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Zukunftsstrategie

Life Sciences und Pharma­­


standort Österreich

www.bmwfw.gv.at
Zukunftsstrategie
Life Sciences und Pharma­­
standort Österreich
Vorwort
Die Life Sciences haben sich als Wissenschaftsfeld, aber auch als
wirtschaftlicher Sektor über die letzten fünfzehn Jahre mit einer
enormen Dynamik weiterentwickelt. Verbesserte bildgebende
Verfahren ermöglichen immer mehr Aufschluss über kleinste
Strukturen in Körperzellen, Hochdurchsatzgeräte generieren
Genom- bzw. Proteindaten in immer kürzerer Zeit, modernste
Computer- und ­Informationstechnologien erlauben die Integration
und Auswertung dieser großen Datenmengen und führen zu
neuen Erkenntnissen. All diese Entwicklungen tragen insbeson-
dere zum Fortschritt in Molekularbiologie, Medizin, Pharmazie und
Medizintechnik bei und dienen in weiterer Folge dem Wohl und der
Gesundheit der Bevölkerung.

Diese rasanten Entwicklungen sind auch dafür verantwortlich,


dass der Biotech- und Pharmasektor eines der konstant und
empirisch belegbar wachsenden Wirtschaftssegmente darstellt.
Der Life Sciences Sektor ist im Vergleich zu anderen innovativen
Sektoren der mit Abstand innovationsfreudigste, weist mit 14,4%
die höchste Forschungsquote auf und trägt mit 2,8% des BIP
maßgeblich zur nationalen Wertschöpfung bei.

Insbesondere eine kleine Volkswirtschaft wie Österreich


bedarf einer Fokussierung auf zentrale Stärkefelder. Bei der
Entwicklung zu einem lebendigen Biotech-, Medizintechnik und
Pharmastandort haben die Investitionen der öffentlichen Hand
in akademische Forschung und tertiäre Bildung maßgeblich bei-
getragen. Nicht nur wurden die Universitäten durch Stei­gerung
der Budgets, Investitionen und durch Profilbildung in den letzten
Jahren gestärkt, sondern es wurden auch neue Kapazitäten im
außeruniversitären Forschungsbereich aufgebaut. Am Vienna
Biocenter Campus in St. Marx in Wien ist ein zentraler Cluster
entstanden, der mit den internationalen Major Players mithalten
kann und Leuchtturm-Charakter besitzt.

Österreich hat 2016 mit ca. 11.000 F&E Mitarbeiterinnen und


Mitarbeitern im akademischen Bereich eine sehr gute Basis, um
aus der Life Sciences Forschung maximalen gesellschaftlichen
und wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Dass Entscheidungen
zu Gunsten des Ausbaus der Forschung richtig waren, zeigen
unter anderem die Investitionen am Standort, die durch größere

2 VORWORT
Unternehmen in den letzten Monaten entschieden wurden. Der
Standort Österreich kann heute das ernten, was in den letzten
Dekaden gesät wurde.

Darüber hinaus ist uns bewusst, dass es den Blick auf weitere
Standortpotenziale zu legen gilt. Wichtig wären die deutliche
Anhebung der Fördermittel für kompetitive Grundlagenforschung,
insbesondere beim österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF),
eine Anpassung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes im
Hinblick auf die medizinischen Universitäten sowie die Diskussion
um die aus Sicht der Industrie restriktiven Erstattungsverfahren
bei innovativen Produkten wie etwa Biologicals und Biosimilars.
Die Vorschläge, die wir dafür im Strategieprozess erhalten haben,
bieten eine wertvolle Basis für fortgesetzte politische Über­
legungen.

Unser Dank gilt den Stakeholdern aus Wissenschaft und


Wirtschaft, die sich in mehreren Phasen des partizipativen
Erstellungs­prozesses konstruktiv eingebracht haben. Die
vorliegende Strategie wird nun zur weiteren Stärkung des
Forschungs-, Innovations- und Wirtschaftsstandortes im Bereich
Life Sciences und Pharma Österreich beitragen – lassen Sie uns
diese gemeinsam umsetzen.

Dr. Reinhold Mitterlehner Dr. Harald Mahrer


Vizekanzler und Bundesminister für Staatssekretär im Bundesministerium für
Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft

3
4
Inhaltsverzeichnis
Executive Summary. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Executive Summary in Englisch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Kapitel 1:
Das Zukunftsfeld Life Sciences. . . . . . 15
Kapitel 2:
Life Sciences in Österreich. . . . . . . . . . 23
2.1. Der Life Sciences und Pharmastandort Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
2.2. Der österreichische Life Sciences Sektor im internationalen Vergleich. . . . . . . . . . . . . 33
2.3. Förderung der Life Sciences in Österreich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
2.4. SWOT Analyse. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

Kapitel 3:
Zukunftsstrategie Life Sciences
und Pharmastandort Österreich . . . . 45
3.1. Grundlagenforschung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
3.2. Forschungsinfrastrukturen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.3. Big Data. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
3.4. Personalisierte Medizin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
3.5. Klinische Forschung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
3.6. Wissenschafts – Wirtschaftskooperation und Translation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
3.7. Unternehmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74
3.8. Produktion und Markt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
3.9. Dialog Wissenschaft – Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82

Übersicht der Maßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86

Literaturverzeichnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
Abbildungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

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Executive Summary
Der Life Sciences und Pharmastandort Österreich
Mit international sichtbaren Forschungs­ Exzellente Grundlagenforschung ist ein
leistungen der heimischen Universitäten und wichtiges Element einer qualitativen, for-
außeruniversitären Forschungseinrichtungen, schungsgeleiteten Lehre und die Basis für
mit einer sehr gut ausgebauten und viel- neuartige Erkenntnisse. Die Leistungen der
schichtigen Hochschullandschaft und einem heimischen Universitäten, Fachhochschulen
gut funktionierenden Zusammenspiel von und außeruniversitären Forschungseinrich-
forschenden, produzierenden, zuliefernden tungen in Lehre und Forschung sind daher
und vertreibenden Unternehmen im Biotech-, ein essentieller Beitrag für ein innovatives
Pharma- und Medizintechnikbereich hat Öster- wirtschaftliches Ökosystem am Life Sciences
reich einen dynamischen und innovativen Life und Pharmastandort Österreich und stellen
Sciences und Pharmastandort vorzuweisen. ein bedeutendes Glied am Anfang der Wert-
schöpfungskette dar.

Im Unternehmenssektor sind es insbesondere


die heimischen Niederlassungen großer
internationaler Pharmakonzerne, die als
Life Sciences und Pharma sind Leitbetriebe den Life Sciences und Pharma­
­Stärkefelder des österreichischen standort Österreich wirtschaftlich prägen.
Wissenschafts-, Forschungs- und Darüber hinaus hat sich über die letzten zwei
Jahrzehnte im Biotech- und Medizintechnik-
Wirtschaftsstandorts. bereich ein dynamisches Start-Up Segment
entwickelt. Die noch junge Sparte ist geprägt
von forschungsintensiven kleinen und mittle-
ren Unternehmen, die im Vergleich zu anderen
Ländern trotz des sehr risikobehafteten
Im akademischen Life Sciences Bereich sind Innovationsfeldes eine hohe Überlebensrate
17 österreichische Universitäten, 14 Fach- aufweisen. 2014 erwirtschafteten 823 Unter-
hochschulen sowie 6 große außeruniversitäre nehmen in den Subsektoren Biotechnologie,
Forschungsinstitute für hochqualitative Pharma und Medizintechnik einen Gesamt­
Ausbildung und wissenschaftliche Forschung umsatz von 19,11 Mrd. €, wovon 61% auf den
aktiv tätig mit einer Konzentration im Groß- Biotechnologie- und Pharmasektor, und 39%
raum Wien sowie in Innsbruck und Graz. Als auf den Medizintechniksektor entfallen.
ein Indikator zur Messung der Wettbewerbs-
fähigkeit der Grundlagenforschung in Europa Der gesamte Bruttowertschöpfungsanteil
wird oft das Einwerben von renommierten der Biotech-, Pharma- und Medizintechnik-
Preisen des European Research Council (ERC) branche liegt unter Berücksichtigung von
herangezogen. Bezogen auf die Bevölkerung Folgeeffekten mit 9,6 Mrd. € bei 2,8% des
liegt Österreich mit Stichdatum April 2016 österreichischen BIP und leistet mit etwa
bei der Anzahl an eingeworbenen ERC Life 63.000 Personen einen Beitrag von rund 1,7%
Sciences Grants an hervorragender vierter zur Gesamtbeschäftigung. Alleine hinsichtlich
Stelle, gleich hinter der Schweiz und Israel und der direkten Wertschöpfung trägt die Bio-
fast gleichauf mit Dänemark. tech-, Pharma- und Medizintechnikbranche

6 EXECUTIVE SUMMARY
mit 4,7 Mrd. € mehr zum BIP bei als etwa die Infrastruktur. Mit der geopolitischen Lage
Branchen Gastronomie oder Beherbergung. in Zentraleuropa und seiner Geschichte hat
Die Umsatzzahlen, die hohe Wertschöpfung Österreich nach wie vor eine spezielle Rolle als
und die hohe Zahl an Arbeitsplätzen für quali- Drehscheibe zu mittel- und osteuropäischen
fiziertes Personal unterstreichen die volkswirt- Ländern inne. Für Unternehmen fällt weiters
schaftliche und sozioökonomische Relevanz positiv ins Gewicht, dass in Österreich eine
des Life Sciences Unternehmenssektors. durch die Sozialpartnerschaft geprägte hohe
Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und
Während im Grundlagenforschungsbereich Arbeitnehmer herrscht.
die Stärkefelder in den Life Sciences breiter
aufgestellt sind, stechen im Unternehmens- Insbesondere Gründerinnen und Gründer
sektor insbesondere die Schwerpunkte sowie forschungsintensive Unternehmen pro-
Onkologie, Immunologie und Hämatologie fitieren von einem guten und wirkungs­vollen
hervor. Entsprechend prominent am heimi- Förderportfolio für die Unternehmensland-
schen Unternehmenssektor vertreten sind schaft bzw. der Option der Kapitalaufstockung
daher Forschung und Entwicklung an neuen durch entsprechende Fonds (Gründerfonds,
Impfstoffen, Forschung, Entwicklung und Mittelstandsfonds, Business Angels Fonds)
Produktion von Biologicals und Biosimilars, und von den hohen steuerlichen Forschungs-
sowie die Entwicklung und Produktion von incentives (Forschungsprämie 12%). Eine
Plasmaprodukten. Ebenso bedeutend ist Wirkungs­analyse der durch die öffentliche
der Medizinproduktesektor, der mit einer Hand vergebenen Fördermittel auf die Mo-
Spezialisierung auf hochtechnologische und bilisierung von privatem Kapital zeigt im Life
Nischenprodukte den zweiten Subsektor im Sciences Sektor eine Hebelwirkung von 1 : 8.
dynamischen und innovativen österreichischen
Life Sciences Ökosystem darstellt. Zu den spezifischen Faktoren zählt insbeson-
dere die am Life Sciences und Pharmastand-
Allgemeine und spezifische Faktoren tragen ort Österreich vorhandene kritische Masse an
zur Attraktivität des Life Sciences und hochqualifizierter Expertise und Kompetenz,
Pharmastandortes bei. Zu den allgemeinen die positive Resonanz und Interaktion in unter­
Faktoren zählen die hohe Lebensqualität und schiedlicher Form zwischen akademischem
Sicherheit des Landes, exzellente Versorgung und Unternehmenssektor und innerhalb des
mit Ressourcen wie beispielsweise Energie Unternehmenssektors selbst zulässt und
und Wasser sowie das Vorhandensein von damit ein bestimmender Vorzeigefaktor dieses
gut ausgestatteter und funktionierender Ökosystems ist.

Vision und Strategie


Die Vision ist, durch Verbesserung von Vorliegende Strategie berücksichtigt nur ein
spezifischen Rahmenbedingungen bzw. spezifisches Segment der Life Sciences, nämlich
durch das Schaffen von Synergien unter jenes im Kontext von Gesundheit, Medizin und
Aus­nützung von Komplementaritäten das Pharma, da parallel eine Bioökonomiestrategie
­österreichische Life Sciences Ökosystem entwickelt wird. Insofern richtet sich der Fokus
noch zu verbessern und die Standortattrak- dieses Strategiedokuments auf Forschung,
tivität nachhaltig zu stärken und auszubauen, Entwicklung, Produktion und Anwendung in der
um im inter­nationalen Wettbewerb erfolg- medizinischen und molekularen Biologie und
reich mitzuhalten und die Innovations- und Biotechnologie (rote Biotechnologie), (Bio-)
Wertschöpfungskraft des Life Sciences Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie und
Sektors weiter zu steigern. Medizintechnik.

7
Die öffentliche Hand hat über die letzten zwei
Jahrzehnte gezielt in den Aufbau der Life
Die vorliegende Strategie ist ein Sciences, des Biotechnologie-, Pharma- und
politisches Bekenntnis zur Weiter­ Medizintechniksektors investiert, damit eine
entwicklung des Life Sciences und positive Entwicklung angestoßen und die
entsprechende kritische Masse geschaffen,
Pharmastandortes Österreich sodass der Life Sciences und Pharmastand-
ort Österreich heute dieses bereits erwähnte
leistungsfähige, erfolgreiche und dynamische
Ökosystem darstellt. Jedoch trotz internati-
onal konkurrenzfähiger Wissenschafts- und
International betrachtet wächst der Life Forschungsaktivitäten auf nationaler Ebene
Sciences Sektor stark. Abgesehen von sowie einem wachsenden Unternehmens-
den traditionell in diesem Segment stark sektor mit Umsatzsteigerungen von rund
auftretenden Staaten wie den USA, dem 8% im Zeitraum 2012 – 2014 unterliegt der
Vereinigten Königreich, Deutschland, Schweiz, österreichische Life Sciences und Pharma­
den Niederlanden und den skandinavischen standort sowohl im Wissenschafts- als auch
Ländern ist weltweit ein Trend zur Intensivie- im Unternehmensbereich einem starken
rung der Aktivitäten im Life Sciences Bereich internationalen Konkurrenzdruck.
zu erkennen.
Die vorliegende Strategie des BMWFW
Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass dient dazu, ein politisches Bekenntnis zur
die rasante Technologieentwicklung in den Weiterentwicklung des Life Sciences und
Life Sciences, aber auch sich verändernde Pharmastandortes zu geben und dessen
recht­liche und wirtschaftliche Rahmenbe­ Vorzüge zu verdeutlichen. Zahlreiche Akteu-
dingungen zu einer Modifikation der For­ rinnen und Akteure haben sich in Round Table
schungskulturen führen, auf die es gilt, sich Diskussionen und in einer Online Konsultation
durch entsprechen­de Anpassungen best­ in den Strategieprozess mit Expertise und
möglich einzu­stellen. Vorschlägen eingebracht.

Strategische Maßnahmen
Im Zuge der Strategie-Erstellung wurden 27 In der Grundlagenforschung steht das An-
Maßnahmen identifiziert, die in den nächsten stoßen strategischer Kooperationen und das
ein bis zwei Jahren bzw. mittelfristig umge- Heben von Synergien in Lehre und Forschung
setzt werden sollen. Darüber hinaus gilt es, die im universitären und außeruniversitären Life
Rahmenbedingungen kontinuierlich entspre- Sciences Bereich im Vordergrund, um mit der
chend der durchgeführten SWOT-Analyse internationalen Forschungsdynamik mitzuhal-
mittel- und langfristig anzupassen. ten und maximale internationale Sichtbarkeit
zu erreichen.
In folgenden strategischen Leitlinien wurden
konkrete Maßnahmen ausgearbeitet und In den Handlungsfeldern Forschungs­
stehen vor der Umsetzung: infrastrukturen und Big Data sind wichtige

8 EXECUTIVE SUMMARY
Ziele, den Zugang zu modernster, hochtech- Partner der österreichischen Universitäten
nologischer Forschungsinfrastruktur durch und außeruniversitären Forschungseinrich-
Beteiligung an europäischen Forschungs- tungen soll das Translational Research Center
infrastrukturen sowie durch Ausbau und die Aufgabe übernehmen, Ergebnisse der
synergistische Nutzung von Core Facilities Grundlagenforschung, die ein vielversprechen-
zu sichern bzw. ein zukunftsweisendes, des Potenzial für die Entwicklung marktfähiger
nachhaltiges Konzept für e-Infrastrukturen innovativer Arzneimittel besitzen, zu identifi-
und Datenmanagement in den Life Sciences zieren, diese nach industriellen Maßstäben zu
umzusetzen. validieren und die Frühphase der Produktent-
wicklung einzuleiten. Damit soll die Lücke,
Auf nationaler Ebene und im Zusammenhang die es im Transfer von Erkenntnissen aus der
mit internationalen Initiativen soll eine bessere Grundlagenforschung in die Anwendung im
Koordination von Forschungsaktivitäten Life Sciences Bereich gibt, besser geschlos-
und –strukturen im Bereich Personalisierte sen werden.
Medizin erreicht werden.
In den Handlungsfeldern Unternehmen bzw.
Die Attraktivität des klinischen Forschungs­ Produktion und Markt sind die Hauptanliegen
standortes Österreich soll durch eine mit allen das Schaffen von exzellenten Rahmenbedin-
Akteuren abgestimmte Prozessoptimierung gungen für die Gründung und Kapitalaufsto-
gesichert werden. Einer der Leuchttürme ckung junger Biotech-Unternehmen sowie
dieses Maßnahmenpaketes ist die Einrichtung für die Produktionsstätten der in Österreich
einer gemeinsam durch BMWFW und BMGF niedergelassenen Pharmaunternehmen.
koordinierten Arbeitsgruppe zu klinischen
Studien unter Einbindung aller Stakeholder zur Hervorzustreichen ist in diesem Zusam-
Stärkung des klinischen Forschungsstandor- menhang die geplante Einführung von
tes Österreich. Durch Informationsaustausch Verwaltungsvereinfachungen. Hoher
und Diskussion zu Schwerpunktthemen wie Bürokratieaufwand, der sich durch teilweise
beispielsweise die anstehende Umsetzung überfrachtete gesetzliche Bestimmungen
der neuen EU Clinical Trials Regulation, der und Verordnungen ergibt, belastet in Summe
Vertragsgestaltung oder Ausbildung sollen österreichische Unternehmen und verringert
Schnittstellenfunktionen verbessert und die deren Wettbewerbsfähigkeit. Zur Identifi-
komplexen Abläufe der klinischen Forschung zierung bürokratischer Hemmnisse ist das
optimiert und damit für alle beteiligten Akteu- Einsetzen einer gemischten Arbeitsgruppe
rinnen und Akteure in Academia und Industrie (Stakeholder, Sozialpartner und Ministerien)
leichter handhabbar werden. vorgesehen, die die für den Sektor relevanten
Materien zusammenträgt.
Essentiell für den Innovationsstandort Öster-
reich ist das Ziel, die Wissenschafts-Wirt­ Ein aktiver Dialog Wissenschaft – Gesell­
schaftskooperation zu fördern und die schaft ist als horizontales Thema für alle
Translation von Erkenntnissen aus der Life Handlungsfelder von Bedeutung, um breite
Sciences Grundlagenforschung in die Anwen- Akzeptanz der Gesellschaft für die prioritäre
dung effektiv und effizient zu gestalten. Rolle von Wissenschaft, Forschung und
Innovation in den Life Sciences für Lebens-
Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die Errich- qualität und Gesundheit sowie für Sicherung
tung eines Translational Research Centers mit von Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand zu
Fokus auf medizinische Biotechnologie. Als erreichen.

9
Executive Summary
The Austrian life sciences and
pharmaceutical sector
Austria exhibits a dynamic and innovative Excellent basic research is an important
life sciences and pharmaceutical landscape element for high quality, research-oriented
with regard to the high research profile of its teaching and is the basis for new discoveries.
universities and non-university research insti- The achievements of the Austrian universities,
tutions, its well developed and diverse tertiary universities of applied sciences and non-uni-
sector and its effective ecosystem of biotech, versity research institutions in teaching and
pharmaceutical and medtech companies with research are therefore an essential contribu-
diverse portfolios in research, production, tion to the innovative ecosystem within the
supply and distribution. biotech and pharmaceutical sector. Moreover,
they represent a significant element at the
start of the value chain.

In the business sector there are primarily the


subsidiaries of large international pharma-
ceutical enterprises which act as flagships in
Life sciences and pharma are the Austrian life sciences and pharmaceutical
core areas within Austria’s science-, sector. In addition a dynamic start-up seg-
research- and business location. ment in biotech and medical technology has
developed over the last twenty years. Still
young, these sectors are characterised by
research-intensive small and medium-sized
companies which feature a relatively high
­survival rate compared to other countries
17 universities, 14 universities of applied despite the high risk associated with this
sciences and 6 large non-university research innovative field. In 2014, 823 companies in
institutes are actively engaged in high the subsectors biotechnology, pharmaceuti-
quality teaching and scientific research in cals and medical technology generated a
the academic life sciences field, the majority total turnover of 19.11 billion euros, with the
of which located in the Vienna region as well biotechnology and pharmaceutical sector
as in Innsbruck and Graz. The number of accounting for 61%, and the medical techno-
the prestigious European Research Council logy sector for 39%.
(ERC) grants awarded is often used as an
indicator for measuring the competitiveness At 9.6 billion euros of gross added value,
of basic research in Europe. By reference date taking indirect and secondary effects into
April 2016 counting the number of ERC Life account, the biotech, pharmaceutical and
Sciences Grants based on the population medical technology sector amounts to 2.8%
sizes, Austria excellently ranks fourth right of the Austrian GDP and with a workforce of
behind Switzerland and Israel and almost level around 63,000 people makes up about 1.7%
with Denmark. of the overall employment. Looking only at

10 EXECUTIVE SUMMARY IN ENGLISH


the direct added value at 4.7 billion euros, water, and the presence of well-equipped
the biotech, pharmaceutical and medical and efficient infrastructure. Due to its history
technology sector contributes more to the and geopolitical position in central Europe,
GDP than e.g. the segments of catering or Austria still is a hub for central and eastern
accommodation. The high turnover as well as European countries. Moreover, companies
the added value and the considerable number also appreciate the high level of satisfaction
of posts for highly qualified staff underscore amongst employees as a result of Austria's
the economic and socioeconomic relevance of social partnership.
the life sciences business sector.
Start-up companies and research-intensive
While the core areas of basic research within companies in particular benefit from a
the life sciences are more diverse, the key well-structured, effective funding portfolio
fields in the industrial sector are oncology, and the option of recapitalisation through
immunology and haematology. Consequently appropriate funds (start-up funds, SME ­
research, development and production of new funds, business angels’ funds) and from the
vaccines, biologicals and biosimilars as well considerable tax incentives for research ­
as development and production of plasma (12% Tax Credit). An analysis of the impact of
products feature prominently in the domestic public funding on the mobilisation of private
business sector. With specialisation in high capital shows a leverage effect of 1 : 8 in the
tech and niche products the medical devices ­life sciences sector.
sector represents the second subsector in
Austria's dynamic and innovative life sciences The most prominent specific factor which in
ecosystem. particular enables positive resonance and
interactions both between the academic and
General and specific factors contribute to business sectors and within the business
the appeal of Austria as a location for the sector itself is the critical mass of highly
life sciences and pharmaceutical industry. qualified expertise and competence available
General factors include the country’s high in Austria in this field and is therefore a
quality of life, safety and security, excellent distinctive determining factor of the national
provision with resources such as energy and life sciences and pharma ecosystem.

Vision and strategy


The vision and thus basis for the present The present strategy only relates to a specific
strategy document is to further improve the segment of the life sciences field, the health­
Austrian life sciences ecosystem and to en- related life sciences, since a bio-economy
hance or, respectively, sustain the attractive­ strategy is being developed in parallel.
ness of the location in order to succeed in the Consequently this strategy document focuses
strong international competition and to further on research, development, production and
increase innovation and added value of the life application in medical and molecular biology
sciences sector. This vision shall be achieved and biotechnology (red biotechnology), (bio-)
by improving relevant framework conditions medicine, veterinary medicine, pharmacy and
and by creating synergies by exploiting medical technology.
complementarities.

11
Over the past twenty years Austrian public
authorities have been considerately support­
The present strategy is a political ing the establishment and strengthening of
commitment for the further the life sciences, biotechnology, pharma and
development of the life sciences medical technology sectors, resulting in a
corresponding critical mass and expertise
and the pharmaceutical sector in and thus guaranteeing today’s efficient,
Austria. successful and dynamic Austrian life sciences
and pharmaceutical ecosystem. Irrespective
of internationally competitive, excellent
science and research at national level and
a growing business sector showing an 8%
From an international perspective the life increase in turnover between 2012 and 2014,
sciences sector is thriving. In addition to the Austrian life sciences and pharmaceutical
countries traditionally prominent in this sector enterprises and research institutions are
such as the USA, the United Kingdom, Ger- subject to strong international competitive
many, Switzerland, the Netherlands and the pressure.
Scandinavian countries, there is a worldwide
trend towards intensifying activities in the life Therefore this present strategy developed
sciences area. by the Federal Ministry of Science, Research
and Economy (BMWFW) serves to provide a
Additionally the increasingly rapid techno- political commitment to further develop and
logy-development and turnover in the life strengthen Austria's position as an excellent
sciences as well as changing legal frameworks and internationally competitive location for
and the economic environment cause trans- life sciences and the pharmaceutical sector.
formations of established research cultures. Numerous stakeholders have taken part in the
It is therefore important to duly consider the strategy process through round table discus-
developments and implement appropriate sions and an online consultation contributing
provisions and measures. their expertise and suggestions.

Strategic measures
During the strategy process 27 tangible The focus in basic research is on initiating
short and medium term measures have been strategic cooperations and increasing syner-
identified. Moreover, it is also essential to gies in teaching and research in the university
continuously adapt framework conditions in and non-university life sciences area in order
the medium and long term following the SWOT to keep up with the international research
analysis results on the Austrian life sciences dynamics and to maximise the international
and pharma landscape. visibility.

Concrete measures were devised and are The areas research infrastructure and
ready to be implemented in the following big data are targeted to guarantee access
strategic areas: to state-of-the-art, high-tech research

12 EXECUTIVE SUMMARY IN ENGLISH


infrastructures by participating in European of Austrian universities and non-university
research infrastructures and by further research institutions, the Translational
development and increased synergistic use of Research Centre’s tasks will be the identifica-
core facilities. Another goal is the implementa- tion of basic research results with promising
tion of a forward-looking, sustainable concept potential for the development of marketable
for e-infrastructures and data management in innovative medicinal products, their validation
the life sciences. using industry standards and the initiation of
early-stage product development. This shall
Research activities and structures in the area better bridge the still existing translation gap
of personalised medicine are to be better from basic research to industrial development
coordinated at national level and aligned with in the life sciences.
international initiatives.
The main objective in the areas business,
A coordinated process optimisation shall con- production and market is the development
tribute to sustain Austria’s attractiveness as a of excellent framework conditions for the
location for clinical research. To achieve this, founda­tion and recapitalisation of young
a stakeholder task force jointly coordinated by biotech companies and for the production
the Federal Ministry of Science, Research and facilities of pharmaceutical companies
Economy (BMWFW) and the Federal Ministry established in Austria.
of Health and Women’s Affairs (BMGF), will be
implemented with the aim to improve inter­ In this context the intended streamlining of
faces and to optimise the complex procedures. administrative procedures is an important
The task force will serve as discussion and measure. The considerable administrative
exchange platform for primary subject matters burden resulting from partially excessive
such as the pending implementation of the statutory provisions and regulations limits
EU clinical trials regulation, contract design or Austrian companies and reduces competi-
training and education. tiveness. In order to identify administrative
barriers a task force (stakeholders, social
The goal of promoting cooperation between partners and ministries) will be established
science and industry and translating and collate all relevant matters and facts.
discoveries from basic life sciences research
into applications efficiently and effectively is An active dialogue between science and
essential for Austria’s position as a location for society as important cross-cutting theme
innovation. shall result in a broad societal acceptance
for the pivotal roles of science, research and
Another flagship project is the establishment innovation in the life sciences to assure quality
of a Translational Research Centre focus- of life and health as well as competitiveness
sing on medical biotechnology. As partner and prosperity.

13
14 DAS ZUKUNFTSFELD LIFE SCIENCES
K A P I T E L 1:

Das Zukunftsfeld
Life Sciences

Life Sciences Strategie


Die Life Sciences sind ein F&E intensives­ Das BMWFW hat gemeinsam mit den be­
­Zukunftsfeld von hoher Relevanz für troffenen Akteurinnen und Akteuren eine
G­ esellschaft und Wirtschaft. ­Strategie entwickelt, um den Standort Öster-
reich im Bereich der Life Sciences zu stärken.

15
Bedeutung der Life Sciences für
Gesellschaft und Wirtschaft
Noch nie waren die Life Sciences so span- wickelt, in klinischen Studien getestet oder
nend wie im postgenomischen Zeitalter. kommen bereits zur Anwendung. Diese und
Seit der Sequenzierung des menschlichen weitere Entwicklungen tragen unter anderem
Genoms zur Jahrtausendwende hat nicht nur zur Etablierung der Personalisierten Medizin
in der Sequenziertechnologie ein enormer bei, deren Ziel es ist, basierend auf individu-
Fortschritt stattgefunden, sondern auch eller biologischer Konstitution die optimale
in anderen Methoden und Technologien Behandlung und Therapie zu finden.
der Life Sciences, etwa in der Weiterent­
wicklung von bildgebenden Verfahren, in der Neben diesen direkten Effekten der Life
Aufklärung von Proteinstrukturen oder im Sciences für Gesundheit und Wohlergehen
Kultivieren von Zellen. Dadurch lassen sich des Individuums sind gesellschaftliche und
immer mehr Erkenntnisse über Abläufe in der volkswirtschaftliche Aspekte zu nennen.
Zelle, in Geweben und Organen bis hin zum Wenn durch innovative Ansätze oder Produkte
gesamten Organismus gewinnen und tragen zielgenaue, effektive Therapien zum Einsatz
so zum Verständnis für das komplexe System kommen, erfolgt der Heilungsprozess schnel-
Leben bei. ler bzw. können chronische Beschwerden
gelindert und damit Behandlungszeiten,
Krankenhausaufenthalte und Pflegeaufwand
reduziert werden. Weiters ergibt sich dadurch
auch eine positive Rückkoppelung durch
Verminderung der Krankenstandstage. Somit
Forschung und Entwicklung in leisten die Life Sciences einen bedeutenden
den Life Sciences sind die Basis Beitrag in der Bewältigung der großen
gesellschaftlichen Herausforderung Gesund-
für Fortschritt in der Medizin heit und Lebensqualität, auch im Kontext des
und ­generieren positive demografischen Wandels.
­volkswirtschaftliche Effekte.
Die (Weiter)Entwicklung zu innovativen
marktfähigen Produkten und Dienstleistun-
gen auf Basis von Erkenntnissen, die in der
Grundlagen- und anwendungsorientierten
Das wachsende Wissen über molekulare Forschung gewonnen werden, erfolgt
Abläufe des Lebens, vor allem wenn diese letztendlich durch den Unternehmenssektor.
außer Funktion geraten, ist die Basis für Ent- Erfolgreiche Entwicklungen, Markteinführun-
wicklungen in Medizin und Pharmazie. Neue gen und Gewinne sind für einen gesunden
Erkenntnisse eröffnen Ideen und Potenzial für Unternehmenssektor wesentlich und gene-
innovative Präventions-, Diagnose- und Thera- rieren positive volkswirtschaftliche Effekte,
pieansätze. So werden derzeit etwa Immun-, insbesondere in Hinblick auf Beschäftigten-
Zell- bzw. Stammzell- oder Gentherapiean- zahlen, Dienstleistungen und Reinvestitionen
sätze intensiv durch die Forschung weiterent- in Forschung und Entwicklung.

16 DAS ZUKUNFTSFELD LIFE SCIENCES


Der Begriff Life Sciences im
Strategieverständnis
Das hier verwendete Begriffsverständnis von Medizin, der Pharmazie und Medizintechnik.
Life Sciences fokussiert vorwiegend auf den Die abgebildeten Aktivitätsfelder erstrecken
Gesundheitsaspekt und somit auf Forschung, sich entlang der gesamten Wertschöpfungs­
Entwicklung und Anwendung in der me- kette von der erkenntnisgetriebenen Grund­
dizinischen und molekularen Biologie und lagenforschung über translationale und
Biotechnologie (rote Biotechnologie), (Bio-) angewandte Forschung bis hin zu Produktion
und Markt.

Der im vorliegenden Strategiepapier ver-


wendete Begriff Life Sciences ist bewusst
Die Strategie fokussiert auf die eingeschränkt definiert und umfasst nicht alle
Life Sciences im Gesundheitsbereich Wissenschafts- und Forschungsbereiche, die
allgemein unter der Bezeichnung Life Sciences
und somit auf Forschung, verstanden werden.
Entwicklung und Anwendung in
der medizinischen und molekularen Diese Fokussierung wurde deshalb unter-
nommen, weil derzeit auch eine Bioökonomie
Biologie und Biotechnologie, Strategie entwickelt wird, die unter anderem
(Bio-)Medizin, der ­Pharmazie und die Agrar- und industrielle Biotechnologie in
Medizintechnik. Zusammenhang mit nachhaltiger Ressour-
cenverfügbarkeit sowie Ernährungs- und
Energiesicherheit abdeckt.

Die Vision
Österreich ist ein aktiver und weltweit top Verbesserung von spezifischen Rahmen-
gereihter Life Sciences Standort mit inter­ bedingungen bzw. durch das Schaffen von
national sichtbarer, exzellenter Wissenschaft Synergien unter Ausnützung von Komplemen-
und Forschung sowie einer wachsenden taritäten das ö
­ sterreichische Life Sciences
Unternehmenslandschaft. Der Life S ­ ciences­ Ökosystem noch zu verbessern und die
Sektor ist im Vergleich zu anderen innovativen Standortattraktivität nachhaltig zu stärken
Sektoren der mit Abstand innovationsfreu- und auszubauen, um im internationalen
digste, weist die höchste Forschungsquote Wettbewerb erfolgreich mitzuhalten und die
auf und trägt maßgeblich zur nationalen Innovations- und Wertschöpfungskraft des
Wertschöpfung bei1. Die Vision ist, durch Life Sciences Sektors weiter zu steigern.

1 EU (2015): The 2015 EU Industrial R&D Investment Scoreboard;


Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: Ökonomische Impact Analyse.

17
Die Mission
Die genannten gesundheits-, gesellschafts- den Aktionsplan Biotechnologie3) den Sektor
und wirtschaftsrelevanten Effekte sind wissenschaftlich und wirtschaftlich systema-
die Gründe für ein starkes Bekenntnis des tisch aufgebaut und damit im internationalen
Bundesministeriums für Wissenschaft, Vergleich stark positioniert.
Forschung und Wirtschaft (BMWFW) zur
Weiterentwicklung und Stärkung des Life Weitere Akzente zur Stärkung der
Sciences Standortes Österreich, das durch Grundlagenforschung, Verbesserung der
die vorliegende Zukunftsstrategie unter­ Rahmenbedingungen für die translationale
mauert wird. Forschung sowie zur stärkeren Beteiligung
an relevanten aktuellen Strömungen der Life
Die für Wissenschaft, Forschung und Tech- Sciences tragen dazu bei, die Exzellenz und
nologie zuständigen Ressorts der österrei- die internationale Sichtbarkeit noch weiter
chischen Bundesregierung haben bereits zu erhöhen und die Basis für Innovationspro-
in den 1990er Jahren die Bedeutung dieser zesse in den Life Sciences zu festigen. Zudem
Effekte und damit des Zukunftsfeldes der Life stellen Maßnahmen zur Verbesserung der
Sciences erkannt und durch eine Reihe von unternehmerischen Rahmenbedingungen ein
Maßnahmen (u.a. das Österreichische Genom- klares politisches Bekenntnis für den Bio-
forschungsprogramm GEN-AU, den Auf- und tech-, Pharma- und Medizintechnikstandort
Ausbau der Life Sciences Forschungsinstitute Österreich dar. Hier gilt es insbesondere auf
der Österreichischen Akademie der Wissen- stabile Konditionen und die Planbarkeit des
schaften (ÖAW), durch Profilbildung an den österreichischen Heimmarktes zu achten, um
Universitäten, das Biotechnologiememoran­ die Akteure zu motivieren, in den Standort zu
dum zwischen den damals noch getrennten investieren und den Sektor als Innovations­
Wissenschafts- und Wirtschaftsministerien, motor weiterzuentwickeln.
das Life Science Austria Programm LISA2, und

2 Life Science Austria [21.06.2016] 3 BMWFJ (2013): Aktionsplan Biotechnologie des Bundesministeriums für
Wirtschaft, Familie und Jugend

18 DAS ZUKUNFTSFELD LIFE SCIENCES


Hintergründe, Wechselwirkungen und
übergeordnete Ziele
Der Life Sciences Sektor wächst nicht nur anzupassen gilt. Ziel ist es, alle Akteure auf diese
in Österreich, sondern auch international geänderten Rahmenbedingungen bestmöglich
entgegen den Trends anderer Sektoren einzustellen und neue Prozesse, Strukturen und
überdurchschnittlich und auf hohem Niveau. Formen von Kooperation zu etablieren.
Trotz konkurrenzfähiger Wissenschafts- und
Forschungsleistungen auf nationaler Ebene Das Innovationssystem in den Life Sciences
und Umsatzsteigerungen von rund 8% allein zeichnet sich nicht nur durch eine enge
in den Jahren 2012-2014 unterliegt der Sektor Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft
in Österreich sowohl im Wissenschafts- als entlang des gesamten Innovationsprozesses
auch im Unternehmensbereich einem starken aus. Es gibt darüber hinaus vielfältige Wech-
internationalen Konkurrenzdruck. Besonders selwirkungen mit dem Gesundheitssystem
stark zeigt sich dies z.B. beim Wettbewerb um und regulatorischen Behörden, die teilweise
die „besten Köpfe“ und bezüglich der besten auf unterschiedlichen Interessen fußen und zu
Rahmenbedingungen für den Forschungs- Zielkonflikten führen können.
und Unternehmensstandort. Ziel ist es daher,
die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungs- Insbesondere innovative Therapieansätze sind
und Unternehmensstandortes zu festigen. gerade zu Beginn der Markteinführung kosten-
intensiv. Das österreichische Gesundheitssys-
Zudem bewirken die rasante Technologieent- tem ist bestrebt, allen Menschen in Österreich
wicklung in den Life Sciences sowie geänderte eine qualitativ hochwertige medizinische, the-
rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbe- rapeutische und pflegerische Betreuung und
dingungen (z.B. die Clinical Trials Regulation4 gleichzeitig einen fairen und gleichen Zugang
oder die General Data Protection Regulation5 zum Gesundheitssystem zukommen zu lassen.
der Europäischen Union) Veränderungen in Die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems
den akademischen und unternehmerischen ist dabei ein essentieller Aspekt, der eine prä-
Forschungskulturen, an die es sich entsprechend zise Abwägung von Nutzen, Wirkungen, Kosten
und Umsetzbarkeit verlangt. Damit stehen das
4 European Union, DG Health and Food Safety: Clinical trials - Regulation Wohlergehen der Patientinnen und Patienten,
EU No 536/2014 [21.06.2016]
5 European Union, DG for Justice and Consumers: Regulation (EU)
die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems,
2016/679 [21.06.2016] die Entwicklungen von Innovationen durch
Unternehmen sowie deren Abgeltung in einem
von der öffentlichen Hand geregelten aber
Abbildung 1: Wechselwirkungen und Zielkonflikte auch finanzierten Markt in Wechselwirkung
Aufgrund einer vollständigen Vernetzung von Interessens- und zum Teil in einem Spannungsfeld zueinan-
lagen bedarf das Zusammenspiel der in den Life Sciences der (vgl. Abbildung 1)
­Agierenden einer Steuerung
In diesem komplexen Gefüge aus positiven
Gesundheitsausgaben und negativen Wechselwirkungen, Effekten
und Interessenslagen gilt es – auch mittels
des vorliegenden Strategiedokuments – das
Ziel der Weiterentwicklung des österreichi-
Forschung Wohlergehen
schen Life Sciences und Pharma Standortes
im internationalen Wettbewerb in den Mit-
telpunkt zu stellen und gleichzeitig zu einem
Verständnis für das Gesamtsystem beizutra-
Quelle: Eigene
gen und zu einer ausbalancierten Haltung der
Darstellung
Markt Innovation beteiligten Interessengruppen zu gelangen.

19
Die Strategie
Auf Grund aller genannten Faktoren und • der Forschungsaktionsplan2, der die
unter dem Gesichtspunkt der Bedeutung Umsetzung der FTI Strategie in bestimmten
der Life Sciences für den Wissenschafts-, Themenbereichen (u.a. Karrieremöglich­
Forschungs- und Wirtschaftsstandort keiten in der Wissenschaft) weiter voran­
Österreich wurde vom Bundesministerium treiben soll,
für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
die Erarbeitung der „Zukunftsstrategie Life • die Gründerlandstrategie3 mit speziellem
Sciences und Pharmastandort Österreich“ Fokus auf die Rahmenbedingungen für
initiiert. Unter Einbindung aller relevanten Unternehmensgründungen und die Entwick-
Stakeholder wurden Themenfelder entlang lung von Unternehmensstrukturen,
der gesamten Wertschöpfungskette (siehe
Abbildung 2) zur Stärkung der Life Sciences • sowie Ressort-übergreifende Strategien,
identifiziert und bearbeitet. Dabei wurde auch wie die Open Innovation Strategie der
die prioritäre Zielsetzung der „FTI Strategie“1, Bundesregierung4, die sich der verstärkten
nämlich die Potenziale von Wissenschaft, Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern
Forschung, Technologie und Innovation in in den Forschungs- und Innovationsprozess
Österreich weiter zu entfalten und gesamt- widmet.
haft zum Einsatz zu bringen, berücksichtigt.
Die vorliegende Strategie betont nun die
Darüber hinaus sind auch eine Reihe von Sektor-spezifische Ausrichtung unter
Umsetzungsstrategien des BMWFW relevant Be­rücksichtigung aller Stadien der Wert­
für den Life Sciences Bereich, z.B. schöpfungskette.

2 BMWFW (2015): Aktionsplan für einen wettbewerbsfähigen


1 Österreichische Bundesregierung (2011): Strategie der Bundes­ Forschungsraum
regierung für Forschung, Technologie und Innovation – Der Weg zum 3 BMWFW (2015): Land der Gründer
Innovation Leader 4 BMWFW & BMVIT (2016): Open Innovation Strategie für Österreich

Abbildung 2: Die Wertschöpfungskette


Innovationen bauen auf Ergebnissen der Grundlagenforschung auf und erbringen erst durch die erfolgreiche
Markteinführung gesellschaftlichen Nutzen

Forschung Entwicklung Produktion Marketing Gesellschaft

Quelle: Eigene Darstellung nach Konzept der WKÖ

20 DAS ZUKUNFTSFELD LIFE SCIENCES


Der Strategieprozess Abbildung 3: Themen- und Handlungsfelder
Die neun in der Strategie aufgegriffenen
Handlungsfelder

Als Grundvoraussetzung für eine fruchtbare


und erfolgreiche Strategie­entwicklung wurde
neben einer breiten Standortanalyse des
Wissenschafts- und Unternehmenssektors
das Einbinden von Expertinnen und Experten
zur Identifizierung von relevanten Hand-
lungsfeldern gesehen. Entlang der so defi-
nierten Themen- und Handlungsfelder wurde Grundlagen­ Forschungs­
ein breit angelegter Diskussionsprozess forschung infrastrukturen
ge­startet und die Meinungen von über 250
Stakeholdern ­(Vertreterinnen und Vertreter
der Universitäten und Fachhochschulen,
außeruniversitärer Forschungseinrichtungen,
Forschungs­trägerorganisationen, Unter-
nehmen, Industrie, Förderagenturen, regu-
latorischen Stellen, Ministerien, des Rates
für Forschung und Technologieentwicklung
und des Wissenschaftsrates) erhoben und
Big Data Personalisierte Medizin
systematisiert. Vertiefende Diskussionen zu
spezifischen Fragestellungen vervollständig-
ten und rundeten den Prozess ab.

Mit der Absicht, durch eine noch breitere


Beteiligung relevanter Stakeholder das
erarbeitete Bild zu prüfen und noch weiter
zu entwickeln, wurde eine Online-Konsul-
tation zu ausgewählten Fragestellungen
durchgeführt, wodurch die Akteurinnen und Klinische Wissenschafts-­
Akteure der gesamten österreichischen Life ­Forschung Wirtschafts­kooperation
Sciences Landschaft adressiert und weitere
144 Expertisen eingeholt werden konnten.

Die diskutierten Themen lassen sich in die


neun Handlungsfelder übersetzen, die in
Kapitel 3 behandelt werden (siehe Abbil-
dung 3)

Im Folgekapitel wird zunächst eine Stand­­-


Unternehmen Produktion & Markt
ort­beschreibung und -analyse des ein­
schlägigen Wissenschafts- und Unter­
nehmenssektors vorgenommen. Darauf
und auf den Ergebnissen des Diskussions­
prozesses aufbauend werden in Kapitel 3
­Ziele, Aus­gangslagen, Herausforderungen
und Maßnahmen zu den einzelnen Hand-
lungsfeldern dargelegt.
Dialog ­Wissenschaft – Gesellschaft
Quelle: Eigene Darstellung

21
22 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH
K A P I T E L 2:

Life Sciences in
Österreich

Life Sciences Standort SWOT Analyse


Österreich ist ein exzellenter und inter­- Das BMWFW hat gemeinsam mit Akteurinnen
national konkurrenzfähiger FTI Standort mit und Akteuren der Life Sciences den österrei-
viel Potenzial. chischen FTI Standort analysiert.

23
2.1. Der Life Sciences damit ein Basiseffekt zu berücksichtigen ist.
Die F&E Ausgaben werden als Indikator für

und Pharmastandort einen maßgeblichen und nachhaltigen Input


einer innovativen Wirtschaft bewertet, auch
wenn sie als isolierte Größe nicht geeignet
Österreich sind, Effizienz, Qualität und Effektivität der
eingesetzten Mittel im F&E Bereich wieder­
zugeben3. Bezüglich der F&E Quote per
capita befand sich Österreich 2014 weltweit
Der österreichische FTI Standort an fünfter Stelle, unmittelbar nach Schweden
allgemein in Zahlen und vor Dänemark4. In der kompetitiven
Grund­lagenforschung macht ein Vergleich
Österreich ist heute ein innovatives und mit anderen europäischen Ländern jedoch
forschungsintensives Land, das 2016 bei deutlich: Während in Öster­reich pro Einwoh-
einer Forschungsquote von 3,07%1 hält. Damit nerin bzw. Einwohner 24,9 € für den FWF
hat Österreich sehr gut an die Innovation aufgewendet werden, sind es in Deutschland
Leader angeschlossen (Abbildung 4). Die 35,5 € (für die Deutsche Forschungsgemein-
Forschungsquote stieg von 1995 bis 2013 um schaft, DFG) und in der Schweiz sogar 96,6 €
1,42 Prozentpunkte2, was die größte Wachs- (für den ­Schweizer­Nationalfonds)5.
tumsrate in der EU darstellt. Im Vergleich dazu
liegen die Wachstumsraten beispielsweise
von Deutschland bei 0,72 und der Schweiz Der akademische
bei 0,51. Eine ähnliche aber doch deutlich
geringere Rate als Österreich weist mit 1,27% Life Sciences Sektor
nur Dänemark auf, wobei in beiden Ländern
auch der relativ geringe Anfangswert und Österreich hat ein sehr vielschichtiges Spek-
trum an akademischen Einrichtungen im Life
1 Statistik Austria (Globalschätzung) [01.06.2016]
Sciences und Medizinbereich zu bieten. Als die
2 WIFO (2015): Forschungsquotenziele 2020: Aktualisierung 2015 wichtigsten Life Sciences Ausbildungs- und
Grundlagenforschungsstandorte in Österreich
sind der Großraum Wien (inklusive Klosterneu-
burg), Innsbruck und Graz hervorzuheben, wo
Life Sciences in Zahlen jeweils ein Zusammenspiel mehrerer Univer-
Akademischer Life Sciences Sektor in Österreich sitäten, Fachhochschulen und außeruniversi-
tärer Forschungseinrichtungen gegeben ist.

31 59.000
Akademische Life Sciences Standorte kleinerer
Größenordnung finden sich zudem in Salzburg,
Linz, Krems, Tulln und Wiener Neustadt. Fach-
Universitäten und Studierende hochschulausbildungen im Gesundheitswesen
Fachhochschulen werden in Österreich sehr flächendeckend, und
abgesehen von den zuvor genannten Standor-
ten, zusätzlich auch in Vorarlberg, Kärnten und

20.000 1,4 Mrd. €


Angestellte Jährliches Gesamtbudget
dem Burgenland angeboten.

3 RH (2016): Bericht des Rechnungshofes: Forschungsfinanzierung in


Österreich
4 OECD: Science and Technology Indicators [02.05.2016]
5 FWF-Jahrespressekonferenz 2015.
https://www.fwf.ac.at/fileadmin/files/Dokumente/Downloads/­fwf-
Quelle: AWS (2015): Life Science Report Austria 2015 zahlen-fakten-2014.pdf [29.08.2016]

24 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


Abbildung 4: Anschluss der Forschungsquote an die Innovation Leader
Die Forschungsquote im internationalen Vergleich von 1996 bis 2014 in Prozent des BIP

2014
3,5 3,16 Schweden

3,07 Österreich

3 3,05 Dänemark

3,00 Schweiz

2,5 2,90 Deutschland

2,75 USA

2 1,95 EU-28

1,5
1996 2000 2005 2010 2014

Quelle: OECD (2016): Main Science and Technology Indicators. http://stats.oecd.org/ [05.09.2016]

Alles in allem wird die tertiäre Ausbildung in den das Institute of Molecular Pathology (IMP /
Life Sciences, der Medizin und im Gesund­­- Boehringer Ingelheim), das Austrian Insti-
heitswesen in Österreich von 17 Universitäten tute of Technology (AIT) sowie die Ludwig
(inklusive 4 Privatuniversitäten) und 14 Fach­- Boltzmann Gesellschaft (LBG) zu nennen.
hochschulen mit mehr als 59.000 inskribierten
Studierenden und an die 8.000 Studienab- Der Life Science Report 20157 weist für den
schlüssen pro Jahr getragen6. Im internationa- akademischen Life Sciences Sektor rund
len Vergleich verantworten sie eine ausgeprägt 20.000 Angestellte aus, wobei mehr als die
hohe Zahl an Absolventinnen und Absolventen, Hälfte in Forschung und Entwicklung tätig sind.
welche die Basis für Forschung, Innovation,
Wirtschaft und Dienstleistung in den Life Das jährliche Gesamtbudget des akade-
Sciences und dem Gesundheitswesen bilden. mischen Life Sciences Sektors macht rund
1,4 Mrd. € aus, wobei der Großteil davon
Hinsichtlich Forschung wird der Hoch- über institutionelle Finanzierung und ca. 27%
schulbereich durch 25 außeruniversitäre (386 Mio. €) durch Drittmittel aufgebracht
Forschungseinrichtungen, allerdings sehr werden. Sowohl die institutionelle Finanzie-
unterschiedlicher Größenordnung, ergänzt. rung als auch die Bereitstellung von öffentlich
Als bedeutendste außeruniversitäre vergebenen Drittmitteln erfolgen größtenteils
Forschungsträger in den Life Sciences durch den Bund bzw. dessen nachgeordnete
sind die Österreichische Akademie der Förderagenturen. Ungefähr 40% der insge-
Wissenschaften (ÖAW), das Institute of samt eingeworbenen Drittmittel kommen von
Science and Technology Austria (IST Austria), industriellen Partnern.

6 AWS (2015): Life Science Report Austria 2015 7 Ibid.

25
Ein Hot Spot der Life Sciences hat sich im für Molekulare Medizin der ÖAW (CeMM), die
Großraum Wien entwickelt, der mittlerweile Universität für Bodenkultur insbesondere mit
weit über die Grenzen Österreichs bekannt ist: dem Vienna Institute of BioTechnology (VIBT),
die Veterinärmedizinische Universität Wien,
Der Campus Vienna Biocenter8 in St. Marx im zu kleinen Anteilen die Technische Universität
3. Wiener Gemeindebezirk entstand rund um Wien, die Christian Doppler Labors, sowie das
das am Ende der 1980er Jahre gegründete Kompetenzzentrum für Virtual Reality und
und von Boehringer Ingelheim finanzierte Visualisierung (VRVis). Auch das Institute of
Institute of Molecular Pathology (IMP). Science and Technology Austria (IST Austria)
Davon ausgehend wurde der Campus Vienna in Klosterneuburg mit den dort etablierten
Biocenter durch die Ansiedelung von Instituten Life Sciences Forschungsgruppen ist dem
der Universität Wien und der Medizinischen akademischen Life Sciences Cluster Großraum
Universität Wien (seit 2005 als Joint Venture Wien zuzurechnen.
Max F. Perutz Laboratories geführt), von
Instituten der Österreichischen Akademie Am Standort Graz wurde durch die Etablie-
rung von BioTechMed-Graz eine Initiative zur
Kooperation und Vernetzung der Universität
Graz, der Medizinischen Universität Graz
und der Technischen Universität Graz an der
Schnittstelle von biomedizinischen Grund-
Akademische Hot Spots in den Life lagen, technologischen Entwicklungen und
Sciences sind der Großraum Wien, medizinischen Anwendungen geschaffen. Die
Biobank Graz mit über 4 Mio. humanen Proben
Graz und Innsbruck.
stellt eine einzigartige Ressource für medizi-
nische Forschung, u.a. in der Personalisierten
Medizin dar und war ausschlaggebend für die
Etablierung des Koordinationssekretariats
der europäischen Biobanken Forschungs-
der Wissenschaften (Institut für Molekulare infrastruktur BBMRI-ERIC in Graz. Weiters
Biotechnologie [IMBA] und Gregor-Mendel-In- beherbergt bzw. koordiniert der Standort
stitut für Molekulare Pflanzenbiologie [GMI]), Graz die Life Sciences relevanten Kompetenz­
von Studienlehrgängen der Fachhochschule zentren für Industrielle Biotechnologie (ACIB)
Campus Wien, einer gemeinsam betriebenen und für Biomarkerforschung (CBMed) – beide
Forschungsinfrastruktur, der Vienna Bio- mit Zweigstellen in Wien – und für Pharma-
center Core Facilities GmbH (VBCF), sowie zietechnologie (RCPE) sowie das Zentrum
mittlerweile 16 Biotechnologie Unternehmen für Wissens- und Technologietransfer in der
weiterentwickelt. Derzeit arbeiten ca. 1.400 Medizin (ZWT) an der Medizinischen Univer-
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und sität Graz, die Projekte an der Schnittstelle
700 Studierende aus 40 Nationen am Campus. Wissenschaft-Wirtschaft weiterentwickeln.

Den Cluster komplettieren die weiteren Bezüglich des Life Sciences Standortes Tirol
akademischen Einrichtungen im Großraum sind insbesondere die Medizinische Universi-
Wien. Dazu zählen der Campus der Medizini- tät Innsbruck und die Universität Innsbruck zu
schen Universität Wien im Zusammenschluss nennen, die unter anderem durch das ge-
mit den Universitätskliniken im Allgemeinen meinsam betriebene Centrum für Chemie und
Krankenhaus und dem Forschungszentrum Biomedizin (CCB), sowie die translationalen
Forschungszentren Oncotyrol für Persona-
8 Vienna Biocenter. http://www.viennabiocenter.org/index.html lisierte Krebsmedizin und das Austrian Drug

26 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


Screening Institute (ADSI) kooperativ tätig Life Sciences in Zahlen
sind. Der Standort wird durch die Privatuniver- Der Unternehmenssektor in Österreich
sität für Gesundheitswissenschaften, Medizi-
nische Informatik und Technik (UMIT) sowie
die Fachhochschule Management Center
Innsbruck ergänzt.
823
Unternehmen
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass für
den österreichischen Medizin-, Veterinär­
medizin- und Pharmastandort insbesondere
die medizinischen Universitäten und die
52.000
Beschäftigte
­Veterinärmedizinische Universität Wien
wesentliche Leistungsträgerinnen in der
­Aus­bildung und medizinischen Forschung
sowie der Gesundheitsversorgung mit
Spitzenmedizin bzw. veterinärmedizinischer
19,1 Mrd. €
Gesamtumsatz
Expertise sind.
Quelle:AWS (2015): Life Science Report Austria 2015

Der Unternehmenssektor:
Der Gesamtumsatz nur der Medizintechnikbe-
Life Sciences und Pharma triebe betrug 2014 1,31 Mrd. €. Nicht eindeutig
spezialisierte Firmen, deren Anteil an medi-
Der Life Science Report 20159 weist 823 Un- zintechnischen Produkten allerdings ständig
ternehmen in den Life Sciences Subsektoren zunimmt und mittlerweile im Durchschnitt fast
Biotechnologie, Pharma und Medizintechnik die Hälfte ihres Umsatzes ausmacht, erwirt-
mit einer Beschäftigtenzahl von 52.000 schafteten mit Medizinprodukten 476 Mio. €.
Angestellten aus. Der Gesamtumsatz beläuft Weitere 2,5 Mrd. € wurden von Zulieferern
sich auf 19,11 Mrd. €, der zu 61% im Biotech- der Medizintechnik und 315,5 Mio. € von
nologie- und Pharmasektor erwirtschaftet den Dienstleistern der Branche umgesetzt.
wird, der Medizintechniksektor trägt 39% zum Gemeinsam mit den Umsätzen aus Handel und
Gesamtumsatz bei. Vertrieb beträgt das Volumen des Gesamtum-
satzes in der Medizintechnik 7,46 Mrd. €. Im
Biotechnologisch aktive Unternehmen – wozu Medizintechniksektor sind die prominentesten
mittlerweile auch ein beträchtlicher Teil der Standorte wiederum Wien und Oberösterreich,
Pharmaunternehmen zählt – erwirtschafteten gefolgt von Salzburg und Niederösterreich.
2014 einen Umsatz von 4,43 Mrd. €, weitere
198 Mio. € entfallen auf die 116 ausschließ- Die Umsatzzahlen und die große Zahl an hoch
lich der Biotechnologie zuzuordnenden qualifizierten Arbeitsplätzen unterstreichen
Start-Up Unternehmen. Klassische Phar- die volkswirtschaftliche und sozioökonomi-
maunternehmen erwirtschafteten 1,1 Mrd. €, sche Relevanz des Life Sciences Unterneh-
Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen menssektors, der sich auch international
707 Mio. €. Inklusive des Umsatzes aus dem entgegen den Trends anderer Sektoren
Handel / Vertrieb von Biotechnologie- und überdurchschnittlich und auf hohem Niveau
Pharmaprodukten von weiteren 5,22 Mrd. € entwickelt und ein bedeutendes Zukunftsfeld
beträgt der Gesamtumsatz der Biotechnolo- darstellt. Betrachtet man die Entwicklungen
gie- und Pharmaunternehmen 11,65 Mrd. €. des österreichischen Life Sciences Unter-
Die Hauptstandorte des Biotechnologie und nehmenssektors im Zeitraum 2012 – 2014 im
Pharmasektors entsprechend der Umsatz- Detail, so ist der Anstieg bei der Anzahl der
zahlen sind Wien, gefolgt von Oberösterreich, dedizierten Biotechnologieunternehmen am
Tirol und der Steiermark. größten, während der Subsektor Biotech &
Pharma das höchste Wachstum hinsichtlich
9 AWS (2015): Life Science Report Austria 2015 des Umsatzes hat (Abbildung 5).

27
Abbildung 5: Wachstum der Unternehmen Volkswirtschaftliche Effekte der
Steigende Anzahl der österreichischen Unternehmen Life Sciences in Österreich
und Beschäftigten bzw. wachsende Umsätze nach
Subsektoren. Wachstum in Prozent für den Zeitraum von
2012 bis 2014. Gesundheit wird vorwiegend als „Kostenfak-
tor“ wahrgenommen und tatsächlich wendet
Unternehmen Umsatz Beschäftigte Österreich jährlich rund 11% seines BIP für
das Gesundheitswesen auf10. Jedoch stellt
Gesundheit als wesentliches Bedürfnis der
2,9 Menschen auch einen Wirtschaftsfaktor von
13,8 zunehmender Bedeutung dar. Mehr als 10%
7,8
der österreichischen Wertschöpfung entste-
hen direkt in der Gesundheitswirtschaft. Mit
Life Sciences
den Verflechtungseffekten werden sogar mehr
als 16% der österreichischen Wertschöpfung
direkt, indirekt oder induziert durch Nachfrage
in der Gesundheitswirtschaft geschaffen.
Ebenso ist die Beschäftigungsintensität in
16,7 12,8 der Gesundheitswirtschaft sehr hoch: In
5,2 Österreich sind 14% der Beschäftigten direkt
in der Gesundheitswirtschaft bzw. 20% in den
Biotechnologie & Pharma von der Gesundheitswirtschaft angestoßenen
Wirtschaftsbereichen tätig11.

22,1
Der Unternehmenssektor im Bio­
5,8 6,1
tech-, Pharma- und Medizin­technik-­
Dedizierte Biotechnologie Bereich stellt ein lebendiges
Ökosystem von Headquarters
­internationaler Unternehmen, KMU
und Start-Ups dar.
12 0,8 0,7

Medizintechnik
Der wie hier definierte Life Sciences Sektor
deckt natürlich nur einen kleineren Anteil
des gesamten Gesundheitssektors (mit
3,1 einem extrem hohen Dienstleistungsanteil)
1,8 ab. Er verursacht aber einen beachtlichen
0 ökonomischen Impact, wie eine von der
Dedizierte Medizintechnik
10 Im Jahr 2014 betrugen die staatlichen und privaten Gesundheitsausga-
ben 11,0% des BIP (Statistik Austria, [21.06.2016])
11 IHS (2014): Gesundheitswirtschaft Österreich: Ein Gesundheitssatelli-
Quelle: AWS (2015): Life Science Report Austria 2015 tenkonto für Österreich

28 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


WKO / FCIO in Auftrag gegebene Analyse12 Gesamtwirtschaft unterzogen wird. Demnach
belegt, in der einerseits die Life Sciences liegt der gesamte Bruttowertschöpfungsanteil
Teilbranchen analysiert und andererseits die, der Pharmabranche mit 9,6 Mrd. € bei 2,8%
soweit methodisch durchführbar, aggregierte des österreichischen BIP. Gleichzeitig leistet
„Pharma­branche“13 einem Vergleich mit der die Pharmabranche unter Berücksichtigung
von Folgeeffekten mit etwa 63.000 Personen
12 Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: Ökonomische Impact einen Beitrag von rund 1,7% zur Gesamtbe-
Analyse
13 Unter dem für diese Studie herangezogenen Aggregat „Pharmabranche“
schäftigung.
ist hier die klassische und biotechnologisch-pharmazeutische Industrie mit
den Bereichen Forschung und Entwicklung, der Produktion und aller mit
pharmazeutischen Produkten zusammenhängenden Bereiche inkl. Verkauf/
Distribution (allerdings ohne den Apothekensektor) zu verstehen.

Abbildung 6: Wertschöpfung und Beschäftigung


Primäre (direkte und indirekte) und sekundäre Effekte

Nachfrage­
erhöhung

Primäre Effekte

Kaufkraft
Direkte Indirekte stimuliert alle Sekundäre
Effekte Effekte anderen Effekte
Vorleistungen
Branchen

Direkte Effekte Primäre Effekte


Wertschöpfung und Beschäftigung in den Summe aus direkten und indirekten Effekten.
­tätigen Unternehmen und Institutionen selbst.
Sekundäre Effekte
Indirekte Effekte Kaufkrafteffekte durch das von Beschäftigten in Unternehmen und
Wertschöpfung und Beschäftigung in jenen Einrichtungen direkt verdiente Einkommen, das in zuliefernden Un-
Unternehmen, die Vorleistungen (wie z.B.: ternehmen und Einrichtungen verdiente Einkommen sowie Gewinne
medizinische Produkte) für das betrachtete von Unternehmen in der gesamten Wertschöpfungskette, die für
Unternehmen erbringen. Konsumgüter in anderen Branchen ausgegeben werden können.

Die tatsächliche Leistung einer Branche ist nur durch die Darstellung aller Effekte (Multiplikatoren) volkswirtschaftlich
komplett (Gesamtbruttowertschöpfung, Gesamtbeschäftigung).

Quelle: Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: Ökonomische Impact Analyse

29
Allein die direkten Effekte14 der Wert- nikprodukten liegen in Bezug auf die direkte
schöpfung sind in der Pharmabranche mit Wertschöpfung mit jeweils über 1 Mrd. €
4,7 Mrd. € höher als in jenen der im Touris- in der Größenordnung jener des gesamten
musland Österreich so wichtigen Branchen Wirtschaftszweiges Bergbau15.
Gastronomie oder Beherbergung und weit
höher als in Branchen wie beispielsweise Darüber hinaus bewirken die Multiplikations-
der Nahrungs- und Futtermittelherstellung, effekte in den Life Sciences eine bedeutende,
Metallerzeugung und -bearbeitung oder allerdings in den einzelnen Aktivitätsfeldern
Telekommunikation. Selbst einzelne Teilbran- unterschiedliche Hebelwirkung (vgl. Abbildung
chen der Life Sciences wie beispielsweise 7 und 8)16. Tendenziell wirken sich die Sekun-
die Medizintechnik-Zulieferbetriebe oder däreffekte auf die Wertschöpfung merkbarer
der Verkauf / Distribution von Medizintech- aus als auf die Beschäftigung. Auf letztere

14 Hier werden nur die direkten Effekte miteinander verglichen, da


indirekte und sekundäre Effekte branchenspezifisch ausgeprägt sind 15 Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: Ökonomische Impact Analyse
und Daten der Vergleichsbranchen nicht vorliegen. 16 Ibid.

Abbildung 7: Gesamtbruttowertschöpfung und Gesamtbeschäftigung in den Life Sciences


Prozentuale Zusammensetzung der Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte einzelner Aktivitätsfelder in
den Life Sciences
Wertschöpfung Beschäftigung

Universitäten
Außeruniversitäre Einrichtungen
Fachhochschulen
Medizintechnik Verk./Distr.
Medizintechnik Dienstleistungen
Medizintechnik Lieferanten
Medizintechnik sonstige
Medizintechnik dediziert
Biotech/Pharma Verk/Distr.
Biotech/Pharma Dienstleistungen
Biotech/Pharma Lieferanten
Pharma (klassisch, ohne Biotech)
Biotech F&E
Biotech sonstige
Biotech dediziert

0% 50% 100% 0% 50% 100%

Direkte Effekte Indirekte Effekte Sekundäre Effekte


Quelle: Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: Ökonomische Impact Analyse

30 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


wirken indirekte Effekte stärker ein. So Abbildung 8: Ökonomischer Gesamteffekt
ist der Kaufkrafteffekt (ausgehend vom Wertschöpfungs- und Beschäftigungsmultipli-
direkten Effekt) in den wissensintensiven katoren der Teilbranchen in den Life Sciences.
Teilbranchen mit meist hoch qualifizierten Gesamteffekt ausgedrückt als Faktor des
Belegschaften am höchsten. Die sekun- direkten Effektes
däre Wertschöpfung in den Teilbranchen
dedizierte Biotechnologie, Biotechnologie Wertschöpfung Beschäftigung
Forschung und Entwicklung, Biotech /
Pharma Dienstleistungen, sowie in Forschungseinrichtungen
den Universitäten, außeruniversitären
Einrichtungen und Fachhochschulen liegt 2,46 2,58 2,38 2,11
2,00 1,95
durchwegs genauso hoch wie die direkte
und liegt auch in allen anderen Teil­
branchen immer noch bei der Hälfte. Universitäten außeruniversitäre FH
Einrichtungen

Medizintechnik
3,84
Die direkte Wertschöpfung der 2,20 1,80 2,05 1,95
1,93
Pharmabranche ist höher als jene
der Gastronomie und Beherbergung.­
Medizintechnik Medizintechnik Medizintechnik
Der gesamtökonomische ­Impact ist Verk/Distr. Dienstleist. Lieferanten
aufgrund der Folge­effekte doppelt 3,26
so hoch. 2,10 2,06 1,91

Medizintechnik Medizintechnik
sonstige dediziert
Noch höhere Multiplikationseffekte
werden allerdings für die Beschäftigung
Biotech / Pharma
in den Teilbranchen Verkauf / Distribution
erreicht, in denen Sekundäreffekte nahezu 6,34
das Doppelte (Medizintechnik) bzw.
Dreifache (Biotech / Pharma) des primären
2,57
Beschäftigungsausmaßes erreichen. 1,94 1,94 1,98 2,14

Die von den einzelnen Aktivitätsfeldern


Biotech/Phar- Biotech/Phar- Biotech/Phar-
ausgehenden Gesamteffekte liegen ma Verk/Distr. ma Dienstleis- ma Liferanten
bei oder über Faktor 2 (vgl. Abbildung tungen
8)17, also die indirekten und sekundären
ökonomischen Effekte verdoppeln oder 2,63 3,07
1,88 1,96 2,12 2,48
übertreffen die jeweiligen direkten Effekte.
Die höchsten dabei erzielten Werte
des Gesamteffektes finden sich in den Pharma (klassisch, Biotech Biotech
Teilbranchen Verkauf / Distribution, dabei ohne Biotech) F&E sonstige
wird in der Medizintechnik der Primäref-
2,57
fekt der Beschäftigung nahezu vervier- 1,92
facht bzw. in der Biotech / Pharmabranche
sogar mehr als versechsfacht.
Biotech
dediziert
17 Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: Ökonomische Quelle: Haber, G. (2016): Life Sciences und Pharma: ­Ökonomische
Impact Analyse Impact Analyse

31
Der Gesundheitsmarkt
Der weltweite Gesundheitsmarkt stellt das Österreichische Life Sciences Unternehmen
Potenzial der Umsätze aus der Gesundheits- haben angebotsseitig großes Potenzial, um
wirtschaft dar und lässt sich nur empirisch sich auf diesen expandierenden Märkten
und retrospektiv betrachten. Ein guter und global zu positionieren. Allerdings ist auch die
zeitnaher Indikator für diesen Markt sind Positionierung der österreichischen Unterneh-
daher die Gesundheitsausgaben18 einzelner men auf dem Heimmarkt, der international als
Länder / Ländergruppen (vgl. Abbildung 9) Referenzmarkt für Innovationen angesehen
unter Berücksichtigung der Größe dieser wird, entscheidend.
Volkswirtschaften. Der weitgehend deregu-
lierte Gesundheitsmarkt der USA ist absolut
und relativ der Bedeutendste, gefolgt von
jenen der EU und Japan bzw. den Wachstums-
märkten der BRICS.

18 Unter die Gesundheitsausgaben fallen hier sämtliche öffentliche und


private Ausgaben für präventive und kurative Gesundheitsleistungen,
Notfallmedizin, Familienplanung und diätische Behandlungen.

Abbildung 9: Gesundheitsausgaben und Gesundheitsmarkt


Überblick (2014) über die Pro-Kopf-Ausgaben ausgewählter Volkswirtschaften bzw. Ländergruppen in aktuellen
US$ sowie der weltweiten Gesundheitsausgaben als Prozentanteil des BIP

Gesundheitsausgaben pro Kopf in US$

3.612 3.703 5.580 5.411 9.674 4.746 9.403


334 420

17,1%

Gesundheitsausgaben 12,4%
11,2% 11,3% 11,7%
in Prozent des BIP
10% 10,2%

5,4% 5,5%

BRICS China EU-28 Japan Österreich Deutsch- Schweiz OECD USA


land
Quelle: Worldbank: World Development Indicators [31.05.2016]; BRICS: eigene Berechnung (gewichteter Durchschnitt)

32 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


2.2. Der österreichische Life Sciences Sektor
im internationalen Vergleich

Internationaler Vergleich von jenem der USA (25%) entspricht (Abbildung 10).
ausgewählten Performance Der Anteil Österreichs innerhalb der EU-28 und
der Schweiz (Abbildung 10) beträgt knapp 2,2%,
­Indikatoren der Life Sciences bzw. 0,8% der globalen Forschungsleistung. In
Grundlagenforschung Relation zu größenmäßig vergleichbaren Volks-
wirtschaften wie Belgien, Dänemark, Schweden
Publikationsoutput oder der Schweiz ist allerdings zu erkennen,
Österreich hat in den letzten 20 Jahren den dass Österreich in dieser Gruppe das Schluss-
wissenschaftlichen Output in den Life Scien- licht bildet, wobei dadurch noch keine Aussage
ces qualitativ und quantitativ kontinuierlich über die Qualität der wissenschaftlichen
gesteigert und befindet sich heute auf einem Leistungen gemacht werden kann. Aber um hier
sehr guten Niveau. Ein wesentlicher Indikator auch einen absoluten Richtwert zur Quantität zu
für den Forschungsoutput in der Grundlagen- geben, erzielten die österreichischen akademi-
forschung sind Publikationen in angesehenen schen Life Sciences Einrichtungen 2014 einen
wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Ebenso eindrucksvollen Forschungsoutput von an die
kommt der Kooperation innerhalb der Scien- 8.700 peer-review Publikationen (ausschließlich
tific Community große Bedeutung zu. Beide Erst- und / oder Letztautor Position)19. In
Aspekte werden als Indikatoren für die wissen- Hinblick auf den Anteil der durch internationale
schaftliche Leistungsfähigkeit herangezogen. Zusammenarbeit entstandenen Publikationen
lässt sich aus dem dargestellten Ländervergleich
Zum globalen Output der Life Sciences Publi- Deutschland, Schweiz, Österreich schließen,
kationen (2007-2011) tragen die EU-28 und die dass internationale Kooperation über die letzten
Schweiz 37% bei, was einem höheren Anteil als zwanzig Jahre generell eine stetige Entwicklung
nach oben genommen hat und damit ein
wichtiges Merkmal der Life Science Forschung
ist. Österreich liegt bei diesem Indikator 2014 mit
Abbildung 10: Publikationsoutput 64% vor der Schweiz (59%) und Deutschland
Globaler wissenschaftlicher Publikationsoutput der Life Sciences­* (45%), nachdem der Ausgangswert aller drei
(2007-2011) und die Anteile der Länder / Ländergruppen, und Länder 1996 bei ca. 30% lag (Abbildung 11).
Anteil einzelner Länder am europäischen Output in Prozent
Im internationalen Vergleich der Zitierungen
bezogen auf die Bevölkerungszahl (2007 –
36,8% EU-28 + CH 16,3% DE
2011) liegt Österreich in den Life Sciences im
19,8% Durchschnitt an 13. Stelle, knapp vor Deutsch-
RoW 2,2% AT
land, aber mit deutlichem Abstand zur führen-
4,4% CH den Schweiz und zu den an 4. Stelle liegenden
2 Mio.
5,5 Mio.
EU-28 + 6,4% NL Niederlanden. Besonders positiv entwickelte
Weltweit
12,8% Schweiz 4,0% SE sich die Positionierung im Teilbereich „Immu-
BRICS 3,2% BE nologie und Mikrobiologie“, wo Österreich sich
2,5% DK von Rang 12 (Vergleichszeitraum 2002 – 2006)
5,6% auf Rang 8 (Vergleichszeitraum 2007 – 2011)
Japan 25,1% USA 61,1% restl. EU-28 verbessern konnte20.

* Fachbereiche Medizin, Biochemie, Genetik, Molekularbiologie, Immunologie, Mikrobiologie, 19 AWS (2015): Life Science Report Austria 2015
­Neurowissenschaften, Pharmakologie, Toxikologie und Pharmazeutika 20 Technopolis (2014): Evaluierung des österreichischen Genomfor-
Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved from schungsprogramms GEN-AU unter Einbeziehung der Entwicklungen der
http://www.scimagojr.com [05.07.2016] Life Sciences Forschungslandschaft in Österreich

33
Abbildung 11: Publikationen in internationaler Zusammenarbeit
Prozentualer Anteil der Publikationen mit Autorinnen und Autoren aus Institutionen mehrerer Länder

64%
70
Österreich
60
Österreich 2014
Schweiz
50

40

30
Deutschland 59%
Schweiz 2014

20

10

0
45%
Deutschland 2014
1996 2000 2005 2010 2014

Quelle: SCImago. (2007). SJR — SCImago Journal & Country Rank. Retrieved from http://www.scimagojr.com [05.07.2016]

Einwerben von Forschungspreisen des Abbildung 12: Top-10-Einwerberländer


European Research Council von ERC Grants
Für internationale Wettbewerbsfähigkeit ERC Grants im Wissenschaftsbereich Life
in der Grundlagenforschung ist die Zahl Sciences in H2020 pro 1 Mio. Einwohnerinnen
der eingeworbenen Grants beim European und Einwohner
Research Council (ERC) ein wichtiger
Indikator. Mit Stichdatum April 2016 liegt ERC Grants per capita (1 Mio.) Insgesamt
Österreich in der aktuellen Periode des EU Schweiz 5,1 42
Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020
Israel 5,1 42
bei der Zu­erkennung von ERC Grants in den
Life Sciences im Ländervergleich an 8. Stelle. Dänemark 3,4 19
Auf die jeweilige Bevölkerungszahl bezogen
Österreich 3,2 27
positioniert sich Österreich mit diesem
Ergebnis hinter der Schweiz und Israel fast Niederlande 2,8 47
gleichauf mit Dänemark an exzellenter vierter
Schweden 2,6 25
Stelle (Ab­bildung 12).
Finnland 2,0 11
Belgien 2,0 22
Irland 1,7 8
Ver. Königr. 1,7 111

Quelle: ERC, Aufbereitung EU-PM [April 2016]

34 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


Internationaler Vergleich ausge- beeindruckende Erfolge österreichischer
wählter Performance Indikatoren Forschung im Programm „Biotechnologie“.
in der translationalen Forschung In der Joint Technology Initiative „Innovative
Medicines Initiative“ (IMI) wurden / werden
Österreichs Performance in Horizon 2020 seit deren Gründung im Jahre 2008 insgesamt
und der Innovative Medicines Initiative 29 österreichische Organisationen mit einem
Die Life Sciences relevanten Programme in Gesamtbetrag in der Höhe von 14,6 Mio. €
Horizon 2020 können, obwohl nicht katego- gefördert. Damit liegt Österreich hinsichtlich
risch, dennoch tendenziell als translationale der Höhe der Förderzusagen europaweit an
bis angewandte Forschungsprogramme 13. und bezüglich der Anzahl der Beteiligungen
betrachtet werden. Österreichs Erfolgskurs an 11. Stelle.
in den EU-Forschungsprogrammen setzt
sich nach dem 7. RP mit „Horizon 2020” Österreichische Patenteinreichungen
(2014 – 2020) weiter fort. In Horizon 2020 Der translationale / wirtschaftliche For-
konnten in Summe bisher (April 2016) mehr schungsoutput lässt sich u.a. durch den
als 391 Mio. € an Förderzusagen eingeworben indirekten Indikator internationaler Patent­
werden, wobei Österreich gemessen an der einreichungen darstellen. Die internationalen
Beteiligung der EU-Mitgliedsstaaten auf Patenteinreichungen (PCT) in den einzelnen
einem sehr guten 8. Platz liegt. Für den hier Subsektoren der Life Sciences werden hier
betrachteten Life Sciences Sektor zeigte nach Standort der Antragstellerinnen und
Österreich im Programm „Gesundheit“ inkl. Antragsteller für ausgewählte Länder bzw.
dem neu eingeführten KMU-Instrument trotz Ländergruppen im Jahr 2013 dargestellt (Ab-
eines sehr kompetitiven europäischen Umfelds bildung 13). Bezüglich dieser Ergebnisse reiht
mit 69 erfolgreichen Beteiligungen, 30 Mio. € sich Österreich inmitten der europäischen
Rückfluss und mit 11 erfolgreichen Projekten Industrienationen. Zu beachten ist allerdings,
als Koordinator eine sehr gute Performance. dass die Gewährung eines Patentes noch
Obwohl deutlich geringer dotiert und nur auf keine Aussage darüber trifft, ob die Erfindung
einzelne Technologien fokussiert, gibt es auch jemals vermarktet wird.

Abbildung 13: Patenteinreichungen in den Sektoren Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik


Globaler Output und Anteile der Länder und Ländergruppen und die Anteile ausgewählter europäischer Länder in
Prozent für das Jahr 2013
Linker Balken: EU-28 + Schweiz USA Japan BRICS RoW

Pharma Biotechnologie Medizintechnik

11.167 2.751 10.581 2.747 16.046 4.053


13,2 12,7 12,4
10,7 6,8 5,9
52,6 restl. EU 11,5 49,9 restl. EU 41,5 restl. EU
8,3 16,1

2,8 SE 3,4 SE 1,6 BE


3,5 DK 43,1 3,5 BE 3,5 DK
43,2 40,4
3,8 BE 6,3 DK 4,6 SE
5,0 NL 7,9 NL 14,5 NL
9,0 CH 5,9 CH 6,1 CH
24,6 2,0 AT 26,0 2,1 AT 25,3 2,5 AT
21,1 DE 21,1 DE 25,7 DE
Global EU-28 + Schweiz Global EU-28 + Schweiz Global EU-28 + Schweiz
Quelle: OECD Stat. (http://stats.oecd.org/): Science, Technology and Patents [30.05.2016]

35
Spezieller Vergleich des Die entstandenen Unternehmen sind im
Biotechnologiesektors der Hinblick auf ihre Überlebensfähigkeit über-
durchschnittlich stabil, nur 15% der seit 1998
DACH Staaten21 geförderten Firmen sind nicht mehr operativ
tätig, was einem in der Branche extrem
Durch die systematische Unterstützung des geringen Wert entspricht. Die Unternehmen
Biotechnologiesektors in Österreich hat sich sind klein (vgl. Abbildung 15), durchschnitt-
die Zahl der Start-Up Unternehmen in der lich 7 Jahre alt und weisen eine sehr hohe
dedizierten Biotechnologie zwischen 1997 Forschungsquote (Anteil der Forschungsaus­
und 2014 von 5 auf 116 bei einer durch- gaben am Umsatz) von 70% auf (vgl. Abbil-
schnittlichen jährlichen Wachstumsrate von dung 17). Diese Struktur erklärt auch den im
19,1% erhöht. Österreich zeigt hinsichtlich der internationalen Vergleich sehr hohen öffentli-
Anzahl der Unternehmen eine hohe Dichte und chen Anteil (24%; vgl. auch Ab­bildung 16)­an
nimmt damit auch eine gute Position in der der Unternehmensfinanzierung.
europäischen Biotechnologie Landschaft ein
(Abbildung 14). Die Unternehmensgrößen bezogen auf die Be-
schäftigungszahlen sind bei allen drei Ländern
21 Deutschland (D), Österreich (A) und die Schweiz (CH) werden unter ähnlich verteilt, kleine Unternehmen überwie-
dem Akronym DACH-Staaten als eine (Vergleichs)einheit zusammenge-
fasst. Mannhardt, B. (2014): The Biotech Sector in Switzerland, Austria
gen; 92% der österreichischen Unternehmen
and Germany. Biocom AG. haben bis zu 50 Beschäftigte (CH: 89%; DE:
87%). Gesundheit (rote Biotechnologie) ist
das bei weitem dominante Aktivitätsfeld in
allen drei Ländern, wobei diese Spezialisierung
Abbildung 14: Unternehmensdichte in Deutschland am wenigsten ausgeprägt ist
Anzahl der Biotechnologie Unternehmen im EU Raum pro (48% der Aktivitäten im Gesundheitsbereich).
1 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner Gesundheit ist auch das mit Abstand for-
schungsintensivste Aktivitätsfeld der Bio-
Schweiz 18,0 technologie, für das 80% (DE), 93% (AT) und
Frankreich 14,3 99% (CH) aller F&E Ausgaben des Subsektors
aufgewendet werden.22
Spanien 14,2
Finnland 13,0 Unternehmensfinanzierung
In den einzelnen Volkswirtschaften differieren
Belgien 11,3
die relativen Finanzierungsanteile beträchtlich,
Österreich 11,2 wobei die Hauptquellen, privates Kapital
Dänemark 9,5 (Aktionäre, Beteiligungen, Business Angels)
zwischen Deutschland und Österreich
Ver. Königr. 7,6
durchaus ähnlich verteilt sind. Sehr variabel ist
Deutschland 7,0 hingegen die Verfügbarkeit von Risikokapital,
Schweden 6,8 das in der Schweiz, aber auch in Deutschland
einen guten Teil der Finanzierung, nämlich
Portugal 4,9
ungefähr ein Drittel ausmacht, in Österreich
Niederlande 3,9 aber nur 12% (vgl. Abbildung 16).
Italien 2,4
Bemerkenswert ist, dass die Gesamtinvestitio-
Polen 0,8
nen in den Biotechnologiesektor, ausgedrückt
Quelle: Mannhardt, B. (2014): The Biotech Sector in Switzerland, Austria and Germany. Biocom
AG; eigene Berechnungen 22 AWS (2015): Life Science Report Austria 2015

36 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


als Anteil des BIP, in Österreich das 2,5- Abbildung 15: Unternehmensgrößen
fache von jenem in Deutschland betragen, Größenverteilung der Biotechnologie
aber nur die Hälfte jenes der Schweiz Unternehmen nach Beschäftigungszahlen
ausmachen. Dieses Verhältnis drückt (Anteile in Prozent)
auch die jeweilige Bedeutung des Sektors 100
an der Gesamtwirtschaft aus. 80
60
Umsätze und Forschungsausgaben 40
Absolut gesehen sind die Umsätze und 20
Forschungsausgaben der Schweiz und 0
Deutschlands nahezu ident, Österreich Deutschland Österreich Schweiz
hat um einen Faktor 15 geringere Um- 1–9 10–49 50–99 100–249 >250
sätze (vgl. Abbildung 17), was wiederum Quelle: Mannhardt, B. (2014): The Biotech Sector in Switzerland, Austria
and Germany. Biocom AG
die unterschiedliche Zusammensetzung
der Gesamtwirtschaft reflektiert.
Österreich liegt in den Umsätzen aber
auch proportional hinter Deutschland Abbildung 16: Finanzierung
und weit hinter der Schweiz, weist aber Finanzierungsanteile der Biotechnologie Un-
gegenüber beiden Vergleichsländern ternehmen in Prozent und Gesamtinvestitionen
eine doppelt so hohe F&E Quote auf. pro Mio. des BIP in kaufkraftbereinigten US$
Das macht den Biotechnologiesektor in
Österreich extrem forschungsintensiv und 140 342 679
weist ihn mit einem erheblich geringeren
Produktionsanteil aus. Darin zeigt sich, 100
dass die Biotechnologieindustrie in Ös- 80
terreich anders strukturiert ist als in den 60
verglichenen Volkswirtschaften, aber ein 40
hohes Potenzial für Umsätze aus Lizenz-, 20
Meilenstein- und Kooperationsverträgen 0
Deutschland Österreich Schweiz
besitzt23.
staatliche Finanzierung und Förderung
Der sich erfolgreich entwickelnde öster- Venture Capital
Business Angels
reichische Biotechnologie Sektor belegt
privates Anteilkapital
eine positive Dynamik und hohe Stabilität Invest­itionen
durch ein fruchtbares Start-Up Ökosys- Quelle: Mannhardt, B. (2014): The Biotech Sector in Switzerland, Austria
tem. Trotz der Abwesenheit eigener and Germany. Biocom AG
nationaler Großbetriebe bereichern
die Headquarters forschungsintensiver
internationaler Pharmakonzerne dieses Abbildung 17: Forschungsintensität
Ökosystem als Leitbetriebe. Die sich Umsätze und Forschungsausgaben dedizierter
gegenseitig stabilisierende und for- Biotechnologie Unternehmen in Mio. kaufkraft-
schungsstarke Start-Up- und KMU-Szene bereinigten US$ und Forschungsquote (Anteil
in den Life Sciences zeigt in Verbindung der Forschungsausgaben am Umsatz) in Prozent
mit einem ausgeprägt guten Wissen-
schaftssektor und maßgeschneiderten 32% 34%
70%
Kooperationsförderungen eine über- 3.700 3.400
durchschnittlich gute Performance.
1.200 1.150
23 Die Unterschiede erklären sich aus den gewachsenen Struktu- 235 165
ren der verglichenen Volkswirtschaften, nämlich der Tradition der
nationalen Gesundheitswirtschaft und dem Vorhandensein/Fehlen
Deutschland Österreich Schweiz
von den Weltmarkt beherrschenden pharmazeutischen Großunter-
nehmen, die ihre Umsätze entlang der gesamten Wertschöpfungs-
kette erwirtschaften und auch einen stark positiven Einfluss auf
Umsatz F&E-Ausgaben Forschungsquote
die relativ junge Biotechnologiesparte ausüben. Quelle: Mannhardt, B. (2014): The Biotech Sector in Switzerland, Austria
and Germany. Biocom AG

37
2.3. Förderung der Life Sciences
in Österreich

Nationale Förderagenturen und Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und


Förderprogramme Technologiefonds (WWTF), der eigene Life
Sciences Ausschreibungen durchführt. ­
Der FTI Standort Österreich wurde seit den Der Großteil der angebotenen Förderinstru-
1990er Jahren und v.a. nach dem EU Beitritt mente ist horizontal (bottom-up), also für alle
Österreichs kontinuierlich aufgebaut und Wissen­schaftsdisziplinen bzw. Forschungsbe-
weiterentwickelt. Im Zuge dessen wurde reiche offen und wird durch den Life Sciences
durch die öffentliche Hand auch gezielt in Sektor sehr gut genutzt (vgl. Abbildung 18).
den Aufbau der Life Sciences investiert. Unter die spezifischen Programme fallen u.a.
Instrumente dafür sind die Förderschienen des das bei der aws angesiedelte Programm Life
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Science Austria (LISA) mit dem Fokus der
Forschung (FWF), der Österreichischen Unterstützung von Unternehmensgründungen
Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und jungen Unternehmen, das Programm
sowie der Austria Wirtschaftsservice GmbH Klinische Forschung (KLIF) des FWF sowie
(aws), die nahezu das gesamte österreichische das dazu komplementäre klinische Förderpro-
Programmportfolio administrieren. Hinzu gramm für kleine und mittlere Unternehmen
kommen regionale Förderstellen wie zB. der (KLIPHA) der FFG.

Abbildung 18: Kooperations- und Translationsprogramme


Laufzeiten der horizontalen Kooperations- und Translationsprogramme (2000 bis 2015)

BRIDGE 1
Brückenschlagprogramm FFG
BRIDGE Frühphase

Translational Research Programm FWF

Research Studios Austria (RSA)

Kompetenzzentren (COMET)

LBG Institute

CD-Labors

aws PreSeed und Seedfinancing

2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2015


Quelle: FFG, FWF, aws

38 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


Abbildung 19: Förderungen im Life Sciences Bereich
Förderzusagen der FFG, des FWF und der aws von 2012 bis 2015 in Mio. €

FWF FFG aws

82,2
78,8
80 80 20
69,5 70,9
64,6
15,3
60 60 15
52,9
48,0 45,9 11,2
40 40 10
8,5 8,4

20 20 5

0 0 0
2012 2013 2014 2015 2012 2013 2014 2015 2012 2013 2014 2015

Förderung (Zuschuss) Zuschuss Darlehen Haftung Zuschuss Garantien Kredite

Quelle: FFG, FWF, aws

Für die Grundlagenforschung stehen die gibt es ebenfalls Translationsprogramme von


Programme des FWF zur Verfügung, dessen der Grundlagenforschung zu angewandter
Fokus auf der Förderung von Einzelprojekten Forschung für Forschungseinrichtungen in
liegt. Letztendlich sind gerade für die Life Kooperation mit forschenden KMU. Weitere
Sciences auch die Sonderforschungsbereiche FTI-Kooperationsprogramme von Wissen-
und Doktoratsprogramme sehr attraktive schaft und Wirtschaft sind die Strukturpro-
Förderschienen, um Forschungsschwerpunkte gramme Competence Centers for Excellent
kritischer Masse aufzubauen bzw. um eine Technologies (COMET) und Research Studios
strukturierte Doktoratsausbildung auf inter- Austria (RSA), die in den vergangenen Jahren
nationalem Niveau zu ermöglichen. Bis 2012 auf- und ausgebaut wurden und zum Teil als
wurde auch das Programm Translational Re- internationale Vorbilder gelten.
search (TRP) vom FWF operativ durchgeführt,
eine Wiederaufnahme dieses Programmes wird Der Fokus der aws liegt in der Unterstützung
diskutiert bzw. wurde 2015 gemeinsam mit der Gründung und Frühentwicklung von
der Christian Doppler Forschungsgesellschaft High-Tech-Unternehmen. In der Biotechno-
(CDG) eine Ausschreibung unter dem Titel logie sind die LISA Gründermodule PreSeed
Partnership in Research (PiR) durchgeführt. und Seedfinancing sehr erfolgreiche Teile des
Programms zur Förderung von Gründung und
Die Programme der FFG unterstützen Aufbau innovativer Unternehmen (JITU) und
angewandte Unternehmensforschung durch haben wesentlich zum Wachstum des Bio-
die größte und bedeutendste Förderschiene tech-Unternehmenssektors beigetragen. Seit
der Basisprogramme (Einzelprojekte und kurzem wird auch das Pilotprogramm Jump
experimentelle Entwicklung). Mit den Pro- Start, das die Entwicklung von Inkubatoren
grammen BRIDGE 1 und BRIDGE Frühphase fördert, angeboten.

39
Ebenso werden die laufende und thematisch ist strukturell und auch in Bezug auf Umfang
offene Einreichmöglichkeit bei der Christian und Zugang ein internationales Erfolgs-
Doppler Forschungsgesellschaft (CDG) und modell, das von den Life Sciences optimal
die Ausschreibungen der Ludwig Boltzmann genützt wird.
Gesellschaft (LBG) von der Life Sciences
Community intensiv genutzt (vgl. Kapitel
3.6.), um interdisziplinäre oder kooperative Unternehmensförderungen
Forschungsbereiche weiterzuentwickeln.
und Hebelwirkung
Mit dem Programm des BMWFW „Wissens­
transferzentren und IPR-Verwertung“ wurden Seit den späten 1990er Jahren wurde die
drei regionale (Ost, Süd und West) sowie ein Gründung von oft als Spin-Offs entstandenen
thematisches Wissenstransferzentrum (WTZ) österreichischen Unternehmen durch Start-Up
für die Life Sciences geschaffen. Diese sollen Förderungen unterstützt. Die Produktentwick-
das vorhandene Potenzial an den österrei- lung in den Life Sciences ist durch die notwen-
chischen Universitäten nutzen und Synergien digen hohen regulatorischen Anforderungen –
herstellen, um die wirtschaftliche sowie vor allem im Vergleich zu anderen Sektoren –­­
gesellschaftliche Verwertung von Erfindun- äußerst komplex, langwierig und vor allem
gen zu forcieren und zu beschleunigen. kapitalintensiv. Durchschnittlich rechnet man
mit einer Entwicklungsdauer von 11,5 Jahren
Das österreichische Fördersystem für Ko­ pro erfolgreich auf den Markt gebrachtem
operation von Wissenschaft und Wirtschaft Medikament, und mit Kosten von 1,5 Mrd. US$

Abbildung 20: Schema der Arzneimittelentwicklung


Die Entwicklung von innovativen Arzneimitteln ist durch den komplexen wissenschaftlichen und regulativen F&E
Prozess, sowie durch hohe Kosten und lange Dauer höchst risikoreich

Kosten 207,4 184,1 1079,4 34,9


in Mio. US$

Dauer
3,9 0,8 5,9 0,9
in Jahren

Anzahl 10.000 12,4 8,6 4,6 1,6 1,1


Wirkstoffe Phase I Phase II Phase III

Grundlagen­ präklinische klinische regulatorische


forschung Entwicklung Entwicklung Zulassung

Quellen: Mestre-Ferrandiz, J., Sussex, J. and Towse, A. (2012): The R&D Cost of a New Medicine. London, UK: Office of Health Economics;
VFA (2016): So entsteht ein neues Medikament. Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., Berlin. http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/­so-funktioniert-
pharmaforschung/so-entsteht-ein-medikament.html [01.07.2016]; EFPIA (2016):The Pharmaceutical Industry in Figures. Key Data 2015.

40 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


(vgl. Abbildung 20)24. Allerdings ist die Abbildung 21: Private und Staatliche
Streuung dabei sehr hoch und die Entwick- Finanzierung
lungsdauer stellt einen entscheidenden Unternehmensfinanzierung der aws Life Science
Kostentreiber dar. PreSeed- und Seed-Portfoliofirmen seit 1997
und Fördergelder nach Fördergeber in Mio. €
Wegen des hohen technischen Risikos ist
es für Life Sciences Firmen sehr schwer,
in der frühen Produktentwicklungsphase 973
private
diesen Kapitalbedarf zu decken und
Finanzierung
privates Kapital einzuwerben. Staatliche
Förder- und Finanzierungsprogramme
füllen diese Lücke mit dem Ziel, die unter-
stützten Firmen in die Lage zu versetzen, 199
private Finanzierungen im notwendigen
Maße zu mobilisieren.

Eine Wirkungsanalyse der durch die


37 32 80 28 22
öffent­liche Hand vergebenen Fördermittel
auf p
­ rivate Unternehmensfinanzierung in aws aws FFG EU & sonstige
­PreSeed Förderungen
den Life Sciences25 zeigt für ein analysiertes
& Seed Regionalförderungen/
Sample von Biotechnologie Start-Ups einen
Anteil von privatem Eigenkapital von 83% Finanzierungen
und öffentlichen Förderungen / Finanzierun- Quelle: AWS (2016): Portfolioanalyse: Hebelwirkung von
gen von 17%. Seit 1998 wurden 199 Mio. € ­Förderinstrumenten auf Privatfinanzierung.

an öffentlichen Mitteln in die Gesamtfinan-


zierung (1,17 Mrd. €) dieser Unternehmen in-
vestiert, in derselben Zeitspanne wurde von
diesen Firmen ein Umsatz von 550 Mio. € Abbildung 22: Förderungseffekt auf die
erwirtschaftet. Diese Zahlen belegen für die Gesamtfinanzierung
Gesamtheit der öffentlichen Förderungen Hebelwirkung von PreSeed und Seed­financing
und Finanzierungen einen Hebel von 1 : 5 (1997-2014) auf die Kapitalisierung neuer und
auf die Mobilisierung von privatem Kapital. junger Unternehmen
Dabei stammen 75% der öffentlichen
Förderungen aus Bundesmitteln, der Rest
entfällt auf EU- und Regionalförderungen 1€ 5€
(vgl. Abbildung 21).
Hebelwirkung absolut (brutto)
Zieht man in Betracht, dass in den meisten
dieser marktnahen Förderprogramme hohe
Anteile der öffentlichen Förderungen und 1€ 8€
Finanzierungen rückzahlbar sind, kann eine
tatsächliche Hebelwirkung von 1 : 8 über Hebelwirkung mit
alle Förderinstrumente als realistisch einge- Rückzahlungen (netto)
schätzt werden. Rechnet man noch die von
den Unternehmen geleisteten Steuern und
Abgaben, sowie die volkswirtschaftlichen
indirekten und sekundären Effekte ein, 1€ 16€
erhöht sich die Hebelwirkung auf 1 : 16 ­
(vgl. Abbildung 22). Hebelwirkung mit
indirekten und sekundären
24 Mestre-Ferrandiz, J., Sussex, J. and Towse, A. (2012): The R&D
Effekten
Cost of a New Medicine. London, UK: Office of Health Economics.
25 AWS (2016): Portfolioanalyse: Hebelwirkung von Förderinstru- Quelle: AWS (2016): Portfolioanalyse: Hebelwirkung von
menten auf Privatfinanzierung. ­Förderinstrumenten auf Privatfinanzierung.

41
Life Sciences in Zahlen Europäische Förderinstrumente
Vergebene Fördermittel
Auf europäischer Ebene ist vor allem das

199 Mio. €
wurden seit 1998 an öffentlichen Mitteln in
EU-Forschungsrahmenprogramm als eine
bedeutende Förderschiene für die österreichi-
sche Life Sciences Forschung hervorzuheben.
Aktuell läuft das 8. Rahmenprogramm Horizon
76 Biotech Start-Ups investiert 2020 (2014 – 2020). Wichtig für Life Sciences
sind neben dem bottom-up Exzellenzpro-

973 Mio. €
wurden seit 1998 von diesen Unternehmen an privaten
gramm des ERC vor allem die Programme
„Gesundheit, demographischer Wandel und
Wohlergehen“ sowie das deutlich geringer
dotierte Technologieprogramm „Biotechnolo-
Mitteln eingeworben
gie“. „Gesundheit“ ist mit 7,5 Mrd. € (9,7% des
Gesamtbudgets) die größte gesellschaftliche

550 Mio. €
wurden seit 1998 von diesen Unternehmen an
Herausforderung in Horizon 2020, die auch
inhaltlich den gesamten Forschungs- und
Innovationszyklus zur Bewältigung der immer
größeren Anforderungen an die Gesundheits-
Umsatz erwirtschaftet
und Pflegesektoren durch die stetig steigende
Quelle: aws Belastung durch Krankheit und Invalidität
einer älter werdenden Bevölkerung abdeckt.
Darüber hinaus sind inhaltlich und monetär
Ebenso zeigt sich die Wichtigkeit der Aus- etliche weitere Programme mit Gesundheit
gleichsfunktion staatlichen Handelns für die verwoben.
Unternehmensentwicklung in krisenbelasteten
Perioden, nachdem in den Jahren 2011 bis Hervorzuheben ist im europäischen Kontext
2014, also nach der Finanzkrise, die jährliche auch die Innovative Medicines Initiative
Wachstumsrate des Anteils der öffentlichen (IMI), eine öffentlich-private Partnerschaft
Finanzierung (11%) mehr als jene der privaten der Europäischen Kommission mit der phar-
Finanzierung (8%) wuchs. Außerdem trug mazeutischen Industrie, die hoch dotierte
sie zu einer jährlichen Wachstumsrate der Ausschreibungen mit dem Ziel durchführt,
Umsätze von 14% während des gleichen die Entwicklung von wirksamen und sicheren
Zeitraumes bei.26 Medikamenten zu beschleunigen und phar-
mazeutische Innovationen voranzutreiben.
Die Gründungsförderung und Förderung von Weitere von österreichischen Forscherinnen
Jungunternehmen erweist sich gerade für und Forschern gut angenommene europäische
die Life Sciences als dem österreichischen Programme sind die verschiedenen ERA-NET
Kapitalmarkt angepasst und äußerst erfolg- Initiativen in den Life Sciences sowie EUREKA
reich. Selbst unter von Krisen beeinflussten und das Eurostars Förderprogramm – die
Bedingungen hebeln staatliche Förderungen beiden letzteren maßgeschneidert für F&E
in hohem Maße den Einsatz privaten Kapitals. treibende KMU.

26 AWS (2016): Portfolioanalyse: Hebelwirkung von Förderinstrumenten


auf Privatfinanzierung.

42 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH


2.4. SWOT Analyse
Unterschiedlichste, fallweise auch gegenläufige Erkenntnisse aus dem Diskussionsprozess führen zu folgender
SWOT-Analyse, die als Basis für die Formulierung von Zielen, Herausforderungen und Maßnahmen heran­
gezogen wurde.

Stärken Schwächen
• International sichtbare exzellente Grundlagenforschung • Niedrige Forschungsausgaben per capita in der
Grundlagenforschung im Vergleich zu DE und der CH
• Kontinuierlich wachsende Biotech-Start-Up Szene
• Zu geringe Finanzierung der Grundlagenforschung auf
• Gutes Fördersystem für Wissenschafts-Wirtschafts­
­kompetitiver Basis, insbesondere die Ausstattung des FWF
kooperationen
• Fehlende Umsetzung der kapazitätsorientierten
• Gut dotiertes Fördersystem für Life Sciences Gründungen
Universitätsfinanzierung
• Hohes Ausbildungsniveau
• Erschwerte Bedingungen für klinische Forschung aufgrund
• International bekannter Life Sciences Cluster Österreich des real starken Versorgungsfokus des klinischen Personals
(mit Zentrum Wien) an den Medizinischen Universitäten
• Hohe steuerliche Forschungsincentives • Ungenügend auf die Bedürfnisse des Wissenschafts-
(Forschungsprämie 12%) und Forschungsbetriebs der MedUnis abgestimmtes
• Wohlhabendes Land, hohe Sicherheit und Lebensqualität Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz

• Drehscheibe zu mittel- und osteuropäischen Ländern • Entrepreneurship zu schwach ausgeprägt

• Wichtiger Standort relevanter internationaler • Kultur des Scheiterns nicht verankert


Pharmakonzerne • Im internationalen Vergleich kleiner privater Risikokapitalmarkt
• Hohe Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und • Erfordernisse der Bürokratie für Unternehmen kompliziert
Arbeitnehmer („Streiksicherheit“) (u.a. auch durch föderale Gesetzgebungen)
• Gute Basisinfrastruktur; gesicherte Energie- und • Im internationalen Vergleich unflexible Arbeitszeitregelungen
Wasserversorgung, erdbebensicher
• Geringe Anreize für Innovation durch restriktives /
konservatives Erstattungssystem bei Arzneimitteln

Chancen Risiken
• Österreichs Position in der Gruppe der Strong Innovators • Geringe gesamtheitliche, systemische Sicht für die nationale
mit Anschluss an Innovation Leaders Life Sciences Landschaft (u.a. Föderalismus)
• Großes Potenzial, die internationale Positionierung noch zu • Zu wenig abgestimmte Politiken von Forschung,
steigern Wirtschaft und Gesundheit
• Hohes wissenschaftliches Potenzial in relevanten aktuellen • Durch Festhalten an vergangenen Erfolgen den Anschluss
Strömungen der Life Sciences Grundlagenforschung an zukünftige Entwicklungen übersehen
• Verfügbarkeit von Spitzenforschern auf Post-Doc Niveau • Fortschritts- und technologiekritische Einstellung in
für alternative Karrierewege in der Industrie der Bevölkerung
• Sichtbarmachung und Hebung des Start-Up Potenzials • Hohe Skepsis in der Bevölkerung / Gesellschaft gegenüber
Gentechnologie
• Potenzial für die Weiterentwicklung zahlreicher High-Tech
Start-Ups (Umsatzsteigerungen durch Produktion)
• Kompetenz in technisch aufwändigen Produktionsverfahren
• Durchsetzung der Initiative der innovationsfördernden
öffentlichen Beschaffung

43
44 LIFE SCIENCES IN ÖSTERREICH
KAPITEL 3:

Zukunftsstrategie
Life Sciences und
Pharmastandort
Österreich

Handlungsfelder Maßnahmen
In ausgesuchten Handlungsfeldern werden Maßnahmen, die kurz- und mittelfristig
die Ausgangslage und die Herausforderungen ­umsetzbar sind, adressieren die Heraus­
im nationalen bzw. auch internationalen forderungen und tragen zur Stärkung des
Kontext beschrieben. Standortes bei.

45
H A N D LU N G S F E L D

3.1. Grundlagen­
forschung
DAS ZIEL: Die Stärkung der kompetitiven Grundlagenforschung sowie die Stei-
gerung von Effizienz und das Heben von Synergien in Lehre und Forschung
im universitären und außeruniversitären Life Sciences Bereich, um mit der
aktuellen Forschungsdynamik mitzuhalten und maximale internationale
Sichtbarkeit zu erreichen.

46 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage Für das Ökosystem eines Biotech- / Pharma­
standortes spielt exzellente Grundlagenfor-
Durch strategische Investitionen in die schung eine maßgebliche Rolle. Die vor-
Grundlagenforschung ist es über die letzten handene Konzentration von Exzellenz stellt
fünfzehn Jahre gelungen, die österreichische einen Anreizfaktor für Unternehmen dar, am
Life Sciences Landschaft international zu Standort zu investieren. Laut Aussagen von
positionieren. Vertreterinnen und Vertretern der Industrie
wird insbesondere das hohe Ausbildungsni-
Dazu beigetragen haben die Förderung der veau von Doktoratsstudierenden und Post-
kompetitiven Grundlagenforschung durch Docs an den österreichischen universitären
den FWF, kontinuierliche Strukturverbes- und außeruniversitären Forschungseinrich-
serungen und Profilbildung im Rahmen der tungen geschätzt.
Leistungsvereinbarungen an den heimischen
Universitäten, insbesondere aber auch der
Ausbau der außeruniversitären Life Sciences Die Herausforderungen
Forschung im Großraum Wien seit Beginn der
2000er Jahre (vgl. 2.1.). Darüber hinaus hat Über die letzten zwanzig Jahre hat in den
das österreichische Genomforschungspro- Life Sciences eine rasante Entwicklung der
gramm GEN-AU von 2001 bis 2013 mit einem Themen und Technologien eingesetzt, und
Fördervolumen von ca. 85 Mio. € den Aufbau gleichzeitig sind die Ansprüche hinsichtlich
Qualitätsstandards gestiegen. Diese Ent­
wicklungen haben einerseits die Kosten
der Grundfinanzierung des Laborbetriebs
angehoben und andererseits eine Neustruk-
Die rasanten Entwicklungen in der turierung von Forschungsabläufen bedingt.
Ein Teil der Methodik und Analysen, die früher
Life Sciences Grundlagenforschung in ein und demselben Labor bzw. von ein und
erfordern Strukturanpassungen, derselben Person durchgeführt wurden, wird
Schwerpunktsetzung, Bereitschaft nun in hochprofessionellen Einrichtungen,
sogenannte Core Facilities, ausgelagert.
zur Dynamik und Kooperation. Dies vor allem deshalb, da für qualitätsvolle
Resultate bzw. die Verwaltung von Ressour-
cen und Daten spezifisches Knowhow und
entsprechende Infrastruktur benötigt werden.
von national übergreifenden, interdisziplinären Diese Umstrukturierung der Forschung findet
Forschungsnetzwerken bzw. Infrastruktur- zurzeit in vielen Disziplinen statt, ist aber in
plattformen gefördert, die ebenfalls dazu den Life Sciences besonders ausgeprägt.
beigetragen haben, kritische Masse in spezi-
fischen Schwerpunktfeldern aufzubauen und Mit dem technologischen Fortschritt wachsen
die entsprechenden Technologien weiter zu auch die wissenschaftlichen Ansprüche
entwickeln. Daher, so die Evaluierung des ös- hinsichtlich der Prüfung von Hypothesen und
terreichischen Genomforschungsprogramms der Darstellung von Forschungsergebnissen.
GEN-AU, die nicht nur rein die Wirkung des Dies wird zudem durch die Debatte um die Re-
Programms, sondern den Status der österrei- produzierbarkeit von Forschungsdaten sowie
chischen Life Sciences Landschaft bewertete, durch sich verändernde ethische und rechtli-
sind diese strategischen Entscheidungen in che Rahmenbedingungen (z.B. Ausdehnung
den 2000er Jahren als strukturell essentiell der Aufklärungs- und Einwilligungspflichten in
für das österreichische Life Sciences Gesamt- der medizinischen Forschung, strengere Rege-
system zu bewerten und waren für die heutige lung von Tierversuchen, Datenschutz- und
internationale Sichtbarkeit entscheidend1. Datensicherheits­bestimmungen) verstärkt.

1 Technopolis (2014): Evaluierung des österreichischen Genomfor-


schungsprogramms GEN-AU unter Einbeziehung der Entwicklungen der
Die genannten Entwicklungen bzw. geänder-
Life Sciences Forschungslandschaft in Österreich ten Ansprüche führen dazu, dass sich für Life

47
Sciences Institute und Forschungseinrich- hohem Potential bottom-up auftun können
tungen die Kostenstrukturen ändern und der (Beispiele der jüngsten Vergangenheit sind
Anteil für Sachmittel und Services in Relation Epigenetik oder die CRISPR / Cas Techno-
zu den Personalkosten wächst, um einen logie). Allerdings erfordern gerade moderne,
entsprechenden experimentellen Grundbe- zukunftsweisende Forschungsfelder und neue
trieb aufrechterhalten und die benötigten Forschungsansätze wie Open Innovation /
Serviceleistungen abgelten zu können. Crowd Sourcing ein gut organisiertes, koope-
ratives Forschungsnetzwerk oder institutio-
Die notwendigen Rahmenbedingungen, nalisierte Strukturen mit kritischer Masse, um
um auf breiter Ebene exzellente Lehre und entsprechende Sichtbarkeit zu erzielen und
Grundlagenforschung in den Life Sciences im internationalen Wettbewerb mithalten zu
zu gewährleisten, sind im Wesentlichen können.
eine ausreichende Grundfinanzierung, ein
profes­sionelles Management sowie eine auf Wie die Publikationsanalysen in Kapitel 2.2.
Exzellenz ausgerichtete Organisationsstruktur zeigen, zeichnet sich die österreichische Life
und Personalpolitik. Darüber hinaus sind Sciences Forschungslandschaft durch eine
kompetitive Drittmittel für die Grundlagen- ausgeprägte Kooperationskultur mit natio-
forschung eine wichtige Komponente des nalen und internationalen Akteuren aus, die
Systems. Die durch Profilbildung eingeleitete vielfach auf der Ebene des individuellen wis-
Fokussierung ermöglicht auch künftig eine senschaftlichen Austausches und von Koope-
Veränderungsdynamik. rationsprojekten gelebt wird. Auch hinsichtlich
strategischer und Institutionen-übergreifender
Die Landschaft des akademischen Life Scien- Kooperationsinitiativen auf nationaler und in-
ces Sektors ist in Österreich heterogen und ternationaler Ebene durch österreichische Life
historisch gewachsen, mit Standorten kriti- Sciences Einrichtungen gibt es bereits einige
scher Masse und internationaler Sichtbarkeit, Beispiele. Unter anderen sind hier z.B. BIOS
und teilweise kleinteilig und selbst innerhalb Science Austria2, BioTechMed3 in Graz oder
der Standorte bzw. innerhalb der Institutionen die Kooperationscluster zwischen der Univer-
fragmentiert. Nicht zuletzt aus den bereits sität Wien und der Medizinischen Universität
genannten Gründen ist es wesentlich, eine ge- Wien oder die Platform for Advanced Cellular
samthafte Sichtweise für den österreichischen Therapies4 zu nennen. Dennoch ist weiteres
Life Sciences Lehr- und Forschungsraum zu Potenzial für die gemeinsame strategische
entwickeln, um bestmögliche Synergien an Entwicklung von Forschungsschwerpunkten
und zwischen Standorten zu erzielen, und um und –aktivitäten, insbesondere hinsichtlich
budgetäre Freiräume zu schaffen. Dies soll einer noch stärkeren Kooperation zwischen
beispielsweise für das hochschulische Lehr- dem universitären und außeruniversitären Life
bzw. Studienangebot auch durch den bereits Sciences Bereich gegeben. Open Innovation
angelaufenen Prozess „Zukunft Hochschule“ Ansätze stehen überhaupt erst am Beginn.
unterstützt werden.

Die historischen Entwicklungen geschuldete


Diversität der österreichischen Life Sciences
2 BIOS Science Austria http://www.bios-science.at
Landschaft birgt grundsätzlich die Möglich- 3 BioTechMed https://biotechmedgraz.at/
keit, dass sich neue Forschungsfelder mit 4 Platform for Advanced Cellular Therapies http://www.pact.ac.at

48 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
G R U N D L AG E N­F O R S C H U N G

Die Maßnahmen
M 1

Synergie- und Effizienzsteigerung in den Lehr- und Forschungsstrukturen der


­österreichischen Life Sciences Landschaft:
• durch Abgleich der Studienangebote und Optimierung der Aufgabenverteilung zwischen den
Hochschulen im Rahmen des Prozesses „Zukunft Hochschule“,
• durch Optimierung der institutionenübergreifenden Kooperation in der Forschung.
Die Umsetzung erfolgt insbesondere über die Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten
(2019 - 2021) und der ÖAW (2018 – 2020), sowie über den Fachhochschulentwicklungsplan
und die bereits vertraglich vereinbarten baulichen Entwicklungsmaßnahmen.

M 2

Auf zukunftsträchtige Themen in der Life Sciences Grundlagenforschung setzen:


• durch eine den budgetären Rahmenbedingungen angemessene Stärkung der k
­ ompetitiven
Grundlagenforschung,
• durch synergistische Nutzung des Aufbaus des Institute of Science and Technology Austria,
• durch die Etablierung eines Stammzellforschungszentrums am Institut für Molekulare
Biotechnologie (IMBA) / ÖAW und dessen Einbettung in den österreichischen Life Sciences
Forschungsraum,
• durch eine den budgetären Rahmenbedingungen angemessene Schwerpunktsetzung in
Personalisierter Medizin, festgehalten in den Leistungsvereinbarungen mit den medizinischen
Universitäten.

49
H A N D LU N G S F E L D

3.2. Forschungs­
infrastrukturen
DAS ZIEL: Den Zugang zu moderner, hochtechnologischer
Forschungsinfrastruktur durch Ausbau und synergistische
Nutzung von Core Facilities sichern.

50 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage Im Bereich der Life Sciences haben die
Finanzierung von Forschungsinfrastrukturen
Gerade in einem so hochkompetitiven Feld wie über das Globalbudget der Universitäten und
den Life Sciences sind moderne, hochtechno- außeruniversitären Forschungseinrichtungen,
logische Forschungsinfrastrukturen bzw. der die dreijährlich stattfindenden Ausschrei-
Zugang zu selbigen eine essentielle Grundlage bungsrunden der Hochschulraumstruktur-
für exzellente Forschung und konkurrenz- mittel, aber auch spezifische Förderungen
fähige Technologieentwicklung. Solche wie beispielsweise jene der Vienna Biocenter
Forschungsinfrastrukturen sind der Schlüssel, Core Facilities (VBCF) dazu beigetragen, die
um neue und anspruchsvolle Fragestellungen nationale Forschungsinfrastruktur im Life
zu bearbeiten bzw. Qualitätsverbesserung der Sciences Bereich zu modernisieren.
Forschung und ihrer Ergebnisse zu erzielen.
Einen umfassenden Überblick über Groß­
Das BMWFW hat diese Bedarfslage erkannt forschungsinfrastrukturen sowie etablierte
und insbesondere in den letzten fünf Jahren Core Facilities an universitären und außer­
eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, um diese universitären Forschungseinrichtungen bzw. in
zu adressieren. Die bereits unternommenen forschungsaktiven Unternehmen in Österreich
bzw. geplanten Aktivitäten sind auch im nati- leistet die Forschungsinfrastrukturdatenbank3,
onalen Forschungsinfrastruktur-Aktionsplan1 die vom BMWFW initiiert und etabliert wurde.
bzw. in der österreichischen ERA Roadmap2 Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass
verankert, und Teilschritte in der Umsetzung Einträge in die Datenbank auf freiwilliger
der FTI Strategie der Bundesregierung. Basis beruhen, scheinen für den Life Sciences
Bereich derzeit 244 Einträge zu Großgeräten
und 49 zu Core Facilities mit einem Investiti-
onsvolumen von insgesamt ca. 150 Mio. € auf.

State-of-the-art Forschungs­ Beispiele für institutionen- bzw.


infrastrukturen sind essentielle ­technologienübergreifende Life Sciences
Grundlage für exzellente F­ orschungsinfrastruktur:
­Forschung und konkurrenzfähige
­Technologieentwicklung. Zentral geleitete, technologienüber­
greifende Life Sciences Core Facilities
Ein exzellentes Beispiel für die synergistische
Anschaffung und den Betrieb von Forschungs-
infrastruktur ist die VBCF GmbH4, die für alle
Forschungseinrichtungen und auch Unter-
Zentrale Themen sind die Bereitstellung von nehmen am Campus Vienna Biocenter und
Investitionsmitteln für Forschungsinfrastruk- darüber hinaus einen professionellen Betrieb
turen und die Motivation bzw. das Setzen von von Schlüsseltechnologien gewährleistet.
Anreizen zur Etablierung von Core Facilities im Derzeit werden elf Technologieservices ange-
Sinne der Professionalisierung des Betriebs boten: Advanced Microscopy, Bioinformatics
sowie der synergistischen intra- und extra- & Scientific Computing, Electron Microscopy,
muralen Nutzung. Ebenso von strategischer HistoPathology, Metabolomics, Next Gene-
Bedeutung ist die Beteiligung an bzw. der ration Sequencing, Plant Growth Chambers,
Zugang zu europäischen Forschungsinfra- Preclinical Phenotyping, Preclinical Imaging,
strukturen. Protein Technologies, Vienna Drosophila
Research Center. Die VBCF zeichnen sich

1 Task Force FTI (2014): Österreichischer Forschungsinfrastruktur-Akti- 3 Forschungs­infrastruktur in Österreich. https://forschungsinfrastruktur.


onsplan 2014-2020 bmwfw.gv.at/de
2 BMWFW (2016): Österreichische ERA Roadmap 4 Vienna Biocenter Core Facilities. http://www.vbcf.ac.at/home/

51
durch ein professionelles Management, menten und Therapieansätzen. Die Biobanken
hohe technische Expertise sowie der der Medizinischen Universitäten Graz, Wien,
jeweiligen Technologie bzw. Servicefacility Innsbruck, der Paracelsus Medizinischen
ent­sprechende spezifische Betriebs- und Privatuniversität Salzburg sowie der Veteri-
Kosten­modelle aus. närmedizinischen Universität Wien haben sich
zu einem nationalen Netzwerk6 zusammenge-
Weitere Beispiele sind die Core Facilities des schlossen, um den Zugang zu Proben für die
Zentrums für Medizinische Grundlagenfor- Forschung zu erleichtern und Methoden und
schung (ZMF) der Medizinischen Universität Standards zu harmonisieren. Das nationale
Graz, die Core Facilities der Medizinischen Netzwerk ist Partner in der europäischen
Universitäten Wien und Innsbruck, die VetCore Forschungsinfrastruktur BBMRI-ERIC7, die
Facility der Veterinärmedizinischen Universität ihren Sitz in Graz hat.
Wien, die Equipment BOKU Vienna Institute of
Biotechnology GmbH sowie das Analytikzent- Correlated Multimodal Imaging Node
rum IFA Tulln. Austria – CMI:
CMI8 ist eine nationale Plattform von
Gefördert durch ein Hochschulraumstruk- hochtechnologischen, spezialisierten Ima-
turmittelprojekt haben die Core Facilities ging Technologien für die biologische und
der Medizinischen Universitäten Graz, Wien, bio­medizinische Forschung, deren Analyse-
Innsbruck, der Veterinärmedizinischen services interessierten Usern als Service-Pi-
Universität Wien, des Austrian Institute of pelines­aber auch als Einzeltechnologien
Technology sowie der FAW GmbH Hagenberg angeboten werden. Diese Technologien
die Life Science Core Facility Net Plattform umfassen spezialisierte Mikroskopie- und
(ICoFNET)5 gebildet. Spektrometrieverfahren, Advanced Optical
Imaging und hochauflösende, teilweise
kombinierbare Computertomografie- und
Magnetresonanz-Verfahren für die präklini-
sche Forschung sowie Unterstützung in der
Datenverarbeitung.
Graz ist Sitz des europäischen An der Plattform sind die Medizinische
Biobanken-­Netzwerks (BBMRI-ERIC). Universität Wien, die VBCF, die Technische
Universität Wien, die Veterinärmedi-
zinische Universität Wien, das AIT, die
FH Oberösterreich, sowie das Ludwig
Boltzmann Institut für Traumatologie und
das Kompetenzzentrum VRVis beteiligt.
Österreichisches Biobankennetzwerk – Diese institutionell übergreifende nationale
BBMRI.at: Plattform birgt großes Potenzial, als Knoten
Biologische Proben und die damit verbunde- in die in Verhandlung befindliche europäische
nen Daten sind eine essentielle Grundlage für Forschungsinfrastruktur Euro-BioImaging
die moderne biomedizinische und medizini- integriert zu werden.
sche Forschung zum besseren Verständnis
von Krankheitsursache, -entstehung, -verlauf 6 Biobanking and BioMolecular resources Research Infrastructure
Austria. http://bbmri.at/
sowie für die Entwicklung von neuen Medika- 7 Biobanking and BioMolecular resources Research Infrastructure -
European Resources Research Infrastructure Consortium.
http://bbmri-eric.eu/
5 Core Facility Net. 8 Correlated Multimodal Imaging Node Austria (CMI).
https://corefacilitynet.org/share/page/site/­core-facility-net/dashboard http://www.bioimaging-austria.at/web/pages/start.php

52 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Koordinationszentren für Klinische Die Herausforderungen
Studien – KKS:
Beginnend mit 2006 wurden zur Unter- Aufgrund der rasanten Weiterentwicklungen
stützung der klinischen Forschung an den und dem damit verbundenen hohen Turnover
Medizinischen Universitäten Innsbruck, Wien, der Technologien, der steigenden Investitions­
Graz und an der Paracelsus Medizinischen kosten und der Anforderungen hinsichtlich
Privatuniversität Salzburg Koordinationszen- des Personals für die Gewährleistung eines
tren für klinische Forschung9 etabliert, die professionellen Betriebs hat sich in den Life
verschiedene fachliche und administrative Sciences das Konzept von Core Facilities für
Expertise zur Verfügung stellen, um klinische den Betrieb von Großforschungs­infrastruktur
Studien gesetzes- und regularienkonform an den österreichischen Universitäten und
zu planen, durchzuführen, auszuwerten Forschungseinrichtungen grundsätzlich
und auch der Aufgabe des Monitorings durchgesetzt. Nichtsdestotrotz sehen sich
nachzukommen. Die KKS sind somit wichtige insbesondere universitäre Einrichtungen nach
Servicedrehscheiben und Anlaufpunkt für die wie vor Herausforderungen in der Umsetzung
akademische Forschungscommunity, aber dieses strukturellen Wandels der Life Science
auch für Biotech- und Pharmaunternehmen. Forschung gegenüber.
Die Zentren an den vier Standorten haben
sich zu einem durch Hochschulraumstruk- An den jeweiligen Institutionen gibt es eine
turmittel des BMWFW geförderten österrei- große Bandbreite von Organisations- und
chischen Netzwerk zusammengeschlossen, ­Managementstrukturen, Personalzuteilung,
mit dem Ziel, die Services zu verbessern, Möglichkeit des intra- und extramuralen
zu standardisieren und die Kooperation zu Zuganges sowie der Kultur von Nutzungsge-
fördern. bühren. Dies ist einerseits durch die Spezifika
gewisser Technologien und andererseits
Plattform für Bioinformatik: durch lokale, institutionelle Rahmenbedin-
Darüber hinaus wurde von der Community gungen und historisch gewachsene Struk-
eine Initiative zur Bildung einer österreichi- turen bedingt. Die am häufigsten genannten
schen Bioinformatik Plattform10 gestartet. Probleme liegen in der Frage von optimalen
Kostenmodellen sowie in der Zuteilung von
9 KKS Netzwerk Österreich. http://kks-netzwerk.at/
hochqualifiziertem Personal.
10 Plattform für Bioinformatik in Österreich. http://bioinformatik.at/
Aufgrund restriktiver Budgetrahmen werden
Core Facilities zum Teil nicht mit speziali-
sierten Staff Scientists besetzt, sondern von
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
mitbetreut, was hinsichtlich Effizienz und
Life Sciences in Zahlen Qualität der Analysen zu Reibungsverlusten
Auszug der Daten aus der BMWFW Forschungsinfrastruktur- führen kann. Aber auch die Akzeptanz von
Datenbank Nutzungsgebühren ist noch nicht komplett
vollzogen, bzw. stellt die Entwicklung von

244 49
adäquaten Kostenmodellen für unterschied-
liche Technologien und Services nach wie vor
eine Herausforderung dar, da eine Balance
Großgeräte Core Facilities zwischen der Abbildung der Realkosten,
Marktpreisen und der Geräteauslastung
gefunden werden muss.

150 Mio. €
Investitionsvolumen
In der Regel können aus den genannten
Gründen intern keine Vollkosten geltend
gemacht werden. Des Weiteren gibt es
Quelle: Forschungsinfrastruktur in Österreich.
uneinheitliche Regelungen für die Abrechnung
https//forschungsinfrastruktur.bmwfw.gv.at/de von Core Facility Leistungen bei diversen

53
Förderprogrammen, insbesondere nationalen Dazu zählen zum Beispiel spezialisierte
Förderinstrumenten versus den EU-Program- Bio-Imaging und Medical Imaging Tech-
men. Vertreterinnen und Vertreter von Biotech nologien, die Cryo-Elektronenmikroskopie
Start-Up Unternehmen stellen fest, dass User oder auch Proteomics und Metabolomics
Fee Modelle zu Vollkosten bzw. Marktpreisen Core Facilities. Als explizites Beispiel für
für sie nicht leistbar wären und würden die eine Technologie mit Potenzial zu verstärk-
Möglichkeit von entsprechend höher geförder- ter nationaler Konzentration ist die Next
ten Kooperationsprojekten mit Core Facilities Generation Sequencing (NGS) Technologie
begrüßen. hervorzuheben, da gerade im NGS Bereich
ein enormer Turnover in der Technologieent-
Im Hinblick auf eine erweiterte Effizienz- wicklung, sowie eine stetige Ausweitung von
steigerung ist für gewisse Technologien Analysekapazitäten pro Gerät stattfinden.
noch Potenzial vorhanden, synergistische Auch zeigen internationale Beispiele (z.B.
Forschungsinfrastruktur über Institutionen- SciLifeLab11 in Schweden) vor, dass die klas-
grenzen hinweg hin zu regional bzw. national sische Trennung von Forschungsanalyse und
betriebenen Core Facilities bzw. Forschungs- Diagnostik immer mehr aufgebrochen wird,
infrastrukturplattformen zu organisieren, und synergistische Nutzung von Geräten
die gegebenenfalls auch für die Anbindung durch beide Bereiche sowohl technisch als
an europäische Forschungsinfrastrukturen auch organisatorisch möglich ist.
prädestiniert wären. Für verstärkte regionale
bzw. nationale Konzentration sind insbe-
sondere Technologien geeignet, die hohe
Anschaffungskosten aufweisen bzw. einer
sehr spezialisierten Expertise bedürfen, die
nicht überall bereitgestellt werden kann. 11 www.scilifelab.se

54 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
FORSCHUNGSINFRASTRUKTUREN

Die Maßnahmen

M 3

Sicherung der internationalen Konkurrenzfähigkeit durch Förderung nationaler


Forschungsinfrastrukturen bzw. des Zugangs zu relevanten internationalen
Forschungsinfrastrukturen:
• durch einen verbesserten Überblick über möglichen Zugang zu Forschungsinf-
rastruktur durch die Forschungsinfrastruktur-Datenbank des BMWFW („FI open
for collaboration“),
• durch die Sicherung des Weiterbestands der Vienna Biocenter Core Facilities,
• durch die Entwicklung und Förderung von nationalen und regionalen Forschungs-
infrastrukturen soweit relevant im Rahmen der Leistungsvereinbarungen mit
den Universitäten, ÖAW und IST Austria bzw. der Hochschulraumstrukturmittel­
ausschreibungen,
• durch die Beteiligung an den europäischen Verhandlungen über die Etablierung
einer zukünftigen ESFRI Infrastruktur Euro-BioImaging - ERIC und Einbindung
der Austrian Bioimaging Node Initiative in dieses europäische Forschungs­
infrastrukturnetzwerk.

M 4

Verstärkung der synergistischen Nutzung von Forschungsinfrastrukturen in den


Life Sciences und Diskussion entsprechender Betriebs- und Kostenmodelle.

55
H A N D LU N G S F E L D

3.3. Big Data


DAS ZIEL: Ein zukunftsweisendes, nachhaltiges Konzept für
e-Infrastrukturen und Datenmanagement in den Life Sciences
erarbeiten.

56 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage dung dieser Daten gäbe es allerdings keinen
Fortschritt in der Medizin. Zudem wird mit
Moderne, sich rasant weiterentwickelnde der Einwilligung zur Datenverwendung für
Hochdurchsatztechnologien in den Life Scien- Forschungszwecke ein solidarischer Beitrag
ces wie Next Generation Sequencing (NGS), für die Gesellschaft geleistet.
Massenspektrometrie, bildgebende Verfahren
etc. generieren immer größere Datensätze in Die nationalen Bioinformatik Hotspots
immer kürzerer Zeit. Einhergehend mit den spiegeln mehr oder weniger die Life Sciences
technologischen Weiterentwicklungen in den Forschungslandschaft in Österreich wider.
Informations- und Computerwissenschaften Spezifische Bioinformatik Forschungsgrup-
eröffnet sich damit ein stetig wachsendes pen /­­Professuren sind an allen bedeutenden
Potenzial, große Datensätze miteinander zu Standorten implementiert, vielerorts sind
verschränken und daraus neue Erkenntnisse Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker
zu ziehen. In der medizinischen Forschung, auch in Life Sciences Forschungsgruppen
insbesondere in der Entwicklung von Perso- eingebettet. Zudem hat die VBCF eine eigene
nalisierter Medizin, bei der nicht nur „-omics“-­ Service Facility für Bioinformatik und Scientific
Daten, sondern auch Lifestyle-, klinische Computing etabliert. Entsprechend der his-
oder Therapieergebnisdaten miteinbezogen torisch gewachsenen Expertise sind auch die
werden, werden die Integration der Daten, bestehenden bioinformatischen Rechencluster
Virtualisierung und Modellierung mehr und und Speicherkapazitäten institutionsbezo-
mehr ausgelotet. gene Einzellösungen und nicht übergreifend
abgestimmt. Generell ist die Nachfrage an
zusätzlicher Bioinformatik-Expertise groß.

Die Herausforderungen
Die Anforderungen an Hard- und Software
Big Data in den Life Sciences ist sind im Gegensatz zu anderen wissenschaftli-
ein hochaktuelles Thema und chen Disziplinen mit komplexen Rechenanaly-
sen, wie etwa der Physik, in der Bioinformatik
erfordert innovative Konzepte spezifisch – es sind große Rohdatenvolumina
und leistungsfähige Infrastruktur zu bewältigen: große temporäre Speicher-
für Datenverarbeitung und ­ kapazitäten sind notwendig; ein flexibler,
permanenter Zugang ist essentiell; viele
-management. Programme, die noch dazu einer ständigen
Dynamik unterliegen, müssen gleichzeitig
vorgehalten werden; diverse Datenbanken
werden zum Abgleich benötigt.

Durch den stetig steigenden Bedarf an


In dieser Entwicklung müssen Fragen des Kapazitäten wird evident, dass das bisherige
Datenschutzes und der Datensicherheit System von Insellösungen für Rechen- und
berücksichtigt werden. Hinsichtlich Open Speicherkapazitäten, aber auch für Datenma-
Data ist zu beachten, dass Gesundheits- bzw. nagement nicht mehr zeitgemäß und effizient
Krankheitsdaten als sensible Daten gelten und ist. Somit stellt sich die Herausforderung,
daher besonderen ethischen und rechtlichen ein zukunftsweisendes, nationales Konzept
Bestimmungen unterliegen. Ohne Verwen- für e-Infrastruktur zu entwickeln, das nicht

57
nur spezifisch von der Bioinformatik und das Datenmanagement von Life Sciences
Computer Scientist Community gestaltet Daten („-omics“-Daten), aber auch andere
wird, sondern auch User Communities und ESFRI Infrastrukturen wie BBMRI (klinische
assoziierte Datenquellen miteinbezieht. Forschungsdaten) und Euro-BioImaging
(Imaging-Daten) sind Infrastrukturen mit
Das Konzept sollte Lösungen für sichere erheblicher Datenrelevanz.
und synergistisch genutzte Hard- und
Softwaresysteme, für Datenspeicherung Mit Verabschiedung der EU General Data
und –management von unterschiedlichen Protection Regulation im Mai 2016 wurden
Datenformaten (genomische Daten, klinische die Datenschutzbestimmungen auch
Forschungsdaten, Bildgebungsdaten, etc.) bezüglich der Nutzung von Daten zu For-
im Sinne von Open Data und Open Access schungszwecken in den EU Mitgliedsstaaten
beinhalten. Ebenso soll es die Standar- harmonisiert und sind bis Mai 2018 in den
disierung und Harmonisierung von Daten nationalen Rechtsrahmen einzubetten. Es
inkludieren und dabei national bestehende besteht die Herausforderung, eine sinnvolle
Plattformen und datenintensive Forschungs- Balance zwischen den Interessen des
infrastrukturen (Bioinformatik Plattform, Datenschutzes und der Forschung zu finden.
Complexity Science Hub Vienna, Biobanken Die regulatorischen Rahmenbedingungen
Netzwerk BBMRI.at, Imaging Plattform, NGS sind so zu gestalten, dass Datenschutz von
Plattformen) berücksichtigen. personenbezogenen Daten ausreichend ge-
geben ist, und gleichzeitig Daten für moderne
Hinsichtlich der Bioinformatik und des Ansätze der Life Sciences, insbesondere
Datenmanagements sind internationale der medizinischen Forschung herangezogen
Entwicklungen zu beachten, und die Anbin- werden können. Diesbezüglich besteht
dung an relevante europäische Forschungs- Abstimmungsbedarf mit dem Bundeskanz-
infrastrukturen (ELIXIR, BBMRI, Euro-Bio­ leramt, das für die legistische Umsetzung
Imaging) zu suchen. ELIXIR ist die spezifische der EU General Data Protection Regulation
europäische Forschungsinfrastruktur für zuständig ist.

58 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
B I G DATA

Die Maßnahmen

M 5

Berücksichtigung von neuen Entwicklungen von e-Infrastrukturen in den


Life Sciences und der medizinischen Forschung im Rahmen der zukünftigen
Leistungsvereinbarungen. Entwicklung eines nationalen Konzepts für
e-Infrastrukturen in den Life Sciences und der medizinischen Forschung durch
die Life Sciences Community. Dieses Konzept soll die Prinzipien von Open
­Access und Open Data inkludieren, die Einhaltung der geltenden Datenschutz­
bestimmungen und des jeweiligen strategischen Umgangs mit geistigem Eigen­
tum und dessen Verwertung berücksichtigen.

M 6

Einbringung forschungsrelevanter Punkte in die legistische Umsetzung


der Verordnung (EU) 2016/679 „Datenschutz-Grundverordnung“ auf
nationaler Ebene.

M 7

Prüfung einer österreichischen Mitgliedschaft in der ESFRI Infrastruktur


ELIXIR und der Beteiligungen an anderen europäischen und internationalen
Netzwerken.

59
H A N D LU N G S F E L D

3.4. Personalisierte
Medizin
DAS ZIEL: Eine bessere Koordination von Forschungsaktivitäten und
-strukturen im Bereich Personalisierte Medizin auf nationaler Ebene
und im Zusammenhang mit internationalen Initiativen einführen.

60 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage risierung versteht sich Personalisierte Medizin
als das Konzept, die richtige therapeutische
Personalisierte Medizin als eine der Strategie zur richtigen Zeit an die jeweilige
aktuellsten und zukunftsweisendsten Person anzupassen, bzw. die Prädisposition
Strömungen in der medizinischen Forschung für Erkrankungen individuell zu erkennen und
steht im Fokus nationaler und EU-weiter die entsprechenden Präventionsmaßnahmen
bzw. internationaler Aktivitäten. So werden zu setzen. Dadurch – so die Vision – können
neben zahlreichen Forschungsinitiativen in zukünftig medizinische Interventionen
vielen Ländern (Deutschland, Vereinigtes wesentlich wirkungsvoller eingesetzt oder
Königreich, Luxemburg, Kanada, USA) auch Erkrankungen präventiv besser vorgebeugt
länderübergreifend strategische Vorhaben werden. Belastungen für Betroffene sind
zum Themenkomplex vorangetrieben, z.B. dadurch reduziert und das Gesundheitssystem
wurde auch das Programm der gesell- ist entlastet.
schaftlichen Herausforderung „Gesundheit,
demografischer Wandel und Wohlergehen“ Auf Grund der hohen Komplexität und
im EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon der Tragweite der Implikationen über die
2020 von der Europäischen Kommission unter Forschung hinaus stellt das Konzept „Per-
das Motto „Personalising Health and Care“ sonalisierte Medizin“ hohe Anforderungen
(Personalisierung von Gesundheit und Pflege) an Entwicklung, Pharmaindustrie, Gesund-
gestellt. heitsversorgung und Verwaltung, sowie an
den Wissenstransfer in die Gesellschaft.
Die Entwicklung und Anwendung Personali-
sierter Medizin bedingt unter anderem eine
breite Zusammenarbeit unterschiedlichster
Wissenschaftsdisziplinen (Medizin, Genetik,
Durch nationale Vernetzung Molekularbiologie, Epidemiologie, Bioinfor-
die Expertise in Personalisierter matik und Computerwissenschaften, Gesund-
­Medizin bündeln und die An­ heitsökonomie, Sozialwissenschaften u.a.) von
der Grundlagenforschung, translationaler und
schlussfähigkeit an internationale klinischer Forschung bis hin zur Anwendung.
Initiativen sichern. Gleichzeitig sind strategische Überlegungen
hinsichtlich der Etablierung bzw. des Zu-
sammenspiels von Forschungsinfrastruktur,
Kooperation zwischen akademischer und
Unternehmens­forschung, Abstimmung von
Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit, Politiken und der Anpassung regulatorischer
die auf Hochdurchsatzanalysen ausgerichtet Gegebenheiten notwendig.
sind, insbesondere die Genomsequenzierung,
aber auch andere „-omics“ Technologien
ermöglichen systemische Verknüpfungen, Die Herausforderungen
die es der Personalisierten Medizin erlauben,
in Kombination mit Informationen zu Le- Aufgrund der Implikationen der Personalisier-
bensumständen, Life Style, klinischen Daten ten Medizin auf unterschiedliche Politikfelder
etc. Auswirkungen individueller molekularer und der damit verbundenen Herausforderung
Gegebenheiten auf die Gesundheit bzw. in der Realisierung des Konzepts muss die
den Krankheitsverlauf eines Individuums Entwicklung der Personalisierten Medizin als
einzuschätzen. Auf Basis der individuellen kontinuierlicher Prozess gesehen werden.
genotypischen und phänotypischen Charakte- Ausgehend von den technologischen Möglich-

61
keiten ist nach wie vor die Forschung gefor- intensiviert und optimiert wird. Dies betrifft
dert weitere Erkenntnisse zu liefern sowie in die koordinierte inter- und transdisziplinäre
Machbarkeits- bzw. Pilotstudien die Vorteile Zusammenarbeit von Grundlagen-, klinischer
des Konzepts und die Möglichkeit von Wir- und Unternehmensforschung, die Ausweitung
kungs- und Effizienzsteigerungen von Präven- der Forschung auf weitere medizinische
tions-, Diagnose- und Therapiemaßnahmen Fachbereiche über die Onkologie hinaus, die
zu demonstrieren. Dennoch ist die Umsetzung Verstetigung und Synchronisation der Infra-
in den klinischen Alltag und die begleitende strukturplattformen, sowie die Einbeziehung
Implementierung in das Gesundheitssystem von Patientinnen- und Patientengruppen und
im Auge zu behalten. der Bevölkerung in den Prozess.

Die österreichische Forschung im Bereich Nationale Vernetzung ist auch ein Hebel für
Personalisierte Medizin kann in einzelnen eine stärkere internationale Sichtbarkeit der
Fachbereichen (z.B. Onkologie, Systemmedi- nationalen Forschungsleistungen in diesem
zin, Pharmakogenetik) bereits auf erfolgreiche Feld. Dies ist insofern wesentlich, da auf inter-
Projekte, Aktivitäten und Vernetzungsinitiati- nationaler Ebene Programme und Initiativen
ven im Bereich der Infrastruktur (Biobanken in mehreren Ländern gestartet werden, und
Netzwerk BBMRI.at, Austrian Bioimaging sich damit die Herausforderung stellt, die
Plattform, Bioinformatik Plattform) verweisen. nationalen bestmöglich mit europäischen /
Darüber hinaus gibt es großes Entwicklungs- internationalen Aktivitäten abzustimmen bzw.
potenzial, das nur dann bestmöglich gehoben gute Voraussetzungen für Forschungskoope-
werden kann, wenn das Zusammenspiel rationen zu schaffen.
aller relevanten Stakeholder und Strukturen

62 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
PERSONALISIERTE MEDIZIN

Die Maßnahmen

M 8

Förderung einer nationalen Vernetzungsplattform für


Personalisierte Medizin.

M 9

Teilnahme des BMWFW am International Consortium for


Personalized Medicine – IC PerMed zur Verbesserung des
Alignments von Forschungsinitiativen zu Personalisierter
Medizin in den EU Mitgliedsstaaten.

63
H A N D LU N G S F E L D

3.5. Klinische
Forschung
DAS ZIEL: Die Attraktivität des klinischen Forschungsstandortes
Österreich sichern.

64 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage Zugang zu den allerneuesten Therapien und
ist für verbesserte Therapie­ansätze entschei-
Klinische Forschung unter Einbindung von dend. Festzuhalten ist, dass die Patientinnen
Patientinnen und Patienten, deren biologi- und Patienten durch ihre Teilnahme einen
schen Proben bzw. Daten oder gesunden Beitrag zur Weiterentwicklung der Medizin
Probandinnen und Probanden ist ein grund- und damit zum Wohle der Gesellschaft leisten.
legendes Element des Erkenntnisgewinns, Darüber hinaus ist mit klinischer Forschung
der Weiterentwicklung und Innovation in der auch ein relevanter volkswirtschaftlicher
Medizin und Pharmazie. Ohne sie gäbe es Aspekt verbunden, da für deren Durchführung
keine Wissenserweiterung über die Ursachen ein komplexes Zusammenspiel einer Reihe von
und Entstehung von Krankheiten, keine Qualifikationen (Pharmazie, Medizin, Biost-
neuen Arzneimittel, Medizinprodukte oder atistik, Pflege, Management, Ethik, Recht,
Therapieansätze. Verwaltung etc.) und damit eine beträchtliche
Zahl an hochqualifizierten Arbeitskräften
benötigt wird.

Klinische Studien müssen nach höchsten


ethischen, rechtlichen und wissenschaft-
lichen Standards durchgeführt werden.
Insbesondere klinische Prüfungen nach
Österreich ist ein attraktiver Arzneimittelgesetz (AMG) und Medizinpro-
klinischer Forschungsstandort duktegesetz (MPG) unterliegen umfangrei-
mit qualifiziertem klinischen und chen rechtlichen Bestimmungen, die im Sinne
der Sicherheit der Studienteilnehmerinnen
administrativen Personal, guten und Studienteilnehmer und der Evidenz der
Strukturen und entsprechender Forschungsergebnisse hohe Anforderungen
Ausstattung und Infrastruktur. an die Durchführung stellen. Sie bedürfen
der Genehmigung durch das Bundesamt für
Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG /
AGES). Ein positives Votum der zuständigen
Ethikkommission ist Voraussetzung für die
Durchführung jeglicher klinischen Forschung
mit gesunden oder kranken Menschen,
Sie umfasst die Prüfung der Wirksamkeit, Probandenmaterial oder Patientinnen- und
Verträglichkeit, Sicherheit und Therapieop- Patientenndaten.
timierung neuer oder bereits zugelassener
Arzneimittel oder Medizinprodukte, die Österreich ist ein sehr aktiver klinischer
Anwendung neuer medizinischer Methoden, Forschungsstandort, wobei zwischen Indus-
Gen-Untersuchungen, die Einrichtung von trie- und akademisch getriebener klinischer
Biobanken und Register sowie retrospektive Forschung unterschieden werden muss. 2013
und Beobachtungsstudien. wurden bei den österreichischen Ethikkom-
missionen 3020 Neuanträge1 gestellt. Davon
Der Erhalt des aktiven klinischen Forschungs- waren 28 % kommerzielle Studien. Daraus
standortes Österreich ist von großer wissen-
schaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung. 1 Multizentrische Studien werden bei jeder Kommission (Leitkommissi-
Im Sinne der Patientinnen und Patienten, im onen und lokale Ethikkommissionen), bei der sie eingereicht werden, als
Neuantrag gewertet und sind in der Statistik mehrfach gezählt.
Interesse der Medizin und der Gesundheits- Forum österreichischer Ethikkommissionen (2013): Tätigkeitsbericht
versorgung gewährleistet klinische Forschung Österreichischer Ethikkommissionen – 2013

65
lässt sich ableiten, dass in Österreich ein akademisch getrieben. Mit 46% machen
erheblicher Teil der klinischen Forschung unter die ­Phase III Studien den größten und mit
akademischer Leitung („investigator-driven“) 11% Phase I Studien den kleinsten Anteil
stattfindet. der Anträge aus. Etwas über zwei Drittel
der klinischen Studien sind multinational,
Etwa 27% der Anträge bezogen sich auf der Rest wird ausschließlich in Österreich
Arzneimittelstudien, 10% betrafen Medizinpro- durchgeführt. Die Gesamtzahl der Anträge
dukte und 63% befassten sich mit sonstigen ist über die vergangenen Jahre unter
Untersuchungen. Bei Letzteren handelte es Berücksichtigung der Schwankungen leicht
sich mehrheitlich um retrospektive Studien, rückläufig (Abbildung 23).
low-risk Studien im Rahmen von Diplomar-
beiten / Dissertationen, Biobanken, Register- Derzeit erarbeitet der österreichische
oder genetische Studien. 82% dieser sonstigen Wissenschaftsrat eine Stellungnahme und
Studien wurden von Instituten der medizini- Empfehlungen zu Klinischer Forschung in
schen Universitätsstandorte eingereicht. Österreich (voraussichtlicher Erscheinungs-
termin Oktober 2016).
Von den Arzneimittelstudien waren ca.
70% Industrie-gesponsert und etwa 30%

Abbildung 23: Anträge für klinische Arzneimittelprüfungen


Anzahl der in Österreich beantragten klinischen Arzneimittelprüfungen von 2006 bis 2015

400

300

200

100

0
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015

Quelle: BASK / AGES (2015): Klinische Prüfungen: Statistik 2015

66 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Herausforderungen auf EU-Ebene neue regulative Bestimmungen
für Medizinprodukte und in-vitro Diagnostika
In Anbetracht der leicht sinkenden Anträge verhandelt, deren Beschlüsse abzuwarten
in Bezug auf Arzneimittelstudien muss sich sind, aber letztendlich in der Implementierung
der klinische Forschungsstandort Österreich des Prinzips von Leitethikkommissionen für
durchaus die strategische Frage stellen, wie Medizinproduktestudien enden sollten.
der Standort attraktiv gehalten werden kann.
Dazu ist es wichtig, bei allen Akteuren das Der klinische Forschungsstandort Österreich
Bewusstsein zu schaffen, dass die Auswahl zeichnet sich insbesondere durch eine
von klinischen Studienstandorten bei global überdurchschnittlich gute Ausstattung der
agierenden Pharmaunternehmen einem Spitäler, der Verfügbarkeit von hochqua-
internationalen Wettbewerb unterliegt. Bei der lifiziertem Ärzte- und Pflegepersonal, die
Auswahl von Studienstandorten bzw. -zentren gute Zusammenarbeit mit der Behörde, gute
sind für Pharmaunternehmen insbesondere Verkehrsanbindungen und durch ein gutes
Faktoren wie schnelle Umsetzbarkeit, Verläss- Bildungsniveau der Studienteilnehmerinnen
lichkeit, Patientinnen- und Patientenzahlen und Studienteilnehmer aus. Noch hat Öster-
und Qualität ausschlaggebend. reich im Gegensatz zu anderen europäischen
Staaten einen gewissen Standortvorteil durch
vergleichsweise kurze Fristen bei den behörd-
lichen Genehmigungsprozessen.

Mit der europäischen Harmonisierung


EU-weite Regularien, komplexe der Genehmigungsfristen durch die 2014
Prozesse und die Vielzahl der in verabschiedete und ab 2018 umzusetzende
klinischer Forschung involvierten EU Clinical Trials Regulation geht dieser
Standortvorteil verloren. Als Konsequenz
Akteurinnen und Akteure ­ müssen österreichische Studienzentren ein
be­dürfen verbesserter Schnitt­ stärkeres Wettbewerbsverständnis entwickeln
stellen zum gegenseitigen und sich durch die Optimierung von Prozessen
und der Vertragsgestaltung sowie bei der
Informations­austausch und zur verlässlichen Rekrutierung der zugesagten
Prozess­optimierung. Zahl an Probandinnen und Probanden besser
positionieren. Dies stellt allerdings vor dem
Hintergrund von restriktiver werdenden
Rahmenbedingungen im klinischen Versor-
gungsalltag, unter anderem auch durch die
Zeit ist tatsächlich einer der entscheidendsten neue Regelung der Dienstzeiten des ärztlichen
Faktoren bei der Entwicklung von Arzneimit- Personals in Krankenanstalten (KA-AZG), eine
teln. Je länger die Entwicklungszeit – und große Herausforderung dar.
die Phasen der klinischen Prüfung eines
Arzneimittels benötigen einen Großteil Durch die EU Clinical Trials Regulation wird
dieser Entwicklungszeit – desto weniger Zeit sich zudem der behördliche Genehmigungs-
verbleibt nach der Marktzulassung für das prozess von klinischen Studien sowohl für den
Erreichen des Break-Even-Punktes vor dem Sponsor als auch für die Behörde komplexer
Ablaufen des Patents. gestalten und eine noch professionellere
Handhabe in der Antragsvorlage und -verwal-
Der Medizinproduktesektor sieht sich einer tung abverlangen. In dieser Hinsicht kommt
weiteren Herausforderung gegenüber, da auf den Koordinationszentren für Klinische Stu-
nationaler gesetzlichen Ebene im Gegensatz dien (KKS-Zentren) sowie in der Klinik einge-
zum Arzneimittelgesetz das Prinzip von betteten Study Nurses in ihrer Unterstützung-
Leitethikkommissionen nicht vorgesehen ist, und Serviceleistung mit Know-how, Expertise,
was die Umsetzung von multizentrischen Management und in der Administration eine
Studien erschwert. Allerdings werden derzeit immer bedeutendere Rolle zu. Die Services der

67
KKS-Zentren werden besonders von Seiten Darüber hinaus gewinnen gut organisierte
der akademischen Forschungscommunity Strukturen und Netzwerke, wie die Austrian
aber auch von Unternehmensseite als essen- Breast & Colorectal Cancer Study Group
tielle Serviceeinrichtungen wahrgenommen. (ABCSG) oder die Organisation Kinderarz-
Hierbei wird das volle Leistungsspektrum als neiforschung (o.k.ids), die nationale und
wichtig und erhaltenswert erachtet. Ein zu- internationale Kooperation fördern und
sätzlicher Bedarf an Unterstützung im Bereich als Sponsor für multizentrische Studien
Biostatistik wurde von der Forschungscom- agieren, an Bedeutung, da zunehmend
munity besonders hervorgehoben und dieses akademisch getriebene klinische Studien
Anliegen auch seitens des FWF bekräftigt, der nur so in überschaubaren Zeiträumen,
als häufige Beanstandung im Peer-Review von professionell, effizient, mit ausreichender
Projektanträgen des KLIF Programms man- Finanzierung und international kompetitiv
gelhaftes Studiendesign sowie ungenügende realisierbar sind.
statistische Aussage nennt.

68 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
KLINISCHE FORSCHUNG

Die Maßnahmen

M 10

Etablierung einer gemeinsam durch BMWFW und BMGF


koordinierten Arbeitsgruppe zu klinischen Studien
unter Einbindung aller Stakeholder zur Stärkung des
klinischen Forschungsstandortes Österreich (mögliche
Themenschwerpunkte: Regulation, Ausbildung, Vertrags­
gestaltung, Gebühren für klinische Studien, etc.).

M 11

Unterstützung der Vernetzung der Koordinationszentren


für Klinische Studien (KKS-Zentren).

69
H A N D LU N G S F E L D

3.6. Wissenschafts-
Wirtschafts­
kooperation &
Translation
DAS ZIEL: Die Translation von Erkenntnissen aus der Life Sciences
Grundlagenforschung in die Anwendung effektiv und effizient gestalten.

70 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage Auch die Forschungsträgerorganisationen
Christian Doppler Forschungsgesellschaft
Die Kooperation von akademischer Forschung (CDG) und die Ludwig Boltzmann Gesell-
und der Industrie sowie die Überleitung schaft (LBG), die zur Stärkung der Position
von Forschungsergebnissen in marktfähige Österreichs als Forschungsstandort forciert
Produkte sind für Innovation von größter werden, bieten optimale Voraussetzungen für
Wichtigkeit. Die Translationsforschung ist ein Wissenschafts-Wirtschaftskooperationen.
kontinuierlicher Austausch verschiedener For- Obwohl die CD-Labors thematisch offen
schungsbereiche, der die Weiterverarbeitung sind, stieg von 2000 bis 2015 der Anteil
von Ergebnissen in die Anwendung beschleu- der Labors, die in den Life Sciences oder
nigt. Universitäten, Forschungseinrichtungen, Medizinanwendungen aktiv sind, von 6% der
Kliniken und die Industrie arbeiten dabei in damals insgesamt 18 Labors auf nahezu ein
gemeinsamen Projekten zusammen. Transla- Drittel (30%) der 73 im Jahr 2015 aktiven
tion braucht eine starke Grundlagenforschung CD-Labors (vgl. Abbildung 24).
und als Kooperationsbasis gut aufeinander
abgestimmte Incentive-Strukturen für For- Die LBG wurde 2002 erfolgreich umstruk-
schung und industrielle Entwicklung. turiert und dadurch die internationale
Sichtbarkeit deutlich erhöht. Der Anteil der
Institute und Cluster mit Life Sciences- oder
Medizinbezug lag 2015 bei 72% der insgesamt
18 Einrichtungen.
Instrumente zur Unterstützung Mit dem Programm „Wissenstransferzentren
von Wissenschafts-Wirtschafts­ und IPR-Verwertung“ des BMWFW wurde
kooperation sind eine anerkannte die Expertise zur Verwertung von geistigem
Eigentum an den Forschungseinrichtungen
Stärke der österreichischen gestärkt. Durch diese Initiative wurden 2014
­Förderlandschaft. drei regionale Wissenstransferzentren (Ost,
Süd und West) sowie ein thematisches
Wissenstransferzentrum für Life Sciences
geschaffen, um den Wissenstransfer von der
Wissenschaft in Wirtschaft und Gesellschaft
Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und weiter zu intensivieren.
Wirtschaft wird in Österreich hervorragend
unterstützt, und die Förderinstrumente sind
gut ausgebaut. Einen maßgeblichen Anteil Die Herausforderungen
daran haben zweifellos die umfassenden
FTI-Kooperationsprogramme der FFG wie In der Funktionalität und Durchführung von
COMET, die Research Studios Austria (RSA) Kooperationen, in denen oft die grundsätzlich
und die Laura Bassi Zentren mit einem zu- verschiedenen Herangehensweisen der
sätzlichen Schwerpunkt auf Frauenförderung, Wissenschafts- und Wirtschaftssphären
sowie die Translationsprogramme BRIDGE Reibungsverluste verursachen, gibt es Ver-
Frühphase und BRIDGE 1, die in den vergan- besserungspotenzial. Dabei gilt es, die intrin-
genen Jahren auf- und ausgebaut wurden sischen Strukturen verschiedener Akteure und
und zum Teil als internationale Vorbilder Organisationen besser aneinander anzupassen,
gelten. Um Inkubatoren und junge Start-Ups um Kooperationen effektiver durchzuführen.
noch umfassender zu unterstützen, wurde Auch die äußeren Settings für eine fruchtbare
2015 das Pilotprogramm Jump Start der aws Zusammenarbeit können besser gestaltet
initiiert. Neben diesem neuen Programm sind werden. Ebenso werden in der Translation
die technologischen Gründungsprogramme von Grundlagenforschung zur angewandten
PreSeed und Seedfinancing der aws bewährte Forschung Lücken in der Definition eines
Instrumente für Gründungs- und Unterneh- medical needs sowie in der Projektumsetzung
mensaufbau. festgestellt, die es zu schließen gilt.

71
Abbildung 24: Christian Doppler Labors Die sehr gute Grundlagenforschung in
Steigerung der Anteile (%) der CD-Labors in den Life Österreich ist daher noch kein Garant für
­Sciences / Medizin / Gesundheit an der insgesamt eine erfolgreiche Produktentwicklung. Meist
­zunehmenden Anzahl der Labors der CDG seit 2000 sind nur rund 10% der aus der akademischen
Forschung identifizierten Targets überhaupt
für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung
6% Anteil der CD-Labors in 30% verwertbar. Nicht zuletzt deshalb ist die koor-
2000 den Life Sciences 2015 dinierte Weiterentwicklung eines nationalen
Projektportfolios für die frühe translationale
Phase höchst wünschenswert.
80 73
Anzahl der CD-Labors 61 Dem Defizit in der Förderung des proof of
60
principle in der Grundlagen-nahen Translation
37 wurde mit dem Translational Programm des
40
18
FWF bis 2012, der BRIDGE Frühphase der
20 FFG, in der 30% der Anträge aus den Life
Sciences kommen, und in einem bescheidene-
0
2000 2005 2010 2015 ren Ausmaß durch die CDG in Kooperation mit
Quelle: CDG
dem FWF mittels des Programms Partnership
in Research (CDG –PiR) begegnet.
Die Art der wissenschaftlich-wirtschaftlichen
Zusammenarbeit stellt einen der wich- Zur Abdeckung der Erfordernisse der indust-
tigsten Erfolgsfaktoren für Innovation dar. riellen Weiterentwicklung von akademischen
Beispielsweise gibt es in der Biotechnologie Forschungsergebnissen im Bereich Life
enorm viele Akteure, die interdisziplinär Sciences und der Entwicklung innovativer Arz-
zusammenarbeiten müssen, aber dennoch neimittel wird basierend auf den Ergebnissen
fehlt es an Personen, die einen profunden des Pilotprojekts Wissenstransferzentrum Life
Überblick über das ganze Feld besitzen. Sciences bereits ein detaillierter Businessplan
Trotz punktuell exzellenter Zusammenarbeit zur Konzeption eines Translational Research
von Grundlagenforschung und Wirtschaft Center (TRC) ausgearbeitet, für das sich eine
beispielsweise in den Kompetenzzentren, große Mehrheit der Stakeholder ausspricht.
CD-Labors und Instituten der LBG ist die Das TRC soll Ergebnisse der Grundlagenfor-
wissenschaftlich-wirtschaftliche Zusammen- schung, die ein vielversprechendes Potenzial
arbeit noch verbesserungsfähig: u.a. stellt die für die Entwicklung marktfähiger innovativer
Reproduzierbarkeit der Daten aus der Grund- Arzneimittel besitzen, identifizieren und die
lagenforschung als Grundvoraussetzung für frühe Entwicklungsphase einer kommerziellen
Kooperation und Translation bei der Validie- Nutzung einleiten. Das geplante TRC sollte
rung von Projektvorhaben oft ein Hindernis dabei der Industrie als one-stop-shop für
dar. Dieses Missverhältnis liegt an intrinsisch biomedizinische Innovationen „Made in
unterschiedlichen Zielsetzungen und daraus Austria“ und den österreichischen Universitä-
resultierenden Herangehensweisen der ten und Forschungsinstituten als verlässlicher
Forschenden im universitären und industriellen Entwicklungspartner dienen.
Sektor. Der Kostendruck in der Industrie
verlangt viel mehr eine „early-stop-loss“-Kul-
tur, also das rasche Abbrechen und Aufgeben
von nicht erfolgversprechenden Vorhaben,
die der akademischen Arbeitskultur so nicht
entsprechen.

72 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
W I S S E N S C H A F T S-W I R T S C H A F T S KO O P E R AT I O N
U N D T R A N S L AT I O N

Die Maßnahmen

M 12

Errichtung eines Translational Research Centers (TRC) mit Fokus auf medizinische
Biotechnologie mit Ko-­Finanzierung der Industrie.

M 13

Verlängerung des CDG-Partnership in Research (CDG-PiR) Programms beim FWF.

M 14

Bewerbung des geplanten Programms „Gründungsfellowships“ für die


­akademische Ausgründung im Life Sciences Bereich.

M 15

Prüfung der Initiierung eines weiteren Wissenstransferzentrums für innovative


Medizintechnologie.

73
H A N D LU N G S F E L D

3.7. Unternehmen
DAS ZIEL: Exzellente Bedingungen für den Standort schaffen.

74 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage zeichnen sind, ändert sich die Relation v.a. in
der Anzahl der Unternehmen. Bezogen auf die
Die Life Sciences Branche wurde in Öster- Bevölkerungszahl besitzt Österreich weit mehr
reich durch die Unterstützung der Gründung Unternehmen und hat um etwa 40% höhere
von zumeist als Spin-Out österreichischer F&E Ausgaben als Deutschland, während die
Universitäten oder der als Spin-Offs Umsätze und Beschäftigungszahlen um etwa
entstandenen österreichischen Unterneh- 40% bzw. 10% niedriger sind und unter der
men systematisch aufgebaut und deren Gleichheitslinie (100%) liegen (vgl. A­ b­bildung
weitere Entwicklung mittels ausgeprägter 25).­Hier werden die unterschiedlichen Struk-
Kooperations-, Technologietransfer- und turen Deutschlands und Österreichs offenbar,
Folgefinanzierungsprogramme gefördert. Der die in ihrer Ausprägung im Vergleichszeitraum
Biotechnologiesektor wächst in Österreich tendenziell zunehmen: durch das Wachstum
noch stärker als der gesamte Life Sciences allein der letzten vier Jahre stieg die Anzahl
Sektor (vgl. auch Abbildung 5). Dies gilt im der Unternehmen pro Kopf in Österreich viel
Besonderen für die Anzahl der Unternehmen stärker und beträgt mittlerweile (2014) fast
und deren Beschäftigte. Dabei zeigen sich das Doppelte von Deutschland (190%). Die
im internationalen Vergleich signifikante Relation der Umsätze und Beschäftigungszah-
strukturelle Unterschiede der Life Sciences len blieb hingegen nahezu gleich bzw. nahm
Unternehmen, die einerseits in der Unter- der Unterschied um nur jeweils 2 Prozent-
punkte zu. Die stark schwankenden F&E
Ausgaben zeigen in diesem relativen Bezug
keinen charakteristischen Zeitverlauf.
In Österreich wurde ein dynami­ Ganz offensichtlich entwickelt sich hier Öster-
sches Umfeld geschaffen, das den reich durch die anhaltende Gründung erfolg-
Life Sciences Unternehmen gute reicher Start-Ups noch weiter in die Richtung
kleiner, spezialisierter und forschungsinten­
Standortbedingungen sichert und siver Unternehmen mit hohem Potenzial.
Raum für Wachstum bietet. Diese weisen derzeit geringe Umsätze auf
bzw. besteht deren volkswirtschaftlicher Wert
gegenwärtig noch im Know-How der Firmen
und kann nicht zeitnah in Umsätze durch den
Verkauf von Produkten transferiert werden.
nehmensfinanzierung1 und andererseits im Diese Entwicklung ist, den vorhandenen
Geschäftsfeld liegen, die aber auch dem Strukturen entsprechend, als sehr positiv
industriellen Umfeld geschuldet sind, weshalb anzusehen. Aus volkswirtschaftlicher und
sich ausländische Erfolgsmodelle nicht sozioökonomischer Sicht, und im Sinne einer
einfach auf Österreich übertragen lassen. Reifung der Branche sollte sich eine Balance
Diese Aus­gangslage wird durch den ange- aus forschenden, produzierenden und inno-
stellten Vergleich der dedizierten Biotech- vativen Dienstleistungsunternehmen, welche
nologieunternehmen der DACH Länder in auch entsprechende Umsätze lukrieren und
Kapitel 2.2. illustriert, bzw. zeigt sich auch im Arbeitsplätze schaffen können, entwickeln.
direkten Strukturvergleich mit Deutschland
(Abbildung 25). Etwas anders als die Biotechnologie ist in
Österreich die wesentlich reifere Medizin-
Obwohl in beiden Volkswirtschaften in den technikbranche aufgestellt, die bei einer
Jahren 2010 bis 2014 Zuwächse in der Anzahl ähnlichen Anzahl von Unternehmen mit einer
der Unternehmen und der Umsatzhöhe zu ver- generell höheren Beschäftigtenzahl viel
höhere Umsätze erwirtschaftet. 2014 hatte
1 Österreich liegt mit einem Risikokapital-Anteil von nur 12% weit
ein durchschnittliches dediziertes Medizin-
hinter Deutschland und der Schweiz (vgl. auch 2.2.). Eine im Vergleich technik-Unternehmen 10,6 Mio. € Umsatz, ein
ausgeprägte staatliche Förderlandschaft von 24% (gegenüber 13% (DE)
bzw. 4% (CH)) kann diese Lücke zwar schließen, dieser Kompensation
Biotech-Unternehmen 1,7 Mio. €. Obwohl die
sind allerdings Grenzen gesetzt. Branche im Vergleich zur Biotechnologie eine

75
viel geringere Forschungsquote von nur 10% derungen, v.a. in der Finanzierung. Während
verzeichnet, liegt diese dennoch beim Doppel- die Kapitalisierung in der Frühphase durchaus
ten anderer innovativer Industrien, wie z.B IKT gut funktioniert, bestehen hingegen Probleme
oder der Automobilindustrie. vor allem bei der Finanzierung der Expansi-
onsphase. Dafür ist eine höhere Einbindung
Eine Veränderung der für Österreich typischen von Privatkapital und / oder von institutionel-
Industriestruktur kann und wird nur langfristig lem Venture-Capital (VC) im Speziellen nötig.
erfolgen. Ein gezieltes Eingehen auf die Zwar sind VC Investitionen derzeit weltweit
speziellen Bedürfnisse sowohl der Start-Ups steigend2, aber im Vergleich zu den USA in der
als auch der wachsenden Unternehmen bleibt EU immer noch ein substantielles Problem.
daher auch zukünftig essentiell und stellt eine Das Fehlen von Investorinnen und Investoren
Investition in die Zukunft dar. stellt in Österreich ein besonderes Problem
dar. Insgesamt gilt es, das Potenzial des
nationalen und internationalen Kapitalmarktes
für österreichische Life Sciences Gründungen
Abbildung 25: Strukturvergleich Österreich und Deutschland zu heben.
Anzahl, Umsätze, F&E Ausgaben und Beschäftigungszahlen der
dedizierten Biotechnologie Unternehmen pro Kopf der Bevöl- Besondere Aufmerksamkeit muss einer stän-
kerung. Die 100% Linie entspricht einer strukturellen Gleichheit digen Verbesserung der Standortbedingungen
der beiden Länder, Werte >100% drücken eine höhere Quote für Life Sciences Unternehmen zukommen,
österreichischer Unternehmen aus, <100% eine geringere. mit dem Ziel, weitere Headquarters anzusie-
deln, weil davon ausgegangen werden kann,
200% dass unternehmerische Aktivitäten in F&E,
Anzahl Unternehmen
Ausgründungen und junge Unternehmen
durch die Anwesenheit von Headquarters
sehr belebt werden. Ein wichtiger Aspekt
150%
dabei ist auch das Standortmarketing. Der
F&E Ausgaben Forschungs- und Entwicklungsstandort
Österreich wird als hervorragend erachtet und
100% darf international nicht unterbewertet bleiben.
Er muss sich über seine Leistungen darstellen.
Anzahl Beschäftigte
Nach der in den Round-Table Diskussionen
Umsatz geäußerten Meinung der zum Teil auch
50%
ausländischen Expertinnen und Experten kann
sich der Forschungscluster Wien in seiner
wissenschaftlichen Reputation durchaus mit
0% z.B. Cambridge messen, was allerdings nicht
2010 2012 2014 weitläufig bekannt ist. Ein geeignetes Marke-
ting muss die hervorragenden Bedingungen
Quelle: AWS (2015): Life Science Report Austria 2015
des Standortes klar aufzeigen.

Notwendig für einen erfolgreichen Standort


Die Herausforderungen ist gegenwärtig auch die Identifikation von
impraktikablen Rahmenbedingungen und
Hoher Kapitalbedarf und lange “time-to-mar- die Beseitigung administrativer Hürden bei
ket” Zeiten stellen in den Life Sciences sowohl Unternehmensgründungen.
an potenzielle Gründer als auch an etablierte
Unternehmen nach wie vor besondere Anfor- 2 EY (2016): Beyond borders. Biotechnology Report 2016

76 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
UNTERNEHMEN

Die Maßnahmen
Viele der möglichen Maßnahmen sind durch die Umsetzung der „Land der Gründer“-­
Strategie abgedeckt, die Umsetzung einiger dieser Maßnahmen wurden zuletzt durch
den Ministerratsbeschluss vom 5. 7. 2016 eingeleitet. Bezüglich der Life Sciences stehen
­folgende Aspekte im Vordergrund:

M 16

Mittelstands- und Gründerfonds, ­Business Angels Fonds sollen zur Kapitalmarkt­


stärkung bekannt­gemacht und herangezogen werden.

M 17

Hebung der Standortattraktivität für Headquarters durch bessere Be­werbung österrei­


chischer Forschungserfolge und Innovationen im Ausland.

M 18

Ausbau und Stärkung des Standort­marketing LISA; Sichtbarmachung des Start-Up


Potenzials durch ­Wettbewerbe.

M 19

Einführung von Verwaltungsverein­fachungen generell und bei Unternehmensgründ­


ungen unterstützt durch den Einsatz einer gemischten Arbeitsgruppe (Stakeholder,
Sozial­partner und Ministerien), die Vorschläge aus der Praxis der Branche erarbeitet.

M 20

Evaluierung der Forschungsprämie: Wirkungseffizienz, Prozessverbesserung und


­Planbarkeit.

77
H A N D LU N G S F E L D

3.8. Produktion
und Markt
DAS ZIEL: Die Inlandsproduktion durch verbesserte
Rahmenbedingungen stärken.

78 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage meist auf langer Tradition, auf der auch sehr
gut weiter aufgebaut werden kann.
Aufgrund der strukturellen Besonderheiten
der österreichischen Life Sciences Industrie Die größten Produktionsstandorte mit bio­
ist die Optimierung des Faktors Produktion pharmazeutischen Produktionsanlagen und
von größter Wichtigkeit. Ein stabiles Markt­ Fertigungsproduktion renommierter inter-
umfeld und Planungssicherheit sind nötige nationaler Konzerne sind Tirol und Wien, an
Voraussetzungen für den Erhalt und Ausbau solchen Standorten finden alle Prozesse der
von Produktionsstätten der Arzneimittel- und Wirkstoffentwicklung und -produktion bis zur
Medizinprodukteerzeugung. Zudem wird der Abfüllung, Verpackung und Logistik statt. Im
Heimmarkt für produzierende Unternehmen Bio-Pharmasektor trifft dies insbesondere auf
immer auch als wesentlicher Referenzmarkt die Produktion von Biologicals und Biosimilars
wahrgenommen, auf den im Export Bezug zu, in die laufend hohe und langfristige Investi-
genommen wird, der aber auch maßgeblich für tionen getätigt werden, wodurch Arbeitsplätze
Investitionsentscheidungen ist. erhalten, aber auch ständig neue, hochqualifi-
zierte Arbeitsplätze geschaffen werden.
Die Weiterentwicklung der österreichischen
Life Sciences Industrie zu einer reiferen und Im Medizinproduktesektor findet eine Spezia-
auch vermehrt durch Produktion getragenen lisierung auf ausgewählte (Hochtechnologie-)
Industriesparte ist eines der Hauptanliegen Produktionsbereiche statt, in denen aufgrund
des globalen preislichen Konkurrenzkampfes
und des immanenten Innovationsanteiles das
größte Potenzial für den Produktionsstandort
Österreich gesehen wird. Weiteres Potenzial
Stabilität, Planungssicherheit, wird neben Nischenprodukten vor allem im
gut ausgebildete Fachkräfte Zulieferbereich (Mechatronik, IKT, Materialien)
geortet, wobei sich in Anwendungsfeldern wie
und Marktzugang sind wichti­ healthy ageing, ambient assisted living oder
ge ­Faktoren­für den pharma­ Telemedizin derzeit neue Chancen eröffnen.
zeutischen Produktionsstandort
Österreich.
Die Herausforderungen
Da Produktion ein Schlüsselelement in der
Wertschöpfungskette darstellt, müssen
der Strategie. Die Vielzahl forschungsinten- unternehmerische Rahmenbedingungen
siver Unternehmen wird auch international noch optimiert werden. Dabei gilt es, allfällige
bemerkt und stellt ein großes Potenzial für die regulatorische Hürden für die Zulassung
Zukunft dar. Wenn es den österreichischen von Produktionsstätten zu analysieren und
Unternehmen darüber hinaus gelingt, auch entsprechende Verbesserungen einzuleiten,
den Produktionsanteil vor allem durch Koope- aber auch das Zusammenspiel von Forschung
rationen mit weltweit agierenden Konzernen und Produktion zu fördern.
zu steigern, kann ein größerer Anteil der
Wertschöpfung in der österreichischen Um dem verstärkten Bedarf an höher qualifi-
Volkswirtschaft gehalten werden. zierten Arbeitskräften (Facharbeit, Mechatro-
nik, IT) gerecht zu werden, muss die Verfügbar-
Innerhalb Europas präsentiert sich Österreich keit von Arbeitskräften und deren Ausbildung
mit dem Anteil an forschungsintensiven Un- vorausblickend gesteuert und rechtzeitig
ternehmen führend, ebenso ist der Auftrags- sichergestellt werden. Die Anstellung von
forschungsanteil überdurchschnittlich groß, Nicht-EU Bürgerinnen und Bürgern gestaltet
während der Produktionsanteil die geringsten sich äußerst schwierig und ist restriktiv gere-
Werte aufweist (Abbildung 26). Produktion ist gelt, was sich v.a. für international agierende
in Österreich durchaus vorhanden und basiert Unternehmen als problematisch erweist.

79
Abbildung 26: Österreichs forschungsaktive Unternehmen
Hauptaktivitäten der europäischen Life Sciences Unternehmen als Prozentsatz der Unternehmen mit dieser
Aktivität (inklusive aller Nicht-Spezialisierungen und Doppelnennungen)

Österreich
Norwegen
Dänemark
Israel
Vereinigtes Königreich
Niederlande
Frankreich
Schweden
Schweiz
Finnland
Deutschland
Belgien
0% 20% 40% 60% 80% 100%

F&E Auftragsforschung Produktion

Quelle: KPMG in Switzerland (2015): Site Selection for Life Sciences Companies in Europe

Ebenso müssen die Prozesse der Zulassung In der Umsetzung bedeutet dies eine
von Produkten und deren rascher Markteintritt ausgewogene Gewichtung der Faktoren
sichergestellt werden, bzw. der Marktzugang Kosten, Qualität und Innovation. Aller-
zu innovativen Therapien gestärkt, und damit dings ist die Vergabe von Aufträgen für
die Signalwirkung auf ausländische Märkte für Medizinprodukte oft verzerrt, da zumeist
den Produktionsstandort Österreich genützt die Preisdimension Vorrang genießt.
werden. Dies trifft besonders für den im euro­ Durch Innovative öffentliche Beschaffung
päischen Vergleich in Österreich schlechten (IÖB) könnte manchen Herausforde-
Markteintritt von Biopharmazeutika zu. rungen im Gesundheitsbereich adäquat
begegnet werden, da hier der Faktor
Für die öffentliche Vergabe ist im Bundesver- Innovation ein integrativer Bestandteil der
gabegesetz das Bestbieterprinzip verankert. Vergabe ist.

80 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
PRODUKTION UND MARKT

Die Maßnahmen

M 21

Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot Card und in deren Rahmen die Einführung


eines Start-Up-Visums.

M 22

Verbesserung der Standortqualität für den Life Sciences Sektor durch weiteren
Bürokratieabbau (siehe auch 3.7. Unternehmen).

M 23

Initiierung eines Pilotprojekts der Innovativen öffentlichen Beschaffung für


­maßgeschneiderte Medizinprodukte (Bestbieterprinzip, Total Cost of Ownership).

M 24

Planung einer gemischten Arbeitsgruppe (Stakeholder und Ministerien) zum


­Thema „Verbesserung des Marktzuganges von Biosimilars und Biopharmazeutika“.

81
H A N D LU N G S F E L D

3.9. Dialog
Wissenschaft –
Gesellschaft
DAS ZIEL: Breite Akzeptanz der Gesellschaft für die prioritäre Bedeutung von
Wissenschaft und Forschung für Lebens- und Umweltqualität, Wohlstand
und Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Die österreichische Gesellschaft
entwickelt einen vertieften Kenntnisstand über die Life Sciences und setzt
sich mit neuen Entwicklungen kompetent und konstruktiv auseinander.

82 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
Die Ausgangslage nur informiertes Reflektieren gefördert und
neuartiges Wissen produziert, sondern auch
Wissenschaft, Forschung und Innovation unbegründete Ängste abgebaut, ein realisti­
spielen eine zentrale Rolle in Bezug auf die sches Einschätzen von mit der Forschung
technische und gesellschaftliche Weiterent- verbundenen Chancen und Risiken gefördert
wicklung und beeinflussen auf diese Weise und ganz generell das Interesse an Neuerun-
maßgeblich das Leben in der modernen gen gesteigert. Im Idealfall verbessert sich
Wissensgesellschaft. dadurch die Einschätzung der Bedeutung
und des Nutzens von Wissenschaft und
Das Wissensgefüge ist umso erfolgreicher Forschung in der individuellen Eigenwahr-
und produktiver, je stärker und selbstver- nehmung, und es stellt sich das Empfinden
ständlicher ein stetiger Dialog zwischen ein, Teil eines erfolgreichen (Innovations-)
den Beteiligten geführt wird. Das in der Systems zu sein.
Wissenschaft generierte Wissen, der Prozess
des wissenschaftlichen Arbeitens sowie Ein erfolgreicher Gesellschaftsdialog muss
der Zweck und Ablauf von Technologieent- sich unterschiedlichster Vehikel bedienen, um
wicklung sollte nicht nur der Öffentlichkeit das Zielpublikum adäquat zu erreichen, und
mitgeteilt und erklärt werden, sondern hat neben konservativen Kanälen auch vor allem
neue Medien und partizipative Instrumente
einsetzen. Zu diesem Zweck fördert das
BMWFW solche Aktivitäten bzw. kooperiert
mit einer Vielzahl von Partnerinnen und
Partnern wie Universitäten, außeruniversitären
Innovation braucht ein Klima des Forschungsträgern, Förderagenturen und
Vertrauens und stabile Partner­ Fachgesellschaften zur Umsetzung von Initi-
ativen für professionelle Wissenschaftskom-
schaften zwischen Wissenschaft munikation und inter- sowie transdisziplinäre
und Gesellschaft. Dafür ist die Interaktion.
scientific literacy der Gesell­-
Bewährte Instrumente sind beispielsweise
schaft­und die societal literacy der Verein „Open Science“ oder die „Open
der ­Wissenschaft gleichermaßen Labs“ in Wien, Graz, Linz oder Wels, die das
zu stärken. direkte Erleben von Forschung ermöglichen;
weiters die äußerst erfolgreichen Initiativen
„Lange Nacht der Forschung“, „Kinderuni“
und „Sparkling Science“ sowie das Vortrags-
und Diskussionsformat „Am Puls“ des FWF
und „Science Talk“ des BMWFW. Aber auch
auch in den jeweils passenden gesamtgesell- die 2015 gegründete Allianz für Responsible
schaftlichen Kontext eingebettet zu werden. Science, die gemeinsam mit dem FWF und
Hierbei und bei der Produktion von transdis- dem Österreichischen Austauschdienst
ziplinären Wissensbeständen können auch (OeAD) getragene Initiative „Top Citizen
interaktive und partizipative Formate, wie Science“, weitere gezielte Förderungs- und
z.B. Citizen Science oder Crowdsourcing sehr Auszeichnungsmaßnahmen für die Etablie-
nutzbringend sein. Dialog- und Kooperati- rung und Ausweitung von Citizen Science und
onsbereitschaft braucht es somit von beiden Crowdsourcing sowie die Open Innovation
Seiten, gleichermaßen von der Wissenschaft Strategie für Österreich sollen den Dialog
wie von der Gesellschaft. So werden nicht Wissenschaft – Gesellschaft in den Life

83
Sciences vertiefen Darüber hinaus ist die mehr als die Hälfte der österreichischen
bedeutende Rolle der Studierenden sowie Bevölkerung sich nicht nur nicht über Wissen-
Absolventinnen und Absolventen der Hoch- schaft informiert fühlt, sondern daran auch
schulen in der Wissenschaftskommunikation kein Interesse hat. Nur ein wesentlich kleinerer
nicht zu vernachlässigen. Anteil zeigt prinzipielles Interesse, bemängelt
aber ausreichende Informationen. Angesichts
dieser Ausgangslage sind verstärkte Bemü-
Die Herausforderungen hungen um den Dialog zwischen Wissenschaft
und Gesellschaft, um transdisziplinäre bzw.
In Österreich ist die Wissenschafts- und partizipative Wissensproduktion sowie um die
Innovationsskepsis im europäischen Vergleich Integration von Open Innovation-Prozessen
sehr stark ausgeprägt. So zeigen etwa in Forschung und technologische Entwicklung
spezielle Eurobarometer Studien1, dass etwas dringend erforderlich.

1 Special Eurobarometer 401

84 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
D I A LO G W I S S E N S C H A F T – G E S E L L S C H A F T

Die Maßnahmen

M 25

Vertiefung des Gesellschaftsdialoges durch Weiterführung von Initiativen wie


Open Science und Vienna Open Lab sowie Etablierung und Institutionalisierung
von dialogischen bzw. interaktiven Prozessen zwischen Wissenschaft und
Gesellschaft.

M 26

Integration der Gesellschaft in den Wissenschafts- und Forschungsprozess


durch entsprechende Förderungsprogramme zu Responsible Science, Citizen
Science und Crowdsourcing. Weiterentwicklung der bestehenden Auszeich­
nungsinitiativen (z.B. Citizen Science Award). Unterstützung des Aufbaus von
Forschungskompetenzen für die Anwendung von Open Innovation in der Wis­
senschaft für interessierte Forschende aus ganz Österreich.

M 27

Die Einrichtung eines Crowd Sourcing Institute for Mental Health der Ludwig
Boltzmann Gesellschaft.

85
Übersicht der Maßnahmen
Die hier gelisteten Maßnahmen werden prioritär gesetzt, um kurzfristig (1 – 2 Jahre) und mittelfristig (3 – 5 Jahre)
zur Stärkung des Forschungs- und Unternehmensstandortes in den Life Sciences beizutragen. Darüber hinaus
wurden im Strategieprozess Handlungsfelder identifiziert und Aspekte erarbeitet, die als eine wertvolle Basis für
künftige politische Entscheidungen herangezogen werden können.
Zu jeder gesetzten Maßnahme finden sich das umsetzende Ressort und die Frist der Umsetzung in Klammern
(KF: kurzfristig, MF: mittelfristig).

1. Grundlagen­forschung 2. Forschungsinfrastrukturen
Synergie- und Effizienzsteigerung in den Lehr- Sicherung der internationalen Konkurrenz­
M 1 M 3
und Forschungsstrukturen der ­österreichischen fähigkeit durch Förderung nationaler
Life Sciences Landschaft: Forschungsinfrastrukturen bzw. des Zugangs
• durch Abgleich der Studienangebote und Op- zu relevanten internationalen Forschungs­
timierung der Aufgabenverteilung zwischen infrastrukturen:
den Hochschulen im Rahmen des Prozesses • durch einen verbesserten Überblick über
„Zukunft Hochschule“, möglichen Zugang zu Forschungsinfra-
• durch Optimierung der institutionenübergrei- struktur durch die Forschungsinfrastruktur-­
fenden Kooperation in der Forschung. Datenbank des BMWFW („FI open for
collaboration“),
Die Umsetzung erfolgt insbesondere über die • durch die Sicherung des Weiterbestands
Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten der Vienna Biocenter Core Facilities,
(2019 – 2021) und der ÖAW (2018 – 2020), • durch die Entwicklung und Förderung von
sowie über den Fachhochschulentwicklungs- nationalen und regionalen Forschungsin-
plan und die bereits vertraglich vereinbarten frastrukturen soweit relevant im Rahmen
baulichen Entwicklungsmaßnahmen. der Leistungsvereinbarungen mit den
Universitäten, ÖAW und IST Austria
(BMWFW; KF bis MF)
bzw. der Hochschulraumstrukturmittel­
ausschreibungen,
Auf zukunftsträchtige Themen in der Life • durch die Beteiligung an den europäischen
M 2 Verhandlungen über die Etablierung einer
Sciences Grundlagenforschung setzen:
• durch eine den budgetären Rahmen- zukünftigen ESFRI Infrastruktur Euro-BioI-
bedingung angemessene Stärkung der maging - ERIC und Einbindung der Austrian
­kompetitiven Grundlagenforschung, Bioimaging Node Initiative in dieses europä-
• durch synergistische Nutzung des Aufbaus ische Forschungs­infrastrukturnetzwerk.
des Institute of Science and Technology
(BMWFW; KF bis MF)
Austria,
• durch die Etablierung eines Stammzellfor-
schungszentrums am Institut für Molekulare Verstärkung der synergistischen Nutzung
Biotechnologie (IMBA) / ÖAW und dessen M 4
von Forschungsinfrastrukturen in den Life
Einbettung in den österreichischen Life Sciences und Diskussion entsprechender
Sciences Forschungsraum, Betriebs- und Kostenmodelle.
• durch eine den budgetären Rahmenbedin-
gungen angemessene Schwerpunktsetzung (BMWFW; KF bis MF)
in Personalisierter Medizin, festgehalten
in den Leistungsvereinbarungen mit den
medizinischen Universitäten.

(BMWFW; KF bis MF)

86 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
3. Big Data 5. Klinische Forschung
Berücksichtigung von neuen Entwicklungen Etablierung einer gemeinsam durch BMWFW
M 5 M 10
von e-Infrastrukturen in den Life Sciences und BMGF koordinierten Arbeitsgruppe zu
und der medizinischen Forschung im Rahmen klinischen Studien unter Einbindung aller
der zukünftigen Leistungsvereinbarungen. Stakeholder zur Stärkung des klinischen
Entwicklung eines nationalen Konzepts für Forschungsstandortes Österreich (mögliche
e-Infrastrukturen in den Life Sciences und Themenschwerpunkte: Regulation, Aus-
der medizinischen Forschung durch die bildung, Vertragsgestaltung, Gebühren für
Life Sciences Community. Dieses Konzept klinische Studien, etc.).
soll die Prinzipien von Open Access und
(BMWFW, BMGF; KF)
Open Data inkludieren, die Einhaltung der
geltenden Datenschutzbestimmungen und
des jeweiligen strategischen Umgangs mit M 11 Unterstützung der Vernetzung der Koordi-
geistigem Eigentum und dessen Verwertung nationszentren für Klinische Studien (KKS-­
berücksichtigen. Zentren).
(BMWFW; KF bis MF) (BMWFW; KF bis MF)

Einbringung forschungsrelevanter Punkte in


M 6
die legistische Umsetzung der Verordnung
(EU) 2016/679 „Datenschutz-Grundverord-
nung“ auf nationaler Ebene.
(BMWFW, Federführung der ­legistischen
Umsetzung beim BKA; KF) 6. Wissenschafts-Wirtschafts­
kooperation und Translation
Prüfung einer österreichischen Mitgliedschaft
M 7 Errichtung eines Translational Research
in der ESFRI Infrastruktur ELIXIR und der M 12
Centers (TRC) mit Fokus auf medizinische
Beteiligungen an anderen europäischen und
Biotechnologie mit Ko-­Finanzierung der
internationalen Netzwerken.
Industrie.
(BMWFW; KF)
(BMWFW; KF bis MF)

Verlängerung des CDG-Partnership in


M 13
Research (CDG-PiR) Programms beim FWF.
(BMWFW; KF)

4. Personalisierte Medizin M 14
Bewerbung des geplanten Programms
„Gründungsfellowships“ für die ­akademische
Förderung einer nationalen Vernetzungsplatt- Ausgründung im Life Sciences Bereich.
M 8
form für Personalisierte Medizin.
(BMWFW; KF)
(BMWFW; KF)

Prüfung der Initiierung eines weiteren


Teilnahme des BMWFW am International M 15
M 9 Wissenstransferzentrums für innovative
Consortium for Personalized Medicine – Medizintechnologie.
IC PerMed zur Verbesserung des Alignments
von Forschungsinitiativen zu Personalisierter (BMWFW; KF)
Medizin in den EU Mitgliedsstaaten.
(BMWFW; KF)

87
7. Unternehmen M 22
Verbesserung der Standortqualität für den
Life Sciences Sektor durch weiteren Bürokra-
Viele der möglichen Maßnahmen sind durch die Um- tieabbau.
setzung der „Land der Gründer“-­Strategie abgedeckt,
(BMWFW; KF bis MF)
die Umsetzung einiger dieser Maßnahmen wurden
zuletzt durch den Ministerratsbeschluss vom 5.7.2016
eingeleitet. Bezüglich der Life Sciences stehen ­folgende Initiierung eines Pilotprojekts der Inno­
Aspekte im Vordergrund: M 23
vativen öffentlichen Beschaffung für
­maßgeschneiderte Medizinprodukte (Best­
Mittelstands- und Gründerfonds, ­Business bieterprinzip, Total Cost of Ownership).
M 16
Angels Fonds sollen zur Kapitalmarkt­stärkung
(BMWFW; KF)
bekannt­gemacht und herangezogen werden.
(BMWFW; KF bis MF)
Planung einer gemischten Arbeitsgruppe
M 24
(Stakeholder und Ministerien) zum ­Thema
Hebung der Standortattraktivität für Headquar- „Verbesserung des Marktzuganges von
M 17
ters durch bessere Be­werbung österreichischer Biosimilars und Biopharmazeutika“.
Forschungserfolge und Innovationen im Ausland.
(BMWFW; KF)
(BMWFW; KF bis MF)

Ausbau und Stärkung des Standort­marketing


M 18
LISA; Sichtbarmachung des Start-Up 9. Dialog Wissenschaft – Gesellschaft
­Potenzials durch ­Wettbewerbe.
Vertiefung des Gesellschaftsdialoges
(BMWFW; KF bis MF) M 25
durch Weiterführung von Initiativen wie
Open Science und Vienna Open Lab sowie
­Etablierung und Institutionalisierung von
Einführung von Verwaltungsverein­fachungen
M 19 dialogischen bzw. interaktiven Prozessen
generell und bei Unternehmensgründungen
zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.
unterstützt durch den Einsatz einer gemischten
Arbeitsgruppe (Stakeholder, Sozial­partner und (BMWFW; KF)
Ministerien), die Vorschläge aus der Praxis der
Branche erarbeitet.
Integration der Gesellschaft in den Wis-
(BMWFW; KF bis MF) M 26
senschafts- und Forschungsprozess durch
entsprechende Förderungsprogramme zu
Responsible Science, Citizen Science und
Evaluierung der Forschungsprämie: Wirkungs­
M 20 Crowdsourcing. Weiterentwicklung der
effizienz, Prozessverbesserung und Planbarkeit.
bestehenden Auszeichnungsinitiativen (z.B.
(BMWFW; KF) Citizen Science Award). Unterstützung des
Aufbaus von Forschungskompetenzen für
die Anwendung von Open Innovation in der
Wissenschaft für interessierte Forschende
aus ganz Österreich.
8. Produktion und Markt (BMWFW; KF bis MF)

Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot Card


M 21
und in deren Rahmen die Einführung eines Die Einrichtung eines Crowd Sourcing Insti-
M 27
Start-Up-Visums. tute for Mental Health der Ludwig Boltzmann
Gesellschaft.
(BMWFW, BMI, BMASK, BMEIA, Sozial­partner;
KF) (BMWFW; KF)

88 Z U K U N F T S S T R AT E G I E L I F E S C I E N C E S
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89
Abbildungsverzeichnis

Kapitel 1: Das Zukunftsfeld Life Sciences


Abbildung 1: Wechselwirkungen und Zielkonflikte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Abbildung 2: Die Wertschöpfungskette. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Abbildung 3: Themen- und Handlungsfelder. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

Kapitel 2: Life Sciences in Österreich


Abbildung 4: Anschluss der Forschungsquote an die Innovation Leader . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25. . . . Quelle
Abbildung 5: Wachstum der Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
Abbildung 6: Wertschöpfung und Beschäftigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Abbildung 7: Gesamtbruttowertschöpfung und Gesamtbeschäftigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Abbildung 8: Ökonomischer Gesamteffekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
Abbildung 9: Gesundheitsausgaben und Gesundheitsmarkt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32. . . . Quelle
Abbildung 10: Publikationsoutput. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33. . . . Quelle
Abbildung 11: Publikationen in internationaler Zusammenarbeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34. . . . Quelle
Abbildung 12: Top-10-Einwerberländer von ERC Grants. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Abbildung 13: Patenteinreichungen in den Sektoren Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik. . . 35. . . . Quelle
Abbildung 14: Unternehmensdichte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36. . . . Quelle
Abbildung 15: Unternehmensgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37. . . . Quelle
Abbildung 16: Finanzierung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37. . . . Quelle
Abbildung 17: Forschungsintensität. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37. . . . Quelle
Abbildung 18: Kooperations- und Translationsprogramme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
Abbildung 19: Förderungen im Life Sciences Bereich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
Abbildung 20: Schema der Arzneimittelentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40. . . . Quelle
Abbildung 21: Private und Staatliche Finanzierung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
Abbildung 22: Förderungseffekt auf die Gesamtfinanzierung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Kapitel 3: Zukunftsstrategie Life Sciences und Pharmastandort Österreich


Abbildung 23: Anträge für klinische Arzneimittelprüfungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
Abbildung 24: Christian Doppler Labors . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
Abbildung 25: Strukturvergleich Österreich und Deutschland. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
Abbildung 26: Österreichs forschungsaktive Unternehmen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80

90
Abkürzungsverzeichnis

ABCSG ���� Austrian Breast & Colorectal Cancer Study GMI


GMI ������������ Gregor Mendel Institute of Molecular Plant
Group Biology
ACIB ���������� Austrian Center of Industrial Biotechnology
ACIB IMBA �������� Institute of Molecular Biotechnology
ADSI ���������� Austrian Drug Screening Institute
ADSI IMI ��������������
Innovative Medicines Initiative (Joint
AGES ���������� Österreichische Agentur für Gesundheit und
AGES Technology Initiative)
Ernährungssicherheit GmbH IMP ������������
Institute of Molecular Pathology
AIT ��������������
Austrian Institute of Technology IP ���������������� Intellectual Property
IP
AMG ����������
Arzneimittelgesetz IST Austria Institute of Science and Technology Austria
aws ������������ Austria Wirtschaftsservice GmbH JITU ���������� Programm zur Förderung von Gründung und
AZG ������������ Arbeitszeitgesetz
AZG Arbeitszeitgesetz Aufbau innovativer Unternehmen
BASG ��������
Bundesamt für Sicherheit im KA-AZG ���� Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz
KA-AZG Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz
Gesundheitswesen KKS ������������
Koordinationszentren für Klinische Studien
BBMRI ������ Biobanks and Biomolecular Resources
BBMRI KLIF ������������ Programm Klinische Forschung
KLIF
Research Infrastructure KLIPHA ������ Förderung von Klinischen Studien der Phase I
KLIPHA
BIP �������������� Bruttoinlandsprodukt
BIP Bruttoinlandsprodukt oder Phase II
BKA ������������ Bundeskanzleramt
BKA Bundeskanzleramt KMU ������������ kleine und mittlere Unternehmen
KMU
BMASK ������ Bundesministerium für Arbeit, Soziales und
BMASK LBG ������������
Ludwig Boltzmann Gesellschaft
Konsumentenschutz LISA ���������� Life Science Austria
BMGF ��������
Bundesministerium für Gesundheit und MPG ����������
Medizinproduktegesetz
Frauen NGS ������������ Next Generation Sequencing
NGS
BMVIT �������� Bundesministerium für Verkehr, Innovation
BMVIT ÖAW ����������
Österreichische Akademie der
und Technologie Wissenschaften
BMWFW �� Bundesministerium für Wissenschaft,
BMWFW OeAD �������� Österreichische Austauschdienst
OeAD
Forschung und Wirtschaft OECD �������� Organisation for Economic Co-operation and
OECD
CBMed ������ Center for Biomarker Research in Medicine
CBMed Development
CCB ������������ Centrum für Chemie und Biomedizin
CCB PCT ������������ Patent Cooperation Treaty (Vertrag über
PCT
CDG ���������� Christian Doppler Forschungsgesellschaft die Internationale Zusammenarbeit auf dem
CeMM ������ Center for Molecular Medicine Gebiet des Patentwesens)
CMI ������������ Correlated Multimodal Imaging Plattform
CMI Pharmig ���� Verband der pharmazeutischen Industrie
Pharmig
COMET ���� Competence Centers for Excellent Österreichs
Technologies PiR �������������� Partnership in Research
PiR
DACH �������� Deutschland (D), Österreich (A) und die
DACH RCPE ���������� Research Center Pharmaceutical Engineering
RCPE
Schweiz (CH) GmbH
EFPIA ��������
European Federation of Pharmaceutical RP ���������������� EU Forschungsrahmenprogramm
RP
Industries and Associations RSA ������������ Research Studios Austria
ELIXIR �������� European life-sciences Infrastructure for
ELIXIR TRC ������������ Translational Research Center
TRC
biological Information TRP ������������
Translational Research Program
ERC ������������
European Research Council UMIT ���������� Private Universität für
UMIT
ERIC ������������ European Research Infrastructure Consortium
ERIC Gesundheitswissenschaften, Medizinische
ESFRI �������� European Strategy Forum on Research
ESFRI Informatik und Technik
Infrastructures VBCF �������� Vienna Biocenter Core Facilities GmbH
EU ���������������� Europäische Union
EU VIBT ������������ Vienna Institute of BioTechnology
VIBT
EWR ����������� Europäischer Wirtschaftsraum
EWR VRVis ���������� Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung
VRVis
F&E ������������ Forschung und Entwicklung
F&E WKO ���������� Österreichische Wirtschaftskammer
WKO
FCIO ���������� Fachverband der Chemischen Industrie
FCIO WTZ ������������ Wissenstransferzentrum
WTZ Wissenstransferzentrum
Österreichs ZME ������������ Zentrum für Medizinische
ZME
FFG ������������
Österreichische Forschungs­
Forschungs­förderungs­ Grundlagenforschung
gesellschaft mbH ZWT ������������ Zentrum für Wissens- und Technologietransfer
ZWT
FWF ���������� Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen in der Medizin
Forschung
GEN-AU �� Österreichisches Genomforschungsprogramm

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Impressum
Herausgeber
Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Stubenring 1, 1010 Wien

Grafisches Konzept, Editorial- & Informationdesign:


Christoph Almasy, Information Design Thinking
Freundgasse 13/II, 1040 Wien

Fotos
Hans Ringhofer (Portrait Mitterlehner, S. 3)
David Sailer (Portrait Mahrer, S. 3)

Druck
Schwechater Druckerei - Seyss GmbH
Hauptplatz 8, 2320 Schwechat

Für den Inhalt verantwortlich


Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Stubenring 1, 1010 Wien

Der Text wurde durchgehend nach den Richtlinien geschlechtergerechten


Formulierens erstellt.

Druck- und Satzfehler vorbehalten.

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