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Einführung

In der heutigen Präsentation erzähle ich Ihnen von einer


der berühmtesten Geschichten der Brüder Grimm – Die
Bremer Stadtmusiken. Es wurde 1819 in ihrer
berühmten Sammlung Kinder- und Hausmärchen
erstmals veröffentlicht.
Handlung
Der alte Esel soll geschlachtet werden. Deshalb flieht er und will Stadtmusikant in Bremen
werden. Unterwegs trifft er nacheinander auf einen Hund, eine Katze und einen Hahn. Die drei
sind auch schon alt und sollen auch sterben. Sie folgen dem Esel und wollen auch
Stadtmusikanten werden. Auf ihrem Weg kommen sie in einen Wald und beschließen, dort zu
übernachten. Jedoch entdecken sie dort ein Räuberhaus, erschrecken und vertreiben die
Räuber, indem sie sich vor dem Fenster aufeinanderstellen und mit lautem „Gesang“ einbrechen.
Die Tiere setzen sich an die Tafel und übernehmen das Haus als Nachtlager. Ein Räuber, der
später in der Nacht erkundet, ob das Haus wieder betreten werden kann, wird von den Tieren
nochmals und damit endgültig verjagt. Den Bremer Stadtmusikanten gefällt das Haus so gut,
dass sie nicht wieder fort wollen und dort bleiben.

Bedeutung
Die Geschichte ist dem Literaturtyp der Tierfabel verwandt und sie zeigt die Merkmale einer
Gesindeerzählung: Die Tiere entsprechen den im Dienst bei der Herrschaft alt gewordenen,
abgearbeiteten und durch den Verlust an Leistungskraft nutzlos gewordenen Knechten und Mägden.
Mit ihrem Aufbruch, ihrem Zusammenhalt und Mut schaffen sie das fast Unmögliche. Sie überlisten
die Bösen, schaffen sich ein Heim und somit ein neues Leben. Dadurch, dass jene Tierschicksale die
von Menschen widerspiegeln, werden Belange des Lebens angesprochen, die mit Rechten (von
Mensch und Tier gleichermaßen) verbunden sind. Besonders auffällig sind Parallelen zur
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Was ist das Thema im Märchen: In dieser Geschichte finden sich alle "Schwachen"
wieder die sich ausgebeutet oder unterdrückt fühlen. So erzählt das Märchen,
exemplarisch an dem Schicksal der Haustiere, wie es dem ergehen kann, der ungerecht,
undankbar und grausam über Schutzbefohlene verfügt. Es erzählt von der Revolution,
die der Schreckensherrschaft ein Ende setzt und die Gerechtigkeit wieder herstellt.

Die langen Jahre der Unterdrückung und Ausbeutung:

Das Märchen der Bremer Stadtmusikanten ist die jahrtausendjährige Geschichte der Haustiere, auf
deren Leistung der Mensch seine wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung aufgebaut hat. In den
Bremer Stadtmusikanten werden "die Haustiere" zu Persönlichkeiten mit Geschichte. Da ist der Esel,
der unverzagt die Lasten trägt, der Hund, der bei der Jagd das Wild treibt, und für das Fleisch am
Tisch sorgt, die Katze die unermüdlich die Mäuse fängt und die Speisekammern schützt und der
Hahn, der den Guten Morgen ankündigt und wie eine Uhr den Tag einteilt.

Allesamt sind alt und für die Arbeit unbrauchbar geworden. Das macht sie für den Menschen wertlos
und sie werden trotz ihrer langjährigen Leistung vom Menschen um ihr Leben bedroht. Die
ausgebeuteten Tiere werden zu "Landesflüchtigen", "Gesellen" und "Spielleuten", die dem
Menschen den Rücken kehren, und sich zum ersten Mal in der langen Geschichte der Haustiere um
ihr eigenes Geschick kümmern.

Sie sind keine wildlebenden Tiere mehr, selbst eine Übernachtung draussen im Wald ist ihnen
unbequem. Das häusliche Licht verspricht da eine bessere Herberge. Ihr Leben mit dem Menschen
hat sie zu sehr an das menschliche Haus gewöhnt.
Die Revolution, jetzt dreht sich die Geschichte um:

Die Tiere, die vorab aus Haus und Hof verjagt wurden, verjagen nun selbst den
Menschen aus Haus und Hof. Dass es Räuber sind, die an einem reichgedeckten Tisch
sitzen, weist nocheinmal auf die Eigenschaft des Stehlens, der Völlerei, und der Brutalität
des Menschen hin. Die Besitzer der Tiere, der Müller, der Jäger, die Hausfrau und Herrin,
haben sich den Tieren gegenüber wie Räuber verhalten. Wer hat ihnen denn den reich
gedeckten Tisch erwirtschaftet, wenn nicht die Tiere.
Da die Tiere sich untereinander solidarisieren, sich aufeinander stellen und ein
gemeinsames Zeichen vereinbaren, erkennt der Mensch sie nicht mehr, sondern
erschrickt durch ihre neuen Gestalt. Sie sind nicht wie gewohnt geduldig, hilflos und
dumm, sondern groß, wehrhaft und klug. Die Räuber waren nicht darauf vorbereitet, zu
lange haben sie sich in Sicherheit gewogen.
Die Haustiere nehmen den Platz des Menschen ein, sie richten sich ein, ohne Herr oder
Herrin über sich. Wie nun die Menschen/Räuber versuchen ihr Haus zurückzuerobern,
lassen sie sich abermals von den Tieren täuschen.
Das schlechte Gewissen der Räuber, ihre lebenslange Schuld die Schwachen bestohlen
und grausam behandelt zu haben, ist entscheidend für ihre Phantasien. In ihrer
Phantasie ist der Esel ein schlagendes Ungetüm, der Hund ein Mann mit Messer, die
Katze eine gräuliche Hexe und der Hahn ein unnachgiebiger Richter.

In dem bekannten Märchen der Brüder Grimm geht es um


Heimatverlust, Selbstbestimmung, Freundschaft, einen
liebevollen Umgang mit den eigenen Gebrechen und die Lust
auf gemeinsames Musizieren. Mit Mut und Zusammenhalt
trotzen die vier Flüchtenden ihrem Schicksal. Ideale Themen
für eine humorvoll neu erzählte Geschichte für Kinder ab
sechs Jahren.