , nimmt die Fühlung gegen
den Unteroffizier, und richtet ſich nach ihm . Die Männer
des zweiten und dritten Oliedes treten auf die vorges
ſchriebene Gliederdiftanz zurück und beden ſich auf ihren Vors
mann
ma des erſten Gliedes. Auf die nämliche Art geſchieht
ſucceſſive die erſtellung aller Männer der folgenden Reis
hen mittelſt der Linksumwendung, ſobald ſie ihren Vors
männern ſo nahe gekommen ſind , daß fte mit ihrer Şer:
ftellung auch ſchon die gehörige Fühlung erlangen ; um nicht
etwa nach erfolgter Wendung in die Front die Fühlung
erft ſuchen zu müſſen .
'390. Nach erfolgter Herſtellung ſämmtlicher Reihen wird :
Habt --- Acht!« kommandirt.
II.
Aufmarſch auf die Tête mit der Front gegen die
Marſadirektion .
391 . Biezu wird kommandirt : »Links aufmarschiren !«
Plan IV .
Fig . 8 . " *„Halb - links!* — »Marschl« Der an der Lête befinds
liche Unteroffizier des erſten Gliedes bleibt unverrüdt,
ftehen und bildet den Stüßpunkt der Aufmarſchlinie. Die
Reihenfolonne vpdführt die anbefohlene Wendung , und tritt
ſodann die Ziehung an . Die Männer des erften Glieder
bilden die äußereWand, herſtellen fics, - - ſobald ſte fucceffive
links neben ihren Vormann gelangen, in die Front, wents
den den Ropf rechts, und nehmen ſchnell. Fühlung und Rids
tung gegen den bereits in der neuen Frontlinie ſtehenden Ne
benmann . Die Männer des zweiten und dritten Sliedes
gehen ,wenn ihre Vormiänner des erſten Gliedes fich berftellen ,
nach Maß des fich ergebenden Raumes , ſogleich in die Nottens
ftellung über und berichtigen Rottendedung und Olieberbiſtanz;
was der an der Tête des dritten Sliedes eingetheilte Unter,
offizier bei der Flügelrotte genau zu überwachen hat. Sobald
drei bis vier Männer des erſten Gliedes in die Front eingerüďt
find, wendet ſich der am Flügel befindliche Unteroffizier lintes
um gegen das erſte Glied , beſorgt die Richtung der nad
und nach einrüdenben Männer fenkrecht auf das geweſene. itd
Kolonnen - Alignement, und Herſtellt fich podann wieder in
ſeine Sintheilung. ! ! , 4.
" Nach erfolgtem Aufmarſche wird : „ Habt - Achtl* 898.
kommanditt. : 7 . 'i . Siis , in ostisi.
. . . Wird der Aufinarid während des Marſches der Rel- 393 .
henkolonne angeordnet, fo bleibt auf das Rommando: » Halb
is links !« der an der Tête marſhirende Unteroffizier des * 43.
erſten Gliedes ſtehen ; während die übrige Reihenkolonne die
Wendung vollzieht, und nach der vorſtehenden Erklärung ſuc:
ceffive in die Front einrüdt. . i ' , , apseis.
.: : Soll der Aufmarſch auf die Tête der Reihenkolonne un- 394 .
mittelbar nach Paffirung eines Defilé's, und bei fortgeſetter Fig
Plan. 5 .
Bewegung ſtattfinden ; ſo wird in dem Augenblide , wo die
Lête aus dem Defilé hervorbricht, aviflrt : » Im Zug aufmar
schiren ! und hierauf : »Marsch 1“ kommandirt.
Abrichtungs-Regl. f. d. Inf.
. 398. Der an der Léte befindliche Unteroffizier des erften
Gliebes zieht fich ſogleich rechts , und mäßigt dabet - ohne
den Takt zu verändern – etwas den Schritt. Der Unteroffis
zier des dritten Sliedes bleibt ein wenig zurück, und folgt
dann jenem des erſten auf den Abftand der doppelten Glieber
diſtanz nach. Der Mann des erſten Gliedes der erften Reihe
ſchließt fich ſogleich rechts an den Unteroffizier des erſten
Gliedes , und jeßt mit dieſem den Maríd in der Ziehung
fort. Die Männer des zweiten und dritten Sliedes aber ver
fürzen ſo lange den Schritt, bis derMann des erſten Gliedes
vor ihnen iſt; worauf ſie aus der Reihen - in die Sotten
ſtellung übergehen . Sobald die zweite Reihe aus dem Defilé
hervorbricht, ſeßt ſich der Mann des erſten Gliedes ſogleich
in die Ziehung rechts, und ſchließt ſich an jenen der erſten Reihe;
während die Männer des zweiten und dritten Sliedes
auf gleiche Weiſe, wie bei der erſten Reihe erklärt worden ,
den Schritt verkürzen, und in die Rottenſtellung übergehen ,
396. Auf dieſe Art marſchirt eine Reihe nach der anderen
auf, und wenn der Zug formirt iſt, kommandirt der zuleßt
aufmarſchirende Unteroffizier des erſten Gliedes : »Gerad -
aus !“ ; worauf ſogleich im vollen Schritt in gerader Rich
tung ausgetreten , und die Fühlung gegen die Marſedirets
tionsſeite genommen wird . Bei der Übung auf dem Grerzirs
plaße iſt das Defilé nach Nr. 382 zu markiren .
397. Die beiden obbeſchriebenen Aufmärſche auf die Tête
Der Reihenfolonné können nach Umſtänden auch auf das
dritte Glied , und zwar mittelft des Kommando : „ Auf das
dritte Glied rechts aufmarschiren !« »Halb – rechts !«
»Marsch !« oder : » Auf das dritte Glied im Zug aufmar
schiren !« »Marsch !« ſtattfinden ; wobei der Unteroffizier
und die Mannſchaft des dritten Gliedes alles dasjenige zu
beobachten haben , was beim Aufmarſche auf das erſte Glied ,
für jene dieſes Sliedes vorgeſchrieben worden .
99
Sin folder Aufmarſch kann ſ. B . bei einem Rüdzuge 398.
nothwendig werden , woman nach Paffirung eines Defilé's
aus Reihen in größere Abtheilungen aufmarſchiren , und den
Marſch mit einer auf das dritte Glied forinirten Abtheilungs
Kolonne fortſeßen will.

Aufmarſch auf die Tête , mit der Front gegen die Queue.
Hierzu wird kommandirt : » Rechts aufmarschiren !« 399.
„Halb – rochts !« »Marsch !« Der Aufmarſch erfolgt
auf den an der Tête befindlichen Unteroffizier des dritten
Gliedes , welcher fich , ſo wie auch die Mannſchaft dieſes
Gliedes , analog nach der in Nr. 391 für dieſe Individuen
des erften Gliedes ertheilten Belehrung benehmen . Der Zugse
Rommandant avifirt hieraufwährend des Auſmarſches : » Die
Front herstellen !« und kommandirt , ſobald die leßte Reihe
in die Front gerüdt ift : »Kehrt - - euch !
IV .

Jufmarſch auf die entgegengeſekte Seite des Kolonnen


Alignements.
Hierzu wird aviſirt: » Rechts schwenken und aufmar- 400.
schiren !“, welchem , wenn die Reihenfolonne nicht im Marſche
begriffen iſt, das Kommando : »Marsch !« hinzuzuſeßen iſt.
Die beiden an der Tête befindlichen Unteroffiziere volls 401,
führen ſogleich eine ganze Schwenkung rechts , und rüden !
Fig . 4 .
ſodann bei der Übung in der Regel auf reche Schritte, bei
der Anwendung aber ftets bis auf jenen Punkt vor , an
welchen fich der Flügel des aufmarſcirenden Zuges zu leh -
nen haben wird ; wo ſodann der des erſten Gliedes ſtehen
bleibt und hierdurch die Aufſtellung der neuen Frontlinie mars
firt , jener des dritten Gliedes aber ſich auf die doppelte
Gliederdiſtanz hinter ihm aufſtellt.
100
40% . Die erfte Reihe voftführt die gleiche Schwenkung einert
Schritt ſpäter als die Unteroffiziere, und marfdirt fodann ge
rade vor . Der Mann des erſten Gliedes rückt links nebent
den Unteroffizier dieſes Gliedes , wendet den Kopf rechts,
und nimmt ſchnell Fühlung und Richtung dahin. Während
der Mann des erſten Gliedes in die Frontlinie tritt , gehen
die Männer des zweiten und dritten Sliedes , nach
Maß als fich der Raum hierzu ergibt, in die Rottenſtellung
über, und berichtigen ſogleich Rottendeđung und Gliederdi
ftanz ; was der im dritten Gliede aufgeſtellte Unteroffizier zu
überwachen hat.
403. " Auf diefelbe Weiſe benehmen ſich alle übrigen Reihen ,
indem ſte ſucceſſive - jede einen Schritt fpäter als die vors
matſchirende - ſchwenken , beim Einrüđen in die neue
Frontlinie in die Rottenſtellung übergeben , die Männer
des erſten Gliedes ſogleich den Kopf rechts wenden , Fühs
lung und Richtung gegen den bereits in der Frontlinie ſtes
henden Nebenmann nehmen ; jene des zweiten und dritten
Gliedes aber Rottendeckung und Gliederdiſtanz berichtigen .
404 . Nach erfolgtem Aufmarſche wird : » Habt – Acht!«
kommandirt.
406 . Der Zugskommandant hat darauf zu ſehen , daß jede
Reihe bis auf den Schwenkungspunkt in geräder Richtung
marſchire , und fich nicht gegen die neue Frontlinie ziehe;
ferner unmittelbar nach Erreichung des Schwenkungspunktes
ſogleich ſchwenke, um die Nachrüdenden nicht im Marſche
aufzuhalten . :'
406 . , Geſtatten die Lokalverhältniſſe dieſen Aufmarſch mittelſt
des Rechtsſchwenkens nicht , ſo kann derſelbe auch mittelſt
des Linksſchwenkens ausgeführt werden ; wovei alles für den
Unteroffizier und dieMänner des erſten Sliedes Vorgeſchries
bene auf den Unteroffizier ind die Männer des dritten Glies
bes Bezug hat. Während des Aufinarſches avifirt ſodann
101
der Zugs-Kommandant: » Die Frontherstellen !“ , und koms
mandirt , wenn die lebte Reihe eingerüct ift: »Kehrt
euch ! «
. . S . 33 .

Aufmarſch aus der Doppelreiben - Kolonne


in die Front.
· Die Herſtellung der Front kann bei der Doppelreihen . 407.
Kolonne ſowohl nach vorausgegangenem Halt, wie auch währ
rend des Marſches flattfinden .
Zur Herſtellung der Front nach vorausgegangenem 408.
Halt wird kommandirt: »Front !« Jeder Mann volls
führt, wenn die Kolonne 3. B . rechts formirt iſt, ~ die
Wendung linksum nach der Seite des Rolonnen - Alignes
ments , nämlich gegen das die äußere Wand bildende erſte
Glied ; worauf ſich die Männer der ingeraden Rotten ſo
gleich, mittelſt eines Schrittes por- und rechts ſeitwärts, wie
der neben ihre Nebenmänner der geraden Rotten aufſtellen ,
und die Chargen auf die ihnen zukommenden Pläße vers :
fügen .. .
Durch die obbeſchriebene Herſtellung der Front kommt409.
die neue Frontlinie um eine Mannsbreite vorwärts der vor , i .
dem Abmarſche innegehabten Aufſtellungslinie. Sollte es jes
doch unbedingt nothwendig ſein , die Herſtellung genau auf
dieſer Linie zu vollführen ; ſo läßt man die Doppel
reiben - Rolonne nach vorausgegangenem Halt in Reihen
abfallen , und kommandirt dann unmittelbar hierauf: :
» Front !«
Sol die Herſtellung der Front während des Kolonnen - 410 .
marſches erfolgen , ſo wird kommandirt : » Zug ! - Front!“
Die Männer der geraden Rotten vollführen ſogleich die
ganze Wendung gegen die Alignementsſeite , jene der udt
geraden hingegen ſchwenken neben ihre Nebenmänner der
102
geraden Rotten ein ; der Marſch wird unaufgehalten forts
geſeßt , und die Fühlung gegen die Marſdirektionsſeite
genommen .
411. Der Aufmarſch auf die Tête mit der Front gegen die
Marſchdirektion, ſo wie auch der mit der Front gegen die
Queue , ferner jener auf die entgegengeſeßte Seite des Ro
lonnen- Alignements, finden aufdasſelbe Rommando und unter
denſelben Beobachtungen ſtatt, wie jene aus der Reihenko
lonne; wobei je zwei nebeneinander ſtehende Männer des
ſelben Gliedes fich vereint auf dieſelbe Art benehmen , wie
es dort für den einzelnen Mann vorgeſchrieben worden ; nur
hat in den betreffenden Fällen die Herſtellung der Frout -
nach dem Einrüden ſämmtlicher Doppelreihen – auf bas
Aviſo : » Zu Zweien ! Kehrt euch !« nach Nr. 373 zu er :
folgen .
S . 36.
Frontveränderungen mittelſ Reihen und
Doppelreihen.
413. Zur Vollführung von Frontveränderungen wird der
Zug vorerſt in Reihen oder Doppelreihen gebrochen , und
· fodann der Aufmarſch aus der Reihenfolonne bewirkt.
413 . Zur Frontveränderung rechts kommandirt der Zugs.
Kommandant :
. » In Reihen (Doppelreiben ) – rechts !« » Rechts
- um !« , hierauf: »Links aufmarschiren !« » Halb --
links!« »Marseh !"
414. Zur Frontveränderung lints :
» In Reihen (Doppelreihen ) – links !« » Links -
um !“ , hierauf: »Rechts aufmarschiren !« »Hall, -
rechts !« »Marsch !«
415. Zur Frontveränderung redt8 ridwarts , wobei
nämlich der linke Flügel ſtehen bleibt, der rechte aber zurüd:
genommen wird :
108
» In Reihen (Doppelreihen ) - Unks !« » Links -
um !“ , hierauf: » Links aufmarschiren ! “ „ Halb - links! «
»Marsch !« ; ſodann : „ Die Front herstellen !« »Kehrt
- euch !« (» Zu Zweien ! Kehrt euch !« )
Zur Frontveränderung linf$ rüdwärts , wobei ber 416.
rechte Flügel ſtehen bleibt , der linke aber zurüdgenommen
wird :
» In Reihen (Doppelreihen) - rechts !« » Rechts
um !“ , hierauf: „Rechts aufmarschiren !« »Halb -
recht !« »Marsch !“ ; ſodann : »Die Frontherstellen !«
»Kehrt - euch !« (»Zu Zweien ! Kehrt euch !« ).
Soll endlich die Front des Zuges dorthin kommen , wo: 417.
bin früher der Rüden gekehrt war, ſo erfolgt dieß mittelſt" Fig . 6.
des Rommando: » Front und Flügel verändern !« » Rechts
(links) – am !« »Marsch !« Der ganze Zug vollführt
die anbefohlene Wendung, und tritt den Reihenmarſch an.
Der an der Queue im erſten Gliede befindliche Unteroffizier
bleibt jedoch ſtehen , und markirt den Aufſtellungspunkt der
neuen Frontlinie. Die Unteroffiziere an der Tête pouführen
ſogleid , die übrigen Reihen aber fucceffive auf ders
felben Stelle , zweimal unmittelbar nach einander eine ganze
; Schwentung links (rechts ), marſchiren längs des erſten Glies
des vor, und es erfolgt die Gerſtellung der Front , wenn
bie Unteroffiziere in gleiche Höhe mit dem zum Martiren des
Flügels ſtehen gebliebenen gelangt find ; worauf dieſer in
Feine Eintheilung zurückehrt.
Mach bewirkter Herſtellung wirb : »Habt - Acht!* 418.
kommandirt.
S. 37.
Einzelne und reibenweiſe Defilirùng.
Die einzelne Defilirung bient zur näheren Beſichtigung419.
und Prüfung der militäriſchen Haltung , des Marſches und
Cewehrtragens jedes einzeluen Soldaten ; wobei ein Mann
104
dem anderen auf den Abſtand von vier Schritten zu folgen
hat. Hierzu wird, kommandirt : , ;
. : » Einzeln rechts defiliren !« » Rechts - um !«
Der ganze Zug, mit Ausnahme der aufdem rechten Flü
. 'gel eingetheilten Unteroffiziere , von welchen der des erſten
Gliebes ſogleich ein ſenkrecht vor ihm liegendes, Direktions
objekt fürzuwählen hat, sollführt die anbefohlene Wendung
Der an der Queue im erſten Gliede befindliche Unteroffizier
ſtellt fich ſogleich links neben , und mit der Front gegen den
Flügelmann des erſten Gliedes auf, und der Zuge-Komman
bant gibt dem an der Tête befindlichen Unteroffiziere den Puntt
an,wo der Zug nach der Defilirungwieder formirtwerden ſoll.
2. 490.
O .
Auf das: »Marsch !“ beginnt der Unteroffizier des
erſten Gliedes ſogleich den Marſch in gerader .Richtung auf
das fürgewählte Direktionsubjeft. Sobald dieſer den linten
Fuß zur Vollführung des fünften Schrittes vorbringt, tritt
der Flügelmann des erſten Gliedes aus, wendet fich fahnell
links , und folgt dem Unteroffiziere in der vorgeſchriebenen
Diſtanz von vier Schritten . Auf diefelbe Weiſe tritt ein Mann
nad dem andern aus, wendet ſich beim Anlangen an den
zur Markirung aufgeſtellten Unteroffizier Fahnell lints , iund
folgt dem vormarſchirenden Manne auf die vorgeſchriebene
Entfernung, bis das ganze erſte Glied auf der Defilirungs
linie fich befindet ; worauf das dritte Glied , und nach
dieſem das zweite auf ähnliche Weiſe nachfolgt. Dir zur
Markirung aufgeſtellte Unteroffizier überwacht das zeitgemäße
a Abrüder , ſo wie die Wendung jedes einzelnen Mannes , und
folgt nach dem Abrüden des ganzen Zuges , dem leßten Manne
des zweiten Gliedes auf die vorgeſchriebene Diſtanz nadı.
491. Jeder einzelne Mann hat fortwährend auf den vor
t1fthut marſchirenden Mann gebedt zu bleiben , bei Annähe
rung auf drei Schritte an den Höheren , vor welchem de
filirt wird , den Kopf rafich gegen denfelben zu wenden ,
105
mit militäriſchem Anſtandevorbeizumarſdiren , und erf , wenn
e drei Schritte über ihn hinaus iſt, wieder gerabaus zu
ſehen . . . . . . . . . . .. . 12
läßt der Zugs - Kommandant nicht vor fich , ſondern 488 .
vor einem höheren Vorgeſeßten defiliren , ſo ftellt er fid , nadis
bem er die Wendung tommandirt hat, auf vier Schritte
vor den Unteroffizier des erſten Gliedes , fommandirt von
dort aus: »Marsch !“ , tritt gleichzeitig aus , volführt beim 75A
Vorbeimarſche vor dem Höheren die vorgeſchriebene Ehrenbes
zeigung, und begibt ſich, wenn er drei Scritte an ihm vorüber
ift , auf ungefähr drei Schritte rechte Feit- und rüdwärts
desſelben ,wo er ſich aufſtellt, und die weiteren Befehle erwartet.
Befindet ſich ein Lambour bet dem Zuge , ſo ftellt ſich 483.
dieſer ſogleich auf das Aviſo zur Defilirung auf ungefähr
zehn Schritte gegenüber der Perſon, vor welcher defilirt wird,
und ſchlägt während der Defilirung den Marſch. Osim een
1 . Die reihenweiſe. Defilirung dient, um fich zu überzeu - 434 .
gen , ob die drei zu einander gehörigen Männer während des
Marſches gehörig auf einander gerichtet bleiben , Fühlung
und gleichen Schritt halten , die Schwenkungen mit bewego
lichem Pipot gehörig ausführen u . dgl. ,11 ; ) OGA
apg" Hierzu wird kommandirt : ; ; Illia singer
; . » Reihenweise rechts defiliren !« » Rechts uml 425.
worauf der ganze Zug die anbefohlene Wendung vollzieht,
und ber an der Queue im erſten Gliede befindliche Unteroffis ,
zier fidh nach Nr. 419 benimmt. , , Einsat
--- Auf das darauf folgende : »Marsch !“ podführen die 426 .
beiden Unteroffiziere des rechten Flügels ſogleich eine ganze
Linksſchwenkung , und jener des erſten Gliedes leitet die
Marſchdirektion. Alle anderen Reihen rüden fucceffive auf
áhnliche Weiſe aus ihrer Aufſtellung, wie es bei der einzels
nen Defilirung für die Männer des erſten Gliedes erklärt
murdej wobei ſich die Männer,des:zweiten und dritten Slie,
106
des régleidh an die Männer des erſten Oliedes joließen , wet
dhe die äußere Wand bilden . Die Schwenkung wird von
jeder Reihe auf demſelben Punkte begonnen, wo dieß von den
Unteroffizieren ftattfand ; die dreiMänner jeder Reihewenden
beim Vorbeimarſche vor dem Höheren , bei Annäherung auf
drei Schritte , den Kopf gegen denſelben , und ſehen , wenn
fie auf drei Schritte an ihm vorüber ſind , wieder geradaus .
487 . Jn allem Übrigen gelten hier die bei der eingelien Des
filirang feſtgefesten Vorſchriften .
488. . Sollte fich der Höhere ſo aufftellen , daß ihm bei der
Deftlitung das dritte Glieb zunädit ſtünde , fo hat auf das
Kommando: » Rechts - allgnirti« der Unteroffizier des
dritten Gliedes die Marſchdirektion zu leiten ; die Männer
dieſes Oliebes bilden nun die äußere Wand, jene des zweiten
und erften aber fohließen an die Männer des dritten Gliedes.
439. Die Defilirung lints , ſowohl einzeln als reibenweiſe,
wirb unter den ähnlichen Beobachtungen nach der entgegen .
gefekten Seite vollführt.
; $. 38.
Gewehrgriffe.
430 . Zum Ererziren der Gewehrgriffe werden anfänglich
vorher die Glieder geöffnet; bei einer bereits ausgebildeten
Truppe müſſen jedoch die Gewehrgriffe auch öfter bei gefchlor
rener Stellung der Glieder geübt werden .
431. In beiden Fällen werden die Gewehrgriffe ſodann auf
dasſelbe Rommando , in derſelben Ordnung und unter dens
Felben Beobachtungen ausgeführt, wie bei dem Gliederun
terrichte vorgeſchrieben worden iſt.
S. 39.
Laden und Feuern.
432. Das laden und Feuern wird ſtets bei geſchloſſenen
Gliedern geübt. Da man vorausfest, daß der Solbat fowohl
einzeln als im Gliebe darin gehörig ausgebildetworden Fet;:
10n
ſo find im Zuge die Ladungstempo jederzeit , ohne das Vors
zählen oder den Zuruf: » Ladet !« abzuwarten , ununterbros
chen , möglichſt ſchnel , jedoch genau und ohneübereilung auss
zuführen , worauf mit Strenge geſehen werden muß.
Zur Übung im Laden und Feuern wird tommandirt : 438.

Kommando:
Worte. | Belehrung.

Habt Acht! Aufdieſes Kommando treten die Män- 434.


Laden !«
» Zug !* ner des zweiten Gliedes ſchnell einen halben
Schritt vors, und ſo viel rechts ſeitwärts, daß
fie mit der Mittellinie ihres Körpers gerade
hinter den äußeren Rand der rechten Adſel
ihres Vormannes zu ſtehen kommen.
» La -- det!« Worauf die Ladung von allen , drei 438.
Gliedern ununterbrochen erfolgt. "
Nach bewirkter Ladung kommandirt der
Zugs -Kommandant:
» Herstellt - Das zweite Glied tritt idne lints ſeit- | 436.
eúeh ! «
und rüdwärts , und berichtigt , ſo wie auch
dasdritte, Gliederbiſtanzund Rottenbeđung,
während das erſte Fühlung und Richtung) , ...
gegen die rechte Seite nimmt.

1. Bugsfedet.
»Habt Acht!« Die im erſten Gliede itehenden Unter: 437.
Zum Zugs
feuer ! « offiziere treten auf den leßten Trommelſtreid ,
Trommelzei : ohne eine Wendung zu vollführen , fünf
dhen des Rufes.
die im dritten Sliede ſtehenden aber zwei .
Schritte rüdwärts ; wodurch erſtere an die
Stelle der lekteren gelangen werden .
108

Soinmando.
La Morte. Belehrung.

-
438 . Iſt kein Tambour vorhanden , ſo erfolgt|
dieſes Zurüdtreten der Unteroffiziere auf das
nachfolgende Kommando: »Zug !«
439. - -- [ Der Zugs - Kommandant ſtellt ſich ſeit
wärts des erſten Gliedes , mit der Wendung
linksum gegen dasſelbe, und tommandirt :
440. » Zug !« l Erfolat das Vors und Seitwärtstreten
derMänner bes zweiten Gliedes,wie jenſeits
beim Laden erklärt worden . '
441. „Fertig ! I Wird blog von den Männern des erſten
und zweiten Gliedes auf die vorgeſchriebene
Weife ausgeführt, während jene des dritten
Gliedes unbeweglich ſtehen bleiben .
448. -An ! : 3 Zwiſchen dem Rommando: »An- und
Feuer !«
»Feuer !* muß ein wenig ausgehalten wer
den , um der Mannſchaft Zeit zu laſſen,
den Zielpunkt gehörig zu erfaffen, oder wenn
Fein beſtimmter Zielpunkt vorhanden ift, die
Gewehre vollkommen wagrecht in Anſchlag
zu bringen . ?
443 La; To je
Nach dem Feuer werden die Gewehre aus
dem Anſchlage in die vorgeſchriebene lage an
die Bruſt herabgebracht, ohne Aufenthalt
geladen , und ſodann wieder fertig genom
men ; worauf das Feuer auf das Rom
mando: » An !* » Feuerl« nach Belieben fort:
gefeßtwerden kann. ?
Nach dem » An !« iſt zeitweiſe: »Setzt
- ab !« zu kommandiren , um hierdurd
ſowohl die Aufmerkſamkeit ber Mannſchaft,|
: 209

Kommando: svschi Belehrung."


Worte.

| -- " ! ! wie auch den richtigen Anſchlag zu prüfen ,


L . . . . und Leßteren nöthigenfalls zu berichtigen .
Der Zug8sKommandant hat übrigens 445 .
ftrenge darüber zu wachen , daß die Manns
lichaft beim Feuern nicht gedrängt ſtehe , die sie
| : 1 Flügelrotten vielmehr in der Folge den durch
to ' das Zurücktreten der Unteroffiziere fich erger
' . benden Raum benüßen , um in den Bewe
Igungen beim Laden und Feuern nicht ges
hindert zu ſein , vorzüglich aber um dem
zweiten Gliede den hinlänglichen Raum
zum Anſchlage zu geſtatten. Deßhalb müf- | * * *
líen auch die Männer des erſten Gliedes
verhalten werden , beim Anſplagen den
Ellenbogen etwas nadi abwärts zu drüs
is .. . den , und die Schwere des Körpers, auf
Syren beiden Füßen gleichmäßig ruhen zu
Siesista tilajſen , keinesfalls aber auf den linken Fuß
10 . 34 übertragen . ; : - . !
Die Unteroffiziere haben darauf zu fe- 446.
hen , daß die Ladungstempo gehörig und/
T tlobne übereilung vollzogen werden , jeder 134
Soldat, auch wenn ohne Patronen eret:
T i ll sirt wird , t ordentlich in die Patrontaſche
greife,das Gewehr in Anſchlag bringe; kurz,
T ! !! ! daß das Laden und Feuern genau nad Vors
portation is rarift ausgeführt werde. 54
Trommelzeichen Auf den Teßten Trommelftreich 447.
der Zuruf : oderW unmittelbar
jover E IDUT auf
" W den Zuruf: „ Halt!«
VCH
1* Halt !« ? Trüden die Unteroffiziere fanell in ihre Eins
Kommando:
Worte. Belehrung.
theilung in das erſte und dritte Glied vor.
Die Mannſóaft des erſten und zweiten Glie
des benimmtſich nach der in Nr. 186 für das
i Einſtellen des Feuers gegebenen Belehrung.
448. »Herstellt . Wird von dem Zuge - Rommandanten
leuch ! «
fommanditt , fobald alle Gewehre geſchultert
find; worauf ſich die Männer allerdrei Glies
der , wie auf dieſes Kommando beim Laden
erklärt worden , benehmen .
1» Habt Acht! II. Glieder- und Einzelnfeder.
» Zum Glie
449, derfeuer !« Erfolgt Alles nach der beiin Zugs
(Trommelzei: Tfeuer ertheilten Belehrung.
chen )
» Fertig !«
Hieraufwird kommandirt :
480. Zweites Wie bekannt, mit dem Bemerken , daß
Glied ! das erſte Glied erft dann zum Anſchlagen zu
» An !*
» Feuer !" beordern iſt, wenn die Männer des zweiten
» Erstes Oliedes die Patrone in den Lauf ſchütten .
Glied !."
» An ! «
Feuer!«
Zum Übergange in das Einzelnfeuer
ruft der Zugd- kommandant:
» Feuert !« worauf jeder Mann des erſten und zweis
ten Sliedes,ohne auf ein Kommando zu war
ten ,ſo oftund ſo ſchnellnach einander feuert,als
es ihm ohne ſchädlicheÜbereilung möglich iſt.
Bei dein Umſtande, daß nicht alleMans
ner die ladung gleich ſchnell vollbringen , fo
mit audy nicht alle gleichzeitig feuern föns
Kommandos
Morte. Belehrung.
nen , wird das Feuer im Verfolge ununters
brochen fortbauern . Damit jedoch bei dem Bes
ginnen des Einzelnfeuers nicht alle Männer
des mit ſchußfertigem Gewehreſtehenden Glies
des ihre Gewehre auf den Zuruf: „Feuert.“
zugleich abdrüđen ; ſo hat das Feuer das erſte
Mal von dem rechten Flügel gegen den linten
zu laufen , dann aber im Verfolgedes Feuerns .
jeder Mann , ohne Rüdfichtaufſeinen Neben .,
Hinters oder Vormann , ſo oft zu feuern ,
als es ihm nur möglich iſt.
Trommelzeichen
des Rufes oder
der Zuruf: . Wird ſich nach der beim Zugsfeuer| 463.
Halt ! «
» Herstellt ertheilten
"" Belehrung benommen .
euch ! «

Bei dem Einzelnfeuer haben die einges 464,


theilten Unteroffiziere ganz beſonders und mit
aller Strenge auf das augenblidliche Abbres
dhen desſelben ,und zwar gleich beim Beginnen
|des Irommelzeichens , zu halten ; widrigen :
falls es in ernſtlichen Gelegenheiten unmög
lich würde, die Truppe ſchnell aus dem Feuer .
zu bringen , und anderweitig verwendbar zu
machen .

Um das dritte Olieb gleichfalls in den Berſchiedenen 466 ,


Feueratten zu üben , ift vorerſt die Front zu vertehren ,
dann der Zug zum Faden und Feuern zu beordern ; wobei
alles in dieſer Hinſicht bisher Vorgeſchriebene, mit Rüdfight
auf die veränderte Stellung der Olieber , feine volle Anwen .
dung findet. 3ft ein Tambour bei dem Zuge, to begibt fich pers
ſelbe auf das Aviſo zum Verkehren der Front vor die Mitte
des erſten Gliedes, und vollführt die Wendung gleichzeitig
mit dem Zuge. Wird nach beendeter Übung die Front wies
der hergeſtellt , ſo begibt ſich der Lambour, gleich auf das
Aviſo hierzu , wieder vor die Mitte des dritten Gliedes.

III. Feuern aus der geſchloſſenen front , im Retiriren durch


eia Defilé.

. 456. 9A ein Zug genöthiget , 'während des Retirirens durch


ein Defilé bas Feuer aus der geſchloſſenen Front anzuwen's
den ; ſo 'werden , wo es der Terrain zuläßt , die Männer
des dritten Sliedes rechts und links, oder nach Umſtänden
auch nur auf einer Seite , möglichſt gedeckt aufgeſtellt , um
12 das Feuer aus der geſchloſſenen Abtheilung zu unterſtüßen .
467 . Der Zugs - Kommandant tommandirt das Gliederfeuer
und ordnet den Übergang in das Einzelnfeuer an. Will
74 er biernach den Rüdzug antreten , ſo läßt er das Feuer eins
ſtellen , und kommandirt: „ In die - Balance !« — » Rechts
und links - um ! ; woraufdie rechte Halfte des Zuges die
· Rechtsums, die linke die Linksum -Wendung macht, und der
Rüdmarſch reihenweiſe auf das Kommando: »Marsch !«,
oc
oder wenn er beſchleunigt werden ſoll , auf: „Marschh
Marweh !" angetreten wird . " , ,
458. Dortwo der Zugs-Kommandant eineneuerliche Aufſtels
lung beabſichtiget, was bei dem erſten Unterrichte auf kurzen
Abſtand geſchehen kann , ſpäter aber fich nach der Terrains
beſchaffenheit richtet, kommandirt derſelbe: » Helt !« * wors
auf jeder Mann das Gewehr Fchulteșt, dann : »Kehrt
eych !* , und hierauf: »Marschl ; auf welches Koms
mando fich beide Hälften gegeneinander zuſammenziehen , wies
der den Zug formiren , und fodann zum Laden beordert werden .
- Wenn die Männer des dritten Sliedes nad Nr. 466 469.
rechts und links , oder bloß auf einer Seite , zur Unter
füßung des Feuers des Zuges verwendet werden ſollen , hat
der Zugs - Kommandant folche vor dem Kommando zum
Feuern dahin zu beordern , und darauf zu ſehen , daß fie
fich, — wo auf dem Terrain nicht durch Deđungsgegen
ſtände ſchon die vortheilhafteſten Pläße bezeichnet ſind, auf
beiläufig einen Schritt von einander entfernt, in einer Linie
aufſtellen , und ſogleich einzeln das Feuer beginnen . Sos :
balb bei dem Zuge das Feuer eingeſtellt wird , befolgen
ſolches die ſeitwärts verwendeten Männer des dritten Slie .
des gleichfalls, und trachten während des Rüdmarſhes in
ihre Eintheilung im Zuge zu gelangen .

IV . Workbung zur Wertheidigung im Quarré gegen Kavallerte.


Zum Unterrichte über die Obliegenheiten bei der Vers 460.
theidigung im Quarré wird der Zug vorher in vier Glieder
rangirt, das Bajonet auf & Kommando gepflanzt, und fobant
das Gewehr in Arm genommen .
Iſt dieſes geſchehen , ſo läßt der Zugstommandant das 461.
Signal: » Klumpen« * ) blaſen, oder kommandirt in Ermang.
lung eines Horniſten : » Fertig !“ Die Männer des zweiten ,
dritten und vierten Gliedes treten nach der beim Zugs
feuer für das zweite Glied ertheilten Belehrung vors und
rechts ſeitwärts , ſo daß fie auf einander gededt bleiben. Die
Männer aller vier Slieder nehmen das Gewehr fertig ; wos
bei nur jene des zweiten Gliedes den Zeigefinger der rechten
Hand an den Griffbügel ausſtreden , alle übrigen den Rols
benhals mit voller Hand umfaſſen . Die Männer des erſten

* ) Bei jenen Truppenkörpern , welche teine Horniften haben , wird


ſowohl zum Beginnen , wie auch zum Einftellen des Feuers,
der » Auf« geſchlagen .
abrichtungs- Regl. f. t. Juf.
1 . Oliedes laffen ihr Gewehr mit der Bajonetſpiße ſo weit her
unter finken , daß es beinahe wagrecht zu ſtehen komme, und
legen , um demſelben eine beſſere Stüße zu geben , die Ab
rundung des Kolbens in den Bug des rechten Armes . Die
linke. Band hält das Gewehr an dem unteren Laufringe kraf
tig umfaßt, der linke Ellenbogen wird feft an die Seite
gebrüdt, und die Schwere des Körpers auf den linken Fuß
übertragen .
463. · Aufdas Kommando , ZweitesGlied !« » An !« » Feuer !«
feuert dieſes Glied , und wechſelt unmittelbar darauf die Ges
wehremit jenen des dritten Sliedes,welches wieder die über
nommenen entladenen Gewehre ſogleich mit den geladenen
des vierten verwechſelt, und zwar aufnachſtehende Weiſe :
463. Der Mann des zweiten Gliedes bringt ſein Gewehr ſo
gleich, ohne den Hammer in die Mittelraſt zurückzuziehen
besoder ſonſt ein Ladungstempy auszuführen , in die ſenkrechte
Lage; wendet fich gleichzeitig mit dem Oberleibe, ohne die
Füße aus ihrer Stellung zu verrücken , etwas rechts tüdwärts
gegen ſeinen Hintermann des dritten•Gliedes, und überläßt
dieſem ſein Gewehr, indem er es mit beiden Händen nahe
am Leibe dergeſtalt hält, daß die Fauſt der rechten Hand
knapp ober dem rechten Hüftknochen ruhe. Aus dieſer Stellung
übernimmt er das ihm von dem Manne des dritten Gliedes
bargereichte Gewehr mit der linken Hand am unteren Lauf
ringe, und bringt es ſodann in die Lage von Fertig .
464. .. . Der Mann des dritten Gliedes reichtdem des zweiten
ſein Gewehr, inbein er ſolches mit der am Kolbenhalſe befinds
lichen rechten Hand vorwärts , nämlich gegen ſeinen Vormann
ſtößt, wodurch die Mündung nach aufwärts kommt. Gleich
zeitig nimmt er das Gewehr des Mannes 'vom zweiten Gliede
mit der linken Hand am unteren Laufringe, umfaßt es mit
der mittlerweile freigewordenen rechten Hand am Kolbenbalſe,
und verwechſelt ſelbes auf die eben beſchriebene Art mit jes
116
nem feines Hintermannes vom vierten Gliede. Nun
wird abermals : »Zweites Glied !« »Anl« »Feuer !« tom
mandirt , worauf die Verwechslung der Gewehre zwiſchen
dem zweiten und dritten Gliede neuerlich ſtattfindet. Wirb
nun zum dritten Mal: » Zweites Glied !« » An !« » Feuer !"
kommandirt , ſo hält der Soldat dieſes Gliedes das entlas
dene Gewehr ſodann auf dieſelbe Weiſe wie es hier oben für
den Mann des erſten Gliedes erklärt worden ; nur mit dem
Unterſchiede, daß er die Bajonetſpiße etwas höher als dieſer,
nämlich ungefähr in gleicher Höhe mit der Schulter hält.
Endlich erfolgt auf das Kommando : » Erstes Glied I«
» Feuer !« das Feuer dieſes Gliedes aus der innehabenden
Stellung ; wozu auf das Aviſo : » Erstes Glied i* der Zeiges
finger vom Kolbenbalſe an das Züngel gebracht wird .
Beim Anſchlagen im Quarré iſt auf die Bruſt 465 .
des Pferdes, nicht aber auf den Reiter zu zielen , was -
der Mannſchaft beſonders eingeſchärft werden muß.
Zur Ladung der Gewehre muß auf den Zuruf: 466 .
La - det!« vorerſt die Wechslung der Gewehre ftatts
finden.
Hierzu dient der Mann des dritten Gliedes al8 467.
Mittel, indem er nach einmaligem Gewehrwechſeln des z w eis
ten Gliedes , zuerſt das in Händen haltende Gewehr mit
dem im vierten, und dann dieſes mit dein im zwei
ten Gliede ſtehenden Manne gegen ſein eigenes umtauſcht.
Wenn aber das zweite Glied zweimal gewechſelt hätte, – in
welchem Falle er ſein Gewehr ſchon in Händen hat und ſols
dhes in Arm nimmt, - ergreift er das Gewehr des im
vierten Gliede ſtehenden Mannes , überreicht es jenem im
zweiten Gliebe und übergibt dann das dafür übernommene
Gewehr dem im vierten Gliede ſtehenden Manne.
Nach erfolgter Wechslung der Gewehre wird die Ladung 468.
von jenen Gliedern vwllzugen , welche ſich im Befike ungelas
116
dener Gewehre befinden , während die andern in der anges
nommenen Stellung verbleiben . Nach bewirkter Labung bringt
jeber Mann ſein Gewehr wieder in die vorher innegehabte
Lage von Fertig .
469. Soll das Feuer gänzlich eingeſtellt werden , fo wird
hierzu das Signal : » Feuereinftellen « geblaſen , oder: » Halt! «
zugerufen , worauf nach nöthigenfalls bewirkter Wechslung der
Gewehre, fich von ſämmtlider Mannſchaft nach Nr. 185 bes
nommen , das Gewehr aber ſodann in Arm geuommen wird.
470 . jft nach eingeſtelltem Feuer die Labung vollbracht, ſo
wird : Herstellt - euch !« kommandirt ; worauf das
zweite, britte und vierte Glied links ſeit- und rüdwärts tres
ten , und jeder Mann die nöthige Dedung , Gliederdiftanz,
Fühlung u . f. w . berichtigt.
471. Zum Quarré- Feuer nach rüdwärts wird allen sier Slies
dern » Kehrt ! – euch !« kommandirt, und dann wie
früher erklärt , verfahren. Um das Feuer nach den beiden
Flanken zu üben , iſt der Zug früher wieder in drei Glieder
zu formiren , ſodann rechts (links) in Doppelreihen zu brechen ,
und hierauf das Feuer auf die vorbeſchriebene Art durchzu :
machen . Hierbei wird bemerkt, daß nach dem Brechen des
Zuges in Doppelreihen , nur die im zweiten , dritten und
vierten Gliede ſtehenden Männer auf die vorgeſchriebene
Diſtanz entfernt bleiben , die Männer aller weiter rückwärts
befindlichen Glieder dagegen ſogleich aufMannsbreite an das
vierte Glied und an einander zu ſchließen haben ; ferner, daß
auf das Signal: » Klumpen « nur die vorderen vier Glieder
die ſchußfertige Stellung nehmen , alle übrigen aber fortwäh:
rend mit dem Gewehre in Arm ſtehen bleiben .
473. Bei dieſem Unterrichte zur Vertheidigung gegen Ra
vallerie muß dem Soldaten begreiflich gemacht, und wohleins
geprägt werden , daß eine brave, auf ihre Ordnung vers
117
trauenbe, im Gebrauche ihrer Waffe geſchidte Infanterie
von einem Kavallerie-Angriffe nichts zu beſorgen habe, viels
mehr ſolchen jederzeit fiegreich zurüdweifen wird. Ferner ,
daß wenn es überhaupt die Pflicht des Soldaten ift, in jeder
Gelegenheit mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit auf das
Kommando ſeiner Vorgeſeßten zu achten , dieß bei der Vers
theidigung im Quarré in einem noch höheren Grade der
Fall ſein müſſe, und Jeder, der es wagen ſollte, fein Gewehr
ohne Kommando loszudrüden , der ſchärfſten Strafe verfalle.
$. 40 .
Angriff mit dem Bajonete.
Soll der Feind durch einen raſchen , entſchloffenen Ans ( 73.
griff. aus ſeiner Stellung geworfen werden , ſo wird die
Truppe mit gefälltem Bajonete gegen ihn geführt.
Zur Übung des Angriffes mit dem Bajonete läßt 474 .
der Zugs- Kommandant vorerſt das Bajonet pflanzer , fodann
wenn ein Lambour vorhanden iſt, den Sturmſtreid
fchlagen , und kommandirt hierauf den Frontmarſch .
Der Vormarſch geſchieht im gewöhnlichen Marſchtakte, 475,
wobeider Lambour unausgefeßtden Sturmmarſo ſchlägt.
Erft wenn fich der Zug der ſupponirten Aufſtellung des Gegs
ners nähert , wird : » Marsch - Marseh l« kommandirt ;
worauf sie Mannſchaft das Gewehr in die Balance nimmt
und in einen mäßigen Lauf (Lauftritt) einfaat, wozu der
Lambour den Sturmmarſo in einem beſchleunigteren
Tempo zu ſchlagen hat. Auf höchſtens 60 Schritte von der
ſupponirten Aufſtellung des Feindes endlich wird: „ Fällt dass
Bajonet!« kommandirt. Der Lambour ſchlägt nun zum
zweitenmal den Sturmftreich , die Gewehre werden
> Fällt das Bajonet“ genommen , und die Mannſchaft
rüdt in bollem Laufe vor.
Auf den Allarmftreich oder den Zuruf: » Allarm !* 476 .
wird die Vorrüdung ſogleich eingeſtellt und die Mannfdaft
118
formirt fich fühnet mit geföhultertem Gewebre in " ben
Zug.
479. In Fällen , wo man den ſupponirten Angriff des Fein
des in einer Stellung erwarten will, wird vorher das Bas
jonet gepflanzt , ſodann das lebte Feuer in der Entfernung
von 50 Schritten , nach vorausgegangener Erinnerung :
Lief« gegeben , uninittelbar hierauf: » Fällt das — Bajo
net !« kommandirt, der Sturmſtreich geſchlagen , und im
pollen Laufe vorgerückt. . . !
$. 41.
Rallirung.
478. Die Mannſchaft muß ſchon im Zuge geübtwerden , fich
aus der aufgelöſten oder geöffneten Ordnung ſchnell wieder in
die geſchloſſene zu ſammeln , d . h. fich zu ralliren .
479. Zur Übung der Rallirung wird kommaudirt: » Aus
einander !* . Soll fich der Zug hierauf wieder ralliren , ſo
läßt der Zug8 - Kommandant durch den Tambour den Al
larmſtreid ſchlagen , oder ruft in Ermanglung eines
Lambourg : » Allarm !« ; worauf bie Mannſchaft im ſchnell
ften laufe , mit dem Gewehre in der Balance , dahin eilt,
wo der Zugs -Kommandant aufgeſtellt ift , und fich dort ohne
Lärmen mit geſchultertem Gewehre in den Zug formirt, ſo daß
beffen Frontdem Geſichte des Zugs-Kommandanten zugewens
det , die Mitte aber gegenüber von ihm zu ſtehen kommt.
Hierbei hat ſich der Zugs-Kommandant ſtets der beabfichtig
ten neuen Front entſprechend aufzuſtellen , die Mannſchaft
aber, um Beſchädigungen vorzubeugen , — ſobald fie fich der
Front nähert , - zu ſchultern .
480. Der Soldat muß belehrt werden , daß die Rallirung
im Bataillone ſtets bei der Fahne ſtattfindet , und daß, falls
ſolche in der Frontſtellung erfolgen ſoll, die Seite , nad
welcher die Fahne genetgt ift , den Aufſtellungspunkt des
rechten Flügels andeutet.
119

Belehrung zur Formirung der Gewehrpyras


miden.
Die Formirung der Gewehrpyramiden erfolgt aus der 481.
Stellung beim Fuß oder in der Balance mit gepflanztem Bas !!!
jonete , auf das Kommando : » In Pyramiden setzt
an !« Der Mann des erſten Gliedes bringt ſein Sea
wehr vor die Mitte des Leibes , übernimmt es dort init
der linken Hand ober dem mittleren Laufringe , und ſtellt
es dann dergeſtalt ſchräge vor fich hin , daß der Kolben
neben den rechten Fuß ſeines linksſtehenden Nebenmannes
komme, und der Lauf nach vorwärts gewendet ſei. Gleichzeitig
reicht der Mann des zweiten Gliedes ſein Gewehr ſeinem
Vormanne des erſten Gliedes , welcher folches mit der
rechten Hand etwas ober dem mittleren laufringe erfaßt,
und dann dergeſtalt gerade, vor ſeine rechte Schulter hins,
ſchnellt, daß der Kolben auf einen Schritt vor ihm auf den
Boben zu ſtehen komme, und die Mündung gegen ihn ges:
neigt ſei; worauf er die Bajonethälſe beiber Gewehre ſo zur
ſammenfügt, daß ſie ſich kreuzen . Der im dritten Gliede ſtez
hende Mann reicht ſein Gewehr dem Vormanne des zweis
ten Gliedes , welcher ſolches mit der rechten Hand ober dem
oberen Laufringe ergreift , vorwärts neigt, und dann das
Bajonet mit Hilfe der linken Hand zwiſchen , und zwar
unterhalb der Bajonethälſe der beiden andern Gewehre ſtedt;
worauf der Mann des erſten Gliedes, dieſes leßtere Geweht
mit der rechten Hand etwas erhebt, und dergeſtalt ſeitwärts
ſchiebt, daß der Kolben zwiſchen die Füße des rechtsſtehena
den Nebenmannes komme.
Nach erfolgter Formirung der Gewehrpyramiden per :48% .
bleibt die Mannſchaft noch so lange in ihrer Eintheilung, , ,
bis : » Auseinander !" kommandirt wird ; worauf die Leute
abtreten , die Unteroffiziere aber ihre Gewehre an bie Pos
ramiden ihrer Nebenrotte, ſo wie, falls eine blinde oder Halb
blinde Rotte vorhanden wäre , die betreffenden Männer der
ſelben ihre Gewehre an die der Flügelrotte zunächſt ſtehende
· Pyramide anlehnen , und hierauf gleichfalls abtreten .
188. Die Flügelzüge der Kompagnieen find überbieß zu bes
lehren , daß bei Formirung der Gewehrpyramiden in grö
Beren Truppenabtheilungen , die Pyramide der äußeren
Flügel - Rotte nach Umſtänden hinter jene der zweiten
Rotte zurüdgezogen werden könne; falls man nämlich
zwiſchen den Rompagnieen einen freien Durchgang elan .
gen will.
48% Sollen die Gewehre wieder ergriffen werden , ſo fors
mirt fich der Zug auf das Zeichen der Vergatterung ders
geftalt hinter den Gewehrpyramiden , daß jede Rotte uns
mittelbar hinter ihrer betreffenden Pyramide zu ſtehen komme;
woraufdas Kommando : » Ergreift das Gewehr! « erfolgt.
Auf dieſes Kommando erfaßt der Mann des erſten Gliedes
mit der linken Hand fein eigenes Gewehr, mit der rechten jes
nes des Mannes des zweiten Gliedes ober dem mittleren
Laufringe. Der Mann des zweiten Gliebes tritt mit dem
rechten Fuß bis zu dem rechten Abſaße ſeines Vormannes
vor, neigt fich vorwärts , und ergreift mit der rechten Hand
das Gewehr des Mannes vom dritten Sliede oder dem mitts
leren Laufringe ; worauf er , mit dem Manne des erſten
Gliedes vereint, die Pyramide erhebt und die Gewehre trennt.
Der Mann aus dem zweiten Sliede gibt nun jenem des
dritten fein Gewehr, und übernimmt von dem des erſten
Gliedes fein eigenes ; worauf jeder Soldat in der Stellung
mit dem Gewehre beim Fuß verbleibt , und die weiteren Bes
fehle erwartet.
485. Wird bagegen , während die Truppe auseinander ift,
von den Lambours Allarm gefchlagen , ſo läuft jeder Solbat
in möglichfter Elle zu ſeinem Gewehre, und fchultert babfelbe,
obne hierzu auf ein Kommando zu warten .
Will man die Gewehrpyramiden ftatt vor , hinter der 486.
Front formiren laſſen , ſo muß hierzu vorerſt die Front vers
tehrt werden ; worauf der Mann des dritten Sliedes fich
nach den Vorſchriften für den Mann des erſten Gliedes, jes
ner des erſten aber nach jenen für den Mann des dritten
Gliedes benimmt.
S . 43.
Kommandos
Worte. Belehrung.
General- Decharge.
Zur Ausführung der General- Decharge| 487.
wird kommandirt:
Habt Acht!“
Zur Gene
ral - De
charge « !
» Zug !« Das Vors und Seitwärtstreten der
Männer des zweiten Gliedes erfolgt auf die
betannte Art. Die Unteroffiziere verbleiben
in ihrer Eintheilung.
- Fertig ! | Alle drei Glieder nehmen das Gewehr
fertig.
„Hoch an !" Erfolgt von den Männern aller drei 488.
» Feuer ! «
„ Schul – Glieder , auf die bei der Ausbildung des
KO
einzelnen Soldaten erklärte Weiſe.
Die Männer aller drei Glieder benehs 489.
euch ! «
men fich nach Nr. 436.
490. - '. Wird ein bereits voltommen ausgebildeter Solbat in
der Folge aus einer andern als der vorgeſchriebenen Stela
lung mit geſchultertem Gewehre, zu Gewehrgriffen oder zum
Laden befehligt, oder durch Umſtände dazu gezwungen ;. ro
wird er anſtandlos dem nachzukommen im Stande ſein . Die
Anforderung jedoch, daß alle Griffe aus jeder geſtatteten Art
das Gewehr zu tragen , auch geübt werden , iſt keinesfalls
zu ſtellen , da folche von einem bereits ererzirten Soldaten
ohne Schwierigkeit ausgeführt werden .
Viertes Hauptflick.
A u 8 bildung der Chargen vom Feldwebe!
a bwärts.

Erſter Abſchnitt.
Ausbildung der Kompagnie-Chargen.
Die Chargen müſſen nicht allein die Fähigkeit befißen , 491.
ihren Untergebenen die Grundfäße und Vorſchriften der im
Abrichtung - Reglement enthaltenen Gegenſtände zu er.
flären und beizubringen , ſondern auch verſtehen , ſolche ſelbſt
auf das Vollkommenſte praktiſch auszuführen . Um ſte hierin
in fteter Übung zu erhalten , haben die mit dem Feuergewehre
ausgerüſteten Kompagnie - Chargen öfter , namentlich aber
vor dem Eintritte des Zeitpunktes, wo der einzelne und Glies
derunterricht beginnt , in ein oder zwei Glieder zuſammen zu
rüden , und in der Ausführnng aller bei dem Gliederunter
richte vorkommenden Gegenſtände geübt zu werden . Dieſe
übung hat gleichfalls jährlich mit den Subaltern -Offizieren
auf ähnliche Weiſe gründlich vorgenommen zu werden . Ges '
ſtatten es die Dislokationsverhältniſſe , ſo kommt überdieß
zeitweiſe aus den Chargen eines jeden Bataillons eine Kom - '.
pagnie zu formiren , in welcher die Offiziere und Feldwebel
die Chargenpläße einnehmen . Mit dieſer Kompagnie find den
u .
th zzu
vorzüglich die Gewehrgriffe, dann das Laden und Feuern
üben ; um etwaige Verſchiedenheiten in der Ausführung der
dießfälligen Griffe ausmitteln, und ſolche auf die beſtehenden
Vorſchriften zurüdführen zu können .
492. Da es ferner dem Soldaten nur dann möglich iſt , den
beim Ererziren an ihn geſtellten Anforderungen zu ents
ſprechen , wenn er dabei durch die Chargen ftets vorſchriftes
mäßig und rechtzeitig tommandirt, wie auch entſprechend ges
leitet wird ; ſo bleibt es die vorzüglicheSorge des Rompagnies
Kommandanten , ſeine Chargen auch in dieſer Beziehung
gründlich zu belehren und praktiſch auszubilden : worüber,
ſo wie auch über die ſonſtigen ſpeziellen Vorſchriften für die
Kompagnies Chargen , in den nachfolgenden ss, das Nöthige
enthalten ift.

$. 44.
Benennung und Erklärung einiger kinien,
493. Die Unteroffiziere, insbeſondere aber die ihrer Fähigkeis
ten wegen vorzugsweiſe zur Ausbildung der Soldaten berus
fenen , müſſen zur Beurtheilung der Stellung, der Wen .
dungen , der Richtung , und mehrerer anderer beim Ererziren
porkommenden Gegenſtände , folgende Linien tennen lernen
und zu benennen wiffen : . .
494. 1 . Eine gerade linie ift jene, die in ihrer anfängs
Plan V .
lichen Richtung , ohne irgend einer Abweichung rechts oder
links , ununterbrochen fortläuft. Sie bildet die fürgefte
Verbindung zwiſchen ihren Endpunkten . Bier -z. B . die
Linie a b .
495. Alle Richtungen gedeben nad geraden
finien.
496 . 2. Ift eine Linie c d ſo gegen eine andere a b geſtellt,
• daß fie fich nach keiner Seite mehr als nach der andern neigt,
fo ſagt man , die Linien ftehen ſentrecht aufeinander.
197 . Beim Frontmarſche z. B . muß die Direttion Rents
recht auf die Frontlinie genommen werden . Bei jeder gans
zen Schwenkung muß fich die neue Front rentrecht auf der
verlaſſenen Aufſtellungslinie befinden . Beim Anſchlagen
des Gewehres muß dasſelbe fentrecht auf die Frontlinie ges
ſtellt ſein u . f. w .
Denkt man fich ferners einen vollkommen ebenen Boden 498 .
- gleich dem Wafferſpiegel eines Sees - und ſtellt auf
diefen eine Linie dergeftalt , daß fie fich nach deiner Seite
mehr als nach der anderen neigt, ſo ſagt man : dieſe Linie
ſteht ſentre do t auf dem Boden . Eine ſolche Linie wird am
beſten durch eine frei hängende , am unteren Ende mit
einem Bleigewichte verſehene Schnur dargeſtellt.
Die Stellung des Mannes, von vorne angeſehen , ſoll 499.
fitch nach der Mittellinie , nämlich von der Stirne bis zu
dem Vereinigungspunkte der Abfäße, ſenkrecht darſtellen .
3 . Parallele linien nennt man jene, welche wic 800 .
a b und c d bergeſtalt neben einander fortlaufen , daß alle Plan
ſentrechten , welche man von beliebigen Puntten der einert
Linie auf die andere zieht, gleich lang find. Hier f. B .
die ſentrechten a c , fe und b d . In dieſem Verftande
ſagt man , daß bei parallelen linien alle Puntte
gleidh weit von einander abſtehen , daher fie fich auch
niemals begegnen oder durchſchneiben können .
Die drei Glieder einer Abtheilung z. B . ftehen parals 601.
lel, weil alle Männer des zweiten und dritten Gliedes, gleichs
weit, nämlich auf die doppelte Mannsbreite (ungefähr brei
Schub) von ihren Vormännern abſtehen .
4. S dräge linien find jene, welche von ihrem 802.
Anfange bis an das Ende, ungleich von einander abſtehen . Plan
Hier z. B . a b und ed., weil die ſentrechten Abftände a c ,
fe und b d ungleich find.
Berlängert man zwei fråge Linien , ſo werden fte fich 603.
auf der einen Seite immer mehr von einander entferner , auf
136
der entgegengeſeßten aber immer mehr nähern, bis ſie ends
lich zuſammenkommen . Wo ſich zwei ſchräge Linien vereinis
gen , entſtehtein Winkel. Der Vereinigungspunkt g heißt
der Scheitel des Winkels , die Linien g b und g d die
Scenkel desſelben .
604. 6. Winkel wie a b c , welche ſich am Vereinigungos
Fig . 5 .
. punkte zweier auf einander ſenkredten Linien ergeben ,
Plan V .'
heißen redh te Winkel, wogegen ſolche wie d e f oder ghi,
Fig . 6 . welche durch die Vereinigung zweier ſchrågen Linien ent:
Plan V . fteben , je nachdem ſie wie d e f kleiner , oder wie g h i
Fig . 7 .
größer als ein rechter Winkel ſind, im erſteren Falle
ſpise, im lekteren ſtumpfe Winkel genannt werden .
505. Bei einer ganzen Schwenkung f. B . muß die neue
Frontlinie, wie bereits vorher erwähnt, mit der verlaffenen
einen rechten , dagegen bei einer unvollendeten (Direktions
veränderung) einen fpifen Winkel bilden .
. . 506. ... Bei der Ziehung bildet die Marſchlinie 1 m mit der
Plan V . Frontlinie 1 k einen ſtumpfen Winkel k l m ; dagegen , wenn
Fig . 8 .
man die Frontlinie in der Richtung I n verlängert , einen
ſpißen Winkelmln .
607. 6 . Schließt man einen Winkel durch eine dritte Linie,
Plan V . ſo entſteht ein Dreied a b o , d. h . eine Figur, welche
Fig . 9 .
dre i Seiten und drei Winkel hat. Sind die drei Seiten gleich,
wie a b , b c und a c, fo heißt das Dreieck ein gleichs
Plan V . ſeitiges. Steben zwei Seiten rechtwinklig auf einander,
Fig. 10 .
wie e d und d f, po heißt es ein rechtwinkliges Dreied .
508. Da bei der Stellung des Soldaten die Entfernung einer
Sdubſpiße von der anderen , der eigenen Fußlänge gleich
iſt, ſo bildet ſeine Bafts ein gleich ſeitiges Dreiec .
509. 7. Ein Viereď iſt ein von vier Seiten eingeſchloſſener
Plan V .

Fig . 11.
Raum . Sind alle vier Seiten gleid , und alle vier Winkel
rechte, wie jene in a b do, ſo heißt es Quadrat oder
vollkommenes Viered . .
187
· Zieht man vou bem einen Winkel zu dem ſchräg hin . 510 .
über liegenden eine Linie c b oder a d , ſo heißt dieſe eine
Diagonale, durch welche das Quadrat in zwei vollkom - . ;
men gleiche rechtwinklige Dreiece getheilt wird .
8. Der Sereis oder Zirkel iſt eine in fich ſelbſt zu- 511.
rüdtehrendekrumme Linie, von welcher alle Punkte von dem
beftimmten Mittelpunkte gleichweit abſtehen .
. Die in ſich ſelbſt zurüdkehrende krumme Linie a e fb d 51% .
heißt der Kreis u mfang, der Mittelpunkt c. das Cen - Fig
ple . 12 .
trum . Cheile des Umfanges wie a e , af, heißen Kreis
bögen ; gerade Linien , welche von dem Centrum bis zu
dem Umfange gezogen ſind , wie ca, ce, cf, cb und
c d heißen Halbmeſſer ; ſolche, welchevon einem Punkte
des Umfanges durch das Centrum zu einem andern Punkte
des Umfanges gezogen ſind, wie a b , df, Durchmeſſer. •
Alle Halbmeſſer und alle Durchmeſſer ſind unter einan:513 .
der gleich.
. Jeder Kreisumfang, derſelbe mag klein oder groß ſein , 614 .
wird in 360 gleiche Theile , welche man . Grabe nennt,
getheilt.
Zieht man in einem Kreiſe zwei aufeinander ſenkrechte 316.
Durchmeſſer , wie a b und df, ſo iſt der Umfang in vier
Viertel getheilt und jedes Viertel hat daber 90 Grade. Hals
birt man ein ſolches Viertel , wie hier durch die Linie ce,
fo erhält man einen Achtelkreis -a e, nämlich von 45 Graden
4 . f. w . .
. Durch je zwei Halbmeſſer, wie z. B . a c und e o , e c 516 .
und f c , a c und fc u. f. w . bilden ſich in dem Cen :
trum -Winkel , denen beſtimmte Bögen gegenüber ſtehen .
So ſteht dem rechten Winkel a cif ein Bogen von 90
Graden , dem ſpißen Winkel e c . f ein Bogen von 45
Graden , dein ſtümpfen Winkel e c d ein Bogen von 135
Graden entgegen. In dieſem Verſtande fagt man , daß ein
118
Wintel ſo viel Grabe hat , als der Bogen zwiſchen ſeinen
Schenkeln ,oder es dienen diefe Bögen den Winkeln zum Maße.
817. Die Kenntniß des Umkreiſes und der Bögen gehört
zu dem Unterrichte der Wendungen für den einzelnen Mann,
und der Schwentungen für ganze Abtheilungen .
818. Steht z. B . der Mann auf dem Punkte e mit dem
Geſichte gegen a gekehrt, und macht er rechts um , ſo
wird er nach der Wendung mit dem Geſichte gegen f ftes
hen , alſo einen viertel Kreisbogen beſchrieben haben . Macht
er Kehrt eud , ſowird ermit dem Gefichte gegen b geehrt
ſein und einen halben Kreisbogen beſchrieben haben . Wendet
er ſich aber nur halb redyt$ , ſo daß er gegen e fteht - wie
3 . B . bei dem Antritte der Ziehung - ſo beſchreibt er blos
einen achtel Kreisbogen , nämlich von 45 Graden .
319 . Bei Schwenkungen ganzer Abtheilungen wird das
Centrum ftets zwei Schritte ſeitwärts der Pivots Charge
bei c gedacht.
680. Schwenkt z. B . eine Abtheilung cf bergeftalt , daß
fte in die Lage o a kommt, ſo hat die Pivot - Charge, wie
auch die Abtheilung einen viertel Kreisbogen beſchrieben ,
oder eine ganze kinkeſchwenkung vollführt. Würde aber die
Schwenkung' fchon an der Linie o e enden , ſo hätte die
Pivot-Charge ſo wie die Abtheilung bloß einen achtel Kreiss
bogen , nämlich von 46 Graben beſchrieben , ſomit eine unvollens
dete Schwentung (Direktionsveränderung) links ausgeführt.
521. Hiermit iſt im Weſentlichen dasjenige erſchöpft, was
der Unteroffizier zur vollkommenen Erfüllung ſeiner Bes
rufspflichten von den Linien zu wiſſen braucht. Es wird
nur noch bemerkt , daß der Unterricht hierin immer mit
Rüdficht auf die individuellen Fähigkeiten der Chargen
ftattzufinden habe ; nämlich , daß man ſich bei manchen darauf
beſchränken müffe, ihnen die einfachſten Begriffe, wie z. B .
von den Sentrechten , den Parallelen u . dgl. beizubringen ,
während bei andern ber Unterricht in ſeiner ganzen Ausa
dehnung ſtattfinden kann .
S . 45 .
Unterricht im geraden Marſch irent.
Die Leitung der Marſch direktion beim Frontmarſde523.
ſowohl , als in der Rolonne, liegt den Chargen ob . Es ift
daher von Wichtigkeit , baß dieſelben die Fähigkeit befiben ,
anhaltend in vollkommen gerader Richtung zu marſchiren ,
welches eine beſondere übung erheiſcht. Vor allem muß den
Chargen erklärt werden , daß jeder Marſch nach einem im
voraus zu beſtimmenden Objekte , welches man das Direto
tionsobjekt urnnt, ſtattfindet; ferner , daß die linie,
welche von dem eigenen Standpunkte in gerader Richtung
zu jenem Direktionsobjekte führt , die Marfd direktion 8
linie heißt ; endlich , daß alle in dieſer geraden Linie be: .
findlichen Punkte , Zwiſchenpunkte genannt werden .
Zu Direktionsobjekten ſind ſtets möglichſt entfernte, 523.
über den Boden hervorragende Gegenſtände , als : Kirch
thürme, hobe Bäume, martirte Bergſpißen u . dgl., fürzu
wählen . Ift das Direktionsobjekt ausgemittelt worden , ſo .
muß die Charge auf der Direktionslinie die nöthigen Zwi
ſchenpunkte ſchnell aufſuchen und beſtimmen ; wozu jeder nocy
ſo unbedeutende Terraingegenſtand , als : einzelne Schollen ,
Stauden , Steine u . dgl. geeignet iſt. Dieſe Zwiſchenpunkte
dürfen nicht weiter als höchſtens 30 bis 40 Schritte von ein
ander abſtehen , und da es bei langen Marſcħlinien nichtmög:
lich iſt, alle Zwiſchenpunkte auf einmal fürzuwählen ; ſo
muß mit der Beſtimmung der nächſten zwei der Anfang
gemacht , nach Maß als man aber vorſchreitet, mit jener
der entfernteren fortgefahren werden . Der Marſch von einem
Zwiſchenpunkte zum anderen muß in vollfommen gerader
Richtung geſchehen , was der Fall ſein wird , wenn die
Charge dergeſtalt marſhirt , daß die Zwiſchenpunkte unauss
Abrichtungs-Regt f. d. Iuft.
180
geſeßt auf einander und auf das Direktionsobjekt gebedt,
nämlich in einer Linie bleiben .
524. Zur Prüfung der Wahl der Zwiſchenpunkte und des
Marſches felbft , muß man fich dergeſtalt hinter die Charge
aufſtellen , daß man auf dieſe und das Direktionsobjekt ge
3. dedt ſtebe;wodurch man jede Abweichung von der Direktionss
linie ſogleich wahrnehmen und berichtigen kann.
635. Bei einiger Übung werden die Chargen in Kurzem die
nöthige Geſchicklichkeit erlangen , um von ihrem Standpunkte
in vollkommen gerader Richtung nach einem gegebenen Direks
tionsobjekte hinzumarſchiren . Was jedoch deren Ausbildung
in der entſprechenden Wahl des Direktionsobjektes ſelbſt be:
trifft, ſo kann dieſe nicht beim einzelnen Unterrichte ſtatt
finden ; da das Direktionsobjekt immer nur nach der Lage
der ganzen Frontlinie , nicht aber blos nach jener der Schuls
tern
16 der einzelnen Charge, ermittelt und beſtimmtwerden darf.
S . 46.
Vorübungen zu der Chargen - Richtung.
626 . . Als Vorbildung zu der im Ererzir - Reglement vors
kommenden Chargen - Richtung werden die Chargen in ein
Glied , auf rechs bis acht Schritte Abſtand von einander,
aufgeſtellt. Iſt dieß geſchehen , ſo läßt man , je nachdem die
Richtung rechts oder links geübt werden ſoll, die zwei rechts
oder links ſtehenden Chargen , dann jene des entgegengeſeks
ten Flügels , zur Markirung der neuen Richtungslinie auf
ungefähr ſechs Schritte vorrücken , und richtet dieſe drei
Chargen ſcharf auf einander. Hierauf kommandirt man :
»Rechts (links) richt--- euch !“ , auf welches Kommando
die Chargen auf ähnliche Weiſe ſucceſſive vortreten , wie es
bei dem Glieder-Unterrichte für die Mannſchaft vorgeſchrieben
wort en iſt; nurmit dem Unterſchiede, daß hier die Richtung,
ohne Fühlung gegen einen Nebenmann , von entfernten ,
freiſtehenden Punkten abgenommen wird , welches ſchwieri
131
ger auszuführen iſt , daher einer beſonderen übung bedarf.
Hierbei iſt darauf zu ſehen , daß jede Charge vollkommen
gerade vorgebe , nämlich die Diſtanz von der nebenſtehenden "
genau beibehalte , die dem Stüßpunkte nähere um einen
Schritt früher-abrücken laſſe , den Texten Schritt gehörig in
drei kleine eintheile , und bei dem leßten kleinen Schritte ſich
auch ſchon in der neuen Richtungslinie befinde.
Sollte eine oder die andere Charge eine fehlerhafte 687.
Richtung annehmen , ſo darf ſich die nächſtfolgende durd
dieſe nicht irre leiten laſſen ; ſondern ſie muß den Fehler
dadurch zu verbeſſern ſuchen , daß fie ſich nach den andes
ren , entfernteren Chargen richtet.
Beim erſten Unterrichte laſſe man die Chargen eins588 .
zeln , nämlich eine nach der andern , in die Midtungslinie
vortreten ; bei erlangter Fertigkeit einer jeden Einzelnen aber
hat die Richtung , wie geſagt, ſtaffelförmig zu geſchehen . '
Damit endlich die Chargen eine gewiſſe Selbſtſtändig - 529.
feit im Auffaſſen und Meurtheilen einer Midtungslinie ers Plan V .
Fig . 18 .
langen , welches beſonders bei gleichzeitigen Aufmarſchen
größerer Truppenkörper, dann auch bei Richtungen und Aufs
märſchen auf die Mitte, ſehr nothwendig iſt ; müffen diefels
ben auch geübt werden , ſich zwiſchen zwei entfernte Punkte
ſchnell und genau einzurichten . Hierzu werden zivei Chargen ,
nämlich a und b , auf eineEntfernung von ungefähr 60 80
Schritten aus einander geſtellt , um zwei Punkte im Terrain
zu markiren.
Zwei andere Chargen c und d ſtellen ſich . --- ungefähr630 .
10 — 20 Schritte von einander entfernt – rückwärts dieſer
Linie ſo auf, daß ſie auf einen der Punkte a oder h , hier
auf b, gerichtet ſind. Hlerauf bewegen ſich beide vorwärts,
wobei c beſtändig gegen d 'fteht, und auf dieſe und den
Punkt b gerichtet bleibt; d fteht dagegen genen c , und ruft
in fein Augenblicke , als dieſe den Punkt a deckt : » HaltI« .
Die hierdurch ausgemittelten Punkte E und F befinden fid in
192
. der geſuchten Linie , welche ſofort auf die eine oder andere
Seite verlängert werden kann.
681. Durch dieſe Übungen ſchärft ſich das Auge und ſomit
das Beurtheilungsvermögen ; da die Chargen fich bemühen
müffen , auf größere Entfernungen auch die kleinſten Abweis
chungen von der Richtungslinie zu beurtheilen und ſelbe, una
abhängig von den durch die Mannſchaft begangenen Fehlern
auch durch jene Punkte aufzufaſſen , welche ſich auf der Seite
des Richtungsobjektes durch Nichtungs -Abtheilungen neben :
ſtehender Truppen , Adjutanten u . ſ. w . ergeben .
S. 47.
Vorübung zum Mariche im Alignement.
533. Zur Vorübung des beim Kolonnenmarſche ſo noth
wendigen Marfch irens im Alignement, werden die
Chargen ungefähr auf 20 Schritte Abſtand hinter einander
geſtellt. Hierauf bezeichnet man den zwei vorderſten Char
gen einen in der Verlängerung der durch ſie gebildeten
Linie befindlichen Gegenſtand als Direktionsobjekt, und be
lehrt dieſelben , daß fich die vorderſte die nöthigen Zwiſchen
punkte nach Nr. 523 zu wählen habe, die unmittelbar hinter
ihr marſchirende aber je berzeit über erſtere auf das Direktions
objekt genau gebedt bleiben müſſe . Iſt dieß erfolgt, ſo werden
die übrigen Chargen mittelſt des Zuruſes : » Alignirt !“ an.
gewieſen , ſich fucceſſive in das durch die Aufſtellung der vor
derſten zwei Chargen beſtimmte Alignement einzurichten , und
dabei belehrt , daß , um dieſes zu bewirken , jede Charge ſich
in die Verlängerung der durch je zwei unmittelbar vor ihr
ftehende Chargen gebildeten Linie zu ſtellen , und derart
Schulter hinter Schulter zu deden habe, daß ſie den Naden
der zweiten vor ihr befindlichen Charge niemals erblice. Hierzu
beordert man anfänglich eine Charge nach der anderen , um
auf dieſe Art das gehörige Erfaſſen des Alignements durch
jede einzelne Charge prüfen und nöthigenfalls berichtigen zu
tonnen ; wozu man fich jederzeit rüdwärts derſelben auf
ſtellt.
Haben die Chargen die Fertigkeit erlangt, fich auf dieſe533.
Art ſchnell und genau zu aligniren , ſo müſſen ſie auch geübt '
werden , dieſes während des Marſches zu bewirken , und dann
unausgeſeßtalignirt fortzumarſchiren ;wobei gleichfalls die vors
ſtehenden Beobachtungen in ihrem ganzen Umfange eintreten .
DieſeÜbung wird anfänglich in unmittelbar gerader Di- $ 34 .
rektion vorgenommen . Sobald jedoch die Chargen die erfors
derliche Gewandtheit in dem Einhalten des Alignements wäh
rend des geraden Vormarſches erlangt haben , ſtellt man in
der Verlängerung der Marſchdirektionslinie eine Charge auf,
läßt die an der Tête marſchirende Charge beim Anlangen
an dieſer Stelle eine geringe Körperwendung vollführen , und
bezeichnet ihr ſogleich das neue Direktionsobjekt. Die nächſt
folgende Charge vollführtauf derſelben Stelle, wo dieß von der
Tête-Charge ſtattfand, die entſprechende Körperwendung, und
alignirt ſich , nachdem ſie gleichfalls von dem fürgewählten Die
rektionsobjekte verſtändigt worden , ſogleich über die ander Tête is
marſchirende Charge auf das Direktionsobjekt. Ade übrigen
Chargen vollführen dann ſucceſſive die Wendung auf derſelben
Stelle, wo die von der Tête-Charge ſtattfand , und trachten
hierauf ſchnell ihre Dedung auf die bekannte Art zu bewirken .
S. 48.
Vorübung zur Ziehung im Front- und Kolons
nenmarſche.
Zur entſprechenden Ausführung der Ziehung , ſowohl635 .
im Front- als Kolonnenmarſche iſt unumgänglich erforder
lich , daß dieſe ſtets genau unter dem Winkel von 45 Gra- . .
den angetreten werde; indem durch jede Abweichung von
dieſem Winkel entweder Drüdungen und das Vorpresas
len , oder Trennungen und das Zurückbleiben des nachzie
henden Flügelo unausweichlich erfolgen müſſen . Das Gelingen
einer Stehung Hängt demnach weſentlich von der richtigen Watt
des hierzu erforderlichen Direktionsobjektes ab , welche jeders
zeit der an dem ziehenden Flügel eingetheilten Charge obliegt.
636. Zur dießfälligen Belehrung und praktiſchen Einübung
Plan IN .
Fig . 5 . ** werden die Chargen in ein Glied a b geſtellt , und die Zie:
hung z. B . rechts aviſirt. Auf dieſes Aviſo hat die am rech
ten Flügel des Gliedes eingetheilte Charge a ſogleich einen
. in ſenkrechter Richtung auf die Frontlinie des Gliedes , zehu
Schritte vorwärts gelegenen Punkte c am Boden ins Augezu
faffen , und hierauf von dieſem rechts ſeitwärts - - gleichfalls
aufdie Entfernung von zehn Schritten , - in ſenkrechter Lage
auf die Linie a c, den zweiten Punkt d auszumitteln . Iſt fos
dann die Körperwendung auf das Kommando : » Halb -
rechts !“ erfolgt , ſo wählt dieſe Charge einen in der
Verlängerung der Linie a d gelegenen geeigneten Gegenſtand
e als Direktionsobjeft , und es wird dann die Linie a e mit
der verlängerten Frontlinie a f genau einen Winkel von 45
Graben bilden .
837. Haben die Chargen die gehörige Fertigkeit in Ausmitts
lung des entſprechenden Direktionsobjektes zur Ziehung ers
langt, ſo ſtellt man dieſelben nach Nr. 532 hintereinander,
und läßt ſie anfänglich von der Stelle aus , dann aber aud
während des geraden Vormarſchen , die Ziehung antreten ;
wobei darauf zu ſehen iſt, daß die an der Tête befindliche
Charge das Direktionsobjekt entſprechend wähle, und unauf
gehalten auf dieſes hinmarſchire , alle übrigen Chargen aber,
in der durch die Wendung erlangten Körperſtellung, ſenkrecht
hinter einander gedeckt bleiben und ihren Abſtand beibehalten .
S . 49.
Bom Rommandiren.
338. Jede Bewegung aus der vorgeſchriebenen Stellung ers
folgt auf ein Kommando. Da nun viele dieſer Roms
mando ausmehreren Sylben oder aus mehreren Worten bes
· 136
Atehen ; ſo hat die Ausführung der jeweilig anbefohlenen
Bewegung immer erſt auf jene Sylbe oder jenes Wort
zu erfolgen , welche in dem Kommando raſch , mithin bes
tont ausgeſprochen werden , während die anderen Sylben oder >
Worte nur als ein vorläufiges Aviſo zu betrachten , daher
auch ſtets mäßig gedehnt auszuſprechen ſind.
Die Lepteren ſind im Lerte mit dünnen lettern , die589.
Erſteren dagegen mit ſtarkerer Schrift gebrudt, 3. B . » In
Reihen – rechts ! « » Rechts — um !«
Die genaue Betonung der Sylben oder Worte, – au8 540.
denen ein Kommando beſteht, - muß ſtets beobachtet , und
es müſſen überdieß auch die in dem Lerte zwiſchen denſelben
bezeichneten Pauſen jederzeit gehörig ausgehalten werden , um
der Mannſchaft und den Chargen die zum Auffaſſen des Ans
geordneten , und zur Vorbereitung für die Ausführung ers
forderliche Zeit zu belaſſen. Hierbei wird ganz beſonders bes
merkt , daß dieſe Pauſen in keinem Falle durch langwierige
Erplikationen ausgefüllt werden dürfen ; wodurch die Aufs
merkſamkeit des Soldaten nur geſtört , und jede raſche Auss
führung auf das Kommando unmöglich wird. In den Rom .
mandoworten darf keine Abweichung ſtattfinden . Ihr Ton ,
Accent, ihr Nachdrud , müſſen in der ganzen Armee gleich
ſein ; wobeidie Erhebung der Stimme ſich ſtets nach der Stärke
oder Ausdehnung der Truppe zu richten bat, die man befehligt.
Beim Kommandiren überhaupt , ganz beſonders aber 541.
bei jenem der Zwiſchenbewegungen durch die eingetheilten
Chargen , müſſen die Vorbereitungs -Sylben oder Worte ſtets 7
angemeffen vorher, die Ausführungs -Sylben oder Worte
aber, genau in dem geeigneten Momente ausgeſprochen werden .
So oft die Mannſchaft zweierlei Wendungen , nämlich 642.
der eine Theil rechts , der andere links zu vollführen hat,
iſt in dem Rommando jederzeit die Bewegung desjenigen
Theiles zuerſt auszuſprechen, welcher in der Front rechts von * *
der Mitte oder einer ſtehen bleibenden Abtheilung, in der
188
Rolonne aber vor der ſtehen bleibenden Abtheilung fich bes
findet, z. B .
» Links und rechts — um !«
643. Das ſtets vorſchriftsmäßige und entſprechende Romman
diren erhält die Aufmerkſamkeit der Mannſchaft rege, ermög
licht das richtige Führen derAbtheilungen durch die Chargen ,
und befördert ſomit weſentlich die entſprechende und präciſe
Ausführung der beim Grerziren vorkommenden Gewehr
griffe und Bewegungen ; daher auf die genaue Beachtung der
dießfälligen Vorſchriften ſowohl von dem jeweiligen Komman
danten, wie auch von den Chargen ,mit Strenge zu ſehen iſt.
$. 50 .
Stellung und Ererziren der Unteroffiziere
mit dem Gewehre. – Ehrenbezeigungen .
544. Die Stellung des Unteroffizieres mit dem Gewehre iſt die
für den Soldaten vorgeſchriebene; desgleichen gelten für die
Ausführung der Gewehrgriffe , welche der Unteroffizier -
mit Ausnahme des Präſentirens -- in Reih und Glied ſtets
gleichzeitig mit der Maunſchaft vollzieńst, die im $. 8 ertheil
ten Vorſchriften , und müſſen von ihm bei allen Gelegenhei:
ten auf das Genaueſte befolgt werden , um auch hierin ſeinen
Untergebenen zum Vorbilde zu dienen .
845 . Bei dem Gewehrgriffe: » Zum — Schwören ! « bat
in der Unteroffizier nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung den
Handſchuh der rechten Hand auszuziehen .
846 . Als Kommandant einer Abtheilung nimmt der Unters
offizier das Gewehr ſowohl auf der Stelle wie auch wäh
rend des Marſches zur Leiſtung der jedem Höheren gefüh.
renden Ehrenbezeigung, in der Front eingetheilt aber auf
das Kommando : »Präsen - tirt!“ , auf nachſtehende Art
in rechten Arm :
647. Die linke Hand bringt den Rolben an den Schentel
berab, und wendet das Sewehr ſo, daß der Lauf rechts ſeit:
wärts gerichtet iſt. Die rechte Hand umfaßt den Kolbenhals ,
und zieht das Gewehr - den Riemen gleichzeitig vorwärts
wendend -- an die rechte Seite herab, während welcher Bes
wegung die linke Hand folches aun unteren Laufringe um ;
faßt, die rechte aber den Kolbenhals ſchnell in der Gabel zwis
ſchen dem Zeige- und Mittelfinger ergreift, und das Gewehr
pollends an die rechte Seite bringt; worauf die linke Hand an . .
die Seite zurüdkehrt. Beim Tragen des Gewehres im rechten
Armewird der Kolbenbals in der Gabel zwiſchen dem Zeiges
und Mittelfinger ſo ergriffen , daß der Zeigefinger knapp
unter den Griffbügel , der Daumen ober demſelben , die drei
andern Finger aber geſchloſſen hinter dem Hammer, welcher
auf dem kleinen Finger ruht, zu liegen kommen . Der Ballen
der rechten Hand bedeckt das Schloß , die Schloßſchrauben
find gegen den rechten Schenkel gewendet ; der Arm iſt ohne
Zwang natürlich gebogen ; der Lauf des Gewehres , welcher
an die Achſel gelehnt wird , muß ſenkrecht ſtehen .
Die Herſtellung erfolgt in der Front auf das Kommando :548.
» Schul — tert! ,« außer derſelben aber nach Erreichung der
vorgeſchriebenen Entfernung auf nachſtehende Weiſe :
Die rechte Hand bringt das Gewehr, - indem ſie fols 549.
ches gleichzeitig etwas erhebt, und den Gewehrriemen links
ſeitwärts dreht, - oor die Mitte des Leibes ; wo es die linke
Hand an dem unteren Laufringe erfaßt, und init dem Laufe
nach vorwärts wendet, während die Rechte den Kolbenhals
ergreift , das Gewehr ſo viel nöthig hebt, und dann auf die
Adſel ſinken läßt. Gleichzeitig ergreift die linke Hand den
Rolben , und bringt das Gewehr in die vorgeſchriebene Lage
auf die Schulter, während die rechte an die Seite zurüd kehrt.
Der Unteroffizier hält nur bei der Vertheidigung im 650.
Quarré das Gewehr ſchußfertig ; wobei er fich, ſo wie auch
im Übrigen , nach den dießfalls für den Soldaten ertheilten
Vorſchriften zu benehmen hat.
& brenbezeigungen .
Der Unteroffizier trägt das Gewehr in und außer der 861.
Front, als Kommandant, Aufführer, Anmelder, ſo wie auch
138
in alien Gelegenheiten , wo die Truppe zwar ohne Feuergewebr,
jedoch mit Seitengewehr ausgerückt iſt, nach Vorſchrift ges
fdultert.
. 553. Bei Begegnung eines Vorgeſepten , ſo wie auch bei jener
des Hochwürdigen , benimmt ſich der Unteroffizier wie für den
Soldaten vorgeſchrieben worden .
563. Bei Begegnung der Allerhöchſten Herrſchaft macht er auf
drei Schritte Front, und nimmt das Gewehr in rechten Ärm .
Iſt die Allerhöchſte Herrſchaft auf drei Schritte an ihm vor.
über , ſo ſchultert er , und reßt ſeinen Weg fort.
864. Als Kommandantnimmt der Unteroffizier ſtehenden Fus
Bes , nachdem er bei Annäherung eines Höheren auf 30
Schritte ſeine Abtheilung zur entſprechenden Kopfivendung,
dann wo es gebührt, zum Präſentiren befehligt hat, das Ges
wehr in rechten Arm ; ſchultert, wenn dieſer auf 9 Schritte
vorüber iſt, und ordnet die Herſtellung ſeiner Abtheilung an .
666 . Eben fo benimmt er ſich als Kommandant oder Auffüh
rer bei Begegnung eines Höheren während des Marſches ,
nachdem er ſeine Abtheilung zur entſprechenden Kopfwens
dung befehliget hat.
566. Auf gleiche Weiſe wie der Unteroffizier haben ſich auch
der Gefreite und Füſilier oder Grenadier zu benehmen , wenn
fie die Dienſte eines Unteroffiziers als Rommandant, Aufs
führer oder Anmelder verrichten.
567. Befindet ſich der Unteroffizier außer Reih und Glied
ohne Gewehr , ſo hat er ſich nach der für den Soldaten ers
theilten Vorſchrift zu benehmen .
Die mit Kammerbüchſen bewaffneten Corporale Nr. 6
und 7 tragen in Reih und Olied, und beim Tirailliren , ſo
wie in allen übrigen Gelegenheiten ,wo ſie mit verſorgtem Bas
jonet erſcheinen , die Kammerbüchſen ſtets aufdie für dieSchů,
ßen vorgeſchriebene Art, und vollziehen die ſie betreffenden
Handgriffe und Ehrenbezeigungen ,wie es für ſelbevorgeſchrie
ben ift. - In Fällen , wo die Schüßen - Unteroffiziere das
Bajonet gepflanzt haben , tragen ſelbe das Gewehr ſo wie die
übrigen Unteroffiziere , und leiſten die für dieſelben vorges
fchriebenen Ehrenbezeigungen auf die nämliche Art.
139

$ . 81.
Stellung und Ererziren des S düşen mit der
Kammer büdſe. - Ehrenbezeigungen.
I. Jm Allgemeinen .
Bei einem einzelnen Zuge ſtehen die Schüßen jederzeit558.
im dritten Sliede am Rangirungsflügel; werden jedoch bei
der Formirung in ein Glied , wie 8. B . bei einem Wachpos
ften , nach der Größe einrangirt.
Im Allgemeinen gelten für die Stellung und das Bes 669.
nehmen des Schüßen ſowohl in geſchlofſener , als in zers
freuter Ordnung , die für den Infanteriften dießfalls übers
haupt beſtehenden Vorſchriften ; jedoch mit Rüdſicht auf die
durch die Beſchaffenheit ſeiner Waffe bedingten Abweichungen
bei den Gewehr- , Lad- und Feuergriffen .
II. Stellung mit der Kammerbldſe.
Der Schüße trägt die Rammerbüchſe – ogne dars660.
auf gepflanztem Bajonete – ſowohl in als außer
Reih ' und Glied ſo auf der rechten Schulter übergehängt,
daß die Mündung aufs, das Schloß rechts auswärts und
der Riemen an der Achſelwulft zu ſtehen kommt. Die Rams
merbüchſe hängt ihrer natürlichen Schwere überlaſſen ; der
Riemen wird mit der rechten Hand zwiſchen dem Daumen und
den übrigen Fingern , chne jedoch lektere zu feſt zu ſchließen ,
ſo hoch ergriffen , daß der Vorarm wagrecht liege.
Dieſe Art das Gewehr zu tragen , heißt die Stellung 861.
mit geſchultertem Gewehre.
: Bei Voſführung der Körperwendungen muß der Kies 66% .
men etwas nach abwärts gezogen , bei der doppelten Wens
dung die Patrontaſche nach Nr. 31 , jedoch mit der linten
Hand ergriffen werden .
Während des Marſches wird der rechte Ellenbogen más 663.
Big gegen die Kammerbüchſe gedrüdt; auch iſt dem Schü.
ßen geſtattet, den linken Arm analog nach Nr. 58 zu hes
wegen .
564. Trägt der Schüße die Kaminerbüchſe mit verſorgtem
Bajonete auf die vorbeſagte Art am Riemen geſchultert , ſo
hat er ſowohl bei Annäherung eines Höheren an die Front,
- als auch während des Defilirens , und zwar auf das erfols
gende Kommando zur Kopfwendung , als Ehrenbezeigung
folgendes Gewehrhalten anzunehmen :
565 . Die rechte Hand verläßt den Gewehrriemen und ergreift
61 bei natürlich geſtrecktem Arme den Kolbenhals derart , daß
der Daumen den Griffbügel , die anderen Finger geſchloſs
ſen den Kolbenhals umfaſſen. Der Daumen liegt an der
Hoſennaht, der Ellenbogen iſt am Mittelſchafte angeſchloſs
fen . Während des Marſches wird die Kammerbüdfe' ſo der
natürlichen Schwere überlaſſen , daß ſie an den Bewegungen
der Füße keinen Antheil nimmt.
566 . Auf die vorbeſagte Art hält der Schüße die Kammer
büchſe ſo lange, bis das Kommando :
567. Habt -- Acht!« erfolgt, worauf die rechte Hand wies
der den Riemen nach Nr. 560 ergreift.
568. Hat der Schüße das Bajonet gepflanzt , ſo trägt er die
Kammerbüchſe in Reih' und Glied auf gleiche Weiſe auf der
linken Achſel geſchultert , wie der Infanteriſt , hat gleich dies
ſem zu präſentiren , und alle anderen für denſelben vorgeſchrie
benen Gewehrgriffe analog aus dieſer Stellung auszuführen ,

III. Gewehrgriffe.
Mommando:
Worte. Belehrung.

669. In die - 1 . Die rechte Hand verläßt den Ries


Balance ! «
men , ergreift den Kolbenhals nach Nr. 565,
und ſchiebt den Kolben , ohne daß der Rie
men von der Achſel abgleite , gerade vors
Kommando:
Worte. : Belehrung. “
wärts ; 2 . die linke Hand ergreift die Ram
merbüchſe unter dem Riemen beim Abfe
ben ; beide Hände erheben dieſelbe , damit - 11
der Riemen .von der Schulter über die Achs
ſelwulft herabfalle : worauf die rechte Hand
zwiſchen der Kammerbüchſe und dem Leibe
nach rüdwärts durchſchlüpft,und 3 . ſolcheober
der linken umfaßt, leßtere aber an die Seite
zurücfehrt. 4 . Der rechte Arm wird natürs
lich geſtrect; die Kolbenſpite iſt mit der
Rundung des Abſaßes gleich .
» Beim . Wie für das Infanterie-Gewehr vorge- |570 .
schrieben . . . .
1» In die - " T : Die Kammerbüchſe wird wieder im 871.
Balance ! Gleichgewichte ergriffen , und die Kolben
fpiße in der Richtung der Abfäße zurückges
drüdt.
» Schul - :- 1. Die Rammerbüchſe wird vor den 372.
tert! «
(von » in die (rechten Schenkel fo hoch gehoben , daß der
Balance “ und Jobere Riemenbügel dem Kinne gleich und das
» beim Fuß« )
Schloß nach vorwärts ſtebe; die linke Hand]
umfaßt den Riemen , mit dem Daumen auf,
mit den andern Fingern unter demſelben ,
knapp am oberen Riemenbügel. 2. Die
rechte Hand ſchlüpft, mit geringer Vornahme
der rechten Schulter, zwiſchen Büchſe undi
Riemen durch, und erfaßt den Kolbenhals,
während die linke die Kammerbüchſe über
. die Schulter hängt , und den Riemen auf
eine Spanne durch die Finger gleiten läßt ;
juin, 3 . worauf die rechte Hand den Riemen aufl
Kommando:
Worte. Belehrung.

|die bekannte Art ergreift, und die linke for


dann an die Seite zurückfehrt.
573 . » Ver — 1. Wie die erſten zwei Griffe von » In
deckt! die Balance«. 2. Die rechte Hand um :
faßt den Kolbenhals , beide Hände wen
den das Gewehr ſo , daß der Lauf nach vor
wärts gerichtet iſt; 8.woraufmit der rechten
Hand der Kolben aufwärts gegen die Achſel
höhlung , mit der linken aber die Kammer
büchſe abwärts gedrüdt wird. 4 . Die rechte
Hand umfaßt die Kammerbüchſe vorwärts
der linken , welche ſogleich an die Seite zu :
rüdtehrt. Das Schloß kommtober der Hüfte
zu liegen . Das Gewehr wird mit dem rech
ten Oberarme an den Leib gedrückt, die
Mündung ſteht ungefähr 2 Schub vom Bos
den ab.
574. - Schul Die rechte Hand läßt den Rolben nach
tert ! abwärts finten , die linte ergreift den Rie
men am oberen Bügel , mit dem Daumen
auf, und den andern Fingern unter dem .
ſelben , und beide Hände bringen die Kam
merbüchſe in die ſentrechte Lage ſo , daß die
linke Hand in die Höhe des Kinnes gelange,
und das Sóloß vorwärts ſtehe; worauf das
Gewehr auf die bekannte Art auf die rechte
Adſel gebracht wird.
575. »Zur Visiti- 1. Wie die erſten zwei Griffe von „ In
rung des - die Balance«. 2. Die linke Hand bringt
Gewehrm!«
die Rammerbüchſe vor die Mitte des Leibes ;
die rechte umfaßt dieſelbe unter dem mittles
148
Kommando
Worte. Belehrung.

ren Laufringe, ſenkt und wendet ſie ſo , daß


der Lauf vorwärts zu ſtehen fomme. 3 . Die
linke Hand verläßt die Rammerbüchſe, gleitet
To unter den oberen Laufring, daß das zweite
Glied des Zeigefingers unter der Müce liegt,
der Daumen aber rüdwärts am Ladſtođe
aufgeſtemmt iſt , und beide Hände ſtellen
die mit dem Laufe nach vorwärts gewendete
Kammerbüchſe ſenkrecht vor die Mitte der
Fußſpißen ſo , daß die Kolbenſpiße mit
ſelben gleichlaufe , und die Mündung beis
läufig eine Spanne vom Leibe entfernt bleibe.
4. Die rechte Hand erfaßt ſodann auf die
für das Infanterie - Gewehr vorgeſchriebene
Weiſe das Rohr bei der Mündung .
» Ladstock in ! Wie für das Infanteriegewehr vorges 876.
- Lauf! « lidhrieben , jedoch wird der Ladſtod mit der
rechten Sand anfänglich nur bis zur Hälfte
aus der Nuth gezogen.
» Versorgt | Wie für das Infanteriegewehr vorges| 677.
den - Lud - ſchrieben .
stock !
Wird dem Schüßen die Kammerbüdyſe 678.
zur äußeren Viſttirung abgenommen , ſo bes
nimmt er ſich hierbei, wie auch beim Zurüd
geben derſelben nach Nr. 76 ; nur hat er im
leßteren Falle dieſelbe mit der linken Hand
wieder unterhalb des oberen Laufringes 311
ergreifen .
»Schul – 1. Die Kammerbüchſe wird ſo gewen |679.
tert ! «
det, daß der Lauf rechte , das Schloß vor
wärts zu ſtehen komme; 8. die linte Gand
Stommando : Belehrung. .
Worte.

1 . Jessica
ergreift den Gewehrriemen knapp beim obe
ren Bügel wie bekannt , die rechte aber die
Sammerbüchſe unter demſelben ; worauf
:. .! 13 . dieſe auf ähnliche Art , wie von » Jn
. . . lbie Balance« auf die Schulter gebracht
wird.
580. » Pflanzt das 1 . Wie die erſten zwei Griffe von » In
die Balance« . 2 . Die Kammerbüchſel
net!
wird mit Hilfe der rechten Hand , welche
dieſelbe unter der Müde ergreift, durch die
linke gleiten gelaſſen , und zugleich ſo vor die
linke Fußſpiße geſtellt, daß das Schloß vor
wärts, die Mündung in der Mittellinie des
Körpers ſtehe. 3 . Die rechte Hand erfaßt
nun, zwiſchen Rammerbüchſe und Leib , den
Überſchwungriemen in der Gegend der Hüfte,
I zieht ihn fo weit vor- und aufwärts , daß
Sim
bie Bajonetſcheide mit dein linken Vorarme
feft an den Leib gedrückt werden kann ; er :
greift das Bajonet an der Dülle , zieht es
aus der Scheide, und wendet es , -- wäh
rend der linke Vorarm die Bajonetſcheide
fallen läßt , - mit der Spiße aufwärts .
4 . Die rechte Band ſteckt das Bajonet , -
den höchſten Theil feines Wulſtes riach
einwärts gehalten,---- aufden lauf, dreht
es unter dem Anſaße des ladſtodes derge
ſtalt auswärts, daß die Hülſe mit ihrem
Einſchnitte über die Bajonetfeder zu ſtehen
komme, und drückt es hierauf ſo lange nach
Jabwärts , bis die Bajonetfeder einſchnappt.
Kommando
Worte. Beleĝrung.
beim ni 15 . Die Rainmerbüdſe wird - wie für das
e aberto Infanteriegewehr vorgeſchrieben - auf die
S DIE linte Schulter gebracht.
von de Hat der Schüße das Bajonet gepflanzt, 681.
gebet lio trägt er die Rammerbüchſe : Souls
tert !« in der Regel auf die für das Ins
\fanterie-Gewehr vorgeſchriebene Art auf der
imerbird linten Achſel ; und es gelten dann für ihn , in
dieſer Stellung, bei Ausführung der Gewehrs
durdt griffe : » In - Arm !« » Schul - tert!
io pera » In die — Balance !« »Beim - Fuss !
Etlos Schul - tert!« »Fällt das — Bajo
eltnieks net !« » Schul — tert !« » Präsen --
nd conta tirtl« und »Schul – tortl« analog )
die dießfalls gegebenen Vorſchriften .
| In beſonderen Fällen , wie bei Pas 589.
aires, trouillen , Avantgarden , als Schildwache,
i Perut oder wenn der Schüße für fich allein geht
fannie u. ſ. w ., kann die Kammerbüchſe, mit aufs
zilebre gepflanztem Bajonete , auch auf die bekannte
Weiſe am Riemen auf der rechten Achſel
eneriori geſchultert getragen werden ; jedoch iſt
aurine dieß nicht als ein eigener Gewehrgriff eins
jonen,
zuüben .

auli,
»Versorgt 1. Die linte Band bringt den Kolben 893.
das - Ba
Jonet !«
an den Scentel Herab, undwendet das Ses
wehr gleichzeitig ſo , daß das Schloß vors
wärts ſtehe. Die rechte ergreift den Kolben .
hals , und zieht die Kammerbüchſe ſo weit
Abrichtungs -Negl. f. d. Inf. 10
146

Kommando :
Worte. Belehrung.
herab , als der Arm reicht, während die
linke folche unter dem oberen Riemenbügel
erfaßt ; 2 . worauf die Kammerbüchſe mit
Hilfe der rechten Hand, welche dieſelbe uns
ter der Müde ergreift , ſo vor die linke
Fußſpiße geſtellt wird , wie beim Pflan
zen des Bajonetes erklärt worden . 3. Die
rechte Hand ergreift nun den Überſchwung
riemen , zieht ihr auf die bekannte Art
vor , umfaßt die Bajonetdülle und hebt das
Bajonet vom Laufe berab; 4. worauf das
Bajonet in die Scheide perſorgt, mit der
rechten Hand die Kammerbüchſe unter dem
mittleren baufringe, mit der linken aber der
Riemen auf die bekannte Art am Bügel ers
griffen , und ſodann 5 . die Kammerbüchſe
in die vorgeſchriebene Lage auf die rechte
Achſel überhängtwird.
» Stellt euch
zum -

» Herstellt -
euch vom -
Gebet !«
» Knietnieder Auf die in Nir. 90 bis 94 vorgeſchrie
534. zum - Ge
bet! « etc. bene Weiſe.

586 . » Zum - 1 . Wie die erſten zwei Griffe vou in


Schwö die Balance. 2 . Die rechte Hand
ren ! « .
ergreift die Kammerbüchſe unterhalb des
mittleren Laufringes , und ſtellt dieſelbe mit
Hilfe der linken Hand , welche - - phne den
147
Kommando :
Worte. Belehrung.

Oberarm vom Leibe zu bringen – die


Mündung umfaßt und den Daumen ein
wärts am Laufe aufſtemnunt, nach der bei
»Pflanzt das Bajonet« gegebenen Ers
klärung vor die linke Fußſpiße. Der rechte
Arm iſt natürlich geſtredt, die Rammerbüchſe
- mit der Mündung in der Mittellinie des
Körpers ſtehend -- wird mit der linken Hand
leicht an den Leib geſchloſſen .
„ Csako –
ab ! «
» Csako –
auf ! « Wie für das Infanterie - Gewehr vor- 686 .
geſchrieben. Nach der Auffeßen des Cſako
werten die Kammerbüchſe und der Riemen ,
wie nach dem Verſorgen des Bajonetes er:
|klärt worden , ergriffen , und ſodann auf das
» Schul - Kommando:
tert! « die Kammerbüchſe auf die bekannte 587.
Art in die vorgeſchriebene Lage auf die rechte
Achſel gebracht.
IV . Laden und Feuern .
. I Die Kammerbüchſe wird mit ſcharfen 588.
: Patronen , welche eine Spißkugel enthalten ,
geladen .
»La--- det !« 1. Wie die erſten zwei Griffe von in 589 .
Joie Balauce. 2. Der Schüße vollführt
die Halbreditswendung, und drückt die Kam
merbüchſe mit der linken Hand, welche ihre
Lage am Abſehen beibehält, mit dem Kolben
Iberart nach rückwärts , daß der Daumen mit
10 *
148

Stommandos Belehrung.
Worte.

der Achſelwuiſt in gleicher Höhe ſtehe, bas


Seitenblech an der Magengrube ruhe, und
die Rammerbüchſe in ihrer ſchrägen Lage ges
rade vorwärts gerichtet ſei. Die linte Hand
hält die Kammerbüchſe auf die für das In
fanterie - Gewehr erklärte Weiſe in der Höhe
des Abſehens erfaßt. 3. Der Dedel wird
nach Nr. 103 geöffnet.
» Ergreift die
Patronel —
Eins !
» Zünder in
die Pfanne!
690. Zwei !« Analog nad Nr. 104 und 105.

591. » Schwenkt Die Kammerbüchſe wird mit der rech


zur Ladung ! ten Hand vor die Mitte des Leibes - Der
- Drei ! «
Kolben abwärts — gedrüdt, und während
der Mann ſich mittelft der Halblinkswens
dung in die Front herſtellt, in der linken
Band ſo gewendet , daß der Lauf vorwärts,
der Riemen gegen den Leib zu ſtehen
fomme. 2 . Die rechte Hand verläßt den Kol
benhals , die linke ſenkt – ſo weit der
Arm reicht - die Rammerbüchſe abwärts.
Dieſe wird nun mit dem Ballen des Daumens
und den leßten zwei Fingern der rechten Hand
ober dem Riemenbügel, dann mit der linken
an der Mündung fu erfaßt, daß der Mittel
finger in gleicher Höhe mit der Mündung !
fich befinde , der Zeigefinger aber über
Kommando:
Worte. Belehrung.
dieſe hervorrage ; worauf beide Hände die
Kammerbüchſe zwiſchen die Fußſpißen ſachte
auf den Boden ſtellen . 3 . Sodann bringt
die rechte Hand die Patrone an die Müns
dung , der Umbug der Papierhülſe wird
mit der linken Hand zwiſchen dem Daumen
und dem zweiten Gliebe des Zeigefingers
knapp am Pulver erfaßt , und die Hülſe,
durch ein raſches Dreben der rechten Hand
von außen gegen den leib , – abgeriſſen .
Nach dem Abreißen wird die Patrone, - das
mit kein Pulver verſtreut werde, — zwiſchen
Daumen und Zeigefinger der rechten Hand
gut zuſammengebrüdt, und rechts ſeitwärts
des Laufes in gleicher Höhemit der Mündung
gehalten ; wobei die mittleren Slieder der
Finger beider Hände ſich leicht berühren .
Im Falle der Nothwendigkeit fann das
Abreißen der Patrone auf die in Nr. 106 ers
flärte Art mit Hilfe der Zähne bewerkſtelligt
werden .

Patrone in 1. Der rechte Ellenbogen wird erhoben, 598.


Lauf und, damit kein Pulver verſchüttet werde, die
Vier ! «
Patrone zuſammengebrüdt in den Lauf ge
bracht ; zwiſchen Daumen und Zeigefinger
um ihr die Rundung zu geben – etwas ges
|dreht, und ſorgfältig ausgebeutelt. % . Nun
wird die Patrone mit der rechten Band aus
dem Laufe gehoben und in derſelben ſo ges
100
Stommando:
Worte. Belehrung.

dreht, daß der ober der Kugel befindliche Um


bug der Papierhülſe gegen den Leib gewendet
ſei. Der Umbug wird mit dem Daumen der
rechten Hand aufgeſtoßen , die Kugel zwiſchen
Daumen und Zeigefinger dieſer Hand feſt
gehalten ; der Umbug zwiſchen Daumen
und Zeigefinger der linken Hand knapp an
der Rugel ergriffen , und mittelſt eines raſchen
Drehens der rechten Hand von außen ges
gen den leib, — abgeriſſen . Hieraufwird der
rechte Ellenbogen etwas erhoben , die Kugel
mit der rechten Hand nach abwärts gewendet,
und durch einen Druck mit dem Daumen und
Zeigefinger dieſer Hand, aus der Hülſe in die
Mündung gedrüdt, die Hülſe weggeworfen ,
und die Kugel mit dem Zeigefinger der rechten
Hand in den Lauf geſchoben . 3 . Die linke
Hand umfaßt die Kammerbüdyſe unter dem
oberen Laufringe; worauf die rechte den lad
ſtock mit dem Daumen und gekrümmten Zeis
Igefinger am Anſaße ergreift.
Im Falle der Nothwendigkeit kann das
Abreißen des Papierumbuges ober der Kugel
auf die in Nr. 106 erklärte Art mit Hilfe
der Zähne bewerkſtelligt werden .

693. Ladstock in 1 . Der ladſtock wird zur Hälfte her:


Lauf -
Fünf! " ausgezogen , ſodann mit verkehrter Hand
knapp an der Mündung erfaßt; % . vollends
Kommando.
Worte. Belehrung.

herausgebracht und gewendet; mit dem An


faße in den Lauf auf die Kugel gelaſſen ,
und dieſe auf die Rammer hinabgeſchoben ;
ſodann -- wenn es nicht ſchon zum Hinab
ſchieben der Kugel geſchehen iſt - der Lad
ſtod mit dem Daumen und Zeigefinger an
ſeinem dünnen Ende ergriffen .

» Setztan und 1. Der Ladſtock wird verhältnißmäßig 594 .


versorgt den
gehoben, und kräftig aufdie Kugel geſtoßen ;
Sechs !« wobei inan die Finger ſchnell losläßt , da :
mit er frei auf die Kugel falle. 2 . Der Lab
ftock wird mit dem Daumen und Zeigefinger
neuerlich ergriffen , aus dem Laufe geſchnellt,
mit verkehrter Hand in der Mitte erfaßt, her
ausgezogen und gewendet, dann endlich auf
die bekannte Art verſorgt. 3. Die rechte Hand
ergreift die Kammerbüchſe unter dem Ries
menbügel, wendet ſich in ihrer Lage mit dem
Laufe nach der rechten Seite, wobei die linke
Hand den Gewehrriemen auf die bekannte
Art am Bügel ergreift.
Das Anfeßen der Kugel ſol fräftig,abernur
mit einem einzigen Stoße, und ſtets gleichmä
Big geſchehen ; was der Schüße nach dem Ers
folge ſeiner Treffer beim Scheibenſchießen am
beften erlernen , und zu beurtheilen ſich eigen
machen wird. Der Unterſchieb des Bodens, auf
welchem das Gewehr fteht, bedingtmitunter
169

Kommandos
Worte. Belehrung.
auch, ob ein ſtärkerer oder ſchwächerer Schlag
bei dem Anfeßen der Kugel erforderlich werde.
695. Der eingefettete Dodfaden an den
Spißlugeln richtet beim Herabgleiten auf
die Rammer ſeine Fäden nach abwärts , bei
dem Schuſſe hingegen verändern dieſe Dolls
fåden ihre Richtung , und pußen dabei ben
Brand des: vorhergehenden Schuſfes theils
596 . Schul weiſe von den Wänden des laufes hinweg.
tert ! 1 Die Rammerbüchſe wird auf die bes
„ Habt Acht! "tannte Art geſchultert.
» Feuern !« 1 Wie bekannt.
»Fertig !« 1 1. Wie die erſten zwei Griffe von
ladet, wobei der rechte Fuß nad Nr. 103
zurüdgefeßt, dann 2 . der Hammer geſpannt,
hierbei jedoch der Mittelfinger an den Griff
bügel- Anſaß gelegt wird .
698. Hammer in 1. Der Hammer wird nach Nr. 115 in
die Ruhe gefeßt. 2. Während der Schüße
fich in die frühere Front Herſtellt , und den
rechten Fuß an den linken zieht , wird der
Rolben mit der rechten Hand vor- und abs
|wärts gedrückt , ſo daß der Lauf Yenfrecht
ſtehe, dabei die Kammerbüchſe derart gewens
det,daßdas Schloß nach vorwärts komme. Die
rechte Hand hält bei wagrechtem Vorarme
den Kolbenhals unifaßt. 3. Die linke Hand
ergreift den Riemen am Bügel, und es wird
fonach auf die belannte Weiſe geſchultert.
599. Pertigla 1 Wie in Nr. 697 erklärt.
Stommandos
Worte, Belehrung.
» An ! « Auf die in Nr. 116 und 117 erklärte 600.
Weiſe. Die linte Sand bleibt unverändert
in ihrer Lage am Abſehen .
Feuer ! « Wie in Nr. 119 erklärt ; nur wird nach 601,
dem Abfeuern gleichzeitig der rechte Fuß an
den linten gezogen . Werden nach dem Feuern
die ladungstempo mit Vorzählen geübt, pol
bat der Schüße hierbei auf das Kommando:
„ Fertig !“ , wenn aber ohne Vorzählen der
Lempo geladen wird , unmittelbar nad vollens
deter Ladung die Rammerbüchſe auf folgende
Art in die Lage von » Fertig “ zu bringen :
Die Kammerbüchſe wird mit der rech - 60% .
ten Band unter dem mittleren Laufringe ers
faßt , und vor die Mitte des Leibes derge:
ftalt erhoben , daß die Hand mit dem Kinne
gleich ſtehe. Gleichzeitig wendet fich der Schüße
halbrechts, feßt den rechten Fuß zurüd , umfaßt
die Kammerbüchſe mit der linken Hand beim
Abſehen , mit der rechten ſo wie auf das
Kommando» Fertig “ ,undſpannt denħammer.
Beim Laden und Feuern ſowohl in der 603 .
Front, als im Quarré und bei der Ges
neral - Decharge, benimmt ſich übrigens der
Schüße , mit Rüdficht auf ſeine vorgeſchrie
bene Aufſtellung im dritten , oder ausnahmss
weiſe , - wie z. B . im Quarré u . 24. -
in einem oder dem anderen Gliede, nach den
dießfalls für die mit dem InfanteriesGewehre
Bewaffneten ertheilten Vorſchriften .
EBA
604. Beim Verladen des Gewehres auf was iminer für eine
Weiſe, iſt die Anwendung des Kugelziehers möglichſt zu vermei
den ; weil die Erfahrung zeigt, daß hierdurch dieZüge des Laufes
am meiſten zu Grunde gehen, und mindeſtens eine ſolche Rau - .
higkeit erhalten , daß der Roſt ſich leichter anzuſeßen vermag .
605. Wäre die Ladung der Rugel ohne Pulver geſchehen , ſo
laſſen ſich durch das Zündloch allmälig zwei Pfannen voll
Pulver in die Kammer beuteln , was hinlänglich iſt, die
Kugel auf 10 bis 20 Schritte auf dem Erdboden hinzutrei
ben , ohne einen bedeutenden Knall zu verurſachen .
606 . Auf Wachen und Poften, wo ſcharf geladen wird,
und wo es ſich nur darum handeln kann, einen Menſchen auf
kleinere Diſtanzen niederzuſchießen , wird von der Spißfugel
der Wolfaden herabgenommen und nach der Ladung des
Schießpulvers die nadte Kugel auf die Rammer hinabgelaſſen ;
dann aber mit einem Luch -, Werf- oder Papierpfropfen und
einem mäßigen Drude auf ſelben , die ganze Ladung geſchloſ
ſen . Dieſer Pfropf läßt ſich nach der Wache leicht entfer
nen, die Kugel fällt willig heraus, wie ebenfalls das Pulver
aus der Raminer, und beides kann beim nächſten Aufziehen
auf die Wache wieder gebraucht werden .
607. Beim Laden mit blinden Patronen ohne Kugel,
wird eben ſo wie beim Laden zum ſcharfen Schießen , die
ausgebeutelte Hülſe iveggeworfen , and ſtatt der Bleifugel eine
aus Papier, zum Verſchließen der Rammer und Ausfüllen
der Einfräßung derſelben angewendet. – Die Papierku
gel wird aus % . Bogen weichen Fluß- oder Druckpapier
erzeugt , dazu im trockenen Zuſtande zuſammengerollt , und
wegen des befferen Zuſammenhaltens mit einem leichten
Zwirnsfaðen kreuzweiſe überbunden . DasAnſeßen der Papiers
kugel geſchieht nur mit ſo viel Kraft, um dieſelbe zu lagern.
186
V. Vom Bielen und Treffen.
Der Schüße muß ſich im ſicheren Treffen , ſelbſt aufdie 608.
vor dem Feinde zumeiſt vorkommenden entfernteren Diſtanzen ,
vor dem mit dem glatten Gewehre bewaffneten Infante.
riſten auszeichnen .
Es wird vorausgeſeßt , daß die im S. 11 über das 609.
Zielen und Treffen enthaltenen Belehrungen dein Schü
Ben bekannt ſind ; daher hier nur dasjenige angeführt wird,
was bezüglich der Kammerbüchſen noch nothwendig erſcheint.
Bei der Rammerbüdſe lagert die Kugel nicht unmit: 610 .
telbar auf dem Pulver, ſondern auf der Einfråßung der
Rammer , wodurch zwiſchen der Rugel und dem Pulver ein
leerer Raum entſteht.
Die Viſir -Schußweite, nämlich der Punft h , ift611.
it. Plan I .
bei der Kammerbüchſe 150 Schritte von der Mündung ents Fig . 1 .
fernt, woraus fich für das Zielen und Treffen mit dieſer
Schußwaffe folgende beiläufige Regeln ergeben :
. Um die Bruſt des Gegners zu treffen , zielt man über61% .
die Entfernuug von
Stand
-Vifir

100 Schritten mit geſtrichenem Korne auf den Unterleib.


Bruſt

150 - 200 , mit feinem oder geſtrichenem Rorne) .


auf
die
.

260 mit vollem Korne


300 - 350 » über die erſte Klappe mit geſtrichenem Ror
400 » » » zweite » » »
500 » » » vollem
. In ber Regel nimmtman die Schußweite mit der Ram - 613.
merbüdſe gegen Infanteriften ; iind wo es ſich um gezielte
Schüffe handelt , nur auf 400 Schritte an ; Reiter jedoch,
ſo wie Batterien mid Maffen , können auch in größerer Ent:
fernung, bis auf800 Schritte und Baråber, bétouffen werden ;
wozu bdiin der Salike über das zivtite Aliffaßblatt mit vol.
l'ein Korne zu zielen , und um die Trağweite noch zü berine
ren , den Zielpunkt Verhältnismäßig hößer zu ivähler Haf.
814. Die oben gegebenen Regeln für das Zielen auf den
verſchiedenen Diſtanzen find jedoch nicht als unabweichlich
zu betrachten , da faft bei jeder einzelnen Waffe in der Nor
mal-Tragweite fich Verſchiedenheiten zeigen . Es muß daher
die für jedes Gewehr entſprechende Art des Zielens durch
wiederholte Verſuche ausgemittelt werden ; weil die genaue
Renntniß der Eigenthümlichkeiten ſeiner Waffe die vorzügs
lichſte Bedingung eines guten Schüßen iſt.
613 . Für beſondere Fälle kömmt beim Zielen und Treffen
nod Folgendes zu berückſichtigen :
1 . Das Einfallen des perſchiedenen Lichtes auf Müde
und Grinſel verurſacht mehrfache Täuſchungen , welche ſorgs
fältig zu vermeiden ſind. Die Müđe ſcheint bei hellem Son
nenlichte größer zu ſein , daher man ſolche gewöhnlich feia
ner nimmt, und folglich zu kurz ſchießt. Iſt nur eine Seite
der Müde von der Sonne beſchienen , wodurch dieſe Seite
dider erſcheint, ſo ichießt man leicht auf die entgegenges
Teßte Seite. Bei trüber Witterung oder bei Dämmerlichte
ſteht man die Müde nicht genau , man nimmt ſie alſo
leicht zu voll , und erhält ſoinit einen Hochſchuß.
616. 2. Die Kugelbahn iſt, wie aus dem Plan 1, Fig . %
oberhalb N zu erſehen , höher als die Viſirlinie, daher der
Schüße Bedacht nehmen muß , daß der Kugel in dieſem
Raume kein Hinderniß , wie z. B . ein Baumaſt, Zweige 2c.
entgegenſtehe. Als Maßſtab ift anzunehmen , daß der höchſte
Abſtand zwiſchen der Kugelbahn und der Viſirlinie ſchon
auf 150 Schritte Ginen Schuh, und auf 400 Schritte
mehr als drei Schuh beträgt; weßhalb der Schüße beim
Schießen auf weitere Diſtanzen die Freiheit der Kugelbahn
oder der Viſirlinie insbeſondere zu berüdſichtigen hat.
617. In Nr. 612 ſind die Regeln enthalten , wie auf die ver:
ſchiedenen Diftanzen zu zielen ſei. Da dieſe jedoch nur von 50
34 50, und ſelbſt von 100 zu 100 Schritten angegeben ſind ; ſo
167

muß der Schüße badurch, daß er dag Korn feiner oder voller
nimmt, auch verſtehen, auf Gegenſtände innerhalb dieſer be.
nannten Entfernungen den Schuß - mit Rüdſicht auf die Eis
genthümlichkeit ſeiner Rammerbüchſe -- wirkſam anzubringen .
Bei fein genommenem Korne darf die Spiße618 .
der Müde nicht bis an die Ränder des Einſchnittes im Ab Fig
. 1.
lehen hinaufreichen ; wird mit geſtrichenem Korne ges Fir . o .
zielt, ſo iſt die Müde in gleicher Höhe mit den Rändern
des Einſchnittes ; bei vollem Korne ſteht die Müđe über Fig . 8 .
die Ränder , je nach Bedarf mehr oder weniger heraus.
Beim Zielen über die Auffaßblätter muß , - um über619.
Blatt und Mücke viſiren zu können , – der Kopf verhalts
nißmäßig erhoben werden . .
VI. Don dem Scheibenſgießen.
Beim Schießen auf die Entfernung bis 200 Schritte 680 .
fann ſich der gewöhnlichen Scheibe bedient werden ; auf
300 und 400 Schritte Schußdiſtanz aber muß die Scheibe
go hoch , 6 breit ſein , und 3 Zielpunfte haben . Der obere
wird an dem äußerſten Ende angebracht, und hat hier, Plun VI.
To wie der untere, Einen Schuh im Durchmeſſer, wähs Fig . 4 .
rend der mittlere den Durchmeſſer von 6 " behält.
Bewegliche Scheiben gewähren den großen Vortheil, daß681.
der Schüße lernt, das Ziel ſchnell und entſprechend zu faſſen ,
und den Schuß wirkſam abzufeuern ; was vor dem Feinde
oft von erheblichem Nußen ſein kann , um einzelne Reiter,
beſonders die Kommandanten vor der Front niederzuſchießen .
Wo es die Umſtände geſtatten , können ſolche Scheis 622 .
ben , und zwar auf die bei Civil-Schießſtätten bekannte Art
eingerichtet werden .
Die jährliche Übung im Scheibenſchießen hat, wenn 693.
es die Umſtände geſtatten , in der Regel von ſämmtlichen
Sdüfen jedes Bataillons, unter Leitung des hierzu eigens
168
ernannten Sc üßenoffizieres beim Bataillonsftabe ; ſonſt
abernach der den jeweiligen Verhältniſſen entſprechenden Anord
nung des Bataillonskommandanten vorgenommen zu werden .
624. Deßgleichen wird es die Sache des Bataillonskommandan
ten ſein , den in Nr. 203 und 205 ausgeſprochenen Grundfäßen
gemäß, die Anzahl der für den Stand der Schüßen jährlich ent
fallenden Prämien zu beſtimmen , und den aufdie Schüßen für
Prämien entfallenden Geldbetrag verhältnißmäßig einzutheilen .
VII. Belehrung über das Einſchießen der Kammerbüdſen.
626. Es wird vorausgeſeßt, daß das Innere eines Kammer
büdſenrohres - mit Ausnahme des nöthigen kleinen Falles
gegen die Raumer zu – beim Ausziehen der Züge und
Felder , dann durch das Schinergeln , eine vollkommen cylin
driſche Geſtalt erhalten habe; was unbedingt nöthig iſt, um
eine Rammerbüchſe ſo einſchießen zu können , daß bei Beoba
achtung eines richtigen Zielens ſtets ein Geradichuß,
und bei gleicher Menge des Pulvers und gleichmäßigem
Anſeßen , dann gleicher Höhe der Mücke, die Kugeln , wenn
ſelbe regelmäßig geformt und nicht hohl find, ſtets auf
+ einem und demſelben Punkte zuſammenfallen .
626 . Zum Einſchießen wird ein halber Bogen weißes Pa
pier , worauf ein fechs Linien breiter ſchwarzer Streif der
Länge nach gezogen iſt, auf eine Scheibe, ungefähr 1 - 2
Schuh von dem Boden , ſo befeſtigt, daß der ſchwarze Streif
genau ſenkrecht ſtehe. Gegenüber dieſer Scheibe wird in der
Entfernung von 12.- 15 Schritten ein Tiſch , und auf die :
ſem ein Torniſter, ein Roßen oder ein mit Sand gefüllter
Sack zum Auflegen der Kammerbüchſe vorgerichtet.
687. Die Kammerbüchſe wird nun , da es ſich vorerſt um
: Ermittlung des Geradſchuſſes handelt , mit der gewöhnlichen
Menge Pulver geladen ; worauf ſich der Einſchießende an
ben Tijd feßt, beide Ellenbogen aufſtüßt, das Gewehr
auflegt, zwar in beliebiger Höhe, aber ſcharf in der Mitte
des ſchwarzen Streifens über das Stößel eingeht, und nach
und nach losdrüdt. Um das Verdrehen des Rohres beim ,
Zielen zu vermeiden , iſt es gut, wenn den Einſchießenden ,
im Falle er bieß thäte, ein anderer hinter ihm ftehender
Manu vor dem Abdrücken darauf aufmerkſam macht.
Stecken nach mehreren Schüſſen die Kugeln , z. B . et:628.
was rechts von dem ſenkrechten Striche, ſo wird die
Mücke auch rechts , wäre die Entfernung aber bedeutend,
ſo wird das Viſirſtödel links gerügt. Dieſes Verfahren
iſt ſo lange fortzuſeßen , bis alle Kugeln mit ihrer Mitte
ſtets den ſchwarzen Streif in deſſen Breite treffen ; worauf
Korn und Viſirſfödel mit Rißen bezeichnet, die alten Mars
ken aber zur Vermeidung jeder Jrrung, mit Querrißen
erkennbar gemacht werden .
Überzeugt man ſich nach mehreren Schüſſen , daß die 629,
Kugeln ſtets links von dem Striche fallen ; ſo iſt das:
felbe Verfahren , jedoch das Rücken der Mücke und des
Stödels entgegengeſe $t , vorzunehmen .
Zum Einſchießen der Auffaßblätter müſſen ſolche vor: 630.
erſt aufgeſtellt und unterſucht werden , ob ſie ſich nicht etwa
rechts oder links ſeitwärts bewegen ; weil , wenn dieß auch
nur in dem geringſten Maße der Fall iſt, eine Sicherheit
des Geradſchuſſes nicht erwartet werden kann . ,
Die Kammerbüchſe hatnebſt dem vier Linien , ſechs Punkte 631.
hohen Standviſire für den Rernſch uß, noch zwei Auffäße,
von denen der eine ſieben Linien , vier Punkte, der andere eilf
Linien , vier Punkte hoch iſt. Die Auffäße erhalten in der Ge
wehrfabrik nur einen ganz feinen Einſchnitt , auch werden ſie
etwas höher, als es die Normalhöhe auf300 und 400 Schritte
erfordert, an die Truppen abgegeben , daher die Grinſeln
beim Einſchießen für den Geradſchuß nur vorläufig zu mars
kiren find ; wobei es fich von ſelbft verſteht, daß jest weder
100
das Stödel noch die Müde ſeitwärts gerüdt, Pondern flickor
mit kleinen Einſchnitten ſo lange geholfen werden muß,
bis der wahre Punkt für den Geradſchuß gefunden ift.
632. Nun wird zur Beſtimmung der Höhe der Auffaßblåts
ter , die Kanımerbüchſe mit genauer Bemeſſung von 55
Oran gut getrodneten Pulver geladen , auf 300 and 400
Schritte auf die Scheibe geſchoſſen , und dabei nöthigents
falls die obere Fläche der Auffaßblätter horizontal um po
viel abgefeilt , als es zur Normalhöhe derſelben auf die
entſprechende Diſtanz nöthig wird. Es verſteht ſich wohl,
daß vor dem Abfeilen eines Blattes , die für den Gerads
ſchuß gemachte Marke ſo viel tiefer eingeſchnitten werden
müſſe , um ftets fichtbar zu bleiben . Iſt die Normalhöhe bes
itimmt, ſo wird das Grinſel im Verhältniß der Seekraft
des Schüßen mehr oder weniger tief und breit eingefeilt.
688 Die Auffagblätter, ſo wie der fte vereinigende Stift,
müſſen ſodann gehärtet werden , indem die Einſchnitte ſonſt
ihre Glätte verlieren , der Roſt fie bald raub machen , und
dem Schüßen kein reines Abkommen im Zielen mehr erlaus
ben würde. Auch die Charniere weßen ſich bei weichem Eiſen
ſehr bald aus und laſſen dann ein Rechts- oder Linksſchwans
ten der Auffaßblätter zu ;wodurch der Schuß aufgroße Diſtanz,
für welde ſie dienen ſollen , höchſt unſicher werden muß.
634. Um zu unterſuchen , ob das gezogene Rohr nebſt dem
Geradſchuſſe auch ſtets die gleiche Höhe halte, klebt man auf
den ſchwarzen Streif ein drei Linien breites Stüdchen weißes
Papier, oder macht auf einer weißen Scheibe einen kleinen
Schwarzen Fled , auf den man dann mehrere Schüſſe, jedoc
mit forgfältiger, ſtets gleicher Ladung, gleichmäßigem Anſeßen
und gleichem Erfaffen der Müce macht. Zur größeren Sichers
heit im gleichen Erfaſſen der Müde fann auch ein pro
viſoriſches ſogenanntes Guderl von Kartenpapier , in
weldes man mit einer Stednadel ein Loch macht, mit Wachs
161
an den Schaft angeklebt werden . Bei dieſem Verfahren wird
ein fehlerfreies , durchaus kugelgleiches Rohr in der Hand
eines geübten Einſchießers nicht ſelten drei oder mehr Rus
geln ſo in einem Fleck zuſammentragen , daß es kaum zu
unterſcheiden ſein wird , ob eine oder mehrere Kugeln durch
dasſelbe Loch paſſirt find.
Shlagen die Kugeln beim Einſchießen über das Stödel 635.
auf den Geradſchuß , auch bei dem ſorgfältigſten Abgeben
des Schuſſes , bald rechts bald links von dem ſchwarzen
Streifen ein , und hat auch ein anderer geübter Einſchießer
dieſelbe Erfahrung gemacht; ſo muß das Innere des laus
fes , wo unfehlbar der Fehler liegt , unterſucht werden . ,
Das Einſchießen der Rammerbüchſen gehört zu den 636.
wichtigſten Verrichtungen , wobei ſtets mit der größten Ges
nauigkeit vorgegangen werden muß; weil ſonſt die Haupts
beſtimmung derSchüßen , ſich durch ſichere Schüſſeauszuzeich :
nen , gar nicht, oder nur unvollkommen erreicht werden könnte.
Es wird daher dem Bataillons Kommandanten zur bes 637.
ſonderen Pflicht geinacht, alljährlich mehrmals einige Schüßen .
von jeder Kompagnie fürzuwählen , die in ſeiner Gegens
wart die Probe des Einſchießens auf die vorbeſchriebene
Art abzulegen haben ; um ſich zu überzeugen ; ob die Ram
merbüchſen den Geradſchuß, die Auffaßblätter auf die grö
ßeren Diſtanzen aber die gehörige Höhe des Souſſes , eins
zuhalten vorgerichtet ſeien .
VIII. Ehrenbezeigungen .

Wenn der Schüße allein auf der Straße geht , trägt638.


er die Rammerbüchſe mit verſorgtem Bajonete — in der Nes
gel auf der rechten Achſel h ångend – geſchultert.
Begegnet er einem Vorgeſeßten oder geht ein ſolcher 639.
an ihm vorüber , po hat er auf 3 Schritte Entfernung mit
der bezüglichen Kopfwendung zugleich die in Nr. 565 erklärte ...
Übrichtungs-Regl. f.d. Inf. 11
162
Gewehrhaltung anzunehmen . Dasſelbe thut er , wenn er
an einer Schildwache vorübergeht. Iſt er auf 3 Schritte
an dem Vorgeſekten oder dem Aufſtellungspunkte der Schilds
wache vorüber , ſo ergreift er wieder mit der rechten Hand
den Riemen .
640. Auf gleiche Weiſe benimmt er fich vor der Allers
höchſten Şerrſchaft, nachdem er vorher auf 3 Schritte
Front gemacht hat.
641. Wird das Hochwürdige vorübergetragen , ſo benimmt
er ſich nach Nr. 209. .
64% . In den ſeltenen Fällen , wo der Schüße, für ſich
allein gehend, das Bajonet auf die Kammerbüdſe gepflanzt
hat, kann er dieſe entweder auf der linken Achſel geſchul
tert , oder auf der rechten Adfel am Riemen hängend
fo tragen , wie es bei dem Schultern der Rammerbüchſe
ohne darauf gepflanztem Bajonete vorgeſchrieben ift. Bei
Leiſtung der Ehrenbezeigung vor jedem Höhern , der allers
höchſten Herrſchaft und dem Hochwürdigen benimmt er ſich
dann im erſteren Falle nach $. 13 ; im lekteren aber nad
Nr. 639 bis 641.
643. Auf der Wache hat der Schüße das Bajonet ſtets ge
pflanzt, trägt auf der Schildwache wie auch im Gliede des
Wachpoſtens die Kammerbüchſe auf der linken Achſel ges
ſchultert, und leiſtet alle Ehrenbezeigungen gleich der übri:
gen Mannſchaft.
S . 52.
tellung, Ererziren und Marſchiren des
Tambours mit der Trommel.
I. Stellung.
644. Ohne Trommel iſt die Stellung des Tambours gleich
jener des Soldaten ohne Gewehr.
645 . Wenn es nicht ausdrücklich anders befohlen wird ,
163
haben die Lambours bei jeder Ausrüdung der Truppe mit
oder ohne Gewehr , ſtets mit der Trommel zu erſcheinen .
Die Trommel wird mittelſt des zwiſchen der erſten und 646.
zweiten Schränkung an dem oberen Trommelreife befeſtiga
ten Ringes dergeſtalt in den Haken des Trommelbandeliers
eingehängt, daß fie ſchief, nämlich gegen die rechte Seite
geneigt , zu ſtehen komme.
Die Schlägel werden in der Stellung zum Schlagen,647.
über den Schlagboden gehalten .
Wenn : „Ruht!« avifirt wird , können die Trommeln 648.
vom Trommelhaten abgenommen , und auf den Boden ders
geſtalt vor die Füße gelegt werden , daß der Schlagboden
vorwärts , der Saitenboden rückwärts und die Stimmſchraube
aufträrts liege. Zugleich werden die Trommelſchlägel in
den am Trommelbandelier angebrachten Schleifen verſorgt.
. Auf das Aviſo : » Habt Acht!“ werden die Trommeln 649.
wieder eingehängt, und die vorgeſchriebene Stellung anges
nommen .
Auf Märſchen , ſo wie in jeder Gelegenheit , wo der 650 .
Tambour während des Gehens nicht augenblicklich zum
Schlagen bereit zu ſein braucht , werden die Schlägel vers
ſorgt, die Trommel aus dem Haken gehängt, mit dem linken
Arme durch den Trommelriemen geſchlüpft , und die Troms
mel dergeſtalt auf die linke Schulter geſchwungen , daß der
Saitenboden auf dem linken Schulterblatte zu liegen komme.
Alle Griffe und Bewegungen hat jeder einzelne Tambour651.
für ſich ſelbſt, ohne Rommando , auszuführen . Beim Unter
ridhte erfolgen ſie jedoch auf die nachfolgenden Rommando :
164

Kommando:
Worte. Belehrung.
» Trommel an )
652. Haken !* Der Tambour läßt die Trommel von
der Schulter herab, hängt ſie an den Haken ,
» Nieder
ergreift die Schlägel, und nimmt Stellung.
653. legt!« Wird die Trommel ausgehängt , und
auf die bei „Rubte erklärte Weiſe nies
» Trommel an pergelegt.
654 . Haken ! « Wird die Trommel eingehängt, die
Schlägel werden ergriffen , und der Lams
„ Über bour nimmt Stellung.
635. schwenkt!* Auf die für das Tragen der Trommel
auf Märſchen in Nr. 650 beſchriebene Art.
656 . L Auch kann ſogleich nach »Niederlegt«
zum Überſchwenken , und vom » Überſchwenkte
zum Niederlegen kommandirt werden .
II. Handgriffe.
Folgende Sandgriffe hat der Lambour,
zugleich mit der Truppe, nach dem Koms
» Stellt euch mando zu vouführen.
zum - Ge
bet !« Der Trommelſchlägel wird aus der
rechten Hand zu dem andern in die linke
gelegt , und hierauf die rechte Hand nach
Vorſchrift an den Sonnenſchirm gebracht.
Jener Tambour, welcher die Betſtunde
ſchlägt, behält die Schlägel in beiden Gåns
|den , und bringt die linke Hand ſammt
Herstellt - dem Schlägel an den Sonnenſchirm .
euch vom -
658. Gebet ! « Die rechte Hand verläßt den Sonnens
!ſchirm und ergreift den Schlägel.
165

Stommando:
Worte. Belehrung

Jener Tambour, welcher die Betſtunde 659.


ſchlägt, herſtellt ſich nach vollführtem dritten
» Kniet nie Streiche, um ſogleich abſchlagen zu können .
der zum —
Gebet ! “ Die Schlägel werden in die Schleife 660.
verſorgt , und der Tambour kniet nach Nr.
91 nieder. Die Trommel ruht quer auf dem
linken Schenkel, und wird mit der linken
„ Czako oder Hand an den Schränkleinen gehalten .
Grenadier
mütze
ene! ab ! « Der Czako oder die Grenadiermüßewird | 661.
Teterely
mit der rechten Hand abgenommen , und
internet
längs dem rechten Schenkel, bei natürlich
Czako oder geſtredtem Arme, abwärts gehalten .
Grenadier
mütze -
Tumis auf ! Der Czato oder die Grenadiermüßewird 662. ..
em Port wieder aufgeſeßt , und die rechte Hand an
Auf vom
den Trommelreif des Schlagbodens gelegt.
Gebet ! « I Wird aufgeſtanden , die Schlägel wers
den ergriffen und der Tambour nimmt die
die
Zum -
vorgeſchriebene Stellung.
Schwö
ren ! Die Schlägel werden in die Schleifen 663. ,
verſorgt; die linke Hand kömmt an den Reif|
des Schlagbodens, die rechte aber an die
Czako oder rechte Seite.
Grenadier
mütze -
ab !« Der Ezato oder die Grenadiermüßewird | 664 .
mit der rechten Band abgenommen , und
166

Kommando:
Worte. Belehrung.

dergeſtalt auf den Schlagboden gelegt, daß


der innere Theil gegen den Leib , und der
Schirm rechts ſeitwärts gekehrt ſei. Die linke
Hand hält in dieſer Lage den oberen Kand
der Kopfbedeđung mit Daumen , Zeige- und
Mittelfinger, und die rechtewird nach Nr. 96
- Czako oder erhoben .
Grenadier
mütze –
665 . auf !« Der Szako rder die Grenadiermüße wird
wieder aufgeſeßt , und die rechte Şand an
| » Schul - den Trommelreif des Schlagbodens geleßt.
666 . tert !« Die Schlägel werden wieder ergriffen,
und der Tambour nimmt die vorgeſchriebene
Stellung.

III. Dom Marſdiren.


667. Jeder Tambour muß fich einen feſten , gleichförmigen
Schritt eigen machen ; indem dieß ein weſentliches Erfor:
derniß zur Erzielung eines taktfeſten Spieles iſt. Hierüber,und
wie das Einſchlagen zu erfolgen hat, um mit der Truppe ſtets.
in gleichem Schritte und Lakte zu verbleiben , erhält jeder
Tambour durch den Bataillons- und Regiments - Lambour
die nöthige Belehrung.
668. Dem Tambour muß wohl eingeprägt werden , daß er
ſeine Aufmerkſamkeit ununterbrochen auf den Säbelwink oder
Befehl des Kommandanten richten müſſe ; damit er dieſem
zu Folge zeitgemäß einſdlage, oder das Spiel einftelle. Der
Anfang des Marſdes (ohne Vorſchlag) muß immer auf den
linken Fuß fallen . Ferner muß er die Bedeutung aller beim
167
Planteln vorkommenden Drommelſtreiche genau tennen , und
ſolche gehörig zu ſchlagen verſtehen .

S. 63.
Stellung und Ererziren des Qorniften.
I. Stellung mit dem Horne.
Ohne Horn iſt die Stellung des Horniſten gleich jener 669.
des Soldaten ohne Gewehr.
Wenn es nicht ausdrüdlich anders befohlen wird , has 670.
ben die Horniſten nur dann mit dem Horne zu erſcheinen ,
wenn die Truppe mit dem Gewehre ausrüdt.
Der Horniſt trägt das Horn , ſowohl auf der Stelle,671. .
als während des Marſchirens, ſo mit der Schnur über die
linke Schulter gehängt, daß dieſes Inſtrument an der rech
ten Seite am Schenkel liege. Hierbei wird das Forn mit
natürlich geſtredtem rechten Arme dergeſtalt gehalten , daß,
— während die Bögen nach vorwärts ſtehen und der Becher
abwärts und etwas nach rüdwärts gerichtet iſt, -- das Munds
ftück in die Gabel zwiſchen dem Daumen und Zeigefinger
der rechten Hand zu liegen komme, dort feſtgehalten werde,
der Daumen auf dem oberen Buge des diceren Rohres
rube , und die anderen vier Finger , geſchloſſen , von aus,
nach einwärts die Bögen umfaſſen. Die Schnur muß für
die vorbeſchriebene Haltung mit geſtredtem Arme die hinreis
chende Länge haben , und verhältnißmäßig nach der Größe
des Horniſten gerichtet ſein .
• Bei der Ausrüdung eines einzelnen Zuges oder einer Halbs 672.
Kompagnie ſteht der Horniſt am Rangirungsflügel des zweiten
Gliedes , hinter der iin erſten Gliede eingetheilten Charge.
Auf das Aviſo : » Ruht !“ , dann auf Märſchen , wenn 673.
abgeſchlagen worden , wird das Horn ſo unter den linten
168

Arm genommen , daß dasſelbe mit nach rückwärts ſtehendem


Becher im Buge des linken Armes liege, indeß die rechte Hand
nach Willkühr gehalten werden kann. Auf das Aviſo : » Habt
Acht!“ wird das Horn mit der rechten Hand ergriffen ,
und nahe am Leibe , in die vorgeſchriebene lage neben den
rechten Schenkel gebracht.
674. Um das Verlieren des Mundſtückes zu vermeiden , ift
es zwedmäßig , dasſelbe mit einein Schnürchen an das Horn
zu befeſtigen . Jin Winter aber darf ſolches nicht ſtattfinden ;
weil, um das Gefrieren der im Innern befindlichen Feuchtigs
feit zu verhindern , das Mundſtück zeitweiſe abgenommen ,
in ber. Hoſentaſche verſorgt, und zum Gebrauche wieder
aufgeſteckt werden muß. Wenn das Mundſtüd nicht anges
bunden iſt , muß dieſes beim Tragen des Hornes unter
dem linken Arme, um dem Verlieren desſelben vorzubeus
gen , jederzeit abgenommen werden .
675. Beim Paſſiren oder bei Begegnung eines Höheren ,
der Allerhöchſten Herrſchaft oder des Hochwürdigen , bes
nimmt ſich der Horniſt , ſowohl obne als mit dem um
gehängten Horne, im Allgemeinen ſo , wie es für den
Soldaten ohne Gewehr vorgeſchrieben iſt; hat jedoch im
lepteren Falle das Horn in die vorgeſchriebene lage
an die rechte Seite, die linke Hand aber nicht an die
Kopfbedeđung zu bringen .
. II. Oriffe mit dem Horne.
Rommando:
Worte. Belehrung.
» Stellt euch
zum – Ge
bet ! « etc.
» Knietnieder
zum Ge
676 . bet !« Sowie die übrige Mannſchaft, wobei
etc . die Haltung des Hornes unverändert bleibt.
169

Kommando.
Worte. - Belehrung.
Zum
Schwó
ren ! « Wird das Horn vor die Mitte des Leis 677.
|bes gebracht, mit der linken Hand knapp
unter der rechten ergriffen , und dergeſtalt
gehalten , daß der an dem dicen Rohre ein
wärts, längs der dem Leibe zugewendeten
Seite , aufgeſtemmte Daumen in der Höhe
» Csako - der Magengrube zu ſtehen komme.
ab ! « Der Szako wird auf die bekannte Art 678.
abgenommen , zwiſchen Leib und dem Horne
auf den linken Daumen geſtedt, dann die
» Csako - rechte Hand erhoben .
auf ! « Wird der Szako aufgefeßt, das Horn 679.
mit der rechten Hand ergriffen , und auf:
»Schul – die vorgeſchriebene Stellung wieder ange: 680.
tert ! « nommen .

III. Kenntniß der Signale, der Feld- und Garniſons-Stöße.


Die weſentlichſte Beſtimmung des Horniſten iſt, beim 681.
Plänkeln die vorgeſchriebenen Signale zu geben ; daber er
alle dieſe Hornſignale nach deren eigenthümlichen Benennung
und Bedeutung genau kennen , und ſolche, ſo wie auch die
Feld - und Garniſonsſtöße, gehörig zu blaſen verſtehen muß.
Den Unterricht hierin erhält er von dem Bataillons - Þor,
niſten .
Beim Plänkeln befindet ſich der Horniſt jederzeit in der682.
Nähe des Rommandanten , hat auf deſſen Befehle aufmerks
fam zu ſein , und dieſem zu Folge das betreffende Signal
augenblidlich zu blaſen.
170

$. 54.
Stellung und Ererziren des Zimmermanns
mit der Hade.
683. Die Stellung des Zimmermanns iſt dieſelbe wie jene
des Soldaten ohne Gewehr.
· 684. Die in einem ledernen Futterale verſorgte Hade trägt
derſelbe dergeſtalt auf der linken Schulter , daß die Schneide
rüdwärts , und die untere Ede derſelben an dem Schulter
blatte anliege. Den Stiel hält er mit der linken Hand in
gleicher Richtung init der Hüfte, und eine Handbreite von
derſelben entfernt.
685. Zum Gebete ſtellt, und vom Gebete herſtellt
fich der Zimmermann wie der Soldat; nur daß er die Salus
tirung, ſtatt mit der linken , mit der rechten Hand vollführt.
686 . Das Niederknieen zum Gebet und aufvom
Gebet , volbringt er gleichfalls wie der Soldat , bezüglich
des Abnehinens oder Aufſeßens des Szakos oder der Grena
diermüße aber wie der Tambour.
687. Zum Schwören wird die Hade dergeſtalt von der
Schulter herab, vor die linke Fußſpiße geſtellt , daß die
Schneide vorwärts komme, und der Stiel mit der linken
Hand an dem dünneren Ende gehalten werde.
· 688 Auf das : „ Czako oder Grenadiermütze - ab !“ wird
der Szako oder die Grenadiermüße abgenommen , und auf den
Badenſtiel gefekt; hierauf die rechte Hand nach Nr. 96 er:
hoben . Auf das“Rommando : » Czako oder Grenadiermütze
- auf!« wird der Czako oder die Grenadiermüße mit der
rechten Hand aufgeſeßt; die rechte Hand kehrt an die Seite
zurüd, und auf das : » Schul — tert !« kommt die Hade
wieder in die vorgeſchriebene Lage auf die linke Schulter.
Zweiter Abſchnitt.
eement Ausbildung der Stabs -Charge n .
S. 55.
Stellung und Ererziren des Regiments
Tambours.

þete Der Regiments- Lambour erſcheint bei jeder Ausrüdung689.


DieEten mit der Truppe mit dem über die rechte Schulter , ſchräge
m Edule gegen die linke Seite, hängenden Bandelier, mit dem großen
en hund mit einem Knopfe verſehenen Stode.
ibene Die Rörperſtellung desſelben iſt jener des Soldaten 690.
gleich; mit dein Bemerken jedoch , daß der rechte Fuß derges
ftalt vor den linken geſtellt wird , daß deffen Abſaß an den
er die Bu Ballen des linken Fußes zu ſtehen komme. Der rechte Arm
wird vor- und rechts -ſeitwärts geſtredt, und der Stod unter
wit dem Knopfe mit der rechten Hand dergeſtalt gehalten , daß
deffen unteres Ende an der rechten Fußſpiße ſtehe. Die linke
sher the Band wird in die linke Seite geſtemint, ſo, daß der Daumen
rüdwärts , die Finger vorwärts und am Leibe geſchloſſen
italt og ſeien .
Die religiöſen Tempo volbringt der Regiments- 691.
Lambour auf gleiche Weiſe wie der Soldat ; mit dem Bemer:
ten, daß beim Niederknieen zum Gebete der Stod aus
ables feiner ſchrägen Stellung in eine ſenkrechte lage gebracht wird.
,under? Zum Schwören wird der Stock in ſenkrechter lage vor 692.
Ny die linke Fußſpiße geſtellt, mit der linken Hand in gleicher
enadin' | Pöbe mit der Hüfte ergriffen , der Czato nach der Vorſchrift
für den Soldaten abgenommen , und zwiſchen Körper und
an die Stod mit der linken Hand auf gleiche Weiſe gehalten , wie
mmter en Dieß von dem Soldaten zwiſchen Körper und Gewehr ges -
lebt. Hieraufwird der Handſchuh der rechten Hand aus: . ;
gezogen und dieſe zum Schwure erhoben .
178
693. Auf das Kommando: » Czako - auf!« wird der
Czako nach Vorſchrift aufgeſeßt; auf das » Schul — tert!«
der Stod wieder vor die rechte Schuhſpiße gebracht, und der
Handſchuh angezogen .
694. Beim Marſchiren Hält der Regimento - Tambour den
Stod mit der rechten Hand , unter der Mitte des Rohres ,
dergeſtalt ſchräge vor dem Leibe, daß die Fauſt in die Höhe
der Magengrube komme, und der Knopf des Stodes fich auf
die rechte Seite neige. Aus dieſer Stellung gibt er mittelſt
Seitwärtsſtreden des rechten Armes das Zeichen zum Eins
ſchlagen oder Einſtellen des Spieles; wobei das Einſchlagen
ſelbſt bergeſtalt ſtatt zu finden hat , daß der Anfang des
Marſdes in dem Augenblide erfolge, wenn die Truppe den
linten Fuß auf den Boden feßt.
$. 56.
Stellung und Ererziren des Bataillons
Tambour 8.
695 . Bei jeder Ausrüđung mit der Truppe erſcheint der
Bataillons- Tambour mit dem vorgeſchriebenen Stoce.
696. In Betreff der Körperſtellung, des Tragens des Stodes,
ſowohl auf der Stelle als während des Marſches , ſo wie
in Betreff ſeines Benehmens bei Vollführung der religiöſen
Tempo und bei dem Zeichengeben zum Einſchlagen oder
Einſtellen des Spieles , gelten für den Bataillons-Tambour
die im vorigen S. für den Regiments- Tambour gegebenen
Vorſchriften
$. 67.
Stellung und Ererziren des Bataillons
þorniften.
697. Alle für den Horniſten gegebenen Vorſchriften ix Bes
treff der Stellung, des Tragens des Hornes , der Ehrenbes
173
zeigungen und der Griffe mit dem Horne, gelten auch für den
Bataillons-Horniſten ; mit dem Bemerken , daß er bei dem
Lempo zum Schwören, ſo wie jeder Unteroffizier ' den
Handſchuh von der rechten Hand abzuziehen habe.
Der Bataillons- Horniſt hat ſeine volle Aufmerkſamkeit698 .
auf den Bataillons-Kommandanten zu richten , und die ans
geordneten Signale ſogleich zu blaſen .
Eine vorzügliche Obliegenheit desſelben iſt der Unter : 699.
richt der Rompagnies Horniſten und einer angemeſſenen Ans
zahl ReſervesHorniſten , in dem Blaſen der Signale , Feld
und Garniſonsſtöße ; wobei er daraufzu ſehen hat, daß dieſe
vollkommen genau und gleichmäßig geblaſen werden.

$. 58.
Stellung , Ehrenbezeigungen und Ererziren
des Führer 8 mit der Fahne.
Die Stellung des Führers iſt dieſelbe wie jene des Sol- 700.
daten . Die Fahne trägt derſelbe, mit der Spikeſchräge aufs
wärts gerichtet, auf der linken Achſel, indem er den Vorarm
wagrecht, den Ellenbogen natürlich geſchloſſen und die Fah
nenſtange mit der linken Hand ſo weit unterhalb der lebten
Nägel hält, als nöthig iſt, um die Fahne bequem auf der
Adſel tragen zu können . Hierbei wird zugleich der Fahnens
taffet mit der Sand erfaßt und an die Stange gedrüdt.
Auf Märſden oder beim Ererziren kann das Futteral 701.
von Wachsleinwand über die Fahne gezogen ; in Parade
muß ſolche jedoch ſtets, ohne Rüdſicht auf das Wetter, offen
gelaſſen werden .
Wird die Eruppe zum Präſentiren befehligt, fo bat 70 %.
der Führer, - außer es wäre nach Nr. 707 die Salutis
rung zu vollführen , – auf das Rommando: » Präsen –
tirt !« ; vordem Defiliren aufdas Aviſo : »Zur Defilirung !« ;
174
ferner zu allen Richtungen , zum Frontmarſche, zur Rallirung,
ſo wie in den übrigen im Ererzir - Reglement bezeichneten
Fällen , die Fahne auf folgende Art hodh zu nehmen : .,
703. Die linke Hand hebt die Fahne mit der Spiße ſenkrecht
aufwärts vor die linke Hüfte, To , daß das untere Ende der
Stange in gleiche Höhe mit der Bauchhöhle komme, und ſich
an dieſe anſtemme. Die rechte Hand umfaßt die Fahnen
ſtange eine Handbreit ober dem unteren Ende; worauf die
linke Hand ſchnell an der Stange abwärts gleitet , und dieſe
ſo umfaßt, daß der Daumen , aufgeſtemmt, ſich in gleicher
Höhe mit dem linken Auge befinde. In dieſer Lage hat die
Fahne etwas weniges vorgeneigt zu ſein .
704. Bei ſchönem , ſtillem Wetter wird die Fahne fliegend ge
lafſen ; bei ſtarkem Winde aber wird entweder das untere
Ende des Taffets mit der linken Hand erfaßt, oder die Fahne
zur Hälfte um die Stange gewickelt.
705. Der Führer nimmt nach beendeter Richtung auf das
Kommando: »Habt – Acht !« nach eingeſtelltem Fronts
marſche , ſobald er in die Fronte zurüdgekehrt iſt; endlich
nach dem Präſentiren der Truppe , auf das nachfolgende
Rommando : » Schul — tert !« die Fahne wieder in die
vorgeſchriebene Lage auf die linke Achſel, wie folgt :
706 . Die Fahne wird durch beide Hände abwärts gleiten ge
laſſen , mit der linken Hand wie bei der Stellung bezeichnet
umfaßt, und in die vorgeſchriebene Lage auf die Achſel ges
bracyt , während die rechte Hand an die Seite zurüdkehrt.
707. Auf der Stelle hat der Führer vor derAllerhöchs
ſten Herrſchaft, den Feldmarſch ällen und dem
Kriegsminiſter jederzeit, — vor dem Armee- Rom
mandanten im Bereiche der ihm unterſtehenden Armee, -
und vor dem ArmeesRorp8 - Rommandanten nur
im Bereiche ſeines Rorps, und wenn er fich mit dem Arinee:
Kommandanten nicht in demſelben Orte befindet, - nach :
176
ſtehende Salutirung , und zwar auf das für die Truppe er
gehende Koinmando: » Präsen – tirt!« zu vollführen .
W åhrend des Marfdes wird jedoch Niemanden eine
Ehrenbezeigung geleiſtet.

Salutirung vor der Allerhödften Herrſchaft.


Die Fahne wird mit der linken Hand in die ſent: 708.
rechte Richtung und vor die Mitte des Leibes gebracht.
Die rechte Hand erfaßt Stange und Taffet etwas ober
halb der leßten Nägel und ſenkt die Fahne, indem fte die
Stange unter die rechte Achſel bringt, dergeſtalt, daß die
Spiße auf eine Spanne vom Boden entfernt fei; während
die linte Hand nach der Belehrung zur Salutirung an .
den Sonnenſchirm der Ropfbededung erhoben wird .

Herftellung.
Auf das für die Truppe ergehendeKommando: »Schul- 709.
- tert!« wird die Fahne mit der rechten Hand wieder in
die ſenkrechte lage erhoben , und zugleich vor die linke Seite
gebracht; daſelbſt von der linken Hand, welche den Sonnen
ſchirm verläßt, wie bekannt ergriffen , und auf die Schulter
gelegt, während die rechte Hand an die Seite zurüdfehrt.

II .

Salutirung vor dem Kriegsminiſter , den Feldmarſchällen , dem


Armee- und Korps-Kommandanten .
• Die Salutirung erfolgt auf dieſelbe Art , wie vor der 710.
Allerhöchſten Herrſchaft; nur mit dem Unterſchiede, daß die
linke Hand nicht an den Sonnenſchirm erhoben , ſondern an
die Seite herabgebracht wird.
176
711. Sollte bei der Beſichtigung durch einen Höheren , wels
chem die sorgeſchriebene Salutirung gebührt, das Präſenti:
ren auf beſonderen Befehl unterbleiben ; ſo hat der Führer
auf das Kommando zur Ropfwendung jedenfalls die Fahne
» hod « zu nehmen , und erſt auf das nach bewirkter Beſichs
tigung erfolgende Kommando: »Habt-- Acht!“ wieder in
die vorgeſchriebene Stellung auf die Achſel zu bringen .

II.

Griffe, welche der Führer auf das Kommando gleichzeitig


mit der Truppe vollführt.
Kommando: Belehrung.
Worte.

„ Beim -
712 . Fuss ! “ Die Fahne wird mit der linken Hand
in die ſenkrechte Lage und vor die Mitte des
Leibes gebracht, von der rechten Hand etwas
unterhalb der linken ergriffen , und neben
der rechten Fußſpiße auf den Boden geſtellt;
worauf die linke Hand an die Seite zurück
» Schul — fehrt.
713 . tert!« Die Fahne wird mit der rechten Hand
etwas erhoben und vor die Mitte des lei
bes gebracht, von der linken auf die bekannte
Art ergriffen , und auf die Schulter gelegt,
während die rechte Hand an die Seite zu:
rüdkehrt.
Stellung zum
Gebet und
Niederknien
714 . zum Gebet. Aus der Stellung beim Fuß, wie für
Iden Soldaten vorgeſchrieben.
177

Rommando:
Worte. Belehrung.
> Zum
Schwö
ren !« Die Fahne wird mit der linken Hand, 716 .
welche ihre Stelle nicht verläßt, in die ſent:
rechte Lage gebracht, neben der linken Schuh
ſpiße auf den Boden geſtellt, und ſodann
|der Daumen der linken Hand aufwärts ge
itrect.
» Csako - ,
ab ! «
„ Csako –
auf !« Wie für den Unteroffizier vorgeſchries 716 .
ben , wobei die Fahne dieſelbe Lage bekommt,
welche für das Gewehr feſtgeſeßt wurde.
» Schul –
tert ! « Die Fahne wird mit der linken Hand 717.
etwas erhoben , und wieder auf die Achſel
gelegt.
Auf Mårſchen wird die Fahne nach WiNfür getragen . 718.
Findet die Rallirung in der Frontſtellung ſtatt, ſo hat
der Führer die Fahne auf dem zur Sammlung der Truppe
außerſehenen Plaße dergeſtalt hoch zu tragen , daß die Spike
gegen die rechte Seite geneigt ſei ; um dadurch fchon in der
Ferne anzubeuten , wobin ſich die Mannſchaft eines jeden
Flügels des Bataillons hinzubegeben habe.

S . 59.
Stellung und Ererziren des Hautboiſten.
Die Stellung des Hautboiſten iſt dieſelbe, wie jene719.
des Soldaten ohne Gewehr.
Das Inſtrument trägt er in der rechten Hand. Die Fa :720 .
gotiſten oder jene, welche mit derlei langen Inſtrumenten :
Abrichtungs-Regl. f. 8. Inf. 12
178

verſehen ſind, tragen ſolche auf der rechten Seite beim Fuß,
und zwar auf der rechten Fußſpiße.
781. Die religiöſen Tempo vollführt der Hautboiſt auf
gleiche Weiſe, wie der Soldat. . .
722 . Zum Sch w ören werden die kurzen Inſtrumente unter
den linken Arm gegeben , die langen auf die linke Fußſpiße
geſtellt und mit der linken Hand gehalten ;worauf die Tempo
auf die für den Soldaten vorgeſchriebene Art vollführt
werden .
II. Abtheilung.
Ausbildung des Soldaten für ſeine Verwendung in der
geöffneten Schlachtordnung.

Erftes Hauptftück.
Ausbildung des Soldaten zum Plänkeln.
Plånkeln oder Tirailliren heißt, eine oder meh - 723,
tere Abtheilungen aus der geſchloſſenen Ordnung auflöſen ,
und zerſtreut gegen einzelne feindliche Plänkler , oder , wenn
es der Terrain oder andere Umſtände erlauben , auch gegen
geſchloſſene feindliche Truppen in das Gefecht bringen ; - jei
es nun , um den eigenen Angriff zu erleichtern , oder jenen
des Feindes zu erſchweren .
Jede in dieſer Abſicht aufgelöſte und in ein weit ge- 724.
öffnetes Glied formirte Abtheilung nennt man eine Plänt
lerkette, und in dieſer bilden je drei, zu einer und der
ſelben Rotte gehörige Männer ein Kettenglied.
Die in der erſten Abtheilung dieſes Abrichtungs - Regle- 725 .
ments enthaltenen Vorſchriften haben die Ausbildung des Sol
daten für ſeine Verwendung, in Keih und Glied zum
Zwede. Iſt der Unterricht hierin vollendet , ſo bedarf es
nur der Aufmerkſamkeit des Mannes und ſeines Gehorſames
in Befolgung deſſen , was angeordnet wird, um ihn bei den
Bewegungen in geſchloſſener Ordnung der jedesmaligen Abs
ficht gemäß zu leiten . Als Plänkler dagegen ſteht det Sol
dat nicht immer unter der unmittelbaren Leitung ſeiner Vor
geſeßten . Er iſt fich oft ſelbſt überlaſſen , muß daher für dieſe
Gefechtsart , nebſt perſönlicher Tapferkeit , die man ohnehin
bei jedem Soldaten vorausſeßt, eine beſondere Geſchidlich :
keit im Gebrauche ſeiner Waffe , körperliche Gewandtheit,
12 * .
180
Kühnheit , Ausdauer und Selbſtvertrauen beſtßen . Er muß
jede günſtige Bodenbeſchaffenheit zu ſeiner Deđung zu be
nüßen verſtehen ; ſeinem Gegner jeden Vortheil ſchlau abs
zugewinnen und denſelben in Nachtheil zu ſeßen wiſſen ; ſtets
beſonnen bleiben ; ſein Feuer wirkſam anzubringen trach
ten , d. h. nur dann ſchießen , wenn er auf Wahrſchein
lichkeit des Treffens zählen kann : kurz , es wird hierbei die
Denk- und Beurtheilungskraft jedes einzelnen Soldaten in
Anſpruch genommen . .
726 . Die Ausbildung des Soldaten zum Plänkler fordert
demnach eine ganz beſondere Sorgfalt , und muß un fo
gründlicher und eifriger betrieben werden , als bei der immer
zunehmenden Kultur des Bodens und der daraus entſtehenden
Durchſchnittenheit desſelben , dieſe Fechtart bei jeder Gats
tung Infanterie immer häufiger in Anwendung
kommt.
727. Da eine zweckmäßige Abwechslung in den verſchiedenen
Zweigen des Unterrichtes , wie ſchon in der Einleitung er
wähnt, zur Ausbildung und baldigen Brauchbarkeit des
Soldaten ungemein beiträgt, ſo iſt gleich bei der einzelnen
Unterweiſung dasjenige, was die körperliche Gewandtheit bes
fördert , ſtets nach jenen Übungen vorzunehmen , die ihm
für die Verwendung in geſchloſſener Ordnung zu wiſſen nos
thig. find ; weil durch dieſen Wechſel von abgemeſſenen Be:
wegungen und freier Thätigkeit, ſeine Kräfte nie durch
einerlei erſchöpft , im Gegentheile der Körper und der
Geiſt in Anregung und zur Entwickelung gebracht werden .
728. Der Unterricht hat ſtufenweiſe in nachfolgender Drd
nung ſtattzufinden :
1. Die einzelne Ausbildung des Soldaten für
ſeine Verwendung als Pläntler ;
2. die Ausbildung einzelner Kettenglies
der, endlich
3. die Belehrung zur Auflöſung gefoloſ
181
fener Abtheilungen in eine Plänklerkette, und der von
derſelben auszuführenden Bewegungen .
Bevor man zu der einzelnen Ausbildung des Soldaten 729.
ſchreitet , muß derſelbe belehrt werden , daß er beim Plän
keln allen in Reib ' und Glied vorgeſchriebenen Zwang rücks
fichtlid ſeiner Körperſtellung, der Gleichheit in den Gewehr
griffen u . dgl. ablegen , und ſich ungebunden auf eine dem
jeweiligen Gefechtsverhältniſſe entſprechende Weiſe benehmen
müſſe ; worüber in den nachfolgenden SS. die nöthige An.
leitung vortömmt.
Erſter Abſchnitt
Cinzelne Ausbildung zum Plänkeln .
S . 60.
· 3 weď mäßige leibesübung.
Die dem Soldaten nöthigen Leibesübungen beſtehen im 730.
Schwimmen , Springen , laufen , Bajonetfechten , überſtei
gen von Hecken , Mauern , Schluchten , Gräben , in über
gången von Bächen auf fahmalen Stegen , geſchidtem An
ſchleichen an dedende Gegenſtände und ſolche , von wo aus
er ſichere Schüſſe anzubringen vermag, im Erſteigen ſehr ſtei
ler Höhen, Felſen u . ſ. w . ; mit einem Worte, ihm darf feis ,
nerlei Terrain , wo nur immer Menſchen fortzukommen ver
mögen , eine Grenze feiner Verwendbarkeit entgegenſeßen.
Zu den Übungen im Springen , laufen u . dgl., rückt731.
der Soldat in möglichſt bequemer Kleidung, anfänglich jes
benfalls ohne Gewehr und Rüſtung, aus.
Das Springen wird abgetheilt : 732
1. In das Hoch - und Weitſpringen ohne Anlauf.
3. In dasſelbe mit Anlauf.
3. In den Tiefenſprung.
4 . In den Rüdwärtsſprung beim Bajonetfechten .
Jeder Sprung hat einen Aufſprung als Anfang,und 733.
182
einen Niederſprung als Ende, welche beide immerr nur
nur
auf den Zehen oder den Ballen und mit gebogenen Knieen ,
ſo wie mit gefrümmtem Rücgrate, nie aber mit dem plats
ten Fuße und ſteifen Knieen , oder gar auf dem Abſaße aus:
geführt werden dürfen .
734. Auf dem zur Übung im Springen gewählten Plaße
werden zum Hochſpringen zwei Stöcke mit mehreren
Hafen oder Einſchnitten , drei Schritte von einander, ſenfrecht
in die Erde geſteckt, ſodann ein dünnes Stödchen dergeſtalt
quer über die Hafen oder in die Einſchnitte gelegt , daß
dasſelbe bei der leichteſten Berührung herabfalle. Anfangs
wird dieſes Stöckchen nur einige Zoll yoch von der Erde,
mit zunehmender Fertigkeit des Schülers aber immer auf hö
here Haken gelegt.
735. Die Belehrung zum Hochſpringen von der
Stelle, wozu der Mann nabe an die Sprungſtöde treten
muß , wird auf nachfolgende Weiſe ertheilt: ,
! Die Füße und Kniee werden dicht an einander geſchloſ
ſen , die Kniee und der Oberleib vorwärts gebogen , ſo daß
die Abfäße erhoben ſind und das Gleichgewicht des Körpers
auf den Ballen ruhe.
736. Durch dieſe Lage des Körpers főmmt die Spannkraft
mehrerer Muskeln einen Augenblick außer Thätigkeit , da
gegen aber werden andere in Stand geſeßt, dem Körper bei dem
gleich darauf erfolgenden Aufſchwunge zuin Sprunge mit ge
ſteigerter Schnellkraft fortzuhelfen . Die Hände ruhen anfangs
flach an den Hüften , wobei der Daumen nad rückwärts
kommt, die vier Finger aber vorwärts an den Leib geſalon
ſen werden . Dadurch behält der Mann sin Körper mehr in
ſeiner Gewalt, und kann durch das Heraufreißen der Hände
nicht zu unregelmäßigen Bewegungen verleitet werden . Nun
wird der Körper, ohne in der obbeſchriebenen Stellung lange
zu verweilen , mit gegen die Bruſt angezogenen Knieen und
nach abwärts gerichteten Zehen über den Stod geſchnellt.
183

• Der Niederſprung muß mit geſchloſſenen Füßen 737.


auf die Ballen , nie aber auf die Ferſen geſchehen , weil der
Körper dadurch zu ſtark erſchüttert, und der Mann in Gefahr ,
kommen würde , Schaden zu erleiden . Der Leib darf hier
bei keine ſenkrechte Richtung haben , ſondern die Gewalt ſeis
nes Gewichtes muß durch das Biegen der Füße , Kniee,
Hüftgelenke und des Rüdgrates , ſo wie mittelſt einem verhält
nißinäßigen Vorneigen des Oberleibes , gebrochen werden .
Für den Weitenſprung von der Stelle gelten 738.
dieſelben Regeln wie beim Hochſpringen ; nur daß hier der
Aufſchwung , ſtatt der Tendenz in die Höhe , jene in die
Weite hat. Zu dieſer Übung wählt man entweder in der
Nähe befindliche Gräben , oder läßt auf dem Übungsplaße,
wo es geſchehen darf, einen ſolchen ausheben . Je höher :
oder je weiter der Mann von der Stelle ſpringen ſoll, deſto
mehr muß er den Körper und die Kniee beim Aufſprunge
biegen . Nothwendige Vorübungen hierzu ſind: das Schwin :
gen bis zur Berührung der Ferſen mit dem Gefäße, dann
der ſchwebende Zehengang mit gebogenen Knieen . . "
Bei dem Sprunge mit Anlauf ſtellt man ſich auf 739.
12 bis 10 Schritte von dem zu überſpringenden Gegenſtande. .
Der Anlauf muß anfänglich langſam , , im Verfolge jedoch
mit fürzeren Schritten , immer mehr verſtärkt, aber nie übers
eilt werden , und auf den Fußſpißen geſchehen . Er ſoll blos
die Schnellkraft der Füße regemachen , und dem Körper einen
ftärkeren Schwung geben . Das Ende des Anlaufes wird durch
das augenblickliche ſtärkere Auffeßen des einen Fußes an dem
Ort des Aufjprunges bezeichnet , der andere Fuß aber in *
dem Augenblicke ſchnell vorwärts geworfen , in welchem ,der
erſtere vom Boden abſtößt; worauf dieſer ſich dergeſtalt an den
Vorgeſchnellten anſchließt, daß beide Füße noch vorder Hälfte
des Sprunges aneinander geſchloſſen ſeien. Bejin Nieder
ſprung darf der Oberleib nicht zurückfallen , Kniee und
184
Rücken müſſen gehörig gebogen werden , wie bieß beim
Hodſpringen bereits erklärt worden .
740 . Der Tiefenſprung, nämlich von einer Höhe her:
ab, geſchieht ſtets von der Stelle. Ein richtiger Niederſprung
iſt dabei die Hauptſache. Er muß ganz auf die Ballen und
mit nachgebenden Knieen geſchehen : jedoch dürfen dieſe bei
Berührung der Erde nicht zu raſch nachgeben , weil ſie ſonſt,
wenn der Oberleib vorfällt, wohl gar gegen das Kinn ſtoßent
könnten. Die Hände müſſen immer vorwärts gehalten wers
den , um im Nothfalle den Körper unterſtüßen zu können .
. Der Liefenſprung muß auf weichem Boden , am
beſten in einem Sandhaufen , aufgelockerter Erde oderMoos
geübt werden .
. 741. Der Rüd w ärtsſprung kann nur von der Stelle
aus geſchehen , und dient dazu, um im Einzelngefechte dem
Stoße des Gegners ſchnell auszuweichen . Der Aufſprung,
die Bewegung der Anice u. f.w . bleiben hierbei dieſelben ,wie
beim Weitſprunge ; nur wird der Oberleib nicht ſo weit vor
gebeugt.
742. Hat der Soldat das Springen gut erlernt, ſo erfolgt
der Unterricht im Laufen .
743. Das Laufen, mit Vorſicht bewirkt, iſt eine ſtärkende
übung für Bruſt und Lunge. Es zerfällt :
1 . In das Geſchwindlaufen ,
2. in das Langlaufen , und
3. in das Rüdlingslaufen , weld ' lektereg beim Bas
• jonetfechten vorkommt.
744. Der Plaß, auf welchem der Unterricht im Laufen ge
geben wird , fod weder lehmig noch mit Flugſand bededt,
ſondern feſt und eben ſein . Der Stand und das Ziel müſs
ſen durch feſte , fichtbare Gegenſtände bezeichnet werden .
Die Übung im Laufen erfordert folgende Beobach
tungen :
745. 1. Die Bruſt muß heraus , der Oberleih vorgebracht
185
werden , und zwar beim Schnellaufen mehr als beim lang
ſamen Laufen . Je mehr der Oberleib fich vorneigt , deſto
mehr werden die Füße vorwärts .eilen , um dem Vorgewichte
des Körpers zur Stüße zu dienen . Die Schultern und Ellen :
bogen werden zurüdgenonimen , die Oberarme bleiben ohne
Zwang nahe am Leibe, und bilden mit den gebogenen
Vorarmen einen etwas ſpißigen Winkel ; die Arme beivegen
ſich in dieſer gebogenen Haltung naturgemäß, um das Gleich .
gewicht des Körpers zu erhalten . Die Kniee werden abwech
ſelnd gebogen und geſtredt, damit die Muskeln nicht ermü
den . Die Füße müſſen , ohne mit ihnen hinaufzuſchlagen
oder die Kniee in die Höhe zu ziehen , vorwärts geſchnellt,
dann aber leicht auf den Ballen , und nicht auf den plat
ten Fuß niedergereßt werden .
2. Der Mund bleibt geſchloſſen, die Athemzüge müſſen 746.
mehr durch die Naſe als durch den Mund geſchehen . Die
Luft muß einige Sekunden in der Bruſt erhalten werden ,
um die Erhibung des Blutes und den zu ſchnellen Andrang
desſelben gegen die Lunge zu hindern . Kurze Athemzüge
würden die Bewegung der Lunge vermehren , und die Ents
zündung derſelben , beſonders bei gleich erfolgter Abkühlung,
herbeiführen .
3 . Die Ausdauer im Laufen iſt nur nach und nach zu 747 .
erlangen . Man laſſe das Laufen oft auf kurze Stređen , aber .
nie gegen den Wind üben. Das Langlaufen, d . i. der
langbauernde Lauf, wobei es ſich nicht wie beim vollen
Laufe um das ſchnelle Erreichen eines Zieles handelt , gleicht
mehr einer trabenden Bewegung ; wobei der Leib etwas zu
rüdgelegt wird , und die laſt desſelben ſtets auf jenem Fuße
ruht, welcher auf der Erde iſt, während der vorſchreitende,
etwas geſtredt, den Boden nach Möglichkeit nurmit der Spiße
und Vorderſohle berührt.
Um dem Soldaten ſowohl die Stellung des Körpers, 748.
der Hände und Füße , als auch das beim Laufen nöthige
186
Gleichgewicht beizubringen , läßt man ihn , ohne von
der Stelle zu rücken , den linken Fuß mit .fo gebogenem
Kniee erheben , daß dic Fußſpiße eine Spanne über dem
Punkte , wo früher der Abſaß geſtanden , erhoben ſei, und
dann auf die vorige Stelle wieder niederſtellen ; worauf das
ſelbe mit dem rechten Fuße ausgeführt wird. So wie der
Mann ſeinen Körper nach und nach im Gleichgewichte zu er :
halten erlernt, muß er dieß auf das Vorzählen Eins ! Zwei !
in immer ſchnellerem Tempo ausführen , welches bis in das
für den Langlauf anwendbare Zeitmaß geſteigertwerden kann.
749. Dieſe Art des Langlaufens, der lauftritt, findet, wie
bereits bei der Belehrung über den Angriff mit dem Bajonete
geſagt wurde, ſowohl dabei, wie auch in mehreren anderen
Fällen Anwendung, in denen es ſich um eine beſchleunigtere
Bewegung handelt , und die ſpäter beim Plänkeln und im
Ererzir. Reglement vorkommen . Der Lauftritt erfolgt bei ge
ſchloſſenen Abtheilungen auf das Kominando : » Marsch —
Marsch !« , bei aufgelöſten auf die für die beſonderen Fälle
beſtimmten Horn -Signale, bezüglich Trommelzeichen .
750. 4 . Beim Rüdlingslaufen , welches vorzüglich in
einem kleinen Kreiſe zu üben iſt, und mehr einem ſchnellen
Trippeln gleichkömmt, wirft der Soldat zur Vorſicht zuweilen
einen Blic rückwärts und ſtreift den Boden mit dem Ballen
des zuridtretenden Fußes , nie aber mit dem Abfaße.
751. 5 . Man gebe nicht zu , daß der Soldat nach dem Laufen
trinfe, oder ſich durch Stilleſtehen , Niederlegen auf die Erde
u . dgl. abfühle. Er ſoll nach dem Laufen herumgehen , und,
wenn dieWitterung fühl iſt, und er den Rock abgelegt hatte,
dieſen ſogleich wieder anziehen . "
752. Nachdem der Soldat in Springen und laufen , ohne
faſt, gut geübt iſt, läßtman ihn ſolches auch mit umgehängs
ter Patrontaſche und dem Torniſter auf dem Rüden verſuchen .
Erſt wenn er, ſo belaſtet, ſpringen und laufen kann, wird die
übung mit dem Gewehre vorgenommen , wobei er dieſes in
187
der Balance hält , der Schüße aber ſolches auch am Ries
men auf der Achſel hängend tragen fann.
Iſt die körperliche Gewandtheit des Soldaten durch die 753.
vorſtehenden Übungen entwickelt und gefördert worden , ſo
wird er das Überſeßen von Hecken , Mauern u . dgl. , ſo wie
das Gehen auf vom Boden erhabenen ſchmalen Balken ,
mit Leichtigkeit vollbringen , weil er ſeinen Körper im Gleich
gewichte zu erhalten und von hochliegenden Gegenſtänden ,
ohne Beſorgniß fich zu beſchädigen , berab zu ſpringen er:
lernt, ſomit Vertrauen auf ſeine Gedidlich feit und Kör:
perfraft erlangt haben wird .
Alle dieſe Übungen dürfen übrigens nur im gehörigen 754.
Maße , unter ſteter Aufſicht und mit Rückſicht auf die Sches
nung der Mannſchaft ſtattfinden , es darf hierbei nichts
übertrieben werden . Beſonders müſſen jederzeit die indis
viduellen natürlichen Anlagen , ſo wie die körperliche Eignung
des Einzelnen für das Mehr oder weniger dieſer Übungen ,
gehörig in Anſchlag gebracht werden .
$. 61.
"Entſprechender Gebrauch des Feuergewehres.
Es wird vorausgeſeßt , daß ſich der Soldat die Vor- 755.
ſchriften bezüglich der Beſchaffenheit und Behandlung des
Feuergewebres , ſo wie die in der erſten Abtheilung dieſes Abs
richtungs-Reglements enthaltenen Belehrungen über das Zies
len und Treffen wohl eigen gemacht habe, und ſich die ges
naue Befolgung derſelben beim Plänkeln um ſo mehr werde
angelegen ſein laſſen , als er ſich hierbei ſelbſt überlaſſen iſt,
und ſein Gewehr , ohne ſpecieller Aufſicht, nach eigener Bes
urtheilung gebrauchen muß.
Demnach wird man ſich hier blos darauf beſchränken , 756
anzugeben , wie der Soldat ſein Gewehr beiin Plänkeln am
entſprechendſten zu tragen habe, um jederzeit ſchußfertig
zu bleiben ; dann wie er ſolches in den verſchiedenen , durch
ng
188
die Benübung des Terrains zur eigenen Dedung bedingten
Körperlagen am ſchnellſten und angemeſſenſten laden , und
zum Schuſſe fertig bringen könne.
757. Im Momente der Auflöſung einer Abtheilung zum
Plänkeln , nimmt der Soldat das Gewehr in die Balance,
und rüdt ſo in die Plänflerlinie vor. Dort angelangt, hater
folches, um ſtets ſchußfertig zu ſein , auffolgende Art zu tragen :
Die rechte Hand hebt das Gewehr oder die Rammer
büchſe vor die Mitte des Leibes , die linke ergreift es in
der Höhe der Magengrube unter der rechten ; worauf dieſe
den Kolbenhals ſo umfaßt, daß die Mündung links ſeits und
aufwärts ſtehe, und die linke Schaftwand nebſt der linken Seite
des Laufes am Oberarme anliege , wobei der Lauf ſo viel
einwärts gewendet ſein muß , daß das vorwärts befindliche
Schloß fich etwas rechts neige, und der Hammer den Leib be
rühre. Die linke Hand wird über das Handwurzelgelenk der
rechten gelegt.
758. Es verſteht ſich übrigens von ſelbſt, daß in Fällen , wo
der Plänkler fich hinter irgend einem Terraingegenſtande
gedect heranſchleichen , ſpringen , Anhöben erklimmen oder
herabſteigen , durch Büſche dringen , Zäune und Mauern übers
reßen will , er ſein Gewehr auf eine dieſer Abſicht entſpres
chende Weiſe tragen müſſe.
759. Das Laden des Gewehres im Stehen lehren die SS. 9 und
51. Da jedoch der Plänkler, bei Benüßung von Terraingegen
ftänden zu ſeiner Dedung, fich auf den Boden legen , nieder :
knieen , reßen u. dgl.muß; fo ergibt ſich die Nothwendigkeit,
ihn auch in jeder dieſer verſchiedenen Körperlagen ſein Ges
wehr laden und mit demſelben ſchießen zu lehren .
760. Der Soldat vollzieht die Ladung des Gewebres , bei fort
Im Gehen ,
" .geſeßter Bewegung, auf die bekannte Art, bleibt jedoch zum
Einführen des Zünders , und beim Einbringen der Patrone
in den Lauf, einen Augenblic ſtehen .
761. DerS üße benimmt ſich auf ähnliche Weiſe , wens
189
det jedoch nach dem Einführen des Zünders den Kolben
gegen den linken Schenkel , während die linke Hand
unter dem Riemen durchſchlüpft , das Gewehr an dem
Vorarme bängen läßt, und die Mündung auf die in
Nr. 591 erklärte Art ergreift. Nach dein Ausbeuteln
der Patrone werden mit der rechten Hand einige Streiche
auf den Lauf gegeben , um das an den Wänden hån
gende Pulver in der Kammer zu ſammeln , und ſodann
die Ladung'wie bekannt vollzogen .
Um beim Schuſſe in aufrechter Stellung der Rain : 762.
inerbüchſe eine feſte Stüße zu geben , leichter zielen und ru
higer abdrücken zu können , ergreift der Schüße die Bajonet
fcheide am unteren Ende, ſtemmt die Bajonethülſe an
den Schenkel oder an die Hüfte, und legt die Kammerbüchſe
in die, fowohl die Bajonetſcheide als das Gewehr umfaſ
ſende linke Hand
Der Soldat umfaßt das Gewehr mit der rechten Hand 763.
Kniend .
am Rolbenhalſe , mit der linken am unteren Laufringe,
läßt ſich auf das rechte Rnie nieder , legt den linken Vorarm
auf den Schenkel, und bringt das Gewehr derart in eine wag
rechte Lage, daß die Münduug links ſeits und vorwärts
ſtehe. Nach dem Ergreifen der Patrone, Einführen des Zün
ders und Schließen des Decels wird der Kolbenhals mit
den lebten zwei Fingern der rechten Hand unfaßt, und das
Gewehr mit Hilfe der linken Hand um das Knie herum fo
an die linke Seite gebracht und mit dem Kolben auf den
Boden geſtellt, daß das Schloß auf , der kauf vorwärts ,
die Mündung vor die Mitte des Leibes , und der Ladſtock ge
gen denſelben gekehrt ſei. Nun wird die Patrone in den Lauf
geſteckt , der Kolben ſanft auf den Boden geſtoßen , um das
Pulver gehörig in die Kammer zu lagern , hierauf der Ladſtock
ergriffen , und die Ladung vollendet.
Der S üße benimmt ſich auf ähnliche Weiſe, bält je- 764.
doch während dem Einführen des Zünders die Kammerbüchſe
190
mit der linken Hand am Abſehen umfaßt , und muß hierauf,
um ſolche auf die linke Seite zu bringen , vorerſt die linke
Hand bis an den unteren Laufring vorſchieben . Nach dein
Einbringen der Patrone in den Lauf, ftellt er die Kammer
büchſe, in ſoweit es ohne Anſtrengung des rechten Armes
geſchehen kann , möglichit ſenkrecht neben dem linken Kniee
auf, beutelt die Patrone vollends aus, hebt ſie aus der Müns
bung heraus, und gibt einige mäßige Schläge auf den lauf,
oder ſtößt bei trockenem und feſtem Boden den Kolben ſanft
auf die Erde, bringt ſodann die Kammerbüchſe wieder in die
frühere fchräge Lage, gibt die Kugel in den Lauf, ergreift
den Ladſtock und vollendet die Ladung.
765 . : Beim Zielen wird der Ellenbogen , zur Erlangung eines
ruhigen Anſchlages , aufdas linke Knie geſtüßt, oder das Gea
wehr, ſowie auchdieKammerbüchſe,auf einen vorhandenen Ger
genſtand gelegt ; der Leib aber auf den rechten Fuß zurückgeſenkt.
766. Um das Gewehr im Sißen zu laden , ſeßt ſich der Sols
Im Sißen .
dat, mit der linken Seite gegen den Feind gekehrt, nieder,
biegt den linken Fuß ſo , daß der Abſaß gegen den Leib ge
ſtemmt und das Knie erhoben ſei, während der rechte Fuß
ausgeſtreckt wird. Der linke Vorarm liegt auf dem Sæenfel,
die linke Hand innerhalb des linken Kniees , der Kolben auf
dem rechten Schenkel. Nach dem Einführen des Zünders wird
das Gewehranalog nach Nr. 763 , um das linke Knie herum ,
auf die linke Seite gebracht, und die Ladung vollendet.
767. Der Schüße benimmt ſidy auf gleiche Weiſe , nur wird
hierbei, zum Einbringen der Patrone in den lauf, die
Kammerbüchſe von den leßten zwei Fingern und dem Ballen
der rechten Hand bei der Mündung umfaßt, während die
linfe biß unter den oberen Riemenbügel hinaufgleitet , und
den Lauf ſo viel erhebt, daß die Mündung mit dem Munde
gleich komme. Nun wird die Patrone in den Lauf geſteckt,
die Mündung ſo hoch gehoben , als es der rechte Arm ohne
Anſtrengung zuläßt , das Pulver ausgebeutelt , die Pas
191
trone aus der Mündung gehoben , die Kammerbüchſe
ſenkrecht neben das linke Knie geſtellt , einige mäßige
Sdläge mit der flachen Hand auf den Lauf gegeben oder
der Rolben einige Male leicht auf den Boden geſtoßen , die
Ramme:büd ſe wieder in die frühere Richtung gebracht , die
Rugel in den Lauf gegeben , und ſodann die Ladung vollendet.
Wo der Terrain gar keine Dedung bietet , liegt der 768.
... Im Liegen .
Plänkler beim Laden und Feuern auf der linken Hüfte auf
dem Boden . Zum Laden hält er das Gewehr, oder die Kam .
merbüchſe ,mit der Mündung gegen den Feind gekehrt ſo, daß
der Lauf aufwärts gewendet ſei , und der Kolben bis unter
die rechte Achſelhöhlung reiche. Die linke Hand hält hierbei
das Gewehr am unteren Laufringe , die Rammerbüchſe am
Abſehen ; der linke Ellenbogen ſammt Vorarm wird auf den
Boden geſtüßt , die Patrontaſche mit der rechten Hand auf
den Bauch vorgeſchoben , eine Patrone ergriffen , der Zünder
eingeführt,der Deckel geſchloſſen , und ſich dann auf den Rücken
gewendet . Während der Wendung verläßt die rechte Hand
den Kolbenhals , die linke dreht und ſchiebt das Gewehr,
oder die Kammerbüchſe , bergeſtalt links ſeitwärts , daß dieſe
an der Rolbenabrundung aufliegen und die Mündung ober dem
Munde ſtehe; hierauf umfaßt die linke Hand mit Hilfe der
rechten die Mündung , die Patrone wird abgeriſſen , das Pul
ver in den Lauf gebeutelt, und hierzu die Mündung ſo viel
wie möglich erhoben . Sodann wird das Gewehr, oder die
Rammerbüchſe , an der linken Achſelhöhling ſenkrecht auf den
Boden geſtellt , das Pulver,durch einige Schläge mit der rech
ten Hand an den Lauf, gelagert, das Gewehr in die vorige
ſchräge Lage zurückgebracht, und die Ladung vollendet ; wozu
der Schüße vorerſt noch die Kugel in den Lauf zu ſtecken hat,
Zum Anſchlagen und Zielen wendet ſich der Plänkler 769.
auf den Bauch , ſtemmt ſich auf beide Ellenbogen , hebt den
Kopf in die Höhe, und zieht das rechte Knie etwas vor , ſo
192

daß die Schwere des Körpers größtentheils auf dem linken


Ellenbogen und der linken Hüfte rube. Hat der Plänkler
keinen Gegenſtand vor ſich , auf den er das Gewehr oder die
Rammerbüchſe auflegen kann , ſo benügt er hierzu ſeinen
Cſato.
770. Wenn der Plänkler auf einem naſſen Boden oder in
einem fothigen Graben laden ſoll, ſo geſchieht es in hocents
der Stellung, auf nachfolgende Weiſe :
• Der Plänkler duct ſich ſo, daß der linke Vorarm auf den
linken , der rechte auf den rechten Schenfel , die linke Hand
vor das linke, die rechte vor das rechte Knie zu liegen toms
men . Zum Öffnen des Deckels und Einführen des Zünders ,
wird,bei dem Infanterie-Gewehre die innere Fläche des Kol
bens, bei der Rammerbüdyſe der Backen -Ausſchnitt, auf das
rechte Knie gelegt ; worauf das Laden des Gewehres nach
Nr. 763 und 764 ftattfindet.
771. Die bocende Stellung kann auch während des Gebens,
zum Zielen und Treffen in jedem Terrain , wo keine Deckungs
gegenſtände vorhanden ſind, und beſonders dann mit Vortheil
angewendetwerden , wenn der Plänkler durch ſchnelle Bewe
gung die Fähigkeit , ruhig zu zielen , verloren hat, weil es
- durch das Stüßen beider Ellenbogen auf die Kniee — doch
noch möglich wird , das Gewehr während dieſer kurzen Zeit
ruhig im Anſchlage zu erhalten .
772. Um aber in dieſer hođenden Stellung recht bequem
und ruhig anſchlagen und zielen zu können , muß der linke
Fuß die Richtung nach dem Gegenſtande des Zieles erhalten ,
und der rechte , beiläufig unter einem rechten Winfel, in rot
cher Entfernung von dem linken auf den Boden geſeßt werden ,
daß beide Füße mit der ganzen Fußrohle auf dem Boden
ſtehen . Die Schwere des Körpers hat auf beiden Abfäßen zu
ruben , und das Gefäß ſo tief geſenkt zu werden , daß die
Schenkel und Wader fich berühren . Die Abfäße dürfen
193
durchaus nicht erhoben ſein ; weil die ruhige Haltung beein :
trächtigt wird , wenn die Schwere des Körpers fich auf den
Ballen ſchwebend befindet.
Schließlich wird hiernoch bemerkt , daß die Ausführung 773.
der obbeſchriebenen Ladungstempo von dem Soldaten nicht
etwa mit der in Reih und Glied verlangten
Präziſion gefordert werden darf; indem es fich
lediglich darum handelt, ihn zu lehren , wie er die Ladung,
ohne Veränderung ſeiner durch den Terrain bedingten Rör
perlage, am entſprechendſten volbringen könne, ſomit dein
Übelſtande vorgebeugt werde, fidh zum Laden jedesmal aufs
richten , und dem Feuer des Feindes bloßſtellen zu müſſen .
S. 62.
Benü ßung verſchiedener Terraingegenſtände
zur Dedung gegen das Feuer des Feindes. ,
Der Unterricht, wie der Soldat beim Plänkeln ' bie 774.
verſchiedenen Terraingegenſtände zu ſeiner Deckung benüßen
foll, erfolgt am entſprechendſten , wenn man ihn zu derlei
Gegenſtänden hinführt , und ihm zeigt, welche Körperlage
er annehmen müſſe, um ſich vor dem Feuer des Feindes
möglichſt zu ſchüßen . -
Beim Vorrücken auf ebenem , ganz offenen B 0-775.
den iſt die Stellung des Pläntlers willführlich ; doch muß
er ſich während des Ladens ſtets vor- und Feitwärts bewegen ,
um ſeinem Gegner keinen ruhigen Zielpunkt abzugeben .
Wird,auf der Stelle gefeuert, ſo dedt fich der Soldat,776.
bei gänzlichem Mangel ſchüßender Gegenſtände, am beſten
dadurch , daß er ſich auf den Boden legt , und je näher am
Feinde er dieſes thut , deſto mehr Wahrſcheinlichkeit hat er,
nicht getroffen zu werden ; da ihn ſein Gegner in dieſem
Falle beinahe immer überſchießen wird. Iſt er durch
einen Fluß , einen Teich , einen Sumpf u . dgl. vom Feinde
Abrichtungs-Regl. f. 8. Inf. 13
194
getrennt, ſo ſtellt er ſeinen Torniſter vor ſich auf, der einer
ſeits ihn ziemlich deden wird, andererſeits aber auch zum
Auflegen des Gewehreß beim Schießen benüßt werden kann.
777. Auf Aedern lebre man ihn , einzelne Bäume, Säu
len , Düngerhaufen , Erhöhungen oder tiefe Furchen zu ſeiner
Deckung benüßen . Laufen Leştere fchräge gegen den Feind,
ſo gewähren ſie den Vortheil , daß man ſich in ihnen einis
germaßen gedeckt dem Gegner nähern kann ; laufen ſie aber
parallel mit der Stellung des Feindes, ſo muß der Plänkler
ſchnell von einer zur anderen 'eilen , um ſich nicht zu lange
dem Feuer des Gegners bloßzuſtellen . Beim Feuern auf der
Stelle wird er ſich aber , je nachdem die Furchen mehr oder
weniger tief ſind, in dieſelben niederknieen , ſeßen oder legen .
778. Gräben werden auf die nämliche Art zur Dedung be
nüßt wie tiefe Erdfurchen . Sie ſind gleichfalls nur dann vor
theilhaft, wenn ſie ſchräge gegen den Feind, noch beſſer aber
parallel mit deſſen Aufſtellung laufen . Sind ſie mehr als
4 '/ Fuß, alſo ſo tief, daß der Soldat nicht mehr ſtehend aus
ſelben feuern kann , ſo muß er trachten , in die Böſchung des
Grabens , und zwar auf jener Seite, von welcher der Feind
kommt, in angemeſſener Höhe Löcher anzubringen , in welche
er ſeine Füße ſtellt, und wodurch es ihin möglich wird , aus
dieſem erhöhten Standpunkte über den Rand des Grabens
wegzufeuern . Zum Laden tritt er jedoch immer wieder in die
Tiefe herab , während ein anderer Plänkler ſeine Stelle
einnimmt.
779. Sind die Böſchungen Fehr ſanft, ſo bedarf es wohl
nicht des Aushöhlens rolcher Fußſtellen , ſondern der Plånkler
legt oder ſeßt ſich dergeſtalt auf die Böſchung , daß er nur
mit dem Kopfe über den oberen Rand hervorrage, ſomit
ungehindert barüber wegfeuern könne. Zum laden gleitet er
jedoch ſtets wieder in die Liefe Herab, um vollſtändig gedeckt zu
ſein . Da niemals die ganze Plänklerkette auf einmal feuert,
195
ſondern die Leute ſich wechſelſeitig im Feuer ablöſen und
unterſtüßen ; ſo wird auch immer ein Theil der Mannſchaft
am oberen Rande des Grabens in ſchußfertiger Bereits
jaft ſein, während der anderemit der Ladung beſchäftigt iſt.
Gruben , Schluchten , Hohlwege u . dgl., wenn 780.
leßtere parallel mit der Stellung des Gegners laufen , bes
nüßt der Plänkler zu ſeiner Deckung auf ähnliche Weiſe , wie •
Gräben . Durch ſchneiden dieſe die Plänklerkette in ſenka
rechter oder ſchiefer Richtung, ſo bieten fie dem Feinde
ein geeignetes Mittel, um ſich verdeckt zu nähern . In fol.
chen Fällen müſſen ſich die dem Hohlwege oder der Schlucht
zunädyſt ſtehenden Plänkler knapp an deſſen oberen Rand und
möglichſt gedeckt aufſtellen , und von dort aus, mittelſt ihres
in die Tiefe der Schlucht oder des Hohlweges angebrachten
Feuers , den Feind am Vordringen in demſelben mög
lichſt hindern. Deßgleichen darf ſich der Plänkler bei Vertheis
digung enger Thäler nicht in die Tiefe ſtellen , ſondern er ſoll
nach Thunlichkeit immer einen höheren Standpunkt als ſein
Gegner wählen ; weil er von oben herab weiter und mit
mehr Sicherheit , als hinauf, ſchießen , und überdieß einen
beſſeren Überblick des vorliegenden Terrains, ſo wie der Be
wegung des Feindes erlangen wird.
Auf Hügeln oder ſonſtigen Erhöhungen darf er 781.
niemals bis auf die oberſte Kuppe vortreten ; ſondern nur
ſo weit vorgehen , als es nöthig iſt, um ſeinen Gegner
auf's Korn zu faſſen , ohne von ihm gänzlich geſehen zu
werden .
Einzelne Bäume bieten , je nachdem ihr Stamm 782.
einen größeren oder minderen Umfang hat, eiv mehr oder
weniger vorzügliches Dedungsmittel. Der Plänkler ſtellt
fich dergeſtalt knapp hinter den Stamm des Baumes , wel
chen er zu feiner Dedung benüßen will, daß ſein linker
Ellenbogen an den Baum komme. Zum Feuern wird das
13 *
196
Sewehr auf die rechte Seite des Stammes in Anſchlag
gebracht, hierbei der linke Vorarm zur beſſeren Stüße an den
Baum gedrüct, der Ropf nur ſo weit vorgebracht, als es
zum Zielen nothwendig iſt, und der Leib nach Thunlichkeit
berſagt. Zum Laden nimmt der Mann wieder die zu ſeiner
vollſtändigen Dedung nöthige Körperſtellung an .
783. git der Baumſtamm ſo dick , daß mehrere Plänkler hins
ter demſelben Deckung finden , ſo nehmen ſolche zum Feuern
abwechſelnd die vorbeſchriebene Stellung , welche ſie jedoch
gleich nach angebrachtem Schuſſe , zur Ladung ihres Ges
wehres , dem nächſt Schußfertigen zum Vortreten räumen .
784. In Wäldern muß der Plänkler , beim Vorrücken oder
Zurücgehen , ichnellvon einem Baumezu dem anderen laufen ,
um fortwährendmöglichſt gedeckt zu bleiben. Iſt der unmittel
bar vor ihm ſtehende Gegner hinter einem Baume gut ge
dedt, ſo hat er einen anderen ſeitwärts ſtehenden , minder
gut gedeckten zum Ziele zu wählen . Kommt er während des
Streifens im Walde auf kleine offene Pläße , ſo muß er ſols
chen auszuweichen trachten , und ſich, längs dem Rande ders
ſelben , um dieſelben herum ziehen .
785. . Geſträuche, Heden oder lebendige Zäune,
Garben , hohe Frucht u . dgl. deđen zwar nicht vor ſeind
lichen Kugeln ; fie bieten aber das Mittel , ſich dem Auge,
ſomit auch dem Zielen des Gegners zu entziehen . Bei Bes
nüßung von derlei Gegenſtänden zur Dedung wird es gut
ſein , wenn der Plänkler nac angebrachtem Schuffe ſeinen
Plaß verläßt, und die Ladung auf einem anderen Punkte volls
bringt ; da ſein Gegner , der ihn nicht ſehen kann , den bei
der Entladung des Gewehres aufſteigenden Rauch zum Ziels
punkte wählen dürfte.
786. Dämme und Erdaufwürfe, welche parallel mit der
Stellung des Gegners laufen , find ein vorzügliches Dedungs
mittel. Der Plänkler legt, feßt oder kniet fich auf die dem
197
Feinde entgegengereßte Böſchung, ſo daß er über die Krone
oder den oberen Rand wegfeuern könne; begibt ſich jedoch
zur Ladung wieder ſo weit herab, als es nothwendig iſt, um
vollſtändig gedeckt zu ſein .
Mauern , ſtarte Planten u. dgl. bieten gleichfalls 787.
eine gute Deckung. Sind ſte nicht höher als 4 "), Fuß, ſo
kann der Mann ſtehend über dieſelben wegfeuern ; ſind fie
jedoch höher, ſo müſſen entweder erhöhte Auftritte oder Löcher
(Sdubſcharten) in dieſelben angebracht werden . In leß
terem Falle ſtellen fich zwei oder drei Plänkler linksſeits
wärts einer ſolchen Schußſcharte und bringen abwechſelnd ihr
Gewehr in die Scharte zuin Feuern . Iſt der Gegner ſchon
ganz nahe an die Mauer herangerückt und ſind die Schuß
ſcharten auswärts der Mauer nur ſo hoch über dem Boden ,
daß der Feind die Gewehre von Außen erfaſſen könnte; ſo
dürfen dieſe nur ſo weit in die Scharten geſteckt werden ,
daß die Mündung nicht über dieſelben hinausreiche.
In Häuſern ſtellen ſich die zur Vertheidigung derſel- 788.
ben beſtimmten Männer paarweiſe oder zu Dreien hinter die
linken Pfeiler der Fenſter auf, und benehmen ſich beim
Feuern auf ähnliche Weiſe , wie dieß für die Aufſtellung
hinter einem dicen Baumſtamme erklärt worden .
Beim Eindringen in Ortſchaften , welche vom 789.
Feinde befekt ſind , dürfen die Plänkler nicht mitten auf der
Straße vorgehen , ſondern ſie müſſen ſich längs der beiden
Häuſerreiben vorſchleicher. , und hinter den vorſpringenden
Eden , Thorpfeilern u . dgl. zu decken ſuchen . Schießt der
Feind aus den Fenſtern herab, fo richten die längs den Häu
Ferreihen vorgehenden Plänkler ihr Feuer auf die jenſeits
quer über der Straße befindlichen , vom Feinde befekten
Fenſter. Kommen ſie in Folge der Vorrüdung an eine Quer
ſtraße, ro fammeln fle fich hinter den beiden Straßen -Ecken ,
198
und feuern , gedeckt , von dort auf den Feind, bis fte zur er:
neuerten Vorrüdung beordert werden .
790 . Das hier Geſagte genügt, um die Aufmerkſamkeit des
Unterrichtenden auf diejenigen Lerraingegenſtände zu lenken ,
welche der Plänkler zur Dedung gegen das feindliche Feuer
benüßen ſoll. Der Unterricht mit der Mannſchaft muß je:
doch praktiſch auf dem Terrain ſtattfinden , wo ſich allent:
halben Gelegenheit darbietet; und es iſt hierbei beſonders
darauf zu ſehen , daß der Plänkler fich nicht nur während des
Schießens, ſondern vorzüglich während des Ladens ſorg
fältig vor dem feindlichen Feuer decke.
791. Um dem Soldaten dieß begreiflich und ihn gewandt zu
machen , jeden deckenden Gegenſtand zu ſeinem Vortheile
zu benüßen , iſt es ſehr zweckmäßig , wenn er dazu verhalten
wird , aus ſeinem Verſtecke auf den Unterrichtenden zu zie
len und ſich gleichzeitig gegen ihn zu decken ; wobei dieſer
ſeinen Standpunkt ſtets verändern und dadurch den Mann
zur Annahme einer neuen , deckenden Stellung veranlaſſen muß.
S . 63.
Hornſignale und reſpektive Trommelzeichen ,
welche bei der Pläntlerfette , deren Unterſtüs
ßungs- und Reſerve - Abtheilungen die Stelle
der Kommando vertreten.
792 . . Bei der großen Ausdehnung, welche die Plänklerketten
in den meiſten Fällen haben , erſcheint - beſonders bei
windiger Witterung, in einem buſchigen , waldigen oder uns
ebenen Terrain , ſo wie, wenn die Kette im Feuern begriffen
iſt, — die Stimme des Rominandanten zur Anordnung der
Bewegungen unzulänglich ; weßhalb hierzu folgende Horn
ſignale, für jene Infanterietruppen aber, die keine
Horniſten im Stande führen , nachſtehende Trommelzei
chen beſtimmtwerden .
199

Wo die Stimme des Rommandanten ausreicht, iſt 793.


es nicht unbedingt nothwendig , die Hornſignale, bezüglich
Trommelzeichen , in Anwendung zu bringen ; auch wird
manchmal in Ermangelung eines Horniſten , bezüglich
Tambours, ſogar die Nothwendigkeit eintreten , oder es wer
den die Umſtände als zweckmäßig erſcheinen laſſen , die beab
fichtigten Bewegungen mittelſt der Stimme anzuordnen . Bei
Friedensübungen jedoch , wo es fich zugleich darum handelt, .
den Soldaten mit der Bedeutung der Signale recht vertraut
zu machen , iſt ſich beim Plänkeln , wo es nur immer ſein
kann , der Hornſignale , bezüglich Trommelzeichen , ſtatt des
Kommando zu bedienen .
Die Signale theilen ſich in Aviſo - Signale oder 794.
Rufe, welche, allein geblaſen oder getrommelt , einen Theil
der Truppe blos anrufen und zum Antworten veranlaſſen ,
oder , mit angehängtem Kommandoſignale , einen beliebigen
Theil der Truppe aviſtren , und als denjenigen bezeichnen ,
dem die Befolgung des beigefügten Rommando - Signales
zukommt; dann in Kommando - Signale, welche die
Ausführung irgend einer Handlung oder Bewegung ans
ordnen .
Die Aviſo -Signale oder Rufe ſind folgende : 795 .
» Kette
» Unterſtüßung“ | zur Benennung der betreffenden
» Reſerve «
Theile.
» Rechter Flügel«
» Linker Flügel«
Durch das Antängen des Signals : » Rechter Flügel« 796.
oder » Linker Flügel“ an eines der erſten drei Signale
ergibt ſich die Benennung einzelner Theile der Kette, der lins
terſtüßungen und Reſerven .
Als Kommando- Signale , über deren Anwen - 797.
bung, ſo wie über die Ausführung der durch ſolche angeord
200

neten Bewegungen , die nähere Belehrung in den ſpätes


ren SS. vorkommt, werden die folgenden feſtgeſeßt:
» Vorwärts« (der Generalmarſch der Grena
diere) das Zeichen zum Vorrücken und zu jeder Bewes
gung vorwärts.
» Halt« (der Kaſt) das Signal zum Einſtellen jeder
Bewegung .
'> Burück « (die Retraite) zum Rückzuge, und zu je
der rücgängigen Bewegung.
» Rechts“ (die Tagw a che) zum Seitenmarſche rechts ,
und zu jeder Bewegung dahin .
» Links “ (der Schanzftreich ) zum Seitenmarſche
links , und zu jeder Bewegung in dieſer Richtung.
» Feuer« (Ein doppelter Streich) zum Beginnen
des Feuerns.
- » Feuereinſtellen « (zwei Ruder), deffen Bedeutung
ergibt ſich von ſelbſt.
» Auflöſen « (Ein Ruder und vier einfache
Streiche) bedeutet im Allgemeinen Auflöſen in die Kette,«
- ſei es aus einem geſchloſſenen Zuge, Klumpen , oder
aus unregelmäßigen Haufen nach einem flattgehabten Sturme.
» Sammeln « zum Ralliren der Plänklerkette in den
Zug , auch zu der Vereinigung mehrerer kleineren Alum
pen in einen größeren . Wird dieſes Signal dreimal un
mittelbar nach einander geblaſen , ſo bedeutet es » front
räumen « .
Bei den blos mit Tambours verſehenen Truppen wird
kum Ralliren der aus den Unterſtüßungs- Abtheilungen
formirten Rette der R aſte , zum Fronträumen der
Allarmftreich geſchlagen .
Oeffnen « zum Erweitern der Intervalle der Retten
glieder.
1 201

» Schließen « zum Verengern der Intervalle der Retten


glieder.
»Šturm « (der Sturmſtreich) das Signal zum An
griffe mit dem Bajonete.
» Klumpen « (der Ruf) zum Foriniren der Klumpen .
» Ablöſang« zur Ablöſung der Plänklerkette.
» Verſtärkung« (Ein halber Ruf und drei dop
pelte Streiche, oder der Feldwebelſtreich, zur
Verſtärkung der Plänklerkette). Wird dem Hornſignale : » Ver
Märkung« jenes: » Burüc « angehängt, oder der Rorporals
ſtreich (Ein halber Ruf und zwei doppelte
Streiche) geſchlagen , ſo bedeutet dieß die Einziehung der
Verſtärkung.
» Dergatterung« (Vergatterung) das Signal zur
· Radirung der ganzen Truppe.
» Beſchleunigung“ (Eilſtreich ). Wird dieſes Sig
nal an was immer für ein anderes , welches eine Bewegung
andeutet, angehängt, oder während einer Bewegung ges
blaſen , bezüglich getrommelt, ſo muß dieſe im Lauftritte
ausgeführt werden . Wird aber dieſes Hornſignal dreimal,
ohne Pauſen wiederholt - geblaſen , oder der Eilftreich etwas
andauernder geſchlagen , ſo muß die Bewegung im vollen
Laufe erfolgen.
Die Signale : » feuer« und » fenereinftellen “ werden 798.
auf den Ererzirpläßen angewendet , um die Momente zu
bezeichnen, wenn die Plänkler ihr Feuer beginnen oder ein
ſtellen ſollen . Vor dem Feinde oder bei Feldübungen aber
werden ſich dieſe Momente in der Regel aus der jeweiligen
Aufſtellung des Feindes ergeben , indem jeder Plänkler nur
dann, und nur ſo lange feuert, als er ſeinen Gegner
init Wahrſcheinlichkeit zu treffen vermag. Dem Zugs - Rom :
mandanten wird zur Pflicht gemacht , ſogleich das Feuer ein
202
ſtellen zu laffen , wenn ſich der Feind in ſolcher Entfernung
befindet, oder ſo gedect ſteht, daß keine Wahrſcheinlichkeit
ihn zu treffen vorhanden iſt. Dasſelbe hat in ähnlichen Fäl.
len auch jeder Unteroffizier bei den in ſeinem Bereiche befinde
lichen Rettengliedern anzuordnen .
799. Es verſteht ſich, daß der Plänkler, – wenn nicht allen :
falls im voraus ſchon der ausdrückliche Befehl gegeben wurde,
das Feuer erſt auf das erfolgende Signal: » Fener« ( Ein
doppelter Streich) oder den Zuruf: „ Feuer !« zu
beginnen , - in einem buſchigen , waldigen und unebenen
Terrain , bei nebliger Witterung, und überhaupt da, wo die
Ausſicht gehemunt ift, in der Regel, ſo wie er den Feind auf
Schußdiſtanz anſichtig wird , ſogleich zu feuern hat , auch
wenn das Signal noch nicht gegeben worden wäre.
800. Die den vorſtehend feſtgeſeßten Hornſtgnalen als gleich
bedeutend beigefügten Trommelzeichen haben , wie bereits er:
klärt , nur bei jenen Truppen in Anwendung zu kommen ,
welche keine Horniſten in ihrem Stande haben , und es wird
hier nur noch erwähnt, daß in allen jenen Fällen , für
welche dem Hornſignale kein Trommelzeichen beigefügt iſt,
die Anordnung der entſprechenden Bewegung jederzeit mittelft
der Stimme zu bewirken ſei.
801. Den Klang jedes der vorgeſchriebenen Hornſignale , be:
züglich Trommelzeichen , ſo wie deren Benennung und Bes
deutung, muß jeder Soldat genau kennen , und da ſie die
Stelle der Kommando vertreten , ſo iſt ihm wohl einzuprä
gen , daß er ihnen ſchnellen und pünktlichen Gehorſam ſchul
dig ſei. Damit die Signale dem Gehöre und Gedächtniſſe
fich gut einprägen , iſt es ſehr erſprießlich , wenn jeder Sols
dat ſolche pfeifen oder fingen fann.
203

Zweiter Abſchnitt.
Ausbildung einzelner Kettenglieder.
S. 64.
Allgemeine Beſtimmungen für die Stellung
der Rettenglieder.
Daß je drei zu einer und derſelben Rotte gehörige Män- 802.
ner beim Plänkeln die Benennung Rettenglied erhal
ten , iſt bereits im Eingange dieſes Hauptſtüdes geſagt
worden .
In jedem Kettengliede ſtehtder Mann des erſten Glie: 803.
des ' links , jener des zweiten feche Schritte rechts , der
Mann des dritten Sliedes in der Mitte.
Die Entfernung von einem Rettengliede zum anderen 804.
hat unter gewöhnlichen Verhältniſſen 12 Schritte zu bes
tragen ; daher fich der Mann des erſten Gliedes des einen
Kettengliedes von jenem des zunächſtſtehenden in einer Ent:
fernung von 18 Særitten befinden wird.
Die hier eventuell feſtgereßten Abſtände der 805 .
einzelnen Männer eines jeden Rettengliedes , ſo wie jene der
Kettenglieder ſelbſt, find jedoch keineswegs als unabänders
lich zu betrachten ; ſie bleiben vielmehr durch die jeweilige
Beſchaffenheit des Terrains , welchen die Plänkler zu ihrer
Dedung benüßen müſſen , mannigfaltigen Modifikationen
unterworfen .
Finden z. B . die drei Männer eines Kettengliedes Ge- 806.
legenheit , fich in gedrängter Stellung hinter irgend einem
Terraingegenſtande zu decken , ſo dürfen fie dieß ja nicht
etwa aus dem Grunde verabſäumen , weil ſie in der Regel
auf drei Schritte Entfernung von einander ſtehen ſollen .
204
Eben ſo wenig ſind ganze Kettenglieder , wenn ſie auf einige
Schritte vor-, ſeit- oder rückwärts Gelegenheit zur Dedung
finden , an das genaue Einhalten der Diſtanz von dem
nebenſtehenden Kettengliede gebunden ; ſondern ſte können
nach Umſtänden davon abweichen .
807. ' Es erſcheinen demnach die für die Plänkler und Ret:
tenglieder vorgeſchriebenen Abſtände nur in ſo ferne bindend,
als ohne derlei Feſtſeßungen die Plänklerkette jedes
Zuſammenhanges ermangeln würde, ſomit nicht
geordnet nach einer beſtimmten Direktion geleitet werden
könnte.

808. In manchen Fällen , . B . wenn es ſich um das Durchs


ſtreifen ausgedehnter Terrainſtrecken handelt, läßt man die
Plänkler und Rettenglieder gleich bei ihrer Auflöſung ver
hältnißmäßig größere Abſtände nehmen , und es können
hierbei die Männer des erſten Gliedes , - wenn es nöthig
iſt , -- bis auf 36 Schritte von einander geſtellt werden ;
während die Männer jedes Kettengliedes unter ſich die Ab
ſtände ebenfalls vergrößern , jedoch in keinem Falle weiter
als 5 bis 6 Schritte von einander ſtehen dürfen .
809. In anderen Gelegenheiten kann aber auch eine gedräng
tere Aufſtellung der Plänkler, z. B . bei Beſeßung einer
Mauer , Hecke u . dgl. nothwendig erſcheinen , wo dann die
Kettenglieder geringere Entfernungen erhalten , und in Fäl
len , wo es ſich um hartnäckige Vertheidigung von Örtlichkei
ten , wie z. B . der vorſpringenden Spiße eines Waldes,
eines Hohlweges u . f. w . handelt, ſelbſt ſo enge geſtellt
werden können , daß die Männer des erſten Gliedes blos
fünf oder gar nur drei Schritte von einander entfernt find ;
wobei dann die Diſtanzen zwiſchen den Rettengliedern ganz
aufhören und die Plänfler , Mann an Mann faſt geſchloſſen ,
ſtehen werden . '
205
So oft man daher die Rette mit größeren oder gerins810 .
geren ; als den für gewöhnliche Verhältniſſe feſtgeſeßten Abs
ſtänden bilden will, iſt die Schrittzahl, aufwelche die Män
ner des erſten Gliedes von einander zu gehen kommen ſols
len , im Avertiſſement zur Formirung der Rette , und zwar
vor dem Kommando : »Marsch !« auszuſprechen .
S . 65 .
Gegenſeitige Unterſtü şung der Pläntler, ins
beſondere der zu einem Kettengliede gehöri
gen Männer.
Die Plänkler überhaupt, insbeſondere aber die zu einem 811.
und demſelben Rettengliede gehörigen Männer, müſſen ſich in
jeder Gelegenheit wechſelſeitig unterſtüßen , d . h . fte benüßen
die vorhandenen Terraingegenſtände gemeinſchaftlich zu ihrer
Dedung , ſtehen einander in jeder Gefahr mit Entſchloſſens
heit bei, und dürfen ſich nie ſo weit von einander entfer:
nen , daß einer oder der andere fich ſelbſt überlaſſen bleibe,
ſomit außer dem Bereiche der wirkſamen Unterſtüßung ſeiner
Kameraden fäme.
Wird ein Mann des Rettengliedes fampfunfähig , ſo 812.
* unterſtüßen fich die beiden übriggebliebenen auf ähnliche
Weiſe wie früher zu dreien ; ſind zwei Männer außer Ges
fecht gefeßt, ſo ſchließt ſich der übriggebliebene an das nächſte
Ketten glied .
Beim Feuern iſt es Grundſaß , daß die drei zu einein 813.
Kettengliede gehörigen Männer ihre Gewehre nie auf einmal
abfeuern , ſondern immer wenigſtens ein Mann mit dem
ſchußfertigen Gewehre in Bereitſchaft bleibe , um ſeine im
laden begriffenen Kameraden zu ſchüßen . Daß der Plänkler,
insbeſondere aber der Schüße nur dann ſchießen ſoll , wenn
er feinen Schuß wirkſam anzubringen vermag, iſt bereits
geſagt worden .
, 206
814. Übrigens ſoll der Plänkler ſein Feuer vorzugsweiſe auf
die feindlichen Offiziere, die am fühnſten voreilenden
Plänkler , und die etwa im Schußbereiche ſtehenden ge
ſchloſſenen Abtheilungen richten . Hat er ſich feindlichen
Geſchüßen genähert , ſo wird er , je nachdem ſolche in der
Bewegung begriffen ſind, oder ſtille ſtehen , im erſteren Falle
die Pferde, im leßteren aber die bedienenden Artilleriſten zum
Zielpunkte wählen .
815. Beim Feuern auf der Stelle beginnt in der
Regel der Mann des erſten Gliedes, und ladet gleich nach
angebrachtem Schuſſe ; ſo wie er den ladſtock zieht , feuert
jener des zweiten , und unter denſelben Beobachtungen
hierauf jener des dritten Gliedes. Auf dieſe Art wechſeln
ſie dann im Feuern ab.
816 . Sold von der Stelle aus fogleich das Feuern im
Avanciren begonnen , oderwährend des Vorrückens in das
Feuern übergegangen werden ; ſo eilt der Mann des erſten
Gliedes auf 10 bis 12 Schritte vor , ſucht fich hinter einem
Terraingegenſtande zu decken , und ſeinen Schuß mit möglichs
ſter Wirkſamkeit anzubringen . Seine beiden Kameraden rücken
langſam nad) , und wenn ſie in gleiche Höhe mit dem vor:
geeilten Manne gelangt ſind, geht zuerſt jener des zweiten ,
dann der des dritten Gliedes, raſcher aufweitere 10 bis 12
Schritte vor. Dieſes Verfahren wird während der ganzen
... Dauer der Vorrüdung befolgt.
817 . Soll während des Feuerns auf der Stelle zum
Feuern im Avancireu übergegangen werden , fo ellt jener
Mann vor, an welchem die Reihe zum Feuern ſteht.
818 . gft während des Feuerns iin Avanciren die Vorrü
dung eingeſtelltworden , ſo ſuchen ſich die Männer jedes Rets
tengliedes in der Regel auf jener Linie möglichſt gedeckt auf
zuſtellen , auf welcher fich der dem Feinde zunächſt ſtehende
Mann befindet. Vortheilhaftere Deckungsgegenſtände auf
207

einer anderen , etwas vor- oder rückwärts liegenden Linie,


bedingen jedoch Abweichungen von dieſer Regel.
Wird während des Vorrüdens das Feuer eingeſtellt, ſo 819.
rüden die Männer jedes Rettengliedes in Ein Glied vor,
und der Marſch wird ununterbrochen fortgeſeßt. Sollen das
Feuer und der Marſch vorwärts eingeſtellt werden , ſo fors
mirt ſich die Kette auf der die meiſte Deckung bietenden
Linie.
Beim Feuern im Retiriren eilt der Mann des 820 .
dritten Gliedes , nachdem er ſein Gewehr auf einen der am
fühnſten vordringenden Feinde abgefeuerthat, auf ungefähr 40
Schritte hinter die Kette zurück, ſucht irgend einen Terrain
gegenſtand zu ſeiner Dedung, ladet ſein Gewehr, und bleibt
dort zur Aufnahine feiner noch vorwärts befindlichen Rame
raden ſtehen . Hat jener Mann ſeinen Aufſtellungspunkt ers
reicht, ſo feuert der Mann des erſten Sliedes, und verfügt
ſich hierauf ſogleich zu dem zuerſt zurücgegangenen ; hat
endlich auch dieſer den rücwärtigen Aufſtellungspunkt erreicht,
ſo feuert der Mann des zweiten Gliedes und eilt dann
gleichfalls zu den beiden anderen zurück ; wodurch ſich die drei
zu einem Kettengliede gehörigen Männer wieder vereint be
finden .
Dieſes ſucceſſive Feuern , Zurüdgehen und neuerliche821.
Sammeln der Männer jedes Kettengliedes , wird im Ver
folge des Rüdzuges immer wiederholt, und die Männer des ...
erſten und zweiten Gliedes haben hierbei den des dritten Slies
des als denjenigen zu betrachten , an welchen ſie ſich anzuſchlie
Ben , und, durch ihn geleitet, in Verbindung mit den neben
ſtehenden Kettengliedern zu bleiben haben . Iſt die Kette
ſchon im Feuern auf der Stelle begriffen , und es
wird der Rüdzug angeordnet ; ſo hat jener Mann, an wel
chem die Reihe zum Feuern ſteht , ſeinen Schuß anzubrin .
gen , und den Rüdzug nach Nr. 820 zu beginnen .
208
822. Wird der Rüdzug eingeſtellt, ſo verbleibt von jedem
Kettengliede der dem Feinde zunächſt ſtehende Mann unver
rüdt auf ſeinem Aufſtellungspunkte, während die rückwärts
befindlichen Männer bis auf gleiche Höhe mit ihm vorrücken .
823. Findet während des Rüdzuges das Einſtellen des
Feuers ſtatt, ſo vereinigen ſich die Männer jedes Retten
gliedes, im Zurückgehen , in eine Linie.
824. Beim Seitenmarſche wird das Feuer in jedem
Rettengliede auf ähnliche Weiſe unterhalten , wie es beinn
Feuern auf der Stelle vorgeſchrieben wurde. Zum Feuern
tritt immer jener Mann, an welchem die Reihe zum Schies
Ben ſteht , Einen Schritt aus der Linie der Rette auf jene
Seite hinaus, wo ſich der Feind befindet, - bringt ſeinen
Schuß an , und ſucht dann wieder ſeine Eintheilung zu
gewinnen . . . in
825 . Das Feuern während der Ziehung vorw arts
unterſcheidet ſich von dem im Avanciren nur dadurch ,
daß der zum Schuſſe voreilende Mann, ſtatt gerade vorzus
gehen , ſich rechts oder links ſeitwärts zieht, wohin ihm auc
die zurückgebliebenen zwei Kameraden langſam nachfolgen.
826. Beim Feuern während der Ziehung im Res
tiriren gilt in Bezug auf den Anfang und auf die Ab
nahme des Feuers dieſelbe Vorſchrift wie bei dem ſenkrechs
ten Rüdmarſche ; jedoch hat der nach dem Schuſſe zus
rüdeilende Mann , - da er mit verkehrter Front marſchirt -
ſich bei der Ziehung rechts , – links, bei der Ziehung
links aber rechts zu ziehen.
827. Die Ausbildung der Rettenglieder bezüglich ihres Bes
nehmens in jeder Terrain -Gattung, dann der Wechſelunter
ſtüßung während des Feuers , muß möglichſt gründlich, das
her einzeln oder zu zwei, höchſtens drei Kettengliedern ſtatts
finden , weil man fich in der Folge bei Auflöſung größerer
209
Abtheilungen in eine Plänklerkette nicht mehr mit dem De
tailunterrichte befaſſen kann.
Schließlich wird hier noch erwähnt, daß das Benehmen 828.
der Plänkler zur Vertheidigung gegen einzelne feindliche
Reiter im nachfolgenden Hauptſtüce, nämlich bei der Lehre
des Bajonetfedhtens vorkommt.

Dritter Abſchnitt
Auflöſung geſchloſſener Abtheilungen in eine Plänklerkette
und Bewegungen derſelben.
Erſt wenn die einzelne Ausbildung des Soldaten , für 829.
ſeine Verwendung als Plänkler , ſo wie jene der einzelnen
Rettenglieder hinreichend vorgeſchritten iſt, wird,zu der Auflös
fung ganzer Abtheilungen in eine Plänklerkette geſchritten .
Dieſe kann entweder von der Stelle aus, oder 830
V

vorwärts geſchehen ; je nachdem die aufzulöſende Abtheis ,


Jung ſich ſchon auf der Linie befindet, aufwelcher die Plänt
Lerkette formirt werden , oder aus einer rüdwärtigen Aufſtel
lung erft dahin rücken roll. In beiden Fällen kann die Auf
löſung rechts, links , oder von einer beliebigen mitts '
leren Rotte aus ſtattfinden .
Die Wahl des Zeitpunktes zur Formirung 831.
der Kette hängt von Umſtänden ab. In der Regel hat ſolche
außer dem Bereiche des feindlichen Feuers zu geſchehen . Ein
zu frühes Auflöſen der Truppe in Plånkler , nament
lich in einer offenen Gegend , und bevor man noch die Aufs
ſtellung des Gegners kennt, iſt zwedlos und oft zeitraubend.
Unter ſolchen Umſtänden rüdt die eventuell zum Plänteln
beſtimmte Abtheilung in geſchloſſener Ordnung vor , und es
werden bloß einzelne Leute auf 100 bis 150 Schritte vor
und ſeitwärts entſendet , um den Feind aufzuſuchen , oder
deſſen Stellung zu erſpähen . Stoßen dieſe auf den Feind,
Abrichtungs -Regl. f. 4. Inft. 14
210
fo erſtatten ſie hiervon die Meldung,woraufder Abtheilungs
Kommandant die Formirung der Plånklerkette auf eine dem
Terrain und der Stellung des Gegners entſprechende Weiſe
anordnet. In durchſchnittenem Boden , in Waldungen , hober
Frudt u . dgl. kann die Auflöſung in Plänkler wohlauch ſchon
por Ausmittlung der Stellung des Feindes geſchehen . In
ſolchen Fällen erſcheint dieſe jedoch nicht unbedingt als eine
Gefechtsformation , ſondern als Mittel , den feine freie
Ausſicht geſtattenden Terrain zu durchſuchen.
832. Ein zu ſpätes Auflöſen der geſchloſſenen Truppe in
Plänkler hat den Nachtheil , daß die Auflöſung unter dem
Feuer des Gegners , alſo wahrſcheinlich mit größerem Vers
lufte ftattfinden , und überdieß , zur möglichſt ſchnellen Bils
dung der Rette, übereilt werden muß ; wodurch die Drdnung
gefährdet, die Mannſchaft erhißt, ſomit zum ruhigen und
richtigen Zielen und Treffen minder geeignet wird .'
883. Es bleibt demnach die Sorge des Rommandanten der
zum Plänkeln beſtimmten Abtheilung , die Auflöſung ſtets
zur rechten Zeit, d. 5. mit Rüdſicht auf den Zwed
und die je:veiligen Verhältniſſe anzuordnen .

S . 66 .

Formirung der Kette von der Stelle a us. –


Feuern derſelben.

834. Die Formirung der Kette von der Stelle aus erfolgt,
- wie bereits geſagt, - in jenen Fällen , wo fich der zur
Auflöſung beſtimmte Zug bereits auf der Linie befindet, auf
welcher die Plänkler aufgeſtellt werden ſollen , wie z. B. an
einem Graben , an einer Hede, einem Waldrande u . f. w .,
oder wenn es ſich darum handelt , eine vordere , im Rüds
zuge befindliche Kette aufzunehmen und abzulöſen . .
211
Zur Formirung der Rette von der Stelle aus rechts 835.
avertirt der Rommandant: Plan
VU .
» In die Kette - rechts !
Auf dieſes Avertiſſement, und zwar auf das betont aus
zuſprechende leßte Wort , nimmt die Mannſchaft - ſowohl
hier , als in der Folge bei jeder Auflöſung in die Kette
– die Gewehre ſogleich in die Balance. Sodann wird
kommandirt :
» Rechts - um !« »Marsch !«; worauf mit Aus- 836.
nahme der linken Flügeirotte und des an derſelben angeſchlof
fenen Unteroffiziers des erſten Gliedes, Alles rechts um macht,
austritt, und fich auf nachſtehende Art in die Rette auflöjt :
Der Mann des erſten Gliedes der zweiten Rotte som
linken Flügel macht 18 Schritte , die er gleidy beim er:
ften Austritte zu zählen anfängt, klopft nach hinterlegtem 3
adtzehnten Schritte dem vor ihm marſchirenden Manne des
erſten Sliedes , zum Zeichen , daß er feine erforderliche Di
ftanz abgeſchritten habe, mit der linken Hand auf die Pa
trontaſche, oder den Turniſter , und herſtellt ſich gleichzeitig
mittelft der Linksum - Wendung in die urſprüngliche Front.
Sobald der Mann der dritten Kotte den Schlag auf die
Patrontaſche oder den Torniſter fühlt, zählt er ebenfalls
18 Schritte , nach deren Hinterlegung er ſeinem Vormanne
das nämliche Zeichen gibt, und fich links herſtellt. Dasſelbe
befolgen ſucceſſive alle andern Männer des erſten Gliedes ,
wodurch ſie ſämmtlich auf 18 Schritte Abſtand von einander
zu ſtehen kommen . Die Männer des zweiten und drits
ten Gliedes bleiben während der Seitenbewegung gegen den
Mann des erſten Gliedes hin geſchloſſen . Sobald fich der
felbe herſtellt, thun ſie ein Gleiches , und gehen hierauf un
mittelbar aus der Rottenſtellung in jene des Rettengliedes
über ; nämlich der Mann des zweiten Gliedes ſtellt fid auf
ſechs Schritte rechts von jenem des erſten Gliedes , der
14 *
212

Mann des dritten Gliedes aber zwiſchen dieſe beiden in die


Mitte , und alle drei nehmen ihre Gewehre ſogleich in die
für die Plänkler vorgeſchriebene lage. Bei der linken Flü
gelrotte, welche nicht von der Stelle rüdt, erfolgt der
Übergang in die Rettenglied -Stellung, fobald fich
durch den Seitenmarſch der nebenſtehenden Rotten der hier:
zu nöthige Raum ergibt.
837. Der am rechten Flügel des Zuges im erſten Gliede
eingetheilte Unteroffizier leitet die hinter ihm marſchirende,
in der Auflöſung begriffene Reibenkolonne, und zwar ents
·weder in der Verlängerung der vorigen Frontlinie oder längs
eines etwa zur Aufſtellung der Kette gewählten Lerrains
gegenſtandes , als : eines Ravins , Grabens , Waldrandes
u. f. w .
838. Die im dritten Sliede eingetheilten Unteroffiziere
ziehen fich gleich beim Antritte des Reihenmarſches rechts
feitwärts aus ihrer Eintheilung heraus, und überwachen die
ſucceffive erfolgende Aufſtellung der Kettenglieder , ſo wie
das Einhalten der vorgeſchriebenen Abſtände.
839. fft die Kette formirt, ſo ſtellen ſich die Unteroffiziere
des erſten Gliedes auf einige Schritte hinter die betreffenden
Flügel-Kettenglieder; jene des dritten Gliedes aber nehmen
ihre Aufſtellung auf 10 – 12 Schritte hinter der Rette ders
geftalt, daß fie ſolche gut überſehen , ſomit die einzelnen
Rettenglieder gehörig beaufſichtigen können , und ſorgen das
für, daß jeder Mann die ihm zunächſt liegenden Lerrains
gegenſtände zu feiner Deckung benüße. Der Zugs-Kommans
dant niinmt ſeinen Standpunkt nach eigenem Ermeſſen
dort, wo er die Bewegungen der Rette am beſten zu überſe
hen und zu leiten vermag.
840. Bei Formirung der Rette links wird auf das Koms
Plan
VII.
mando :
In die Kette - links !“ „ Links - una !«
213
»Marseh !« Alles auf die entgegengeſepte Seite voll
führt.
Die Formirung der Kette auf einemittlere Kotte des 841.
Zuges , nåmlich rechts und links, findet ſtatt , wenn
man die Kette nach beiden Seiten des Aufſtellungspunktes
des Zuges ausbreiten will. Soll.dieſes Ausbreiten nach beiden
Seiten gleichmäßig ſtattfinden , ſo iſt bei ungerader Rot
tenzahl die mittlere, bei gerader Rottenzahl nach Belie
ben eine der beiden mittleren Rotten zum Ausgangspunkte
der Auflöſung zu beſtimmen . Will man dagegen der Rette
auf einer Seite eine größere Ausdehnung als auf der andern
geben ; ſo iſt eine — der betreffenden Seite , wo die gerin
gere Ausdehnung der Kette beabſichtigt wird , - näherliegende
Rotte als Ausgangspunkt der Auflöſung zu wählen , und ſo
wie überhaupt in jedem Falle, vor Beginn der Auflöſung vom
Zugs- Kommandanten eigens zu bezeichnen . Iſt dieſes ges
ſchehen , ſo erfolgt das Kommando :
» In die Kette rechts und – links!« » Rechts und Plan
VIII .
links — um !« Hierauf bleibt die vom Zugs - Roinman :
danten bezeichnete Rotte unverrückt ſtehen , die von ihr
rechtsſtehenden Rotten machen rechtsum , die linksſtehenden
linksum , und löſen ſich auf das unmittelbar nachfolgende :
»Marsch !« ſofort in die Kette auf.
Die Aufſtellungspunkte für die Unteroffiziere find dieſel- 848.
ben , wie bei Formirung der Rette rechts oder links.
• Sobald die Entwidlung der Plänklerkette, — dieſelbe 843.
mag rechts, links , auf eine mittlere oder jede andere
Rotte ftattgefunden haben , - vollſtändig erfolgt iſt, muß
ein mittleres. Rettenglied als Direktion 8 - Rets
tenglied beſtimmtwerden , gegen welches alle anderen , bei
ſenkrecht auf die Frontlinie ſtattfindenden , oder nur wenig
davon abweichenden Bewegungen , ihre Richtung zu neh
men haben .
2:14
844. Zur Überwachung und entſprechenden Führung die
ſes Direktions-Rettengliedes hat jederzeit einer der Unteroffis
ziere des dritten Gliedes beſtimmt zu werden , welcher fich
auf einige Schritte hinter demſelben aufſtellt, und von dort
aus deffen Bewegungen ſeitet; während die anderen Unters
offiziere fich mit unermüdeter Thätigkeit ſtets dahin begeben ,
wo ihre Gegenwart nothwendig iſt. Sie müſſen , wie ſchon
erwähnt, jedem einzelnen Manne die vortheilhafteſten Stands
punkte angeben ; darauf ſehen , daß die Plänkler ihre Ges
wehre mit Ruhe in Anſchlag bringen , ohne übereilung und
nicht auf zu entfernte Gegenſtände ſchießen ; fortwährend auf
die Bewegungen und Abſichten des Feindes aufmerkſam
ſein , die nöthigen Gegenanſtalten ſchnell zu treffen verſtes
hen u . ſ. w . Auf die Hornſignale , mittelſt welchen der
Kommandant, ſeine Befehle ertheilt , müſſen ſie unausge:
reßt Acht haben , und auf deren augenblidliche Vollzie
hung ſehen ; deßgleichen mit unnachfichtlicher Strenge ges
gen diejenigen verfahren , welche ſich etwa aus der Rette ents
fernen wollten .
845. Soll in der Rette gefeuert werden , ſo benehmen ſich
die drei Männer eines jeden Rettengliedes , ohne Rüdſicht
auf die der nebenſtehenden , nach der dießfalls im S . 66
enthaltenen Belehrung.
846 . Die Unteroffiziere, deren Aufmerkfamkeit ſo vielſeitig
in Anſpruch genommen iſt, feuern in der Regel nicht, außer
· wenn ſie als gute Schüßen Gelegenheit finden , einen
feindlichen Offizier niederzuſchießen , oder wenn es ihre per
ſönliche Vertheidigung erfordert. ..
847. In jenen Fällen , wo die Kettenglieder bei der Auflö
ſung in die Kette größere oder kleinere Abſtände, als die für
gewöhnliche Verhältniſſe feſtgeſeßten nehmen ſollen , muß
dieſes auch immer nach Nr. 810 im Kommando hierzu ans
215
gedeutet werden ; z. B . » In die Kette - rechts ! (links,
rechts und links!) « » Rechts (Links, Rechts und links)
- um ! « » Auf 36 (27, 9 , 5 u . ſ. w .) Schritte – .
Marsch !«
Die Entfernungen der Männer des zweiten und dritten 848.
Gliedes von dein erſten ſind für dieſe Fälle gleichfalls in
Nr. 808 and 809 angegeben .
$ . 67.
Formirung der Rette vorwärts. — Feuern
derſelben.
Die Formirung der Rette vorwärts kömmtam häu: 849.
figſten in Anwendung , weil die zur Auflöſung beſtimm
ten Abtheilungen ſich nur ſelten bereits auf der Linie befin
den , wo die Rette formirt werden ſoll ; ſondern gewöhnlich
erſt aus einer růdwärtigen Stellung dabin beſtimmtwerden
müſſen .
Der zur Auflöſung beſtimmte Zug marſchirt geſchloſſen 830.
bis auf ungefähr 80 Schritte von der Linie, welche von
der Plänflerfette beſeßt werden ſoll, vor ; worauf die Auflös
fung nach Umſtänden rechts , links , oder rechts und
links, nämlid auf eine der mittle: en oder der inneren Rots
ten ſtattfindet.
Zur Formirung der Rette rechts vorwärts wird kom - 851.
Plan
mandirt : VIU .
» In die Kette vorwärts — rechts !« »Marsch !«
Hierauf rücken die linke Flügelrotte und der an dieſelbe
angeſchloſſene Unteroffizier des erſten Gliedes in gerader Nich
tung vor. Alle andern Rotten ziehen ſich während des Mars
fiches dergeſtalt rechts , daß die Männer des erſten Gliedes
auf 18 Schritte Entfernung von einander zu ſtehen kommen ,
welche Diſtanz hier nicht , wie bei der Formirung von der .0
Stelle aus, abgeſchritten werden kann , ſondern von der
216
Männern des erſten Gliedes nach dem Augenmaße zu beurs
thellen kommt.
862. Sobald die Rotten vollſtändig entfaltet ſind , und
die für ihre Aufſtellung gewählte , allenfalls durch Terrain
gegenſtände martirte linie erreicht haben , wird das Horn
fignal » Halt« geblaſen , » Kaſt« geſchlagen , oder : »Halt!“
zugerufen ; worauf die linke Flügelrotte ſogleich , die ans
dern aber nach Maß, als ſte mit derſelben in eine gleiche
Linie kommen , oder die zu ihrer Dedung günſtigen Terrains
gegenſtände erreicht haben , ſtehen bleiben , und die Männer
jeder Rotte unverweilt in die Kettenglieder- Stellung
r übergehen .
853. Zur Formirung der Rette links vorwärts wird koma
mandirt : .
Plan . » In die Kette vorwärts - links !« »Marsch ! « ;
VIII .
worauf alles auf die entgegengeſepte eite erfolgt.
854. Soll endlich die Rette auf eine mittlere, oder über
. haupt auf eine der inneren Rotten des Zuges formirtwer
den , ſo muß die betreffende Rotte vorerſt vom Zugs-Roms
mandanten bezeichnet werden ; wonach auf das darauf fol
gende Kommando :
Plan » In die Kette vorwärts, rechts und – links!“
VIII.
* »Marsch !« die bezeichnete Rotte in gerader Richtung vors
rüdt, während die von ihr rechts ſtehenden Rotten ſich auf
die h
die bekannte Art recht 8 , die linkøſtehenden aber links in
die Rette auflöſen . ' '
855 . Zur Erleichterung der Auflöſung wird es gut ſein ,
wenn der Zugs-Kommandant den an den Flügeln einge
theilten Unteroffizieren die Punkte angibt , wohin die Flügel
der Kette kommen ſollen , damit fie ſich gleich in jener Dia
reftion hinziehen .
806. : . Rückſichtlich der Aufſtellung der Unteroffiziere und ihrer
Obliegenheiten ', dann der Beftimmung eines Direktions
217
Rettengliedes , nach erfolgter Entwidlung der Rette , ends
lich des Benehmens beim Feuern , gelten die bei Formia
rung der Kette von der Stelle ' aus dießfalls feſtgeſekten in
Regeln .
Die Auflöſung hat in der Regel im Marſchtakte , jedoch 857.
ftets mit lebhaftigkeit zu geſchehen . Dieſe Gangart wird in
allen Fällen genügen , wo die Forinirung der Rette rechts
zeitig angeordnet worden iſt, und bietet den Vortheil,
daß der Mann nicht zu ſehr ermüdet oder erhißt wird , ſo
mit für ſeine Verwendung als Plänkler kräftig bleibt, und
die zum richtigen Zielen nöthige Ruhe bewahrt. Sollten es
aber die Umſtände erfordern , die Auflöſung im Lauftritte zu
vollziehen , ſo wird : „ Marsch — Marsch !« fommandirt.
In Fällen , wo die Rette mit größeren oder kleineren , 858 .
alß den für gewöhnliche Verhältniſſe vorgeſchriebenen Abſtän
den der Kettenglieder gebildet werden ſoll, iſt im Kommando
dazu , analog nad Nr. 1746 , vor dem : »Marsch !« die
Anzahl der Schritte auszuſprechen .
, S. 68.
- Marfoi der. Rette vora, rüd- und ſeitwärts. –
Feuern derſelben. ,
e

Beim Marſche einer Plänklerkette in gerader Rich -859.


tung vor- oder rådwårtø , wird die Direktion ſtets von
dem mittleren , nämlich dem Direttion 8'-Ketten
gliede abgenommen .
- Die Mitte der Rette, alſo aud das Direftions -Ret:860.
tenglied, muß etwas vorgeſchoben , die Flügel aber müſſen
verſagt werden , damit leßtere als die ſchwächſten Punkte
nicht ſo leicht vom Feinde bedroht werden können .
X18 Zeichen zum Antritte des Marſch es dor w årt8 861.
wird das Hornſignal: » Vorwärts« geblaſen , der General:
218

maridh geſchlagen , oder vom Zugs-Kommandanten : „ Vor


wärts !« zugerufen .
862. Hierauf rüdt die ganze Rette gleichzeitig vor , jedes
Kettenglied nimmt ſeine Richtung vom Direktions - Retten
gliede, und ſucht ſeine Diſtanz gegen jene Seite möglichſt zu
erhalten .
863. Will man , daß die Plänklerkette einen vor der Front
liegenden , zur Dedung günſtigen , vom Feinde noch nicht
beſeßten Terraingegenſtand möglichſt ſchnell erreiche, ſo wer:
ten das Direktion & Rettenglied und die demſelben
zunächſtſtehenden Rettenglieder angewieſen , im lauftritte oder
im vollen Laufe gegen jenen dedenden Terraingegenſtand
vorzurüden ; worauf alle andern Rettenglieder , welche ſtets
in gleicher Richtung mit dem Direftions-Kettengliede bleiben
müſſen , ein Gleiches zu thun haben . Hierzu wird in einem
durchſchnittenen und buſchigen Terrain oder bei nebligem
Wetter , wenn im lauftritte vorgerüđt werden ſoll, das
Signal: » Beſchleunigung“ (Eilſtreich ) gegeben , oder vom
Kommandanten : „Marsch – Marsch !« fommandirt ;
zur Vorrüdung im vollen laufe aber das beſagte Zeichen
dreimal nad ein ander wiederholt, oder : » Lauft!«
zugerufen .
864. In einem durchſchnittenen , feine freie Ausſicht geſtattens
den Terrain, bei nebliger Witterung u . ſ. w . müſſen die Rets
tenglieder beſonders bedacht ſein , ihre Verbindung mit dem
Direttions - Rettengliede fortwährend zu erhalten , damit ſich
keine Trennungen ergeben . Stoßen einzelne Rettenglieder
während der Vorrüdung auf Terraingegenſtände, welche fie
nicht durchſchreiten können , ſo umgehen ſie ſolche; ſuchen
jedoch nach bewirkter Umgehung gleich wieder ihre Vers
bindung mit dem Direktions- Rettengliede herzuſtellen . Deß
gleichen müſſen ſie in Waldungen , die etwa vorhandenen
kleinen Waldblößen , mit Aufgeben der Intervalle , rechts
219
oder links zu umgeben trachten , damit ſie fich dem Feuer
des Gegners nicht ohne Noth bloßſtellen .
. Befindet ſich die Rette im Feuer, ſo iſt das Be- 865.
nehmen im Weſentlichen dasſelbe , jedoch haben die Männer
eines jeden Kettengliedes auch noch die in Nr. 816 bis 819
enthaltenen Vorſchriften , bezüglich ihrer wechſelſeitigen Unters
ſtüßung zu beobachten .
Soll die Vorrúdung eingeſtellt werden , ſo wird das 866 .
Kornſignal : » Halt« geblaſen , »Raſt« geſchlagen , oder vom
Zugs-Kommandanten : „ Halt!« zugerufen ; worauf die Kette
ſtehen bleibt, und die Männer jedes Gliedes fich möglichſt
gut zu decken trachten .
Als Zeichen zum Rüdzug e dient das Hornſignal: 867.
» Burick « (der Retraiteſtreid ) , oder es wird : » Zu
rück !“ zugerufen .
Iſt die Rette nicht im Feuer, oder iſt das Feuer 868.
mittelſt des hierzu beſtimmten Hornſignales oder Trommelzeis
chens eben eingeſtellt worden , ſo macht auf das Signal :,
» Burück « , die ganze Rette zugleich febrt euch , und bes
nimmt ſich während des Küdmarſches , rüdſichtlich der gegen
das Direktions -Kettenglied einzuhaltenden Richtung u. . w .,
auf ähnliche Weiſe, wie beim Marſche vorwärts. Demnach
wird es auch in Fällen , wo die zurüdmarſchirende Rette,
3. B . einen rüdwärtigen , zur Deckung günſtigen Terrain
gegenſtand ſchnell erreichen ſoll, in einem offenen Terrain ge
nügen ,das Direktion 8 - Rettenglied und die demſelben
zunächſtſtehenden Rettenglieder anzuweiſen , fich im
Lauftritte dahin zu begeben ; weil alle anderen Ketten
glieder hierauf zur Erhaltung der beiläufigen Richtung ein
Gleiches thun müſſen .
Ein ſolches ſchnelles, gleichzeitiges Zurüdeilen der gan- 869.
zen Kette kann vorkommen , wenn dieſe, während des Rüd :
juges in einem durchſchnittenen Terrain , plößlich auf ganz.
220 ,
offene, keine Dedung gewährende Stellen kömmt. In einem
ſolchen Falle wird nach Lhunlichkeit das Feuer ganz einges
ſtellt , und getrachtet , mit der ganzen Rette ſo ſchnell als
möglich eine rückwärtige , Schuß bietende Aufſtellung zu ges
winnen ; weil es unangemeſſen wäre, in einem offenen Terrain
ohne Noth lange zu verweilen und mit dem gededt ſtehen
den Gegner ein Feuergefecht zu unterhalten .
870 . Geſchieht der Rüdzug im Feuer , ſo macht auf das
Signal: » Burück « nicht mehr die ganze Rette tehrt
eud ; ſondern die Männer jedes- Rettengliedes gehen nach
Nr. 820 bis 823 ſucceſſive zurüd, ſammeln ſich aufungefähr
40 Schritte rüdwärts wieder in Kettenglieder, und treten dann
- neuerlich den Rüdzug an.
871. 1 . Zur Markirung der linie , in welcher ſich die Ketten
glieder ſammeln , nämlich wieder aufſtellen ſollen haben
jederzeit die Unteroffiziere , und zwar der des Direktions.
Kettengliedes zuerſt, und dann jene, welche hinter den Flü
geln ſtehen , zurüczueilen , und einen zur Aufſtellung geeig
neten , ungefähr 40 Schritte von der Kette entfernten Punkt
fürzuwählen . '
872 . Bildet die Rette einen Kreisbogen , ſo darf der Rücks
zug nicht konzentriſch ſtattfinden , ſondern die Plänkler haben
in gerader , d . h. gegen die Sehne des Bogens ſenkrechter
Richtung zurückzugehen .
873. · Erfolgt während des Rückzuges das Signal : » Halt«,
ſo formirt ſich die Kette auf der vorderſten , nämlich dem
Feinde zunächſtſtehenden Plänflerlinie , und jeder Mann
ſucht ſich möglichſt gut zu decken .
874 . Die hier beſchriebene Art des Rüdzuges hat übrigens
nur in ſolchen Fällen in Anwendung zu kommen , wo man
vom Feinde nicht ſtart gedrängt wird ; wogegen bei einem
ungeſtümen Vorrüden des Gegners der Rüdzug mit einer
doppelten Rette, - worüber im S. 76 bas Nähere vors
221
kömmt, - angemefſener erſcheint, mithin auch vorzugsweiſe
empfohlen wird.
. Zum Seitenmarſche rechtswird das Signal : 875.
> Rechts* , (die Lagwa che) , zum Seitenmarſche
links das Signal: » Links« , (der Schanzſtreich)
gegeben , oder im erſteren Falle : » Marsch rechts !« , im
leßteren : »Marsch links!« zugerufen . Hierauf vollführt
jeder Mann der Plänklerkette die Wendung nach der bezeich
neten Seite , tritt den Marſch in der dadurch erlangten Richard
tung an , und ſucht den Abſtand von dem vor ihm marſhiren
den Manne oder Kettengliede unausgefeßt zu erhalten .
Die Direktion des Seitenmarſches , ſo wie die mehr 876 .
oder weniger zu beſchleunigende Gangart, wird von dem an
der Tête marſchirenden Rettengliede abgenommen , welches
der dort befindliche Unteroffizier dem Lerrain und den Um
ſtänden gemäß zu führen hat.
Soll während der Seitenbewegung, gefeuert werden , 877.
ſo benehmen fich die Männer jedes Rettengliedes nach der
in Nr. 824 gegebenen Weiſung.
Wird das Signal : »Halt« gegeben , oder : » llalt!« zu - 878 .
gerufen , ſo bleibt die Rette ſtehen , und jeder Mann nimmt
Feine urſpringliche Front wieder an.
Zu der Ziehung vorwärts. wird dem Signale : 879.
> Vorwärts« jenes Rechts« oder Links“ angehängt, ober
vom Zugs - Kommandanten : » Ziehung rechts ! (links!)
zugerufen .
. .. Zur Ziehung rüdwärts wird das Signal : » Rechts « 880.
oder » Links “ mit angehängtem Signale : Burück gege
ben , oder vom Zugs - Kommandanten : » Ziehung rechts
(links) rückwärts !« zugerufen.
Die Signale: » Bedts« oder » Links « behalten hierbei 881.
dieſelbe Bedeutung wie bei der Ziehung vorwärts; das
222
her alle Männer der Kette die Wendung nach der bezeichneten
Richtung vollführen , und ſogleich die Ziehung antreten .
882. Dem Unteroffiziere an dem ziehenden Flügel iſt
ein der beabſichtigten forågen Marſdrichtung entſprechender
Gegenſtand als Direktionsobjekt zu beſtimmen , gegen
welches er das Flügel - Rettenglied leitet, nad welch' Teftes
rem fich alle übrigen Kettenglieder während der Ziehung zu
richten , und ihre Abſtände einzuhalten haben.
883. Die hinter der Kette eingetheilten Unteroffiziere , beſons
ders die des nachziehenden Flügels , ſehen darauf, daß die
Ziehung ſtets parallel mit der verlaſſenen Frontlinie geſchehe,
der nachziehende Flügel fich nicht vorſchwenke , und daß die
Diſtanzen zwiſchen den Kettengliedern eingehalten werden .
Dieſe Beobachtung wird dann um ſo nothwendiger, wenn die
Ziehung im Feuer ausgeführt wird, oder die Flügel der Rette
zurüdgebogen ſind ; daher der Kommandant, beſonders in
einem buſchigen Terrain , wenn es nöthig iſt, » Halt« blaſen ,
oder » Raft« fchlagen , die Ordnung der Kettenglieder wie
der herſtellen , und dann die Ziehung neuerdings beginnen
“ zu laſſen hat.
884 . Wenn die Ziehung in einem , von der ſenkrechten Direks
tion nur wenig abweichenden Winkelvor fich gehen ſoll, ſo ift
hierzu kein Signal blaſen , bezüglich trommeln zu laſſen ;
fondern der bei dem Direktions- Rettengliede be
findliche Unteroffizier anzuweiſen , diefes Rettenglied auf das
neu gegebene Direktionsobjekt zu leiten .
885. Soll die Rette aus der Ziehung wieder in die ſenkrechte
Marſchrichtung übergeben , ſo wird hierzu bei der Ziehung
vorwärts das Signal: » Dorwärts« , bei jener nach růds
wärts das Signal : » Burük « gegeben , oder som Zugs
Kommandanten in beiden Fällen : »Grad - aus i« zugerufen ;
worauf die Leitung des Vor- oder Rüdmarſches wieder vom
Direktions - Rettengliede ausgeht.
223

Geſchieht die Ziehung im Feuer , ſo benehmen fich 886 .


die Männer jedes Rettengliedes nach Nr. 825 und 826 .
Wird während der Ziehung das Signal : » Halt« gege- 887.
ben , oder : » Halt !« zugerufen , ſo bleibtdie Kette ſtehen ; fand
jedoch die Ziehung nach rüdwärts ſtatt, ſo wird bei dem
Halten ſogleich wieder Front gegen den Feind gemacht. '
Als Kegel für den Übergang aus einer Marſ( rich- 888,
tung der Kette in eine andere wird feſtgefeßt, daß ein fol.
cher Übergang während der Bewegung und ohne voraus
gegangenem » Halt« , nur aus dem geraden Vorrüden oder
Kūdzuge in die Ziehung , und umgekehrt aus der Ziehung
in die gerade Maríddirektion ſtattfinden dürfe. In allen ans
deren Fällen aber , wo aus dem Vorrüden in eine Seiten :
bewegung oder in den Rüđzug, aus einer Seitenbewegung
in den Marſch vorwärts oder zurück , endlich aus dem Rüds
zuge in eine Seitenbewegung oder in das Vorrüden übers
gegangen werden ſoll - gleichviel ob im Feuern oder ohne
folches , — muß ſtets vorher die Bewegung durch das Signal: '
» Halt« oder den Zuruf: » Halt !« eingeſtellt, und dann erft
tie beabſichtigte veränderte Marſchrichtung mittelſ des bes
züglichen Signales oder Zurufes angeordnet werden .
Übrigens wird bemerkt , daß weder das Einſtellen oder 889 .
Beginnen des Feuers einen Einfluß auf die Fortſeßung einer
bereits angetretenen Bewegung ausübt, noch umgekehrt bie
Anordnung einer Bewegung das Beginnen des Feuers , oder
das Einſtellen des allenfalls ſchon begonnenen mit fich führt ;
ſondern hierdurch lediglich das Benehmen der Männer in
jedem Kettengliede ſich ändert.
: S. 69.
Erweitern und Verengern der Intervalle
zwiſchen den Kettengliedern.
Die Rette ſtößt während ihrer Bewegungen häufig auf 890.
Hinderniſſe, welche in ſo ausgedehnter Formation nicht über
. 224
no ſchritten werden können . In ſolchen Fällen wird daher die
ganze Kette, oder jener Theil derſelben , dem die Hinderniffe .
im Wege ſtehen , die bisherigen Intervalle zwiſchen den Ket
tengliedern verengern müſſen . Das Nämliche muß auch dann
geſchehen , wenn ein Angriff auf einen , von feindlichen
Plänklern befekten Punkt , von welchem man ſie ſchnell ver
treiben will, beabſichtigt , oder eine hartnäckige Lokalverthei
digung ohne Beiziehung der Unterſtüßungen , durch die Um
ſtände nothwendig wird .
891. Dagegen wird ein Erweitern der Intervalle eintreten
müſſen , wenn die Kette im Vorrüden an Gebüſche, Wälder,
hohes Getreide u . f. w . gelangt, wo eine Durchſuchung in
weiterer Ausdehnung nothwendig wird .
892. Dieſes Erweitern oder Verengern der Intervalle kann
von der Mitte aus rechts und links , bezüglich von beiden
Flügeln gegen die Mitte , oder aber blos nach einer Seite
hin ausgeführt werden , und geſchieht auf ähnliche Art wie
die Formirungen der Rette von der Stelle aus und sors
wärts .
893. In einer ſtehenden Kette haben ſich die Kettenglieder,
mittelft der Wendung rechts - oder link&um , durch den Seis
tenmarſch bis auf die nach dem Augenmaße zu beurtheilende
entſprechende Diſtanz zu öffnen oder zu ſchließen ; in einer
vorrüdenden , oder im Rückzuge begriffenen Kette aber ſich ſo
lange rechts oder links zu ziehen , bis fte die größeren oder
kleineren Abſtände erreicht haben .
894. Die Anordnung zum Erweitern oder Verengern der In
tervalle erfolgt entweder mündlich mittelſt des Zurufes::
Rechts und links öffnen !« »Links und rechts schliessen !«,
oder mittelft der Hornſtgnale : » Oeffnen , oder : » Schließen «,
die , wenn eines derſelben allein geblaſen wird , andeuten ,
daß das Erweitern oder Verengern auf die Mitte zu ge:
ſchehen habe. ;
286
Um aber das Erweitern oder Verengern bloß gegen eine 896.
Seite hin , nämlich rechts oder linf8 . anzubefehlen , ruſt
der Kommandant entweder zu : » Rechts ( links) öffnen ! «
oder : » Rechts (links) schliessen !« , oder er låßt dem Sig
nale : » Oeffnen “ oder jenem : » Sdhließen « eines der Signale :
> Hetta« oder : » Jinks« anhängen , wodurch angedeutet wird , ;
nach welcher Seite fin das Öffnen oder Schließen erfol.
gen ſoll.
In der Regel hat, ſowohl auf die Hornſignale als auf896 .
den ergangenen Zuruf, das Erweitern der Intervalle auf das
Doppelte, das Verengern auf die Kålfte ihrer bisherigen
Schrittlänge zu geſchehen . Machen aber die Umſtände eine
Abweichung hiervon nothwendig , ſo müſſen die hinter der
Kette befindlichen Chargen davon verſtändigt werden , welche
dann der Kette durch Zurufen die nöthige Weiſung zu geben
haben ; oder es kann auch , wenn das zuerſt angeordnete Er
weitern oder Verengern ſchon im Zuge iſt, das bezügliche
Signal wiederholt werden , was dann bedeutet, daß das
Erweitern oder Verengern in höherem Grabe ſtattfinden ſoll.
In den meiſten Fällen werden die Chargen ſchon aus 897 .
der Veran laſſung zum Erweitern oder Verengern der In
tervalle entnehmen können , welcher Grad des Erweiterns
oder Verengerns nothwendig eintreten müſſe, um hiernach
die Kettenglieder anzuweiſen ; wie z. B . wenn ein An
griff mit dem Bajonete bevorſteht, oder wenn die Terrainges
ftaltung ein Ausdehnen oder Zuſammenziehen der Rette noth
wendig macht u . f. w .
überhaupt haben die Unteroffiziere hierbei ihre Auf-898 .
merffamkeit auf die obwaltenden Verhältniſſe zu richten , mit
einer gewiſſen Selbftftändigkeit einzuwirken , und beſonders
während des Erweiterns und Verengerns der Intervalle im
Marſche , darauf zu ſehen , daß die parallele Vorrüdung
mit der verlaffenen Frontlinie ununterbrochen erhalten
Abrichtungs-Regl. f. d . Inf.
15
226

werde, und daß nicht ein oder der andere Flügel vor
prelle.
. 70.
Vor- oder Zurüdnahme der Flügel der Rette.
899. In Fällen wo man die ganze Kette , oder einen Theil
derſelben , eine ſchräge Linie annehmen laſſen will, wie z. B.
um einen in ſolcher Richtung vor oder hinter der Front lie:
genden günſtigen Terraingegenſtand zu gewinnen , des Fein
des Flanke zu bedrohen , oder deſſen Stellung zu überflügeln
u . dgl., ordnet der Kommandant die Vor- oder Zurüdnahme
des betreffenden Flügels mittelſt der entſprechenden Horn
fignale oder durch das Zurufen an ; worauf entweder von
der ganzen Rette, oder von dem bezeichneten Theile derſelben ,
die erforderliche Direktionsveränderung mittelft der Schwen
kung vor- oder rüdwärts ausgeführtwird.
900 . Während der Bewegung müſſen die Pläntler ſucceſſive
die ſchräge Stellung annehmen , und die Kettenglieder ihre
Diſtanzen gegen den Pivot hin , die beiläufige Richtung aber
gegen den ſchwenkenden Flügel fortwährend erhalten ; wors
auf die hinter der Kette eingetheilten Chargen unausgeſeßt
zu ſehen haben . Überhaupt hängt die richtige Ausführung
dieſer Bewegung hauptſächlich von der geſchidten Führung
dieſer Chargen ab; daher ſie hierbei ihre volle Thätigkeit
aufbieten müſſen , um die Kettenglieder der jeweiligen Abs
ficht gemäß entſprechend zu leiten .
901. Coll die ganze Rette eine Direktionsveränderung rechts
vorwärts vollführen , nämlich der linke Flügel vorgeſcho
ben werden , ſo wird das Aviſo - Signal : » Linker Flügels,
und gleich darauf das Signal : » Vorwärts« geblaſen , oder
die Benennung der Horn -Signale zugerufen . Hierauf ſchwenkt
die ganze Reite, während das äußerſte Rettenglied des rech ,
te u Flügels den Pivot bildet, fo lange rechts , bis die bes
227
abſichtigte ſchräge Aufſtellungslinie:erreicht iſt , worauf, wenn
dieſe Linie nicht ſchon durch einen Terraingegenſtand bezeich
net iſt , das Signal : » Halt« geblaſen , » R aſt« geſchlagen
oder : » Halt!« zugerufen wird.
Beabſichtigt man die ganze Kette eine Direktionsverän- 902,
derung links vorwärts ausführen zu laſſen , ſo werden die
Signale: „Begter Flügel« und : » Dorwärts« geblaſen , oder
die Benennung der betreffenden Hornſignale zugerufen ; mor: . '
auf die Linksſchwenkung mit den analogen Beobachtungen
ftattfindet.
Will man eine Direktionsveränderung der ganzen Kette 903
techte (links) rüd wärts durch Verſagen des rechten
(linken ) Flügels vornehmen , ſo wird ſolches mittelſt der
Signale : » Rechter ' (linker) Flügel“ und : Burück « ,
oder durch das Zurufen der Benennung der betreffenden Horn
ſignale angeordnet; wornach die rüdgängige Bewegung ana: . ;
381
log der für jene vorwärts gegebenen Regeln , bis zum erfol- '
genden : » Halt« ausgeführt wird. '
. Deßgleichen kann auch die Drehung der ganzen Kette 904.
auf dem Direktions- oder einem andern mittleren Kettengliede
ftattfinden ; in welchem Falle ein Theil der Kette vors , der
andere aber zurüdgeht,und hierzu durch die bezüglichen Sig
nale oder Zurufe angewieſen wird .
: Sold endlich nur ein Theil der Kette vorgeſchoben oder 905 .
verfagt, ſomit eine Hakenſtellung angenommen werden , ſo
muß vorerſt dasjenige Kettenglied , welches den Pivot der
Schwenkung bilden ſoll , bezeichnet werden ; worauf der be:
treffende Theil der Rette die Bewegung auf ähnliche Weiſe
vollführt, wie es bei der Direftionsveränderung mit der gan
zen Rette erklärt worden . Durch die entſprechenden Horn
ſignale fann ferner auch ein beliebiger Flügel zum Halten , ' ?
der andere zur Vors oder Zurücknahme angewieſen werden .
Geſchieht das Vor- oder Zurücnehmen eines Flügele
15 *
228
während die Kette im Feuern begriffen iſt , ſo kommt zu
bemerken , daß die betreffenden Männer des vor- oder zu :
rüdzunehmenden Flügels , zum Feuern oder nach abgeges
benem Schuſſe , verhältnißmäßig weiter vors , oder zurücgea
hen müſſen , als die dem Pivot näher befindlichen .
S . 71.
· Angriff mit dem Bajonete.
906 . Sollen feindliche Plänkler aus irgend einer vortheil
haften Aufſtellung , z. B . aus einem Graben , von einem
Waldrande , einer Bede u . dgl. vertrieben werden , fo kann
dieß in der Regel nicht bloß durch ein Feuergefecht er:
zielt werden ; weil der durch Terraingegenſtände geſchüßte
Gegner durch das Feuer nur wenig oder gar keinen Scha
den erleidet. In ſolchen Fällen wird demnach zum Angriffe
mit dein Bajonete geſchritten .
907. Hierzu müſſen vor Allem diejenigen Punkte der Aufftellung
Plan IX:• des Gegners ausgemittelt und bezeichnet werden , welche einen
Angriff begünſtigen . Gegen jeden dieſer Punktewird eine gewiffe
Anzahl Kettenglieder dirigirt, welche ſich, ſobald das Signal :
» Storm “ zum erſtenmal geblaſen , oder der Sturmftreich
geſchlagen wird, in einen unregelmäßigen Haufen zuſammen
ziehen und zugleich ohne Verzug das Bajonet pflanzen , falls
dieß nicht ſchon auf ein mündliches Aviſo geſchehen wäre. Ob
nur auf einen , oder aufmebrere Punkte der feindlichen
Aufſtellung der Angriff, fomit die Vereinigung der Kettens
glieder geſchehen ſoll , hängt von Umſtänden ab ; jedenfalls
muß aber getrachtet werden , daß die Pläntler dort, wo fie
eindringen ſollen , den feindlichen an Zahl überlegen ſeien,
daher die Pläntler eines Zuges, wenn er nicht ſehr ſtark ift,
nur in feltenen Fällen zu theilen ſein werden .
908. Die Vorrückung geſchieht auf das Signal: » Bor
wärts,« bezüglich den Generalmaridy, im lebhaften Marſchs
tempo , mit dem Gewehre in der Balance , ohne zu
229
feuern ; wobei, um die Angreifenden zu dein ' bevorſtehen
den entſcheidenden Rainpfe anzufeuern , während des Vors
rüdens das Sturmſignal in etwað mäßigerem , doch lebhaf
ten Marſchtempo als Sturmmarſch zu blaſen , bezüglich zu
fchlagen iſt.
Die Unteroffiziere , oder wenn die ganze Rette gegen 909.
einen Punkt ſtürmen ſoll, der Zug8-Kommandant, bilden
die Vereinigungspunkte für die Kettenglieder , und führen
dieſe gegen die zum Angriffe augerſehenen Punkte.
Auf 50 bis 60 Schritte von der feindlichen Stellung 910.
angelangt, wird das Signal : » Sturm « in möglichſt heftigem
Lempo zum 3weiten Male geblaſen , bezüglich geſchla
gen , oder : » Fällt das — Bajonet!« fommandirt ; wors
auf das Bajonet gefällt, undmit Ungeſtüin und Entſchloſſen
heit auf den Feind eingedrungen wird .
Aus dem Geſagten geht hervor , daß jedem Bajonet- 911.
Angriffe eine entſprechende Dispoſition vorangehen
müſſe, und daher ein bloßes Darauflosgehen und Blaſen oder
Schlagen des Sturmſignales feineswegs hinreicht. Übrigens
hat jede zum Angriffe vorrückende Plänklerkette , durch das
Nachrüden geſchloſſener Abtheilungen unterſtüßt zu werden ;
worüber im Ererzir-Reglement das Nähere vorkommt.
Haben ſich die Plänkler in Befiß des vom Feinde ver- 912.
laſſenen Terraingegenſtandes gefeßt, und ſollen ſich dieſel
.. ben dort neuerlich in eine Kette auflöſen , ſo wird das Sig
nal : » Auflöſen « geblaſen , Raſt geſchlagen , oderdie Auflös
fung mündlich angeordnet. Iſt der Angriff mißlungen , ſo
müſſen ſich die Plänkler ſo weit zurüdziehen , bis ſie außer
dem Ertrage des feindlichen Gewehrfeuers gelangt ſind, wor
auf ſte fid erft den Umſtänden gemäß neuerlich ordnen .
Wird dagegen ein , von einer Plänklerkette beſeßter 913.
Graben oder ſonſtiger Terraingegenſtand vom Feinde anges
griffen ; ſo ſammeln ſich die Kettenglieder in gebrängterStels
230
lung auf jenen Punkten , gegen welche der Feind vorrüdt,
damit ſie ihm dort um ſo fräftiger Widerſtand zu leiſten
vermögen .
$. 72.
Formirung der Klumpen zur Bertheidigung
gegen Ravallerie.
914. Zur Vertheidigung gegen Kavallerie formiren ſich die
Plånfler , wenn ſie nicht ſchon durch einen Graben , eine
Heđe u . dgl. vordem Angriffe geſchüßt find, in Blumpen,
d . h . fie ſammeln ſich in unregelmäßige , kreisförmige Haus
fen . Auf das Hornſignal: » Klompen « , ten Trommels
ſtreich : » Kuf« , oder den Zuruf: »Klumpen !« pflanzen ſos
gleich alle Plänkler das Bajonet und vereinigen ſich im vollen
Lauf in Klumpen . Iſt die feindliche Kavallerie noch ſo weit
entfernt, daß hinlängliche Zeit vorhanden iſt, die Plänkler
in einen Klumpen zu ſammeln , ſo geſchieht dieß in der
Regel dort , wo das Direktions - Rettenglied fich befindet,
oder in deſſen Nähe. Hierzu ſind vorzüglich folche Punkte zu
wählen , wo ein Baum , eine Grube, ein Graben , ein Erd
haufen , ein Zaun u . ſ. w . wenigſtens von einer Seite Des
dung gewährt. Der Zugs- Kommandant, an welchen ſich der
vorhandene Horniſt oder Tambour anſchließt , bezeichnet
durch Erhebung des Säbels , oder wenn er ein Unteroffis
gier iſt, durch jene des Gewehres, ſeinen Standpunkt, und
ſonach den Ort , wo der Klumpen zu formiren iſt. Um ihn
reihen ſich die Schüßen , und um dieſe ringsumber die übrige
Mannſchaft – ohne Gedränge - dergeſtalt, daß ihre Front
einen Kreis nad auswärts bildet. Das Gewehr hält jeder
Mann nach der beim Bajonetfechten zur Vertheidigung ges
geil den mit dem Säbel bewaffneten Reiter
enthaltenen Weiſung.
916. Was das Benehmen bei der wirklichen Vertheidigung
des Klumpens betrifft, ſo laſſen ſich hierüber feine bindenden
231
Vorſchriften geben ; da dieſes von Umſtänden abhängt, mits
hin dem Urtheile des betreffenden Kommandanten überlaſſen
bleiben muß. Grundſaß bleibt es jedoch , daß die Mann
ſchaft nur aufBefehl des Kommandanten ſchießen dürfe, und
daß das Feuer bis auf den lebten Augenblic , wo die feinds
lichen Reiter nur mehr 40 bis 50 Schritte entfernt find, . ..
aufgeſpart werden müſſe ; weil dieß das geeignetſte Mittel
iſt, um dem Gegner zu imponiren , und falls er wirklich
eindringen wollte , ' ihm einen empfindlichen Verluſt beis
zubringen .
Nahen ſich dem Klumpen nur einzelne Reiter in 916.
der Abſicht das Feuer abzuloden , ſo läßt der Kommandant :
einige gute Schüßen auf 10 bis 12 Schritte aus dem Klums
pen vortreten und auf dieſe feuern , wobei jedoch vorzugsweiſe
die Pferde zum Zielpunkte gewählt werden müfſen .
Soll ſich der Klumpen vors, Feit- oder rüdwärts bewes 917,
gen , um einen zur Vertheidigung günſtigen Aufſtellunge
punkt zu erreichen , ſo geſchieht dieß auf Anordnung des Rom
mandanten . Hierzu tritt derſelbe aus dem Klumpen hers
aus auf jene Seite , wohin er zu marfchiren beabſichtigt,
und kommanbirt: » Klumpen ! - Marsch !«, »Klumpen
rechts (links) ! - Marsch !« oder : » Klumpen zurück ! —
Mursch !« ; worauf die Mannſchaft ſchultert , die zu der
Ausführung der anbefohlenen Bewegung erforderliche Wen
dung macht, ſofort austritt , und dem vorausgehenden Kom =
mandanten folgt. Dieſer dirigirt nun den Marſch des Klum
pens , und die Mannſchaft muß beinüht ſein , demſelben in :
möglichſt geſchloſſener Ordnung auf dem Fuße zu folgen .
. Hierbei darf jedoch durdjaus fein gedrängtes , den 918.
Maridh nur erſchwerendes Beiſammenbleiben der Peute gefor:
dert werden , indem die Bewegungen des Klumpens doch
nur bei einiger Entfernung der feindlichen Reiterei ausges
führt werden können ; ſomit immer hinlängliche Zeit erübrigt,
232

um auf das Kommando : »Halt ! Front!* die zur Ver


theidigung erforderliche geſchloſſene Stellung anzunehmen .
Ein zaghaftes Schleichen während der Bewegung würde nur
den Marſch verzögern , und überdieß den Muth. des Gegners
ſteigern .
919. Erſcheint die feindliche Meiterei ſo plößlich , daß die
Zeit nicht hinreichen dürfte , um die ganze Kette in einen
Klumpen zit verſammeln , fo vereinigen " fich je zwei, drei
oder vier Rettenglieder ; wozu die Unteroffiziere die Vereini
gungspunkte markiren , und ſich in der Mitte der Klumpen
Di aufſtellen .
920. Das Benehmen bei der Vertheidigung und Bewegung
dieſer kleinen Klumpen iſt dasſelbe, wie bei der Formis
rung eines einzigen , aus dem Zuge gebildeten Klumpens
erklärt worden . Es wird hier nur noch erinnert, daß ſolche
kleine Klumpen jede Gelegenheit, ſich mit einem anderen
: in der Nähe befindlichen Klumpen zu vereinigen , oder ſich
hinter irgend einem dedenden Terraingegenſtand zu ſchü
Ben , ſogleich benüßen müſſen .
931. Sol nach erfolgter Entfernung der Feindlichen Kavallerie
die Rette wieder formirt werden , ſo läßt der Kommandant das
Signal: » Auflöſen « blaſen , Einen Ruder und 4 eins
: fache Streiche ſchlagen , oder aviſirt : » In die Kette !« ;
: worauf die Plänkler die früher innegehabte Aufſtellung eins
- nehmen , und wenn nichts anderes befohlen wird, das Bajos
: net verſorgen . . . .
932 . Wird ein in geſchloſſener Ordnung aufgeſtellter Zug von
feindlicher Kavallerie angegriffen , ſo formirt derſelbe gleich
: falls einen Klumpen . Der Zugs -Kommandant aviſirt , nach:
dem das Bajonet gepflanzt, und die Rotten , falls ſie geöffnet
wären , geſchloſſen worden : » In den Klumpen !« ; worauf die
Männer des dritten Gliedes kehrt euch machen , und ſos
dann die in der Mitte des erſten und dritten Sliedes ſtehen :
233
den etwas weniges vors, die Flügelrotten aber gegen die
Mitte des Zuges etwas zurüdtreten ; dergeſtalt , daß die
Männer des erſten und dritten Gliedes einen zuſainmenhån :
genden Kreis bilden . Die Männer des zweiten Gliedes fors
miren nebſt den Unteroffizieren einen zweiten , inneren Kreis,
in deſſen Mitte fidh der Zugs - Rommandant mit dem
Horniſtea , bezüglich Lambour, aufſtellt. Die geſammte Mann
fchaft nimmt ohne Kommando die Gewehre auf die in
: Nr. 914 erwähnte Art.
Zur Wiederformirung des Zuges erfolgt das Aviſo : 983 .
„ In den Zug !« worauf jeder Mann ſogleich ſchultert, wieder
die für geſchloſſene Ordnung ihm zukommende Aufſtellung
annimmt, und das Kommando zum Verſorgen des Bajos
netes abwartet.

$ . 73.
Rallirung oder Verſammlung der Plåntler
in die geſchloſſene Ordnung.
Eine der nothwendigſten Eigenſchaften jeder zur Ver- 924.
wendung für das Gefecht in zerſtreuter Ordnung beſtimmten
Truppe beſteht darin , daß dieſelbe im Stande fet, fich aus
der aufgelöſten Ordnung ſchnell wieder in die geſchloſſene
zu formiren .
Die Rallirung der Kette in den Zug geſchieht auf 985.
das Hornſignal : » Samiseln « (das Trommelzeichen Vers
gatterung), oder auf den Zuruf des Zugs - Romman
danten : »Sammeln !« ; worauf jeder Plänkler das Ge
wehr in die Balance nimint, und dorthin läuft , wo der
Horniſt bläſt , oder wo der Zuruf erfolgt iſt. Die Forinis
rung in den Zug geſchieht nach der im $. 41 gegebenen
Anleitung . .
234
wo i

. $. 74 . . . .
Nåumung der Front. '
926 . Befindet fich die Plänklerfette vor einer in geſchloſſe:
ner Ordnung aufgeſtellten Truppe, und ſoll die Front dieſer
Truppe möglidſt ſchnell geräumt werden , damit ſolche uns
gehindert auf den anrüđenden Feind feuern oder denſelben
mit dem Bajonete angreifen fönne , ſo wird das Signal:
Sammeln « dreimal ſchnell nacheinander geblaſen ,
(der Allarmſtreich geſchlagen ) , auf welches Zeichen die
Plänkler ſogleich das Gewehr in die Balance nehmen , und
ſchräge gegen die beiden Flügel der rückwärts aufgeſtellten
Truppe laufen ; ſo zwar, daß fich alle von dem Direktions
Rettengliede links ſtehenden Plänkler um den linken Flügel,
die anderen , nebſt dem Direktions - Rettengliede, um den
rechten Flügel herumziehen .
927. Beim Anlangen hinter den Flügeln der geſchloſſenen
Abtheilungen werden die Plänkler geſammelt, geordnet und
ſofort den Umſtänden gemäß verwendet.

$ . 75.

Ablöſung der Rette.


928. Bei anhaltendem Plänklerfeuer muß die Kette öfter abs
gelöſt werden , damit fich die Mannſchaft erholen und die
Gewehre reinigen könne, ſo wie auch die verſchoſſene Mus
nition erſeßt werde.
989. Zur Übung der Ablöſung , ſo wie der in den zwei
nachfolgenden SS. enthaltenen Vorſchriften für die Verſtär
fung der Rette , dann die Paſſirung eines Defilées , inüfſen
ſtets zwei Züge verwendet werden , von welchen abwechſelnd
der eine in eine Plänklerkette aufgelöſt, der andere aber auf
235
ungefähr 180 bis 200 Schritte hinter der Mitte der Kette
als Unterſtüßung aufgeſtellt wird. Bei den Friedensübungen
kann dieſe Entfernung nach Umſtänden etwas vermindert ?
werden , jedoch nicht zu ſehr, weil ſich ſonſt die Truppe an
dieſe fehlerhaften Diſtanzen gewöhnt.
. Bei dem als Unterſtüßung aufgeſtellten Zuge müſſen 930.
jederzeit die Rotten geöffnet , d. h . eine Kotte von der an
deren auf einen Schritt Abſtand geſtellt werden ; weil
hierdurch die Beweglichkeit des Zuges in jeder Richtung, ſo
wie in jeder Terraingattung, namentlich in Waldungen , im
Geſtrüppe , bei Paſſirung von Gräben und Hecen , beim
Erſteigen ſteiler Ravins u . dgl., ungemein gefördert wird ;
überdieß auch die Auflöſung in die Rette ſchneller und mit
mehr Leichtigkeit als aus der geſchloſſenen Ordnung bewirkt
werden kann .
Dieſes Öffnen findet ſtets auf eine mittlere Rotte ſtatt. 931.
Auf das Kommando : » Rechts und links öffnet - euch !«
bleiben die Männer der hierzu beſtimmten mittleren Rotte
ſteben , während die der rechts von ihnen ſtehenden Rot
ten , ohne eine Körperwendung zu vollführen , ſo lange rechts,
jene der links von ihnen ſtehenden Rotten aber ſo lange
links ſeitwärts treten , bis erſtere auf einen Schritt Diſtanz
von ihrem linken , leßtere von ihrem rechten Nebenmanne
gelangen ; wobei jedoch die Unteroffiziere auf den Flügeln
an ihre Nebenmänner angeſchloſſen bleiben .
Zum Schließen vollführen auf das Rommando: » Links 932.
und rechts schliesst - euch !« die Unteroffiziere und die
Männer der betreffenden Rotten die Wendung rechts - oder
linksum , treten ſogleich aus, und ſchließen ſich wieder Elen:
bogen an Edenbogen gegen jene mittlere Rotte , auf welche
das Öffnen bewerkſtelligt wurde.
Sit die Aufſtellung des einen Zuges in die Rette, des 933.
anderen aber als Unterſtüßung erfolgt, ſo wird auf das Horn
236
· Signal : » Ablöſung«, oder das Aviſo : » Ablösen « auf nach:
-folgende Weiſe zur Übung der Ablöſung geſchritten :
934. Der Kommandant des Unterſtüßungszuges weiſet die
mittlere Rotte dieſes Zuges an , auf das darauf folgende Roms
mando : Zur Ablösung !« » In die Kette vorwärts, rechts
und - links !“ — » Marsch !« in gerader Richtung gegen
das Direktions-Rettenglied der vorwärts ſtehenden Kette vor:
zurüden , und fich daſelbſt derart aufzuſtellen , daß jeder
Mann des neuen Kettengliedes neben den Mann des alten
zu ſtehen komme; während alle anderen Rotten ſich auf die
bekannte Art fächerartig ausbreiten , zu den ihrer Stel.
lung entſprechenden Kettengliedern begeben , und fich dort,
wie für das Direktions - Kettenglied angeordnet , auf
ſtellen .
935. Der das Direktions- Kettenglied leitende Unteroffigier
hat ſich , wenn die Ausſicht durch Umſtände erſchwert iſt,
vor die Rette zu begeben ; dagegen jener der alten Kette Ers
ſterem anzuzeigen , wohin er das Direktions-Kettenglied im
Vormarſche zu dirigiren habe.
936. So wie ein ablöſenden Rettenglied bei dem alten ein :
trifft , ſtellt leßteres das Feuer ein , jederMaun macht fehrt,
eilt auf den nämlichen Plaß zurück, wo der Unterſtüßungszug
geſtanden war , und formirt fich dort in geſchloſſener Ord
nung; wobei ſich die Rotten ' gleichfalls auf einen Schritt
Abſtand von einander aufſtellen . Wo die freie Ausſicht ges
bemut iſt, wird dort, wo ſich der abgelöſte Zug ſammeln
foll , das Signal : » Sammeln « geblaſen .
937. Sind die Züge ſehr ſtark , ſo kann die Ablöſung auch
theilweiſe , nämlich zuerſt von der einen , dann von der
anderen Hälfte erfolgen ; wodurch beſonders in foupirtem Ter:
rain die Aufſicht erleichtert wird , ſomit auch die Ordnung
" beſſer gehandhabt werden kann .
938. . Soll eine während des Feuerns im Rüdzuge begriffene
237
Kette abgelöſt werden , ſo formirt auf das Aviſo - Signal :
» Unterftikung“ mit angehängtem Signal : » Auflöſen ,“
(das Trommelzeichen „Gin Ruder und 4 einfache
Streide) « , der Unterſtüßungszug die Kette von der
Stelle aus rechts und links hinter möglichſt deden :
den Terraingegenſtänden , in deren Ermanglung ſich die Plänt
ler niederlegen , knieen , oder ſeßen . Sobald ſich die retirirende
Rette der zur Aufnahme und Ablöſung bereit ſtehenden
auf ungefähr 40 Schritte nähert, läßt der Kommandant der
erſteren das Signal : * fener einftellen « blaſen (Einen
Ruder ſchlagen ) ; worauf die Plänkler der alten Rette fe
gleich fehrt machen , und im Lauftritte durchbrechen .
Sobald fie durchgebrochen find , erfolgt das Signal : 939.
» Halt« (»Kaſta ) , auf welches fie fich rückwärts in ange
meſſener Entfernung bei dem Zugs-Kommandanten ſammeln,
und als Unterſtüßung der neuen Kette im Zuge aufſtellen .
Die neue Kette beginnt das Feuer , ſobald die vor iht ge
ſtandene ihre Aufſtellungslinie durchſchritten hat.
Wollte man aber, wenn der Feind raſch und mit über- 940.
legenen Kräften vorrüdt, beim Rückzuge in durchſchnittener
Gegend nahe hinter einander mit der Front parallel lau
fende, günſtige Terraingegenſtände, z. B . Gråben ', Baum
reihen , Ravins u . dgl. zu wiederholten Ablöſungen benüßen ,
um dem Feinde immer wieder eine ſchon geordnete neue Rette
entgegenzuſtellen , und auf dieſe Weiſe den Rüdzug mit einer
doppelten Rette fortfeßen ; ſo wird , nachdem die retirirende
Kette die zu ihrer Aufnahme bereit ſtehende durchbrochen
bat, das Signal: » halt« (» Raft ) nicht gegeben. '
In dieſem Falle haben die Plänfler der alten Rette,wit 941.
Einhaltung der Rettenlinie und ihrer Intervalle, aufungefähr
mu Plan IX .
103 Schritte zurüdzugehen , und ſich ſodann in der ihnen von
dem Zugs-Kommandanten angedeuteten Linie zur Aufnahme
der nunmehr vorwärtigen Kette zu Herſtellen . Dieſe bleibt
238
nach übernommenem Feuir wo möglich nocy ſo lange ſtehen ,
bis die zurüdgegangene Kette den rückwärtigen Aufſtel
lungspunkt erreicht hat, und tritt dann auf das Hornſtg
nal: » Burück ( den Retraiteftreich ) gleichfalls den
Rüdzug an.
942 . Auf dieſe Art wird der Rüdzug mit der doppelten
Kette abwechſelnd ſo lange fortgeſeßt, als es die Umſtände
fordern , und es wird hier nur noch erinnert, daß die zurüd
gehende Kette vor Allem trachten müſſe, fich hinter deđenden
Terraingegenſtänden aufzuſtellen , daher ſie keineswegs an
das Einhalten der oben eventuell angegebenen Diſtanz von
100 Schritten gebunden iſt.
943. Soll der Rückzug mit der doppelten Rette eingeſtellt
werden , ſo wird das Signal: »Halt« geblaſen (der Raft:
ſtreich geſchlagen ) ; worauf die in dieſem Augenblice
vorne befindliche Kette ſtehen bleibt, die rüdwärtige aber
bei dem Direktions-Rettengliede ſich als Unterſtüßung in den
Zug formirt.
944 . . Wird demnach das Signal: » Halt« ( R aftſtreich )
in dem Augenblicke gegeben , als die urſprünglich vorne ges
ſtandene Kette eben die rüdwärtige, aus dem Unterſtüßungs
zuge formirte Plånklerlinie durchbricht, ſo iſt hiermit zugleich
die Ablöfung jener Kette bewirkt worden .

. . S. 76.
Verſtärkung der Kette.
945 . Die Nothwendigkeit der Verſtärkung einer Plånklerkette
kann eintreten , wenn man den Feind durch die Entwidlung
eines überlegenen Feuers zum Weichen bringen, oder denſelben
in ſeinem Vorrücken aufhalten will .
946. In einem ſolchen Falle läßt man die Kette, wenn ſie
in einer Bewegung begriffen wäre, vorerſt halten, dann das
239
Bornftgnal: Derftärkung“ blaſen , bezüglich den Felbs
webelſtreich (Ein halber Ruf und drei doppelte Streiche)
ſchlagen .
Die mittlere Rotte wird belehrt , in gerader Richtung 947.
gegen die rechts vom Direttions - Rettengliede der vorwärts Plau
itehenden Rette befindliche Intervalle vorzurüden , und fich
daſelbſt aufzuſtellen ; während alle anderen Rotten fich auf
die bekannte Art fächerartig ausbreiten und gleichfalls die
Intervalle ausfüllen , welche fich rechts von dem ihrer Stel
lung entſprechenden Kettengliede befinden . Hierauf erfolgt
das Kommando : „ Zur Verstärkung !« » In die Kette vor
wärts , rechts und — links !« »Marsch !« ; worauf
der Zug in die Plänklerkette vorrüdt, und wenn die alte
Rette im Feuern begriffen iſt , vereint mit ſelber das Feuer
ſogleich beginnt.
. Iſt die Nothwendigkeit der Verſtärkung der Rette nicht:948 .
mehr vorhanden , fo läßt der Kommandant die Signale :
» Derfärkung“ und „ Buric blaſen , bezüglich den Rorpo
ralſtreich (Ein halber Rufund zwei doppelte Streiche) ſchla
gen ; worauf die Mannſchaft der früheren - nämlich ſchon
länger im Feuer geſtandenen Kette kehrt macht,
zurüceilt, ſich aufdem bezeichnet werdenden Plaße bei ihrem
Zugs - Kommandanten ſammelt, und den Zug formirt.

$. 77.
Paſſirung eines Defilées im Vor- oder Rüd.
mariche.
Soll die Plänklerkette ein vor der Front liegendes, 949.
voin Feinde nicht mehr beſeptes Defilée, als : eine Brüde, Plan I . .
cinen ſchmalen Damm u . dgl. pafſiren , und ſich jenſeits
desſelben gleich wieder ausbreiten ; ſo wird das Direktions
Rettenglied in der Richtung jenes Defilées geleitet. Dort
240
angelangt, pafſirt folches das Defilée zuerſt, und rüdt dann
in gerader Richtung langſam vor. Nach dem Direktiones
Kettengliede paſſiren die demſelben rechts und links nachts
ſtehenden , und ſo ſucceſſive alle folgenden Kettenglieder das
Defilée , breiten fich jenſeits desſelben ſogleich wieder fächer
artig rechts und links aus, und nehmen ſofort ihre Richtung
und Diſtanz von dem Direktions - Kettengliede ab.
950 .. . Stößt eine Plänklerkette während des Rüdzuges auf
Plan IX .
ein Defilée, z. B . eine Brücke , ſo müſſen bei Annäherung
an dasſelbe die beiden Flügel der Rette dergeſtalt verſagt
werden , daß ſte fich an das rüdwärtige , nicht zu übers
Fahreitende Hinderniß füßen , ſomit die ganze Rette vor
der Brücke einen Halbkreis bilde. Aus dieſer halbkreisförmi
gen Stellung wird , nachdem von der die Brüde bereits
pafſirten geſchloſſenen Unterſtüßungsabtheilung das jenſeitige
Ufer zu beiden Seiten der Brüde mit einer Plänflerkette
zur Aufnahme der Vorwärtigen beſeßt wurde, der Müdzug
auf die bekannte Art fortgeſëßt. Nach Maß als hierdurch
der Halbkreis ſich verkleinert , brechen von beiden Seiten die
Flügel - Rettenglieder ab , eilen über die Brücke zurüd , und
formiren fich rückwärts in geſchloſſene Ordnung. Dieſes ſucs
ceffive Abbrechen und Zurüceilen der Flügel - Kettenglieder
wird durch die auf den Flügeln eingetheilten Unteroffiziere
überwacht und ſo lange fortgeſeßt, bis die ganze Kette das
Defilée pafſirt hat. Es unterſcheidet ſich demnach die Art
ein Defilée im Vorrücken zu paſſiren , von jener in Rüd
zuge dadurch , daß im erſteren Falle die Mitte vorausgeht,
im leßteren aber die Flügel den Anfang machen und die
Mitte ſchließt.
Wenn jedoch die Örtlichkeit hinter dem Defilée es nicht
Plan X .
• erlaubt, daß die dahin zurüdgegangene geldloffene Unterſtü
Bung8 - Abtheilung fich in eine Plänklerkette , zur Aufnahme
der im Küđzuge begriffenen ausbreite, im Gegentheile ſo bes
941
ſchaffen iſt, daß fie nur das Aufſtellen einer Abtheilung in ges :
ſoloffener Front, vielleicht mit Poſtirung einiger Schüßen
rechts oder links , geſtattet, und nur in dieſer Formation dem a
Andringen des Feindes Widerſtand geleiſtet werden kann, wenn
ſo hat die Unterſtüßung, hinter welcher die Rette fich ſam -
melt , einen zu längerer Vertheidigung geeigneten Punkt zu
beſeßen , und die Männer des dritten Gliedes , vorzugsweiſe
die Schüßen , auf einer Seite allein , oder auf beiden Seiten von
getheilt, hinter deckende Gegenſtände aufzuſtellen , um das
Feuer aus der Front zu unterſtüßen . ,
Nad gänzlich erfolgtem Rüdzuge der Rette iſt bei95% .
Annäherung des Feindes auf die wirkſame Schußweite nach . .
$ . 39 das Gliederfeuer, und gleich darauf der übersore
gang ins Einzelnfeuer, oder nach Umſtänden auch ohne dem :
Erſteren gleich das leptere zu kommandiren , und ſo lange
damit fortzufahren , als es die Gefechtsverhältniſſe zulaſſen ,
ohne durch zu langes Verweilen Gefahr zu laufen , bei dein
beabſichtigten weiteren Rüdzuge in den Flanken angegriffen
zu werden .
Wenn ſodann dem Andrange des Feindes kein weiterer 953.
Widerſtand mehr geleiſtet werden kann , oder der Rüd
zug beſchleunigt fortgeſeßt werden foll; ſo läßt der Komman
dant das Feuer einſtellen , und führt den Zug , nach der
iin $. 39 , III. gegebenen Vorſchrift , hinter die bereits
růdwärts aufgeſtellte, aus den geſammelten Plånklern for
mirte Abtheilung zurüd , wählt ſich abermals einen zu län
gerer Vertheidigung und zur Aufnahme des vorſtehenden
Zuges günſtigen Punkt, beſeßt dieſen , und benimmt ſich wie
früher angegeben .
Sobald der vorher in der Kette geſtandene Zug fick 954.
Plan X .
auf eine angemeſſene Entfernung hinter dem früheren Unter
ſtüßungszuge geſammelt hat, nimmt er ſeine Aufſtellung mit
Beobachtung desſelben Verfahrens, welches für die Unter
Übridtungs-Regl. f. d. Inft. 16
242
ftüßungs-Abtheilung vorgeſchrieben wurde , beginnt, - po
wie der vorbere Zug im Rüdzuge an ihm vorüber ift -
Plan X . das Feuer , und tritt fodann den Rüdzug auf gleiche
Fig . 3, 4 . Weiſe an.
965. Auf dieſe Art wird der Rückzug abwechſelnd mit dem
Bemerken fortgeſeßt, daß dort, wo für die Männer des drit
Plan X . ten Gliedes neben der in der Front aufgeſtellten Abtheilung
Fig. 6 . Beine ünitige Aufſtellung
keine günſtige lufitello vorhanden wäre, fte in ihrer Eins
theilung bleiben , oder zur Befeßung weiter rüdwårts liegen
der Lerrain- Abſchnitte , wie z. B . des Ausganges des Defi
lées , zurüdgeſendet , oder auch zur Dedung des eigenen
Plan X . Rüdzuges , am halben Wege bis zur nächſten Stellung der
• růdwärtigen Abtheilung verwendet werden können .
956. Sobald aber während des Rüdzuges die Beſchaffenheit
Fig . 7 . • des bisher beengten Terrains wechſelt, und das Ausbreiten
einer Plänflerkette wieder geſtattet , hat der zurücgehende
Zug dieſen Vortheil zu benüßen , ſich in eine Plånklerkette
aufzulöſen , und in dieſer Stellung den folgenden , ſich nun
zur Unterſtüßung aufſtellenden Zug während des -Rückzuges
aufzunehmen .
957. Die Übung ſolcher Defiléepaſſirungen , bei welchen man
nach Maßgabe der Terrainbeſchaffenheit aus der geöffneten
in die geſchloſſene Gefechtsordnung , mit beſchränkter An
wendung von Plänflern aus dem dritten Gliebe, und aus
dieſer leßteren Formation wieder in die geöffnete Ordnung
übergeht, wird beſonders bezüglich des Überſchreitens des
Defilées mit der Plänklerkette nachdrüdlichſt anempfohlen ,
weil folche Fälle häufig vorkommen , und bei Unkenntniß des
hierbei zu beobachtenden Verfahrens leicht Unordnungen ent
ſtehen .
243

Sluß- Bemerkung.

Das in dieſem Abſchnitte über die Art der Formirung 958.


einer Plånflerkette und deren Bewegung Geſagte genügt
vollfommen , um den Zug , als die kleinſte Unterabthei
lung einer Kompagnie , für ſeine Verwendung in der ge
öffneten Schlachtordnung vorzubilden. Die eigentliche
Lehre dieſer Fechtart kann jedoch erſt ſpäter in dem Ererzir
Reglement erſchöpfend vorkommen , weil eine Pläntler
fette niemals allein , ſondern immer in Verbindung mit
anderen geſchloſſenen Unterſtüßungs - und Reſerveabtheis
lungen agirt, deren Obliegenheiten in jenem Reglement ent:
halten find.
Bereits in der Einleitung wurde erwähnt, daß während 959.
der Ausbildung des Soldaten für das Gefecht in geſchloſſes
ner Ordnung , auch ſchon das Plänkeln und Bajonetfechten
zur Beſchleunigung des Unterrichtes und zur zweckmäßigen
Abwechslung bei demſelben vorgenommen werden müſſe.
Hier wird dießfalls wiederholt die Erinnerung gemacht, und
das genaue Einhalten dieſer Vorførift anbefohlen , indem
die durch den zweckmäßigen Unterricht im Plänkeln und
Bajonetfechten ganz beſonders geſteigerte Intelligenz und
erhöhte Urtheilskraft des Soldaten , ihm gemiß die Auf- *
faſſung des weiteren Unterrichtes für das Gefecht in ge
ſchloſſener Ordnung erleichtern , dadurdy feine Ausbildung
für beide Gefechtsarten beſchleunigen , und ihn in der kurz
möglichſten Zeit zum Dienſtgebrauche vollkommen tauglid)
machen werden . .
Anfänglich , und in ſo lange der Soldat in der einzel- 960.
nen Ausbildung für die geſchloſſene Ordnung nicht ſo weit
vorgeſchritten iſt, daß er laden und feuern kann , dürfen jong
auch nur jene Vorübungen zum Plånfeln vorgenommen wers
16 *
244
den , die beim Beginne ohne Gewehr, ſodann mit dem
Gewehre, jedoch noch ohne zu feuern, geſchehen kön
nen . Hieher gehören : Springen , laufen ; dann mit je drei,
höchſtens vier Rotten : Formirung der Kette von der Stelle
aus und vorwärts , Marſch der Rette vors, ſeits und
rückwärts , Erweitern und Verengern der Intervalle zwiſchen
den Rettengliedern , endlich Vor- und Zurüdnahme der
Flügel der Rette. An jedem Flügel der drei oder vier Rotten ,
bezüglich Rettenglieder , iſt eine Charge oder ein geſchidter,
älterer Mann einzutheilen . Ferner wird es die Ausbils
dung des Soldaten ſehr fördern , wenn in das dritte Glied
ältere, im Plånkeln ſchon unterrichtete Männer eingetheilt,
die Auszubildenden dagegen in das erſte und zweite Glied
geſtellt werden .
961. In der Folge, und wenn der Soldat nach den SS. 9 und
11 das Laden , Schießen und richtige Zielen ſtehend erlernt
haben wird , iſt auch beim Unterrichte im Plänkeln zu jenen
übungen zu ſchreiten , bei welchen das Feuern in Anwens
dung kommt , nåmlich : laden und Schießen während des
Gehens , knieend, fißend u. ſ. w .; dann Feuern der Rette
auf der Stelle und während der verſchiedenen , ichon früher
erlernten Bewegungen ; wobei noch immer nur je drei bis vier
Kettenglieder vereint zu unterrichten ſind.
962. Ift hierauf eine hinreichende Anzahl Kettenglieder uns
terrichtet , ſo wird ein Zug formirt , und derſelbe Unterricht
wiederholt. Die Bewegungen werden nun durch Hornſtgnale,
bezüglich Trommelzeichen , angedeutet, und nur wo es nöthig
iſt, mittelſt Zurufen nachgeholfen .
963. Bei der Ausführung der Bewegungen muß ſtrenge darauf
geſehen werden , daß die im Detail ertheilten Belehrungen
von den Männern genau befolgt werden.
964. . Sowohldie anfängliche Belehrung der Kettenglieder, als
der erſte Unterricht der Zügeim Plänkeln hat aufeinem ebenen
245
und offenen Boden ftatrzufinden . Erſt wenn die Mannſchaft ***
alle Bewegungen der Kette , ſowohl ohne Feuern als auch
während desſelben , gehörig ausführt , wird zu ihrer Verwens
dung im durchſchnittenen Terrain geſchritten ; wozu die gründ
liche Unterweiſung der Plänkler in Benüßung der verſchiedenen
Dedungøgegenſtände vorauszugehen hat. Hierbei muß das
Augenmerk des Unterrichtenden hauptſächlich auf die entſpre
chende Benübung des Terrains gerichtet ſein , daher jedes
ångſtliche Suchen der Diſtanzen , der Richtung u. ſ. w . zu
vermeiden , und nur auf den Zuſammenhang des Ganzen zu
fehen kommt.
Die Rette wird fid in folchen Fällen ſo weit ausdehs 965.
nen müſſen , als es z. B . die Länge des zu befeßenden Gra
bens, Waldrandes u . dgl. fordert; die Plänkler und die Ret:
tenglieder werden fich bald mehr , bald weniger dicht ans
einander ſtellen , je nachdem die zur Deđung vorhandenen
Lerraingegenſtände die eine oder die andere Aufſtellungsweiſe
bedingen , oder aber gewiſſe Punkte dem feindlichen Angriffe
mehr ausgeſeßt ſind als andere ; beim Retiriren werden dies
jenigen Rettenglieder , welche beſonders vortheilhaft poſtirt
ſind , ihren Punkt ſo lange vertheidigen , als ſie nicht beſor
gen müſſen , von den nächſten , bereits zurückgegangenen Ret
tengliedern abgeſchnitten zu werden , ſodann aber zurüđeilen
und ihre Verbindung herſtellen ; dagegen werden beim Vor
rüden jene Kettenglieder, vor deren Front, aufmäßige Ent
fernung, fich deckende Gegenſtände befinden, ſchon in Voraus
dahin eilen , und dort die nachfolgenden Rettenglieder ers
warten ; kurz, ſowohl die vom Anfange zu nehmende Aufſtel
lung der Rette , und jene der Rettenglieder und einzelnen
Pläntler , als auch das Benehmen derſelben im Verfolge der
Bewegungen , wird ſtets mit Rüdſicht auf die jeweilige Bes
ſchaffenheit des Bodens und auf das waltende Gefechtsvers
hältniß ſtattfinden müffen .
246

966 . Hierfür laffen ſich keine beſtimmten Vorſchriften geben .


Praktiſ dhe Übung in jederlei Terrain --- unter
thätiger , einſichtsvoller Leitung — wird zur Förderung des
Unterrichtes das Meiſte beitragen ; daher Erſteres empfohlen ,
lekteres aber von dem Eifer und der Geſchidlidfeit der zur
Ertheilung des Unterrichtes Berufenen erwartet wird.
247

Bweites Hauptfick.
Ausbildung des Soldaten im Gebrauche des Gewehres
als Stoßwaffe.

(Bajonet-Fech tlehre.)
Die Ausbildung des Soldaten in dem entſprechenden 967.
Gebrauche des Bajonetes gehört nebſt dem Unterrichte im
Schießen zu den wichtigſten , und muß um ſo mehr mit
Sorgfalt betrieben werden , als die Anwendung desſelben
nicht nur beim Tirailliren , z. B . zur Vertheidigung gegen
einzelne feindliche Infanteriſten oder Reiter , ſondern auch
in geſchloſſener Ordnung beim Angriffe feindlicher Stellun
gen , Verſchanzungen u . dgl. vorkommt.
Derlei Bajonetgefechte ſind immer entſcheidend , und 968.
fichern Demjenigen den Sieg , der ſie mit mehr Entſchloſ
fenheit durchzuführen verſteht. Die Entſchloſſenheit grüns
det ſich aber hauptſächlich auf das Vertrauen , welches der
Soldat in feine Waffe fept, und dieſes tann nur dadurch
erzielt werden , daß man ihm die zur Führung derſelben er
forderliche Geſchidlichkeit, und mit dieſer die Überzeugung
beibringt, daß er im Bajonettampfe ſeinem Gegner über
legen ſei.
· Aus dem Geſagten geht die ganze Wichtigkeit der Auss 969.
bildung des Soldaten für dieſe Gefechtsart hervor; denn fte
248
bezweckt nicht allein deffen Ausbildung im Gebrauche ſeiner
Waffe , ſondern bietet ein geeignetes Mittel, um ihn für die
entſcheidendſten Gefechts -Momente mit höherem Muthe zu
beſeelen .
970. Da im Kriege überhaupt nur das Einfache eine nüß
liche Anwendung findet, während eines Feldzuges nur wenig
Zeit zur Ausbildung der Refruten erübrigt , ſo muß der
Unterricht im Bajonetfechten auf das Einfachſte, unbedingt
Nothwendige beſchränkt , und jede Künſtelei verbannt wers
den . Es darf daher durchaus nicht in der Abſicht liegen , die
Leute zu Fechtmeiſtern heranzubilden , ſondern der Zwed
muß lediglich dahin gehen , fte die zum Angriffe und zur
Vertheidigung nöthigen einfachen Stöße und Paraden — wie
fie ſelbſt der ſchwer bepacte , vom Marſche ermüdete Ins
11 . fanterift auszuführen vermag , — zu lehren . "
971. Der erſte Unterricht erfolgt ohně Gewehr, einzeln
oder zu Zweien und Dreien . Die Mannſchaft erſcheint hier
bei in möglichſt bequemer Kleidung , ohne Rüſtung, und es
wird jederzeit ein Mann von dem anderen auf einen Schritt
Abſtand geſtellt. Wenn der Unterricht ohne Gewehr genü:
gend fortgeſchritten iſt , ſo wird folcher mit dem Gewehre,
– und zwar ſtets mit gepflanztem Bajonete, — in der Folge
. . aber in vollſtändiger Rüſtung vorgenommen . ' .
97% . Das Verfahren beim Unterrichte iſt im Weſentlichen
dasſelbe , wie bei Übung der Gewehrgriffe u . dgl. Jede Bes
wegung oder Stellung muß dem Soldaten anfangs zergliedert
vorgezeigt , und von dieſemn langſam nachgeahmt werden .
Erft bei zunehmender Fertigkeit ſind die Griffe und Bewe
gungen raſch und zuſammenhängend zu vou führen . Eben
ſo muß, gleich beim erſten Unterrichte mit dem Gewehre,
dem Soldaten die Anwendung jeder Bewegung deutlich erklärt
und anſchaulich gemacht werden ; wozü fich der Unterrich
" tende bei Übung der Paraden , einer Fedtfta nge zu bes
249
dienen hat, mit welcher er , unter Beobachtung der nöthigen
Vorſicht, anfangs langſam , in der Folge aber mit mehr
Schnelligkeit , den Ausfall gegen den zu Unterrichtenden
markirt , und dieſen anweiſt , den Stoß auf die ihm ges
lehrte Weiſe raſch und träftig zu pariren . Dadurch wird der
Soldat einen richtigen Begriff von der Anwendung des ihm
Gelehrten erlangen , ſomit den Nußen dieſer übung erkennen .
Die Fechtſtange hat die länge eines Gewehres 973.
mit gepflanztem Bajonete , und iſt am oberen Ende mit
einem elaſtiſchen Knopfe verſehen .
Da Schnelligkeit und Präziſton eine Hauptbedingniß 974.
des Bajonetfechtens find, ſo müſſen von der bereits vollfom
men ausgebildeten Mannſchaft alle Tempo raſch ausgeführt,
und vom Fechtlehrer die Kommando (charf betont ausgeſpro
dhen werden .
Grundfaß bleibt es auch hier , den Soldaten nicht zu 975 .
lange in den ihm beſchwerlich fallenden Stellungen verweilen
zu laſſen ; widrigenfalls er zu ſehr erſchöpft , und alle Luft
für den Unterricht verlieren würde. Der Fechlehrer muß ihn
daher öfter ruhen laſſen , überdieß während der Erklärung
der Griffe , oder wenn er fich beim Unterrichte mehrerer
Soldaten zur Verbeſſerung der Stellung zu einem Einzelnen
begibt , den Andern mittelſt des Zurufs : » Rubt !« eine
bequemere Stellung anzunehmen geſtatten , aus der fte auf
das Aviſo : »Habt Acht!« ſogleich wieder in die früher
innegehabte übergehen .
Soll aus einer für das Bajonetfechten vorgeſchriebenen 976.
Stellung unmittelbar in die für gewöhnlich feſtgeſepte, übers
gegangen werden , ſo wird beim Unterrichte ohne Gewehr:
„Richt euch !“ avifirt, bei jenem mit dem Gewehre aber :
»Schultert ! « fommandirt.
Erfter Abſchnitt.
Unterridt ohne Gewehr.
. $. 78.
Einzelner Unterricht ohne Gewehr.
Stommando. Belehrung.
Worte .
-

I. Gegen Infanterie.
977 . Eswird vorausgeſeßt, daß der Sols
dat die im $. 60 angegebenen Leibes
übungen erlernt, ſomit die zum Bas
jonetfechten nöthige Gelenkigkeit erlangt
babe .
978 . „ Antreten !« Auf dieſes Avertiſſement:
nimmt der Soldat die für gewöhnlich
vorgeſchriebene Stellung.
979 . . . Werden Mehrere zuſammen unters
richtet, ſo ſtellen ſie fich , wie bereits
im Eingange geſagt, auf einen Schritt
Abſtand von einander.
980 . » Gegen In Das Avertiſſement: »Gegen In
fanterie ! — fanterie !“ wird blos das erſte Mal
Stellung !«
dem Kommando vorgefeßt, im Ver
folge der Übung aber , blos: » Stel
lang !« kommandirt; worauf die nachs
beſchriebene tiefe Stellung genom
men wird .
981 . Der Soldat vollführt eine halbe
Plan XI. Wendung rechts , und reßt ſodann ,
Fig . 1 .
251

Kommando:
Worte. Belehrung.

ohne den Körper aus ſeiner ſchrägen


Lage zu bringen , den linken Fuß mits
tellt eines fräftigen , kurzen , Hörbas
ren Trittes auf 18 — 14 Zolle gerade
vor ſich hin auf den Boden . Die beis
den Knice werden dergeſtalt gebogen ,
daß das rechte ſenkrecht über die Fußs
ſpiße , das linke aber ſenkrecht auf
die Mitte des Vorfußes zu ſtehen
tomme.
Der Oberleib bleibt, mit verſaga 988.
ter rechten Schulter, ſenfrecht auf den
Hüften ; der Kopf aufrecht,mit dem Blide
nad vorwärts gerichtet; der rechte Arm
hängt ungezwungen am Leibe berab ;
die linke Hand kommt ober dem Kniee
auf den linken Schenfel, mit aufwärts
gewendeter , halb geöffneter Fauſt zu
liegen . Die Scwere des Körpers ruht
auf dem redten Fuße und in dem
Beden der rechten Hüfte. Um den
Soldaten zu gewöhnen , die Sowere
des Körpers auf dem rechten Fuße ru
hen zu laſſen , iſt öfters : »Erhebt den
linken Fuss !“ zu aviſtren ; wors
auf der linke Fuß ungefähr zwei Zolle
über dem Boden erhoben , und ſo lange
in dieſer Lage gehalten wird , bis das
Rommando : » Stellung !« erfolgt.
252

Stommando kommons
Worte . i . Belehrung. : Worte.

983. Dieß iſt die ſogenannte tiefe


Stellung, in welcher der Soldat
gegen feindliche Infanteriſten am beſten
gedeckt und geſichert ſteht.
984. ) Apeli !« ' Der linke Fuß wird ungefähr einen
Zoll hoch erhoben und zweimal ſchnell
hinter einander mittelft eines kräftigen,
kurzen , hörbaren Trittes , mit Ballen

-- -- --
und Ferſe zugleich , auf den Boden ges
reßt. Der Apell dient hauptſächlich
dazu , um ſich zu überzeugen , daß der
Soldat die Schwere des Körpers wirf:
lich auf dem rechten Fuße ruhen laſſe,
und kommt in dieſer Abſicht häufig
anzuwenden.
985. »Avan - Mit Beibehalt der tiefen Stellung
cirt !«
wird der linke Fuß einen Schuh weit
gerade vorgeſeßt, und der rechte in die
vorgeſchriebene Entfernung nachgezogen.
Hierbei dürfen die Füße nicht aus ihrer
urſprünglichen Richtung kommen , die
Fußſpißen nicht in die Höhe gehoben,
noch mit den Abfäßen in den Boden
gehadt, der Abſtand von 13 – 14 Zollen
von einem Fuße zum andern aber muß
fortwährend beibehalten werden . Beim
erſten Unterrichte erfolgtdas Vorſeßen der
Füße auf den Zuruf: „ Eins ; Zwei!
ganz langſam , dann aber immer ſchnel: Fint!
253

Kommando :
Worte. Belehrung. .

ler , bis ſich die Bewegung beider Füße


beinahe in ein Tempo verſchmilzt. Nach
hinlänglich erlangter . Fertigkeit werden
auf den Zuruf: » Eins !« beide Füße
ſchnell nacheinander bewegt; endlich hört
das Vorzählen ganz auf, und es iſt
blos darauj zu ſehen , daß nach jedem
Vorrüden eine kleine Pauſe eintrete,
damit die Bewegungen einander gleich
Turü ſam rudweiſe folgen . .
Auf dieſe Art nähert man ſich dem 986.
especte Gegner bis auf den Stoßbereich in ſtets
rubena kampffertiger Bereitſchaft.
» Halt!« Iſt in dem Augenblice zu koms 987.
mandiren , wann der linke Fuß auf den
Boden geſeßt wird ; worauf der rechte
in die gehörige Entfernung beigezogen ,
und mit dem linken , ein einfacher, hör
barer Tritt auf den Boden gegeben
wird, welchen man den halben Apell
-nennt. Dieſer kommt im Verfolge des
Unterrichtes noch bei mehreren Bewes
gungen vor, und dient, um ſich zu ver
ſichern, daß der Soldat bei jedesmaliger
Annahme der Stellung die Schwere
des Körpers auf dem rechten Fuße
ruben laſſe.
wat die »Reti - Der rechte Fuß jQreitet ungefähr 1988.
rirt ! «
einen Schuh weit zurück, und der linke
254
Stommando: Belehrung.
Worte.

folgt in der vorgeſchriebenen Entfernung


nach . Im Übrigen gelten die nämlichen
Beobachtungen wie beim Avancirent ,
und es iſt auch hier darauf zu ſehen ,
daß das Zurüdſeßen der Füße in gehör
rigem Maße geſchehe, damit die Abfäße
immerauf dem vorgeſchriebenen Abſtande
von einander bleiben .
989. » Halt !« : Iſt in dem Augenblice zu komman
diren , wann der rechte Fuß auf den
Boden geſeßt wird ; worauf der linte
auf die vorgeſchriebene Entfernung beis
zuzieheit, und der halbe Apell zu ges
ben fommt, wie dieß bei dem Halt!
während des Avancirens, erklärtworden .
990. » Im Schnell Das Avanciren im Schnellſchritte
schritt ! - iſt ein mäßiges Laufen vorwärts , und
Avan -
cirt ! “ muß , nach den im S . 60 gegebenen
Regeln , mit etwas gebogenen Knieen
und auf den Ballen der Füße ausges
führt werden . Hierzu wird der rechte
Fuß bis in gleiche Höhe mit der lin
ken Fußſpiße vorgebracht , ſodann der
linke in angemeſſener Entfernung vor
geſeßt, und auf dieſe Weiſe ſo lange
vorgerückt , bis das Kommando:
. 991. » Halt ! « erfolgt; worauf ſogleich wieder die tiefe
Stellung genommen und der halbe
Apell gegeben , wird .
255

Kommando :
Worte. Belehrung .

» Im Schnell
schritt ! –
Reti –
rirt !« Das Retiriren im Schnellſchritte 992.
iſt ein mäßiges Laufen nach růdwårts ,
eigentlich rüdlings, und muß gleich :
falls mit gebogenen Knieen und auf den
Ballen der Füße ſtattfinden . Hierzu
wird der linke Fuß bis in gleiche Höhe
mit dem Abſaße des rechten gebracht ,
und ſodann der rechte auf die gehörige
Entfernung zurücgeſeßt. Auf dieſe Weiſe
wird das Rüdwärtslaufen fortgeſeßt,bis
das Kommando :
| » Halt !« erfolgt ; worauf fugleich ſtehen geblies 993.
ben , die tiefe Stellung genommen , und
der halbe Apell gegeben wird.
Anfänglich können die Tempo zum
Vor- oder Zurüdſeßen . der Füße mit:
telſt des Zurufes : » Ein8!« » Z w ei!«,
und zwar mit immer zunehmender Ge
ſchwindigkeit vorgezählt werden , in der
Folge hat dieß aber ohne irgend einen
Zuruf zu geſchehen. ;
Die Volten dienen dazu , um | 994.
fich ſchnell gegen einen ſeitwärts oder
von rückwärts kommenden Gegner zu
wenden , ohne hierbei den Körper aus
der kampffertigen Stellung zu bringen .
Hierzu wird kommandirt :
256

Korimando:
Worte. . : i :: Belehrung.

995 . Rechts ! - Auf: »Rechts !“ wird die rechte


Volt !« Fußſpiße erhoben ; auf » Volt !« die
Rechtsumwendung mit Beibehalt der tie
fen Stellung auf dem rechten Abſaße
vollführt. Der linke Fuß, welcher hier
bei mittelſt eines Druces des Bals
lens gegen den Boden die Wendung
befördert, wird, in die gehörige Entfer
nung vor den rechten gefeßt, und der
halbe Apell gegeben .
996 . Links! — Auf gleiche Weiſe wie die Volte
Volt !«
rechts , nur daß die Wendung links er
folgt. . .
997 . | » Rechts Iſt eine doppelte Volte rechts ;
umkehrt - wobei der Ballen des linken Fußes einen
Volt !
verhältnißmäßig ſtärkeren Druck gegen
den Boden gibt. Das Erheben der rechs
ten Fußſpiße erfolgt auf das Aviſo :
> Rechts umkehrt !«
998. » Links Wird die doppelte volte links
umkehrt -
Volt !“ vollführt.
999 . Gerader Auf das Avertiſſement: »Gerader
Plan XI. Stoss ! – Stoss!« wird das rechte Knie ſtraff
Fig . 2 . Eins! « !.
angezogen , zugleich das linke derge
ſtalt gebogen , daß eg ſenkrecht über die
linke Fußſpiße ſtehe. Beide Hände wer:
den mit halbgeöffneter Fauſt bis in
gleiche Höhe mit den Hüften erhoben ;
wobei die rechte Hand etwas rückwärts
257
Kommando :
Worte. ' ... . Belehrung. .. "
der rechten Hüfte, die linke vor die
Mitte des Leibes zu ſtehen kommt. Auf
das unmittelbar darauf folgende Roms
mando: » Ejns!« wird der rechte Arın ,
mit geballter Fauſt, in wagrechter Lage,
kräftig vorgeſtoßen , der Oberleib etwas
nach vorwärts gewendet, und hierdurch
die rechte Schulter vorgeſchnellt. Die linke
Hand verläßt ihre lage vor der Mitte
des Leibes , und wird , geöffnet, etwas
nach rüdwärts geſtredt. Beiin erſten
Unterrichte verbleibt der Soldat jo,
bis das Kommando : » Stellung !“
erfolgt ; worauf wieder die frühere tiefe
Stellung genommen , und der halbe
Apell gegeben wird . In der Folge ge
ſchieht dieß jedoch unmittelbar nach volls
führtem Stoße ; obne hierzu ein Rom :
mando abzuwarten .
„ Aus - Auf: » Aus * werden Kniee und 1000.
fall ! «
Hände in dieſelbe Lage gebracht , wie
beim geraden Stoße erklärt worden .
Auf : » fall !« wird der linke Fuß einen
Schuh weit in gerader linie vorges
feßt , während der rechte unbeweglich
mit der ganzen Fußſohle flach auf dem
Boden verbleibt. Gleichzeitig vollführt
der rechte Arm den geraden Stoß
nach Nr. 999 , und die linke Hand

Nbrichtungs- Regl. f. 6 . Inf.


17
268

Kommando :
Worte. Belehrung.
nimmt gleichfalls die dort erklärte Lage.
Der Oberleib ruht beinahe ſenkrecht
auf den Hüften , und die kaft des
Rörpers gleichmäßig auf beiden Fü
ben . Das Auge bleibt auf den Gegner
gerichtet.
1001. Hierbei muß darauf geſehen wer
den , daß der Mann in gerader Richtung
und nicht zu weit ausfalle die Schwere
des Körpers auf beiden Füßen ruhen
laſſe , den rechten nicht von der Stelle
rüde, den rechten Arm gut ausſtrece,
und den Körper gehörig im Gleichges
wichte erhalte. Beim erſten Unterrichte
verbleibt der Soldat in der hier erklärs
ten Körperſtellung ſo lange, bis das Rom
mando : »Stellung ! « erfolgt;worauf
er den linken Fuß wieder zurüđzieht,den
halben Apell gibt und die vorgeſchries
bene tiefe Stellung nimmt. In der
Folge hat jedoch nach vollführtem Aus
falle, ohne ein weiteres Kommando ab
zuwarten , ſogleich wieder die tiefe Stel
lung genommen und der halbe Apell
gegeben zu werden . Desgleichen wird
das Kommando. zum Ausfalle nur an .
fänglich abtheilig , bei erlangter Fertig
keit aber raſch , in Einem , ausgeſpros
chen ; worauf der Ausfall auch mögliduft
Kommando :
Worte. Belehrung.
ſchnell, gleichſam in einem Tem :
jente p 'o , zu vollführen tomut.
» Doppelter Der doppelte Ausfall iſt im Wes 1008.
reiben ñ Ausfall ! -
Ausfall ! « fentlichen dem einfachen gleich, nur daß
xen Gem er in Verbinduug mit einem Schnells
ſchritte erfolgt. Der rechte Fuß wird
eieben ne nämlich auf das Kommando : „ Aus
fall !« bis an die Fußſpiße des linken
vorgebracht ; worauf erſt, mittelſt Vor
igen maken reßen des linken Fußes, der Ausfall auf
i ter ou die bekannte Art ſtattfindet.
o create Sprung Auf das Avertiſſementzum Sprunge 1003.
rückwärts ! rücwärts werden mittelſt Senkung des
in even - Eins !«
l'uteriai Leibes beide Kniee ſtark gebogen und die
Sier this Abfäße etwas erhoben . Auf: „ Eins!“
wird mit Schnellfraft , wenigſtens zwei
Ice;or Fuß weit , zurückgeſprungen , ohne den
iciety Rörper vorzuneigen , oder überhaupt aus
der vorſchriftsmäßigen tiefen Stellung
zu kommen . Der Niederſprung muß auf
bertemide den Ballen geſchehen , leicht und kaum
hörbar ſein . Nach genommener Stel
esien lung wird mit dem linken Fuße der
feket halbe Apell gegeben . Das Auge bleibt
eiden s auf den Gegner gerichtet.
Dieſer Sprung wird auch häufig 1004.
Yiter die unmittelbar nach dem Ausfalle anges
wendet, um aus dem nahen Stoßbereiche
oli
des Gegners zu kommen . Hierzu wird :
260

Kommando : . . . Belehrung.
Worte . .

» Ausfall und Sprung rückwärts !«


avertirt , dann aber : » Ausfall !«
kommandirt; woraufnach Vorſchrift aus
gefallen , und der Sprung rückwärts voll
führt wird .
1005. »Richteuch!« . Wird die für gewöhnlich vorgeſchries
bene Stellung genommen .

II. Wegen Kavallerie.


1006 . »Gegen Ka Aus der gewöhnlichen Stellung des
vallerie ! - Antretens wird der rechte Fuß, ohne
Stellung !«
folchen zu wenden , auf'/, Schuh weit
rechts -, ſeit- und rückwärts geſeßt, und
die rechte Schulter etwas verſagt. Die
Schwere des Körpers hat auf dem lin
ken Fuße zu ruhen . Die Kniee bleiben
in ihrer natürlichen Lage angezogen ,und
die Arme am Leibe herabhängend .
1007. Auf das Avertiſſement zum Sprunge
werden zur Erleichterung des Aufſprun
ges die Kniee etwas gebogen und die
Abfäße erhoben .
1008 . | Sprung Nuf : „ Eins !“ wird mit dem rechs
rechts ! ten Fuße raſch zwei Schuhe weit rechts -,
Eins !
vors und ſeitwärts geſchritten , wobei
die Sowere des Körpers von dem linken
auf den rechten Fuß übergeht, und, in
dem mån mit lebterem Fuße vom Boden
261

Kommando:
Worte. Belehrung.

abſtößt und den linten beizieht, ſchnell


vors und rechts ſeitwärts geſprungen .
Während des Sprunges kommt der Körs
per linke rüdwärts , nämlich gegen die
Stelle des Aufſprunges, zu wenden , und
nach erfolgtem Niederſprunge ſogleich
wieder die tiefe Stellung zu nehmen ,
wobei die linke Fußipiße ihre Richtung
gegen die Stelle des Aufſprunges zu
erhalten hat. Dieſer Sprung iſt dem
nach nichts anderes , als ein mit Behens
digkeit vollführter doppelter Seitenſchritt
nad Art des Sõrittwechſelns, und
dient dazu , um einem in gerader Rich .
tung anreitenden Gegner auszuweichen ,
und deſſen linte Seite , auf welcher
er von dem Säbel nur einen beſchränt
ten Gebrauch machen kann , abzugewin -,
nen . Die mit dem Sprunge verbundene
Körperwendung links rüdwärts ift noths
wendig , um dem ſchnell vorbeireitens
den Ravalleriſten noch einen Bajonets
ſtoß beibringen zu können . Der Sprung
muß raſch , mit Schnellfraft, auf den
Ballen der Füße, und gleichſam in einem
Lempo ausgeführt, und der Oberleib
hierbei gehörig im Gleichgewichte erhal.
ten werden . Überdieß kann derſelbe nach
Umſtänden auch aus einer gebüdten
262
Rommando:
Worte. Belehrung.
( hođenden) Stellung ſtattfinden , in :
dem man ſich plößlid aufrichtet, und
dadurch das Pferd des Gegners ſdheu
macht.
1009. »Caracol
lirt ! *
Da ein gewandter Reiter den in
fampffertiger Bereitſchaft ſtehenden Ins
fanteriſten nicht in gerader Richtung an
greifen , ſondern , denſelben rechts laſ:
ſend , mittelſt immer kleiner werdenden
Touren umfreiſen wird ; ſo hat der auf
dieſe Weiſe Angegriffene belehrt zu wer:
den , daß er in dieſem Falle trachten müſſe,
fich der Pferdefrupe möglichſt zu nås
bern , weil er von dort aus jede Blöße
des Reiters unfo leichter benüßen
kann.
1010 . Hierzu dient bas Caracolliren
oder freisförmige Rüdwärtslaufen .
Zur Übung des Caracollirend läßt
man den Soldaten im Kreiſe links
rü & w årt 8 laufen .
1011. Die Belehrung zum Rüdwärtslaus
fen iſt in Nr 750 enthalten . Die Bewes
gung beginntmit dem rechten Fuße, wels
der einen Viertels Kreis rückwärts bes
ſchreibt , während der auf der inneren
Seite befindliche linge durch kürzere
Schritte nachfolgt; wodurd der Kreis
. . . . immer kleiner wird , und der Caracollis
963

Kommando : T Belehrung.
Worte. ' :

rende fich der Pferdetrupe immer mehr


nåbert.
Bei dem Rüdwärtslaufen muß die 10
linfe Schulter etwas verſagt werden , um
bei günſtiger Gelegenheit um ſo leichter
einen Stoß anbringen zu können. Der
Blid bleibt auf den im Mittelpunkte des
Kreiſes gedachten Gegner gerichtet.
„Halt ! « Auf das Kommando : „ Halt ! « 1018.
wird ſtehen geblieben und die tiefe Stels
lung genommen . .
» Richteuch!“ | Wie Nr. 1005 . 1014.

Zweiter Abſchnitt.
Unterricht mit dem Gewehre.
$. 79.
Einzelner Unterricht mit dem Gewehre.
Kommando:
Worte. · Belehrung.

I. Gegen Infanterie. .
Antreten !“ Auf dieſes Avertiſſement nimmt 1015 .
der Soldat die für gewöhnlich mit dem
Gewehre vorgeſchriebene Stellung. Sind
mehrere zum Unterrichte vereint, fo Belo
264

Stommando:
Worte. . Belehrung.
len fte fich auf einen Schritt Abſtand
von einander. . .
1016 . | »Gegen In - : | Die Stellung des Körpers iſt aus
fanterie ! - der Beſchreibung in Nr. 981 und 982
Stellung !«
bekannt. Gleichzeitig mit der Halbrechtss
Wendung wird das Gewehr in die beim
erſten Griffe von » in die Balance « ers
Flärte Lage gebracht , mit der rechten
Hand am Kolbenbalſe voll umfaßt, mit
der linken am unteren Laufringe er
griffen , und hierauf dergeſtalt ſchräge
herabgeriſſen , daß das Gelenke der lin
ken Hand oberhalb des linken Kniees ,
und der Daumen der rechten Fauſt an
dem rechten Oberſchenfelzu ruhen komme.
Das Schloß des Gewehres iſt nach ab
wärts gewendet, und die Bajonetſpiße
ungefähr eine Spanne hoch über den
Boden erhoben .
1017. » Avan - Erfolgt nach der in Nr. 985 bis 989
cirt! "
» Halt ! « enthaltenen Belehrung. Das Gewehr
» Reti - bleibt hierbei in der für die Stellung
rirt !« vorgeſchriebenen Lage.
» Halt !«
1018 . » Im Schnell Nach der in Nr. 990 bis 993 ers
schritt ! -
Avan - theilten Belehrung; mit dem Bemerken ,
cirt !«
» Halt! « daß die Bajonetſpiße etwas erhoben und
Im Schnell- | nach vorwärts gerichtet wird , um das
schritt - kaufen zu erleichtern , und zu verhü
Reti
rirt !« ten , daß die Bajonetſpiße den Boden
| Halt ! " berühre.
265

Stommando
Worte. Belehrung.

Auf das ħalt wird das Gewehr | 1019 .


ſogleich wieder in die bei der Stellung
vorgeſchriebene lage gebracht.
Rechts ! - Nach der in Nr. 995 bis 998 , 1080.
Volt ! «
„ Links ! — dann in Nr. 1003 ertheilten Belehs
Volt ! “ rung ; wobei das Gewehr in der für
u . ſ. w . die Stellung vorgeſchriebenen Lage ver
» Sprung bleibt.
rückwärts !
- Eins ! “

» Gerader Die Bewegung des Körpers " ift | 1021.


Stoss ! —
Eins ! in Nr. 999 erklärt worden . Das Ges
weer wird auf das Avertiſſement zum
Stoße , mittelſt Erhebung der rechten | Plan
XIII .
Fauſt biß rüdwärts der Hüfte und Fig . 1
Wendung der Bajonetſpiße in gerader
Richtung vorwärts , in eine wagrechte
Lage gebracht , aus welcher es auf das
Kommando : » Eins!« durch Vorſtres Fig
den des rechten Armes kräftig gegen
die Bruſt des Gegners geſchwungen
wird.
Hierbei iſt darauf zu ſehen , daß 1033.
der rechte Arm bei der Führung des
Stoßes gut ausgeſtreckt werde. Das
Schloß bleibt nach abwärts gewendet.
In dem Augenblicke des Stoßes vers
-läßt die linke Hand ihre Stelle am
unteren Laufringe, und der redte
866

Kommando:
Worte. ? Belehrung. -

Vorarm dient der Rolbenflåde


a 16 Stufe. Unmittelbar nach volls
führtem Stoße wird das Gewehr mit
der rechten Hand zurücgeriffen , mit
der linken aber wieder an dem untes
ren Laufringe erfaßt, und in die bei
der Stellung vorgeſchriebene lage ges
bracht.

1033. . Der Ausfall erfolgt nach der in


fall ! «
Nr. 1000 ertheilten Belehrung, in Vers
bindung mit einem nach obiger Erflä
rung vollführten Stoße. In ſo lange
das Rommando abtheilig ausgeſpro
chen wird , hat auf: Aus« das Ses
wehr in die für den Stoß erklärte wag
Plan rechte Lage gebracht, auf: » fall! « aber,
XIII,
im Vereine mit dem Vorfeben des lin
Fig . 3 .
ken Fußes , kräftig vorgeſchwungen zu
werden . Hierbei muß gleichfalls auf
gehöriges Stređen des rechten Armes
und des rechten Kniees , ſo wie auch
darauf geſehen werden , daß das Ges
wehr vor dem Ausfalle nicht mehr als
nöthig zurüdgezogen werde ; weil hiers
durch der Stoß verzögert würde. Des
gleichen iſt darauf zu achten , daß die
Bajonetſpiße gegen die Bruſt des Geg
LY

o n ers und nicht höher geſchwungen werde,


267

Kommando :
Worte. Belehrung.

wie dieß anfänglich häufig der Fall


ſein wird .
Nach vollführtem Ausfalle wird 1034.
ſogleich wieder die vorſchriftsmäßige
Stellung genommen .
Bei erlangter Fertigkeit im Augs 1085 . ,
falle wird das Kommando bierzu nicht
mehr abtheilig , ſondern , wie bereits
geſagt, zuſammenhängend ausgeſpros
chen ; daber auch das Verſeßen des Ges
wehres in die wagrechte Lage und der
Stoß möglichſt in einem Lempozu
erfolgen haben .
Der Soldat muß ferner geübt 1026.
werden , unmittelbar nach dem Auss
falle den Sprung růdwärts zu
machen ; weil dieß das geeignetſte Mits
tel ift , fich dem Rüdſtoße des Gegners
zu entziehen , falls derſelbe nämlich den
gegen ihn geführten Stoß parirt hätte,
und ſelbſt einen Ausfall machen ſollte.
Hierzu wird , wie bereits bekannt, vor
erft avifirt: Ausfall und Sprung
rückwärts !« , ſodann aber : »Aus
fall !« fommandirt.
» Doppelter Küdſichtlich der Bewegung der Füße 1027.
Ausfall ! - und des Körpers gelten die in Nr. 1002
Ausfall !«
gegebenen Regeln , und es wird hier nur
noch bemerkt , daß in dem Augenblice,
68

Kommando. Į ; Belehrung. . .
Worte.

wann der rechte Fuß neben dem linken


auf den Boden geſeßt wird , das Sec
wehr auch ſchon in die für den Stoß
vorgeſchriebene wagrechte lage kommt,
beim Vorfeßen des linken Fußes aber
de: Ausfall ſogleich ſtattzufinden habe.
1028 . Der doppelte Ausfall iſt das geeig
neteſte Mittel, um einen ſchnell zurüc:
weichenden Gegner zu erreichen .
1029. » Einfache Ohne die Stellung des Körpers zu
Parade ! — verändern , wird das Gewehr mit der
Plan
XIV . linken Hand erhoben , und mittelſt
Fig . 1 . Strecken des linten Armes , ein kräftiger
Schlag vors und rechts ſeitwärts geges
ben ; wodurch das Bajonet in die Höhe
des Auges , die Rolbenſpiße vor die
rechte Hüfte zu ſtehen , und der rechte
Vorarm auf den Kolben zu liegen kom
men wird.
1030 . Mittelft dieſer Parade wird jeder
Bajonetſtoß abgewehrt , und das
Gewehr des Gegners gleichſam ſtreifend
auf die Seite geſchleudert. Haupterfor:
derniß bleibt es aber , dem Soldaten
die Anwendung der Parade praktiſch zu
lebren . Hierzu ſtellt man ſich , mit einer
Fechtſtange verſehen , gegenüber deg :
felben , und inarfirt einen Stoß oder
Ausfall, während der Soldat dieſen
269

Sommando :
Worte. L : Belehrung. . .
auf die vorſtehend beſchriebene Weiſe
abwehrt.
Unmittelbar nach der Parade folgt | 1031.
in der Regel ein Stoß oder Ausfall .
Solljedoch - wie dieß beim erſten Unters
richte der Fall iſt, — wieder in die Stel
lung übergegangen werden , ſo geſchieht
dieß auf dasKommando : » Stellung !«
» Doppelte Die doppelte Parade fommt in 1032.
Parade ! -
Eins ! - Anwendung , wenn der Gegner den
Zwei ! « Stoß blos marfirt , nämlich eine Finte
macht , in dem Augenblicke aber, wo er
den ihm Gegenüberſtehenden dadurch
zur Parade verleitet , ſogleich einen
zweiten , auf der inneren Seite an
bringt. ,
Auf: » Eins !“ wird die einfache 1033.
Parade ausgeführt, auf: » Zwei!«
aber , zur Abwehr des auf der inneren
Seite erfolgenden Stoßes , ein einfas
cher Schlag mit dem Gewehre links ſeits Plan
XIV .
und abwärts vollführt; wobei das Ge Fig . 8 .
wehr möglichſt dergeſtalt zu drehen
kommt, daß der Schlag mit dem Laufe
erfolge. Gleichzeitig mit der Parade
» Z w ei« hat der Mann jederzeit einen
Sprung rücwärts zu vollführen , um
fich, dem etwa tief gegen den Fuß gerich
teter. Stoße des Gegners , welcher ſehr
270

Kommando:
Morte. Belehrung. . .
ſchwierig zu pariren iſt, um ſo ſicherer
zu entziehen . Nach dem Sprunge rück
wärts wird wieder die tiefe Stellung an
genommen ; und findet der Soldat hiers
auf Gelegenheit , ſelbſt einen Stoß ans
zubringen , ſo kann er dieß ain füglich
ſten mittelft des doppelten Aus
falles Dwbewirken
uten ..

1034. Um dem Soldaten die Anwendung


der doppelten Parade zu zeigen ,
hat der Fechtlehrer mit der Fechtſtange
einen unvollkommenen Stoß gegen dens
ſelben zu führen , und wenn er ihn das
durch zur Parade » Eing« verleitet hat,
ſchnell einen zweiten auf der inneren
Seite anzubringen , welchen der Soldat
durch die Parade Z w ei« und den
darauffolgenden Sprung rückwärts abs
wehrt.
1035. » Schul - Auf dieſes Rommando wird das
tert !" Gewehr auf die linke Schulter gebracht,
und die für gewöhnlich vorgeſchriebene
Stellung genommen .
871

Rommando:
Worte. Belehrung.
II. Wegen Kavallerie.
1. Gegen den mit dem Säbel
bewaffneten Reiter.
Gegen den Die Stellung iſt aus Nr. 1006 bes 1036.
Säbel! - Plan
Stellung !« fannt, und es wird hier wiederholt ers XIV .
innert, daß die Schwere des Körpers Fig . 3 .
auf dem linten Fuße ruhen müffe,
um dem anreitenden Ravalleriſten leichter
und ſchneller rechts ſeitwärts ausweis
chen zu können .
Das Gewehr wird in die ſenkrechte 2037 .
Lage gebracht, mit der rechten Hand am
Kolbenbalſe, mit der linken aber am
unteren Laufringe erfaßt, und dergeſtalt
vor dem Leibe gehalten , daß die Bajo
netfpiße aufwärts , der kauf vorwärts,
- bei der Rammerbüchſe das Schloß
vorwärts und der Lauf rechts ſeits
wärts - fehe, die linke Hand eine
Spanne weit vor der linken Schulter,
und die rechte Hand knapp vor der rech
ten Hüfte zu ſtehen komme.
In dieſer Stellung erwartet der 1038.
Soldat den auf ihn anreitenden Geg
ner. Jedenfalls hat er die Bajonetſpiße
nicht gegen die Bruſt des im Laufe bes
griffenen Pferdes zu richten ; weil er da
durch zwar das Pferd verwunden oder
272

Kommando:
• Worte. : . . , , .. Belehrung.
tödten , von dem Gewichte desſelben
aber beim Sturze zu Boden geworfen ,
ſomit fampfunfähig werden könnte.
Sein Streben muß vielmehr dahin ge
hen , dem Pferde auszuweichen , die
linke Seite des Reiters , auf welcher
dieſer von dem Säbel nur einen be
ſchränkten Gebrauch machen kann , zu
gewinnen , und ſein Bajonet gegen den
Reiter zu richten . Dieß wird auf nach
ſtehende Weiſe bewirkt:
1039. » Schlag und Der Sprung rechts erfolgt auf die
Plan Sprung in Nr. 1007 und 1008 erklärte Weiſe.
XV . rechts ! -
Eins !« Gleichzeitig mit dem Seitenſprunge, und
zwar in dem Augenblidé,wann der Mann
mit dem rechten Fuße ſeitwärts tritt, wird
durch raſches Vorſtrecken des linken Armes
mit dem Gewehre ein Schlag gegen den
Pferdefopf geführt, der , - wenn er
auds nicht treffen ſollte , - jedenfalls
dazu dienen wird, das Pferd ſcheu , und
von der geraden linie rechts - ſeitwärts
abſpringen zu machen .
1040. » Ausfall ! « Unmittelbar nach dem Seitenſprun
Plan ge vollführt der Soldat den Ausfall auf
XVI.
die bekannte Art , jedoch mit aufwärts
gegen die benden des vorbeireitenden
Gegners gerichteter Bajonetſpiße, was
man den bohen Ausfall nennt. Hiers
I zu muß das Gewehr im Momente des 1
273

Kommando
Worte. Belehrung.

Sprunges in eine dem hohen Ausfalle


entſprechende Lage gebracht, nämlich ſo
gehalten werden , daß der linke Vorarm
über die Magengrube zu liegen , die
rechte Fauſt aber rüd - und abwärts der
Hüfte zu ſtehen komme.
Nach dem Ausfalle wird wieder 1041.
die tiefe Stellung genommen , und das
Gewehr ſo gehalten wie unmittelbar vor
demſelben .
Das Kommando zum Ausfalle 1042 .
erfolgt übrigens nur beiin Unterrichte.
In der Folge ſind auf das Kommando :
» Schlag und Sprung rechts ! –
Eins !« Sprung, Schlag und Aus
fall gleichſam in einem Tempo auszu
führen .
> Caracollirt!« Der Zwed des Caracollirens iſt 1043 .
bereits in Nr. 1009 angegeben worden . Plan
Das Gewehr behält hierbei dieſelbe Lage, | XVII .
wie unmittelbar vor dem hohen Aus
falle , und es werden zeitweiſe Stöße
gegen den Reiter markirt, um denſel
ben zu falſchen Paraden , ſomit zum
Geben einer Blöße zu verleiten , die
man dann mittelſt Anbringung eines
kräftigen Ausfalls ſogleich benüßt. Die
ſer Moment wird beim Unterrichte durch
das Kommando :
Halt !« l bezeichnet . Plan
Abriďtungs-Regl. f. t. Juft. 18
274

Kommando :
Worte. Belehrung.

1044 . Der Soldat fommt ferner zu _ bes


lehren , daß er trachten müſſe , immer
außerhalb dem Bereiche des Säbels zu
verbleiben ; weil er bei dem Umſtande,
daß ſeine Waffe viel länger als die des
Gegners ift, dieſen immer noch mit der
Bajonetſpißewird erreichen können , ohne
Gefahr zu laufen , von ihm mit dem
kürzeren Säbel getroffen zu werden .
Daher ſoll er auch nach angebrachtem
Stoße zeitweiſe den Sprung rückwärts
» Schul - тафет.
1045 . tert! « Siehe Nr. 1035.

2. Gegen den mit der Lanze


bewaffneten Reiter.
>>Gegen die
Lanze ! –
1046 . Stellung!« Die Körperſtellung iſt dieſelbe wie
Plan
XIX .
jene gegen den mit dem Säbel bewaff
Fig . 1 , 2 . neten Reiter, nur daß die rechte Schul
ter etwas mehr verſagt wird , und die
Schwere des Körpers auf dem rechten
Fuße ruht; weil es ſich hier nicht wie
gegen den mit dem Säbel Bewaffneten
darum handelt , die linke Seite desſel
ben zu gewinnen , vielmehr geſtrebt wer
den muß, an deſſen rechte Seite zu ges
langen , überdieß die von der Rechten
zur Linken erfolgende Parade der Lanze
275

Kommando :
Worte. Belehrung.

nur dann mit dem nöthigen Nachdruce


geſchehen fann , wenn der Körper auf
dem rechten Fuße ruht.
Das Gewehr wird auf eine von der 1047.
Stellung gegen den Säbel gånzlich vers
ſchiedene Art , nämlich mit der Bajos
netſpiße abwärts gewendet, ſo gehal
ten , daß die am Kolbenhalſe befindliche
rechte Hand eine Spanne weit rechts
ſeitwärts des rechten Auges , die linke
aber , welche das Gewehr zwiſchen dem
unteren und mittleren Laufringe hält,
ungefähr zwei Spannen weit vorwärts
der rechten Hüfte zu ſtehen komme. Von
vorne angeſehen , zeigt ſich der Lauf
etwas einwärts , nämlich gegen die linke
Seite hin gewendet, um die in jener
Richtung erfolgende Parade der lange
mit dem laufe bewirken zu fönnen .
Das Geſicht bleibt ganz frei, und
der Blic unausgeſeßt auf die Spiße der
Lanze gerichtet.
Aus dieſer Stellung wird jeder 1048.
Lanzenſtich durch eine geringe Wendung
des Oberleibes links , und das gleich
gettige Linksſeitwärtsſchieben des Ge
Die Lanze wehres auf nachſtehende Weiſe parirt :
parirt! -
Eins !« Das Gewehr wird in der inneho : 1049. , :**
376

Rommando . Belehrung. . :
Worte.

benden Lage, bei røneller Wendung des


Oberleibes links , mit beiden Händen
raſch links-ſeitwärts bewegt, und hierbei
der linke Arm dergeſtalt links vor - und
ſeitwärts geſtredt , daß die Bajonetſpiße
ungefähr zwei Fuß über den Boden zu
ſtehen komme. Das Gewicht des Kör:
pers geht in dieſem Augenblicke aufden
linken Fuß über , während der Abſaß
des rechten , zum Ausſchreiten bereit, er
Plan hoben wird .
XX . » Erhebt die
Fig . 1 . Lanze ! - 1 · Die auf ſolche Weiſe parirte Lanze
1050. Zwei !«
wird nun mit dem Gewehre ſchnell bis
über die eigene Kopfhöhe gehoben , wozu
der linke Arm vollkommen , der rechte
aber mäßig aufwärts geſtreckt wird , da
mit das Gewehr ſchräge , nämlich mit
etwas erhobener Bajonetſpiße zu liegen
komme. Gleichzeitig mit dem Erheben
der Lanze muß der Soldat fich dem
Reiter ſchnell nähern , und zwar wo
möglich ſo , daß er auf deſſen rechte
Seite komme , zu welchem Ende er mit
dem rechten Fuße ausſchreitet, einige —
beim Unterridte vier kleine Schritte
vollführt , und ſodann auf das Rom
mando : -
>>Voltirt ! - mittelſt eines mit dem Gewehre
PlanXX . | Drei !«
Fig . 2 .
Kommando:
Worte. Belehrung.
_ _

von der Linken zur Rechten erfolgenden


Schlages und der gleichzeitigen Wen
dung (Volt ) des Körpers gegen den
Reiter , die lanze mit Schwungfraft auf
die Seite idleudert ; hierauf dieſelbe
Stellung wie vor dem hohen Ausfalle
nimmt und aus dieſer auf das Rom
mando :
» Ausfall ! - den Ausfall mit möglichſter Schnel Plan
Vier !“ XX .
ligteit vollführt. Fig . 3 .
Ob ſich der Soldat während des
Vorwärtsſchreitens rechts oder links
ſeitwärts bewegen ſoll, hängt von Ums
ſtånden , nämlich von der Art des An
reitens des Gegners ab. Jedenfalls muß
er aber tradter', deſſen 'rechte Seite
zu gewinnen ; weil derſelbe dort von
ſeiner langen Waffe nur einen beſchränk
ten Gebrauch machen kann.
Für den Ausnahmsfall endlid , wo 1051,
die Parade » Eins « unvollkommen oder
nicht zeitgemäß ausgeführt worden wäre,
und der Gegner die gegebene Blöße
durch das Anbringen eines lanzenſti:
ches auf der inneren (rechten ) Seite
benüßen ſollte, genügt es zur Abwehr
desſelben , mit dem Gewehre und Rörs
per ſchnell in die Uritellung zurüdzu :
fehren . Der geſchicte Fechter fann ſo
378

Kommando:
Worte. Belehrung.
dann mittelft augenblidlichem Erheben
der linken Hand die Lanze mit dem
Gewehrlaufe auf der inneren Seite faſs
fen , ſolche mit Schwungkraft von der
Rechten zur Linken ſeitwärts ſchleus
dern , und ſodann den Ausfall anbrins
gen . Der minder Geſchidte hat ſich jes
doch mit der vollbrachten Parade zu bes
gnügen.

1052. Die hier zur Vertheidigung gegen die Lanze angegebes


nen vier Tempo werden nur beim erſten Unterrichte abtheilig
auf das Rommando , ſpäterhin , nach vorangegangenem
Aviſo zur Parade , auf das bloße Vorzählen , endlich bei
vollkommen erlangter Fertigkeit , ohne alles Vorzählen auf
das Kommando : » Die Lanze - parirt!« zuſammens
hängend, ſchnell nacheinander , vodjührt. .
1053. Um dem Soldaten die zur Vertheidigung gegen die Lanze
nöthige Geſchidlichkeit praktiſd beizubringen , muß, — falls
man nicht Gelegenheit hat, die Übung gegen wirkliche Reiter
vorzunehmen , - der Fechtlehrer fich mit einer langenähnlichen
Stange verſehen , auf eine Bank oder einen ſonſtigen erhöhs
ten Gegenſtand ſtellen , und von dort aus gegen den in
angemeſſener Entfernung ,von ihm , und zwar abwechſelnd
etwas rechts oder links ſeitwärts ſtehenden Soldaten einen
Stoß führen , welchen dieſer auf die ihm gelehrte Art pas
rirt, die Lanze - bei gleichzeitig raſchem Annähern links
oder rechts — erhebt, ſeitwärts ſchleudert, und den Aus
fall markirt.
279
Nähere Beſtimmungen , wie z. B . über die beim Erhe- 1054.
ben der Lanze zu vollführende Schrittzahl, dann ob hiers
bei rechts oder lints ſeitwärts geſchritten werden ſoll, laſſen
ſich nicht geben ; weil dieß beim wirklichen Kampfe , von
der ſo mannigfaltigen , im Vorhinein nicht abzuſehenden Art
des Anreitens und der Bewegung des Gegners abhängt, fo
mit jederzeit dem eigenen Urtheile überlaſſen bleiben muß. ; .
Daher erſcheinen auch die hier gegebenen Regeln nur als eine
allgemeine, die Geſchidlichkeit des Soldaten zum Kampfe
gegen die kanze fördernde Anleitung, als eine für alle dents
baren Gefechtsmomenie berechnete , feſtſtehende Vorſchrift.
guji .
Jedenfalls muß aber dem Soldaten wohl eingeprägt werden ,
daß er vor Alem trachten ſoll, bem Pferde des auf ihn anreis
tenden Gegners ſchnell auszuweichen , und zwar womöglich
ſo , daß er auf die rechte Seite desſelben tomme. Ferner muß
er ſeinen Blic unausgeſeßt auf die Spiße der Lanze richten ,
und ſuchen , dieſe mit dem Gewehre zu pariren , nach voll:
führter Parade zu erheben , ſodann ſich dem Gegner , zumal
der Pferdefrupe , möglichſt ſchnell nähern ; endlich aber die
Lanze kräftig auf die Seite ſchleudern , und unmittelbar hier:
auf den Stoß anbringen . Nach dem Stoße wird bei dem
Kampfe gegen die Lanze in der Regel kein Sprung rüdwärts
vodführt; weil, je näher man ſich dem Reiter befindet, man
deſto weniger von deffen langer Waffe zu beſorgen hat.
Schließlich wird noch erinnert , daß der Soldat die 1055.
Stellung gegen die Lanze immer erſt im leßten Augenblice,
nämlich wenn der Reiter fich ihm ſchon bis auf den Stoß
bereich genähert hat, zu nehmen habe; weil ein langes Vers , ii
weilen in derſelben zu febr ermüdet.
. Bei Befolgung dieſer allgemeinen Regeln , wird ein 1056.
gewandter , mit ſeiner Waffe vertrauter , entſchloſſener In
fanteriſt jeden Kampf gegen den mit der Lanze Bewaffneten
280
ſiegreich beſtehen , wofür die Erfahrungen der Kriege hin
längliche Belege liefern ..
S . 80.
Anleitung zur Vertheidigung gegen mehrere
Ravalleriſten.
1057. Iſt der Soldat in der Vertheidigung gegen einzelne
Reiter gehörig ausgebildet, ſo muß ihm auch die Art der
Vertheidigung gegen den gleichzeitigen Angriff mehrerer
feindlichen Reiter gelehrt werden .
1058, Rommen zwei Reiter gegen ihn angeſprengt, ſo muß
er - vorausgeſeßt, daß ihn keine Terraingegenſtände ſchüßen ,
- dem Einen entgegeneilen , weil ein unerſchrocenes drei
ſtes Entgegentreten, in ſolchen Fällen immer von vortheilhaf
ter Wirkung iſt. Sobald er ſich dieſem hinlänglich genähert
hat, wird er trachten , deſſen linke Seite zu gewinnen , falls
nämlich ſein Gegner mit dem Säbel bewaffnet iſt , und von
dort aus jede Gelegenheit zum Anbringen des Stoßes ſchnell
benüßen , welchen er vorzugsweiſe gegen die lenden , Bruſt
oder den Unterleib , bei einem Rüraffiere aber gegen die
Weichen oder die Armböhle führen wird . Hat er den einen
Reiter kampfunfähig gemacht, ſo wird es ihm nicht ſchwer
fallen , auch mit dem zweiten fertig zu werden . - ;
1059. Hauptregel bleibt es hierbei jedoch , den Schuß ſo lange
als möglich im Laufe zu ſparen , und nur dann zu ſchießen ,
wenn die größtmöglichſte Wahrſcheinlichkeit des Treffens vors
handen iſt.
1060. Wil der Infanteriſt einen Reiter herbeiloden , dem es
am Muthe fehlt, fich ihm zu nähern , ſo macht er Miene, als
ob er ſein Gewehr erſt laden wollte , und wenn dieſer das
durch irre geführt , auf ibn lośreitet , ſo bringt er ſeinen
Schuß im nahen Bereiche mit Sicherheit an .
281
Eine ſchnelle Beendigung des Kampfes muß das haupt- 1061. .
ſächlichſte Beſtreben des Jnfanteriſten ſein , da Ermüdung beiihm
weit leichter eintreten und gefährlicher werden fann , als bei
dem Gegner.
Übrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß der Soldat jede 1068.
günſtige Bodenbeſchaffenbeit zu ſeiner Dedung benüben müſſe,
und er wird, unter dem Souße nur einigermaßen decender
Terraingegenſtände, ſelbſt mehreren Ravalleriſten hartnädigen
Widerſtand zu leiſten vermogen , vorausgeſeßt, daß er die
nöthige Geiſtesgegenwart, Entſchloſſenbeit und Gewandtheit
beſikt.

S. 81. .
Das Schwingen und Ballſtoßen .
Das Schwingen und Ballſtoßen dient dazu , um den 1063.
Soldaten kraftvoll und geſchickt ſtoßen oder ausfallen zu lehren.
Hierzu wird ein Ball von ungefähr 4 - 6 Zolle im Durch :
meſſer an eine Sanur dergeſtalt frei ſchwebend aufgehängt,
daß ſolcher nach Widfür in der gewöhnlichen Höhe einer
Mannsbruit , oder in jener der Bruſt eines Reiters feſtges
ſtellt werden könne. Der Ball iſt mit leder , Zwild oder
Leinwand überzogen , mit Kühhaaren oder Werg ausgefüllt,
und fann zur beſſern Dauerhaftigkeit mit Eiſendraht ums
flochten werden . Im Inneren wird ein Bleigewicht anges
bracht , um dein Balle mehr Schwere zugeben , ſomit zu
verhindern , daß er zu ſehr ſchwante. Am oberen Theile wird in
ein Ring von Eiſendraht befeſtigt , mittelſt deſſen Der Ball
in einen an der @ dynur anzubringenden Saken eingebängt
wird. Die Art , die Schnur entſprechend zu befeſtigen , hängt
von Lokalverbältniſſen ab, und bedarf wohl keiner beſonderen
Belehrung oder Vorſchrift.
282
1064. Auf 9 Fuß von dieſemn Ballewird auf dem Boden eine
Liniemarkirt. Dieſe Linie bezeichnet die Stelle, wo der Soldat
ſich beim erſten Unterrichte im Badſtoßen mit dem rechten
Fuße aufftellen , und die vorgeſchriebene Stellung , mit der
Front gegen den Ball, nehmen müſſe. Bevor er den Auss
fall vollführt , hat er das Gewehr einigemal mit beiden
Händen dergeſtalt nach vors und rüdwärts zu ſchwingen ,
daß die Bajonetſpiße in die Richtung des Balles komme.
Glaubt er dieß erzielt zu haben , ſo vollführt er den Ausfall
auf die bekannte Art , und ſucht mit der Bajonetſpiße die
Mitte des Balles zu treffen . Weicht der Bal nach erhaltenem
Stoße in gerader Richtung zurüc , ſo iſt dieß ein Beweis,
daß er gut getroffen worden iſt; während, wenn er ſchief ab
ſpringt , der Treffpunkt ſeitwärts gelegen ſein wird. Haupts
regel bleibt es, daß der Soldat nach bewirktem Ausfalle , ſo
gleich wieder die vorgeſchriebene Stellung nehme, und den
Sprung rüdwärts vodführe.
1065. Da es ſich bei einiger Ungeſchidlichkeit des Mannes leicht
ergeben kann , daß derſelbe nach dem Ausfalle die Bajonet
ſpiße gegen den Boden fallen läßt , wodurch das Gewehr
Schaden leiden könnte ; ſo wird es gut ſein , wenn man ans
fänglich zwiſchen dem Balle und der auf dem Boden markirs
ten Linie eine mit Stroh umwundene, 2 '/, Schuh hohe
Barriere anbringt, oder auch einen Striď wagrecht ſpannt,
auf welchem das Gewehr im erwähnten Falle einen Stüß
punkt findet , ſomit verhindert wird , gånglich gegen den
Boden zu fallen .
1066. Hat der Soldat hinreichende Fertigkeit im Balſtoßen aus
der feſten Stellung , und zwar ſowohl in der gewöhnlichen
Höhe einer Mannsbruft , als in jener des Reiters erlangt,
ſo muß er dasſelbe ohne vorangehendes Schwingen des Ges
wehres, und in der Folge auch während des Anrüdens im
283
Schnellſchritte , auszuführen lernen ; wobei nach dem Aus
falle gleichfalls ſtets der Sprung rüdw arts ſtattzufinden
hat, außer wenn der Ausfall gegen einen mit der Lanze bes
waffneten Reiter gedacht wird.
Dieſe Übung geſchieht Mann für Mann , ohne Rom = 1067.
mando, nach eigener Beurtheilung des Soldaten.

S. 82.

Übungen mit der bereits unterrichteten


Mannſchaft.
Hat der. Soldat die einzelnen Bewegungen und Griffe 1068.
des Bajonetfechtens erlernt , ſo muß er geübt werden , meh
rere derſelben im Zuſammenhange, wie ſie beim wirklichen
Rampfe vorkommen , auszuführen , nämlich unmittelbar nach
dem Ausfalle einen Sprung rückwärts machen , nach der ein
fachen Parade einen Stoß anbringen u . dgl.
Hierzu werden diejenigen Griffe , welche im Zuſam - 1069.
menhange vollführt werden ſollen , vorerſt aviſirt , und dann
derjenige, mit welchem der Anfang gemacht werden ſoll,
nach Vorſchrift fommandirt , oder nochmals ohne Betonung
wiederholt, und zum Beginn der Ausführung das Wort :
» Eins!« ſcarf ausgeſprochen .
Rüdſichtlich der entſprechenden Zuſammenfeßung der 1070.
verſchiedenen Bewegungen und Griffe des Bajonetfechtens
dienen folgende Rommando als Beiſpiel :

Gegen Infanteriften.
1. „Gegen Infanterie ! — Stellung !«
2 . » Ausfall und Sprung rückwärts ! - Ausfall !«
3 . » Doppelter Ausfall und Sprung rückwärts ! -
Doppelter Ausfall ! — Eins !“
284
.. . 4 . » Einfache Parade und gerader Stoss! -- Ein
fache Parade ! — Eins !«
5. » Doppelte Parade , doppelter Ausfall und Sprung
rückwärts ! — Doppelte Parade ! - Eins ! Zwei !«
. 6 . » Einfache Parade, Volt rechts und Ausfall! -
Einfache Parade ! -- Eins !«
7. »Einfache Parade, Volt rechts , im Schnellschritt
avancirt, Ausfall und Sprung rückwärts ! — Einfache
Parade ! — Eins !«
8. » Einfache Parade , Sprung rückwärts, im Schnell
schritt retirirt , Halt und doppelter Ausfall ! – Einfache
verir Parade ! - Eins! « , . . is i ni

Gegen den mit dem Säbel bewaffneten Reiter.


1071. . . 1. »Gegen den Säbel! — Stellung !«
2 . » Schlag und Sprung rechts , Ausfall und Sprung
rückwärts ! - Schlag und Sprung rechts ! - - Eins !“
3 . » Schlag und Sprung rechts , im Schnellschritt
avancirt," doppelter Ausfall und Sprung rückwärts ! –
Schlag und Sprung rechts ! — Eins!« :
4. » Caracollirt, Halt , Ausfall und Sprung rück
wärts ! - - Caracollirt ! - Eins !«

Gegen den mit der Lanze bewaffneten Reiter.


1072 . 1. »Gegen die Lanze ! — Stellung !«
2. » Die Lanze – parirt !« (Ade vier Tempo.)
3. „Die Lanze parirt, in die Stellung,die Lanze links
schleudern und Ausfall! - Die Lanze parirt — Eins!«
1073. Hier iſt die Mannſchaft zu belehren, daß ſie jedesmal nach
* Vollendungeiner zuſammengefeßten Bewegungindie tiefe Stels
-tung zu übergeben und den balben.Apell zu geben habe.
285

Jit die einzelne Ausbildung der Mannſchaft genügend 1074.


vorgejarii ei , io fönnen die Übungen im Gliede,wobei ein
Mann von dem anderen , wie betannt, auf einen Schritt
Abſtand zu ſtellen fömmt, vorgenommen werden . In dieſem
Falle haben jedoch die Volten , dann das Caracollis
ren und alle Übungen gegen Reiterei zu unter:
bleiben ; da erſtere wegen des geringen Rauines , welcher
die Leure trennt, nicht ausführbar ſind, leştere aber ihrer ·
Weſenbeit nach , ſtets nur einzeln ſtattfinden fönnen . Soll
die Mannſchaft eines Gliedes Übungen , in welchen Volten
vorfemmen , dann jene gegen Reiterei vornehmen , ſo läßt
man dasſelbe links um machen , und hierauf Mann für
Mann den Solag und Sprung rechts , das Caracoliren ,
die Paraden gegen die lanze, die Volten , oder was immer
für zuſammengeſeßte Bewegungen vol führen .
In Fällen , wo ein höherer Vorgeſeßter ſich ſchnell von 1075.
dem Fortgange des Bajonet - Fechtunterrichtes überzeugen
will , fann auch eine in drei Glieder rangirte Abtheilung
hierzu beordert werden . Zu dieſem Ende vollführt auf das
Kommando: » Glieder auf doppelte Distanz vorwärts öff
nen ! – Marsch !« das erſte Glied acht, das zweite vier
Schritte gerade vor. Sodann erfolgt nach Nr. 931 das
Kommando : » Rechts und links öffnet — euch !« und
es wird , wenn die Leute ihre Diſtanz gewonnen haben , die
Übung auf die hier oben für ein einzelnes Glied angegebene
Weiſe mit allen drei Gliedern zugleich vorgenommen . Nach
beendigtem Bajonetfechten wird fommandirt : » Links und
rechts schliesst — euch ! «, und dann : » Glieder schlies
sen ! – Marseh !« ; worauf das zweite Glied 4 , das
dritte aber 8 Sæþritte vollführt.
Sdließlich wird noch erinnert, daß man die übung im 1076.
Bajonetfechten nicht gleią den Gewehrgriffen blos mechaniſch
286

betreiben , eben: ſo wenig lediglich als einen Produktions


gegenſtand behandeln dürfe ; ſondern daß jedem Manne der
Zwed ,und die Anwendung der verſchiedenen Bewegungen bes
greiflich gemacht und praktiſch gezeigt werden müſſe, widris
genfalls der Unterricht ohne allen Erfolg bliebe.
III. Abtheilung.
Stellung und Grerziren der Stab8s und Oberoffiziere
mit dem Säbel.

S . 83 .
Stellung und Ererziren der Stabsoffiziere
zu Pferde mit dem Såbel.

Tempo .

Zum Kommandiren zieht der Stabsoffizier, 1077.


- die Truppe mag mit oder ohne Gewehr aus:
gerückt ſein – jederzeit den Säbel.
Der Griff des Säbels wird mit dem Daus 1078.
men , Zeiges und Mittelfinger der rechten Hand
in der Mitte umfaßt, während die andern zwei
Finger rückwärts an dem Griffe ruhen .
Der Säbelknopf ruht auf dem rechten Schen - 1079.
tel ſo , daß die Klinge gerade aufwärts laufe und
eine Spanne von der rechten Schulter abſtehe. .

- Galutirungen .

Da ſich die Stabsoffiziere beim Empfange 1080.


eines Höheren ſtets vor der Front befinden , ſo
haben ſie vor jedem Vorgeſellten zu falutiren .
288 ,

Tempo.

1081. Die Salutirung vor der allerhöch


liten Herrſchaft wird, ſowohl auf der Stelle,
als während des Marſches , in der Entfernung
von 15 Schritten angefangen , und durch dreima:
liges Erheben und Senten des Säbels , wobei
von einem Tempo zu dem andern ſo lange auszu
halten iſt , als man langſam : eins, zwei, záb
len kann , auf nachſtehende Art vollbracht :
1082. I Der Säbel wird mit der rechten Hand derge
italt erhoben und gewendet, daß der Griff vor die
linke Bruſt tomme, die Klinge gerade aufwärts
fund der Griffbügel links ſeitwärts ſtehe. Der Dau
men liegt auf der inneren Seite des Griffes auf
wärts geſtemmt und der Ellenbogen bleibt am
Leibe geſchloſſen .
1083 .
Ter Sibel wird mit natürlich geſtredtem
Arme dergeſtalt an die rechte Seite herabgebracht,
daß der Griffbügel, gegen den Schenkel gewendet,
eine Handbreit von derſelben abſtehe , und die
Spiße vollkommen geſenkt ſei.
1084 . Der Säbel wird wie bei dem erſten Tempo
wieder vor die linke Bruſt erhoben ;
4 wie beim zweiten Tempo geſenkt;
wie beim erſten Tempo erhoben ;
wie beim zweiten Tempo geſenkt.
In dieſer tief geſenkten Lage hält der @ tabs
offizier den Säbel ſo lange, bis die Allerhöchſte
Herrſchaft vor ihm vorüber iſt , oder bis er dies
relbe länge der Front begleitet , und ihre Befehle
empfangen hat.
289
Tempo.

Zur Şerſtellung wird : 1086 .


der Säbel, wie beim erſten Tempo der Sas
lutirung vor die linke Bruſt erhoben , und
% wieder in die vorgeſchriebene Lage an die
rechte Seite gebracht.
Aufdieſe Weiſe geſchieht die Herſtellung nad 1087.
lieder Salutirung. Vor dem Hochwür:
digen wird die Stellung zum Gebete angenom
men ; nämlich das erſte und zweite Tempo der
Salutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft soll
führt , wozu die Truppe , falls fte im Marſch be
griffen wäre , zum Frontmachen und zum Stellen
oder Knieen zum Gebete zu beordern kommt.
Die Salutirung vor dem Kriegsminiſter 1088 .
und den Feldmarſchällen, ſo wie vor den Ars
mee - und Rorps-Kommandanten , wird ſo
wohlaufder Stelle, als während des Marſches ,in der
Entfernung von ſechs Schritten angefangen , und ers
folgt in zwei Tempo aufdieſelbe Art, wie das erſte
und zweite Tempo der Salutirung vor der allerhöch
ſten Herrſchaft ; nur daß die Säbelſpiße nicht ſo
tief geſenkt wird, nämlich eine Handbreit über
die rechte Fußſpiße erhoben bleibt. Das Begleiten
längs der Front geſchieht mit geſenkter Säbelſpiße ,
und erſt nach empfangenem Befehle erfolgt die Her
ſtellung.
Die gewöhnliche Salutirung , näm - 1089 .
lich vor jedem anderen Generalen , findet von
der Stelle ſowohl, als während des Marſches auf

Abrichtungs-Regl. f. d. Inft. 19
290

Tempo.

gleiche Weiſe und auf dieſelbe Entfernung ſtatt,


wie jene vor dem Kriegsminiſter; nur mit dem Bes
merken , daß die Säbelklinge beim zweiten Tempo
wagrecht gehalten wird .
1090 . In dieſer Lage hält der Stabsoffizier den
Sábel ſo lange, bis der General an ihm vorüber
iſt , oder er denſelben längs der Front begleitet,
und ſeine Befehle empfangen г.
1994hat.
1091 . Vor einem Stabsoffizier höheren Ran
ges erfolgt die Salutirung auf gleiche Weiſe, mit
dem Bemerken , daß die Herſtellung unmittelbar
hierauf ſtattfindet , und in dieſer Stellung auch
die Begleitung erfolgt. Zum Empfange der Be
fehle wird aber neuerlich falutirt , und hierauf der
Säbel wieder in die vorgeſchriebene Lage an die
rechte Seite gebracht.

Stellung zum Gebet.

1092. Wie das erſte und zweite Tempo zur Salu


tirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft, ebenſo auch
die Herſtellung.

Stellung zum Schwören.


1093. Nachdem der Stabsoffizier die Truppe zum
Schwören befehliget hat, verſorgt er den Säbel,
zieht den Handſchuh der rechten Hand aus,nimmt die
Kopfbedeckung ab, legt ſie in die linke Hand, welche
dieſelbemit dem Zeigefinger und Daumen umfaßt,
291

Cempo.

und erhebt hierauf die rechte nach der bekannten


Vorſchrift.
Nach dem Schwören wird die Kopfbededung 1094 .
aufgeſeßt, der Handſchuh angezogen , der Säbel
ergriffen, und die Truppe zum Aufſeßen des Ozafo
oder der Grenadiermüße u . ſ. w . kommandirt.

Stellung und Grerziren des Regia


ments - und Bataillons - Adjutanten zu
Þferde.
Der Regiments- und Bataillons - Adjutant 1095.
ziehen – außer vor dem Feinde zu ihrer perſönli
chen Vertheidigung — niemals den Säbel. Die
rechte Band – die Finger geſchloſſen – wird an
dem oberen Theile des rechten Schenkels dergeſtalı
ſchräg aufwärts aufgefeßt, daß der Daumen ober
halb an den Knöchel des Zeigefingers, und der kleine
Finger an die Hoſennaht zu liegen kommen ; wobei
der rechte Ellenbogen etwas zurücgenommen wird.
Salutirung.
Bei jeder Ausrüdung mit der Truppe wird 1096.
Jals Salutirung, ohne Unterſchied des Ranges
des Höheren , nur die vorgeſchriebene Stellung
angenommen ; ſonſt aber hierzu die rechte Hand
nad Vorſchrift an den Sonnenſchirm der Kopf-l
bededung erhoben.
Stellung zum Gebet.
Wird die rechte Hand an den Sonnenſchirm 1097.
der scopfbedeckung erhoben .
292

Tempo.

Stellung zum Schwören.


1098 , Wie bei dem Stabsoffiziere vorgeſchrieben iſt.

S . 84.
Stellung und Grerziren der Obers
- offiziere mit dem Säbel.

1099 Die Stellung des Offizieres iſt dieſelbe, wie


jene des Soldaten ohne Gewehr, desgleichen die
Salutirung , wenn er dieſe in einem dienſtlichen
Verhältniſſe, mit verſorgtem Säbel, auf der Stelle
zú leiſten hat. Außer Dienſt benimmt er ſich nach
der dießfalls beſtehenden Vorſchrift des Dienft
" reglements.
1100. Der Offizier hält den Säbel, bei etwas ge
bogenem Handgelenke , mit dem Daumen und
Zeigefinger dergeſtalt umfaßt an der rechten Seite,
daß ſich die Spißen dieſer zwei Finger berühren ,
die anderen aber geſchloſſen am Griffe ruhen .
Der innere Rand des Stichblattes berührt den
Schenkel. Der Griff iſt ſo weit zurüdgezogen ,
daß die Klinge gerade aufwärts ſtehe, und der
Rüfen an der Achſel rube.
i 1101. In dieſer Lage trägt der Offizier den Så
bel , die Truppe mag mit oder ohne Gewehr aus
gerüdt ſein , und zwar ſowohl als Kommandant
wie auch in Reih' und Glied , beim Empfangel
eines Höheren , während der Beſichtigung der
293

Tempo.

Truppe und während des Difilirens, ferner vor


Ausführung von Griffen mit dem Säbel.
Während des Ererzirens, und in den anderen 1102.
nicht beſonders erwähnten Gelegenheiten , iſt dem
ſelben jedoch zur Erleichterung geſtattet, den Säbel
auf folgende Art zu halten : Der Daumen und
Zeigefinger umklammern das obere Ende des
Griffbügels , der Säbelknopf ruht in der hohlen
Hand , der Rüden der Klinge an der Achſel. Der
rechte Arm iſt hierbei natürlich geſtreckt, der Ellen
bogen zum Leibe geſchloſſen , der innere Rand der
Parir-Stange berührt in der Stellung den Schens
fel. Während des Marſches darf mit dem Arme
nicht geſchleudert werden

Salutirungen .

Der Offizier ſalutirt nur dann , wenn er als 1103.


Rommandant einer ausgerüdten Truppe vor der
ſelben ſteht oder marſchirt.
Die Salutirung vor der Allerhöchſten 1104.
Herrſchaft , wird ſowohlaufder Stelle, als wäh
rend desMarſches, in der Entfernung von 15 Schrit
ten angefangen. Bei der Salutirung auf der Stel
le wird von einem Tempo zu dem andern ſo lange
ausgehalten , als man langſam : Eins, Zwei, zäh
len kann. Ju Marſche aber hat das erſte Lempo
immer in dem Augenblicke voldführt zu werden ,
wo der linke Fuß vorſchreitet, und es folgen dann
: 294

Tempo

die übrigen Tempo bei dem jedesmaligen Vorſchreis


ten dieſes Fußes ; wornach zwiſchen jedes Tempo
zwei Marſchtafte fallen .
1105 . Die Salutirung vor der Allerhöchſten
Herrſchaft auf der Stelle erfolgtauffolgende Art :
Wie im erſten Tempo der Salutirung des
Stabsoffizieres vor der Alerhöchſten Berrſchaft.
Wird der Säbel mit uatürlich geſtredtem
Arme an der rechten Seite ſo weit herabgeſenkt, daß
der Griffbügel an den rechten Oberſchenkel komme,
und die Spiße der Klinge eine Spanne vom Bos!
den abſtehe.
Der Säbel wird wie beim erſten Tempo vor
die linke Bruſt erhoben ,
wie beim zweiten Tempo geſenkt ,
wie beim erſten Tempo erhoben , i
wie beim zweiten Tempo gefenft, und
die linke Hand , nach der für den Soldaten
bei der Salutirung ohne Gewehr beſtehenden Vor
ſchrift, an den Sonnenſchirm der Kopfbededung
erhoben.
1106 . In dieſer Stellung bleibt der Offizier ſo lau
ge, bis die Allerhöchſte Herrſchaft auf 9 Schritte
vorüber iſt. :
1107. Zur Herſtellung wird :
Die linke Hand an die Seite herabgebracht,
der Säbel vor die linke Bruſt erhoben , und
mieder in die urſprüngliche Lage an die rechte
Seite gebracht.
295

Tempo .

Vor dem Hochwürdigen wird die Stel- 1108.


lung zum Gebete genommen ; wozu die Truppe,
falls ſie im Marſch begriffen wäre , zum Frontmas
chen , ſodann zum Stellen oder Knieen zum Gebete
zu beordern kommt.
Die Salutirung vor dem Kriegsminiſter, 1109.
den Feldmarſdällen, dem Armees und
Rorp 8 . Rommandanten , wird ſowohl wäh
rend des Marſhes, als von der Stelle, in der Ents
fernung von 6 Schritten begonnen , und erfolgt
wie vor der Allerhöchſten 'Herrſchaft, jedoch nur
mit einmaliger Senkung des Säbels und ohne
dię linke Hand an den Sonnenſchirm zu ers
heben.
Die Herſtellung , wie oben nach der Sa- 1110.
lutirung vor der Allerhöchſten Herrſchaft im zweis
ten und dritten Tempo erklärt, erfolgt auf die
Entfernung von ſechs Schritten .
Die gewöhnliche Salutirung vor iedem 1111.
Vorgeſeften erfolgt auf gleiche Weiſe, und auf
dieſelbe Entfernung wie vor dem Kriegsminiſter ;
wobei jedoch die Säbelſpiße nur ſo viel geſenkt
wird , daß die Klinge in eine wagrechte lage
komme.
Die Herſtellung wie nach der Saluti- | 1113 .
\ rung vor dein Kriegsminiſter.
Im übrigen hat ſich der Offizier, bei Be- 1113 .
Igleitung der Allerhöchſten Berrſchaft längs der
296

Tempo.

Front , wo es ihm als Kommandant der ausge


|rüdten Truppe zuſteht , und beim Empfange
ihrer Befehle , ſo wie auch bei Begleitung der
Generalität und anderer Vorgeſeßten , nach der
für den Stabsoffizier gegebenen Vorſchrift zu bes
nehmen .

Stellung zum Gebet.


1114 . Der Säbel wird an der rechten Seite mit
links einwärts gewendeter Schneide dergeſtalt ges
ſenkt , daß die Spiße eine Spanne von der Erde
abſtehe , und gleichzeitig die linke Hand an den
Sonnenſchirm erhoben.
1115 . Zur Herſtellung wird der Säbel ſowohl,
als die linke Hand in die vorgeſchriebene Stellung
zurückgebracht.

Niederknieen zum Gebet.


1116 . Das Niederknieen zum Gebete und Abnehmen
der Kopfbededung wird von dem Offiziere auf
gleiche Weiſe vollführt , wie es für den Sol
daten vorgeſchrieben worden , nur daß er bei
dem erſten Lempo den Säbel dergeſtalt fenkt,
daß die Schneide links einwärts gewendet und die
Spiße eine Spanne über den Boden erhoben ſei.
Desgleichen erfolgt das »Auf vom Gebet,«
auf die für den Soldaten vorgeſchriebene Weiſe,
297

Tempo.

wobei der Säbel bei dem leßten Tempo wieder an


die rechte Seite erhoben wird .

Stellung zum Sd wören.

Der Säbel wird an die linke Seite gebracht, 1117 . ,


Sund dort von der linken Hand dergeftalt übernom
men , daß der Daumen und Zeigefinger das obere
Ende des Griffbügels umklammern , der Säbel
knopf zwiſchen Zeige- und Mittelfinger , der Rü
den der Klinge aber an der linken Achſel ruhe.
Auf das Kommando zum Abnehmen der 1118 .
Kopfbedeckung wird die Kopfbedeckung nach Vor
ſchrift abgezogen , vor den linken Schenkel ge
bracht , und dort an der inneren Höhlung mit
dem Zeigefinger und Daumen der linken Hand
To gehalten , daß der Schirm gegen die rechte
Seite ſteht. Hierauf wird der Handſchuh der
rechten Hand abgezogen , und dieſe zum Schwure
erhoben .
Auf das Kommando zum Aufſeßen der Ropf- 1119.
bededung wird dieſe aufgeſeßt, der Handſchuh
wieder angezogen , auf das Schultert der Så
bel von der rechten Hand übernommen und wieder
an die rechte Seite gebracht.
1 Die Tempo zum Gebete ſtellen , Nieder- 1120.
knieen und Schwören vodführt der Offizier
in Reih ' und Glied auf das Kommando gleichzeitig
298 ,

Tempo.

mit der Truppe, als Kommandaut aber erft,


nachdem ſie von der Mannſchaft vollzogen wor
den ſind. Bei der Herſtellung dagegen vollzieht
er dieſe zuerſt , und kommandirt dann die Truppe
hierzu .
Horn -Signale
u no

Trommelſtre ich e.
Horn -Signale
zur Anwendung in der geöffneten Schlachtordnung.
A. Aviſo -Signale oder Rufe.
Ret t e.

unter ſt ů $ u in g. , PA
III
HUF

R e jerve.

Rechter Flügel.
fitt

linker Flügel.
CU
NIN

MD

to.
303
B. Commando-Signale.

TT
Vor w å r t 8.

a I t.

iitto
3 ur ü c .

ito
Redh t .
III

Link 8. -
-

Fe u e r.
CON
3

Feuereinſtellen.

A u flöſen.

Sa m me I n .
N
*
303
offne n .
Sehr langſam .

Schließ e n.
Schnell.

Heftig. S t u r m.

Als „Sturmmarſch « wird dieſes Signal etwas mäßiger, jedoch


in lebhaftem Marſch - Tempo geblaſen .
Schnell. R I u m p .e n .

A uflöſun g.
- - +

V e r ſt ä r fung.

V e r g atter ung.

iermal zu repetiren .
Beſchleunigung.
7
-
to.
304
Garniſons- und Feldſtöße.
Einfader Stoß. Doppelter Stoß.

I ag w a ch e.

HT
sit auf sobreocroatter
Wird auf Wachen viermal wiederholt.
Vergatterung.
il

In der Regel viermal zu wiederholen .


Die Vergatterung mit unmittelbar angehängtem Zeichen der Bes
ſchleunigung, und dieſe zwei verbundenen Signale dreimal wiederholt, bes
deutet: »Allarm ,« um im Lager und in Quartieren die Truppen ſchleu
nigſt zu verſammeln .
R a ft.
Ziemlich ſchnell.
- - -

Mehrmal zu wiederholen .
G e be t.

-
1

Hierauf folgt das Abblaſen.


Ganzer Ruf. ,
Halber Ruf.'

Bei Publikationen wird der ganze Ruf dreimal geblaſen .


305
General-Marſch
In etwas langſamerem als dem gewöhnlichen Marſch - Tempo.

HH
IL11
3 .

ILIC
M a r 1 ch.
105 — 108 Schritte in einer Minute. na .

ITTTTT

Bei Reichenbegängniffen wird der Marſch mit der Sour


dine und in einem langſameren Tempo geblaſen.
Berleun i gung.
Twit

Schneller als das gewöhnliche Marſch- Tempo.


ITTT
h

Abblaſen.
TITU

* S

Feuerlå r m .

Mehrmal zu wiederholen.
arbeitung Hel.e sapomal so wiederholen.
Abrichtungs-Regl. f. d. Inft. 20
306

Illiitttto:
i r d en r u f.

UiTito
langſam. hitto

IT
.
112
Zweimal zu blaſen.
Wenn der Kirchenruf zum Erſtenmale , zweimal durchgeblaſen
iſt , ſo wird ein einfacher Stoß; bei dem Zweitenmale ein doppelter Stoß
angehängt , und nad dem Drittenmale wird abgeblaſen .
Während der Meſſe werden für die Theile derſelben nachfolgende
Zeichen ggegeben
Anfan der ,Meſſe;
als : – Evangelium ; - Sanctus; – Vor:
zeiden zur Wandlung ; bei jedem drei halbe Rufe.
Wandlung , drei halbe Rufe, drei einfache Stöße und ein halber Ruf.
Communion , Ein halber Ruf, drei einfache Stöße, Ein halber Ruf.
Ende der Meſſe, drei halbe Rufe.
Segen , wie bei der Wandlung.
Ende der heiligen Handlung , das Abblaſen .
R e tra i t e.
Im Marſch - Tempo.
TITIT
UMIIT
Itt
HIITTO

With

- - - -
TO

TITI
IDEA

Tiitto
illiritto
Witte

IO

.
307

ito!

! I
O
TOUT
19 1 3.C III

+ 7 7.7
d i uk 19:11p / ha)
Zum Schluſſe folgt das Abblaſen.
Habt adt! : : : ,

Ausführungszeichen.
3
Außerdem werden noch folgende Avertiſſementsſtöße geblaſen :
Bei der Ankunft Seiner Majeſtät des Raiſers :
Drei ganze Rufe und der Generalmarſd).
Bei der Ankunft der kaiſerlich königlichen Hobeiten :
Zwei ganze Nufe und der Generalmarſch .
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Feld
marfchalls im Bereiche des ganzen Heeres, bei der eines
Armee kommandanten nur im Bereiche der ihm unters
ft e benden Armee, dann bei jenter eines A rmeeforps:
kommandanten nur im Bereiche des ihm unterſtehelt
dien Armeekorps, wo der Armeekommandant ſich nicht in
demſelben Orte befindet
Drei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeiſters oder Generals
der Ravallerie:
Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſdes .
THz. 11117

Bei der Ankunft eines Feldmarſchall-lieutenants :


Drei halbe Rufe und drei doppelte Stöße.
Bei der Ankunft eines Generalmajors :
Zwei halbe Rufe und zwei Doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Wachen :
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Stub.
80 *
808
Zum Herausrufen der Feldwebel :
Ein halber Ruf und drei doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Korporale vom Tage:
Ein halber Ruf und zwei doppelte Stöße.
Zum Herausrufen der Gefreiten vom Eage: .
Ein halber Ruf und ein doppelter Stoß .
Zum Herausrufen der Horniſten :
Ein halber Ruf und drei einfache Stöße.
Zu dem Herausrufen der Tambours :
Ein halber Ruf und zwei einfache Stöße. --
Trommelſtreiche.
Einfacher Streich .

Der einfache Streich wird immer nur mit Einem Schlågel, ſowohl
mit dew : linken als rechten geſchlagen ,
linker Schlägel.

rechter Schlägel,
Doppelter Streid. . .

Der doppelte Streich beſteht aus zwei getrennten , jedoch ziemlich


fanell nach einander folgenden einfachen Streichen .
rechter Schlägel.
Ausführung
linter Schlägel,
Dop p elſ de la g.

Der Doppelſchlag iſt derjenige Streich , wo beide Schlägel zugleich


kräftig auf das Fell auffallen .
sd le p p it re i d . ,

Bei dem Schleppſtreiche gibt ein Schlägel einen kurzen fchwächeren


Anſchlag , welchem der zweite Schlägel mit voller Kraft ſo richnell nachs
310
folgt , daß man die Trennung faum bemerken kann. Der Schleppſtreich
muß ſowohl mit der linken ale rechten Hand angefangen und ausgeführt
werden können .
links

totoot
Ausführung In
rechts 3 . .'.
Halber Ruf.

I
Bei dein halben Ruf gibt ein Schlägel einen einfaden Streid), dann
gibt der zweite Schlägel zwei Schläge ſchnell nacheinander , worauf der
Schlägel, der begonnen hat , noch einen einfachen Streich gibt. . I
1. 1.
Ausführung

År muß ſo eingeübt werden , daß ſowohl die linke als rechte Hand
den Ruf beginnen kann.“
Ganzer Ruf.

Der ganze Ruf iſt von dem halben nur dadurch unterſchieden , daß
er einen einfachen Streid mehr hat. Er muß ebenfalls ſo geübt werden ,
daß ſowohl die linke als rechte Hand denſelben beginnen kann.
Ausführung
I. I.
Ruder.
3 : oder

Der Rucker beſteht aus einem Schlepps und zwei einfachen Streis
dhen , welche ſehr ſchnell nach einander folgen.

Ausführung
311
W irbel.
www mimmmm

Wirbel durch einen Halber Taft. - Viertel Taft. Achtel Lakt.


ganzen Takt.
Die Ausführung beſteht darin , daß jeder Schlägel zweimal auf ,
das Fell auffällt,
rechts r. I. r. I.

Tag w a dh e.
Tempo , 90 - 95 Schritte in einer Minute.
A

Auf Wachen einmal durchzuſchlagen . .


Wenn die Tagwache bun mehreren Tambours geſchlagen wird , ſo
wird ſie durch 8 Takte von allen Tambourn gleich - dann abwechſelnd
durch 8 Tafte mit Wirbel geſchlagen. Die Tambours, die den Wirbel
dlagen , nehmen“zum Schluſſe ihres Wirbels, ſtatt dem Rucker mit dem
die Tagwache anfängt, einen einfachen Streich , welchem die vier
Schleppſtreiche folgen , und fofort bei allen Wiederholungen. 3 . B .
INA

Un

un tilattu Wirbel z
Ich genre
DA
1110H

m
19m

199pygalesua t u ething) 0 2
1312

MMMMM wwwww

Als Aviſo für die Tambours ſchlägt ein Tambour die erſten zwei‫ܕ‬Latte

auf ſämmtliche Tambours einfallen . Die Tagwache beſteht aus Ruđer,


Schleppſtreiche und Wirbel.
V e r g a t te r un g.
Ade Tambours Ciner Ade
do

Auf das Aviſo des Regiments - (Bataillons-) Tambours geben alle


Tambours einen Doppelſchlag, dann gibt der Vorſchläger einen Ruđer,
worauf von allen Tambours die Streiche der Vergatterung 16mal durch
geſchlagen werden , welche mit einem Ruđer endiget.
Iſt die Muſik zugegen , ſo führt ſelbe eine zu den Trommelſtreichen
der Vergatterung paſſende Muſik aus. Die Streiche der Vergatterung
beſtehen aus Doppelſchlag , Ruder , Schlepp - und einfachen Streichen
und ganzen Ruf.
Allarm - Streich
90 . 95 .
X

LU UIT

LIERA
1 2 1 2 1
Der Alarm -Streich beſteht aus viermal Vergatterung und einem
Rucker , worauf ein Schritt in der Stille ausfällt , dann ſechsmal Eils
ſtreich , welcher jedoch im Tempo der Vergatterung zu ſchlagen iſt. Wird
er von mehreren Lambours geſchlagen , ſo ſchlägt der Vorſchläger ein :
mal Vergatterung - einen Taft - allein , dann fallen ade Lam
bours ein . Er wird entweder mit dem Ruđer im fünften Latt å , oder
am Ende des Eilſtreiches mit einem Doppelſchlage geendiget.
313
TIT

R a ft. . .
Ein Tambour Alle

ULT
W
A

IL

Wird viermal repetirt und endiget mit dem Schleppſtreiche bei a .


Der Raſt beſteht aus Rucker, Doppelſchlägen und einfachen Streichen .
Iſt die Muſik zugegen, ſo führt ſelbe nach zweimaligem Durchſchlagen des
Raſtes, eine angemeſſene Mufit hierzu aus.
Bet ft u noe.
THETI

II

Wird von dem Repetitionszeichen an dreimal repetirt.


Dann folgen drei einfache Streiche und Abſchlagen .

fStreichen. , ufolgt
chlageNach einem
nd RudiedVorſtreiche
erBetſtunde
b de,, weinem
efunmit ela ganzen
welche
Rufe und einem einfachen
aus Doppelſchlägen , einfachen
Streichen und Ruđer beſteht. Nach Beendigung derſelben wird abges
General-Marſch der Grenadiere.
Tempo 90 bis 95 Schritte in der Minute.
Wirbel

1 2 3 4 Schritte
r
314
Der General - Marſch der Grenadiere beſteht aus Wirbel, Ruder,
einfachen Streichen und Doppelſchlägen . Bei allen nachfolgenden Wies
derholungen bleiben die 2 Lafte oder 4 Schritte Wirbel in Eingange
weg , und der Marſch beginnt dann immer von dem Repetitionszeichen
an , wozu von der Muſit die Volkshymne geſpielt wird.
General-Marſd der Fuſiliere.
Mirbel 90 bis 95 Schritte in der Minute.
mummon

_-23 4G dritte

4 A

PA .

Die zwei Lafte , oder vier Schritte Wirbel, die den Eingang bilden ,
werden nur das erſte Mal geſchlagen , bei allen folgenden Wiederholungen
wird immer von dem Repetitionszeichen an mit dem Doppelſchlage an
gefangen . Der Doppelſchlag und die vier einfachen Streiche, welche jeder
zeit nach dem Wirbel folgen , müſſen immer ſehr ſtark bervorgehoben wer
den , ſo wie auch auf die beiden Ruder , die mit ff bezeichnet ſind , ein
beſonderer Accent zu legen iſt. Außer dieſen Streichen erhält der Generals
Marſch der Fuſiliere noch Schleppſtreiche, die Muſik ſpielt dazu die
Vollshymne.
105 — 108 .
316
Als Aviſo ſchlägt anfangs ein Tambour allein die erſten
3wei Lafte , oder 4 Schritte, dann treten alle Tambours ein . Der
Niederſtreich des Laktes gehört ſtets auf den linken Fuß. Der Matſch
beſteht aus Zuder, furzen Wirbel, Schlepp- und einfachen Streichen .
Bei beidenbegångniſſen wird der Marſch mit verſchränkter
Trommel und in einem langſameren Tempo geſchlagen. .
· Defilir-Streich .
105 - 108 . .

.
STATINI

. .
Anmerkung. Die kleinen Noten über dem Linienſyſteme bedeuten, daß ſelbe auf
dem Schlägel gegeben werden .
Der Defilir - Streich beſteht aus Rucker und Streichen auf dem
Schlägel, und wird bei dem Defiliren zur Muſit geſchlagen.
Wenn bei größeren Defilirungen , wo oft nur eine einzige Muſik
zugegen iſt, den Tambours befohlen wird , zeitweiſe ten Defilir - Streich
allein , ohne Muſik zu ſchlagen ; ſo können nach Verhältniß der Ans
zahl der Tambours, ein oder zwei Tambours, den Marſch dazu ſchlagen.
Sturm -Streich .
IN
11

- Der Sturm -Streid, wird dreimal durchgeſchlagen . Sind mehrere


Tambours zugegen , ſo wird er das erſte Mal von einem Tambour
allein , dann von allen Tambours noch zweimal geſchlagen. Er beſteht
aus Doppelſchlägen und Rucern.
316

Sturm - Maridh.
Im Marſchtempo.
TOYTOYITI
FORE
links rechts I. r. , I. 1. I . 1. -
Beſteht aus vier Doppelſchlägen und vier Rudern .
Auf das Kommando zum Fällen des Bajonets, ergreift der
Tambour mit der linken Hand die Trommel, bringt dieſe mehr vor die
Bruſt, damit er im Laufen nicht gebindert iſt, und mit dem Schlägel der
rechten Hand, gibt er einfache Schläge, welche die Lauf-Schritte marfiren.
- y I- - !
links rechts 1. r. I. r. 1. r. - 1. r. I. r. I. r.

E i I ſt r e ich .
Etwas ſchneller als das Marſchtempo.
Einer . Alle
Adetent
- TUTTU
de

=&= = = =
A18 Aviſo ſchlägt ein Tambour den erſten Taft oder zwei Mal
Gilitreich allein , dann fallen fämmtlide Tambours ein. Der Eilſtreich
beſteht aus Doppelſolägen und einfachen Streichen.
Abſchlage n .
Einer Ade
- - -

Beſteht in vier einfachen Streichen und zwei Rudern . Sind mehrere


Tambours zugegen , ſo werden die vier einfachen Streiche nur von dem
Vorſchläger , die zwei Ruder aber von allen Tambours geſchlagen .
Ruf und Feuerſtreich,
beſtehen aus dem ganzen Rufe , mehrmals wiederholt.
LI
III

Ą
TIT

T - -
Bei dem Feuer-Streiche ſchlägt der Tambour allwechſelnd zweimal
ſtart und zweimal ſchwach . Wird der Ruf-Streid vou inebreren Tam
bours geſchlagen , ſo gibt der Vorſchläger die erſten 2 ganzen Rufe allein ,
dann treten ſämmtliche Tainbours ein. ;
317
Rirde n ſt r e ich .
Siner Alle

TTTTT
Wird von dem Repetitionezeichen ſo 1 - 2
oft als nothwendig wiederholt.
Der Vorſchläger gibt einen Rucker und die darauffolgenden einfachen
Streiche, dann fallen alle Tambours ein . Die Pauſen bedeuten , daß
der Tambour, wenn er dabei maridhirt , zwei Schritte inzwiſchen ohne
zu ſchlagen zu machen hat. Der Kirchen - Streich beſteht aus Ruder,
Schlepps und einfachen Streichen . Wenn der Kirchenſtreich das dritte Mal
geſchlagen iſt , wird abgeſchlagen .
Während der Meſſe werden für die Theile derſelben nadſolgende
Streiche gegeben , als :
Anfang drei halbe Rufe;
Evangelium drei halbe Ruſe ;
Sanctus drei halbe Rufe ; Vorzeichen zur Wandlung
drei halbe Rufe;
Wandlung drei halbe Rufe, drei einfache Streiche, und ein hal
ber Ruf ;
Gommunion ein halber Ruf, drei einfache Streiche, ein hal
ber Ruf;
Ende der Merie drei halbe Rufe ;
Segen wie bei der Wandlung ;
Ende der heiligen Handlung, Abſchlagen.
. S danz- Streich.
Alle Siner Alle

uf das Kommando : Habt Adt! geben alle Tambours den ers ,


ſten Doppelſchlag zuſammen , den darauffolgenden Ruder gibt nur einer,
worauf alle zuſammen den Schanzſtreich anfangen . Wird nach Ermeffen
von der Repetition an wiederbolt , und endet mit einem Doppelſchlage.
Publikation.

TIL
Ein Tambour allein . Alle Zambours.

ULL
Itu
11 . USUSN

-
Wird 3mal repetirt, und beſteht aus Ruf, Doppelſchlägen , einfa
chen Streichen und Rucer, und wird bei dem Doppelſdlage a geendiget.
Retra i te.
105 - 108 .
Ade( iner Alle Tambours.
TIR

TITTT
TO
IN Tbi

:
‫בפניו‬
!!

Lambourglas, dan
?

Eu Sind mehrere Tambours


nu mehrere zugegen , ſo geben alle auf das Rominando
Habt — Achte den Doppelſchlag, dann gibt ein Tambour die drei ein
fachen Streiche, worauf von ſämmtlichen Zambours die Retraite, welche
aus Doppelſchlägen und einfachen Streichen beſteht, geſchlagen wird.
Die Bedeutung der Trommelzeichen bei dem Plånkeln iſt inn $. 63
angeführt.
Außerdem werden noch folgende Avertiſſementsſtreiche geſchlagen :
Bei der Ankunft Seiner Majeſtät des Raifers :
Drei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft der kaiſerlich königliden Hoheiten :
Zwei ganze Rufe und der Generalmarſch.
Bei der Ankunft des Kriegsminiſters oder eines Feld
marſchalls in Bereiche des ganzen Heeres, bei der eines
Armee kommandanten nur im Bereiche der ibm unter:
ft e benden Armee, dann bei jener eines Armeekorps:
kommandanten nur im Bereiche des ihm unterſtehen
den Armeekorps , wo der Armeekommandant ſich nicht in
demſelben Orte befindet:
Drei halbe. Rufe und der erſte Theil des Marſches,
Bei der Ankunft eines Feldzeugmeiſters oder Generals
. der Kavallerie :
.. . Zwei halbe Rufe und der erſte Theil des Marſches.
319
Bei der Ankunft eines Feldmarſchall- lieutenants :
Trei halbe Rufe und drei doppelte Streiche.
Bei der Ankunft eines Generalmajors:
Zwei halbe Rufe und zwei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Wachen :
Ein ganzer Ruf und ein einfacher Streich .
Zu dem Herausrufen der Feldwebel:
Ein halber Huf und drei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Rorporale vom Tage:
Ein halber Ruf und zwei doppelte Streiche.
Zu dem Herausrufen der Gefreiten vom Tage:
Ein halber Ruf und ein doppelter Streich.
Zu dem Herausrufen der Horniſten :
Ein halber Ruf und drei einfache Streiche.
Zu dem Hera u8 rufen der Lambours :
Ein halber Ruf und zwei einfache Streiche.
Volks h y m n e.
On
Tható

Ett

Die Volkshymne wird ſo oft als nöthig repetirt, ohne Trio .


Verbeſſerungen : .
Seite 54 Nr. 189 , Zeile 7 von oben fatt : » feuern « lies : » Feuer *
» 119 , 481 » 7 von unten » oberen unteren
Plan 1.
Fig .

le Achsenlinie
- Flugbahn der Kugel

10 0 250 -- - -- - 300 Schritte .

Fig . 2 . Achsenliniec
h Visirlinie
2

Visir Schuss

150 Schritte

Kugelfang

150
Fig. 3. 100
Scheibe
250 Schritte 200 2 . Distan 1. Distanz
Fig . 4 .

Zielergruhe

Fio : 5 -- Hölzerne Vorrichtung zum Interrichte über ilus Zielen :


uh. I'nterluye
C rukrecht gebohrtrs Loch , zur Befestiyuny art
( il drn Standpflock .
f. wnbewegliche Siinde mit einer finbel',
. Höhlung, durd welche
h ) der Richtkril verschiebbar ist .
brwryliche Säule mit Grahr! ,welche in der Höhlung ( a ) durch
das Vor -nder Zurückschieben des Richtkrilcs chinodd bedarf
gehoben oder gesenkt wird .

Abrichtungs-Peelm . . . Infant.
Formular des Schiessbuches Plan Il.
Linka Llahnitri . Nel
Rauf in Lluidfuita .

Schufs - Tabelle

'Gamfund
non vahibing um 13. Mai 1850.

funz
. 24

on
liin Pifnita yntreffum

mo

anir
mw inum
in samaijlmyfull sex figiin

midtól
fwin

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Joy
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As

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50
1 .28

s
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20
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100
21
50

1001
.
50
34
100
1751

100

50
30

Abrichfuss-Regim .f.a Infant,


Plan II.
Fig . 1. Rottenweise Richtung rechts.
Zeichen Erkläruny .
Interofficier
Soldat ios 1.1
. . . . Gliviles

Unterofficier in der verlussp=


Soldat nen tufstellung 200
Fiy. /.
Richtung rechts vorwärts
romainXXX
c 10 Schritte

10Schritte
d

Fig. 6.
Ziehung im Frontmarsch

Fig. 2 .
Schwenkung
rechts
La Fig. 3. .
liriks ? a a rechts
-
. ..
(

Markirung des Anfangs and


m Endpunktis oler Schwenkung ·

(1., Schenkungspunkt, b, Punkt, 001 ['welche die Schwkuny vollendet ist.


ac,br, Holbmesser von ? Schritten . Wl, schwenkungsboxen von 3 Schritten
Liny ", welchen ilir Pivot Charye durchschreitet .- D,ursprünglich Frontli =
nir des filiales. E , Frontlinie des lilirides nach der Schwenkung .- F . Richtungs
linir les liliriles, bei jedlem Schritt , den der schurnkende Fliigel voll -
tülire .
Ahridiungs-F - fin.fd.Infnt.
TE
Plan MH .
Formirung der Doppelrrihen - Colomne rechts.
bei ungeruder Rottenzuhl, bei geraler Rollenzahl .

Fig.l. 888.81

Fig. 3. Fig. 4.
Aufmarsch riner rechts formisten 9999999 Rechtsschwenken nu
Reihen -Colonne auf die Tête . . aufmarschiren .
DODO

2. blird . ..............
3. 1.... . . . . . ...

Et

Fig . 5 .
Aufmarsch ans piner redits formir :
ten Reihen -ſolonne nach Pussi : EX
rung eines Defilées. VID
* * * *

Fig. 6 .
so Front und Flügel
990 vercindern .

0 .000000
100 000 0

Abrichtungs -Regim .f d Infri.


Plan V .

Fig. 1. . Fig. 2 .

Fig . 3 . . .

Fig. 5.

Fig . 7. Fig. 8.
.. . . . .

Fig . 9 . Fig. 10.

b .

od
Fig . 13.

Abrichhmes-Pieglm fd.infre.
Plan VI.

Fig . I. Fig. I. Fig . III .


OD DO

Fig. IV.

Abrichtime -Fel! . F 1. th . .
Plan VI .
Stellung zweier
3.Schr: 3.Sor:
hettenglieder . 3Schr :
18. Schritte Schir:

Stelle uns
von derliettenglied
Pormirung der lietteDirections .
– rechts
9

- links
Directions hiettenghed .

- rechts und links


Directions hiettenglied .

- rechts,
wobei die Tirailleurs die rorhandenen Terraingegenstände zu ihrer
Deckung benützen.
DirectionsKettengliei 1
P * yote umma yapm , MINI

– rechts und links,


UD
AN

wobei die Tirailleurs die vorhandenen Terrain gegenstände zu ihrer


D
UN

Deckung benütren .
n
Wi

mere Directions cettenglien d with


muh
im
Երանոսtrupյաatidari
ն Լյովաա.kian

• Abrichtung3:Regim .j a.Ir.fr.:
Tormur

alim
.
Plan 17 .
ng der hette rechts vorwärts,wenn keine Terraingegenstände
zurDeckung vorhanden sind.

Formirung der fiette rechts vorwärts,mit Benützung von Terrainge-


genständen zur Deckung.
nin
Waiti

Formirung derBiet e rechtsund linksvorwärtsaufebenen Terruin .


RO

Formirungder Viette rechts und links vorwärts,mit Benützungdes Terrains


Www
2

· Alrichies-Reelm 15
Plan XX.
Passirung
im Vormarsche , eines Defile'ims Rückmarsche

O
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‫ܘܕܕ‬

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090-100 d
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Angriff mit dem Bajonett'. Formirung von Klumpen .


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unghiiyoili integruar rlipothodolog .


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erstärkung der Tiruilleurkette. Rückzugmit einerdoppelten
railleurkette. Ti
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GOO000008
im er nog e n informing

Alrichtungs-Regim.f.dinsri.
Plan X.

Oo

Fig. 1.

Fig. 3.

--

Fig.5.
Fig.6.

- Fig. 7.
18& r r r 2 12 2 2 1
11131111111
0 25 50 75 100 200 Schritte .

Abrichtimes-R m fannst
Plan XI.

Fig .2.
Fig 1.
Fig. 3 .

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Stellung gegen Infanterie. Gerader Stoſs . Ausfall .
Plan XI .

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Fig . 1.

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Seiten - Ansicht Vordere Ansicht


der Stellung gegen Infanterie.
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Plan XII .

Fig 1 . Fig 3
Fig . 2

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Plan XIV.

Fig . 1. Fig . 2 . Fig . 3 .

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Einfache Parade.
Doppelte Parade. Stellung gegen den mit dem Säbel bewaffneten Reiter .
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Plan XV .

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Stellung unmittelbar vor dem Schlag und Sprung rechts .


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Ausfall nach dem Schlag und Sprung rechts.
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Plan XVII.

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Das Caracolliren.
Plan XVIII.

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Ausfall nach dem Caracolliren .


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Plan XIX

Fig . 2 Fig . 3 .

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Vordere Ansicht Seiten -Ansicht I.Rariren der Lanze.
der Stellung gegen die Lanze. ( vordere Ansicht)
Plan XX .

Fig . 1 . Fig. 2 . Fig . 3 .

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II.Erheben der Lanze und schnelle III.Wegschleudern der Lanze Stellung unmittelbar
Annäherung an den Reiter. und Voltiren. vor dem Ausfall.
Plan XXI.

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Lith .7. & Kollari
Gedr. bez J. Rauh in Wien