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EcoAustria – Institut fü r Wirtschaftsforschung

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Wien, November 2017

Endbericht

Betriebsschließungen und
Betriebsverlagerungen in Europa
Eine empirische Aufarbeitung unternehmerischer
Restrukturierungen anhand von internationalen Daten

Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.


Endbericht

Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – Eine empirische Aufarbeitung


unternehmerischer Restrukturierungen anhand von internationalen Daten
DI Johannes Berger, EcoAustria – Institut für Wirtschaftsforschung
Mag. Nikolaus Graf, EcoAustria – Institut für Wirtschaftsforschung
Mag. Ludwig Strohner, EcoAustria – Institut für Wirtschaftsforschung
Dr. Tobias Thomas, EcoAustria – Institut für Wirtschaftsforschung

November 2017

Kurzdarstellung:
Die vorliegende Studie untersucht Restrukturierungsmaßnahmen großer Unternehmen in Europa, wobei
auf Betriebsschließungen, Insolvenzen und Betriebsverlagerungen abgestellt wird. Datengrundlage ist der
European Restructuring Monitor (ERM) von Eurofound, der Informationen fü r die Lä nder der EU-27 sowie
Norwegen seit dem Jahr 2002 bietet. Die Analyse umfasst den Zeitraum von 2003 bis Oktober 2017.
Die Auswertungen zeigen, dass auf gesamteuropä ischer Ebene und nach Abschluss einer grö ßeren
Verlagerungswelle um das Jahr 2006 Insolvenzen und Schließungen (ohne Insolvenzverfahren) bei großen
Unternehmen eine bedeutendere Rolle spielen als Verlagerungen. Im zeitlichen Verlauf sind die grö ßten
Arbeitsplatzeffekte dieser Restrukturierungen als Folge der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 festzustellen,
wobei diese Entwicklung auf Schließungen und Insolvenzen zurü ckzufü hren ist. Das Bild eines
gesamtwirtschaftlichen ‚Double Dip‘ nachvollziehend, steigen Schließungen und Insolvenzen wiederum im
Jahr 2012 deutlich an. In den letzten Jahren bis inklusive 2017 ist eine Entspannung feststellbar. In
Osterreich dominieren Insolvenzen recht deutlich, Schließungen haben eine wesentlich geringere
Bedeutung. Die auf gesamteuropä ischer Ebene feststellbare Beruhigung ist in Osterreich nur bedingt
erkennbar. Insbesondere in den Jahren 2013 und 2015 waren einzelne grö ßere Unternehmen von
Insolvenzen betroffen. Dies spiegelt eine im EU-Vergleich unterdurchschnittliche gesamtwirtschaftliche
Entwicklung in den letzten Jahren wider. Zwar kam es auch in Osterreich unmittelbar nach Ausbruch der
Wirtschaftskrise zu Strukturbereinigungen, die sich in einem Anstieg der Insolvenzen 2009 niederschlugen,
die unmittelbaren Auswirkungen schienen aber schnell ü berwunden. Jedoch konnte eine Rü ckkehr zum
Wachstumspfad der Vorkrisenjahre vor allem 2012 bis 2014 nicht realisiert werden. Die ö sterreichischen
Unternehmen waren hier mit einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld konfrontiert. In dieser
Phase nehmen Insolvenzen wieder zu.
Auf gesamteuropä ischer Ebene finden Verlagerungsaktivitä ten am hä ufigsten innerhalb von Europa statt,
in signifikantem Ausmaß in die Neuen Mitgliedstaaten, insbesondere Polen. Außerhalb Europas sind China
und Indien von hoher Bedeutung. Das wesentliche Motiv fü r Verlagerungen sind Kostengrü nde. Uber alle
Formen von Restrukturierungen werden von den Unternehmen hä ufig eine schlechte Marktsituation bzw.
ein Nachfragerü ckgang, Kosten- und organisatorische Motive angegeben. Nach Branchen betrachtet
konzentrieren sich die Restrukturierungsmaßnahmen auf die Sachgü terproduktion, insbesondere die
Sektorencluster chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie die Herstellung von elektrischen und
elektronischen Gerä ten. Daneben ist noch der Handel (in Osterreich auch noch die Bauwirtschaft) ein Sektor
mit hö herer Restrukturierungsaktivitä t.
In der Analyse lassen sich (noch) keine signifikanten Auswirkungen aktueller geo- und
wirtschaftspolitischer Entwicklungen (wie etwa der Brexit oder Anderungen der US-Politik) auf die
untersuchten Restrukturierungsfä lle feststellen, und das weder hinsichtlich der fü r Restrukturierungen
genannten Motive, noch in Bezug die Anzahl von Restrukturierungen und davon betroffene Arbeitsplä tze
im Vereinigten Kö nigreich.

Die Studie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
erstellt.
Inhalt
1. EINLEITUNG.................................................................................................................................................................. 1

2. DESKRIPTIVE ANALYSE UNTERNEHMERISCHER RESTRUKTURIERUNG ................................................ 5

2.1. BESCHREIBUNG DER DATENQUELLE........................................................................................................................................5


2.2. AUSWERTUNG UND ERGEBNISSE..............................................................................................................................................8
2.2.1. Ergebnisse im zeitlichen Verlauf ............................................................................................................................. 8
2.2.2. Verlaufsmuster nach Art der Restrukturierung ............................................................................................. 14
2.2.3. Ergebnisse nach Herkunftsland ........................................................................................................................... 19
2.2.4. Betrachtung der Restrukturierungsdynamik relativ zur Gesamtbeschäftigung .............................. 22
2.2.5. Verlagerungen nach Zielregion ............................................................................................................................ 23
2.2.6. Ermittlung der Nettoposition an verlagerten Arbeitsplätzen nach Herkunfts- und Zielland ..... 29
2.2.7. Restrukturierungen nach Branchen................................................................................................................... 32
2.2.8. Restrukturierungen nach Branchen im Zeitverlauf ..................................................................................... 36
2.2.9. Ergebnisse nach Motiven ........................................................................................................................................ 37

3. ZUSAMMENFASSUNG .............................................................................................................................................. 42

4. DATENANHANG ........................................................................................................................................................ 46
Abbildungen
Abbildung 1: Neugrü ndungen und Schließungen von Unternehmen in Osterreich: betroffene Arbeitsplä tze
in Unternehmen mit mehr als 10 Beschä ftigten, 2007 bis 2015 .........................................................................................3
Abbildung 2: Beispiel aus der Restructuring Events Database des ERM von Eurofound .........................................7
Abbildung 3: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Jahr –Insgesamt (alle EU-
Mitgliedstaaten plus Norwegen, oben) und Osterreich (unten) ..........................................................................................9
Abbildung 4: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Jahr – Vereinigtes
Kö nigreich ................................................................................................................................................................................................. 10
Abbildung 5: Jä hrliches Wachstum BIP real, EU-Aggregat und AT, 2003 bis 2017 (Prognose) .......................... 11
Abbildung 6: Anzahl der Restrukturierungen nach Art der Restrukturierung (Kategorie) und Jahr –
Insgesamt (alle EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen, oben) und Osterreich (unten) .............................................. 13
Abbildung 7: Insolvenzen und davon betroffene Arbeitsplä tze, Insgesamt (EU plus Norwegen, oben) und
Osterreich (unten), im zeitlichen Verlauf .................................................................................................................................... 15
Abbildung 8: Schließungen und davon betroffene Arbeitsplä tze, Insgesamt (EU plus Norwegen, oben) und
Osterreich (unten), im zeitlichen Verlauf .................................................................................................................................... 17
Abbildung 9: Verlagerungen und davon betroffene Arbeitsplä tze, Insgesamt (EU plus Norwegen, oben) und
Osterreich (unten), im zeitlichen Verlauf .................................................................................................................................... 18
Abbildung 10: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Herkunftsland, 2003 bis
Oktober 2017 ........................................................................................................................................................................................... 19
Abbildung 11: Anzahl der Insolvenzen und betroffene Arbeitsplä tze nach Herkunftsland, 2003 bis Oktober
2017 ............................................................................................................................................................................................................. 20
Abbildung 12: Anzahl der Schließungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Herkunftsland, 2003 bis Oktober
2017 ............................................................................................................................................................................................................. 21
Abbildung 13: Anzahl der Verlagerungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Herkunftsland, 2003 bis
Oktober 2017 ........................................................................................................................................................................................... 21
Abbildung 14: Betroffenheitsgrad als von Restrukturierung betroffene Arbeitsplä tze im Zeitraum 2003 bis
Oktober 2017 relativ zum durchschnittlichen jä hrlichen Beschä ftigtenstand .......................................................... 22
Abbildung 15: Relative Verä nderung der Gesamtbeschä ftigung im Zeitraum von 2003 bis 2016 in der
Warenherstellung und ü ber alle Sektoren .................................................................................................................................. 23
Abbildung 16: Verlagerungen: Fä lle nach Zielregion ............................................................................................................. 24
Abbildung 17: Verlagerungen: Betroffene Arbeitsplä tze nach Zielregion .................................................................... 25
Abbildung 18: Anzahl der Verlagerungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Zielregion .................................... 26
Abbildung 19: Absolute Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen
Arbeitsplä tzen in Folge von Verlagerungen ............................................................................................................................... 30
Abbildung 20: Relative Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen
Arbeitsplä tzen in Folge von Verlagerungen in % der Gesamtbeschä ftigung .............................................................. 31
Abbildung 21: Absolute und relative Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen
Arbeitsplä tzen in Folge von Verlagerungen 2003 bis Oktober 2017 .............................................................................. 31
Abbildung 22: Restrukturierungen nach Wirtschaftssektoren, 2003 bis Oktober 2017, Alle Lä nder und
Osterreich .................................................................................................................................................................................................. 33
Abbildung 23: Re-Kodierungsschema fü r NACE Zweisteller im Bereich Warenherstellung und
produzierendes Gewerbe ................................................................................................................................................................... 34
Abbildung 24: Restrukturierungen nach ausgewä hlten Wirtschaftssektoren und Branchencluster des
Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Lä nder und Osterreich .................................................................. 35
Abbildung 25: Von Restrukturierungen betroffene Arbeitsplä tze im Zeitverlauf nach ausgewä hlten
Wirtschaftssektoren und Branchencluster des Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Lä nder . 36
Abbildung 26: Von Restrukturierungen betroffene Arbeitsplä tze nach Motiven und Art der
Restrukturierung, ü ber alle Lä nder (EU27 plus NO) ............................................................................................................. 40
Abbildung 27: Anzahl der betroffenen Arbeitsplä tze nach den acht bedeutendsten Motiven der
Unternehmen im Zeitverlauf (ü ber alle beobachteten Lä nder EU27 plus NO) .......................................................... 41
Tabellen
Tabelle 1: Von Verlagerungen betroffene Arbeitsplä tze nach Zielregion im Zeitverlauf ....................................... 27
Tabelle 2: Von Verlagerungen betroffene Arbeitsplä tze nach Herkunfts- und Zielregion ..................................... 28
Tabelle 3: Anzahl der Restrukturierungen nach Motiven und Art der Restrukturierung (ü ber alle Lä nder
EU27 plus NO) ......................................................................................................................................................................................... 38
Tabelle 4: Betroffene Arbeitsplä tze nach Motiven und Art der Restrukturierung, ü ber alle Lä nder (EU27 plus
NO) ............................................................................................................................................................................................................... 39
Tabelle 5: Anzahl der Restrukturierungen nach Jahr – Insgesamt und Osterreich .................................................. 46
Tabelle 6: Anzahl der Restrukturierungen nach Art der Verlagerung (Kategorie) und Jahr – Insgesamt und
Osterreich .................................................................................................................................................................................................. 46
Tabelle 7: Anzahl der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplä tze nach Jahr – Insgesamt und
Osterreich .................................................................................................................................................................................................. 46
Tabelle 8: Anzahl der Restrukturierungen und davon betroffenen Arbeitsplä tze – Vereinigtes Kö nigreich 46
Tabelle 9: Anzahl der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplä tze nach Art der Verlagerung
(Kategorie) und Jahr – Insgesamt und Osterreich .................................................................................................................. 47
Tabelle 10: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplä tze nach Herkunftsland und Art der
Restrukturierung ................................................................................................................................................................................... 47
Tabelle 11: Betroffenheitsgrad im Sinne der von Restrukturierung betroffenen Arbeitsplä tze im Zeitraum
2003 bis Oktober 2017 relativ zum durchschnittlichen jä hrlichen Beschä ftigtenstand ....................................... 48
Tabelle 12: Relative Verä nderung der Gesamtbeschä ftigung im Zeitraum von 2003 bis 2016 in der
Warenherstellung und ü ber alle Sektoren .................................................................................................................................. 48
Tabelle 13: Verlagerungen: Fä lle nach Zielregion .................................................................................................................... 49
Tabelle 14: Verlagerungen: Betroffene Arbeitsplä tze nach Zielregion .......................................................................... 49
Tabelle 15: Absolute Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen Arbeitsplä tzen
in Folge von Verlagerungen ............................................................................................................................................................... 50
Tabelle 16: Relative Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen Arbeitsplä tzen
in Folge von Verlagerungen in Prozent der Gesamtbeschä ftigung .................................................................................. 50
Tabelle 17: Restrukturierungen nach Sektoren, 2003 bis Oktober 2017, Alle Lä nder und Osterreich ........... 51
Tabelle 18: Restrukturierungen nach ausgewä hlten Wirtschaftssektoren und Branchencluster des
Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Lä nder und Osterreich .................................................................. 52
Tabelle 19: Von Restrukturierungen betroffene Arbeitsplä tze im Zeitverlauf nach ausgewä hlten
Wirtschaftssektoren und Branchencluster des Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Lä nder . 52
Tabelle 20: Anteile der Motive an den betroffenen Arbeitsplä tzen, alle Lä nder (EU27 plus NO)...................... 53
Tabelle 21: Betroffene Arbeitsplä tze nach Motiven im zeitlichen Verlauf, alle Lä nder (EU27 plus NO) ........ 53
Tabelle 22: Restrukturierungen in Osterreich nach Unternehmen und Zahl der betroffenen Arbeitsplä tze,
2003 bis Oktober 2017........................................................................................................................................................................ 54
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 1

1. Einleitung
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren sowohl in der
Europä ischen Union als auch weltweit grundlegend verä ndert. Diese Verä nderung war insbesondere
u.a. durch eine zunehmende Integration der Wertschö pfungsketten und eine verstä rkte
internationale Arbeitsteilung geprä gt. Der unmittelbare und tiefe wirtschaftliche Einbruch des Jahres
2009 konnte zunä chst rasch ü berwunden werden. Auf gesamteuropä ischer Ebene war 2012 ein
neuerlicher wirtschaftlicher Einbruch festzustellen.

Danach folgt von 2013 bis 2016 eine Phase der wirtschaftlichen Erholung. Osterreich konnte von
dieser Erholung nicht im selben Ausmaß wie seine europä ischen Partner profitieren, die
wirtschaftliche Entwicklung verlief unterdurchschnittlich. Aktuell zeichnet sich jedoch mit
prognostizierten Wachstumsraten jeweils ü ber 2 % fü r die Jahre 2017-2019 eine positive
Entwicklung ab.

Die Stä rkung der Wachstumskrä fte stellt ein zentrales Thema der wirtschaftspolitischen Debatte dar.
In dieser Hinsicht wird auch der Wirtschaftsstruktur und der Wettbewerbsfä higkeit der
produzierenden Wirtschaftssektoren erhö hte Aufmerksamkeit gewidmet. So verstä rkt die USA in
den letzten Jahren Anstrengungen, den Standort zu stä rken. Als Folge dieser Bemü hungen wurde u.a.
die Energiekostenentwicklung gedä mpft und ein Wettbewerbsvorteil gegenü ber Europa geschaffen.
Zumindest auf politisch-programmatischer Ebene wird der Industrie auch auf EU-Ebene wieder
stä rkere Bedeutung beigemessen. So hat sich die Europä ische Kommission im Jahr 2012 das Ziel
gesetzt, den Wertschö pfungsanteil der Industrie in der EU bis 2020 auf 20% zu erhö hen. Ob dieses
Ziel realisierbar ist, hä ngt auch von einer standortorientierten Ausgestaltung der institutionellen
Rahmenbedingungen ab.

Der Industriestandort Europa wurde seit 2008 von unterschiedlichen Tendenzen beeinflusst. Erstens
wirkte sich das schwache wirtschaftliche Umfeld auf Unternehmensstrategien aus, zweitens
beeinflussen relative Verschiebungen bei den Standortfaktoren Restrukturierungsmaßnahmen der
Industriebetriebe. In den letzten Jahren mussten sich die Unternehmen auch in Osterreich auf eine
gedä mpfte wirtschaftliche Dynamik einstellen. Dies schlä gt sich in einer stagnierenden
Investitionsdynamik nieder.

In der medialen Offentlichkeit rufen Restrukturierungen und Schließungen von Betriebsstä tten
besondere Aufmerksamkeit hervor. Vor diesem Hintergrund werden in dieser Studie auf Basis von
Medienberichterstattung im European Restructuring Monitor (ERM) gesammelte Informationen zur
Entwicklung großer Restrukturierungen (Verlagerungen, Insolvenzen und Schließungen) von
Betrieben auf europä ischer Ebene gesammelt und ausgewertet. Hauptaugenmerk der Studie liegt in
der Aufbereitung der vorhandenen Informationen und einer grundlegenden deskriptiven Analyse.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 2

Die Abgrenzung der Restrukturierungen ist zumeist nicht ganz fest umrissen. Jeder der betrachteten
Fä lle wird daher, basierend auf Begriffsdefinitionen, kategorisiert: Mit einer Insolvenz eines
Unternehmens ist nicht notwendigerweise die Einstellung der Produktionstä tigkeit verbunden. Im
Rahmen des Insolvenzverfahrens kann entweder versucht werden, einen Ausgleich herbeizufü hren
und eine Weiterfü hrung des Unternehmens zu erreichen, bzw. kann im Zuge der Verwertung des
Unternehmens ein Kä ufer gefunden werden, der den Betrieb weiter fortsetzt. Innerhalb der
verwendeten Datengrundlage waren jene Insolvenzen relevant, die mit einem signifikanten Abbau
an Beschä ftigung verbunden waren.

Beim Begriff Verlagerungen wird in dieser Studie von einer engen Begriffsdefinition ausgegangen.
Bei diesem in der vorliegenden Studie angewendeten engeren Begriff geht es direkt um die
Schließung von Produktionseinheiten im Inland und die damit verbundene Verlagerung von
Tä tigkeiten ins Ausland. Im Gegensatz dazu kann man unter Verlagerungen im breiten Sinne die
lä ngerfristigen, schrittweisen Verä nderungen der internationalen Arbeitsteilung verstehen, mit
Folgen fü r die Aufteilung der Wertschö pfung auf verschiedene Lä nder. Diese breit gefasste Bedeutung
umfasst somit nicht nur die Verlagerung derzeit bestehender Produktion in ein anderes Land bzw. in
andere Lä nder, sondern auch die Ansiedlung zusä tzlicher, neuer Produktion innerhalb des Konzerns
in einem anderen Land, ohne dass Produktion im Inland verringert wird. Der Begriff der Schließung
unterscheidet sich von der Verlagerung dadurch, dass bei Schließungen keine Verschiebung der
Aktivitä t in Ausland stattfindet, und von einer Insolvenz dadurch, dass kein Insolvenzverfahren
eingeleitet wurde.

Sowohl Schließungen, als auch Verlagerungen umfassen dabei nicht nur Restrukturierungen ganzer
Betriebsstä tten, sondern auch einzelner Produktionsbereiche. So wird die Verlagerung bzw.
Schließung der Produktionsabteilung einer Betriebsstä tte berü cksichtigt, auch wenn davon andere
Zweige, wie z.B. der Forschungsbereich, unberü hrt bleiben. Diese Interpretation ist im Wesentlichen
durch die Datenquelle vorgegeben. Grundlage der Analyse stellt die Datenbank des European
Restructuring Monitor (ERM) der Europä ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und
Arbeitsbedingungen (Eurofound) dar. Diese beinhaltet Informationen aus Medienberichten,
vorrangig aus Zeitungen. Dabei ist zu berü cksichtigen, dass die Datenqualitä t natü rlich von der
Qualitä t dieser Berichte bzw. einer umfassenden medialen Berichterstattung bei grö ßeren
Restrukturierungen abhä ngt. Gleichwohl bietet diese Herangehensweise den Vorteil, dass
Informationen ä ußerst zeitnah zur Verfü gung stehen. Insofern Restrukturierungen umfassend
publiziert werden, liegt eine umfassende Abdeckung aller Fä lle vor. Diese Datenbank wird in
Abschnitt 2.1 kurz beschrieben, in der Folge werden deskriptive Ergebnisse ü ber die zwischen 2003
und Oktober 2017 erfolgten Restrukturierungen dargestellt.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 3

Arbeitsmä rkte sind im Allgemeinen dynamischer, als dies in der ö ffentlichen bzw. medialen
Diskussion wahrgenommen wird. Laufend geht eine hohe Zahl von Arbeitsplä tzen verloren,
gleichzeitig entstehen jedoch ä hnlich viele Arbeitsplä tze neu, sodass sich die Gesamtanzahl an
Arbeitsplä tzen relativ stabil verhä lt. Im Jahr 2016 betrug die Zahl der unselbstä ndig Beschä ftigten
laut Hauptverband der Sozialversicherungsträ ger ca. 3,6 Mio. Im Laufe des Jahres wurden 1,83 Mio.
unselbstä ndige Beschä ftigungen neu aufgenommen, 1,77 Mio. wurden beendet. Dies entspricht also
jeweils rund 50% der unselbstä ndig Beschä ftigten. Diese Zahlen verdeutlichen die starke Dynamik
des Arbeitsmarktes bei gleichzeitig stabiler Gesamtbeschä ftigung.

Statistik Austria weist in der Statistik zur Unternehmensdemografie die Anzahl der Neugrü ndungen
und Schließungen von Unternehmen aus. Abbildung 1 stellt die Entwicklung dieser Kennzahlen von
grö ßeren Unternehmen mit mehr als zehn Beschä ftigten in Osterreich im Zeitverlauf dar. Im
Beobachtungszeitraum seit 2007 lag die Anzahl der Beschä ftigungsverhä ltnisse, die durch
Neugrü ndungen entstanden sind, durchgä ngig deutlich ü ber der Vergleichszahl von Arbeitsplä tzen,
die durch Schließungen verloren gegangen sind. Im letzten Berichtsjahr 2015 standen 9.640
Arbeitsplä tzen in gegrü ndeten Unternehmen mit mehr als zehn Beschä ftigten rund 8.180 durch
Schließung grö ßerer Unternehmen verlorenen Arbeitsplä tze gegenü ber.

Abbildung 1: Neugründungen und Schließungen von Unternehmen in Österreich: betroffene


Arbeitsplätze in Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten, 2007 bis 2015

Quelle: Statistik Austria, Statistik zur Unternehmensdemografie. Vorlä ufige Zahlen fü r 2014 und 2015.

Die vom ERM erfasste Arbeitsplatzdynamik stellt nur einen Teilaspekt der Dynamik am Arbeitsmarkt
dar. Erfasst werden Arbeitsplä tze, die im Rahmen von Schließungen, Insolvenzen und Verlagerungen
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 4

in grö ßeren Unternehmen verloren gehen. Die Anzahl der jä hrlich begonnenen und beendeten
Beschä ftigungen ist sehr viel hö her. Aufgrund der teilweise hohen regionalen Bedeutung der
betrachteten Unternehmen, der besonderen Relevanz in der Wertschö pfungskette und der starken
ö ffentlichen Wahrnehmung sind diese Fä lle aber dennoch von hohem Interesse.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 5

2. Deskriptive Analyse unternehmerischer Restrukturierung


Die Restructuring Events Datenbank (RE Datenbank) des European Restructuring Monitor (ERM) der
Europä ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) stellt die
Datenbasis fü r die vorliegende Analyse dar. Eine kurze Beschreibung der Datenquelle findet sich im
folgenden Kapitel 2.1. Deskriptive Ergebnisse ü ber die verschiedenen Restrukturierungsfä lle
(Insolvenzen, Schließungen, Insolvenzen/Schließungen, Verlagerungen) werden in Kapitel 2.2
dargestellt.

2.1. Beschreibung der Datenquelle

Die RE Datenbank im ERM enthä lt Factsheets mit Informationen ü ber große Restrukturierungen von
Unternehmen in den Mitgliedstaaten der Europä ischen Union (plus Norwegen), basierend auf
Auswertungen von fü hrenden Medien jedes Mitgliedstaates. In die Datenbank werden Ereignisse
aufgenommen, die entweder i) den Aufbau oder Verlust von mindestens 100 Beschä ftigten zur Folge
haben oder ii) mindestens 10 % der Beschä ftigten in Unternehmen mit mindestens 250
MitarbeiterInnen betreffen. Diese Informationen werden von nationalen ExpertInnen erfasst und
zentral fü r die Europä ische Stiftung aufbereitet, ö sterreichischer Partner ist das FORBA-Institut. Die
Datenbank reicht bis zum Jahr 2002 zurü ck und wird regelmä ßig auf den aktuellsten Stand gebracht.
Mittlerweile sind insgesamt mehr als 22.500 Ereignisse in der Datenbank vermerkt. Dabei werden
auch Updates von bereits erfassten Fä llen vorgenommen, falls neue mediale Berichte vorliegen. Fü r
die vorliegende Studie werden aus der Datengrundlage die relevanten Restrukturierungen von
Betrieben (dies sind die Kategorien Bankruptcy/Closure, Bankruptcy, Closure und
Offshoring/Delocalisation) extrahiert und ausgewertet. Fü r die Kategorie Bankruptcy/Closure, in der
in der Datenbank zunä chst keine Unterscheidung zwischen Insolvenz und Schließung vorgenommen
wird, wird auf Basis der in den Factsheets enthaltenen Informationen der Versuch einer
Unterscheidung unternommen. Wo dies nicht mö glich ist, werden die Restrukturierungsfä lle
weiterhin in Form der Sammelkategorie Bankruptcy/Closure erfasst. Wenn nachfolgend in der Studie
von Restrukturierung die Rede ist, wird nur auf diese in der Studie betrachteten Maßnahmen
abgestellt. Die in der Datenbank erfassten Restrukturierungstypen Business Expansion, Internal
Restructuring, Merger/Acquisition, Outsouring, Relocation1 und Other werden in der vorliegenden
Studie nicht berü cksichtigt. In der Analyse verbleiben demnach Restrukturierungen aus Insolvenzen
(Bankruptcy), Schließungen (Closure), Verlagerungen (Offshoring/Delocalisation) und der
Sammelkategorie (Bankruptcy/Closure). Das Jahr 2002 wurde in der RE Datenbank nicht in vollem

1 Darunter wird in der Datenbank eine Verlagerung innerhalb desselben Landes verstanden.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 6

Umfang erfasst und wird daher aus der folgenden Analyse aus Grü nden der Vergleichbarkeit und
Konsistenz ausgespart.2 Zum Berichtszeitpunkt werden untersuchungsrelevante Fä lle bis Ende
Oktober 2017 voll einbezogen. Insgesamt berü cksichtigt die folgende Analyse 3.986 Fä lle von
Restrukturierungen in den Lä ndern der Europä ischen Union plus Norwegen. Insgesamt sind hiervon
1,45 Mio. Arbeitsplä tze betroffen. Zum Vergleich: im Jahresdurchschnitt der Jahre 2003-2016 betrug
der Beschä ftigungsstand ü ber alle betrachteten Lä nder knapp 220 Mio. Personen.

Explizit soll hier darauf verwiesen werden, dass das Jahr 2017 noch nicht in vollem Umfang erfasst
ist. In der vorliegenden Studie werden viele Analysen im zeitlichen Verlauf in einer Jahresbetrachtung
vorgenommen. Dadurch ergibt sich eine gewisse Verzerrung der Ergebnisse, weil fü r das Jahr 2017
nur ein Zeitraum von zehn Monaten berü cksichtigt wird. Auf diese Verzerrung wird
dementsprechend auch in graphischer Form hingewiesen. Trotz dieser Verzerrung wird das Jahr
2017 aber in der Analyse aufgenommen - zum einen um aktuelle Fä lle darzustellen, zum anderen um
mö gliche Auswirkungen aktueller geo- und wirtschaftspolitischer Entwicklungen aufzeigen zu
kö nnen. Dementsprechend werden Restrukturierungsfä lle von Jä nner 2003 bis Ende Oktober 2017
analysiert.

Abbildung 2 zeigt beispielhaft die Informationen, die in einem Factsheet der Datenbank enthalten
sind. Dabei handelt es sich um die Insolvenz der ö sterreichischen Handelskette Zielpunkt vom
November 2015. Neben allgemeinen Informationen zum Unternehmen und seinem Herkunftsland
werden speziell Informationen zur Restrukturierung bereitgestellt. Dazu gehö ren in der Regel
Zeitangaben, geplante Beschä ftigungseffekte und bei Verlagerungen deren Zielregion. Viele
Factsheets enthalten zusä tzliche Informationen, die teilweise bei der Interpretation der Daten helfen
und etwa auch Hinweise auf die Motive fü r die Restrukturierung liefern sowie Weblinks zu den
relevanten Medienberichten.

2Der erste Fall, der in den Erfassungsbereich der hier relevanten Restrukturierungen fä llt, wurde am 29.3.2002 erfasst. Etwa
100 Fä lle gehen durch den Ausschluss des Jahres 2002 verloren.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 7

Abbildung 2: Beispiel aus der Restructuring Events Database des ERM von Eurofound

Quelle: RED – ERM.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 8

2.2. Auswertung und Ergebnisse

In diesem Abschnitt werden deskriptive Ergebnisse dargestellt, die aus der Datenbank des ERM
gewonnen wurden. Dabei werden die Resultate der 3.986 erfassten Restrukturierungsfä lle ab 2003
dargestellt, die mit insgesamt 1.446.664 betroffenen Beschä ftigten verbunden waren.3 Nachfolgend
wird insbesondere die Zahl der Fä lle von Restrukturierungen und die Zahl der davon betroffenen
Arbeitsplä tze beschrieben, wobei auf den zeitlichen Verlauf, die Herkunftslä nder, den betroffenen
Sektor, die Zielregionen im Fall einer Verlagerung und die Motive fü r die Restrukturierung
eingegangen wird.

2.2.1. Ergebnisse im zeitlichen Verlauf

Die Anzahl der Restrukturierungen (Verlagerungen, Schließungen, Insolvenzen) im zeitlichen Verlauf


fü r alle in der Datenbank enthaltenen Herkunftslä nder (‚Insgesamt‘) bzw. Osterreich im Speziellen
ist in Abbildung 3 dargestellt. Die Einteilung in Jahre folgt in diesem Bericht nach dem Datum der
Bekanntgabe der Restrukturierung. Uber den gesamten Zeitraum sind europaweit, wie bereits
angefü hrt, 3.986 Fä lle und 1.446.664 Arbeitsplä tze erfasst. Fü r Osterreich sind es ü ber den
Untersuchungszeitraum 120 Fä lle und 35.300 betroffene Arbeitsplä tze. Die Zahl der betrachteten
Restrukturierungen erreicht in Europa insgesamt in den Jahren 2005 und 2006 mit 374 bzw. 369
Fä llen einen ersten Hö hepunkt. Ein weiterer Hö hepunkt folgt im zeitlichen Umfeld der Wirtschafts-
und Finanzkrise von 2008. In diesem Jahr wurden 359 Fä lle von Restrukturierungen erfasst, 2009
waren es 466. Im zeitlichen Umfeld der Wirtschaftskrise ist es demnach europaweit zu einer starken
Restrukturierungswelle gekommen. Die Krisensituation beruhigt sich in den Jahren 2010 und 2011
relativ schnell. 2012 ist mit 300 Fä llen ein erneuter Anstieg der Restrukturierungen erkennbar, dies
mö glicherweise als Spä tfolge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Danach nimmt die Dynamik ü ber die
Jahre bis 2017 doch deutlich ab. Im Jahr 2016 werden 190 Restrukturierungsfä lle gezä hlt, im
Zeitraum Jä nner bis Oktober 2017 135.

Die Zahl der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplä tze vollzieht die Dynamik der Fä lle im
Wesentlichen nach. Der erste ‚Peak‘ betrifft 136.900 Arbeitsplä tze im Jahr 2005 bzw. 127.785 im Jahr
2006. Im zeitlichen Umfeld der Wirtschaftskrise steigt die Zahl der betroffenen Arbeitsplä tze auf
140.270 im Jahr 2008 bzw. 182.840 im Jahr 2009. Danach sinkt parallel zu den
Restrukturierungsfä llen auch die Zahl der betroffenen Arbeitsplä tze. Im Jahr 2012 steigt die Zahl der

3Anzumerken ist, dass die Datenbank laufend aktualisiert wird und Fä lle teilweise auch rü ckwirkend aufgenommen werden.
Die gegenstä ndliche Auswertung baut auf dem Datenstand vom November 2017 (Stichtag 7.11.2017) auf und umfasst Fä lle
von 2003 bis Ende Oktober 2017. Fä lle, die nachträ glich fü r diesen Zeitrahmen in die Datenbank aufgenommen werden,
bleiben unberü cksichtigt. Gleichzeitig wurden rund 30 Fä lle, die im ERM als relevante Fä lle klassifiziert wurden, aus der
Analyse ausgeschieden. Dies geschah zum Beispiel, weil eine angekü ndigte Restrukturierung entweder nicht stattfand, keine
Relevanz fü r Europa hatte, eigentlich eine Expansion darstellte oder eine Doppelerfassung vorlag.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 9

betroffenen Arbeitsplä tze neuerlich auf 124.930 an. Danach sinkt die Zahl der betroffenen deutlich,
wobei im Jahr 2016 wiederum ein temporä rer Anstieg (auf 82.060 Arbeitsplä tze) zu beobachten ist.

Abbildung 3: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplätze nach Jahr –


Insgesamt (alle EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen, oben) und Österreich (unten)

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 5 im Datenanhang.

Fü r Osterreich wurden von den hier betrachteten Unternehmensrestrukturierungen ü ber den
gesamten Zeitraum 2003 bis 2017 insgesamt 120 Fä lle erfasst mit 35.300 betroffenen Arbeitsplä tzen
erfasst, darunter die grö ßeren bekannten Fä lle etwa von Alpine Bau und Dayli im Jahr 2013 oder
Zielpunkt im Jahr 2015.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 10

Das Zeitverlaufsmuster fü r Osterreich ist mit Einschrä nkungen mit jenem auf gesamteuropä ischer
Ebene vergleichbar. Grundsä tzlich zeigen sich die Folgen der Wirtschaftskrise in einem Anstieg der
Restrukturierungen insbesondere im Jahr 2009, also relativ zur gesamteuropä ischen Ebene, in der
bereits 2008 ein deutlicher Anstieg erkennbar ist, etwas verzö gert. Wä hrend in den Jahren 2004 bis
2008 im Schwankungsbereich etwa 1.000 bis 2.480 Arbeitsplä tze von grö ßeren Restrukturierungen
betroffen waren, steigt diese Zahl auf 4.520 im Jahr 2009. Die Dynamik ‚normalisiert‘ sich in den
unmittelbaren Folgejahren, jedoch sind in den Jahren 2013 und 2015 starke Ausschlä ge erkennbar.
Diese sind zwar von großen Einzelfä llen, etwa der Alpine Bau, Dayli oder Zielpunkt, geprä gt, jedoch
spiegelt diese Entwicklung die zurü ckhaltende wirtschaftliche Dynamik der Jahre 2012 bis 2014
wider.

Abbildung 4: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplätze nach Jahr –


Vereinigtes Königreich

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 5 im Datenanhang.

Im Zusammenhang mit der aktuellen geo- und wirtschaftspolitischen Entwicklung stellt sich
insbesondere die Frage nach den Auswirkungen des Brexit auf Restrukturierungsfä lle. Die Anzahl der
Restrukturierungen und der davon betroffenen Arbeitsplä tze im Vereinigten Kö nigreich ist in
Abbildung 4 dargestellt. Hier zeigt sich mit den beiden Spitzen 2005/2006 bzw. 2008/2009 ein
qualitativ zum gesamteuropä ischen Bild identes Muster. 2016 ist zwar ein Anstieg der betroffenen
Arbeitsplä tze zu beobachten. Dieser Anstieg ist primä r mit der Insolvenz des Handelsunternehmens
BHS mit 11.000 betroffenen Arbeitsplä tzen verbunden. Diese wurde jedoch am 2. Juni 2016 und
damit bereits vor der Brexit-Abstimmung bekanntgegeben. Im Zeitraum November 2016 bis Oktober
2017 (ein Zeitraum von einem Jahr, in dem am ehesten Auswirkungen der Brexit-Abstimmung zu
erwarten wä ren) sind 46 Fä lle mit 11.980 betroffenen Arbeitsplä tzen zu beobachten. Zumindest in
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 11

Bezug auf die im ERM erfassten großen Restrukturierungsfä lle zeigen sich also (noch) keine
signifikanten Auswirkungen des Brexit.

Im Gesamtverlauf spiegelt diese Entwicklung den allgemeinen Konjunkturverlauf auf europä ischer
Ebene (vgl. Abbildung 5) wieder. Dieser war nach 2008 von einem ‚Double-Dip‘, einer zweifachen
Abschwä chung der Konjunktur in den Jahren 2008 und 2009 sowie 2012 und 2013 geprä gt. Die
Anzahl der Restrukturierungsfä lle sowie der hiervon betroffenen Arbeitsplä tze steigt in diesen
Jahren an. Die gesamtwirtschaftliche Situation in Osterreich ist davon geprä gt, dass ein im EU-
Vergleich etwas schwä cherer Einbruch 2009 zwar in den Jahren 2010 und 2011 schnell ü berwunden
wird, sich die allgemeine wirtschaftliche Dynamik in den Jahren danach aber vergleichsweise
deutlich abschwä cht. In den Jahren 2016 und 2017 ist jedoch ein deutliches Anziehen der Konjunktur
zu beobachten.

Abbildung 5: Jährliches Wachstum BIP real, EU-Aggregat und AT, 2003 bis 2017 (Prognose)

Quelle: AMECO, Eurostat, Gross domestic product at 2010 reference levels.

In Abbildung 6 erfolgt eine differenzierte Darstellung der Unternehmensrestrukturierungen nach Art


fü r alle erfassten Lä nder bzw. fü r Osterreich im Speziellen. Dabei zeigen sich auf gesamteuropä ischer
Ebene im Vorfeld der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 ü berdurchschnittliche Hä ufigkeiten bei
geografischen Verlagerungen. Der Hö hepunkt an Verlagerungen wurde 2006 mit 134 erfassten
Verlagerungen und 48.220 betroffenen Arbeitsplä tzen erreicht. In den Jahren nach 2010 geht die Zahl
der Verlagerungen zurü ck und schwankt zwischen 31 Fä llen 2015 (6.260 Arbeitsplä tze) und 53
Fä llen im Jahr 2012 (15.930 Arbeitsplä tze). Ein Erklä rungsmuster besteht darin, dass die Jahre nach
der Jahrtausendwende in bestimmten Branchen von einer starken Verlagerungsdynamik in die
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 12

Transitions- und Wachstumsö konomien im ö stlichen Europa geprä gt waren. Diese Dynamik
schwä cht sich etwa Mitte des letzten Jahrzehntes deutlich ab. Ein zweites Erklä rungsmuster kö nnte
darin bestehen, dass die Verlagerung von Produktionsstandorten mit erheblichen Investitionskosten
verbunden ist und Unternehmen in konjunkturell guten Zeiten eher in der Lage sind, die
Investitionskosten ü ber die entsprechend hö here Rentabilitä t zu refinanzieren. Im Unterschied zu
Rationalisierung und Kapazitä tsabbau stellen Verlagerungen eine offensive betriebswirtschaftliche
Strategie dar.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 13

Abbildung 6: Anzahl der Restrukturierungen nach Art der Restrukturierung (Kategorie) und Jahr –
Insgesamt (alle EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen, oben) und Österreich (unten)

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 9 im Datenanhang.

Im zeitlichen Umfeld der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 steigt die Zahl der Insolvenzen großer
Unternehmen deutlich an. Diese erreicht den Hö hepunkt im Jahr 2009 mit 157 erfassten Insolvenzen
bzw. 73.210 hiervon betroffenen Arbeitsplä tzen. Auch die Zahl der Nicht-insolvenzbedingten
Schließungen erreicht mit 220 Fä llen (und 82.980 Arbeitsplä tzen) im Jahr 2009 einen ‚Peak‘. Insofern
indizieren die Ergebnisse auch eine Strukturbereinigung bei grö ßeren Unternehmen als
unmittelbare Folge der Wirtschaftskrise. Ahnlich wie in der Gesamtbetrachtung nimmt diese
Dynamik in den Folgejahren 2010 und 2011 ab, steigt jedoch in den Jahren 2012 und 2013 wieder
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 14

an. Im Jahr 2012 betrafen die Groß-Insolvenzen europaweit 63.260 Arbeitsplä tze, 2013 47.668
Arbeitsplä tze. Hinzu kommen 2012 nicht-insolvenzbedingte Schließungen mit 45.745 betroffenen
Arbeitsplä tzen, im Jahr 2013 Schließungen mit 39.608 Arbeitsplä tzen (vgl. auch die nach Art der
Restrukturierung differenzierten Betrachtungen in Abbildung 7 bis Abbildung 9). Nach einem
Rü ckgang in den Jahren 2014 und 2015 steigt die Zahl der von Insolvenzen betroffenen
Arbeitsplä tzen im Jahr 2016 wieder deutlich (auf 47.850) an, was insbesondere mit drei großen
Insolvenzen (neben der bereits angesprochenen BHS im Vereinigten Kö nigreich auch zwei Fä lle in
den Niederlanden mit jeweils knapp 10.000 betroffenen Arbeitsplä tzen) verbunden ist.

Die Entwicklung in Osterreich ist prinzipiell ä hnlich, aber dennoch von einigen großen Fä llen geprä gt.
Bei Verlagerungen wird mit sechs Fä llen und etwa 1.300 betroffenen Arbeitsplä tzen ein erster
Hö hepunkt im Jahr 2006 erreicht, auch im Jahr 2008 waren etwa 1.300 Arbeitsplä tze (in vier
Verlagerungsfä llen) betroffen. Zwar ist die Betroffenheit in den Jahren 2009 und 2010 mit 1.400 bzw.
970 Arbeitsplä tzen hoch, jedoch waren diese beiden Jahre von grö ßeren Einzelfä llen geprä gt, nä mlich
Svarowski sowie AT&S. Nach 2010 nimmt die Verlagerungsdynamik deutlich ab. Bei Insolvenzen ist
ein erster Hö hepunkt mit etwa 2.060 Arbeitsplä tzen im Jahr 2009 bzw. etwa 1.715 Arbeitsplä tzen im
Jahr 2010 erreicht. Die Lage entspannt sich in den Jahren 2011 und 2012, danach steigt die Anzahl
der von Großinsolvenzen betroffenen Arbeitsplä tze jedoch deutlich an. Diese beträ gt 6.740 im Jahr
2013 und 3.560 im Jahr 2015. Diese beiden Ausschlä ge sind von einigen grö ßeren Fä llen, nä mlich
Alpine Bau und Dayli im Jahr 2013 bzw. Zielpunkt im Jahr 2015 geprä gt. Ohne diese genannten Fä lle
waren 2013 etwa 900 Arbeitsplä tze betroffen, 2015 etwa 700 Arbeitsplä tze, auch diese Werte sind
fü r Osterreich eher ü berdurchschnittlich.

2.2.2. Verlaufsmuster nach Art der Restrukturierung

Die folgenden Abbildungen (vgl. Abbildung 7 bis Abbildung 9) stellen die Entwicklung der
betroffenen Fä lle bzw. betroffenen Arbeitsplä tze nach Art der Restrukturierung insgesamt sowie fü r
Osterreich im Speziellen dar. Es handelt sich somit um eine detaillierte Darstellung von Abbildung 6.
Abbildung 7 bezieht sich auf Insolvenzen, Abbildung 8 auf Schließungen und Abbildung 9 auf
Verlagerungen. Auf eine eigenstä ndige Darstellung der ‚Doppelkategorie‘ fü r
Insolvenzen/Schließungen wird aus Grü nden der Ubersichtlichkeit verzichtet.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 15

Abbildung 7: Insolvenzen und davon betroffene Arbeitsplätze, Insgesamt (EU plus Norwegen, oben)
und Österreich (unten), im zeitlichen Verlauf

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 6 und Tabelle 9 im Datenanhang.

Bei Insolvenzen zeigte sich zuletzt europaweit eine abnehmende Dynamik. Nachdem im Jahr 2012
mit 63.260 von Großinsolvenzen betroffenen Arbeitsplä tzen und im Jahr 2013 mit 47.668
betroffenen Arbeitsplä tzen ein zweiter ‚Peak‘ nach der Wirtschaftskrise erkennbar ist, entspannte
sich die Situation in den Jahren 2014 (28.790 Arbeitsplä tze) und 2015 (22.800 Arbeitsplä tze). Im
Jahr 2016 ist jedoch ein deutlicher Anstieg auf 47.820 Arbeitsplä tze erkennbar, der insbesondere auf
die drei schon angesprochenen großen Insolvenzen mit jeweils rund 10.000 betroffenen
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 16

Arbeitsplä tzen zurü ckzufü hren ist. Im Jahr 2017 geht die Zahl der von Insolvenzen betroffenen
Arbeitsplä tzen laut ERM wieder deutlich zurü ck.

Fü r Osterreich ist ein erster ‚Peak‘ in den Jahren 2009 und 2010 im Zusammenhang mit der
Wirtschaftskrise zu erkennen. Dabei waren etwa 2.060 bzw. 1.710 Arbeitsplä tze von grö ßeren
Insolvenzen betroffen. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplä tze sinkt in der Folge ab, ist aber in den
Jahren 2013 und 2015 mit 6.740 bzw. 3.560 Arbeitsplä tzen vergleichsweise hoch. Das im
gesamteuropä ischen Vergleich verspä tete Muster ist neben einzelnen Großfä llen auch im Kontext der
eher moderaten wirtschaftlichen Dynamik in Osterreich ab etwa 2012 zu sehen. Wä hrend also
sowohl in Osterreich als auch in Europa insgesamt die Wirtschaftskrise zu unmittelbaren
Strukturbereinigungen bei grö ßeren Unternehmen gefü hrt hat, sahen sich die Unternehmen in
Osterreich auch nach 2012 mit einer eher gedä mpften gesamtwirtschaftlichen Dynamik konfrontiert.

Bei Schließungen zeigt sich auf gesamteuropä ischer Ebene ein Verlaufsmuster, das jenem der
Insolvenzen stark ä hnelt. Ein ‚Peak‘ wird 2009 mit 221 Fä llen und etwa 82.280 Arbeitsplä tzen
erreicht, danach folgt ein neuerlicher Anstieg 2012 mit 45.745 betroffenen Arbeitsplä tzen und 2013
mit etwa 39.600 betroffenen Arbeitsplä tzen. In der Folge nimmt die Anzahl der von Schließungen
betroffenen Arbeitsplä tze ab. In Osterreich wird der Hö hepunkt im Jahr 2009 mit etwa 1.060 von
großen Schließungen betroffenen Arbeitsplä tzen erreicht.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 17

Abbildung 8: Schließungen und davon betroffene Arbeitsplätze, Insgesamt (EU plus Norwegen, oben)
und Österreich (unten), im zeitlichen Verlauf

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 6 und Tabelle 9 im Datenanhang.

Bei Verlagerungen ist, wie bereits angefü hrt, kein konjunkturelles Muster erkennbar. Auf
gesamteuropä ischer Ebene kommt es in den Jahren 2003 bis 2006 vermehrt zu Verlagerungen. Diese
Entwicklung ist, wie spä ter dargestellt wird, insbesondere von Verlagerungen in ö stliche europä ische
Staaten und zum kleineren Teil auch in ö stliche außereuropä ische Staaten geprä gt. Die
Verlagerungsdynamik nimmt nach 2010 mit jahresdurchschnittlich rund 10.000 Arbeitsplä tzen
deutlich ab. In Osterreich setzen grö ßere Verlagerungen zeitlich versetzt ein, jedoch ist auch hier ab
2010 eine deutliche Verringerung zu erkennen.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 18

Abbildung 9: Verlagerungen und davon betroffene Arbeitsplätze, Insgesamt (EU plus Norwegen, oben)
und Österreich (unten), im zeitlichen Verlauf

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 6 und Tabelle 9 im Datenanhang.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 19

2.2.3. Ergebnisse nach Herkunftsland

Abbildung 10 illustriert die Zahl der Restrukturierungsfä lle und der davon betroffenen Arbeitsplä tze
nach dem Ursprungsland, in dem diese stattfinden.4 Einzelne Lä nder, etwa die baltischen Lä nder, die
Benelux- und die Visegrá d-Lä nder, wurden dabei zu Gruppen zusammengefü hrt. Im Folgenden wird
dieses Ursprungsland, analog zu Verlagerungsfä llen, als Herkunftsland5 bezeichnet.

Abbildung 10: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplätze nach Herkunftsland,
2003 bis Oktober 2017

Iber.: Iberische Halbinsel; Visegrá d: Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.


Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 10 im Datenanhang.

Dabei sticht mit rund 770 Fä llen und etwa 372.400 betroffenen Arbeitsplä tzen insbesondere das
Vereinigte Kö nigreich hervor. Festzustellen ist, dass Restrukturierungen im Vereinigten Kö nigreich
im Vergleich zu den anderen europä ischen Lä ndern auch einen hohen Dienstleistungsanteil
aufweisen, die Dienstleistungssektoren Handel, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie
sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen insgesamt stark vertreten sind (zur Branchenbetrachtung
siehe unten). Die Werte fü r das Vereinigte Kö nigreich sind auch deutlich hö her als in den anderen
großen Lä ndern, etwa Deutschland mit 156.200 betroffenen Arbeitsplä tzen und 320 Fä llen,
Frankreich mit 137.830 Arbeitsplä tzen bzw. 510 Fä llen oder Italien mit 64.020 Arbeitsplä tzen und

4 Aus Grü nden der Lesbarkeit werden kleinere Lä nder mit ä hnlichen Strukturen, etwa die baltischen Lä nder, oder die Benelux-

oder die Visegrá d Lä nder, zu Clustern gruppiert. Dabei muss angemerkt werden, dass Slowenien formal nicht dem Visegrá d
Format (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) angehö rt, korrekterweise mü sste der Cluster demnach Visgegrá d plus
Slowenien heißen.
5 Der Begriff Herkunftsland bezieht sich hierbei nicht nur auf Verlagerungen, sondern auch auf Insolvenzen und Schließungen.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 20

210 Fä llen. Osterreich befindet sich in einer Gruppe mit anderen kleineren Lä ndern der Europä ischen
Union, wie Schweden, Irland und Dä nemark.

Abbildung 11: Anzahl der Insolvenzen und betroffene Arbeitsplätze nach Herkunftsland,
2003 bis Oktober 2017

Iber.: Iberische Halbinsel; Visegrá d: Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.


Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 10 im Datenanhang.

Abbildung 11 stellt den Herkunftsland-Vergleich ausschließlich fü r Insolvenzen dar. Hier weist
Osterreich mit 45 Fä llen und 19.800 betroffenen Arbeitsplä tzen im Vergleich zu grö ßenmä ßig
vergleichbaren Lä ndern wie Schweden (26 Fä lle bei etwa 10.020 Arbeitsplä tzen), Irland (27 Fä lle bei
etwa 5.700 Arbeitsplä tzen), Dä nemark (14 Fä lle bei etwa 4.000 Arbeitsplä tzen) oder Finnland (elf
Fä lle bei 4.380 Arbeitsplä tzen) etwas hö here Werte auf. Bei Schließungen (vgl. Abbildung 12) und
Verlagerungen (vgl. Abbildung 13) lassen sich fü r Osterreich hingegen unterdurchschnittliche
Hä ufigkeiten erkennen.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 21

Abbildung 12: Anzahl der Schließungen und betroffene Arbeitsplätze nach Herkunftsland,
2003 bis Oktober 2017

Iber.: Iberische Halbinsel; Visegrá d: Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.


Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 10 im Datenanhang.

Abbildung 13: Anzahl der Verlagerungen und betroffene Arbeitsplätze nach Herkunftsland,
2003 bis Oktober 2017

Iber.: Iberische Halbinsel; Visegrá d: Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.


Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 10 im Datenanhang.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 22

2.2.4. Betrachtung der Restrukturierungsdynamik relativ zur Gesamtbeschäftigung

Die bisherigen Auswertungen basierten auf einer absoluten Betrachtung der von Restrukturierungen
betroffenen Unternehmen bzw. der betroffenen Arbeitsplä tze. Grundsä tzlich sind
Grö ßenunterschiede zu beachten, weil große Lä nder wie das Vereinigte Kö nigreich, Frankreich oder
Deutschland schon grö ßenbedingt hö here Betroffenheiten aufweisen. Die betroffenen Arbeitsplä tz
nach Herkunftsland werden daher in Abbildung 14 mit dem durchschnittlichen Beschä ftigungsstand
im Zeitraum von 2003 bis 2016 des jeweiligen Landes ‚normiert‘. Das heißt, die Summe der
betroffenen Arbeitsplä tze ü ber den gesamten Zeitraum wird in Bezug zur
Durchschnittsbeschä ftigung gesetzt.

Abbildung 14: Betroffenheitsgrad als von Restrukturierung betroffene Arbeitsplätze im Zeitraum 2003
bis Oktober 2017 relativ zum durchschnittlichen jährlichen Beschäftigtenstand

Iber.: Iberische Halbinsel; Visegrá d: Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.


Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 11 im Datenanhang.

Fü r Osterreich waren ü ber den gesamten Analysezeitraum 35.300 Arbeitsplä tze von
Restrukturierungen betroffen. Bei einem durchschnittlichen jä hrlichen Beschä ftigtenstand von
knapp 4 Mio. Beschä ftigten (von Personen ü ber 15 Jahren) im Schnitt 2003 bis 2016, waren 0,89%
relativ zur jä hrlichen Gesamtbeschä ftigung von Restrukturierungen betroffen. 0,50% entfallen auf
Insolvenzen, 0,16% auf nicht insolvenzbedingte Schließungen, 0,21% auf Verlagerungen. Relativ zur
Gesamtbeschä ftigung handelt es sich laut ERM bei den von großen Restrukturierungen betroffenen
Arbeitsplä tzen demnach um eine ü berschaubare Grö ße. Im internationalen Vergleich reiht sich
Osterreich in eine Gruppe mit Finnland, dem Baltikum, den Benelux Staaten oder Schweden ein.
Festzustellen ist jedoch, dass der Betroffenheitsgrad in Folge von Insolvenzen nach den baltischen
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 23

Staaten und dem Vereinigten Kö nigreich einen Hö chstwert erreicht. In der Gesamtbetrachtung ü ber
alle Typen von Restrukturierungen weisen Irland mit einer Betroffenheit von 1,91 und das Vereinigte
Kö nigreich mit 1,26 die Hö chstwerte auf.

Wie spä ter dargestellt wird, ist europaweit der Großteil der betroffenen Arbeitsplä tze im
industriellen Sektor der Warenherstellung konzentriert. Dies ist auch im Kontext einer insgesamt
rü cklä ufigen Beschä ftigung im Industriesektor seit der Jahrtausendwende zu sehen (vgl. Abbildung
15). Im Zeitraum von 2003 bis 2016 verringerte sich der Beschä ftigtenstand im industriellen Sektor
etwa in Irland um 16,5%, im Vereinigten Kö nigreich um rund ein Viertel. Die Lä nder mit der stä rksten
Deindustrialisierung im Untersuchungszeitraum ab 2003 sind Griechenland mit 38%, Luxemburg
mit etwa 31% oder auch Schweden mit mehr als 25%. Gemeinsam mit Deutschland (-0,5%) weist
Osterreich mit einem Rü ckgang der Industriebeschä ftigung um 0,1% als eines der wenigen EU-
Lä nder eine nahezu stabile Beschä ftigung im Produktionssektor auf. Die Visegrá d Lä nder, Polen,
Tschechien, Slowakei und Ungarn sind die einzigen Lä nder mit einer wachsenden Beschä ftigung im
Industriesektor.

Abbildung 15: Relative Veränderung der Gesamtbeschäftigung im Zeitraum von 2003 bis 2016 in der
Warenherstellung und über alle Sektoren

Quelle: Eurostat LFS; Daten siehe Tabelle 12 im Datenanhang; Warenherstellung als Verkettung NACE 2 (ab
2008) und NACE 1.1 (2003-2008).

2.2.5. Verlagerungen nach Zielregion

Die ERM Datenbank von Eurofound bietet auch Informationen zu den Ziellä ndern von Verlagerungen,
die im Folgenden analysiert werden. Diese werden fü r die vorliegende Analyse in mehrere
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 24

Zielregionen6 gruppiert. Dazu sind zwei methodische Anmerkungen notwendig. Zum einen werden
fü r einen Fall hä ufig zwei oder mehrere Ziele der Verlagerung genannt, entweder weil der zukü nftige
Standort noch nicht genau bestimmt ist, oder weil tatsä chlich in mehrere Lä nder verlagert wird. In
den seltensten Fä llen findet man dabei eine detailliertere Information, in welchem Ausmaß in die
verschiedenen Ziellä nder oder -regionen verlagert werden soll. Mangels besserer Information
werden die Fä lle und betroffenen Arbeitsplä tze gleichmä ßig auf die Ziele aufgeteilt. Diese
Verlagerungen sind dann in den ersten Darstellungen aufgrund der etwas grö ßeren Unsicherheit
getrennt dargestellt, rot in jenen Fä llen, in denen eine zwei Zielregionen genannt sind, grü n in jenen
Fä llen, in denen drei genannt sind.

Abbildung 16: Verlagerungen: Fälle nach Zielregion

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische Lä nder, die
nicht EU-Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben. Asien-Rest: anderes
asiatisches Land als China und Indien oder zu vage Asien-Eingaben.

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 13 im Datenanhang.

Zum anderen sind oft die Zielregionen zu vage angegeben, um sie in der vorgenommenen
Kategorisierung zuordnen zu kö nnen. So kö nnte zum Beispiel die Angabe ‚Osteuropa‘ in der hier
verwendeten Einteilung den Zielen Polen, NMS-9, NMS-3 oder Osteuropa-aber-nicht-EU zuzuordnen
sein. Daher wurden solche Fä lle den Kategorien ‚Europa-Rest‘ bzw. ‚Asien-Rest‘ zugeordnet.

6 Die Definition von Lä ndergruppen zielt darauf ab, Strukturvergleiche ü ber eine ü berschaubare Gruppe von Einheiten

vorzunehmen. Dabei wurden vor allem geografische bzw. strukturelle Einteilungen vorgenommen. Polen wurde aufgrund der
starken Nennung als Zielland separat angefü hrt, Kroatien der Lä ndergruppe der zweiten Erweiterungsrunde zugeordnet.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 25

Zusä tzlich finden sich in ‚Europa-Rest‘ noch die EFTA-Staaten und in ‚Asien-Rest‘ alle Lä nder, die
explizit aufgelistet und nicht China oder Indien sind.

Aus Abbildung 16 wird ersichtlich, dass der weitaus grö ßte Teil der Verlagerungen innerhalb Europas
stattfindet. 530 der insgesamt 884 Fä lle, also 60 %, betrafen Verlagerungen in eine der sechs
Zielregionen Europas. Auffallend ist insbesondere die hohe Zahl (104 Fä lle) an Verlagerungen nach
Polen, weshalb dieses Land auch explizit aufgelistet ist. Jeweils rund 155 Fä lle betreffen
Verlagerungen in die EU-15 bzw. in die NMS-9 (NMS-10 ohne Polen). Zweites großes Zielgebiet der
Verlagerungen ist Asien mit rund 250 Fä llen insgesamt, wobei China (93 Fä lle) und Indien (74 Fä lle)
die beiden meistgenannten Ziele sind. Auf restliche asiatische Staaten entfallen etwa 80
Verlagerungsfä lle. Afrika und Amerika spielen tendenziell eine untergeordnete Rolle. Zusä tzlich sind
noch einige Verlagerungen mit der vagen Information „in ein Niedriglohnland“ bzw. vö llig ohne
Angabe der Zielregion zu erwä hnen.

Abbildung 17: Verlagerungen: Betroffene Arbeitsplätze nach Zielregion

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische Lä nder, die
nicht EU-Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben. Asien-Rest: anderes
asiatisches Land als China und Indien oder zu vage Asien-Eingaben.

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 14 im Datenanhang.

Ein sehr ä hnliches Bild zeigt sich auch bei der Zahl der von Verlagerungen betroffenen Arbeitsplä tze
nach Zielregion in Abbildung 17, wobei laut ERM insgesamt 296.615 Arbeitsplä tze verlagert wurden.
Dabei sticht insbesondere die hohe Anzahl an nach Indien verlagerten Arbeitsplä tzen (knapp 47.000)
hervor, was vor allem auf eine große Anzahl an Verlagerungen aus dem Vereinigten Kö nigreich
(alleine rund 33.450) zurü ckzufü hren ist. Mit rund 162.200 betroffenen Beschä ftigten verbleibt
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 26

etwas mehr als die Hä lfte der Arbeitsplä tze in Europa. Zweite große Zielregion ist Asien mit
insgesamt knapp 100.000 Arbeitsplä tzen.

Bei der gemeinsamen Darstellung der Anzahl der Verlagerungen und der betroffenen Arbeitsplä tze
nach Zielregion in Abbildung 18 fä llt Indien auf. Bei verhä ltnismä ßig wenigen Verlagerungsfä llen
ergibt sich hier eine hohe Anzahl an betroffenen Arbeitsplä tzen. Relativ dazu ergibt sich fü r
Verlagerungen innerhalb Europas tendenziell das Bild, dass bei einer relativ hohen Zahl an
Verlagerungen relativ wenige Arbeitsplä tze verlagert werden. Im Hinblick auf das Zielland Indien
spielt auch die Verlagerung arbeitsplatzintensiver Dienstleistungsbereiche – etwa Callcenter aus dem
Vereinigten Kö nigreich – eine wichtige Rolle. Dabei beträ gt die durchschnittliche Zahl der betroffenen
Arbeitsplä tze pro Fall fü r Indien 640, bei Verlagerungen in die EU-15 beträ gt der Vergleichswert
knapp 260 Arbeitsplä tze pro Verlagerung, bei jenen in die NMS9 rund 275.

Abbildung 18: Anzahl der Verlagerungen und betroffene Arbeitsplätze nach Zielregion

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische Lä nder, die
nicht EU-Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben. Asien-Rest: anderes
asiatisches Land als China und Indien oder zu vage Asien-Eingaben.
Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt;
Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 13 und Tabelle 14im Datenanhang.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 27

Tabelle 1: Von Verlagerungen betroffene Arbeitsplätze nach Zielregion im Zeitverlauf

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische Lä nder, die nicht EU-
Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben. Asien-Rest: anderes asiatisches Land als China und
Indien oder zu vage Asien-Eingaben.
Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt
Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen.

Die Anzahl der von Verlagerungen betroffenen Arbeitsplä tze nach Zielregion im zeitlichen Verlauf ist
in Tabelle 1 dargestellt. Dementsprechend finden sich in den Spalten- bzw. Zeilensummen im oberen
Teil der Tabelle die oben bereits dargestellten Ergebnisse fü r die Verlagerungen nach Jahr (vgl.
Abbildung 9) bzw. Zielregion (vgl. Abbildung 17 und Abbildung 18) wieder. Die hö chsten Werte fü r
einzelne Jahre und Zielregionen belaufen sich auf rund 10.000 betroffene Arbeitsplä tze. Im unteren
Teil der Tabelle wurde die Anzahl der in eine Zielregion verlagerten Arbeitsplä tze in den einzelnen
Jahren auf die Gesamtzahl der Arbeitsplä tze ü ber den gesamten Zeitverlauf bezogen.
Dementsprechend summieren sich die Werte in den einzelnen Zeilen (d.h. Zielregionen) ü ber den
Untersuchungszeitraum auf 100 %. Die Tabelle wurde fä rbig formatiert. Rote Zellen drü cken aus,
dass ein hoher Anteil von verlagerten Arbeitsplä tzen in die jeweilige Region in einem bestimmten
Jahr festzustellen ist. So konzentrieren sich 53 % aller in die Region Osteuropa-aber-nicht-EU
verlagerten Arbeitsplä tze auf das Jahr 2006. Umgekehrt drü cken blaue Zelle aus, dass in Relation zur
Gesamtzahl an in diese Region verlagerten Arbeitsplä tzen nur sehr wenige in einem bestimmten Jahr
verlagert wurden. Das oben schon dargestellte Bild eines Hö hepunkts von Verlagerungen bis 2006
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 28

und anschließend rü cklä ufigen Verlagerungszahlen zeigt sich im Wesentlichen auch fü r die einzelnen
Zielregionen. Die besonders hohen Anteile fü r Europa-Rest (2003) und Osteuropa-aber-nicht-EU
(2006) sind das Ergebnis zweier sehr großer Verlagerungsfä lle (Siemens und UniCredit). Fü r Indien
zeigt sich ein hö herer Anteil an verlagerten Arbeitsplä tzen bereits vor dem ‚allgemeinen Hö hepunkt‘,
also in den Jahren 2003 und 2004. Umgekehrt fanden Verlagerungen in die NMS-3 in stä rkerem
Ausmaß in den beiden Jahren 2008 und 2009 statt, was vermutlich mit der EU-Osterweiterung zu
erklä ren ist (Beitritt von Bulgarien und Rumä nien Anfang 2007).

Tabelle 2: Von Verlagerungen betroffene Arbeitsplätze nach Herkunfts- und Zielregion

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische Lä nder, die nicht EU-
Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben. Asien-Rest: anderes asiatisches Land als China und
Indien oder zu vage Asien-Eingaben.
Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen.

Die von Verlagerungen betroffenen Arbeitsplä tze nach Herkunfts- und Zielregion sind in Tabelle 2
dargestellt. Die untere Tabelle teilt die Zeilensumme aller aus einem Herkunftsland verlagerten
Arbeitsplä tze auf die erfassten Zielregionen auf. So wurden beispielsweise aus dem Vereinigten
Kö nigreich insgesamt 66.060 Arbeitsplä tze wegverlagert. Mit etwa 33.460 entfiel dabei mehr als die
Hä lfte auf das Zielland Indien. Aus Osterreich wurden laut ERM 8.305 Arbeitsplä tze wegverlagert.
Dabei spielen Zielregionen in Europa eine große Rolle. Insgesamt entfallen rund 70 % der aus
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 29

Osterreich verlagerten Arbeitsplä tze auf Ziellä nder in Europa, 15 % wurden in die EU 15 Lä nder
verlagert, 11% nach Polen, 17% in die neuen Mitgliedsstaaten der ersten Osterweiterung von 2004
(ohne Polen), weitere 5% in die NMS 3 (Bulgarien, Rumä nien und Kroatien) bzw. 24 % in ü brige
europä ische Regionen außerhalb der EU. Außerhalb Europas entfä llt mit 18% ein starker Anteil auf
Indien.

Die Zielstruktur der Verlagerungen aus Osterreich ist damit den meisten anderen europä ischen
Staaten vergleichbar. Fü r viele Herkunftsregionen zeigt sich, dass ein großer Teil der Arbeitsplä tze
innerhalb Europas, insbesondere der Europä ischen Union selbst bzw. nach Asien verlagert wird. Die
dargestellten Werte lassen die Vermutung zu, dass die Zielregionen durch historische, kulturelle oder
sprachliche Beziehungen mitbeeinflusst werden. Dies zeigt sich insbesondere bei dem hohen Anteil
von Verlagerungen vom Vereinigten Kö nigreich nach Indien, deutet sich aber auch bei hö heren
Anteilen von Frankreich nach (Nord-)Afrika bzw. von Irland in die USA an.

2.2.6. Ermittlung der Nettoposition an verlagerten Arbeitsplätzen nach Herkunfts- und Zielland

Durch Gegenü berstellung der verlagerten Arbeitsplä tze nach Herkunfts- und Ziellä ndern lä sst sich –
zumindest fü r die einbezogenen europä ischen Lä nder – eine ‚Nettoabwanderung‘ aus
abgewanderten und zugegangenen Arbeitsplä tzen darstellen. Die absolute Betrachtung in
Arbeitsplä tzen erfolgt in Abbildung 19, die Betrachtung relativ zur Beschä ftigung insgesamt erfolgt
in Abbildung 20. Zur Normierung wurde der durchschnittliche Beschä ftigtenbestand ü ber den
Zeitraum 2003 bis 2016 herangezogen. Damit wird auch hier die Summe der ü ber den gesamten
Zeitraum betroffenen Arbeitsplä tze auf eine Bestandsgrö ße bezogen.

Die Auswertung enthä lt nur jene europä ischen Lä nder (EU plus Norwegen), die im ERM auch als
Herkunftsland erfasst sind. Nicht europä ische Lä nder sind im ERM nur als Zielregion erfasst und
kö nnen daher in die Auswertung nicht einbezogen werden. Zweitens kann sich die Auswertung nur
auf solche Restrukturierungen beziehen, in denen ein Zielland explizit erfasst ist. Die Auswertung
bezieht sich demnach nur auf Verlagerungen. Aus diesen beiden Grü nden ergibt sich damit in Summe
ü ber alle betrachteten Lä nder eine Nettoabwanderung.

Abbildung 19 stellt die Zahl der abgewanderten bzw. zugegangenen Arbeitsplä tze in den hell- bzw.
dunkelgrauen Balken dar. Anhand der roten und blauen Kreuze wird die Nettoabwanderung der
verlorenen Arbeitsplä tze minus den zugegangenen Arbeitsplä tzen in absoluten Grö ßen dargestellt.
Osterreich weist ü ber den gesamten Untersuchungszeitraum einen Abgang von 8.305 verlagerten
Arbeitsplä tzen (vgl. auch Tabelle 2) und einen Zugang von 858 Arbeitsplä tzen auf. Daraus ergibt sich
ein Nettoabgang von 7.447 Arbeitsplä tzen.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 30

Von allen einbezogenen Lä ndern weisen das Vereinigte Kö nigreich (63.080 Arbeitsplä tze),
Frankreich (etwa 25.600) sowie Deutschland (15.920) die hö chsten Nettoverluste auf. Am anderen
Ende der Skala befinden sich u.a. mit Polen (mit einem Zugang von Netto 22.930 Arbeitsplä tzen),
Rumä nien (knapp 11.900 Arbeitsplä tze) und Tschechien (10.730 Arbeitsplä tze) jene Lä nder mit
einer positiven Nettobilanz. Die Nettobilanz zeigt deutlich ein Ost/West-Muster. Im
Untersuchungszeitraum sind Arbeitsplä tze innerhalb Europas von den westlichen EU-Staaten
tendenziell wegverlagert bzw. in die ö stlichen EU-Staaten hin verlagert worden.

Abbildung 19: Absolute Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und


zugegangenen Arbeitsplätzen in Folge von Verlagerungen

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 15 im Datenanhang.

Unter Berü cksichtigung des Beschä ftigtenstandes werden die hohen absoluten Arbeitsplatzverluste
im Vereinigten Kö nigreich und in Frankreich zum grö ßeren Teil relativiert (vgl. Abbildung 20). In
dieser relativen Betrachtung weisen insbesondere Irland, Dä nemark, Finnland, Belgien und
Schweden stä rkere Verluste auf. Osterreich befindet sich dabei im oberen Mittelfeld der
Vergleichslä nder. Relativ zum durchschnittlichen Beschä ftigtenstand der Jahre 2003 bis 2016 von
knapp 4 Mio. Beschä ftigten entspricht der Nettoabgang von7.450 Arbeitsplä tzen einem Anteil von
0,19%.

Die folgende Abbildung 21 stellt schließlich eine Kombination aus der absoluten und der relativen
Betrachtung dar. In Balken ist der Saldo in absoluten Werten abgebildet, die Kreuze setzen diesen
Saldo in einen relativen Bezug zum durchschnittlichen Beschä ftigtenstand. Dabei relativiert sich, wie
bereits angesprochen die hohe absolute Betroffenheit der großen Staaten Vereinigtes Kö nigreich,
Frankreich und Deutschland sowie Polen.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 31

Abbildung 20: Relative Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und


zugegangenen Arbeitsplätzen in Folge von Verlagerungen in % der Gesamtbeschäftigung

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen, Beschä ftigtenstand als Durchschnitt 2003-2016 gemä ß LFS
Eurostat; Daten siehe Tabelle 16 im Datenanhang.

Abbildung 21: Absolute und relative Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und
zugegangenen Arbeitsplätzen in Folge von Verlagerungen 2003 bis Oktober 2017

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen, Beschä ftigtenstand als Durchschnitt 2003-2016 gemä ß LFS
Eurostat; Daten siehe Tabelle 15 und Tabelle 16 im Datenanhang.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 32

2.2.7. Restrukturierungen nach Branchen

In der Branchenbetrachtung kommt dem Bereich der Sachgü tererzeugung (Sektor C) ü ber den
gesamten Untersuchungszeitraum eine außerordentlich hohe Bedeutung zu. Mit ü ber den gesamten
Untersuchungszeitraum knapp 2.700 Fä llen und knapp 802.000 betroffenen Arbeitsplä tzen entfallen
etwa 68% der Fä lle und 55% der betroffenen Arbeitsplä tze auf den Produktionssektor. Fü r Osterreich
zeigt sich dasselbe Bild. Hierzulande entfallen laut ERM 69% der Fä lle und 48% der betroffenen
Arbeitsplä tze auf den Produktionssektor.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 33

Abbildung 22: Restrukturierungen nach Wirtschaftssektoren, 2003 bis Oktober 2017,


Alle Länder und Österreich

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 17 im Datenanhang.

Ansonsten spielen noch der Handel (Sektor G – Handel, Instandhaltung und Reparatur von
Kraftfahrzeugen), der Verkehrssektor (Sektor H – Verkehr und Lagerei), das Finanz- und
Versicherungswesen (Sektor K – Finanz- und Versicherungsdienstleistungen) und der Bau (Sektor F)
eine grö ßere Rolle. In Bezug auf den Handel und den Bausektor ist die Situation in Osterreich ä hnlich.
Auf den Handel entfallen hier immerhin rund 30% der betroffenen Arbeitsplä tze, auf den Bausektor
knapp 13 %. Dies entspricht im internationalen Vergleich jeweils ü berdurchschnittlichen Werten, die
im Kontext der grö ßeren Fä lle, etwa der Alpine Bau bzw. Dayli und Zielpunkt, zu sehen sind. Von (im
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 34

internationalen Vergleich) geringerer Bedeutung sind in Osterreich der Verkehrssektor und das
Finanz- und Versicherungswesen.

Abbildung 23: Re-Kodierungsschema für NACE Zweisteller im Bereich Warenherstellung und


produzierendes Gewerbe
C MANUFACTURING Re-Kodierung in Branchencluster
10 Manufacture of food products
Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten (Nahrungs- und Futtermittel, Getränke,
11 Manufacture of beverages Ca
Tabak)
12 Manufacture of tobacco products
13 Manufacture of textiles
14 Manufacture of wearing apparel Cb Herstellung von Stoffen, Bekleidung und Lederwaren
15 Manufacture of leather and related products
16 Manufacture of wood and of products of wood and cork, […]
Cc Herstellung von Holz- und Papierwaren, Möbelherstellung
17 Manufacture of paper and paper products
18 Printing and reproduction of recorded media
19 Manufacture of coke and refined petroleum products
20 Manufacture of chemicals and chemical products
Cd Herstellung von chemischen, und pharmazeutischen Produkten, Kunststoffen etc.
21 Manufacture of basic pharmaceutical products and […] preparations
22 Manufacture of rubber and plastic products
23 Manufacture of other non-metallic mineral products
24 Manufacture of basic metals
Ce Herstellung von Metallwaren, Maschinen, Fahrzeuge und sonstigen Transportgeräten
25 Manufacture of fabricated metal products […]
26 Manufacture of computer, electronic and optical products
Cf Herstellung von Computer, Elektronik und elektrischen Geräten
27 Manufacture of electrical equipment
28 Manufacture of machinery and equipment n.e.c.
29 Manufacture of motor vehicles, trailers and semi-trailers Ce Herstellung von Metallwaren, Maschinen, Fahrzeuge und sonstigen Transportgeräten
30 Manufacture of other transport equipment
31 Manufacture of furniture Cc Herstellung von Holz- und Papierwaren, Möbelherstellung
32 Other manufacturing Cg Herstellung von sonstigen Waren
33 Repair and installation of machinery and equipment Ce Herstellung von Metallwaren, Maschinen, Fahrzeuge und sonstigen Transportgeräten

Quelle: Eigene Darstellung.

Fü r die weitere Analyse wurden die sechs bedeutendsten Sektoren herausgegriffen und eine tiefere
Unterteilung der Sachgü tererzeugung in Branchencluster (vgl. Abbildung 23) vorgenommen. Auf
europä ischer Ebene zeigt sich eine Hä ufung an Restrukturierungen insbesondere im
Branchencluster ‚Ce‘, der ‚Herstellung von Metallwaren, Maschinen, Fahrzeugen und sonstigen
Transportgerä ten‘. Dieser macht ü ber den gesamten Zeitraum einen Anteil von 21% aller Fä lle bzw.
19% aller betroffenen Arbeitsplä tze aus. Im Gegensatz dazu entfallen in Osterreich vergleichsweise
wenige Fä lle auf diesen Cluster. Auf der Gesamtebene lassen sich noch die Cluster ‚Cf‘ (‚Herstellung
von Computer, Elektronik und elektrischen Gerä ten‘) und ‚Cd‘ (‚Herstellung von chemischen, und
pharmazeutischen Produkten, Kunststoffen etc.‘) herausstreichen. Auch in Osterreich entfä llt ein
hoher Anteil der Restrukturierungen auf diese beiden Cluster.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 35

Abbildung 24: Restrukturierungen nach ausgewählten Wirtschaftssektoren und Branchencluster des


Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Länder und Österreich

Ca Ca-Herstellung von landwirtschaftlichen Produkten (Nahrungs- und Futtermittel, Getränke, Tabak)


Cb Cb-Herstellung von Stoffen, Bekleidung und Lederwaren
Cc Cc-Herstellung von Holz- und Papierwaren, Möbelherstellung
Cd Cd-Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Produkten, Kunststoffen etc.
Ce Ce-Herstellung von Metallen und Metallwaren, Maschinen, Fahrzeugen und sonstigen Transportgeräten
Cf Cf-Herstellung von Computer, Elektronik und elektrischen Geräten
Cg Cg-Herstellung von sonstigen Waren
F Bau
G Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen
H Verkehr und Lagerei
J Information und Kommunikation
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 18 im Datenanhang.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 36

2.2.8. Restrukturierungen nach Branchen im Zeitverlauf

Auf der Gesamtebene aller einbezogenen Lä nder lä sst sich im Zeitverlauf (vgl. Abbildung 25) das
bereits beschriebene Muster erkennen. Die Zahl der von Restrukturierungen betroffenen
Arbeitsplä tze erreicht ihren Hö hepunkt im zeitlichen Umfeld der Wirtschafts- und Finanzkrise in den
Jahren 2008 und 2009 sowie danach im Jahr 2012. Dabei sind insbesondere drei Branchen
hervorzustreichen, nä mlich der Metall-, Maschinen- und Fahrzeugcluster ‚Ce‘, der Handel ‚G‘ und der
Computer-, Elektronik- und Elektrikcluster ‚Cf‘. Insbesondere im Maschinen-, Metall- und
Fahrzeugcluster (‚Ce‘) und im Bereich der Herstellung von Computern, Elektronik und elektrischen
Gerä ten (‚Cf‘) sind aber bereits vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise, nä mlich in den Jahren
2005 und 2006, hö here Fallzahlen zu erkennen.

Abbildung 25: Von Restrukturierungen betroffene Arbeitsplätze im Zeitverlauf nach ausgewählten


Wirtschaftssektoren und Branchencluster des Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Länder

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 19 im Datenanhang.

Aufgrund der geringen Beobachtungszahl wird auf eine Zeitverlaufs- und Branchenunterscheidung
fü r Osterreich verzichtet. Grundsä tzlich nimmt auch in Osterreich die Zahl der von
Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplä tzen im Jahr 2009 zu. Dies ist zum grö ßten Teil auf zwei
Sektoren, nä mlich den Handel und den Cluster der Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie,
zurü ckzufü hren. In den jü ngeren Jahren sind insbesondere die Anstiege der betroffenen
Arbeitsplä tze im Handel (2013 mit 4.147 Arbeitsplä tzen bzw. 2015 mit 2.850 Arbeitsplä tzen) und im
Bauwesen (2013 mit 2.590 Arbeitsplä tzen) relevant. Hauptverantwortlich hierfü r sind die großen
Insolvenzen von Dayli, Zielpunkt und der Alpine Bau.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 37

2.2.9. Ergebnisse nach Motiven

Die einzelnen Factsheets der Datenbank enthalten hä ufig Informationen zu den Motiven der
Restrukturierungen. Fü r den vorliegenden Bericht wurden diese Motive kategorisiert und analysiert.
Wurden in den einzelnen Factsheets des Restructuring Monitors mehrere Motive fü r eine
Restrukturierung genannt, so wurden diese Grü nde (analog zur Einteilung bei den Zielregionen bei
Verlagerungen) „aufgeteilt“. Doppelzä hlungen wurden auf diese Weise vermieden.

Dabei muss erwä hnt werden, dass diese Einteilung auf Basis der vorhandenen Informationen oft
nicht einfach und eindeutig ist. Weiters ist zu berü cksichtigen, dass die von Unternehmen ö ffentlich
angegebenen Motive von der tatsä chlichen Motivation abweichen kö nnen, falls Unternehmen bei der
Bekanntgabe der Restrukturierungen Rü cksicht auf die Offentlichkeitswirksamkeit ihrer Aussagen
nehmen.

Die angefü hrten Grü nde stehen naturgemä ß oft in enger Wechselwirkung zueinander. So fü hren hohe
Produktionskosten in der Regel zu einer ungü nstigen Gewinnsituation eines Unternehmens. Weiter
ist davon auszugehen, dass eine hohe Abgabenbelastung auf den Faktor Arbeit in (zu) hohen
Arbeitskosten subsumiert sein wird. Dadurch kö nnte die Bedeutung hoher Abgaben fü r die
Standortentscheidung unterschä tzt sein.

Informationen ü ber eine schlechte Gewinnsituation oder Verschuldung der Unternehmen im Falle
einer Insolvenz wurden unter „keine Angabe“ kategorisiert. Es ist davon auszugehen, dass eine
ungü nstige Gewinnsituation eine „notwendige Bedingung“ fü r eine Insolvenz darstellt. Insofern
liefert diese Information keinen zusä tzlichen Gehalt im Falle einer Insolvenz.

Die Anzahl der Restrukturierungen nach Art der Restrukturierung und Motiv ist in Tabelle 3
dargestellt. Insgesamt erkennt man, dass in der Datenbank fü r einen großen Anteil keine nä heren
Angaben ü ber die Motive gemacht werden. Mit knapp als 1.700 der insgesamt knapp 4.000 Fä lle gilt
dies fü r rund 40 % der Restrukturierungen. Mit 565 Fä llen spielt die Kategorie
Marktsituation/Nachfragerü ckgang eine entscheidende Rolle fü r Entscheidungen zur
Restrukturierung. Ein weiteres wesentliches Motiv fü r Restrukturierungen sind Kostenfaktoren.
Dabei werden regelmä ßig Produktionskosten im Allgemeinen angefü hrt (knapp 290 Fä lle), aber auch
auf Arbeitskosten im speziellen (115 Fä lle) entfä llt eine verhä ltnismä ßig hohe Zahl.
Restrukturierungen im Zusammenhang mit Anderungen der Unternehmensorganisation (darunter
fallen etwa die Konzentration der Produktion oder Entwicklungen im Mutterkonzern) haben mit
rund 250 Fä llen ebenfalls eine hohe Bedeutung. Der starke Wettbewerb spielt auch eine wichtige
Rolle (224 Restrukturierungen). Eine schlechte Gewinnsituation ist das ausschlaggebende Motiv bei
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 38

210 erfassten Restrukturierungen, wobei noch einmal darauf hinzuweisen ist, dass dieses Motiv im
Falle von Insolvenzen nicht berü cksichtigt wurde.

Aktuelle wirtschafts- und geopolitische Entwicklungen wurden in 6 Fä llen als Motive fü r
Restrukturierungen genannt, die Hä lfte dieser Fä lle betrifft den Brexit bzw. die damit verbundene
Abwertung des Pfunds, fü r 2 Insolvenzen (ein Brü sseler Hotel und ein Reiseanbieter) wurden die
Terroranschlä ge und dadurch rü ckgä ngiger Tourismus und in einem Fall Anderungen der
Wirtschaftspolitik der US-Regierung als Motive fü r eine Restrukturierung genannt. Im Vergleich zu
insgesamt 325 Restrukturierungsfä llen in den Jahren 2016 und 2017 spielt dieses Motiv
dementsprechend eine untergeordnete Rolle.

Tabelle 3: Anzahl der Restrukturierungen nach Motiven und Art der Restrukturierung
(über alle Länder EU27 plus NO)

Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen.

Hinsichtlich der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplä tze zeigt sich in Tabelle 4 ein sehr
ä hnliches Bild wie bei der Anzahl der betroffenen Unternehmen. Fü r 43 % der betroffenen
Arbeitsplä tze wird keine nä here Angabe ü ber die Grü nde gemacht. Auch bezü glich der Zahl der
betroffenen Arbeitsplä tze sind die Kategorien Marktsituation/Nachfragerü ckgang, Kostenargumente
(Produktionskosten im Allgemeinen, aber auch Arbeitskosten im Speziellen),
Unternehmensorganisation, Wettbewerb, Gewinnsituation und die Wirtschaftskrise die
dominierenden Motive. Aktuelle wirtschafts- und geopolitische Entwicklungen werden fü r 1.100
betroffene Arbeitsplä tze als Motiv genannt, fü r knapp 700 davon konkret der Brexit und seine
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 39

Auswirkungen. Im Vergleich zu 127.000 betroffenen Arbeitsplä tzen in den Jahren 2016 und 2017
spielt dieses Motiv dementsprechend eine nicht zu vernachlä ssigende, jedoch untergeordnete Rolle.

Tabelle 4: Betroffene Arbeitsplätze nach Motiven und Art der Restrukturierung,


über alle Länder (EU27 plus NO)

Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen.

Der besseren Ubersichtlichkeit wegen sind in Abbildung 26 noch die Anteile der acht dominierenden
Motive (d.h. jene, die mit mehr als 40.000 betroffenen Arbeitsplä tzen verbunden sind) an den
betroffenen Arbeitsplä tzen getrennt fü r die verschiedenen Typen von Restrukturierungen
dargestellt. Wie oben schon erlä utert, ist Marktsituation/Nachfragerü ckgang das bedeutendste Motiv
bei Betrachtung aller Restrukturierungsfä lle (‚Gesamt‘). Die verschiedenen weniger bedeutenden
Motive (mit weniger als 40.000 betroffenen Arbeitsplä tzen), die in der Abbildung nicht dargestellt
sind, machen insgesamt 18 % der betroffenen Arbeitsplä tze aus. Bei Verlagerungen spielen die
Kostenfaktoren ‚Produktionskosten‘ allgemein (32,4%) und ‚Arbeitskosten‘ im Speziellen (25,7%)
eine zentrale Rolle, umgekehrt die Marktsituation bei Insolvenzen (31,2%) und Schließungen
(25,5%).
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 40

Abbildung 26: Von Restrukturierungen betroffene Arbeitsplätze nach Motiven und Art der
Restrukturierung, über alle Länder (EU27 plus NO)

Restrukturierungsfä lle ohne Angabe von Motiven wurden aus der Analyse ausgenommen;
Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt;

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 20 im Datenanhang.

Mit Hilfe von Abbildung 27 kann der Frage nachgegangen werden, ob sich die Motive fü r
Restrukturierungen, gemessen an den betroffenen Arbeitsplä tzen, im Zeitverlauf geä ndert haben. In
den Motiven spiegelt sich im Zeitverlauf auch die Struktur der betrieblichen Restrukturierungen
wider. Es sind zwei Hö hepunkte erkennbar, die sich in ihrer Motivstruktur voneinander
unterscheiden. Der erste Hö hepunkt 2005 und 2006 ist auch durch eine verlagerungsintensive Phase
geprä gt, wä hrend beim zweiten Hö hepunkt 2008 und 2009 im zeitlichen Umfeld der Wirtschaftskrise
Insolvenzen und Schließungen ü berwiegen.

Die Markt- und Nachfragesituation ist in beiden Phasen von hoher Bedeutung. In der
verlagerungsintensiven Phase vor 2008 spielen darü ber hinaus insbesondere die standortrelevanten
Kostenfaktoren, die Produktions- und Arbeitskosten und die Gewinnsituation eine wesentliche Rolle.
Nach Ausbruch der Wirtschaftskrise stellt diese einen maßgeblichen Grund der Restrukturierungen
dar. Die Wirtschaftskrise bleibt bis 2012 von Bedeutung, nimmt danach jedoch an Bedeutung ab. Ganz
allgemein scheint danach eine ‚Normalisierung‘ erkennbar. Im Vergleich zur starken
Verlagerungsphase bzw. nach den unmittelbaren Krisenjahren sind grö ßere betriebliche
Restrukturierungen zuletzt auf ein mittleres bis niedriges Niveau zurü ckgegangen. Weiterhin bleiben
dabei jedoch die Markt- und Gewinnsituation der Unternehmen von besonderer Bedeutung. Dabei
sollte eine auf Wachstumsbelebung ausgerichtete Politik insbesondere institutionelle und
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 41

regulatorische Aspekte im Auge behalten, die Auswirkungen auf die Wettbewerbsfä higkeit und
insofern auf die Markt- und Gewinnsituation der Unternehmen haben.

Abbildung 27: Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze nach den acht bedeutendsten Motiven der
Unternehmen im Zeitverlauf (über alle beobachteten Länder EU27 plus NO)

Restrukturierungsfä lle ohne Angabe von Motiven wurden aus der Analyse ausgenommen
Einfach- und Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Daten siehe Tabelle 21 im Datenanhang.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 42

3. Zusammenfassung
Die stetige Zunahme der internationalen Wirtschaftsverflechtung und die Wettbewerbsdynamik
tragen dazu bei, dass Unternehmen Restrukturierungsmaßnahmen vornehmen. Diese werden hä ufig
zur Verbesserung der Wettbewerbsposition durchgefü hrt, woraus sich fü r die Wirtschaftspolitik eine
besondere Bedeutung der Standortfaktoren ergibt. Der Begriff Restrukturierungen ist prinzipiell
sehr breit und umfasst verschiedene Maßnahmen auf Unternehmensebene. Dabei sind oft
Betriebsschließungen bzw. -verlagerungen von besonderer (wirtschafts-)politischer und medialer
Brisanz. Deswegen liegt der Fokus der vorliegenden Studie auf der Analyse der folgenden
Restrukturierungsmaßnahmen: Verlagerungen, Insolvenzen und Schließungen (freiwillig und ohne
Verlagerungsaktivitä ten).

Grundlage der Analyse ist die Datenbank des European Restructuring Monitor (ERM) der
Europä ischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) dar, die
auf der Auswertung von medialen Berichten ü ber grö ßere Restrukturierungen basiert. Die
vorliegende Untersuchung basiert auf 3.986 Restrukturierungsfä llen im Zeitraum 2003 bis Oktober
2017 in den Lä ndern der Europä ischen Union plus Norwegen. Basierend auf den Informationen
dieser Datenquelle sind in diesem Zeitraum insgesamt 1,45 Millionen Arbeitsplä tze in den
betrachteten Lä ndern von den untersuchten Restrukturierungsmaßnahmen betroffen gewesen.

Die verschiedenen Typen von sehr großen Restrukturierungsmaßnahmen weisen eine


unterschiedliche Relevanz auf. Auf Ebene aller erfassten Lä nder (EU plus Norwegen) haben
Betriebsschließungen und Insolvenzen die grö ßte Bedeutung. Von den erfassten knapp 4.000
Restrukturierungsfä llen entfallen 1.770 auf Schließungen und 1.215 auf Insolvenzen. Bei weiteren
knapp 120 handelt es sich um Fä lle, bei denen auf Basis der vorhandenen Informationen keine
eindeutige Zuordnung auf Insolvenzen oder Schließungen getroffen werden konnte. Demgegenü ber
treten Verlagerungen auf Ebene aller erfassten Lä nder mit etwa 880 Fä llen weniger hä ufig auf. Die
mit sehr großen Restrukturierungen auf Basis des ERM verbundenen Arbeitsplatzverluste belaufen
sich auf etwa 1,45 Mio. Dabei entfallen rund 561.500 Arbeitsplä tze auf Schließungen, etwa 551.000
auf Insolvenzen, etwa 37.000 auf Insolvenz/Schließung und knapp 297.000 Arbeitsplä tze auf
Verlagerungen. Gemessen am durchschnittlichen Beschä ftigungsstand der Jahre 2003 bis 2016 (im
Ausmaß von knapp 220 Mio. Personen ü ber alle betrachteten Lä nder) belaufen sich die gesamten
ü ber den betrachteten Zeitraum ergebenden Beschä ftigungsverluste infolge von Insolvenzen und
Schließungen ü ber alle einbezogenen Staaten auf 0,25% bzw. 0,26%, Beschä ftigungsverluste als
Folge von Verlagerungen betragen 0,14%. Uber alle betrachteten Typen von Restrukturierungen
entsprechen die 1,45 Mio. Arbeitsplä tze demnach 0,66% des durchschnittlichen
Beschä ftigungsstandes.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 43

Im Verhä ltnis zur gesamten Beschä ftigungsdynamik nehmen die in dieser Studie betroffenen
Beschä ftigungsverhä ltnisse jedoch eine quantitativ relativ geringe Bedeutung ein. Dies liegt zum Teil
am Fokus dieser Studie auf große Unternehmen. Dennoch kö nnen die Auswirkungen der
betrachteten Verlagerungen, Schließungen und Insolvenzen fü r einzelne Regionen oder Branchen
beträ chtlich sein und weiteren Beschä ftigungsabbau nach sich ziehen. Außerdem erhalten diese Fä lle
oft eine große ö ffentliche Aufmerksamkeit und sind somit auch von politischem Interesse.

In Osterreich sind Beschä ftigungsverluste als Folge der untersuchten Restrukturierungen mit knapp
0,9% des durchschnittlichen Beschä ftigungsstandes etwas stä rker ausgeprä gt, was insbesondere an
einer etwas stä rkeren Relevanz von Insolvenzen liegt. Der aggregierte Beschä ftigungsverlust bedingt
durch Insolvenzen beträ gt in diesem Zeitraum 0,5% der durchschnittlichen Beschä ftigung, gefolgt
von Verlagerungen mit 0,21% und Schließungen mit 0,19%.

In zeitlicher Betrachtung unterliegen die berü cksichtigten Restrukturierungsmaßnahmen


erheblichen jä hrlichen Schwankungen. Uber alle erfassten europä ischen Lä nder zeigt sich eine erste
Phase vieler Restrukturierungsfä lle in den Jahren 2005 und 2006. Der Hö hepunkt an Fä llen und
davon betroffenen Beschä ftigten wird aber im Gefolge der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 mit 466
untersuchten Restrukturierungsfä llen bzw. 182.840 betroffenen Arbeitsplä tzen erreicht, was vor
allem auf eine starke Zunahme von Schließungen und Insolvenzen zurü ckzufü hren ist. In den
darauffolgenden Jahren ist ein spü rbarer Rü ckgang feststellbar. Ein neuerlicher ‚Peak‘ erfolgt im Jahr
2012 mit 300 Restrukturierungen und 124.930 betroffenen Arbeitsplä tzen. Auch hier entfiel der
Großteil der Restrukturierungen auf Insolvenzen und Schließungen. Auf gesamteuropä ischer Ebene
ist in den darauffolgenden Jahren eine Beruhigung festzustellen, unterbrochen durch einen Anstieg
im Jahr 2016. Bei Verlagerungen ist der Hö hepunkt in den Jahren 2003 bis 2006 feststellbar, danach
verlieren sie stark an Bedeutung. Dies mag auch darauf zurü ckzufü hren sein, dass mit der Offnung
und der wirtschaftlichen Entwicklung der Staaten in Mittel- und Osteuropa Verlagerungen fü r
manche Unternehmen attraktiv waren und dieser Prozess etwa 2007 abgeschlossen war. Zum
anderen sind Verlagerungen mit Investitionskosten verbunden. Unternehmen kö nnten in
konjunkturell besseren Zeiten eher bereit sein, diese Kosten zu tragen.

Osterreich weicht vom allgemeinen Bild etwas ab. Zwar kam es auch hier im zeitlichen Umfeld der
Wirtschaftskrise (etwas zeitversetzt erst im Jahr 2009) zu einem Anstieg der Insolvenzen und
Schließungen. Im Jahr 2009 steigt die Zahl der von den betrachteten Insolvenzen betroffenen
Arbeitsplä tze auf 2.060, von Schließungen waren 1.060 Arbeitsplä tze betroffen. Fü r Osterreich im
Speziellen ist jedoch auch nach 2012 keine wirkliche Erholung feststellbar. Von einigen großen Fä llen
(Alpine Bau und Dayli sowie Zielpunkt) getrieben, werden in den Jahren 2013 (6.740 Arbeitsplä tze)
und 2015 (3.560) jeweils Hö chstwerte bei von Insolvenzen betroffenen Arbeitsplä tzen erreicht.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 44

Nach lä nderspezifischen Gesichtspunkten ist die Betroffenheit von diesen


Restrukturierungsmaßnahmen sehr ungleich verteilt. Gemessen am durchschnittlichen
Beschä ftigtenstand ist der aggregierte Arbeitsplatzeffekt von Restrukturierungen in Irland (mit
1,9%) am grö ßten, gefolgt vom Vereinigten Kö nigreich (1,3%). Insgesamt zeigt sich, dass auch
nordische Lä nder, etwa Dä nemark (1,1%) oder Finnland (1%) stä rker betroffen waren als die
anderen europä ischen Lä nder. Osterreich (0,9%) ist jedoch auch stä rker
Restrukturierungsmaßnahmen ausgesetzt gewesen als die meisten anderen Lä nder in West-, Mittel-
und Sü deuropa.

Die Analyse der Verlagerungen zeigt, dass ein großer Teil davon innerhalb von Europa stattfindet.
Mehr als die Hä lfte sowohl der Verlagerungsfä lle als auch der davon betroffenen Beschä ftigten spielt
sich innerhalb Europas ab. Dabei sind vor allem die Neuen Mitgliedstaaten (NMS), insbesondere
Polen, das Ziel von Verlagerungen. Alleine 27.100 der insgesamt 296.600 verlagerten Arbeitsplä tze
wurden nach Polen verlagert, 43.600 in die anderen Mitgliedstaaten der Erweiterungsrunde 2004.
Lä nder der EU-15 (mit 39.600 Arbeitsplä tzen) sind zwar von etwas geringerer, aber nicht
unwesentlicher Bedeutung. Somit ergibt sich netto eine Verschiebung von Beschä ftigung in die NMS.
Zweite große Zielregion ist Asien, wobei China und Indien die am hä ufigsten genannten Ziele sind.
Verlagerungen in andere Regionen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Bei der Betrachtung der Motive fü r Restrukturierungen wird deutlich, dass eine ungü nstige
Marktsituation bzw. ein Nachfragerü ckgang (mit knapp 200.000 betroffenen Arbeitsplä tzen
insgesamt) die bedeutendsten im ERM genannten Motive sind. Aber auch Kostengrü nde
(Produktionskosten im Allgemeinen und Arbeitskosten im Speziellen) spielen eine entscheidende
Rolle. Daneben sind auch noch organisatorische Grü nde, starker Wettbewerb, eine schlechte
Gewinnsituation und die Wirtschaftskrise Auslö ser fü r eine grö ßere Zahl von Restrukturierungen
(mit jeweils mehr als 50.000 betroffenen Arbeitsplä tzen). Kostenü berlegungen (Produktions- und
Arbeitskosten) kö nnen insbesondere bei Verlagerungen als wesentliches Motiv ausgemacht werden.
Im zeitlichen Verlauf zeigt sich, dass insbesondere eine ungü nstige Marktsituation sowie die
Nachfrage ü ber alle betrachteten Jahre ein wesentliches Motiv sind. Die Wirtschaftskrise als Grund
fü r Restrukturierungen hat den grö ßten Einfluss 2009, ist jedoch auch in den nachfolgenden Jahren
etwa bis 2012 noch bedeutend. In den Jahren 2013 bis 2016 stellt sich die Gewinnsituation als
relevantes Motiv fü r Restrukturierungen dar. Dies kö nnte ein Indiz dafü r sein, dass jene
Unternehmen, die in der Phase der Wirtschaftskrise ausreichend gut aufgestellt waren, um diese
erfolgreich durchsehen zu kö nnen, in Anbetracht des nur moderaten Wachstums der Jahre 2012 und
2013 (und fü r Osterreich auch 2014) in wirtschaftliche Probleme kamen.

Die sektorale Auswertung zeigt deutlich, dass die Sachgü terproduktion am stä rksten von
Restrukturierungen betroffen ist. Uber den gesamten Zeitraum betrachtet entfä llt insgesamt mehr
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 45

als die Hä lfte der von Restrukturierungsmaßnahmen betroffenen Arbeitsplä tze in den
Produktionsbereich, in Osterreich minimal weniger als die Hä lfte. Daneben ist noch der Handel (in
Osterreich auch noch die Bauwirtschaft) von Bedeutung. In der Sachgü terproduktion sind in
Osterreich insbesondere die Sektorencluster chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie die
Herstellung von elektrischen und elektronischen Gerä ten ü bermä ßig betroffen.

Vor dem Hintergrund aktueller geo- und wirtschaftspolitischer Entwicklungen stellt sich die Frage,
ob diese Auswirkungen auf die Restrukturierungsfä lle haben. Die aktuellen Entwicklungen werden
zwar in 6 Fä llen mit 1.100 betroffenen Arbeitsplä tzen als Motiv genannt (dabei werden der Brexit,
Terror und Anderungen der US-Wirtschaftspolitik angefü hrt), im Vergleich zu 325 Fä llen und
127.000 betroffenen Arbeitsplä tzen in den Jahren 2016 und 2017 spielen diese Motive jedoch kaum
eine Rolle. Auch die Entwicklung der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplä tze im
Vereinigten Kö nigreich deutet (noch) nicht auf signifikante Auswirkungen des Brexit hin.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 46

4. Datenanhang

Tabelle 5: Anzahl der Restrukturierungen nach Jahr – Insgesamt und Österreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 3.

Tabelle 6: Anzahl der Restrukturierungen nach Art der Verlagerung (Kategorie) und Jahr – Insgesamt
und Österreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 7 bis Abbildung 9.

Tabelle 7: Anzahl der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplätze nach Jahr – Insgesamt und
Österreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 3.

Tabelle 8: Anzahl der Restrukturierungen und davon betroffenen Arbeitsplätze – Vereinigtes Königreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 4.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 47

Tabelle 9: Anzahl der von Restrukturierungen betroffenen Arbeitsplätze nach Art der Verlagerung
(Kategorie) und Jahr – Insgesamt und Österreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 6 sowie Abbildung 7 bis Abbildung 9.

Tabelle 10: Anzahl der Restrukturierungen und betroffene Arbeitsplätze nach Herkunftsland und Art
der Restrukturierung

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 10, Abbildung 11, Abbildung 12 und Abbildung 13.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 48

Tabelle 11: Betroffenheitsgrad im Sinne der von Restrukturierung betroffenen Arbeitsplätze im


Zeitraum 2003 bis Oktober 2017 relativ zum durchschnittlichen jährlichen Beschäftigtenstand

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 14.

Tabelle 12: Relative Veränderung der Gesamtbeschäftigung im Zeitraum von 2003 bis 2016 in der
Warenherstellung und über alle Sektoren

Quelle: Eurostat LFS; Grafik siehe Abbildung 15.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 49

Tabelle 13: Verlagerungen: Fälle nach Zielregion

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische
Lä nder, die nicht EU-Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben.
Asien-Rest: anderes asiatisches Land als China und Indien oder zu vage Asien-Eingaben.

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 16 und Abbildung 18.

Tabelle 14: Verlagerungen: Betroffene Arbeitsplätze nach Zielregion

NMS9: NMS10 ohne Polen. NMS3: Bulgarien, Rumä nien, Kroatien. Ost-Nicht-EU: Osteuropä ische
Lä nder, die nicht EU-Mitglieder sind. Europa-Rest: EFTA-Lä nder und zu vage Europa-Eingaben.
Asien-Rest: anderes asiatisches Land als China und Indien oder zu vage Asien-Eingaben.

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 17 und Abbildung 18.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 50

Tabelle 15: Absolute Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen
Arbeitsplätzen in Folge von Verlagerungen

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 19 und Abbildung 21.

Tabelle 16: Relative Betrachtung der Nettoposition aus abgewanderten und zugegangenen
Arbeitsplätzen in Folge von Verlagerungen in Prozent der Gesamtbeschäftigung

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 20 und Abbildung 21.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 51

Tabelle 17: Restrukturierungen nasch Sektoren, 2003 bis Oktober 2017, Alle Länder und Österreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 22.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 52

Tabelle 18: Restrukturierungen nach ausgewählten Wirtschaftssektoren und Branchencluster des


Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Länder und Österreich

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 24.

Tabelle 19: Von Restrukturierungen betroffene Arbeitsplätze im Zeitverlauf nach ausgewählten


Wirtschaftssektoren und Branchencluster des Produktionssektors, 2003 bis Oktober 2017, Alle Länder

Quelle: RED-ERM; Grafik siehe Abbildung 25.


Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 53

Tabelle 20: Anteile der Motive an den betroffenen Arbeitsplätzen, alle Länder (EU27 plus NO)

Restrukturierungsfä lle ohne Angabe von Motiven wurden aus der Analyse ausgenommen; Einfach- und
Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt;
Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Grafik siehe Abbildung 26.

Tabelle 21: Betroffene Arbeitsplätze nach Motiven im zeitlichen Verlauf, alle Länder (EU27 plus NO)

Restrukturierungsfä lle ohne Angabe von Motiven wurden aus der Analyse ausgenommen; Einfach- und
Mehrfachnennungen (aufgeteilt) berü cksichtigt;
Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen; Grafik siehe Abbildung 27.
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 54

Tabelle 22: Restrukturierungen in Österreich nach Unternehmen und Zahl der betroffenen
Arbeitsplätze, 2003 bis Oktober 2017
Betriebsschließungen und Betriebsverlagerungen in Europa – 55

Quelle: RED – ERM, eigene Berechnungen.