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2 Flachdächer

2.1 Allgemeines
Dachflächen mit einer geringeren Neigung als 5° werden als Flachdächer bezeichnet und
erhalten anstelle einer Dachdeckung eine Da c hab d ich tun g. Abgedichtete Dächer sind in
der Regel mit Gefälle auszuführen, denn fast alle gefällelosen Dächer haben sich als nicht
dauerhaft haltbar erwiesen. Dachabdichtungen können auch für besonders beanspruchte
Stellen flachgeneigter Dächer mit Neigungen zwischen 5 und 25° in Frage kommen. Sie sind
grundsätzlich für alle Dachformen möglich und werden so besonders auch für Sonderfor-
men wie Faltwerke, Hängedächer oder kuppelartige Dächer eingesetzt.
Gegenüber geneigten Dächern mit Dachdeckungen haben Flachdächer mit Abdichtungen
eine Reihe von Vorteilen wie:
- Geringes Eigengewicht der Dachhaut,
- Erweiterte Nutzungsmöglichkeit (z. B. Dachterrassen, begrünte Flächen, Parkdecks, Auf-
stellung und leichte Zugänglichkeit für technische Aggregate),
- Belichtungsmöglichkeit für innenliegende Räume,
- Gestalterische Freiheit z. B. auch bei späterer Erweiterung.
Stahlbetonmassivplatten, Profilbleche oder Stahlbetontragwerke sind in vielen Fällen gleich-
zeitig raumabschließende obere Decke und Bestandteil einer Flachdachkonstruktion. Abge-
dichtete Flachdachflächen können jedoch auch auf flachgeneigten Holzdachkonstruktionen
aufliegen.
Wenn Flachdächer unmittelbar über Wohn- und Nutzräumen liegen, hängt es in erster Linie
vom bauphysikalisch richtigen Aufbau des Flachdaches ab, ob es auf die Dauer den erhebli-
chen Beanspruchungen durch verschiedene Außen- und Innentemperaturen, sowie aus Nie-
derschlägen und Wasserdampfdiffusion ausreichend Widerstand leisten und im Zusam-
menhang mit den übrigen Teilen des Bauwerkes das verlangte Raumklima gewährleisten
kann. Wegen ihrer engen gegenseitigen Abhängigkeit müssen daher Dachtragwerk und Auf-
bau der Dachabdichtung immer gemeinsam betrachtet werden.
Beanspruchungen
Bei der Planung von Flachdächern sind die vielfachen besonderen Beanspruchungen zu
berücksichtigen, denen die Oberfläche und die gesamte Flachdachkonstruktion zusätzlich zu
den üblichen Witterungsbeanspruchungen ausgesetzt sind:
Feuchtigkeit
Feuchtigkeit, die in Baustoffe der Unterkonstruktion oder in die Schichten des Flachdachauf-
baues, z. B. während der Bauzeit oder infolge eines falschen Flachdachaufbaues, eindringen
kann.
Temperaturbelastungen
Thermisch hoch beansprucht sind Dachabdichtungen, die der Witterungseinwirkung
unmittelbar ausgesetzt sind, also ohne Schutzschichten verlegt sind.
Thermisch mäßig beansprUCht sind Dachdichtungen, die durch Oberflächenschutz
oder durch Nutzschichten keinen hohen Aufheizungen und keinen schnellen Temperatur-
veränderungen ausgesetzt sind [171.
Temperaturbelastungen entstehen durch
- Temperaturwechsel von -20 bis +80 oe zwischen Tag/Nacht bzw. Sommer/Winter,
- gleichzeitig mögliche Temperaturgegensätze zwischen besonnten und verschatteten,
evtl. sogar vereisten Flächen,

D. Neumann et al., Baukonstruktionslehre


© B. G. Teubner Stuttgart · Leipzig 1998
212 2.1 Allgemeines

- Temperaturschocks z. B. bei Hagel nach starker Sonneneinstrahlung,


- Hitzestau in ungeschützten Abdichtungsschichten auf der darunterliegenden Wärme-
dämmung (damit verbunden u. U. Materialschwund bzw. Verwerfungen in Schaumstoff-
Wärmedämmungen).
- Temperaturbedingte Längenänderungen insbesondere der Unterkonstruktion.
Mechanische Einwirkungen
Mechanisch hoch beansprucht sind Dachabdichtungen, die flächigen Spannungen,
Bewegungen, Schwingungen oder hohen Punktlasten ausgesetzt sind. Dies ist z. B. bei einer
Anordnung über Dämmschichten, über beweglichen Unterlagen, unter begehbaren oder
befahrbaren Belägen sowie unter Dachbegrünungen der Fall.
Mechanisch m ä ß i g be ans p ru c h t sind Dachabdichtungen, die nicht gen utzt werden und
die auf einer flächig stabilen, festen Deckunterlage verlegt sind [171.
Mechanische Einwirkungen können sich ergeben aus
- Durchbiegung der Unterkonstruktion, die kritisch auch u. U. innerhalb der statisch zulässi-
gen Grenzen sein kann,
- Schwingungen und Vibrationen insbesondere bei Leichtkonstruktionen (kritisch beson-
ders an starren Dachanschlüssen und Durchdringungen wie z. B. Schächten und Schorn-
steinen),
- Gebäudebewegungen an Trennfugen, evtl. auch bei Rißbildung infolge nicht ausreichend
vorgesehener Fugen,
- Verformungen oder Unterkonstruktion infolge unterschiedlicher Setzungen, infolge von
Schwind- oder Quellvorgängen u. ä.,
- Oberflächenbeschaffenheit der Unterkonstruktion,
- Durch Baustellen- und Reparaturbetrieb.

Umweltbelastungen
- Korrosionsgefährdung der Abdichtungen durch Schmutzablagerung infolge nicht ausrei-
chender Dachentwässerung (fehlendes Gefälle oder falsche Anordnung der Dachabläufe),
verbunden mit Mikroben-, Algen- und Pflanzenwuchs,
- Chemische Belastung durch auf der Baustelle verwendete Lösungsmittel, Weichmacher,
Kleber, Farben, Lacke sowie chemisch verunreinigtes Niederschlagswasser,
- Fotochemische Einflüsse in Verbindung mit Immissionen, UV-Einstrahlung und Ozon-
bildung.
Bei der Planung muß auch die spätere einwandfreie Ausführung aller Arbeiten unter
Baustellenbedingu ngen berücksichtigt werden. Kritische Anschlußpunkte müssen gut
zugänglich sein. Durch genügend Abstand an anderen Problempunkten müssen die Vor-
aussetzungen für einwandfreie Arbeit geschaffen sein (z. B. soll zwischen Dachrändern bzw.
Wandanschlüssen und Durchdringungen für Regenabläufe, Sanitärentlüftungen u. ä. ein
Mindestabstand von 50 cm eingeplant sein).

2.1.1 Bauarten (Bauphysikalischer Aufbau)

Flachdächer können nach zwei bauphysikalisch unterschiedlichen Konstruktionsarten aus-


gebildet werden als:
- einschaliges, nicht belüftetes Flachdach, früher auch als "Warmdach" bezeichnet
(Bild 2.1),
- zweischaliges belüftetes Flachdach, früher auch als "Kaltdach" bezeichnet (Bild 2.2).