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Ligeti to Ove Nordwall - February 13, 1982

[excerpt - on USSR and Del Tredici]

Mit Helen Caldicott bin ich gar nicht einverstanden. Dass die Schrecklichkeiten eines
Atomkrieges so schlimm sind, dass man ein Atomkrieg gar nicht führen kann oder darf,
ist selbstverständlich. Das gilt eben so für ein Gas- oder Bakterien-Kriegsführung.
Doch wenn sich die westlichen Demokratien eine einseitige militärische Schwäche
leisten -- egal ob Atom- oder konventionell, und leider ist diese einseitige Schwäche
schon vorhanden -- dann kann die Sowjetunion (die die einzig wirkliche Kriegsgefahr
darstellt, nur leider wollen das millionen feige und/oder naive Menschen nicht zur
Kenntnis nehmen) in Salami-Scheiben-Taktik allmählich Afrika, den Nahen Osten und
dann ebenso scheibchenweise Westeuropa unterjochen. Selbstverständlich will die
Sowjetführung keinen Krieg -- ihre Friedensbetreuungen sind aufrichtig -- sie will aber
GEWINNEN ‘ DOMINIEREN wie jede Grossmacht mit imperialen Gelüsten -- siehe
Shakespeares Königsdramen, man kann daraus ALLES über Politik, Macht, Rivalität,
Intrige lernen. Die Sowjetführung, eine Skrupellose Gangster-Verieinigung, kann such
jede militärische Stärke leisten, denn sie ist durch di Desinformation der Bevölkerung
und durch das Fehlen und Weigerung für jede öffentliche demokratische Kontrolle
(Polen!) tutal unabhängig von der Meinung des Volkes. Die westlichen Demokratien,
deren Regierungen, sind aber total abhängig von der öffentlichen Meinung, Presse, etc.
(Watergate!) und können sich die skrupellose Aufrüstung, wie die Sowjets, nicht leisten,
die Regierungen würden sofort abgewählt. Das Problem liegt nicht in der Atom-
aufrüstung, etc., sondern im Machtstreben. Und die Sowjets -- die ungleich vorsichtiger
taktieren als Hitler -- verstehen nur eine Sprache: die Sprache der militärischen Gewalt.
Und nur mit einer militärischen Gegengewalt kann man sie zu Konzessionen bringen.
Deshalb halte ich die westliche Appeasement-Bestrebungen für naiv und katastrophal.
Die Kriegsgefahr ist mit der westlichen relativen Unterlegenheit GEWACHSEN. Die
vernünftigste Politik ist die von Weinberger und Edmund Teller. Da die Sowjets
GEWINNEN wollen, se es mit Tricks (Polen, U-Boot in den Schären, Gasleitung-
Geschäft) oder mit militärischer Gewalt (Afghanistan), (Vietnam, Angola, Äthiopien,
Jemen) oder mit Terrorismus (Nicaragua, fast Portugal, wo man sah, wie man DOCH
Wiederstand leisten kann), aber keinesfalls ein sie selbst auch vernichtenden
ABC0Krieg führen möchten, kann man sie NUR und ALLEIN mit der Vorzeigen von
militärischer Stärke und Entschlossenheit ind den Schranken halten. Deshalb bin ich
ABSOLUT für westliche genügende Aufrüstung, inklusive Gas, Neutronenbombe,
westeuropäische Raktetenstationierung. Alldas erhöht keinesfalls die Kriegsgefahr: die
Kriegsgefahr ist dann höher, wenn die Sowjetführung ein Nachgeben des Westens
fühlt.

[More on Sweden’s reaction to a submarine incident...] Amerika, Westeuropa und


Japan sind zusammen wirklich fähig die Sowjetische Rüstung in Balance zu halten, nur
muss eine Solidarität der Regierungen und der öffentlichen Meinung entstehen, wie
damals gegen Hitler. Alles andere führt zu “München” und zur Kapitulation ratenweise.

[two pages later]


Wirklich gefällt dir Del Tredici? Ist doch nur geschickte Filmmusik und sehr entfernt von
Alices Zauber. Ob im “Tempo” doch nur als Verlags-Autoren-Publicity er so hoch gelobt
wurde? Da Tempo ein Baltt von Boosey ist? Ich wäre glücklich, wenn Del Undici-s
Alice mir gefallen könnte, den so wunderbar wäre, wenn einige gute Komponisten noch
existieren würden. Doch so oft ich es auch gehört habe, ich denke, es ist schlechte,
und “reaktionäre” Musik, man kann doch nicht aud [sic] DIESE weise in den Klischees
der gestorbenen Tonalität schreiben. (Tonalität ist möglich, siehe Bartók, doch nicht die
alte Hollywood-Tonalität). Ganz grossen Dank, dass Du mir Alice von Del Dieci kopiert
hast, höre bitte wieder, es ist doch schlechte Musik.